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Pädagogische Hochschule Ruhr in Dortmund

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 25.9.2009

Von der Pädagogischen Hochschule (PH) Dortmund bzw. den Dortmunder Abteilungen der PH Ruhr (vgl. Nov. 1969) werden hier, in dieser wie immer unvollständigen Darstellung dank der Geschichtswerkstatt Dortmund zahlreiche Dokumente erschlossen, vor allem die 'Dortmunder Studentenzeitung' (DOS) des Allgemeinen Studentenausschusses (AStA) der PH Dortmund. In den Spalten der 'DOS' werden allgemeinpolitische Themen wie die politische Disziplinierung (vgl. 7.4.1933, 25.9.1950, 16.10.1950, 26.1.1972) und internationale Geschehnisse (vgl. 21.4.1967, 22.1.1969, 6.9.1970) behandelt, aber auch Fragen der studentischen Selbstverwaltung (vgl. 2.2.1966, 30.5.1968, Okt. 1970) und des Studiums (vgl. 20.3.1969, Dez. 1970) sowie der Unterrichtsinhalte (vgl. Sept. 1971).

Die Gründung der Roten Zelle Pädagogik (vgl. Nov. 1970) und das Auftreten des KSB/ML der KPD/ML-ZK (vgl. 17.12.1970) führen zu heftiger Polemik seitens des AStAs analog einer Frankfurter Vorlage (vgl. 27.11.1970, Jan. 1971). Der KSB/ML bleibt die Antwort nicht schuldig (vgl. 25.1.1971, 1.2.1971), ist aber dann wie die anderen Gruppen auch bald zunächst vor allem mit dem Fahrpreiskampf befasst (vgl. 1.3.1971, 3.3.1971, 22.3.1971, 1.4.1971).

Auch der KSV der KPD baut nun eine Zelle an der PH Dortmund auf (vgl. Juli 1971) und propagiert das 'Sozialistische Studium' sowie seine zahlreichen Treffen (vgl. 1.11.1971, 4.11.1971, 9.11.1971, 10.11.1971, 16.11.1971, Jan. 1972, 3.2.1972), während die Studentenschaft sich aktiviert (vgl. 8.11.1971) und der AStA sich verstärkt publizistisch äußert (vgl. 18.11.1971, 24.11.1971).

Neben den AStA-Gruppen GEW-AG, PGH und SHB (vgl. 22.12.1971) sind auch der RCDS der CDU und auch der MSB Spartakus der DKP an der PH Dortmund aktiv (vgl. 29.11.1971, 1.12.1971, 15.12.1971, 19.1.1972).

Aus den 'AStA-Informationen' erwächst nun die teils umfangreiche 'DOS' (vgl. 1.12.1971, 8.12.1971, 15.12.1971, 19.1.1972, 26.1.1972, 2.2.1972, 7.2.1972).

Zum Konflikt kommt es aufgrund der Begabtensonderprüfung (vgl. Dez. 1971, 27.1.1972, 9.2.1972), aber noch nicht um das Tutorenprogramm 8vgl. 21.12.1971).

Zu den Wahlen zur Studentenkonferenz (SK – vgl. 8.2.1972) kandidiert auch der KSV (vgl. 31.1.1972), nicht aber der SHB (vgl. 1.2.1972).

Den AStA stellen nun wiederum ESG und GEW mit der PGH und informieren die Studienanfänger (vgl. 17.4.1972), befassen sich auch mit der Kritik des KSV (vgl. Apr. 1972, 2.5.1972), der sich seinerseits in der Maimobilisierung (vgl. 19.4.1972) und der Sympathisantenschulung (vgl. 24.4.1972, 26.4.1972) ergeht.

Der AStA gibt weiterhin die 'DOS' heraus (vgl. 12.6.1972, 26.6.1972), beteiligt sich auch jahrelang an der Solidarität mit Klaus Dillmann (vgl. 15.6.1972, 22.6.1972, 11.10.1972, 24.1.1973, 27.8.1973, 14.1.1974).

Internationalismus wurde an der PH jenseits der Spalten der 'DOS' bereits u.a. durch die Aktion Spanienhilfe (vgl. 6.12.1971) betrieben, nun beginnt der KSV mit seiner Vietnamkampagne (vgl. 26.6.1972) und vor allem das Ausländergesetz wird u.a. vom AStA, der GEW-AG und dem PGH angegriffen (vgl. 1.10.1965, Sept. 1972, 12.10.1972).

Unter den Assistenten der PH gibt es Freunde des Sozialistischen Büros (vgl. 14.10.1972).

Der AStA veröffentlicht weiter seine 'DOS' (vgl. 16.10.1972, 23.10.1972, 13.11.1972), verweigert sich aber offenbar der Solidarität mit Andres Lara von Opel Bochum (vgl. 17.10.1972, 21.10.1972), wie der KSV beklagt (vgl. 15.11.1972).

Studierende der PH greifen auch in den Bundestagswahlkampf ein und protestieren gegen F. J. Strauß (vgl. 23.10.1972, 29.10.1972).

Der Umzug der PH vom Rheinlanddamm an den Vogelpothsweg (vgl. 18.11.1971, 26.6.1972, 23.10.1972, 25.10.1972, 2.11.1972) ebenso wie die nun einsetzenden Fernsehvorlesungen und die Einschränkung der politischen Entfaltungsmöglichkeiten der Studierenden bieten auch dem KSV Anlass zur Agitation, er versucht sich an der Organisierung des Widerstands (vgl. 13.11.1972, 15.11.1972, 16.11.1972), aber auch in der Solidarität gegen das Berufsverbot für Hannes Heer (vgl. 17.11.1972, 30.11.1972).

Von der Dortmunder Abteilung Heilpädagogik der PH Ruhr war bisher nur wenig zu vernehmen (vgl. 17.1.1972), nun aber wird auch dort eine Gruppe aktiv (vgl. 19.6.1972, 27.6.1972, 24.10.1972, 31.10.1972, 2.11.1972, 7.11.1972, 13.11.1972), die Abteilung Heilpädagogik der PH Ruhr zieht ebenfalls um, und zwar in den PH-Altbau an der Kreuzstraße (vgl. 6.12.1972, 18.12.1972).

Zum Problem wird aufgrund des Umzugs die Frage der Mensa (vgl. 16.11.1972, 21.11.1972, 4.12.1972), aber auch die Tutoren organisieren sich nun (vgl. 21.11.1972), sollen sie doch die Fernsehvorlesungen unnötig machen (vgl. 22.11.1972).

Die Zelle PH Dortmund des KSV versucht sich weiterhin in der Organisierung der Studentenschaft, wähnt sich bereits als heimliche Studentenvertretung, die die Funktionen des AStAs besser ausführt als dieser selbst (vgl. 23.11.1972, 29.11.1972), wozu natürlich auch eine eigene Zeitung gehört (vgl. 27.11.1973), die allerdings keineswegs so häufig oder mit dem selben Umfang erscheint wie die 'DOS' des AStAs (vgl. 27.11.1972, 1.12.1972, 1.12.1972, 11.12.1972, 15.12.1972).

