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1. Mai in Berlin

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin

Von den Maiaktionen in Berlin werden in dieser, wie immer unvollständigen Darstellung, nur einige wenige erschlossen und auch für diese werden keineswegs alle verfügbaren Quellen erschöpfend dargestellt. Außer durch seine Funktion als Hauptstadt des Deutschen Reiches und somit Ort zentraler Demonstrationen (vgl. 1.5.1916) wurde Berlin bezüglich des Ersten Mais vor allem durch das Blutbad im Wedding am 1. Mai 1929 bekannt (vgl. 1.5.1929), auf dass sich kommunistische Gruppen bei ihrer Abgrenzung von der Sozialdemokratie immer wieder berufen.

Die Berliner APO bemüht sich spätestens ab 1967 aktiv um die Gestaltung des Ersten Mais, wobei zunächst die Trotzkisten bzw. eine wichtige Rolle zu spielen scheinen (vgl. Apr. 1967, 1.5.1967), was auch für den 1. Mai 1968 gilt (vgl. Nov. 1968), allerdings haben sich mittlerweile offenbar auch die späteren Rotgardisten organisiert (vgl. Apr. 1968). Zum 1. Mai 1969 wird die Auseinandersetzung zwischen der radikalen Linken und der SEW offen ausgetragen (vgl. 18.4.1969), aber auch innerhalb der Linken gibt es Differenzen (vgl. 8.4.1969, 29.4.1969). Von der offenbar gelungenen Mobilisierung zeigen sich auch angehende DeutschlehrerInnen beeindruckt (vgl. 5.7.1969), aus dem Maikomitee 1969 geht sogar als langfristigere Organisationsform die Arbeiterkonferenz hervor (vgl. 15.3.1969, 29.3.1969, Apr. 1969, 23.11.1969).

Für den Ersten Mai 1970 bemühen sich die Spartacisten frühzeitig um die Ausrichtung der eigenen Reihen (vgl. 7.1.1970) und auch zur Agitation der Arbeiterjugend, u.a. im Druckbereich (vgl. 21.1.1970, 28.1.1970, 11.2.1970, 11.3.1970), aber auch bei Schering (vgl. 9.2.1970, 20.2.1970, Apr. 1970). Ziel der spartacistischen Rekrutierungsprojekte anlässlich des 1. Mai 1970 scheint die Rote Garde zu sein (vgl. 22.2.1970, 5.4.1970). Die Bündniserfolge der Spartacisten aber bleiben offenbar bescheiden (vgl. 3.4.1970).

Auch die Projektgruppe Elektroindustrie (PEI) aber mischt sich nun in die Maivorbereitung ein (vgl. März 1970), befleißigt sich dabei offenbar eines unerschrockenen Forschergeistes (vgl. 1.3.1970) und einer freundlichen Haltung gegenüber der Konkurrenz (vgl. 12.3.1970), zu der die Spartacisten gar nicht erst mit hinzu gerechnet werden. Mangels eines eindrucksvollen Organisationsnamens taucht die PEI dann im von ihr unterstützten Maikomitee aber zunächst nur als Betriebsgruppe Siemens auf (vgl. Apr. 1970) und erst später als PEI (vgl. 10.4.1970), enthält sich aber in der Massenpublizistik dann wieder der Namensnennung (vgl. 27.4.1970).

Gemeinsam mit der PEI agieren zum 1. Mai 1970 die Sozialistischen Betriebsgruppen Tempelhof (vgl. 27.4.1970, 29.4.1970, 30.4.1970).

Die Führungsriege des Berliner SDS allerdings bleibt ebenfalls nicht untätig, tritt zum 1. Mai 1970 nun massiv mit anspruchsvoller Publizistik an die Öffentlichkeit, sich mit dem ruhmvollen Namen der KPD schmückend, auch wenn es sich zunächst nur um eine KPD-Aufbauorganisation handelt (vgl. Apr. 1970), die dann von der KPD/ML ob ihrer Linie zum 1. Mai heftig gescholten wird (vgl. Juni 1970).

Die Maidemonstration 1970 scheint vor allem für SEW und Spartacisten zufriedenstellend verlaufen, für die ML-Gruppen dagegen weniger ermutigend. An der Organisierung der Maikampagne offenbart sich die fragwürdige Struktur der PEI und es gibt auch prinzipiellen Streit über die Propaganda zum 1. Mai (vgl. 15.5.1970, 17.5.1970).

Zum 1. Mai 1971 will sich der DGB Westberlin nun der nicht mehr kontrollierbaren Versammlungen unter freiem Himmel enthalten (vgl. Jan. 1971, 19.1.1971), was natürlich zum Protest der Linken führt, die ein Maikomitee aufbaut (vgl. 31.1.1971, 25.2.1971, 1.3.1971, 3.3.1971, 12.3.1971), welches die KPD/AO zunächst insgeheim zu sabotieren trachtet (vgl. 19.1.1971) und die IG Metall ablehnt (vgl. 2.3.1971), aber auch die IG Chemie (vgl. 26.3.1971, 26.11.1971, 2.12.1971). In den Gewerkschaften wird aber auch die Unterstützung einer Maidemonstration bzw. einer Maikundgebung unter freiem Himmel organisiert (vgl. Feb. 1971, 26.2.1971, 22.3.1971, 5.4.1971), wobei es in den gewerkschaftlichen Gruppierungen zu Fraktionsauseinandersetzungen kommt (vgl. 2.3.1971), aber auch im Maikomitee selbst (vgl. 19.3.1971).

Für die aus der PEI hervorgegangene PL/PI ist der 1. Mai 1971 in zweifacher Hinsicht ein Aderlaß, nicht nur wegen der Blutspenden (vgl. 1.3.1971), sondern vor allem auch als Anlass zur Auseinandersetzung über die Gewerkschaftsfrage, wobei dies einer der Gründe für die bald nach dem 1. Mai erfolgende Spaltung gewesen sein dürfte (vgl. März 1971). Zunächst allerdings muss die Linie der PL/PI entwickelt werden, was u.a. im "Kampfprogramm der PL/PI zum 1.Mai" (vgl. 8.3.1971) geschieht, in dem die PL/PI sich als praktisch wie politisch führender Ansatz zum proletarischen Parteiaufbau darzustellen trachtet. Dieser Anspruch wird offenbar untermauert durch selbstherrliche Aktionen (vgl. 14.3.1971).

Auch die KPD/ML-ZB beginnt früh mit der Maivorbereitung, wie u.a. von NCR, dem Siemens Gartenfeld und dem Siemens-Schaltwerk erschlossen werden kann (vgl. Feb. 1971, 26.2.1971, 12.3.1971, 15.3.1971, 22.3.1971).

Für die SEW scheint das Maikomitee seine Funktion nach der Abgeordnetenhauswahl erfüllt zu haben (vgl. 14.3.1971, 23.3.1971, 6.4.1971), neben den Demonstrationsinitiativen der PL/PI und der SEW in Neukölln bildet sich nun auch noch eine für den Wedding seitens der KPD/AO und der drei KPD/MLs heraus (vgl. 29.3.1971, Apr. 1971 14.4.1971, 16.4.1971).

Ein großer Teil der bisherigen Gruppen des gewerkschaftlichen Maikomitees orientiert sich nun ebenfalls nach Neukölln (vgl. 30.3.1971, Apr. 1971). Die KPD/AO bleibt vermutlich zunächst weitgehend allein in ihrem gewerkschaftlichen Maikomitee Westberlin 1971 (vgl. Apr. 1971, 12.4.1971, 24.4.1971), während die SEW ein weiteres solches Komitee unter gleichem Namen aufbaut (vgl. 13.4.1971). Allerdings schließen sich nun offenbar auch die drei KPD/MLs dem Maikomitee um die KPD/AO an (vgl. 16.4.1971), während die PL/PI ihre eigene Maikampagne vorantreibt (vgl. 17.4.1971, 19.4.1971, 26.4.1971) und wohl alle linken Gruppen der Stadt ihre Maiaufrufe veröffentlichen.

Für die KPD/AO ist die Maikampagne 1971 eine Gelegenheit auch ihre Beziehungen nach Westdeutschland zu pflegen, was anläßlich der beiden Veranstaltungen geschieht (vgl. 23.4.1971, 27.4.1971).

Die Spartacisten verfügen nach eigener Einschätzung offenbar über die stärkste gewerkschaftliche Verankerung für ihr Maikomitee (vgl. 29.4.1971), allerdings stellt der 1. Mai 1971 beileibe keine ausschließlich gewerkschaftliche Aktion dar, es sind vor allem auch Studenten und Schüler, die die linken Demonstrationen bevölkern. Nicht von ungefähr markiert der 1. Mai 1971 so auch für den Zentralrat der Westberliner Oberschüler (ZR) den Beginn des Zerfalls der Einheit (vgl. 23.10.1971). Die KPD/ML-ZB (vgl. 14.5.1971) und die KPD sehen sich so durch die Maikampagne gestärkt (vgl. 2.8.1971, 13.8.1971), im Gegensatz zu den Spartacisten (vgl. 20.5.1971).

Im Vorfeld des 1. Mai 1972 stehen in Westberlin die Fahrpreiserhöhungen an (vgl. 29.2.1972), aber auch die Betriebsratswahlen (BRW – vgl. 14.3.1972), während die Auseinandersetzungen in der IG Chemie um den 1. Mai 1971 weitergehen (vgl. 18.3.1972).

Wiederum gibt es Gewerkschaftliche Maikomitees sowohl von der SEW (vgl. 15.3.1972), aber auch von der KPD (vgl. 23.3.1972, 24.3.1972, 25.3.1972, Apr. 1972), die ihre Position innerhalb der Westberliner Linken im Vergleich zum 1. Mai 1971 vermutlich deutlich verbessert hat, sind doch mittlerweile sowohl die PL/PI als auch der KB/ML sowie weitere kleinere Gruppen wie die SBG Tempelhof zerfallen, während die KPD ihre Basis im Bündnisbereich vergrößern konnte (vgl. Apr. 1972, 8.4.1972, 13.4.1972, 17.4.1972, 21.4.1972). Das Maikomitee verfügt 1972 nun auch über betriebliche Maiausschüsse, wie bei KWU (vgl. Apr. 1972, 13.4.1972) und bei AEG Brunnenstraße (vgl. 10.4.1972), während der Branchenausschuß am Krankenhaus u.a. am Rudolf Virchow Krankenhaus (RVK) tätig wird (vgl. 28.4.1972, 23.8.1972).

Zur schicksalhaften Auseinandersetzung wird der 1. Mai 1972 für die KPD/ML-Neue Einheit (vgl. 30.3.1972, 5.4.1972, 12.4.1972, 25.4.1972, 26.4.1972, 27.4.1972, 29.4.1972, Mai 1972), die mit den beiden anderen KPD/MLs (vgl. 12.4.1972, 14.4.1972, 17.4.1972) und der KPD im Wedding demonstriert. Zwischen den beteiligten Gruppen gibt es dabei deutliche Differenzen (vgl. 18.4.1972, 24.4.1972, 25.4.1972, 26.4.1972), die KPD/ML-ZB und die KPD/ML-ZK gründen gar noch kurz vor dem Ersten Mai 1972 ein Zentrales Maikomitee (vgl. 24.4.1972, 30.4.1972), welches offenbar u.a. ebenfalls bei KWU aktiv wird (vgl. 28.4.1972).

Die vier konkurrierenden KPD-Ansätze demonstrieren nun am 1. Mai 1972 im Wedding. Viele kleine linke Gruppen schließen sich dagegen der SEW-Demonstration in Neukölln an. Das Georg von Rauchhaus und andere Gruppen organisieren ein Kinderfest in Kreuzberg.

Die Auseinandersetzungen zwischen der KPD/ML-Neue Einheit und der Polizei sorgen für langwierige Prozesse und den Flucht von Teilen des ZKs ins schwedische Exil (vgl. 15.5.1972). Während die KPD/ML-Neue Einheit so durch den 1. Mai 1972 nachhaltig traumatisiert wird (vgl. 23.1.1973, 26.1.1973, 7.2.1973, 9.2.1973, 14.2.1973, 26.2.1973), rühmt sich die KPD sogar mittels eines Films ihrer Maikampagne 1972 (vgl. 17.11.1972) und die KJO Spartacus organisiert bereits wieder den 1. Mai 1973 (vgl. 30.1.1973).

Die KPD scheint sich nun endgültig als stärkste Fraktion der radikalen Westberliner Linken etabliert zu haben, was sich nicht zuletzt am Umfang ihres Maikomitees zeigt (vgl. 22.2.1973, 19.3.1973), welches in der Propaganda (vgl. 2.4.1973, 17.4.1973, 24.4.1973) auch von der Partei selbst (vgl. März 1973, 6.4.1973, 10.4.1973) unterstützt wird. Für sie sind nun nur die Führer von DGB und SEW der Gegner (vgl. 2.13.1973), aber nicht mehr andere linke Gruppen. Wieder gibt es verschiedene betriebliche bzw. bereichsspezifische Maiausschüsse (vgl. März 1973, Apr. 1973, 26.3.1973, 23.4.1973, 25.4.1973), aber auch jenseits dieser wird das Maikomitee unterstützt (vgl. 29.3.1973, Apr. 1973) oder werden dessen Unterstützer aktiv (vgl. 31.3.1973, 26.4.1973). Neben dem Maikomitee der KPD aber gibt es auch das Maikomitee 73 der SEW, dessen Demonstration sich auch Spartacisten sowie andere Linke, wie die Vorläufer des KBW, anschließen (vgl. 14.4.1973), während die KPD/ML sich der KPD-Demonstration im eigenen Block anschließt. Die Rote Hilfe Westberlin und die spontaneistischen Gruppen organisieren verschiedene Kinderfeste.

Für sie sind nun nur die Führer von DGB und SEW der Gegner (vgl. 2.13.1973), aber nicht mehr andere linke Gruppen. Wieder gibt es verschiedene betriebliche bzw. bereichsspezifische Maiausschüsse (vgl. März 1973, Apr. 1973, 26.3.1973, 23.4.1973, 25.4.1973), aber auch jenseits dieser wird das Maikomitee unterstützt (vgl. 29.3.1973, Apr. 1973) oder werden dessen Unterstützer aktiv (vgl. 31.3.1973, 26.4.1973). Neben dem Maikomitee der KPD aber gibt es auch das Maikomitee 73 der SEW, dessen Demonstration sich auch Spartacisten sowie andere Linke, wie die Vorläufer des KBW, anschließen (vgl. 14.4.1973), während die KPD/ML sich der KPD-Demonstration im eigenen Block anschließt.

Das Jahr 1974 ist in dieser Darstellung zunächst von Repressionen aufgrund von Maiaktionen geprägt (vgl. Jan. 1974, 19.2.1974, 1.4.1974), ungeachtet dessen aber wird auch 1974 von den Freunden der KPD wieder ein Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter gegründet (vgl. 24.3.1974, 25.3.1974, 1.4.1974, 8.4.1974, 15.4.1974,24.4.1974), aber auch die SEW bereitet den 1. Mai 1974 vor (vgl. 8.4.1974) und natürlich auch der DGB (vgl. 15.4.1974, 22.4.1974), der zum 1. Mai 1974 gar wieder eine Demonstration durchführt, an der sich dann auch viele Linke beteiligen.

Zum 1. Mai 1975 ist die Teilnehmerzahl des Maikomitees oppositioneller Gewerkschafter der KPD zumindest bei der Gründung wieder deutlich gesunken (vgl. 2.4.1975, 7.4.1975, 21.4.1975, 28.4.1975), nicht aber unbedingt die Teilnehmerzahl bei den Aktionen, die im Zusammenhang mit denen des DGB stehen.

Auch 1976 gründet die KPD wiederum ihr eigenes Maikomitee, wobei nun keine Teilnehmerangaben mehr gemacht werden (vgl. 21.3.1976), immerhin gibt es eine gewisse Einheit mit der KPD/ML und weiteren kleineren Gruppen (vgl. 12.4.1976, 26.4.1976). Bemerkenswert ist neben den Polizeieinsätzen der offenbar deutlich gewachsene Einfluss des KB (vgl. 4.5.1976).

Im Jahr 1977 meldet die KPD für ihr Maikomitee (vgl. 27.3.1977, 4.4.1977, 11.4.1977) nun wieder über 150 Gründungsmitglieder, die anderen Gruppen der Linken aber scheinen sich mittlerweile im Vergleich zur KPD deutlich gestärkt zu haben, so dass die KPD offenbar gar unter der Hand an deren Initiative mitmacht (vgl. Apr. 1977).

Zum 1. Mai 1978 gibt es dann kein allein der KPD verbundenes Maikomitee mehr, das Gewerkschaftliche Maikomitee 1978 (vgl. März 1978, Apr. 1978) ist vielmehr ein breiter Zusammenschluss von linken Gruppen und Basisinitiativen unter Einschluss von u.a. KB und KPD, deckt also bereits das Spektrum der Alternativen Liste (AL) weitgehend ab. Die AL gestaltet dann, bis zum vorläufigen Abschluss dieser Darstellung, auch die folgenden Maiaktionen wesentlich mit (vgl. 1.5.1979, 1.5.1981), an denen sich aber natürlich auch weiterhin ML-Gruppen initiativ beteiligen (vgl. 1.5.1980).

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

01.05.1916:
Für die KPD (vgl. 17.5.1972) berichtet ein alter Genosse aus der revolutionären Jugendbewegung (vgl. 23.4.1916, Berlin 1.5..1916):"
Für den 1.Mai 1916 bereiteten wir eine Antikriegsdemonstration vor. Ein Maiaufruf zu dieser Demonstration wurde im ganzen Reich verbreitet."
Quelle: Rote Fahne Nr.43,Dortmund 17.5.1972,S.8

01.05.1916:
Die OG Frankfurt der KPD/ML-ZK berichtet bei Samson (IGM-Bereich - vgl.
Apr. 1971) vom 1.Mai 1916 (vgl. 1.5.1890, Berlin 1.5.1929):"
Im ersten Weltkrieg trieben SPD und Gewerkschaften die Arbeiter dem Imperialismus als Kanonenfutter zu. Am 1.Mai 1916 demonstrierten in Berlin zehntausende revolutionärer Arbeiter unter Führung von Karl Liebknecht gegen diesen Krieg. Die Gewerkschaften unterstützten das Demonstrationsverbot der Regierung."

Der RJVD des KABD (vgl. Jan. 1974) berichtet über Karl Liebknecht (vgl. 1907, Juni 1916):
1.Mai 1916. Seit 1914 tobte der Erste Weltkrieg, angezettelt von den Imperialisten, die neue Märkte an sich reißen wollten. Millionen verbluteten auf den Schlachtfeldern Europas. 'Wer gegen den Krieg ist, erscheint am 1. Mai. Abends acht Uhr Potsdamer Platz Berlin.' So hieß es auf Handzetteln und Flugblättern, die die Spartakusgruppe - Karl Liebknecht war einer ihrer Führer - am 1.Mai 1916 verteilte. Und Tausende kamen. Karl Liebknecht ließ sich nicht davon abhalten - Polizei und Spitzel waren zahlreich anwesend – in die Menschenmenge zu rufen: 'Nieder mit der Regierung! Nieder mit dem Krieg!' Prompt wurde Karl Liebknecht von der Polizei festgenommen."

Für die KPD (vgl. 17.5.1972) berichtet ein alter Genosse aus der revolutionären Jugendbewegung (vgl. 1.5.1916, Braunschweig 1.5.1916):"
In Berlin demonstrierten am diesem Mai 10 000 Arbeiter. …

Karl Liebknecht wurde an diesem ersten Mai verhaftet, viele Führer der oppositionellen Arbeiterjugend wurden zu Himmelfahrtskommandos eingezogen. Ich selbst wurde am 1.August 1916 nach Verdun abkommandiert. Aber in meinem Gepäck trug ich bei mir die erste Nummer der 'Freien Jugend'. Trotz aller Schwierigkeiten, trotz Spitzel- und Polizeiapparat, war der Weg der revolutionären Proletarierjugend nicht aufzuhalten."
Q: Rebell Nr.1,Tübingen Jan. 1974,S.9; Roter Metaller Samson Nr.3,Frankfurt Apr. 1971,S.4; Rote Fahne Nr.43,Dortmund 17.5.1972,S.8

01.05.1929:
Der KJVD der KPD/ML-ZB (vgl. Apr. 1971) berichtet von Ernst Thälmann (vgl. 1.5.1929, März 1933):"
1.MAI 1929
BERLINER ARBEITER GEGEN DEN ZÖRGIEBEL-STAAT

In Berlin führten die Arbeiter einen heldenhaften Kampf, der sich von einem Kampf um das Recht auf den 1.Mai zu einem Kampf gegen die ganze Gewalt des bürgerlichen Staates entwickelte. 33 Arbeiter und Arbeiterinnen verloren dabei durch die Kugeln der Soldaten des SPD-Polizeipräsidenten Zörgiebel ihr Leben."

Die OG Frankfurt der KPD/ML-ZK berichtet bei Samson (IGM-Bereich - vgl. Apr. 1971) vom 1.5.1929 (vgl. 1.5.1916, 1.5.1933) aus Berlin:"
Am 1.Mai 1929 erließ der sozialdemokratische Berliner Polizeipräsident (Zörgiebel - SPD,d.Vf.) ein Demonstrationsverbot. Die Berliner Arbeiterklasse ließ sich nicht einschüchtern. Sie schrieb den Kampf gegen Ausbeutung, Hunger und Faschismus auf ihre Fahnen. Die Sozialdemokratie ließ schießen. 38 Arbeiter bezahlten mit ihrem Leben."

Die Marxisten-Leninisten (ML) Dortmund (vgl. 13.11.1972) berichten über die SPD, "ihre Führer schämten sich aber nicht, beim 1.Mai 1929 die Berliner Arbeiter niederzuschießen, dann aber beim nationalsozialistischen 1.Mai 1933 mitzumachen".

Laut dem Kommunistischen Jugendbund (KJB) Freiburg des BKA (vgl. 18.4.1972), ließ Zörgiebel am 1.Mai 1929 in die versammelten Arbeiter schießen, bei diesem Blutbad wurden 33 Männer und Frauen ermordet."

Die KPD, Büro Bielefeld (vgl. 2.6.1975), berichtet:"
Erschießung von 31 Arbeitern am 1.Mai 1929 durch Severingpolizei".
Q: Kommunistische Jugendzeitung Nr.5,Freiburg 18.4.1972,S.2; Der Kampf der Arbeiterjugend Nr.4,Bochum Apr. 1971,S.7; Die Rote Front Nr.3,Dortmund Nov. 1972,S.5; Roter Metaller Samson Nr.3,Frankfurt Apr. 1971,S.4; KPD-Büro Bielefeld:Severing - Arbeitermörder!,Bielefeld o.J. (Juni 1975),S.2

April 1967:
In der Westberliner TU wird, laut 'BED', Anfang April ein Initiativkomitee der Außerparlamentarischen Opposition zur Vorbereitung des 1. Mai gegründet. Ihm schließen sich die Basisgruppen Wedding, Zehlendorf, Spandau, Tegel, Siemens, Wilmersdorf sowie SJD - Die Falken der SPD, Sektion Politische Ökonomie, Arbeitskreis Agitprop im RC, RC Westberlin, Justizkampagne, Zentralrat der Kinderläden, Sozialistischer Club Neukölln, Koordinierungsgruppe 1. Mai und der Initiativausschuß für eine rev. Jugendorganisation (IAferJO) Spartacus an. Ziel ist die Gründung eines Mai-Komitees.
Q: Berliner Extradienst Nr.28,Berlin ***1969,S.1

01.05.1967:
In Berlin wird, laut deutscher Sektion des Vereinigten Sekretariats (VS) der Vierten Internationale, eine selbständige Maikundgebung in der neuen Welt mit 3 000 Besuchern auf ihre Initiative hin organisiert.
Q: VS-deutsche Sektion-ZR:Rundbrief Nr.5,o.O. Nov. 1968

April 1968:
In Berlin erscheint vermutlich im April ein Flugblatt "Lehrlinge" welches zur Maidemonstration in Neukölln aufruft und von Alf Böhmert, Ezra Gerhardt, Simon Kleebauer, Michael Witte und Norbert Deutschmann unterzeichnet ist.
Q: Alf Böhmert, Ezra Gerhardt, Simon Kleebauer, Michael Witte und Norbert Deutschmann:Lehrlinge,o. O. o. J.

Berlin_Schuelerbewegung_Lehrlinge


April 1968:
In Berlin erscheint vermutlich im April ein Flugblatt "Was bedeutet der 1.Mai in Berlin?" welches die Schüler zur Maidemonstration in Neukölln aufruft und von Alf Böhmert, Ezra Gerhardt, Simon Kleebauer, Michael Witte und Norbert Deutschmann unterzeichnet ist.
Q: Alf Böhmert, Ezra Gerhardt, Simon Kleebauer, Michael Witte und Norbert Deutschmann:Was bedeutet der 1.Mai in Berlin,o. O. o. J.

Berlin_Schuelerbewegung_Erster_Mai_in_Berlin


April 1968:
In Berlin erscheint vermutlich im April ein anonymes Flugblatt mit dem Aufruf zum 1.Mai und dem Mailied von Klaus Schütz, welches von Farbe und Format her bereits an spätere Rote Garde Flugblätter erinnert.
Q: Heraus zur ersten oppositionellen Maikundgebung,O. O. O. J.

Berlin_Schuelerbewegung_Oppositionelle_Maikundgebung_S_2

Berlin_Schuelerbewegung_Oppositionelle_Maikundgebung_S_2


April 1968:
In Berlin erscheint ein Flugblatt des Aktionskreis Schülerselbsthilfe (ASH) mit dem Aufruf zum 1.Mai.
Q: ASH:Aufruf 1,O. O. April 1968

Berlin_Schuelerbewegung_ASH_1968_April_Aufruf


30.04.1968:
Zur Vorbereitung der 1. Mai-Demonstration in Berlin findet, laut 'BED', ein Kongreß mit dem Thema "Die Lage der Wirtschaft in Berlin" statt. An diesem Kongreß nehmen Gruppen teil, die auch den 1. Mai in Berlin vorbereiten: GSG, Falken, Arbeitsgemeinschaft linker Jungsozialisten in der SPD, Gewerkschaftlicher Arbeitskreis im Republikanischen Club, Sozialistischer Club Neukölln, Gruppe Nordwest (Wedding), SDS, Sozialistisches Maikomitee 1968 Westberlin.
Q: Berliner Extra Dienst Nr.26,Berlin 1968,S.1f

01.05.1968:
Auf der Mai-Demonstration des Sozialistischen Mai-Komitees 1968 Westberlin sprechen u.a. auf der Abschlußkundgebung: Giacomo Feltrinelli (Mailand), Bernd Rabehl (SDS), Heinz Beinert (Falken). Getragen wird die Demonstration u.a. auch von der Basisgruppe Spandau. Der 'Rote Morgen' berichtet:"
Während sich vor dem alten Reichstag Ausbeuter und Ausgebeutete zu einer regierungsoffiziellen Mai-Feier vereinten, demonstrierten mehr als 30 000 Menschen mit hundert roten Fahnen sowie Bildern von Lenin und Mao Tsetung durch die Straßen der Arbeiterviertel Neukölln und Kreuzberg. Immer wieder stimmten die Zehntausende die Internationale an."

Auch laut deutscher Sektion des Vereinigten Sekretariats (VS) der Vierten Internationale, beteiligen sich 30 000 an der Demonstration des durch die eigenen Initiative gebildeten Sozialistischen Maikomitees 1968. Alle drei Gewerkschaftsredner seien von der Sektion gestellt worden. Das Maikomitee ging dann in ein APO-ZK auf.
Q: VS-deutsche Sektion-ZR:Rundbrief Nr.5,o.O. Nov. 1968; KPD-ZK:Vorwärts im Kampf um die Einheit der Marxisten-Leninisten.,Köln 1975,S.233; Roter Morgen,Hamburg Mai 1968,S.7; Berliner Extra Dienst Nr.35,Berlin ***1968,S.1; Der lange Marsch Nr.11,Berlin 1974,S.14

November 1968:
Innerhalb der deutschen Sektion des Vereinigten Sekretariats (VS) der Vierten Internationale erscheint der 'Rundbrief' der Zentralredaktion Nr.5 (vgl. 1.8.1968, Dez. 1968) mit einem Brief eines Mitgliedes der Gruppe Berlin 1 (B1).
Die deutsche Sektion habe in Berlin die beiden letzten Maikundgebungen, sowie Großveranstaltungen zur großen Koalition (vgl. Nov. 1966) und zum 50.Jahrestag der Oktoberrevolution (vgl. Okt. 1967) mitorganisiert und sei durch zwei Personen im APO-ZK vertreten, welches aus dem Sozialistischen Maikomitee 1968 entstand.
Q: VS-deutsche Sektion-ZR:Rundbrief Nr.5,o.O. Nov. 1968

15.03.1969:
In Berlin treffen sich im Rahmen der Vorbereitung des 1. Mai erstmals die innerhalb der Basisgruppen organisierten Arbeiter zu einem zweitägigen Schulungsseminar und beschließen, sich zukünftig vierzehntäglich zu versammeln (vgl. 29.3.1969), was der Ursprung der Arbeiterkonferenz sein dürfte. Der Kontakt läuft über Hugo Brentzel.
Quelle: Apopress Nr.7,Hamburg 21.4.1969,S.5

APO_Press_Hamburg030

APO_Press_Hamburg031


29.03.1969:
In Berlin wollen sich die innerhalb der Basisgruppen organisierten Arbeiter erneut zu einem zweitägigen Schulungsseminar treffen (vgl. 15.3.1969).
Q: Apopress Nr.7,Hamburg 21.4.1969,S.5

27.03.1969:
In Berlin erscheint die 'Agit 883' Nr.7 (vgl. 20.3.1969, 3.4.1969). Eingegangen wird auch auf den 1. Mai.
Q: Agit 883 Nr.7,Berlin 27.3.1969

April 1969:
In Berlin berichtet die marxistisch-leninistische Fraktion der Arbeiterkonferenz (vgl. 26.11.1969) vermutlich aus dem April von der Arbeiterkonferenz (vgl. 12.7.1969):"
Der Entstehung der Arbeiterkonferenz gingen Diskussionen mehrerer Arbeiter voraus, die sich im damaligen Maikomitee (MK,d.Vf.) trafen. Unzufrieden mit ihrer Situation als Arbeiter in den Betriebs- und Basisgruppen und im Maikomitee beschlossen sie, ein Forum aller in der 'linken Bewegung' arbeitenden proletarischen Genossen einzurichten. Dort sollten die Arbeiter sich selbst artikulieren und ohne Studenten einen eigenen Standpunkt in der Bewegung zu entwickeln. Die Unzufriedenheit der meisten proletarischen Genossen beruhte auf dem Abhängigkeitsverhältnis zu den Studenten in den einzelnen Gruppen und Gremien. Der Grund dafür war die theoretische Rückständigkeit der Arbeiter und daß sie in der Minderheit waren. Anstatt Maßnahmen zur Beseitigung dieser theoretischen Kluft zu ergreifen, bauten die Studenten ihre Vormachtstellung aus und benutzten die Arbeiter in den Gremien als Alibi. Die Arbeiter waren so in die Konsumentenrolle gedrängt."
Q: ML-Fraktion der Arbeiterkonferenz: Die Situation der Arbeiterkonferenz,o.O. (Berlin) o.J. (1969),S.1

01.04.1969:
In der Westberliner TU wird, laut BED, Anfang April ein Initiativkomitee der Außerparlamentarischen Opposition zur Vorbereitung des 1.Mai gegründet. Dem Initiativausschuss schließen sich die Basisgruppen Wedding, Zehlendorf, Spandau, Tegel, Siemens, Wilmersdorf sowie die SJD - Die Falken der SPD Westberlin, der Sektion Politische Ökonomie, der Arbeitskreis Agitprop im RC, der RC Westberlin, die Justizkampagne, der Zentralrat der Kinderläden, der Sozialistische Club (SC) Neukölln, die Koordinierungsgruppe 1.Mai und der Initiativausschuß für eine rev. Jugendorganisation (IAfeRJO) Spartacus an. Ziel ist die Gründung eines Mai-Komitees.
Q: Berliner Extra Dienst Nr.28,Berlin ****1969,S.1

05.04.1969:
In Berlin verfaßt Spartacus - IAfeKJO einen Offenen Brief an das 1.Maikomitee der Basisgruppen und anderer Gruppen, die FDJ-W und SEW, die RG und die SJD.
Q: Spartacus - IAfeKJO:Offener Brief 5.4.69,Berlin 5.4.1969

08.04.1969:
In einem Rundschreiben der Berliner Gruppe Spartacus - IAfeKJO wird u.a. bekanntgegeben, daß man auf der 1.Sitzung des Maikomitees bereits ausgezogen sei, da das Maikomitee Träger der Kampagne der Basisgruppen sei.
Q: Spartacus - IAfeKJO:Rundschreiben 8.4.69,Berlin 8.4.1969

18.04.1969:
Das Berliner Sozialistische Maikomitee verabschiedet, laut 'RPK', anläßlich der Mai-Kampagne einen "Brief an die SEW", in dem es mehrere Kritiken an den politischen Vorstellungen der SEW formuliert. U.a. wird erklärt:"
Wir schlagen deshalb der SEW vor, die unterschiedlichen politischen Strategien in einer Veranstaltung spätestens acht Tage vor dem 1. Mai öffentlich zu klären und ein gemeinsames Vorgehen zum 1. Mai vom Ergebnis dieser Veranstaltung abhängig zu machen. Das Generalthema soll lauten: Zur Dialektik von Reform und Revolution im revolutionären Prozeß." Der "Brief an die SEW" ist von Tilman Fichter, Hans Jürgen Grune, Jürgen Horlemann, Dietrich Kreidt, Peter Neitzke, Bernd Rabehl, Christian Semler und Dieter Sturm unterzeichnet.
Q: Rote Pressekorrespondenz Nr.9,Berlin 1969,S.2

27.04.1969:
Die RG Westberlin führt im Audimax der TU eine Maiveranstaltung für Lehrlinge unter dem Motto 'Organisiert die Kapitalistenklasse bekämpfen!' durch.

Laut Spartacus - IAfeKJO führen Basisgruppen und Infi eine Lehrlingsveranstaltung zum 1.Mai durch.
Q: Spartacus - IAfeKJO:***Flugblatt zum 1.5.,Berlin 30.4.1969; Rote Garde - Marxistisch-leninistische Jugendorganisation Nr.3 Ausgabe für Lehrlinge, Haupt- und Realschüler, Berlin o.j. (1969)

29.04.1969:
In Berlin erscheint das 'RC-Bulletin' Nr.7/69 (vgl. 3.4.1969), in dem sich u.a Rudi Schmidt über die Maikampagne äußert:"
Zum ersten Mal wird es in Westberlin drei Kundgebungen aus gleichem Anlaß geben. … Als zentrale agitatorische Kategorie galt die 'Arbeiterkontrolle', die scharf gegen das Mitbestimmungskonzept der Gewerkschaften abgesetzt wurde. Hieran entzündete sich auch der erste Streit zwischen dem Sozialistischen Maikomitee der Basisgruppen und der SEW. Die SEW ließ erkennen, daß sie ihre eigene Kampagne mit dem Mitbestimmungskonzept führen wolle, und daß sie darüber nicht zu verhandeln gedächte; einzig die gemeinsame Demonstration und die Kundgebung waren für sie von Interesse. … Für sie war die APO eine ideale Rekrutierungsbasis - mehr ist sie für die SEW nie gewesen! Dabei vermied sie entschlossen jede Debatte über ihre Grundposition im Kampf gegen die kapitalistische Gesellschaft".
Q: RC-Bulletin Nr.7,Berlin 29.4.1969

30.04.1969:
In der 'RPK' heißt es zur Maikampagne u.a.:"
Wichtigstes Resultat der gemeinsamen Arbeit war die Vorbereitung und Durchführung der Großveranstaltung in der Hasenheide vom 30.4.1969, in deren Verlauf Sprecher fast aller Gruppen zum ersten Male ihre Vorstellungen zur Lösung der Organisationsfrage öffentlich erörterten."
U.a. ist an dem Treffen in der Hasenheide und am 1. Mai auch die Westberliner Rote Garde (RG) beteiligt.
Q: Rote Pressekorrespondenz Nr.12,Berlin 1969

30.04.1969:
Die RG Westberlin führt für Schüler ebenfalls eine Veranstaltung durch, unter dem selben Motto und am selben Ort wie am 27.4.1969 .
Q: Rote Garde - Marxistisch-leninistische Jugendorganisation Nr.3 beide Ausgaben,Berlin o.J. (1969); Spartacus - IAfeKJO:Protokoll der Plenumssitzung vom 12.4.,Berlin 12.4.1969

01.05.1969:
In Berlin gibt es heute, laut RJ/ML, drei Demonstrationen. Neben Aktionen von Senat und SEW habe die Apo einen Zug von 6 000 Leuten organisiert. Mehr als 8 000 Lehrlinge, Jungarbeiter, Schüler und Studenten beteiligen sich, laut 'RPK', an der "Sozialistischen Mai-Demonstration" im Wedding. Ihre "Mailosung" lautet u.a.: "Lieber getrennt siegen, als vereint mit der SEW untergehen". Mit dieser Demonstration findet erstmals am 1.Mai eine bewußte Abgrenzung von der Politik der SEW statt. Waren noch etwa 40 000 Menschen an der 1.-Mai-Demonstration 1968 beteiligt, so kommt es jetzt erstmals zu zwei linken Demonstrationen in Berlin. Der Landesverband der SJD - Die Falken rief die Mitglieder seiner Organisation dazu auf, am 1. Mai zusammen mit den Lehrlingen, jungen Arbeitern, Schülern und Studenten von Moabit zum Wedding zu demonstrieren.
Q: Rote Pressekorrespondenz Nr.11 und 12,Berlin 1969; Rebell Nr.9,Mannheim Mai 1969

01.05.1969:
In Berlin verteilte die Schülergruppe Südwest von Spartacus - IAfeKJO, nach einem internen Bericht, zur Vorbereitung des 1.Mai 5 Flugblätter an 12 Schulen.
Q: Spartacus - IAfeKJO:Die Arbeit der Schülergruppe SW,Berlin o.J. (1969)

05.07.1969:
Die Rote Zelle Germanistik (Rotzeg) konstituiert sich an der FU in Berlin vermutlich an diesem Wochenende (vgl. 8.7.1969) als erste Rote Zelle. Die Rotzeg (vgl. 26.11.1969) berichtet über sich selbst (vgl. Jan. 1969, Aug. 1969) u.a.:"
Die Rotzeg-Gründung fand in einer Situation statt, in der die Arbeit der Basisgruppen gut voranzuschreiten schien (vgl. die Streiks bei ARWA (GTB-Bereich - vgl. 23.6.1969,d.Vf.), die Aktionen bei Gillette (IGM-Bereich - vgl. S2.*.1969,d.Vf.)), die Gründung des SALZ (vgl. S2.*.1969,d.Vf.), die über eine Studentendemonstration weit hinausgehende Mobilisierung bei der 1.Mai Demonstration etc.). Die sinnvollste Unterstützung der Basisarbeit schien uns nicht das individuelle Abwandern in die Basisgruppen, sondern die organisierte Eröffnung einer neuen Front, die Forcierung des Kampfes im Erziehungssektor zu sein."
Q: Rotzeg:Bericht der Roten Zelle Germanistik,o.O. (Berlin) o.J. (1969),S.1f

23.11.1969:
Auf einer Beiratssitzung (Beiratskonferenz) der 'RPK' beschließt dieser, die "Arbeitskonferenz zur Neubestimmung der Linie der RPK um eine Woche auf den 6. und 7.12. zu verschieben". Der Beirat beschließt weiter, "einen Artikel der ML-Fraktion zur Organisationsfrage erst nach Abschluß der Arbeitskonferenz vom 6./7. Dezember zu veröffentlichen" (vgl. 24.11.1969).

In dem Artikel "Die Marxistisch-Leninistische Organisation in Angriff nehmen", an dem sich der RPK-Streit entzündet, wird von folgender Situation ausgegangen:
(1) Das Scheitern, die Arbeiterkonferenz zur zentralen Organisation der Arbeiter zu machen. Es sei hinzugefügt, daß der Entstehung der Arbeiterkonferenz Diskussionen im Mai-Komitee 1969 vorangingen. Die Diskussion ergab als Konsequenz die Einrichtung eines "Forums aller in der linken Bewegung arbeitenden proletarischen Genossen". An einer ersten Arbeiterkonferenz nahmen fünfzig Arbeiter aus zwölf Gruppen teil. Eine Übereinstimmung in Fragen verbindlicher Arbeit kam nicht zustande."
Q: RPK-Redaktion:Den Kampf zweier Linien führen,Berlin 1969; ML Westberlins:Die Marxistisch-Leninistische Organisation in Angriff nehmen,Berlin 1969; Rote Pressekorrespondenz Nr.41,Berlin 28.11.1969

07.01.1970:
In Berlin führt Spartacus - IAfeKJO sein 15. Plenum (vgl. 21.12.1969, 5.4.1970) durch. Auf dem Plenum wird vermutlich ein Papier der Bezirksgruppe West über die Bedeutung der Maikampagne und die Perspektive des eigenständigen Gewerkschaftsjugendsektors (EGJS), den es aufzubauen gelte, diskutiert.
Q: Spartacus - IAfeKJO-Bezirksgruppe West:Die Perspektive des EGJS und die Bedeutung der diesjährigen Maikampagne für Spartacus,Berlin o.J. (1970); Spartacus-IAfeKJO Berlin:Bericht der Projektgruppe Druck und Papier,o.O. o.J. (1970)

21.01.1970:
Innerhalb von Spartacus-IAfeKJO Berlin berichtet die Projektgruppe Druck und Papier (vgl. 16.1.1970, 28.1.1970) über die Zentrale Gruppe (ZG) der DruPa-Jugend (vgl. 14.1.1970):"
Auf der 2. Sitzung der ZG machte der Gen. X. (Mitglied von Spartacus in der Gruppenleitung,d.Vf.) folgende Programmvorschläge, die angenommen wurden:
1. Berufsbildung für zwei Abende anhand der Kritischen Lehrlingszeitung. Gen. Y. übernahm ein Referat.
2. 1.Mai. Opposition zur Gewerkschaft (der 1.Mai ist auch Thema des nächsten Wochenendseminars). Kontakt zu anderen Gewerkschaften.
3. Jugendschutzgesetz.
4. Streikbewegung in Italien, Septemberstreiks.
5. Verhältnis zur Gewerkschaft, Analyse der Gewerkschaft.
Es erschienen nur wenig politisch unorganisierte Jugendliche zur 2. ZG-Sitzung."
Q: Spartacus-IAfeKJO Berlin:Bericht der Projektgruppe Druck und Papier,o.O. o.J. (1970)

28.01.1970:
Innerhalb von Spartacus-IAfeKJO Berlin berichtet die Projektgruppe Druck und Papier über die Zentrale Gruppe (ZG) der DruPa-Jugend (vgl. 21.1.1970, 11.2.1970) auf deren letzter Sitzung nur wenig Unorganisierte anwesend waren:"
Zur 3.ZG kamen einige mehr, es gab keine Tagesordnung - das Referat über das Berufsbildungsgesetz hätte gehalten werden müssen - jedoch man begnügte sich einen Funktionär zu wählen, den stellvertretenden Fahrtenleiter, sodann verschwanden die unpolitischen Kollegen. Zwischen den Maoisten und uns wurde übereingekommen, die Diskussion über die Haltung zur Gewerkschaft und zum ersten Mai möglichst bald auf die Tagesordnung zu setzen, und vorher im internen Kreis mit uns darüber zu sprechen. das Verhältnis der Maoisten in der DruPa zu uns ist nicht von dem motzerischen Ton bestimmt wie im Apo-Milieu. Das liegt unter anderem sicher an der Ratlosigkeit, mit der sie ihrer gewerkschaftlichen Praxis gegenüberstehen. Sie scheinen zu allgemeiner Mitarbeit bereit zu sein. Doch nach allem, was von ML und Roter Garde (der KPD/ML,d.Vf.) bekannt ist, steht dies in krassem Widerspruch zu ihrer generellen, gewerkschaftsfeindlichen Linie. Über den ersten Mai haben sie in ihren Organisationen noch nicht gesprochen. Die letzte Neuigkeit von ML ist, daß sie ihre Stellung zu den Gewerkschaften und zum 1.Mai von einer grundlegenden Klassenanalyse abhängig machen werden. Zur Zeit stehen sie auf dem Standpunkt, daß die Gewerkschaftskundgebung am 1.Mai sich nicht von einer Freiheitskundgebung unterscheiden werde. Die ML-Leute erscheinen zu den Sitzungen nie mit einem Konzept. Sie scheinen ihre politische Linie nicht zu reflektieren. Es ist sicher, daß sie ihre Entscheidung über den 1.Mai nur als ML-Fraktion, nicht als Druckerkollektiv fällen werden."
Q: Spartacus-IAfeKJO Berlin:Bericht der Projektgruppe Druck und Papier,o.O. o.J. (1970)

09.02.1970:
In Berlin verlassen, laut einem 'vorbereitenden Maikomitee innerhalb der Gewerkschaftsjugend für einen oppositionellen Gewerkschaftsjugendblock', welches zumindest von Spartacus - IAfeKJO gutwillig beobachtet wird, 90 Lehrlinge bei Schering die Betriebsversammlung und demonstrieren zur Geschäftsleitung, um die selbe Lehrlingsvergütung wie ihre Kollegen im Werk Bergkamen zu fordern.
Q: Vorbereitendes Maikomitee innerhalb der Gewerkschaftsjugend für einen oppositionellen Gewerkschaftsjugendblock:Kollegen,Berlin o.J.(1970)

11.02.1970:
Innerhalb von Spartacus-IAfeKJO Berlin wird vermutlich von der heutigen Sitzung der Zentralen Gruppe (ZG) der DruPa-Jugend (vgl. 28.1.1970, 11.3.1970) u.a. berichtet:"
In der Diskussion um die Zukunft der DruPa-Gruppe konnten nur WIR in Richtung auf den 1.Mai eine Perspektive aufweisen. Die ROTE GARDE hat noch keine 'Klassenanalyse', will aber kurzfristig ein Agitationsprogramm für die Berufsschulen vorlegen. Zum 1.Mai hat sie noch keine Linie, die RG-Genossen in der DruPa sind aber individuell sowohl gegen eine Auflösung in den Gewerkschaftsblöcken als auch gegen einen Roten 1.Mai. Die ML hat überhaupt noch keine Meinung zur Gewerkschaftsfrage."
Q: Spartacus - IAfeKJO:Protokoll Leitungssitzung 13.2.70,Berlin 13.2.1970

20.02.1970:
In Berlin wird auf der Leitungssitzung von Spartacus - IAfeKJO u.a. beschlossen ein 1.Maiflugblatt vor Schering und an der Chemie Berufsschule zu verteilen.
Spartacus - IAfeKJO:Protokoll Leitungssitzung 20.2.70,Berlin 20.2.1970

22.02.1970:
In einem Brief eines IKD-Funktionärs an ein Mitglied der GIM wird aus Berlin u.a. berichtet:"
Die Widersprüche, die wir zum Aufbrechen bringen sollten, sind gottseidank nur zu real. Ich habe Dir ja im letzten Brief ein paar Worte über den Niedergang der 'Roten Garde' (Jugendorganisation der KPD/ML,d.Vf.) geschrieben. Wir hatten völlig Recht in der Annahme, daß der 1.Mai bzw. das dahinterstehende Problem der Arbeit in den Gewerkschaften einer der wichtigsten Differenzierungspunkte bei den Ultralinks-Stalinisten sein dürfte. Die Berliner 'RG' dürfte wohl endgültig daran zugrunde gehen, daß sich eine pro-Gewerkschaftsfraktion in ihrem Inneren gebildet hat, an deren Zustandekommen wir nicht ganz unbeteiligt waren; die Anführer dieser Fraktion sind nämlich Leute, mit denen wir in der DruPa zu tun haben und die merkten, daß sie mit den vordergründigen ultralinken Argumenten der 'RG' nicht gegen uns ankamen; nun haben sie die 'RG' von ihrer sektiererischen Politik abbringen wollen und sind dabei unversehens selber auf SPARTACUS-Positionen gelandet. Wir machen uns gedämpfte Hoffnungen, diese Tendenz schlucken zu können."
Q: IKD-1 Mitglied:An …(1 GIM-Mitglied),o.O. 22.2.1970

März 1970:
Vermutlich Anfang März wird von der Berliner PEI ein Entwurf für einen Maiaufruf an die linken Gruppen zur gemeinsamen Vorbereitung des 1.Mai, der gleichzeitig Gründungsresolution eines Maikomitees sein soll, auf 5 Brennmatrizenseiten erstellt. Darin heißt es u.a., "daß der Senat sich mit seinem heruntergekommenen Mai-Konzept dieses Mal nur noch blamieren kann. Dementsprechend überließ der Senat die Mai-Veranstaltung den Gewerkschaften. Wie es besonders bei den September-Streiks erneut deutlich wurde, ist die Gewerkschaft jedoch nicht die Organisation, die den Kampf der Arbeiterklasse anführt. Die Berliner Gewerkschaften werden - wenn nicht die Teilnahme der SEW an der Gewerkschaftsdemonstration das wahre Bild etwas aufpoliert - nicht einmal den Schein einer verstärkten Hinwendung zu den Massen erwecken können. …
Welches ist der Stand der linken Bewegung?

Die linke Bewegung stützt sich einerseits auf die durch zahlreiche Kampagnen und Aktionen gegen den Staatsapparat und durch die Rebellionen in den Ausbildungsinstitutionen mobilisierte Masse der Lehrlinge, Jungarbeiter, Schüler und Studenten und auf der anderen Seite auf Studenten und Arbeiter, die sich in Basis- und Betriebsgruppen organisiert haben. Seit dem vergangenen Sommer und besonders nach den Septemberstreiks begann eine wachsende Zahl Studenten, sich in verschiedenen Gruppen organisiert an die Arbeit in der Produktionssphäre zu machen oder sich bestehenden Arbeitergruppen anzuschließen. Damit entstanden zugleich verschiedene Konzepte von Strategie und Organisation, die allesamt bisher nicht genügend durch die Praxis abgestützt sind. Ebenso konnten die Gruppen, die bisher im Produktionsbereich gearbeitet haben, keine strategischen Vorstellungen entwickeln, die sich verallgemeinern lassen.

Die nächsten Aufgaben

Der Betrieb war zwar nicht Ausgangspunkt der linken Bewegung in der BRD, für die Fortführung als sozialistische Bewegung hat er aber in Zukunft zentrale Bedeutung. Die Kämpfe im Betrieb sind die Schule für Kämpfe, die über die Betriebsebene hinausgehen. Die Arbeiterklasse wird solange nicht die führende Kraft im Klassenkampf sein können, solange sie nicht durch Aktionen in der Fabrik ihre Spaltung und ihre mangelnde Solidarität überwindet."

Die Betriebsarbeit verlange aber auch nach Aktionen in allen Lebensbereichen der Arbeiterklasse, wobei man die Schüler, Studenten etc. gut gebrauchen kann. Es solle nicht versucht werden in der Maikampagne anhand der Organisationsfrage zu fraktionieren, sondern verschiedene antirevisionistische Gruppen sollten sich gemeinsam an der inhaltlichen Erarbeitung der Kampagne beteiligen.

Auf der Grundlage dieser Resolution habe sich ein Maikomitee gegründet, welches für die Demonstration und die Veranstaltung in der Hasenheide Sorge trage, den Austausch des Agitationsmaterial der beteiligten Gruppen regele, eine zentrale Maizeitung, Kleber und einen Aufruf herausgeben werde.
Q: PEI:Aufruf zum 1.Mai (Entwurf),Berlin o.J. (1970)

März 1970:
Vermutlich Mitte März wird in Berlin ein Entwurf eines Maiaufrufes von der PEI mit teilweisen Veränderungen der Basisgruppe Spandau versehen, in dem u.a. berichtet wird, es "haben die Gruppen BG Spandau, PEI, DWM, Telefunken, Brunnenstraße, Neukölln, Tempelhof, Kreuzberg, Zehlendorf, Rote Bauarbeiter, Lehrlingstheater Rote Steine, Rotkol, Rotzök, RotzPH, SAZ, SAKO zusammen ein Maikomitee gebildet mit je zwei Delegierten (BG Spandau 4)."
Q: PEI und BG Spandau:Aufruf zum 1.Mai 1970 (Entwurf),Berlin 1970

01.03.1970:
In der Berliner PEI wird vermutlich Anfang März ein Papier "Die Kommunistische Partei des Proletariats und die korrekte Methode des Parteiaufbaus (Internes Diskussionsmaterial)" von einem Mitglied verfaßt bzw. verbreitet, in dem es u.a. heißt:"
Die Tatsache, daß sich das deutsche Proletariat im Zustande seiner jetzigen Demoralisierung, Zerschlagenheit und Zersplitterung sich augenblicklich einen Dreck um die internationalen Klassenkämpfe von Vietnam bis Harlem kümmert, hielten wir für den reinsten Ausdruck des Klassenbewußtseins."

Dies habe sich auch an der Mahlerdemonstration gezeigt:"
Sie fand ganz zu Beginn unserer Arbeit, im November vergangenen Jahres statt. Einige von uns argumentierten so: Zur Verurteilung des Genossen Mahlers sei eine militante Massenaktion vonnöten, weil wir von einer Dialektik von außerbetrieblichen Massenaktionen und innerbetrieblichen Organisationsansätzen auszugehen hätten. Weiter hätten wir davon auszugehen, daß gegen den Staatsapparat gerichtete radikale Solidaritätsaktionen wie der Tegeler Landfriedensbruch anläßlich des Teufel-Prozesses und wie die Aktion vom 4. November (1968,d.Vf.) vom Proletariat bewundert werden; daß das Proletariat aus solchen Aktionen Hoffnung schöpft und Mut für seinen Kampf. … Die Planung einer solchen radikalen Massenaktion wäre wahre Zuarbeit und Hilfe der universitären Gruppen für die in den Betrieben arbeitenden Genossen.
Gegebenenfalls hätten wir selbst eine solche Massenaktion zu initiieren. Ärgerliches Erstaunen war die Antwort anderer Genossen auf diese These: Das können wir doch gar nicht sagen, woher wissen wir das eigentlich - woher wissen wir von der mobilisierenden Bedeutung außerbetrieblicher Aktionen (als hätten wir die Massenaktion nicht zum theoretischen Fundament unserer Betriebsarbeit gemacht, und gerade auch die außerbetriebliche Massenaktion) woher wissen wir … . Nichts schienen wir mehr zu wissen - über Nacht waren wir alle Idioten geworden. Diese ewige Anbiederung an die Interessen des Proletariats, … . Immer nur von den Interessen des Proletariats redeten wir, nie von den historischen Aufgaben des Proletariats - als sei es nicht unsere verdammte historische Pflicht, das Proletariat propagandistisch und überhaupt auf jede andere Art und Weise auf die Erfüllung dieser Aufgaben vorzubereiten.

Die bizarrste Blüte trieb diese geheuchelte Unwissenheit, dieser Rechtsopportunismus, dieser Ökonomismus in den Diskussionen zum 1.Mai. Da wurde allen Ernstes vorgeschlagen, die Inhalte für die Propaganda zum Kampftag der Arbeiterklasse aus den Erfahrungen von 12 Genossen zu gewinnen, die seit 12 Monaten ziellos und zufällig ihren 8-Stundentag in einem Berliner Betrieb fristen, statt eine allseitige politische Propaganda zu entfalten."

Zur Maikampagne wird festgestellt:"
Im Vordergrund stand bei einigen nicht die Sorge um die propagandistische Linie zum Kampftag der Arbeiterklasse, sondern darum, wie der Führungsanspruch der AO zu brechen sei."
Q: PEI:Die Kommunistische Partei des Proletariats und die korrekte Methode des Parteiaufbaus (Internes Diskussionsmaterial),Berlin o.J. (1970)

11.03.1970:
In der Berliner DruPa-Jugend (vgl. 11.3.1970, 13.3.1970) trifft sich die Zentrale Gruppe (ZG) (vgl. 11.3.1970).
In Spartacus - IAfeKJO wird berichtet:"
Letzten Mittwoch konnte keine Abstimmung betreffs Mitarbeit im Mai-Komitee durchgesetzt werden. Die Entscheidung wird auf dem Wochenendseminar kurz vor dem Mai gefällt werden. Daher ist X weiterhin nur Beobachter im Mai-Komitee."
Q: Spartacus - IAfeKJO:Protokoll Leitungssitzung 15.3.70,Berlin 15.3.1970

12.03.1970:
Von der Berliner PEI-Schulungssitzung wird u.a. folgendes protokolliert:
"Es wurde gesagt, daß die augenblickliche Konkurrenz zwischen diesen vier Organisationen (KPD/AO, ML Westberlin, KPD/ML, PEI, d.Vf.) gerechtfertigt sei, weil sie zur Zeit noch keine einheitliche Linie … entwickeln könnten. Diese vier Organisationen sollten aber nicht vertikal, sondern horizontal arbeitsteilig arbeiten, …; nur gegenüber der Bevölkerung müsse ein einheitliches Auftreten, z.B. zum 1.Mai, gewährleistet sein."
Q: PEI:Protokoll der Schulungssitzung vom 12.3.70,Berlin o.J. (1970)

18.03.1970:
In Berlin wird auf der Leitungssitzung von Spartacus - IAfeKJO u.a. diskutiert. über die Arbeit im Mai-Gremium.
Q: Spartacus - IAfeKJO:Protokoll der Leitungssitzung vom 18.3.70,Berlin o.J. (1970)

April 1970:
Vermutlich Anfang April gibt in Berlin ein 'Rotes Maikomitee' einen 4-seitigen 'Aufruf zur roten 1.Mai Demonstration 1970 in Neukölln' heraus. Von dem Komitee, hinter dem sich u.a. die PEI verbirgt, wird folgende Zusammensetzung bekanntgegeben:
- Betriebsgruppen von Arwa, Daimler, DWM, Gillette, NCR, Schering, SEL, Siemens u.a.,
- Rote Kollektive Proletarische Erziehung und Schülerläden (Rotkol),
- Rote Zellen an den Universitäten und Akademien.

