Hamburg: "Proletarische Front" (1971 - 1973)

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Dietmar Kesten, Gelsenkirchen


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Über die nicht ganz unkomplizierte Geschichte der Proletarischen Front heißt es in der Datenbank des deutschsprachigen Anarchismus (DadA): "Am 31.1.1970 wurde als 'Instrument der Selbstorganisation' Trikont Hamburg gegründet, die sich nach Annahme einer programmatischen Erklärung am 23.1.1971 in Proletarische Front umbenannte. Diese Erklärung wurde in der Nr.1 unter dem Titel: 'Programmatische Erklärung der Proletarischen Front Gruppe Hamburg vormals TRIKONT Hamburg' veröffentlicht.

Bereits im Mai/Juni 1970 spaltete sich eine Gruppe deutscher Mitglieder ab. Der verbleibende Rest gliedert sich wiederum in drei verschiedene Gruppen: Eine maoistisch orientierte, die sich als 'Proletarische Front - ML' der KPD, Berlin anschloss. Eine sich materialistisch nennende 'Proletarische Front - Gruppe westdeutscher Kommunisten', die sich als 'Vorstufe der revolutionären Avantgarde' sah. Sie gab ab Nr.2/3ff. eine eigene Zeitschrift mit dem gleichen Titel "Proletarische Front" heraus (Redaktion Renate Schmidt) und später 'Pflastersteine zum Kommunismus'.

Als dritte Gruppe bildete sich Proletarische Front Hamburg mit einer an Rosa Luxemburg orientierten räte-kommunistischen Richtung mit anarchistischen Elementen. In diesem Zusammenhang wurden zum Teil auch Bündnisse mit anarchistischen Gruppen eingegangen. Sie beteiligte sich ab Erscheinen der WIR WOLLEN ALLES (1973) inhaltlich an dieser Zeitschrift und ging damit mehr zu einer spontaneistischen Haltung über." (http://ur.dadaweb.de/dada-p/P0000893.shtml, Bearbeitungsstand: 14.07.2001)

Arbeitshefte:



Die Hefte 10 und 11 erschienen 1973 im Trikont Verlag (München) in der "Reihe Proletarische Front". Dazu schrieb der Verlag u. a.: "Wir haben uns immer bemüht, mit unseren Büchern das auszudrücken, was die Arbeiterkämpfe in einen fundamentalen Gegensatz zur Entwicklung des Kapitalismus stellt. Sei es durch unmittelbare Kampfberichte und Aktionsprogramme, sei es durch theoretisch tiefgreifendere Texte. Und wir haben diese Inhalte nicht nur auf den kapitalistischen Westen begrenzt, sondern sehr bewußt die Konfrontation mit dem 'Sozialismus' der Ostblockstaaten aufgenommen. Die Proletarische Front ist eine der wenigen Gruppen in der BRD, die mit einem ähnlichen methodischen Ansatz arbeitet. Und sie sind bisher die einzige Gruppe, die in der BRD mit diesem Interpretationsrahmen eine ausgewiesene theoretische Arbeit leisten.

Wie haben uns also mit der Proletarischen Front auf eine Herausgabe Ihrer Texte als Reihen geeinigt, weil wir mit dieser Gruppe politische Grundeinschätzungen teilen und nicht, weil wir wahllos das Programm bereichern wollten. Die gemeinsame politische Einschätzung hat für den Trikont-Verlag nicht den Charakter einer willkürlich angenommenen Überzeugung. Sie fundiert sich in der politisch-praktischen Arbeit, der das Kollektiv durch die Gruppe 'Arbeitersache' in München verbunden ist. Die 'Arbeitersache' München, der 'Revolutionäre Kampf' Frankfurt, die 'Proletarische Front' in Hamburg haben im Februar 73 auch mit der Herausgabe einer gemeinsamen Zeitung begonnen: 'WIR WOLLEN ALLES'. Die Zeitung versucht, reale Klassenbewegungen und ihre dem Kapital entgegengesetzten Momente darzustellen, ob sie sich nun auf der Ebene von Betrieben, Jugendlichen, Mieterstreiks oder anderem zeigen. Eine solche Zeitung ist natürlich heute nicht Ausdruck eines 'vereinheitlichten' politischen Ansatzes. Aber sie könnte es schaffen, das zum Ausdruck zu bringen, was von den jungen Arbeitern, den Bandarbeitern, den Hausfrauen, den Schülern längst einheitlich empfunden wird: DIE RADIKALE ABLEHNUNG DER EXISTENZ IM KAPITALISMUS - DER EXISTENZ DES KAPITALISMUS!" (Heft 11, vordere Innenseite)

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

04.02.1971:
Von der "Proletarischen Front" erscheint die Nr. 1 der gleichnamigen Zeitschrift mit der "Programmatischen Erklärung der Proletarischen Front" (vormals Trikont Hamburg).

