1. Mai 1973 in Berlin

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin


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Die KJO Spartacus organisiert bereits frühzeitig den 1. Mai 1973 (vgl. 30.1.1973), die KPD aber scheint sich nun endgültig als stärkste Fraktion der radikalen Westberliner Linken etabliert zu haben, was sich nicht zuletzt am Umfang ihres Maikomitees zeigt (vgl. 22.2.1973, 19.3.1973), welches in der Propaganda (vgl. 2.4.1973, 17.4.1973, 24.4.1973) auch von der Partei selbst (vgl. März 1973, 6.4.1973, 10.4.1973) unterstützt wird. Für sie sind nun nur die Führer von DGB und SEW der Gegner (vgl. 2.13.1973), aber nicht mehr andere linke Gruppen.

Wieder gibt es verschiedene betriebliche bzw. bereichsspezifische Maiausschüsse (vgl. März 1973, Apr. 1973, 26.3.1973, 23.4.1973, 25.4.1973), aber auch jenseits dieser wird das Maikomitee unterstützt (vgl. 29.3.1973, Apr. 1973) oder werden dessen Unterstützer aktiv (vgl. 31.3.1973, 26.4.1973).

Neben dem Maikomitee der KPD aber gibt es auch das Maikomitee 73 der SEW, dessen Demonstration sich auch Spartacisten (vgl. 9.4.1973, 14.4.1973) sowie andere Linke, wie die Vorläufer des KBW und auch die Anarchisten, aber auch der Maiausschuss '73 u.a. der Jusos anschließen (vgl. 3.3.1973, 23.4.1973), während die KPD/ML sich der KPD-Demonstration im eigenen Block anschließt.

Die Rote Hilfe Westberlin und die spontaneistischen Gruppen organisieren verschiedene Kinderfeste (vgl. Apr. 1973, 23.4.1973) und mobilisieren nach Neukölln.

In der Folge des 1. Mai kommt es zu Ausschlußverfahren aus den DGB-Gewerkschaften aufgrund der Unvereinbarkeitsbeschlüsse (UVB - vgl. 15.5.1973, 13.6.1973, Juli 1973).

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

30.01.1973:
Die Ortsleitung Westberlin der KJO Spartacus gibt die Nr. 1 ihres Rundbriefes heraus, die sich mit der Vorbereitung des 1. Mai befaßt.
Quelle: KJO Spartacus-OL Westberlin: Rundbrief Nr. 1, Berlin 30.1.1973

01.02.1973:
Die Ortsleitung Westberlin der KJO Spartacus gibt einen Rundbrief zum 1. Mai heraus.
Q: KJO Spartacus-OL Westberlin: Rundbrief, Berlin 1.2.1973

22.02.1973:
In Berlin versammeln sich auf Einladung der Gewerkschaftsabteilung des Regionalkomitees der KPD, nach eigenen Schätzungen, ca. 150 Personen aus über 30 Betrieben der Organisationsbereiche der IGM, CPK, ÖTV, DruPa, HBV, DPG, GEW und IGBSE, und beschließen für den 4.3.1973 die Gründung eines Maikomitees, welche bei Max und Moritz stattfinden soll.
Q: Rote Fahne Nr. 9, Dortmund 28.2.1973, S. 4; Kämpfende Jugend Nr. 3/4, Dortmund März 1973, S. 3

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27.02.1973:
In Berlin verteilt die Ortsgruppe von Spartacus/BL ein Flugblatt zur Maivorbereitung.
Q: Spartacus/BL-OG Berlin: Flugblatt, Berlin 27.2.1973

März 1973:
Die Nr. 2 der 'Zeitung des Mai-Komitees 73' erscheint in Berlin.
Q: Zeitung des Mai-Komitees 73 Nr. 2, Berlin März 1973

März 1973:
Das Regionalkomitee Westberlin der KPD gibt seine 'Maizeitung' Nr. 1 (vgl. 10.4.1973) heraus. Berichtet wird u.a. von Krone und vom Streik bei Mannesmann Duisburg-Huckingen.
Q: Maizeitung Nr. 1, Berlin März 1973

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März 1973:
In Berlin gibt die KPD bei DTW die Nr. 6 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 30.4.1973) heraus. Eingegangen wird auch auf den 1. Mai.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse DeTeWe Nr. 6, Dortmund März 1973, S. 1ff

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März 1973:
In Berlin gibt die KPD bei KWU die Nr. 22 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. Feb. 1973, Apr. 1973) heraus. Ein Artikel zum 1. Mai ist 'Rote Fahne' LeserInnen wohlbekannt.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse KWU Nr. 22, Berlin März 1973, S. 4 und 6

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März 1973:
Der Maiausschuß der Erzieher und Sozialarbeiter des Maikomitees oppositioneller Gewerkschafter 1973 der KPD gibt vermutlich im März seine Gründung in einem Flugblatt bekannt.
Q: Maiausschuß der Erzieher und Sozialarbeiter: Maiausschuß der Erzieher und Sozialarbeiter gegründet!, Berlin o. J. (1973

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03.03.1973:
In Berlin gibt der Maiausschuss '73 seine 'Mai-Zeitung' Nr. 1 (vgl. 23.4.1973) heraus mit dem Leitartikel "Am 1. Mai auf die Straße! Demonstration: 9.30 Uhr. Gegen Unternehmerallmacht Arbeiterinteressen durchsetzen! Aufruf des 'Mai-Ausschuß '73''", in dem es abschließend heißt:"
Darum haben sich in diesem Jahr auch Sozialdemokraten dazu entschlossen, im 'Mai-Ausschuß '73' gemeinsam mit den Landesverbänden der Jungsozialisten in der SPD und der DAG-Jugend, einer Reihe von Gewerkschaftern aus IG Metall, IG Druck und Papier, ÖTV, IG Bau - Steine - Erden, GEW und Verbänden des Landesjugendringes der Naturfreundejugend (NFJ, d. Vf.), und des Bundes Deutscher Pfadfinder (BDP, d. Vf.) eine große Maidemonstration in Neukölln und Kreuzberg vorzubereiten."

Weitere Artikel sind:
- "Rote Nelke" zu dem Logo der Zeitung;
- "Erfolg bei Telefunken" zu AEG Schwedenstrasse;
- "Mengenrabatt für Kavaliersdelikte" zum Jugendarbeitsschutzgesetz (JuArSchG);
- "Kollegen ergreifen selbst Initiative" zum Initiativausschuß der Betriebsräte von Spinnstoff Zehlendorf, Krone, Zeiss-Ikon und Sendlinger gegen die mangelnde Straßenbeleuchtung in der Umgebung;
- "Forderungen durchsetzen" zur Drucktarifrunde (DTR);
- "Ein Arbeiter bei Krupp schreibt uns. Krupp: Pinkeln unerwünscht" zu Krupp Kesselbau in Rudow;
- "Ursus-Werke werden stillgelegt" zur Gummiproduktefabrik (CPK-Bewreich) in der Kopernikusstraße in Lichterfelde;
- "Beispiel Osram: Profit auf Kosten der Arbeiter" zum neuen Werk an der Nonnendammallee;
- "Ausbildung statt Ausbeutung!" zu den Lehrlingen;
- "Aktiver Gewerkschaftskampf dem Großkapital!";
- "Nur konsequenter Kampf bringt mehr Lohn für alle" zum Streik bei Daimler-Benz Sindelfingen (vgl. Dez. 1972);
- "Massenentlassung bei Charmaine" der Textilfabrik in Heiligensee, die am 15.2.1973 stillgelegt wurde, so dass 154 meist ausländische Arbeiter arbeitslos wurden;
- "Jugendvertreter sollen das Maul halten" zu den Nichtübernahmen bei Siemens DN in Schöneberg, Bosch in der Forckenbeckstraße in Wilmersdorf und NCR Neukölln; sowie
- "Nutze dein Recht auf Bildungsurlaub!".

Kontaktadressen werden für alle Bezirke angegeben.
Q: Maiausschuss '73: Mai-Zeitung Nr. 1, Berlin 3.3.1973

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19.03.1973:
Die KPD berichtet spätestens von Anfang dieser Woche:"
WESTBERLIN: ZWEI MAIKOMITEES - ZWEI LINIEN

Als klare Alternative zu den Maikomitees der Juso- (der SPD, d.Vf.) und SEW-Führer wurde von über 130 Kollegen aus über 30 Betrieben in Westberlin das Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter gegründet. Dabei wurde den Kollegen klar, daß es in der Vorbereitung einer kämpferischen 1.Mai-Demonstration in entscheidendem Maße darum gehen muß, die Kollegen aus den verschiedenen Industriebereichen im Kampf gegen die Verschlechterung ihrer Arbeits- und Lebensbedingungen zusammenzuschließen.

Das Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter hat beschlossen, nachdem in den verschiedenen betrieblichen und Branchenausschüssen darüber beraten wurde, wie dies am wirkungsvollsten geschehen kann, den Kampf für die vorzeitige Kündigung der Tarifverträge in der Metallindustrie (MTR der IGM, d.Vf.) und im ÖTV-Bereich (ÖTR, d.Vf.) aufzunehmen. Gleichzeitig stellten die Kollegen die Forderung nach einheitlicher Lohnerhöhung von 50 Pfennig mehr für alle auf. In den Betrieben und auf den Gewerkschaftsmitgliederversammlungen haben die Kollegen entschieden den Kampf aufgenommen, sie sammeln Unterschriften für die Forderungen (bei SEL 70 Unterschriften innerhalb von zwei Tagen), und nutzen jede Gelegenheit, die Notwendigkeit des außertariflichen Lohnkampfs und das Kampfs gegen das arbeiterfeindliche Tarifvertragsgesetz zu propagieren.

So auch die Kollegen aus der Druckindustrie, die jetzt in vorderster Front stehen im Kampf gegen die Absicht der Kapitalisten und Gewerkschaftsführer, die Kollegen in der jetzt anstehenden Tarifauseinandersetzung (DTR der DruPa, d.Vf.) zu spalten, um so dann doch noch ihren Verrat in Form von niedrigen Lohntarifabschlüssen durchzusetzen.