Zum Tutorenprogrammengagiert sich nun auch der Sozialliberale Hochschulverband (SLH), bleibt dabei sachlich-konstruktiv (vgl. 27.11.1972), verweigert sich aber offenbar im Verein mit dem RCDS der Forderung nach einer Großbaracke (vgl. 6.12.1972). Der SLH kandidiert auch zum Satzungskonvent, sich wieder als konsequent und konstruktiv darstellend (vgl. Jan. 1973). Diese Selbstdarstellungen aber werden dann offenbar durch eine zweiteilige "DSU/SLH-Dokumentation" (vgl. 22.1.1973, 29.1.1973) des PGH in Frage gestellt, der SLH wird vom PGH als Gegner der Studentenbewegung angesehen.

Der PGH, über dessen politische Präferenzen bisher wenig bekannt wurde, außer einer Erwähnung Heidelberger Kritik am KSV (vgl. 2.5.1972), führt nun Kapitalschulungen durch (vgl. 30.11.1972), bekennt sich also als marxistisch, bleibt aber in seinen Veröffentlichungen zunächst rein sachlich (vgl. 14.12.1972). Der vom PGH dominierte AStA allerdings berichtet wiederum detailliert aus Heidelberg (vgl. 15.12.1972) und der PGH kritisiert nun gar den KSV (vgl. 18.12.1972).

Die 'DOS' wird nun wieder um 'AStA-Infos' ergänzt, die zum Warnstreik für den Bau der Großbaracke aufrufen (vgl. 4.12.1972). Der KSV kündet vom vorläufigen teilweisen Erfolg des Kampfes (vgl. 6.12.1972), verstärkt aber auch die Vietnamsolidarität (vgl. 11.12.1972, 14.12.1972), die vom RCDS persifliert (vgl. 22.12.1972) und von einer Arbeitsgruppe durch Fakten untermauert (vgl. Jan. 1973) und vom AStA mitgetragen wird (vgl. 15.1.1973, 18.1.1973), während an der PH zugleich auch die Palästinasolidarität organisiert wird (vgl. 14.12.1972).

In der Fachgruppe Psychologie kommt es nun zum Konflikt über die Klausuren (vgl. 29.11.1972, 6.12.1972, 7.12.1972), auch das Tutorenprogramm ist noch nicht zufriedenstellend geregelt (vgl. 13.12.1972), wird nun auch seitens der Professoren erörtert (vgl. 16.12.1972), aber auch der KSV agitiert weiter (vgl. 18.12.1972). Auf der Vollversammlung (vgl. 20.12.1972) kommt es dann zum Zerwürfnis der Gruppen PGH (vgl. 10.1.1973) und GEW-AG über die Tutorenfrage (vgl. 22.12.1972), so daß nun auch die GEW-AG eigene Veröffentlichungen herausgibt (vgl. 8.1.1973, 22.1.1973), auch zum Ausländergesetz.

Vom KSB/ML war hier wenig die Rede. Er ist aber an der PH präsent (vgl. 24.4.1972, 13.11.1972) und versucht sich nun ebenfalls an der Organisierung von Kämpfen (vgl. 8.1.1973, 10.1.1973), steht doch ein Streik gegen die Prüfungsordnung an (vgl. 24.1.1973), den der PGH aber zunächst durch einen Aktionstag ersetzen (vgl. 18.1.1973, 22.1.1973) und sich auch nicht an den landesweiten Aktionen des KSV (vgl. 26.1.1973) beteiligen möchte.

Im Vorfeld der Wahlen für die Studentenkonferenz (SK – vgl. 10.1.1973, 7.2.1973)) kommt es zu vielfältigen Veröffentlichungen der verschiedenen politischen Hochschulgruppen, zu denen nun auch die GIM zählt (vgl. 18.1.1973), die als Liste zur Verteidigung der Verfassten Studentenschaft (LVVS – vgl. 29.1.1973, 30.1.1973, 31.1.1973, 5.2.1973) antritt, aber auch die GEW-AG (vgl. 29.1.1973, 5.2.1973), der MSB Spartakus der DKP (vgl. 29.1.1973, 5.2.1973), der RCDS der CDU (vgl. 5.2.1973), der PGH, der die GIM wiederholt als Triebkraft der LVVS entlarvt (vgl. 1.2.1973), dabei ihre Kader als Karrieristen anprangernd (vgl. 5.2.1973), und auch der KSV (vgl. 1.2.1973, 5.2.1973, 6.2.1973).

Kurz vor der Wahl findet der Warnstreik gegen die verschärfte Prüfungsordnung dann doch statt (vgl. 1.2.1973), das Tutorenprogramm aber bleibt umstritten (vgl. 5.2.1973, 6.2.1973).

Die GEW-AG übernimmt den AStA (vgl. 7.2.1973) im Verein mit PGH und Mitgliedern der GIM und publiziert die 'DOS' (vgl. 12.2.1973, 9.4.1973), der KSV betreibt weiterhin Vietnamsolidarität (vgl. 9.2.1973), aber auch Fachschaftspolitik (vgl. 7.2.1973, 14.2.1973), während der PGH sich mit den Vorläufern des KBW auseinandersetzt (vgl. März 1973).

Auch für die PH Ruhr steht nun der Numerus Clausus (NC – vgl. 18.12.1972, März 1973) an, was vom SLH abgelehnt wird (vgl. Apr. 1973), aber auch vom KSV (vgl. 3.4.1973, 11.4.1973, 18.4.1973) und vom AStA (vgl. 9.4.1973). Es bildet sich auch ein NC-Ausschuß (vgl. 23.4.1973, 30.4.1973).

Dem Protest des KSV gegen den 'Polizeiterror' am 1.Mai 1973 schließen sich zunächst nur wenige an (vgl. 2.5.1973), auch die Fachbereichswahlen und die Wahlen zum Gesamthochschulrat (GHR) scheinen wenig Interesse hervorzurufen (vgl. 3.5.1973), auch wenn der KSV sich darum bemüht, dieses zu wecken (vgl. 4.5.1973, 9.5.1973). Die Zelle des KSV publiziert weiterhin ihre Zeitung (vgl. 7.5.1973, 4.6.1973), die Prüfungsordnung anprangernd und organisiert auch die Solidarität mit Rolf Strojec (vgl. 8.5.1973, 9.5.1973).

Der Protest gegen die Polizeieinsätze am 1. Mai wird breiter (vgl. 21.5.1973) und auch vom AStA getragen, der ebenfalls gegen die Prüfungsordnung protestiert (vgl. 18.6.1973) und weiterhin seine 'DOS' herausgibt (vgl. 21.5.1973, 27.6.1973).

Gestreikt wird von den Beschäftigten des Studentenwerks, wobei der MSB Spartakus den Streikbruch zu organisieren scheint (vgl. 28.6.1973).

