1. Mai 1972 in Berlin

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin


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Zum 1. Mai 1972 setzt sich die IGM schon früh für eine Saalveranstaltung ein (vgl. 7.12.1971, Feb. 1972).

Im Vorfeld des 1. Mai 1972 stehen dann in Westberlin die Fahrpreiserhöhungen an (vgl. 29.2.1972), aber auch die Betriebsratswahlen (BRW - vgl. 14.3.1972), während die Auseinandersetzungen in der IG Chemie um den 1. Mai 1971 weitergehen (vgl. 18.3.1972).

Wiederum gibt es Gewerkschaftliche Maikomitees sowohl von der SEW (vgl. 15.3.1972), als auch von der KPD (vgl. 23.3.1972, 24.3.1972, 25.3.1972, Apr. 1972), die ihre Position innerhalb der Westberliner Linken im Vergleich zum 1. Mai 1971 vermutlich deutlich verbessert hat, sind doch mittlerweile sowohl die PL/PI als auch der KB/ML sowie weitere kleinere Gruppen wie die SBG Tempelhof zerfallen, während die KPD ihre Basis im Bündnisbereich vergrößern konnte (vgl. Apr. 1972, 8.4.1972, 13.4.1972, 17.4.1972, 21.4.1972).

Das Maikomitee verfügt 1972 nun auch über betriebliche Maiausschüsse, wie bei KWU (vgl. Apr. 1972, 13.4.1972) und bei AEG Brunnenstraße (vgl. 10.4.1972), während der Branchenausschuß am Krankenhaus u.a. am RVK tätig wird (vgl. 28.4.1972, 23.8.1972).

Zur schicksalhaften Auseinandersetzung wird der 1. Mai 1972 für die KPD/ML-Neue Einheit (vgl. 30.3.1972, 5.4.1972, 12.4.1972, 25.4.1972, 26.4.1972, 27.4.1972, 29.4.1972, Mai 1972), die mit den beiden anderen KPD/MLs (vgl. 12.4.1972, 14.4.1972, 17.4.1972) und der KPD im Wedding demonstriert.

Zwischen den beteiligten Gruppen gibt es dabei deutliche Differenzen (vgl. 18.4.1972, 24.4.1972, 25.4.1972, 26.4.1972), die KPD/ML-ZB und die KPD/ML-ZK gründen gar noch kurz vor dem Ersten Mai 1972 ein Zentrales Maikomitee (vgl. 24.4.1972, 30.4.1972), welches offenbar u.a. ebenfalls bei KWU aktiv wird (vgl. 28.4.1972).

Die vier konkurrierenden Partei-Ansätze demonstrieren nun am 1. Mai 1972 im Wedding. Viele kleine linke Gruppen schließen sich dagegen der SEW-Demonstration in Neukölln an. Das Georg von Rauchhaus und andere Gruppen organisieren ein Kinderfest in Kreuzberg.

Die Auseinandersetzungen zwischen der KPD/ML-Neue Einheit und der Polizei sorgen für langwierige Prozesse und den Flucht von Teilen des ZKs ins schwedische Exil (vgl. 15.5.1972).

Während die KPD/ML-Neue Einheit so durch den 1. Mai 1972 nachhaltig traumatisiert wird (vgl. 23.1.1973, 26.1.1973, 7.2.1973, 9.2.1973, 14.2.1973, 26.2.1973), rühmt sich die KPD sogar mittels eines Films ihrer Maikampagne 1972 (vgl. 17.11.1972).

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

07.12.1971:
Bei DWM Berlin erscheint 'Der rote Weichensteller' (vgl. Nov. 1971, 13.12.1971), als Betriebszeitung der Betriebsgruppe DWM als 6. Sonderdruck zur Metalltarifrunde (MTR) mit dem Leitartikel "IGM-Vertretertag: 1. Mai 72 im Sportpalast".
Quelle: Der rote Weichensteller 6. Sonderdruck zur Metalltarifrunde, Berlin 7.12.1971, S. 1

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07.12.1971:
Bei Borsig Berlin gibt die KPD die Nr. 6 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (vgl. 14.9.1971, 4.1.1972) heraus. Betont wird: "Der 1. Mai bleibt der Kampftag der Arbeiterklasse!".
Q: Kommunistische Arbeiterpresse - Ausgabe Borsig Nr. 6, Berlin 7.12.1971, S. 4

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Februar 1972:
Bei DWM Berlin erscheint 'Der rote Weichensteller' Nr. 23 (vgl. 20.12.1971, März 1972) mit einem Auszug aus der 'Metall' zum 1. Mai.
Q: Der rote Weichensteller Nr. 23, Berlin Feb. 1972, S. 7

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29.02.1972:
Der Kommunistische Bund Bremen (KBB - vgl. 3.4.1972) berichtet vom:"
KAMPF GEGEN FAHRPREISERHÖHUNGEN IN WESTBERLIN

Am 29.Februar demonstrierten durch die Arbeiterviertel Westberlins 8 000 Menschen unter den Losungen 'Verhindert die Fahrpreiserhöhung bei der BVG' und '30 Pfg. Einheitstarif'. 2 000 Mitglieder der Jugendgewerkschaften führten den Demonstrationszug an.

In der Vorbereitung und Durchführung der Demonstration zeichnet sich eine Wende in der Westberliner Arbeiterbewegung ab. Westberlin, Zentrum der Studentenbewegung, konnte sich noch bis vor kurzem 'rühmen', die 'ruhigsten' Gewerkschaften ganz Westeuropas zu haben. Außer einem Streik bei der BVG, organisiert durch die ÖTV, haben die Gewerkschaften bis heute keine Arbeitskämpfe durchgeführt, obgleich die Löhne der Arbeiter immer niedriger waren als in vergleichbaren Großstädten. Auf die besondere politische Lage Westberlins pochend, hatten Senat und Gewerkschaftsführung den Kapitalisten in Westberlin eine Oase des Arbeitsfriedens geschaffen, während diese Kapitalisten über Subventionen, Steuervergünstigungen und niedrige Löhne Milliarden Extraprofite aus der Westberliner Arbeiterklasse zogen. Doch während die Kapitalisten ihre Milliardenschäfchen ins Trockene brachten, verschlechterte sich die Lage der Westberliner Arbeiterklasse von Jahr zu Jahr: Produktionsverlagerungen und fehlende Investitionen verunsichern die Arbeitsplätze; soziale Vergünstigungen aus der Zeit des Kalten Krieges wie Wohnraumbewirtschaftung und Mietpreisbindung fielen fort. Die Arbeiter waren daher in den letzten Jahren immer weniger bereit, für die antikommunistischen Freiheitslosungen des Senats und der Gewerkschaften auf die Straße zu gehen, wie früher alljährlich zum 1. Mai.

Die Aktionen gegen die Fahrpreiserhöhungen aber zeigen, daß die jungen Arbeiter Westberlins beginnen, offen den Kampf gegen die Verschlechterung der Lage der Westberliner Arbeiterklasse und gegen die Stillhaltepolitik der Gewerkschaftsführung aufzunehmen."

Der KBB zitiert auch:"
AUS DER REDE EINENS JUNGEN ARBEITERS AUF DER KUNDGEBUNG GEGEN DIE FAHRPREISERHÖHUNG

Ein Meilenstein werden die Betriebsräte- und Vertrauensleute-Wahlen (BRW bzw. VLW, d.Vf.) sein. Hier werden wir jeden Kandidaten fragen, wo er politisch steht, ob er unsere Forderungen unterstützt oder nicht. Wer dafür ist, sich hinter den Paragraphen des Betriebsverfassungsgesetzes (BVG, d.Vf.) zu verstecken - den werden wir nicht wählen. Wer dafür ist, das Betriebsverfassungsgesetz zu einem Werkzeug zur Durchsetzung unserer unmittelbaren Interessen zu machen - den werden wir wählen.

Wer die Beschlüsse der Gewerkschaften nur als Arbeitspapiere ansieht, die im Aktenschrank verfaulen können - den werden wir nicht wählen. Wer sich dafür einsetzt, daß diese Beschlüsse im tagtäglichen Kampf verwirklicht werden - den werden wir wählen.

Wer dafür ist, daß der 1. Mai im Saal stattfindet, so wie im vorigen Jahr - den werden wir nicht wählen. Wer sich dafür einsetzt, daß der 1. Mai auf der Straße stattfindet, der wird unsere Stimme bekommen."
Q: Wahrheit Nr. 3, Bremen Apr. 1972, S. 17f

14.03.1972:
In der Berlin-Beilage der 'Metall' Nr. 6 der IGM erscheint, laut KPD/ML-ZK, folgende Notiz:"
ABERKANNT

Die Ortsverwaltung entzog der Jugendgruppe AEG-Telefunken die Anerkennung als Jugendgruppe der IG Metall."

Die KPD/ML-ZK meint dazu:"
Gerade jetzt vor Betriebsratswahlen und 1. Mai zeigen die IGM-Bonzen ihre berechtigte Furcht besonders vor den Aktivitäten der Metall-Jugend. Denn 'Die Jugend ist die aktivste und lebendigste Kraft der Gesellschaft. Sie ist am meisten begierig zu lernen, am wenigsten konservativ im Denken, und dies besonders im Zeitalter des Sozialismus.' (MAO TSETUNG)".
Q: Roter Lautsprecher Nr. 3, Berlin Apr. 1972, S. 4

15.03.1972:
Die SEW gründet heute in Berlin, laut KB, ein Gewerkschaftliches Mai-Komitee.
Q: Arbeiterkampf Nr. 19, Hamburg Juni 1972, S. 12

18.03.1972:
Laut KPD (vgl. 7.4.1972) "erwähnt 'Die Wahrheit', die Zeitung der SEW, die unverschämten Angriffe und Tricks, die der IG Chemie Verwaltungsstellenvorstand Kolitsch auf der letzten Hauptdelegiertenversammlung gegen fortschrittliche Kollegen anwandte, mit keinem Wort, sondern berichtet lediglich in lobenden Tönen was für fortschrittliche Anträge und Beschlüsse auf dieser Hauptdelegiertenversammlung verabschiedet worden seien: nämlich die Forderung nach Ratifizierung der Ostverträge."

Die KPD (vgl. 7.4.1972) berichtet auch:"
DELEGIERTEN-HAUPTVERSAMMLUNG DER IG-CHEMIE, PAPIER, KERAMIK, IN WESTBERLIN, 18.3.1972
MANIPULATION UND HETZE

Um nicht zu der Empörung der Schering-Kollegen gegen die Art der Aufstellung und 'Wahl' der neuen Kandidaten Stellung nehmen zu müssen, griff er das Vorgehen fortschrittlicher Gewerkschafter an, gegen diese Kandidatenliste eine gerichtliche Verfügung zu erreichen. Tatsache ist, daß die inzwischen von 200 Kollegen unterstützte Forderung nach Wiederholung der Kandidatenwahl von Arbeiterverräter Kolitsch ignoriert wird, der stattdessen die Jugendgruppe (JG, d.Vf.) beschimpft und ihr vorwirft, sie sie mit der KPD zu verwechseln - als Grund dafür nannte er Forderungen, z.B. zum 1. Mai, die bei vielen Kollegen auf Zustimmung gestoßen sind. Kolitschs letzte Weisheit lautet, die Vertrauensleuteversammlung sei 'souverän' gewesen und habe mit 43 zu 35 Stimmen entschieden (RF 39)."
Q: Rote Fahne Nr. 40, Dortmund 7.4.1972, S. 3 und 6

23.03.1972:
Vermutlich heute wird in Berlin, laut KPD, von den Lehrlingen der AEG Brunnenstraße ein/e Delegierte/r für das Maikomitee gewählt, nachdem zuvor schon ein Maiausschuß AEG Brunnenstraße von 60 KollegInnen gegründet worden war (vgl. 25.3.1972).
Q: Kommunistische Arbeiterpresse AEG Telefunken Nr. 35, Berlin Apr. 1972

24.03.1972:
In Berlin-Wedding führen die Zellen AEG, Schering und Rudolf-Virchow Krankenhaus der KPD heute eine Arbeiterrunde "Betriebsratswahl- 1. Mai" durch, zu der u.a. mit einem gleichnamigen 'Rote Fahne Sonderdruck' aufgerufen wird.
Q: Rote Fahne Sonderdruck Betriebsratswahl - 1. Mai, Berlin o.J. (1972)

24.03.1972:
Zu der heutigen Arbeiterrunde der KPD in Berlin-Moabit zum 1. Mai und den Betriebsratswahlen wird auch bei Siemens aufgerufen.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Siemens Nr. 5, Berlin 22.3.1972

25.03.1972:
In Berlin findet, laut KPD, die erste Sitzung des von ihr unterstützten Maikomitees (MK - vgl. 6.4.1972) statt, zu dem von AEG Brunnenstraße (IGM-Bereich) zwei Delegierte entsandt werden. Die KPD (vgl. 7.4.1972) berichtet u.a. von heute:"
WESTBERLIN
DIE VORBEREITUNG DES 1. Mai

Vor den Betrieben und in den Arbeitervierteln wurde ein Aufruf der Partei mit dem Programm zum diesjährigen 1. Mai verteilt. Unter Anleitung der Stadtteilleitungen (StL, d.Vf.) der Partei werden die Straßenzellen in Zusammenarbeit mit den in den Stadtteilkomitees (StK, d.Vf.) zusammengeschlossenen Sympathisanten der Partei Agit-Prop-Trupps bilden, die in ihren Wohnbereichen erstmalig auch Haus- und Hof-Propaganda durchführen werden. Alle Kräfte der Partei werden unter der Parole 'Vorwärts zum 1. Mai' auf die Massenarbeit zur Vorbereitung des 1. Mai ausgerichtet. Diese Arbeit wird nicht neben der 'normalen' Agitation und Propaganda herlaufen, sondern durch die verstärkten Anstrengungen zum 1. Mai wird die Massenarbeit der Partei einen Sprung nach vorn machen.

In den einzelnen Betrieben haben sich fortschrittliche Gewerkschafter aus Protest gegen den Verrat der Gewerkschaftsspitze zu gewerkschaftsoppositionellen Maiausschüssen zusammengeschlossen.

IN DIESEN AUSSCHÜSSEN UND IN OPPOSITIONELLEN GEWERKSCHAFTLICHEN GREMIEN WURDEN DELEGIERTE GEWÄHLT, DIE AM 25.3. DAS MAIKOMITEE OPPOSITIONELLER GEWERKSCHAFTER GRÜNDETEN.

Das Maikomitee hat ein Programm verabschiedet, in dem die Forderungen, für die die im Maikomitee zusammengeschlossenen Gewerkschafter demonstrieren wollen, zusammengefaßt und begründet werden.

Das Maikomitee arbeitet 'mit allen Kräften zusammen, die sich für eine Demonstration der Kampfentschlossenheit der Arbeiterklasse einsetzen… Es tritt aber entschieden allen Mitbestimmungsillusionen entgegen, wie sie von der SEW-Führung und ihrem Maikomitee vertreten werden' (Aus: Programm des Maikomitees oppositioneller Gewerkschafter 1972). Die SEW hat in Westberlin ein 'Maikomitee' gegründet, das offen die illusionäre Forderung nach mehr Mitbestimmung: 'Für mehr Arbeiterrechte im Betrieb, in Wirtschaft und Gesellschaft - gegen die Macht der Monopole' vertritt. Wie ihre Parole von 'Frieden, Demokratie und Sozialismus' zu verstehen ist, zeigen die Revisionisten in ihren Maiaufrufen, wie in ihren anderen Zeitungen: es geht ihnen einzig um die Ratifizierung der Ostverträge (mit der SU bzw. Polen, d.Vf.).

Die bedingungslose Unterordnung unter die imperialistischen Interessen der Sowjetunion und die Interessen des BRD-Monopolkapitals, die von SPD und Gewerkschaftsführung gewahrt werden, führt zur kritiklosen Anbiederei an die Gewerkschaftsspitze.

So erwähnt 'Die Wahrheit', die Zeitung der SEW, die unverschämten Angriffe und Tricks, die der IG Chemie (CPK, d.Vf.) Verwaltungsstellenvorstand Kolitsch auf der letzten Hauptdelegiertenversammlung (vgl. 18.3.1972, d.Vf.) gegen fortschrittliche Kollegen anwandte, mit keinem Wort, sondern berichtet lediglich in lobenden Tönen was für fortschrittliche Anträge und Beschlüsse auf dieser Hauptdelegiertenversammlung verabschiedet worden seien: nämlich die Forderung nach Ratifizierung der Ostverträge. Dasselbe Spiel wiederholte sich bei der Berichterstattung der 'Wahrheit' über die IGM Vertreterversammlung (vgl. S3.*.1972, d.Vf.).