Für das Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter heißt 1. Mai nicht: Einmal im Jahr auf die Straße gehen, um den Rest des Jahres davon berichten zu können, sondern der 1. Mai ist der Tag, an dem die entschlossensten Teile der Arbeiterklasse im revolutionären Bündnis mit den anderen unterdrückten Schichten des Volkes die Lehren aus den vergangenen Kämpfen ziehen und die nächsten Kampfschritte bestimmen.

Im Maikomitee sind Kollegen aus betrieblichen Gremien und Maiausschüssen aus folgenden Betrieben delegiert: AEG, DeTeWe, Schering, Flohr Otis, Siemens, SEL (alle IGM- bzw. CPK-Bereich, d.Vf.), aus den Kampfausschüssen zur Tarifrunde in der Druckindustrie und bei den Reichsbahnern (DR, FDGB-Bereich - vgl. 29.3.1973,d.Vf.), aus den Maiausschüssen der Bauarbeiter (BSE-Bereich, d.Vf.), der Lehrer und der Erzieher und Sozialarbeiter (GEW- bzw. ÖTV-Bereich, d.Vf.).

Darüberhinaus arbeiten viele einzelne Kollegen aus weiteren - vor allem Kleinbetrieben - im Maikomitee mit ohne Stimmrecht. Alle diese Kollegen diskutieren im Maikomitee den 1. Mai in Verbindung mit ihren anstehenden Kämpfen. Sie berichten ihre Erfahrungen und lernen von denen der anderen Kollegen.

WIE SIEHT ES DAGEGEN MIT DER ARBEIT DER SEW- UND JUSO-KOMITEES AUS?

Von der Arbeit der Juso-Komitees ist kaum etwas zu merken. Kollegen, die dort mitarbeiten wollten, berichten, daß sie an der Kontaktadresse immer wieder einzelne Juso-Vertreter antrafen, die jedoch weder von Sitzungen noch von Veranstaltungen zu berichten wußten und die Kollegen wieder nach Hause schickten. Mit den Kämpfen der Arbeiterklasse hat dieses Komitee absolut nichts zu tun.

Nicht viel anders sieht es in dem von SEW- und FDJW-Führern gegründeten 'Maikomitee 73' aus.

Es sind kaum Delegierte aus den Einzelgewerkschaften anwesend, ausgenommen GEW, BSE Fachgruppe Architekten und Ingenieure sowie einzelne HBV-Kollegen und etliche Delegierte aus dem Hochschulbereich. Was in dem Komitee geschieht, bestimmt der 'Lenkungsausschuß'. Sitzungen des Maikomitees finden nur alle drei Wochen statt und auch die nur, wenn es dem Lenkungsausschuß paßt.

'Mehr Arbeitsrechte in Betrieb, Wirtschaft und Gesellschaft' fordert das SEW-Maikomitee in seiner Zeitung, aber auch nur dort.

Dieselbe Zeitung, in der die Forderung nach mehr 'Arbeiterrechten' erhoben wurde, durfte im 'Maikomitee 73' vorher nicht diskutiert werden. Der SEW-Lenkungsausschuß der Kördel und Co. blockte jede Diskussion über die Artikel und die Forderungen ab und meinte, vor dem Druck der Zeitung können darüber nicht diskutiert werden, das dauere ja viel zu lange.

Das Alibi der SEW, mit dem sie ihr Komitee als 'breite Aktionseinheit' verkaufen wollten, die Jungdemokraten (Judos der FDP, d.Vf.), fühlten sich von den 'demokratischen' Methoden des SEW-Lenkungsausschusses so übers Ohr gehauen, daß sie dies Komitee freiwillig verließen.

Dieses Komitee wagt es noch nicht einmal, auf einer Veranstaltung seine Meinung vor den Kollegen zu vertreten - eine öffentliche Veranstaltung wird grundsätzlich abgelehnt, mit der Begründung, dort kämen ja auch Leute hin, die was anderes wollten und mit denen wolle man nichts zu tun haben.

Als auf der letzten Sitzung des 'Maikomitees 73' einige Kollegen mit dem Maikomitee diskutieren wollten, wurde die Sitzung schnell in eine nicht-öffentliche Sprechstunde umgewandelt. Auch Kollegen die bis dahin mitgearbeitet hatten, wurden nicht hereingelassen. Das SEW-Maiomitee schloß sich in der Privatwohnung der SEW-Hochschulgruppe FU ein.

Das SEW-Maikomitee ist kein Arbeiterkomitee, sondern eine Clique von SEW- und FDJW-Bonzen, gegründet zur Täuschung und Spaltung der Kollegen."
Q: Rote Fahne Nr. 15, Dortmund 11.4.1973, S. 7

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19.03.1973:
Die KPD berichtet vermutlich u.a. aus dieser Woche anläßlich der Bautarifrunde der BSE:"
In den Versammlungen in Westberlin sind schon einige Kollegen mit mutigem Auftreten vorangegangen. In Wilmersdorf sagte ein Kollege: 'Unser Lohn kann sich ausschließlich daran orientieren, was wir zum Leben brauchen und bei den Preissteigerungen des letzten Jahres muß die Lohnerhöhung in diesem Jahr mindestens 1 DM pro Stunde betragen. Alles was darunter ist, bedeutet faktisch Lohnraub.'

In diesem Jahr können Kapitalisten und Gewerkschaftsführer noch einmal ohne große Widerstandsaktionen der Kollegen diesen Abschluß durchsetzen.

Machen wir diesem Treiben ein Ende. Wenn wir zusammenstehen, wer will sich uns entgegenstellen?

1 DM mehr pro Stunde für alle!

Wahl der Tarifkommission durch die gewerkschaftlichen Mitgliederversammlungen!

Um in Zukunft zu gewährleisten, daß die Kollegen nicht so einfach übergangen werden können, hat sich in Westberlin ein Maiausschuß oppositioneller Gewerkschafter gegründet. Der Ausschuß setzt sich zur Aufgabe, alle oppositionellen Kräfte gegen die Gewerkschaftsführung zusammenzuschließen.

Vorwärts im Aufbau der Revolutionären Gewerkschaftsopposition (RGO, d.Vf.)!"
Q: Rote Fahne Nr. 13, Dortmund 28.3.1973, S. 3

21.03.1973:
Die KPD veröffentlicht heute den folgenden Artikel:"
REVOLUTIONÄRE GEWERKSCHAFTSOPPOSITION (RGO) - GEGEN MONOPOLKAPITALISMUS UND GEWERKSCHAFTSBONZEN!

DER BISHERIGE KAMPF:

Der Tatsache, daß unsere Partei vom Zeitpunkt ihrer Gründung auf zentraler und unterer Ebene Gewerkschaftsverantwortlichkeiten einrichtete, ist es zu verdanken, daß von Anfang an der Kampf in den Gewerkschaften geführt wurde. Der erste Erfolg der Oppositionsarbeit bestand in der Vorbereitung und Durchführung der 1.Mai-Demonstration 1971 in Westberlin durch ein 'Gewerkschaftsoppositionelles Mai-Komitee', das einen klaren Trennungsstrich zu Reformismus und Revisionismus zog.

In Westberlin ist bereits, für die Vorbereitung der diesjährigen Mai-Demonstration, im Kampf gegen DGB- und SEW-Führung, ein Komitee oppositioneller Gewerkschafter entstanden, in dem Kollegen aus über 30 Betrieben und sieben Einzelgewerkschaften (insgesamt 120) organisiert sind. Die meisten der dort gebildeten betrieblichen Ausschüsse entstanden aus tariflichen Kampfausschüssen im Bereich der IGM.
Q: Rote Fahne Nr. 12, Dortmund 21.3.1973, S. 8

23.03.1973:
Das Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter 1973 Westberlin der KPD lud mit seinem ersten Flugblatt für die Metallindustrie zu seiner heutigen Veranstaltung bei Max und Moritz ein.
Q: Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter 1973: 1. Flugblatt für die Metallindustrie, Berlin 1973

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26.03.1973:
Die KPD berichtet vermutlich u.a. aus dieser Woche:"
WESTBERLIN: RUDOLF-VIRCHOW-KRANKENHAUS (RVK): KAMPF GEGEN POLITISCHE DISZIPLINIERUNG!

Auf der letzten Betriebsgruppenversammlung der ÖTV am RVK verabschiedeten die anwesenden Kollegen eine Resolution des Rote-Hilfe-Komitees (RHK der KPD, d.Vf.) zur Solidarität mit dem von der Klassenjustiz verfolgten Horst Mahler.

Alarmiert durch den freigestellten Personalrat Seehaus, der seinen SPD-Parteigenossen in der Verwaltung vom 'staatszersetzenden' Inhalt der Resolution erzählte und die Namen der Kollegen brühwarm mitteilte, wurde dem Innensenat Bericht erstattet.

Jetzt liegt ein Verweis und die Kündigungsdrohung gegen die Jugendvertreterin und Mitglied des ÖTV-Betriebsgruppenvorstandes vor. Sie hatte die Resolution verlesen. Gleichzeitig fordert der Innensenat die Verwaltung am RVK auf, gegen alle, die dieser Resolution zugestimmt haben, in ähnlicher Weise vorzugehen.

Unter den fortschrittlichen Kollegen, unter den Jugendlichen und auf den Stationen, auf denen die Kollegin gearbeitet hat, löste diese Nachricht helle Empörung aus.

Die Reaktionäre und die SEW-Leute im Betriebsgruppenvorstand schlichen sich davon. Der Personalrat tat als hätte er Watte in den Ohren. Während in allen Abteilungen der Sonderdruck der KOMMUNISTISCHEN PRESSE mit der Hauptforderung 'WEG MIT DEM VERWEIS UND DER KÜNDIGUNGSDROHUNG' diskutiert wurde, organisierten die Zelle der KPD am RVK und der Maiausschuß oppositioneller Gewerkschafter eine Unterschriftensammlung als ersten Kampfschritt zur Verhinderung des faktischen Berufsverbots ((BV, d.Vf.) der Verweis geht in die Personalakte ein).

In vier Tagen unterschrieben über 100 Kollegen die Protestresolution.

Wie auf der Station 29 und der A 2 setzten sich viele Kollegen extra zusammen, um ihre Stellung zu dieser politischen Disziplinierung zu beraten. Oft versuchten Vorarbeiter und Oberschwestern mit lautem Geschrei oder mit der Erteilung von Redeverbot die Bildung einer Solidaritätsfront zu verhindern. Redegewandte Ärzte rissen das Wort an sich und versuchten von der entscheidenden Frage abzulenken: Wen schützt und wen unterdrückt dieser Staat? Viele hatten die Frage für sich beantwortet: 'Die Sache ist mir zu heiß, ich brauche den Job', und unterschrieben nicht.

