"Antifaschistische Informationen - Zeitschrift für die antifaschistische Praxis" (1980/81)

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Dietmar Kesten, Gelsenkirchen, 30.1.2019


Die Datenbank MAO ist ein
vollständig selbstfinanziertes Projekt.
Unterstützen Sie uns durch:

Von den "Antifaschistischen Informationen" aus Herford erschienen wahrscheinlich nur vier Nummern, die wir alle hier dokumentieren.

Liste der als Scans vorhandenen Zeitungen

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

März 1980:
Vom "Trägerkreis für einen Antifaschistischen Informationsdienst" herausgegeben, erscheint die Null-Nummer der "Antifaschistischen Informationen - Zeitschrift für die antifaschistische Praxis" in Herford. Mitglieder des Trägerkreises sind verschiedene Antifaschistische Gruppen und Organisationen, u. a.: Antifaschistische Arbeitskreise aus Bielefeld, Hildesheim, Münster, Pforzheim, Antifa-Aktion Essen, Antifa-Komitee Stuttgart, Antifaschistische Gruppe Dortmund, aber auch der Kommunistische Bund (KB) und die Sozialistische Arbeitergruppe (SAG). Die Erscheinungsweise der Zeitschrift soll zweimonatlich sein.

Einleitend erklärt der Herausgeberkreis: "Seit ein paar Jahren ist die westdeutsche Öffentlichkeit mit einem sprunghaften Anstieg neofaschistischer Einflüsse und Aktivitäten konfrontiert, Hakenkreuzschmierereien, Überfälle auf Antifaschisten bis hin zu Gründungsversuchen einer neuen 'NSDAP' sind die bekannten Erscheinungen dieser Entwicklung.

Demgegenüber gab es, insbesondere bei provokativen NPD/JN-Auftritten und Aktionen von Neonazi-Banden, einen deutlichen Aufschwung antifaschistischen Protestes. In vielen Städten bildeten sich spontan antifaschistische Gruppen, Initiativen und Arbeitskreise, die heute vielfach Träger und organisatorischer Ausdruck einer neuen antifaschistischen Bewegung sind.

Bis auf wenige Ausnahmen ist die Arbeit dieser Gruppen usw., die neben der Organisierung direkten antifaschistischen Protestes oft auch Untersuchungsarbeit über die Nazi-Szene, Aufklärung über den historischen und Neofaschismus leisten, bisher örtlich beschränkt und zersplittert. Der Informationsaustausch ist nur sehr spärlich, ein Erfahrungsaustausch findet kaum statt.

Anläßlich der 'Rock-gegen-Rechts'-Manifestation im Juni '79 in Frankfurt begann auf einem Treffen verschiedener Initiativen und interessierter Einzelpersonen die Diskussion über ein antifaschistisches Blatt. Bei den Gründern des Trägerkreises bestand weitgehende Einigkeit darin, dass weder die antifaschistische Wochenzeitung 'die tat' (die aufgrund eines Unvereinbarkeitsbeschlusses der herausgebenden VVN/Bund der Antifaschisten und aufgrund ihrer oftmals verfälschenden Berichterstattung nicht als ein Forum der antifaschistischen Bewegung genutzt werden konnte) noch die Partei- bzw. Organisationszeitungen (trotz z. T. umfangreicher antifaschistischer Berichterstattung) den überparteilichen und unabhängigen Anspruch einer demokratischen und antifaschistischen Informationsarbeit genügen; auch die linken Tageszeitungen wären dazu nicht in der Lage, der spezifischen antifaschistischen Pressearbeit Rechnung zu tragen.

Gemeinsam war die Erkenntnis, dass ein bundesweites Info mit dazu beitragen könnte, die Schwierigkeiten örtlicher Initiativen wie Unerfahrenheit, mangelnde Kontinuität, Perspektivlosigkeit und Vereinzelung zu überwinden und durch übergreifende Informationsweitergabe und intensiven Erfahrungsaustausch zu einer wichtigen Stütze örtlicher Initiativen werden könnte und sollte.