Diesen Opportunismus der Revisionisten gegenüber der Gewerkschaftsführung verurteilt das Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter entschieden und ruft alle fortschrittlichen Kollegen auf, sich nicht an der Demonstration der modernen Revisionisten zu beteiligen, sondern die Demonstration der antirevisionistischen Kräfte unter Führung der KPD in Moabit und Wedding zu unterstützen. Es ruft alle fortschrittlichen Gewerkschafter auf, dort wo es noch nicht geschehen ist, gewerkschaftsoppositionelle Maiausschüsse auf Betriebsebene zu gründen, um so zum Aufbau und zur Stärkung der Gewerkschaftsopposition beizutragen.

Auf der Grundlage des Programms haben die einzelnen Maiausschüsse beschlossen, eigene Agitation und Propaganda in ihren Betrieben durchzuführen. Die Genossen unserer Partei arbeiten aktiv in diesen Maiausschüssen auf Betriebsebene und wo das noch nicht möglich ist, auf Branchenebene mit.

Die meisten Maiausschüsse haben beschlossen, auch unorganisierten Kollegen die Mitarbeit zu ermöglichen. Sie werden aber mit jedem einzelnen Kollegen ernsthafte Diskussionen über die Notwendigkeit der Arbeit in den Gewerkschaften führen.

Bisher haben sich in Westberlin folgende gewerkschaftsoppositionelle Maiausschüsse gegründet:

AEG-Brunnenstraße, KWU, Siemens, Schering, Rudolf-Virchow-Krankenhaus (RVK - ÖTV-Bereich, d.Vf.), Branchenausschuß für die Werktätigen am Krankenhaus, Branchenausschuß für den Bereich der IG Druck und Papier (DP, d.Vf.).

FÜR DIE EINHEIT DER INTERNATIONALEN ARBEITERBEWEGUNG IM KAMPF GEGEN KAPITALISMUS UND IMPERIALISMUS!
KAMPF DEM ABBAU DER DEMOKRATISCHEN RECHTE DES VOLKES!
GEGEN MITBESTIMMUNGSILLUSIONEN -
FÜR SCHUTZRECHTE DER ARBEITERKLASSE ALS BASTIONEN IM KLASSENKAMPF!
FÜR DEN AUFBAU EINER REVOLUTIONÄREN GEWERKSCHAFTSOPPOSITION (RGO, d.Vf.)!
GEGEN DIE VERSCHLECHTERUNG DER ARBEITS- UND LEBENSBEDINGUNGEN DER WERKTÄTIGEN MASSEN DURCH MONOPOLKAPITAL UND SPD-REGIERUNG!
FÜR DEN SIEBEN-STUNDEN-TAG BEI VOLLEM LOHNAUSGLEICH!"
Q: Kommunistische Arbeiterpresse AEG Telefunken Nr. 35, Berlin Apr. 1972, S. *; Rote Fahne Nr. 40, Dortmund 7.4.1972, S. 3

27.03.1972:
Bei Borsig Berlin gibt die KPD die Nr. 11 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 17.2.1972, 15.5.1972) heraus mit dem Leitartikel "1. Mai! Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse" mit der Einladung zur Arbeiterrunde am 28.3.1972 im Restaurant Central in der Holzhauser Straße.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Borsig Nr. 11, Berlin 27.3.1972, S. 1f

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29.03.1972:
In der Nr. 39 ihres 'Rotlicht' (vgl. 16.3.1972, 3.4.1972) tritt die Berliner Betriebsgruppe Osram der KPD/ML-ZB für eine 1. Mai-Demonstration ein.
Q: Rotlicht Nr. 39, Berlin 29.3.1972, S. 8f

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30.03.1972:
Es erscheint ein "Großer Aufruf zur revolutionären Mai-Demonstration 1972" der KPD/ML-Neue Einheit.
Q: KPD/ML-NE: Dokumente zum revolutionären 1. Mai 1972, Berlin 1972, S. 5ff.

April 1972:
Die KPD (vgl. 31.5.1972) berichtet auf einer Berliner Mai-Veranstaltung (vgl. 19.4.1972) spätestens aus dem April:"
Die Verschärfung des Ausländergesetzes richtet sich vor allem gegen ausländische kommunistische und antifaschistische Organisationen. Im Vorspruch zum Gesetzentwurf der SPD/FDP-Regierung wird das in einer Deutlichkeit ausgeführt, die nichts zu wünschen übrig läßt. Dort heißt es:

'Die Verdeutlichung' - SPD-Sprachgebrauch für Verschärfung - 'ist erforderlich, weil kleine aber politisch sehr aktive Gruppen von Ausländern ihren Kampf gegen Regierungen und Gesellschaftssysteme ihrer Heimatländer und gegen andere Staaten auf deutschem Boden mit Mitteln austragen, die von der freiheitlich-demokratischen Grundordnung (FdGO, d.Vf.) nicht geduldet zu werden brauchen. In diesem Zusammenhang sind beispielsweise zu erwähnen: Beleidigungen und Verunglimpfungen ausländischer Staatsoberhäupter und Regierungschefs, Propaganda gegen ausländische Regierungen mit dem Ziel der Liquidierung derselben usw.' Weiter heißt es dort: 'Durch die Änderung des Ausländer-Gesetzes soll insbesondere in der Öffentlichkeit ein Signal gesetzt werden, daß die BRD nicht länger gewillt ist, dieses zunehmend radikalere politische Verhalten einzelner Ausländer im Bundesgebiet zu Lasten ihrer
auswärtigen Beziehungen und ihres internationalen Ansehens hinzunehmen.'"
Q: Rote Fahne Nr. 45, Dortmund 31.5.1972, S. 7

April 1972:
Die OSK des KSV der KPD gibt diesen Monat einen Sonderdruck ihrer 'Kommunistischen Schülerpresse' (KSP - vgl. Feb. 1972, Mai 1972) heraus. Der Sonderdruck ruft zum 1. Mai auf.
Q: Kommunistische Schülerpresse Sdr.druck, Berlin Apr. 1972

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April 1972:
Die LgdI der KPD berichtet aus Berlin vermutlich aus dem April (vgl. 1.5.1972, 17.4.1972):"
Für den Landesverband der LIGA in Westberlin war die Vorbereitung auf den 1. Mai mit dem Ziel verbunden, die Kampfkomitees zu festigen und ihre Arbeit an den Hochschulen so auszurichten, daß nach dem 1. Mai Werktätige, Studenten und Schüler gemeinsam in Ortsgruppen den antiimperialistischen Kampf führen können. Dazu trugen die Veranstaltungen, die die Kampfkomitees zur Solidarität mit dem Kampf des spanischen Volkes gegen den Franco-Faschismus, den USA-Imperialismus und den BRD-Imperialismus durchführten, mit bei. Kurze Zeit vorher hatten wir von der Verschärfung und Ausweitung dieses Kampfes und von der Ermordung streikender Werftarbeiter durch die Franco-Polizei erfahren."
Q: Internationale Solidarität Nr. 4, Berlin Mai 1972, S. 4

April 1972:
In Berlin veröffentlicht das Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter der KPD vermutlich im April sein Programm, in dem u.a. von AEG KF Brunnenstraße berichtet und die Existenz von Maiausschüssen bei AEG, Schering, Siemens, KWU, am RVK und in der IG Druck und Papier bekanntgegeben wird.
Q: Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter: Programm, Berlin 1972

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April 1972:
Laut KB beschließen Anfang April 1972 in Berlin Vertreter von "sozialistischen Arbeitergruppen, sozialistischen Schülern, Vertreter der Marxistisch-Leninistischen Hochschulgruppen, KJO Spartacus und die Basisgruppe Spandau und Stadtteilgruppen … ein Aktionsbündnis zum 1. Mai. Man beschloß, sich im eigenen Block mit eigenen Parolen der Demonstration der SEW anzuschließen. Außer KJO Spartacus und Basisgruppe Spandau einigten sich alle Organisationen auf gemeinsame Parolen."
Q: Arbeiterkampf Nr. 19, Hamburg Juni 1972, S. 12

April 1972:
Bei DWM Berlin erscheint 'Der rote Weichensteller' Nr. 25 (vgl. März 1972, Feb. 1973) als Betriebszeitung der Betriebsgruppe DWM mit dem Leitartikel "1. Mai 1972: Für eine konsequente Klassenpolitik der Gewerkschaften".
Q: Der rote Weichensteller Nr. 25, Berlin Apr. 1972, S. 1ff

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April 1972:
Die KPD (vgl. 17.5.1972) berichtet vermutlich aus dem April über die Arbeit des Maiausschusses KWU des Maikomitees (MK) oppositioneller Gewerkschafter:"
SOLIDARITÄT MIT DEN KOREANISCHEN ARBEITERN BEI DER KWU

In der KWU, Werk Berlin, werden Gasturbinen bis zu 80 Megawatt und Schiffsturbinen konventioneller Bauart hergestellt. Eine Produktion also, die so leicht nicht ins Ausland verlagert werden kann, um dort aus niedrigeren Löhnen Extraprofite herauszuschlagen.

Bei der Turbinenfertigung werden zum größten Teil Facharbeiter gebraucht. Im Berliner Werk sind zwar im letzten Jahr ziemlich viel neue Maschinen angeschafft worden, die Ausrüstung mit neuer Maschinerie ist hier aber nicht geeignet, in großem Umfang Arbeitskräfte einzusparen, wie die KWU-Kapitalisten das natürlich wollen. Um ihre Profite auch trotz der hohen Ausgaben für die neue Maschinerie zu sichern, greifen die Kapitalisten zu anderen Methoden: waren bislang in der Hauptsache neben den deutschen Arbeitern angelernte türkische und jugoslawische Arbeiter im Berliner Werk eingestellt - insgesamt ca. 250 Mann -, so kommen jetzt in großem Maße südkoreanische Facharbeiter. Nach Verhandlungen mit der faschistischen südkoreanischen Regierung haben Vertreter der Firmenleitung zuerst 50 - im letzten Jahr - und jetzt wieder 40 koreanische Arbeiter angeheuert, die alle ihren Wehrdienst in der faschistischen südkoreanischen Bürgerkriegsarmee hinter sich haben und dementsprechend antikommunistisch beeinflußt sind.

Diese koreanischen Kollegen arbeiten wie die Soldaten; und die Kapitalisten haben ihre Unterkünfte auch gleich wieder zu Kasernen gemacht.

Die Kollegen 'wohnen' in 4-Bett-Zimmern, die 12 qm groß sind. Die Miete beträgt 90 DM im Monat. Diese Kasernenwohnungen und der Umstand, daß die südkoreanischen Kollegen kein Wort Deutsch können, macht sie gefügig, jede geforderte Überstunde auch abzuleisten. So arbeiten sie regelmäßig am Sonnabend und sind auch darüber hinaus bereit, jeden tag 10 Stunden zu arbeiten.

Für die 90 koreanischen Arbeiter gibt es einen Dolmetscher, der von der Regierung gleich mitgeliefert worden ist - welche Aufgabe er hat, kann man sich denken! Er hat erklärt: Urlaub würden die koreanischen Arbeiter dieses Jahr nicht nehmen, sie hätten zuwenig Geld um nach Hause zu fahren und sie wüßten auch nicht, wie sie hier ihren Urlaub verbringen sollten.

Die Koreaner haben Dreijahresverträge bekommen; sie arbeiten hier für ein Vielfaches des Lohnes, den sie im eigenen Land bekommen würden. Ihre Löhne liegen aber um ca. 5 - 10 Prozent unter denen der deutschen Arbeiter. Damit bekommen die koreanischen Arbeiter von den Kapitalisten genau die Rolle vom Lohndrücker zudiktiert.

Denn über die Spaltung durch Lohngruppen hinaus wird in der KWU ein Punktsystem angewandt, nach dem jeder einzelne Arbeiter eingeschätzt wird. Wenn sich deutsche Arbeiter jetzt beschweren, sie bekämen zuwenig Lohn, wird ganz offen auf die Koreaner hingewiesen, die volle 8 Stunden wie besessen durcharbeiten und sich nicht 5 Minuten vor dem Mittagessen die Hände waschen und die das Werkzeug erst nach Schichtende in die Werkzeugausgabe zurückbringen. 'Leistet erst einmal soviel wie die Koreaner!' heißt es dann.

Auch setzt die Firmenleitung die koreanischen Arbeiter genau zwischen die Arbeitsplätze der deutschen Kollegen, um ihnen diese 'Arbeitssoldaten' den ganzen Tag vor Augen zu halten. Darüberhinaus sollen die koreanischen Arbeiter als Streikbrecher eingesetzt werden. Sie stehen unter einem solchen Druck, daß die Kapitalisten annehmen, sie würden nie streiken. Denn wenn sie bei einem Streik mitmachen, müssen sie befürchten, wegen Vertragsverletzung sofort nach Hause geschickt zu werden, die Flugkosten bezahlen zu müssen und überdies ein Strafverfahren ihrer eigenen Regierung zu bekommen. Deshalb rechnet sich die Firmenleitung aus, daß kein Streik durchgeführt werden kann, weil die Koreaner in allen Abteilungen arbeiten und so die Produktion in einem gewissen Maß aufrecht erhalten werden kann.

Es ist klar, daß die deutschen Arbeiter nicht den koreanischen Kollegen die Schuld für die Spaltungsmanöver in die Schuhe schieben dürfen und sie etwa bekämpfen dürfen. Vielmehr muß entgegen allen Schwierigkeiten versucht werden, die koreanischen Arbeiter in den Abwehrkampf gegen die kapitalistischen Angriffe miteinzubeziehen.

Manchmal ist dazu sanfter Druck notwendig, so wenn zehn Kollegen um einen Koreaner herumstehen und auf ihre Uhr schauen, wenn dieser gleich beim Heulen der Sirene schon die Schleifmaschine glaubt laufen lassen zu müssen.

Aber erst der Kampf des koreanischen Volkes selbst gegen seine faschistischen Unterdrücker und um die revolutionäre Wiedervereinigung mit der Volksdemokratischen Republik Nordkorea (KVDR, d.Vf.) schafft die entscheidenden Grundlagen, daß diese Kollegen nicht mehr in ständiger Angst um sich und ihre Familien 10 000 Kilometer von ihrer Heimat entfernt als Ausgebeutete und Spalter eingesetzt werden können.

Kämpfen wir gemeinsam gegen die Auswirkungen kapitalistischer Rationalisierung, gegen alle Lohnraubversuche und gegen den Imperialismus in aller Welt!"
Q: Rote Fahne Nr. 43, Dortmund 17.5.1972, S. 4

April 1972:
Der KSV veröffentlicht vermutlich im April einen Sonderdruck "1. Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse" seiner Zeitung 'Dem Volke dienen' (DVD - Zeitung des KSV für die Hoch- und Fachhochschulen in Westberlin, vgl. Feb. 1972, 14.4.1972). Sie enthält den "Mai-Aufruf des Kommunistischen Studentenverbandes": "Für das feste Bündnis der Arbeiterklasse mit allen unterdrückten Schichten des Volkes im Kampf für die sozialistische Revolution!".

Aufgerufen wird zur Maidemonstration am Turmstrasse.
Q: Dem Volke dienen Sonderdruck 1. Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse, Berlin o. J. (1972)

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April 1972:
In Berlin gibt das Hundert-Blumen-Kollektiv vermutlich im April erstmals seine Zeitung 'Hundert Blumen' heraus.

Enthalten sind auch die Artikel "1. Mai… Krampftag der Arbeiterklasse" sowie "Am 29. 30. März und am 1. Mai. Volksfest auf dem Mariannenplatz" in Kreuzberg.
Q: Hundert Blumen Nr. 1, Berlin o. J. (1972), S. 8

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03.04.1972:
An der FU Berlin gibt die Sympathisantengruppe Biologie des KSV vermutlich in dieser Woche ihre 'Kommunistische Studentenpresse' (KSP) heraus. Aufgerufen wird zur 1.-Mai-Demonstration und zur KSV-Veranstaltung am 19.4.1972.
Q: Kommunistische Studentenpresse - Biologie FU Programme der Agitationskollektive und Arbeitsgruppen SS 72, Berlin o. J. (1972), S. 18

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05.04.1972:
Bei DWM Berlin gibt die Zelle der KPD ihre 'Kommunistische Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 8.6.1972) Nr. 10 heraus mit dem Leitartikel "Vorwärts zum 1. Mai!".
Q: Kommunistische Arbeiterpresse - DWM Nr. 10, Berlin 5.4.1972, S. 1ff

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05.04.1972:
In einer "Erklärung der KPD/ML(Neue Einheit) vom 5. April 1972: Der 1. Mai 1972 ist von historischer Bedeutung" heißt es u.a., der 1. Mai stelle "für die Partei eine große Offensive, den Kampf um den Durchbruch zur Massenbewegung, eine Entscheidungsschlacht dar, bei der es um Wohl und Wehe der Partei innerhalb der nächsten Zeit geht".
Q: Neue Einheit Nr. 1, Berlin Mai 1972, S. 29

06.04.1972:
Die KPD (vgl. 19.4.1972) berichtet von ihrem Maikomitee Berlin (MK - vgl. 25.3.1972, 10.4.1972):"
WESTBERLIN
DER KAMPF DES MAIKOMITEES OPPOSITIONELLER GEWERKSCHAFTER FÜR EINEN REVOLUTIONÄREN 1. Mai IN WESTBERLIN.