Durch die Beteiligung an der DGB Maifeier könne man nicht, wie die SEW glaube, etwas an der arbeiterverräterischen Politik der Gewerkschaften ändern, deshalb solle man in Neukölln und Kreuzberg demonstrieren!
Q: Rotes Maikomitee:Aufruf zur roten 1.Mai Demonstration 1970 in Neukölln,Berlin 1970

April 1970:
Vermutlich Ende April erscheint in Berlin erstmals die auf April-Mai datierte 'Kommunistische Arbeiterpresse - Ausgabe AEG-Telefunken' (KAP) der KPD/AO (vgl. 20.5.1970) und befasst sich u.a. mit dem 1.Mai, ein Aufruf erscheint auch auf Jugoslawisch.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse - Ausgabe AEG Telefunken Nr.1,Berlin April-Mai 1970

April 1970:
In Berlin erscheint die erste Nummer der 'Roten Fahne' (vgl. Mai 1970) als Organ der Stadtteilkomitees der KPD-Aufbauorganisation (KPD/AO) mit einem Aufruf zur Maiveranstaltung (vgl. 29.4.1970) und zur Demonstration am 1.Mai.
Q: Rote Fahne Nr.1,Berlin Apr.-Mai 1970

April 1970:
In Berlin gibt Spartacus - IAfeKJO die Nr.12/13 seines 'Spartacus' für April und Mai (vgl. Feb. 1970, Juni 1970) heraus. Berichtet wird aus Berlin u.a. über das Maikomitee, welches an der Berufsschule, bei Schering und im DGB LBJA vertreten sei.
Q: Spartacus Nr.12/13,Berlin Apr./Mai 1970

03.04.1970:
In Berlin wird auf der Leitungssitzung von Spartacus - IAfeKJO u.a. bekannt, daß im Maikomitee neben den eigenen Mitgliedern noch zwei Schüler der Porsche Berufsschule und einer der Bauschule sitzen.
Q: Spartacus - IAfeKJO:Protokoll Leitungssitzung 3.4.70,Berlin 3.4.1970

05.04.1970:
In Berlin findet das 16.Plenum von Spartacus - IAfeKJO (vgl. 7.1.1970, **.*.1970) statt. Zur Maivorbereitung heißt es u.a.:"
X1: In Bezug auf das Herantreten an andere POLITISCHE Organisationen sollten wir doch bedenken: Haltung der Ultralinken ist zwar unklar, jedoch FDJ (Jugendorganisation der SEW,d.Vf.) wird sich in jedem Fall am Gewerkschaftsblock beteiligen; in welcher Weise, das ist allerdings noch die Frage. Die Rote Garde (der KPD/ML,d.Vf.) ist nicht beteiligt am Roten Maikomitee (vorläufig eigenes). X2: weist hin auf Auseinandersetzung RG-Lehrlinge mit Partei (Forderung nach Absetzung der KPD/ML-Leitung)."
In einem handschriftlichen Protokoll wird noch erwähnt, daß die RG-Lehrlinge auf die Bundesversammlung der RG warten würden.
Q: Spartacus - IAfeKJO:Bericht LJAK-Metall zum 16.Plenum,Berlin o.J. (1970); Spartacus - IAfeKJO:Protokoll des 16.Spartacus-Plenums (5.4.70),o.O. o.J.(1970); Spartacus-IAfeKJO:Protokoll 5.4. Plenum,o.O. o.J. (1970)

10.04.1970:
Folgende Gruppen und Organisationen rufen in der heutigen 'RPK' Nr.60 (vgl. 3.4.1970) zu einer Großveranstaltung am 1. Mai und zu einer gemeinsamen Demonstration am 1. Mai in West-Berlin auf:
Betriebsgruppe Tempelhof/Neukölln, Betriebsgruppe Zehlendorf, Basis- und Betriebsgruppe Spandau, Projektgruppe Elektroindustrie (PEI), Rote Kollektive proletarische Erziehung (Rotkol), Schülerläden Witzlebener Str. und Naunynstraße, Aktionsrat zur Befreiung der Frauen (Gruppe Dernburgstraße), Rote Zelle Ökonomie, Rote Zelle Soziologie, Sozialistische Assistentenzelle (SAZ), Sozialistische Arbeitskollektive am OSI (SAKO).

Ein weiterer Aufruf ist von der KPD(AO) und den Marxisten-Leninisten (ML) Westberlin unterzeichnet.
Q: Rote Presse Korrespondenz Nr.60,Berlin 10.4.1970

27.04.1970:
Vermutlich in dieser Woche gibt in Berlin ein 'Rotes Maikomitee' seine 'Rote 1.Mai Zeitung' Nr.2 heraus. Von dem Komitee, hinter dem sich u.a. die PEI verbirgt, wird folgende Zusammensetzung bekanntgegeben:
- Betriebsgruppen von Arwa, Daimler, DWM, Gillette, Orenstein und Koppel (O+K), NCR, SEL, Siemens und andere Betriebe, Rote Bauarbeiter,
- Aktionsrat zur Befreiung der Frauen, Rote Kollektive Proletarische Erziehung und Schülerläden (Rotkol),
- Rote Zellen an den Universitäten und Akademien.
Aufgerufen wird zur Demonstration am Freitag ab Karl-Marx-Platz, berichtet u.a. vom Schülerstreik in Berlin im März.
Q: Rote 1.Maizeitung Nr.2,Berlin o.J. (1970)

27.04.1970:
Vermutlich in dieser Woche geben in Berlin die Sozialistischen Betriebsgruppen von Daimler, Gillette, NCR und SEL ein Extrablatt ihrer 'Die Sache der Arbeiter' (vgl. März 1969, 30.4.1970) mit dem Titel 'Schülerstreik – Unser Streik' zum Schülerstreik (vgl. 10.3.1970) heraus. Aufgerufen wird zur Maiveranstaltung am 29.4.1970 und zur Maidemonstration.
Q: Die Sache der Arbeiter Schülerstreik – Unser Streik,Berlin Mai 1970

SBG-TH020

SBG-TH020


29.04.1970:
Heute soll in Berlin eine Großveranstaltung in der Hasenheide zum 1.Mai stattfinden, zu der die KPD/AO aufruft. Laut Spartacus - IAfeKJO stört der Anarchistische Kampfbund alle Reden auf der 'roten' Großveranstaltung von KPD/AO, ML Westberlin und KPD/ML-ZK.

Aufgerufen wird auch durch die Sozialistischen Betriebsgruppen von Daimler, Gillette, NCR und SEL.
Q: Die Sache der Arbeiter Schülerstreik – Unser Streik,Berlin Mai 1970,S1f.; Spartacus Nr.14/15,Berlin Juni/Juli 1970; Kommunistische Arbeiterpresse - Ausgabe AEG Telefunken Nr.1,Berlin Apr.-Mai 1970; Rote Fahne Nr.1,Berlin Apr.-Mai 1970

30.04.1970:
In Berlin findet, laut Volker Behnke, erstmalig eine gemeinsame Veranstaltung aller Roten Zellen statt. U.a. gilt sie als Mobilisierungsveranstaltung für den 1. Mai 1970.
Q: Behnke, Volker:Strategie und Taktik der Roten Zellen in Berlin,in:Die studentische Protestbewegung. Analysen und Konzepte,Mainz 1971,S.165

30.04.1970:
Vermutlich heute geben in Berlin die Sozialistischen Betriebsgruppen von Daimler, Gillette, NCR und SEL die Nr.3 ihrer 'Die Sache der Arbeiter' (vgl. 27.4.1970, 22.6.1970) mit vier Seiten DIN A4 datiert auf Mai und dem Aufruf zur Maidemonstration ab Karl-Marx-Platz heraus. Berichtet wird vom Kampf um die Bezahlung des Arbeitswegs, unter Verweis auf Renault-Billancourt und die Proteste gegen die Fahrpreiserhöhungen, u.a. bei der BVG.
Q: Die Sache der Arbeiter Nr.3,Berlin Mai 1970

SBG-TH018

SBG-TH019

SBG-TH022

SBG-TH023


01.05.1970:
In Berlin mobilisieren, laut Bergedorfer Lehrlingszentrum, die Linken 20 000 Demonstranten zum 1.Mai, während es DGB und SEW auf 6 000 bringen.

In Berlin ruft die KPD/AO zur Demonstration ab Karl Marx Platz in Neukölln auf. An dieser revolutionären Demonstration sollen sich 20 000 beteiligt haben, während die DGB-Kundgebung in der 'Kommunistischen Arbeiterpresse' nur 2 000 Zuhörer gefunden habe, während es in der 'Roten Fahne' 6 000 von SEW und z.T. APO waren. Laut 'RPK' waren es 15 000 bis 20 000 auf der linken Demonstration.

Auf der Berliner Maidemonstration bildet die KPD/ML-ZK, nach eigenen Angaben, einen eigenen Block.

In einem internen Bericht der IKD (bzw. Spartacus - IAfeKJO) heißt es:"
Unerwarteter Erfolg; hatten in unserm Block zum Schluß rund tausend Leute. Der Versuch, in die Apo die 'Differenzierung hineinzutragen', ist ebenfalls ganz gut gelaufen: Eine Abspaltung der Roten Garde und eine Abspaltung der 'ML-Fraktion' sind bei uns mitgelaufen, außerdem ein ganzer Schwung FDJler; die 'Falken' und die Jusos hatten sogar offiziell zu unserm Block aufgerufen, haben aber natürlich kaum was auf die Beine gebracht. Darüberhinaus sieht es so aus, als herrschte allenthalben eine beträchtliche Malaise wegen des 1.Mai. In der ML hat es wohl heftige und chaotische Auseinandersetzungen gegeben, ob man sich beim DGB oder beim Roten Mai beteiligen soll. Ein paar Tage danach sieht es so aus, als wenn die Malaise auch auf die Studenten übergreift (Rote Zellen). Im Gegensatz zu unserm Auftreten vor dem Rathaus war nämlich der Rote Mai ein sterbenslangweiliges Ritual - keine Sprechchöre, keine Lieder, nicht mal mehr Ketten im Laufschritt; die Reden waren so einschläfernd, daß riesige Massen die Kundgebung schon zu Beginn wieder verließen, um sich durch Steineschmeißen am Kudamm über ihre Frustration hinwegzutrösten. Auf dem Kennedyplatz dagegen stellten die Linken - erkenntlich an den roten Fahnen - MINDESTENS die Hälfte der ca. 20 000 Anwesenden und beherrschten vollkommen das Bild der Kundgebung - auch akustisch übrigens. Die SEW hatte ein Mammut-Aufgebot angeschleppt - sie haben fast sämtliche Demonstrationszüge der Einzelgewerkschaften aufgesaugt und einkassiert. Der IGM-Zug beispielsweise bestand - abgesehen von höchstens 50 Bürokraten - aus über 2 000 SEW- und FDJ-Anhängern, was man unzweifelhaft an ihren Transparenten ablesen konnte."

Der AStA der Ruhr-Universität Bochum (RUB) berichtet:"
Die reformistischen Parolen wurden bekämpft von den marxistisch-leninistischen Gruppen unter Führung der KPD/ML. Gemäß der Kampfparole der Marxisten-Leninisten: 'Zeigen wir unsere Kampfentschlossenheit durch eine eigene Demonstration', organisierte die KPD/ML und die Rote Garde (RG der KPD/ML-ZK,d.Vf.) im Bündnis mit anderen antirevisionistischen, sozialistischen Gruppen in Berlin eine eigene Kundgebung. In den Bezirken Neukölln und Kreuzberg nahmen an der Maidemonstration mehr als 6 000 Demonstranten, Arbeiter und studentische Gruppen unter der Führung der KPD/ML teil. Die Marxisten-Leninisten forderten: 'Nieder mit Ulbricht und Brandt, alle Macht in Arbeiterhand! Bauen wir eine starke Kommunistische Partei Deutschlands/ML auf! Kampf für die Einheit der Arbeiterklasse!'

Die 'S'EW demonstrierte derweil mit dem DGB und anderen Reformisten vor dem Schöneberger Rathaus."

Für eine Demonstration Neukölln mobilisierte ein Rotes Maikomitee (vgl. Apr. 1970, 27.4.1970) u.a. der PEI.
Q: Rote 1.Maizeitung Nr.2,Berlin o.J. (1970); Bochumer Studentenzeitung Nr.60,Bochum 8.5.1970,S.*; Rote Presse Korrespondenz Nr.60,Berlin ****1970; Lehrlingsinfo Nr.3/Puperzke,Hamburg Juni 1970; Kommunistische Arbeiterpresse - AEG Telefunken Nr.1 und 3,Berlin Apr.-Mai 1970 bzw. 3.6.1970; Rote Fahne Nr.1 und Sdr.ausgabe,Berlin Apr.-Mai 1970 bzw. Mai 1970; Roter Morgen Nr.6,Hamburg Juni 1970; IKD-Leitung-1 Mitglied:An Oldenburg,Berlin o.J. (4.5.1970)

15.05.1970:
In Berlin erstellen die Zellen der PEI Berichte zum Pfingstseminar (vgl. 17.5.1970). Die Zelle Siemens-Wernerwerk 2 berichtet u.a.:
"Die Konstituierung der Zelle fiel zusammen mit dem Beginn der Vorbereitung der 1.Maikampagne." Von den Mitgliedern stammen 4 aus dem SAKO und eine Genossin, "die kurze Zeit im Betrieb gearbeitet hat und in der Rotzing außerdem arbeitet und dort versucht, die Linie der PEI durchzusetzen." Eigentlich gibt es 3 Mitglieder, während 2 gern auch mitmachen möchten. Bei diesen handele es sich um "2 Genossen, die langfristig in der PEI mitarbeiten wollen und deswegen sich vorläufig an der Zellenarbeit beteiligen, im Mai-Ausschuß arbeiten und die Wissenschaftszentrumkampagne führen. Die Gruppe wird weder geeint durch die gemeinsame Praxis, noch hat sie einen gemeinsamen Erfahrungshintergrund noch eine einheitliche Schulung. Deshalb begreift sie sich nur als vorläufig."
Q: PEI:Bericht der Zelle Wernerwerk 2,Berlin o.J. (1970)

17.05.1970:
In Berlin beginnt das zweitägige Pfingstseminar der PEI, zu dem eine ganze Reihe von Papieren vorliegen. Vermutlich aus bzw. von der Dynamowerkszelle stammt das 1-seitige Papier "Warum zwei Angestellten-Genossen die PEI verließen":"
Zwei Angestellte des Dynamowerks haben einige Zeit in der Wernerwerk 2 Gruppe und vor dem 1.Mai ein paar Wochen in der Dynamogruppe gearbeitet. Nach dem 1.Mai verließen sie die PEI und arbeiten seitdem in der ML.
Die Genossen geben folgende Gründe an:
1. Teile der PEI verhalten sich parteifeindlich, besonders Genossen der Wernerwerkszelle 2.
2. Die PEI ist weit von der Verwirklichung des demokratischen Zentralismus entfernt. In der 1.Mai-Einlage der Dynamogruppe war als Absichtserklärung der Gruppe der Aufbau der proletarischen Partei angegeben. In dem für die Einlagen konstituierten Ausschuß wurde der betreffende Satz gestrichen, ohne daß diese Entscheidung nochmals vor Veröffentlichung des Blattes in der Gruppe diskutiert wurde."

Vermutlich ebenfalls von der Dynamozelle liegt noch ein 4-seitiges Papier "Wie müssen Propaganda und Schulung organisiert sein?" vor, welches sich u.a. mit der Maikampagne beschäftigt"
"Die Kampagne zum Roten 1.Mai hat bloßgelegt, daß innerhalb der PEI der demokratische Zentralismus nicht verwirklicht ist und hat uns gleichzeitig die schädlichen Folgen davon vor Augen geführt.

Kritik der Roten Mai-Kampagne:
1. Die Genossen konnten die Mai-Zeitung am Arbeitsplatz nicht vertreten, weil sie an ihrer Entstehung nicht beteiligt, also in der Argumentation der Artikel nicht geübt waren. Zum Teil kannten sie die Artikel überhaupt nicht. Ferner war keine Schulung über den theoretischen Hintergrund der Propaganda durchgeführt worden.
2. Die Artikel knüpften zum Teil nicht an dem Bewußtsein der Kollegen an und blieben daher für sie unverständlich (z.B. DDR-Artikel), weil keine organisierten Untersuchungen über die Meinungen der Arbeiter zu den behandelten Themen durchgeführt worden waren.
3. Die Artikel waren nicht mit Arbeitern abgesprochen worden. Das hatte zweierlei Folgen:
a) die Sprache der Mai-Zeitungen war in einigen Artikeln weit von jeglicher Sprache entfernt, mit der man sich in der Werkhalle verständlich machen kann.
b) einige Artikel enthielten grobe inhaltliche Fehler, die die Kollegen sofort erkennen mußten (z.B. Akkord-Artikel).
4. Layout und Anordnung der Artikel läßt keinerlei politische Überlegung erkennen, die mit der Arbeit im Betrieb in Verbindung steht (der Gewerkschaftsartikel stand an 1.Stelle als ginge der Kampf in erster Linie gegen die Gewerkschaft. 'Befreit Bommi und kauft 883' waren Layoutknüller.).

Vor dem 1.Mai löste sich die PEI in einige autonom arbeitende Zentren auf. Das waren einerseits die Zellen, die Einlegeblatt-Propaganda und einige Artikel schrieben, andererseits die Zelle Wernerwerk 2, deren Arbeit innerhalb des Werks zum Erliegen gekommen ist und die einigen unorganisiert in der PEI arbeitenden Genossen eine formale Heimstatt bot. Diese Zelle zeigte sich außerstande werkspezifisch zur Mai-Propaganda beizutragen. Das ist unserer Meinung nach eine Folge der faktischen Auflösung dieser Zelle, die sich ohne Entscheidungsprozeß innerhalb der PEI vollzog. Nominell wurde sie als Zelle weitergeführt und diente so als Legitimationsbasis für spezialistische Tätigkeit innerhalb der Organisation. In der Mai-Propaganda übernahm die Zelle Wernerwerk 2 einen großen Teil der für die Propaganda zu bewältigenden zentralen Aufgaben."
Q: PEI-DWZ:Warum zwei Angestellten-Genossen die PEI verließen,Berlin o.J. (1970); PEI:Info Nr.1,Berlin 10.6.1970; PEI:Protokoll des PEI Seminars Pfingsten 1970,Berlin o.J. (1970)

Juni 1970:
Die KPD/ML-ZK gibt die Nr.6 ihres 'Roten Morgens' (vgl. 27.4.1970, Aug. 1970) heraus, in dem u.a. über den 1. Mai berichtet wird. Im Leitartikel "Gegen den Gründungsopportunismus" beschäftigt man sich vor allem mit der Gründung der KPD/Aufbauorganisation (KPD/AO) in Westberlin, wozu es u.a. heißt:"
Zum 1.Mai 1969 hat der damalige Infi-Stratege, heute Aufbaukommunist, Chr. Semler gegen die in Berlin auftretende, marxistisch-leninistische Rote Garde heftig polemisiert. … Dem Konzept der RG wurde entgegengetreten, damit, daß jede Avantgardeorganisation 'gleichzeitig die Transmissionsriemen aufzeigen' muß, 'wie das Gros der Mobilisierten einzubringen ist'. Vom selben Sprecher, heute natürlich aufrechter Marxist-Leninist, wurden dann noch einige gängige anarchosyndikalistische Thesen propagiert. … Sie mögen noch so sehr marxistisch-leninistisch tönen und sich als die ideologischen und theoretischen Führer des Proletariats aufspielen: Ihre wahre Haltung gegenüber dem Proletariat kommt schon darin zum Ausdruck, daß sie ihre strategische Forderung, d.h. die Forderung, die sie für die wichtigste halten, am 1.Mai noch nicht einmal in den Mittelpunkt ihrer Agitation und Propaganda stellten. Ihre zentrale Forderung war als zentrale Forderung noch ökonomistischer, noch reformistischer: Die Vorbedingungen für den Kampf für die Verkürzung des Arbeitstages - die Forderung, über die sie die Partei aufbauen wollen - sei der Kampf gegen die weitere Spaltung und Diskriminierung der Arbeiter. Der politische Kampf ist damit noch weiter in den Hintergrund getreten, die Notwendigkeit und Möglichkeit des sofortigen Aufbaus der Partei geleugnet."
Q: Roter Morgen Nr.6,Hamburg Juni 1970

15.06.1970:
In der Berliner PEI wird ein "Bericht von … über die Kontakte mit der BG LOEWE" verfaßt. Darin wird u.a. festgestellt, im Maikomitee sei die BG Loewe gemeinsam mit der Stadtteilgruppe Moabit (Torfstr. 9) aufgetreten und habe auch die beiden Maizeitungen verteilt.
Q: PEI:Bericht von … über die Kontakte mit der BG LOEWE,Berlin 15.6.1970

29.06.1970:
In München erscheint das 'Rote Blatt' Nr.11 (vgl. 15.6.1970, 13.7.1970). Im Sozialistischen Informationszentrums (SIZ) sind jüngst u.a. eingegangen 'Dokumente zum 1.Mai' vom Berliner Archiv Produktion.
Q: Rotes Blatt Nr.11,München 29.6.1970

Januar 1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet:"
DGB-FÜHRER IN WESTBERLIN GEGEN 1.MAI-DEMONSTRATION

Mit Beginn der wirtschaftlichen Krise häufen sich die Verrätereien der rechten Gewerkschaftsführer. Daß dies die Radikalisierung der proletarischen Gewerkschaftsmitglieder mit sich bringt, zeigen die Auseinandersetzungen um die 1. Mai-Demonstration in Westberlin:

Um einer Konfrontation mit oppositionellen Gewerkschaftern zu entgehen, hatten die DGB-Führer in Westberlin im Januar beschlossen, den 1.Mai dieses Jahr im geschlossenen Saal zu feiern. Die Veranstaltung soll mit 500 geladenen Gästen im Sendesaal des SFB (Sender Freies Berlin) stattfinden. Den Grund hat der rechte DGB-Führer Sickert sogar selbst offen genannt: man müsse unter allen Umständen vermeiden, daß die Kommunisten am 1.Mai in Erscheinung treten und Wirkungen erzielen.

Auf diesen Beschluß der DGB-Bonzen erfolgte Protest von vielen proletarischen Kollegen, darunter von einer Vertreterversammlung der IGBSE und dem DGB-Landesbezirksjugendausschuß" (vgl. AEG im IGM-Bereich 19.1.1971, 31.1.1971).

Auch der KJVD der KPD/ML-ZB (vgl. März 1971) berichtet von diesem Beschluß und dem Protest dagegen (vgl. Feb. 1971,d.Vf.).
Q: Der Kampf der Arbeiterjugend Nr.3,Bochum März 1971,S.3; Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.19,Bochum 10.3.1971,S.8

19.01.1971:
In der 'Metall' der IG Metall erscheint ein Artikel, in dem dargelegt wird, daß der DGB beschlossen habe in Berlin keine Kundgebung unter freiem Himmel durchzuführen, um der APO keine Plattform für deren Agitation zu geben (vgl. Jan. 1971, 31.1.1971).
Q: Der rote Schaltwerker Nr.1,Berlin März 1971

19.01.1971:
In Berlin tagt die Grundorganisation AEG der KPD/AO. Beschlossen wird u.a.:"
Das Maikomitee, das die ehemalige Apo auf die Beine zu stellen versucht soll mit allen Mitteln bekämpft werden."
Q: KPD/AO:Pd. GO-AEG v. 19.1.71,o.O. (Berlin) o.J. (1971)

31.01.1971:
In Berlin hat, laut RC-Vorstand, die Internationale der Kriegsdienstgegner (IDK) Ende Januar als Reaktion auf den Beschluß des DGB, keine Maidemonstration zu machen, "eine Reihe von sozialistischen Gruppen … sowie oppositionelle Gewerkschafter zur Diskussion über die gemeinsame Vorbereitung des 1.Mai 1971 eingeladen. Daraus entstand eine Diskussionsrunde, die einige Wochen lang regelmäßig tagte" (vgl. 19.1.1971, 25.2.1971).
Q: RC-Bulletin Nr.3,Berlin 13.4.1971

Februar 1971:
Der KJVD der KPD/ML-ZB (vgl. März 1971) berichtet vermutlich aus dem Februar von der Maivorbereitung (vgl. Jan. 1971):"
GEWERKSCHAFTSFÜHRER FÜRCHTEN 1.MAI
KOLLEGEN FORDERN: KAMPFDEMONSTRATION

Wie jetzt bekannt wurde, wollte der Berliner Innensenator Neubauer (SPD) am 1.Mai des letzten Jahres die Polizei holen. Damit wollte er die 'zur Ruhe bringen', die sich das leere Geschwätz der Festredner nicht mehr anhören wollten. Der DGB-Führer Sickert erklärte, er habe 'mehrmals bei Neubauer intervenieren müssen', um das zu vermeiden. Diesmal haben Sickert und seine Freunde dafür gesorgt, daß Neubauer gar nicht erst in solche Schwierigkeiten kommt; sie wollen den 1.Mai im Saal mit 'geladenen Gästen' feiern.

Die Gewerkschaftsführer in Berlin haben beschlossen, den 1.Mai hinter verschlossenen Türen abzuhalten; mit 500 geladenen Gästen im Sendesaal des SFB.

Wer da eingeladen werden soll, ist klar. Nicht die Kollegen aus den betrieben, sondern die Bonzen. Die Kollegen sollen sich zu Hause vor das Radio oder den Fernseher setzen und so daran teilnehmen.

Dieser Beschluß hat seinen guten Grund!

Die Gewerkschaftsführer wollen unter allen Umständen verhindern, daß die Berliner Arbeiter am 1.Mai auf die Straße gehen. Eine Demonstration am 1.Mai 1971 wird eine Demonstration gegen die Auswirkungen der Krise, gegen den Verrat der SPD-Führer und der Gewerkschaftsführer. Denn auch in Berlin werden immer mehr Kollegen von den Auswirkungen der Krise betroffen: bei AEG (IGM-Bereich,d.Vf.) droht 5 000 Arbeitern der Rausschmiß, in der Kabelindustrie 1 000 Kollegen. Auch die Angriffe gegen die Arbeiterjugend werden immer härter (…).

ANGST VOR DEN KOMMUNISTEN

Die Kommunisten waren bisher die einzigen, die auf der Seite der Arbeiter standen. Und sie werden auch am 1.Mai den Arbeitern den Weg weisen: gegen die Angriffe der Kapitalisten, gegen den Verrat der Gewerkschaftsführer und der SPD-Führer.

UND DAVOR HABEN DIE BONZEN ANGST.

Sie wollen einen offenen Konflikt zwischen den Arbeitern und dem SPD-Senat auf jeden Fall vermeiden.

So meinte der DGB-Führer Sickert, man müsse unter allen Umständen vermeiden,
daß die Kommunisten am 1.Mai in Erscheinung treten und Wirkungen erzielen.

Darum sind die Gewerkschaftsführer auch nicht zimperlich, wenn es gilt, den Widerstand der Gewerkschaftsmitglieder gegen diesen Verrat zu brechen. Und der Widerstand ist groß:

- Die Vertreterversammlung der IG Bau-Steine-Erden (BSE - vgl. **.*.1971,d.Vf.), der DGB-Landesbezirksausschuß (LBJA - vgl. **.*.1971,d.Vf.), der Ortsjugendausschuß der IG Chemie (CPPK-OJA - vgl. **.*.1971,d.Vf.) und viele Vertrauensleute fordern einen offenen 1.Mai. Der Ortsjugendausschuß der IG Metall sammelte mit Unterstützung der KPD/ML und des KJVD für diese Forderung Unterschriften in den Betrieben.

Und das war die Antwort der Gewerkschaftsführer:

- Sie fälschten das Protokoll der Sitzung des DGB-Landesbezirksjugendausschusses. Im Protokoll stand, daß sich die Versammlung für einen offenen 1.Mai ausspricht. Die Gewerkschaftsführer erklärten das einfach für einen 'Irrtum'.
- Sie drohten dem Ortsjugendausschuß der IGM mit einem Ausschluß, falls er in den Betrieben weiter Unterschriften für einen kämpferischen 1.Mai sammelt.
- Und sie gingen daran, die Arbeiter in Junge und Alte zu spalten. Sie boten den Junggewerkschaftlern eine eigene Veranstaltung am Vorabend des 1.Mai an.

Der Ortsjugendausschuß des DGB ist auf diesen hinterhältigen Vorschlag eingegangen.

Der Ortsjugendausschuß der IG Chemie aber hat erkannt, was die Gewerkschaftsführer damit bezwecken: sie wollen verhindern, daß sich alle Kollegen gemeinsam für einen kämpferischen 1.Mai einsetzen.

Der KJVD und die KPD/ML stehen voll hinter diesem Beschluß des Ortsjugendausschusses der IG Chemie: 'Der 1.Mai ist der Kampftag der gesamten Arbeiterklasse! Deshalb: Arbeiterjugend und ältere Kollegen! Heraus zum 1.Mai!'"
Q: Der Kampf der Arbeiterjugend Nr.3,Bochum März 1971,S.3

Februar 1971:
In Berlin spricht sich der Ortsvorstand der IG BSE, laut KPD/ML-ZB, vermutlich im Februar einstimmig für einen kämpferischen 1.Mai aus.
Q: Rotlicht Nr.8,Berlin März 1971

Februar 1971:
In Berlin gibt die Betriebsgruppe Siemens Kabel- und Hausgerätewerk der KPD/ML-ZB die Nr.2 (vgl. Jan. 1971, 12.3.1971) ihres 'Roten Gartenfelders' heraus. Aufgerufen wird zum 1. Mai.
Quelle: Der Rote Gartenfelder Nr.2,Berlin Feb. 1971

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Februar 1971:
Der KB/ML Westberlin gibt seine 'Kommunistische Arbeiterzeitung' (KAZ – vgl. Dez. 1970, März 1971) mit dem Leitartikel "DGB: 1. Mai 1971 mit Eintrittskarten!" heraus.
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.6,Berlin Feb. 1971

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25.02.1971:
In Berlin wird ein "Gewerkschaftliches Maikomitee" gegründet, an dem sich, laut KJO Spartacus, sie selbst, die Gewerkschafter der SEW, die KPD als IG Chemie Jugend und als AEG R2 Vertrauensleute, der KB/ML und der KJVD-Neue Einheit (die KJO vertippt sich hier und schreibt 'Heimat' statt 'Einheit', d.Vf.) beteiligen. Die KPD/ML-ZB unterstütze die Angelegenheit.

Auch laut RC-Vorstand wird ein gewerkschaftliches Maikomitee gegründet. Dieses besteht u.a. auch aus Teilen der bisherigen Diskussionsrunde zur Maivorbereitung (vgl. 31.1.1971). Über diese wird vom RC-Vorstand u.a. folgendes ausgeführt:"
In diesem Gremium standen sich praktisch von Anfang an zwei Hauptlinien gegenüber:

a) die rein gewerkschaftliche Linie, hauptsächlich vertreten von 'Spartacus' … wollte … auf jeden Fall eine gewerkschaftliche Mai-Demonstration aufrechterhalten, die dann eben von oppositionellen Gewerkschaftern und Gewerkschaftsgruppen zu führen … sei. …

b) die Gegenposition vertrat am eindeutigsten die 'Proletarische Linke'. Sie lehnte es … ab, die … Durchführung der Mai-Demonstration 1971 an dem Stand der innergewerkschaftlichen Opposition zu orientieren und damit auf diesen Stand zu reduzieren.

Außerhalb dieser 'Diskussionsrunde' stand die KPD/AO, die aber … die Gründung eines 'Gewerkschaftlichen Maikomitees' betrieb, … . Diese Initiativen (der KPD/AO, des einen Teils des Diskussionsgremiums, sowie auch von SEW-Gewerkschaftern) führten dann Ende Februar 1971 (heute,d.Vf.) zur Gründung eines 'gewerkschaftlichen Maikomitees', …, das … schon damals praktisch ein Zusammenschluß verschiedener politischer Organisationen … war (… noch dabei: KB/ML, eine Gruppe der KPD/ML u.a.)."

Die erste Maizeitung sei noch gemeinsam von SEW und KPD/AO erstellt worden (vgl. 14.3.1971).

Auch die KPD gibt die Konstituierung des gewerkschaftlichen Maikomitees bekannt.

Das Maikomitee konstituierte sich, laut KPD, auf der Grundlage einer Resolution, "die 21 von 29 Vertrauensleuten bei AEG-Telefunken Fachbereich R2 verabschiedet hatten".

Die KPD/ML-ZB berichtet von der Reaktion auf den DGB-Beschluß (vgl. Jan. 1971) und fährt fort:"
Es wurde ein 1. Mai-Komitee gegründet, das einen offenen 1. Mai (mit Demonstration und Kundgebung) fordert. Die Initiatoren dieses Komitees sind unter anderem:
die Jugendgruppe der IG Druck und Papier, der Verwaltungsstellen Jugendausschuß der IG Chemie Papier Keramik, die Jugendopposition der ÖTV, viele Vertrauensleute von AEG, Schering usw. und der Ortsjugendausschuß der IGM. Dieser sammelte mit Unterstützung der KPD/ML und des KJVD Unterschriften in den Betrieben für einen offenen 1. Mai.

In einem Aufruf des Komitees heißt es: 'Die geschlossene Veranstaltung (des DGB-Vorstandes) widerspricht den Interessen der Gewerkschaftsmitglieder am aktiven gewerkschaftlichen Kampf. Traditionell ist der 1. Mai der Tag, an dem die Arbeiterklasse und ihre Gewerkschaften ihre Stärke demonstrieren'. Die Ortsverbände der KPD/ML und des KJVD Westberlin unterstützen das Komitee politisch und organisatorisch.

Die rechten Gewerkschaftsführer versuchen nun mit allen Mitteln, diesen Widerstand zu brechen:

Sie fälschten das Protokoll der Sitzung (vgl. **.*.1971,d.Vf.) des DGB-Landesbezirksjugendausschusses (im Protokoll stand, daß sich die Versammlung für einen OFFENEN 1. Mai ausspricht, die DGB-Führer machten einfach einen geschlossenen 1. Mai daraus; als die Fälschung aufgedeckt wurde, behaupteten die Bonzen frech, das sei ein Irrtum gewesen).

Sie drohten dem IGM-Ortsjugendausschuß mit Ausschluß, falls er in den Betrieben weiter Unterschriften für den 1. Mai sammelt und sie machten der Gewerkschaftsjugend den Vorschlag, eine eigene Veranstaltung am Vorabend des 1. Mai abzuhalten. Der Ortsjugendausschuß des DGB ist auf dieses spalterische Angebot eingegangen. Die IG Chemie Jugend aber hat erkannt, welch üblen Zweck die Gewerkschaftsbonzen damit verfolgen. Ihr Ortsjugendausschuß erklärte: 'Der 1. Mai ist der Kampftag der gesamten Arbeiterklasse! Deshalb Arbeiterjugend und ältere Kollegen! Heraus zum 1. Mai!'

Die Maßnahmen der Gewerkschaftsführer zeigen, daß sie unter allen Umständen verhindern wollen, daß die Arbeitermassen am 1. Mai auf die Straße gehen; denn eine Demonstration am 1. Mai mit den sich radikalisierenden Arbeitern, unter Führung der Kommunistischen Partei wird eine Demonstration gegen die Auswirkungen der Krise und gegen die Verrätereien der SPD- und Gewerkschaftsführer.

Um das zu verhindern, werden die rechten Gewerkschaftsbonzen und die sozialfaschistischen Führer in der SPD zu noch härteren Mitteln greifen. Bereits im letzten Jahr wollte der SPD-Innensenator von Westberlin, Neubauer, die Polizei gegen eine große Zahl von oppositionellen Gewerkschaftsmitgliedern einsetzen, die sich das Geschwätz der rechten Gewerkschaftsbonzen nicht länger anhören wollten. Im Jahre 1929, auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise, ließ der SPD-Polizeipräsident Zörgiebel die Demonstration verbieten; trotzdem gingen 200 000 Arbeiter unter Führung der KPD auf die Straße. Zörgiebel hetzte Polizei auf sie und ließ 30 Arbeiter ermorden."

An anderer Stelle berichtet die KPD/ML-ZB:
Nachdem die DGB-Bonzen den Beschluß verkündet hatten, den 1.Mai unter sich im Saal zu feiern, mit der Begründung, 'die Arbeiter wollen ja sowieso nicht demonstrieren, die sitzen viel lieber vorm Fernseher', ging eine breite Empörungswelle durch die Fabriken. Oppositionelle Gewerkschafter gründeten am 25.2. ein Mai-Komitee, das eine Demonstration organisieren wollte und die Kollegen zur Unterstützung aufrief (…).

Die KPD/ML hat dieses Mai-Komitee von Anfang an begrüßt und in jeder Hinsicht unterstützt. Es wurden zahlreiche Unterschriften für das MK gesammelt; die Partei leistete organisatorische Hilfe, indem sie die Flugblätter des MK an den Westberliner Großbetrieben verteilte. Im MK saßen auch Kollegen, die politischen Organisationen angehörten. Es wurde beschlossen, daß das MK sich auf einige zentrale Losungen einigen sollte, daß aber darüber hinaus die politischen Organisationen ihre eigene Agit-Prop entfalten könnten.

Der gemeinsame Grundsatz war:
Es geht um das demokratische Recht der Arbeiterklasse, den 1.Mai als ihren Kampftag zu feiern. Dazu ist es notwendig, gegen den DGB-Beschluß dieses Recht zu verteidigen und zwar auf der Basis einer breiten Aktionseinheit.

Auch die Vertreter der SEW, die Kollegen von der IGBSE stimmten diesem Grundsatz zu.

Das Mai-Komitee meldete die Route zur Demonstration im Wedding an, nachdem es gemeinsam diesen Beschluß gefaßt hatte. Die erste Mai-Zeitung wurde gemacht auf Grundlage der Forderungen, auf die man sich gemeinsam geeinigt hatte."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.19 und 28,Bochum 10.3.1971 bzw. 17.4.1971,S.8f bzw. S.3f; Rote Presse Korrespondenz Nr.106,Berlin *****1971,S.1; Rote Fahne Nr.16,Berlin März 1971; RC-Bulletin Nr.3,Berlin 13.4.1971; KJO Spartacus-OL Westberlin:Rundbrief,Berlin 29.3.1971

26.02.1971:
In der Nr.2 ihres 'NCR Arbeiter' (vgl. 4.2.1971, 12.3.1971) beschäftigt sich die Berliner Betriebsgruppe NCR der KPD/ML-ZB u.a. mit der Maivorbereitung u.a. durch die Verwaltungsstellen der IGM und der BSE sowie der IG Chemie (CPK).
Q: Der NCR Arbeiter Nr.2,Berlin 26.2.1971,S.4f

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26.02.1971:
Im Berliner DGB-Haus findet eine Veranstaltung der DGB-Jugend zum BVG statt, zu der u.a. die KJO Spartacus mit einem Flugblatt "Kampf dem arbeiterfeindlichen BVG!" mobilisierte.

Laut KPD/AO besuchen über 200 die Veranstaltung und verabschieden eine Resolution gegen das BVG und für eine Maidemonstration.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse AEG Telefunken Nr.17,Berlin März 1971,S.*; Rote Fahne Nr.15,Berlin März 1971; Rote Presse Korrespondenz Nr.106,Berlin 12.3.1971; KJO Spartacus:Kampf dem arbeiterfeindlichen BVG!,Berlin 1971

März 1971:
Noch im März erscheint in Berlin "1.Mai Kampftag der Arbeiterklasse" als erste Zeitung des gewerkschaftlichen Maikomitees Westberlin 1971 (vgl. März 1971), mit zwei Seiten DIN A 4. Berichtet wird über die Spaltung des Maikomitees durch die SEW und über drohende Disziplinierungen gegen Maikomiteemitglieder bei AEG, R2, DWM, Schering und Spinne. Aufgerufen wird zur Veranstaltung in der TU am 1.4.1971.
Q: 1.Mai Kampftag der Arbeiterklasse Nr.1,Berlin 1971

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März 1971:
Noch im März erscheint in Berlin "1.Mai Kampftag der Arbeiterklasse" als erste Zeitung des gewerkschaftlichen Maikomitees Westberlin 1971 (vgl. Apr. 1971), mit einem Umfang von 4 Seiten DIN A 3, für die Rainer Borchart in der Fregestr.76 verantwortlich zeichnet, während der Kontakt über Surmann möglich ist. Berichtet wird über die Spaltung des Maikomitees durch die SEW und über eine Reihe von Entlassungen und Stillegungen innerhalb Berlins und der 'BRD', und u.a. von Siemens, Borsig, Osram, KWU und dem Sanierungsgebiet im Wedding. Aufgerufen wird zur Veranstaltung in der TU am 1.4.1971.
Q: 1.Mai Kampftag der Arbeiterklasse Nr.1,Berlin 1971

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März 1971:
In der Berliner PL/PI zirkuliert vermutlich im März ein 9-seitiger Wachsmatrizenentwurf einer "Erklärung der PL/PI zur Gewerkschaftsfrage". Ein Text gleichen Namens wird in dem Zentralorgan 'PL' Nr.4 im Apr. 1971 veröffentlicht. In dem Entwurf wird u.a. ausgeführt:
"Bei der Vorbereitung des diesjährigen 1.Mai rückt auch in Westberlin eine Frage in den Mittelpunkt, der in den Kampfzentren der westdeutschen Arbeiterschaft längst eine Schlüsselrolle zukommt: die Gewerkschaftsfrage; die Frage, ob die Gewerkschaften noch als eine Waffe der Arbeiterklasse anzusehen sind, oder ob sie nicht vielmehr bereits ein einziges Hindernis für den Kampf der Arbeiter gegen die Kapitalisten darstellen; darüber hinaus die Frage, ob mit innergewerkschaftlicher Opposition die Gewerkschaften wieder auf einen richtigen Kurs zu bringen sind, oder ob es nicht darum geht, daß sich die Arbeiterschaft in ihren Kämpfen Machtorgane schafft, die den Kampferfordernissen besser entsprechen als jede gewerkschaftliche Organisation. deutlich wird, in welchem Gegensatz die Politik der Gewerkschaften zu den Interessen der Arbeiterklasse bereits steht." Dann wird auf den Widerspruch zwischen Basis und Führung eingegangen sowie erkannt, "daß sich die Gewerkschaften darauf beschränken, die Interessen der Arbeiterschaft nur soweit zu vertreten, wie das die Interessen der Kapitalisten zulassen", derweil die Funktionäre "an der Verfolgung revolutionärer Arbeiter - … - eifrig mitwirken; denn dies entspricht den wirklichen Interessen dieser Funktionäre." Deshalb müßten "die kämpfenden Arbeitermassen zentrale, die Kämpfe vereinheitlichende Kampfkomitees errichten. …
… ein bis zur nationalen Ebene hin zentralisiertes Machtsystem von Arbeiterräten, …; die Entlarvung der Gewerkschaften ist … vom Klassenkampf untrennbar. Und ebenso ist es notwendig in den Gewerkschaften zu arbeiten, um den Einfluß der Gewerkschaftsapparate auf die gewerkschaftlich organisierte Basis zu zerstören."
Q: PL/PI:Erklärung der PL/PI zur Gewerkschaftsfrage (Entwurf),Berlin o.J. (1971)

01.03.1971:
Ein Komitee für den 1.Mai konstituiert sich in Berlin. Dem Komitee gehören, nach Ansicht des 'Berliner Extra Dienstes' (BED), politisch links orientierte Organisationen an. Unterzeichner des Aufrufs sind u.a.: IGM Jugendgruppe DeTeWe, Jugendvertretung bei Schering und die Fachgruppe Buchhandel und Verlage in der HBV.
Q: Berliner Extra Dienst Nr.17,Berlin ****1971,S.2

01.03.1971:
In der Berliner PL/PI erscheint vermutlich in den ersten Märztagen das 'Zirkular' Nr.6 (vgl. 4.2.1971, 8.3.1971). U.a. findet sich auch eine "Organisations-Mitteilung zum 1.Mai", in der bekanntgegeben wird, "daß bis zum 1.Mai von der PL/PI ca. 200 000 DIN A2-Druckseiten (zusätzlich zu PL und Klassenkampf) verteilt werden. … Deshalb haben wir beschlossen, daß jedes leiblich gesunde Mitglied … einmal Blut spendet."
Q: PL/PI:Zirkular Nr.6,Berlin o.J. (1971)

02.03.1971:
Die Berliner Ortsverwaltung der IG Metall erklärt, laut KPD/AO, in einem Schreiben vom 2. März 1971 "sich nicht von diesem kommunistischen 'Maikomitee' mißbrauchen zu lassen" und daß "dieses 'Maikomitee' nicht befugt ist, im Namen der IG Metall zu sprechen bzw. zu handeln.
Q: Rote Presse Korrespondenz Nr.106,Berlin 1971,S.1

02.03.1971:
In Berlin wird im Protokoll der Grundorganisation AEG der KPD/AO u.a. festgehalten:"
In der gewerkschaftlichen Jugendgruppe hat es Auseinandersetzungen gegeben darüber, ob im Maikomitee von jeder Organisation ein Delegierter oder ob die gesamte Gruppe nur einen Delegierten für alle zusammen stellen soll. Es wurde schließlich ein Spartakist (Anhänger der KJO Spartacus,d.Vf.) und kein Vertreter von uns gewählt. X schlägt vor, daß man versuchen sollte, mit einem KJVD-Vertreter eine Absprache zu treffen, um den Spartakisten auszuschalten."
Q: KPD/AO:P v. 2.3.1971 der GO-AEG, o.O. (Berlin) o.J. (1971)

03.03.1971:
Vermutlich heute gibt die Berliner KPD/AO die Nr.15 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 1.2.1971, 24.3.1971) heraus, deren Umfang sich von 12 Seiten nun auf 8 Seiten verringert hat. Berichtet wird u.a. über das Berliner Gewerkschaftliche Maikomitee (vgl. 25.2.1971), welches derzeit unterstützt werde von:
- Vertrauensleutekörper AEG Telefunken Fachbereich R2,
- Jugendvertrauensleutekörper Schering,
- Jugendvertrauensleutekörper Spinnstoff Zehlendorf,
- IG Chemie Verwaltungsstellen Jugendausschuß,
- IGM-Jugendgruppe DTW,
- GEW-Studentengruppe PH,
- DruPa-Jugend,
- ÖTV-Opposition,
- ÖTV-Jugendopposition,
- Fachgruppe Architektur-/Ingenieurbüros der IG BSE,
- und der Fachgruppe Buchhandel und Verlage der HBV.
Q: Rote Fahne Nr.15,Berlin März 1971

08.03.1971:
Eventuell heute, vielleicht aber auch erst in einigen Tagen, erscheint in der Berliner PL/PI das 'Zirkular' Nr.7 (vgl. 1.3.1971), welches auf 20 Seiten Wachsmatrize "Das Kampfprogramm der PL/PI zum 1.Mai" enthält:"
I. FÜR DEN SIEG IM BEWAFFNETEN VOLKSKRIEG IN KAMBODSCHA, LAOS UND VIETNAM UND LATEINAMERIKA! FÜR DEN GEMEINSAMEN KAMPF DES PROLETARIATS IN ALLEN EUROPÄISCHEN METROPOLEN. ES LEBE DER PROLETARISCHE INETRNATIONALISMUS!

1. Die Lage des Weltimperialismus

Die gegenwärtige Epoche ist gekennzeichnet durch einen gewaltigen Aufschwung des weltweiten Befreiungskampfes der unterdrückten Völker Asiens, Lateinamerikas und Afrikas gegen ihre imperialistischen Ausbeuter und Unterdrücker. … Vietnam ist zum Symbol geworden, für die Möglichkeit, selbst den übermächtigsten Gegner zu besiegen, wenn das Volk selbst diesen Kampf aufnimmt und ihn kompromißlos bis zum Sieg führt. … Die revolutionären Befreiungskriege haben aber auch dazu beigetragen, die Widersprüche in den imperialistischen Ländern selbst zu verschärfen und die Klassenbewegungen des Proletariats in den Metropolen auf ein neues Niveau zu heben. Diese Zuspitzung der Gegensätze in den Metropolen macht es möglich, das Problem des Sturzes des Kapitalismus weltweit auf die Tagesordnung zu setzen, und macht es notwendig, einen organisierten Zusammenhang des internationalen Klassenkampfes zu schaffen. Es muß die Aufgabe aller kommunistischen Organisationen sein, ganz gleich ob sie in Frankreich, Italien oder der BRD kämpfen, diesen Zusammenhang konkret herzustellen.

2. Gegen eine Massenmobilisierung, die allein die Tatsache des Kampfes hervorhebt, ohne zu fragen, wie der Internationalismus mit der Entfaltung der Klassenkämpfe in der BRD verknüpft werden kann. …

3. Den Internationalismus mit der praktischen Arbeit in der Fabrik verbinden, den Parteiaufbau konkret an den Internationalismus binden! … Es hat keinen Zweck, diesen Zusammenhang immer wieder in immer besseren Artikeln zu beschwören und auf die selbsttätige Wirkung dieser Artikel zu warten. Es kommt vielmehr darauf an, daranzugehen, mit den Betriebszellen und -gruppen die Fragen des Internationalismus in die Fabrik zu tragen. Für einen Studenten ist es sicher keine Schwierigkeit, ein Flugblatt zum Krieg in Vietnam zu schreiben. Einen Arbeitergenossen dazu zu befähigen, in den Abteilungen über Vietnam reden zu können, zu beschreiben, wie der Kampf, die Produktion etc. in Vietnam organisiert wird, ist eine schwierigere Aufgabe! Die PL/PI hat deshalb Arbeiterversammlungen mit einem Kern von Arbeitern vorbereitet, die diese dann selbst durchgeführt haben. Wir haben über Kleber und Plakate in den Fabriken Propaganda betrieben. Zum roten 1.Mai werden wir zum ersten Mal Kampfkomitees aus Arbeitern bilden, die die Kampagne in den Fabriken vorbereiten, Sammlungen zur Unterstützung revolutionärer Bewegungen durchführen und die Demonstration mit organisieren!! Das alles sind kleine Schritte, die den Charakter der antiimperialistischen Kampfdemonstration nicht sofort entscheidend ändern werden. Aber wir müssen lernen, die mühseligeren und weniger spektakulären Schritte in den Fabriken zu tun!
Bisher waren Reisen in die Länder, in denen heute gekämpft wird, alle Kontakte mit den internationalen Organisationen, die Sache kleiner APO-Außenminister. Wir werden stattdessen in diesem Jahr Gruppen von Arbeitern nach Frankreich und Italien schicken, um sich dort an den Kämpfen zu schulen. Außerdem wird eine Delegation von Arbeitern nach Korea reisen. Auf diese Weise werden sie ihre Kampfentschlossenheit stärken und in den Fabriken die internationalen Zusammenhänge vertreten und vermassen helfen. Darüberhinaus werden wir mit den Roten Zellen an den Universitäten antiimperialistische Initiativen vorantreiben und Solidaritätskomitees zu bestimmten Fragen organisieren. Die Demonstrationen, die wir heute zu Vietnam und Laos auf die Beine bringen, muten oft an wie Pflichtübungen, wobei lediglich die Zahl der Fahnen und Transparente immer größer wird. Wir wissen: studentische Demonstrationen in einer Phase, in der das Proletariat noch nicht selbst den Maßstab der Aktionen in seine Schritte zum Sturz der Bourgeoisie einordnet, sind problematisch. Wir wissen auch, daß individualistische Aktionen massenfeindlich sind und den herrschenden Ideologen in die Hände spielen. Wir werden das aber nicht verwechseln mit jener revolutionären Entschlossenheit und Kampfbereitschaft der Massen, die es zu entfalten gilt, wenn die konterrevolutionären Schweinereien es erfordern. Diejenigen Organisationen, die sich weigern darüber nachzudenken, in welcher Weise die Kampfdemonstrationen zu wenden sind in das entschlossene Vorantreiben des Klassenkampfs im eigenen Land, sind die gleichen, die jede Massenaktion, die nicht auf dem Fahrplan stand, als anarchistisch diffamieren. Wir erklären: Für diese Genossen ist der revolutionäre Kampf nicht eine Kette von Niederlagen, aus denen die Arbeiterklasse und die Revolutionäre lernen, sondern ein gerader Weg zum unabänderlichen Sieg!! Das ist der Schritt in den revisionistischen Sumpf!!

4. Den Internationalismus parteilich betreiben - gegen eine abstrakte Verherrlichung der Kämpfe der Völker in den unterentwickelt gehaltenen Ländern, die uns in eine blinde Einheitsfront mit Sozialdemokraten und Revisionisten drängt, die Arbeiterklasse verwirrt und den weltweiten Emanzipationsprozeß der unterdrückten Völker und der Arbeiterklasse in den Metropolen von dem Revisionismus behindert!!"

Der Teil 5 zur Gastarbeiterfrage soll noch folgen, Teil 6 ist "Durch machtvolle Kampfdemonstrationen sich an die Seite des vietnamesischen Volkes stellen." Den Einmarsch der USA in die DR Vietnam werde man nicht verhindern können. "Wir werden uns aber an diesem Tag durch machtvolle Kampfdemonstrationen auf die Seite des vietnamesischen Volkes stellen."

Während der zweite Hauptteil fehlt, folgt nun bereits der dritte Hauptteil:
"KAMPF GEGEN ENTLASSUNGEN, KURZARBEIT UND LOHNABBAU.
KAMPF GEGEN AKKORD, ARBEITSHETZE UND SCHIKANÖSE KONTROLLEN
DAS SYSTEM DER LOHNARBEIT MUSS WEG - ERKÄMPFT DEN SOZIALISMUS

WEG MIT DEN LOHNDIFFERENZEN - FÜR EINEN EINHEITLICHEN ZEITLOHN
GLEICHER LOHN FÜR MÄNNER UND FRAUEN
FÜR EIN EINHEITLICHES LEHRLINGSGEHALT VON 500 DM
KAMPF GEGEN DIE SPALTERVERSUCHE DES KAPITALS

4. In den ersten Streikbewegungen der vergangenen Jahre hat sich gezeigt: die Spaltungsversuche des Kapitals sind nur für die Zeiten fehlenden Aktionen der Arbeiterklasse erfolgreich. In den Perioden entfalteter Klassenkämpfe erweisen sie sich als vergebliche Mühe der Kapitalisten. …

5. Die PL/PI sieht auf der Grundlage dieser Analyse ihre Hauptaufgabe gegenwärtig darin, in allen westberliner und westdeutschen Großbetrieben, dort also, wo das Proletariat in potentiellen Kampfeinheiten zusammengeschlossen ist, die notwendigen und möglichen Kämpfe auf Abteilungsebene zu entwickeln und voranzutreiben. … Die Grundeinheiten der PL/PI werden außerdem in den nächsten Wochen bis zum ersten Mai zwei Arbeiterversammlungen außerhalb der einzelnen Betriebe zum Thema Kurzarbeit und Entlassungen bei Borsig und Siemens AG, und zum Thema Akkordhetze und Arbeitsbewertungsmethoden durchführen. Auf diesen Versammlungen wird auch über das Verhalten der Gewerkschaftsvertreter diskutiert werden. Auf der Grundlage dieser programmatischen Erklärung und der spezifischen
Bedingungen ihrer eigenen Abteilungen (besondere Konfliktmöglichkeiten
aufgrund der Situation am Arbeitsplatz) werden die an der Betriebsfront
arbeitenden Grundeinheiten in den nächsten Wochen ein Kampfprogramm für die
Zeit bis zum ersten Mai, dann aber auch darüber hinaus, entwickeln, in den
KdZs diskutieren und dann praktisch umsetzen!"

Es folgt Hauptteil 4:"
DER REVOLUTIONÄRE KAMPF DER ARBEITERKLASSE UND DIE MOBILISIERUNG ALLER SCHICHTEN DES VOLKES IST DIE EINZIG RICHTIGE ANTWORT AUF DIE POLITIK DER UNTERNEHMER UND DER VON IHNEN ABHÄNGIGEN PARTEIEN

Aus den Abteilungsgruppen sind eine große Zahl von Arbeitern, …, Kader der PL/PI geworden. … Unsere Betriebszellen sind in 15 Westberliner Großbetrieben … tätig".
Q: PL/PI:Zirkular Nr.7,Berlin o.J. (1971)

12.03.1971:
In Berlin gibt die Betriebsgruppe NCR der KPD/ML-ZB die Nr.3 ihres 'NCR Arbeiters' (vgl. 26.2.1971, 6.4.1971) heraus. Eingegangen wird auch auf ein Flugblatt des Maikomitees, welches vor NCR verteilt wurde.
Q: Der NCR Arbeiter Nr.3,Berlin 12.3.1971

12.03.1971:
In Berlin erscheint die Nr.3 des 'Roten Gartenfelders', der nunmehr gleichnamigen Betriebsgruppe der KPD/ML-ZB (vgl. Feb. 1971, 2.4.1971), es findet sich u.a. die Mitteilung, daß bereits von einigen Gewerkschaftern ein Flugblatt 'Aufruf zur Vorbereitung des 1.Mai' verteilt worden sei. Die Betriebsgruppe tritt für den Aufbau eines Maikomitees ein.
Q: Der Rote Gartenfelder Nr.3,Berlin 12.3.1971

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12.03.1971:
In Berlin erscheint die 'RPK' Nr.106 (vgl. 6.3.1971, 19.3.1971) mit einem Leitartikel zur Maivorbereitung. Danach wird der Aufruf des am 25.2. gegründeten gewerkschaftlichen Maikomitees von folgenden Gruppen unterstützt:
AEG Telefunken - Fachbereich R 2 VLK, Schering AG Jugend-VLK, Spinnstofffabrik Zehlendorf AG Jugend-VLK, DeTeWe IGM Jugendgruppe, IG BSE - Fachgruppe der Angestellten in Architektur und Ingenieursbüros, HBV Fachgruppe Buchhandel und Verlage, GEW - Studentengruppe PH, DruPa Jugend, ÖTV Opposition, IG Chemie Verwaltungsstellen Jugendausschuß, ÖTV Jugend-Opposition.
Die IG Metall habe behauptet, daß das Komitee von SEW, KPD/AO und KJO Spartacus kontrolliert werde.
Q: Rote Presse Korrespondenz Nr.106,Berlin 12.3.1971

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12.03.1971:
In Berlin gibt die Betriebsgruppe NCR der KPD/ML-ZB die Nr.3 ihres 'NCR Arbeiters' (vgl. 26.2.1971, 6.4.1971) heraus. Eingegangen wird auch auf ein Flugblatt des Maikomitees, welches vor NCR verteilt wurde.
Q: Der NCR Arbeiter Nr.3,Berlin 12.3.1971,S.4

14.03.1971:
Im Westberliner gewerkschaftlichen Maikomitee (vgl. 25.2.1971, 23.3.1971) ereignen sich, laut RC-Vorstand, während die PL/PI eigene Maiaufrufe mit einer festen Demoroute verteilt, folgende Vorfälle zwischen heute und dem 30.3.1971:"
die SEW …, ging nach der Wahlniederlage bei den Parlamentswahlen auch in diesem Maikomitee darauf hinaus, sich von den anarchistischen Gruppen abzugrenzen. Da es ihnen nicht gelang, die Mehrheit für sich zu gewinnen, zogen sie aus und gründeten flugs ein neues 'Gewerkschaftliches Maikomitee', … . Dieses SEW-Komitee propagierte … die selbe Route in Neukölln, wie sie schon die PL/PI vorgeschlagen hatte".

Der Rest des bisherigen 'Gewerkschaftlichen Maikomitees' sei für eine Demonstration im Wedding eingetreten (vgl. 30.3.1971).

Diesem sei eine Erklärung von Sozialistischer Deutscher Arbeiterpartei (SDA), KPD/ML-ZK, PL/PI, Basisgruppe Spandau, Sozialistische Betriebsgruppen Tempelhof, Sozialistischer Frauenbund Westberlin und der Stadtteilzelle Märkisches Viertel für eine gemeinsame linke Demonstration in Neukölln zugeleitet worden.
Q: RC-Bulletin Nr.3,Berlin 13.4.1971

15.03.1971:
Es erscheint die Nr.5 der 'Roten Fahne' der KPD/ML-ZB (vgl. 1.3.1971, 29.3.1971). In "Westberlin: Kampf für den 1. Mai. Gewerkschaftsführer wollen keine offene Kundgebung" wird berichtet, daß sich anläßlich des bevorstehenden 1. Mai in Berlin ein Maikomitee gebildet habe, "daß eine offene Kundgebung zum 1. Mai vorbereitet".
Zu dem Komitee sollen gehören:
- die IGM-Vertrauensleute des Fachbereichs R2 von AEG Telefunken,
- die CPK-Jugendvertrauensleute der Schering AG und der Spinnstoffabrik Zehlendorf AG,
- die IGM JG von DeTeWe,
- die Fachgruppe der Angestellten in Architektur- und Ingenieurbüros der IG BSE,
- die GEW-Studentengruppe an der Pädagogischen Hochschule (PH),
- die Jugendgruppe der IG Druck,
- der Verwaltungsstellenjugendausschuß der IG Chemie,
- die ÖTV-Jugendopposition,

Die KPD/ML-ZB unterstützt dieses Komitee und ruft dazu auf, sich an einer offenen 1. Mai-Demonstration zu beteiligen.
Q: Rote Fahne Nr.5,Bochum 15.3.1971

19.03.1971:
In Berlin beschäftigt sich die Jugendkommission der KPD/AO u.a. mit der Kommission des Maikomitees, die die Veranstaltung für die Jugendlichen vorbereiten soll. Darin säßen neben zwei Parteilosen, je ein Mitglied von SEW, KPD/AO und Neue Einheit (KPD/ML-NE). Die Veranstaltung könne gefährlich werden, da sowohl die KJO Spartacus als auch die Neue Einheit auf Jugendfragen spezialisiert seien.
Q: KPD/AO:P.d.Jug.ko. v. 19.3.71,o.O. (Berlin) o.J. (1971)

22.03.1971:
Die KPD (vgl. 13.8.1971) berichtet zentral über den IGM-VLK R2 im Berliner Werk AEG Brunnenstraße vermutlich aus dieser Woche:"
Im März dieses Jahres verabschiedete der gleiche Vertrauensleutekörper die Entschließung zur Gründung des gewerkschaftlichen Maikomitees und für eine oppositionelle gewerkschaftliche Maidemonstration, an deren Vorbereitung und Durchführung unsere Partei entscheidenden Anteil hatte."