Dieses Info soll aber nicht nur ein konkretes Hilfsmittel für die arbeitenden Antifa-Gruppen, sondern auch ein zuverlässiger Informationsträger für die gesamte interessierte antifaschistische Öffentlichkeit werden. Es steht jedem zur Mitarbeit offen; jeglicher Aus- und Abgrenzungsbeschluss wird abgelehnt. Wir wollen erreichen, dass das Info zu einem Produkt der gesamten antifaschistischen Kräfte dieses Landes wird, die dort auf demokratischer und gleichberechtigter Grundlage zusammenarbeiten können.

Dem Trägerkreis kann jede Person, Gruppe, Initiative oder Organisation (gleichberechtigt) beitreten. Er bildet das beschlussfassende und richtliniengebende Organ für alle Fragen des Infos. Die Redaktion (Arbeitskreise, Initiativen, Einzelpersonen) wechseln sich ab und bearbeiten jeweils eine Ausgabe. Sie und der Herausgeberkreis, der für die Organisierung der Herstellung und Verteilung sowie Fragen der Koordination zuständig ist, sind dem Trägerkreis rechenschaftspflichtig und jederzeit abwählbar. Personen, die das Info finanziell unterstützen wollen, können einem Förderkreis beitreten.

Mitte Januar '80 ist in Göttingen der 'Trägerkreis für ein Antifaschistisches Info' gegründet worden. Gründer waren: Antifa-Arbeitskreise aus Bielefeld, Essen, Pforzheim, Stuttgart, Münster, Hildesheim.

Der dort diskutierte Statutenentwurf wird in dieser Null-Nummer der Öffentlichkeit zur Diskussion vorgestellt; endgültig soll er am 19./20.4. in Frankfurt diskutiert und beschlossen werden. Ebenso soll in Frankfurt die endgültige Bestätigung bzw. Neuwahl des Herausgeberkreises erfolgen.

Mit der vorliegenden Null-Nummer soll das Projekt breiter bekannt gemacht und zur Diskussion gestellt werden. Sie hat aber auch die Aufgabe, über die Vorbereitungen für den antifaschistischen Bundeskongreß vom 4. bis 6. April (Ostern) zu informieren; die Berichte über Schwierigkeiten antifaschistischer Arbeit 'vor Ort' dienen dem Erfahrungsaustausch und der Diskussion sinnvoller Ansätze und gemeinsamer Perspektiven." (Seite 3)

Artikel des "Informationsdienstes" sind:
- "Herausgeberkreis der Antifaschistischen Informationen: Was wir wollen"
- "Antifaschistischer Arbeitskreis Hildesheim: Eine Initiative berichtet"
- "Stuttgart: Arbeit im Jugendhaus"
- "Antifa-AK Pforzheim: Zusammenarbeit mit der DGB-Jugend"
- "Antifaschistische Aktion Bielefeld (M.): Erfahrungen beim Zeitungsmachen"
- "Letzte Meldung"
- "Ma.-Initiativkomitee Arbeiterhilfe, Antifagruppe (Hamburg): Ermittlungsarbeit am Beispiel Hansa-Bande"
- "Themen: Vorschläge erwünscht"
- "Bundeskongress: Rechenschaftsbericht"
- "Aufruf zur Durchführung eines antifaschistischen Bundeskongresses, 4.-6. April (Ostern) 1980 in Frankfurt/M."
- "Vorbereitungsausschuss für einen antifaschistischen Bundeskongress: Auseinandersetzung mit der VVN"
- "Ein neuer Anfang"
- "Selbstverständnis der Initiative: Rock gegen Rechts, Berlin"
- "Antifa-Kommission NRW des KB: NRW: Wie macht man eine Kampagne?"
- "Bremen: Neo-Nazis immer frecher"
- "Arbeitsgrundlage des Bündnisses"
- "Antifa-Kommission/KB Hamburg: Ermittlungsarbeit am Beispiel Hansa-Bande"
- "A. Kowalski: Frankfurt: Kampf gegen Nazibuchladen"
- "Zur Diskussion: Statutenentwurf"
- "Antifaschistischer Informationsdienst: Wer soll das bezahlen?"
- "Spendenaufruf: Unterstützt den Antifaschistischen Informationsdienst"
- "Finanzierungsplan für die Nullnummer des Antifaschistischen Informationsdienstes"
- "Antifaschistische Informationen. Wie man drankommt"
- "Wie man mitmachen kann"