Das Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter hat am 6.4.1972 eine erste öffentliche Veranstaltung durchgeführt, zu der das Maikomitee und die einzelnen Maiausschüsse alle interessierten Kollegen eingeladen hatten.

Auf dieser Veranstaltung trugen Vertreter des Maikomitees ihre Forderungen zum 1. Mai vor, begründeten ihre Entscheidung, sich nicht an der Mai-Demonstration der Revisionisten zu beteiligen. Sie sind nicht bereit, für die 'Ratifizierung der Ostverträge' (mit der SU bzw. Polen, d.Vf.), die nur den Interessen des BRD-Monopolkapitals und den Interessen der neuen Bourgeoisie der SU dienen, zu demonstrieren und damit die Friedensdemagogie der arbeiterfeindlichen SPD-Regierung zu unterstützen.

Vor allem in der Frage, wie arbeitet man in den von den sozialdemokratischen Gewerkschaftsführern beherrschten Gewerkschaften, entlarvten sie die opportunistische Anbiederungspolitik der SEW-Revisionisten.

Ein Vertreter des Maikomitees hob hervor, daß die KPD die einzige Partei ist, die in den vergangenen Kämpfen immer entschieden die Interessen der Arbeiterklasse vertreten hat und im Kampf den richtigen Weg wies.

Ein Genosse der KPD richtete eine Grußadresse an die versammelten Kollegen und das gewerkschaftliche Maikomitee, in der die KPD dem gewerkschaftsoppositionellen Maikomitee ihre volle Unterstützung versicherte und darauf hinwies, daß Genossen unserer Partei aktiv und initiierend in den betrieblichen und Branchen-Maiausschüssen mitarbeiten.

Die Entschiedenheit, mit der die anwesenden Kollegen die Parole des Maikomitees für die Einheit der revolutionären Arbeiterbewegung im Kampf gegen Kapitalismus und Imperialismus unterstützen, brachten sie zum Ausdruck, als sie ohne Gegenstimme und mit langanhaltendem Beifall eine Solidaritätsresolution mit dem Kampf des vietnamesischen Volkes verabschiedeten, die ein Vertreter der Liga gegen den Imperialismus (LgdI, d.Vf.) eingebracht hatte.

Die erste öffentliche Veranstaltung endete mit der Verabschiedung einer Resolution, in der das Maikomitee noch einmal sein Programm zum 1. Mai darlegten und alle Kollegen auffordert, in den Maiausschüssen mitzuarbeiten. Diese Resolution wurde mit überwältigender Mehrheit (nur zwei Gegenstimmen von den Vertretern der KPD/ML Zentralbüro (KPD/ML-ZB, d.Vf.) verabschiedet. Durch zahlreiche Spenden unterstützen die anwesenden Kollegen die Agitations- und Propaganda-Arbeit des Maikomitees oppositioneller Gewerkschafter."
Q: Rote Fahne Nr. 41, Dortmund 19.4.1972, S. 3

07.04.1972:
Die KPD gibt in Berlin vermutlich Ende dieser Woche auf April datiert einen Sonderdruck ihrer 'Roten Fahne' unter dem Titel "Vorwärts zum 1. Mai!" heraus. Lehrlingskorrespondenzen kommen aus dem IGM-Bereich von einem Elektromechaniker in einem Handwerksbetrieb, aus dem NGG-Bereich von einer Verkäuferin im Bäckerhandwerk, aus dem BSE-Bereich von einem Maurer und aus dem DruPa-Bereich von einem Buchdrucker.

Aufgerufen wird zu den Jugend-Arbeiterrunden am 13.4.1972.
Q: Rote Fahne Sonderdruck Vorwärts zum 1. Mai!, Berlin Apr. 1972

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08.04.1972:
Demonstration der LgdI und der KPD in Berlin gegen den "Bombenterror der US-Imperialisten in Vietnam".

Mobilisiert wurde u.a. mit einem Flugblatt der LgdI "Das vietnamesische Volk wird siegen".

Die KPD (vgl. 19.4.1972) berichtet:"
Am 8. April in Westberlin und am 15. in Dortmund führte die KPD Solidaritäts- Demonstrationen für den Kampf des vietnamesischen Volks durch.

Diese Vietnam-Demonstrationen sind ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem kämpferischen 1. Mai, weil damit die Hauptstoßrichtung der revolutionären Kämpfe in der ganzen Welt gegen den USA-Imperialismus und den Sozialimperialismus angegeben wird."
Q: Rote Fahne Nr. 41, Dortmund 19.4.1972, S. 6; LgdI: Das vietnamesische Volk wird siegen, Berlin 1972;Rote Presse Korrespondenz Nr. 163, Berlin 1972, S. 14

10.04.1972:
Die KPD (vgl. 19.4.1972) berichtet aus Berlin vermutlich aus dieser Woche von ihrem MK (vgl. 6.4.1972, 26.4.1972):"
Inzwischen ist die 2.Maizeitung erschienen zusammen mit Flugblättern für die ausländischen Kollegen in vier verschiedenen Sprachen.

Die einzelnen betrieblichen und Branchen-Maiausschüsse führen selbst auch öffentliche Veranstaltungen durch, um interessierte Kollegen die Möglichkeit zu geben, sich erst einmal über die Arbeit der Maiausschüsse zu informieren, bevor sie sich entschließen tatkräftig mitzuarbeiten.

Daß die gewerkschaftsoppositionelle Bewegung sich vergrößert, können wir daran sehen, daß sich inzwischen weitere Maiausschüsse gegründet haben. Es bestehen jetzt Maiausschüsse in folgenden Betrieben und Branchen:
AEG Brunnenstraße, DeTeWe, DWM, Borsig, KWU (alle IGM-Bereich, d.Vf.), Rudolf-Virchow-Krankenhaus (RVK - ÖTV-Bereich, d.Vf.), Schering (CPK-Bereich, d.Vf.), SEL, Siemens (beide IGM-Bereich, d.Vf.), Branchenmaiausschuß für die Werktätigen am Krankenhaus, Druck und Papier (DruPa-Bereich, d.Vf.), Bau (BSE-Bereich, d.Vf.) und Post (DPG-Bereich, d.Vf.)."
Q: Rote Fahne Nr. 41, Dortmund 19.4.1972, S. 3

10.04.1972:
Die KPD (vgl. 19.4.1972) berichtet aus Berlin vermutlich u.a. aus dieser Woche von ihrem Maikomitee (MK) oppositioneller Gewerkschafter:"
BERICHT DES BETRIEBLICHEN MAIAUSSCHUSSES AEG-BRUNNENSTRASSE

Wir gründeten den Maiausschuß in der Brunnenstraße, indem wir uns im Betrieb darüber unterhielten, daß es notwendig ist, am 1. Mai auf der Straße für unsere, die Forderungen der Arbeiter zu demonstrieren. Wir oppositionelle Gewerkschafter und Kommunisten luden alle Kollegen, die wir als fortschrittliche Kollegen kannten zu einem Treffen nach der Arbeit ein. Dort besprachen wir, welche Forderungen wir aufstellen müssen, um unsere Interessen gegen die Angriffe der Kapitalisten zu verteidigen. Die Kollegen berichteten aus ihren Abteilungen über Steigerungen der Akkordhetze, die immer größer werdende Unfallgefahr und das Anwachsen der Krankheitszahlen.

Schließlich einigten wir uns auf einen Katalog von Forderungen, die unsere Delegierten dann im Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter vortrugen. Unsere Delegierten formulierten zusammen mit denen der anderen Mai-Ausschüsse das später in der 1. Maizeitung veröffentlichte Programm. Wir diskutierten dann ausführlich über die Forderungen, die das Maikomitee der SEW aufgestellt hatte. In der Diskussion kamen wir aber zu der Überzeugung, daß die Forderungen des SEW-Maikomitees grundsätzlich falsch sind, daß sie Illusionen darüber verbreiten, was man im Kapitalismus erreichen kann. Weil die Illusion der SEW, über Mitbestimmung im Wirtschaft und Gesellschaft stückweise die Macht zu erobern, die Kollegen in die Kämpfe unvorbereitet hineingehen lassen und den Kämpfen die Spitze abbrechen, konnten wir uns mit der Forderung des SEW-Maikomitees nicht einverstanden erklären und beschlossen, an der Maidemonstration der SEW in Neukölln nicht teilzunehmen.

Als das Programm des Maikomitees erschienen war, überlegten wir uns, wie wir unseren Kollegen die Forderungen anhand von Beispielen aus der Brunnenstraße deutlicher machen können. Denn das Wichtigste war doch und ist auch heute noch, neue Kollegen für die Mitarbeit im betrieblichen Maiausschuß zu gewinnen. Um neue Kollegen zu gewinnen, besprachen wir verschiedene Arten des Vorgehens:

- zunächst sprachen wir selbstverständlich mit den Kollegen über die 1. Maizeitung, das Programm des Maikomitees und versuchten ihnen die Forderungen und die Notwendigkeit des Kampfes dafür zu erklären;

- für die Kollegen, die wir im Betrieb nicht erreichen, die aber im Maiausschuß an der Vorbereitung des 1. Mai mitarbeiten wollen, richteten wir in einer zentral gelegenen Kneipe einen Kontakt ein;

- ein sehr wichtiges Mittel, mit den Kollegen ins Gespräch zu kommen, sind die Plaketten des Maikomitees.

Wir beschlossen im Maiausschuß, die Plaketten in unseren Abteilungen, an der Arbeitskleidung zu tragen. Die Plaketten erregen natürlich sofort die Neugier der Kollegen, viele sprechen uns an, Kollegen, die uns gar nicht kennen, und fragen, was es mit den Plaketten auf sich hat. So können wir mit vielen Kollegen, die wir sonst nicht erreichen, sprechen. Wir konnten ohne Umschweife das Gespräch richten auf unsere Forderungen zum 1. Mai, wir machten die Forderungen und den Maiausschuß weiteren Kollegen bekannt, konnten viele Plaketten verteilen, neue Kollegen erklärten sich bereit, im betrieblichen Maiausschuß mitzuarbeiten.

Auf unserer letzten Sitzung beschlossen wir, noch mehrere Flugblätter herauszugeben, in denen wir unsere Forderungen aus unseren Erfahrungen am Arbeitsplatz, mit den Betriebsräten usw. deutlich machen wollen. Wir entschieden uns dafür, diese Flugblätter nicht nur vor den Toren, sondern auch innerhalb der Fabriken zu verteilen. Außerdem wollen wir darauf hinarbeiten, möglichst schon am Ende dieser Woche eine eigene Veranstaltung des betrieblichen Maikomitees durchzuführen. Wir hoffen, damit noch mehr Kollegen für uns zu gewinnen und so einen Beitrag zu leisten zu einer großen, kämpferischen Demonstration am 1. Mai im Wedding."
Q: Rote Fahne Nr. 41, Dortmund 19.4.1972, S. 3f

10.04.1972:
Vermutlich Anfang dieser Woche gibt in Berlin die KPD die Nr. 35 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse - Ausgabe AEG Telefunken' (vgl. 30.3.1972, Mai 1972) heraus, die sich auch mit dem 1. Mai bzw. dem Maiausschuss Brunnenstraße befaßt.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse AEG Telefunken Nr. 35, Berlin Apr. 1972, S. 1ff

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10.04.1972:
In Berlin gibt die Zelle OSI FU des KSV vermutlich in dieser Woche ihre 'Kommunistische Studentenpresse' (KSP) heraus. Aufgerufen wird zum 1. Mai.
Q: Kommunistische Studentenpresse - OSI FUB Programm der Agitationskollektive des Kommunistischen Studentenverbandes SS 72, Berlin o. J. (1972), S. 28

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12.04.1972:
Nach einem Bericht der KPD/ML-NE laden sie selbst, die KPD/ML-ZB, die KPD/ML-ZK, die SDA und die KPD in Berlin zu einem Treffen ein, um eine Aktionseinheit zum 1. Mai zu diskutieren.

Zwischen KPD/ML-ZB und KPD/ML-ZK kommt eine Aktionseinheit zum 1. Mai zustande.
Q: Die Revolutionäre Stimme Nr. 9, Berlin 1972

12.04.1972:
Bei Siemens Berlin gibt die KPD die Nr. 6 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 22.3.1972, 16.4.1974) heraus mit dem Leitartikel "Vorwärts zum 1. Mai".
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Siemens Nr. 6, Berlin 12.4.1972, S. 1

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12.04.1972:
Die KPD/ML-Neue Einheit gibt die Nr. 7/8 ihrer 'Revolutionären Stimme' heraus, darin ruft die KPD/ML-NE zu einer eigenen 1. Mai-Demonstration in Berlin auf, zu einer "Demonstration der revolutionären Arbeiterklasse".
Q: Die Revolutionäre Stimme Nr. 7/8, Berlin 12.4.1972

13.04.1972:
In einer Ausgabe ihrer 'Roten Turbine' (vgl. 15.3.1972, 19.4.1972) gibt die Berliner KWU-Betriebsgruppe der KPD/ML-ZB den Stand ihrer Bemühungen um eine betriebliche Einheitsfront bekannt. Es sei jetzt mit Hilfe des Einheitsfrontkomitee (EFK) KWU gelungen ein betriebliches Maikomitee zu gründen, welches sich an der Demonstration beteiligen will.
Q: Rote Turbine, Berlin 13.4.1972, S. 5f und 10f

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13.04.1972:
Die KPD (vgl. 19.4.1972) berichtet:"
JUGEND-ARBEITERRUNDE DER KPD
EIN SCHRITT ZUR GRÜNDUNG DES KJV

Am 13.April veranstaltete die KPD in Moabit, Neukölln und im Wedding zum ersten Mal spezielle Jugendarbeiterrunden. Außerdem führten an diesem Tag zwei Betriebszellen der Partei eigene Veranstaltungen für Jugendliche durch. Diese Aktivitäten stehen nicht nur im Zusammenhang mit der diesjährigen Maikampagne der KPD, sondern auch im Zusammenhang mit den Vorbereitungen zur Gründung des Kommunistischen Jugendverbandes.

Zur Moabiter Jugendarbeiterrunde waren mehr als 40 junge Kollegen erschienen. In einem ersten Redebeitrag wurde nochmals die Linie der Partei zum diesjährigen 1. Mai erläutert, die Aktivitäten in den Zusammenhang gestellt mit dem weltweiten Vormarsch der Revolution, den siegreichen Kämpfen der unterdrückten Völker gegen den Imperialismus und die zunehmenden Kämpfe der Arbeiterklasse in den imperialistischen Kernländern gegen die Verschlechterung der Arbeits- und Lebensbedingungen. Weiterhin wurde unter dem Beifall der Kollegen nochmals ausführlich begründet, warum es für die kommunistische Partei gerade am 1. Mai keine Einheit mit dem modernen Revisionismus geben kann, der als Handlanger der sozialimperialistischen Führung der KPdSU die SPD/FDP-Regierung bei ihren imperialistischen Machenschaften unterstützt.

Einigen Vertretern der KPD/ML (Zentralbürolinie (KPD/ML-ZB, d.Vf.)), die auf der Veranstaltung den offen revisionistischen Aufruf ihrer Organisation zum 1. Mai verteidigten, wurde entgegengehalten, daß der Scheinkampf ihrer Organisation gegen 'Faschisierung' und 'Sozialfaschismus' sowie angebliche Kriegsvorbereitungen gegen die DDR die Arbeiterklasse keinen Schritt weiterbringt, sondern nur ablenken kann von der tatsächlichen Stoßrichtung des BRD-Imperialismus.

In einem weiteren Beitrag wurden anhand der Untersuchungsergebnisse über die Lage der Arbeiterjugend in West-Berlin die Jugendforderungen der KPD vorgestellt. Anhand konkreter Zahlenbeispiele wurde die zunehmende Verschlechterung der Ausbildung nachgewiesen. Dies zeigt sich nicht nur in den 23 Prozent Arbeiterjugendlichen, die ohne jede Ausbildung bleiben, sondern auch an dem erheblichen Rückgang von Lehrstellen in der Industrie, der planmäßigen Verschlechterung der Ausbildung durch sog. 'Stufenpläne', wonach 70 Prozent der Lehrlinge nach ein bis zwei Lehrjahren als 'Betriebswerker' oder 'Facharbeiter II' aussortiert werden, versehen mit einer 'Ausbildung', die sie lediglich auf einige Teilfertigkeiten abgerichtet hat. Es wurde geschildert, daß nach wie vor die meisten Lehrlinge im Handwerk ausgebildet werden, in Betrieben also, die sich nur noch durch die Beschäftigung von Lehrlingen mit unbezahlter produktiver Arbeit gegen den Druck der Großbetriebe am Leben halten können. In dieser Situation geben die Jugendforderungen der KPD die richtige Perspektive gegen die Spaltung und die Verschlechterung der Ausbildung.