Der AStA informiert in der 'DOS' die Studienanfänger, u.a. über die politischen Studentengruppen (vgl. 8.10.1973, 17.10.1973, 22.10.1973, 31.10.1973), engagiert sich zu sozialen Fragen der Studentenschaft, aber auch in der Chile-Solidarität sowie in der Solidarität mit Griechenland (vgl. 4.11.1973) sowie dem Iran (vgl. 17.12.1973).

Der AStA protestiert sowohl gegen den Paper-Erlass (vgl. 23.11.1972, 7.11.1973) als auch im Verein mit der Studentenschaft gegen das Studentenwerksgesetz (StWG) bzw. Studentenschaftsgesetz (vgl. 12.11.1973, 22.11.1973, 28.11.1973), gegen die karteimäßige Erfassung der Studenten (vgl. 12.12.1973) und die Klassenschule (vgl. 17.12.1973).

Unterstützt wird vom AStA auch die Hausbesetzung im Erich-Dobhardt-Haus (vgl. 22.11.1973, 5.12.1973), abgelehnt werden die politischen Überprüfungen und Disziplinierungen, die am Berliner Beispiel geschildert werden (vgl. Jan. 1974, 21.1.1974). Dagegen kämpft auch der KSV an der PH Dortmund (vgl. 9.1.1974). Die KPD/ML oder die Rote Hilfe Dortmund verfügt offenbar immer noch über eine PH-Gruppe (vgl. 14.1.1974), aber auch eine DKP-Hochschulgruppe Dortmund tritt nun auf (vgl. 23.1.1974).

Der KSV bleibt an der PH mit einer Zelle präsent (vgl. 24.5.1974, 19.6.1974, 24.7.1974, 12.7.1975), der AStA scheint weiterhin nicht 'gewerkschaftlich orientiert' (vgl. 8.3.1975), dafür aber gewerkschaftlich organisiert zu sein, denn zumindest in der Heilpädagogik trägt die GEW-AG einen großen Sieg davon (vgl. 4.7.1975).

Zwischen den moskautreuen Kräften der DKP und des MSB sowie dem KSV und der KPD kommt es auch an der PH zu scharfen Polemiken u.a. über Berufsverbote (vgl. Feb. 1976, 15.11.1976), wie sie auch gegen PH-Absolventen erfolgen (vgl. Juni 1975).

Als wichtigste Kraft in der Studentenschaft erweisen sich mittlerweile die Jusos der SPD, die Studenten der PH Dortmund solidarisieren sich zwar offenbar mit den K-Gruppen gegen deren Verbot (vgl. 15.11.1977), wählen sie aber meist nicht (vgl. 3.2.1977, Jan. 1979).

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

07.04.1933:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 8.10.1973) berichtet über einen Vorläufer der bundesdeutschen Berufsverbote (BV), das "Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums von 1933. In dem Gesetz heißt es: 'Beamte, die nach ihrer bisherigen politischen Betätigung nicht die Gewähr dafür bieten, daß sie jederzeit rückhaltlos für den nationalen Staat eintreten, können aus dem Dienst entlassen werden. Zu entlassen sind auch Beamte, die sich in Zukunft im marxistischen (kommunistischen oder sozialdemokratischen) Sinne betätigen'."
Quelle: DOS Sdr.Nr. Einführung in das PH-Studium (2. Aufl.),Dortmund o.J. (Okt. 1973),S.49

25.09.1950:
Heute wird, laut AStA der PH Dortmund (vgl. 15.12.1971), durch die Landesregierung NRW folgendes Dokument verfaßt (vgl. 16.10.1950):"
A. INNENMINISTERIUM
II. PERSONALANGELEGENHEITEN

POLITISCHE BETÄTIGUNG VON ANGEHÖRIGEN DES ÖFFENTLICHEN DIENSTES GEGEN DIE DEMOKRATISCHE GRUNDORDNUNG

Beschluß der Landesregierung vom 25.9.1950

In Übereinstimmung mit dem Beschluß der Bundesregierung vom 19.September 1950 beschließt die Landesregierung folgendes:

Beamte und alle übrigen Bediensteten des Landes, der Gemeinden und der Gemeindeverbände verletzen ihre Treuepflicht gegenüber der Bundesrepublik und gegenüber dem Land durch die Unterstützung von Organisationen, die die freiheitliche demokratische Grundordnung untergraben. Zu diesen Organisationen gehören insbesondere:

1. Die Kommunistische Partei Deutschlands mit allen ihren Unterorganisationen.
2. Die Sozialistische Aktion.
3. Die Freie Deutsche Jugend (FDJ).
4. Die Vereinigung der Sowjet-Freunde.
5. Die Gesellschaft zum Studium der Kultur der Sowjetunion.
6. Der Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands.
7. Der Gesamtdeutsche Arbeitskreis für Land und Forstwirtschaft.
8. Das Komitee der Kämpfer für den Frieden.
9. Das Komitee der Jungen Friedenskämpfer.
10. Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN).
11. Die Sozialistische Reichspartei.
12. Die sogenannte 'Schwarze Front' (Otto-Strasser-Bewegung).
13. Die 'Nationale Front' (Dachorganisation).

Als Unterstützung derartiger Organisationen gilt auch die Mitgliedschaft in ihnen. Der Innenminister wird beauftragt, die zur Durchführung dieses Beschlusses erforderliche Maßnahmen in die Wege zu leiten."
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.5,Dortmund 15.12.1971,S.6

16.10.1950:
Heute wird, laut AStA der PH Dortmund (vgl. 15.12.1971), durch den Innenminister NRW folgendes Dokument verfaßt (vgl. 25.9.1950):"
POLITISCHE BETÄTIGUNG VON ANGEHÖRIGEN DES ÖFFENTLICHEN DIENSTES GEGEN DIE DEMOKRATISCHE GRUNDORDNUNG

RUNDERLAß DES INNENMINISTERS VOM 16.10.1950

Die Landesregierung hat in Übereinstimmung mit dem Beschluß der Bundesregierung vom 19.September 1950 festgestellt, daß die in ihrem Beschluß vom 25.September 1950 unter Ziffer 1 bis 13 genannten Vereinigungen und Organisationen deren Aufzählung nicht als erschöpfend anzusehen ist, die freiheitlich demokratische Grundordnung untergraben und zerstören. Infolgedessen ist es mit der den Angehörigen des öffentlchen Dienstes dem Lande gegenüber obliegenden besonderen Treuepflicht unvereinbar, die Tätigkeit dieser Organisationen in irgendeiner Form zu unterstützen. Erwiesen ist, daß die genannten Vereinigungen und Organisationen unter einem meist harmlosen Deckmantel wissenschaftlicher, sozialer und kultureller Aufgaben das Ziel verfolgen, die verfassungsmäßige Ordnung zu zerstören.

Jede Betätigung von Angehörigen des öffentlichen Dienstes innerhalb oder für eine derartige Vereinigung oder Organisation ist daher in Zukunft als aktive Beteiligung an Angriffen gegen die verfassungsmäßige Ordnung anzusehen.

Nicht die Gesinnung des einzelnen, sondern die Betätigung dieser Gesinnung zur Zerstörung der verfassungsmäßigen Ordnung macht die nachfolgenden Maßnahmen zum Schutz des Landes erforderlich.