Berichtet wird durch die KPD auch im Werk selbst (vgl. 29.3.1971).
Q: Kommunistische Arbeiterpresse AEG Telefunken Nr.18,Berlin März 1971; Rote Fahne Nr.23,Berlin 13.8.1971,S.5

22.03.1971:
Vermutlich an diesem Tage gibt in Berlin die Betriebsgruppe Siemens-Schaltwerk der KPD/ML-ZB die erste Nummer ihres 'Roten Schaltwerkers' (vgl. 23.4.1971) heraus. Neben der Information, daß bereits zuvor vor dem Betrieb die 'Extrablätter' der KPD/ML-ZB verteilt worden sind, geht man u.a. auf den 1.Mai ein. Während die IGM eine DGB-Demonstration ablehnt (vgl. 19.1.1971), sind zumindest in der CPK und im BSE OV andere Meinungen vertreten. Die Betriebsgruppe unterstützt das Maikomitee, für das auch Vertrauensleute und junge Gewerkschafter das Flugblatt 'Aufruf zur Vorbereitung des 1.Mai' verteilt haben.
Q: Der rote Schaltwerker Nr.1,Berlin März 1971

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22.03.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet vermutlich aus dieser Woche:"
In WESTBERLIN wächst der Protest der oppositionellen Gewerkschafter gegen den arbeiterfeindlichen Beschluß der DGB-Führer, den 1.Mai im Saal stattfinden zu lassen. Die 12. BEZIRKSJUGENDKONFERENZ DER DEUTSCHEN POSTGEWERKSCHAFT (BJK der DPG,d.Vf.) hat mit großer Mehrheit den Beschluß auf das schärfste verurteilt. Die Konferenz erklärte, der DGB-Beschluß bedeute praktisch die Liquidierung des 1.Mai."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.25,Bochum 31.3.1971,S.6

23.03.1971:
Die SEW konnte sich, laut KPD/AO, mit ihrer Forderung nach "erweiterter und qualifizierter Mitbestimmung" im Berliner gewerkschaftlichen Maikomitee nicht durchsetzen und verließ nach einer Abstimmungsniederlage im Maikomitee heute die Aktionseinheit. Die PL/PI rief unterdessen in Berlin zu einer Demonstration "aller nichtrevisionistischen Gruppen in Neukölln" auf.

Die KPD/ML-ZB (vgl. 25.2.1971) berichtet:"
SEW-FÜHRER SPALTEN 1.MAI-KOMITEE

Nach der Wahl nahm sich der SEW-Vorstand dieser Sache an. Die Kollegen von der IGBSE wurden zurückgepfiffen. Das Verteilen der ersten Mai-Zeitung wurde von den SEW-Führern blockiert. Der Grund: die Revisionisten wollten verhindern, daß Parolen gegen den Verrat der rechten Gewerkschaftsbonzen veröffentlicht wurden.

Als das Mai-Komitee darauf verwies, daß ein Beschluß bestand, der es den politischen Organisationen verbot, ihre eigenen Parolen in das Mai-Komitee und seine Zeitung hineinzutragen, als die Kollegen vor allem die Parolen der SEW-Führer zurückwiesen, die eindeutig auf eine Stärkung der Bonzen hinausliefen (Mitbestimmung usw.), spalteten diese offen. Sie zogen aus dem Mai-Komitee aus und gründeten ein eigenes, was sie aber heimtückisch weiter als das 'gewerkschaftliche Mai-Komitee' bezeichneten. Es stellte sich heraus, daß der SEW-Vorstand von Anfang an nicht vorhatte, eine Aktionseinheit zur Verteidigung des demokratischen Rechtes der Arbeiterklasse auf den 1.Mai als ihren Kampftag einzugehen, denn heimlich hatten die SEW-Führer schon gegen den Beschluß des Mai-Komitees eine andere Demonstrationsroute in Neukölln angemeldet.

SEW-Führer Danelius begründete seinen Verrat damit, daß die kommunistischen Organisationen ja doch nur 'die Gewerkschaften zerstören wollten'.

Das Mai-Komitee setzt seine Arbeit fort. Die KPD/ML wird den Verrat der SEW-Führung entlarven und eine breite Agitation für die Demonstration aller fortschrittlichen Arbeiter und Werktätigen im Wedding entfalten.

Die Partei der Arbeiterklasse, die KPD/ML wird mit dem Mai-Komitee eine gemeinsame Basis entwickeln, von der aus gemeinsame, antikapitalistische und fortschrittliche Losungen vom Mai-Komitee vorangetragen werden.

Die Partei wird in einen eigenen Block ihre politische Agitation und Propaganda entfalten.

Wir werden ein Aktionsbündnis mit allen politischen Organisationen eingehen, die diese Basis anerkennen. Diese Organisationen sind die 'KPD-Aufbauorganisation', die Gruppe 'Roter Morgen' und die Gruppe 'Neue Einheit' (KPD/AO, KPD/ML-ZK und KPD/ML-NE,d.Vf.).

Einige Splittergruppen sind in völlige Verwirrung geraten. Sie erklären das Mai-Komitee als aufgelöst und meinen, 'man dürfe sich die Spaltung durch die SEW nicht aufzwingen lassen'. Sie wollen in Neukölln mit der SEW demonstrieren und sehen nicht, daß eine gemeinsame Demonstration, der arbeiterfeindliche Losungen vorangetragen werden, nicht mehr möglich ist. Dazu gehören der KB/ML und die PL/PI."

Die MLHG (vgl. 19.4.1971) berichtet (vgl. 30.3.1971), daß bis zu den Abgeordnetenhauswahlen (AW - vgl. 14.3.1971) die SEW und die KPD/AO gemeinsam im gewerkschaftlichen Maikomitee gesessen hätten, während die PL/PI derweil mit einem Roten Maikomitee nach Neukölln mobilisiert habe. Nach den AW habe die SEW das Maikomitee gespalten und zu einer Demonstration zur selben Zeit und am selben Ort wie die PL/PI aufgerufen.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 28,Bochum 14.4.1971,S.4; MLHG: Sozialistische Studenten für ein festes Bündnis mit der Arbeiterklasse,Berlin o.J. (1971); Rote Presse Korrespondenz Nr.109/110,Berlin 2.4.1971,S.*

24.03.1971:
In Berlin führt die KPD/ML-ZB vor dem Metallbetrieb NCR eine Kurzkundgebung zu den Themen '1.Mai, Verrätereien der SPD und zu den Verhältnissen im Betrieb' durch. Eingegangen wird u.a. auf die Klasse 43, die nach Augsburg in Bayern verlagert werden soll.
Q: Der NCR Arbeiter Nr.4,Berlin 6.4.1971

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24.03.1971:
Vermutlich heute gibt die Berliner KPD/AO die Nr.16 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 3.3.1971, 14.4.1971) heraus. Dargestellt wird auch die Gründung des Maikomitees (vgl. 25.2.1971), in dem auch die SEW mitarbeitet, die man auch wegen ihrer Haltung zu den Abgeordnetenhauswahlen kritisiert.
Q: Rote Fahne Nr.16,Berlin März 1971

26.03.1971:
In Berlin erscheint die 'RPK' Nr. 108 (vgl. 19.3.1971, 2.4.1971), aus dem gewerkschaftlichen Maikomitee wird über die deswegen erfolgenden IG Chemie Ausschlußverfahren berichtet.
Q: Rote Presse Korrespondenz Nr.108,Berlin 26.3.1971

29.03.1971:
Vermutlich heute oder in dieser Woche gibt die KPD/AO in Berlin die auf März datierte Nr.18 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse - Ausgabe AEG Telefunken' (vgl. März 1971, Apr. 1971) heraus. Während vorn noch sehr zuversichtlich über das Maikomitee und dessen Unterstützung durch u.a. eine Resolution von 21 der 29 Vertrauensleute des AEG Telefunken Fachbereichs R2 berichtet wird (vgl. 22.3.1971), geht man erst recht weit hinten auf die Sabotage der SEW am Maikomitee und das Abseitsstehen der PL/PI ein, so daß es sein könnte, daß der zweite Artikel erst kurz vor Schluß aufgenommen wurde.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse AEG Telefunken Nr.18,Berlin März 1971

29.03.1971:
Die Ortsleitung Westberlin der KJO Spartacus verschickt einen Rundbrief, der über die Maikampagne informiert. In dem am 25.2.1971 gegründeten Maikomitee habe ein Fraktionskampf KPD/SEW gegen KJO, danach SEW gegen KPD, dann KPD/KJO gegen SEW stattgefunden. Plötzlich habe die SEW das Komitee gespalten. Da die KPD im Restkomitee leider über eine Mehrheit von einer Stimme verfüge, müsse die KJO Spartacus nun ihr eigenes Maikomitee aufbauen, welches bereits eine Veranstaltung am 1.4.1971 plane. Hierzu sei man herzlich eingeladen.
Q: KJO Spartacus-Ortsleitung Westberlin:Rundbrief,Berlin 29.3.1971

30.03.1971:
In Berlin wird, laut RC-Vorstand, der Rest des alten 'Gewerkschaftlichen Maikomitees' aufgelöst bzw. jetzt nur noch durch die KPD/AO gebildet (vgl. 23.3.1971, 13.4.1971). Daraufhin hätten sich sowohl KB/ML als auch KJO Spartacus und der RC der Initiative für eine Demonstration in Neukölln angeschlossen (vgl. 14.3.1971).

Die PL/PI erklärt heute, laut KPD/AO, "daß sie gemeinsam mit KPD/ML (ZK-Linie) und Basisgruppe Spandau an der Demonstration in Neukölln festhalte". Der KB/ML erklärt, "daß das gewerkschaftliche Maikomitee nur ein Schein sei … und daß man es deshalb auflösen solle, um es als Maikomitee der politischen Organisationen neu zu sammeln". Darüber empört sich die KPD/AO:"
Als wäre die Tatsache, daß die meisten der in diesem Maikomitee zusammengeschlossenen Gewerkschafter verschiedenen Organisationen nahestehen oder angehören, eine befremdliche Tatsache!" Zuvor sei man selbst für betriebliche Maikomitees, die KJO Spartacus für ein APO-Maikomitee der verschiedenen Organisationen eingetreten.

Die MLHG (vgl. 19.4.1971) berichtet (vgl. 23.3.1971, 13.4.1971), daß die verbleibenden 50 Delegierten des Maikomitees, die u.a. von KB/ML, KJO Spartacus und der ÖTV-Opposition stammten, die Auflösung des Komitees beschließen und sich der Demonstration in Neukölln anschließen.
Q: MLHG: Sozialistische Studenten für ein festes Bündnis mit der Arbeiterklasse, Berlin o.J. (1971); Rote Presse Korrespondenz Nr.109-110,Berlin 2.4.1971; RC-Bulletin Nr.3,Berlin 13.4.1971

April 1971:
Der KB/ML Berlin gibt die "Erklärung des Kommunistischen Bundes Marxisten-Leninisten zum 1. Mai." heraus. Inhalt der Erklärung:
- Aufschwung der westdeutschen Arbeiterbewegung,
- Arbeiterbewegung in Westberlin,
- Kampfziele der Arbeiterklasse zum 1. Mai,
- Was sind die Aufgaben der Kommunisten?
- Parolen und Forderungen des KB/ML,
- Um den Revisionismus zu bekämpfen, muß man auch das Linkssektierertum bekämpfen!
- Warum Demonstration in Neukölln?
U.a. wird auch zur gegenwärtigen Auseinandersetzung um den 1. Mai Stellung bezogen. So heißt es:"
Zum Kampftag der Arbeiterklasse werden am diesjährigen 1. Mai zwei Demonstrationen in Westberlin stattfinden. Diese Tatsache ist das Ergebnis der Auseinandersetzung zwischen den politischen Organisationen in Westberlin um die Hauptaufgaben im Kampf der Arbeiterklasse in der gegenwärtigen Situation. Die selbsternannten - und einander eben deshalb heftig befehdenden - 'Führer der Arbeiterbewegung' die KPD/AO und die diversen KPD/MLs schlagen auf einmal aufs innigste miteinander versöhnt, ihren Kurs mit ihrem 'gewerkschaftlichen Mai-Komitee' in den Wedding; die SEW marschiert unter dem Deckmantel eines ebenfalls 'gewerkschaftlichen Mai-Komitees' in Neukölln. Der Block der antirevisionistischen Organisationen, die sich auf einer Reihe, auf die gegenwärtige ökonomische und politische Lage der nationalen und internationalen Arbeiterklasse bezogenen, Parolen und Forderungen einigen konnten, demonstriert auf der gleichen Route. In der gegenwärtigen Auseinandersetzung um die richtige Linie zum 1. Mai zeigt sich offen, welche 'antirevisionistischen' Organisationen in die Einöde des Linkssektierertums abwandern, und welche den Versuch unternehmen, an die Bewußtseinslage der Arbeiterklasse anzuknüpfen, und alle Möglichkeiten zu nutzen, unter den gegenwärtigen Kampfbedingungen die Kampfkraft der Arbeiterklasse zu stärken und ihr ökonomisches und politisches Bewußtsein voranzutreiben."

Gefragt wird:"
Warum ruft der Kommunistische Bund/ML zur Demonstration in Neukölln auf?

Trotz der Tatsache, daß unsere Anstrengungen am 1. Mai zu einer einzigen Demonstration zu kommen, gescheitert sind, halten wir daran fest, alle antikapitalistischen Kräfte aufzurufen, am 1. Mai in Neukölln machtvoll zu demonstrieren. Wir gehen davon aus, daß die kommunistischen Zirkel in ihrer Gesamtheit noch nicht vermocht haben, sich in relevantem Maße mit der Arbeiterbewegung zu verbinden. Dies trifft vor allem auf die KPD/AO und die KPD/ML-Roter Morgen (KPD/ML-ZK,d.Vf.) zu, die zwar in ihren Worten immer davon reden, aber in der Tat aufgrund ihrer linkssektiererischen Politik so gut wie nichts mit der spontanen Bewegung in der Arbeiterklasse zu tun haben. Von daher sind wir der Auffassung, daß die Mehrheit der klassenbewußten Arbeiter, die sich vorgenommen haben, am 1. Mai zu demonstrieren, die Mai-Demonstration in Neukölln stärken werden. … Diesen Einsichten folgend, hat sich der Kommunistische Bund/ML entschlossen, gemeinsam mit der Mehrheit der antirevisionistischen Gruppen und Organisationen Westberlins (PL/PI, SDA, Spartacus, Sozialistische Betriebsgruppe Tempelhof, Sozialistischer Frauenbund, RC, Aktionskomitee Nord, Basisgruppe Spandau und einige andere Gruppen) in Neukölln zu demonstrieren. … In diesem Sinne fordert der Kommunistische Bund/ML alle antikapitalistischen Kräfte in dieser Stadt auf, sich an der 1. Mai-Demonstration in Neukölln zu beteiligen."
Q: KB/ML:Erklärung des Kommunistischen Bundes Marxisten-Leninisten zum 1. Mai,Berlin 1971

April 1971:
In Berlin erscheint die Nr.4 von 'Die rote Faust' des KJVD der KPD/ML-ZB Okt.1970) - Extrablatt des KJVD für Westberlin, die sich auf ihren 4 Seiten mit dem 1.Mai beschäftigt. Sie wird u.a. vor NCR verteilt.
Q: Die rote Faust Nr.4,Berlin Apr. 1971

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April 1971:
In der Nr.5 ihres 'Bulldozer' (vgl. März 1971, 10.5.1971) berichtet die Berliner Betriebsgruppe Bau der KPD/ML-ZB u.a. von der Spaltung des gewerkschaftlichen Maikomitees durch die SEW.
Q: Der Bulldozer Nr.5,Berlin Apr. 1971

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April 1971:
In Berlin gibt die KPD/ML-ZB das 'Extrablatt der Betriebsgruppen der KPD/ML' Nr.16 (vgl. 10.5.1971) mit einem Umfang von 4 Seiten DIN A 4 heraus, in dem unter Verantwortung von Michael Schulte, Bochum, zur Maidemonstration ab Turmstraße/Ecke Stromstraße in Moabit aufgerufen wird. Uns wurde dieses Extrablatt bisher bekannt mit dem Titel folgender KPD/ML-ZB Betriebszeitungen aus Berlin:
- 'Der Bulldozer' für das Baugewerbe,
- 'Der NCR Arbeiter' für NCR.
- 'Der Rote Schaltwerker' für das Siemens Schaltwerk.
Q: KPD/ML-ZB:Extrablatt der Betriebsgruppen der KPD/ML Nr.16,Berlin Apr. 1971

Berlin-Bau-ZB049

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April 1971:
In Berlin erscheint die Nr.2 von '1. Mai Kampftag der Arbeiterklasse' (vgl. März 1971, 24.4.1971), in der unter der Verantwortung von Chr. Surmann über die Spaltung des Maikomitees, über eine Reihe von Betrieben und besonders die Jugendlichen berichtet wird. Es auch zur Großveranstaltung am 27.4.1971 aufgerufen.
Q: 1. Mai Kampftag der Arbeiterklasse Nr.2,Berlin 1971

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April 1971:
In der Nr.5 ihres 'Bulldozer' (vgl. März 1971, 10.5.1971) berichtet kann die Berliner Betriebsgruppe Bau der KPD/ML-ZB u.a. von der Spaltung des gewerkschaftlichen Maikomitees durch die SEW.
Q: Der Bulldozer Nr.5,Berlin Apr. 1971

April 1971:
In Berlin gibt die Betriebsgruppe Schwartzkopff der KPD/ML-ZB die Nr.9 ihres 'Schwartzkopff Hammer' (vgl. März 1971, Mai 1971) heraus, in der u.a. über die Spaltung des gewerkschaftlichen Maikomitees durch die SEW berichtet wird. Die KPD/ML-ZB wird deshalb nun im Wedding demonstrieren, während es die SEW nach Neukölln zieht.
Q: Der Schwartzkopff Hammer Nr.9 und Extrablatt,Berlin Apr. 1971 bzw. Apr. 1971

April 1971:
In Berlin gibt die KJO Spartacus eine Sonderausgabe ihres 'Spartacus' heraus, in dem u.a. aufgefordert wird: "Lehrlinge, Jungarbeiter! Demonstriert am 1.Mai für die Forderungen der Arbeiterjugend!". Aufgerufen wird auch zum Besuch einer Veranstaltung am 5.5.1971.
Q: KJO Spartacus:Spartacus Sonderausgabe,Berlin Apr. 1971

April 1971:
Der KB/ML Berlin gibt die "Erklärung des Kommunistischen Bundes Marxisten-Leninisten zum 1. Mai." heraus. Inhalt der Erklärung:
- Aufschwung der westdeutschen Arbeiterbewegung,
- Arbeiterbewegung in Westberlin,
- Kampfziele der Arbeiterklasse zum 1. Mai,
- Was sind die Aufgaben der Kommunisten?
- Parolen und Forderungen des KB/ML,
- Um den Revisionismus zu bekämpfen, muß man auch das Linkssektierertum bekämpfen!
- Warum Demonstration in Neukölln?
U.a. wird auch zur gegenwärtigen Auseinandersetzung um den 1. Mai Stellung bezogen. So heißt es:"
Zum Kampftag der Arbeiterklasse werden am diesjährigen 1. Mai zwei Demonstrationen in Westberlin stattfinden. Diese Tatsache ist das Ergebnis der Auseinandersetzung zwischen den politischen Organisationen in Westberlin um die Hauptaufgaben im Kampf der Arbeiterklasse in der gegenwärtigen Situation. Die selbsternannten - und einander eben deshalb heftig befehdenden - 'Führer der Arbeiterbewegung' die KPD/AO und die diversen KPD/MLs schlagen auf einmal aufs innigste miteinander versöhnt, ihren Kurs mit ihrem 'gewerkschaftlichen Mai-Komitee' in den Wedding; die SEW marschiert unter dem Deckmantel eines ebenfalls 'gewerkschaftlichen Mai-Komitees' in Neukölln. Der Block der antirevisionistischen Organisationen, die sich auf einer Reihe, auf die gegenwärtige ökonomische und politische Lage der nationalen und internationalen Arbeiterklasse bezogenen, Parolen und Forderungen einigen konnten, demonstriert auf der gleichen Route. In der gegenwärtigen Auseinandersetzung um die richtige Linie zum 1. Mai zeigt sich offen, welche 'antirevisionistischen' Organisationen in die Einöde des Linkssektierertums abwandern, und welche den Versuch unternehmen, an die Bewußtseinslage der Arbeiterklasse anzuknüpfen, und alle Möglichkeiten zu nutzen, unter den gegenwärtigen Kampfbedingungen die Kampfkraft der Arbeiterklasse zu stärken und ihr ökonomisches und politisches Bewußtsein voranzutreiben."

"Warum ruft der Kommunistische Bund/ML zur Demonstration in Neukölln auf?

Trotz der Tatsache, daß unsere Anstrengungen am 1. Mai zu einer einzigen Demonstration zu kommen, gescheitert sind, halten wir daran fest, alle antikapitalistischen Kräfte aufzurufen, am 1. Mai in Neukölln machtvoll zu demonstrieren. Wir gehen davon aus, daß die kommunistischen Zirkel in ihrer Gesamtheit noch nicht vermocht haben, sich in relevantem Maße mit der Arbeiterbewegung zu verbinden. Dies trifft vor allem auf die KPD/AO und die KPD/ML-Roter Morgen (KPD/ML-ZK,d.Vf.) zu, die zwar in ihren Worten immer davon reden, aber in der Tat aufgrund ihrer linkssektiererischen Politik so gut wie nichts mit der spontanen Bewegung in der Arbeiterklasse zu tun haben. Von daher sind wir der Auffassung, daß die Mehrheit der klassenbewußten Arbeiter, die sich vorgenommen haben, am 1. Mai zu demonstrieren, die Mai-Demonstration in Neukölln stärken werden. … Diesen Einsichten folgend, hat sich der Kommunistische Bund/ML entschlossen, gemeinsam mit der Mehrheit der antirevisionistischen Gruppen und Organisationen Westberlins (PL/PI, SDA, Spartacus, Sozialistische Betriebsgruppe Tempelhof, Sozialistischer Frauenbund, RC, Aktionskomitee Nord, Basisgruppe Spandau und einige andere Gruppen) in Neukölln zu demonstrieren. … In diesem Sinne fordert der Kommunistische Bund/ML alle antikapitalistischen Kräfte in dieser Stadt auf, sich an der 1. Mai-Demonstration in Neukölln zu beteiligen."
Q: KB/ML:Erklärung des Kommunistischen Bundes Marxisten-Leninisten zum 1. Mai,Berlin 1971

April 1971:
Der KB/ML Westberlin gibt seine 'Kommunistische Arbeiterzeitung' (KAZ – vgl. März 1971, Juni 1971) Nr. 8 heraus. Berichtet wird vom 1. Mai aus Berlin und auch vom Hamburger DGB.
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.8,Berlin Apr. 1971

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April 1971:
In einem Flugblatt der Sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (SDA), welches der Nr. 4/71 der 'Berliner Arbeiter Zeitung', die sich mit einer Vielzahl von hauptsächlich Berliner Betrieben befaßt, beigelegt ist, gibt die SDA bekannt, daß sich ein Vorbereitungskomitee gebildet hat, welches gegen die Demonstration der KPD/AO im Wedding für eine Maidemonstration in Neukölln eintritt. Als teilnehmende Gruppen werden aufgezählt: SDA, KB/ML Westberlin, PL/PI, Aktionskomitee Nord, Betriebsgruppen Tempelhof, Basisgruppe Spandau, Sozialistischer Frauenbund Westberlin, GIM, Republikanischer Club Westberlin.
Q: SDA:1. Mai Weltkampftag der Arbeiterklasse,Berlin 1971

Berlin-SDA001

Berlin-SDA002


April 1971:
In Berlin gibt die Proletarische Linke / Parteiinitiative (PL/PI) ihr Zentralorgan 'PL' Nr.4 (vgl. Apr. 1971, 1.5.1971) mit einer Auflage von 8 000 heraus. Enthalten ist die Gewerkschaftsresolution der PL/PI (vgl. März 1971).
Berichtet wird, dass man 15 Zellen habe. Erwähnt werden aus dem IGM_Bereich die Betriebe VDK (AEG), Siemens, Osram, AEG, KWU, Loewe, Siemens-Dynamowerk und Siemens-Wernerwerk.
Q: PL Nr.4,Berlin Apr. 1971

April 1971:
In Berlin gibt die KPD/ML-ZB das 'Extrablatt der Betriebsgruppen der KPD/ML' Nr.16 (vgl. Mai 1971) mit einem Umfang von 4 Seiten DIN A 4 heraus, in dem unter Verantwortung von Michael Schulte, Bochum, zur Maidemonstration ab Turmstraße/Ecke Stromstraße in Moabit aufgerufen wird. Uns wurde dieses Extrablatt bisher bekannt mit dem Titel folgender KPD/ML-ZB Betriebszeitungen aus Berlin:
- 'Der Bulldozer' für das Baugewerbe,
- 'Der NCR Arbeiter' für NCR.
Q: KPD/ML-ZB:Extrablatt der Betriebsgruppen der KPD/ML Nr.16,Berlin Apr. 1971

01.04.1971:
Heute führt das gewerkschaftliche Maikomitee Westberlin 1971 eine Veranstaltung in der TU durch, mittlerweile hat sich aber dieses Komitee gespalten und unter Obhut der SEW hat sich ebenfalls ein gleichnamiges Komitee gebildet, welches vermutlich die heutige Veranstaltung durchführt. Zumindest die KJO Spartacus aber mobilisiert ihre Anhänger noch am 29.3.1971 für diese Veranstaltung.
Q: KJO Spartacus-Ortsleitung Westberlin:Rundbrief,Berlin 29.3.1971; 1. Mai Kampftag der Arbeiterklasse Nr.1 und 2,Berlin 1971

02.04.1971:
In Berlin erscheint die 'RPK' Nr.109/110 (vgl. 26.3.1971, 16.4.1971) mit dem ersten Teil des Textes "Zur Gewerkschaftsfrage" von der KPD/AO (vgl. 23.4.1971). Heute wird zunächst besonders auf PL/PI und SEW eingegangen, beim eng benachbarten Thema der Maikampagne (vgl. 30.3.1971) grenzt man sich auch noch von KB/ML Berlin, KJO Spartacus, KPD/ML-ZK und Basisgruppe Spandau ab.
Q: Rote Presse Korrespondenz Nr.109/110,Berlin 26.3.1971

05.04.1971:
Bei Borsig Berlin werden, laut PL/PI (vgl. 12.4.1971), vermutlich in dieser Woche von den IGM-Vertrauensleuten Unterschriften für eine DGB-Demonstration am 1.Mai gesammelt.
Q: Klassenkampf - Ausgaben Borsig bzw. Siemens Dynamowerk Nr.12 bzw. Nr. 13,Berlin Apr. 1971

05.04.1971:
In Berlin wird, laut PL/PI (vgl. 12.4.1971), vermutlich in dieser Woche vom IGM OJA eine Resolution für eine DGB-Demonstration am 1.Mai verabschiedet.
Q: Klassenkampf - Ausgaben Borsig bzw. Siemens Dynamowerk Nr.12 bzw. Nr. 13,Berlin Apr. 1971

06.04.1971:
In der Nr.4 ihres 'NCR Arbeiters' (vgl. 12.3.1971, 28.4.1971) geht die Berliner Betriebsgruppe NCR der KPD/ML-ZB u.a. ein auf die Spaltung des Maikomitees durch die SEW.
Q: Der NCR Arbeiter Nr.4,Berlin 6.4.1971,S.9

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06.04.1971:
Die Ortsleitung Westberlin der KJO Spartacus gibt ein sechsseitiges Flugblatt "1.Mai 1971: Stärkt die Gewerkschaftsbasis gegen die Bürokratie" heraus.
Q: KJO Spartacus-OL Westberlin:1.Mai 1971: Stärkt die Gewerkschaftsbasis gegen die Bürokratie,Berlin 6.4.1971

12.04.1971:
Die MLHG an der FU Berlin (vgl. 19.4.1971) berichtet vermutlich aus dieser Woche (vgl. 30.3.1971), daß sich der Demonstration des nun allein von der KPD/AO getragenen Gewerkschaftlichen Maikomitees im Wedding nun auch die KPD/ML-NE, KPD/ML-ZB und KPD/ML-ZK angeschlossen hätten.
Q: MLHG: Sozialistische Studenten für ein festes Bündnis mit der Arbeiterklasse,Berlin o.J. (1971)

12.04.1971:
In Berlin erscheint vermutlich in dieser Woche die Nr.12 des 'Klassenkampf - Ausgabe Borsig' als Zeitung der Betriebszellen und Betriebsgruppen der Proletarischen Linken / Parteiinitiative (PL/PI - vgl. 6.4.1971, 26.4.1971).

Berichtet wird aus Berlin mit allgemeinen Artikeln u.a. über das gewerkschaftliche Maikomitee von KPD/AO und SEW, gegen das die PL/PI sei, da man sich nicht hinter der Gewerkschaft verstecken solle und selbst auch außerhalb dieser aktiv sei.
Q: Klassenkampf - Ausgabe Borsig Nr.12,Berlin Apr. 1971

13.04.1971:
Die Nr.6 des 'Hochschulkampf' des Initiativkomitees der Roten Zellen der PL/PI (vgl. 29.3.1971, 26.4.1971) weiß davon zu berichten, daß es "seit dem 30.3. … zwei 'Gewerkschaftliche Maikomitees' gibt, die beide einen 'gewerkschaftlichen' 1. Mai vorbereiten: eins von der SEW und eins von der KPD/AO (der sich noch drei KPD/ML-Splittergruppen angeschlossen haben). Alle anderen Organisationen, die ehemals im 'Gewerkschaftlichen Mai-Komitee' gesessen haben, haben sich mit der PL/PI in einem 'Vorbereitungskomitee für eine einheitliche 1. Mai-Demonstration' zusammengeschlossen."

Damit sei von einigen Organisationen "eine Politik korrigiert worden, die den Kampftag der Arbeiterklasse zu einem rein gewerkschaftlichen 1. Mai verkommen zu lassen drohte". Das 'Gewerkschaftliche Maikomitee' faßte am 30.3. den Beschluß, "sich selbst aufzulösen". Die Auflösung des von der KPD/AO "gegründeten Maikomitees zeigt das Scheitern einer Strategie, die über die Gewerkschaften 'heran an die Massen' will, und deren Ausgangspunkte Fiktionen sind".
Q: Hochschulkampf Nr.6,Berlin 13.4.1971

13.04.1971:
Der Berliner Republikanische Club (RC) gibt die Nr.3 seines 'Bulletins' heraus. Abgedruckt wird u.a. eine "Erklärung des RC-Vorstandes zum 1.Mai 1971 und zur Beteiligung des RC am Vorbereitungskomitee". Zunächst wird die Geschichte der bisherigen Vorbereitung des 1.Mai referiert (vgl. 31.1.1971, 25.2.1971, 14.3.1971, 30.3.1971).

Seit dem 30.3.1971 hat die KPD/AO für ihre Maidemonstration im Wedding Bündnispartner bei den KPD/ML's Neue Einheit, ZB und ZK gefunden. Bei der ganzen Rangelei zwischen den einzelnen Linien seien u.a. die Probleme des RC deutlich geworden, "einer Organisation, die nicht proletarisch ist, auch nicht werden will, sondern die Angehörigen der bürgerlichen Intelligenz organisiert, und zwar in der Rolle eines Bündnispartners des Proletariats."
Q: RC-Bulletin Nr.3,Berlin 13.4.1971

14.04.1971:
Die Berliner KPD/AO veröffentlicht wahrscheinlich heute die Nr.17 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 24.3.1971, 5.5.1971) und in dieser eine gemeinsame Erklärung mit der KPD/ML-ZK zum ersten Mai. Sie gibt bekannt, daß es in Berlin am 1.5. im Wedding eine Demonstration der KPD/AO und der KPD/ML's ZK, ZB und Neue Einheit geben wird, während in Neukölln die PL/PI, der KB/ML Westberlin, die KJO Spartacus sowie 'einige Basisgruppen' demonstrieren werden. Besuchen soll man ihre Großveranstaltung zum 1.Mai (vgl. 27.4.1971).
Q: Rote Fahne Nr.17,Berlin Apr. 1971

16.04.1971:
Heute jährt sich zum 85. Male der Geburtstag von Ernst Thälmann.

Der KJVD der KPD/ML-ZB (vgl. Apr. 1971) berichtet:"
ZUM 85. GEBURTSTAG ERNST THÄLMANNS
AN DER SPITZE DER KPD - EIN LEBEN FÜR DAS PROLETARIAT

Im Jahr 1929 brach die Weltwirtschaftskrise über die Arbeiter und das werktätige Volk herein.

Ihre Kämpfe nahmen einen ungeheuren Aufschwung.

Darum rief die KPD unter der Führung Thälmann die Arbeiter am 1.Mai 1929 heraus zu machtvollen Demonstrationen.

In einem Aufruf des Zentralkomitees hieß es:
'Straße frei am 1.Mai!
Arbeitsruhe in allen Betrieben!
Bildet überall Maikomitees!

Nehmt in allen Betrieben, in allen Gewerkschaften und Massenorganisationen Stellung! Beschließt einmütig die Arbeitsruhe und die revolutionäre Massendemonstration! Demonstriert am 1.Mai in Stadt und Land unter den Losungen des revolutionären Klassenkampfes! Unter den Losungen der Kommunistischen Partei! Trotz allen Verboten!'

1.MAI 1929

BERLINER ARBEITER GEGEN DEN ZÖRGIEBEL-STAAT

Die Arbeiter befolgten diesen Aufruf. Obwohl die SPD-Führer fast überall mit brutaler Niederschlagung von Demonstrationen drohten, konnten sie den offenen roten 1.Mai nicht verhindern.

In Berlin führten die Arbeiter einen heldenhaften Kampf, der sich von einem Kampf um das Recht auf den 1.Mai zu einem Kampf gegen die ganze Gewalt des bürgerlichen Staates entwickelte. 33 Arbeiter und Arbeiterinnen verloren dabei durch die Kugeln der Soldaten des SPD-Polizeipräsidenten Zörgiebel ihr Leben.

Trotz der Kampfkraft der Arbeiter, trotz der überlegenen Führung der Partei durch Ernst Thälmann konnte die KPD den Faschismus nicht von Deutschland abwenden. Den größten Teil der Schuld daran tragen die SPD- und Gewerkschaftsführer, die mit allen Mitteln die Arbeiter an der Herstellung einer proletarischen Einheitsfront gegen den Faschismus hinderten."
Q: Der Kampf der Arbeiterjugend Nr.4,Bochum Apr. 1971,S.7

16.04.1971:
In der Nr.111 der 'RPK' (vgl. 2.4.1971, 23.4.1971) erscheint von KPD/AO und KPD/ML-ZK eine "Gemeinsame Erklärung der KPD-Aufbauorganisation und der KPD/ML (Roter Morgen) zur Unterstützung der 1. Mai-Demonstration des gewerkschaftlichen Maikomitees im Wedding". Das Komitee wird ebenfalls unterstützt von der KPD/ML-ZB und der KPD/ML-NE.

Berichtet wird auch über die Gründung eines Südkoreakomitees (vgl. 8.4.1971) und über Laos. Bezüglich der Krisentheorie befaßt man sich mit SEW und Stamokap-Tendenz.
Q: Rote Presse Korrespondenz Nr.111,Berlin 16.4.1971

17.04.1971:
In Berlin veranstaltet die PL/PI heute in vier Stadtteilen Demonstrationen. Die Grundorganisation Wedding der KPD/AO kommt in einem Bericht darüber zu dem Ergebnis, daß die Demonstration in Moabit teilweise gut angekommen sei, weil dort proletarische PLer teilgenommen hätten, im Wedding allerdings sei es schlecht gewesen, weil dort keine proletarischen PLer teilnahmen, denn so viele Proletarier hat die PL/PI ja nun auch wieder nicht. Laut dem 'Hochschulkampf' fanden in 4 Stadtteilen "Kurzdemonstrationen im Rahmen der Mai-Kampagne" statt.

Im CPK-Bereich bei Spinnstoff Zehlendorf (vgl. 12.4.1971) und im IGM-Bereich bei SEL (vgl. 12.4.1971) und Siemens (vgl. 12.4.1971) wurden Vietnamdemonstrationen ab U-Voltastrasse im Wedding, Oranienplatz in Kreuzberg, Karl Marx-Platz in Neukölln und Turmstraße in Moabit angekündigt.
Q: Klassenkampf - Ausgaben SEL, Siemens und Spinne Nr.12,Berlin Apr. 1971; Hochschulkampf Nr.7,Berlin 26.4.1971,S.3; KPD/AO:GO Wed Bericht,o.O. (Berlin) o.J. (1971)

19.04.1971:
In Berlin geben die Sozialistischen Betriebsgruppen Tempelhof (der Name wird erstmals so angegeben) von Daimler, Gillette, NCR und SEL die Nr.8 ihrer 'Die Sache der Arbeiter' (vgl. März 1971, 26.4.1971) datiert auf April 1971 vermutlich in dieser Woche mit dem Titel 'Kommt zur Maidemonstration!' heraus.
Die Sache der Arbeiter Nr.8,Berlin Apr. 1971

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19.04.1971:
In Berlin gibt die PL/PI vermutlich in dieser Woche ein Flugblatt mit dem Aufruf zu ihrer Arbeiterversammlung am 23.4.1971 und zur Maidemonstration heraus.

Berichtet wird aus dem Berliner IGM-Bereich von AEG, Bosch, von Fritz Werner aus der Revolverdreherei, von Gillette über die Verpackungsmaschinen, von KWU, Osram, Siemens, u.a. über das Schaltwerk.
Q: Klassenkampf - Flugblatt zur Arbeiterversammlung am 23.4.,Berlin o.J. (1971)

19.04.1971:
Die MLHG an der FU Berlin gibt vermutlich in dieser Woche ein Flugblatt "Sozialistische Studenten für ein festes Bündnis mit der Arbeiterklasse" heraus, in der sie sich mit der Geschichte der Maivorbereitung in Berlin (vgl. 23.3.1971, 12.4.1971) befaßt und zur Demonstration in Neukölln aufruft.
Q: MLHG: Sozialistische Studenten für ein festes Bündnis mit der Arbeiterklasse,Berlin o.J. (1971)

22.04.1971:
In Berlin gibt die Betriebsgruppe Siemens-Gartenfeld der KPD/ML-ZB die Nr.5 ihres 'Roten Gartenfelders' (vgl. 2.4.1971, 14.5.1971) heraus, die u.a. eine Kurzkundgebung vor dem Werk für den Nachmittag ankündigt, bei der auch ein Extrablatt der 'Roten Fahne' zum 1.Mai, dem Lohndiktat und dem Betriebsverfassungsgesetz vertrieben werden soll. Es wird auch berichtet, daß das Maikomitee von der SEW gespalten worden sei.
Q: Der Rote Gartenfelder Nr.5,Berlin 22.4.1971

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23.04.1971:
In der Nr.2 ihres 'Roten Schaltwerkers' (vgl. 22.3.1971, Mai 1971) kündigt die Berliner Betriebsgruppe Siemens-Schaltwerk der KPD/ML-ZB u.a. eine Kurzkundgebung vor dem Werk für den Nachmittag an. Neben der Mitteilung, daß das Berliner Maikomitee durch die SEW gespalten worden sei, findet sich auch noch ein Artikel des KJVD zum 1.Mai, der aber offensichtlich aus einer anderen Betriebszeitung der KPD/ML-ZB ('Das rote System' für AEG Sickingenstr. Berlin) übernommen wurde, denn in ihm heißt es, "in den Betrieben wie hier in der Sickingenstr.".
Q: Der rote Schaltwerker Nr.2,Berlin 23.4.1971

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23.04.1971:
In der Nr.2 ihres 'Roten Schaltwerkers' (vgl. 22.3.1971, Mai 1971) kündigt die Berliner Betriebsgruppe Siemens-Schaltwerk der KPD/ML-ZB u.a. eine Kurzkundgebung vor dem Werk für den Nachmittag an. Neben der Mitteilung, daß das Berliner Maikomitee durch die SEW gespalten worden sei, findet sich auch noch ein Artikel des KJVD zum 1.Mai, der aber offensichtlich aus einer anderen Betriebszeitung der KPD/ML-ZB ('Das rote System' für AEG Sickingenstr. Berlin) übernommen wurde, denn in ihm heißt es, "in den Betrieben wie hier in der Sickingenstr.".
Q: Der rote Schaltwerker Nr.2,Berlin 23.4.1971

23.04.1971:
In Berlin besuchen, laut KPD/AO, 300 bis 400 die Jugendveranstaltung des Maikomitees, in dem sie selbst mitarbeitet, in der Gauß-Akademie. Darunter sind auch Jugendvertreter von Mannesmann Düsseldorf.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse - Ausgabe AEG Telefunken Nr.20,Berlin 18.5.1971; Rote Fahne Nr.18,Berlin Mai 1971; 1. Mai Kampftag der Arbeiterklasse Nr.3,Berlin 1971

24.04.1971:
In Berlin erscheint frühestens heute die Nr.3 von '1. Mai Kampftag der Arbeiterklasse' durch das Maikomitee, in dem auch die KPD mitarbeitet. Berichtet wird erneut aus einer Reihe von Berliner Betrieben, aber auch aus Düsseldorf, dem Maikomitee der DGB Jugend Kreis Kreuznach, dem gewerkschaftlichen Bildungsseminar Hustedt, dem politischen Arbeitskreis Daphnien Bruchsal, dem Bezirksjugendausschuß Hessen der Deutschen Postgewerkschaft, dem Lehrlingszentrum Neustadt/Weinstraße dem gewerkschaftlichen Maikomitee Ludwigshafen und den hauptsächlich vom SALZ getragenen Maikomitees in Hamburg. Aufgerufen wird zur Veranstaltung am 27.4.1971.
Q: 1. Mai Kampftag der Arbeiterklasse Nr.3,Berlin 1971

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26.04.1971:
In Berlin erscheint vermutlich in dieser Woche die Nr.13 des 'Klassenkampf - Ausgabe Fritz Werner' als Zeitung der Betriebszellen und Betriebsgruppen der Proletarischen Linken / Parteiinitiative (PL/PI - vgl. 12.4.1971, 28.5.1971) ohne Nummerierung. Aufgerufen wird zur Maiveranstaltung am 29.4.1971 und zur Maidemonstration.
Q: Klassenkampf - Ausgabe Fritz Werner o. Nr.,Berlin Apr. 1971

26.04.1971:
In Berlin erscheint vermutlich in dieser Woche die Nr.13 des 'Klassenkampf - Ausgabe SEL' als Zeitung der Betriebszellen und Betriebsgruppen der Proletarischen Linken / Parteiinitiative (PL/PI - vgl. 12.4.1971, 28.5.1971) ohne Nummerierung. Aufgerufen wird zur Maiveranstaltung am 29.4.1971 und zur Maidemonstration.
Q: Klassenkampf - Ausgabe SEL o. Nr.,Berlin Apr. 1971

26.04.1971:
In Berlin möchte die ÖTV-Opposition heute eine Veranstaltung zur Stellung der Gewerkschaften in unserer Gesellschaft und zu den Auseinandersetzungen um den 1.Mai im Preußeneck an der Mecklenburgischen Straße durchführen.
Q: ÖTV-Opposition:Informationsblatt der ÖTV-Opposition,Berlin Apr. 1971

26.04.1971:
Im Berliner 'Hochschulkampf', dem Kampfblatt des Initiativkomitees der Roten Zellen der PL/PI Nr.7 (vgl. 13.4.1971, 10.5.1971) wird der "Aufruf der IK-Zellen zur Maidemonstration in Neukölln" abgedruckt:"
Die Roten Zellen des Initiativkomitees unterstützen den Maiaufruf des Komitees zur Vorbereitung des 1. Mai und fordern alle sozialistischen Studenten auf, am 1. Mai an der Demonstration in Neukölln teilzunehmen. … Die Roten Zellen im Initiativkomitee rufen deshalb alle Studenten, die den Kampf der Arbeiterklasse unterstützen wollen, zur Teilnahme an der Demonstration in Neukölln. Die IK-Zellen werden auf dieser Demonstration keinen eigenen IK-Block unter studentischen Forderungen aufstellen. Sie unterstützen die Forderungen und Parolen des Komitees zur Vorbereitung des 1. Mai." Das Vorbereitungskomitee für eine Maidemonstration in Neukoelln ruft desweiteren dazu auf, "die Anstrengungen für eine einzige 1. Maidemonstration in Westberlin zu unterstützen". Eine Minimalplattform zum 1. Mai ist u. a. auch unterzeichnet von:
- Kommunistischer Bund/Marxisten-Leninisten (KB/ML),
- Proletarische Linke/PI,
- SDA,
- RC,
- Sozialistischer Frauenbund (SFB),
- Aktionskomitee Nord,
- Basisgruppe Spandau.
Q: Hochschulkampf Nr.7,Berlin 26.4.1971

26.04.1971:
In Berlin erscheint die 'RPK' Nr.113/114 (vgl. 23.4.1971) mit einem Aufruf zur Maidemonstration im Wedding.
Q: Rote Presse Korrespondenz Nr.113/14,Berlin 26.4.1971

26.04.1971:
In Berlin geben die Sozialistischen Betriebsgruppen Tempelhof von NCR, SEL, Daimler und Gillette (SBG) die Nr.9 ihrer Zeitung 'Die Sache der Arbeiter' datiert auf April (vgl. 19.4.1971), mit sechs Seiten DIN A4 vermutlich zu Anfang dieser Woche heraus. Berichtet wird außer über das gemeinsame Maiflugblatt von SBG, SDA, KB/ML und SFB, welches unserem Exemplar beiliegt, auch noch über die Berliner Betriebe IBM, SEL, Nordkabel (VDK) und Borsig sowie aus dem BSE-Bereich über die Zeitverträge bei der Firma Adolf Alexander in Berlin und Gandersheim.
Q: Die Sache der Arbeiter Nr.9,Berlin Apr. 1971

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27.04.1971:
In Berlin beteiligen sich, laut KPD/AO, mehr als 2 000 Personen an der Großveranstaltung ihres Maikomitees. U.a. nehmen Delegierte des Maikomitees der DGB-Jugend Bad Kreuznach, des Gewerkschaftlichen Maikomitees Ludwigshafen, des gewerkschaftlichen Bildungsseminars Hustedt, des DPG Bezirksjugendausschuß Hessen und Jugendvertreter von Mannesmann Düsseldorf teil.
Q: Rote Fahne Nr.18,Berlin Mai 1971; 1. Mai Kampftag der Arbeiterklasse Nr.2,Berlin 1971,S.3; Rote Presse Korrespondenz Nr.112 und 115,Berlin 23.4.1971 bzw. 1971

27.04.1971:
Die Rote Garde (RG) Berlin der KPD/ML-ZK verteilt zum 1.Mai die Flugschrift "Heraus zum 1.Mai im Wedding".
Q: RG Berlin:Heraus zum 1.Mai im Wedding,Berlin 27.4.1971

29.04.1971:
In Berlin wollte die PL/PI bzw. ihr Rotes Maikomitee heute ihre Maiveranstaltung zunächst in der Hasenheide durchführen. Später wurden als Ort die Kindl-Festsäle in der Hermannstraße benannt.

Aufgerufen wurde u.a. im IGM-Bereich bei Borsig (vgl. 15.3.1971), Fritz Werner (vgl. 5.4.1971), Loewe (vgl. 15.3.1971) und Siemens (vgl. 15.3.1971), sowie heute bei Borsig.

Die nach eigenen Angaben 1 300 Anwesenden solidarisieren sich in einer Resolution mit dem heutigen Streik bei Borsig.
Q: Klassenkampf - Ausgaben Borsig, Loewe, Siemens, Dynamowerk 2 Nr.10,Berlin März 1971; Klassenkampf - Ausgabe Fritz Werner Nr.11, Berlin Apr. 1971; Klassenkampf - Doch Massenentlassungen bei Borsig und Solidarität mit dem Streik in der Hammerschmiede,Berlin o.J. (29.4.1971) bzw. (30.4.1971)

29.04.1971:
Bei Borsig Berlin gibt die PL/PI ein Extrablatt ihres 'Klassenkampf' (vgl. 26.4.1971, 30.4.1971) als Flugblatt unter dem Titel "Doch Massenentlassungen bei Borsig" heraus, in dem über Hammerschmiede, Nebenbetriebe, das Röhrenwerk und die Angestellten berichtet und zur heutigen Maiveranstaltung aufgerufen wird.

Aufgrund der drohenden Entlassungen wird heute, laut PL/PI, dreieinhalb Stunden lang in der Pressenschmiede, der Vergüterei und der Hammerschmiede gestreikt.
Q: Klassenkampf - Doch Massenentlassungen bei Borsig und Solidarität mit dem Streik in der Hammerschmiede,Berlin o.J. (29.4.1971) bzw. (30.4.1971)

29.04.1971:
In Berlin führt das Mieterkomitee Britz-Buckow-Rudow bzw. Gropiusstadt, laut und mit KPD/AO, eine Demonstration mit 200 Teilnehmern durch (vgl. 24.4.1971), obwohl die SPD versucht habe die KPD/AO zu isolieren.
Q: Rote Fahne Nr.18,Berlin Mai 1971

29.04.1971:
In Berlin gibt die Ortsleitung der KJO Spartacus ihren Anhängern schnell noch einmal die Termine und die Linie für die Maitage bekannt.

Im Maikomitee der KPD sei keine offizielle Gewerkschaftsgruppe vertreten. Im Maikomitee der SEW seien die stärksten Gruppen die Fachgruppe Buchhandel der HBV und die Fachgruppe Gymnasien der GEW.

Im von der KJO inspirierten Komitee für gewerkschaftliche Aktionseinheit seien vertreten: JG Siemens, JG DTW, ÖTV-Opposition, ÖTV-Jugendopposition, Fachgruppe Architekturbüros der BSE, Sozialistischer Arbeitskreis Bibliotheken Berlin (SABBER).

Man plane einen gemeinsamen Block mit KB/ML, SDA, den Sozialistischen Betriebsgruppen Tempelhof und dem Sozialistischen Frauenbund Westberlin.

Das SEW-Komitee werde am 30.4. eine Veranstaltung in der Neuen Welt durchführen, man selber am 1.Mai auf dem Karl-Marx-Platz demonstrieren.
Q: KJO Spartacus-Ortsleitung Westberlin:ohne Titel,Berlin 29.4.1971

30.04.1971:
In Berlin besuchen, laut KPD/AO, über 2 000 die Veranstaltung ihres Maikomitees (vgl. 27.4.1971).
Q: Kommunistische Arbeiterpresse AEG Telefunken Nr.20,Berlin 18.5.1971

30.04.1971:
In Westberlin plant das SEW-gesteuerte Gewerkschaftliche Maikomitee für diesen Tag, laut KJO, eine Veranstaltung in der Neuen Welt.
Q: KJO Spartacus-Ortsleitung Westberlin:ohne Titel,Berlin 29.4.1971

01.05.1971:
In Berlin wurde, laut Arbeitskreis Wolfsburger Lehrlinge (AWL), der 1.Mai vom DGB als Kaffeestunde der Funktionäre konzipiert, "wo die Arbeiter am 1.Mai ausgesperrt werden und Gewerkschaftsbonzen im Sendesaal des Sender Freies Berlin eine Feierstunde der Klassenharmonie vom Stapel lassen. Die Arbeiter dürfen dieser Zeremonie dann an der heimischen Flimmerkiste beiwohnen."

Es beteiligen sich dann aber, laut SALZ Hamburg, ca. 25 000 an der Demonstration von SEW und Maikomitee durch Neukölln und Kreuzberg, darunter auch die, als 'kommunistische Organisationen' bezeichneten, Gruppen KB/ML, Basisgruppe Spandau und Sozialistische Betriebsgruppen (SBG) Tempelhof. Laut BKA Freiburg demonstrieren 20 000, laut PL/PI 25 000. Das SALZ Bremerhaven berichtet:"
Über 20 000 Kollegen waren dem Aufruf des gewerkschaftlichen Mai-Komitees gefolgt und veranstalteten eine machtvolle Demonstration durch das Westberliner Arbeiterviertel Neukölln."

Dort wollen auf der Demonstration in Neukölln KB/ML, SDA, KJO Spartacus, Sozialistische Betriebsgruppen (SBG) Tempelhof und der Sozialistische Frauenbund (SFB) Westberlin einen gemeinsamen Block bilden. Aufgerufen wurde auch durch die MLHG (vgl. 19.4.1971).

Dem 'Hochschulkampf' des Initiativkomitees (IK) der Roten Zellen zufolge sollen am 1. Mai in Neukölln "25 000 Arbeiter, Schüler und Studenten demonstriert haben". Die Demonstration stand unter den Parolen:
- Kampf gegen Entlassungen, Kurzarbeit und Lohnabbau,
- Gleicher Lohn für Männer und Frauen,
- Entlarven wir die reaktionäre Gewerkschaftsspitze,
- Für die Entfaltung der Klassenkämpfe in den Betrieben,
- Für starke Abteilungsgruppen als Kampforgane des Proletariats,
- Sieg im Volkskrieg, Klassenkampf im eigenen Land.

Für diese Maidemonstration auf dem Neuköllner Karl Marx Platz wurden u.a. ein Flugblatt "Die Gewerkschaft den Arbeitern! Kampf den Bürokraten!", welches von KJO Spartacus, ÖTV-Opposition, ÖTV-Jugendopposition, dem Sozialistischen Arbeitskreis Bibliotheken Berlin (SABBER) und der Fachgruppe Architektur/Ingenieurbüros der BSE unterzeichnet ist und ein Flugblatt mit dem selben Titel von einem Komitee für gewerkschaftliche Aktionseinheit verteilt.

Die KJO Spartacus gibt noch ein Flugblatt "Für gewerkschaftliche Aktionseinheit zum 1.Mai!" und eine Sonderausgabe ihres 'Spartacus' unter dem Titel "Lehrlinge und Jungarbeiter! Demonstriert am 1.Mai für die Forderungen der Arbeiterjugend!" heraus.

Im Maikomitee der PL/PI sind außer dieser selbst, laut KJO Spartacus, auch noch SFB, SDA, SBG Tempelhof, Basisgruppe Spandau und der KB/ML vertreten gewesen, wobei letzterer sich für eine einheitliche Demonstration eingesetzt habe.

Die Berliner SDA gibt heute oder für heute eine Ausgabe ihrer 'Berliner Arbeiterzeitung' (BAZ) heraus, in der u.a. die Existenz von Stadtteilgruppen der SDA in Neukölln und Kreuzberg erwähnt wird. Verantwortlich ist Paul H. Druschky.

Während die KPD/AO im Wedding demonstriert, will man selbst im Kreuzberger Block an der Demonstration teilnehmen, zu der ein Maivorbereitungskomitee von SDA, KB/ML, GIM, Aktionskomitee Nord, RC, Sozialistischer Frauenbund Westberlin und Sozialistische Betriebsgruppen Tempelhof aufrief.

Im Wedding bildet die KPD/ML-ZB zusammen mit den in der 'Roten Front' vereinten ausländischen Marxisten-Leninisten einen Block auf der Demonstration des im wesentlichen von ihr selbst gemeinsam mit der KPD/ML-ZK getragenen 'zentralen Maikomitees', der, nach eigenen Angaben, von anfänglich 300 Teilnehmern (u.a. von AEG, DIAG und Siemens) auf rund 500 von insgesamt 5 000 zum Schluß gewachsen sei.

Über die Teilnehmer ihres Blockes äußert sich die KPD/ML-ZB wie folgt:"
Es waren vorwiegend junge Arbeiter und Lehrlinge, vor allem aus den Großbetrieben, in denen Betriebsgruppen der KPD/ML arbeiten".

"Dem Block der KPD/ML schlossen sich die ausländischen Marxisten-Leninisten der Roten Front an. Angeführt von einer großen roten Fahne mit Initialen der Partei gingen im Block anfänglich 300 Kollegen von AEG, Siemens und des DIAG-Kozerns sowie Mitglieder und Sympathisanten der KPD/ML und des KJVD. Von einem Lautsprecherwagen mit einem großen Bild Ernst Thälmanns wurden zwei Reden gehalten, die den Kampf gegen das Lohndiktat begründeten, die dazu aufriefen, die KPD/ML zu stärken und sich in ihren Betriebsgruppen zu organisieren, weil die Arbeiterklasse eine starke, kommunistische Partei braucht, um im Kampf zu siegen. … Die Geschlossenheit und Disziplin des Blocks hob sich deutlich vom übrigen Teil des Demonstrationszuges ab und stieß bei den zuschauenden Kollegen auf unverkennbare Zustimmung. Immer mehr von ihnen reihten sich in den Block ein. Auch diese Demonstration in Westberlin zeigt das Wachsen der KPD/ML. Dieser Erfolg ist ein weiterer Ansporn für die KPD/ML und ihren Jugendverband, den KJVD, die westdeutsche und Westberliner Arbeiterklasse auf den Weg zum Kampf gegen alle ihre Feinde zu führen".
Das Resultat der Demonstration war: "Vom Auftreten der Partei vor und während der Demonstration überzeugt, entschlossen sich eine Reihe von Kollegen in der KPD/ML mitzuarbeiten."

An anderer Stelle heißt es:"
In West-Berlin beteiligten sich die Genossen der KPD/ML und des KJVD an der Demonstration des gewerkschaftlichen Mai-Komitees. Das gewerkschaftliche Mai-Komitee in Westberlin bestand neben der KPD/ML und dem KJVD vor allem aus der Roten Front, einem Bündnis ausländischer Marxisten-Leninisten, der Westberliner AO (Partei-Aufbau-Organisation) und der Gruppe 'Roter Morgen'."

Hierzu erfolgt später folgende Berichtigung:"
Die KPD/ML und ihr JV waren nicht im 1.Mai-Komitee. Sie haben lediglich an der Demonstration des Komitees teilgenommen. Das Komitee (bestehend aus den Gruppen 'Roter Morgen', 'Aufbauorganisation', 'Neue Einheit' und 'Spartacus' (KPD/ML-ZK, KPD/AO, KPD/ML-NE und KJO,d.Vf.)) hatte der KPD/ML erst zugesagt, daß sie als Partei innerhalb des Komitees auftreten könne, diese Zusage später allerdings begründungslos rückgängig gemacht.

Die KPD/ML und ihr JV haben dann als einzige Organisation unter eigenem Namen im Zug des Maikomitees demonstriert, vor allem, um die aktiven, unorganisierten Gewerkschafter im Zug zu unterstützen."

Weiter heißt es:"
Außer der Roten Front und der KPD/ML und dem KJVD traten alle Mitglieder des Aktionsbündnisses nicht offen auf, sondern gingen hinter dem Transparent des gewerkschaftlichen Mai-Komitees. Unsere Genossen bildeten einen EIGENEN BLOCK, der vor allem durch seine Disziplin schon beim ersten Hinsehen auffiel. Bei Beginn der Demonstration bestand der Block der Partei, an dessen Spitze ein Arbeitergenosse mit der Parteifahne ging, aus etwa 300 Kollegen und Genossen. Die KOLLEGEN kamen vor allem von SIEMENS und AEG und dem DIAG-KONZERN. Anfangs hielt ein Redner der Partei zwei kurze Agit-Reden, die noch einmal die Hauptlosungen begründeten. Auch während des Demonstrationszuges wurden mehrere Kurzreden gehalten. Da unsere Genossen, wenn nicht geredet wurde, Parolen ausriefen oder Arbeiterlieder sangen, blieb der Block der Partei niemals stumm und unterschied sich auch dadurch klar von der AO und den anderen Gruppen. Während der Demonstration, die vor allem durch den Wedding führte, REIHTEN SICH etwa 200 KOLLEGEN IN DEN BLOCK VON PARTEI UND JUGENDVERBAND EIN. Die älteren Kollegen waren vor allem begeistert von den Ernst Thälmann-Plakaten mit der Aufschrift 'Vorwärts im Geiste Ernst Thälmanns', die viele Genossen trugen, und der Disziplin unseres Blocks. Die Agit-Trupps hatten während der ganzen Demonstration alle Hände voll zu tun. Sie verkauften 300 'Rote Fahnen' - alle, die der LV Westberlin noch hatte - und bekamen sehr viele Adressen von Kollegen, die bei uns mitarbeiten wollen.