Mutig und entschlossen traten die Genossen des Mai-Ausschusses oppositioneller Gewerkschafter auf. Obwohl die meisten von ihnen zum ersten Mal in aller Öffentlichkeit auftraten, sammelten sie in jeder freien Minute Unterschriften und griffen in die Diskussionen ein. Sie wichen nicht zurück, wenn Horst Mahler und die Baader-Meinhof-Gruppe (RAF, d.Vf.) zur Sprache kamen. Sie verteidigten Horst Mahler als entschiedenen Kämpfer gegen den Kapitalismus, verurteilten seine anarchistischen Theorien und erläuterten aus ihrer Arbeit als oppositionelle Gewerkschafter und am Beispiel der KPD den revolutionären Zusammenschluß der Werktätigen.

In der Diskussion über die weitergehenden Kampfschritte stand die Planung einer Protestkundgebung vor dem Haupttor im Vordergrund. Die Genossen der Zelle der KPD überzeugten zweifelnde Mitglieder des Mai-Ausschusses, daß in dieser enormen politischen Bewegung unter den Kollegen eine solche Protestkundgebung nicht heißt, sich von den Massen zu isolieren, sondern sie zu neuen Kampfformen zu führen.

Trotz Polizeiüberwachung, Bespitzelung durch Verwaltungschefs und Personalrat, trotz Polizeifotografen versammelten sich bis zu 100 Kollegen vor dem Haupttor. 40 kamen zur anschließend stattfindenden gemeinsamen Veranstaltung der Zelle der KPD und des Mai-Ausschusses.

- Einberufung einer Personalvollversammlung!
- Öffentliche Rechtfertigung durch Verwaltungsspitze und Personalrat!
- Weg mit dem Verweis und der Kündigungsdrohung gegen die Kollegin D.K.!"
Q: Rote Fahne Nr. 14, Dortmund 4.4.1973, S. 4

27.03.1973:
Die KPD berichtet von der Stadtteilversammlung Südwest der IGM Berlin:"
WESTBERLIN, BERICHT EINES GENOSSEN: VORFRISTIGE KÜNDIGUNG DER TARIFVERTRÄGE!

'Wir wissen, daß wir bei diesem Kampf den Boden der herrschenden Legalität verlassen. Aber was sind das für 'neutrale' Gesetze, die den Kapitalisten bei der Sicherung der Profite freie Hand lassen und unsere Kämpfe in Ketten legen. Was ist das für ein Recht, das das Eigentum der Fabrikherrn schützt und unsere Arbeitskraft der bodenlosen Ausplünderung und Zerrüttung preisgibt.

Dieses Recht ist nicht unser Recht, die herrschende Legalität ist die Legalität der Herrschenden.' (Plattform des Maikomitees oppositioneller Gewerkschafter)

Kampf der Friedenspflicht des Tarifvertragsgesetzes!
Vorwärts beim Aufbau der Revolutionären Gewerkschaftsopposition (RGO,d.Vf.)!"
Q: Rote Fahne Nr. 15, Dortmund 11.4.1973, S. 5

29.03.1973:
Die KPD verbreitet vermutlich von der Gründungsversammlung des Maikomitees oppositioneller Gewerkschafter Westberlin (vgl. 2.4.1973) von der Deutschen Reichsbahn (DR) u.a. über heute den:"
BERICHT DES KAMPFAUSSCHUSSES DER EISENBAHNER:

Kollegen, ich möchte kurz darstellen, wie es 1. zur Gründung unseres Kampfausschusses kam, 2. was die Rolle des FDGB in unserem Betrieb ist und 3. wie wir den Kampf bisher geführt haben.

Der Kampfausschuß gegen die Verschlechterung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Eisenbahner wurde aus denselben Gründen gebildet, aus denen auch Kollegen in den anderen Betrieben gezwungen sind, den Kampf aufzunehmen. Es sind einerseits die ungeheuren Preissteigerungen, die unsere Lebenslage immer mehr verschlechtern und andererseits der Verrat der FDGB-Führer und der Lohnraub der Reichsbahnführung.

Wir sind der festen Überzeugung, daß die Deutsche Reichsbahn kein sozialistischer Betrieb ist, denn als im letzten Jahr die fortschrittlichsten Kollegen 120 DM mehr für alle forderten, war es die Reichsbahnführung, die scheinbar die Forderung der Kollegen aufgriff, aber durch eine gleichzeitige Kürzung der Prämienzeitlöhne und ähnliche Schiebereien ist tatsächlich ein Lohnraub rausgekommen. Außerdem wird bei der Deutschen Reichsbahn genauso nach kapitalistischen Prinzipien rationalisiert und investiert wie in anderen Betrieben. Viele Kollegen müssen Überstunden schieben, weil dies genauso wie in kapitalistischen Betrieben billiger ist als neue Kollegen einzustellen.

Die Reichsbahndirektion schiebt die Tatsache der Überstunden immer auf die schlechte Arbeitsmarktlage in Westberlin, was aber nachweisbar nicht stimmt. Einerseits ist es so, daß die verrotteten Anlagen immer störanfälliger werden, aber die Zahl der Planstellen wird nicht erhöht, andererseits steigt in anderen Branchen die Intensität. Aber auch dort werden keine neuen Planstellen eingerichtet.

WELCHE ROLLE SPIELT DER FDGB?

Der FDGB ist die Massenorganisation der Werktätigen bei der Deutschen Reichsbahn; der Grad der Organisierung ist unterschiedlich. Die stärkste Organisierung liegt bei den proletarischen Teilen. Die staatlichen Betriebsleiter sind ebenfalls im FDGB organisiert.

Bei uns ist schon das verwirklicht, was die SPD- und die DGB-Führung noch anstreben, nämlich die Arbeitsgemeinschaft zwischen der Gewerkschaftsführung und den Kapitalisten. Ideologisch hört sich das so an: 'In unserem Betrieb bestehen keine grundsätzlichen Klasseninteressen. Wir lösen unsere Probleme mit unseren staatlichen und gesellschaftlichen Organen, mit voller Unterstützung unserer Gewerkschaft, des FDGB, selbst.'

Der Haupthebel der Arbeitsgemeinschaft ist die Betriebsgewerkschaftsleitung. Die BGL wird alle vier Jahre von den Gewerkschaftern eines Betriebs gewählt. Die BGL gliedert sich in verschiedene Beauftragte und den Vorsitzenden. Es gibt Beauftragte für Arbeit, Soziales, Jugend, Frauen usw. Das Wichtigste ist der Beauftragte für Soziales, weil der FDGB auch die Sozialversicherung der DDR verwaltet. Unter den gegenwärtigen Bedingungen wird diese Einrichtung vor allem zur politischen Disziplinierung der Kollegen benutzt.

BEISPIEL:
Ein Kollege nahm an der Agitation am Rand der letzten SEW-Demonstration teil, obwohl er krankgeschrieben war. Am nächsten Tag bekam er einen Brief, er solle sich sofort zur betriebsärztlichen Nachuntersuchung vorstellen.

Weiter organisiert die BGL den Wettbewerb zusammen mit der Betriebsleitung, d.h. das System des materiellen Anreizes. Und sie trifft die Auswahl der Kollegen, die qualifiziert werden.

Auf Lohn- und Tarifverhandlungen hat die BGL wenig Einfluß.

Die Vertrauensleute werden von der BGL als ausführende Organe betrachtet. Es ist einerseits so, daß die Kollegen die BGL und die Vertrauensleute nicht als ihre Interessenvertretung ansehen und andererseits auch die BGL und die Vertrauensleute sich als ausführende Organe der Reichsbahndirektion verstehen.

So haben sich z.B. die Kollegen des Bahnhofs Lichterfelde West bei der BGL beschwert, daß sie laufend Überstunden machen müssen, und daß die BGL diese Überstunden doch eigentlich genehmigen müßte. Die BGL löste dieses Problem in der Weise, daß sie dem Dienstvorsteher unterschriebene Blankoformulare gab.

Gegenüber diesem organisierten Arbeiterverrat ist der Kampfausschuß ein Zusammenschluß von Kollegen, die am Punkt der Lohnerhöhungen dieses Jahr den Kampf aufgenommen haben.

Die meisten von uns sind im FDGB organisiert. Aber wir haben erkannt, daß wir genauso wie die fortschrittlichen Kollegen im DGB unseren Kampf ohne und gegen die Gewerkschaftsführung aufnehmen müssen und daß der Kampf mit dem Ziel geführt werden muß, den revolutionären Sturz auch der neuen Bourgeoisie in der DDR herbeizuführen.

Vor dieser Kampfperspektive hat die SEW-Führung panische Angst. Das Ziel der SEW-Führung ist es dabei, den revolutionären Zusammenschluß der Kollegen zu verhindern (vgl. 26.3.1973, d.Vf.). …

Dennoch konnte die SEW/FDGB-Führung den Zusammenschluß fortschrittlicher Kollegen nicht verhindern. In hektischer Eile entschloß sie sich, den Forderungen der Kollegen teilweise nachzugeben.

Am 29. März gab sie eine Lohnerhöhung zwischen 140 und 170 DM bekannt, die für die Mehrzahl der Kollegen eine Bruttoerhöhung von 150 DM bedeutet. Die Lohnerhöhung gilt allerdings erst ab 1. Juni, ab Ende Juni also gibt es mehr geld, dann wenn die Lohnerhöhung durch die Inflation schon wieder angefressen ist.

Wir fragten uns auch, weshalb greift die Reichsbahndirektion gerade jetzt so tief in die Tasche?

Die politische Stoßrichtung unseres Kampfes, die wir schon in unserer Plattform angegeben hatten,
- KAMPF DER PREISTREIBEREI DES SPD-SENATS
- KAMPF DEN ARBEITERVERRÄTERN IN DGB-, FDGB- UND SEW-FÜHRUNG!
- FÜR DIE REVOLUTIONÄRE EINHEIT DER ARBEITERKLASSE!
bedeutet für die SEW/FDGB-Führung eine Gefahr für ihre Ziele, nicht nur bei der Eisenbahn.