Die Forderungen:
Einheitlicher Existenzlohn für Lehrlinge - heute 500 DM, Abschaffung der Altersgruppenschlüssel, Abschaffung der unteren Lohngruppen, für eine Stufenausbildung, in der alle Lehrlinge alle Stufen von den Grundkenntnissen bis zur Spezialisierung durchlaufen! Einrichtung von Sammellehrwerkstätten für Handwerks- und Kleinbetriebe! Einen zweiten Berufsschultag für alle! Streikrecht für Lehrlinge!
wurden von den anwesenden Kollegen lebhaft begrüßt und in der anschließenden Diskussion durch Beispiele bekräftigt. So berichtete eine Kollegin von einem Lehrling, der zu hohen Schadenersatzleistungen verurteilt wurde, als er seine Lehre wegen der miserablen Ausbildungsbedingungen abbrach.

Kollegen berichten von ihrer Ausbildung auf einer Bauschule und ihren Einsatz in Senatsbauten. Diese Kollegen haben sich zu einem Mai-Ausschuß zusammengeschlossen und unterstützten ebenfalls die von der KPD veranstaltete Mai-Demonstration im Wedding.

Die Veranstaltung wurde von den Genossen der KPD geschlossen mit dem Hinweis auf die bereits erfolgte Einrichtung von mehreren Stadtteiljugendkomitees der Partei - so in Neukölln und Moabit - sowie die Einrichtung von Jugendzirkeln durch die Betriebszellen Schering und Siemens der KPD. Damit sind bereits erste Schritte auf dem Weg zum Aufbau des KJV erfolgt."

In Moabit wird zu einer Jugendarbeiterrunde der KPD zumindest vom Jugendsympathisantenzirkel der KPD bei Siemens (vgl. 12.4.1972) aufgerufen.

Aufgerufen wurde auch mit einem 'Rote Fahne' Sonderdruck (vgl. 7.4.1972)
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Siemens Nr. 6, Berlin 12.4.1972, S. *; Rote Fahne Nr. 41, Dortmund 19.4.1972, S. 8;Rote Fahne Sonderdruck Vorwärts zum 1. Mai!, Berlin Apr. 1972, S. 1

14.04.1972:
In Berlin wird zur Mai-Veranstaltung der KPD "Zur wirtschaftlichen Lage der Arbeiterklasse in Westberlin" um 19 Uhr im Audimax TU auch aufgerufen durch die Zelle Physik / Mathematik TU des KSV (vgl. Apr. 1972).
Q: Kommunistische Studentenpresse - Physik / Mathematik TUB Nr. 1, Berlin Apr. 1972, S. 30

14.04.1972:
In der Nr. 11 ihres 'NCR Arbeiter' (vgl. 30.3.1972, 17.4.1972) kündigt die Berliner Betriebsgruppe NCR der KPD/ML-ZB u.a. eine Kurzkundgebung mit den Themen 1. Mai und Betriebsratswahlen (BRW) sowie den Verkauf der 'Roten Fahne' Nr. 7 (vgl. 3.4.1972) für den Nachmittag an. Aufgerufen wird zur Veranstaltung der KPD/ML-ZB (vgl. 18.4.1972).
Q: Der NCR Arbeiter Nr. 11, Berlin 14.4.1972

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14.04.1972:
In Berlin gibt die Betriebsgruppe Siemens Gartenfeld der KPD/ML-ZB die Nr. 10 ihres 'Roten Gartenfelders' (vgl. 3.4.1972, 17.4.1972) heraus, die sich u.a. mit dem 1. Mai befaßt.
Aufgerufen wird auf den 4 Seiten auch zum Besuch der Veranstaltung von KPD/ML-ZB und KJVD zu den Betriebsratswahlen und zum 1. Mai am 18.4.1972. Angekündigt wird für den Nachmittag der zweite Verkauf der 'Roten Fahne' Nr. 7 (vgl. 3.4.1972).
Q: Der Rote Gartenfelder Nr. 10, Berlin 14.4.1972

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14.04.1972:
Der KSV der KPD gibt vermutlich Ende dieser Woche seine Berliner 'Dem Volke dienen' (DVD - vgl. Apr. 1972, 24.4.1972) Nr. 6 heraus mit dem Leitartikel "1. Mai im Wedding" sowie den Artikeln "Ein Rückblick: der Kampf um den Achtstundentag" zum 1. Mai und "Wissenschaft der Schweissauspressung an der TU" zu den Arbeitswissenschaften bzw. zum 1. Mai, mit dem Bericht "'Umsetzungen' im Waggonbau verschärfte Arbeitshetze und Entlassungen" von der Waggon-Union. Aufgerufen wird zu den Maiaktionen.
Q: Dem Volke dienen Nr. 6, Berlin Apr. 1972, S. 1f und 6f

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17.04.1972:
Die LgdI der KPD berichtet aus Berlin (vgl. Apr. 1972, 20.4.1972):"
In Westberlin kam es auch an diesem 1. Mai darauf an, den Revisionisten durch eine machtvolle Demonstration im Wedding zu zeigen, daß ihre Anbiederung an SPD- und DGB-Spitze nicht verfängt. So standen nach intensiver ideologischer Vorbereitung während 14 Tagen vor dem 1. Mai Agitprop-Trupps der Kampfkomitees wieder an den zentralen Punkten der Arbeiterviertel. Verstärkt wurden diese Trupps durch die studentischen Mitglieder der LIGA, die sich auf ihre Arbeit in den Stadtteilen in den Studenten-Aktivs vorbereitet hatten. Im Verlauf der Mai-Agitation wurden die Kampfkomitees entschieden gestärkt, was die kämpferische Entschlossenheit und die Gewinnung von neuen Mitgliedern angeht."
Q: Internationale Solidarität Nr. 4, Berlin Mai 1972, S. 5

17.04.1972:
In Berlin mobilisiert die Betriebsgruppe Siemens-Schaltwerk der KPD/ML-ZB mit einer zweiseitigen Extraausgabe ihres 'Roten Schaltwerkers' (vgl. 11.4.1972, 25.4.1972) zum Besuch der morgigen Veranstaltung der KPD/ML-ZB zu den Betriebsrätewahlen und zum 1. Mai, nachdem sie zuvor schon ein Extrablatt ihrer Zeitung zum 1. Mai, welches auch auf diese Veranstaltung hinwies, verteilt hatte.
Q: Der rote Schaltwerker Ausgabe Heraus zum roten 1. Mai, Extrablatt und Nr. 20, Berlin o.J. (1972) bzw. 17.4.1972 bzw. 25.4.1972

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17.04.1972:
In Berlin geben der Zentralrat der Westberliner Oberschüler (ZR) und die Oberschülerkommission (OSK) des KSV der KPD vermutlich Anfang dieser Woche das Flugblatt "Vorwärts zum 1. Mai!" Nr. 1 (vgl. 20.4.1972) heraus, das unter der Überschrift "Solidarität mit dem Kampf der fortschrittlichen Studenten!" deren Streik ab dem 24.4.1972 ankündigt und zum Teach-In des KSV am 19.4.1972 aufruft.
Q: KSV-OSK, ZR: Vorwärts zum 1. Mai! 1 Solidarität mit dem Kampf der fortschrittlichen Studenten!, Berlin o. J. (1972)

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17.04.1972:
In Berlin gibt die Zelle Psychologie FU des KSV vermutlich Anfang dieser Woche dieser Woche ihre 'Kommunistische Studentenpresse' (KSP) Nr. 3 heraus. Aufgerufen wird zu den 1. Mai-Aktionen der KPD und der LgdI.
Q: Kommunistische Studentenpresse - Psychologie FU Nr. 3, Berlin Apr. 1972, S. 33f

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17.04.1972:
In Berlin erscheint vermutlich in dieser Woche der 'Berliner Anzünder' Nr. 1 (vgl. 29.5.1972). Angekündigt wird:"
Am 1. Mai 7 Veranstaltungen in Berlin!

Der DGB feiert im Saal, im Sportpalast.
Die Gewerkschaftsjugend und andere Gruppen wollen dem DGB einen Besuch abstatten…
Die SEW und ihr 'Gewerkschaftliches Maikomitee' starten ihre Prozession um 10 Uhr vom Karl-Marx-Platz.
Die KPD (vormals Ohne Arbeiter) zieht ihren Ritus von der Turmstrasse aus ab, Abmarsch 10 Uhr.
Die KPD/ML ('Neue Heimat') startet ihren Arbeiter-Triumphzug um 11 Uhr am Leopold-Platz.
Die autonomen Kreuzberger Basisgruppen werden auf dem Mariannen-Platz einen Mai-Rummel veranstalten.
Die pompöseste Mai-Veranstaltung wird in Ostberlin abgezogen. Aber die bleibt uns erspart…"
Q: Berliner Anzünder Nr. 1, Berlin 1972, S. 10

18.04.1972:
In Berlin führt die KPD um 19 Uhr bei Max und Moritz eine Maiveranstaltung zur Lage der ausländischen Arbeiter durch, für die sie morgen in der 'RF' noch mobilisiert.

Später (vgl. 31.5.1972) berichtet die KPD:"
GEMEINSAM KÄMPFEN
AUSZÜGE AUS DER REDE EINES GENOSSEN DER PARTEI AUF DER VERANSTALTUNG DER KPD ZUR LAGE DER AUSLÄNDISCHEN ARBEITER.

Die ausländischen Arbeiter finden in ihren Heimatländern, die vom Imperialismus künstlich unterentwickelt gehalten und ausgeplündert werden, keine Arbeitsplätze. Arbeitsplätze gibt es dort hauptsächlich für diejenigen wenigen, die in den Werken imperialistischer Konzerne, wie Siemens, BASF, Hoechst und Mercedes-Benz in der Türkei, AEG-Telefunken in Griechenland und Spanien, Schering in Spanien und in der Türkei, für einen Hungerlohn Arbeit gefunden haben. Für die Konzerne werfen diese Werke ungeheure Extraprofite ab, für die Arbeiter bedeuten sie ein Leben weit unter dem Existenzminimum. In der Türkei z.B. sind die Löhne von 1960 bis 1970 um ganze 45 Prozent gestiegen, die Preise um über 200 Prozent, in Griechenland muß ein Arbeiter für 1 KG Fleisch etwa die Hälfte eines Tageslohnes bezahlen. Das jährliche Durchschnittseinkommen in der Türkei liegt unter 800 DM, 1970 waren dort 1, 5 Mio. von 3, 5 Mio. Arbeitern arbeitslos, im Winter steigen die Arbeitslosenzahlen auf 6 bis 9 Mio., wenn diejenigen, die im Sommer auf dem Land arbeiten, ebenfalls in den Städten nach Arbeit suchen.

GENOSSEN, GEMESSEN AN DEN LÖHNEN IN IHREN HEIMATLÄNDERN SIND DIE LÖHNE, DIE DIE AUSLÄNDISCHEN KOLLEGEN IN WESTBERLIN ERHALTEN, HOCH - GEMESSEN AN DEN LEBENSHALTUNGSKOSTEN IN WESTBERLIN JEDOCH UNGEHEUER NIEDRIG.

Sie werden in die niedrigsten Lohngruppen eingestuft, auch wenn sie als Facharbeiter ausgebildet sind, nicht als Facharbeiter bezahlt, und sie erhalten die schlechtesten, gesundheitsschädigensten und gefährlichsten Arbeitsplätze. Sie sind häufig gezwungen, um überhaupt ihren eigenen Lebensunterhalt und den ihrer Familie im Heimatland bestreiten zu können, höhere Akkordleistungen zu erbringen und ständig Überstunden zu schieben. Für die Kapitalistenklasse sind sie damit nicht nur eine Quelle zusätzlicher Extraprofite, sondern auch ein wichtiges Instrument, die Spaltung der Arbeiterklasse zu vertiefen.

Mit solchem unmittelbaren Druck, mit Hetzgeschichten und Lügenmärchen, dadurch, daß die Verständigung zwischen deutschen und ausländischen Kollegen erschwert wird - in kaum einem Betrieb gibt es Dolmetscher, es sei denn solche aus faschistischen Organisationen - sollen deutsche und ausländische Arbeiter gegeneinander ausgespielt werden.

DEN AUSLÄNDISCHEN KOLLEGEN DROHT STÄNDIG ENTLASSUNG UND AUSWEISUNG

Das zeigt sich darin, daß - aus Angst um den Arbeitsplatz - es nur ein Teil von ihnen wagt, bei Krankheit zu Hause zu bleiben. Obwohl aufgrund der Arbeitshetze und dadurch, daß den meisten ausländischen Kollegen die Sicherheitsvorschriften nicht ausreichend erklärt werden, die Zahl der Arbeitsunfälle bei ausländischen Kollegen weit höher als bei ihren deutschen Kollegen ist, sind sie weniger Tage im Jahr krank. 1969 kamen auf 1 000 deutsche Arbeiter 88 Arbeitsunfälle, auf 1 000 ausländische 222 Unfälle, auf 1 000 türkische sogar 285 Unfälle. Gleichzeitig betrug der Krankenstand bei türkischen Kollegen 5, 0 Prozent, bei jugoslawischen Kollegen 3, 4 Prozent, dagegen bei deutschen und ausländischen Kollegen zusammengenommen 5, 5 Prozent. 1967 während der Krise wagten es viele ausländische Kollegen nicht einmal mehr, ihre Unfälle anzuzeigen, in diesem Jahr ging die Zahl der Unfälle bei ausländischen Kollegen - nach den Statistiken - um mehr als ein Drittel zurück.

Zu diesen verschärften Ausbeutungsbedingungen kommt noch hinzu, daß die ausländischen Arbeiter, wenn sie die Arbeit in der Fabrik beendet haben, noch stärker als ihre deutschen Kollegen von Wucherern, Haus- und Grundbesitzern ausgenommen werden. Die meisten von ihnen wohnen entweder in firmeneigenen Baracken oder sogenannten Wohnheimen, wo sie für einen Schlafplatz häufig mehr als 100 DM im Monat bezahlen müssen, oder sie wohnen in Abrißwohnungen in den Sanierungsgebieten, wo sie für den Vorteil, daß sie dort mit ihren Familien zusammenziehen können, gezwungen sind Wuchermieten auf den Tisch zu legen.

DIE KAPITALISTENKLASSE VERSUCHT, DIE UNTERDRÜCKUNG DER AUSLÄNDISCHEN KOLLEGEN NOCH ZU VERSCHÄRFEN UND DIE SPALTUNG ZU VERTIEFEN. EIN MITTEL DAZU, ZU DEM DIE SPD/FDP-REGIERUNG EILFERTIG VORBEREITUNGEN TRIFFT, IST DIE GEPLANTE VERSCHÄRFUNG DES AUSLÄNDERGESETZES.

Die Verschärfung des Ausländergesetzes richtet sich vor allem gegen ausländische kommunistische und antifaschistische Organisationen. Im Vorspruch zum Gesetzentwurf der SPD/FDP-Regierung (vgl. Apr. 1972, d.Vf.) wird das in einer Deutlichkeit ausgeführt, die nichts zu wünschen übrig läßt. Dort heißt es:

'Die Verdeutlichung' - SPD-Sprachgebrauch für Verschärfung - 'ist erforderlich, weil kleine aber politisch sehr aktive Gruppen von Ausländern ihren Kampf gegen Regierungen und Gesellschaftssysteme ihrer Heimatländer und gegen andere Staaten auf deutschem Boden mit Mitteln austragen, die von der freiheitlich-demokratischen Grundordnung (FdGO, d.Vf.) nicht geduldet zu werden brauchen. In diesem Zusammenhang sind beispielsweise zu erwähnen: Beleidigungen und Verunglimpfungen ausländischer Staatsoberhäupter und Regierungschefs, Propaganda gegen ausländische Regierungen mit dem Ziel der Liquidierung derselben usw.' Weiter heißt es dort: 'Durch die Änderung des Ausländer-Gesetzes soll insbesondere in der Öffentlichkeit ein Signal gesetzt werden, daß die BRD nicht länger gewillt ist, dieses zunehmend radikalere politische Verhalten einzelner Ausländer im Bundesgebiet zu Lasten ihrer auswärtigen Beziehungen und ihres internationalen Ansehens hinzunehmen.'