Die 1. Mai-Demonstration in Westberlin war ein großer Erfolg für unsere Partei und den Jugendverband. Die Partei der Arbeiterklasse hatte eindeutig die politische Führung dieser Demonstration inne."

In Berlin mobilisiert die KPD/AO für die Maidemonstration ab Turmstraße durch den Wedding u.a. mit einer 'Kommunistischen Arbeiterpresse - Ausgabe für die Metallbetriebe', die 8 Seiten dick und von Reinhard Pfriem unterzeichnet ist. Ausgeführt wird darin u.a., daß die Parteiaufbauorganisationen KPD/AO, KPD/ML-Neue Einheit, KPD/ML-ZB und KPD/ML-ZK im Wedding demonstrieren, während es SEW und die Parteifeinde nach Neukölln zieht. Außer auf die Mitbestimmung und das BVG wird noch auf die jugendlichen KollegInnen und die AEG eingegangen.

Der Zentralrat der Westberliner Oberschulkollektive (ZR) ruft zur "1. Mai-Demonstration im Wedding" auf, womit die Demonstration der KPD/AO gemeint ist.

Die KPD/AO zählt bei der Demonstration ihres gewerkschaftlichen Maikomitees 10 000 bis über 10 000 Teilnehmer, während die KPD/ML-ZK nur 6 000 ausmachen kann. Dafür weiß sie aber auch nicht, daß sich auch die Gruppe spanischer Arbeiter in der IG Metall beteiligte. Die örtliche KPD/ML-ZK unterbreitete, laut KPD, der KPD ein Aktionseinheitsangebot für die Maidemonstration, wofür sie aber vom eigenen ZK verurteilt worden sei. An der Veranstaltung des Komitees in der Hasenheide nahmen, nach eigenen Angaben, ca. 2 000 Menschen teil.

Der KPD/AO ist es, laut 'Hochschulkampf' bei den Vorbereitungen für die 1.Mai-Demonstration darum gegangen, den Nachweis zu erbringen, "daß die PL/PI durch ihr Festhalten an der Neuköllner Demonstrationsroute endgültig den opportunistischen Weg eingeschlagen habe. Die PL/PI (und die IK-Zellen) begründeten diese Entscheidung damit, daß der Kampf gegen den Revisionismus nicht durch zwei getrennte Demonstrationen, sondern in der inhaltlichen Auseinandersetzung und Vorbereitung der Maidemonstration in den Betrieben, vor den Schulen und Hochschulen sowie auf der Demonstration selbst geführt werden müsse. Die Maidemonstration in Neukölln hat die Richtigkeit dieser Entscheidung ganz und gar bestätigt. Die revolutionären Organisationen setzten sich durch getrennte Blocks, durch ihre Parolen und Spruchbänder, durch ihre Ansprachen klar von den Revisionisten ab."
Q: Hochschulkampf Nr.8,Berlin 10.5.1971; Roter Morgen Nr.5,Hamburg Mai 1971; Rote Presse Korrespondenz Nr.115,Berlin 1971,S.2; Rote Fahne Nr.9,Bochum 10.5.1971; Der Rote Gartenfelder Nr.6,Berlin 14.5.1971; Das Rote System Nr.14,Berlin 1.6.1971; Der Bulldozer Nr.6,Berlin Mai 1971; Der NCR Arbeiter Nr.6,Berlin 19.5.1971; Berliner Arbeiter Zeitung,Berlin 1.5.1971; Arbeiterstimme Nr.9,Bremerhaven Mai 1971,S.5; Kommunistische Arbeiter Zeitung Nr.7,Hamburg 26.5.1971; KJO Spartacus-Ortsleitung Westberlin:ohne Titel,Berlin 29.4.1971; KJO Spartacus:Maikampagne,Berlin 20.5.1971; Spartacus Sonderausgabe,Berlin Apr. 1971; Spartacus Nr.25,Bonn Dez. 1971/Jan. 1972; KJO Spartacus,ÖTV-Opposition,ÖTV-Jugendopposition,Sozialistischer Arbeitskreis Bibliotheken Berlin (SABBER) und Fachgruppe Architektur/Ingenieurbüros der BSE:Die Gewerkschaft den Arbeitern! Kampf den Bürokraten!,Berlin 1971; ZRdWOSK:1. Mai-Demonstration im Wedding,Berlin 1971; Komitee für gewerkschaftliche Aktionseinheit:Die Gewerkschaft den Arbeitern! Kampf den Bürokraten!,Berlin 1971; MLHG: Sozialistische Studenten für ein festes Bündnis mit der Arbeiterklasse, Berlin o.J. (1971); KJO Spartacus:Für gewerkschaftliche Aktionseinheit zum 1.Mai!,Berlin 1971; Klassenkampf Nr.9,Freiburg 11.5.1971; Klassenkampf - Ausgaben Loewe, Osram S-Werk und Spinne o. Nr.,Berlin Mai 1971; Kommunistische Arbeiterpresse - AEG Telefunken Nr.20,Berlin 18.5.1971; Kommunistischen Arbeiterpresse - Metallbetriebe 1.Mai 1971,Berlin 1971; Rote Fahne Nr.18 und 13,Berlin bzw. Dortmund Mai 1971 bzw. 28.3.1973; Roter Morgen Nr.5,Hamburg Mai 1971; Solidarischer Kampf Nr.3,Wolfsburg o.J. (1971); Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.34 und 38,Bochum 5.5.1971 bzw. 19.5.1971,S.4 bzw. S.8f

01.05.1971:
Im Zentralrat der Westberliner Oberschüler (ZR) beginnt die Herausbildung der ZR-Opposition (ZR-Oppo bzw. ZR-O) wegen dem Aufruf des ZR zur Maidemonstration der KPD.
Q: Schulkampf Nr.1,Berlin Okt. 1972

01.05.1971:
In Berlin gibt die Proletarische Linke / Parteiinitiative (PL/PI) einen Sonderdruck ihres Zentralorgans 'PL' (vgl. Apr. 1971, Juni 1971) mit einer Auflage von 8 000 heraus.
Q: PL Sonderdruck 1.Mai,Berlin 1971

14.05.1971:
Vor oder am 14.Mai erscheint in Berlin die Nr.11 von 'Der Schwartzkopff Hammer' (vgl. Mai 1971, 7.6.1971) - Zeitung der Betriebsgruppe Schwartzkopff der KPD/ML-ZB. Berichtet wird u.a. vom 1. Mai und auch, daß vor dem 1.Mai verschiedene Gruppen vor Schwartzkopff Flugblätter verteilt haben, obwohl die KPD/ML-ZB die einzige Gruppe ist, die dort mit einer Zelle und einer Betriebszeitung arbeitet.
Q: Der Schwartzkopff Hammer Nr.11,Berlin Mai 1971

Berlin-Schwartzkopff091

Berlin-Schwartzkopff092


14.05.1971:
Die Berliner Betriebsgruppe Siemens-Gartenfeld der KPD/ML-ZB gibt die Nr.6 ihres 'Roten Gartenfelders' (vgl. 22.4.1971, 24.5.1971) heraus, die sich u.a. auch mit dem 1. Mai beschäftigt.
Q: Der Rote Gartenfelder Nr.6,Berlin 14.5.1971,S.8f

Siemens_Hausgeraetewerk054

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20.05.1971:
In Berlin findet ein Plenum der KJO Spartacus statt, auf dem verschiedene Papiere vorgelegt werden. Die Ortsleitung Westberlin legt eine "Resolution zum Stand der Organisation" vor, in der u.a. betont wird, daß man im Gewerkschaftsmilieu seit der Maikampagne 1970 nichts dazugewonnen habe, vielmehr habe man noch Bastionen eingebüßt. In der Linken sei man dagegen jetzt anerkannt. Ähnliche Sorgen wie bei der ZL zeigen sich auch im "Papier der Metallzelle zur Situation der Organisation".
Q: KJO Spartacus-Ortsleitung Westberlin:Resolution zum Stand der Organisation,Berlin 20.5.1971; KJO Spartacus:Papier der Metallzelle zur Situation der Organisation,Berlin 20.5.1971

Juni 1971:
Der KB/ML Westberlin gibt seine 'Kommunistische Arbeiterzeitung' (KAZ – vgl. Mai 1971, Juli 1971) Nr. 9 heraus. Berichtet wird vom 1. Mai aus Berlin und auch aus Bremen, Hamburg, München und Nürnberg.
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.9,Berlin Juni 1971

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04.06.1971:
In der Nr.12 ihres 'Rotlicht' (vgl. 13.5.1971, 23.6.1971) schreibt die Berliner Osram-Betriebsgruppe der KPD/ML-ZB u.a.:"
Vor dem 1.Mai haben verschiedene Grüppchen vor unserem Betrieb Flugblätter und Zeitungen verteilt. … Aus der ehemaligen Studentenbewegung sind einige Grüppchen übriggeblieben, die jetzt mit dem Anspruch auftreten, die Arbeiter zu organisieren. Diese Grüppchen haben mit der KPD/ML nichts zu tun. … Sie ging nicht aus der Studentenbewegung hervor, sondern wurde von klassenbewußten Arbeitern geschaffen."
Es folgt eine Aufzählung der Berliner Betriebszeitungen der KPD/ML-ZB für AEG, Siemens, Osram, NCR, Schwartzkopff und für das Baugewerbe.
Q: Rotlicht Nr.12,Berlin 4.6.1971

02.08.1971:
In Berlin erscheint die 'Kommunistische Arbeiterpresse AEG Telefunken' (KAP) Nr.23 (vgl. 17.7.1971, 16.8.1971) auf August datiert vermutlich in dieser Woche erstmals durch die KPD und nicht mehr durch die KPD/AO. Enthalten ist auch das Kampfprogramm der Zelle, welches wir aus der 'Roten Fahne' (RF - vgl. 13.8.1971) der KPD wiedergeben. U.a. heißt es:"
Unsere Partei verbindet konkretes Eintreten für die Interessen der Kollegen mit beharrlicher politischer Überzeugungsarbeit. Deren erstes Ergebnis war die antifaschistische Resolution des R2-Bereichs gegen die Terrorprozesse in Burgos (in Spanien - vgl. Dez. 1970,d.Vf.). Im März dieses Jahres (vgl. 22.3.1971,d.Vf.) verabschiedete der gleiche Vertrauensleutekörper die Entschließung zur Gründung des gewerkschaftlichen Maikomitees und für eine oppositionelle gewerkschaftliche Maidemonstration, an deren Vorbereitung und Durchführung unsere Partei entscheidenden Anteil hatte."
Q: Rote Fahne Nr.23 und 30,Berlin 13.8.1971 bzw. 19.11.1971,S.5f bzw. S.5; Kommunistische Arbeiterpresse AEG-Telefunken Nr.23,Berlin Aug. 1971

09.08.1971:
Die KPD gibt vermutlich in dieser Woche ihre erste 'Kommunistische Arbeiterpresse' (KAP) bei Hoesch Dortmund (vgl. 6.9.1971) heraus. Ein Kasten auf S.1 führt unter einem Bild mit einem Transparent 'Berliner Chemiearbeiter fordern in der Tarifrunde 150 DM mehr für alle!' aus:"
Die absolute DM-Forderung der West-Berliner Kollegen auf der 1.Mai-Demonstration des Gewerkschaftlichen Mai-Komitees 1971.

Wie schon in der Chemie-Tarifrunde fordert die KPD eine einheitliche Lohnerhöhung."
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Nr.1,Dortmund Aug. 1971,S.1

13.08.1971:
Die KPD (vgl. 13.8.1971) berichtet:"
AKTIONSEINHEIT, EINHEITSFRONT, IDEOLOGISCHER KAMPF

Der Kampf um die Einheit der marxistisch-leninistischen Kräfte in Westdeutschland und Westberlin muß von einer materialistischen Einsicht in den Prozeß der Herausbildung dieser Kräfte, von ihrer klassenmäßigen Herkunft ausgehen. … Es liegt auf der Hand, daß eine Spaltung nützlich und notwendig ist, wenn sie Klarheit über die wichtigsten Fragen der revolutionären Bewegung bringt, wenn das Ergebnis der Spaltung tatsächlich die Herausbildung entgegengesetzter Plattformen fördert. Unter diesem Gesichtspunkt muß man auch den Verlauf und die zeitliche Dauer von Spaltungen sehen. Die Tatsache, daß der im Rahmen der KPD/ML Parteien ausgetragene Kampf keine Tendenz zeigt, zu dieser Klarheit zu führen, hat viele Arbeiter und Intellektuelle in die Arme des Revisionismus getrieben oder hat sie zu der Ansicht gebracht, unsere gegenwärtige Lage sei durch den Kampf miteinander rivalisierender Zirkel gekennzeichnet, die allesamt die Ebene der dialektischen Verbindung von Theorie und Praxis noch nicht erreicht hätten, daher auch unfähig seien, zur Erarbeitung einer nationalen Strategie vorzustoßen. Daß diese Haltung notwendig zu einer Kapitulation vor dem Revisionismus führt, haben wir an mehreren Beispielen nachgewiesen (Die Haltung verschiedener Organisationen während der Kampagne für den 1.Mai in Westberlin).

Indem wir unbeirrt am nationalen Parteiaufbau festhalten, bemühen wir uns gleichzeitig, Aktionsbündnisse auf der Basis einer vorhergehenden Klärung der strategischen Fragen mit anderen sich als Marxisten-Leninisten bezeichnenden Gruppen zu schließen. Die Bedeutung dieser Aktionsbündnisse besteht einmal darin, an wichtigen Abschnitten unseres Kampfes die Kraft aller zum Marxismus-Leninismus sich Zählenden einsetzen zu können. Wichtiger aber ist, daß die theoretischen Positionen der Parteien und Gruppen praktisch überprüfbar werden, daß die Möglichkeit eröffnet wird, an einem Frontabschnitt zu einer wirklichen Klärung der Grundpositionen zu kommen.

Wir haben diese Linie in der Vorbereitung des 1.Mai verfolgt und haben erreicht, daß 1. in der Praxis sichtbar wurde, bis zu welchem Grad eine Partei oder Gruppe sich an der Verwirklichung eines gemeinsamen Plans beteiligen kann, daß 2. die verschiedenen Parteien und Gruppen gezwungen wurden, ihre Linie zum gewerkschaftlichen Kampf darzulegen, und daß es 3. unmöglich wurde, mit fiktiven Beschuldigungen, Diffamierungen und Verzerrungen gegenüber den eigenen Mitgliedern der Partei zu arbeiten und damit zu versuchen, eine isolierende Wand zwischen sich und den anderen Parteien und Organisationen zu errichten."
Q: Rote Fahne Nr.23, 39 und 41,Berlin bzw. Dortmund 13.8.1971, 24.3.1972 bzw. 19.4.1972,S.8, S.8 bzw. S.4

06.09.1971:
In Bochum gibt die KPD/ML-ZK vermutlich in dieser Woche die Nr.4 ihrer 'Rot Front!' - KPD/Marxisten-Leninisten informiert (vgl. Aug. 1971) heraus. Im zweiten Artikel heißt es u.a.:"
GEWERKSCHAFTSBONZEN FÜR VERBOT DER KPD/ML!
AUCH DKP-FUNKTIONÄRE STIMMTEN FÜR VERBOTSANTRAG!

'Linksfaschisten' gibt es, wenn man diese Bezeichnung aufgreifen will: Lenin, Stalin und Mao Tse-tung haben sie Sozialfaschisten genannt. Sie sitzen in der Führung der SPD, dem DGB und der DKP. Der Berliner Polizeihund Zörgiebel, war solch ein Sozialfaschist, er ließ am 1.Mai 1929 33 Arbeiter niederschießen. Auch heute drohen solche Leute wieder, daß sie 'mit dem Extremismus von links fertig werden wollen', wie sich der IG Chemie-Vorsitzende (CPK,d.Vf.) Hauenschild ausdrückte. Wie sie das machen wollen, zeigen die Anträge an den IGM-Tag."
Q: Rotfront Nr.4,Bochum o.J. (Sept. 1971)

29.09.1971:
Vor Minister Stein und Fürst Hardenberg Dortmund soll vermutlich heute die 'Rote Fahne' (RF) Nr.19 der KPD/ML-ZB (vgl. 27.9.1971) verkauft werden, für die so geworben wurde:"
WAS SCHREIBT DIE NEUE ROTE FAHNE

Daß die SPD-Regierung die erstarkende Arbeiterklasse fürchtet, ist klar. Deshalb rüstet sie zur brutalen Unterdrückung und Niederhaltung von Streiks, denn ihre Parteifreunde in den Gewerkschaften haben langsam abgewirtschaftet. Unter der Überschrift:
BUNDESGRENZSCHUTZ (BGS,d.Vf.): POLIZEIARMEE FÜR DEN BÜRGERKRIEG GEGEN DIE ARBEITERKLASSE SPD-REGIERUNG ERLIESS NEUES GESETZ - DER NAME IST NUR TARNUNG schreibt die ROTE FAHNE:
'Der Ausbau des Bundesgrenzschutzes zur Bürgerkriegsarmee, die den Kampf der Arbeiterklasse blutig und mit der Gewalt des kapitalistischen Staatsapparates unterdrückt, gehört dazu. Daß die SPD-Führer nicht zögern werden, streikende und demonstrierende Arbeiter niederzuschießen, haben sie schon in der Weimarer Republik vorgeführt: SPD-Polizeipräsident Zörgiebel ließ 1929 in Berlin 33 Arbeiter niederschießen, die sich ihr Demonstrationsrecht am 1. Mai von den SPD-Führern nicht nehmen lassen wollten.'

Und warum müssen die SPD-Führer die Arbeiterklasse niederhalten, warum brauchen sie Ruhe an der Heimatfront? Um in Ruhe die Vorbereitungen zur Eroberung der DDR zu treffen. Darüber berichtet die ROTE FAHNE ausführlich in ihrem Hauptartikel: KRIMREISE UNHEILVOLLER AKT wo aufgezeigt wird, daß die SPD-Regierung jetzt auf Kosten der Arbeiterklasse entscheidende Schritte auf dem Weg zur Großmacht tut."
Q: Rutsche Belegschaftsversammlung auf Hardenberg,Dortmund o.J. (1971),S.3ff

23.10.1971:
In der 'RPK' Nr.138 (vgl. 16.10.1971) werden die "Thesen der Oberschüler-Kommission bei der Zentralen Leitung des KSV zur Arbeit unter Oberschülern" abgedruckt. Darin heißt es u.a.:"
Die Gründung der Oberschülerkommission ist der erste Schritt zum Aufbau einer nationalen kommunistischen Oberschülerorganisation, die die bestehenden sozialistischen Massenorganisationen der Oberschüler ablösen wird". Die OSK beginnt mit ihrer praktischen Arbeit in West-Berlin und wird im Zentralrat der Oberschüler (der vor allem im gewerkschaftlichen Maikomitee 1971 hervorgetreten war) die politische Auseinandersetzung führen."
Q: Dem Volke dienen Nr.1,Dortmund 25.10.1972,S.2; Rote Presse Korrespondenz Nr.138,Berlin 23.10.1971,S.1ff

26.11.1971:
Die KPD (vgl. 28.1.1972) berichtet aus der CPK Berlin (vgl. 11.11.1971, 2.12.1971) u.a. von heute:"
EIN FEIND DER ARBEITERKLASSE IN WORTEN UND TATEN

Eduard Kolitsch ist seit 1969 Geschäftsführer der westberliner Verwaltungsstelle der IG Chemie. … Die KOMMUNISTISCHE ARBEITERPRESSE (KAP - vgl. Dez. 1971,d.Vf.) berichtete in ihrer letzten Nummer von einem Brief Kolitschs an die Jugendvertrauensleute bei Schering. Mit diesem Brief versuchte Kolitsch, einen Keil zwischen den Jugendvertrauensleutekörper und die Jugendlichen zu treiben.

Die Jugendvertrauensleute hatten zwei Resolutionen verabschiedet. Zum einen hatten sie eine Straßendemonstration am 1.Mai, dem Kampftag der Arbeiterklasse, gefordert. Zum anderen verurteilten sie das gerade verabschiedete 'neue' Betriebsverfassungsgesetz (BVG - vgl. 10.11.1971,d.Vf.).

EIN BRIEF DES ARBEITERFEINDES

'Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen!

Am 25.November 1971 wurden im Verwaltungsstellenbüro vom Kollegen Deutschmann zwei Resolutionen des Jugendvertrauensleutekörpers Schering I abgegeben. Obwohl beide Resolutionen keinen Adressaten haben, also auch an den lieben Gott gerichtet sein könnten, und obwohl berechtigte Zweifel über die Behauptung bestehen, daß diese Resolutionen vom gesamten Jugendvertrauensleutekörper EINSTIMMIG angenommen wurden, da der Verwaltungsstelle nichts über eine Versammlung der Jugendvertrauensleute am 18.November 1971 bekannt ist, möchte der Unterzeichner dazu Stellung nehmen.

Demokratie ist für Euch nur solange eine Forderung, wie sie Euch ermöglicht, als eine Minderheit eine Mehrheit zu vergewaltigen. Das zeigt sich auch in der zweiten Resolution, die eine Demonstration zum 1.Mai auf der Straße fordert.

Nicht die Entscheidung der Mehrheit unserer Mitglieder, bei der sich jedes einzelne Mitglied ohne Druck zu Hause für die eine oder andere Form des 1.Mai entscheiden konnte, ist für Euch verbindlich, sondern Ihr bildet Euch ein, diejenigen zu sein, die allein, selbst gegen den Willen einer überwältigenden Mehrheit, das Geschehen bestimmen können. Auch hier zeigt sich wieder ganz offen, daß Ihr nichts Anderes tun könnt, als die Forderungen der KPD/AO, wie sie ebenfalls in der Ausgabe dieses gewerkschaftsfeindlichen Häufleins vom 20.November 1971 (?,d.Vf.) abgedruckt sind, bei uns als Resolution einzubringen. Das gilt sowohl für den Antrag in dieser Resolution als auch für die Kritik am Text der Umfrage. Ihr verwendet sogar die gleichen Worte.

Für uns jedenfalls gilt die Meinung einer Mehrheit und dieser Meinung entsprechend werden wir auch bei der Festsetzung der Form des 1.Mai 1972 stimmen.

Im übrigen möchten wir Euch empfehlen, bei der Einreichung von Anträgen und Resolutionen, auch die Zahl der Anwesenden mitzuteilen. Einstimmige Anträge oder Resolutionen sind auch dann einstimmig, wenn nur drei Anwesende da waren und zugestimmt haben.

Das sagt dann aber nichts aus über die Meinung der ganzen Mitglieder oder Vertrauensleute.

Mit freundlichen Grüßen

Industriegewerkschaft Chemie-Papier-Keramik
Verwaltungsstelle Berlin
E. Kolitsch'"
Q: Rote Fahne Nr.35,Berlin 28.1.1972,S.8

02.12.1971:
Die KPD (vgl. 28.1.1972) berichtete aus der CPK Berlin vom Schreiben des Geschäftsführers an den Jugend-VLK Schering (vgl. 26.11.1971):"
Auf den auch sachlich unrichtigen 'offenen Brief' Kolitschs antwortete die Leitung der Jugendvertrauensleute. Wir drucken anschließend dieses Antwortschreiben ab.

DIE ANTWORT DES JUGENDVERTRAUENSLEUTEKÖRPERS SCHERING

JVL-Schering I Berlin, den 2.12.1971

Zu deinem Schreiben zum 1.Mai ist noch zu sagen, daß, wenn Ihr eine Umfrage zur Form des 1.Mai macht, den Mitgliedern auch die Möglichkeit einer unbeeinflußten Meinungsbildung geben müßt und nicht von einer 'Krawalldemonstration' ausgehen dürft. Unserer Meinung nach wäre eine Demonstration auf der Straße viel eindrucksvoller als eine Versammlung im Saal. Uns erhebt sich außerdem die Frage, warum nicht alle Mitglieder diese Umfrage erhalten haben.

mit freundlichen Grüßen
JVL-Leitung der Schering AG"
Q: Rote Fahne Nr.35,Berlin 28.1.1972,S.8

29.02.1972:
Der Kommunistische Bund Bremen (KBB - vgl. 3.4.1972) berichtet vom:"
KAMPF GEGEN FAHRPREISERHÖHUNGEN IN WESTBERLIN

Am 29.Februar demonstrierten durch die Arbeiterviertel Westberlins 8 000 Menschen unter den Losungen 'Verhindert die Fahrpreiserhöhung bei der BVG' und '30 Pfg. Einheitstarif'. 2 000 Mitglieder der Jugendgewerkschaften führten den Demonstrationszug an.

In der Vorbereitung und Durchführung der Demonstration zeichnet sich eine Wende in der Westberliner Arbeiterbewegung ab. Westberlin, Zentrum der Studentenbewegung, konnte sich noch bis vor kurzem 'rühmen', die 'ruhigsten' Gewerkschaften ganz Westeuropas zu haben. Außer einem Streik bei der BVG, organisiert durch die ÖTV, haben die Gewerkschaften bis heute keine Arbeitskämpfe durchgeführt, obgleich die Löhne der Arbeiter immer niedriger waren als in vergleichbaren Großstädten. Auf die besondere politische Lage Westberlins pochend, hatten Senat und Gewerkschaftsführung den Kapitalisten in Westberlin eine Oase des Arbeitsfriedens geschaffen, während diese Kapitalisten über Subventionen, Steuervergünstigungen und niedrige Löhne Milliarden Extraprofite aus der Westberliner Arbeiterklasse zogen. Doch während die Kapitalisten ihre Milliardenschäfchen ins Trockene brachten, verschlechterte sich die Lage der Westberliner Arbeiterklasse von Jahr zu Jahr: Produktionsverlagerungen und fehlende Investitionen verunsichern die Arbeitsplätze; soziale Vergünstigungen aus der Zeit des Kalten Krieges wie Wohnraumbewirtschaftung und Mietpreisbindung fielen fort. Die Arbeiter waren daher in den letzten Jahren immer weniger bereit, für die antikommunistischen Freiheitslosungen des Senats und der Gewerkschaften auf die Straße zu gehen, wie früher alljährlich zum 1.Mai.

Die Aktionen gegen die Fahrpreiserhöhungen aber zeigen, daß die jungen Arbeiter Westberlins beginnen, offen den Kampf gegen die Verschlechterung der Lage der Westberliner Arbeiterklasse und gegen die Stillhaltepolitik der Gewerkschaftsführung aufzunehmen."

Der KBB zitiert auch:"
AUS DER REDE EINENS JUNGEN ARBEITERS AUF DER KUNDGEBUNG GEGEN DIE FAHRPREISERHÖHUNG

Ein Meilenstein werden die Betriebsräte- und Vertrauensleute-Wahlen (BRW bzw. VLW,d.Vf.) sein. Hier werden wir jeden Kandidaten fragen, wo er politisch steht, ob er unsere Forderungen unterstützt oder nicht. Wer dafür ist, sich hinter den Paragraphen des Betriebsverfassungsgesetzes (BVG,d.Vf.) zu verstecken - den werden wir nicht wählen. Wer dafür ist, das Betriebsverfassungsgesetz zu einem Werkzeug zur Durchsetzung unserer unmittelbaren Interessen zu machen - den werden wir wählen.

Wer die Beschlüsse der Gewerkschaften nur als Arbeitspapiere ansieht, die im Aktenschrank verfaulen können - den werden wir nicht wählen. Wer sich dafür einsetzt, daß diese Beschlüsse im tagtäglichen Kampf verwirklicht werden - den werden wir wählen.

Wer dafür ist, daß der 1.Mai im Saal stattfindet, so wie im vorigen Jahr - den werden wir nicht wählen. Wer sich dafür einsetzt, daß der 1.Mai auf der Straße stattfindet, der wird unsere Stimme bekommen."
Q: Wahrheit Nr.3,Bremen Apr. 1972,S.17f

14.03.1972:
In der Berlin-Beilage der 'Metall' Nr.6 der IGM erscheint, laut KPD/ML-ZK, folgende Notiz:"
ABERKANNT

Die Ortsverwaltung entzog der Jugendgruppe AEG-Telefunken die Anerkennung als Jugendgruppe der IG Metall."

Die KPD/ML-ZK meint dazu:"
Gerade jetzt vor Betriebsratswahlen und 1. Mai zeigen die IGM-Bonzen ihre berechtigte Furcht besonders vor den Aktivitäten der Metall-Jugend. Denn 'Die Jugend ist die aktivste und lebendigste Kraft der Gesellschaft. Sie ist am meisten begierig zu lernen, am wenigsten konservativ im Denken, und dies besonders im Zeitalter des Sozialismus.' (MAO TSETUNG)".
Q: Roter Lautsprecher Nr.3,Berlin Apr. 1972,S.4

15.03.1972:
Die SEW gründet heute in Berlin, laut KB, ein Gewerkschaftliches Mai-Komitee.
Q: Arbeiterkampf Nr.19,Hamburg Juni 1972,S.12

18.03.1972:
Laut KPD (vgl. 7.4.1972) "erwähnt 'Die Wahrheit', die Zeitung der SEW, die unverschämten Angriffe und Tricks, die der IG Chemie Verwaltungsstellenvorstand Kolitsch auf der letzten Hauptdelegiertenversammlung gegen fortschrittliche Kollegen anwandte, mit keinem Wort, sondern berichtet lediglich in lobenden Tönen was für fortschrittliche Anträge und Beschlüsse auf dieser Hauptdelegiertenversammlung verabschiedet worden seien: nämlich die Forderung nach Ratifizierung der Ostverträge."

Die KPD (vgl. 7.4.1972) berichtet auch:"
DELEGIERTEN-HAUPTVERSAMMLUNG DER IG-CHEMIE, PAPIER, KERAMIK, IN WESTBERLIN, 18.3.1972
MANIPULATION UND HETZE

Um nicht zu der Empörung der Schering-Kollegen gegen die Art der Aufstellung und 'Wahl' der neuen Kandidaten Stellung nehmen zu müssen, griff er das Vorgehen fortschrittlicher Gewerkschafter an, gegen diese Kandidatenliste eine gerichtliche Verfügung zu erreichen. Tatsache ist, daß die inzwischen von 200 Kollegen unterstützte Forderung nach Wiederholung der Kandidatenwahl von Arbeiterverräter Kolitsch ignoriert wird, der stattdessen die Jugendgruppe (JG,d.Vf.) beschimpft und ihr vorwirft, sie sie mit der KPD zu verwechseln - als Grund dafür nannte er Forderungen, z.B. zum 1.Mai, die bei vielen Kollegen auf Zustimmung gestoßen sind. Kolitschs letzte Weisheit lautet, die Vertrauensleuteversammlung sei 'souverän' gewesen und habe mit 43 zu 35 Stimmen entschieden (RF 39)."
Q: Rote Fahne Nr.40,Dortmund 7.4.1972,S.3 und 6

23.03.1972:
Vermutlich heute wird in Berlin, laut KPD, von den Lehrlingen der AEG Brunnenstraße ein/e Delegierte/r für das Maikomitee gewählt, nachdem zuvor schon ein Maiausschuß AEG Brunnenstraße von 60 KollegInnen gegründet worden war (vgl. 25.3.1972).
Q: Kommunistische Arbeiterpresse AEG Telefunken Nr.35,Berlin Apr. 1972

24.03.1972:
In Berlin-Wedding führen die Zellen AEG, Schering und Rudolf-Virchow Krankenhaus der KPD heute eine Arbeiterrunde "Betriebsratswahl- 1.Mai" durch, zu der u.a. mit einem gleichnamigen 'Rote Fahne Sonderdruck' aufgerufen wird.
Q: Rote Fahne Sonderdruck Betriebsratswahl - 1.Mai,Berlin o.J. (1972)

24.03.1972:
Zu der heutigen Arbeiterrunde der KPD in Berlin-Moabit zum 1.Mai und den Betriebsratswahlen wird auch bei Siemens aufgerufen.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Siemens Nr.5,Berlin 22.3.1972

25.03.1972:
In Berlin findet, laut KPD, die erste Sitzung des von ihr unterstützten Maikomitees (MK - vgl. 6.4.1972) statt, zu dem von AEG Brunnenstraße (IGM-Bereich) zwei Delegierte entsandt werden. Die KPD (vgl. 7.4.1972) berichtet u.a. von heute:"
WESTBERLIN
DIE VORBEREITUNG DES 1.MAI

Vor den Betrieben und in den Arbeitervierteln wurde ein Aufruf der Partei mit dem Programm zum diesjährigen 1.Mai verteilt. Unter Anleitung der Stadtteilleitungen (StL,d.Vf.) der Partei werden die Straßenzellen in Zusammenarbeit mit den in den Stadtteilkomitees (StK,d.Vf.) zusammengeschlossenen Sympathisanten der Partei Agit-Prop-Trupps bilden, die in ihren Wohnbereichen erstmalig auch Haus- und Hof-Propaganda durchführen werden. Alle Kräfte der Partei werden unter der Parole 'Vorwärts zum 1.Mai' auf die Massenarbeit zur Vorbereitung des 1.Mai ausgerichtet. Diese Arbeit wird nicht neben der 'normalen' Agitation und Propaganda herlaufen, sondern durch die verstärkten Anstrengungen zum 1.Mai wird die Massenarbeit der Partei einen Sprung nach vorn machen.

In den einzelnen Betrieben haben sich fortschrittliche Gewerkschafter aus Protest gegen den Verrat der Gewerkschaftsspitze zu gewerkschaftsoppositionellen Maiausschüssen zusammengeschlossen.

IN DIESEN AUSSCHÜSSEN UND IN OPPOSITIONELLEN GEWERKSCHAFTLICHEN GREMIEN WURDEN DELEGIERTE GEWÄHLT, DIE AM 25.3. DAS MAIKOMITEE OPPOSITIONELLER GEWERKSCHAFTER GRÜNDETEN.

Das Maikomitee hat ein Programm verabschiedet, in dem die Forderungen, für die die im Maikomitee zusammengeschlossenen Gewerkschafter demonstrieren wollen, zusammengefaßt und begründet werden.

Das Maikomitee arbeitet 'mit allen Kräften zusammen, die sich für eine Demonstration der Kampfentschlossenheit der Arbeiterklasse einsetzen… Es tritt aber entschieden allen Mitbestimmungsillusionen entgegen, wie sie von der SEW-Führung und ihrem Maikomitee vertreten werden' (Aus: Programm des Maikomitees oppositioneller Gewerkschafter 1972). Die SEW hat in Westberlin ein 'Maikomitee' gegründet, das offen die illusionäre Forderung nach mehr Mitbestimmung: 'Für mehr Arbeiterrechte im Betrieb, in Wirtschaft und Gesellschaft - gegen die Macht der Monopole' vertritt. Wie ihre Parole von 'Frieden, Demokratie und Sozialismus' zu verstehen ist, zeigen die Revisionisten in ihren Maiaufrufen, wie in ihren anderen Zeitungen: es geht ihnen einzig um die Ratifizierung der Ostverträge (mit der SU bzw. Polen,d.Vf.).

Die bedingungslose Unterordnung unter die imperialistischen Interessen der Sowjetunion und die Interessen des BRD-Monopolkapitals, die von SPD und Gewerkschaftsführung gewahrt werden, führt zur kritiklosen Anbiederei an die Gewerkschaftsspitze.

So erwähnt 'Die Wahrheit', die Zeitung der SEW, die unverschämten Angriffe und Tricks, die der IG Chemie (CPK,d.Vf.) Verwaltungsstellenvorstand Kolitsch auf der letzten Hauptdelegiertenversammlung (vgl. 18.3.1972,d.Vf.) gegen fortschrittliche Kollegen anwandte, mit keinem Wort, sondern berichtet lediglich in lobenden Tönen was für fortschrittliche Anträge und Beschlüsse auf dieser Hauptdelegiertenversammlung verabschiedet worden seien: nämlich die Forderung nach Ratifizierung der Ostverträge. Dasselbe Spiel wiederholte sich bei der Berichterstattung der 'Wahrheit' über die IGM Vertreterversammlung (vgl. S3.*.1972,d.Vf.).

Diesen Opportunismus der Revisionisten gegenüber der Gewerkschaftsführung verurteilt das Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter entschieden und ruft alle fortschrittlichen Kollegen auf, sich nicht an der Demonstration der modernen Revisionisten zu beteiligen, sondern die Demonstration der antirevisionistischen Kräfte unter Führung der KPD in Moabit und Wedding zu unterstützen. Es ruft alle fortschrittlichen Gewerkschafter auf, dort wo es noch nicht geschehen ist, gewerkschaftsoppositionelle Maiausschüsse auf Betriebsebene zu gründen, um so zum Aufbau und zur Stärkung der Gewerkschaftsopposition beizutragen.

Auf der Grundlage des Programms haben die einzelnen Maiausschüsse beschlossen, eigene Agitation und Propaganda in ihren Betrieben durchzuführen. Die Genossen unserer Partei arbeiten aktiv in diesen Maiausschüssen auf Betriebsebene und wo das noch nicht möglich ist, auf Branchenebene mit.

Die meisten Maiausschüsse haben beschlossen, auch unorganisierten Kollegen die Mitarbeit zu ermöglichen. Sie werden aber mit jedem einzelnen Kollegen ernsthafte Diskussionen über die Notwendigkeit der Arbeit in den Gewerkschaften führen.

Bisher haben sich in Westberlin folgende gewerkschaftsoppositionelle Maiausschüsse gegründet:

AEG-Brunnenstraße, KWU, Siemens, Schering, Rudolf-Virchow-Krankenhaus (RVK - ÖTV-Bereich,d.Vf.), Branchenausschuß für die Werktätigen am Krankenhaus, Branchenausschuß für den Bereich der IG Druck und Papier (DP,d.Vf.).

FÜR DIE EINHEIT DER INTERNATIONALEN ARBEITERBEWEGUNG IM KAMPF GEGEN KAPITALISMUS UND IMPERIALISMUS!
KAMPF DEM ABBAU DER DEMOKRATISCHEN RECHTE DES VOLKES!
GEGEN MITBESTIMMUNGSILLUSIONEN -
FÜR SCHUTZRECHTE DER ARBEITERKLASSE ALS BASTIONEN IM KLASSENKAMPF!
FÜR DEN AUFBAU EINER REVOLUTIONÄREN GEWERKSCHAFTSOPPOSITION (RGO,d.Vf.)!
GEGEN DIE VERSCHLECHTERUNG DER ARBEITS- UND LEBENSBEDINGUNGEN DER WERKTÄTIGEN MASSEN DURCH MONOPOLKAPITAL UND SPD-REGIERUNG!
FÜR DEN SIEBEN-STUNDEN-TAG BEI VOLLEM LOHNAUSGLEICH!"
Q: Kommunistische Arbeiterpresse AEG Telefunken Nr.35,Berlin Apr. 1972,S.*; Rote Fahne Nr.40,Dortmund 7.4.1972,S.3

30.03.1972:
Es erscheint ein "Großer Aufruf zur revolutionären Mai-Demonstration 1972" der KPD/ML-Neue Einheit.
Q: KPD/ML-NE: Dokumente zum revolutionären 1. Mai 1972,Berlin 1972, S. 5ff.

April 1972:
Die KPD (vgl. 31.5.1972) berichtet auf einer Berliner Mai-Veranstaltung (vgl. 19.4.1972) spätestens aus dem April:"
Die Verschärfung des Ausländergesetzes richtet sich vor allem gegen ausländische kommunistische und antifaschistische Organisationen. Im Vorspruch zum Gesetzentwurf der SPD/FDP-Regierung wird das in einer Deutlichkeit ausgeführt, die nichts zu wünschen übrig läßt. Dort heißt es:

'Die Verdeutlichung' - SPD-Sprachgebrauch für Verschärfung - 'ist erforderlich, weil kleine aber politisch sehr aktive Gruppen von Ausländern ihren Kampf gegen Regierungen und Gesellschaftssysteme ihrer Heimatländer und gegen andere Staaten auf deutschem Boden mit Mitteln austragen, die von der freiheitlich-demokratischen Grundordnung (FdGO,d.Vf.) nicht geduldet zu werden brauchen. In diesem Zusammenhang sind beispielsweise zu erwähnen: Beleidigungen und Verunglimpfungen ausländischer Staatsoberhäupter und Regierungschefs, Propaganda gegen ausländische Regierungen mit dem Ziel der Liquidierung derselben usw.' Weiter heißt es dort: 'Durch die Änderung des Ausländer-Gesetzes soll insbesondere in der Öffentlichkeit ein Signal gesetzt werden, daß die BRD nicht länger gewillt ist, dieses zunehmend radikalere politische Verhalten einzelner Ausländer im Bundesgebiet zu Lasten ihrer
auswärtigen Beziehungen und ihres internationalen Ansehens hinzunehmen.'"
Q: Rote Fahne Nr.45,Dortmund 31.5.1972,S.7

April 1972:
Die OSK des KSV der KPD gibt diesen Monat einen Sonderdruck ihrer 'Kommunistischen Schülerpresse' (KSP - vgl. Feb. 1972, Mai 1972) heraus. Der Sonderdruck ruft zum 1.Mai auf.
Q: Kommunistische Schülerpresse Sdr.druck,Berlin Apr. 1972

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April 1972:
Die LgdI der KPD berichtet aus Berlin vermutlich aus dem April (vgl. 1.5.1972, 17.4.1972):"
Für den Landesverband der LIGA in Westberlin war die Vorbereitung auf den 1. Mai mit dem Ziel verbunden, die Kampfkomitees zu festigen und ihre Arbeit an den Hochschulen so auszurichten, daß nach dem 1.Mai Werktätige, Studenten und Schüler gemeinsam in Ortsgruppen den antiimperialistischen Kampf führen können. Dazu trugen die Veranstaltungen, die die Kampfkomitees zur Solidarität mit dem Kampf des spanischen Volkes gegen den Franco-Faschismus, den USA-Imperialismus und den BRD-Imperialismus durchführten, mit bei. Kurze Zeit vorher hatten wir von der Verschärfung und Ausweitung dieses Kampfes und von der Ermordung streikender Werftarbeiter durch die Franco-Polizei erfahren."
Q: Internationale Solidarität Nr.4,Berlin Mai 1972,S.4

April 1972:
In Berlin veröffentlicht das Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter der KPD vermutlich im April sein Programm, in dem u.a. von AEG KF Brunnenstraße berichtet und die Existenz von Maiausschüssen bei AEG, Schering, Siemens, KWU, am RVK und in der IG Druck und Papier bekanntgegeben wird.
Q: Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter: Programm,Berlin 1972

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April 1972:
Laut KB beschließen Anfang April 1972 in Berlin Vertreter von "sozialistischen Arbeitergruppen, sozialistischen Schülern, Vertreter der Marxistisch-Leninistischen Hochschulgruppen, KJO Spartacus und die Basisgruppe Spandau und Stadtteilgruppen … ein Aktionsbündnis zum 1.Mai. Man beschloß, sich im eigenen Block mit eigenen Parolen der Demonstration der SEW anzuschließen. Außer KJO Spartacus und Basisgruppe Spandau einigten sich alle Organisationen auf gemeinsame Parolen."
Q: Arbeiterkampf Nr.19,Hamburg Juni 1972,S.12

April 1972:
Die KPD (vgl. 17.5.1972) berichtet vermutlich aus dem April über die Arbeit des Maiausschusses KWU des Maikomitees (MK) oppositioneller Gewerkschafter:"
SOLIDARITÄT MIT DEN KOREANISCHEN ARBEITERN BEI DER KWU

In der KWU, Werk Berlin, werden Gasturbinen bis zu 80 Megawatt und Schiffsturbinen konventioneller Bauart hergestellt. Eine Produktion also, die so leicht nicht ins Ausland verlagert werden kann, um dort aus niedrigeren Löhnen Extraprofite herauszuschlagen.

Bei der Turbinenfertigung werden zum größten Teil Facharbeiter gebraucht. Im Berliner Werk sind zwar im letzten Jahr ziemlich viel neue Maschinen angeschafft worden, die Ausrüstung mit neuer Maschinerie ist hier aber nicht geeignet, in großem Umfang Arbeitskräfte einzusparen, wie die KWU-Kapitalisten das natürlich wollen. Um ihre Profite auch trotz der hohen Ausgaben für die neue Maschinerie zu sichern, greifen die Kapitalisten zu anderen Methoden: waren bislang in der Hauptsache neben den deutschen Arbeitern angelernte türkische und jugoslawische Arbeiter im Berliner Werk eingestellt - insgesamt ca. 250 Mann -, so kommen jetzt in großem Maße südkoreanische Facharbeiter. Nach Verhandlungen mit der faschistischen südkoreanischen Regierung haben Vertreter der Firmenleitung zuerst 50 - im letzten Jahr - und jetzt wieder 40 koreanische Arbeiter angeheuert, die alle ihren Wehrdienst in der faschistischen südkoreanischen Bürgerkriegsarmee hinter sich haben und dementsprechend antikommunistisch beeinflußt sind.

Diese koreanischen Kollegen arbeiten wie die Soldaten; und die Kapitalisten haben ihre Unterkünfte auch gleich wieder zu Kasernen gemacht.

Die Kollegen 'wohnen' in 4-Bett-Zimmern, die 12 qm groß sind. Die Miete beträgt 90 DM im Monat. Diese Kasernenwohnungen und der Umstand, daß die südkoreanischen Kollegen kein Wort Deutsch können, macht sie gefügig, jede geforderte Überstunde auch abzuleisten. So arbeiten sie regelmäßig am Sonnabend und sind auch darüber hinaus bereit, jeden tag 10 Stunden zu arbeiten.

Für die 90 koreanischen Arbeiter gibt es einen Dolmetscher, der von der Regierung gleich mitgeliefert worden ist - welche Aufgabe er hat, kann man sich denken! Er hat erklärt: Urlaub würden die koreanischen Arbeiter dieses Jahr nicht nehmen, sie hätten zuwenig Geld um nach Hause zu fahren und sie wüßten auch nicht, wie sie hier ihren Urlaub verbringen sollten.

Die Koreaner haben Dreijahresverträge bekommen; sie arbeiten hier für ein Vielfaches des Lohnes, den sie im eigenen Land bekommen würden. Ihre Löhne liegen aber um ca. 5 - 10 Prozent unter denen der deutschen Arbeiter. Damit bekommen die koreanischen Arbeiter von den Kapitalisten genau die Rolle vom Lohndrücker zudiktiert.

Denn über die Spaltung durch Lohngruppen hinaus wird in der KWU ein Punktsystem angewandt, nach dem jeder einzelne Arbeiter eingeschätzt wird. Wenn sich deutsche Arbeiter jetzt beschweren, sie bekämen zuwenig Lohn, wird ganz offen auf die Koreaner hingewiesen, die volle 8 Stunden wie besessen durcharbeiten und sich nicht 5 Minuten vor dem Mittagessen die Hände waschen und die das Werkzeug erst nach Schichtende in die Werkzeugausgabe zurückbringen. 'Leistet erst einmal soviel wie die Koreaner!' heißt es dann.

Auch setzt die Firmenleitung die koreanischen Arbeiter genau zwischen die Arbeitsplätze der deutschen Kollegen, um ihnen diese 'Arbeitssoldaten' den ganzen Tag vor Augen zu halten. Darüberhinaus sollen die koreanischen Arbeiter als Streikbrecher eingesetzt werden. Sie stehen unter einem solchen Druck, daß die Kapitalisten annehmen, sie würden nie streiken. Denn wenn sie bei einem Streik mitmachen, müssen sie befürchten, wegen Vertragsverletzung sofort nach Hause geschickt zu werden, die Flugkosten bezahlen zu müssen und überdies ein Strafverfahren ihrer eigenen Regierung zu bekommen. Deshalb rechnet sich die Firmenleitung aus, daß kein Streik durchgeführt werden kann, weil die Koreaner in allen Abteilungen arbeiten und so die Produktion in einem gewissen Maß aufrecht erhalten werden kann.

Es ist klar, daß die deutschen Arbeiter nicht den koreanischen Kollegen die Schuld für die Spaltungsmanöver in die Schuhe schieben dürfen und sie etwa bekämpfen dürfen. Vielmehr muß entgegen allen Schwierigkeiten versucht werden, die koreanischen Arbeiter in den Abwehrkampf gegen die kapitalistischen Angriffe miteinzubeziehen.

Manchmal ist dazu sanfter Druck notwendig, so wenn zehn Kollegen um einen Koreaner herumstehen und auf ihre Uhr schauen, wenn dieser gleich beim Heulen der Sirene schon die Schleifmaschine glaubt laufen lassen zu müssen.

Aber erst der Kampf des koreanischen Volkes selbst gegen seine faschistischen Unterdrücker und um die revolutionäre Wiedervereinigung mit der Volksdemokratischen Republik Nordkorea (KVDR,d.Vf.) schafft die entscheidenden Grundlagen, daß diese Kollegen nicht mehr in ständiger Angst um sich und ihre Familien 10 000 Kilometer von ihrer Heimat entfernt als Ausgebeutete und Spalter eingesetzt werden können.

Kämpfen wir gemeinsam gegen die Auswirkungen kapitalistischer Rationalisierung, gegen alle Lohnraubversuche und gegen den Imperialismus in aller Welt!"
Q: Rote Fahne Nr.43,Dortmund 17.5.1972,S.4

03.04.1972:
Vermutlich heute gibt in Berlin die KPD die Nr.35 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse - Ausgabe AEG Telefunken' (vgl. 30.3.1972, Mai 1972) heraus, die sich u.a. mit dem 1.Mai befaßt.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse AEG Telefunken Nr.35,Berlin Apr. 1972

05.04.1972:
In einer "Erklärung der KPD/ML(Neue Einheit) vom 5. April 1972: Der 1. Mai 1972 ist von historischer Bedeutung" heißt es u.a., der 1.Mai stelle "für die Partei eine große Offensive, den Kampf um den Durchbruch zur Massenbewegung, eine Entscheidungsschlacht dar, bei der es um Wohl und Wehe der Partei innerhalb der nächsten Zeit geht".
Q: Neue Einheit Nr.1,Berlin Mai 1972,S.29

06.04.1972:
Die KPD (vgl. 19.4.1972) berichtet von ihrem Maikomitee Berlin (MK - vgl. 25.3.1972, 10.4.1972):"
WESTBERLIN
DER KAMPF DES MAIKOMITEES OPPOSITIONELLER GEWERKSCHAFTER FÜR EINEN REVOLUTIONÄREN 1.MAI IN WESTBERLIN.

Das Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter hat am 6.4.1972 eine erste öffentliche Veranstaltung durchgeführt, zu der das Maikomitee und die einzelnen Maiausschüsse alle interessierten Kollegen eingeladen hatten.

Auf dieser Veranstaltung trugen Vertreter des Maikomitees ihre Forderungen zum 1.Mai vor, begründeten ihre Entscheidung, sich nicht an der Mai-Demonstration der Revisionisten zu beteiligen. Sie sind nicht bereit, für die 'Ratifizierung der Ostverträge' (mit der SU bzw. Polen,d.Vf.), die nur den Interessen des BRD-Monopolkapitals und den Interessen der neuen Bourgeoisie der SU dienen, zu demonstrieren und damit die Friedensdemagogie der arbeiterfeindlichen SPD-Regierung zu unterstützen.

Vor allem in der Frage, wie arbeitet man in den von den sozialdemokratischen Gewerkschaftsführern beherrschten Gewerkschaften, entlarvten sie die opportunistische Anbiederungspolitik der SEW-Revisionisten.

Ein Vertreter des Maikomitees hob hervor, daß die KPD die einzige Partei ist, die in den vergangenen Kämpfen immer entschieden die Interessen der Arbeiterklasse vertreten hat und im Kampf den richtigen Weg wies.

Ein Genosse der KPD richtete eine Grußadresse an die versammelten Kollegen und das gewerkschaftliche Maikomitee, in der die KPD dem gewerkschaftsoppositionellen Maikomitee ihre volle Unterstützung versicherte und darauf hinwies, daß Genossen unserer Partei aktiv und initiierend in den betrieblichen und Branchen-Maiausschüssen mitarbeiten.

Die Entschiedenheit, mit der die anwesenden Kollegen die Parole des Maikomitees für die Einheit der revolutionären Arbeiterbewegung im Kampf gegen Kapitalismus und Imperialismus unterstützen, brachten sie zum Ausdruck, als sie ohne Gegenstimme und mit langanhaltendem Beifall eine Solidaritätsresolution mit dem Kampf des vietnamesischen Volkes verabschiedeten, die ein Vertreter der Liga gegen den Imperialismus (LgdI,d.Vf.) eingebracht hatte.

Die erste öffentliche Veranstaltung endete mit der Verabschiedung einer Resolution, in der das Maikomitee noch einmal sein Programm zum 1.Mai darlegten und alle Kollegen auffordert, in den Maiausschüssen mitzuarbeiten. Diese Resolution wurde mit überwältigender Mehrheit (nur zwei Gegenstimmen von den Vertretern der KPD/ML Zentralbüro (KPD/ML-ZB,d.Vf.) verabschiedet. Durch zahlreiche Spenden unterstützen die anwesenden Kollegen die Agitations- und Propaganda-Arbeit des Maikomitees oppositioneller Gewerkschafter."
Q: Rote Fahne Nr.41,Dortmund 19.4.1972,S.3

08.04.1972:
Demonstration der LgdI und der KPD in Berlin gegen den "Bombenterror der US-Imperialisten in Vietnam".

Mobilisiert wurde u.a. mit einem Flugblatt der LgdI "Das vietnamesische Volk wird siegen".

Die KPD (vgl. 19.4.1972) berichtet:"
Am 8.April in Westberlin und am 15. in Dortmund führte die KPD Solidaritäts- Demonstrationen für den Kampf des vietnamesischen Volks durch.

Diese Vietnam-Demonstrationen sind ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem kämpferischen 1.Mai, weil damit die Hauptstoßrichtung der revolutionären Kämpfe in der ganzen Welt gegen den USA-Imperialismus und den Sozialimperialismus angegeben wird."
Q: Rote Fahne Nr.41,Dortmund 19.4.1972,S.6; LgdI:Das vietnamesische Volk wird siegen,Berlin 1972; Rote Presse Korrespondenz Nr.163,Berlin 1972,S.14

10.04.1972:
Die KPD (vgl. 19.4.1972) berichtet aus Berlin vermutlich aus dieser Woche von ihrem MK (vgl. 6.4.1972, 26.4.1972):"
Inzwischen ist die 2.Maizeitung erschienen zusammen mit Flugblättern für die ausländischen Kollegen in vier verschiedenen Sprachen.

Die einzelnen betrieblichen und Branchen-Maiausschüsse führen selbst auch öffentliche Veranstaltungen durch, um interessierte Kollegen die Möglichkeit zu geben, sich erst einmal über die Arbeit der Maiausschüsse zu informieren, bevor sie sich entschließen tatkräftig mitzuarbeiten.

Daß die gewerkschaftsoppositionelle Bewegung sich vergrößert, können wir daran sehen, daß sich inzwischen weitere Maiausschüsse gegründet haben. Es bestehen jetzt Maiausschüsse in folgenden Betrieben und Branchen:
AEG Brunnenstraße, DeTeWe, DWM, Borsig, KWU (alle IGM-Bereich,d.Vf.), Rudolf-Virchow-Krankenhaus (RVK - ÖTV-Bereich,d.Vf.), Schering (CPK-Bereich,d.Vf.), SEL, Siemens (beide IGM-Bereich,d.Vf.), Branchenmaiausschuß für die Werktätigen am Krankenhaus, Druck und Papier (DruPa-Bereich,d.Vf.), Bau (BSE-Bereich,d.Vf.) und Post (DPG-Bereich,d.Vf.)."
Q: Rote Fahne Nr.41,Dortmund 19.4.1972,S.3

10.04.1972:
Die KPD (vgl. 19.4.1972) berichtet aus Berlin vermutlich u.a. aus dieser Woche von ihrem Maikomitee (MK) oppositioneller Gewerkschafter:"
BERICHT DES BETRIEBLICHEN MAIAUSSCHUSSES AEG-BRUNNENSTRASSE

Wir gründeten den Maiausschuß in der Brunnenstraße, indem wir uns im Betrieb darüber unterhielten, daß es notwendig ist, am 1.Mai auf der Straße für unsere, die Forderungen der Arbeiter zu demonstrieren. Wir oppositionelle Gewerkschafter und Kommunisten luden alle Kollegen, die wir als fortschrittliche Kollegen kannten zu einem Treffen nach der Arbeit ein. Dort besprachen wir, welche Forderungen wir aufstellen müssen, um unsere Interessen gegen die Angriffe der Kapitalisten zu verteidigen. Die Kollegen berichteten aus ihren Abteilungen über Steigerungen der Akkordhetze, die immer größer werdende Unfallgefahr und das Anwachsen der Krankheitszahlen.

Schließlich einigten wir uns auf einen Katalog von Forderungen, die unsere Delegierten dann im Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter vortrugen. Unsere Delegierten formulierten zusammen mit denen der anderen Mai-Ausschüsse das später in der 1.Maizeitung veröffentlichte Programm. Wir diskutierten dann ausführlich über die Forderungen, die das Maikomitee der SEW aufgestellt hatte. In der Diskussion kamen wir aber zu der Überzeugung, daß die Forderungen des SEW-Maikomitees grundsätzlich falsch sind, daß sie Illusionen darüber verbreiten, was man im Kapitalismus erreichen kann. Weil die Illusion der SEW, über Mitbestimmung im Wirtschaft und Gesellschaft stückweise die Macht zu erobern, die Kollegen in die Kämpfe unvorbereitet hineingehen lassen und den Kämpfen die Spitze abbrechen, konnten wir uns mit der Forderung des SEW-Maikomitees nicht einverstanden erklären und beschlossen, an der Maidemonstration der SEW in Neukölln nicht teilzunehmen.

Als das Programm des Maikomitees erschienen war, überlegten wir uns, wie wir unseren Kollegen die Forderungen anhand von Beispielen aus der Brunnenstraße deutlicher machen können. Denn das Wichtigste war doch und ist auch heute noch, neue Kollegen für die Mitarbeit im betrieblichen Maiausschuß zu gewinnen. Um neue Kollegen zu gewinnen, besprachen wir verschiedene Arten des Vorgehens:

- zunächst sprachen wir selbstverständlich mit den Kollegen über die 1.Maizeitung, das Programm des Maikomitees und versuchten ihnen die Forderungen und die Notwendigkeit des Kampfes dafür zu erklären;

- für die Kollegen, die wir im Betrieb nicht erreichen, die aber im Maiausschuß an der Vorbereitung des 1.Mai mitarbeiten wollen, richteten wir in einer zentral gelegenen Kneipe einen Kontakt ein;

- ein sehr wichtiges Mittel, mit den Kollegen ins Gespräch zu kommen, sind die Plaketten des Maikomitees.

Wir beschlossen im Maiausschuß, die Plaketten in unseren Abteilungen, an der Arbeitskleidung zu tragen. Die Plaketten erregen natürlich sofort die Neugier der Kollegen, viele sprechen uns an, Kollegen, die uns gar nicht kennen, und fragen, was es mit den Plaketten auf sich hat. So können wir mit vielen Kollegen, die wir sonst nicht erreichen, sprechen. Wir konnten ohne Umschweife das Gespräch richten auf unsere Forderungen zum 1.Mai, wir machten die Forderungen und den Maiausschuß weiteren Kollegen bekannt, konnten viele Plaketten verteilen, neue Kollegen erklärten sich bereit, im betrieblichen Maiausschuß mitzuarbeiten.