Geworben wird für eine "Dokumentation über die Diskussion, die dem Erscheinen der 'Antifaschistischen Informationen' vorausgingen", weiter für die "Dokumentation der Nazi-Auftritte in Ostwestfalen und aktuelle Informationen aus Bielefeld" sowei für die "Antifaschistische Aktion. Zeitung des Antifaschistischen Arbeitskreises Bielefeld". Die "Arbeitsgruppe Prozesse gegen Antifaschisten" aus Hamburg ruft zur Mitarbeit auf. In der Zeit vom 4.-6.4.1980 soll in Frankfurt/M. ein "Antifaschistischer Bundeskongress" stattfinden, wozu eingeladen wird. U. a. sollen 15 Arbeitsgruppen gebildet werden, so etwa AG 1: "Kampf gegen Neonazis", AG 5: "Ausländische Faschisten", AG 11: "Frauen und Faschismus", AG 15: "Antisemitismus".

Berichtet wird noch über den Bundeskongress der Initiative "Rock gegen Rechts", der am 2./3.2.1980 in West-Berlin stattfand. Zur Diskussion gestellt wird ein "Statutenentwurf", der u. a. auch die "Ziele des Infos" enthält, wonach das Info "ein Versuch sei, die Zersplitterung der neuen antifaschistischen Bewegung aufzuheben und die Entwicklung der unterschiedlichen Initiativen, Einzelpersonen und politische Gruppen zu einer eigenständigen antifaschistischen Kraft zu fördern, die nicht Anhängsel irgendeiner Partei ist". Das Info sei "überparteilich und demokratisch". Es solle ferner die "antifaschistische Arbeit der Initiativen usw. unterstützen". Zudem wird der "Trägerkreis" im Entwurf erläutert, der das "oberste, richtungsgebende und beschlussfassende Organ des Infos" sei. Aufgerufen wird noch zu Spenden für den "Informationsdienst". Dazu findet sich im Anhang der "Finanzierungsplan für die Nullnummer".
Quelle: Antifaschistische Informationen - Zeitschrift für die antifaschistische Praxis, 1. Jg., Null-Nummer, Herford, März 1980.

Juni 1980:
Vom "Trägerkreis für einen Antifaschistischen Informationsdienst" herausgegeben, erscheint die Nr. 1 der "Antifaschistischen Informationen - Zeitschrift für die antifaschistische Praxis" in Herford.

In "Zu diesem Heft" wird u. a. erklärt, dass "schwerpunktmäßig alle Fragen rund um 'RgR' behandelt" werden, es Infos "zum Treiben der NPD und ihres militanten Hintergrunds gibt" und über "über den Kampf gegen die NPD und Co. an anderen Orten" informiert wird. Zudem soll über den Ausgang des Bundeskongresses von VVN/DKP und SPD berichtet werden.