Um den geschlossenen Kampf der deutschen und ausländischen Kollegen zu zerschlagen und zu verhindern, sollen nach diesem Gesetz nicht nur Ausländerversammlungen im Freien, sondern jede - öffentlich angekündigte - Ausländerversammlung, sei sie in einer Wohnung, in einer Kneipe oder in einem Saal, genehmigungspflichtig sein, und kann ohne weitere Angabe von Gründen verboten werden. Dies gilt freilich nicht für erlaubte Parteien und Organisationen und Kirchen, wie die faschistischen Gewerkschaften oder wie türkische-islamische Faschistenvereine. Jede Organisation kann jedoch sofort verboten werden, wenn sie die 'auswärtigen Belange der BRD verletzt', sich zum Beispiel gegen den Faschismus in Griechenland, in der Türkei oder in Spanien richtet.

Dieses geplante Gesetz bedeutet einen neuen, verschärften Angriff auf die demokratischen Rechte der Arbeiterklasse. Der solidarische Kampf der Arbeiterklasse gegen die von der Kapitalistenklasse betriebene Isolierung und Abhängigkeit der ausländischen Kollegen ist die Voraussetzung dafür, die Angriffe auf die gesamte Arbeiterklasse abzuwehren. Ein Teil dieses Kampfes muß der Kampf gegen das reaktionäre Ausländergesetz sein, ebenso wie der Kampf um gleiche Arbeitsbedingungen und der Kampf um ausreichende Vertretung der ausländischen Kollegen in gewerkschaftlichen Gremien.

KAMPF DEM REAKTIONÄREN AUSLÄNDERGESETZ!

FÜR UMFASSENDE REDE- UND VERSAMMLUNGSFREIHEIT DER DEUTSCHEN UND AUSLÄNDISCHEN ARBEITER IM BETRIEB UND AUF DER STRASSE!"
Q: Rote Fahne Nr. 41 und 45, Dortmund 19.4.1972 bzw. 31.5.1972, S. 1 bzw. S.7

18.04.1972:
In Berlin gibt die KPD/ML-ZB ein 'Extrablatt der KPD/ML' (vgl. 26.2.1972, 19.6.1972) heraus, in dem zum Besuch der noch am selben Tage stattfindenden Veranstaltung der KPD/ML-ZB und des KJVD 'Betriebsratswahlen und der 1. Mai!' aufgerufen wird. Verteilt wird dieses Extrablatt u.a. im IGM-Bereich bei Schwartzkopff. Bei AEG Brunnenstraße (vgl. 26.4.1972) wird von 300 Teilnehmern am 19.4.1972 berichtet.
Q: Der AEG-Arbeiter Nr. 40, Berlin 26.4.1972, S. 4; KPD/ML-ZB: Extrablatt der Betriebsgruppen der KPD/ML, Berlin o.J. (18.4.1972)

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19.04.1972:
Zum heutigen 1. Mai-Teach-In des KSV im Audimax der TU Berlin riefen auch die Rote Zelle Physik FU (vgl. 10.4.1972) und der Zentralrat Westberliner Oberschüler (vgl. 17.4.1972) auf.
Q: KSV-OSK, ZR: Vorwärts zum 1. Mai! 1 Solidarität mit dem Kampf der fortschrittlichen Studenten!, Berlin o. J. (1972), S. 2; Kommunistische Studentenpresse - Physik FUB Die Agitationskollektive der Roten Zelle Physik im Sommersemester 72, Berlin o. J. (1972), S. 25

20.04.1972:
In Berlin geben der Zentralrat der Westberliner Oberschüler (ZR) und die Oberschülerkommission (OSK) des KSV der KPD vermutlich heute das Flugblatt "Vorwärts zum 1. Mai!" Nr. 2 (vgl. 17.4.1972) heraus, das zur Jugendveranstaltung der KPD und der Liga am 21.4.1972 und zur Vietnamdemonstration am 22.4.1972 aufruft.
Q: KSV-OSK, ZR: Vorwärts zum 1. Mai! 2, Berlin o. J. (1972)

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20.04.1972:
In Berlin gibt die Ortsleitung der KJO Spartacus ihren Anhängern die Termine bis zum 1. Mai an. Am 22. sei eine Vietnamdemonstration ab Mehringdamm, am 23. ein Singeabend zur Maivorbereitung im Sozialistischen Zentrum, am 27. eine Veranstaltung "Die Lage der Arbeiterjugend" bei Max und Moritz und am 1. Mai die Demonstration ab Karl Marx Platz.
Q: KJO Spartacus-Ortsleitung Westberlin: ohne Titel, Berlin 20.4.1972

21.04.1972:
Die Nr. 164 der 'Roten Presse Korrespondenz' (RPK - vgl. 14.4.1972, 28.4.1972) berichtet u.a. vom Erscheinen einer Sondernummer der 'Kommunistischen Schüler Presse' (KSP) der OSK des KSV zum 1. Mai 1972.
Q: Rote Presse Korrespondenz Nr. 164, Berlin 21.4.1972, S. 16

21.04.1972:
In der Berliner TU wollen KPD und LgdI eine Maiveranstaltung "Jugend gegen Imperialismus" durchführen.
Q: Rote Fahne Nr. 41, Dortmund 19.4.1972

23.04.1972:
Im Berliner Sozialistischen Zentrum möchte die KJO Spartacus einen Singeabend durchführen, damit am 1. Mai nicht nur die Linie stimmt.
Q: KJO Spartacus-Ortsleitung Westberlin: ohne Titel, Berlin 20.4.1972

24.04.1972:
In Berlin ruft die LgdI der KPD für heute zu einer Maiveranstaltung im Audimax der TU auf, auf der auch die Schaubühne Theater spielen soll.
Q: LgdI: L.g.d.I., Berlin o.J. (1972)

24.04.1972:
In Berlin geben die Betriebsgruppe Osram der KPD/ML-ZB und des KJVD vermutlich in dieser Woche ein gemeinsames Extra des 'Rotlicht' (vgl. 17.4.1972, 26.4.1972) und der 'Roten Osram Jugend' (vgl. 7.4.1972) mit einem Umfang von 6 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Horst Kwiatkowski und dem Titel "Betriebsratswahl - wie geht es weiter?" heraus. Bekanntgegeben wird, daß bei den Betriebsratswahlen (BRW) im B-Werk wieder 'Bonzen' gewählt worden seien. Im M-Werk sei Praeker raus und Häusler (SPD) gerade noch reingekommen. In einem Leserbrief wird die Haltung des 'Rotlicht' zu den BRW positiv gewürdigt. Für heute wird eine Kurzkundgebung vor dem B-Werk angekündigt, auf der noch einmal das 'Rote Fahne' Extrablatt (vgl. Apr. 1972) verkauft werden soll. Aufgerufen wird zum 30.4.1972 und zum 1. Mai.
Q: Rotlicht/Die Rote Osramjugend Extrablatt, Berlin o.J. (1972)

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24.04.1972:
Bei Siemens Berlin gibt die KPD/ML-ZK vermutlich in dieser Woche ihren auf April datierten 'Roten Lautsprecher' Nr. 4 (vgl. 3.4.1972, 22.5.1972) mit der Schlagzeile "Siemens-Arbeiter heraus zum roten 1. Mai!" heraus. Zu den Ostverträgen heißt es u.a.:"
Siemens-Kollegen!
Wir können nicht tatenlos zusehen, wie sich unsere Ausbeuter rüsten und zum Schlag gegen uns und die Völker Europas ausholen! Wir können nicht tatenlos zusehen, wie sich Faschismus, Militarismus und Revanchehetze wieder breitmachen!

PROLETARIER IHR MÜSST RÜSTEN!

Nur die geschlossene Kampffront der Arbeiter kann die Angriffe der Ausbeuter abwehren, kann ihre Kriegspläne durchkreuzen. Diese geschlossene Kampffront zu schmieden, ist heute die vordringlichste Aufgabe der Kommunistischen Partei - gerade und besonders am 1. Mai, dem internationalen Kampftag der Arbeiterklasse. Daß wir von dieser Einheit noch teilweise entfernt sind, zeigt, daß dieses Jahr in Westberlin zu 4 (Vier!) Maidemonstrationen aufgerufen wird! Kollegen, wie konnte es zu einem solchen Skandal kommen?

KAMPF UM DIE EINHEIT!

Die KPD/ML hat alles getan, um eine gemeinsame Maidemonstration aller Kommunisten auch in Westberlin zu erreichen. Mit den Marxisten-Leninisten der Gruppe Rote Fahne Bochum (KPD/ML-ZB, d.Vf.) (Roter Gartenfelder, Roter Schaltwerker), ist diese Einheit auch erreicht worden. In mehreren Großstädten Westdeutschlands, u.a. in Dortmund, Hamburg, München, Stuttgart, Hannover, Nürnberg und Mannheim wurden wie in Westberlin gemeinsame zentrale Maikomitees gegründet und werden mit anderen Marxisten-Leninisten gemeinsame Maidemonstrationen durchgeführt. Das ist ohne Zweifel ein großer Schritt vorwärts auf dem Wege zur Einheit!

Aber in Westberlin, wo der Kampf zwischen den beiden Klassenfronten, der Bourgeoisie und ihren Handlangern auf der einen Seite und der Arbeiterklasse auf der anderen Seite besonders scharf entbrannt ist und wo die Hauptspalter der Arbeiterklasse, die Arbeiterverräter der SEW- und SED-Führung einen besonders schweren Stand haben, da versuchen sie umso mehr, die Einheit der revolutionären Arbeiter zu spalten. Ihr neuester Verbündeter in diesem Kampf ist die Studentenorganisation, die sich unverschämterweise 'KPD' nennt (was eine Beleidigung für alle aufrechten alten KPD-Genossen ist!) und die neuerdings unverhüllt auf die Spaltung der Arbeiterklasse ausgehen. Diese Leute nennen die aggressive Ost-Politik der SPD 'vernünftig' und 'realistisch', sie leugnen glattweg, daß die Arbeiterbewegung in Westdeutschland sich im Aufschwung befindet, sie weigern sich, im Betrieb den Kampf gegen politische Entlassungen zu führen, sie zerreissen auf Demonstrationen kommunistische Zeitungen und schreien Reden kommunistischer Arbeiter nieder. Kann eine Kommunistische Partei, kann ein Rotes Maikomitee, kann irgendein klassenbewußter Arbeiter mit solchen Leuten, die die Einheitsbestrebungen der Kommunisten mit Füßen treten, am 1. Mai gemeinsam marschieren? Nein!

Daß es mit den Arbeiterverrätern in der SEW-Führung, die am 1. Mai in Worten für die Arbeiter einzutreten vorgeben, in Taten aber schon längst auf der anderen Seite stehen, daß es mit diesen Arbeiterverrätern keine Einheit geben kann und darf, ist klar! Wir rufen alle SEW-Kollegen auf: Reißt euren 'Führern' die Masken vom gesicht! Laßt sie am 1. Mai alleine für Mitbestimmungsillusionen und Ratifizierungsgeschwätz demonstrieren! Die revolutionären Arbeiter marschieren unter den Fahnen des Zentralen Maikomitees!

Die vierte Maidemonstration wird von der Gruppe 'Neue Einheit' (KPD/ML-NE, d.Vf.) veranstaltet. Dieser Handvoll verwirrter junger Leute, von denen man das Jahr über vor und im Betrieb nicht viel sieht, geht es am 1. Mai weniger um die 'Einheit', als um den vordersten Platz in einer Demonstration, den sie nun als Alleinemarschierer auch haben!

Siemens-Arbeiter!

Der 1. Mai ist der internationale Kampftag der Arbeiterklasse. Am 1. Mai heißt es auf der ganzen Welt: Dem Klassengegner die Faust ins Gesicht! Darum, Kollegen - auch in Westberlin:

GEGEN DAS KAPITAL UND SEINE SPD-REGIERUNG - DIE GESCHLOSSENE FRONT DER ARBEITERKLASSE!

HERAUS ZUM ROTEN 1. Mai!"

Das Siemens-Komitee der Roten Garde (RG) fordert ebenfalls:"
Siemens-Lehrlinge! Siemens-Jungarbeiter!

HERAUS ZUM ROTEN 1. Mai!

Verschärfte Ausbeutung und verschärfte Unterdrückung - das ist unsere Lage in den Betrieben, darum sind wir am 1. Mai auf der Straße!

Gegen die Siemens-Bosse und ihre Handlanger zur Niederhaltung der Arbeiterjugend, gegen kapitalhörige Ausbilder und Meister, gegen verräterische SPD-Betriebsräte und IGM-Bonzen, gegen die reformistischen SEW/FDJ-Führer, gegen die spalterischen Häuptlinge der Studenten-'KPD', dagegen sind wir am 1. Mai auf der Straße!

Gegen diesen Staat der Herren Siemens und Konsorten, gegen Aufrüstung für imperialistische Raubkriege, gegen den Kriegspakt Bonn-Moskau, gegen Notstandsmaßnahmen zur Niederschlagung der Arbeiterklasse, dagegen sind wir am 1. Mai auf der Straße!

Im ROTE-GARDE-Teil vom ROTEN LAUTSPRECHER Nr. 3 (vgl. 3.4.1972, d.Vf.) berichteten Kollegen über die verschärfte Ausbeutung der Arbeiterjugend im SDW-Formenbau (SDW heißt: Siemens-Dynamowerk, d.Vf.) und im Wernerwerk: Lehrlinge - als billigste 1, 50-DM-Arbeitskräfte, als Lohndrücker gegen die Kollegen eingesetzt, an deren Arbeitsplatz gestellt; Jungarbeiter - den Lohn durch 'Umsetzung' gekürzt, mit Entlassungsdrohung zu größerer Arbeitsleistung getrieben.

Gegen Lehrlingsschinderei und Lohnraub, Umsetzung, Kurzarbeit und Entlassung, gegen die Spaltung in Junge und Alte - für eine geschlossene Kampffront, für Ausbildung in der Produktion, für gleiche Bezahlung gleicher Arbeit, für 80% vom Arbeiterlohn für Lehrlinge, für Lehrlingsstreikrecht, dafür gehen wir am 1. Mai auf die Straße!

Gegen den Maulkorb für fortschrittliche Kollegen, die die organisierten Sauereien der Siemens-Bosse und ihrer Knechte beim Namen nennen, gegen politische Entlassungen - für sofortige Wiedereinstellung der entlassenen Lehrlinge, dafür gehen wir am 1. Mai auf die Straße!

Gegen das großkotzige Diktat der 'KPD'-Kleinbürger - für die betriebliche Einheitsfront, für klassenkämpferische Jugendvertreter und Betriebsräte, für oppositionelle Gewerkschaftsarbeit, für die Aktionseinheit der Marxisten-Leninisten zum 1. Mai, dafür sind wir am 1. Mai auf der Straße!

Lehrlinge! Jungarbeiter! Wir gehören zu den Fortschrittlichsten der Arbeiterklasse, wir marschieren in der ersten Reihe, denn der Arbeiterjugend gehört die Zukunft! Vorwärts mit der ROTEN GARDE! Vorwärts im Geiste Ernst Thälmanns, mit unserer Partei, der KPD/ML! Vorwärts zum Sozialismus! Folgen wir dem Aufruf des Zentralen Maikomitees: Heraus zum roten 1. Mai 1972!

Heraus zur Demonstration 10 UHR BRUNNENSTR. (AEG)".
Q: Roter Lautsprecher Nr. 4, Berlin Apr. 1972

24.04.1972:
In Berlin gibt die Betriebsgruppe Siemens-Wernerwerk der KPD/ML-ZB eine Ausgabe ihrer Betriebszeitung 'Der Rote Blitz' (vgl. 11.4.1972, 28.4.1972) heraus, die neben einem Aufruf zum aktiven Wahlboykott (ungültig stimmen) bei der Betriebsratswahl (BRW) zum Besuch der Maiveranstaltung des Zentralen Maikomitees am 30.4.1972 aufruft. Angekündigt wird auch eine Kurzkundgebung vor dem Werk (vgl. 25.4.1972).
Q: Der Rote Blitz, Berlin 24.4.1972

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24.04.1972:
In Berlin gibt die Betriebsgruppe Siemens Gartenfeld der KPD/ML-ZB ihren 'Roten Gartenfelder' (vgl. 17.4.1972) heraus. Beigeheftet ist ein zweiseitiger 'Aufruf zum 1. Mai!', der zum Besuch der Veranstaltung des 'Zentralen Maikomitees' am 30.4. und seiner Demonstration am 1. Mai selbst mobilisiert. Verantwortlich zeichnet für diesen Aufruf Horst Kwiatkowski, der auch die Verantwortung für die Berliner KPD/ML-ZB Veröffentlichungen trägt.
Q: Der Rote Gartenfelder, Berlin 24.4.1972

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24.04.1972:
Die Zeitung 'Der Revolutionäre Funke' (Organ der Kommunistischen Schülerorganisation (Neue Einheit) - KSO-NE) ruft dazu auf, sich an der 1.-Mai-Demonstration der KPD/ML (Neue Einheit) in Berlin zu beteiligen. Zur Verteilung gelangt es allerdings nicht nur in Berlin sondern zumindest auch in Saarbrücken.
Q: KPD/ML-NE: Dokumente zum revolutionären 1. Mai 1972, Berlin 1972, S. 27ff.