Wenn es ihr nicht gelingt, die Klassenkämpfe im eigenen Betrieb im Keim zu ersticken, werden ihre lügenhaften 'Mitbestimmungsparolen' noch unglaubwürdiger. Gerade die Kollegen werden fragen: Wie wollt ihr mit 'Mitbestimmung' den 'Einfluß der Monopole zurückdrängen', wenn sie nicht mal dazu taugt in euren eigenen Betrieben die Interessen der Arbeiter durchzusetzen.

Um dieses Ziel zu erreichen: Klassenkämpfe im Keim zu ersticken, griffen die Führer von SEW und FDGB tief in das Staatssäckel der neuen Bourgeoisie der DDR.

Wir aber werden den Teilerfolg, den wir errungen haben, jetzt durch konsequente Fortsetzung unseres Kampfes sichern müssen. Wir müssen für eine SOFORTIGE Lohnerhöhung und ihre Rückwirkung ab 1. Januar 1973 kämpfen.

Wir werden uns nicht auf diese wirtschaftliche Forderung beschränken, sondern den Kampf genauso für die in der Plattform angegebenen anderen Forderungen führen und wir werden konsequent eintreten für die Maidemonstration der KPD im Wedding und für die Ziele des Maikomitees oppositioneller Gewerkschafter.

Als eine besondere Aufgabe aber sehen wir es an, den Kollegen aus der DDR, die mit uns arbeiten, unseren Kampf zu erklären und unsere Einheit voranzutreiben unter der Parole:
- FÜR DIE WIEDERVEREINIGUNG DEUTSCHLANDS AUF REVOLUTIONÄRER GRUNDLAGE!"
Q: Rote Fahne Nr. 15, Dortmund 11.4.1973, S. 7

31.03.1973:
Die KPD berichtet aus Berlin von der Polizei (vgl. 26.3.1973), u.a. über die KOBs:"
BÜRGERKRIEGSMANÖVER UND POLIZEIREFORM IN WESTBERLIN:

'Charlottenburger Polizisten proben den Bürger-Kontakt', lesen wir am 1.4. im Westberliner 'Tagesspiegel'. Und weiter heißt es dort: 'Die Negativ-Situation, in der sich der Polizeibeamte von heute, speziell die Funkwagenbesatzungen befinden, gilt es zu verändern.' So formulierte es der Leiter der Polizei-Inspektion Charlottenburg, Polizeidirektor Günther Freund. Die Schüsse an der Oper, die am 2.Juni 1967 den Studenten Benno Ohnesorg niederstreckten, bedeuten für Freund das 'Ende eines Polizeidenkens althergebrachter Art.' Fast täglich präsentiert die Westberliner bürgerliche Presse diese und ähnliche Propagandaartikel. Fast täglich versucht sie, den Werktätigen einzureden, daß eine Reform in ihrem Interesse wäre, deren Ergebnis die meisten schon längst kennen, nur unter anderem Namen: Das Blockwartsystem der Hitler-Faschisten.

Das ist der Kern der Reform-Pläne der Neubauer-Polizei, durch die die alten Polizeireviere aufgelöst und durch 'Kontaktbereiche' ersetzt werden sollen, die von einzelnen Beamten ständig überwacht werden können. Hand in Hand damit geht die Konzentrierung starker Polizeiverbände in einigen wenigen Kasernen, die noch stärker als bisher paramilitärischen Charakter erhalten. Sie sollen dafür sorgen, daß den Werktätigen zum gewohnten Bild wird, was während der Jagd gegen die 'Baader-Meinhof-Gruppe' (RAF, d.Vf.) zum ersten Mal in konzentrierter Form vorgetragen wurde: Die massive Demonstration der Gewaltapparate des Staatsapparats. Jetzt, wo die 'Jagd nach der Baader-Meinhof-Gruppe' weitgehend abgeschlossen ist, wo vor Gericht immer deutlicher wird, wie tief der Sand ist, auf dem diese Manöver aufgebaut wurden, werden neue Vorwände gesucht und erfunden. Welchen Charakter dies annimmt, zeigt der Bericht eines Berliner Werktätigen: … (vgl. 26.3.1973, d.Vf.)

Samstag, 31.3.: Kurz vor 19 Uhr fahre ich mit meinem Auto beim Bahnhof Zoo vorbei. Das ganze Zooviertel steht voll mit Mannschaftswagen der Polizei, die Ausgänge des Bahnhofs sind hermetisch abgeriegelt. Ich steige aus, um zu sehen, was vorgefallen ist. Eine Großrazzia ist im Gange, hauptsächlich gegen ausländische Kollegen gerichtet. Jeder, der sich im Bahnhof aufhält, wird an die Wand gestellt und durchsucht. Jeder, der keinen Ausweis bei sich trägt, wird verhaftet. Fast alle fünf Minuten fährt ein Pritschenwagen mit etwa 20 Verhafteten davon, die Zahl der Verhafteten geht in die Hunderte. Für die meisten der ausländischen Kollegen bedeutet dies die Abschiebung in ihre Heimatländer. Neben mir stehen viele, die in Diskussionen ihrer Empörung offen Ausdruck geben, 'Polizeistaatsmethoden', höre ich, einer sagt 'brutale Bande'.

Ein Polizist läßt seinen Polizeihund in Richtung Zuschauer laufen und schreit: 'Weiter zurückgehen!' Ein Sprechchor ertönt: 'Schluß mit den Bürgerkriegsmanövern der Polizei!' Eine Gruppe von Kollegen, die Plaketten tragen, auf denen steht 'Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter' hat die Parole gerufen. Wie von der Tarantel gestochen stürzt ein Trupp von Polizisten mit gezogenen Knüppeln auf die Zuschauer los, drischt los, ohne zu schauen wohin.

Wenig später stehen sie wieder da. Neben mir ein Fotograf, der das Vorgehen der Polizei fotografiert. Ein Kollege ruft: 'Du willst wohl deine Kamera loswerden.' Wenig später stürzt ein Polizist von hinten auf die Gruppe zu, in der ich stehe, versucht den Fotografen zu packen. Ein Kollege neben dem Fotografen, dreht sich um und sagt: 'Was soll denn diese Rempelei?' Schon stürzen vier oder fünf Polizisten auf ihn, verhaften ihn, 'Widerstand gegen die Staatsgewalt', sagen sie. Die Herumstehenden sind empört, die Polizei wagt es nicht mehr, den Fotografen anzugreifen. In der Polizeikaserne, erzählt der Kollege später, wußten die nicht einmal mehr, wen sie warum verhaftet hatten. Die Kriminalbeamten fluchten ganz offen, die BePo (Bereitschaftspolizei) habe doppelt so viele Leute eingeliefert, als Verhaftungszettel ausgestellt wurden. Ihn entließen sie nach zwei Stunden, nachdem sie seine Personalien überprüft hatten. Sie erzählten mit keinem Wort, warum sie ihn verhaftet hatten und hinderten ihn daran, einen Anwalt anzurufen, obwohl er das mehrfach verlangte.

Sonntag, 1.4.: 'Frühjahrsputz am Zoo' heißt die Überschrift in Springers Morgenpost. 'Nach kleinen 'Nadelstichen' folgte gestern Abend der 'Hammerschlag'. das war das Losungswort für eine Großrazzia auf dem Bahnhof Zoo und in einem Lokal im Aschinger-Haus. Am späten Abend folgte schließlich noch der 'Frühjahrsputz', die prosaische Umschreibung der Polizei für eine großangelegte Kontrolle mehrerer einschlägiger Lokale in der City.' Für all dies gibt es das kürzere Wort: Bürgerkriegsmanöver. Und solche Bürgerkriegsmanöver machen deutlich, welchen Charakter die Politik des SPD-Senats und der SPD/FDP-Regierung hat: Sie ist die Politik von Volksfeinden. Ob 'Polizeireform' oder 'Hammerschlag', ob 'Frühjahrsputz' oder 'Banküberfall', all diese Manöver sind geprobte Angriffe auf die Arbeiterklasse. Ihnen gilt es entgegenzutreten."
Q: Rote Fahne Nr. 14, Dortmund 4.4.1973, S. 3

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April 1973:
Die KPD berichtet aus Berlin von der Vietnamhilfe bei der KWU (vgl. März 1973) vermutlich aus dem April:"
KWU-WESTBERLIN, TROTZ KÜNDIGUNGSDROHUNGEN: VIETNAMHILFE GEHT VORAN!

Mehrere Kollegen aus der Kraftwerk-Union in Westberlin haben sich in den letzten Monaten zusammengefunden, um den Kampf des vietnamesischen Volkes zu unterstützen. … Trotz dieser massiven Einschüchterungen geht der Kampf der oppositionellen Kollegen im Betrieb weiter. Mobilisierung der Kollegen, Unterschriftensammlungen, Solidaritätsresolutionen aus anderen Betrieben müssen jetzt das Mittel sein, den Arbeiterfeinden im Betrieb und in den Gewerkschaften einen Strich durch die Rechnung zu machen. Auf der Veranstaltung des Maikomitees oppositioneller Gewerkschafter am vergangenen Freitag (vgl. 27.4.1973,d.Vf.) betonte auch ein Kollege aus der KWU:
'Trotz dieser Einschüchterungsversuche seitens Geschäftsleitung, SPD-Betriebsräten und Gewerkschaftsbonzen geht unser Kampf weiter. Insbesondere werden wir unsere Aktivitäten für die VIETNAM-HILFE weiter verstärken. Nach wie vor gilt unser Aufruf… in den Monaten Februar und März haben wir jeweils 140 DM gesammelt - unser nächstes Ziel ist es diese Summe auf 300 DM monatlich zu erhöhen!'"
Q: Rote Fahne Nr. 18, Dortmund 2.5.1973, S. 5

April 1973:
Der Kommunistische Jugendverband (KJV) der KPD gibt die Nr. 5 seiner 'Kämpfenden Jugend' (vgl. März 1973, 28.5.1973) heraus. Berichtet wird u.a. aus dem Berliner BSE-Bereich vom Maiausschuss Bau.
Q: Kämpfende Jugend Nr. 5, Dortmund Apr. 1973, S. 3

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April 1973:
Vermutlich im April erscheint 'Fidibus' - Zeitung für die Siedlung Lichterfelde und für den Knast Nr. 4. Angekündigt wird ein 1. Mai-Fest.
Q: Fidibus Nr. 4, Berlin o. J. (1972)

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April 1973:
Der KSV der KPD gibt in Berlin einen Sonderdruck seiner 'Dem Volke dienen': "1. Mai im Wedding! Gegen die arbeiterfeindliche Brandt-Regierung!" heraus.
Q: Dem Volke dienen Sonderdruck zum 1. Mai 1973, Berlin 1973

April 1973:
In Berlin erscheint vermutlich im April der Sonderdruck 3 der 'Hundert Blumen' mit einem Titelbild "Heraus zum 1. Mai".