Auf unserer letzten Sitzung beschlossen wir, noch mehrere Flugblätter herauszugeben, in denen wir unsere Forderungen aus unseren Erfahrungen am Arbeitsplatz, mit den Betriebsräten usw. deutlich machen wollen. Wir entschieden uns dafür, diese Flugblätter nicht nur vor den Toren, sondern auch innerhalb der Fabriken zu verteilen. Außerdem wollen wir darauf hinarbeiten, möglichst schon am Ende dieser Woche eine eigene Veranstaltung des betrieblichen Maikomitees durchzuführen. Wir hoffen, damit noch mehr Kollegen für uns zu gewinnen und so einen Beitrag zu leisten zu einer großen, kämpferischen Demonstration am 1.Mai im Wedding."
Q: Rote Fahne Nr.41,Dortmund 19.4.1972,S.3f

12.04.1972:
Nach einem Bericht der KPD/ML-NE laden sie selbst, die KPD/ML-ZB, die KPD/ML-ZK, die SDA und die KPD in Berlin zu einem Treffen ein, um eine Aktionseinheit zum 1.Mai zu diskutieren.

Zwischen KPD/ML-ZB und KPD/ML-ZK kommt eine Aktionseinheit zum 1.Mai zustande.
Q: Die Revolutionäre Stimme Nr.9,Berlin 1972

12.04.1972:
Bei Siemens Berlin gibt die KPD die Nr.6 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 22.3.1972) heraus. U.a. berichtet man über den 1.Mai.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Siemens Nr.6,Berlin 12.4.1972

12.04.1972:
Die KPD/ML-Neue Einheit gibt die Nr.7/8 ihrer 'Revolutionären Stimme' heraus, darin ruft die KPD/ML-NE zu einer eigenen 1.Mai-Demonstration in Berlin auf, zu einer "Demonstration der revolutionären Arbeiterklasse".
Q: Die Revolutionäre Stimme Nr.7/8,Berlin 12.4.1972

13.04.1972:
In einer Ausgabe ihrer 'Roten Turbine' (vgl. 15.3.1972, 19.4.1972) gibt die Berliner KWU-Betriebsgruppe der KPD/ML-ZB u.a. den Stand ihrer Bemühungen um eine betriebliche Einheitsfront bekannt. Es sei jetzt mit Hilfe des Einheitsfrontkomitee (EFK) KWU gelungen ein betriebliches Maikomitee zu gründen, welches sich an der Demonstration beteiligen will.
Q: Rote Turbine,Berlin 13.4.1972

13.04.1972:
Die KPD (vgl. 19.4.1972) berichtet:"
JUGEND-ARBEITERRUNDE DER KPD
EIN SCHRITT ZUR GRÜNDUNG DES KJV

Am 13.April veranstaltete die KPD in Moabit, Neukölln und im Wedding zum ersten Mal spezielle Jugendarbeiterrunden. Außerdem führten an diesem Tag zwei Betriebszellen der Partei eigene Veranstaltungen für Jugendliche durch. Diese Aktivitäten stehen nicht nur im Zusammenhang mit der diesjährigen Maikampagne der KPD, sondern auch im Zusammenhang mit den Vorbereitungen zur Gründung des Kommunistischen Jugendverbandes.

Zur Moabiter Jugendarbeiterrunde waren mehr als 40 junge Kollegen erschienen. In einem ersten Redebeitrag wurde nochmals die Linie der Partei zum diesjährigen 1.Mai erläutert, die Aktivitäten in den Zusammenhang gestellt mit dem weltweiten Vormarsch der Revolution, den siegreichen Kämpfen der unterdrückten Völker gegen den Imperialismus und die zunehmenden Kämpfe der Arbeiterklasse in den imperialistischen Kernländern gegen die Verschlechterung der Arbeits- und Lebensbedingungen. Weiterhin wurde unter dem Beifall der Kollegen nochmals ausführlich begründet, warum es für die kommunistische Partei gerade am 1.Mai keine Einheit mit dem modernen Revisionismus geben kann, der als Handlanger der sozialimperialistischen Führung der KPdSU die SPD/FDP-Regierung bei ihren imperialistischen Machenschaften unterstützt.

Einigen Vertretern der KPD/ML (Zentralbürolinie (KPD/ML-ZB,d.Vf.)), die auf der Veranstaltung den offen revisionistischen Aufruf ihrer Organisation zum 1.Mai verteidigten, wurde entgegengehalten, daß der Scheinkampf ihrer Organisation gegen 'Faschisierung' und 'Sozialfaschismus' sowie angebliche Kriegsvorbereitungen gegen die DDR die Arbeiterklasse keinen Schritt weiterbringt, sondern nur ablenken kann von der tatsächlichen Stoßrichtung des BRD-Imperialismus.

In einem weiteren Beitrag wurden anhand der Untersuchungsergebnisse über die Lage der Arbeiterjugend in West-Berlin die Jugendforderungen der KPD vorgestellt. Anhand konkreter Zahlenbeispiele wurde die zunehmende Verschlechterung der Ausbildung nachgewiesen. Dies zeigt sich nicht nur in den 23 Prozent Arbeiterjugendlichen, die ohne jede Ausbildung bleiben, sondern auch an dem erheblichen Rückgang von Lehrstellen in der Industrie, der planmäßigen Verschlechterung der Ausbildung durch sog. 'Stufenpläne', wonach 70 Prozent der Lehrlinge nach ein bis zwei Lehrjahren als 'Betriebswerker' oder 'Facharbeiter II' aussortiert werden, versehen mit einer 'Ausbildung', die sie lediglich auf einige Teilfertigkeiten abgerichtet hat. Es wurde geschildert, daß nach wie vor die meisten Lehrlinge im Handwerk ausgebildet werden, in Betrieben also, die sich nur noch durch die Beschäftigung von Lehrlingen mit unbezahlter produktiver Arbeit gegen den Druck der Großbetriebe am Leben halten können. In dieser Situation geben die Jugendforderungen der KPD die richtige Perspektive gegen die Spaltung und die Verschlechterung der Ausbildung.

Die Forderungen: Einheitlicher Existenzlohn für Lehrlinge - heute 500 DM, Abschaffung der Altersgruppenschlüssel, Abschaffung der unteren Lohngruppen, für eine Stufenausbildung, in der alle Lehrlinge alle Stufen von den Grundkenntnissen bis zur Spezialisierung durchlaufen! Einrichtung von Sammellehrwerkstätten für Handwerks- und Kleinbetriebe! Einen zweiten Berufsschultag für alle! Streikrecht für Lehrlinge!

wurden von den anwesenden Kollegen lebhaft begrüßt und in der anschließenden Diskussion durch Beispiele bekräftigt. So berichtete eine Kollegin von einem Lehrling, der zu hohen Schadenersatzleistungen verurteilt wurde, als er seine Lehre wegen der miserablen Ausbildungsbedingungen abbrach.

Kollegen berichten von ihrer Ausbildung auf einer Bauschule und ihren Einsatz in Senatsbauten. Diese Kollegen haben sich zu einem Mai-Ausschuß zusammengeschlossen und unterstützten ebenfalls die von der KPD veranstaltete Mai-Demonstration im Wedding.

Die Veranstaltung wurde von den Genossen der KPD geschlossen mit dem Hinweis auf die bereits erfolgte Einrichtung von mehreren Stadtteiljugendkomitees der Partei - so in Neukölln und Moabit - sowie die Einrichtung von Jugendzirkeln durch die Betriebszellen Schering und Siemens der KPD. Damit sind bereits erste Schritte auf dem Weg zum Aufbau des KJV erfolgt."

In Moabit wird zu einer Jugendarbeiterrunde der KPD zumindest vom Jugendsympathisantenzirkel der KPD bei Siemens (vgl. 12.4.1972) aufgerufen.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Siemens Nr.6,Berlin 12.4.1972,S.*; Rote Fahne Nr.41,Dortmund 19.4.1972,S.8

14.04.1972:
In der Nr.11 ihres 'NCR Arbeiter' (vgl. 30.3.1972, 17.4.1972) kündigt die Berliner Betriebsgruppe NCR der KPD/ML-ZB u.a. eine Kurzkundgebung mit den Themen 1.Mai und Betriebsratswahlen (BRW) sowie den Verkauf der 'Roten Fahne' Nr.7 (vgl. 3.4.1972) für den Nachmittag an. Aufgerufen wird zur Veranstaltung der KPD/ML-ZB (vgl. 18.4.1972).
Q: Der NCR Arbeiter Nr.11,Berlin 14.4.1972

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14.04.1972:
In Berlin gibt die Betriebsgruppe Siemens Gartenfeld der KPD/ML-ZB die Nr.10 ihres 'Roten Gartenfelders' (vgl. 3.4.1972, 17.4.1972) heraus, die sich u.a. mit dem 1.Mai befaßt.
Aufgerufen wird auf den 4 Seiten auch zum Besuch der Veranstaltung von KPD/ML-ZB und KJVD zu den Betriebsratswahlen und zum 1. Mai am 18.4.1972. Angekündigt wird für den Nachmittag der zweite Verkauf der 'Roten Fahne' Nr.7 (vgl. 3.4.1972).
Q: Der Rote Gartenfelder Nr.10,Berlin 14.4.1972

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17.04.1972:
In Berlin mobilisiert die Betriebsgruppe Siemens-Schaltwerk der KPD/ML-ZB mit einer zweiseitigen Extraausgabe ihres 'Roten Schaltwerkers' (vgl. 11.4.1972, 25.4.1972) zum Besuch der morgigen Veranstaltung der KPD/ML-ZB zu den Betriebsrätewahlen und zum 1.Mai, nachdem sie zuvor schon ein Extrablatt ihrer Zeitung zum 1.Mai, welches auch auf diese Veranstaltung hinwies, verteilt hatte.
Q: Der rote Schaltwerker Ausgabe Heraus zum roten 1.Mai, Extrablatt und Nr.20,Berlin o.J. (1972) bzw. 17.4.1972 bzw. 25.4.1972

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17.04.1972:
Die LgdI der KPD berichtet aus Berlin (vgl. Apr. 1972, 20.4.1972):"
In Westberlin kam es auch an diesem 1. Mai darauf an, den Revisionisten durch eine machtvolle Demonstration im Wedding zu zeigen, daß ihre Anbiederung an SPD- und DGB-Spitze nicht verfängt. So standen nach intensiver ideologischer Vorbereitung während 14 Tagen vor dem 1. Mai Agitprop-Trupps der Kampfkomitees wieder an den zentralen Punkten der Arbeiterviertel. Verstärkt wurden diese Trupps durch die studentischen Mitglieder der LIGA, die sich auf ihre Arbeit in den Stadtteilen in den Studenten-Aktivs vorbereitet hatten. Im Verlauf der Mai-Agitation wurden die Kampfkomitees entschieden gestärkt, was die kämpferische Entschlossenheit und die Gewinnung von neuen Mitgliedern angeht."
Q: Internationale Solidarität Nr.4,Berlin Mai 1972,S.5

17.04.1972:
In Berlin mobilisiert die Betriebsgruppe Siemens-Schaltwerk der KPD/ML-ZB mit einer zweiseitigen Extraausgabe ihres 'Roten Schaltwerkers' (vgl. 11.4.1972, 25.4.1972) zum Besuch der morgigen Veranstaltung der KPD/ML-ZB zu den Betriebsrätewahlen und zum 1.Mai, nachdem sie zuvor schon ein Extrablatt ihrer Zeitung zum 1.Mai, welches auch auf diese Veranstaltung hinwies, verteilt hatte. =Der rote Schaltwerker Ausgabe Heraus zum roten 1.Mai, Extrablatt und Nr.20,Berlin o.J. (1972) bzw. 17.4.1972 bzw. 25.4.1972

18.04.1972:
In Berlin führt die KPD um 19 Uhr bei Max und Moritz eine Maiveranstaltung zur Lage der ausländischen Arbeiter durch, für die sie morgen in der 'RF' noch mobilisiert.

Später (vgl. 31.5.1972) berichtet die KPD:"
GEMEINSAM KÄMPFEN
AUSZÜGE AUS DER REDE EINES GENOSSEN DER PARTEI AUF DER VERANSTALTUNG DER KPD ZUR LAGE DER AUSLÄNDISCHEN ARBEITER.

Die ausländischen Arbeiter finden in ihren Heimatländern, die vom Imperialismus künstlich unterentwickelt gehalten und ausgeplündert werden, keine Arbeitsplätze. Arbeitsplätze gibt es dort hauptsächlich für diejenigen wenigen, die in den Werken imperialistischer Konzerne, wie Siemens, BASF, Hoechst und Mercedes-Benz in der Türkei, AEG-Telefunken in Griechenland und Spanien, Schering in Spanien und in der Türkei, für einen Hungerlohn Arbeit gefunden haben. Für die Konzerne werfen diese Werke ungeheure Extraprofite ab, für die Arbeiter bedeuten sie ein Leben weit unter dem Existenzminimum. In der Türkei z.B. sind die Löhne von 1960 bis 1970 um ganze 45 Prozent gestiegen, die Preise um über 200 Prozent, in Griechenland muß ein Arbeiter für 1 KG Fleisch etwa die Hälfte eines Tageslohnes bezahlen. Das jährliche Durchschnittseinkommen in der Türkei liegt unter 800 DM, 1970 waren dort 1,5 Mio. von 3,5 Mio. Arbeitern arbeitslos, im Winter steigen die Arbeitslosenzahlen auf 6 bis 9 Mio., wenn diejenigen, die im Sommer auf dem Land arbeiten, ebenfalls in den Städten nach Arbeit suchen.

GENOSSEN, GEMESSEN AN DEN LÖHNEN IN IHREN HEIMATLÄNDERN SIND DIE LÖHNE, DIE DIE AUSLÄNDISCHEN KOLLEGEN IN WESTBERLIN ERHALTEN, HOCH - GEMESSEN AN DEN LEBENSHALTUNGSKOSTEN IN WESTBERLIN JEDOCH UNGEHEUER NIEDRIG.

Sie werden in die niedrigsten Lohngruppen eingestuft, auch wenn sie als Facharbeiter ausgebildet sind, nicht als Facharbeiter bezahlt, und sie erhalten die schlechtesten, gesundheitsschädigensten und gefährlichsten Arbeitsplätze. Sie sind häufig gezwungen, um überhaupt ihren eigenen Lebensunterhalt und den ihrer Familie im Heimatland bestreiten zu können, höhere Akkordleistungen zu erbringen und ständig Überstunden zu schieben. Für die Kapitalistenklasse sind sie damit nicht nur eine Quelle zusätzlicher Extraprofite, sondern auch ein wichtiges Instrument, die Spaltung der Arbeiterklasse zu vertiefen.

Mit solchem unmittelbaren Druck, mit Hetzgeschichten und Lügenmärchen, dadurch, daß die Verständigung zwischen deutschen und ausländischen Kollegen erschwert wird - in kaum einem Betrieb gibt es Dolmetscher, es sei denn solche aus faschistischen Organisationen - sollen deutsche und ausländische Arbeiter gegeneinander ausgespielt werden.

DEN AUSLÄNDISCHEN KOLLEGEN DROHT STÄNDIG ENTLASSUNG UND AUSWEISUNG

Das zeigt sich darin, daß - aus Angst um den Arbeitsplatz - es nur ein Teil von ihnen wagt, bei Krankheit zu Hause zu bleiben. Obwohl aufgrund der Arbeitshetze und dadurch, daß den meisten ausländischen Kollegen die Sicherheitsvorschriften nicht ausreichend erklärt werden, die Zahl der Arbeitsunfälle bei ausländischen Kollegen weit höher als bei ihren deutschen Kollegen ist, sind sie weniger Tage im Jahr krank. 1969 kamen auf 1 000 deutsche Arbeiter 88 Arbeitsunfälle, auf 1 000 ausländische 222 Unfälle, auf 1 000 türkische sogar 285 Unfälle. Gleichzeitig betrug der Krankenstand bei türkischen Kollegen 5,0 Prozent, bei jugoslawischen Kollegen 3,4 Prozent, dagegen bei deutschen und ausländischen Kollegen zusammengenommen 5,5 Prozent. 1967 während der Krise wagten es viele ausländische Kollegen nicht einmal mehr, ihre Unfälle anzuzeigen, in diesem Jahr ging die Zahl der Unfälle bei ausländischen Kollegen - nach den Statistiken - um mehr als ein Drittel zurück.

Zu diesen verschärften Ausbeutungsbedingungen kommt noch hinzu, daß die ausländischen Arbeiter, wenn sie die Arbeit in der Fabrik beendet haben, noch stärker als ihre deutschen Kollegen von Wucherern, Haus- und Grundbesitzern ausgenommen werden. Die meisten von ihnen wohnen entweder in firmeneigenen Baracken oder sogenannten Wohnheimen, wo sie für einen Schlafplatz häufig mehr als 100 DM im Monat bezahlen müssen, oder sie wohnen in Abrißwohnungen in den Sanierungsgebieten, wo sie für den Vorteil, daß sie dort mit ihren Familien zusammenziehen können, gezwungen sind Wuchermieten auf den Tisch zu legen.

DIE KAPITALISTENKLASSE VERSUCHT, DIE UNTERDRÜCKUNG DER AUSLÄNDISCHEN KOLLEGEN NOCH ZU VERSCHÄRFEN UND DIE SPALTUNG ZU VERTIEFEN. EIN MITTEL DAZU, ZU DEM DIE SPD/FDP-REGIERUNG EILFERTIG VORBEREITUNGEN TRIFFT, IST DIE GEPLANTE VERSCHÄRFUNG DES AUSLÄNDERGESETZES.

Die Verschärfung des Ausländergesetzes richtet sich vor allem gegen ausländische kommunistische und antifaschistische Organisationen. Im Vorspruch zum Gesetzentwurf der SPD/FDP-Regierung (vgl. Apr. 1972,d.Vf.) wird das in einer Deutlichkeit ausgeführt, die nichts zu wünschen übrig läßt. Dort heißt es:

'Die Verdeutlichung' - SPD-Sprachgebrauch für Verschärfung - 'ist erforderlich, weil kleine aber politisch sehr aktive Gruppen von Ausländern ihren Kampf gegen Regierungen und Gesellschaftssysteme ihrer Heimatländer und gegen andere Staaten auf deutschem Boden mit Mitteln austragen, die von der freiheitlich-demokratischen Grundordnung (FdGO,d.Vf.) nicht geduldet zu werden brauchen. In diesem Zusammenhang sind beispielsweise zu erwähnen: Beleidigungen und Verunglimpfungen ausländischer Staatsoberhäupter und Regierungschefs, Propaganda gegen ausländische Regierungen mit dem Ziel der Liquidierung derselben usw.' Weiter heißt es dort: 'Durch die Änderung des Ausländer-Gesetzes soll insbesondere in der Öffentlichkeit ein Signal gesetzt werden, daß die BRD nicht länger gewillt ist, dieses zunehmend radikalere politische Verhalten einzelner Ausländer im Bundesgebiet zu Lasten ihrer auswärtigen Beziehungen und ihres internationalen Ansehens hinzunehmen.'

Um den geschlossenen Kampf der deutschen und ausländischen Kollegen zu zerschlagen und zu verhindern, sollen nach diesem Gesetz nicht nur Ausländerversammlungen im Freien, sondern jede - öffentlich angekündigte - Ausländerversammlung, sei sie in einer Wohnung, in einer Kneipe oder in einem Saal, genehmigungspflichtig sein, und kann ohne weitere Angabe von Gründen verboten werden. Dies gilt freilich nicht für erlaubte Parteien und Organisationen und Kirchen, wie die faschistischen Gewerkschaften oder wie türkische-islamische Faschistenvereine. Jede Organisation kann jedoch sofort verboten werden, wenn sie die 'auswärtigen Belange der BRD verletzt', sich zum Beispiel gegen den Faschismus in Griechenland, in der Türkei oder in Spanien richtet.

Dieses geplante Gesetz bedeutet einen neuen, verschärften Angriff auf die demokratischen Rechte der Arbeiterklasse. Der solidarische Kampf der Arbeiterklasse gegen die von der Kapitalistenklasse betriebene Isolierung und Abhängigkeit der ausländischen Kollegen ist die Voraussetzung dafür, die Angriffe auf die gesamte Arbeiterklasse abzuwehren. Ein Teil dieses Kampfes muß der Kampf gegen das reaktionäre Ausländergesetz sein, ebenso wie der Kampf um gleiche Arbeitsbedingungen und der Kampf um ausreichende Vertretung der ausländischen Kollegen in gewerkschaftlichen Gremien.

KAMPF DEM REAKTIONÄREN AUSLÄNDERGESETZ!

FÜR UMFASSENDE REDE- UND VERSAMMLUNGSFREIHEIT DER DEUTSCHEN UND AUSLÄNDISCHEN ARBEITER IM BETRIEB UND AUF DER STRASSE!"
Q: Rote Fahne Nr.41 und 45,Dortmund 19.4.1972 bzw. 31.5.1972,S.1 bzw. S.7

18.04.1972:
In Berlin führen KPD/ML-ZB und KJVD eine Veranstaltung zum 1.Mai und zu den Betriebsratswahlen (BRW) in den Stephanlichtspielen in der Moabiter Stephanstraße durch. In der dort verabschiedeten Resolution heißt es:"
Keine Gemeinsamkeit kann es … geben mit der 'KPD' - vormals KPD- Aufbauorganisation - die die Kriegspolitik der Bonner Imperialisten als 'friedliche Infiltration' bezeichnet und nicht sehen will, daß die SPD-Regierung mit ihren Maßnahmen dem Faschismus den Weg bereitet."
Q: Der Rote Gartenfelder Nr.10,o.Nr. bzw. o.Nr.,Berlin 14.4.1972,o.J. (17.4.1972) bzw. 24.4.1972; Rotlicht Nr.42,Berlin 17.4.1972; KPD/ML-ZB:Extrablatt der Betriebsgruppen der KPD/ML,Berlin o.J. (18.4.1972); Der NCR-Arbeiter Nr.11,Berlin 14.4.1972; Der Rote Schaltwerker Ausgabe heraus zum 1.Mai,Berlin o.J. (1972)

18.04.1972:
In Berlin gibt die KPD/ML-ZB ein 'Extrablatt der KPD/ML' (vgl. 26.2.1972,19.6.1972) heraus, in dem zum Besuch der noch am selben Tage stattfindenden Veranstaltung der KPD/ML-ZB und des KJVD 'Betriebsratswahlen und der 1.Mai!' aufgerufen wird. Verteilt wird dieses Extrablatt u.a. im IGM-Bereich bei Schwartzkopff.
Q: KPD/ML-ZB:Extrablatt der Betriebsgruppen der KPD/ML,Berlin o.J. (18.4.1972)

20.04.1972:
In Berlin gibt die Ortsleitung der KJO Spartacus ihren Anhängern die Termine bis zum 1.Mai an. Am 22. sei eine Vietnamdemonstration ab Mehringdamm, am 23. ein Singeabend zur Maivorbereitung im Sozialistischen Zentrum, am 27. eine Veranstaltung "Die Lage der Arbeiterjugend" bei Max und Moritz und am 1.Mai die Demonstration ab Karl Marx Platz.
Q: KJO Spartacus-Ortsleitung Westberlin:ohne Titel,Berlin 20.4.1972

21.04.1972:
Die Nr.164 der 'Roten Presse Korrespondenz' (RPK - vgl. 14.4.1972, 28.4.1972) berichtet u.a. vom Erscheinen einer Sondernummer der 'Kommunistischen Schüler Presse' (KSP) der OSK des KSV zum 1.Mai 1972.
Q: Rote Presse Korrespondenz Nr.164,Berlin 21.4.1972,S.16

21.04.1972:
In der Berliner TU wollen KPD und LgdI eine Maiveranstaltung "Jugend gegen Imperialismus" durchführen.
Q: Rote Fahne Nr.41,Dortmund 19.4.1972

23.04.1972:
Im Berliner Sozialistischen Zentrum möchte die KJO Spartacus einen Singeabend durchführen, damit am 1.Mai nicht nur die Linie stimmt.
Q: KJO Spartacus-Ortsleitung Westberlin:ohne Titel,Berlin 20.4.1972

24.04.1972:
In Berlin ruft die LgdI der KPD für heute zu einer Maiveranstaltung im Audimax der TU auf, auf der auch die Schaubühne Theater spielen soll.
Q: LgdI:L.g.d.I.,Berlin o.J. (1972)

24.04.1972:
In Berlin geben die Betriebsgruppe Osram der KPD/ML-ZB und des KJVD vermutlich in dieser Woche ein gemeinsames Extra des 'Rotlicht' (vgl. 17.4.1972, 26.4.1972) und der 'Roten Osram Jugend' (vgl. 7.4.1972) heraus. Aufgerufen wird zum 30.4.1972 und zum 1.Mai.
Q: Rotlicht/Die Rote Osramjugend Extrablatt,Berlin o.J. (1972)

24.04.1972:
Bei Siemens Berlin gibt die KPD/ML-ZK vermutlich in dieser Woche ihren auf April datierten 'Roten Lautsprecher' Nr.4 (vgl. 3.4.1972, 22.5.1972) mit der Schlagzeile "Siemens-Arbeiter heraus zum roten 1. Mai!" heraus. Zu den Ostverträgen heißt es u.a.:"
Siemens-Kollegen!
Wir können nicht tatenlos zusehen, wie sich unsere Ausbeuter rüsten und zum Schlag gegen uns und die Völker Europas ausholen! Wir können nicht tatenlos zusehen, wie sich Faschismus, Militarismus und Revanchehetze wieder breitmachen!

PROLETARIER IHR MÜSST RÜSTEN!

Nur die geschlossene Kampffront der Arbeiter kann die Angriffe der Ausbeuter abwehren, kann ihre Kriegspläne durchkreuzen. Diese geschlossene Kampffront zu schmieden, ist heute die vordringlichste Aufgabe der Kommunistischen Partei - gerade und besonders am 1.Mai, dem internationalen Kampftag der Arbeiterklasse. Daß wir von dieser Einheit noch teilweise entfernt sind, zeigt, daß dieses Jahr in Westberlin zu 4 (Vier!) Maidemonstrationen aufgerufen wird! Kollegen, wie konnte es zu einem solchen Skandal kommen?

KAMPF UM DIE EINHEIT!

Die KPD/ML hat alles getan, um eine gemeinsame Maidemonstration aller Kommunisten auch in Westberlin zu erreichen. Mit den Marxisten-Leninisten der Gruppe Rote Fahne Bochum (KPD/ML-ZB,d.Vf.) (Roter Gartenfelder, Roter Schaltwerker), ist diese Einheit auch erreicht worden. In mehreren Großstädten Westdeutschlands, u.a. in Dortmund, Hamburg, München, Stuttgart, Hannover, Nürnberg und Mannheim wurden wie in Westberlin gemeinsame zentrale Maikomitees gegründet und werden mit anderen Marxisten-Leninisten gemeinsame Maidemonstrationen durchgeführt. Das ist ohne Zweifel ein großer Schritt vorwärts auf dem Wege zur Einheit!

Aber in Westberlin, wo der Kampf zwischen den beiden Klassenfronten, der Bourgeoisie und ihren Handlangern auf der einen Seite und der Arbeiterklasse auf der anderen Seite besonders scharf entbrannt ist und wo die Hauptspalter der Arbeiterklasse, die Arbeiterverräter der SEW- und SED-Führung einen besonders schweren Stand haben, da versuchen sie umso mehr, die Einheit der revolutionären Arbeiter zu spalten. Ihr neuester Verbündeter in diesem Kampf ist die Studentenorganisation, die sich unverschämterweise 'KPD' nennt (was eine Beleidigung für alle aufrechten alten KPD-Genossen ist!) und die neuerdings unverhüllt auf die Spaltung der Arbeiterklasse ausgehen. Diese Leute nennen die aggressive Ost-Politik der SPD 'vernünftig' und 'realistisch', sie leugnen glattweg, daß die Arbeiterbewegung in Westdeutschland sich im Aufschwung befindet, sie weigern sich, im Betrieb den Kampf gegen politische Entlassungen zu führen, sie zerreissen auf Demonstrationen kommunistische Zeitungen und schreien Reden kommunistischer Arbeiter nieder. Kann eine Kommunistische Partei, kann ein Rotes Maikomitee, kann irgendein klassenbewußter Arbeiter mit solchen Leuten, die die Einheitsbestrebungen der Kommunisten mit Füßen treten, am 1.Mai gemeinsam marschieren? Nein!

Daß es mit den Arbeiterverrätern in der SEW-Führung, die am 1.Mai in Worten für die Arbeiter einzutreten vorgeben, in Taten aber schon längst auf der anderen Seite stehen, daß es mit diesen Arbeiterverrätern keine Einheit geben kann und darf, ist klar! Wir rufen alle SEW-Kollegen auf: Reißt euren 'Führern' die Masken vom gesicht! Laßt sie am 1.Mai alleine für Mitbestimmungsillusionen und Ratifizierungsgeschwätz demonstrieren! Die revolutionären Arbeiter marschieren unter den Fahnen des Zentralen Maikomitees!

Die vierte Maidemonstration wird von der Gruppe 'Neue Einheit' (KPD/ML-NE,d.Vf.) veranstaltet. Dieser Handvoll verwirrter junger Leute, von denen man das Jahr über vor und im Betrieb nicht viel sieht, geht es am 1.Mai weniger um die 'Einheit', als um den vordersten Platz in einer Demonstration, den sie nun als Alleinemarschierer auch haben!

Siemens-Arbeiter!

Der 1.Mai ist der internationale Kampftag der Arbeiterklasse. Am 1.Mai heißt es auf der ganzen Welt: Dem Klassengegner die Faust ins Gesicht! Darum, Kollegen - auch in Westberlin:

GEGEN DAS KAPITAL UND SEINE SPD-REGIERUNG - DIE GESCHLOSSENE FRONT DER ARBEITERKLASSE!

HERAUS ZUM ROTEN 1.MAI!"

Das Siemens-Komitee der Roten Garde (RG) fordert ebenfalls:"
Siemens-Lehrlinge! Siemens-Jungarbeiter!

HERAUS ZUM ROTEN 1.MAI!

Verschärfte Ausbeutung und verschärfte Unterdrückung - das ist unsere Lage in den Betrieben, darum sind wir am 1.Mai auf der Straße!

Gegen die Siemens-Bosse und ihre Handlanger zur Niederhaltung der Arbeiterjugend, gegen kapitalhörige Ausbilder und Meister, gegen verräterische SPD-Betriebsräte und IGM-Bonzen, gegen die reformistischen SEW/FDJ-Führer, gegen die spalterischen Häuptlinge der Studenten-'KPD', dagegen sind wir am 1.Mai auf der Straße!

Gegen diesen Staat der Herren Siemens und Konsorten, gegen Aufrüstung für imperialistische Raubkriege, gegen den Kriegspakt Bonn-Moskau, gegen Notstandsmaßnahmen zur Niederschlagung der Arbeiterklasse, dagegen sind wir am 1.Mai auf der Straße!

Im ROTE-GARDE-Teil vom ROTEN LAUTSPRECHER Nr.3 (vgl. 3.4.1972,d.Vf.) berichteten Kollegen über die verschärfte Ausbeutung der Arbeiterjugend im SDW-Formenbau (SDW heißt: Siemens-Dynamowerk,d.Vf.) und im Wernerwerk: Lehrlinge - als billigste 1,50-DM-Arbeitskräfte, als Lohndrücker gegen die Kollegen eingesetzt, an deren Arbeitsplatz gestellt; Jungarbeiter - den Lohn durch 'Umsetzung' gekürzt, mit Entlassungsdrohung zu größerer Arbeitsleistung getrieben.

Gegen Lehrlingsschinderei und Lohnraub, Umsetzung, Kurzarbeit und Entlassung, gegen die Spaltung in Junge und Alte - für eine geschlossene Kampffront, für Ausbildung in der Produktion, für gleiche Bezahlung gleicher Arbeit, für 80% vom Arbeiterlohn für Lehrlinge, für Lehrlingsstreikrecht, dafür gehen wir am 1.Mai auf die Straße!

Gegen den Maulkorb für fortschrittliche Kollegen, die die organisierten Sauereien der Siemens-Bosse und ihrer Knechte beim Namen nennen, gegen politische Entlassungen - für sofortige Wiedereinstellung der entlassenen Lehrlinge, dafür gehen wir am 1.Mai auf die Straße!

Gegen das großkotzige Diktat der 'KPD'-Kleinbürger - für die betriebliche Einheitsfront, für klassenkämpferische Jugendvertreter und Betriebsräte, für oppositionelle Gewerkschaftsarbeit, für die Aktionseinheit der Marxisten-Leninisten zum 1.Mai, dafür sind wir am 1.Mai auf der Straße!

Lehrlinge! Jungarbeiter! Wir gehören zu den Fortschrittlichsten der Arbeiterklasse, wir marschieren in der ersten Reihe, denn der Arbeiterjugend gehört die Zukunft! Vorwärts mit der ROTEN GARDE! Vorwärts im Geiste Ernst Thälmanns, mit unserer Partei, der KPD/ML! Vorwärts zum Sozialismus! Folgen wir dem Aufruf des Zentralen Maikomitees: Heraus zum roten 1. Mai 1972!

Heraus zur Demonstration 10 UHR BRUNNENSTR. (AEG)".
Q: Roter Lautsprecher Nr.4,Berlin Apr. 1972

24.04.1972:
In Berlin gibt die Betriebsgruppe Siemens-Wernerwerk der KPD/ML-ZB eine Ausgabe ihrer Betriebszeitung 'Der Rote Blitz' (vgl. 11.4.1972, 28.4.1972) heraus, die neben einem Aufruf zum aktiven Wahlboykott (ungültig stimmen) bei der Betriebsratswahl (BRW) zum Besuch der Maiveranstaltung des Zentralen Maikomitees am 30.4.1972 aufruft. Angekündigt wird auch eine Kurzkundgebung vor dem Werk (vgl. 25.4.1972).
Q: Der Rote Blitz,Berlin 24.4.1972

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24.04.1972:
Die Zeitung 'Der Revolutionäre Funke' (Organ der Kommunistischen Schülerorganisation (Neue Einheit) - KSO-NE) ruft dazu auf, sich an der 1.-Mai-Demonstration der KPD/ML (Neue Einheit) in Berlin zu beteiligen. Zur Verteilung gelangt es allerdings nicht nur in Berlin sondern zumindest auch in Saarbrücken.
Q: KPD/ML-NE:Dokumente zum revolutionären 1. Mai 1972,Berlin 1972, S. 27ff.

24.04.1972:
In Berlin gibt die Betriebsgruppe Siemens Gartenfeld der KPD/ML-ZB ihren 'Roten Gartenfelder' (vgl. 17.4.1972) heraus. Beigeheftet ist ein zweiseitiger 'Aufruf zum 1.Mai!', der zum Besuch der Veranstaltung des 'Zentralen Maikomitees' am 30.4. und seiner Demonstration am 1.Mai selbst mobilisiert. Verantwortlich zeichnet für diesen Aufruf Horst Kwiatkowski, der auch die Verantwortung für die Berliner KPD/ML-ZB Veröffentlichungen trägt.
Q: Der Rote Gartenfelder,Berlin 24.4.1972

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25.04.1972:
In Berlin gibt die Betriebsgruppe Siemens-Schaltwerk der KPD/ML-ZB die Nr.20 ihres 'Roten Schaltwerkers' (vgl. 17.4.1972) heraus. Aufgerufen wird zum 1. Mai.
Q: Der rote Schaltwerker Nr.20,Berlin 25.4.1972

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25.04.1972:
Vor dem Siemens-Wernerwerk in Berlin will die KPD/ML-ZB eine Kurzkundgebung zu den Themen Betriebsratswahl (BRW), 1.Mai und politische Entlassungen durchführen.
Q: Der Rote Blitz,Berlin 24.4.1972

25.04.1972:
Heute möchten im Berliner TU Audimax KPD/ML-NE und KHO-NE ein Teach-In zum 1.Mai und zur revolutionären Bewegung durchführen.
Q: Kommunistische Hochschulzeitung Sdr.blatt,Berlin 19.4.1972

26.04.1972:
In der Berliner Technischen Fachhochschule will heute das Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter der KPD seine Maiveranstaltung durchführen.

Aufgerufen wurde vom Maikomitee dazu mit einer Zeitung '1. Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse', in der u.a. von Schering, den Koreanern bei der KWU, von AEG Brunnenstraße sowie von den Maiausschüssen bei AEG Brunnenstraße und bei Siemens und den beiden dortigen IGM-Jugendgruppen berichtet wird. Auch ein separater "Aufruf" des Maikomitees mobilisiert außer für die Maidemonstration auch für diese Veranstaltung und gibt die Existenz von Maiausschüssen bei AEG Brunnenstraße, Borsig, DWM, DeTeWe, KWU, SEL, Siemens, Schering, im RVK, für die Krankenhäuser, für Bau, Post, IG Druck, kaufmännische Lehrlinge, Metall-Jugendliche und die Bauschule Zitadelle Spandau bekannt.
Q: Rote Fahne Nr.41,Dortmund 19.4.1972; 1. Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse,Berlin 1972; Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter: Aufruf,Berlin 1972

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26.04.1972:
Bei Osram Berlin gibt die Betriebsgruppe der KPD/ML-ZB vermutlich heute eine Ausgabe ihres 'Rotlicht' (vgl. 24.4.1972) heraus. Enthalten ist die Erklärung des ZB der KPD/ML-ZB "Nieder mit dem Bonner Kuhhandel" zum morgigen Mißtrauensvotum. Aufgerufen wird zum 30.4.1972 und zum 1.Mai.
Q: Rotlicht o.Nr.,Berlin o.J. (1972)

26.04.1972:
In Berlin führt die KPD/ML-ZB vor dem Siemens-Schaltwerk eine Kurzkundgebung, vermutlich zu den Themen 1.Mai und Betriebsratswahl durch.
Q: Der rote Schaltwerker Nr.20,Berlin 25.4.1972

26.04.1972:
In Berlin gibt die Kommunistische Hochschulorganisation (NE) eine Ausgabe ihrer 'Kommunistischen Hochschulzeitung' heraus, die u.a. den Aufruf zum 1.Mai enthält. Dem 1.Mai widmet sich auch eine, ebenfalls heute erscheinende, Sondernummer 2 der 'Neuen Einheit' der KPD/ML-NE. In dieser enthalten ist ein "Großer Aufruf zur revolutionären Mai-Demonstration 1972" der KPD/ML-NE. Ebenfalls zum 1.Mai führen KPD/ML-NE und KHO-NE heute gemeinsam ein Teach-In durch.
Q: Die Revolutionäre Stimme Nr.9 (Sonderbeilage),Berlin 1972; KPD/ML-NE: Dokumente zum revolutionären 1. Mai 1972,Berlin 1972, S. 5ff.; Neue Einheit Sdr.Nr.2,Berlin 26.4.1972; Kommunistische Hochschulzeitung,Berlin 26.4.1972

26.04.1972:
In Berlin erscheint von der KPD/ML-ZB die Nr.14 des 'NCR Arbeiters' (vgl. 24.4.1972, Mai 1972). Beigeheftet ist ein zweiseitiger Aufruf zur Veranstaltung des zentralen Maikomitees (vgl. 30.4.1972). Im 'NCR Arbeiter' enthalten sind u.a. die Resolution des Einheitsfrontkomitee NCR (EFK) zum 1.Mai und ein Aufruf zur Teilnahme an der Maidemonstration der Aktionseinheit von KPD/ML-ZB, KPD/ML-ZK, ausländischen Marxisten-Leninisten, 3 Stadtteilkomitees und 12 Einheitsfrontkomitees (EFK) aus Westberliner Großbetrieben. Gar nicht gut zu sprechen ist man auf die, in Berlin recht massiv vertretene, KPD. Über sie wird ausgeführt:"
Bei gemeinsamen Demonstrationen bildete sie Ketten um andere marxistisch-leninistische Organisationen am Betreten des Kundgebungsplatzes zu hindern. Sie brüllte deren Redner nieder".
Q: Der NCR Arbeiter Nr.14,Berlin 26.4.1972

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27.04.1972:
Heute schließt sich auch die 'Kommunistische Hochschulzeitung' - Organ der Kommunistischen Hochschulorganisation (Neue Einheit) - KHO(NE) dem Aufruf zur Maidemonstration der KPD/ML-NE in Berlin-Wedding an.
Q: KPD/ML-NE:Dokumente zum revolutionären 1.Mai 1972,Berlin 1972,S.27ff*

27.04.1972:
In Berlin möchte die KJO Spartacus eine Veranstaltung "Die Lage der Arbeiterjugend" bei Max und Moritz durchführen.
Q: KJO Spartacus-Ortsleitung Westberlin:ohne Titel,Berlin 20.4.1972

27.04.1972:
In Berlin möchte die KPD/ML-NE heute eine Maiveranstaltung bei Max und Moritz durchführen.
Q: Kommunistische Hochschulzeitung Zeitung,Berlin 26.4.1972

28.04.1972:
In der 'Roten Presse Korrespondenz' Nr.165 (vgl. 21.4.1972) wird u.a. der "Aufruf des ZK der KPD zum 1. Mai vom 22.April 1972" abgedruckt.
Q: Rote Presse Korrespondenz Nr.165,Berlin 28.4.1972

28.04.1972:
Bei KWU Berlin gibt die Betriebsgruppe der KPD/ML-ZB vermutlich heute eine Ausgabe ihrer 'Roten Turbine' (vgl. 19.4.1972) heraus. Berichtet wird u.a. von der Maivorbereitung, "daß das betriebliche Maikomitee Anfang der Woche seine Arbeit praktisch einstellen mußte, weil die Vertreter der KPD/ML (Roter Morgen) (KPD/ML-ZK,d.Vf.) erklärten, daß sie wichtigeres vorhätten." In Berlin sollen 4 Maidemonstrationen stattfinden, wobei KPD/ML-ZB und KPD/ML-ZK gemeinsam ab Brunnenstraße im Wedding demonstrieren wollen.
Q: Rote Turbine Datum unleserlich,Berlin 2?.4.1972

28.04.1972:
Die KPD (vgl. 24.5.1972) berichtet vermutlich von ihrer heutigen Mai-Veranstaltung:"
ZELLE RUDOLF-VIRCHOW-KRANKENHAUS
REDE AUF EINER KPD-VERANSTALTUNG

Kolleginnen und Genossen!

Von den Reinigungskräften über die Masse des Pflegepersonals bis hin zu fortschrittlichen Ärzten, die Pflegeschülerinnen und -schüler, die Werktätigen in Küche, Wäscherei, Werkstatt, Gärtnerei und Transport - sie alle haben im Kapitalismus keine menschenwürdige Berufsperspektive, ihrer aller Arbeitskraft wird ausgebeutet. Sie alle spüren am eigenen Leib die Sparmaßnahmen des SPD-Senats, die sich daraus ergebende Verschärfung der Arbeitshetze - so durch die ständige Verringerung der Zahl der Akutbetten, was für die Patienten vorzeitige Entlassung bedeutet - nach dem Motto 'gesund ist wer arbeiten kann', für die Krankenschwestern und Pfleger aber schnellerer Bettenwechsel bei tendenziell immer schwerer kranken Patienten, für das Küchenpersonal dauernde Umstellung der Essens- und Diätpläne, für die Wäscherei erhöhter Arbeitsanfall, für das technische Personal mehr Transport.

Wenn wir als Kommunisten in einem Bereich wie dem der medizinischen Versorgung arbeiten, haben wir also eine doppelte Aufgabe: einerseits den Kampf um die Interessen der Werktätigen im Gesundheitswesen führen, andererseits für das Interesse der Arbeiterklasse und aller übrigen werktätigen Schichten an einer ausreichenden medizinischen Versorgung eintreten. Diese Interessen stimmen nicht automatisch überein!

Können wir z.B. - zur Erleichterung der Arbeitsbedingungen des Pflegepersonals - eine Verkleinerung der Stationen fordern, können wir so einfach für eine Verkürzung der Arbeitszeit am Krankenhaus kämpfen? Die isolierte Verwirklichung solcher Forderungen würde als erstes eine Verringerung der Kapazität bedeuten, und damit eine Verschlechterung der medizinischen Versorgung! Deshalb müssen alle Forderungen gegen die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen der Werktätigen am Krankenhaus eingebettet sein in ein Kampfprogramm, das diesen Kampf verbindet mit dem Kampf für eine ausreichende medizinische Versorgung der Arbeiterklasse.

Die Forderung nach dem 7-Stunden-Tag am Krankenhaus muß verbunden sein mit der Forderung: Kampf dem Personalmangel - Durchsetzung des Bettenschlüssels, d.h. sie entspricht nur dann dem Interesse der Arbeiterklasse, wenn sie einhergeht mit einer Vergrößerung des Personalbestandes an den Krankenhäusern. Nur auf der Grundlage eines solchen Kampfprogrammes läßt sich ein dauerhaftes Bündnis zwischen Proletariat und den werktätigen Schichten am Krankenhaus herstellen.

Den ersten organisatorischen Schritt zur Herstellung dieses Bündnisses hat die KPD durch die Gründung der Zelle am Rudolf-Virchow-Krankenhaus getan.

Mit der Herausgabe der ersten Kommunistischen Presse (KP - vgl. 22.2.1972,d.Vf.) für die Werktätigen am RVK haben wir die Massenarbeit am Krankenhaus aufgenommen, haben wir die Arbeit am Kampfprogramm durch die Entfaltung der Untersuchungsarbeit vorangetrieben und haben zahlreiche Werktätige als Sympathisanten im Umkreis der Zelle organisiert. Dabei stehen wir bei unserer Arbeit im Krankenhaus in einem ständigen Kampf gegen alle Fronten des Reformismus. Es ist eines, die Fehler des kapitalistischen Systems im einzelnen anzuprangern, es ist ein anderes, für den Sturz des Kapitalismus insgesamt zu kämpfen. Die kleinbürgerliche Linie auch am Krankenhaus ist gekennzeichnet durch Wankelmütigkeit und Unentschlossenheit, durch schnelles Verzagen, und durch einen Individualismus, der sich unfähig zeigt zu proletarischer Disziplin.

Diese kleinbürgerliche Linie findet am Krankenhaus einen natürlichen Nährboden. Im Gegensatz zu den Kämpfen in der Fabrik, in der der Widerspruch von Lohnarbeit und Kapital unmittelbar erfahren werden kann, steht uns am Krankenhaus als direkter Gegner der Staatsapparat und sein Gehilfe, die Verwaltungsspitze, gegenüber. Der Staatsapparat hat im Kapitalismus den Auftrag, weite Teile des Reproduktionssektors zu organisieren, so auch einen erheblichen Teil der medizinischen Versorgung der Werktätigen. Damit ist aber auch die Basis gegeben für Illusionen über den Klassencharakter des Staates, Illusionen über die Reformierbarkeit der medizinischen Versorgung im Kapitalismus.

Wenn wir Sympathisanten organisieren, dann grenzen wir uns scharf gegen alle ständischen, berufsspezifischen Organisationsansätze ab; das Beziehen des proletarischen Klassenstandpunktes, die umfassende Unterstützung der Arbeit der Partei ist oberstes Kriterium der Organisierung im Umkreis der Zelle.

Im Rahmen des Kampfes zweier Linien steht auch unsere unversöhnliche Auseinandersetzung mit den Revisionisten, die am RVK so stark sind wie sonst kaum in einem Krankenhaus in Westberlin. Gegen diese Leute, die im Gespräch mit uns tönen, daß sie doch auch für den Sozialismus und sogar für die Revolution sind, die aber bei der praktischen Arbeit bei jeder Gelegenheit der Verwaltung und der Gewerkschaftsspitze ihre Verläßlichkeit zu beweisen suchen, die sich bei einer Abstimmung über eine Resolution gegen das arbeiterfeindliche Betriebsverfassungsgesetz (BVG,d.Vf.) der Stimme enthalten, die erbittert eine von uns durchgesetzte Resolution gegen die BVG-Fahrpreiserhöhung mit formalen Tricks noch heute für ungültig zu erklären versuchen, die sich dagegen wenden, daß in Flugblättern der ÖTV-Betriebsgruppe (ÖTV-BG,d.Vf.) die Vokabeln 'Lohnarbeit und Kapital' vorkommen, denn die Kollegen seien noch nicht so weit - Gegen diese Leute, die uns gegenüber behaupten, sie wüßten ja auch, daß Mitbestimmung im Kapitalismus nicht zu verwirklichen sei, aber erst müßten die Kollegen dafür kämpfen, damit sie dann, wenn sie sie erreicht haben, erkennen, daß man damit nichts erreicht hat - Gegen den grenzenlosen Opportunismus und Zynismus dieser Leute hat die Zelle RVK von Anfang an entschieden den Kampf aufgenommen. Dabei ist es unser Ziel, die schwankende Mitte zu gewinnen, die Rechten aber zu isolieren.

Die Revisionisten, noch mit Schwankenden, Unentschlossenen zusammen oft in der Mehrheit, spüren unseren wachsenden Einfluß. Seit einigen Wochen ist in den Sitzungen der ÖTV-Betriebsgruppe und des Vorstandes einer der Haupttagesordnungspunkte die Auseinandersetzung mit der Zeitung der Zelle RVK, wobei sich der Wortführer der Revisionisten am RVK in wilden Beschimpfungen und Verleumdungen ergeht, ja sogar selbst vor der offenen Denunziation von Gewerkschaftern nicht mehr zurückschreckt, bei denen er eine Verbindung zur Zelle vermutet. Dieser Mann gebärdet sich wie ein kleiner König, der beleidigt ist, daß man ihm sein Reich strittig macht. Doch das alles rettet die Revisionisten nicht.

Der Prozeß der Klärung wird sich fortsetzen, bis zur endgültigen Isolierung der Wenigen, mit denen eine Einheit nicht möglich ist.

Freunde und Genossen!

Die Gewerkschaftsarbeit ist nicht der einzige, sicherlich aber einer der wichtigsten Hebel unserer Massenarbeit. Die ÖTV vereinigt als einzige gewerkschaftliche Organisation alle Schichten am Krankenhaus. In ihr kämpfen wir um die Überwindung der vielfältigsten Spaltungsmechanismen, die Senat und Verwaltung gegenüber den Werktätigen einsetzen. Die Betriebsgruppe der ÖTV am RVK, nominell 350 Mitglieder stark, und erst im letzten Oktober (vgl. Okt. 1971,d.Vf.) gegen den Widerstand der ÖTV-Spitze institutionalisiert, vereinigt die fortschrittlichsten Kollegen in sich.

Im Rahmen der Vorbereitung eines kämpferischen 1.Mai haben die Mitglieder der Zelle RVK gerade in der Gewerkschaft eine rege Agitation und Propaganda betrieben. Gerade in diesen Wochen ist eine Reihe von neuen Kollegen an uns herangetreten und konnten lose Sympathisanten enger an die Arbeit der Partei herangeführt werden - insgesamt hat sich in diesen Wochen die Zahl der im Umkreis der Zelle arbeitenden Sympathisanten verdoppelt!

Anfang April (vgl. 3.4.1972,d.Vf.) führte die KPD ihre erste Veranstaltung für alle im Gesundheitswesen Tätigen in Westberlin durch. Seitdem haben wir zu einer großen Anzahl fortschrittlicher Kollegen und Sympathisanten der Partei aus fast allen großen Krankenhäusern Westberlins festen Kontakt, darunter befinden sich Gruppen, die in der Gewerkschaftsarbeit schon eine weitgehende Verankerung in der jeweiligen Betriebsgruppe erreicht haben.

Der 1.Mai 1972 bedeutet für die Zelle RVK der KPD einen großen Schritt voran in der Verwirklichung der Parole: Für das feste Bündnis der Arbeiterklasse mit allen unterdrückten Schichten des Volkes im Kampf für die sozialistische Revolution!

Für die Arbeit in der ÖTV im westberliner Rahmen bedeutet dieser 1.Mai:
Vorwärts beim Aufbau der revolutionären Gewerkschaftsopposition! Bauen wir die starke und einheitliche rote Front aller Ausgebeuteten und Unterdrückten gegen Monopolkapital und SPD-Regierung, gegen die Spaltung durch Reformismus und Revisionismus auf!"
Q: Rote Fahne Nr.44,Dortmund 24.5.1972,S.4

29.04.1972:
In Berlin möchte die KPD/ML-NE heute eine Maiveranstaltung in den Stephan-Lichtspielen in Moabit durchführen.
Q: Kommunistische Hochschulzeitung,Berlin 26.4.1972

30.04.1972:
In Berlin findet die Großveranstaltung des zentralen Maikomitees statt, zu dem sich laut KPD/ML-ZK die Einheitsfrontkomitees (EFK - im wesentlichen ein betrieblicher Zusammenschluß der KPD/ML's ZB und ZK,d.Vf.) von AEG, Siemens, NCR, KWU, Gillette und Borsig, die Stadtteilkomitees Wedding, Märkisches Viertel und Spandau, KJVD, KPD/ML-ZB, KPD/ML-ZK, RG, KSB/ML sowie griechische (OGML), türkische (PEF), italienische (PCI/ML) und arabische MLer zusammengeschlossen haben. Die Teilnehmerzahl beträgt, laut KPD/ML-ZB, ca. 900. Gezeigt werden soll der Film "Ernst Thälmann - Sohn seiner Klasse". Veranstaltungsort sind die Spandauer Festsäle in der Schützenstraße 2-4.
Q: Rote Fahne Nr.10,Bochum 15.5.1972,S.11; Roter Morgen Nr.11,Hamburg 5.6.1972; Rotlicht o.Nr.,Berlin o.J. (1972); Rotlicht/Die Rote Osramjugend Extrablatt,Berlin o.J. (1972); KPD/ML-ZB-LV Westberlin:Aufurf Heraus zum Roten 1.Mai,Berlin 1972; Der Rote Blitz,Berlin 24.4.1972

Mai 1972:
Im Mai 1972 betont die KPD/ML(Neue Einheit) erneut, daß die Verfolgungsmaßnahmen gegen sie keineswegs aufgehört hätten (vgl. 8.4. 1972). Vielmehr setzen sie ja in der Folge der Maidemonstration erst richtig ein.
Q: Neue Einheit Nr.1,Berlin 1972,S.17ff.

Mai 1972:
Es erscheint die 'Neue Einheit' der KPD/ML-NE Nr.1. Inhalt: "Zu den Grundfragen der Partei und der gegenwärtigen Situation", "Erklärung der KPD/ML(Neue Einheit) vom 5. April 1972: Der 1. Mai 1972 ist von historischer Bedeutung". Weiter befaßt man sich u.a. mit der Berliner Berufsschularbeit des KJVD (Neue Einheit) und der Verfolgung der Organisation (vgl. 8.4.1972).
Q: Neue Einheit Nr.1,Berlin Mai 1972

01.05.1972:
Zur Maidemonstration in Berlin-Neukölln mobilisiert u.a. ein Flugblatt "1.Mai in Neukölln", welches von MLH's TU/FU, Kampfrat der Roten Zellen, Grundsemesterorganisation (GSO) am Otto-Suhr-Institut der FU und Rotzhis unterzeichnet ist. Ebenfalls zu dieser Demonstration ruft die KJO Spartacus auf. Laut KB beteiligen sich an dieser Demonstration, zu der neben diversen linken Gruppen auch die SEW aufrief, 30 000, so daß es die größte Demonstration der Berliner Linken seit vielen Jahren gewesen sei, und dies obwohl im letzten Jahr sowohl PL/PI als auch KB/ML und SDA auseinandergebrochen seien. Der KB Bremen (KBB) zählt in Neukölln auf der Demonstration der SEW und ihres Maikomitees '72 (SEW, Judos der FDP, SJD - Die Falken, Jusos und linke SPD sogar über 40 000 Leute, davon allein 10 000 im antirevisionistischen Block. Laut KB befanden sich in diesem Block, der auf ein Aktionsbündnis (vgl. Apr. 1972) von u.a. KJO Spartacus, MLH's und Basisgruppe Spandau zurückging, 15 000.

Die Rote Hilfe Westberlin ruft heute in ihren 'Rote Hilfe Nachrichten & Mitteilungen' Nr.7 (vgl. 27.3.1972, 15.5.1972) auf zum "Arbeitervolksfest am Mariannenplatz – Kreuzberg vom 29.4. bis zum 1.5.72" und berichtet später auch von diesem, ebenso wie das Georg von Rauch Haus (vgl. Mai 1972), welches das Fest mitveranstaltete.

Die Demonstrationen im Wedding von KPD und den KPD/ML's ZB, ZK und Neue Einheit (NE) haben, laut KB, zusammen 2 300 Teilnehmer gehabt.

Der KB Bremen berichtet über die eigene Demonstration der KPD:"
Die KPD demonstrierte unter der Hauptlosung 'Gegen Reformismus und Revisionismus - für die revolutionäre Einheit der Arbeiterklasse."

Die KPD selbst zählt 4 000 bis über 4 000 Teilnehmer, auf der Kundgebung gar über 5 000.

Mobilisiert wird dazu u.a. auch vom Landesverband Westberlin der LgdI mit einem "Aufruf zum 1.Mai" und durch die Oberschülerkommission des KSV, die von über 4 000 Demonstranten aber auch einem Maimeeting an der Gropius-Schule berichtet, mit einer 'Kommunistischen Schülerpresse'.

Der KSV veröffentlicht einen Sonderdruck seiner Zeitung 'Dem Volke dienen' (DVD) - Zeitung des KSV für die Hoch- und Fachhochschulen in Westberlin. Sie enthält den "Mai-Aufruf des Kommunistischen Studentenverbandes": "Für das feste Bündnis der Arbeiterklasse mit allen unterdrückten Schichten des Volkes im Kampf für die sozialistische Revolution!".

Die KPD (vgl. 3.5.1972) berichtet über die eigene Demonstration, die um 10 Uhr am U-Bahnhof Turmstraße in Moabit beginnen sollte:"
Über 4 000 Arbeiter und andere Werktätige, Schüler und Studenten demonstrierten am 1.Mai in Westberlin unter den Parolen der KPD, des Maikomitees oppositioneller Gewerkschafter, verschiedener ausländischer Organisationen, des KSV, und der Liga gegen den Imperialismus. Viele Bewohner der Arbeiterviertel Moabit und Wedding reihten sich in den einheitlichen und von revolutionärer Begeisterung erfüllten Demonstrationszug ein.

Auf der Schlußkundgebung, an der über 5 000 Menschen teilnahmen, zogen ein Genosse der Partei und eine Kollegin des Maikomitees erste Bilanz:
Die Kampffront der Arbeiterklasse ist in der Vorbereitung des 1.Mai auch in Westberlin gestärkt und verbreitert worden. Es hat sich gerade in den letzten Tagen gezeigt, daß auch in Westberlin die Parole: Gegen Reformismus und Revisionismus für die revolutionäre Einheit der Arbeiterklasse - KPD! die Richtschnur der Arbeit der Partei in dieser Region sein muß. Die Kollegen, die den Aufrufen der Brandt, Scheel und Sickerts oder den SEW-Führern in Neukölln folgten, zeigen uns, daß wir unsere Arbeit verstärken müssen für die Werktätigen, die noch unter dem Einfluß der Demagogie dieser Reformisten und Revisionisten stehen.

Der Kampf zweier Linien, der zum 1.Mai 1972 mit besonderer Schärfe geführt wurde, schließt auch den Kampf gegen alle Positionen der Sektierer, die sich Marxisten-Leninisten nennen, ein. Die Parolen, unter denen die KPD/MLs etwa 600 Demonstranten auf die Straße führten, markieren den Marsch dieser Sekten in den revisionistischen Sumpf."

Am 17.5.1972 zitiert die KPD:"
KÄMPFEN WIR WEITER FÜR DEN AUFBAU EINER REVOLUTIONÄREN GEWERKSCHAFTSOPPOSITION (RGO,d.Vf.)

AUSZUG AUS DER REDE DES VERTRETERS DES MAIKOMITEES OPPOSITIONELLER GEWERKSCHAFTER AUF DER 1.MAUKUNDGEBUNG IN WESTBERLIN.