Artikel der Ausgabe sind:
- "Auf der Suche nach der Null-Nummer"
- "Zu diesem Heft"
- "B., Mitglied des Aktionsbündnisses 'RgR', Frankfurt/M.: Es geht wieder los. Rock gegen Rechts"
- "Aktionsbündnis Rock gegen Rechts: An die Bundesregierung"
- " 77, 78, 79, 80: Wie der 17. Juni zum antifaschistischen Kampftag wurde"
- "A. Berlin-West: Nazitreff oder Bürgertreff?"
- "Aktionsgruppe für Lust +Freiheit/Antifaschistische Aktion: Schwäbischer Alltag: Nazi-Umtriebe in Göttingen"
- "Demonstration gegen SS-Traditionstreffen in Hohenstaufen. Nachtrag zu Artikel: 'Neonazistische Aktivitäten in Kreis Göppingen"
- "Landeskonferenz antifaschistischer Arbeitskreis aus NRW: Bürgerinitiative 'Ausländerstopp'. Rassisten im Aufwind?
- "A. West-Berlin: "Änderungsantrag zum Statutenentwurf"
- "Antifaschistischer Arbeitskreis Hildesheim: NPD-Landestreffen in Hildesheim: Da blieb den Nazis die Luft weg"
- "Antifaschistischer Bundeskongress: Kein Fall für Osterhasen"
- "Verknackt wegen geistiger Mittäterschaft"
- "Guethers Mediothek: Buchbesprechung u. a. über Karl-Klaus Rage (Hg.): "Rechtsextreme Jugendliche. Gespräch mit Verführern und Verführten"
- "Aus unserem Innenleben"
- "Antifa-Komitee Stuttgart: Stuttgart: Jugendarbeit Live"
- "Diskussion in Dortmund
- "Interessantes in Kürze" (u. a.: "Festnahme bei CSU-Veranstaltung", "Druckverbot für Schülerzeitung")
- "Herausgeberkreis: Wehrsportgruppen unter der Lupe" (u. a. "Wehrsportgruppe Tönning")
- Antifaschistische Informationen: Das Allerletzte!"

Aufgerufen wird zu "Rock gegen Rechts", auf dem Rebstock in Frankfurt/M. am 14.6.-15.6. Die "Landeskonferenz antifaschistischer Arbeitskreis aus NRW" habe beschlossen, gegen die "BI Ausländerstopp" aktiv zu werden und veröffentlichte dazu die Erklärung "Protest gegen die 'Ausländer raus' Kampagne der Nazis". Die AG "Frauen und Faschismus" ruft zum Treff am 28./29.6. in Münster auf. Berichtet wird noch über eine Demo gegen Nazis am 27.4.1980 in Stuttgart. Im Artikel über den "Antifa-Bundeskongress" wird noch über die einzelnen AGs berichtet.
Q: Antifaschistische Informationen - Zeitschrift für die antifaschistische Praxis, 1. Jg., Nr. 1, Herford, Juni/Juli 1980.

September 1980:
Vom "Trägerkreis für einen Antifaschistischen Informationsdienst" herausgegeben, erscheint die Nr. 2 der "Antifaschistischen Informationen - Zeitschrift für die antifaschistische Praxis" in Herford.
Artikel der Ausgabe sind:
- "Antifaschistisches Frauentreffen"
- "Frauen gegen Faschisten, aber wie?"
- "Die Nazis im Zeichen der Strauß-Kandidatur. Nazis zu Strauß: Der Nebel dauert nur noch kurze Zeit …"
- "Arbeitskreis Antifaschismus Göttingen: Beispiel Hannoversch-Münden: In alter Treue fest verbunden. CDU und Neonazis"
- "Jan Peters/Mathias Thesen: Rechtsradikale im grünen Gewand. Fakten und Trends"
- "Antifa-Kommission des Kommunistischen Bundes: Positionspapier zum Antifaschistischen Bundeskongress. Arbeitsgruppe Braune/Grüne"
- "Guenthers Mediothek" (Buchbesprechung, u. a.: Wolfgang Benz (Hg.). "Rechtsradikalismus: Randerscheinung oder Renaissance?", Peter Duck (Hg.): "Hakenkreuz und Judenwitz"
- "Kölner Jugendpresse (KJP)-Bunte Liste Büro: Die neofaschistische Jugendpress. Eine kleine Übersicht"
- "Antifa-Kommission KB/Gruppe Hamburg: Gesellschaft für freie Publizistik: Schaltzentrale für braune Propaganda"
- "Die wichtigsten Hausverlage der Nazi-Szene"

Geworben wird für den Druffel-Verlag und die Schrift des Antifaschistischen Arbeitskreises Göttingen: "Aufgepasst. Faschismus kommt nicht über Nacht. Zur Programmatik der CDU/CSU".
Q: Antifaschistische Informationen - Zeitschrift für die antifaschistische Praxis, 1. Jg., Nr. 2, Herford, September/Oktober 1980.