Enthalten sind die Artikel:
- "Hundert Blumen intern" mit der Erklärung, warum diesen Monat keine reguläre Zeitung erscheint, da man mit den ersten 7 Ausgaben 1 000 DM Schulden gemacht habe;
- "Bo Bo Bolinski. Kommt erschöpft, aber geil von der 1. Mai-Demonstration im Wedding…", ein Comic;
- "Die Fantasie auf die Strasse";
- "'Weil wir leben wollen, machen wir ein Fest'" ein Bericht vom Schülerprotest aus Paris, Frankreich, vom März 1973;
- "'Warum haben wir die Nase voll?'" ein weiterer Bericht vom Schülerprotest aus Paris, Frankreich; sowie
- "Polizisten-Steckbriefe, aufgehängt von Günter Bruno Fuchs";
- "Unser Jugendzentrum" von Eckehard Lehmann.

Eine Anzeige wirbt für das Heft 'Guten Morgen' von Ton Steine Scherben.
Q: Hundert Blumen Sonderdruck 3, Berlin 1973

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02.04.1973:
Vermutlich in dieser Woche gibt in Berlin das Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter 1973 der KPD seine erste Zeitung '1. Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse' (vgl. 17.4.1973) heraus, für die Angela Hoffmann (Jugendvertreterin im Rudolf Virchow Krankenhaus - RVK) verantwortlich zeichnet. Diese bekommt dafür ein Ausschlußverfahren (UVB) aus der ÖTV.

Bekanntgegeben wird, daß das Maikomitee von KollegInnen aus den Betrieben/Bereichen AEG, Borsig, DWM, Eternit, Flohr Otis, DTW, KWU, Krone, Daimler-Benz, Bundesdruckerei, Fürst und Sohn, Lindemann und Lüdecke, Bosse, Dr. Klotz, Deutsche Reichsbahn, Siemens, SEL, Schering, Auguste Viktoria Krankenhaus, Maiausschuß Rudolf Virchow Krankenhaus, Städtisches Krankenhaus Neukölln, Allgemeines Krankenhaus Moabit, Krankenhaus Mariendorfer Weg, Klinikum Steglitz, Coop, Post, Senator für Finanzen, Senator für Gesundheit, Forstarbeit, Bauindustrie, Maiausschuß Lehrer, Maiauschuß Erzieher und Sozialarbeiter, kirchlichen Mitarbeitern und Schülern der Berufsschule Zitadelle Spandau gebildet worden sei.

Von der Jugendvertretung Schering wird auch auf die Maikomitees von Jusos der SPD und der SEW, die jeweils eine eigene Demonstration in Neukölln machen wollen, eingegangen. Berichtet wird aus der IGM Stadtteilgruppe Südwest (u.a. zuständig für Krone) und von der Lehrlings-Metalltarifrunde (LMTR).

Der Maiausschuß Lehrer kritisiert den Sozialistischen Lehrerbund (SLB) Westberlin wegen dessen Aufruf zur SEW-Demonstration in Neukölln.

Von DTW wird über die zurückgekämpfte Entlassung von Jugendvertretern berichtet.

Gegen Mitglieder des IGM OJA laufen derzeit 12 Ausschlußverfahren (UVB).

Aus der HBV wird berichtet von einer Veranstaltung Mitte März, auf der 3 000 gegen Verlängerung der Ladenöffnungszeiten protestierten.

Aufgerufen wird zur eigenen Veranstaltung bei Max und Moritz (vgl. 6.4.1973).
Q: 1. Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse Nr. 1, Berlin 1973

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06.04.1973:
Eine Maiveranstaltung des Maikomitees oppositioneller Gewerkschafter Berlin der KPD war für heute, u.a. heute vor Druckbetrieben, für 17 Uhr 30 bei Max und Moritz in der Oranienstraße 162 angekündigt worden.
Q: Rote Fahne Nr. 14, Dortmund 4.4.1973, S. 2; Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr. 3, Dortmund Mai 1973, S. 15;1.Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse Nr. 1, Berlin 1973

06.04.1973:
In Berlin gibt das Regionalkomitee der KPD einen 'Rote Fahne' Sonderdruck zur Drucktarifrunde unter dem Titel "Heute: Urabstimmung - Streikbeschluß für alle!" heraus, in dem u.a. von der Bundesdruckerei berichtet und zur heutigen Veranstaltung des Maikomitees aufgerufen wird.
Q: Rote Fahne Nr. 15, Dortmund 11.4.1973, S. 4; Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr. 3, Dortmund Mai 1973

06.04.1973:
Das Regionalkomitee (RK) Westberlin gibt, nach eigenen Angaben morgens, einen 'Rote Fahne Sonderdruck zur DRUPA-Tarifrunde' (DTR) unter Verantwortung von Chr. Semler in Dortmund heraus, von dem uns die erste Seite vorlag:"
GESTERN KÄMPFERISCHE MITGLIEDERVERSAMMLUNG ANSCHLIESSEND DEMONSTRATION
HEUTE: URABSTIMMUNG
STREIKBESCHLUSS FÜR ALLE!"

Aufgerufen wird für heute zur Sitzung des Kampfausschusses und - bereits eine halbe Stunde später und in ca. 20 Minuten Weg Entfernung - zur Veranstaltung des Maikomitees (MK).
Q: Rote Fahne Nr. 15, Dortmund 11.4.1973, S. 4; Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr. 3, Dortmund Mai 1973, S. 15

09.04.1973:
Vermutlich in dieser Woche gibt das KPD Regionalkomitee Berlin die Nr. 2 seiner Maizeitung (vgl. März 1973) heraus, für deren 4 DIN A 3 Seiten Christian Semler verantwortlich zeichnet. Berichtet wird von der Berliner Thieudemonstration (vgl. 9.4.1973), aufgerufen zur Kambodscha- und Spaniendemonstration (vgl. 14.4.1973). Eingegangen wird auf die Drucktarifrunde, den einschlägigen Kampfausschuß oppositioneller Gewerkschafter, die SEW und die Druckbranchenzeitung 'Umbruch', die von ehemaligen KB/ML 'Zirklern' herausgegeben werde, die nicht im Kampfausschuß vertreten seien. Weitere Themen sind die Polizeireform, die nationale Frage und der Austritt der Jusos aus dem Maikomitee der SEW.
Q: KPD-RK Westberlin: Maizeitung Nr. 2, Berlin 1973

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09.04.1973:
In Berlin gibt die KJO Spartacus vermutlich in dieser Woche ihre "Maizeitung der kommunistischen Jugendorganisation Spartacus" heraus mit dem Leitartikel "Am 1. Mai in Neukölln!".

Weitere Artikel sind:
- "SEW schliesst Maikomitee!" zur Absetzung der Sitzung vom 4.4.1973;
- "Von der SEW unterschlage Artikel" für die 'Maizeitung', wobei es sich handelt um "KJO", "Resolution" gegen die Stufenausbildung in der Elektroindustrie, "Jugendarbeitsschutz und DGB" zum JuArSchG und "Disziplinierung durch Berufsausbildung" der Bibliothekarsstudenten, wogegen die ÖTV-Fachgruppe Bibliothekare protestiert;
- "1. Mai 73" ein Comic;
- "Spalterdemonstration im Wedding";
- "SEW_Manöver im S.F.B." zum Sozialistischen Frauenbund (SFB);
- "Politische Bankrotteure im Gewerkschaftsmantel", diese seien vor "allem Angehörige der weiland ruhmlos untergegangenen PL/PI und des Westberliner KB", die aufrufen zu einem Gewerkschaftsblock in Neukölln;
- "Kampf den Stufenplänen", wozu einige HBV-Jugendgruppen eine Veranstaltung für den 26.4.1973 planten, die aber verlegt sei;
- "§ 218" zur bundesweiten Konferenz in Braunschweig (vgl. 31.3.1973);
- "Einzelhandel: Schlechte Arbeitsbedingungen" zum Ladenschlußgesetz;
- "DruPa-Tarifrunde" zur DTR;
- "Kampf dem Ministerpräsidentenerlass!" mit dem Aufruf zur Berufsverbote-Demonstration in Dortmund (vgl. 14.4.1973); sowie
- "IGM-Jugendtarife" zur JMTR bzw. einem Artikel der 'Wahrheit' der SEW vom 6.4.1973.

Der "Aufruf der KJO-Spartacus zum 1. Mai" gliedert sich in die Abschnitte:"
- "Die Bürokraten 'kämpfen' im Fernsehen";
- "Die 'Reformen' nach der Wahl";
- "Das Dilemma der Jusos…";
- "…am Beispiel der 'Inneren Sicherheit'";
- "Die Wehrstrukturreform…" der Bundeswehr;
- "…und der antimilitaristische Kampf";
- "Auseinandersetzungen um die Tarifpolitik";
- "Die Bürokratie sorgt für den Betriebsfrieden";
- "Kampf gegen die Stufenausbildung"; sowie
- "1. Mai als internationaler Kampftag".