In der Vorbereitung des 1.Mai hat das Maikomitee neue Hebel der Gewinnung der Kollegen für den Aufbau der revolutionären Gewerkschaftsopposition geschaffen:

Durch das Auftreten auf Betriebsversammlungen, das Tragen der Plaketten im Betrieb, die Verteilung der Flugblätter auch innerhalb des Betriebes, durch Veranstaltungen der einzelnen Maiausschüsse konnten neue Kollegen gewonnen werden, konnte die Front der oppositionellen Gewerkschafter entschieden verbreitert werden. Diesen Erfolg feiern wir heute!

Die Maiausschüsse und das Maikomitee haben die Aufgabe, einen revolutionären 1.Mai vorzubereiten erfolgreich erfüllt.

Aber, Kolleginnen und Kollegen, wie soll es nach dem 1.Mai weitergehen?

Ich will kurz die vor uns liegenden Aufgaben nennen:
Wir werden im Betrieb weiterhin eintreten für kämpferische Vertrauensleute, in den Betrieben, wo es nur einen betrieblichen VL-Körper (VLK,d.Vf.) gibt, uns einsetzen für einen gewerkschaftlichen Vertrauenskörper. Wir werden den Kampf führen gegen die Mauscheleien der Gewerkschaftsspitze, gegen den Abbau der innergewerkschaftlichen Demokratie. Wir werden uns einsetzen für gewerkschaftliche Mitgliederversammlungen in den Betrieben und auf dieser Ebene versuchen, den Einfluß der Gewerkschaftsführung und der Sozialdemokratie, der sich in den Ostverträge-Streiks der letzten Tage deutlich zeigte, zu brechen und eine breite oppositionelle Bewegung in den Betrieben zu entfalten.

Die Delegierten gewerkschaftlicher Gremien im Maikomitee werden weiter kämpfen für die Durchsetzung der Forderungen, die wir in unserem Programm zusammengefaßt haben. Insbesondere in den nächsten Tarifrunden werden sie versuchen, unsere einheitlichen Lohnforderungen unter den Kollegen zu verankern und durchzusetzen.

Die Jugendgruppen (JG,d.Vf.), die im Maikomitee mitgearbeitet haben, werden sich viel stärker als bisher ausrichten auf die Arbeit im Betrieb. Nur durch die Mobilisierung von Lehrlingen und Jungarbeitern im Betrieb werden sie ihr Ziel, die Wahl jugendlicher Vertrauensleute erreichen.

Gerade die oppositionellen Mitglieder der Jugendgruppen müssen alles daran setzen, eine breite Solidaritätsbewegung zu entfalten, damit die drohenden Ausschlüsse (UVB,d.Vf.) der Mitglieder der AEG-Jugendgruppe verhindert werden.

Die unmittelbar vor uns liegende Aufgabe ist die Stärkung der oppositionellen Kräfte durch die Jugendvertreterwahlen (JVW,d.Vf.) in den kommenden Monaten. Zu diesen Wahlen müssen fortschrittliche Kandidaten aufgestellt werden, die sich hinter unsere Forderungen stellen:

EXISTENZLOHN FÜR LEHRLINGE: HEUTE 500 DM
STREIKRECHT FÜR LEHRLINGE
und die gegen die Einführung des kapitalistischen Stufenplanes kämpfen.

Das Maikomitee und die Maiausschüsse werden sich auflösen, aber der Kampf geht weiter, die Aufgaben sind klar.

Kämpft mit uns gegen die verräterische Gewerkschaftsführung!
Kämpft mit uns für die Interessen der Arbeiterklasse und der anderen Werktätigen!

Kämpfen wir gemeinsam:
- FÜR DIE EINHEIT DER INTERNATIONALEN ARBEITERBEWEGUNG IM KAMPF GEGEN KAPITALISMUS UND IMPERIALISMUS
- FÜR DIE ABSCHAFFUNG DES KAPITALISTISCHEN LOHNSYSTEMS
- FÜR EINE WELT OHNE AUSBEUTUNG UND UNTERDRÜCKUNG
VORWÄRTS IM AUFBAU DER REVOLUTIONÄREN GEWERKSCHAFTSOPPOSITION
VORWÄRTS IM KAMPF FÜR DIE SOZIALISTISCHE REVOLUTION"

Die LgdI der KPD berichtet (vgl. 20.4.1972):"
Höhepunkt und Resultat unserer Anstrengungen war der starke LIGA-Block auf der Demonstration am 1. Mai im Wedding, an der insgesamt über 4 000 Menschen teilnahmen. Das Ziel, das wir uns zu Beginn der Mai-Aktivitäten gesetzt hatten, die Bildung der Ortsgruppen vorzubereiten, haben wir im wesentlichen erreicht: die ersten Ortsgruppen werden sich in den nächsten Tagen konstituieren" (vgl. **.5.1972,d.Vf.).

Die KPD/ML-ZK beteiligt sich, nach eigenen Angaben, am zentralen Maikomitee, welches von ihr selbst, RG, KSB/ML, KJVD, KPD/ML-ZB, arabischen, griechischen, italienischen, spanischen und türkischen Genossen, den Stadtteilkomitees Wedding, Märkisches Viertel und Spandau sowie den Einheitsfrontkomitees Siemens, NCR, AEG, KWU, Gillette und Borsig gebildet wurde. Dieses Maikomitee organisiert eine Demonstration durch den Wedding ab Brunnenstraße mit 1 000 Teilnehmern.

Der KB Bremen schreibt dazu:"
Die KPD/MLs (Roter Morgen und Rote Fahne) konnten nicht mit der KPD zusammen demonstrieren und mit der SEW wollten sie nicht zusammengehen. So machten sie eine dritte Demonstration mit dem Schwerpunkt gegen 'Notstand, Aufrüstung und Revanchepolitik'. Dieser Demonstration schlossen sich auch die Organisationen der ausländischen Marxisten-Leninisten an. Es nahmen ungefähr 1 000 Menschen teil."
Mitte April riefen KPD/ML-ZB und KJVD auch noch zum Besuch ihrer gemeinsamen, für diesen Tag geplanten Veranstaltung auf. Gegen Ende April allerdings unterbleiben diese Aufrufe bzw. beziehen sich auf die Maiveranstaltung des 'zentralen Maikomitees' am 30.4.1972. Auch Berichte über eine eigene Veranstaltung am 1.Mai werden in den Publikationen der KPD/ML-ZB nicht abgedruckt, weswegen der Schluß naheliegt, daß diese Veranstaltung nicht stattgefunden hat.

Auch die KPD/ML-NE demonstriert im Wedding ab Leopoldplatz.
Der KB Bremen berichtet:"
Die KPD/ML(Neue Einheit) machte die vierte Demonstration, und zwar nicht nur an erster Stelle gegen Sozial- und US-Imperialismus, sondern auch 'gegen das DGB-Kapital' und alle Arbeiterverräter aller Länder." Laut KPD/ML-Neue Einheit wird ihre Demonstration von der Polizei angegriffen. Die ca. 300 Teilnehmer der Demonstration beantworten den Polizeieinsatz "durch den geschlossenen Widerstand der Demonstration, die den Angreifern auf's Haupt schlagen". Auf der Abschlußkundgebung am Brunnenplatz wird die Demonstration erneut angegriffen, werden "eine Hetzjagd und ein Kesseltreiben gegen die einzelnen Demonstranten veranstaltet". Im Verlaufe der Demonstration werden eine Reihe Anhänger der KPD/ML-NE von der Polizei festgenommen, u.a. Thomas Ochsenfarth, Martin Weise und Wolfgang Schneider. Sie werden später u.a. wegen "versuchten Totschlags" bzw. wegen "schwerer Körperverletzung" angeklagt. Nach der 1.Mai-Demonstration beginnt für die KPD/ML-NE eine Phase der Illegalität, die auch dazu führt, daß sie sich als Organisation noch kaum in der Öffentlichkeit zeigt und in ihrer Publikationstätigkeit fast ganz auf die Bewältigung der Folgen dieser Demonstration, die u.a. auch den 'Agenten' der KPD und KPD/ML-ZK als 'hinterlistige Falle' angelastet werden, beschränkt ist. Gegen die beginnenden Prozesse gegen Weise, Schneider und Ochsenfarth bildet sich ein Justizkomitee der KPD/ML-NE. Im Herbst 1972 taucht das KPD/ML-NE-Mitglied Bernd Muckenschnabel - von einer Gefängnisstrafe bedroht - unter. Das ZK setzt sich zumindest teilweise nach Südschweden ab.

Im Verlag Neue Einheit der KPD/ML-NE erscheinen vermutlich noch diesen Monat "Dokumente zum revolutionären 1. Mai".
Q: Neue Einheit Nr.1,Berlin 1972,S.35; MLH's TU/FU,Kampfrat,GSO,Rotzhis:1.Mai in Neukölln,Berlin o.J. (1972);KJO Spartacus-Ortsleitung Westberlin:ohne Titel,Berlin 20.4.1972;Arbeiterkampf Nr.19,Hamburg Juni 1972,S.9 und 12;Wahrheit Nr.4,Bremen 1972,S.5;Rote Fahne Nr.40, 41, 42 und 43,Dortmund 7.4.1972, 19.4.1972, 3.5.1972 bzw. 17.5.1972,S.1, S.1, S.3 bzw. S.3f;LgdI-LV Berlin:Aufruf zum 1.Mai,Berlin o.J. (1972);Roter Morgen Nr.11,Hamburg 5.6.1972;Der NCR Arbeiter Nr.11 und 14,Berlin 14.4.1972 bzw. 26.4.1972;Kommunistische Hochschulzeitung Sdr.blatt,Berlin 19.4.1972;Kommunistische Schülerpresse Nr.4,Berlin Mai 1972,S.9;Rote Presse Korrespondenz Nr.166,Berlin 1972;Dem Volke dienen Sonderdruck,Berlin 1.Mai 1972;Die Revolutionäre Stimme Extrablatt,Berlin 11.11.72;KPD/ML-NE:Dokumente zum revolutionären 1. Mai 1972,Berlin 1972,S.48ff;Rotlicht/Die Rote Osramjugend Extrablatt,Berlin o.J. (1972);Rotlicht o.Nr.,Berlin o.J. (1972);Internationale Solidarität Nr.4,Berlin Mai 1972,S.5;Rote Hilfe Nachrichten & Mitteilungen Nr.7 und 8, Berlin 1.5.1972,S.1 bzw. S.2;Kreuzberg gehört uns Nr.1, Berlin o. J. (1972),S.1ff

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01.05.1972:
Zur Maidemonstration in Berlin-Neukölln mobilisiert u.a. ein Flugblatt "1.Mai in Neukölln", welches von MLH's TU/FU, Kampfrat der Roten Zellen, Grundsemesterorganisation (GSO) am Otto-Suhr-Institut der FU und Rotzhis unterzeichnet ist. Ebenfalls zu dieser Demonstration ruft die KJO Spartacus auf. Laut KB beteiligen sich an dieser Demonstration, zu der neben diversen linken Gruppen auch die SEW aufrief, 30 000, so daß es die größte Demonstration der Berliner Linken seit vielen Jahren gewesen sei, und dies obwohl im letzten Jahr sowohl PL/PI als auch KB/ML und SDA auseinandergebrochen seien. Der KB Bremen (KBB) zählt in Neukölln auf der Demonstration der SEW und ihres Maikomitees '72 (SEW, Judos der FDP, SJD - Die Falken, Jusos und linke SPD sogar über 40 000 Leute, davon allein 10 000 im antirevisionistischen Block. Laut KB befanden sich in diesem Block, der auf ein Aktionsbündnis (vgl. Apr. 1972) von u.a. KJO Spartacus, MLH's und Basisgruppe Spandau zurückging, 15 000.

Die Demonstrationen im Wedding von KPD und den KPD/ML's ZB, ZK und Neue Einheit (NE) haben, laut KB, zusammen 2 300 Teilnehmer gehabt.

Der KB Bremen berichtet über die eigene Demonstration der KPD:"
Die KPD demonstrierte unter der Hauptlosung 'Gegen Reformismus und Revisionismus - für die revolutionäre Einheit der Arbeiterklasse."

Die KPD selbst zählt 4 000 bis über 4 000 Teilnehmer, auf der Kundgebung gar über 5 000.

Mobilisiert wird dazu u.a. auch vom Landesverband Westberlin der LgdI mit einem "Aufruf zum 1.Mai" und durch die Oberschülerkommission des KSV, die von über 4 000 Demonstranten aber auch einem Maimeeting an der Gropius-Schule berichtet, mit einer 'Kommunistischen Schülerpresse'.

Der KSV veröffentlicht einen Sonderdruck seiner Zeitung 'Dem Volke dienen' (DVD) - Zeitung des KSV für die Hoch- und Fachhochschulen in Westberlin. Sie enthält den "Mai-Aufruf des Kommunistischen Studentenverbandes": "Für das feste Bündnis der Arbeiterklasse mit allen unterdrückten Schichten des Volkes im Kampf für die sozialistische Revolution!".

Die KPD (vgl. 3.5.1972) berichtet über die eigene Demonstration, die um 10 Uhr am U-Bahnhof Turmstraße in Moabit beginnen sollte:"
Über 4 000 Arbeiter und andere Werktätige, Schüler und Studenten demonstrierten am 1.Mai in Westberlin unter den Parolen der KPD, des Maikomitees oppositioneller Gewerkschafter, verschiedener ausländischer Organisationen, des KSV, und der Liga gegen den Imperialismus. Viele Bewohner der Arbeiterviertel Moabit und Wedding reihten sich in den einheitlichen und von revolutionärer Begeisterung erfüllten Demonstrationszug ein.

Auf der Schlußkundgebung, an der über 5 000 Menschen teilnahmen, zogen ein Genosse der Partei und eine Kollegin des Maikomitees erste Bilanz:
Die Kampffront der Arbeiterklasse ist in der Vorbereitung des 1.Mai auch in Westberlin gestärkt und verbreitert worden. Es hat sich gerade in den letzten Tagen gezeigt, daß auch in Westberlin die Parole: Gegen Reformismus und Revisionismus für die revolutionäre Einheit der Arbeiterklasse - KPD! die Richtschnur der Arbeit der Partei in dieser Region sein muß. Die Kollegen, die den Aufrufen der Brandt, Scheel und Sickerts oder den SEW-Führern in Neukölln folgten, zeigen uns, daß wir unsere Arbeit verstärken müssen für die Werktätigen, die noch unter dem Einfluß der Demagogie dieser Reformisten und Revisionisten stehen.

Der Kampf zweier Linien, der zum 1.Mai 1972 mit besonderer Schärfe geführt wurde, schließt auch den Kampf gegen alle Positionen der Sektierer, die sich Marxisten-Leninisten nennen, ein. Die Parolen, unter denen die KPD/MLs etwa 600 Demonstranten auf die Straße führten, markieren den Marsch dieser Sekten in den revisionistischen Sumpf."

Am 17.5.1972 zitiert die KPD:"
KÄMPFEN WIR WEITER FÜR DEN AUFBAU EINER REVOLUTIONÄREN GEWERKSCHAFTSOPPOSITION (RGO,d.Vf.)

AUSZUG AUS DER REDE DES VERTRETERS DES MAIKOMITEES OPPOSITIONELLER GEWERKSCHAFTER AUF DER 1.MAUKUNDGEBUNG IN WESTBERLIN.

In der Vorbereitung des 1.Mai hat das Maikomitee neue Hebel der Gewinnung der Kollegen für den Aufbau der revolutionären Gewerkschaftsopposition geschaffen:

Durch das Auftreten auf Betriebsversammlungen, das Tragen der Plaketten im Betrieb, die Verteilung der Flugblätter auch innerhalb des Betriebes, durch Veranstaltungen der einzelnen Maiausschüsse konnten neue Kollegen gewonnen werden, konnte die Front der oppositionellen Gewerkschafter entschieden verbreitert werden. Diesen Erfolg feiern wir heute!

Die Maiausschüsse und das Maikomitee haben die Aufgabe, einen revolutionären 1.Mai vorzubereiten erfolgreich erfüllt.

Aber, Kolleginnen und Kollegen, wie soll es nach dem 1.Mai weitergehen?

Ich will kurz die vor uns liegenden Aufgaben nennen:
Wir werden im Betrieb weiterhin eintreten für kämpferische Vertrauensleute, in den Betrieben, wo es nur einen betrieblichen VL-Körper (VLK,d.Vf.) gibt, uns einsetzen für einen gewerkschaftlichen Vertrauenskörper. Wir werden den Kampf führen gegen die Mauscheleien der Gewerkschaftsspitze, gegen den Abbau der innergewerkschaftlichen Demokratie. Wir werden uns einsetzen für gewerkschaftliche Mitgliederversammlungen in den Betrieben und auf dieser Ebene versuchen, den Einfluß der Gewerkschaftsführung und der Sozialdemokratie, der sich in den Ostverträge-Streiks der letzten Tage deutlich zeigte, zu brechen und eine breite oppositionelle Bewegung in den Betrieben zu entfalten.

Die Delegierten gewerkschaftlicher Gremien im Maikomitee werden weiter kämpfen für die Durchsetzung der Forderungen, die wir in unserem Programm zusammengefaßt haben. Insbesondere in den nächsten Tarifrunden werden sie versuchen, unsere einheitlichen Lohnforderungen unter den Kollegen zu verankern und durchzusetzen.

Die Jugendgruppen (JG,d.Vf.), die im Maikomitee mitgearbeitet haben, werden sich viel stärker als bisher ausrichten auf die Arbeit im Betrieb. Nur durch die Mobilisierung von Lehrlingen und Jungarbeitern im Betrieb werden sie ihr Ziel, die Wahl jugendlicher Vertrauensleute erreichen.

Gerade die oppositionellen Mitglieder der Jugendgruppen müssen alles daran setzen, eine breite Solidaritätsbewegung zu entfalten, damit die drohenden Ausschlüsse (UVB,d.Vf.) der Mitglieder der AEG-Jugendgruppe verhindert werden.

Die unmittelbar vor uns liegende Aufgabe ist die Stärkung der oppositionellen Kräfte durch die Jugendvertreterwahlen (JVW,d.Vf.) in den kommenden Monaten. Zu diesen Wahlen müssen fortschrittliche Kandidaten aufgestellt werden, die sich hinter unsere Forderungen stellen:

EXISTENZLOHN FÜR LEHRLINGE: HEUTE 500 DM
STREIKRECHT FÜR LEHRLINGE
und die gegen die Einführung des kapitalistischen Stufenplanes kämpfen.

Das Maikomitee und die Maiausschüsse werden sich auflösen, aber der Kampf geht weiter, die Aufgaben sind klar.

Kämpft mit uns gegen die verräterische Gewerkschaftsführung!
Kämpft mit uns für die Interessen der Arbeiterklasse und der anderen Werktätigen!

Kämpfen wir gemeinsam:
- FÜR DIE EINHEIT DER INTERNATIONALEN ARBEITERBEWEGUNG IM KAMPF GEGEN KAPITALISMUS UND IMPERIALISMUS
- FÜR DIE ABSCHAFFUNG DES KAPITALISTISCHEN LOHNSYSTEMS
- FÜR EINE WELT OHNE AUSBEUTUNG UND UNTERDRÜCKUNG
VORWÄRTS IM AUFBAU DER REVOLUTIONÄREN GEWERKSCHAFTSOPPOSITION
VORWÄRTS IM KAMPF FÜR DIE SOZIALISTISCHE REVOLUTION"

Die LgdI der KPD berichtet (vgl. 20.4.1972):"
Höhepunkt und Resultat unserer Anstrengungen war der starke LIGA-Block auf der Demonstration am 1. Mai im Wedding, an der insgesamt über 4 000 Menschen teilnahmen. Das Ziel, das wir uns zu Beginn der Mai-Aktivitäten gesetzt hatten, die Bildung der Ortsgruppen vorzubereiten, haben wir im wesentlichen erreicht: die ersten Ortsgruppen werden sich in den nächsten Tagen konstituieren" (vgl. **.5.1972,d.Vf.).

Die KPD/ML-ZK beteiligt sich, nach eigenen Angaben, am zentralen Maikomitee, welches von ihr selbst, RG, KSB/ML, KJVD, KPD/ML-ZB, arabischen, griechischen, italienischen, spanischen und türkischen Genossen, den Stadtteilkomitees Wedding, Märkisches Viertel und Spandau sowie den Einheitsfrontkomitees Siemens, NCR, AEG, KWU, Gillette und Borsig gebildet wurde. Dieses Maikomitee organisiert eine Demonstration durch den Wedding ab Brunnenstraße mit 1 000 Teilnehmern.

Der KB Bremen schreibt dazu:"
Die KPD/MLs (Roter Morgen und Rote Fahne) konnten nicht mit der KPD zusammen demonstrieren und mit der SEW wollten sie nicht zusammengehen. So machten sie eine dritte Demonstration mit dem Schwerpunkt gegen 'Notstand, Aufrüstung und Revanchepolitik'. Dieser Demonstration schlossen sich auch die Organisationen der ausländischen Marxisten-Leninisten an. Es nahmen ungefähr 1 000 Menschen teil."
Mitte April riefen KPD/ML-ZB und KJVD auch noch zum Besuch ihrer gemeinsamen, für diesen Tag geplanten Veranstaltung auf. Gegen Ende April allerdings unterbleiben diese Aufrufe bzw. beziehen sich auf die Maiveranstaltung des 'zentralen Maikomitees' am 30.4.1972. Auch Berichte über eine eigene Veranstaltung am 1.Mai werden in den Publikationen der KPD/ML-ZB nicht abgedruckt, weswegen der Schluß naheliegt, daß diese Veranstaltung nicht stattgefunden hat.

Auch die KPD/ML-NE demonstriert im Wedding ab Leopoldplatz.
Der KB Bremen berichtet:"
Die KPD/ML(Neue Einheit) machte die vierte Demonstration, und zwar nicht nur an erster Stelle gegen Sozial- und US-Imperialismus, sondern auch 'gegen das DGB-Kapital' und alle Arbeiterverräter aller Länder." Laut KPD/ML-Neue Einheit wird ihre Demonstration von der Polizei angegriffen. Die ca. 300 Teilnehmer der Demonstration beantworten den Polizeieinsatz "durch den geschlossenen Widerstand der Demonstration, die den Angreifern auf's Haupt schlagen". Auf der Abschlußkundgebung am Brunnenplatz wird die Demonstration erneut angegriffen, werden "eine Hetzjagd und ein Kesseltreiben gegen die einzelnen Demonstranten veranstaltet". Im Verlaufe der Demonstration werden eine Reihe Anhänger der KPD/ML-NE von der Polizei festgenommen, u.a. Thomas Ochsenfarth, Martin Weise und Wolfgang Schneider. Sie werden später u.a. wegen "versuchten Totschlags" bzw. wegen "schwerer Körperverletzung" angeklagt. Nach der 1.Mai-Demonstration beginnt für die KPD/ML-NE eine Phase der Illegalität, die auch dazu führt, daß sie sich als Organisation noch kaum in der Öffentlichkeit zeigt und in ihrer Publikationstätigkeit fast ganz auf die Bewältigung der Folgen dieser Demonstration, die u.a. auch den 'Agenten' der KPD und KPD/ML-ZK als 'hinterlistige Falle' angelastet werden, beschränkt ist. Gegen die beginnenden Prozesse gegen Weise, Schneider und Ochsenfarth bildet sich ein Justizkomitee der KPD/ML-NE. Im Herbst 1972 taucht das KPD/ML-NE-Mitglied Bernd Muckenschnabel - von einer Gefängnisstrafe bedroht - unter. Das ZK setzt sich zumindest teilweise nach Südschweden ab.

Im Verlag Neue Einheit der KPD/ML-NE erscheinen vermutlich noch diesen Monat "Dokumente zum revolutionären 1. Mai".
Q: Neue Einheit Nr.1,Berlin 1972,S.35; MLH's TU/FU,Kampfrat,GSO,Rotzhis:1.Mai in Neukölln,Berlin o.J. (1972); KJO Spartacus-Ortsleitung Westberlin:ohne Titel,Berlin 20.4.1972; Arbeiterkampf Nr.19,Hamburg Juni 1972,S.9 und 12; Wahrheit Nr.4,Bremen 1972,S.5; Rote Fahne Nr.40, 41, 42 und 43,Dortmund 7.4.1972, 19.4.1972, 3.5.1972 bzw. 17.5.1972,S.1, S.1, S.3 bzw. S.3f; LgdI-LV Berlin:Aufruf zum 1.Mai,Berlin o.J. (1972); Roter Morgen Nr.11,Hamburg 5.6.1972; Der NCR Arbeiter Nr.11 und 14,Berlin 14.4.1972 bzw. 26.4.1972; Kommunistische Hochschulzeitung Sdr.blatt,Berlin 19.4.1972; Kommunistische Schülerpresse Nr.4,Berlin Mai 1972,S.9; Rote Presse Korrespondenz Nr.166,Berlin 1972; Dem Volke dienen Sonderdruck,Berlin 1.Mai 1972; Die Revolutionäre Stimme Extrablatt,Berlin 11.11.72; KPD/ML-NE:Dokumente zum revolutionären 1. Mai 1972,Berlin 1972,S.48ff; Rotlicht/Die Rote Osramjugend Extrablatt,Berlin o.J. (1972); Rotlicht o.Nr.,Berlin o.J. (1972); Internationale Solidarität Nr.4,Berlin Mai 1972,S.5

KOV-Schulkampf083
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01.05.1972:
Zur Maidemonstration in Berlin-Neukölln mobilisiert u.a. ein Flugblatt "1.Mai in Neukölln", welches von MLH's TU/FU, Kampfrat der Roten Zellen, Grundsemesterorganisation (GSO) am Otto-Suhr-Institut der FU und Rotzhis unterzeichnet ist. Ebenfalls zu dieser Demonstration ruft die KJO Spartacus auf. Laut KB beteiligen sich an dieser Demonstration, zu der neben diversen linken Gruppen auch die SEW aufrief, 30 000, so daß es die größte Demonstration der Berliner Linken seit vielen Jahren gewesen sei, und dies obwohl im letzten Jahr sowohl PL/PI als auch KB/ML und SDA auseinandergebrochen seien. Der KB Bremen (KBB) zählt in Neukölln auf der Demonstration der SEW und ihres Maikomitees '72 (SEW, Judos der FDP, SJD - Die Falken, Jusos und linke SPD sogar über 40 000 Leute, davon allein 10 000 im antirevisionistischen Block. Laut KB befanden sich in diesem Block, der auf ein Aktionsbündnis (vgl. Apr. 1972) von u.a. KJO Spartacus, MLH's und Basisgruppe Spandau zurückging, 15 000.

Die Demonstrationen im Wedding von KPD und den KPD/ML's ZB, ZK und Neue Einheit (NE) haben, laut KB, zusammen 2 300 Teilnehmer gehabt.

Der KB Bremen berichtet über die eigene Demonstration der KPD:"
Die KPD demonstrierte unter der Hauptlosung 'Gegen Reformismus und Revisionismus - für die revolutionäre Einheit der Arbeiterklasse."

Die KPD selbst zählt 4 000 bis über 4 000 Teilnehmer, auf der Kundgebung gar über 5 000.

Mobilisiert wird dazu u.a. auch vom Landesverband Westberlin der LgdI mit einem "Aufruf zum 1.Mai".

Der KSV veröffentlicht einen Sonderdruck seiner Zeitung 'Dem Volke dienen' (DVD) - Zeitung des KSV für die Hoch- und Fachhochschulen in Westberlin. Sie enthält den "Mai-Aufruf des Kommunistischen Studentenverbandes": "Für das feste Bündnis der Arbeiterklasse mit allen unterdrückten Schichten des Volkes im Kampf für die sozialistische Revolution!".

Die KPD (vgl. 3.5.1972) berichtet über die eigene Demonstration, die um 10 Uhr am U-Bahnhof Turmstraße in Moabit beginnen sollte:"
Über 4 000 Arbeiter und andere Werktätige, Schüler und Studenten demonstrierten am 1.Mai in Westberlin unter den Parolen der KPD, des Maikomitees oppositioneller Gewerkschafter, verschiedener ausländischer Organisationen, des KSV, und der Liga gegen den Imperialismus. Viele Bewohner der Arbeiterviertel Moabit und Wedding reihten sich in den einheitlichen und von revolutionärer Begeisterung erfüllten Demonstrationszug ein.

Auf der Schlußkundgebung, an der über 5 000 Menschen teilnahmen, zogen ein Genosse der Partei und eine Kollegin des Maikomitees erste Bilanz:
Die Kampffront der Arbeiterklasse ist in der Vorbereitung des 1.Mai auch in Westberlin gestärkt und verbreitert worden. Es hat sich gerade in den letzten Tagen gezeigt, daß auch in Westberlin die Parole: Gegen Reformismus und Revisionismus für die revolutionäre Einheit der Arbeiterklasse - KPD! die Richtschnur der Arbeit der Partei in dieser Region sein muß. Die Kollegen, die den Aufrufen der Brandt, Scheel und Sickerts oder den SEW-Führern in Neukölln folgten, zeigen uns, daß wir unsere Arbeit verstärken müssen für die Werktätigen, die noch unter dem Einfluß der Demagogie dieser Reformisten und Revisionisten stehen.

Der Kampf zweier Linien, der zum 1.Mai 1972 mit besonderer Schärfe geführt wurde, schließt auch den Kampf gegen alle Positionen der Sektierer, die sich Marxisten-Leninisten nennen, ein. Die Parolen, unter denen die KPD/MLs etwa 600 Demonstranten auf die Straße führten, markieren den Marsch dieser Sekten in den revisionistischen Sumpf."

Am 17.5.1972 zitiert die KPD:"
KÄMPFEN WIR WEITER FÜR DEN AUFBAU EINER REVOLUTIONÄREN GEWERKSCHAFTSOPPOSITION (RGO,d.Vf.)

AUSZUG AUS DER REDE DES VERTRETERS DES MAIKOMITEES OPPOSITIONELLER GEWERKSCHAFTER AUF DER 1.MAUKUNDGEBUNG IN WESTBERLIN.

In der Vorbereitung des 1.Mai hat das Maikomitee neue Hebel der Gewinnung der Kollegen für den Aufbau der revolutionären Gewerkschaftsopposition geschaffen:

Durch das Auftreten auf Betriebsversammlungen, das Tragen der Plaketten im Betrieb, die Verteilung der Flugblätter auch innerhalb des Betriebes, durch Veranstaltungen der einzelnen Maiausschüsse konnten neue Kollegen gewonnen werden, konnte die Front der oppositionellen Gewerkschafter entschieden verbreitert werden. Diesen Erfolg feiern wir heute!

Die Maiausschüsse und das Maikomitee haben die Aufgabe, einen revolutionären 1.Mai vorzubereiten erfolgreich erfüllt.

Aber, Kolleginnen und Kollegen, wie soll es nach dem 1.Mai weitergehen?

Ich will kurz die vor uns liegenden Aufgaben nennen:
Wir werden im Betrieb weiterhin eintreten für kämpferische Vertrauensleute, in den Betrieben, wo es nur einen betrieblichen VL-Körper (VLK,d.Vf.) gibt, uns einsetzen für einen gewerkschaftlichen Vertrauenskörper. Wir werden den Kampf führen gegen die Mauscheleien der Gewerkschaftsspitze, gegen den Abbau der innergewerkschaftlichen Demokratie. Wir werden uns einsetzen für gewerkschaftliche Mitgliederversammlungen in den Betrieben und auf dieser Ebene versuchen, den Einfluß der Gewerkschaftsführung und der Sozialdemokratie, der sich in den Ostverträge-Streiks der letzten Tage deutlich zeigte, zu brechen und eine breite oppositionelle Bewegung in den Betrieben zu entfalten.

Die Delegierten gewerkschaftlicher Gremien im Maikomitee werden weiter kämpfen für die Durchsetzung der Forderungen, die wir in unserem Programm zusammengefaßt haben. Insbesondere in den nächsten Tarifrunden werden sie versuchen, unsere einheitlichen Lohnforderungen unter den Kollegen zu verankern und durchzusetzen.

Die Jugendgruppen (JG,d.Vf.), die im Maikomitee mitgearbeitet haben, werden sich viel stärker als bisher ausrichten auf die Arbeit im Betrieb. Nur durch die Mobilisierung von Lehrlingen und Jungarbeitern im Betrieb werden sie ihr Ziel, die Wahl jugendlicher Vertrauensleute erreichen.

Gerade die oppositionellen Mitglieder der Jugendgruppen müssen alles daran setzen, eine breite Solidaritätsbewegung zu entfalten, damit die drohenden Ausschlüsse (UVB,d.Vf.) der Mitglieder der AEG-Jugendgruppe verhindert werden.

Die unmittelbar vor uns liegende Aufgabe ist die Stärkung der oppositionellen Kräfte durch die Jugendvertreterwahlen (JVW,d.Vf.) in den kommenden Monaten. Zu diesen Wahlen müssen fortschrittliche Kandidaten aufgestellt werden, die sich hinter unsere Forderungen stellen:

EXISTENZLOHN FÜR LEHRLINGE: HEUTE 500 DM
STREIKRECHT FÜR LEHRLINGE
und die gegen die Einführung des kapitalistischen Stufenplanes kämpfen.

Das Maikomitee und die Maiausschüsse werden sich auflösen, aber der Kampf geht weiter, die Aufgaben sind klar.

Kämpft mit uns gegen die verräterische Gewerkschaftsführung!
Kämpft mit uns für die Interessen der Arbeiterklasse und der anderen Werktätigen!

Kämpfen wir gemeinsam:
- FÜR DIE EINHEIT DER INTERNATIONALEN ARBEITERBEWEGUNG IM KAMPF GEGEN KAPITALISMUS UND IMPERIALISMUS
- FÜR DIE ABSCHAFFUNG DES KAPITALISTISCHEN LOHNSYSTEMS
- FÜR EINE WELT OHNE AUSBEUTUNG UND UNTERDRÜCKUNG
VORWÄRTS IM AUFBAU DER REVOLUTIONÄREN GEWERKSCHAFTSOPPOSITION
VORWÄRTS IM KAMPF FÜR DIE SOZIALISTISCHE REVOLUTION"

Die LgdI der KPD berichtet (vgl. 20.4.1972):"
Höhepunkt und Resultat unserer Anstrengungen war der starke LIGA-Block auf der Demonstration am 1. Mai im Wedding, an der insgesamt über 4 000 Menschen teilnahmen. Das Ziel, das wir uns zu Beginn der Mai-Aktivitäten gesetzt hatten, die Bildung der Ortsgruppen vorzubereiten, haben wir im wesentlichen erreicht: die ersten Ortsgruppen werden sich in den nächsten Tagen konstituieren" (vgl. **.5.1972,d.Vf.).

Die KPD/ML-ZK beteiligt sich, nach eigenen Angaben, am zentralen Maikomitee, welches von ihr selbst, RG, KSB/ML, KJVD, KPD/ML-ZB, arabischen, griechischen, italienischen, spanischen und türkischen Genossen, den Stadtteilkomitees Wedding, Märkisches Viertel und Spandau sowie den Einheitsfrontkomitees Siemens, NCR, AEG, KWU, Gillette und Borsig gebildet wurde. Dieses Maikomitee organisiert eine Demonstration durch den Wedding ab Brunnenstraße mit 1 000 Teilnehmern.

Der KB Bremen schreibt dazu:"
Die KPD/MLs (Roter Morgen und Rote Fahne) konnten nicht mit der KPD zusammen demonstrieren und mit der SEW wollten sie nicht zusammengehen. So machten sie eine dritte Demonstration mit dem Schwerpunkt gegen 'Notstand, Aufrüstung und Revanchepolitik'. Dieser Demonstration schlossen sich auch die Organisationen der ausländischen Marxisten-Leninisten an. Es nahmen ungefähr 1 000 Menschen teil."
Mitte April riefen KPD/ML-ZB und KJVD auch noch zum Besuch ihrer gemeinsamen, für diesen Tag geplanten Veranstaltung auf. Gegen Ende April allerdings unterbleiben diese Aufrufe bzw. beziehen sich auf die Maiveranstaltung des 'zentralen Maikomitees' am 30.4.1972. Auch Berichte über eine eigene Veranstaltung am 1.Mai werden in den Publikationen der KPD/ML-ZB nicht abgedruckt, weswegen der Schluß naheliegt, daß diese Veranstaltung nicht stattgefunden hat.

Auch die KPD/ML-NE demonstriert im Wedding ab Leopoldplatz.
Der KB Bremen berichtet:"
Die KPD/ML(Neue Einheit) machte die vierte Demonstration, und zwar nicht nur an erster Stelle gegen Sozial- und US-Imperialismus, sondern auch 'gegen das DGB-Kapital' und alle Arbeiterverräter aller Länder." Laut KPD/ML-Neue Einheit wird ihre Demonstration von der Polizei angegriffen. Die ca. 300 Teilnehmer der Demonstration beantworten den Polizeieinsatz "durch den geschlossenen Widerstand der Demonstration, die den Angreifern auf's Haupt schlagen". Auf der Abschlußkundgebung am Brunnenplatz wird die Demonstration erneut angegriffen, werden "eine Hetzjagd und ein Kesseltreiben gegen die einzelnen Demonstranten veranstaltet". Im Verlaufe der Demonstration werden eine Reihe Anhänger der KPD/ML-NE von der Polizei festgenommen, u.a. Thomas Ochsenfarth, Martin Weise und Wolfgang Schneider. Sie werden später u.a. wegen "versuchten Totschlags" bzw. wegen "schwerer Körperverletzung" angeklagt. Nach der 1.Mai-Demonstration beginnt für die KPD/ML-NE eine Phase der Illegalität, die auch dazu führt, daß sie sich als Organisation noch kaum in der Öffentlichkeit zeigt und in ihrer Publikationstätigkeit fast ganz auf die Bewältigung der Folgen dieser Demonstration, die u.a. auch den 'Agenten' der KPD und KPD/ML-ZK als 'hinterlistige Falle' angelastet werden, beschränkt ist. Gegen die beginnenden Prozesse gegen Weise, Schneider und Ochsenfarth bildet sich ein Justizkomitee der KPD/ML-NE. Im Herbst 1972 taucht das KPD/ML-NE-Mitglied Bernd Muckenschnabel - von einer Gefängnisstrafe bedroht - unter. Das ZK setzt sich zumindest teilweise nach Südschweden ab.

Im Verlag Neue Einheit der KPD/ML-NE erscheinen vermutlich noch diesen Monat "Dokumente zum revolutionären 1. Mai".
Q: Neue Einheit Nr.1,Berlin 1972,S.35; MLH's TU/FU,Kampfrat,GSO,Rotzhis:1.Mai in Neukölln,Berlin o.J. (1972); KJO Spartacus-Ortsleitung Westberlin:ohne Titel,Berlin 20.4.1972; Arbeiterkampf Nr.19,Hamburg Juni 1972,S.9 und 12; Wahrheit Nr.4,Bremen 1972,S.5; Rote Fahne Nr.40, 41, 42 und 43,Dortmund 7.4.1972, 19.4.1972, 3.5.1972 bzw. 17.5.1972,S.1, S.1, S.3 bzw. S.3f; LgdI-LV Berlin:Aufruf zum 1.Mai,Berlin o.J. (1972); Roter Morgen Nr.11,Hamburg 5.6.1972; Der NCR Arbeiter Nr.11 und 14,Berlin 14.4.1972 bzw. 26.4.1972; Kommunistische Hochschulzeitung Sdr.blatt,Berlin 19.4.1972; Rote Presse Korrespondenz Nr.166,Berlin 1972; Dem Volke dienen Sonderdruck,Berlin 1.Mai 1972; Die Revolutionäre Stimme Extrablatt,Berlin 11.11.72; KPD/ML-NE:Dokumente zum revolutionären 1. Mai 1972,Berlin 1972,S.48ff; Rotlicht/Die Rote Osramjugend Extrablatt,Berlin o.J. (1972); Rotlicht o.Nr.,Berlin o.J. (1972); Internationale Solidarität Nr.4,Berlin Mai 1972,S.5

15.05.1972:
In Berlin gibt die Kommunistische Schülerorganisation (Neue Einheit) ein Extrablatt ihres 'Revolutionären Funken' heraus, welches sich mit dem seit der Maidemonstration einsitzenden Schüler der Paulsenschule, Thomas Ochsenfarth, befaßt und für dessen Freilassung eintritt. In den folgenden Tagen erscheint an der Paulsenschule eine "Stellungnahme des Schulkollektivs (Basisgruppe) Paulsen-Schule". Dieses distanziert sich von der Politik der KPD/ML(Neue Einheit), die ihrer Auffassung nach aus Leuten besteht, "die ihre Hauptaufgabe darin sehen, andere sozialistische Organisationen zu diffamieren und ihre fehlende Basis durch eine Fülle von Unterorganisationen zu ersetzen, deren Mitglieder weitgehend identisch sind … . Diese Organisation hat … mit der sozialistischen … kommunistischen Bewegung nichts gemeinsam".
Q: Flugblatt Schulkollektiv Paulsenschule, Mai 1972; Der Revolutionäre Funke Extrablatt,Berlin 15.5.1972

Juni 1972:
An einem Freitag, vermutlich im Juni, führt die KPD/ML-ZK eine Veranstaltung zu den Ostverträgen durch, über die es in einem Leserbrief des 'Roten Lautsprechers' (vgl. Juni 1972) von einem Arbeiter von Siemens Gartenfeld heißt:"
Veranstaltung im Schultheiss-Faß:
RAUS AUS SEW UND ZIRKELN!
REIN IN DIE KPD/ML, KOLLEGEN!

Da waren auch noch einige Kollegen von einer anderen Organisation, der 'Gruppe Rote Fahne Bochum' (KPD/ML-ZB,d.Vf.). Die wollten den Kollegen dort weismachen, die SPD-Bonzen in den Betrieben, die wären schlimmer als die von der SEW oder D'K'P in Westdeutschland. Die Genossen von der KPD/ML haben ihm dann auch erklärt, daß er sich da in die Irre führen läßt. Die haben ihm klar gezeigt, daß die SPD-Betriebsräte offen gemeinsame Sache mit den Kapitalisten machen, wie die Gewerkschaftsbonzen! Aber welcher Kollege läßt sich denn von einem SPD-Bonzen vom Kampf abhalten? Dazu ist ja die SEW da! Das haben wir doch hier in Berlin gesehen am 1.Mai. Wer hat denn da mit Lügen und faulen Parolen 20 000 Kollegen auf die Straße gebracht, die Schütz-Sickert-Bande oder die SEW?

Und da hat die KPD/ML ganz recht, wenn sie sagt, daß die SEW viel gefährlicher in der Arbeiterbewegung ist. Die SPD, die reden doch schon lange nicht mehr von Arbeiterinteressen. Das merken wir doch tagtäglich, daß die das Geschäft der Siemens-Bosse betreiben. Und die Genossen von der KPD/ML haben auch Recht, wenn sie sagen, daß wir allen Kollegen, die den Lügen von der SEW noch glauben, ganz klar sagen, was Sache ist. Denn wir kämpfen gemeinsam gegen die Kapitalistenklasse, da brauchen wir jeden, auch die Kollegen, die heute noch in der SEW sind."
Q: Roter Lautsprecher Nr.6,Berlin Juni 1972,S.8

02.06.1972:
Die Ortsleitung Westberlin der KJO Spartacus verfaßt einen "Bericht über die Maikampagne", in der u.a. über Stadtteilgruppen nachgedacht wird.
Q: KJO Spartacus-Ortsleitung Westberlin:Bericht über die Maikampagne,Berlin 2.6.1972

05.06.1972:
Die KPD (vgl. 14.6.1972) berichtet vermutlich aus dieser Woche von den Jugendvertreterwahlen (JVW) bei AEG Berlin (vgl. 22.5.1972):"
AEG-HOLLÄNDERSTRASSE
LEHRLING WEGEN SEINES KAMPFES UM DIE JUGENDVERTRETUNG ENTLASSEN

Um dem Verrat der Gewerkschaftsführer einen organisierten Widerstand entgegensetzen zu können, hat unsere Partei gerade auch zum 1.Mai immer wieder die Notwendigkeit des Aufbaus der revolutionären Gewerkschaftsopposition (RGO,d.Vf.) hervorgehoben. Das heißt, in der Gewerkschaft muß der Kampf gegen die Arbeiterverräter in betrieblichen und gewerkschaftlichen Funktionen organisiert aufgenommen werden. Die gewerkschaftlichen Jugendgruppen anderer Betriebe müssen den Kampf der Jugendlichen in der Holländerstraße unterstützen und gemeinsam die verräterische Gewerkschaftsführung bekämpfen.

- KAMPF DER POLITISCHEN DISZIPLINIERUNG DER LEHRLINGE!
- FÜR DEN AUFBAU DER REVOLUTIONÄREN GEWERKSCHAFTSOPPOSITION!"
Q: Rote Fahne Nr.47,Dortmund 14.6.1972,S.4

23.08.1972:
In der Nr.57 der 'Roten Fahne' der KPD (vgl. 16.8.1972, 30.8.1972) wird über die Fraktionierung in der Berliner 'Sozialistischen Krankenhauspresse', einer noch aus APO-Phase kommenden Gruppe, berichtet, daß sich eine sog. fortschrittliche Fraktion für die Teilnahme an der Maidemonstration der KPD eingesetzt hätte, um sich schließlich als starke Minderheit abzuspalten. Der Branchenausschuß Krankenhaus des gewerkschaftlichen Maikomitees hätte daraufhin über 40 Mitglieder umfasst. Über die Betriebsgruppe Rudolf Virchow Krankenhaus (RVK) der Sozialistischen Krankenhauspresse heißt es, daß diese lange Zeit führend gewesen sei, sich den ML-Gruppen (soll wohl heißen: den ML Westberlin ) angeschloßen hätte, dem KB (soll wohl heißen: KB/ML Westberlin) nachgelaufen sei um schlußendlich bei der SEW zu landen, über die es bereits einmal geheißen, daß sie am RVK stärker als in anderen Krankenhäusern sei.
Q: Rote Fahne Nr.57,Dortmund 23.8.1972

17.11.1972:
In Berlin nehmen laut KPD über 1 000 an ihrer Veranstaltung zu den Bundestagswahlen der 'BRD' in der Hasenheide teil. Es werden zwei Filme zum 1.Mai 1972 und zum Kampf gegen die Fahrpreiserhöhungen im März 1972 uraufgeführt.
Q: Rote Fahne Nr.64,67 und 70,Dortmund 11.10.1972,31.10.1972 bzw. 21.11.1972; Kommunistische Arbeiterpresse - Ausgabe KWU Nr.18,Berlin 16.11.1972

23.01.1973:
In Berlin weist die KPD/ML-Neue Einheit mit einem Extrablatt ihrer 'Revolutionären Stimme' auf den Beginn des Prozesses gegen ihr Mitglied Thomas Ochsenfarth hin, der wegen der Maidemonstration 1972 eine Anklage wegen versuchten Totschlages bekommen hat und in Untersuchungshaft sitzt (vgl. 26.1.1973).
Q: Die revolutionäre Stimme Extrablatt,Berlin 23.1.1973

26.01.1973:
In Berlin gibt die KPD/ML-Neue Einheit mit einem Extrablatt ihrer 'Revolutionären Stimme' bekannt, daß ihr Mitglied Thomas Ochsenfarth heute aus der Untersuchungshaft freigelassen wurde (vgl. 23.1.1973, 7.2.1973).
Q: Die revolutionäre Stimme Extrablatt,Berlin 26.1.1973

30.01.1973:
Die Ortsleitung Westberlin der KJO Spartacus gibt die Nr.1 ihres Rundbriefes heraus, die sich mit der Vorbereitung des 1.Mai befaßt.
Q: KJO Spartacus-OL Westberlin:Rundbrief Nr.1,Berlin 30.1.1973

01.02.1973:
Die Ortsleitung Westberlin der KJO Spartacus gibt einen Rundbrief zum 1.Mai heraus.
Q: KJO Spartacus-OL Westberlin:Rundbrief,Berlin 1.2.1973

07.02.1973:
In Berlin wird das KPD/ML-Neue Einheit Mitglied Thomas Ochsenfarth freigesprochen von der Anklage des versuchten Totschlages am 1.Mai 1972. Die Prozesse wegen der Demonstration aber gehen weiter (vgl. 26.1.1973, 9.2.1973).
Q: Die revolutionäre Stimme Extrablatt,Berlin 14.2.1973

09.02.1973:
In Berlin wird Martin Weise wegen der KPD/ML-Neue Einheit Demonstration am 1.Mai 1972 zu einem Jahr Gefängnis ohne Bewährung verurteilt (vgl. 7.2.1973, 14.2.1973).
Q: Die revolutionäre Stimme Extrablatt,Berlin 14.2.1973

14.02.1973:
In Berlin gibt die KPD/ML-Neue Einheit ein Extrablatt ihrer 'Revolutionären Stimme' zu den Prozessen wegen ihrer Maidemonstration 1972 (vgl. 9.2.1973, 9.11.1973) heraus.

Gegen den Schüler Wolfgang Schneider ist deshalb ebenfalls ein Prozess für den 21.2.1973 geplant. Dieser aber beginnt erst viel später (vgl. 22.11.1973).
Q: Die revolutionäre Stimme Extrablatt,Berlin 14.2.1973 bzw. 19.11.1973

22.02.1973:
In Berlin versammeln sich auf Einladung der Gewerkschaftsabteilung des Regionalkomitees der KPD, nach eigenen Schätzungen, ca. 150 Personen aus über 30 Betrieben der Organisationsbereiche der IGM, CPK, ÖTV, DruPa, HBV, DPG, GEW und IGBSE, und beschließen für den 4.3.1973 die Gründung eines Maikomitees, welche bei Max und Moritz stattfinden soll.
Q: Rote Fahne Nr.9,Dortmund 28.2.1973; Kämpfende Jugend Nr.3/4,Dortmund März 1973,S.3

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26.02.1973:
Die KPD/ML-ZB Westberlin gibt ein 'Extrablatt' zum RAF-Prozess gegen Horst Mahler in Berlin heraus:"
KAMPF DER BONNER KLASSENJUSTIZ - FREIHEIT FÜR ALLE POLITISCHEN GEFANGENEN!

Wir kämpfen für die Freiheit Horst Mahlers, denn er steht auf der Seite des Volkes im Kampf gegen die Unterdrücker. Kollegen, ihr wißt, daß der Weg der 'RAF' und Horst Mahlers nicht unser Weg ist, denn wir wissen, daß die Revolution nicht das Machwerk von Einzelkämpfern werden kann. Doch das Urteil gegen diesen Genossen richtet sich gegen die gesamte revolutionäre und marxistisch-leninistische Bewegung. Die Urteile gegen die Mitglieder der 'RAF' stehen in einer Reihe mit zahlreichen anderen politischen Prozessen:

- Seit dem 1.Mai letzten Jahres sitzen bzw. saßen bis vor kurzem Berliner Genossen (der KPD/ML-NE,d.Vf.), die an einer Demonstration beteiligt waren, wegen 'Widerstands gegen die Staatsgewalt und versuchten Totschlags' im Knast."
Q: KPD/ML-ZB Berlin:Extrablatt der Kommunistischen Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten KPD/ML,Berlin 26.2.1973

27.02.1973:
In Berlin verteilt die Ortsgruppe von Spartacus/BL ein Flugblatt zur Maivorbereitung.
Q: Spartacus/BL-OG Berlin:Flugblatt,Berlin 27.2.1973

März 1973:
Die Nr.2 der 'Zeitung des Mai-Komitees 73' erscheint in Berlin.
Q: Zeitung des Mai-Komitees 73 Nr.2,Berlin März 1973

März 1973:
Das Regionalkomitee Westberlin der KPD gibt seine 'Maizeitung' Nr. 1 (vgl. 10.4.1973) heraus. Berichtet wird u.a. vom Streik bei Mannesmann Duisburg-Huckingen.
Q: Maizeitung Nr.1,Berlin März 1973

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März 1973:
Der Maiausschuß der Erzieher und Sozialarbeiter des Maikomitees oppositioneller Gewerkschafter 1973 der KPD gibt vermutlich im März seine Gründung in einem Flugblatt bekannt.
Q: Maiausschuß der Erzieher und Sozialarbeiter: Maiausschuß der Erzieher und Sozialarbeiter gegründet!,Berlin o. J. (1973

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März 1973:
Das Regionalkomitee Westberlin der KPD gibt seine 'Maizeitung' Nr. 1 (vgl. 10.4.1973) heraus. Berichtet wird u.a. von Krone und vom Streik bei Mannesmann Duisburg-Huckingen.
Q: Maizeitung Nr.1,Berlin März 1973

19.03.1973:
Die KPD berichtet spätestens von Anfang dieser Woche:"
WESTBERLIN: ZWEI MAIKOMITEES - ZWEI LINIEN

Als klare Alternative zu den Maikomitees der Juso- (der SPD,d.Vf.) und SEW-Führer wurde von über 130 Kollegen aus über 30 Betrieben in Westberlin das Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter gegründet. Dabei wurde den Kollegen klar, daß es in der Vorbereitung einer kämpferischen 1.Mai-Demonstration in entscheidendem Maße darum gehen muß, die Kollegen aus den verschiedenen Industriebereichen im Kampf gegen die Verschlechterung ihrer Arbeits- und Lebensbedingungen zusammenzuschließen.

Das Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter hat beschlossen, nachdem in den verschiedenen betrieblichen und Branchenausschüssen darüber beraten wurde, wie dies am wirkungsvollsten geschehen kann, den Kampf für die vorzeitige Kündigung der Tarifverträge in der Metallindustrie (MTR der IGM,d.Vf.) und im ÖTV-Bereich (ÖTR,d.Vf.) aufzunehmen. Gleichzeitig stellten die Kollegen die Forderung nach einheitlicher Lohnerhöhung von 50 Pfennig mehr für alle auf. In den Betrieben und auf den Gewerkschaftsmitgliederversammlungen haben die Kollegen entschieden den Kampf aufgenommen, sie sammeln Unterschriften für die Forderungen (bei SEL 70 Unterschriften innerhalb von zwei Tagen), und nutzen jede Gelegenheit, die Notwendigkeit des außertariflichen Lohnkampfs und das Kampfs gegen das arbeiterfeindliche Tarifvertragsgesetz zu propagieren.

So auch die Kollegen aus der Druckindustrie, die jetzt in vorderster Front stehen im Kampf gegen die Absicht der Kapitalisten und Gewerkschaftsführer, die Kollegen in der jetzt anstehenden Tarifauseinandersetzung (DTR der DruPa,d.Vf.) zu spalten, um so dann doch noch ihren Verrat in Form von niedrigen Lohntarifabschlüssen durchzusetzen.

Für das Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter heißt 1. Mai nicht: Einmal im Jahr auf die Straße gehen, um den Rest des Jahres davon berichten zu können, sondern der 1. Mai ist der Tag, an dem die entschlossensten Teile der Arbeiterklasse im revolutionären Bündnis mit den anderen unterdrückten Schichten des Volkes die Lehren aus den vergangenen Kämpfen ziehen und die nächsten Kampfschritte bestimmen.

Im Maikomitee sind Kollegen aus betrieblichen Gremien und Maiausschüssen aus folgenden Betrieben delegiert: AEG, DeTeWe, Schering, Flohr Otis, Siemens, SEL (alle IGM- bzw. CPK-Bereich,d.Vf.), aus den Kampfausschüssen zur Tarifrunde in der Druckindustrie und bei den Reichsbahnern (DR, FDGB-Bereich - vgl. 29.3.1973,d.Vf.), aus den Maiausschüssen der Bauarbeiter (BSE-Bereich,d.Vf.), der Lehrer und der Erzieher und Sozialarbeiter (GEW- bzw. ÖTV-Bereich,d.Vf.).

Darüberhinaus arbeiten viele einzelne Kollegen aus weiteren - vor allem Kleinbetrieben - im Maikomitee mit ohne Stimmrecht. Alle diese Kollegen diskutieren im Maikomitee den 1. Mai in Verbindung mit ihren anstehenden Kämpfen. Sie berichten ihre Erfahrungen und lernen von denen der anderen Kollegen.

WIE SIEHT ES DAGEGEN MIT DER ARBEIT DER SEW- UND JUSO-KOMITEES AUS?

Von der Arbeit der Juso-Komitees ist kaum etwas zu merken. Kollegen, die dort mitarbeiten wollten, berichten, daß sie an der Kontaktadresse immer wieder einzelne Juso-Vertreter antrafen, die jedoch weder von Sitzungen noch von Veranstaltungen zu berichten wußten und die Kollegen wieder nach Hause schickten. Mit den Kämpfen der Arbeiterklasse hat dieses Komitee absolut nichts zu tun.

Nicht viel anders sieht es in dem von SEW- und FDJW-Führern gegründeten 'Maikomitee 73' aus.

Es sind kaum Delegierte aus den Einzelgewerkschaften anwesend, ausgenommen GEW, BSE Fachgruppe Architekten und Ingenieure sowie einzelne HBV-Kollegen und etliche Delegierte aus dem Hochschulbereich. Was in dem Komitee geschieht, bestimmt der 'Lenkungsausschuß'. Sitzungen des Maikomitees finden nur alle drei Wochen statt und auch die nur, wenn es dem Lenkungsausschuß paßt.

'Mehr Arbeitsrechte in Betrieb, Wirtschaft und Gesellschaft' fordert das SEW-Maikomitee in seiner Zeitung, aber auch nur dort.

Dieselbe Zeitung, in der die Forderung nach mehr 'Arbeiterrechten' erhoben wurde, durfte im 'Maikomitee 73' vorher nicht diskutiert werden. Der SEW-Lenkungsausschuß der Kördel und Co. blockte jede Diskussion über die Artikel und die Forderungen ab und meinte, vor dem Druck der Zeitung können darüber nicht diskutiert werden, das dauere ja viel zu lange.

Das Alibi der SEW, mit dem sie ihr Komitee als 'breite Aktionseinheit' verkaufen wollten, die Jungdemokraten (Judos der FDP,d.Vf.), fühlten sich von den 'demokratischen' Methoden des SEW-Lenkungsausschusses so übers Ohr gehauen, daß sie dies Komitee freiwillig verließen.

Dieses Komitee wagt es noch nicht einmal, auf einer Veranstaltung seine Meinung vor den Kollegen zu vertreten - eine öffentliche Veranstaltung wird grundsätzlich abgelehnt, mit der Begründung, dort kämen ja auch Leute hin, die was anderes wollten und mit denen wolle man nichts zu tun haben.

Als auf der letzten Sitzung des 'Maikomitees 73' einige Kollegen mit dem Maikomitee diskutieren wollten, wurde die Sitzung schnell in eine nicht-öffentliche Sprechstunde umgewandelt. Auch Kollegen die bis dahin mitgearbeitet hatten, wurden nicht hereingelassen. Das SEW-Maiomitee schloß sich in der Privatwohnung der SEW-Hochschulgruppe FU ein.

Das SEW-Maikomitee ist kein Arbeiterkomitee, sondern eine Clique von SEW- und FDJW-Bonzen, gegründet zur Täuschung und Spaltung der Kollegen."
Q: Rote Fahne Nr.15,Dortmund 11.4.1973,S.7

19.03.1973:
Die KPD berichtet vermutlich u.a. aus dieser Woche anläßlich der Bautarifrunde der BSE:"
In den Versammlungen in Westberlin sind schon einige Kollegen mit mutigem Auftreten vorangegangen. In Wilmersdorf sagte ein Kollege: 'Unser Lohn kann sich ausschließlich daran orientieren, was wir zum Leben brauchen und bei den Preissteigerungen des letzten Jahres muß die Lohnerhöhung in diesem Jahr mindestens 1 DM pro Stunde betragen. Alles was darunter ist, bedeutet faktisch Lohnraub.'

In diesem Jahr können Kapitalisten und Gewerkschaftsführer noch einmal ohne große Widerstandsaktionen der Kollegen diesen Abschluß durchsetzen.

Machen wir diesem Treiben ein Ende. Wenn wir zusammenstehen, wer will sich uns entgegenstellen?