In der Vorbemerkung wird darauf verwiesen, dass die Hamburger Gruppe "ab Februar 1970 ihre politische Arbeit als TRIKONT, Hamburg organisierte". Wichtig sei nun die "Erstellung eines Programm, der Erarbeitung einer revolutionären Interventionsmethode und des entschlossenen Aufbaus der Partei des Proletariats". Das Programm habe zu gründen, "auf der Analyse der gesellschaftlichen Totalität, d. h. der gegebenen objektiven Situation, der Bewegungsgesetze des Kapitals, der aktuellen Entfaltung seiner Widersprüchlichkeit und der durch sie konstituierten Klassenverhältnisse". Es habe den Weg zu weisen, "der zur Überwindung dieser Klassenverhältnisse führt".

Abschnitte der Ausgabe sind u. a.:
- "Die Bedeutung des antiimperialistischen Kampfes der Arbeiter und Bauern der drei Kontinente"
- "Der Klassenkampf in den USA und in Europa"
- "Der moderne Revisionismus: Entstehung und Perspektiven"
- "Kapital, Arbeit und Mittelklasse in der Bundesrepublik: Die revolutionäre Perspektive"
- "Die revolutionären Übergangsforderungen"
- "Probleme der Vereinheitlichung der Arbeiterklasse"
- "Die Methode der programmatischen Intervention"
- "Die Methode der programmatischen Intervention"
- "Die Bündnisfrage"
- "Der Klassenkampf in Westdeutschland in seiner Bedeutung für den Aufschwung der revolutionären Bewegung des Internationalen Proletariats"
- "Die ersten Schritte und organisatorische Konsequenzen"
Quelle: Proletarische Front, Jg. 1, Nr. 1 (Programmatische Erklärung der Proletarischen Front vormals TRIKONT Hamburg), Hamburg, 4. Februar 1971.

Juli 1971:
Von der "Proletarischen Front - Gruppe Westdeutscher Kommunisten" erscheint das Heft 2/3 der gleichnamigen Zeitschrift.
Artikel der Ausgabe sind:
- "Die aktuelle Situation der revolutionären westdeutschen Linken und die Spaltung der proletarischen Front (Grundsatzerklärung)"
- "Wie können wir uns für unsere revolutionären Aufgaben qualifizieren?"
- "Der Wert in vorkapitalistische Produktionsformen und in der asiatischen Produktionsweise"
--- "Das Wertproblem in der feudalistischen Produktionsweise und die ursprüngliche kapitalistische Akkumulation in Deutschland"
--- "Das Wertproblem in der industriellen Revolution"
--- Wert und Monopolkapitalismus"
--- "Wert, Monopolkapital und Staat. Methodologische Probleme der Analyse des gegenwärtigen Imperialismus"
--- "Das Wertgesetz in der sozialistischen Übergangsgesellschaft
- "Drei Jahre DKP - Bilanz und Perspektiven"
--- "I. Die Massenbewegung der spätsechziger Jahre und die Bedingungen der Konstituierung der DKP"
- "Rezension: Ernst Mandel - Ein Vertreter der zeitgenössischen Kritik der politischen Ökonomie"
--- "Ernst Mandel und das Problem der Methode in der politischen Ökonomie"
--- "Ernst Mandels Grundkategorie: Das gesellschaftliche Mehrprodukt"
--- "Mandel und die Krisentheorie"
--- "Mandels Theorie der drei industriellen Revolutionen"
--- "Mandels Analyse der Sowjetwirtschaft"
- "Vorbemerkung zu den Vietnamdokumenten"

In der 2. Auflage vom April 1972, fehlen die Vietnamdokumente.
Q: Proletarische Font (Gruppe Westdeutscher Kommunisten): Proletarische Font, 1. Jg., Nr. 2/3, Hamburg, Juli 1971.