24.04.1972:
Der KSV veröffentlicht vermutlich in dieser Woche einen Sonderdruck "Gegen den Abbau der demokratischen Rechte des Volkes - Für das feste Bündnis der Arbeiterklasse mit allen unterdrückten Klassen und Schichten des Volkes" seiner Zeitung 'Dem Volke dienen' (DVD, Zeitung des KSV für die Hoch- und Fachhochschulen in Westberlin - vgl. 14.4.1972, Mai 1972).

Aufgerufen wird zur Demonstration ab Turmstrasse, zu Veranstaltungen am 27. und 28.4.1972 und zu Straßenkundgebungen am 28.4. bei Hertie Turmstrasse und am 29.4. auf dem Hermannplatz.
Q: Dem Volke dienen Sonderdruck Gegen den Abbau der demokratischen Rechte des Volkes - Für das feste Bündnis der Arbeiterklasse mit allen unterdrückten Klassen und Schichten des Volkes, Berlin o. J. (1972)

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25.04.1972:
Vor dem Siemens-Wernerwerk in Berlin will die KPD/ML-ZB eine Kurzkundgebung zu den Themen Betriebsratswahl (BRW), 1. Mai und politische Entlassungen durchführen.
Q: Der Rote Blitz, Berlin 24.4.1972

25.04.1972:
In Berlin gibt die Betriebsgruppe Siemens-Schaltwerk der KPD/ML-ZB die Nr. 20 ihres 'Roten Schaltwerkers' (vgl. 17.4.1972) heraus. Aufgerufen wird zum 1. Mai.
Q: Der rote Schaltwerker Nr. 20, Berlin 25.4.1972

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25.04.1972:
Heute möchten im Berliner TU Audimax KPD/ML-NE und KHO-NE ein Teach-In zum 1. Mai und zur revolutionären Bewegung durchführen.
Q: Kommunistische Hochschulzeitung Sdr.blatt, Berlin 19.4.1972

26.04.1972:
In der Berliner Technischen Fachhochschule will heute das Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter der KPD seine Maiveranstaltung durchführen.

Aufgerufen wurde vom Maikomitee dazu mit einer Zeitung '1. Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse', in der u.a. von Schering, den Koreanern bei der KWU, von AEG Brunnenstraße sowie von den Maiausschüssen bei AEG Brunnenstraße und bei Siemens und den beiden dortigen IGM-Jugendgruppen berichtet wird. Auch ein separater "Aufruf" des Maikomitees mobilisiert außer für die Maidemonstration auch für diese Veranstaltung und gibt die Existenz von Maiausschüssen bei AEG Brunnenstraße, Borsig, DWM, DeTeWe, KWU, SEL, Siemens, Schering, im RVK, für die Krankenhäuser, für Bau, Post, IG Druck, kaufmännische Lehrlinge, Metall-Jugendliche und die Bauschule Zitadelle Spandau bekannt.
Q: Rote Fahne Nr. 41, Dortmund 19.4.1972; 1. Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse, Berlin 1972;Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter: Aufruf, Berlin 1972

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26.04.1972:
In Berlin erscheint von der KPD/ML-ZB die Nr. 14 des 'NCR Arbeiters' (vgl. 24.4.1972, Mai 1972). Beigeheftet ist ein zweiseitiger Aufruf zur Veranstaltung des zentralen Maikomitees (vgl. 30.4.1972). Im 'NCR Arbeiter' enthalten sind u.a. die Resolution des Einheitsfrontkomitee NCR (EFK) zum 1. Mai und ein Aufruf zur Teilnahme an der Maidemonstration der Aktionseinheit von KPD/ML-ZB, KPD/ML-ZK, ausländischen Marxisten-Leninisten, 3 Stadtteilkomitees und 12 Einheitsfrontkomitees (EFK) aus Westberliner Großbetrieben. Gar nicht gut zu sprechen ist man auf die, in Berlin recht massiv vertretene, KPD. Über sie wird ausgeführt:"
Bei gemeinsamen Demonstrationen bildete sie Ketten um andere marxistisch-leninistische Organisationen am Betreten des Kundgebungsplatzes zu hindern. Sie brüllte deren Redner nieder".
Q: Der NCR Arbeiter Nr. 14, Berlin 26.4.1972

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26.04.1972:
Bei Osram Berlin gibt die Betriebsgruppe der KPD/ML-ZB vermutlich heute eine Ausgabe ihres 'Rotlicht' (vgl. 24.4.1972) heraus. Enthalten ist die Erklärung des ZB der KPD/ML-ZB "Nieder mit dem Bonner Kuhhandel" zum morgigen Mißtrauensvotum. Aufgerufen wird zum 30.4.1972 und zum 1. Mai.
Q: Rotlicht o.Nr. , Berlin o.J. (1972)

26.04.1972:
In Berlin führt die KPD/ML-ZB vor dem Siemens-Schaltwerk eine Kurzkundgebung, vermutlich zu den Themen 1. Mai und Betriebsratswahl durch.
Q: Der rote Schaltwerker Nr. 20, Berlin 25.4.1972

26.04.1972:
In Berlin gibt die Kommunistische Hochschulorganisation (NE) eine Ausgabe ihrer 'Kommunistischen Hochschulzeitung' heraus, die u.a. den Aufruf zum 1. Mai enthält. Dem 1. Mai widmet sich auch eine, ebenfalls heute erscheinende, Sondernummer 2 der 'Neuen Einheit' der KPD/ML-NE. In dieser enthalten ist ein "Großer Aufruf zur revolutionären Mai-Demonstration 1972" der KPD/ML-NE. Ebenfalls zum 1. Mai führen KPD/ML-NE und KHO-NE heute gemeinsam ein Teach-In durch.
Q: Die Revolutionäre Stimme Nr. 9 (Sonderbeilage), Berlin 1972; KPD/ML-NE: Dokumente zum revolutionären 1. Mai 1972, Berlin 1972, S. 5ff.;Neue Einheit Sdr.Nr. 2, Berlin 26.4.1972;Kommunistische Hochschulzeitung, Berlin 26.4.1972;

27.04.1972:
In Berlin möchte der Maiausschuss der Metall-Lehrlinge um 20 Uhr eine Veranstaltung in der Schultheiss-Quelle in Moabit, Quitzow-Strasse 131 durchführen, zu der er mit einem Flugblatt "An alle Metall-Lehrlinge!" aufrief.
Q: Maiausschuss der Metall-Lehrlinge: An alle Metall-Lehrlinge!, Berlin o. J. (Apr. 1972)

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27.04.1972:
Heute schließt sich auch die 'Kommunistische Hochschulzeitung' - Organ der Kommunistischen Hochschulorganisation (Neue Einheit) - KHO(NE) dem Aufruf zur Maidemonstration der KPD/ML-NE in Berlin-Wedding an.
Q: KPD/ML-NE: Dokumente zum revolutionären 1. Mai 1972, Berlin 1972, S. 27ff*

27.04.1972:
In Berlin möchte die KJO Spartacus eine Veranstaltung "Die Lage der Arbeiterjugend" bei Max und Moritz durchführen.
Q: KJO Spartacus-Ortsleitung Westberlin: ohne Titel, Berlin 20.4.1972

27.04.1972:
In Berlin möchte die KPD/ML-NE heute eine Maiveranstaltung bei Max und Moritz durchführen.
Q: Kommunistische Hochschulzeitung Zeitung, Berlin 26.4.1972

28.04.1972:
In der 'Roten Presse Korrespondenz' Nr. 165 (vgl. 21.4.1972) wird u.a. der "Aufruf des ZK der KPD zum 1. Mai vom 22.April 1972" abgedruckt.
Q: Rote Presse Korrespondenz Nr. 165, Berlin 28.4.1972

28.04.1972:
Bei KWU Berlin gibt die Betriebsgruppe der KPD/ML-ZB vermutlich heute eine Ausgabe ihrer 'Roten Turbine' (vgl. 19.4.1972) heraus. Berichtet wird von der Maivorbereitung, "daß das betriebliche Maikomitee Anfang der Woche seine Arbeit praktisch einstellen mußte, weil die Vertreter der KPD/ML (Roter Morgen) (KPD/ML-ZK, d.Vf.) erklärten, daß sie wichtigeres vorhätten." In Berlin sollen 4 Maidemonstrationen stattfinden, wobei KPD/ML-ZB und KPD/ML-ZK gemeinsam ab Brunnenstraße im Wedding demonstrieren wollen.
Q: Rote Turbine Datum unleserlich, Berlin 2?.4.1972, S. 1ff

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28.04.1972:
Die KPD (vgl. 24.5.1972) berichtet vermutlich von ihrer heutigen Mai-Veranstaltung:"
ZELLE RUDOLF-VIRCHOW-KRANKENHAUS
REDE AUF EINER KPD-VERANSTALTUNG

Kolleginnen und Genossen!

Von den Reinigungskräften über die Masse des Pflegepersonals bis hin zu fortschrittlichen Ärzten, die Pflegeschülerinnen und -schüler, die Werktätigen in Küche, Wäscherei, Werkstatt, Gärtnerei und Transport - sie alle haben im Kapitalismus keine menschenwürdige Berufsperspektive, ihrer aller Arbeitskraft wird ausgebeutet. Sie alle spüren am eigenen Leib die Sparmaßnahmen des SPD-Senats, die sich daraus ergebende Verschärfung der Arbeitshetze - so durch die ständige Verringerung der Zahl der Akutbetten, was für die Patienten vorzeitige Entlassung bedeutet - nach dem Motto 'gesund ist wer arbeiten kann', für die Krankenschwestern und Pfleger aber schnellerer Bettenwechsel bei tendenziell immer schwerer kranken Patienten, für das Küchenpersonal dauernde Umstellung der Essens- und Diätpläne, für die Wäscherei erhöhter Arbeitsanfall, für das technische Personal mehr Transport.

Wenn wir als Kommunisten in einem Bereich wie dem der medizinischen Versorgung arbeiten, haben wir also eine doppelte Aufgabe: einerseits den Kampf um die Interessen der Werktätigen im Gesundheitswesen führen, andererseits für das Interesse der Arbeiterklasse und aller übrigen werktätigen Schichten an einer ausreichenden medizinischen Versorgung eintreten. Diese Interessen stimmen nicht automatisch überein!

Können wir z.B. - zur Erleichterung der Arbeitsbedingungen des Pflegepersonals - eine Verkleinerung der Stationen fordern, können wir so einfach für eine Verkürzung der Arbeitszeit am Krankenhaus kämpfen? Die isolierte Verwirklichung solcher Forderungen würde als erstes eine Verringerung der Kapazität bedeuten, und damit eine Verschlechterung der medizinischen Versorgung! Deshalb müssen alle Forderungen gegen die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen der Werktätigen am Krankenhaus eingebettet sein in ein Kampfprogramm, das diesen Kampf verbindet mit dem Kampf für eine ausreichende medizinische Versorgung der Arbeiterklasse.

Die Forderung nach dem 7-Stunden-Tag am Krankenhaus muß verbunden sein mit der Forderung: Kampf dem Personalmangel - Durchsetzung des Bettenschlüssels, d.h. sie entspricht nur dann dem Interesse der Arbeiterklasse, wenn sie einhergeht mit einer Vergrößerung des Personalbestandes an den Krankenhäusern. Nur auf der Grundlage eines solchen Kampfprogrammes läßt sich ein dauerhaftes Bündnis zwischen Proletariat und den werktätigen Schichten am Krankenhaus herstellen.

Den ersten organisatorischen Schritt zur Herstellung dieses Bündnisses hat die KPD durch die Gründung der Zelle am Rudolf-Virchow-Krankenhaus getan.

Mit der Herausgabe der ersten Kommunistischen Presse (KP - vgl. 22.2.1972, d.Vf.) für die Werktätigen am RVK haben wir die Massenarbeit am Krankenhaus aufgenommen, haben wir die Arbeit am Kampfprogramm durch die Entfaltung der Untersuchungsarbeit vorangetrieben und haben zahlreiche Werktätige als Sympathisanten im Umkreis der Zelle organisiert. Dabei stehen wir bei unserer Arbeit im Krankenhaus in einem ständigen Kampf gegen alle Fronten des Reformismus. Es ist eines, die Fehler des kapitalistischen Systems im einzelnen anzuprangern, es ist ein anderes, für den Sturz des Kapitalismus insgesamt zu kämpfen. Die kleinbürgerliche Linie auch am Krankenhaus ist gekennzeichnet durch Wankelmütigkeit und Unentschlossenheit, durch schnelles Verzagen, und durch einen Individualismus, der sich unfähig zeigt zu proletarischer Disziplin.

Diese kleinbürgerliche Linie findet am Krankenhaus einen natürlichen Nährboden. Im Gegensatz zu den Kämpfen in der Fabrik, in der der Widerspruch von Lohnarbeit und Kapital unmittelbar erfahren werden kann, steht uns am Krankenhaus als direkter Gegner der Staatsapparat und sein Gehilfe, die Verwaltungsspitze, gegenüber. Der Staatsapparat hat im Kapitalismus den Auftrag, weite Teile des Reproduktionssektors zu organisieren, so auch einen erheblichen Teil der medizinischen Versorgung der Werktätigen. Damit ist aber auch die Basis gegeben für Illusionen über den Klassencharakter des Staates, Illusionen über die Reformierbarkeit der medizinischen Versorgung im Kapitalismus.

Wenn wir Sympathisanten organisieren, dann grenzen wir uns scharf gegen alle ständischen, berufsspezifischen Organisationsansätze ab; das Beziehen des proletarischen Klassenstandpunktes, die umfassende Unterstützung der Arbeit der Partei ist oberstes Kriterium der Organisierung im Umkreis der Zelle.

Im Rahmen des Kampfes zweier Linien steht auch unsere unversöhnliche Auseinandersetzung mit den Revisionisten, die am RVK so stark sind wie sonst kaum in einem Krankenhaus in Westberlin. Gegen diese Leute, die im Gespräch mit uns tönen, daß sie doch auch für den Sozialismus und sogar für die Revolution sind, die aber bei der praktischen Arbeit bei jeder Gelegenheit der Verwaltung und der Gewerkschaftsspitze ihre Verläßlichkeit zu beweisen suchen, die sich bei einer Abstimmung über eine Resolution gegen das arbeiterfeindliche Betriebsverfassungsgesetz (BVG, d.Vf.) der Stimme enthalten, die erbittert eine von uns durchgesetzte Resolution gegen die BVG-Fahrpreiserhöhung mit formalen Tricks noch heute für ungültig zu erklären versuchen, die sich dagegen wenden, daß in Flugblättern der ÖTV-Betriebsgruppe (ÖTV-BG, d.Vf.) die Vokabeln 'Lohnarbeit und Kapital' vorkommen, denn die Kollegen seien noch nicht so weit - Gegen diese Leute, die uns gegenüber behaupten, sie wüßten ja auch, daß Mitbestimmung im Kapitalismus nicht zu verwirklichen sei, aber erst müßten die Kollegen dafür kämpfen, damit sie dann, wenn sie sie erreicht haben, erkennen, daß man damit nichts erreicht hat - Gegen den grenzenlosen Opportunismus und Zynismus dieser Leute hat die Zelle RVK von Anfang an entschieden den Kampf aufgenommen. Dabei ist es unser Ziel, die schwankende Mitte zu gewinnen, die Rechten aber zu isolieren.

Die Revisionisten, noch mit Schwankenden, Unentschlossenen zusammen oft in der Mehrheit, spüren unseren wachsenden Einfluß. Seit einigen Wochen ist in den Sitzungen der ÖTV-Betriebsgruppe und des Vorstandes einer der Haupttagesordnungspunkte die Auseinandersetzung mit der Zeitung der Zelle RVK, wobei sich der Wortführer der Revisionisten am RVK in wilden Beschimpfungen und Verleumdungen ergeht, ja sogar selbst vor der offenen Denunziation von Gewerkschaftern nicht mehr zurückschreckt, bei denen er eine Verbindung zur Zelle vermutet. Dieser Mann gebärdet sich wie ein kleiner König, der beleidigt ist, daß man ihm sein Reich strittig macht. Doch das alles rettet die Revisionisten nicht.

Der Prozeß der Klärung wird sich fortsetzen, bis zur endgültigen Isolierung der Wenigen, mit denen eine Einheit nicht möglich ist.

Freunde und Genossen!