Daher wird angeordnet:
1. Für Fälle, die VOR der Verkündigung des Beschlusses der Landesregierung vom 25.September und dieses Erlasses liegen:

a.) Bei Beamten haben die Dienstvorgesetzten nach pflichtgemäßem Ermessen zu prüfen, ob die Betätigung des Beamten in der Vergangenheit im oben erwähnten verfassungsfeindlichen Sinne derart war, daß ein Dienstordnungsverfahren mit dem Ziel der Entlassung oder einer anderen Dienstordnungsmaßnahme einzuleiten ist, oder ob eine sonstige Dienstordnungsmaßnahme genügt.

Bei Ruhestandsbeamten ist zu prüfen, ob ein Dienstordnungsverfahren mit dem Ziel der Aberkennung oder der Kürzung des Ruhegehaltes einzuleiten ist.

b.) Bei Beamten auf Widerruf ist entsprechend zu prüfen, ob der Widerruf auszusprechen ist."
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.5,Dortmund 15.12.1971,S.6

01.10.1965:
Die GEW-AG an der PH Dortmund berichtet vom Ausländergesetz (vgl. 28.4.1965):"
Seit dem 1.10.1965 gilt in der BRD und in Westberlin das neue Ausländergesetz. Es löste die bis dahin geltende Ausländerpolizeiverordnung (APVO) vom 22.8.1938 ab. In der allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Durchführung des Ausländergesetzes heißt es: 'Ausländer genießen alle Grudnrechte mit AUSNAHME der Grundrechte der Versammlungsfreiheit (Art. 8, GG), der Vereinsfreiheit (Art. 9, Abs. 1 GG), der Freizügigkeit (Art. 11, GG), der freien Wahl von Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte (Art. 12, Abs. 1 GG), sowie des Schutzes vor Auslieferung an das Ausland (Art. 16, Abs. 2 GG).'

AUSLÄNDER GENIESSEN ALSO ALLE GRUNDRECHTE MIT AUSNAHME FAST ALLER
GRUNDGESETZE!

Soweit die Verwaltungsvorschrift (eine sog. kann-Bestimmung).

In Paragraph 10 hat dieses neue Ausländergesetz dann ein breites Spektrum von Ausweisungsgründen geschaffen: von der 'Gefährdung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung' (FDGO)' über 'die Gefährdung der öffentlichen Sittlichkeit' bis hin zur 'Beeinträchtigung erheblicher Belange der BRD'."
Q: GEW-AG:Politische Disziplinierung in der BRD,o.O. (Dortmund) o.J. (1973),S.1

02.02.1966:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.4.1972) berichtet:"
Im Rahmen der studentischen Selbstverwaltung hat sich die Studentenschaft an der PH Ruhr, Abt. Dortmund mit der Satzung vom 3.2.1966 vier Organe geschaffen, die eine wirksame Interessenvertretung der Studentenschaft ermöglichen sollen.

Die Studentenvollversammlung (SV) ist das OBERSTE Organ aller Studenten, in der JEDER Student Sitz und Stimme hat. Die SV nimmt insbesondere folgende Aufgaben wahr:

a) sie berät die Studentenkonferenz (SK),
b) sie wählt die Mitglieder des Ältestenrates,
c) sie entscheidet über Satzungs- und Wahlordnungsänderungen und
d) sie wählt neuerdings die studentischen Vertreter der Grundwissenschaften in die Fächergruppenversammlung.

SK - Studentenkonferenz

Die Studentenkonferenz (SK) ist das BESCHLUSSFASSENDE Organ der Studentenschaft.

Der SK, die in unmittelbarer, geheimer, gleicher und freier Wahl gewählt wird, gehören 26 stimmberechtigte Mitglieder an.

Zwanzig Mitglieder ziehen über die Listenwahl in die SK ein, während 6 Mitglieder von den Fächergruppen entsandt werden.

Eine beratende Funktion haben AStA-Mitglieder, der Dekan und Ausschußmitglieder (z.B. Kassenprüfungsausschuß).

Zu den bedeutsamsten Aufgaben der SK gehört die Wahl des AStA-Vorsitzenden, seines Stellvertreters, des Finanzreferenten und die Bestätigung des vorgeschlagenen AStA-Referenten. Die SK gibt Empfehlungen für das Semesterprogramm und beschließt über dieses: sie berät und verabschiedet den vom AStA vorgelegten Haushaltsplan; nimmt die Rechenschaftsberichte entgegen und entlastet nach Anhören des Haushaltsausschusses den scheidenden AStA.

Die SK tagt GRUNDSÄTZLICH ÖFFENTLICH und kann mit einfacher Mehrheit der ÖFFENTLICHKEIT DAS REDERECHT einräumen."

Später (vgl. 16.10.1972) übernimmt der AStA den obigen Text und ergänzt ihn um einen Passus über den:"
ÄLTESTENRAT

Der Ältestenrat ist das SCHIEDSORGAN der Studentenschaft.

Er besteht aus fünf Mitgliedern, die bereits ein Amt in der studentischen Selbstverwaltung innegehabt haben sollten.

Der Ältestenrat entscheidet in Satzungs- und Wahlordnungsfragen, die strittig sind. Er nimmt Anfechtungen von Wahlen entgegen.

Mitglieder des ÄR sollten das 21.Lebensjahr abgeschlossen haben."
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Sdr.Nr., Sdr.Nr. Einführung in das PH-Studium und Sdr.Nr. Einführung in das PH-Studium (2. Aufl.),Dortmund o.J. (Apr. 1972), o.J. (1972) bzw. o.J. (Okt. 1973),S.3, S.21f bzw. S.24f

21.04.1967:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 5.12.1973) berichtet aus Griechenland (vgl. Apr. 1972) vom heutigen Militärputsch.
Q: DOS Nr.25,Dortmund 5.12.1973,S.10

30.05.1968:
An der PH Ruhr Abteilung Dortmund wird eine studentische Wahlordnung verabschiedet.
Q: DOS Nr.18,Dortmund o.J. (Jan. 1973),S.8

22.01.1969:
Laut einer Sondernummer der 'PH-AStA-Informationen' des AStA der PH Dortmund soll eine Latein-Amerika-Woche in Dortmund beginnen, die bis zum 24.1.1969 dauern soll und offensichtlich im Zusammenhang mit den Filmvorführungen der Bochumer Internationalismusgruppe (vgl. **.**.196*) steht.

Die Zeitung enthält auf ihren 23 Seiten DIN A 4 u.a. eine Chronik zu 'Lateinamerikanische Annalen', einen Aufsatz von Hans Magnus Enzensberger: 'Berliner Gemeinplätze', einen Bericht über: 'Lateinamerika – Revolutionäre Situation', weiter einen Aufsatz von Rene Mayarga: 'Über die Notwendigkeit der revolutionären Gewalt in Amerika', einen Zeitungsartikel aus 'Die Zeit': 'Der Kleinbürger als Baron. Die lateinamerikanische Gesellschaft und das Schreckgespenst Che Guevara' sowie Besprechungen des Filmes 'La hora die los hornos' (Argentinien 1966/67).
Q: PH AStA Informationen Lateinamerika Sondernummer,o.O. (Dortmund) o.J. (1969)

20.03.1969:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 16.10.1972) berichtet:"
Am 20.März 1969 beschloß die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder (KMK) eine Rahmenordnung für die Diplom-Prüfung in Erziehungswissenschaft.