August 1971:
Von der "Proletarischen Front (Gruppe Hamburg)" erscheint die Nr. 2 der gleichnamigen Zeitschrift.

Einleitend heißt es: "Mit der Verabschiedung ihrer Programmatischen Erklärung hat sich die PROLETARTISCHE FRONT eine Plattform geschaffen, von der aus sie ihre praktische Intervention in die aktuellen Klassenauseinandersetzungen beginnt und an der sie sich orientieren will … In diesem Zusammenhang ist die Herausgabe einer Zeitschrift von besonderer Bedeutung. Solange die revolutionäre Praxis der PROLETARISCHEN FRONT noch wenig entwickelt ist, müssen sich Agitation und Propaganda auf die wenigen Medien beschränken, die der politischen und organisatorischen Entwicklung der Organisation entsprechen".

Artikel der Ausgabe sind:
- "Zur politischen Strategie der Tarifkampagne in Hamburg"
- "Arbeiterkämpfe und politische Organisation in Italien. Il Manifesto: Eine neue Etappe des Klassenkampfes?"
- "Thesen zum Nahen Osten"
- "Politischer Zionismus und kapitalistische Entwicklung in Israel"
- Rezension der Zeitschrift der "Proletarischen Front - Gruppe Westdeutscher Kommunisten", Nr. 2/3, Juli 1971, 1. Jahrgang
Q: Proletarische Front (Gruppe Hamburg): Proletarische Front, Jg. 1, Nr. 2, Hamburg, August 1971.

November 1971:
Es erscheint die Nr. 3 der Zeitschrift "Proletarische Font. Organ der Proletarischen Front (Gruppe Hamburg)".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Die Lage der Arbeiterklasse in der westdeutschen Metallindustrie"
- "Die Losung von der Verteidigung der demokratischen Rechte - eine neue Ersatzstrategie"
- "Dogmatismus und Revisionismus - die Dialektik der ML-Organisationen"
- "Erklärung zur Lage der Türkei anlässlich der Verurteilung von 18 Genossen"

Geworben wird für das "Arbeiterbuch", für Schriften, die das SALZ-Hamburg herausgegeben hat (u. a. "Was sind die Superlinken und wie schaden sie der Sache des Proletariats"), für den Politischen Buchhandel in Hamburg, für die "Agit 883", für die "Programmatische Erklärung der Proletarischen Font".
Q: Proletarische Front. Organ der Proletarischen Front (Gruppe Hamburg), 1. Jg., Nr. 3, Hamburg, November 1971

Dezember 1971:
Von der "Proletarischen Front - GWK" (Hamburg) erscheint die Nr. 4/5/6 der gleichnamigen Zeitschrift mit dem Schwerpunkttitel "Der gegenwärtige Imperialismus".
Q: ZVAB.com; ZDB.

März 1972:
Von der Proletarischen Front - Gruppe Westdeutscher Kommunisten erscheint das Heft 7 ihrer Zeitschrift "Proletarische Front" mit dem Titel "Von der Programmatischen Erklärung zum Aktionsprogramm".
Eingangs wird festgehalten, dass man sich entschlossen habe, "vor der Herausgabe des zweiten Teils der Programmatikqualifikation 'Grundprobleme des revolutionären Übergangs zum Kommunismus'" das Aktionsprogramm zu veröffentlichen. Das Aktionsprogramm versuche, "die Strategie einer revolutionären Perspektive anzugeben, die weder, übernommen aus der Tradition der Geschichte der Arbeiterbewegung, der heutigen gesellschaftlichen Wirklichkeit aufgepfropft ist, noch meint, den Kampf der Massen durch den Aufbau einer Partei ersetzen zu können".

Inhalt:
"1. Der aktuelle Stand des Klassenkampfs in Westdeutschland und die Frage der praktisch-programmatischen Intervention
1.1. Allgemeines
1.2. Die strategischen Konsequenzen: Vereinheitlichung der Arbeiterklasse für den Kampf um die Macht - Bündnisfragen; Kampf um die Herausbildung einer revolutionären Avantgarde; Funktion der Militanz im Klassenkampf
1.3. Zur Problematik der ersten Schritte: politische Komitees und Avantgarde; soziale Herkunft und Kaderfrage, einiges über den Arbeitsstil
2. Die zentralen Praxisschwerpunkte im Klassenkampf
2.1. Mehr Geld für weniger Arbeit: erste Schritte zur Zerstörung des kapitalistischen Lohnsystems - Betriebskomitees
2.2. Zerstörung der allgemeinen Akkumulationsbedingungen des Kapitals - politische Regionalkomitees des Proletariats
2.3. Staat: Entwicklung des Klassenkampfs und konterrevolutionäre Taktik der herrschenden Klasse
Anhang: Erläuterungen zu einigen Begriffen, die im Aktionsprogramm häufiger genannt werden".