1 DM mehr pro Stunde für alle!

Wahl der Tarifkommission durch die gewerkschaftlichen Mitgliederversammlungen!

Um in Zukunft zu gewährleisten, daß die Kollegen nicht so einfach übergangen werden können, hat sich in Westberlin ein Maiausschuß oppositioneller Gewerkschafter gegründet. Der Ausschuß setzt sich zur Aufgabe, alle oppositionellen Kräfte gegen die Gewerkschaftsführung zusammenzuschließen.

Vorwärts im Aufbau der Revolutionären Gewerkschaftsopposition (RGO,d.Vf.)!"
Q: Rote Fahne Nr.13,Dortmund 28.3.1973,S.3

21.03.1973:
Die KPD veröffentlicht heute den folgenden Artikel:"
REVOLUTIONÄRE GEWERKSCHAFTSOPPOSITION (RGO) - GEGEN MONOPOLKAPITALISMUS UND GEWERKSCHAFTSBONZEN!

DER BISHERIGE KAMPF:

Der Tatsache, daß unsere Partei vom Zeitpunkt ihrer Gründung auf zentraler und unterer Ebene Gewerkschaftsverantwortlichkeiten einrichtete, ist es zu verdanken, daß von Anfang an der Kampf in den Gewerkschaften geführt wurde. Der erste Erfolg der Oppositionsarbeit bestand in der Vorbereitung und Durchführung der 1.Mai-Demonstration 1971 in Westberlin durch ein 'Gewerkschaftsoppositionelles Mai-Komitee', das einen klaren Trennungsstrich zu Reformismus und Revisionismus zog.

In Westberlin ist bereits, für die Vorbereitung der diesjährigen Mai-Demonstration, im Kampf gegen DGB- und SEW-Führung, ein Komitee oppositioneller Gewerkschafter entstanden, in dem Kollegen aus über 30 Betrieben und sieben Einzelgewerkschaften (insgesamt 120) organisiert sind. Die meisten der dort gebildeten betrieblichen Ausschüsse entstanden aus tariflichen Kampfausschüssen im Bereich der IGM.
Q: Rote Fahne Nr.12,Dortmund 21.3.1973,S.8

23.03.1973:
Das Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter 1973 Westberlin der KPD lud mit seinem ersten Flugblatt für die Metallindustrie zu seiner heutigen Veranstaltung bei Max und Moritz ein.
Q: Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter 1973: 1. Flugblatt für die Metallindustrie,Berlin 1973

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26.03.1973:
Die KPD berichtet vermutlich u.a. aus dieser Woche:"
WESTBERLIN: RUDOLF-VIRCHOW-KRANKENHAUS (RVK): KAMPF GEGEN POLITISCHE DISZIPLINIERUNG!

Auf der letzten Betriebsgruppenversammlung der ÖTV am RVK verabschiedeten die anwesenden Kollegen eine Resolution des Rote-Hilfe-Komitees (RHK der KPD,d.Vf.) zur Solidarität mit dem von der Klassenjustiz verfolgten Horst Mahler.

Alarmiert durch den freigestellten Personalrat Seehaus, der seinen SPD-Parteigenossen in der Verwaltung vom 'staatszersetzenden' Inhalt der Resolution erzählte und die Namen der Kollegen brühwarm mitteilte, wurde dem Innensenat Bericht erstattet.

Jetzt liegt ein Verweis und die Kündigungsdrohung gegen die Jugendvertreterin und Mitglied des ÖTV-Betriebsgruppenvorstandes vor. Sie hatte die Resolution verlesen. Gleichzeitig fordert der Innensenat die Verwaltung am RVK auf, gegen alle, die dieser Resolution zugestimmt haben, in ähnlicher Weise vorzugehen.

Unter den fortschrittlichen Kollegen, unter den Jugendlichen und auf den Stationen, auf denen die Kollegin gearbeitet hat, löste diese Nachricht helle Empörung aus.

Die Reaktionäre und die SEW-Leute im Betriebsgruppenvorstand schlichen sich davon. Der Personalrat tat als hätte er Watte in den Ohren. Während in allen Abteilungen der Sonderdruck der KOMMUNISTISCHEN PRESSE (vgl. **.*.1973, **.*.1973,d.Vf.) mit der Hauptforderung 'WEG MIT DEM VERWEIS UND DER KÜNDIGUNGSDROHUNG' diskutiert wurde, organisierten die Zelle der KPD am RVK und der Maiausschuß oppositioneller Gewerkschafter eine Unterschriftensammlung als ersten Kampfschritt zur Verhinderung des faktischen Berufsverbots ((BV,d.Vf.) der Verweis geht in die Personalakte ein).

In vier Tagen unterschrieben über 100 Kollegen die Protestresolution.

Wie auf der Station 29 und der A 2 setzten sich viele Kollegen extra zusammen, um ihre Stellung zu dieser politischen Disziplinierung zu beraten. Oft versuchten Vorarbeiter und Oberschwestern mit lautem Geschrei oder mit der Erteilung von Redeverbot die Bildung einer Solidaritätsfront zu verhindern. Redegewandte Ärzte rissen das Wort an sich und versuchten von der entscheidenden Frage abzulenken: Wen schützt und wen unterdrückt dieser Staat? Viele hatten die Frage für sich beantwortet: 'Die Sache ist mir zu heiß, ich brauche den Job', und unterschrieben nicht.

Mutig und entschlossen traten die Genossen des Mai-Ausschusses oppositioneller Gewerkschafter auf. Obwohl die meisten von ihnen zum ersten Mal in aller Öffentlichkeit auftraten, sammelten sie in jeder freien Minute Unterschriften und griffen in die Diskussionen ein. Sie wichen nicht zurück, wenn Horst Mahler und die Baader-Meinhof-Gruppe (RAF,d.Vf.) zur Sprache kamen. Sie verteidigten Horst Mahler als entschiedenen Kämpfer gegen den Kapitalismus, verurteilten seine anarchistischen Theorien und erläuterten aus ihrer Arbeit als oppositionelle Gewerkschafter und am Beispiel der KPD den revolutionären Zusammenschluß der Werktätigen.

In der Diskussion über die weitergehenden Kampfschritte stand die Planung einer Protestkundgebung vor dem Haupttor im Vordergrund. Die Genossen der Zelle der KPD überzeugten zweifelnde Mitglieder des Mai-Ausschusses, daß in dieser enormen politischen Bewegung unter den Kollegen eine solche Protestkundgebung nicht heißt, sich von den Massen zu isolieren, sondern sie zu neuen Kampfformen zu führen.

Trotz Polizeiüberwachung, Bespitzelung durch Verwaltungschefs und Personalrat, trotz Polizeifotografen versammelten sich bis zu 100 Kollegen vor dem Haupttor. 40 kamen zur anschließend stattfindenden gemeinsamen Veranstaltung der Zelle der KPD und des Mai-Ausschusses.

- Einberufung einer Personalvollversammlung!
- Öffentliche Rechtfertigung durch Verwaltungsspitze und Personalrat!
- Weg mit dem Verweis und der Kündigungsdrohung gegen die Kollegin D.K.!"
Q: Rote Fahne Nr.14,Dortmund 4.4.1973,S.4

27.03.1973:
Die KPD berichtet von der Stadtteilversammlung Südwest der IGM Berlin:"
WESTBERLIN, BERICHT EINES GENOSSEN: VORFRISTIGE KÜNDIGUNG DER TARIFVERTRÄGE!

'Wir wissen, daß wir bei diesem Kampf den Boden der herrschenden Legalität verlassen. Aber was sind das für 'neutrale' Gesetze, die den Kapitalisten bei der Sicherung der Profite freie Hand lassen und unsere Kämpfe in Ketten legen. Was ist das für ein Recht, das das Eigentum der Fabrikherrn schützt und unsere Arbeitskraft der bodenlosen Ausplünderung und Zerrüttung preisgibt.

Dieses Recht ist nicht unser Recht, die herrschende Legalität ist die Legalität der Herrschenden.' (Plattform des Maikomitees oppositioneller Gewerkschafter)

Kampf der Friedenspflicht des Tarifvertragsgesetzes!
Vorwärts beim Aufbau der Revolutionären Gewerkschaftsopposition (RGO,d.Vf.)!"
Q: Rote Fahne Nr.15,Dortmund 11.4.1973,S.5

29.03.1973:
Die KPD verbreitet vermutlich von der Gründungsversammlung des Maikomitees oppositioneller Gewerkschafter Westberlin (vgl. 2.4.1973) von der Deutschen Reichsbahn (DR) u.a. über heute den:"
BERICHT DES KAMPFAUSSCHUSSES DER EISENBAHNER:

Kollegen, ich möchte kurz darstellen, wie es 1. zur Gründung unseres Kampfausschusses kam, 2. was die Rolle des FDGB in unserem Betrieb ist und 3. wie wir den Kampf bisher geführt haben.

Der Kampfausschuß gegen die Verschlechterung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Eisenbahner wurde aus denselben Gründen gebildet, aus denen auch Kollegen in den anderen Betrieben gezwungen sind, den Kampf aufzunehmen. Es sind einerseits die ungeheuren Preissteigerungen, die unsere Lebenslage immer mehr verschlechtern und andererseits der Verrat der FDGB-Führer und der Lohnraub der Reichsbahnführung.

Wir sind der festen Überzeugung, daß die Deutsche Reichsbahn kein sozialistischer Betrieb ist, denn als im letzten Jahr die fortschrittlichsten Kollegen 120 DM mehr für alle forderten, war es die Reichsbahnführung, die scheinbar die Forderung der Kollegen aufgriff, aber durch eine gleichzeitige Kürzung der Prämienzeitlöhne und ähnliche Schiebereien ist tatsächlich ein Lohnraub rausgekommen. Außerdem wird bei der Deutschen Reichsbahn genauso nach kapitalistischen Prinzipien rationalisiert und investiert wie in anderen Betrieben. Viele Kollegen müssen Überstunden schieben, weil dies genauso wie in kapitalistischen Betrieben billiger ist als neue Kollegen einzustellen.

Die Reichsbahndirektion schiebt die Tatsache der Überstunden immer auf die schlechte Arbeitsmarktlage in Westberlin, was aber nachweisbar nicht stimmt. Einerseits ist es so, daß die verrotteten Anlagen immer störanfälliger werden, aber die Zahl der Planstellen wird nicht erhöht, andererseits steigt in anderen Branchen die Intensität. Aber auch dort werden keine neuen Planstellen eingerichtet.

WELCHE ROLLE SPIELT DER FDGB?

Der FDGB ist die Massenorganisation der Werktätigen bei der Deutschen Reichsbahn; der Grad der Organisierung ist unterschiedlich. Die stärkste Organisierung liegt bei den proletarischen Teilen. Die staatlichen Betriebsleiter sind ebenfalls im FDGB organisiert.

Bei uns ist schon das verwirklicht, was die SPD- und die DGB-Führung noch anstreben, nämlich die Arbeitsgemeinschaft zwischen der Gewerkschaftsführung und den Kapitalisten. Ideologisch hört sich das so an: 'In unserem Betrieb bestehen keine grundsätzlichen Klasseninteressen. Wir lösen unsere Probleme mit unseren staatlichen und gesellschaftlichen Organen, mit voller Unterstützung unserer Gewerkschaft, des FDGB, selbst.'

Der Haupthebel der Arbeitsgemeinschaft ist die Betriebsgewerkschaftsleitung. Die BGL wird alle vier Jahre von den Gewerkschaftern eines Betriebs gewählt. Die BGL gliedert sich in verschiedene Beauftragte und den Vorsitzenden. Es gibt Beauftragte für Arbeit, Soziales, Jugend, Frauen usw. Das Wichtigste ist der Beauftragte für Soziales, weil der FDGB auch die Sozialversicherung der DDR verwaltet. Unter den gegenwärtigen Bedingungen wird diese Einrichtung vor allem zur politischen Disziplinierung der Kollegen benutzt.

BEISPIEL:
Ein Kollege nahm an der Agitation am Rand der letzten SEW-Demonstration teil, obwohl er krankgeschrieben war. Am nächsten Tag bekam er einen Brief, er solle sich sofort zur betriebsärztlichen Nachuntersuchung vorstellen.

Weiter organisiert die BGL den Wettbewerb zusammen mit der Betriebsleitung, d.h. das System des materiellen Anreizes. Und sie trifft die Auswahl der Kollegen, die qualifiziert werden.

Auf Lohn- und Tarifverhandlungen hat die BGL wenig Einfluß.

Die Vertrauensleute werden von der BGL als ausführende Organe betrachtet. Es ist einerseits so, daß die Kollegen die BGL und die Vertrauensleute nicht als ihre Interessenvertretung ansehen und andererseits auch die BGL und die Vertrauensleute sich als ausführende Organe der Reichsbahndirektion verstehen.

So haben sich z.B. die Kollegen des Bahnhofs Lichterfelde West bei der BGL beschwert, daß sie laufend Überstunden machen müssen, und daß die BGL diese Überstunden doch eigentlich genehmigen müßte. Die BGL löste dieses Problem in der Weise, daß sie dem Dienstvorsteher unterschriebene Blankoformulare gab.

Gegenüber diesem organisierten Arbeiterverrat ist der Kampfausschuß ein Zusammenschluß von Kollegen, die am Punkt der Lohnerhöhungen dieses Jahr den Kampf aufgenommen haben.

Die meisten von uns sind im FDGB organisiert. Aber wir haben erkannt, daß wir genauso wie die fortschrittlichen Kollegen im DGB unseren Kampf ohne und gegen die Gewerkschaftsführung aufnehmen müssen und daß der Kampf mit dem Ziel geführt werden muß, den revolutionären Sturz auch der neuen Bourgeoisie in der DDR herbeizuführen.

Vor dieser Kampfperspektive hat die SEW-Führung panische Angst. Das Ziel der SEW-Führung ist es dabei, den revolutionären Zusammenschluß der Kollegen zu verhindern (vgl. 26.3.1973,d.Vf.). …

Dennoch konnte die SEW/FDGB-Führung den Zusammenschluß fortschrittlicher Kollegen nicht verhindern. In hektischer Eile entschloß sie sich, den Forderungen der Kollegen teilweise nachzugeben.

Am 29. März gab sie eine Lohnerhöhung zwischen 140 und 170 DM bekannt, die für die Mehrzahl der Kollegen eine Bruttoerhöhung von 150 DM bedeutet. Die Lohnerhöhung gilt allerdings erst ab 1. Juni, ab Ende Juni also gibt es mehr geld, dann wenn die Lohnerhöhung durch die Inflation schon wieder angefressen ist.

Wir fragten uns auch, weshalb greift die Reichsbahndirektion gerade jetzt so tief in die Tasche?

Die politische Stoßrichtung unseres Kampfes, die wir schon in unserer Plattform angegeben hatten,
- KAMPF DER PREISTREIBEREI DES SPD-SENATS
- KAMPF DEN ARBEITERVERRÄTERN IN DGB-, FDGB- UND SEW-FÜHRUNG!
- FÜR DIE REVOLUTIONÄRE EINHEIT DER ARBEITERKLASSE!
bedeutet für die SEW/FDGB-Führung eine Gefahr für ihre Ziele, nicht nur bei der Eisenbahn.

Wenn es ihr nicht gelingt, die Klassenkämpfe im eigenen Betrieb im Keim zu ersticken, werden ihre lügenhaften 'Mitbestimmungsparolen' noch unglaubwürdiger. Gerade die Kollegen werden fragen: Wie wollt ihr mit 'Mitbestimmung' den 'Einfluß der Monopole zurückdrängen', wenn sie nicht mal dazu taugt in euren eigenen Betrieben die Interessen der Arbeiter durchzusetzen.

Um dieses Ziel zu erreichen: Klassenkämpfe im Keim zu ersticken, griffen die Führer von SEW und FDGB tief in das Staatssäckel der neuen Bourgeoisie der DDR.

Wir aber werden den Teilerfolg, den wir errungen haben, jetzt durch konsequente Fortsetzung unseres Kampfes sichern müssen. Wir müssen für eine SOFORTIGE Lohnerhöhung und ihre Rückwirkung ab 1. Januar 1973 kämpfen.

Wir werden uns nicht auf diese wirtschaftliche Forderung beschränken, sondern den Kampf genauso für die in der Plattform angegebenen anderen Forderungen führen und wir werden konsequent eintreten für die Maidemonstration der KPD im Wedding und für die Ziele des Maikomitees oppositioneller Gewerkschafter.

Als eine besondere Aufgabe aber sehen wir es an, den Kollegen aus der DDR, die mit uns arbeiten, unseren Kampf zu erklären und unsere Einheit voranzutreiben unter der Parole:
- FÜR DIE WIEDERVEREINIGUNG DEUTSCHLANDS AUF REVOLUTIONÄRER GRUNDLAGE!"
Q: Rote Fahne Nr.15,Dortmund 11.4.1973,S.7

31.03.1973:
Die KPD berichtet aus Berlin von der Polizei (vgl. 26.3.1973), u.a. über die KOBs:"
BÜRGERKRIEGSMANÖVER UND POLIZEIREFORM IN WESTBERLIN:

'Charlottenburger Polizisten proben den Bürger-Kontakt', lesen wir am 1.4. im Westberliner 'Tagesspiegel'. Und weiter heißt es dort: 'Die Negativ-Situation, in der sich der Polizeibeamte von heute, speziell die Funkwagenbesatzungen befinden, gilt es zu verändern.' So formulierte es der Leiter der Polizei-Inspektion Charlottenburg, Polizeidirektor Günther Freund. Die Schüsse an der Oper, die am 2.Juni 1967 den Studenten Benno Ohnesorg niederstreckten, bedeuten für Freund das 'Ende eines Polizeidenkens althergebrachter Art.' Fast täglich präsentiert die Westberliner bürgerliche Presse diese und ähnliche Propagandaartikel. Fast täglich versucht sie, den Werktätigen einzureden, daß eine Reform in ihrem Interesse wäre, deren Ergebnis die meisten schon längst kennen, nur unter anderem Namen: Das Blockwartsystem der Hitler-Faschisten.

Das ist der Kern der Reform-Pläne der Neubauer-Polizei, durch die die alten Polizeireviere aufgelöst und durch 'Kontaktbereiche' ersetzt werden sollen, die von einzelnen Beamten ständig überwacht werden können. Hand in Hand damit geht die Konzentrierung starker Polizeiverbände in einigen wenigen Kasernen, die noch stärker als bisher paramilitärischen Charakter erhalten. Sie sollen dafür sorgen, daß den Werktätigen zum gewohnten Bild wird, was während der Jagd gegen die 'Baader-Meinhof-Gruppe' (RAF,d.Vf.) zum ersten Mal in konzentrierter Form vorgetragen wurde: Die massive Demonstration der Gewaltapparate des Staatsapparats. Jetzt, wo die 'Jagd nach der Baader-Meinhof-Gruppe' weitgehend abgeschlossen ist, wo vor Gericht immer deutlicher wird, wie tief der Sand ist, auf dem diese Manöver aufgebaut wurden, werden neue Vorwände gesucht und erfunden. Welchen Charakter dies annimmt, zeigt der Bericht eines Berliner Werktätigen: … (vgl. 26.3.1973,d.Vf.)

Samstag, 31.3.: Kurz vor 19 Uhr fahre ich mit meinem Auto beim Bahnhof Zoo vorbei. Das ganze Zooviertel steht voll mit Mannschaftswagen der Polizei, die Ausgänge des Bahnhofs sind hermetisch abgeriegelt. Ich steige aus, um zu sehen, was vorgefallen ist. Eine Großrazzia ist im Gange, hauptsächlich gegen ausländische Kollegen gerichtet. Jeder, der sich im Bahnhof aufhält, wird an die Wand gestellt und durchsucht. Jeder, der keinen Ausweis bei sich trägt, wird verhaftet. Fast alle fünf Minuten fährt ein Pritschenwagen mit etwa 20 Verhafteten davon, die Zahl der Verhafteten geht in die Hunderte. Für die meisten der ausländischen Kollegen bedeutet dies die Abschiebung in ihre Heimatländer. Neben mir stehen viele, die in Diskussionen ihrer Empörung offen Ausdruck geben, 'Polizeistaatsmethoden', höre ich, einer sagt 'brutale Bande'.

Ein Polizist läßt seinen Polizeihund in Richtung Zuschauer laufen und schreit: 'Weiter zurückgehen!' Ein Sprechchor ertönt: 'Schluß mit den Bürgerkriegsmanövern der Polizei!' Eine Gruppe von Kollegen, die Plaketten tragen, auf denen steht 'Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter' hat die Parole gerufen. Wie von der Tarantel gestochen stürzt ein Trupp von Polizisten mit gezogenen Knüppeln auf die Zuschauer los, drischt los, ohne zu schauen wohin.

Wenig später stehen sie wieder da. Neben mir ein Fotograf, der das Vorgehen der Polizei fotografiert. Ein Kollege ruft: 'Du willst wohl deine Kamera loswerden.' Wenig später stürzt ein Polizist von hinten auf die Gruppe zu, in der ich stehe, versucht den Fotografen zu packen. Ein Kollege neben dem Fotografen, dreht sich um und sagt: 'Was soll denn diese Rempelei?' Schon stürzen vier oder fünf Polizisten auf ihn, verhaften ihn, 'Widerstand gegen die Staatsgewalt', sagen sie. Die Herumstehenden sind empört, die Polizei wagt es nicht mehr, den Fotografen anzugreifen. In der Polizeikaserne, erzählt der Kollege später, wußten die nicht einmal mehr, wen sie warum verhaftet hatten. Die Kriminalbeamten fluchten ganz offen, die BePo (Bereitschaftspolizei) habe doppelt so viele Leute eingeliefert, als Verhaftungszettel ausgestellt wurden. Ihn entließen sie nach zwei Stunden, nachdem sie seine Personalien überprüft hatten. Sie erzählten mit keinem Wort, warum sie ihn verhaftet hatten und hinderten ihn daran, einen Anwalt anzurufen, obwohl er das mehrfach verlangte.

Sonntag, 1.4.: 'Frühjahrsputz am Zoo' heißt die Überschrift in Springers Morgenpost. 'Nach kleinen 'Nadelstichen' folgte gestern Abend der 'Hammerschlag'. das war das Losungswort für eine Großrazzia auf dem Bahnhof Zoo und in einem Lokal im Aschinger-Haus. Am späten Abend folgte schließlich noch der 'Frühjahrsputz', die prosaische Umschreibung der Polizei für eine großangelegte Kontrolle mehrerer einschlägiger Lokale in der City.' Für all dies gibt es das kürzere Wort: Bürgerkriegsmanöver. Und solche Bürgerkriegsmanöver machen deutlich, welchen Charakter die Politik des SPD-Senats und der SPD/FDP-Regierung hat: Sie ist die Politik von Volksfeinden. Ob 'Polizeireform' oder 'Hammerschlag', ob 'Frühjahrsputz' oder 'Banküberfall', all diese Manöver sind geprobte Angriffe auf die Arbeiterklasse. Ihnen gilt es entgegenzutreten."
Q: Rote Fahne Nr.14,Dortmund 4.4.1973,S.3

April 1973:
Die KPD berichtet aus Berlin von der Vietnamhilfe bei der KWU (vgl. März 1973) vermutlich aus dem April:"
KWU-WESTBERLIN, TROTZ KÜNDIGUNGSDROHUNGEN: VIETNAMHILFE GEHT VORAN!

Mehrere Kollegen aus der Kraftwerk-Union in Westberlin haben sich in den letzten Monaten zusammengefunden, um den Kampf des vietnamesischen Volkes zu unterstützen. … Trotz dieser massiven Einschüchterungen geht der Kampf der oppositionellen Kollegen im Betrieb weiter. Mobilisierung der Kollegen, Unterschriftensammlungen, Solidaritätsresolutionen aus anderen Betrieben müssen jetzt das Mittel sein, den Arbeiterfeinden im Betrieb und in den Gewerkschaften einen Strich durch die Rechnung zu machen. Auf der Veranstaltung des Maikomitees oppositioneller Gewerkschafter am vergangenen Freitag (vgl. 27.4.1973,d.Vf.) betonte auch ein Kollege aus der KWU:
'Trotz dieser Einschüchterungsversuche seitens Geschäftsleitung, SPD-Betriebsräten und Gewerkschaftsbonzen geht unser Kampf weiter. Insbesondere werden wir unsere Aktivitäten für die VIETNAM-HILFE weiter verstärken. Nach wie vor gilt unser Aufruf… in den Monaten Februar und März haben wir jeweils 140 DM gesammelt - unser nächstes Ziel ist es diese Summe auf 300 DM monatlich zu erhöhen!'"
Q: Rote Fahne Nr.18,Dortmund 2.5.1973,S.5

April 1973:
Der KSV der KPD gibt in Berlin einen Sonderdruck seiner 'Dem Volke dienen': "1. Mai im Wedding! Gegen die arbeiterfeindliche Brandt-Regierung!" heraus.
Q: Dem Volke dienen Sonderdruck zum 1. Mai 1973,Berlin 1973

April 1973:
Der Kommunistische Jugendverband (KJV) der KPD gibt die Nr.5 seiner 'Kämpfenden Jugend' (vgl. März 1973, 28.5.1973) heraus. Berichtet wird u.a. aus dem Berliner BSE-Bereich vom Maiausschuss Bau.
Q: Kämpfende Jugend Nr.5,Dortmund Apr. 1973,S.3

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02.04.1973:
Vermutlich in dieser Woche gibt in Berlin das Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter 1973 der KPD seine erste Zeitung '1.Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse' (vgl. 17.4.1973) heraus, für die Angela Hoffmann (Jugendvertreterin im Rudolf Virchow Krankenhaus - RVK) verantwortlich zeichnet. Diese bekommt dafür ein Ausschlußverfahren (UVB) aus der ÖTV.

Bekanntgegeben wird, daß das Maikomitee von KollegInnen aus den Betrieben/Bereichen AEG, Borsig, DWM, Eternit, Flohr Otis, DTW, KWU, Krone, Daimler-Benz, Bundesdruckerei, Fürst und Sohn, Lindemann und Lüdecke, Bosse, Dr. Klotz, Deutsche Reichsbahn, Siemens, SEL, Schering, Auguste Viktoria Krankenhaus, Maiausschuß Rudolf Virchow Krankenhaus, Städtisches Krankenhaus Neukölln, Allgemeines Krankenhaus Moabit, Krankenhaus Mariendorfer Weg, Klinikum Steglitz, Coop, Post, Senator für Finanzen, Senator für Gesundheit, Forstarbeit, Bauindustrie, Maiausschuß Lehrer, Maiauschuß Erzieher und Sozialarbeiter, kirchlichen Mitarbeitern und Schülern der Berufsschule Zitadelle Spandau gebildet worden sei.

Von der Jugendvertretung Schering wird auch auf die Maikomitees von Jusos der SPD und der SEW, die jeweils eine eigene Demonstration in Neukölln machen wollen, eingegangen. Berichtet wird aus der IGM Stadtteilgruppe Südwest (u.a. zuständig für Krone) und von der Lehrlings-Metalltarifrunde (LMTR).

Der Maiausschuß Lehrer kritisiert den Sozialistischen Lehrerbund (SLB) Westberlin wegen dessen Aufruf zur SEW-Demonstration in Neukölln.

Von DTW wird über die zurückgekämpfte Entlassung von Jugendvertretern berichtet.

Gegen Mitglieder des IGM OJA laufen derzeit 12 Ausschlußverfahren (UVB).

Aus der HBV wird berichtet von einer Veranstaltung Mitte März, auf der 3 000 gegen Verlängerung der Ladenöffnungszeiten protestierten.

Aufgerufen wird zur eigenen Veranstaltung bei Max und Moritz (vgl. 6.4.1973).
Q: 1.Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse Nr.1,Berlin 1973

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06.04.1973:
Eine Maiveranstaltung des Maikomitees oppositioneller Gewerkschafter Berlin der KPD war für heute, u.a. heute vor Druckbetrieben, für 17 Uhr 30 bei Max und Moritz in der Oranienstraße 162 angekündigt worden.
Q: Rote Fahne Nr.14,Dortmund 4.4.1973,S.2; Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr.3,Dortmund Mai 1973,S.15; 1.Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse Nr.1,Berlin 1973

06.04.1973:
In Berlin gibt das Regionalkomitee der KPD einen 'Rote Fahne' Sonderdruck zur Drucktarifrunde unter dem Titel "Heute: Urabstimmung - Streikbeschluß für alle!" heraus, in dem u.a. von der Bundesdruckerei berichtet und zur heutigen Veranstaltung des Maikomitees aufgerufen wird.
Q: Rote Fahne Nr.15,Dortmund 11.4.1973; Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr.3,Dortmund Mai 1973

06.04.1973:
Das Regionalkomitee (RK) Westberlin gibt, nach eigenen Angaben morgens, einen 'Rote Fahne Sonderdruck zur DRUPA-Tarifrunde' (DTR) unter Verantwortung von Chr. Semler in Dortmund heraus, von dem uns die erste Seite vorlag:"
GESTERN KÄMPFERISCHE MITGLIEDERVERSAMMLUNG ANSCHLIESSEND DEMONSTRATION
HEUTE: URABSTIMMUNG
STREIKBESCHLUSS FÜR ALLE!"

Aufgerufen wird für heute zur Sitzung des Kampfausschusses und - bereits eine halbe Stunde später und in ca. 20 Minuten Weg Entfernung - zur Veranstaltung des Maikomitees (MK).
Q: Rote Fahne Nr.15,Dortmund 11.4.1973,S.4; Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr.3,Dortmund Mai 1973,S.15

10.04.1973:
Vermutlich in dieser Woche gibt das KPD Regionalkomitee Berlin die Nr.2 seiner Maizeitung (vgl. März 1973) heraus, für deren 4 DIN A 3 Seiten Christian Semler verantwortlich zeichnet. Berichtet wird von der Berliner Thieudemonstration (vgl. 9.4.1973), aufgerufen zur Kambodscha- und Spaniendemonstration (vgl. 14.4.1973). Eingegangen wird auf die Drucktarifrunde, den einschlägigen Kampfausschuß oppositioneller Gewerkschafter, die SEW und die Druckbranchenzeitung 'Umbruch', die von ehemaligen KB/ML 'Zirklern' herausgegeben werde, die nicht im Kampfausschuß vertreten seien. Weitere Themen sind die Poliziereform, die nationale Frage und der Austritt der Jusos aus dem Maikomitee der SEW.
Q: KPD-RK Westberlin:Maizeitung Nr.2,Berlin 1973

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13.04.1973:
Eine Maiveranstaltung der LgdI der KPD war für heute in Berlin angekündigt worden.
Q: Rote Fahne Nr.14,Dortmund 4.4.1973,S.2

14.04.1973:
Spartacus Bolschewiki/Leninisten (SBL) gibt seinen 'Spartacus' Nr.4 (vgl. 5.3.1973, Mai 1973) heraus. Am 1.Mai wolle man sich an der Demonstration des Maikomitee 73 in Kreuzberg beteiligen.
Q: Spartacus Nr.4,Mainz 14.4.1973

17.04.1973:
In Berlin gibt vermutlich in dieser Woche das KPD-nahe Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter 1973 die Nr.2 seiner Zeitung '1.Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse' (vgl. 2.4.1973, 24.4.1973) heraus, in der zu Veranstaltungen am 26. und 27.4.1973 sowie zur Maidemonstration ab Turmstraße aufgerufen wird. Bekanntgegeben werden Ausschlußverfahren gegen die Jugendvertretung Schering und die presserechtlich Verantwortliche dieser Zeitung, Angela Hoffmann.

Aus dem Maikomitee der SEW sind nun auch die Jungdemokraten ausgeschieden. Weitere Themen sind die internationale Solidarität, die IGM, die Drucktarifrunde, die Chemierunde und der RGO-Kongreß (vgl. 14.4.1973).
Q: 1.Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse Nr.2,Berlin 1973

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19.04.1973:
Eine Maiveranstaltung des KJV der KPD war für heute in Berlin angekündigt worden.
Q: Rote Fahne Nr.14,Dortmund 4.4.1973,S.2

23.04.1973:
Die KPD berichtet vermutlich aus dieser Woche:"
WESTBERLIN: 70 LEHRER DER GEW BEI DER VERANSTALTUNG DES MAI-KOMITEES!

Die Westberliner SEW-Führung hatte gehofft, wenn sie schon in den Industriegewerkschaften nur schmalen Einfluß gewinnen kann, die GEW zu ihrer Hochburg auszubauen. Das Maikomitee (MK,d.Vf.) oppositioneller Gewerkschafter unternahm in diesem Jahr erfolgreiche Anstrengungen, die fortschrittlichen und revolutionären Lehrer in der GEW oppositionell zusammenzuschließen, um dem reformistischen und revisionistischen Einfluß entgegenzutreten. Auf Einladung des oppositionellen Maikomitees kamen über 70 Lehrer zu einer Diskussionsveranstaltung, unter ihnen Lehrer aus 22 Schulen, die regelmäßig an einem ROTE-FAHNE-Lesetreff (RFLT,d.Vf.) teilnehmen.

Eine proletarische Genossin berichtete den Lehrern über den RGO-Kongreß in Dortmund (vgl. 14.4.1973,d.Vf.). Sie erklärte ihnen aus der Erfahrung der Westberliner Großbetriebe die Notwendigkeit oppositioneller Arbeit in den Gewerkschaften und die Bedeutung der Losung: 'Hinein in die Gewerkschaften - stärkt die revolutionäre Gewerkschaftsopposition.'

Ein Lehrer aus dem Rote-Fahne-Lesetreff analysierte danach die volksfeindliche Bildungspolitik des SPD-Senats und der sozialdemokratischen Bundesregierung und erklärte die Rolle der GEW-Führung für die Durchsetzung der sozialdemokratischen Regierungspolitik. 'Auch wenn es um den Abbau gewerkschaftlicher und demokratischer Rechte geht, ist die GEW-Spitze fix als Büttel des SPD-Senats zur Stelle. Als Schulsenator Löffler das Verteilen von Flugblättern während der Dienstzeit verbot (vgl. **.**.197*,d.Vf.) erteilte die GEW-Führung den Kollegen die Anweisung, Flugblätter und Unterschriftenlisten nur außerhalb des Schulgrundstücks und außerhalb der Dienstzeit zu verteilen.'

Er wies an schlagenden Beispielen nach, daß die SEW-Führung diese Verratspolitik mit etwas linkeren Phrasen abdeckt, unsinnige Thesen verbreitet, wie, man könne die Klassenschule durch eine 'Demokratisierung' der Lehrinhalte verändern.

Der Genosse schloß seine Rede mit der Aufforderung, den Aufbau der RGO in der GEW zu unterstützen.

Die Diskussion entzündete sich an zwei Fragen: Wie können wir die oppositionellen kräfte stärken? Wie müssen wir in den Gewerkschaften kämpfen?

Einigen Anwesenden, die der RGO Spaltertum vorwarfen (es waren Zirkelvertreter (vermutlich AnhängerInnen des späteren KBW,d.Vf.), die hier wieder einmal den Chor der Gewerkschaftsbonzen und Revisionisten verstärkten) hielt ein Genosse der KPD die wirklichen Spalter entgegen: Die Gewerkschaftsführer, die nach dem 2. imperialistischen Krieg die Bewegung der Lehrer für die Einheitsschule spalteten, die mit der CIA-Truppe UGO (Unabhängige Gewerkschaftsopposition) die Einheitsgewerkschaft spalteten und so die Werktätigen Westberlins dem USA-Imperialismus und dem westdeutschen Monopolkapital auslieferten.

Großen Beifall erhielt eine Genossin des KOV, die aufrief: 'Schüler und Lehrer müssen eine Kampffront bilden.'

Zum Schluß verabschiedete die Versammlung eine Solidaritätsresolution mit der Kollegin Angela Hoffmann, die aus der GEW ausgeschlossen werden soll, weil sie die GEW-Spitze in der Maizeitung veröffentlichte."

Der letzte Satz erscheint ein wenig unverständlich, besonders da Angela Hoffmann zumeist als ÖTV-Mitglied am Rudolf-Virchow-Krankenhaus (RVK) bezeichnet wird.
Q: Rote Fahne Nr.18,Dortmund 2.5.1973,S.4

24.04.1973:
In Berlin gibt vermutlich in dieser Woche das KPD-nahe Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter 1973 seinen Maiaufruf unter dem Titel seiner bisherigen Maizeitung, '1.Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse' (vgl. 17.4.1973) heraus, in dem man sich u.a. mit SEW, Jusos und den Ausschlußverfahren gegen die Jugendvertretung Schering (vgl. 26.4.1973) befaßt.
Q: Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter 1973:1.Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse,Berlin 1973

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25.04.1973:
In Berlin führt, laut KPD, ihr Kampfausschuß Gesundheitswesen eine Maiveranstaltung mit Teilnehmern aus allen großen Krankenhäusern und der Jugendvertretung des Rudolf Virchow Krankenhaus (RVK) durch, die sich u.a. mit dem ÖTV-Ausschluß (UVB) gegen Angela Hoffmann (Jugendvertreterin im RVK) befaßt (vgl. 2.4.1973).
Q: Rote Fahne Nr.19,Dortmund 9.5.1973

26.04.1973:
In Berlin soll eine Veranstaltung gegen die Ausschlußverfahren gegen die Jugendvertretung Schering im Kreuzberger Jugendheim Böcklerpark stattfinden, zu der u.a. das KPD-nahe Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter 1973 aufruft.
Q: 1.Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse Nr.2,Berlin 1973

26.04.1973:
In Berlin gibt die KJO Spartacus ein Flugblatt zur Mobilisierung für ihre Maiveranstaltung am 30.4.1973 heraus.
Q: KJO Spartacus:1.Mai KJO Spartacus,Berlin 26.4.1973

27.04.1973:
In Berlin führt das der KPD-nahestehende Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter seine zentrale Maiveranstaltung in der Neuen Welt durch. Ein Gewerkschaftsausschlußverfahren (UVB) wurde eingeleitet gegen Angela Hoffmann, die für die Zeitungen des Komitees (vgl. 2.4.1973) verantwortlich zeichnete.

Aus dem IGM-Bereich wird u.a. berichtet von der Vietnamhilfe bei KWU (vgl. Apr. 1973).
Q: Rote Fahne Nr.14 und 18,Dortmund 4.4.1973 bzw. 2.5.1973,S.2 bzw. S.5; 1.Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse Nr.2,Berlin 1973; Kommunistische Arbeiterpresse KWU Nr.24,Berlin 27.4.1973

29.04.1973:
Von Osram Berlin berichtet die KPD/ML, früher KPD/ML-ZK, u.a. über die heutige stadtweite Maiveranstaltung, daß zu dieser 20, u.a. Ausländer von Osram gekommen seien.

Über die eigene Vergangenheit in der KPD/ML-ZB heißt es:"
Die Parteizelle Osram besteht fast nur aus Mitgliedern der früheren Gruppe 'Rote Fahne'. Wir, die Arbeiter, sind geschlossen zur KPD/ML gekommen."

Auch die Zeitung heißt wie zu ZB-Zeiten 'Rotlicht' und man plant Straßenzellen im Wedding. Man befasst sich auch mit Frauen.
Q: Roter Morgen Nr.18,Dortmund 12.5.1973

29.04.1973:
In Berlin führt der KOV der KPD heute seine Maiveranstaltung im Hauptgebäude der TU durch.
Q: Schulkampf Sdr.druck und Nr.7,Berlin Apr. 1973 bzw. Juni 1973

30.04.1973:
Eine Maiveranstaltung der KPD findet heute in der Berliner Hasenheide mit, laut KPD, 3 000 Besuchern statt:"
Nach einer Vielzahl von Veranstaltungen der Parteizellen, des oppositionellen Maikomitees, versammelten sich 3 000 Freunde und Genossen der Partei zur großen Maiveranstaltung in der 'Hasenheide'."
Q: Rote Fahne Nr.14 und 18,Dortmund 4.4.1973 bzw. 2.5.1973,S.2 bzw. S.8; Kommunistische Arbeiterpresse DeTeWe Nr.7,Dortmund Mai 1973; Kommunistische Arbeiterpresse KWU Nr.24,Berlin 27.4.1973

30.04.1973:
In Berlin möchte die KJO Spartacus bei Max und Moritz ihre Maiveranstaltung durchführen.
Q: KJO Spartacus:1.Mai KJO Spartacus,Berlin 26.4.1973

01.05.1973:
In Berlin rufen die KPD und ihr Maikomitee zur Demonstration um 10 Uhr ab Turmstraße auf. Laut Angaben der KPD wuchs diese Demonstration von 6 000 auf über 8 000 beim Schluß im Wedding an. Die Betriebsräte von KWU und AEG Brunnenstraße sollen die Demonstration gefilmt haben, um den Unvereinbarkeitsbeschluß der IGM besser anwenden zu können. Die KPD organisiert einen Treffpunkt für die Teilnehmer aus Kreuzberg und einen Kindergarten während der Demonstration. Der KOV zählt in seinem Block 400 Schüler (vgl. 29.4.1973). Die KPD/ML habe sich an die Demonstration der KPD angehängt.

Laut KPD beteiligen sich 11 bis 12 000 an der SEW Demonstration in Neukölln. Laut KB Bremen war es so:"
In diesem Jahr grenzten sich 10 - 12 000 Teilnehmer des fast 40 000 Menschen umfassenden Zuges von den Mitbestimmungsparolen der SEW ab, darunter der Block des von der Initiative zur KG/Westberlin und fünf kommunistischen Hochschulgruppen gebildeten Aktionskomitees, in den sich 2 500 Menschen einreihten. …

4 500 Menschen bildeten den gewerkschaftlichen Block, zu dem die Umbruch-Gruppe des ehemaligen KB/ML und zahlreiche andere betriebliche Gruppen aufgerufen hatten. … Diese Gruppen hatten sich geweigert, mit dem Aktionskomitee eine Aktionseinheit unter politischen Parolen einzugehen.

Unter den Hauptparolen 'Gegen die arbeiterfeindliche Brandt-Regierung -revolutionäre Arbeitereinheit, revolutionäre Volkseinheit' rief die Gruppe Rote Fahne (KPD) mit dem von ihr ins Leben gerufenen 'Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter' zu einer dritten Demonstration auf. … Dieser Demonstration schloß sich ein Block der Gruppe KPD/ML(Roter Morgen) unter der Hauptlosung 'Gegen Lohnraub, Teuerung und politische Unterdrückung' an.

Auch hier wurde die Parole 'Vorwärts zur Revolutionären Gewerkschaftsopposition' propagiert. … In den Block der Gruppe KPD/ML reihten sich 800, in die gesamte Demonstration fast 5 000 Menschen ein."

Laut MLHPol und MLHKybEl Berlin (vgl. 14.5.1973) hat sich die KPD/ML an das Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter der KPD angehängt und konnte 500 der insgesamt 4 000 Demonstranten für sich verbuchen. Auf der Neuköllner Demonstration habe das 'Betriebs- und Hochschulgruppenkomitee 1.Mai Westberlin' aus Initiative kommunistischer Arbeiter zum Aufbau einer 'KG Westberlin', MLHKybEl, MLHPol, MLSG-FHW, SAG/PH und SSGRom einen Block von 2 500 Menschen gebildet.

Die Initiative zur Kommunistischen Gruppe Westberlin (IzKG/WB) des KBW (vgl. 11.7.1973) berichtet über sich (vgl. Dez. 1972), dass sie einen Block auf der Demonstration in Neukölln gebildet habe.

Laut KG Hamburg demonstrieren ca. 35 000 Menschen "für ihre unmittelbaren Lebensinteressen gegen Mietwucher und Preistreiberei, Arbeitshetze und Lohnraub."

Laut KAJB (NRF) demonstrieren insgesamt 35 000, davon 24 000 mit der SEW, 5 000 mit den Jusos der SPD und 5 000 mit der KPD. Zur DGB Veranstaltung seien von den 4 000 geladenen Gästen nur 2 500 erschienen.

Es erschien eine Nummer der 'Berliner Arbeiter Zeitung' mit einem Aufruf zur Maidemonstration in Neukölln. Diese Zeitung, welche früher von der Sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (SDA) herausgegeben wurde, erscheint nun durch die Kommunistische Arbeiter Basisgruppe Berlin (KABB). Verantwortlich zeichnet wie zuvor H. Druschky.

Weiterhin nehmen, laut KPD, 2 500 bis 3 000 an der Demonstration der Jusos teil.

Laut KPD/ML beteiligen sich rund 6 000 an der Demonstration im Wedding, darunter knapp 1 000 im eigenen Block, mehr als je zuvor, der im Verlauf des Marsches noch auf 1 300 angewachsen sei. Eine eigene Veranstaltung zu unbekanntem Datum wird u.a. von Osram-Beschäftigten besucht (vgl. 29.4.1973). Hieran nahmen laut KPD/ML (vgl. 19.5.1973) insgesamt 800 bis 900 Personen teil.

Die 'Rote Hilfe' Westberlin berichtet von den Kinderfesten im Ossietzky-Park Moabit, in Kreuzberg auf dem Mariannenplatz und in der Wilhelmstrasse, in Neukölln auf dem Herzbergplatz und in Spandau auf dem Falkenhagener Feld.

Die Kommunistischen Kollektive Hoesch, Zeche Hansa (Dortmund) und Gewerkschaft Viktor (Castrop-Rauxel) Mitglieder der Kommunistischen Fraktion im Ruhrgebiet für den Wiederaufbau der Kommunistischen Partei' (KFR - vgl. 20.4.1973) dokumentieren berichten:
SO STELLEN WIR UNS DIE MAI-FEIER NICHT VOR

Der Berliner Landesbezirksvorstand des DGB hat für die Mai-Feier folgendes Programm beschlossen:
'Paul Kuhn und das SFB-Tanzorchester, Potpourri; Work Song; Der Mai ist gekommen; If I Had a Hammer; 2. Begrüßung durch Walter Sickert, Vorsitzender des DGB-Berlin. 3. Diskussionsgruppe, 'Paritätische Mitbestimmung'. 4. Musik-Schau, Olivia Molina, Paul Kuhn und das SFB-Tanzorchester - Glory, Glory Halleluja; Schön ist die Welt; So oder so (Olivia Molina); Godfather - SFB-Tanzorchester; Solist; Milo Pavlovic; La Bamba (Olivia Molina); 5. Diskussionsgruppe: Gewerkschaften heute. 6. Paul Kuhn und das SFB-Tanzorchester: Manhatten Spiritual; 8. Brüder zur Sonne zur Freiheit, gemeinsames Lied.'

Wir meinen, daß ein derartiges Unterhaltungspotpourri besser Samstag abends '8 nach 8' laufen sollte, dann sind wir gern bereit, uns zu entspannen und unterhalten zu lassen. Am 1. Mai feiern wir aber nicht Paul Kuhn und das SFB-Tanzorchester, sondern die Tradition der Arbeiterbewegung und unsere heutige Kampfstärke; dann wollten wir aller Welt zeigen, welche Probleme wir haben und für welche Forderungen wir kämpfen. Bei einem solchen Angebot ist es nur verständlich, wenn im letzten Jahr in einer Stadt wie Berlin nur noch 8. 000 Kollegen zur Kundgebung kamen. So erweist sich diese Einschläferungstaktik des Berliner Landesbezirksvorstandes als gewerkschaftsschädigend, da er die Kampfkraft der Gewerkschaften schwächt.§
Q: Mai-Zeitung der Kommunistischen Kollektive Hoesch, Zeche Hansa (Dortmund) und Gewerkschaft Viktor (Castrop Rauxel) Mitglieder der Kommunistischen Fraktion im Ruhrgebiet für den Wiederaufbau der Kommunistischen Partei,Dortmund/Castrop-Rauxel 1973,S.8; Kommunistische Arbeiterpresse KWU Nr.24 und 25,Berlin 27.4.1973 bzw. 15.5.1973;Kommunistische Arbeiterpresse DeTeWe Nr.7,Dortmund Mai 1973;Gemeinsame Zeitung der MLHKybEl und MLHPol,Berlin Mai 1973;Berliner Arbeiter Zeitung,Berlin o.J. (1.5.1973);Hamburger Arbeiter-Zeitung 1.Mai Extra,Hamburg 1973,S.2;Wahrheit Nr.5/6,Bremen Mai/Juni 1973,S.8;Das Ruder Nr.6,Bremen Mai 1973;Roter Morgen Nr.15, 18, Extra Trotz Verbot der 1.Mai bleibt rot, 19Dortmund 21.4.1973, Mai 1973, 12.5.1973 bzw. 19.5.1973;Kommunistische Jugendzeitung Nr.5,Mannheim Apr./Mai 1973;Rote Fahne Nr.14, 17, 18, 24 und 1,Dortmund 4.4.1973, 25.4.1973, 2.5.1973,13.6.1973 bzw. 3.1.1974,S.2, S.1, S.1 und 8 bzw. S.*,;1.Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse Nr.2,Berlin 1973;Kommunistische Volkszeitung – Ortsbeilage Westberlin Nr.1,Berlin 1973;Kämpfende Jugend Nr.5,Dortmund Apr. 1973;Rote Hilfe Nr.19, Berlin Mai 1973,S.16;Schulkampf Sdr.druck und Nr.7,Berlin Apr. 1973 bzw. Juni 1973

KOV-Schulkampf301

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Januar 1974:
Der GEW-AjLE Berlin veröffentlicht spätestens im Januar eine Dokumentation über Berufsverbote-Anhörungsverfahren (BV).

Der AStA der PH Dortmund (vgl. 21.1.1974) berichtet:"
SOZIALDEMOKRATISCHE INQUISITION
Abdruck eines Dokumentationsauszugs des AjLE Berlin

1. GEDÄCHTNISPROTOKOLL

Frage: Haben Sie ein Flugblatt vom 1.Mai 1968 unterschrieben (Flugblatt wurde nicht vorgelegt)?
Antwort: Weiß ich nicht. Ich habe an Diskussionen teilgenommen, die den 1.Mai betrafen.

Frage: Waren Sie Mitglied der Basisgruppe Friedenau?
Antwort: Ich weiß nicht, ob man die Gruppe 'Basisgruppe' nennen konnte – es hatten sich Bürger in Friedenau getroffen, um Fragen der Resozialisierung von Strafgefangenen zu besprechen und Strafgefangene zu betreuen."
Q: DOS Nr.27,Dortmund 21.1.1974,S.4ff

19.02.1974:
Die IG Metall (IGM) Berlin veröffentlicht in der 'Metall', laut KPD, eine Liste mit den Namen von 20 aufgrund der Unvereinbarkeitsbeschlüsse (UVB) ausgeschlossenen Mitgliedern.
Q: 1. Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse Nr.3,Berlin 1974

24.03.1974:
In Berlin wird, laut und wesentlich durch die KPD, das Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter (vgl. 25.3.1974) von über 150 Mitgliedern der IGM, CPK, ÖTV, DruPa, DPG, DAG, HBV, GEW, BSE und GLF gegründet, das für eine Beteiligung an der KPD-Demonstration und einen oppositionellen Block beim DGB eintritt.
Q: Rote Fahne Nr.14,Dortmund 3.4.1974

25.03.1974:
In Berlin wird vermutlich noch in dieser Woche die Plattform des Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter (vgl. 24.3.1974, 1.4.1974) mit einem Umfang von 6 Seiten DIN A 4 und keiner presserechtlichen Verantwortung veröffentlicht. Die Sitzungen des Komitees finden bei Max und Moritz in Kreuzberg statt. Eingegangen wird u.a. auf den DGB, die Deutsche Reichsbahn (DR), die SEW bei der BVG, auf den Öffentlichen Dienst (ÖD), die Berufsverbote (BV) und Unvereinbarkeitsbeschlüsse (UVB), auf Ausländer, Rentner, Lehrlinge und Jungarbeiter, Krankenhäuser und die Metallbetriebe Daimler-Benz, Flohr-Otis und SEL.
Q: Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter 1974:Plattform,Berlin 1974

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01.04.1974:
In Berlin gibt vermutlich in dieser Woche das Maikomitee (MK) oppositioneller Gewerkschafter der KPD (vgl. 25.3.1974) erstmals seine Zeitung '1. Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse' (vgl. 8.4.1974) mit zwei Seiten DIN A 3 heraus. Die presserechtliche Verantwortung übernimmt Ursula Heist.

Die SEW habe bei der BVG mit Hilfe ihrer Deutschen Reichsbahn (DR) den Streik gebrochen und mobilisiere für ihre eigene Demonstration in Neukölln.

Im Maikomitee seien KollegInnen aus folgenden Betrieben oder Bereichen:
- aus dem Bereich der IG Bau (BSE) vom Architekturbüro Bautechnik;
- aus dem Bereich der IG Chemie (CPK) von Schering;
- aus dem Bereich der IG DruPa (DP) von der Bundesdruckerei und von Systemdruck;
- aus dem Bereich des FDGB der DDR von der Deutschen Reichsbahn (DR);
- aus dem Bereich der HBV vom Kaufhaus Denninger und von Hertie;
- aus dem Bereich der IG Metall (IGM) von AEG Brunnenstraße und Schwedenstraße, Borsig, Daimler-Benz Marienfelde, DTW, DWM, Flohr-Otis, Feiler, Gerb, Gillette, Krone, Kraecker, KWU, Siemens Gartenfeld, Röhrenwerk und Wernerwerk und Wagner Computer;
- aus dem Bereich der ÖTV von den Bezirksämtern (BZA) Kreuzberg und Wilmersdorf und aus den Krankenhäusern Urban-, Neukölln, Moabit, Rudolf Virchow Krankenhaus (RVK), Auguste Viktoria (AVK), Mariendorfer Weg und dem FU-Klinikum Steglitz.
- aus dem Bereich der DPG vom Postscheckamt (PSA);
sowie aus GEW, DAG und GLF.

Berichtet wird aus dem ÖTV-Bereich Gesundheit von den Krankenhäusern, dem nichtärztlichen Medizinischen Personal, über Auszubildende in der Betriebsgruppe (BG) Urbankrankenhaus und von den Mitgliederversammlungen (MV) des Bundes freier Schwestern und Pfleger, wo u.a. Schüler und Lehrlinge vertreten waren, und in der Fachgruppe (FG) Krankengymnastik, wo über die privaten Schulen beraten wurde.
Q: 1. Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse Nr.1,Berlin 1974

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01.04.1974:
In der Abteilung Wissenschaft und Forschung (WiFo) der ÖTV Berlin wird, laut KPD, vermutlich in dieser Woche ein Beschluß gegen die Anwendung der Unvereinbarkeitsbeschlüsse (UVB) auch auf Kampfausschüsse (KA) und Kampfkomitees (KK) gefaßt.
Q: 1. Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse Nr.2,Berlin 1974

02.04.1974:
Bei Daimler Benz Berlin gibt die KPD die Nr.4 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (vgl. 12.3.1974) heraus. Außer mit dem 1.Mai und der Betriebsversammlung befaßt man sich noch mit den Duschen und Umkleideräumen sowie dem MTM-System und druckt das RGO-Lied ab.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse - Ausgabe Daimler Benz Westberlin Nr.4,Berlin 2.4.1974

03.04.1974:
In der Nr.14 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 27.3.1974, 10.4.1974) befaßt sich die KPD u.a. mit dem 1.Mai. Aus Berlin wird u.a. berichtet von der Gründung des Maikomitees (MK) (vgl. 24.3.1974), welches u.a. einen oppositionellen Block beim DGB bilden will. Eingegangen wird hierbei auf die Hauptabteilung Gesundheit der ÖTV, den Bund freier Schwestern und Pfleger, die KrankengymnastInnen, die Auszubildenden im nichtärztlichen Personal und auf die Haltung der SEW zum 1.Mai.
Q: Rote Fahne Nr.14,Dortmund 3.4.1974

08.04.1974:
In Berlin wird, laut KPD, vermutlich in dieser Woche ein Offener Brief an die SEW für eine Beteiligung an der DGB-Demonstration durch ÖTV-Mitglieder aus den Betriebsgruppen (BG) Rathaus Steglitz, Max Planck Institut (MPI) für Bildungsforschung, Amerika Gedenkbibliothek (AGB), Technische Universität (TU), Hahn-Meitner Institut (HMI), Freie Universität (FU), Bezirksamt (BZA) Tiergarten, Urbankrankenhaus und Krankenhaus Neukölln sowie dem Arbeitskreis (AK) Transport und der Fachgruppe (FG) Bibliotheken verfaßt, der auch unterstützt werde von ÖTV-Mitgliedern aus dem Bezirksamt (BZA) Neukölln, dem Auguste Viktoria Krankenhaus (AVK), dem Rudolf Virchow Krankenhaus (RVK), der Betriebsgruppe Max Planck Institut (MPI) für molekulare Genetik, Gerichtsreferendaren, aus dem Bereich Sozialarbeit und von der Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (FHSS) sowie von Mitgliedern der GEW Fachgruppe (FG) Sozialpädagogik und der IG BSE Jugendgruppe (JG) Süd.
Q: Rote Fahne Nr.16,Dortmund 17.4.1974; 1. Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse Nr.3,Berlin 1974

08.04.1974:
In Berlin gibt vermutlich in dieser Woche das Maikomitee (MK) oppositioneller Gewerkschafter der KPD seine Zeitung '1. Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse' Nr.2 (vgl. 1.4.1974, 15.4.1974) mit 4 Seiten DIN A 3 heraus, in der es sich mit der SEW befaßt. Man selbst will auf der DGB-Demonstration einen oppositionellen Block bilden.

Im Maikomitee seien KollegInnen aus folgenden Betrieben oder Bereichen:
- aus dem Bereich der IG Bau (BSE) vom Architekturbüro Bautechnik;
- aus dem Bereich der IG Chemie (CPK) von Schering;
- aus dem Bereich der IG DruPa (DP) von der Bundesdruckerei und nun ohne Systemdruck;
- aus dem Bereich des FDGB der DDR von der Deutschen Reichsbahn (DR);
- aus dem Bereich der HBV vom Kaufhaus Denninger und von Hertie;
- aus dem Bereich der IG Metall (IGM) von AEG Brunnenstraße und
Schwedenstraße, Borsig, Daimler-Benz Marienfelde, DTW, DWM, Flohr-Otis, Feiler, Gerb, Gillette, Krone, Kraecker, KWU, Siemens Gartenfeld, Röhrenwerk und Wernerwerk und Wagner Computer;
- aus dem Bereich der ÖTV von den Bezirksämtern (BZA) Kreuzberg und Wilmersdorf und aus den Krankenhäusern Urban-, Neukölln, Moabit, Rudolf Virchow Krankenhaus (RVK), Auguste Viktoria (AVK), Mariendorfer Weg und dem FU-Klinikum Steglitz sowie neuerdings auch dem Waldkrankenhaus.
- aus dem Bereich der DPG vom Postscheckamt (PSA);
sowie aus GEW, DAG und GLF.