Aufgerufen wird zur 1. Mai-Demonstration in Neukölln, angekündigt wird ein Großes Maifest für den 28.4.1973, dessen Ort noch bekanntgegeben werde.
Q: Maizeitung der kommunistischen Jugendorganisation Spartacus, Berlin o. J. (1973)

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11.04.1973:
Bei Osram Berlin erscheint der 'Klassenkampf Osram' Nr. 33, der auch zum 1. Mai aufruft.
Q: Klassenkampf Osram Nr. 33, Berlin 11.4.1973, S. 3 und 7f

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11.04.1973:
Die Nr. 19 der 'Aachener Studentenzeitung' (ASZ - vgl. 7.2.1973, 9.5.1973) wird vom AStA der RWTH herausgegeben mit dem Artikel "1. Mai 1973" zum DGB Berlin.
Q: Aachener Studentenzeitung Nr. 19, Aachen 11.4.1973, S. 6

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13.04.1973:
Eine Maiveranstaltung der LgdI der KPD war für heute in Berlin angekündigt worden.
Q: Rote Fahne Nr. 14, Dortmund 4.4.1973, S. 2

14.04.1973:
Spartacus Bolschewiki/Leninisten (SBL) gibt seinen 'Spartacus' Nr. 4 (vgl. 5.3.1973, Mai 1973) heraus. Am 1. Mai wolle man sich an der Demonstration des Maikomitee 73 in Kreuzberg beteiligen.
Q: Spartacus Nr. 4, Mainz 14.4.1973

16.04.1973:
In Berlin gibt vermutlich in dieser Woche das KPD-nahe Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter 1973 die Nr. 2 seiner Zeitung '1. Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse' (vgl. 2.4.1973, 24.4.1973) heraus, in der zu Veranstaltungen am 26. und 27.4.1973 sowie zur Maidemonstration ab Turmstraße aufgerufen wird. Bekanntgegeben werden Ausschlußverfahren gegen die Jugendvertretung Schering und die presserechtlich Verantwortliche dieser Zeitung, Angela Hoffmann.

Aus dem Maikomitee der SEW sind nun auch die Jungdemokraten ausgeschieden. Weitere Themen sind die internationale Solidarität, die IGM, die Drucktarifrunde, die Chemierunde und der RGO-Kongreß (vgl. 14.4.1973).
Q: 1. Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse Nr. 2, Berlin 1973

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19.04.1973:
Eine Maiveranstaltung des KJV der KPD war für heute in Berlin angekündigt worden.
Q: Rote Fahne Nr. 14, Dortmund 4.4.1973, S. 2

23.04.1973:
In Berlin gibt der Maiausschuss '73 vermutlich in dieser Woche seine 'Mai-Zeitung' Nr. 3 (vgl. 3.3.1973) heraus mit dem Leitartikel "Demonstration am 1. Mai, 9.30 Uhr Karl-Marx-Platz, Neukölln".

Weitere Artikel sind:
- "DAG-Jugend und DGB-Jugend zum 1. Mai";
- "Gegen Feste mit geladenen Gästen" zu einer Resolution des Personalrats der FU;
- "Traditioneller Kampftag" zur Resolution der Jusos Charlottenburg vom 6.4.1973;
- "Betriebsräte rufen auf!" zur Versammlung von 200 Mitgliedern von DAG und HBV im Einzelhandel gegen die Änderung der Ladenschlusszeiten;
- "Abschaffung der Mißstände im Klinikum Steglitz!";
- "Wahl der Vertrauensleute: Stimmt für aktive Kollegen! zu den VLW der IGM, die bis Ende April stattfinden;
- "Schwerstarbeit für Leichtlohn" zu den Frauen;
- "Wer gibt Arbeit?" zu den Begriffen Arbeitnehmer und Arbeitgeber;
- "Schluß mit dem 'Radikalenerlaß'" zu den Berufsverboten;
- "Kampferfolg gegen die Zeitungsverleger" zur Drucktarifrunde (DTR);
- "Speditionslehrlinge: Tägliche Ausbeutung";
- ein Aufruf auf Serbokroatisch sowie sehr auch auf Griechisch und Türkisch;
- "Bei Hertie: Repressalien" zur Nichtübernahme von zwei Jugendvertretern, einer DAG-Mitglied im HBV-Bereich bei Hertie Chausseestraße;
- "DAG-Jugend - Ordnungsfaktor oder Kampforganisation?";
- "Zustimmung der Lehrer" zur ASL im GEW-Bereich;
- "Betriebsgruppe unterstützt Initiative" zur SPD-Betriebsgruppe im Bezirksamt Charlottenburg;
- "Dafür demonstrieren am 1. Mai";
- "1. Mai '73 Kundgebungen" zur Saalveranstaltung des DGB; sowie
- "Meinungen zum 1. Mai" für eine Kundgebung unter freiem Himmel vom Landesbezirkstag der DruPa, den Landsbezirksvorständen der HBV und der GLF, dem Bezirksvorstand der ÖTV und zwei Drittel der ÖTV-Abteilungen, der Vertreterversammlung der BSE, der Landesjugendkonferenz der DAG und einigen OJAs des DGB.

Kontaktadressen werden für alle Bezirke angegeben.
Q: Maiausschuss '73: Mai-Zeitung Nr. 3, Berlin Apr. 1973

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23.04.1973:
Die KPD berichtet vermutlich aus dieser Woche:"
WESTBERLIN: 70 LEHRER DER GEW BEI DER VERANSTALTUNG DES MAI-KOMITEES!

Die Westberliner SEW-Führung hatte gehofft, wenn sie schon in den Industriegewerkschaften nur schmalen Einfluß gewinnen kann, die GEW zu ihrer Hochburg auszubauen. Das Maikomitee (MK, d.Vf.) oppositioneller Gewerkschafter unternahm in diesem Jahr erfolgreiche Anstrengungen, die fortschrittlichen und revolutionären Lehrer in der GEW oppositionell zusammenzuschließen, um dem reformistischen und revisionistischen Einfluß entgegenzutreten. Auf Einladung des oppositionellen Maikomitees kamen über 70 Lehrer zu einer Diskussionsveranstaltung, unter ihnen Lehrer aus 22 Schulen, die regelmäßig an einem ROTE-FAHNE-Lesetreff (RFLT, d.Vf.) teilnehmen.

Eine proletarische Genossin berichtete den Lehrern über den RGO-Kongreß in Dortmund (vgl. 14.4.1973, d.Vf.). Sie erklärte ihnen aus der Erfahrung der Westberliner Großbetriebe die Notwendigkeit oppositioneller Arbeit in den Gewerkschaften und die Bedeutung der Losung: 'Hinein in die Gewerkschaften - stärkt die revolutionäre Gewerkschaftsopposition.'

Ein Lehrer aus dem Rote-Fahne-Lesetreff analysierte danach die volksfeindliche Bildungspolitik des SPD-Senats und der sozialdemokratischen Bundesregierung und erklärte die Rolle der GEW-Führung für die Durchsetzung der sozialdemokratischen Regierungspolitik. 'Auch wenn es um den Abbau gewerkschaftlicher und demokratischer Rechte geht, ist die GEW-Spitze fix als Büttel des SPD-Senats zur Stelle. Als Schulsenator Löffler das Verteilen von Flugblättern während der Dienstzeit verbot (vgl. **.**.197*, d.Vf.) erteilte die GEW-Führung den Kollegen die Anweisung, Flugblätter und Unterschriftenlisten nur außerhalb des Schulgrundstücks und außerhalb der Dienstzeit zu verteilen.'

Er wies an schlagenden Beispielen nach, daß die SEW-Führung diese Verratspolitik mit etwas linkeren Phrasen abdeckt, unsinnige Thesen verbreitet, wie, man könne die Klassenschule durch eine 'Demokratisierung' der Lehrinhalte verändern.

Der Genosse schloß seine Rede mit der Aufforderung, den Aufbau der RGO in der GEW zu unterstützen.

Die Diskussion entzündete sich an zwei Fragen: Wie können wir die oppositionellen kräfte stärken? Wie müssen wir in den Gewerkschaften kämpfen?

Einigen Anwesenden, die der RGO Spaltertum vorwarfen (es waren Zirkelvertreter (vermutlich AnhängerInnen des späteren KBW, d.Vf.), die hier wieder einmal den Chor der Gewerkschaftsbonzen und Revisionisten verstärkten) hielt ein Genosse der KPD die wirklichen Spalter entgegen: Die Gewerkschaftsführer, die nach dem 2. imperialistischen Krieg die Bewegung der Lehrer für die Einheitsschule spalteten, die mit der CIA-Truppe UGO (Unabhängige Gewerkschaftsopposition) die Einheitsgewerkschaft spalteten und so die Werktätigen Westberlins dem USA-Imperialismus und dem westdeutschen Monopolkapital auslieferten.

Großen Beifall erhielt eine Genossin des KOV, die aufrief: 'Schüler und Lehrer müssen eine Kampffront bilden.'

Zum Schluß verabschiedete die Versammlung eine Solidaritätsresolution mit der Kollegin Angela Hoffmann, die aus der GEW ausgeschlossen werden soll, weil sie die GEW-Spitze in der Maizeitung veröffentlichte."

Der letzte Satz erscheint ein wenig unverständlich, besonders da Angela Hoffmann zumeist als ÖTV-Mitglied am Rudolf-Virchow-Krankenhaus (RVK) bezeichnet wird.
Q: Rote Fahne Nr. 18, Dortmund 2.5.1973, S. 4

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23.04.1973:
In Berlin gibt die Jugendgruppe der Gruppe Arbeitermacht (GAM) vermutlich in dieser Woche ihren "Maiaufruf an die Spandauer Jugend" heraus mit dem Leitartikel "Warum feiern wir den 1. Mai und nicht am 1. August?".

Weitere Artikel sind:
- "Der lange Kampf der Kladower Jugendlichen hat sich gelohnt" zur Herrichtung des Bolle-Hauses als Jugendheim;
- "In Frankfurt ging's rund" zum Häuserkampf";
- "Was beschert uns der Senat mit der Oberstufenreform" (OSR);
- "Jetpower und Freizeitmisere" zur Diskothek; sowie
- "Staatsempfang für einen Henker" zum Thieu-Besuch in Bonn.