Geworben wird für Schriften zur materialistischen Geschichtsauffassung, den Buchversand Spartakus (Hamburg), den Politischen Buchladen Manifest (Hamburg), für die eigene Zeitung mit den demnächst erscheinenden Titeln "Zur Problematik des Übergangs zum Kommunismus" und "Der Klassenkampf in Westdeutschland" sowie für das Heft 8/9 (1972) der PF mit Artikeln zum "Südafrikanischen Kapitalismus", zur italienischen Gruppe "Il Manifesto" und zur Spaltung der eigenen Gruppe.
Q: Proletarische Front - Gruppe Westdeutscher Kommunisten: Proletarische Front: Von der Programmatischen Erklärung zum Aktionsprogramm, Jg. 2, Nr. 7, Hamburg, März 1972.

April 1972:
Von der "Proletarischen Front (Gruppe Westdeutscher Kommunisten)" erscheint das Heft 8/9 der gleichnamigen Zeitschrift.

Einleitend wird zur Spaltung der "PF" ausgeführt: "In dem Artikel "Die PF - ein knappes Jahr nach der Spaltung, wird unsere Einschätzung der Massenbewegung der sechziger Jahre deutlich; denn aus ihr hat sich über die Trikont die PF entwickelt. Die unterschiedlichen Positionen, die von vornherein innerhalb der PF bestanden, konnten nicht überwunden werden und mussten deshalb zwangsläufig zur Fraktionierung führen … Die Existenz dreier Gruppierungen mit ähnlichem Namen (PF, PF Gruppe Hamburg, PF Gruppe Westdeutscher Kommunisten) hat zur Verwirrung und Verwechselung geführt und wir kommen mit unserer Darstellung diesbezüglich überregionalen Anfragen entgegen".

Artikel der Ausgabe sind:
"Zur Entstehungsgeschichte des südafrikanischen Kapitalismus
1. Südafrika vor dem Wahlsieg der Afrikaanernationalisten
1.1. Die innere ökonomische und politische Entwicklung
1.2. Die Union von Südafrika in der internationalen Politik
bis 1924
2. Südafrika seit dem Wahlsieg der Afrikaanernationalisten
2.1. Die innere ökonomische und politische Entwicklung
2.2. Die südafrikanische Union in der internationalen Politik 1924 bis 1945
3. Die Südafrikanische Union seit dem zweiten Weltkrieg
bis zur Unabhängigkeit 1961
3.1. Die innere politisch-ökonomische Entwicklung
3.2. Die entstehende Nebenmetropole und ihr Weg in die vorübergehende internationale Isolierung
3.2.1. Die Südafrikanische Union als Subjekt der internationalen Politik
3.2.2. Die Südafrikanische Union als Objekt der internationalen Politik
4. Die Südafrikanische Republik von 1962 bis 1966
4.1. Die innere politische und ökonomische Entwicklung
4.2. Die Stellung der SAR in der internationalen Politik
4.2.1. Die SAR als Subjekt der internationalen Politik 1961 bis 1966
4.2.2. Die SAR als Objekt der internationalen Politik 1961 bis 1966
5. Der südafrikanische Imperialismus seit 1966
6. Dokumentarischer Anhang

II Manifesto und die europäische Linke - Eine Plattformkritik
1. Gegenwärtiger Imperialismus und Länder der Übergangsperiode
1.1. Gegenwärtiger Imperialismus
1.2. Gegenwärtiger Imperialismus und Länder der sozialistischen Übergangsperiode
2. Italienischer Monopolkapitalismus und Klassenanalyse
3. Revolutionäre Massenpartei und Rätebewegung. Die Stellung von "IL Manifesto" zu den organisatorischen Aspekten der Alternative
3.1. Zur Einschätzung der antikapitalistischen Massenbewegung
3.2. Das Verhältnis von "Il Manifesto" zur italienischen antikapitalistischen Massenbewegung
3.3. Revolutionäre Massenpartei und Rätebewegung