Berichtet wird:
- aus dem Bereich der IG DruPa (DP) von DJU und Officina, aus dem DruPa Ortsverein (OV) von den Hilfskräften, Frauen, Lehrlingen, Gehilfen im 1. und 2. Jahr;
- aus dem Bereich der HBV von der Neuen Heimat (NH) des DGB in Südvietnam;
- aus dem Bereich der IG Metall (IGM) von den 20 Frauen des Prüffeldes 22 bei AEG SF Brunnenstraße, von Krone (2 000 Besch.) in Zehlendorf von der eigenen Gruppe oppositioneller Gewerkschafter (GOG), der Betriebsgruppe (BG) 'Klassenkampf' Krone und der SEW, vom Siemens Hausgerätewerk (HGW) über Frauen und Türken;
- aus der ÖTV von der Abteilung Wissenschaft und Forschung (WiFo) (vgl. 1.4.1974), von der BVG von der SEW und den Busbahnhöfen Cicerostraße, Hindenburgdamm und Winfriedstraße sowie aus dem Bereich Gesundheit von den Schwesternheimen der Krankenhäuser, über Auszubildende im Klinikum Steglitz und das Urbankrankenhaus;
sowie aus dem Bereich der DPG allgemein von der Post.
Q: 1. Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse Nr.2,Berlin 1974

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08.04.1974:
In Berlin-Wedding verabschiedet die ÖTV Betriebsgruppe (BG) Rudolf Virchow Krankenhaus (RVK) vermutlich in dieser Woche, laut KPD, eine Resolution gegen die Räumung des Jugendzentrums (JZ) Putte (vgl. 4.4.1974).
Q: 1. Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse Nr.3,Berlin 1974

10.04.1974:
In der Nr.15 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 3.4.1974, 17.4.1974) befaßt sich die KPD u.a. aus Berlin mit dem Maikomitee (MK), in dem Mitglieder der IGM, der CPK, der DruPa, der BSE, der DAG, der DPG, der HBV, der GEW, der ÖTV und Beschäftigte der Metallbetriebe AEG Brunnenstraße und Schwedenstraße, Borsig, Flohr-Otis, Feiler, Daimler-Benz, DTW, Gerb, DWM, Gillette, Kraecker, Krone, KWU, Siemens Gartenfeld und Röhrenwerk und Wernerwerk sowie Wagner Computer, der Druckbetriebe Bundesdruckerei und Systemdruck, des Chemiebetriebes Schering, des Architekturbüros Bautechnik AG, der Kaufhäuser Denninger und Hertie, des Postscheckamtes (PSA) , der Deutschen Reichsbahn (DR), der Bezirksämter (BZA) Kreuzberg und Wilmersdorf sowie der Krankenhäuser Neukölln, Moabit, Mariendorfer Weg, Rudolf Virchow (RVK), Auguste Viktoria (AVK) und Klinikum Steglitz mitarbeiten.
Q: Rote Fahne Nr.15,Dortmund 10.4.1974

15.04.1974:
Der DGB Berlin beginnt vermutlich in dieser Woche, laut KPD, mit dem Aufstellen von Schlägertrupps zum 1.Mai.
Q: Rote Fahne Nr.17,Dortmund 24.4.1974

15.04.1974:
In Berlin gibt vermutlich in dieser Woche das Maikomitee (MK) oppositioneller Gewerkschafter der KPD seine Zeitung '1. Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse' Nr.3 (vgl. 8.4.1974) mit 4 Seiten DIN A 3 heraus.

Im Maikomitee seien KollegInnen aus folgenden Betrieben oder Bereichen:
- aus dem Bereich der IG Bau (BSE) vom Architekturbüro Bautechnik;
- aus dem Bereich der IG Chemie (CPK) von Schering;
- aus dem Bereich der IG DruPa (DP) von der Bundesdruckerei und von neuerdings Springer;
- aus dem Bereich des FDGB der DDR von der Deutschen Reichsbahn (DR);
- aus dem Bereich LehrerInnen der GEW;
- aus dem Bereich der HBV vom Kaufhaus Denninger und von Hertie;
- aus dem Bereich der IG Metall (IGM) von AEG, Borsig, Daimler-Benz
Marienfelde, DTW, DWM, Flohr-Otis, Krone, KWU, Siemens und Wagner Computer,
neuerdings auch SEL, nicht mehr genannt werden Feiler, Gerb, Gillette und Kraecker;
- aus dem Bereich der ÖTV von den Bezirksämtern (BZA) Kreuzberg und Wilmersdorf, sowie neuerdings auch Neukölln, Spandau und Tempelhof, und aus den Krankenhäusern Urban-, Neukölln, Moabit, Rudolf Virchow (RVK), Auguste Viktoria (AVK), Mariendorfer Weg und nicht mehr dem FU-Klinikum Steglitz dafür neuerdings mit dem A. Achilles Krankenhaus, den Kinderkliniken Charlottenburg und Wedding, der Landesnervenklinik, sowie neuerdings aus dem Bereich aus dem Bereich Sozialarbeit, aus der Abteilung Wissenschaft und Forschung (WiFo) von den anderen Dienstkräften (AD) von FU und TU; sowie aus DAG, GLF und neuerdings NGG.

Eingegangen wird auch auf Türken, Griechen und Jugoslawen.

Aus dem Bereich der DPG wird das Postscheckamt (PSA) nicht mehr aufgeführt.

Berichtet wird:
- aus dem Bereich der IG Chemie (CPK) über Frauen und Ausländer im OJA der Verwaltungsstelle;
- aus dem Bereich der IG Metall (IGM) von den Unvereinbarkeitsbeschlüssen (UVB) (vgl. 19.2.1974), u.a. bei der Jugendgruppe AEG (JG AEG)und bei DTW sowie auf die IGM Jugendgruppen (JG) und den IGM OJA;
sowie aus dem Bereich der ÖTV vom Offenen Brief an die SEW (vgl. 8.4.1974), von der Senatsbauverwaltung am Fehrbelliner Platz, sowie aus dem Bereich Gesundheit aus der Fachgruppe Krankengymnastik (FGKG) über Privatschulen, von der Betriebsgruppe Rudolf Virchow Krankenhaus (BGRVK) (vgl. 8.4.1974), auch über Schüler und Lehrlinge, vom nichtärztlichen Medizinischen Personal, u.a. an kirchlichen Krankenhäusern, über Lehrlinge in der Betriebsgruppe Urbankrankenhaus (BGUK) und Lehrlinge und Schüler in der BG des Krankenhauses Neukölln (BGNK) sowie im Bund freier Schwestern und Pfleger (BFSP), aus der Fachgruppe Sozialarbeit (FGSA) aus den Heimen, dem Öffentlichen Dienst allgemein und von den Auszubildenden, aus der Abteilung Wissenschaft und
Forschung (WiFo) u.a. aus der BG Freie Universität (BGFU) und auch über den Arbeitskreis Transport (AKTr).
Q: 1. Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse Nr.3,Berlin 1974

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22.04.1974:
Bei DTW Berlin erscheinen in einer gemeinsamen Ausgabe die 'Kommunistische Arbeiterpresse' der KPD Nr.18 (vgl. 14.5.1974) und die 'Kommunistische Jugendpresse' des KJV Nr.7 . U.a. wird auch über den 1.Mai berichtet (vgl. 27.4.1974, 29.4.1974, 1.5.1974) wobei man u.a. ausführt:"
Nachdem die Maiplaketten der Gewerkschaftsbonzen schon vom KBW ('Der Metallarbeiter') im Betrieb verkauft werden," suche der DGB jetzt noch Transparentträger für den 1.Mai, daß sollten die Bonzen doch lieber selber tun.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse - Ausgabe DeTeWe Nr.18,Berlin 22.4.1974; Kommunistische Jugendpresse - DeTeWe Nr.7,Berlin 22.4.1974

24.04.1974:
Der KJV der KPD gibt seine 'Kämpfende Jugend' (KJ) Nr.8 (vgl. 10.4.1974, 8.5.1974) heraus. Aufgerufen wird zur Maidemonstration im Wedding und zur Veranstaltung der KPD (vgl. 30.4.1974), eingegangen wird auch auf das Maikomitee (MK) sowie auf den 1. Mai 1929 und 1973.
Q: Kämpfende Jugend Nr.8,Dortmund 24.4.1974,S. 1 und 4f

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27.04.1974:
In Berlin will heute das, der KPD-nahestehende, Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter seine Maiveranstaltung durchführen.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse - Ausgabe DeTeWe Nr.18,Berlin 22.4.1974; Kommunistische Jugendpresse - DeTeWe Nr.7,Berlin 22.4.1974

28.04.1974:
In Berlin führt die KPD/ML (vgl. 22.4.1974) heute ihre Maiveranstaltung durch. Sie selbst (vgl. 11.5.1974) zählt rund 800 Teilnehmende.
Q: Roter Morgen Sdr.Nr. zum 1.Mai 1974, Nr. 17 und 19,Dortmund 1974 27.4.1974 bzw. 11.5.1974

28.04.1974:
Die KG Westberlin des KBW (vgl. 17.4.1974) rief auf zur Großveranstaltung zum 1.Mai, auf der J. Schmierer spricht.
Q: KVZ-Ortsbeilage Westberlin Nr.8,Berlin 17.4.1974,S.2

29.04.1974:
In Berlin wollte heute die KPD ihre Maiveranstaltung durchführen, tut dies aber vermutlich erst morgen.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse - Ausgabe DeTeWe Nr.18,Berlin 22.4.1974; Kommunistische Jugendpresse - DeTeWe Nr.7,Berlin 22.4.1974

30.04.1974:
In Berlin führt die KPD ihre Maiveranstaltung durch, der KJV kündigte sie für gestern an.
Q: Rote Fahne Nr.18,Dortmund 2.5.1974; Kämpfende Jugend Nr.8,Dortmund 24.4.1974

01.05.1974:
In Westberlin kommen laut KB ca. 30 000 Menschen zur DGB-Demonstration. Die KB/Gruppe Westberlin und die Arbeitergruppe Westberlin "hatten sich zur Teilnahme an der SEW-Demonstration entschlossen und mit Flugblättern dazu aufgerufen. … Etwa 15 - 20. 000 Menschen nahmen an der SEW-Demonstration teil, darunter etwa 200 in einem Block des KB und AG." KPD und KPD/ML führten eigene Demonstrationen durch.

Zur DGB-Demonstration am Hohenzollerndamm wurde u.a. durch ein Flugblatt "Heraus zum 1.Mai" aufgerufen, welches von GIM, Spartacusbund - Ortsgruppe Westberlin und den Kommunistischen Arbeiter Basis Gruppen Berlin (KABB) um Paul H. Druschky unterzeichnet ist.

Auf der DGB-Demonstration mit 30 000 Personen führt die KPD eine Kundgebung mit, nach eigenen Angaben, 15 000 ZuhörerInnen durch. Anwesend beim DGB sind auch die JU der CDU und die KG Westberlin des KBW.

Laut und mit den 'Politischen Briefen' gibt es auf der DGB-Demonstration einen Block der SJD Die Falken mit 200 Leuten und je einen Block der Jusos der SPD Charlottenburg und Wilmersdorf.

Innerhalb des Spartacusbundes (SpB) berichtet das ZK (vgl. 25.5.1974):"
BERLIN: Hier wurde festgestellt, dass die Berliner OG den ZK-Beschluß zum 1.Mai gebrochen hat, da sie NICHT als Organisation (egal ob mit Transparent (…) oder Fahnen, Transparentebeschriftungen), sondern als Komitee o. etwas ähnliches aufgetreten ist. Das verwundert umso mehr, als die Kritik der Berliner an der Mai-Kampagne immer darauf pochte, daß das 'politische' Auftreten mit dem 'vollen' Programm in dem Vordergrund stehen müßte. So fällt auf, das der Maiaufruf in Berlin zwar in haarsträubender ultimatistischer Weise 'verbessert' wurde ('Proletarier aller Länder…' und 'Alle Macht in Arbeiterhand'), die praktischen Aktivitäten jedoch zutiefst opportunistisch waren. Die Kritik der SEW von rechts (alle Gewerkschafter auf die Gewerkschaftsdemo, wo sie hingehören, und völliges Versacken in der Aktionseinheit mit GIM und KABB (ex-SDA,d.Vf.). Wir konnten die Diskussion mit den Berliner Genossen noch nicht führen (2 ZK-Genossen … sollen in der nächsten Zeit nach Berlin fahren) und haben auch noch keine Erklärung der Berliner OL bekommen, glauben aber doch, das sich die Berliner Genossen selbst einem unverständlichen Druck der Berliner SL-Tendenz inclusive des ausgeschlossenen X., unterwerfen, der ihr Verhalten erklärt. Der versuch sich in den LOSUNGEN politisch zu profilieren – und völliger Opportunismus (was sicher nicht nur eine technische Panne war) in der gewerkschaftlichen Aktion. Wir bitten die Berliner möglichst Stellung zu nehmen. (Bevor die ZK-Genossen anreisen!)"

Aus der Fachgruppe (FG) Architektur- und Ingenieurbüros der IG Bau (BSE) beteiligen sich, laut und mit KPD, 20 Mitglieder an der Maidemonstration des DGB. Die SEW demonstriert, laut KPD, mit anfangs 7 000 später 10 000 durch Neukölln.

An ihrer Demonstration im Wedding ab Leopoldplatz beteiligen sich, laut KPD, erst 6 000, später wird auch die Zahl 5 000 verbreitet. Die Zelle AEG Telefunken beteiligt sich, nach eigenen Angaben, mit einem Block von 18 Personen an der KPD Demonstration.

Laut KBW (vgl. 15.5.1974) nehmen ca. 8O OOO Menschen an der DGB-Demonstration teil. Die SEW rief zu einer eigenen Mai-Demonstration auf, an der sich ca. 15 OOO Menschen beteiligt haben sollen. An einer Kundgebung des KBW nahmen ca. 2 OOO Menschen teil. Weiter heißt es, zunächst zur KPD/ML:"
Völlig isoliert hat sich die Gruppe Roter Morgen, aufgrund ihrer absurden Einschätzung, der DGB sei genauso ein imperialistischer Apparat wie die Bundeswehr, hatten sie nicht zur Teilnahme an der DGB-Demonstration aufgerufen und demonstrierte mit etwa 5OO bis 6OO Menschen im Wedding. Auch der Einfluß der Gruppe Rote Fahne(KPD), die im Wedding die 'Parteidemonstration' durchführte, ist gegenüber dem letzten Jahr zurückgegangen. Um 3 OOO Menschen demonstrierten mit ihr."

Laut KPD/ML (vgl. 11.5.1974) beteiligen sich 600 bis 700, u.a. Palästinenser und griechische ML an ihrer Demonstration, während die KPD beim DGB mitgelaufen sei.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.10,Mannheim 15.5.1974; Politische Briefe Nr.3/4,Berlin o.J. (Mai 1974); Rote Fahne Nr.17, 18, 19, 24 und 27,Dortmund 24.4.1974, 2.5.1974, 8.5.1974, 12.6.1974 bzw. 3.7.1974; Kämpfende Jugend Nr.8 und 9,Dortmund 24.4.1974 bzw. 8.5.1974; Kommunistische Arbeiterpresse - Ausgabe DeTeWe Nr.18,Berlin 22.4.1974; Kommunistische Jugendpresse - DeTeWe Nr.7,Berlin 22.4.1974; GIM, Spartacusbund- Ortsgruppe Westberlin und Kommunistische Arbeiter Basis Gruppen Berlin (KABB):Heraus zum 1.Mai,Berlin o.J. (1974); Klassenkampf Nr.35,Frankfurt Mai 1974; Arbeiterkampf Extrablatt zum 1.5.1974 und Nr.44,Hamburg 1974 bzw. 22.5.1974, o.S. bzw. S.13; Roter Morgen Nr.17 und 19,Dortmund 27.4.1974 bzw. 11.5.1974; Spartacusbund:Internes Bulletin Nr.8,o.O. Juli 1974

01.05.1974:
In Westberlin kommen laut KB ca. 30 000 Menschen zur DGB-Demonstration. Die KB/Gruppe Westberlin und die Arbeitergruppe Westberlin "hatten sich zur Teilnahme an der SEW-Demonstration entschlossen und mit Flugblättern dazu aufgerufen. … Etwa 15 - 20. 000 Menschen nahmen an der SEW-Demonstration teil, darunter etwa 200 in einem Block des KB und AG." KPD und KPD/ML führten eigene Demonstrationen durch.

Zur DGB-Demonstration am Hohenzollerndamm wurde u.a. durch ein Flugblatt "Heraus zum 1.Mai" aufgerufen, welches von GIM, Spartacusbund - Ortsgruppe Westberlin und den Kommunistischen Arbeiter Basis Gruppen Berlin (KABB) um Paul H. Druschky unterzeichnet ist.

Auf der DGB-Demonstration mit 30 000 Personen führt die KPD eine Kundgebung mit, nach eigenen Angaben, 15 000 ZuhörerInnen durch. Anwesend beim DGB sind auch die JU der CDU und die KG Westberlin des KBW.

Laut und mit den 'Politischen Briefen' gibt es auf der DGB-Demonstration einen Block der SJD Die Falken mit 200 Leuten und je einen Block der Jusos der SPD Charlottenburg und Wilmersdorf.

Innerhalb des Spartacusbundes (SpB) berichtet das ZK (vgl. 25.5.1974):"
BERLIN: Hier wurde festgestellt, dass die Berliner OG den ZK-Beschluß zum 1.Mai gebrochen hat, da sie NICHT als Organisation (egal ob mit Transparent (…) oder Fahnen, Transparentebeschriftungen), sondern als Komitee o. etwas ähnliches aufgetreten ist. Das verwundert umso mehr, als die Kritik der Berliner an der Mai-Kampagne immer darauf pochte, daß das 'politische' Auftreten mit dem 'vollen' Programm in dem Vordergrund stehen müßte. So fällt auf, das der Maiaufruf in Berlin zwar in haarsträubender ultimatistischer Weise 'verbessert' wurde ('Proletarier aller Länder…' und 'Alle Macht in Arbeiterhand'), die praktischen Aktivitäten jedoch zutiefst opportunistisch waren. Die Kritik der SEW von rechts (alle Gewerkschafter auf die Gewerkschaftsdemo, wo sie hingehören, und völliges Versacken in der Aktionseinheit mit GIM und KABB (ex-SDA,d.Vf.). Wir konnten die Diskussion mit den Berliner Genossen noch nicht führen (2 ZK-Genossen … sollen in der nächsten Zeit nach Berlin fahren) und haben auch noch keine Erklärung der Berliner OL bekommen, glauben aber doch, das sich die Berliner Genossen selbst einem unverständlichen Druck der Berliner SL-Tendenz inclusive des ausgeschlossenen X., unterwerfen, der ihr Verhalten erklärt. Der versuch sich in den LOSUNGEN politisch zu profilieren – und völliger Opportunismus (was sicher nicht nur eine technische Panne war) in der gewerkschaftlichen Aktion. Wir bitten die Berliner möglichst Stellung zu nehmen. (Bevor die ZK-Genossen anreisen!)"

Aus der Fachgruppe (FG) Architektur- und Ingenieurbüros der IG Bau (BSE) beteiligen sich, laut und mit KPD, 20 Mitglieder an der Maidemonstration des DGB. Die SEW demonstriert, laut KPD, mit anfangs 7 000 später 10 000 durch Neukölln.

An ihrer Demonstration im Wedding ab Leopoldplatz beteiligen sich, laut KPD, erst 6 000, später wird auch die Zahl 5 000 verbreitet. Die Zelle AEG Telefunken beteiligt sich, nach eigenen Angaben, mit einem Block von 18 Personen an der KPD Demonstration.

Laut KBW (vgl. 15.5.1974) nehmen ca. 8O OOO Menschen an der DGB-Demonstration teil. Die SEW rief zu einer eigenen Mai-Demonstration auf, an der sich ca. 15 OOO Menschen beteiligt haben sollen. An einer Kundgebung des KBW nahmen ca. 2 OOO Menschen teil. Weiter heißt es, zunächst zur KPD/ML:"
Völlig isoliert hat sich die Gruppe Roter Morgen, aufgrund ihrer absurden Einschätzung, der DGB sei genauso ein imperialistischer Apparat wie die Bundeswehr, hatten sie nicht zur Teilnahme an der DGB-Demonstration aufgerufen und demonstrierte mit etwa 5OO bis 6OO Menschen im Wedding. Auch der Einfluß der Gruppe Rote Fahne(KPD), die im Wedding die 'Parteidemonstration' durchführte, ist gegenüber dem letzten Jahr zurückgegangen. Um 3 OOO Menschen demonstrierten mit ihr."

Laut KPD/ML (vgl. 11.5.1974) beteiligen sich 600 bis 700, u.a. Palästinenser und griechische ML an ihrer Demonstration, während die KPD beim DGB mitgelaufen sei.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.10,Mannheim 15.5.1974; Politische Briefe Nr.3/4,Berlin o.J. (Mai 1974); Rote Fahne Nr.17, 18, 19, 24 und 27,Dortmund 24.4.1974, 2.5.1974, 8.5.1974, 12.6.1974 bzw. 3.7.1974; Kämpfende Jugend Nr.8 und 9,Dortmund 24.4.1974 bzw. 8.5.1974; Kommunistische Arbeiterpresse - Ausgabe DeTeWe Nr.18,Berlin 22.4.1974; Kommunistische Jugendpresse - DeTeWe Nr.7,Berlin 22.4.1974; GIM, Spartacusbund- Ortsgruppe Westberlin und Kommunistische Arbeiter Basis Gruppen Berlin (KABB):Heraus zum 1.Mai,Berlin o.J. (1974); Klassenkampf Nr.35,Frankfurt Mai 1974; Arbeiterkampf Extrablatt zum 1.5.1974 und Nr.44,Hamburg 1974 bzw. 22.5.1974, o.S. bzw. S.13; Roter Morgen Nr.17 und 19,Dortmund 27.4.1974 bzw. 11.5.1974; Spartacusbund:Internes Bulletin Nr.8,o.O. Juli 1974

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06.06.1974:
Der Kommunistische Jugendverband (KJV) der KPD gibt die Nr.10/11 seiner 'Kämpfenden Jugend' (KJ - vgl. 8.5.1974, 26.6.1974) heraus. Aus Berlin wird auch berichtet vom 1. Mai.
Q: Kämpfende Jugend Nr.10/11,Dortmund 6.6.1974,S.3

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April 1975:
In Berlin erscheint die 'Betrieb und Gewerkschaft' – Zeitung für die Arbeiter und Angestellten der chemischen Industrie – im April mit den Nummern 25 und 26 (vgl. März 1975). Als Beilage zur Nr. 26 erscheint das Extrablatt von 'Express' und 'Plakat' des Sozialistischen Büros zum 1.Mai.
Q: Betrieb und Gewerkschaft Nr.25 und 26,Berlin Apr. 1975

April 1975:
In Berlin erscheint die 'Betrieb und Gewerkschaft' – Zeitung für die Arbeiter und Angestellten der chemischen Industrie – im April mit den Nummern 25 und 26 (vgl. März 1975). Als Beilage zur Nr. 26 erscheint das Extrablatt von 'Express' und 'Plakat' des Sozialistischen Büros zum 1.Mai.
Q: Betrieb und Gewerkschaft Nr.25 und 26,Berlin Apr. 1975

April 1975:
In Berlin gibt die Ortsgruppe des Spartacusbundes ihre 'Spartacus - Maizeitung' heraus, in der u.a., bezüglich des Paragraphen 218 festgestellt wird, daß KPD, KBW und KB ihre eigene Demonstration durchgeführt hätten, während man selbst mit den Frauengruppen (vgl.1.3.1975) demonstrierte. Berichtet wird auch über eine, gemeinsam mit der GIM durchgeführte, Solidaritätsaktion für die streikenden belgischen Arbeiter von Glaverbel Gilly, vor dem Gladbecker Schwesterbetrieb BSN Flachglas.
Q: Spartacusbund-OG Westberlin:Spartacus - Maizeitung,Berlin Apr. 1975

April 1975:
In Berlin gibt der Spartacusbund (SpB) vermutlich im April ein Flugblatt "Am 1. Mai … mit dem Spartacusbund" heraus, in dem u.a. auf Audi Neckarsulm eingegangen wird. Verantwortlich zeichnet D. Storck in Essen, Kontakt ist über Ulf Döhlmann in Berlin möglich.
Q: Spartacusbund-OG Westberlin:Am 1.Mai … mit dem Spartacusbund,Berlin o.J. (1975)

02.04.1975:
In Berlin wird, laut und mit KPD, das Maikomitee (MK) oppositioneller Gewerkschafter von über 100 GewerkschafterInnen aus 30 Betrieben und 7 Gewerkschaften gegründet.
Dieses Komitee (vgl. 21.4.1975) veröffentlicht auch eine Plattform von 6 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von H. Lechner, in der u.a. eingegangen wird auf Arbeitslose, SEL (IGM-Bereich), Stübbe Demag Kalldorf (IGM-Bereich) und Seibel Erwitte (CPK-Bereich) in NRW, die Polizei, den öffentlichen Dienst (ÖD), wo u.a. SEW, KPD und KBW tätig sind, auf die 70 DGB-Ausschlußverfahren aufgrund der UVB in Berlin, auf ABM-Maßnahmen für Wald- und Forstarbeiter, die Krankenhäuser (ÖTV-Bereich), auf Kreuzberg, Jugendlichen (auch Arbeitslose), Frauen und Ausländer. Aktiv wird das Komitee auch im DP-Bereich (vgl. 21.4.1975).
Q: Rote Fahne Nr.15,Dortmund 16.4.1975; Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter:1.Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse Plattform,Berlin o.J. (1975)

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07.04.1975:
In Berlin gibt das Maikomitee (MK) oppositioneller Gewerkschafter der KPD (vgl. 2.4.1975, 25.4.1975) vermutlich in dieser Woche ein Flugblatt von zwei Seiten DIN A3 heraus, in dem es seine eigene Gründung bekanntgibt und u.a. berichtet aus der ÖTV-Betriebsgruppe am Urbankrankenhaus, aus der IG Chemie von der Chemietarifrunde und aus der IG Druck und Papier, von Krone, SEL, Siemens, Flohr-Otis und aus dem ABM-Programm.
Q: Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter:1.Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse,Berlin o.J. (1975)

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21.04.1975:
In Berlin gibt das Maikomitee (MK) oppositioneller Gewerkschafter der KPD (vgl. 2.4.1975, 25.4.1975) vermutlich spätestens Anfang dieser Woche ein Flugblatt von 4 Seiten DIN A 3 unter Verantwortung von H. Lechner heraus, in dem u.a. eingegangen wird auf VW Salzgitter (IGM-Bereich) in Niedersachsen, Audi Neckarsulm (IGM-Bereich) in Baden-Württemberg, auf Vietnam, Kambodscha, den 1.Mai 1930, die Betriebsratswahlen (BRW) bei AEG Brunnenstraße, zu denen auch die Liste Alternative kandidiert, weswegen es IGM-Ausschlußverfahren aufgrund der UVB gibt, auf die ÖTV, die Fachgruppe Buchhandel und Verlage der HBV, wo es im Julius Springer Verlag fünf Ausschlußverfahren aufgrund der UVB gibt und auf die BG Kiepert.
Aufgerufen wird zur eigenen Veranstaltung am 25.4.1975 und zu den Demonstrationen der ÖTV und IGM am 1.Mai. Eingegangen wird auch auf die Initiative gegen Gewerkschaftsausschlüsse, politische Entlassungen und Berufsverbote (BV), die sich u.a. mit KHD Köln (IGM-Bereich) in NRW befaßt. Berichtet wird auch von den 5 Ausschlußverfahren gegen vermeintliche Anhänger von KBW und KPD in der ÖTV BG TU, über ÖTV BG und Maiauschuß am Krankenhaus Neukölln, den ÖTV BGs am Paulinenkrankenhaus und am AK Moabit, der GEW Fachgruppe Hauptschulen Neukölln und von den GEW Mitgliederversammlungen Neukölln und Kreuzberg.
Q: Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter:1.Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse,Berlin o.J. (1975)

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21.04.1975:
In Berlin erscheint vermutlich in dieser Woche eine 'Maizeitung' oppositioneller Gewerkschafter in der DruPa Kreuzberg - Maikomitee (MK) oppositioneller Gewerkschafter mit 10 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Christian Heinrich, Hedemannstr.12 - also dem Impressum des KPD RK Westberlin. Aufgerufen wird zu einem DruPa-Block auf der Maidemonstration der ÖTV in Kreuzberg und zur KPD-Demonstration ab Marheinekeplatz. Berichtet wird von einer Veranstaltung bei Mercator (vgl. 20.4.1975). In einem Aufruf an SEW-Kollegen wird u.a. auf die Prügeleien der FDJW der SEW in der DruPa-JG und das Eintreten der SEW für Ausschlußverfahren aufgrund der UVB gegen KPD-Kandidaten zu den Abgeordnetenhauswahlen (AW - vgl. 2.3.1975) bei Officina, der Bundesdruckerei und gegen eine Jugendvertreterin von Mercator (mittlerweile ausgeschlossen und entlassen) eingegangen. Berichtet wird auch vom Arbeitsgerichtsprozeß dieser Jugendvertreterin, von den Tarifrunden in der Papierverarbeitung und der Druckindustrie (DTR) sowie aus Indochina. Von den Betriebsratswahlen (BRW) wird berichtet von Krone (IGM-Bereich - vgl. **.*.1975) sowie aus dem DP-Bereich von Heenemann (vgl. **.*.1975) und Mercator (vgl. **.*.1975) sowie vom Auftreten des 'Umbruch' gegen die KPD.Die Gruppe hat ihren Treffpunkt in Kreuzberg bei Max und Moritz.
Q: Oppositionelle Gewerkschafter in der IG DruPa Kreuzberg:Maizeitung,Berlin o.J. (1975)

25.04.1975:
In Berlin will das Maikomitee (MK) oppositioneller Gewerkschafter der KPD (vgl. 21.4.1975, 28.4.1975) eine Maiveranstaltung in der Neuen Welt durchführen, zu der es u.a. mit einem Flugblatt aufruft.
Q: Rote Fahne Nr.16,Dortmund 23.4.1975; Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter:1.Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse,Berlin o.J. (1975)

25.04.1975:
In Berlin-Schöneberg will die KPD/ML eine Maiveranstaltung durchführen.
Q: Roter Morgen Nr.15,Dortmund 12.4.1975

26.04.1975:
In Berlin möchte der Spartacusbund (SpB) heute seine Maiveranstaltung bei Max und Moritz in Kreuzberg durchführen.
Q: Spartacusbund-OG Westberlin:Spartacus - Maizeitung,Berlin Apr. 1975; Spartacus Nr.15,Essen 14.4.1975

28.04.1975:
Der Spartacusbund (SpB) OG Westberlin gibt vermutlich in dieser Woche ein Flugblatt "Gegen alle Spaltungsmanöver - Für die Aktionseinheit der Linken zur Unterstützung des Kampfes der portugiesischen Arbeiter und Bauern!" heraus, in dem von der Portugal-AE (vgl. 12.4.1975, 19.4.1975) berichtet und zum eigenen Maifest sowie einer Spanien-Veranstaltung (vgl. 6.5.1975) aufgerufen wird.
Q: Spartacusbund-OG Westberlin:Gegen alle Spaltungsmanöver - Für die Aktionseinheit der Linken zur Unterstützung des Kampfes der portugiesischen Arbeiter und Bauern!,Berlin o.J. (Apr. 1975)

28.04.1975:
In Berlin gibt das Maikomitee (MK) oppositioneller Gewerkschafter der KPD (vgl. 25.4.1975, 1.5.1975) vermutlich in dieser Woche ein Flugblatt "Sickert's Hetze kann die oppositionellen Kollegen nicht zum Schweigen zwingen!" mit 2 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Helmut Lechner heraus, in dem u.a. von der Auflösung der ÖTV BG FU berichtet und aufgerufen wird zu den oppositionellen Blocks am 1.Mai und der Maidemonstration der KPD.
Q: Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter:Sickert's Hetze kann die oppositionellen Kollegen nicht zum Schweigen zwingen!,Berlin o.J. (1975)

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28.04.1975:
In Berlin-Neukölln will die KPD/ML eine Maiveranstaltung durchführen.
Q: Roter Morgen Nr.17,Dortmund 26.4.1975

29.04.1975:
In Berlin will die KPD eine Maiveranstaltung in der Neuen Welt durchführen.
Q: Rote Fahne Nr.16,Dortmund 23.4.1975

30.04.1975:
In Berlin will die KPD ein Maifest in der TU (TUB) durchführen.
Q: Rote Fahne Nr.16,Dortmund 23.4.1975

30.04.1975:
In Berlin möchte heute der Spartacusbund sein Maifest im Nachbarschaftsheim Neukölln abhalten.
Q: Spartacusbund-OG Westberlin:Gegen alle Spaltungsmanöver - Für die Aktionseinheit der Linken zur Unterstützung des Kampfes der portugiesischen Arbeiter und Bauern!,Berlin o.J. (Apr. 1975)

01.05.1975:
Laut KB beteiligen sich in Berlin ca. 25 000 an den Maiaktionen.

Die KPD/ML rief zu einer Demonstration von 20 Organisationen auf. Unter deren 3 000 Teilnehmern habe man dann einen KPD/ML-Block mit ca. 500 Personen gebildet. Eine Veranstaltung in der TU sei gemeinsam mit der KPD durchgeführt worden.

In Berlin wollen die KPD und ihr Maikomitee (MK) oppositioneller Gewerkschafter (vgl. 28.4.1975) oppositionelle Blocks auf den Maidemonstrationen der ÖTV ab Rathaus Kreuzberg und der IGM ab Bayrischer Platz organisieren. Zur folgenden Maidemonstration der KPD ab Marheinekeplatz riefen auch das MK (vgl. 28.4.1975) und oppositionelle DP-Mitglieder auf (vgl. 21.4.1975). Bei der Maiaktionseinheit mit der KPD/ML gab es, laut KPD, Ärger. Insgesamt demonstriert weit mehr als 30 000, davon fast 15 000 bei der ÖTV, 2 000 bei der IGM, 250 im oppositionellen DP-Block, 150 bei der CPK und weitere u.a. von GEW und DPG. Die KPD-Demonstration nach den DGB-Zügen habe 4 000 Teilnehmer gehabt (plus 500 von der KPD/ML) und sei vom Rathaus Schöneberg nach Kreuzberg gezogen. Beteiligt hätten sich daran auch vier Arbeitslosenkomitees und das Komitee Weg mit dem ABM-Programm.

Der KBW führt eine Demonstration und/oder eine Kundgebung durch, die vom KBW selbst (vgl. 7.5.1975) zu den größten Aktionen dieser Art in diesem Jahr, mit Teilnehmerzahlen zwischen 500 und 2 000 gerechnet wird.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.18,Mannheim 7.5.1975; Rote Fahne Nr.16, 18 und 15,Köln 23.4.1975, 7.5.1975 bzw. 14.4.1976; Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter:1.Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse,Berlin o.J. (1975); Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter:Sickert's Hetze kann die oppositionellen Kollegen nicht zum Schweigen zwingen!,Berlin o.J. (1975); Oppositionelle Gewerkschafter in der IG DruPa Kreuzberg:Maizeitung,Berlin o.J. (1975); Roter Morgen Sdr.Nr. Zum Roten 1.Mai 75, Nr.17 und 19,Dortmund o.J. (1975),26.4.1975 bzw. 10.5.1975; Arbeiterkampf Nr.61,Hamburg 21.5.1975,S.19

01.05.1975:
In Berlin verteilt der Spartacusbund zum 1.Mai ein Flugblatt "Am 1.Mai", in dem aufgefordert wird mit dem Spartacusbund (SpB) zu demonstrieren.
Q: Spartacusbund:Am 1.Mai,Berlin 1975

01.05.1975:
Für die Berliner Demonstration ab Rathaus Kreuzberg mobilisiert u.a. der Spartacusbund (SpB).
Q: Spartacusbund-OG Westberlin:Spartacus - Maizeitung,Berlin Apr. 1975

21.03.1976:
In Berlin wird, laut und mit KPD, das Maikomitee (MK) oppositioneller Gewerkschafter 1976 gegründet. Die Initiative zu dem Treffen ging aus von ABM-Beschäftigten (ÖTV-Bereich), dem Arbeitertreff 'Alternative' bei AEG (IGM-Bereich) sowie von KollegInnen der ÖTV, die von politischen Entlassungen und Gewerkschaftsausschlüssen (UVB) betroffen seien. TeilnehmerInnen kommen u.a. auch aus der ÖTV, der DP, der DPG, der IGM Jugend und der GEW. Die KPD/ML verließ das Komitee, so daß die Plattform, die sich besonders gegen die SEW richtet, einstimmig verabschiedet werden konnte.
Q: Rote Fahne Nr.12,Köln 24.3.1976

31.03.1976:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr.13 (vgl. 24.3.1976, 7.4.1976) heraus.
Veröffentlicht wird die Plattform des Berliner Maikomitees (MK) oppositioneller Gewerkschafter.
Q: Rote Fahne Nr.13,Köln 31.3.1976

05.04.1976:
In Berlin wird, laut KPD, vermutlich in dieser bei Mercator ein Maikomitee (MK) gegründet.
Q: Rote Fahne Nr.15,Köln 14.4.1976,S.4

12.04.1976:
In Berlin wird, laut KPD, vermutlich in dieser Woche eine Erklärung für eine revolutionäre Maidemonstration gemeinsam von KPD, KJVD, KSV, KPD/ML, Roter Hilfe (RH) e.V., RHD, LgdI, der Initiative für einen BSLE, dem Arbeitersportverein (ASV) Solidarität, der VSK, der EKKE Griechenland, der AASPE Griechenland, der Frap Spanien und dem Iranischen Studentenverein verfaßt.

Der KBW, 'Wasserträger der SEW', dagegen halte die DGB-Demonstration für ausreichend:"
Der 2. Vorsitzende des Bezirksvorstandes der ÖTV hat bereits vorgeschlagen, den KBW aus den Unvereinbarkeitsbeschlüssen (UVB,d.Vf.) herauszunehmen."
Q: Rote Fahne Nr.16,Köln 21.4.1976,S.4

21.04.1976:
In Berlin gibt die Zelle SEL der KPD eine 'Kommunistische Arbeiterpresse' (KAP) heraus, die u.a. zur morgigen Neuköllner Maiveranstaltung aufruft.
Q: Rote Fahne Nr.17,Köln 28.4.1976

22.04.1976:
Die Stadtteilleitung Berlin-Neukölln der KPD führt ihre Maiveranstaltung bei Max und Moritz in Kreuzberg durch.
Aufgerufen wurde u.a. im IGM-Bereich bei SEL (vgl. 21.4.1976).
Q: Rote Fahne Nr.17,Köln 28.4.1976

22.04.1976:
In Berlin soll, laut KPD, eine Diskussion aller IGM-Jugendgruppen über den 1.Mai stattfinden.
Q: Rote Fahne Nr.16,Köln 21.4.1976

25.04.1976:
In Berlin führen, laut KPD, ihre Massenorganisationen LgdI, VSK, Initiative für einen BSLE und Rote Hilfe (RH) e.V. ein Kulturfest in der Hasenheide zur Vorbereitung des 1.Mai durch, an dem über 2 000 Personen teilnehmen, u.a. von der EKKE Griechenland, dem Iranischen Studentenverein (ISV) und aus der USA-Armee. U.a. tritt auch die Singegruppe der Roten Hilfe (RH) e.V. auf und die LgdI führt ein Theaterstück vor.
Q: Rote Fahne Nr.17 und 20,Köln 28.4.1976 bzw. 19.5.1976

26.04.1976:
In Berlin erscheint spätestens in dieser Woche ein Flugblatt des Maikomitees (MK) oppositioneller Gewerkschafter der KPD mit 2 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von U. Scherler, in dem unter dem Titel "1. Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse" aufgerufen wird an der revolutionären Demonstration ab Leopoldplatz teilzunehmen, wozu 23 deutsche und ausländische Organisationen aufrufen. Vorher solle man zum DGB gehen, nicht aber mit der SEW in Neukölln demonstrieren.
Q: Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter:1. Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse,Berlin o.J. (1976)

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29.04.1976:
In Berlin führt die KPD eine Maiveranstaltung mit Willi Jasper vom ZK durch.
Q: Rote Fahne Nr.16, 17, und 18,Köln 21.4.1976, 28.4.1976 bzw. 5.5.1976; Rote Fahne Pressedienst Nr.18,Köln 4.5.1976

01.05.1976:
1. Mai Demonstration in Westberlin.
Laut KB nehmen ca. 20 000 bis 25 000 Menschen an Mai-Demonstrationen teil. "Hierbei kam es zu den schärfsten Auseinandersetzungen zwischen den demonstrierenden Massen und den DGB- und SPD-Führern, die über 1 000 Bullen massiv gegen die Arbeiter einsetzen ließen. … An der Demonstration der ÖTV beteiligten sich etwa 5 000 Menschen, an der GEW-Demonstration sogar 12 - 15 000. An letzterer nahmen fast alle linken und kommunistischen Gruppen teil. Die SEW (Westberliner Schwester der DKP) demonstrierte am Nachmittag mit etwa 10 - 12 000 Anhängern, wovon ein sehr großer Teil aber schon vormittags dabei war. Die Vaterlandsverteidiger (KPD und KPD/ML) demonstrierten mit etwa 2 000 Leuten, davon ein recht großer Teil von Ausländern. … Eine Reihe linker Organisationen u.a. auch der KB sowie verschiedene Betriebsgruppen und gewerkschaftliche Gremien hatten … zum Boykott der DGB-Feier aufgerufen. … Dennoch konnte sich - ähnlich wie im letzten Jahr - die Westberliner Linke nicht auf diese Taktik einigen. Andere linke Organisationen (u.a. KBW und Trotzkisten) forderten trotz alledem zum Besuch der DGB-Feier auf. Auch die ÖTV und die DRUPA wollten in den Sommergarten. Damit war die Konfrontation vorprogrammiert. Als Teile des zuerst eintreffenden ÖTV-Zuges mit ihren Transparenten und Fahnen in den Sommergarten marschieren wollten, wurde der Eingang durch Bullen abgeriegelt, die kurz darauf ihre ersten Knüppel-Angriffe gegen die ÖTVler starteten und sie vom Eingang vertrieben. Nicht besser erging es den bald daraufhin eintreffenden Druckern. Auch sie wurden von den Bullen zurückgedrängt. … Zum Höhepunkt des Bullen-Einsatzes kam es dann nach dem Eintreffen des GEW-Zuges. Über 1 000 Bullen … räumten dann ab. … Zu unseren eigenen Aktivitäten: wir orientierten in diesem Jahr hauptsächlich auf die Einbeziehung von Frauen und Frauengruppen. Diese Bemühungen wurden durch die Bildung eines eigenen 700-köpfigen Frauenblocks auf der GEW-Demo belohnt. … Einen weiteren Block auf dieser Demo bildeten wir mit etwa 120 Genossen. Kleinere Blöcke wurden von uns auf der Drucker- und der ÖTV-Demo gebildet" (vgl. 4.5.1976).

Laut AB beteiligen sich 3 000 bis 5 000 beim DGB und 10 000 bis 15 000 bei der SEW.

Laut Spartacusbund (SpB) beteiligen sich 2 000 an der ÖTV-Demonstration, 1 500 an der Demonstration der DruPa (DP), 9 000 bei der SEW und 6 000, u.a. SpB und GIM bei der GEW.

Laut KPD soll um 12 Uhr die gemeinsame Maidemonstration von KPD und KPD/ML beginnen, die trotz zentraler Absage der Aktionseinheit durch die KPD/ML gemeinsam durchgeführt wird. Die KPD zählt 4 000 Personen, davon 3 000 in ihrem Block und 600 bei der KPD/ML. Die VSK der KPD bildet einen eigenen Block innerhalb des KPD-Blocks. Im oppositionellen Block beim DGB, wo 40 000 teilnahmen, seien 3 000 marschiert. Die DGB-Feier im Sommergarten habe 1 500 TeilnehmerInnen gehabt. Es kommt zum Polizeieinsatz.

Zum oppositionellen Block beim DGB und zur revolutionären Demonstration im Wedding rief auch das Maikomitee (MK) oppositioneller Gewerkschafter der KPD auf (vgl. 26.4.1976). Auf der ÖTV-Demonstration marschieren, laut KPD, 70 Beschäftigte des Urbankrankenhauses unter der Forderung "Wiedereinstellung von Ulrich Scherler" (KPD).
Q: Rote Fahne Nr.16, 17, 18, 20 und 23,Köln 21.4.1976, 28.4.1976, 5.5.1976, 19.5.1976 bzw. 9.6.1976,S.3, S.*, S.*, S.* bzw. S.*; Rote Fahne Pressedienst Nr.18,Köln 4.5.1976; Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter:1. Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse,Berlin o.J. (1976); Spartacus Nr.28,Essen 1.6.1976; Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.86,München 2.5.1976; Arbeiterkampf Nr.80,Hamburg 14.5.1976,Beilage

04.05.1976:
Die Mai-Veranstaltung des KB in Berlin konnte, nach eigenen Angaben, erst heute durchgeführt werden. "Sie wurde von über 1 500 Personen, davon die Mehrheit Frauen besucht."
Q: Arbeiterkampf Nr.80,Hamburg 14.5.1976,Beilage

12.05.1976:
In Berlin beteiligen sich, laut KPD, 3 000 an einer Demonstration zur Drucktarifrunde (DTR). KBW und SEW hätten erneut versucht der KPD die Schuld für die Polizeieinsätze am 1.Mai im Sommergarten in die Schuhe zu schieben. Die KPD führt eine Abschlußkundgebung durch und kündigt in diesem Zusammenhang an, "wir werden jetzt darangehen, in den wichtigsten Betrieben, in der Bundesdruckerei, im Druckhaus Tempelhof, bei Springer und Mercator Arbeitertreffs aufzubauen".

Laut Spartacusbund (SpB) demonstrieren 2 000.
Q: Spartacus Nr.28,Essen 1.6.1976; Rote Fahne Nr.20,Köln 19.5.1976,S.5

09.06.1976:
Die neue Ausgabe von 'Der Rote Funke' - Zeitung der Betriebszelle AEG Telefunken Schwedenstr. der KPD/ML in Berlin berichtet u.a. von einem Ausschlußantrag aufgrund der UVB gegen die Kollegin Meier, die die Maidemonstration der KPD/ML besucht und den 'Roten Morgen' (RM) verkauft haben soll.
Q: Der Rote Funke,Berlin 9.6.1976

27.03.1977:
In Berlin wird, nach eigenen Angaben (vgl. 4.4.1977), das Gewerkschaftliche Maikomitee von über 150 Gewerkschaftern aus neun Einzelgewerkschaften gegründet.
Q: Gewerkschaftliches Maikomitee Zeitung Nr.1,Berlin o. J. (1977)

April 1977:
Vermutlich im April gibt die OG Westberlin des Spartacusbundes (SpB) eine 'Spartacus - Maizeitung' heraus. Eingetreten wird gegen die Walpurgisnachtdemonstration, die Frauen sollten lieber zum 1.Mai auf den Klausener Platz kommen. Berichtet wird aus der ÖTV von der Fachgruppe Gerichtsreferendare, von denen eine ÖTV-Initiative zum 1.Mai ausging. Erwähnt wird auch ein HBV Maiausschuß. Von den DGB-Gewerkschaften sei nur der GEW Landesverband für eine Demonstration eingetreten. In der Maiinitiative, von der KPD und SEW von vornherein ausgeschlossen worden seien, seien u.a. GIM, KB, KBW und TLD vertreten sowie auf dem zweiten Plenum auch die KPD als Vertreter von Betriebsgruppen.
Q: Spartacus - Maizeitung der Ortsgruppe Westberlin,Berlin o.J. (1977)

04.04.1977:
In Berlin gibt das Gewerkschaftliche Maikomitee der KPD (vgl. 27.3.1977) vermutlich in dieser Woche seine Zeitung Nr. 1 heraus. Aufgerufen wird zur ÖTV-Demonstration am 5.4.1977 und zur Maidemonstration der GEW.
Q: Gewerkschaftliches Maikomitee Zeitung Nr.1,Berlin o. J. (1977)

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11.04.1977:
In Berlin gibt das Gewerkschaftliche Maikomitee der KPD (vgl. 27.3.1977) vermutlich in dieser Woche seine Zeitung Nr. 2 (vgl. 4.4.1977) heraus. Berichtet wird von der ÖTV-Demonstration am 5.4.1977 und aufgerufen zur Diskussion der Maiinitiative der IGM-Jugend am 20.4.1977 und zur eigenen Diskussionsveranstaltung am 24.4.1977.
Q: Gewerkschaftliches Maikomitee Zeitung Nr.2,Berlin o. J. (1977)

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24.04.1977:
In einer Ausgabe ihres 'Roten Gartenfelders', die zum Besuch der heute stattfindenden Mai-Veranstaltung der KPD/ML aufruft, vermutlich aber bereits einige Tage zuvor erschien, kommt die Betriebszelle Siemens-Gartenfeld Berlin der KPD/ML bei der Besprechung der Mai-Aktivitäten der SEW und der KPD in Berlin zu dem Schluß, daß keine wesentlichen Unterschiede zwischen diesen Gruppierungen festzustellen seien.
Q: Der Rote Gartenfelder,Berlin o.J. (Apr. 1977)

27.04.1977:
In Berlin erscheint eine weitere Ausgabe von 'Der Rote Funke' - Zeitung der Betriebszelle AEG Telefunken Schwedenstr. der KPD/ML mit einem Aufruf zur Maidemonstration der KPD/ML im Wedding.
Q: Der Rote Funke,Berlin 27.4.1977

01.05.1977:
In Berlin beteiligen sich, laut KPD, 4 500 an der GEW-Demonstration, zu der auch das gewerkschaftliche Maikomitee aufrief. Von da aus sei dann eine rote Maidemonstration, zu der 23 Organisationen aufriefen, mit 2 500 Leuten losgezogen.

Die Ortsgruppe Westberlin des Spartacusbundes (SpB) rief zur Demonstration ab Klausener Platz auf und gab zur Mobilisierung u.a. eine 'Maizeitung der OG Westberlin' heraus, die unter dem Titel des Zentralorganes 'Spartacus' (vgl. Apr. 1977) erschien.

Laut KB demonstrierten insgesamt etwa 35 000 - 40 000 Menschen:"
Die stärkste von drei Demonstrationen war die der Westberliner GEW … und der Mai-Initiative. Hieran beteiligten sich etwa 25 000 Menschen. Bei der SEW-Demo liefen etwa 10 000 Leute mit, etwas weniger als im letzten Jahr. Zur kurzfristig angesagten Demo der IG Chemie kamen etwa 3 000 - 4 000 Menschen."

Von der GEW-Demo berichtet der KB:"
Den Schluß bildete der Block der Mai-Initiative mit 7 000 Demonstranten, dabei ein Frauenblock von knapp 1 500. Die Mai-Initiative war eine Aktionseinheit von KB, GIM, Spartacusbund sowie vielen Einzelinitiativen aus verschiedenen sozialen Bereichen (Betriebe, Gewerkschaften, Schulen), AKW-Gegner, Bürgerinitiativen, Frauengruppen, internationalistische Komitees, Sponti-Gruppen und Komitees gegen die Repression auf verschiedenen Gebieten. Außer den drei Erstgenannten nahmen keine politischen Organisationen an dem Bündnis teil, die KPD wollte ganz gern, war aber unerwünscht, der KBW hetzte gegen die Mai-AE und zur GIM muß leider gesagt werden, daß sie mehr Belastung war als Partner. Die GIM versuchte mit Krampf die Vaterlandsverteidiger ins Bündnis zu ziehen (um es zu sprengen), sabotierte dann weitgehend die Mobilisierung und hatte sich schließlich auch nicht am Mai-Block der AE beteiligt, sondern sich zusammen mit anderen Trotzkisten (TLD) abgesondert. Den großartigen Erfolg dieses 7 000 Leute starken Blocks konnte die GIM trotzdem nicht schmälern.
Die Mai-Veranstaltung der AE war ebenfalls mit 4 000 Teilnehmern ein guter Erfolg. Die KPD hat nach der Kundgebung noch mit 800, allerhöchstens 1 000 Anhängern ihre eigene Demo durchgeführt; sie selbst sprach später von 2 400 Demonstranten."
Die Initiative gegen das einheitliche Polizeigesetz habe einen eigenen Block auf der GEW-Demonstration gebildet.

Von der Berliner Maivorbereitung berichtet der KB am 18.4. 1977 so:
Eine "Mai-Initiative, die von politischen Organisationen (KB, GIM, Spartacusbund) und vielen Basisinitiativen getragen wird" habe sich gebildet. "Die Mai-Initiative plant darüberhinaus ein Maifest für den 30.4., auf dem mit etwa 5 000 Teilnehmern gerechnet wird. Die Mai-Initiative entstand auf einen Aufruf des 'Arbeitskreises gegen die innergewerkschaftliche Repression', einem Zusammenschluß mehrerer Betriebsgruppen, in denen auch KB-Genossen mitarbeiteten. Etwa 20 Westberliner-Gruppierungen, Komitees, Aktionseinheiten und Organisationen tragen die Mai-Initiative inzwischen und 10 - 15 weitere Gruppierungen sympathisieren mit ihr und nehmen als Beobachter an den Diskussionen der Mai-Initiative teil. Mit einer erheblichen Verbreiterung dieser Aktionseinheit wird noch gerechnet. Die Mai-Initiative hat eine Mai-Zeitung herausgebracht (Auflage 40 000), die jetzt verkauft wird. Festgestellt werden kann, daß die Mai-Initiative (und ihr sympathisierendes Umfeld) praktisch alle politischen Strömungen der westberliner Linken" mit Ausnahme von KBW, KPD und SEW repräsentiere.

Laut AB beteiligen sich 5 000 an der Demonstration zu Spinnstoff Zehlendorf, um gegen die dortigen 700 Entlassungen zu protestieren.
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Extrablatt,München Mai 1977; Arbeiterkampf Nr.103, 104 und 108,Hamburg 18.4.1977, 16.5.1977 bzw. 11.7.1977,S.6, S.11 bzw. S.18; Spartacus - Maizeitung der Ortsgruppe Westberlin,Berlin o.J. (1977); Kommunistische Arbeiterpresse - Borsig,Berlin Mai 1977

01.05.1977:
Die Liga gegen den Imperialismus (LgdI) gibt ein Flugblatt ihrer Zeitschrift 'Internationale Solidarität' heraus, welches unter der Überschrift "1. Mai" aufruft zu den Blöcken der LgdI auf den revolutionären Maidemonstrationen in Köln, Westberlin, Frankfurt/Main, Hamburg, Stuttgart und München sowie zu Spenden für die ZANU Zimbabwe.

Verteilt wird dieses Flugblatt auch in Bochum.
Q: Internationale Solidarität 1. Mai,Köln o. J. (1977)

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11.07.1977:
Der KB gibt seinen 'Arbeiterkampf' (AK) Nr.108 (vgl. 27.6.1977, 25.7.1977) heraus.
Aus Berlin wird berichtet von der Initiative gegen das einheitliche Polizeigesetz (vgl. Jan. 1977):"
Mit mehreren Flugblättern und Broschüren, einer Podiumsdiskussion, die von über 1 200 Menschen besucht wurde, und einem Block auf der 1. Mai-Demonstration der GEW versuchte die Initiative, gegen das Einheitliche Polizeigesetz zu mobilisieren."
Q: Arbeiterkampf Nr.108,Hamburg 11.7.1977

März 1978:
In Berlin gibt das Gewerkschaftliche Maikomitee vermutlich im März seine Zeitung Nr. 1 (vgl. Apr. 1978) heraus.
Q: Gewerkschaftliches Maikomitee Zeitung Nr.1,Berlin o. J. (1978)

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April 1978:
In Berlin gibt das Gewerkschaftliche Maikomitee vermutlich im April ein Flugblatt (vgl. März 1978) heraus.
Q: Gewerkschaftliches Maikomitee Flugblatt,Berlin o. J. (1978)

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01.05.1978:
1. Mai-Demonstration in Westberlin.
Laut KB beteiligen sich an einer DGB-Demonstration mit anschließender Kundgebung ca. 25 000 - 30 000 Menschen. Die GEW-Westberlin, der eine Beteiligung an der offiziellen DGB-Demonstration verwehrt wurde, organisierte einen eigenen Demo-Zug mit ca. 12 000 Menschen. An der GEW-Demo beteiligt sich u.a. auch ein breites Bündnis verschiedener Frauengruppen (u.a. Sozialistischer Frauenbund - SFB).
Im Anschluß an die DGB-Kundgebung findet eine oppositionelle Kundgebung statt, an der u.a. teilnehmen: Anti-AKW-Gruppen, Stadtteilgruppen, 'Radikal', Ausländergruppen, Solidaritätskomitee: Freiheit für die Agit-Drucker, Rauchhaus, Betriebsgruppen usw., außerdem KPD und KB. Daran beteiligen sich ca. 4 000 - 5 000 Menschen.
Q: Arbeiterkampf Nr.129,Hamburg 16.5.1978,S.13

01.05.1979:
Laut KB beteiligen sich in Berlin an "getrennten Demonstrationen der Drupa, der ÖTV und der beiden GEW's sowie an der anschließenden Kundgebung des Westberliner DGB vor dem Rathaus Schöneberg" ca. 30 000 Menschen. "Um den 1. Mai nicht völlig den Sickert und Co zu überlassen, hatte die Alternative Liste, Bürgerinitiativen, politische Organisationen, gewerkschaftsoppositionelle Kräfte u.a. zur Organisierung einer oppositionellen Kundgebung aufgefordert. Die Resonanz war allerdings relativ gering, sicher auch, weil diese Initiative erst relativ spät gestartet wurde. Dies liegt nicht zuletzt daran, daß im Gegensatz zu den Vorjahren die KB-Gruppe weitgehend geschlafen hatte. Initiativen waren einzelnen Genossen überlassen. Immerhin nahmen an dieser Kundgebung gleich im Anschluß an die des DGB noch gut 3 000 Menschen teil. … Am Nachmittag des 1.Mai gab es noch gut besuchte Stadtteilfeste (jeweils mit gut 1 000 Menschen) in Kreuzberg und Tiergarten, ebenfalls unter Beteiligung der Alternativen Liste und vieler Bürgerinitiativen."
Q: Arbeiterkampf Nr.153,Hamburg 14.5.1979,S.16

01.05.1980:
Laut KB beteiligen sich an einer 1. Mai-Demonstration des DGB in Westberlin 40 000 Menschen.
Die Demonstration wurde erstmals von allen DGB-Gewerkschaften veranstaltet, einschließlich der GEW-Westberlin.

Laut 'Westberliner Kommunist' (WBK - vgl. Juli 1980) schlossen sich unter der Parole "Es lebe der revolutionäre 1.Mai" auf einer gemeinsamen Plattform "Revolutionäre und Kommunisten aus der Türkei, dem Iran, aus Afghanistan und aus Westberlin zusammen und bildeten auf einer Demonstration einen gemeinsamen antiimperialistischen Block. Dieser Block brachte die kämpferische Atmosphäre, daß hier ein anderer 1.Mai gefeiert wird, ein 1.Mai des Kampfes gegen den Imperialismus, ein 1.Mai der Verbrüderung der Arbeiter aller Länder, des Bündnisses der Arbeiter der imperialistischen Länder mit den vom Imperialismus unterdrückten Völkern."

Eine gemeinsame Zeitung 'Es lebe der revolutionäre 1.Mai' wird verbreitet. U.a. wird der "gemeinsame antiimperialistische Block" gebildet von, ATIF und ATÖF Türkei, GUAFS Afghanistan, UIS - Sympathisanten der Kampforganisation zur Befreiung der Arbeiterklasse, Peykar (Iran), CISNU Iran Westberlin und WBK.
Q: Westberliner Kommunist Nr.16,Berlin Juli 1980,S.23f; Arbeiterkampf Nr.176,Hamburg 5.5.1980,S.5

01.05.1981:
1.Mai Demonstration in Westberlin. Laut KB beteiligen sich ca. 20 000 Menschen an der Demo des DGB:"
Zu einem linken oppositionellen Block kam es nicht, da es keinerlei gemeinsame Vorbereitungen wie in den vergangenen Jahren gegeben hatte. Jedoch formierten sich innerhalb der DGB Demo kleine oppositionelle Blocks:
- Der Frauenbereich der AL hatte zu einem Frauenblock aufgerufen, an dem sich 400 Frauen beteiligten.
- Der Arbeitskreis Homosexualität in der ÖTV beteiligte sich mit einem schwulen Transparent an dem ÖTV-Block und verteilte ein Flugblatt zu seiner Arbeit.
- Der Schwulenbereich der AL rief zu einem Schwulenblock auf. An ihm beteiligten sich sich 30 Schwule und vereinzelte Lesben…
- Des weiteren beteiligte sich ein Block von ca. 300 Hausbesetzern an der Demo …

Am Nachmittag bis in den Abend hinein fanden dann noch in einigen Stadtteilen 1.Mai-Feste statt:
- In Charlottenburg wurde es von einem Komitee vorbereitet, an dem sich verschiedene Initiativen, vor allem Ausländergruppen beteiligten.
- Die AL hatte zu einem Fest auf dem Lausitzer Platz in Kreuzberg geladen."
Q: Arbeiterkampf Nr.201,Hamburg 11.5.1981,S.9

Letzte Änderungen: 5.4.2011

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