1. Mai in Berlin bis einschließlich 1968

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin


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Von den Maiaktionen in Berlin werden in dieser, wie immer unvollständigen Darstellung, nur einige wenige erschlossen und auch für diese werden keineswegs alle verfügbaren Quellen erschöpfend dargestellt. Außer durch seine Funktion als Hauptstadt des Deutschen Reiches und somit Ort zentraler Demonstrationen (vgl. 1.5.1916) wurde Berlin bezüglich des Ersten Mais vor allem durch das Blutbad im Wedding am 1. Mai 1929 bekannt (vgl. 1.5.1929), auf dass sich kommunistische Gruppen bei ihrer Abgrenzung von der Sozialdemokratie immer wieder berufen.

Die Berliner APO bemüht sich spätestens ab 1967 aktiv um die Gestaltung des Ersten Mais, wobei zunächst die Trotzkisten eine wichtige Rolle zu spielen scheinen (vgl. Apr. 1967, Mai 1968, 1.5.1967), was auch für den 1. Mai 1968 gilt (vgl. Nov. 1968), allerdings haben sich mittlerweile neben dem SDS (vgl. 22.4.1968) offenbar auch die späteren Rotgardisten organisiert (vgl. Apr. 1968) und auch die antiautoritäre Bewegung beginnt massiv mit der Vorbereitung des 1. Mai, wie hier bisher anhand der Aktion Schülerselbsthilfe (ASH - vgl. Apr. 1968) und des Sozialistischen Maikomitees Friedenau, der späteren Basisgruppe Friedenau dokumentiert wird (vgl. 24.4.1968, 25.4.1968, 26.4.1968, 27.4.1968, 30.4.1968, 1.5.1968), aber auch aus Kreuzberg (vgl. 29.4.1969) und Neukölln, wo auch für die geplante Veranstaltung in der Deutschlandhalle geworben wird (vgl. 24.4.1968, 1.5.1968). In der Untergrundzeitung 'Linkeck' kommt es wegen der antiautoritären Kritik zum Konflikt (vgl. 29.4.1968, 27.5.1968).

Später kommt es aufgrund der Maivorbereitung zur politischen Disziplinierung (vgl. Jan. 1974).

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

01.05.1916:
Für die KPD (vgl. 17.5.1972) berichtet ein alter Genosse aus der revolutionären Jugendbewegung (vgl. 23.4.1916, Berlin 1.5.1916):"
Für den 1. Mai 1916 bereiteten wir eine Antikriegsdemonstration vor. Ein Maiaufruf zu dieser Demonstration wurde im ganzen Reich verbreitet."
Quelle: Rote Fahne Nr. 43, Dortmund 17.5.1972,S.8

01.05.1916:
Die OG Frankfurt der KPD/ML-ZK berichtet bei Samson (IGM-Bereich - vgl.
Apr. 1971) vom 1.Mai 1916 (vgl. 1.5.1890, Berlin 1.5.1929):"
Im ersten Weltkrieg trieben SPD und Gewerkschaften die Arbeiter dem Imperialismus als Kanonenfutter zu. Am 1.Mai 1916 demonstrierten in Berlin zehntausende revolutionärer Arbeiter unter Führung von Karl Liebknecht gegen diesen Krieg. Die Gewerkschaften unterstützten das Demonstrationsverbot der Regierung."

Der RJVD des KABD (vgl. Jan. 1974) berichtet über Karl Liebknecht (vgl. 1907, Juni 1916):
1.Mai 1916. Seit 1914 tobte der Erste Weltkrieg, angezettelt von den Imperialisten, die neue Märkte an sich reißen wollten. Millionen verbluteten auf den Schlachtfeldern Europas. 'Wer gegen den Krieg ist, erscheint am 1. Mai. Abends acht Uhr Potsdamer Platz Berlin.' So hieß es auf Handzetteln und Flugblättern, die die Spartakusgruppe - Karl Liebknecht war einer ihrer Führer - am 1.Mai 1916 verteilte. Und Tausende kamen. Karl Liebknecht ließ sich nicht davon abhalten - Polizei und Spitzel waren zahlreich anwesend - in die Menschenmenge zu rufen: 'Nieder mit der Regierung! Nieder mit dem Krieg!' Prompt wurde Karl Liebknecht von der Polizei festgenommen."