Die Proletarische Front ein knappes Jahr nach den Spaltungen
1. Zur Vorgeschichte: Die Übergangsassoziation dreier politischer Richtungen und die Stellung der "Programmatischen Erklärung" der PF
1.1. Konkretion des Internationalismus
1.2. Schulungsfrage
1.3. Erarbeitung der Programmatischen Erklärung
2. Von der Konstituierung zu den Spaltungen. Das Problem auch auf der Ebene der Vermittlungsschritte materialistisch orientiert zu bleiben.
2.1 . Der Kampf gegen die sich herausbildende KPD-AO-Fraktion
2.2. Die Auseinandersetzungen zwischen den Spontaneisten und der Programmatikfraktion
3. Die weitere Entwicklung der Fraktionen
3.1. Zu den theoretischen Positionen der "PF Gruppe Hamburg" und ihren praktisch politischen Forderungen. Eine Auseinandersetzung mit dem Aufsatz "Lage der Arbeiter in der westdeutschen Metallindustrie
3.2. Zum Praxisverständnis der PF-Gruppe Hamburg".

Geworben wird für: "Proletarische Front- Zur Problematik des Übergangs zum Kommunismus" (erscheint demnächst), "Proletarische Front-Der Klassenkampf in Westdeutschland" (erscheint demnächst), für die "Programmatische Erklärung" der PF, Heft 2/3 und den "Politischen Buchladen".
Q: Proletarische Front (GWK): Proletarische Front, 2. Jg., Nr. 8/9, Hamburg, April 1972

April 1973:
Das Heft Nr. 10 der "Proletarischen Front" erscheint unter dem Titel "Arbeiterkampf in Deutschland - Klassenzusammensetzung und Kampfformen der Arbeiter seit dem Nationalsozialismus" im Trikont-Verlag (München). Laut Vorbemerkung hat der Verlag ab April 1973 die Herausgabe der Publikationen der Proletarischen Front, Hamburg übernommen. Innerhalb des Verlagsprogramms laufen sie in einer eigenen Reihe.

Im Vorwort heißt es u. a.: "Für alle, die auf den Klassenkampf als den entscheidenden Motor der Geschichte setzen, ist heute unumstößlich klar, daß in der Arbeiterklasse der Schlüssel für jede revolutionäre Umwälzung liegt. Aber es sind nur wenige, die sich fragen, was dieser Gemeinplatz der materialistischen Geschichtsauffassung konkret bedeutet. Die meisten begnügen sich damit, die Umsetzung dieser allgemeinen Einsicht in die Praxis auf der Grundlage eines ungebrochenen und undiskutierten Verhältnisses zur traditionellen Arbeiterbewegung zu vollziehen.

Nun bringt diese Vorgehensweise ungeahnte Schwierigkeiten mit sich. Denn sie ist, sobald sie konkret zu werden sucht, mit der Tatsache konfrontiert, daß die traditionell-leninistischen Parolen angesichts des realen Arbeiterkampfs in Deutschland seit der Welt Wirtschaftskrise und dem Nationalsozialismus bedeutungslos sind. Jede konkrete Untersuchung über die Zusammensetzung und die Kampfformen der Arbeiterklasse seit den zwanziger Jahren wirft Fragestellungen auf, die sofort klar machen, daß sie in den Strategien der III. Internationale und ihres deutschen Parteiablegers nicht im mindesten aufgenommen worden waren. Vielleicht verhindert gerade diese Tatsache - die Bedeutungslosigkeit der traditionellen Arbeiterbewegung angesichts der damaligen und heutigen Klassenkonflikte - bis heute die Aufarbeitung der realen Arbeiterkämpfe und die sich daraus ergebende kritische Auseinandersetzung mit einer vergangenen Theorie des Klassenkampfs."

Die vorliegende Arbeit stelle "einen ersten Versuch dar, die längst fällige Auseinandersetzung mit den deutschen Arbeiterkämpfen seit Weltwirtschaftskrise und Nationalsozialismus in Gang zu bringen. Das Kollektiv, welches für die Ergebnisse verantwortlich zeichnet, ist sich der Begrenztheit seines Versuchs bewußt. Es ist unglaublich schwierig, den Klassenkampf, so wie er in den letzten 40 Jahren in Deutschland real ablief, vom Arbeiterstandpunkt her auf den Begriff zu bringen. Arbeiterstandpunkt: das bedeutet, auf jedes vorgegebene Interpretationsschema, auf jede griffige Floskel eines erstarrten Kapitalbegriffs zu verzichten."