Die Gewerkschaftsarbeit ist nicht der einzige, sicherlich aber einer der wichtigsten Hebel unserer Massenarbeit. Die ÖTV vereinigt als einzige gewerkschaftliche Organisation alle Schichten am Krankenhaus. In ihr kämpfen wir um die Überwindung der vielfältigsten Spaltungsmechanismen, die Senat und Verwaltung gegenüber den Werktätigen einsetzen. Die Betriebsgruppe der ÖTV am RVK, nominell 350 Mitglieder stark, und erst im letzten Oktober (vgl. Okt. 1971, d.Vf.) gegen den Widerstand der ÖTV-Spitze institutionalisiert, vereinigt die fortschrittlichsten Kollegen in sich.

Im Rahmen der Vorbereitung eines kämpferischen 1. Mai haben die Mitglieder der Zelle RVK gerade in der Gewerkschaft eine rege Agitation und Propaganda betrieben. Gerade in diesen Wochen ist eine Reihe von neuen Kollegen an uns herangetreten und konnten lose Sympathisanten enger an die Arbeit der Partei herangeführt werden - insgesamt hat sich in diesen Wochen die Zahl der im Umkreis der Zelle arbeitenden Sympathisanten verdoppelt!

Anfang April (vgl. 3.4.1972, d.Vf.) führte die KPD ihre erste Veranstaltung für alle im Gesundheitswesen Tätigen in Westberlin durch. Seitdem haben wir zu einer großen Anzahl fortschrittlicher Kollegen und Sympathisanten der Partei aus fast allen großen Krankenhäusern Westberlins festen Kontakt, darunter befinden sich Gruppen, die in der Gewerkschaftsarbeit schon eine weitgehende Verankerung in der jeweiligen Betriebsgruppe erreicht haben.

Der 1. Mai 1972 bedeutet für die Zelle RVK der KPD einen großen Schritt voran in der Verwirklichung der Parole: Für das feste Bündnis der Arbeiterklasse mit allen unterdrückten Schichten des Volkes im Kampf für die sozialistische Revolution!

Für die Arbeit in der ÖTV im westberliner Rahmen bedeutet dieser 1. Mai:
Vorwärts beim Aufbau der revolutionären Gewerkschaftsopposition! Bauen wir die starke und einheitliche rote Front aller Ausgebeuteten und Unterdrückten gegen Monopolkapital und SPD-Regierung, gegen die Spaltung durch Reformismus und Revisionismus auf!"
Q: Rote Fahne Nr. 44, Dortmund 24.5.1972, S. 4

29.04.1972:
In Berlin möchte die KPD/ML-NE heute eine Maiveranstaltung in den Stephan-Lichtspielen in Moabit durchführen.
Q: Kommunistische Hochschulzeitung, Berlin 26.4.1972

30.04.1972:
In Berlin findet die Großveranstaltung des zentralen Maikomitees statt, zu dem sich laut KPD/ML-ZK die Einheitsfrontkomitees (EFK - im wesentlichen ein betrieblicher Zusammenschluß der KPD/ML's ZB und ZK, d.Vf.) von AEG, Siemens, NCR, KWU, Gillette und Borsig, die Stadtteilkomitees Wedding, Märkisches Viertel und Spandau, KJVD, KPD/ML-ZB, KPD/ML-ZK, RG, KSB/ML sowie griechische (OGML), türkische (PEF), italienische (PCI/ML) und arabische MLer zusammengeschlossen haben. Die Teilnehmerzahl beträgt, laut KPD/ML-ZB, ca. 900. Gezeigt werden soll der Film "Ernst Thälmann - Sohn seiner Klasse". Veranstaltungsort sind die Spandauer Festsäle in der Schützenstraße 2-4.
Q: Rote Fahne Nr. 10, Bochum 15.5.1972, S. 11; Roter Morgen Nr. 11, Hamburg 5.6.1972;Rotlicht o.Nr. , Berlin o.J. (1972);Rotlicht/Die Rote Osramjugend Extrablatt, Berlin o.J. (1972);KPD/ML-ZB-LV Westberlin: Aufurf Heraus zum Roten 1. Mai, Berlin 1972;Der Rote Blitz, Berlin 24.4.1972

Mai 1972:
Die Nummer 7 der Zeitschrift 'Dem Volke dienen' (DVD, Zeitung des KSV für die Hoch- und Fachhochschulen in Westberlin - vgl. 24.4.1972, 29.5.1972) erscheint mit einem Bildbericht "1. Mai im Wedding".
Q: Dem Volke dienen Nr. 7, Berlin Mai 1972, S. 1f

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Mai 1972:
Es erscheint die 'Neue Einheit' der KPD/ML-NE Nr. 1. Inhalt: "Zu den Grundfragen der Partei und der gegenwärtigen Situation", "Erklärung der KPD/ML(Neue Einheit) vom 5. April 1972: Der 1. Mai 1972 ist von historischer Bedeutung". Darin betont die KPD/ML(Neue Einheit) erneut, daß die Verfolgungsmaßnahmen gegen sie keineswegs aufgehört hätten (vgl. 8.4. 1972). Vielmehr setzen sie ja in der Folge der Maidemonstration erst richtig ein. Weiter befaßt man sich u.a. mit der Berliner Berufsschularbeit des KJVD (Neue Einheit) und der Verfolgung der Organisation (vgl. 8.4.1972).
Q: Neue Einheit Nr. 1, Berlin Mai 1972

Mai 1972:
.. In Berlin gibt die Proletarische Linke (PL) ihr Zentralorgan 'PL' Nr. 10 (vgl. Apr. 1972) heraus mit den Artikeln "1. Mai 72: Alle Kraft dem Klassenkampf" und "Die Klasse formiert sich" zum 1. Mai, wobei berichtet wird aus Dortmund, von Opel Rüsselsheim, aus Kassel, Mannheim, Duisburg und Wuppertal.
Q: PL Nr. 10, Berlin Mai 1972, S. 1, 3 und 6

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01.05.1972:
Zur Maidemonstration in Berlin-Neukölln mobilisiert u.a. ein Flugblatt "1. Mai in Neukölln", welches von MLH's TU/FU, Kampfrat der Roten Zellen, Grundsemesterorganisation (GSO) am Otto-Suhr-Institut der FU und Rotzhis unterzeichnet ist. Ebenfalls zu dieser Demonstration ruft die KJO Spartacus auf. Laut KB beteiligen sich an dieser Demonstration, zu der neben diversen linken Gruppen auch die SEW aufrief, 30 000, so daß es die größte Demonstration der Berliner Linken seit vielen Jahren gewesen sei, und dies obwohl im letzten Jahr sowohl PL/PI als auch KB/ML und SDA auseinandergebrochen seien. Der KB Bremen (KBB) zählt in Neukölln auf der Demonstration der SEW und ihres Maikomitees '72 (SEW, Judos der FDP, SJD - Die Falken, Jusos und linke SPD sogar über 40 000 Leute, davon allein 10 000 im antirevisionistischen Block. Laut KB befanden sich in diesem Block, der auf ein Aktionsbündnis (vgl. Apr. 1972) von u.a. KJO Spartacus, MLH's und Basisgruppe Spandau zurückging, 15 000.

Die Rote Hilfe Westberlin ruft heute in ihren 'Rote Hilfe Nachrichten & Mitteilungen' Nr. 7 (vgl. 27.3.1972, 15.5.1972) auf zum "Arbeitervolksfest am Mariannenplatz - Kreuzberg vom 29.4. bis zum 1.5.72" und berichtet später auch von diesem, ebenso wie das Georg von Rauch Haus (vgl. Mai 1972), welches das Fest mitveranstaltete.

Die Demonstrationen im Wedding von KPD und den KPD/ML's ZB, ZK und Neue Einheit (NE) haben, laut KB, zusammen 2 300 Teilnehmer gehabt.

Der KB Bremen berichtet über die eigene Demonstration der KPD:"
Die KPD demonstrierte unter der Hauptlosung 'Gegen Reformismus und Revisionismus - für die revolutionäre Einheit der Arbeiterklasse."

Die KPD selbst zählt 4 000 bis über 4 000 Teilnehmer, auf der Kundgebung gar über 5 000.

Mobilisiert wird dazu u.a. auch vom Landesverband Westberlin der LgdI mit einem "Aufruf zum 1. Mai" und durch die Oberschülerkommission des KSV, die von über 4 000 Demonstranten aber auch einem Maimeeting an der Gropius-Schule berichtet, mit einer 'Kommunistischen Schülerpresse'.

Der KSV veröffentlicht einen Sonderdruck seiner Zeitung 'Dem Volke dienen' (DVD) - Zeitung des KSV für die Hoch- und Fachhochschulen in Westberlin. Sie enthält den "Mai-Aufruf des Kommunistischen Studentenverbandes": "Für das feste Bündnis der Arbeiterklasse mit allen unterdrückten Schichten des Volkes im Kampf für die sozialistische Revolution!".

Die KPD (vgl. 3.5.1972) berichtet über die eigene Demonstration, die um 10 Uhr am U-Bahnhof Turmstraße in Moabit beginnen sollte:"
Über 4 000 Arbeiter und andere Werktätige, Schüler und Studenten demonstrierten am 1. Mai in Westberlin unter den Parolen der KPD, des Maikomitees oppositioneller Gewerkschafter, verschiedener ausländischer Organisationen, des KSV, und der Liga gegen den Imperialismus. Viele Bewohner der Arbeiterviertel Moabit und Wedding reihten sich in den einheitlichen und von revolutionärer Begeisterung erfüllten Demonstrationszug ein.

Auf der Schlußkundgebung, an der über 5 000 Menschen teilnahmen, zogen ein Genosse der Partei und eine Kollegin des Maikomitees erste Bilanz:
Die Kampffront der Arbeiterklasse ist in der Vorbereitung des 1. Mai auch in Westberlin gestärkt und verbreitert worden. Es hat sich gerade in den letzten Tagen gezeigt, daß auch in Westberlin die Parole: Gegen Reformismus und Revisionismus für die revolutionäre Einheit der Arbeiterklasse - KPD! die Richtschnur der Arbeit der Partei in dieser Region sein muß. Die Kollegen, die den Aufrufen der Brandt, Scheel und Sickerts oder den SEW-Führern in Neukölln folgten, zeigen uns, daß wir unsere Arbeit verstärken müssen für die Werktätigen, die noch unter dem Einfluß der Demagogie dieser Reformisten und Revisionisten stehen.

Der Kampf zweier Linien, der zum 1. Mai 1972 mit besonderer Schärfe geführt wurde, schließt auch den Kampf gegen alle Positionen der Sektierer, die sich Marxisten-Leninisten nennen, ein. Die Parolen, unter denen die KPD/MLs etwa 600 Demonstranten auf die Straße führten, markieren den Marsch dieser Sekten in den revisionistischen Sumpf."

Am 17.5.1972 zitiert die KPD:"
KÄMPFEN WIR WEITER FÜR DEN AUFBAU EINER REVOLUTIONÄREN GEWERKSCHAFTSOPPOSITION (RGO, d.Vf.)

AUSZUG AUS DER REDE DES VERTRETERS DES MAIKOMITEES OPPOSITIONELLER GEWERKSCHAFTER AUF DER 1.MAUKUNDGEBUNG IN WESTBERLIN.

In der Vorbereitung des 1. Mai hat das Maikomitee neue Hebel der Gewinnung der Kollegen für den Aufbau der revolutionären Gewerkschaftsopposition geschaffen:

Durch das Auftreten auf Betriebsversammlungen, das Tragen der Plaketten im Betrieb, die Verteilung der Flugblätter auch innerhalb des Betriebes, durch Veranstaltungen der einzelnen Maiausschüsse konnten neue Kollegen gewonnen werden, konnte die Front der oppositionellen Gewerkschafter entschieden verbreitert werden. Diesen Erfolg feiern wir heute!

Die Maiausschüsse und das Maikomitee haben die Aufgabe, einen revolutionären 1. Mai vorzubereiten erfolgreich erfüllt.

Aber, Kolleginnen und Kollegen, wie soll es nach dem 1. Mai weitergehen?

Ich will kurz die vor uns liegenden Aufgaben nennen:
Wir werden im Betrieb weiterhin eintreten für kämpferische Vertrauensleute, in den Betrieben, wo es nur einen betrieblichen VL-Körper (VLK, d.Vf.) gibt, uns einsetzen für einen gewerkschaftlichen Vertrauenskörper. Wir werden den Kampf führen gegen die Mauscheleien der Gewerkschaftsspitze, gegen den Abbau der innergewerkschaftlichen Demokratie. Wir werden uns einsetzen für gewerkschaftliche Mitgliederversammlungen in den Betrieben und auf dieser Ebene versuchen, den Einfluß der Gewerkschaftsführung und der Sozialdemokratie, der sich in den Ostverträge-Streiks der letzten Tage deutlich zeigte, zu brechen und eine breite oppositionelle Bewegung in den Betrieben zu entfalten.

Die Delegierten gewerkschaftlicher Gremien im Maikomitee werden weiter kämpfen für die Durchsetzung der Forderungen, die wir in unserem Programm zusammengefaßt haben. Insbesondere in den nächsten Tarifrunden werden sie versuchen, unsere einheitlichen Lohnforderungen unter den Kollegen zu verankern und durchzusetzen.

Die Jugendgruppen (JG, d.Vf.), die im Maikomitee mitgearbeitet haben, werden sich viel stärker als bisher ausrichten auf die Arbeit im Betrieb. Nur durch die Mobilisierung von Lehrlingen und Jungarbeitern im Betrieb werden sie ihr Ziel, die Wahl jugendlicher Vertrauensleute erreichen.

Gerade die oppositionellen Mitglieder der Jugendgruppen müssen alles daran setzen, eine breite Solidaritätsbewegung zu entfalten, damit die drohenden Ausschlüsse (UVB, d.Vf.) der Mitglieder der AEG-Jugendgruppe verhindert werden.

Die unmittelbar vor uns liegende Aufgabe ist die Stärkung der oppositionellen Kräfte durch die Jugendvertreterwahlen (JVW, d.Vf.) in den kommenden Monaten. Zu diesen Wahlen müssen fortschrittliche Kandidaten aufgestellt werden, die sich hinter unsere Forderungen stellen:

EXISTENZLOHN FÜR LEHRLINGE: HEUTE 500 DM
STREIKRECHT FÜR LEHRLINGE
und die gegen die Einführung des kapitalistischen Stufenplanes kämpfen.

Das Maikomitee und die Maiausschüsse werden sich auflösen, aber der Kampf geht weiter, die Aufgaben sind klar.

Kämpft mit uns gegen die verräterische Gewerkschaftsführung!
Kämpft mit uns für die Interessen der Arbeiterklasse und der anderen Werktätigen!

Kämpfen wir gemeinsam:
- FÜR DIE EINHEIT DER INTERNATIONALEN ARBEITERBEWEGUNG IM KAMPF GEGEN KAPITALISMUS UND IMPERIALISMUS
- FÜR DIE ABSCHAFFUNG DES KAPITALISTISCHEN LOHNSYSTEMS
- FÜR EINE WELT OHNE AUSBEUTUNG UND UNTERDRÜCKUNG
VORWÄRTS IM AUFBAU DER REVOLUTIONÄREN GEWERKSCHAFTSOPPOSITION
VORWÄRTS IM KAMPF FÜR DIE SOZIALISTISCHE REVOLUTION"

Die LgdI der KPD berichtet (vgl. 20.4.1972):"
Höhepunkt und Resultat unserer Anstrengungen war der starke LIGA-Block auf der Demonstration am 1. Mai im Wedding, an der insgesamt über 4 000 Menschen teilnahmen. Das Ziel, das wir uns zu Beginn der Mai-Aktivitäten gesetzt hatten, die Bildung der Ortsgruppen vorzubereiten, haben wir im wesentlichen erreicht: die ersten Ortsgruppen werden sich in den nächsten Tagen konstituieren" (vgl. **.5.1972, d.Vf.).

Die KPD/ML-ZK beteiligt sich, nach eigenen Angaben, am zentralen Maikomitee, welches von ihr selbst, RG, KSB/ML, KJVD, KPD/ML-ZB, arabischen, griechischen, italienischen, spanischen und türkischen Genossen, den Stadtteilkomitees Wedding, Märkisches Viertel und Spandau sowie den Einheitsfrontkomitees Siemens, NCR, AEG, KWU, Gillette und Borsig gebildet wurde. Dieses Maikomitee organisiert eine Demonstration durch den Wedding ab Brunnenstraße mit 1 000 Teilnehmern.