Aufgerufen wird zur Mai-Demonstration in Neukölln, für die man sich um 9 Uhr 30 am Rathaus trifft sowie zum Maifest nachmittags auf dem Hafenplatz.
Q: GAM-JG: Maiaufruf an die Spandauer Jugend, Berlin O. J. (1973)

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23.04.1973:
In Westberlin erscheint eine 'Kommunistische Studentenpresse - Rote Zelle 7' (KSP) der Roten Zelle für Bauingenieure und Maschinenbauer an der TU (vgl. 7.6.1972) mit dem Artikel "Am 1. Mai mit KPD und RGO im Wedding".
Q: Kommunistische Studentenpresse - Rote Zelle 7, Berlin 23.4.1973, S. 9ff

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24.04.1973:
In Berlin gibt vermutlich in dieser Woche das KPD-nahe Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter 1973 seinen Maiaufruf unter dem Titel seiner bisherigen Maizeitung, '1. Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse' (vgl. 17.4.1973) heraus, in dem man sich u.a. mit SEW, Jusos und den Ausschlußverfahren gegen die Jugendvertretung Schering (vgl. 26.4.1973) befaßt.
Q: Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter 1973: 1. Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse, Berlin 1973

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25.04.1973:
In Berlin führt, laut KPD, ihr Kampfausschuß Gesundheitswesen eine Maiveranstaltung mit Teilnehmern aus allen großen Krankenhäusern und der Jugendvertretung des Rudolf Virchow Krankenhaus (RVK) durch, die sich u.a. mit dem ÖTV-Ausschluß (UVB) gegen Angela Hoffmann (Jugendvertreterin im RVK) befaßt (vgl. 2.4.1973).
Q: Rote Fahne Nr. 19,Dortmund 9.5.1973

25.04.1973:
Die Zelle des KOV der KPD auf der Berliner Schulfarm Insel Scharfenberg gibt ihre 'Kommunistische Inselpresse' Nr. 1 (vgl. Juni 1973) heraus mit dem Leitartikel "Demonstrieren wir am 1. Mai in Wedding". Aufgerufen wird zu den Mai-Veranstaltungen am 27. und 29.4.1973.

Beigelegt ist ein Flugblatt "1. Mai internationaler Kampftag der Arbeiterklasse!" des Maiausschuß Weddinger und Reinickendorfer Schüler, auf dem oben rechts groß auch KOV steht und das zur regionalen KOV-Veranstaltung am 29.4.1973 aufruft.
Q: Kommunistische Inselpresse Nr. 1, Berlin 25.4.1973; Maiausschuß Weddinger und Reinickendorfer Schüler: 1. Mai internationaler Kampftag der Arbeiterklasse!, Berlin o. J. (1973), S. 1ff

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26.04.1973:
In Berlin soll eine Veranstaltung gegen die Ausschlußverfahren gegen die Jugendvertretung Schering im Kreuzberger Jugendheim Böcklerpark stattfinden, zu der u.a. das KPD-nahe Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter 1973 aufruft.
Q: 1.Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse Nr.2,Berlin 1973

26.04.1973:
In Berlin gibt die KJO Spartacus ein Flugblatt zur Mobilisierung für ihre Maiveranstaltung am 30.4.1973 heraus.
Q: KJO Spartacus:1. Mai KJO Spartacus, Berlin 26.4.1973

27.04.1973:
In Berlin erscheint vermutlich Ende dieser Woche die Zeitung des Mai-Komitees '73, '1. Mai 1973' Nr. 3 mit der Schlagzeile "Heraus zum Internationalen Kampftag der Arbeiterklasse", der ab 11 Uhr in Neukölln gefeiert werden soll. Aufgerufen wird: "Verstärkt den Klassenkampf gegen das Großkapital!".

Im Mai-Komitee '73 sind u.a. vertreten: SEW, FDJW, SJD Die Falken, Landesverband der Jungdemokraten und Jusos Kreuzberg.
Q: 1. Mai 1973 Nr. 3, Berlin Apr. 1973

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27.04.1973:
In Berlin führt das der KPD-nahestehende Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter seine zentrale Maiveranstaltung in der Neuen Welt durch. Ein Gewerkschaftsausschlußverfahren (UVB) wurde eingeleitet gegen Angela Hoffmann, die für die Zeitungen des Komitees (vgl. 2.4.1973) verantwortlich zeichnete.

Aus dem IGM-Bereich wird u.a. berichtet von der Vietnamhilfe bei KWU (vgl. Apr. 1973).
Q: Rote Fahne Nr. 14 und 18, Dortmund 4.4.1973 bzw. 2.5.1973, S. 2 bzw. S. 5; 1. Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse Nr. 2, Berlin 1973;Kommunistische Arbeiterpresse KWU Nr. 24, Berlin 27.4.1973

27.04.1973:
In Berlin wurde für heute u.a. durch die Sozialistische Stadtteilgruppe Neukölln und das Frauenzentrum Hornstraße mit einem Flugblatt "Volksfest am 1. Mai!" aufgerufen zu einem Informationstreffen um 19 Uhr 30 in der Hertzbergklause um ein Volksfest am 1. Mai durchzusetzen, das vom Bezirksamt verboten wurde.
Q: Sozialistische Stadtteilgruppe Neukölln, Frauenzentrum Hornstraße u.a.: Volksfest am 1. Mai!, O. O. (Berlin) o. J. (1973)

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27.04.1973:
Die KPD gibt bei KWU Berlin die Nr. 24 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. Apr. 1973, 15.5.1973) heraus mit einem Aufruf zu den Maiaktionen (vgl. heute, 30.4.1973, 1.5.1973). In dem Sonderdruck der 'Kämpfenden Jugend' zur Lehrlingsmetalltarifrunde Nr. 3 geht der KJV u.a. auf Siemens, SEL und den OJA ein und ruft zur Maidemonstration der KPD auf.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse KWU Nr. 24, Berlin 27.4.1973, S. 1ff; Kämpfende Jugend Lehrlingsmetalltarifrunde Nr. 3, Dortmund o.J. (1973)

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29.04.1973:
Von Osram Berlin berichtet die KPD/ML, früher KPD/ML-ZK, u.a. über die heutige stadtweite Maiveranstaltung, daß zu dieser 20, u.a. Ausländer von Osram gekommen seien.

Über die eigene Vergangenheit in der KPD/ML-ZB heißt es:"
Die Parteizelle Osram besteht fast nur aus Mitgliedern der früheren Gruppe 'Rote Fahne'. Wir, die Arbeiter, sind geschlossen zur KPD/ML gekommen."

Auch die Zeitung heißt wie zu ZB-Zeiten 'Rotlicht' und man plant Straßenzellen im Wedding. Man befasst sich auch mit Frauen.
Q: Roter Morgen Nr. 18, Dortmund 12.5.1973, S. 4

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29.04.1973:
In Berlin führt der KOV der KPD heute seine Maiveranstaltung im Hauptgebäude der TU durch.
Q: Schulkampf Sdr.druck und Nr. 7, Berlin Apr. 1973 bzw. Juni 1973

30.04.1973:
Eine Maiveranstaltung der KPD findet heute in der Berliner Hasenheide mit, laut KPD, 3 000 Besuchern statt:"
Nach einer Vielzahl von Veranstaltungen der Parteizellen, des oppositionellen Maikomitees, versammelten sich 3 000 Freunde und Genossen der Partei zur großen Maiveranstaltung in der 'Hasenheide'."
Q: Rote Fahne Nr. 14 und 18, Dortmund 4.4.1973 bzw. 2.5.1973, S. 2 bzw. S. 8; Kommunistische Arbeiterpresse DeTeWe Nr. 7, Dortmund Mai 1973;Kommunistische Arbeiterpresse KWU Nr. 24, Berlin 27.4.1973

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30.04.1973:
Vermutlich bereits heute oder noch früher gibt die KPD bei DTW Berlin die auf Mai datierte Nr. 7 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (vgl. März 1973, 5.6.1973) heraus, die zum Besuch der Maidemonstration und der Großveranstaltung der KPD heute in der Neuen Welt aufruft.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse - DeTeWe Nr. 7, Dortmund Mai 1973, S. 1 und 7f

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30.04.1973:
In Berlin möchte die KJO Spartacus bei Max und Moritz ihre Maiveranstaltung durchführen.
Q: KJO Spartacus:1.Mai KJO Spartacus, Berlin 26.4.1973

Mai 1973:
In Berlin gibt die Initiativgruppe zum Aufbau eines Sozialistischen Studentenbundes (IG/SSB) des KB erstmals ihren 'Gemeinsamen Kampf' (vgl. Juni 1973) heraus mit dem Artikel "Zum 1. Mai", der auch fragt: "Wie verhalten wir uns als Studenten zu den Streiks der Arbeiter?".
Q: Gemeinsamer Kampf Nr. 1, Berlin Mai 1973, S. 1 und 3f

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01.05.1973:
Zum 1. Mai gibt die Kurdische demokratische Partei in Syrien (linker Flügel) - Europa-Organisation das Flugblatt "Der 1. Mai" heraus, in dem die neue Verfassung kritisiert wird und sich die Gruppe als marxistisch-leninistisch bezeichnet. Verteilt wird das Flugblatt u.a. in Berlin.
Q: KDP Syrien-LF: Der 1. Mai, O. O. o. J. (1973)

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01.05.1973:
In Berlin rufen die KPD und ihr Maikomitee zur Demonstration um 10 Uhr ab Turmstraße auf. Laut Angaben der KPD wuchs diese Demonstration von 6 000 auf über 8 000 beim Schluß im Wedding an. Die Betriebsräte von KWU und AEG Brunnenstraße sollen die Demonstration gefilmt haben, um den Unvereinbarkeitsbeschluß der IGM besser anwenden zu können. Die KPD organisiert einen Treffpunkt für die Teilnehmer aus Kreuzberg und einen Kindergarten während der Demonstration. Der KOV zählt in seinem Block 400 Schüler (vgl. 29.4.1973). Die KPD/ML habe sich an die Demonstration der KPD angehängt.

Laut KPD beteiligen sich 11 bis 12 000 an der SEW Demonstration in Neukölln. Laut KB Bremen war es so:"
In diesem Jahr grenzten sich 10 - 12 000 Teilnehmer des fast 40 000 Menschen umfassenden Zuges von den Mitbestimmungsparolen der SEW ab, darunter der Block des von der Initiative zur KG/Westberlin und fünf kommunistischen Hochschulgruppen gebildeten Aktionskomitees, in den sich 2 500 Menschen einreihten. …

4 500 Menschen bildeten den gewerkschaftlichen Block, zu dem die Umbruch-Gruppe des ehemaligen KB/ML und zahlreiche andere betriebliche Gruppen aufgerufen hatten. … Diese Gruppen hatten sich geweigert, mit dem Aktionskomitee eine Aktionseinheit unter politischen Parolen einzugehen.