Inhalt:
"Vorwort
'Wir nennen den Kommunismus die wirkliche Bewegung, die den jetzigen Zustand aufhebt.'(Karl Marx).
I. Die aktuellen Arbeiterkämpfe und die aktuellen Maßnahmen der Kapitalisten zur Verfestigung ihrer Kontrolle über die Arbeitskraft
II. Die Geschichte des Kapitalismus - Notwendigkeit des Kommunismus
III. Der nationalsozialistische Planstaat - eine besondere Form der Reorganisation des kapitalistischen Kommandos über die Arbeitskraft
IV. Die Niederhaltung des Arbeiterkampfs - Garantie der Kontinuität des Ausbeutersystems 1945 bis 1950/51
V. Die blockierte Autonomie der fünfziger Jahre
VI. Westdeutsche Arbeiterkämpfe in den sechziger Jahren
VII. Die kapitalistische Gegenoffensive und der Reformismus
VIII. Reformkapitalistischer Planstaat oder Arbeitermacht
IX. Die aktuellen Klassenkämpfe und die Parolen für die Entfaltung der Kämpfe".
Q: Proletarische Front: Arbeiterkampf in Deutschland - Klassenzusammensetzung und Kampfformen der Arbeiter seit dem Nationalsozialismus, Jg. 3, Nr. 10, München, (April) 1973.

Juni 1973:
Das Heft Nr. 11 der "Proletarischen Front" erscheint unter dem Titel "Rationalisierung und Massenarbeiter - Die Kämpfe der norddeutschen Werftarbeiter seit 1945" im Trikont-Verlag (München).

In der Vorbemerkung heißt es u. a.: "Mit großer Hartnäckigkeit behauptet sich bis hin zu Gruppierungen einer sich als "antireformistisch" bezeichnenden Linken die Auffassung, die westdeutsche Arbeiterklasse sei bis zu den Septemberstreiks ohne Kampfgeschichte. Diese Hypothese wirkt derart unerschütterlich, daß bis heute kaum jemand auf die Idee kam, sie nach ihrem Realitätsgehalt zu hinterfragen. Mit welchen Modifikationen auch immer: die BRD-Linke artikuliert sich noch immer auf dem Hintergrund einer angeblich unumschränkt geltenden proletarischen Geschichtslosigkeit. Das hat zur Folge, dass sich viele Genossen darauf fixieren, von einer abstrakten Kapitalexegese oder einem historisch zurückgewandten Organisationsverständnis her den Klassenkampf "in die Arbeiterklasse zurückzutragen".

Wir haben in der vorliegenden Arbeit versucht, einen anderen Weg einzuschlagen. Als wir den ersten Kontakt zu Werftarbeitern aufnahmen, war uns zwar diffus bewußt, daß es bei den norddeutschen Werftarbeitern in den fünfziger Jahren einen Kampfzyklus gegen die Werftunternehmer gegeben hat. Aber dieses Wissen darüber funktionierte bei uns selbst lange so, wie es sich in den Geschichten der traditionellen Arbeiterbewegung vermittelt hat: als unwichtige, unpräzise Randerscheinung. Je mehr unsere Untersuchungen zu praktischen Fragestellungen wurden, desto schneller verkehrte sich alles ins Gegenteil. Statt der KPD und der Gewerkschaften standen die Arbeiter selbst im Zentrum der Kampfgeschichte. Mehr noch: angesichts eines total gewandelten Verhältnisses von Klassenzusammensetzung und Kampfformen stellen sich auch die traditionellen Institutionen der Arbeiterbewegung als Kontrollinstrumente gegenüber einer teilweise weit vorangeschrittenen Autonomie der Werftarbeiterkämpfe dar. Unser erster Versuch, die Arbeiterkämpfe in einer Industriebranche nach 1945 aus der Sicht der Arbeiter zu rekonstruieren, machte uns klar, dass es entscheidend darauf ankommt, von den Arbeitern, so wie sie tagtäglich gegen die ungeheuer repressive Ausbeuterorganisation angehen, zu lernen. Ihre Kämpfe stehen auf einer unmittelbaren und konkreten Konfrontationslinie mit einer ungeheuer modernisierten und vergesellschafteten Struktur des Kapitals, und demgegenüber muß vieles, was sich heute seitens der Linken auf die Arbeiterautonomie zu stülpen versucht, wie ein hilfloser Papiertiger erscheinen… So ist diese Untersuchung nur als ein erster Ansatz zu begreifen. Sie dient dem Ziel, die bei den Werftarbeitern vorhandenen antagonistischen Bedürfnisse jenseits eines objektivistischen Kapitalfetischs zu artikulieren. Sie propagiert die vorhandene Radikalität sporadischer Kämpfe mit der Absicht, einen Beitrag dafür zu leisten, daß sich die Potenzen des Arbeiterkampfs entfalten und einer neuen und kollektiven Solidarität des Kampfs gegen die Ausbeutung den Boden bereiten."