Für die KPD (vgl. 17.5.1972) berichtet ein alter Genosse aus der revolutionären Jugendbewegung (vgl. 1.5.1916, Braunschweig 1.5.1916):"
In Berlin demonstrierten am diesem Mai 10 000 Arbeiter. …

Karl Liebknecht wurde an diesem ersten Mai verhaftet, viele Führer der oppositionellen Arbeiterjugend wurden zu Himmelfahrtskommandos eingezogen. Ich selbst wurde am 1.August 1916 nach Verdun abkommandiert. Aber in meinem Gepäck trug ich bei mir die erste Nummer der 'Freien Jugend'. Trotz aller Schwierigkeiten, trotz Spitzel- und Polizeiapparat, war der Weg der revolutionären Proletarierjugend nicht aufzuhalten."
Q: Rebell Nr. 1, Tübingen Jan. 1974,S.9; Roter Metaller Samson Nr. 3, Frankfurt Apr. 1971, S. 4;Rote Fahne Nr. 43, Dortmund 17.5.1972, S. 8

01.05.1929:
Der KJVD der KPD/ML-ZB (vgl. Apr. 1971) berichtet von Ernst Thälmann (vgl. 1.5.1929, März 1933):"
1.MAI 1929
BERLINER ARBEITER GEGEN DEN ZÖRGIEBEL-STAAT

In Berlin führten die Arbeiter einen heldenhaften Kampf, der sich von einem Kampf um das Recht auf den 1.Mai zu einem Kampf gegen die ganze Gewalt des bürgerlichen Staates entwickelte. 33 Arbeiter und Arbeiterinnen verloren dabei durch die Kugeln der Soldaten des SPD-Polizeipräsidenten Zörgiebel ihr Leben."

Die OG Frankfurt der KPD/ML-ZK berichtet bei Samson (IGM-Bereich - vgl. Apr. 1971) vom 1.5.1929 (vgl. 1.5.1916, 1.5.1933) aus Berlin:"
Am 1.Mai 1929 erließ der sozialdemokratische Berliner Polizeipräsident (Zörgiebel - SPD, d. Vf.) ein Demonstrationsverbot. Die Berliner Arbeiterklasse ließ sich nicht einschüchtern. Sie schrieb den Kampf gegen Ausbeutung, Hunger und Faschismus auf ihre Fahnen. Die Sozialdemokratie ließ schießen. 38 Arbeiter bezahlten mit ihrem Leben."

Die Marxisten-Leninisten (ML) Dortmund (vgl. 13.11.1972) berichten über die SPD, "ihre Führer schämten sich aber nicht, beim 1.Mai 1929 die Berliner Arbeiter niederzuschießen, dann aber beim nationalsozialistischen 1.Mai 1933 mitzumachen".

Laut dem Kommunistischen Jugendbund (KJB) Freiburg des BKA (vgl. 18.4.1972), ließ Zörgiebel am 1.Mai 1929 in die versammelten Arbeiter schießen, bei diesem Blutbad wurden 33 Männer und Frauen ermordet."

Die KPD, Büro Bielefeld (vgl. 2.6.1975), berichtet:"
Erschießung von 31 Arbeitern am 1.Mai 1929 durch Severingpolizei".
Q: Kommunistische Jugendzeitung Nr.5,Freiburg 18.4.1972,S.2; Der Kampf der Arbeiterjugend Nr.4,Bochum Apr. 1971,S.7;Die Rote Front Nr.3,Dortmund Nov. 1972,S.5;Roter Metaller Samson Nr.3,Frankfurt Apr. 1971,S.4

KPD-Büro Bielefeld: Severing - Arbeitermörder!, Bielefeld o.J. (Juni 1975), S. 2

April 1967:
In der Westberliner TU wird, laut 'BED', Anfang April ein Initiativkomitee der Außerparlamentarischen Opposition zur Vorbereitung des 1. Mai gegründet. Ihm schließen sich die Basisgruppen Wedding, Zehlendorf, Spandau, Tegel, Siemens, Wilmersdorf sowie SJD - Die Falken der SPD, Sektion Politische Ökonomie, Arbeitskreis Agitprop im RC, RC Westberlin, Justizkampagne, Zentralrat der Kinderläden, Sozialistischer Club Neukölln, Koordinierungsgruppe 1. Mai und der Initiativausschuß für eine rev. Jugendorganisation (IAferJO) Spartacus an. Ziel ist die Gründung eines Mai-Komitees.
Q: Berliner Extradienst Nr. 28, Berlin ***1969, S. 1