Unter den Hauptparolen 'Gegen die arbeiterfeindliche Brandt-Regierung -revolutionäre Arbeitereinheit, revolutionäre Volkseinheit' rief die Gruppe Rote Fahne (KPD) mit dem von ihr ins Leben gerufenen 'Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter' zu einer dritten Demonstration auf. … Dieser Demonstration schloß sich ein Block der Gruppe KPD/ML(Roter Morgen) unter der Hauptlosung 'Gegen Lohnraub, Teuerung und politische Unterdrückung' an.

Auch hier wurde die Parole 'Vorwärts zur Revolutionären Gewerkschaftsopposition' propagiert. … In den Block der Gruppe KPD/ML reihten sich 800, in die gesamte Demonstration fast 5 000 Menschen ein."

Laut MLHPol und MLHKybEl Berlin (vgl. 14.5.1973) hat sich die KPD/ML an das Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter der KPD angehängt und konnte 500 der insgesamt 4 000 Demonstranten für sich verbuchen. Auf der Neuköllner Demonstration habe das 'Betriebs- und Hochschulgruppenkomitee 1.Mai Westberlin' aus Initiative kommunistischer Arbeiter zum Aufbau einer 'KG Westberlin', MLHKybEl, MLHPol, MLSG-FHW, SAG/PH und SSGRom einen Block von 2 500 Menschen gebildet.

Der Mai-Auschuss '73 verteilt auf der Demonstration ein Flugblatt mit dem Text der 'Internationale' und von "Brüder zur Sonne, zur Freiheit" mit der Einladung zur Fete der DAG-Jugend im DAG-Haus.

Die Initiative zur Kommunistischen Gruppe Westberlin (IzKG/WB) des KBW (vgl. 11.7.1973) berichtet über sich (vgl. Dez. 1972), dass sie einen Block auf der Demonstration in Neukölln gebildet habe.

Laut KG Hamburg (vgl. 3.5.1973) demonstrieren ca. 35 000 Menschen "für ihre unmittelbaren Lebensinteressen gegen Mietwucher und Preistreiberei, Arbeitshetze und Lohnraub. Der DGB hatte zum dritten Mal seine Maifeier in den Saal verlegt und tagte als geschlossene Gesellschaft für ausgewählte Mitglieder und Ehren. Die Massendemonstrationen widerlegten jedoch die Zwecklügen der SPD-Gewerkschaftsführer, die Arbeiter wollten am 1. Mai nicht mehr auf der Straße demonstrieren."

Laut KAJB (NRF) demonstrieren insgesamt 35 000, davon 24 000 mit der SEW, 5 000 mit den Jusos der SPD und 5 000 mit der KPD. Zur DGB Veranstaltung seien von den 4 000 geladenen Gästen nur 2 500 erschienen.

Es erschien eine Nummer der 'Berliner Arbeiter Zeitung' mit einem Aufruf zur Maidemonstration in Neukölln. Diese Zeitung, welche früher von der Sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (SDA) herausgegeben wurde, erscheint nun durch die Kommunistische Arbeiter Basisgruppe Berlin (KABB). Verantwortlich zeichnet wie zuvor H. Druschky.

Weiterhin nehmen, laut KPD, 2 500 bis 3 000 an der Demonstration der Jusos teil.

Laut KPD/ML beteiligen sich rund 6 000 an der Demonstration im Wedding, darunter knapp 1 000 im eigenen Block, mehr als je zuvor, der im Verlauf des Marsches noch auf 1 300 angewachsen sei. Eine eigene Veranstaltung zu unbekanntem Datum wird u.a. von Osram-Beschäftigten besucht (vgl. 29.4.1973). Hieran nahmen laut KPD/ML (vgl. 19.5.1973) insgesamt 800 bis 900 Personen teil.

Die 'Rote Hilfe' Westberlin berichtet von den Kinderfesten im Ossietzky-Park Moabit, in Kreuzberg auf dem Mariannenplatz und in der Wilhelmstrasse, in Neukölln auf dem Herzbergplatz und in Spandau auf dem Falkenhagener Feld.

Die Kommunistischen Kollektive Hoesch, Zeche Hansa (Dortmund) und Gewerkschaft Viktor (Castrop-Rauxel) Mitglieder der Kommunistischen Fraktion im Ruhrgebiet für den Wiederaufbau der Kommunistischen Partei' (KFR - vgl. 20.4.1973) dokumentieren berichten:
SO STELLEN WIR UNS DIE MAI-FEIER NICHT VOR

Der Berliner Landesbezirksvorstand des DGB hat für die Mai-Feier folgendes Programm beschlossen:
'Paul Kuhn und das SFB-Tanzorchester, Potpourri; Work Song; Der Mai ist gekommen; If I Had a Hammer; 2. Begrüßung durch Walter Sickert, Vorsitzender des DGB-Berlin. 3. Diskussionsgruppe, 'Paritätische Mitbestimmung'. 4. Musik-Schau, Olivia Molina, Paul Kuhn und das SFB-Tanzorchester - Glory, Glory Halleluja; Schön ist die Welt; So oder so (Olivia Molina); Godfather - SFB-Tanzorchester; Solist; Milo Pavlovic; La Bamba (Olivia Molina); 5. Diskussionsgruppe: Gewerkschaften heute. 6. Paul Kuhn und das SFB-Tanzorchester: Manhattan Spiritual; 8. Brüder zur Sonne zur Freiheit, gemeinsames Lied.'

Wir meinen, daß ein derartiges Unterhaltungspotpourri besser Samstag abends '8 nach 8' laufen sollte, dann sind wir gern bereit, uns zu entspannen und unterhalten zu lassen. Am 1. Mai feiern wir aber nicht Paul Kuhn und das SFB-Tanzorchester, sondern die Tradition der Arbeiterbewegung und unsere heutige Kampfstärke; dann wollten wir aller Welt zeigen, welche Probleme wir haben und für welche Forderungen wir kämpfen. Bei einem solchen Angebot ist es nur verständlich, wenn im letzten Jahr in einer Stadt wie Berlin nur noch 8. 000 Kollegen zur Kundgebung kamen. So erweist sich diese Einschläferungstaktik des Berliner Landesbezirksvorstandes als gewerkschaftsschädigend, da er die Kampfkraft der Gewerkschaften schwächt."

Der Anarchistische Arbeiter-Bund (AAB) Berlin führt, nach eigenen Angaben, eine eigene Demonstration durch bzw. organisiert einen Block mit 1 000 Leuten und führt eine Abschlußkundgebung durch.
Q: Befreiung, Mülheim Juni 1973, S. 15f; Mai-Zeitung der Kommunistischen Kollektive Hoesch, Zeche Hansa (Dortmund) und Gewerkschaft Viktor (Castrop Rauxel) Mitglieder der Kommunistischen Fraktion im Ruhrgebiet für den Wiederaufbau der Kommunistischen Partei, Dortmund/Castrop-Rauxel 1973, S. 8;Kommunistische Arbeiterpresse KWU Nr. 24 und 25, Berlin 27.4.1973 bzw. 15.5.1973;Kommunistische Arbeiterpresse DeTeWe Nr. 7, Dortmund Mai 1973;Gemeinsame Zeitung der MLHKybEl und MLHPol, Berlin Mai 1973;Berliner Arbeiter Zeitung, Berlin o.J. (1.5.1973);Hamburger Arbeiter-Zeitung 1.Mai Extra, Hamburg 3.5.1973, S. 2;Wahrheit Nr. 5/6, Bremen Mai/Juni 1973, S. 8;Das Ruder Nr. 6, Bremen Mai 1973;Roter Morgen Nr. 15, 18, Extra Trotz Verbot der 1.Mai bleibt rot, 19Dortmund 21.4.1973, Mai 1973, 12.5.1973 bzw. 19.5.1973;Kommunistische Jugendzeitung Nr. 5, Mannheim Apr./Mai 1973;Rote Fahne Nr. 14, 17, 18, 24 und 1, Dortmund 4.4.1973, 25.4.1973, 2.5.1973, 13.6.1973 bzw. 3.1.1974, S. 2, S. 1, S. 1 und 8 bzw. S.*, ;1.Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse Nr. 2, Berlin 1973;Kommunistische Volkszeitung - Ortsbeilage Westberlin Nr. 1, Berlin 1973;Kämpfende Jugend Nr. 5, Dortmund Apr. 1973;Mai-Ausschuss '73: An alle Kolleginnen und Kollegen…, O. O. (Berlin) o. J. (1973);Rote Hilfe Nr. 19, Berlin Mai 1973, S. 16;Schulkampf Sdr.druck und Nr. 7, Berlin Apr. 1973 bzw. Juni 1973;In DGB-Gewerkschaften organisierte Kollegen: Für klassenkämpferische Gewerkschaftspolitik, O. O. (Berlin) o. J. (1973)

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15.05.1973:
In Berlin gibt die KPD bei KWU die Nr. 25 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (vgl. 27.4.1973, Juni 1973) heraus. Im Leitartikel "Heinrich leistet Spitzeldienste befaßt man sich mit dem 1.Mai, speziell den Filmaktionen des Betriebsrates. Berichtet wird: "Trotz Verbot - der 1. Mai bleibt rot!".
Q: Kommunistische Arbeiterpresse - Ausgabe KWU Nr. 25, Dortmund 15.5.1973, S. 1 und 4f

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13.06.1973:
In Berlin gibt die Jugendzelle Schering des KJV der KPD die Nr. 1 ihrer Betriebszeitung 'Kommunistische Jugendpresse' (KJP) heraus mit dem Artikel "Der Terror der Bonzen: 7 weitere Kollegen sollen aus der Gewerkschaft fliegen!" zu den UVB-Verfahren aufgrund des 1. Mai.
Q: Kommunistische Jugendpresse Schering Nr. 1, Berlin 13.6.1973, S. 5

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Juli 1973:
In Berlin erscheint die 'Betrieb und Gewerkschaft' - Zeitung für die Arbeiter und Angestellten der chemischen Industrie Nr. 12 (vgl. Okt. 1973) mit dem Leitartikel "Gewerkschaftsausschlüsse bei Schering" zu den UVB-Verfahren der IG Chemie aufgrund des 1. Mai.
Q: Betrieb und Gewerkschaft Nr. 12, Berlin Juli 1973, S. 1f

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Letzte Änderung: 21.11.2017