Inhalt:
"VORWORT
DIE KÄMPFE DER NORDDEUTSCHEN WERFTARBEITER SEIT 1945
1. Arbeiteraktionen seit den späten sechziger Jahren. Tendenzen des Aufstands gegen die kapitalistische Bestimmung der Arbeitskraft
2. Das kapitalistische Programm zur Reorganisation der Kontrolle über die Arbeitskraft der Seeleute, Hafen- und Werftarbeiter
3. Die aktuelle Bedeutung der Nachkriegskämpfe der Werftarbeiter
3.1. 1945 bis 1950: Einheitsfront mit den Kapitalisten im Kampf gegen die Demontagen
3.2. 1950 bis 1955/56
3.2.1. Erste kapitalistische Offensive - Niederlage des defensiven Arbeiterkampfs
3.2.2. Die Antwort der Arbeiter: militante Abwehrkämpfe
3.2.2.1. Die Werftarbeiterkämpfe in Bremen 1953
3.2.2.2. Der Hamburger Werftarbeiterstreik 1955
3.2.3. Der historische Stellenwert der Niederlage
3.3. Die unumschränkte Herrschaft des Kapitals
3.3.1. 1956 bis 1964: Der neue Status quo zwischen Kapital und Arbeit
3.3.2. 1964 bis 1969: Kampf um den Übergang zur Massenproduktion
3.4. Der Aufstand der Arbeiter gegen Rationalisierungspläne des Kapitals
3.4.1. 1969: Die Kieler Howaldtsarbelter in den Septemberstreiks
3.4.2. Der Stellenwert des Kampfes der Kieler Howaldtsarbeiter
4. Der Planstaat
4.1. Drohende Arbeitermacht und Planstaat 1970/71
4.2. Der kapitalistische Plan: Vollmechanisierung der Werften und Übergang zur Serienproduktion
4.3. Durchsetzung des Sprungs im relativen Mehrwert durch den Angriff auf die Beschäftigung
4.4. Planstaat und Arbeiterreformismus; Arbeiterreformismus und Planstaatsperspektiven im Rahmen der EWG
5. Zusammenfassung
6. Die Parolen des Arbeiterkampfs
6.1. Gegen die kapitalistische Arbeit
6.2. Für den garantierten Lohn
6.3. Kampf gegen die Lohngruppen, gegen Prämienlohn und Akkord
6.4. Kampf gegen die Überstunden
6.5. Kampf gegen den Raubbau an der Gesundheit
6.6. Kampf gegen Mobilität und Disponibilität
6.7. Für das Bündnis zwischen Arbeitern und Technischen Angestellten
6.8. Für die Bezahlung der Transportkosten der Arbeitskraft aus den Werftprofiten

ANHANG
Anmerkungen und Dokumentation
Verzeichnis der benutzten Literatur und Quellen

UNSERE PRAXIS AUF DEN WERFTEN IN BREMEN UND HAMBURG
Darstellung
Flugblätter und Zeitungen
FRAGEBOGEN FÜR WERFTARBEITER".

Geworben wird für Bücher aus dem Politverlag Erlangen, für den PoliBu Hamburg, für die Zeitung: "Wir wollen alles", weiter für die Reihe "Proletarische Front".
Q: Proletarische Front: Rationalisierung und Massenarbeiter - Die Kämpfe der norddeutschen Werftarbeiter seit 1945, Jg. 3, Nr. 11, München, (Juni) 1973.

Letzte Änderung: 01.12.2018