01.05.1967:
In Berlin wird, laut deutscher Sektion des Vereinigten Sekretariats (VS) der Vierten Internationale, eine selbständige Maikundgebung in der neuen Welt mit 3 000 Besuchern auf ihre Initiative hin organisiert.
Q: VS-deutsche Sektion-ZR: Rundbrief Nr. 5 ,o.O. Nov. 1968

April 1968:
In Berlin erscheint vermutlich im April ein Flugblatt "Lehrlinge" welches zur Maidemonstration in Neukölln aufruft und von Alf Böhmert, Ezra Gerhardt, Simon Kleebauer, Michael Witte und Norbert Deutschmann unterzeichnet ist.
Q: Alf Böhmert, Ezra Gerhardt, Simon Kleebauer, Michael Witte und Norbert Deutschmann: Lehrlinge, o. O. o. J.

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April 1968:
In Berlin erscheint vermutlich im April ein Flugblatt "Was bedeutet der 1.Mai in Berlin?" welches die Schüler zur Maidemonstration in Neukölln aufruft und von Alf Böhmert, Ezra Gerhardt, Simon Kleebauer, Michael Witte und Norbert Deutschmann unterzeichnet ist.
Q: Alf Böhmert, Ezra Gerhardt, Simon Kleebauer, Michael Witte und Norbert Deutschmann: Was bedeutet der 1.Mai in Berlin, o. O. o. J.

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April 1968:
In Berlin erscheint vermutlich im April ein anonymes Flugblatt mit dem Aufruf zum 1.Mai und dem Mailied von Klaus Schütz, welches von Farbe und Format her bereits an spätere Rote Garde Flugblätter erinnert.
Q: Heraus zur ersten oppositionellen Maikundgebung, O. O. O. J.

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April 1968:
In Berlin erscheint ein Flugblatt des Aktionskreis Schülerselbsthilfe (ASH) mit dem Aufruf zum 1. Mai.
Q: ASH: Aufruf 1, O. O. April 1968

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22.04.1968:
Vermutlich Anfang dieser Woche erscheint in Berlin die '1. Mai Zeitung der Arbeiter, Schüler & Studenten' vom Komitee der Arbeiter, Schüler und Studenten unter Verantwortung von Tilman Fichter, Peter Neitzke und Wolfgang Hohmann, mit den Artikeln:
- "'Ihr studiert auf unsere Kosten'. Euch geht's ja viel zu gut. Ihr solltet erst mal richtig arbeiten! - Bringt doch erst mal euren eigenen Mist in Ordnung!" von Sonja Braust;
- "'Im Kern gesund'?" zur Berliner Wirtschaft, von Paul Spalenke;
- "Betriebsrat: Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser" zu den Betriebsratswahlen (BRW), von S. Fried;
- "Unternehmer-Mai vor dem Reichstag" von Wolfgang Faber;
- "Wie man 35 Millionen DM aus den Taschen der Steuerzahler zieht, ohne sich besonders anzustrengen" zu den Abschreibungen;
- "Bunter Nachmittag bei der ÖTV" zum Tag der Jugend am 18.4.1968, von Elmar Wirth;
- "Der Chefredakteur der Zeitung der IGM, Jakob Moneta, 'Metall', erklärt: Politik und Gewalt" aus der 'Arbeiter-Schüler-Studenten-Zeitung, Frankfurt, April 1968;
- "Nachdruck aus Oberbaumblatt Nr. 3. Walter S. - ein Gewerkschaftsboss nach Maß" zu Walter Sickert, von P. T.;
- "Comisiones obreras. Arbeiter und Studenten in Spanien" von Ezra Benjamin;
- "Was ist los im Märkischen Viertel? Eine Zwangsräumung und was man dagegen tun kann" zum MV, von Willi Pohlmann;
- "Warum Mieten?";
- "Straßensperren und Arbeitsgerät" zu den Rockern der Lederjackenbande aus dem Wedding, die die 'BZ' am 16.4.1968 angeblich interviewte, von Heidi Knütter;
- "Lehrlinge auf die Barrikaden!" von Christian Rakowski; sowie
- "Arbeitslose durch Springer-Enteignung?" aus der 'Arbeiter-Schüler-Studenten-Zeitung, Frankfurt, April 1968.

Aufgerufen wird zur Mai-Veranstaltung am 30.4.1968 in der Neuen Welt und zur Demonstration um 10 Uhr ab Karl-Marx-Platz.
Q: 1. Mai Zeitung der Arbeiter, Schüler & Studenten, Berlin 1968

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24.04.1968:
In Berlin rief der Sozialistische Club Neukölln mit zwei Flugblättern "Berliner fordern: Weisser Kreis!" zu einer Veranstaltung im Lokal 'Zum alten Glaskasten' in der Hermannstraße 200 (U-Leinestraße) auf.