STUDIENGANG

Das erziehungswissenschaftliche Diplom-Studium erstreckt sich nach dieser Rahmenordnung auf acht Semester, in denen der Student Erziehungswissenschaft als Hauptfach belegt. Dazu kommen Psychologie oder Soziologie in der Vordiplomphase (1.-4.Semester) und - gegeneinander ausgewechselt – Soziologie oder Psychologie in der Haupt-Diplom-Phase (5.-8.Semester)."
Q: DOS Sdr.Nr. Einführung in das PH-Studium,Dortmund o.J. (1972),S.12

April 1969:
Erstmals erscheint der 'Revolutionäre Weg' (RW) - Probleme des Marxismus-Leninismus - Theoretisches Organ der KPD/ML (vgl. Juli 1969). Kritisiert wird der 'RW' u.a. auch von den Asten der Uni Frankfurt (vgl. 27.11.1970) und der PH Dortmund (vgl. Jan. 1971).
Q: Revolutionärer Weg Nr.1 und 4,o.O. bzw. Tübingen 1969 bzw. 1973; AStA der PH Ruhr,Abteilung Dortmund:In Sachen gegen Kommunistischer Studentenbund/Marxisten-Leninisten,Dortmund o.J. (1970/1971),S.8f

November 1969:
Die DKP berichtet vermutlich aus dem November über die PH Ruhr:"
BESSERE BILDUNG FÜR LEHRER

Wenn die Schule die 'Schule der Nation' sei und bleiben soll, müsse die Pädagogische Hochschule im Zentrum des Bildungswesens stehen, erklärte der bisherige Direktor der Pädagogischen Hochschule Ruhr, Prof. Dr. Hubert Glaser (40), bei der Amtseinführung des neuen Rektors, Prof. Dr. Rudolf Schridde (42), in Hagen.

Die völlig unterschiedliche Stellung und Organisation der pädagogischen Hochschulen in den einzelnen Bundesländern hat nach Ansicht von Glaser bisher aber verhindert, daß die Pädagogischen Hochschulen den ihnen im Bildungsgefüge zustehenden Platz einnehmen konnten.

An der PH Ruhr mit den Abteilungen in Duisburg, Essen, Dortmund, Hagen und Hamm haben sich im Wintersemester 6 308 Studierende eingeschrieben. Das sind rund 1 000 mehr als im Sommersemester."
Q: Unsere Zeit NRW Nr.35,Essen 27.11.1969,S.19

06.09.1970:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. 22.10.1970) vom 4.9.1970:"
Die Präsidentschaftswahlen ergeben einen 4% Vorsprung für den Kandidaten der Unidad Popular (Volksfront) Salvador Allende."

An anderer Stelle erläutert der AStA:"
Die UP stellt ein relativ heterogenes Bündnis verschiedener linker Gruppierungen dar, der Bewegung der vereinten Volksaktion (MAPU), einer Abspaltung der Christdemokraten; der Aktion Popular Independente (API), der Radikalenpartei und als wichtigster Träger die Sozialistische Partei unter Allende und die Kommunistische Partei Chile's."
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.3 und 7f

Oktober 1970:
An der PH Dortmund finden die Wahlen zur Studentenkonferenz (SK) statt, in deren Folge W. Buß vom RCDS der CDU zum stellvertretenden Studentensprecher im Fach Wirtschafslehre gewählt wird.
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.3,Dortmund 1.12.1971,S.3

November 1970:
Laut dem AStA der PH Ruhr, Abteilung Dortmund, konstituiert sich vermutlich im November an der Pädagogischen Hochschule in Dortmund die Rote Zelle Pädagogik (Rotzpäd - vgl. Jan. 1971).
Q: AStA der PH Ruhr,Abteilung Dortmund:In Sachen gegen Kommunistischer Studentenbund/Marxisten-Leninisten,Dortmund o.J. (1970/1971),S.1

27.11.1970:
Der AStA der Uni Frankfurt gibt den 'Diskus' Nr.3 (vgl. **.**.1970, **.**.197*) heraus.
Enthalten ist u.a. ein Artikel gegen die ML-Gruppen, der auch vom AStA der PH Dortmund überarbeitet und nachgedruckt wird (vgl. Jan. 1971).
Q: AStA der PH Ruhr,Abteilung Dortmund:In Sachen gegen Kommunistischer Studentenbund/Marxisten-Leninisten,Dortmund o.J. (1970/1971); KSB/ML Dortmund:Zur Polemik des AStA,o.O. (Dortmund) o.J. (1971)

Dezember 1970:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 31.10.1973) berichtet über Rahmenlehrpläne (RLP - vgl. 1971):"
Zur Einrichtung der Gesamtschulen in NRW wurde im Dezember 1970 bis zum März 1972 von der Forschungsgruppe zur wissenschaftlichen Begleitung des Gesamtschulversuchs NRW der RLP für das 5. und 6.Schuljahr und dessen Ergänzung für das 7.-10. Schuljahr (in Anlehnung an die hessischen Rahmenrichtlinien (RRL,d.Vf.)) erarbeitet."
Q: DOS Nr.23,Dortmund 31.10.1973,S.4

17.12.1970:
An der Pädagogischen Hochschule (PH) in Dortmund wird vermutlich heute ein "Aufruf zur antifaschistischen Demonstration - Nieder mit dem Franco-Faschismus! Nieder mit den Sozialfaschisten" verteilt. Das Flugblatt ruft dazu auf, am 19. 12. 1970 in Bochum unter den Parolen:
- Vorwärts im Kampf gegen den Faschismus!
- Vorwärts im Kampf gegen den Sozialfaschismus!
- Stärkt die Einheit der deutschen und spanischen Arbeiterklasse!
- Proletarier aller Länder und unterdrückter Väölker vereinigt euch!
zu demonstrieren.
Der Aufruf ist unterzeichnet von KPD/ML-ZK, Rote Garde (RG), Rote Betriebsgruppen (RBG) der KPD/ML-ZK und dem KSB/ML Gründungskomitee Dortmund.
Q: KPD/ML-ZK, RG, RBG, KSB/ML:Aufruf zur antifaschistischen Demonstration - Nieder mit dem Franco-Faschismus,Dortmund o.J. (1970)

Januar 1971:
Vermutlich konstituiert sich spätestens im Januar an der Abteilung Dortmund der PH Ruhr der KSB/ML der KPD/ML-ZK (vgl. Nov. 1970, 25.1.1971). Der AStA der Abteilung Dortmund gibt aus diesem Anlaß, vermutlich noch im Januar, eine Broschüre mit 12 Seiten DIN A 5 sowie einem Hochglanzeinband unter Verantwortung von Peter Wahl und Heribert Baumann heraus, die sich wesentlich auf Frankfurter Vorlagen stützt:"
IN SACHEN GEGEN KOMMUNISTISCHER STUDENTENBUND/MAXRISTEN-LENINISTEN

1. Rote Zelle Pädagogik

Seit November 1970 hat die PH Ruhr, Abteilung Dortmund, nun auch ihre Revolution; eine seltsame Revolution unter seltsamen Stalinisten. Angefangen hat es mit der Gründung einer Roten Zelle Pädagogik. Harter Kern der Roten Zelle war eine Studentengruppe, die sich durch marxistische Studien das Wissen aneignen wollte, das nach eigenen Angaben notwendig ist, um auch ihren Teil zur Revolutionierung der Gesellschaft beizutragen - wer hätte das gedacht. Eine kluge Erkenntnis, denn wer wird schon einen Säugling ins Feuer schicken?