Der KB Bremen schreibt dazu:"
Die KPD/MLs (Roter Morgen und Rote Fahne) konnten nicht mit der KPD zusammen demonstrieren und mit der SEW wollten sie nicht zusammengehen. So machten sie eine dritte Demonstration mit dem Schwerpunkt gegen 'Notstand, Aufrüstung und Revanchepolitik'. Dieser Demonstration schlossen sich auch die Organisationen der ausländischen Marxisten-Leninisten an. Es nahmen ungefähr 1 000 Menschen teil."
Mitte April riefen KPD/ML-ZB und KJVD auch noch zum Besuch ihrer gemeinsamen, für diesen Tag geplanten Veranstaltung auf. Gegen Ende April allerdings unterbleiben diese Aufrufe bzw. beziehen sich auf die Maiveranstaltung des 'zentralen Maikomitees' am 30.4.1972. Auch Berichte über eine eigene Veranstaltung am 1. Mai werden in den Publikationen der KPD/ML-ZB nicht abgedruckt, weswegen der Schluß naheliegt, daß diese Veranstaltung nicht stattgefunden hat.

Auch die KPD/ML-NE demonstriert im Wedding ab Leopoldplatz.
Der KB Bremen berichtet:"
Die KPD/ML(Neue Einheit) machte die vierte Demonstration, und zwar nicht nur an erster Stelle gegen Sozial- und US-Imperialismus, sondern auch 'gegen das DGB-Kapital' und alle Arbeiterverräter aller Länder." Laut KPD/ML-Neue Einheit wird ihre Demonstration von der Polizei angegriffen. Die ca. 300 Teilnehmer der Demonstration beantworten den Polizeieinsatz "durch den geschlossenen Widerstand der Demonstration, die den Angreifern auf's Haupt schlagen". Auf der Abschlußkundgebung am Brunnenplatz wird die Demonstration erneut angegriffen, werden "eine Hetzjagd und ein Kesseltreiben gegen die einzelnen Demonstranten veranstaltet". Im Verlaufe der Demonstration werden eine Reihe Anhänger der KPD/ML-NE von der Polizei festgenommen, u.a. Thomas Ochsenfarth, Martin Weise und Wolfgang Schneider. Sie werden später u.a. wegen "versuchten Totschlags" bzw. wegen "schwerer Körperverletzung" angeklagt. Nach der 1. Mai-Demonstration beginnt für die KPD/ML-NE eine Phase der Illegalität, die auch dazu führt, daß sie sich als Organisation noch kaum in der Öffentlichkeit zeigt und in ihrer Publikationstätigkeit fast ganz auf die Bewältigung der Folgen dieser Demonstration, die u.a. auch den 'Agenten' der KPD und KPD/ML-ZK als 'hinterlistige Falle' angelastet werden, beschränkt ist. Gegen die beginnenden Prozesse gegen Weise, Schneider und Ochsenfarth bildet sich ein Justizkomitee der KPD/ML-NE. Im Herbst 1972 taucht das KPD/ML-NE-Mitglied Bernd Muckenschnabel - von einer Gefängnisstrafe bedroht - unter. Das ZK setzt sich zumindest teilweise nach Südschweden ab.

Im Verlag Neue Einheit der KPD/ML-NE erscheinen vermutlich noch diesen Monat "Dokumente zum revolutionären 1. Mai".
Q: Neue Einheit Nr. 1, Berlin 1972, S. 35; MLH's TU/FU, Kampfrat, GSO, Rotzhis: 1. Mai in Neukölln, Berlin o.J. (1972);KJO Spartacus-Ortsleitung Westberlin: ohne Titel, Berlin 20.4.1972;Arbeiterkampf Nr. 19, Hamburg Juni 1972, S. 9 und 12;Wahrheit Nr. 4, Bremen 1972, S. 5;Rote Fahne Nr. 40, 41, 42 und 43, Dortmund 7.4.1972, 19.4.1972, 3.5.1972 bzw. 17.5.1972, S. 1, S. 1, S. 3 bzw. S.3f;LgdI-LV Berlin: Aufruf zum 1. Mai, Berlin o.J. (1972);Roter Morgen Nr. 11, Hamburg 5.6.1972;Der NCR Arbeiter Nr. 11 und 14, Berlin 14.4.1972 bzw. 26.4.1972;Kommunistische Hochschulzeitung Sdr.blatt, Berlin 19.4.1972;Kommunistische Schülerpresse Nr. 4, Berlin Mai 1972, S. 9;Rote Presse Korrespondenz Nr. 166, Berlin 1972;Dem Volke dienen Sonderdruck, Berlin 1. Mai 1972;Die Revolutionäre Stimme Extrablatt, Berlin 11.11.72;KPD/ML-NE: Dokumente zum revolutionären 1. Mai 1972, Berlin 1972, S. 48ff;Rotlicht/Die Rote Osramjugend Extrablatt, Berlin o.J. (1972);Rotlicht o.Nr. , Berlin o.J. (1972);Internationale Solidarität Nr. 4, Berlin Mai 1972, S. 5;Rote Hilfe Nachrichten & Mitteilungen Nr. 7 und 8, Berlin 1.5.1972, S. 1 bzw. S. 2;Kreuzberg gehört uns Nr. 1, Berlin o. J. (1972), S. 1ff

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01.05.1972:
In Berlin erscheint vermutlich zum 1. Mai 1972 eine Broschüre "Arbeiterlieder", vermutlich herausgegeben vom KJV der KPD.
Q: N. N.: Arbeiterlieder, O. O. (Berlin) o. J.

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04.05.1972:
Bei AEG Brunnenstraße in Berlin-Wedding gibt die KPD/ML-ZB ihren 'AEG-Arbeiter' Nr. 42 (vgl. 26.4.1972, 21.1.1980) heraus. Berichtet wird: "1. Mai - Grosser Erfolg durch Einheitsfront".
Q: Der AEG-Arbeiter Nr. 42, Berlin 4.5.1972, S. 5f

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05.05.1972:
An der FU Berlin gibt die Zelle Medizin des KSV vermutlich Ende dieser Woche ihre 'Kommunistische Studentenpresse' (KSP) Nr. 10 heraus mit einem Bild vom 1. Mai und dem Artikel "1. Mai im Wedding".
Q: Kommunistische Studentenpresse - Medizin FU Nr. 10, Berlin 1972, S. 1 und 13

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15.05.1972:
In Berlin gibt die Kommunistische Schülerorganisation (Neue Einheit) ein Extrablatt ihres 'Revolutionären Funken' heraus, welches sich mit dem seit der Maidemonstration einsitzenden Schüler der Paulsenschule, Thomas Ochsenfarth, befaßt und für dessen Freilassung eintritt. In den folgenden Tagen erscheint an der Paulsenschule eine "Stellungnahme des Schulkollektivs (Basisgruppe) Paulsen-Schule". Dieses distanziert sich von der Politik der KPD/ML(Neue Einheit), die ihrer Auffassung nach aus Leuten besteht, "die ihre Hauptaufgabe darin sehen, andere sozialistische Organisationen zu diffamieren und ihre fehlende Basis durch eine Fülle von Unterorganisationen zu ersetzen, deren Mitglieder weitgehend identisch sind … . Diese Organisation hat … mit der sozialistischen … kommunistischen Bewegung nichts gemeinsam".
Q: Flugblatt Schulkollektiv Paulsenschule, Mai 1972; Der Revolutionäre Funke Extrablatt, Berlin 15.5.1972

15.05.1972:
Die Rote Hilfe Westberlin gibt ihre 'Rote Hilfe Nachrichten & Mitteilungen' Nr. 8 (vgl. 1.5.1972, 30.5.1972) heraus. Berichtet wird vom Maifest auf dem Mariannenplatz und von der KPD/ML-Neue Einheit.
Q: Rote Hilfe Nachrichten & Mitteilungen Nr. 8, Berlin 15.5.1972, S. 2f

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17.05.1972:
Die KPD gibt bei KWU Berlin die Nr. 12 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (vgl. 6.4.1972, 14.6.1972) heraus mit dem Artikel "Das war der 1. Mai in Moabit und Wedding".
Q: Kommunistische Arbeiterpresse KWU Nr. 12, Berlin 17.5.1972, S. 4f

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Juni 1972:
An einem Freitag, vermutlich im Juni, führt die KPD/ML-ZK eine Veranstaltung zu den Ostverträgen durch, über die es in einem Leserbrief des 'Roten Lautsprechers' (vgl. Juni 1972) von einem Arbeiter von Siemens Gartenfeld heißt:"
Veranstaltung im Schultheiss-Faß:
RAUS AUS SEW UND ZIRKELN!
REIN IN DIE KPD/ML, KOLLEGEN!

Da waren auch noch einige Kollegen von einer anderen Organisation, der 'Gruppe Rote Fahne Bochum' (KPD/ML-ZB, d.Vf.). Die wollten den Kollegen dort weismachen, die SPD-Bonzen in den Betrieben, die wären schlimmer als die von der SEW oder D'K'P in Westdeutschland. Die Genossen von der KPD/ML haben ihm dann auch erklärt, daß er sich da in die Irre führen läßt. Die haben ihm klar gezeigt, daß die SPD-Betriebsräte offen gemeinsame Sache mit den Kapitalisten machen, wie die Gewerkschaftsbonzen! Aber welcher Kollege läßt sich denn von einem SPD-Bonzen vom Kampf abhalten? Dazu ist ja die SEW da! Das haben wir doch hier in Berlin gesehen am 1. Mai. Wer hat denn da mit Lügen und faulen Parolen 20 000 Kollegen auf die Straße gebracht, die Schütz-Sickert-Bande oder die SEW?

Und da hat die KPD/ML ganz recht, wenn sie sagt, daß die SEW viel gefährlicher in der Arbeiterbewegung ist. Die SPD, die reden doch schon lange nicht mehr von Arbeiterinteressen. Das merken wir doch tagtäglich, daß die das Geschäft der Siemens-Bosse betreiben. Und die Genossen von der KPD/ML haben auch Recht, wenn sie sagen, daß wir allen Kollegen, die den Lügen von der SEW noch glauben, ganz klar sagen, was Sache ist. Denn wir kämpfen gemeinsam gegen die Kapitalistenklasse, da brauchen wir jeden, auch die Kollegen, die heute noch in der SEW sind."
Q: Roter Lautsprecher Nr. 6, Berlin Juni 1972, S. 8

02.06.1972:
Die Ortsleitung Westberlin der KJO Spartacus verfaßt einen "Bericht über die Maikampagne", in der u.a. über Stadtteilgruppen nachgedacht wird.
Q: KJO Spartacus-Ortsleitung Westberlin: Bericht über die Maikampagne, Berlin 2.6.1972

05.06.1972:
Die KPD (vgl. 14.6.1972) berichtet vermutlich aus dieser Woche von den Jugendvertreterwahlen (JVW) bei AEG Berlin (vgl. 22.5.1972):"
AEG-HOLLÄNDERSTRASSE
LEHRLING WEGEN SEINES KAMPFES UM DIE JUGENDVERTRETUNG ENTLASSEN

Um dem Verrat der Gewerkschaftsführer einen organisierten Widerstand entgegensetzen zu können, hat unsere Partei gerade auch zum 1. Mai immer wieder die Notwendigkeit des Aufbaus der revolutionären Gewerkschaftsopposition (RGO, d.Vf.) hervorgehoben. Das heißt, in der Gewerkschaft muß der Kampf gegen die Arbeiterverräter in betrieblichen und gewerkschaftlichen Funktionen organisiert aufgenommen werden. Die gewerkschaftlichen Jugendgruppen anderer Betriebe müssen den Kampf der Jugendlichen in der Holländerstraße unterstützen und gemeinsam die verräterische Gewerkschaftsführung bekämpfen.

- KAMPF DER POLITISCHEN DISZIPLINIERUNG DER LEHRLINGE!
- FÜR DEN AUFBAU DER REVOLUTIONÄREN GEWERKSCHAFTSOPPOSITION!"
Q: Rote Fahne Nr. 47, Dortmund 14.6.1972, S. 4

23.08.1972:
In der Nr. 57 der 'Roten Fahne' der KPD (vgl. 16.8.1972, 30.8.1972) wird über die Fraktionierung in der Berliner 'Sozialistischen Krankenhauspresse', einer noch aus APO-Phase kommenden Gruppe, berichtet, daß sich eine sog. fortschrittliche Fraktion für die Teilnahme an der Maidemonstration der KPD eingesetzt hätte, um sich schließlich als starke Minderheit abzuspalten. Der Branchenausschuß Krankenhaus des gewerkschaftlichen Maikomitees hätte daraufhin über 40 Mitglieder umfasst. Über die Betriebsgruppe Rudolf Virchow Krankenhaus (RVK) der Sozialistischen Krankenhauspresse heißt es, daß diese lange Zeit führend gewesen sei, sich den ML-Gruppen (soll wohl heißen: den ML Westberlin ) angeschloßen hätte, dem KB (soll wohl heißen: KB/ML Westberlin) nachgelaufen sei um schlußendlich bei der SEW zu landen, über die es bereits einmal geheißen, daß sie am RVK stärker als in anderen Krankenhäusern sei.
Q: Rote Fahne Nr. 57, Dortmund 23.8.1972

17.11.1972:
In Berlin nehmen laut KPD über 1 000 an ihrer Veranstaltung zu den Bundestagswahlen der 'BRD' in der Hasenheide teil. Es werden zwei Filme zum 1. Mai 1972 und zum Kampf gegen die Fahrpreiserhöhungen im März 1972 uraufgeführt.
Q: Rote Fahne Nr. 64, 67 und 70, Dortmund 11.10.1972, 31.10.1972 bzw. 21.11.1972; Kommunistische Arbeiterpresse - Ausgabe KWU Nr. 18, Berlin 16.11.1972

23.01.1973:
In Berlin weist die KPD/ML-Neue Einheit mit einem Extrablatt ihrer 'Revolutionären Stimme' auf den Beginn des Prozesses gegen ihr Mitglied Thomas Ochsenfarth hin, der wegen der Maidemonstration 1972 eine Anklage wegen versuchten Totschlages bekommen hat und in Untersuchungshaft sitzt (vgl. 26.1.1973).
Q: Die revolutionäre Stimme Extrablatt, Berlin 23.1.1973

26.01.1973:
In Berlin gibt die KPD/ML-Neue Einheit mit einem Extrablatt ihrer 'Revolutionären Stimme' bekannt, daß ihr Mitglied Thomas Ochsenfarth heute aus der Untersuchungshaft freigelassen wurde (vgl. 23.1.1973, 7.2.1973).
Q: Die revolutionäre Stimme Extrablatt, Berlin 26.1.1973

07.02.1973:
In Berlin wird das KPD/ML-Neue Einheit Mitglied Thomas Ochsenfarth freigesprochen von der Anklage des versuchten Totschlages am 1. Mai 1972. Die Prozesse wegen der Demonstration aber gehen weiter (vgl. 26.1.1973, 9.2.1973).
Q: Die revolutionäre Stimme Extrablatt, Berlin 14.2.1973

09.02.1973:
In Berlin wird Martin Weise wegen der KPD/ML-Neue Einheit Demonstration am 1. Mai 1972 zu einem Jahr Gefängnis ohne Bewährung verurteilt (vgl. 7.2.1973, 14.2.1973).
Q: Die revolutionäre Stimme Extrablatt, Berlin 14.2.1973

14.02.1973:
In Berlin gibt die KPD/ML-Neue Einheit ein Extrablatt ihrer 'Revolutionären Stimme' zu den Prozessen wegen ihrer Maidemonstration 1972 (vgl. 9.2.1973, 9.11.1973) heraus.

Gegen den Schüler Wolfgang Schneider ist deshalb ebenfalls ein Prozess für den 21.2.1973 geplant. Dieser aber beginnt erst viel später (vgl. 22.11.1973).
Q: Die revolutionäre Stimme Extrablatt, Berlin 14.2.1973 bzw. 19.11.1973

26.02.1973:
Die KPD/ML-ZB Westberlin gibt ein 'Extrablatt' zum RAF-Prozess gegen Horst Mahler in Berlin heraus:"
KAMPF DER BONNER KLASSENJUSTIZ - FREIHEIT FÜR ALLE POLITISCHEN GEFANGENEN!

Wir kämpfen für die Freiheit Horst Mahlers, denn er steht auf der Seite des Volkes im Kampf gegen die Unterdrücker. Kollegen, ihr wißt, daß der Weg der 'RAF' und Horst Mahlers nicht unser Weg ist, denn wir wissen, daß die Revolution nicht das Machwerk von Einzelkämpfern werden kann. Doch das Urteil gegen diesen Genossen richtet sich gegen die gesamte revolutionäre und marxistisch-leninistische Bewegung. Die Urteile gegen die Mitglieder der 'RAF' stehen in einer Reihe mit zahlreichen anderen politischen Prozessen:

- Seit dem 1. Mai letzten Jahres sitzen bzw. saßen bis vor kurzem Berliner Genossen (der KPD/ML-NE, d.Vf.), die an einer Demonstration beteiligt waren, wegen 'Widerstands gegen die Staatsgewalt und versuchten Totschlags' im Knast."
Q: KPD/ML-ZB Berlin: Extrablatt der Kommunistischen Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten KPD/ML, Berlin 26.2.1973

Letzte Änderung: 21.11.2017