Während eines der Flugblätter in der Kopfzeile zum 1. Mai in der Deutschlandhalle aufruft, ruft das andere zur Maidemonstration in Neukölln auf.
Q: SC Neukölln: Berliner fordern weißer Kreis!, Berlin o. J. (1968)

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24.04.1968:
In Berlin verteilt das Sozialistische Maikomitee Friedenau vermutlich heute seine 'Kommentare zu BZ & Bild Zeitung Dienstag, 23. April 68' (vgl. 25.4.1968) als Flugblatt.
Q: Sozialistisches Maikomitee Friedenau: Kommentare zu BZ & Bild Zeitung Dienstag, 23. April 1968, Berlin o. J. (1968)

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25.04.1968:
In Berlin verteilt das Sozialistische Maikomitee Friedenau noch heute oder morgen seine 'Kommentare zu BZ & Bild Zeitung Mittwoch, 24. April 68' (vgl. 24.4.1968, 26.4.1968) als Flugblatt.
Q: Sozialistisches Maikomitee Friedenau: Kommentare zu BZ & Bild Zeitung Mittwoch, 24. April 68, Berlin o. J. (1968)

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26.04.1968:
In Berlin verteilt das Sozialistische Maikomitee Friedenau vermutlich heute seinen 'Kommentar zu BZ & Bild Zeitung Donnerstag, 25. April 1968' (vgl. 25.4.1968, 27.4.1968) als Flugblatt.
Q: Sozialistisches Maikomitee Friedenau: Kommentar zu BZ & Bild Zeitung Donnerstag, 25. April 1968, Berlin o. J. (1968)

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27.04.1968:
In Berlin verteilt das Sozialistische Maikomitee Friedenau vermutlich heute seine 'Kommentare zu BZ & Bild Zeitung von Freitag, 26. April 68' (vgl. 26.4.1968, 30.4.1968) als Flugblatt.
Q: Sozialistisches Maikomitee Friedenau: Kommentare zu BZ & Bild Zeitung von Freitag, 26. April 68, Berlin o. J. (1968)

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29.04.1968:
In Berlin wurde zu einer Maiveranstaltung um 19 Uhr 30 im Lokal Ediths' Schultheiss Stuebchen in der Friesenstr. Ecke Fidicinstr. aufgerufen mit einem Flugblatt "1. Mai 1895" unter Verantwortung von K.-H. Brentzel, das vermutlich von der Basisgruppe Kreuzberg stammt.
Q: N.N.: 1. Mai 1895, Berlin o. J. (1968)

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29.04.1968:
In Berlin erscheint vermutlich kurz vor dem 1. Mai die Nr. 3 der 'Linkeck' (vgl. 29.2.1968, 27.5.1968) mit einem Titelbild zum 1. Mai mit einem Hakenkreuz und dem Leitartikel "Hammer und Sichel oder Hakenkreuz. Zur Titelseitenvorgeschichte" zum Konflikt mit der Pots-Kommune.
Q: Linkeck Nr. 3, Berlin o. J. (1968), S. 1f

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30.04.1968:
Zur Vorbereitung der 1. Mai-Demonstration in Berlin findet, laut 'BED', ein Kongreß mit dem Thema "Die Lage der Wirtschaft in Berlin" statt. An diesem Kongreß nehmen Gruppen teil, die auch den 1. Mai in Berlin vorbereiten: GSG, Falken, Arbeitsgemeinschaft linker Jungsozialisten in der SPD, Gewerkschaftlicher Arbeitskreis im Republikanischen Club, Sozialistischer Club Neukölln, Gruppe Nordwest (Wedding), SDS, Sozialistisches Maikomitee 1968 Westberlin.
Q: Berliner Extra Dienst Nr. 26, Berlin 1968, S. 1f

Mai 1968:
Es erscheint ein Sonderdruck der 'Was tun' (vgl. Juli 1968) für Mai mit dem Artikel "'Klassenkampf statt Sozialpartnerschaft' - 1. Mai in Berlin".
Q: Was tun Sonderdruck "Vom Vietnamkongreß zu den Osterdemonstrationen, Mannheim Mai 1968, S. 2