Doch das änderte sich schnell. Unter der theoretischen und praktischen Führung der Bochumer stalinistischen Altfunktionäre Dillmann, Henrichs und Lehrke, die seit dem WS 1970/1971 an der PH immatrikuliert sind, ('Nach 16 -20 Semester Bochumer Revolution, wollen wir hier jetzt schnell ein Examen ablegen', Henrichs) ging die Rote Zelle umgehend in den Kommunistischen Studentenbund/Marxisten-Leninisten (KSB/ML) auf.

2. KSB/ML - Karikatur des Marxismus-Leninismus

Daß auf dem politischen Hintergrund, der die Nachkriegsentwicklung in der BRD kennzeichnet, bei einzelnen Trümmern der antiautoritären Protestbewegung dogmatisch-sektiererische Tendenzen auf fruchtbaren Boden fielen, besonders in den Reihen der Roten Zellen und der Evangelischen Studentengruppe (Evangelische Studentengemeinde - ESG,d.Vf.), wird nicht verwundern, wenn man sich den klassenmäßigen Charakter dieser von Studenten und Schülern getragenen Bewegung vergegenwärtigt. Die Aporien der antiautoritären Ideologie und Praxis allenfalls unbewußt ahnend, nicht aber rationale begreifend, war man im Lager der Roten Zelle und der ESG sehr schnell bereit, es einmal mit anderen Methoden zu versuchen. Nach dem Motto 'le marxisme-leninisme, c'est moi!' präsentieren sich der heutigen Studentenschaft diverse Sekten wie:

KPD/ML Rote Garde (RG der KPD/ML-ZK,d.Vf.), KPD/ML KJVD (KJVD der KPD/ML-ZB, d.Vf.), KPD/AO, Kommunistischer Arbeiterbund KAB/ML-RJ/ML-Rote Linie, KAB/ML-RJ/ML-Schwarze Linie (Rote und Schwarze Linie wird unseres Wissens sonst lediglich als Bezeichnung für die KPD/ML-ZB bzw. KPD/ML-ZK, nicht aber für den KAB/ML verwandt,d.Vf.); dazu kommen noch ein Dutzend regional begrenzter Gruppen wie an der Dortmunder PH der KSB/ML (tatsächlich ist der KSB/ML durchaus überregional tätig,d.Vf.), die sich zum Teil auf das heftigste bekämpfen, obwohl die tatsächlichen Unterschiede nur in Nuancen bestehen. Die prinzipielle Identität in Theorie und Praxis läßt es deshalb als gerechtfertigt erscheinen, sie gewissermaßen 'über einen Kamm zu scheren', obwohl das schwächste Glied der KSB/ML, eine Karikatur des Marxismus-Leninismus und zwar eine recht komische ist.

Beginnt man eine Phänomenologie des Sektierertums, bei einem weniger wichtigen Aspekt, wie etwa dem Selbstverständnis des KSB/ML, so fällt einem als erstes die grenzenlose Selbstüberschätzung ins Auge. ('Der KSB/ML ist die Studentenmassenorganisation…') Bar jeglicher realistischen Selbsteinschätzung wird in den Verlautbarungen des KSB/ML permanent die jeweils eigene Organisation zur führenden Kraft der Arbeiterbewegung hochstilisiert.

('Es gibt nur eine revolutionäre Partei des Proletariats, die KPD/ML', KSB/ML) ('Die Kommunisten sind keine besondere Partei gegenüber den anderen Arbeiterparteien', Marx, Kommunistisches Manifest)

3. Selbstverständnis

Man findet kaum eine Ausgabe einer ML-Zeitung, oder eines KSB/ML-Flugblattes, in dem nicht größenwahnsinnigste Erfolgsmeldungen von 'kühnen Massenaktionen', von schweren Kämpfen, in denen dem Feind 'empfindliche Schläge' versetzt wurden, die Rede ist. Gewiß ist die Politik immer mit einem mehr oder minder großen Maß an Zweckoptimismus verbunden, wenn man aber behauptet: 'Überall im Bundesgebiet und Westberlin traten zum diesjährigen 1.Mai die KPD/ML und ihre Jugendorganisation, die Rote Garde, mit kraftvollen Demonstrationen, denen Zehntausende folgten, in Erscheinung' ('Roter Morgen' Nr.6, Juni 1970), so ist das bereits akute Paranoia. Der praktisch natürlich in keiner Weise einlösbare Anspruch auf die alleinige Führung impliziert die Diffamierung aller anderen Fraktionen der Linken als konterrevolutionär, bürgerlich, sozialfaschistisch etc. etc. Da offenbar alle realen Anhaltspunkte, die das dargestellte Selbstverständnis rechtfertigen könnten, fehlen, ist die ständige Wiederholung, daß nichts weißer wäscht als die 'ML-Organisation' KSB, nur als Versuch zu verstehen, eine Identitätsfindung durch Autosuggestion bewerkstelligen zu wollen. Bei Studenten mit schwach ausgebautem Realitätssinn, insbesondere bei ESG-Mitgliedern und Jüngeren ohne politische Erfahrung, anscheinend ein probates Mittel, um die 'korrekte Linie' zu festigen.

4. Die ideologischen Grundfehler

Die Basis auf der der KSB/ML seine Existenz überhaupt zu legitimieren versucht, ist sein sogenannter 'Antirevisionismus'. Unter dieser Flagge, unter der bereits Cohn-Bendit segelte, läuft eine Ideologie, die wesentlich in der Negation der Politik besteht, wie sie von der UdSSR (SU,d.Vf.), deren Verbündeten und den kommunistischen Parteien in den kapitalistischen Ländern verfolgt wird. Die Kritik des 'Antirevisionismus' läßt sich hauptsächlich an folgenden neuralgischen Punkten festmachen:

A) Einschätzung des sozialen Systems in der UdSSR ('Restauration des Kapitalismus', 'sowjetischer Faschismus')

B) Koexistenzpolitik der UdSSR ('Kollaboration mit dem US-Imperialismus')

C) Die Politik der UdSSR gegenüber den sozialistischen Staaten, Entwicklungsländern und den nationalen Befreiungsbewegungen ('Sozialfaschismus')

Auffallend ist zunächst, daß im Gegensatz zu anderen viel diskutierten Themen innerhalb der 'Neuen Linken' (z.B. Emanzipationsdebatte, Strategiedebatte, Organisationsdebatte, Stalinismusdebatte, Klassenanalyse) und dem, was darauf folgte, die 'Revisionismusfrage' bisher noch nicht angegangen wurde. Der KSB/ML hat davon überhaupt noch nichts diskutiert. Gleichwohl sind sich in einem stillen Einvernehmen alle ML-Fraktionen über diesen Punkt weitgehend einig, ohne jedoch eine entsprechende Analyse und Diskussion in Gang gebracht zu haben. Das sollte Verdacht erregen, gibt doch sogar die KPD/ML-Rote Garde in einem Vorwort zu dem unlängst erschienenen Raubdruck von 'Imperialismus heute' (DDR, Dietz-Verlag) offen zu, daß eine Kritik des 'modernen Revisionismus' noch zu leisten sei (selbstverständlich ist das nur unter der Führung der KPD/ML möglich).