Februar 1981:
Vom "Trägerkreis für einen Antifaschistischen Informationsdienst" herausgegeben, erscheint die Nr. 3 der "Antifaschistischen Informationen - Zeitschrift für die antifaschistische Praxis" in Herford.

Im "Editorial" heißt es einleitend u. a.: "Hier liegt nun also Heft 3 der 'Antifaschistischen Informationen' vor euch, zugegeben, mit einiger Verspätung. Wir hatten eine Reihe organisatorischer und finanzieller Schwierigkeiten zu bewältigen. Die von uns zu Anfang angepeilte Auflagenhöhe war doch ein bisschen sehr optimistisch. Offenbar ist der Markt für engagierten Antifaschismus in der BRD doch ziemlich klein geworden. Viele Linke (oder solche, die sich dafür halten) sind offenbar eher dazu bereit, sieben Mark für Fassbinders Schmierenkomödie übers Dritte Reich 'Lili Marleen' auszugeben bzw. sich zum gleichen Geld an sexistisch-sadistischen Schinken a la 'Salo' zu erfreuen, als alle zwei Monate DM 2,50 für handfeste Informationen über Alt- und Neonazis und ihre Verbindungen lockerzumachen. Dieser Tendenz arbeitet zweifellos auch der sogenannte 'Neue Antifaschismus' entgegen, dem wir uns im nächsten Heft näher widmen wollen.

Dank der Tatsache, dass das 'Netzwerk' uns einen nicht unbeträchtlichen Zuschuss zuerkannt hat, ist es uns nach ersten Schwierigkeiten aber nun doch gelungen, wie wir glauben, die 'Antifaschistischen Informationen' auf eine relativ stabile finanzielle Ebene zu bringen. Wir möchten uns dafür an dieser Stelle ausdrücklich bedanken, ebenso wie bei den zahlreichen Lesern, die uns durch kleinere oder größere monatliche Beiträge fördern.

Alle diejenigen, die das Info abonniert haben oder es sonstwie finanziell unterstützen, möchten wir auf das Impressum dieses Heftes hinweisen, da sich unsere Kontonummer und unsere Vertriebsadresse geändert haben.

Neben Neuzugängen zum Trägerkreis der 'Antifaschistischen Informationen', so z. B. die 'Antifaschistische Bürgerinitiative gegen den Naziladen, Frankfurt', gibt es leider auch Abgänge. Die SAG (Sozialistische Arbeitergruppe) hat die Mitarbeit in unserem Info aufgekündigt, weil zwei Artikel nicht in der Zeitung erschienen waren. Es tut uns leid, dass dieser Schritt von der SAG vollzogen worden ist. In diesem Heft ist eine Dokumentation der beiden Artikel und der Diskussion darüber aus technischen Gründen noch nicht möglich gewesen, wir werden das in Heft 4 nachholen.