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01.05.1968:
Auf der Mai-Demonstration des Sozialistischen Mai-Komitees 1968 Westberlin sprechen u.a. auf der Abschlußkundgebung: Giacomo Feltrinelli (Mailand), Bernd Rabehl (SDS), Heinz Beinert (Falken). Getragen wird die Demonstration u.a. auch von der Basisgruppe Spandau. Der 'Rote Morgen' berichtet:"
Während sich vor dem alten Reichstag Ausbeuter und Ausgebeutete zu einer regierungsoffiziellen Mai-Feier vereinten, demonstrierten mehr als 30 000 Menschen mit hundert roten Fahnen sowie Bildern von Lenin und Mao Tsetung durch die Straßen der Arbeiterviertel Neukölln und Kreuzberg. Immer wieder stimmten die Zehntausende die Internationale an."

Auch laut deutscher Sektion des Vereinigten Sekretariats (VS) der Vierten Internationale, beteiligen sich 30 000 an der Demonstration des durch die eigenen Initiative gebildeten Sozialistischen Maikomitees 1968. Alle drei Gewerkschaftsredner seien von der Sektion gestellt worden. Das Maikomitee ging dann in ein APO-ZK auf.
Q: VS-deutsche Sektion-ZR: Rundbrief Nr. 5, o.O. Nov. 1968; KPD-ZK: Vorwärts im Kampf um die Einheit der Marxisten-Leninisten, Köln 1975, S. 233;Roter Morgen, Hamburg Mai 1968, S. 7;Berliner Extra Dienst Nr. 35, Berlin ***1968, S. 1;Der lange Marsch Nr. 11, Berlin 1974, S. 14

01.05.1968:
In Berlin rief die Basisgruppe Kreuzberg mit einem Flugblatt "Am 1. Mai in die Deutschlandhalle auf zur Diskussion über die seit einem Jahr demonstrierenden Studenten, Arbeiter und Schüler.
Q: Basisgruppe Kreuzberg: Am 1. Mai in die Deutschlandhalle, O. O. (Berlin) o. J. (1968)

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27.05.1968:
In Berlin erscheint vermutlich in dieser Woche die Nr. 3a der 'Linkeck' (vgl. 29.4.1968, 24.6.1968) mit dem Leitartikel "Hammer und Sichel oder Hakenkreuz. Schwierigkeiten bei Linkeck" zum Konflikt mit der Pots-Kommune um das Titelbild der Nr. 3 zum 1. Mai.
Q: Linkeck Nr. 3a, Berlin o. J. (1968), S. 2

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November 1968:
Innerhalb der deutschen Sektion des Vereinigten Sekretariats (VS) der Vierten Internationale erscheint der 'Rundbrief' der Zentralredaktion Nr.5 (vgl. 1.8.1968, Dez. 1968) mit einem Brief eines Mitgliedes der Gruppe Berlin 1 (B1).
Die deutsche Sektion habe in Berlin die beiden letzten Maikundgebungen, sowie Großveranstaltungen zur großen Koalition (vgl. Nov. 1966) und zum 50.Jahrestag der Oktoberrevolution (vgl. Okt. 1967) mitorganisiert und sei durch zwei Personen im APO-ZK vertreten, welches aus dem Sozialistischen Maikomitee 1968 entstand.
Q: VS-deutsche Sektion-ZR: Rundbrief Nr. 5, o.O. Nov. 1968

Januar 1974:
Der GEW-AjLE Berlin veröffentlicht spätestens im Januar eine Dokumentation über Berufsverbote-Anhörungsverfahren (BV).

Der AStA der PH Dortmund (vgl. 21.1.1974) berichtet:"
SOZIALDEMOKRATISCHE INQUISITION
Abdruck eines Dokumentationsauszugs des AjLE Berlin

1. GEDÄCHTNISPROTOKOLL

Frage: Haben Sie ein Flugblatt vom 1.Mai 1968 unterschrieben (Flugblatt wurde nicht vorgelegt)?
Antwort: Weiß ich nicht. Ich habe an Diskussionen teilgenommen, die den 1.Mai betrafen.

Frage: Waren Sie Mitglied der Basisgruppe Friedenau?
Antwort: Ich weiß nicht, ob man die Gruppe 'Basisgruppe' nennen konnte - es hatten sich Bürger in Friedenau getroffen, um Fragen der Resozialisierung von Strafgefangenen zu besprechen und Strafgefangene zu betreuen."
Q: DOS Nr.27,Dortmund 21.1.1974,S.4ff

Letzte Änderung: 21.11.2017