In den Veröffentlichungen der ML-Gruppen ist dann auch nie eine systematische und zusammenhängende Darlegung über 'Revisionismuskritik' zu finden, schon gar nicht beim KSB/ML, der nicht einmal weiß, was 'Antirevisionismus' ist (Frage eines Kommillitonen an die KSB-Genossin Pawlak, PH, anläßlich der FG-Wahlen in Englisch: 'Wie wirst Du den antirevisionistischen Kampf im Fach Englisch führen?' Antwort: 'Ich werde alles Revisionistische im Fach Englisch abschaffen.') Die trotzdem immer wieder massiv auftretenden Vorwürfe gegen die gesellschaftlichen Verhältnisse in der UdSSR sind ein eklektizistisches Konglomerat aus bürgerlicher Konvergenztheorie, Fetzen aus der Bürokratisierungstheorie Trotzkis aus Stalins Zeiten und vulgärmarxistisch getarnten anarchistischen Argumentationen bis hin zu eindeutig antikommunistischen Vorurteilen. Begriffe wie 'Kapitalismus', 'Neue Großbourgeoisie', 'Sozialimperialismus' etc. werden aus dem theoretischen Kontext, in dem sie allein sinnvoll sind, nämlich der politischen Ökonomie herausgenommen und willkürlich als pejorative Etikettierungen für unbegriffene Sachverhalte benutzt. Es werden einfach x-beliebige Sachen und Themen aneinandergereiht, ohne deren logischen Status, ihre Stellung im theoretischen Rahmen einer materialistischen Theorie anzugehen ('…der Praxis von Marx, Engels, Lenin, Stalin und Mao Tse-tung…', 'Staatsbürokratie, Imperialismus, Faschismus, Revisionismus, Opportunismus, Karrierismus… etc.' KSB/ML)

Aus diesem methodologischem Sumpf kann folglich nur Dreck geschleudert werden. Ein zusammenhängendes Bild der UdSSR, das sich auf Fakten und nicht auf feuilletonistisches Geplauder von Neckermann-Reisenden stützt, gibt es nicht; Primärliteratur aus der UdSSR ist kaum bekannt; zitiert wird aus dritter und vierter Hand, wobei Hauptquellen Propaganda-Blättchen chinesischen Ursprungs, 'Volkswirt' und allenfalls noch ein wenig Baran/Sweezy und Che Guevara sind. Vermutungen, unbewiesene Behauptungen, mitunter offene Lügen sind Grundlage eines von keiner Sachkenntnis getrübten Bildes der UdSSR. Von wissenschaftlichem Sozialismus keine Spur. Und trotzdem tönt der KSB/ML immer noch: 'Es gibt nur einen kommunistischen Weg, nämlich den Weg auf der Grundlage des wissenschaftlichen Sozialismus,…'

Bei der Beurteilung der sowjetischen Globalstrategie werden zur Begründung der Vorwürfe hin und wieder Fakten angeführt, die den 'Verrat' der UdSSR an der Weltrevolution beweisen sollen (Standardbeispiele sind u.a.: Waffenlieferungen an den Iran, friedliche Lösung des Nahostkonflikts, Atomwaffensperrvertrag, deutsch-sowjetischer Vertrag u.a. mehr).

Abgesehen davon, daß andere Fakten unterschlagen werden (Unterstützung von Vietnam, Kuba, Frelimo (Mosambik,d.Vf.), Al Fatah (Palästina,d.Vf.) etc.) und eindeutige Stellungnahmen der Betroffenen, etwa Ho Chi Minh, Cabral, Castro, nicht zur Kenntnis genommen werden, zeigt sich an der darauf aufbauenden Argumentation das bestimmende Strukturmerkmal linkssektiererischen Denkens, auf das Lenin bereits in seiner Schrift über den Linksradikalismus, bezüglich der Einschätzung der Arbeit in bürgerlichen Parlamenten, hinwies. Lukacs formuliert es folgendermaßen: 'Für das Sektierertum ist gerade die - man könnte sagen prinzipielle - Ausschaltung aller Vermittlungskategorien bezeichnend. Die Verwirklichung der allgemeinen, der letzten Prinzipien ist für das Sektierertum nicht das Ergebnis einer gesellschaftlich-geschichtlichen Entwicklung, in welcher ununterbrochen Formwandlungen, Funktionswechsel vor sich gehen, in welchen ständig neue Vermittlungen entstehen und die alten ihre Gültigkeit verlieren, mehr oder weniger wesentliche Modifikationen erleiden usw. Das Sektierertum verknüpft - überall und immer die letzten - und darum notwendig abstrakten - Prinzipien der Bewegung unmittelbar mit den einzelnen Aktionen, will diese aus jenen unmittelbar 'ableiten'. Indem zwischen Prinzip, Strategie und Taktik alle dialektischen Vermittlungen ausgeschaltet werden, entstehen hohle und abstrakte Deduktionen, höchstens, wenn doch an die Wirklichkeit erinnert wird, bloße Analogieschlüsse.' (Georg Lukacs, Marxismus und Stalinismus, Reinbek b. Hamburg, S.196/197)

Die Kritik an den kommunistischen Parteien beruht ebenfalls, wenn nicht auf Ignoranz, weitgehend auf diesem methodischen Grundfehler: zwischen Theorie und Praxis wird ein simpler mechanischer Zusammenhang konstruiert, der den komplizierten, in sich widersprüchlichen Vermittlungsprozeß vernachlässigt.

Im Licht dieser Tatsachen fällt der gesamte bombastische 'Antirevisionismus' zusammen.