Dazu vielleicht noch folgendes: Wir können nicht jeden Artikel abdrucken, einmal wenn ein Artikel z. B. inhaltlich ungenügend ist usw. Die Entscheidung über das ja oder nein eines Artikels liegt grundsätzlich beim Trägerkreis bzw., wenn's schnell gehen muss, beim Herausgeberkreis, der diese Entscheidung allerdings gegenüber dem Trägerkreis des Infos verantworten muss. Die beiden Artikel der SAG, deren Nichtabdruck der Grund für das Ausscheiden der SAG bildete, wurden aufgrund eines Beschlusses des Trägerkreises abgelehnt, ein normaler Vorgang, der im Statut des Infos (ausführlicher Abdruck siehe Nr. 0) verankert ist. Einer der beiden Artikel war in Zusammenhang mit anderen Artikeln als eine kontroverse Diskussion über Verbotsforderungen gedacht, er wurde zusammen mit einem anderen Artikel nicht abgedruckt, weil die zuerst gedachte Kontroverse nicht da war, so dass es unsinnig gewesen wäre, zweimal die gleiche Argumentation als Kontroverse abzudrucken. Der zweite Artikel wurde aufgrund inhaltlicher Mängel abgelehnt, und, da es ein Artikel zur Kandidatur von Strauß war, das Heft aber erst nach der Bundestagswahl erscheinen sollte, es also auch sinnlos erschien, den Artikel zu drucken. Apropos inhaltliche Mängel, wir sind alle keine Profischreiber, so daß so etwas jedem Redakteur passieren kann, der Artikel im Antifa-Info unterbringen will, oder ein Thema ist schon veraltet, wenn das Info erscheinen wird, wie im vorliegenden Fall. Kein Beinbruch, das soll auch unsere Leser nicht abhalten, uns Artikel zu schicken, durch die Kritik der anderen im Trägerkreis kann man/frau nur lernen, oder nicht? …

Der zweite Hauptaufsatz, über ehemalige KZs in der BRD, wird im nächsten Heft fortgesetzt und beendet. Er ist vor allem für diejenigen Leser von Interesse, die sich, sei es beruflich oder privat, für eine pädagogische Aufarbeitung des Faschismus interessieren …

Schwerpunkt dieser Ausgabe ist ein Beitrag über den 'neuen' Rassismus der Faschisten und über seinen Chefdenker, den Anwalt Jürgen Rieger. Besonders interessant dabei ist das Ausmaß, in dem teilweise weltbekannte bürgerliche Wissenschaftler an solchen Unterfangen beteiligt sind. Über Rieger und seine zahllosen Aktivitäten in der Braunzone zwischen CSU und Neonazis ließe sich ein eigener Artikel schreiben. Wir werden das vielleicht bald tun. Hier stellen wir zunächst einmal dar, wie die Faschisten versuchen, ihrem Rassismus eine 'wissenschaftliche Grundlage' zu geben …"

Artikel der Ausgabe sind:
- "Editorial"
- "KZ-Gedenkstätten in der BRD, 1. Teil: Denkmalpflege oder antifaschistische Bildungsarbeit?"
- "Das System der Konzentrationslager"
- "Die Ausschaltung des antifaschistischen Widerstandes"
- "Vernichtung durch Arbeit"
- "Die Endlösung der Judenfrage in Europa"
- "KZ Gedenkstätte Dachau"
- "Das KZ Dachau"
- "Die KZ-Gedenkstätte"
- "Gegendarstellungen"
- "Leserbriefe"
- "Rassismus, Biologismus, Euthanasie … So ist die neue Anthropologie"
- "Die Tradition: H.F.K. Günther"
- "Jürgen Rieger: Anwalt des 'neuen' Rassismus"
- "Neue Anthropologie. Rassistisches Zentralorgan"
- "Die Schwesterblätter: Mankind Quarterly und Nouvelle Ecole"
- "Nation Europa. Ein europäisches Faschistenblatt"
- "Herausgeberkreis der antifaschistischen Informationen: Nach München. Diskussion im Herausgeberkreis am 26.10.1980"
- "Satire: Der Beweis"
- "Frankfurt: Gegen ein überregionales Organisationszentrum. Eine überregionale Demo"

Geworben wird für den Verlag Neue Kritik, für den AJZ-Druck & Verlag, für Rainer Rotermund: "Verkehrte Utopien. Nationalsozialismus, Neonazismus, Neue Barbarei" und Klaus Guhl: "Nationaler 'Sozialismus' von rechts. Beiträge, Programme und Dokumente zu einem 'neuen' Trend". Aufgerufen wird zur Demo gegen Nazis des am 21.3. in Frankfurt/M.
Q: Antifaschistische Informationen - Zeitschrift für die antifaschistische Praxis, 2. Jg., Nr. 3 Herford, Februar/März 1981.

Letzte Änderung: 30.01.2019