5. Revolutionäre Phrase als Theorieersatz

An die Stelle fehlender Theorie tritt ersatzweise die revolutionäre Phrase. An die Stelle revolutionärer Inhalte tritt ein Jargon, dessen verdinglichte Begriffsklötze zu einem Popanz aufgetürmt werden, der sich in beliebiger Zahl immer wieder für die gleichen monotonen Artikel reproduzieren läßt. Die gesamte ML-Literatur, insbesondere die Flugblätter des KSB/ML haben den großen Vorteil, daß man nur jeweils die Überschriften zu lesen braucht, der Rest wird die Überschrift nur mit verschiedenen Formlen gebetsmühlenartig variieren. Wenn man seinem Gegner aber immer nur Bannflüche entgegenschleudert, ihn nur mit negativen Attributen belegt, ohne dies zu begründen, ('…Mauschelpolitiker Schaumann und dann der Karrierepolitiker Baumann…') dokumentiert man eindringlich die eigene Unfähigkeit zu einer stringenten Beweisführung. Marx kennzeichnet die undifferenzierte, 'grobianische' Sprache treffend, wenn er schreibt: 'Platt, großprahlend, bramabasierend, thrasonisch, prätentiös - derb im Angriff, gegen fremde Derbheit hysterisch empfindsam, das Schwert mit ungeheurer Kraftvergeudung schwingend und weit ausholend, um es flach niederfallen zu lassen; nur um die Sache bekümmert, stets an der Sache vorbeistreifend,… plebejische Form für spießbürgerlichen Inhalt; ringend mit der Schriftsprache, um ihr einen sozusagen rein körperlichen Charakter zu geben;… ebenso in dogmatische bornierte Begriffe festgebannt, als allem Begreifen gegenüber appellierend an eine kleinliche Praxis; tobend gegen die Reaktion, reagierend gegen den Fortschritt; in der Unfähigkeit, den Gegner lächerlich zu schildern, ihn lächerlich scheltend durch eine ganze Stufenleiter von Tönen hindurch.' (Karl Marx, Die moralisierende Kritik und die kritisierende Moral, MEW Bd. 4, S.331/332)

Sprache und Denken stehen in einem wechselseitigen Konstitutionszusammenhang, Sprachkritik ist also Ideologiekritik, die Sprache des KSB-Sektierertums reflektiert dessen Bewußtsein.

6. Traditionalismus

Wenn das Selbstbewußtsein der studentischen Protestbewegung sich vergleichsweise historisch voraussetzungslos begriff, kaum Geschichtsbewußtsein besaß, so entsteht doch langsam die Einsicht, daß die Studentenrevolte keineswegs etwas so grundsätzlich Neues war, wie die 'Neue Linke' damals glaubte. Nachdem man einmal angefangen hatte, die Geschichte von Emanzipationsbewegungen im Allgemeinen und die der Arbeiterbewegung im Besonderen aufzuarbeiten, stellte man fest, daß man offensichtlich in einer historischen Kontinuität steht, daß wesentliche Momente von Theorie und Praxis der Antiautoritären schon immer Bestandteil bestimmter Fraktionen der Linken waren (z.B. GEW-Hochschulgruppe, SHB). Führen diese Einsichten dazu, daß man die historischen Erfahrungen kritisch verarbeitet, so kann sich ein gewisses Traditionsbewußtsein nur positiv auswirken. Es ginge auch noch an, daß Bezeichnungen für Organisationen, Zeitungen etc. aus der Arbeiterbewegung der zwanziger Jahre übernommen werden (die KPD/ML-KJVD tut dies sehr ausgeprägt). Es ist allerdings ein trauriger Fall von Dogmatismus, wenn Genossen des KSB/ML Stalins Sozialfaschismustheorie bis in Details der Sprachprodukte hinein aufgreifen, um dann die SPD des Jahres 1971 zum Hauptfeind zu deklarieren und großspurig eine 'Entlarvungskampagne gegen die Sozialfaschisten im AStA und der SPD' im Foyer der PH anzukurbeln. Um Stalins Thesen, bereits Ende der zwanziger Jahre sowohl theoretisch falsch als auch praktisch von katastrophalen Folgen, heute unvermittelt zur zentralen Frage der Praxis zu machen, bedarf eines tumben Gemüts, dem Grundkategorien der marxistisch-leninistischen Theorie fremd sein müssen.

Ein ähnlich unkritisches Verhältnis zu bestimmten, wenig ruhmreichen Erscheinungen in der Geschichte der Arbeiterbewegung als auch ein Indiz für eine fundamentale methodologische Schwäche zeigt sich in der scholastischen 'Zitatologie'. Nicht die konkrete Analyse der konkreten Situation mit den Prinzipien des Marxismus-Leninismus, sondern interpretatorische Klimmzüge an den Texten der Klassiker werden zur Ausgangsbasis von Theorie und Praxis, Theorie wird zu Exegese, MEW zur Rezeptsammlung für pseudorevolutionäre Garköche. Man nehmen: drei Leninzitate, dann die doppelte Portion Mao Tse-tungideen, würze dies mit ein paar Stalinworten; zur Verfeinerung kann man auch ein Marxzitat hinzugeben, kräftig umrühren, fertig ist ein theoretisches Organ a la 'Revolutionärer Weg' (RW,d.Vf.). So besteht die 'Revisionismuskritik' der Nr.1 des 'Revolutionären Weges' (vgl. Apr. 1969,d.Vf.) zum Beispiel aus 95% Zitaten. Man begibt sich damit nicht auf den revolutionären Weg, sondern allenfalls auf die schiefe Bahn der Metaphysik.

7. Wirkung

Versucht man die Wirkung des KSB/ML einzuschätzen, so läßt sich bisher feststellen, daß vor allem Studenten aus APO-Resten als Sympathisanten und Mitglieder ansprechbar sind. Erwachsene Arbeiter konnten die Parolen vom Volkskrieg und die in der aktuellen Situation falsche Forderung nach der Diktatur des Proletariats nicht hinterm Ofen hervorlocken. ('Die KPD/ML ist die Vorhut der Arbeiterklasse', KSB/ML) Wenn die jüngsten Streiks auf das Konto von organisierten Arbeitern gehen sollten, dann auf das von DKP und linken SPD-Betriebsräten. Dort wo ML-Gruppen nachträglich die Führung usurpieren wollten, konnten diese Betriebsräte die Superlinken manchmal nur im letzten Moment vor Prügel retten (Sommer 1970 bei Opel in Bochum). Das mag als Indiz dafür gelten, mit welch seltenem Geschick es den Linkssektierern gelingt, die von ihnen so oft strapazierte Massenlinie zu verfehlen. Stellenweise gefährlich für kommunistische Politik kann der KSB/ML allerdings dann werden, wenn sein vulgärer 'Antirevisionismus', seine irrationale antisowjetische Haltung das Haupthindernis für revolutionäre Politik, den seit Goebbels sogar in der Arbeiterschaft verwurzelten Antikommunismus, nicht abbaut, sondern verstärkt. Es kommt einer Kamikaze-Taktik gleich, wenn man z.B. anläßlich der Moskauer Verträge davon spricht, daß 'die neue Bourgeoisie in Moskau und Pankow wie wahnwitzig die Interessen des Proletariats verraten.' Wem nützt es, wenn antikommunistische Ressentiments mit dem Hinweis, mit 'Ulbricht und Konsorten' habe man nichts zu tun, ausgenützt und nicht abgebaut werden?

8. Innerorganisatorische Praxis

Im unmittelbaren Zusammenhang mit der Unfähigkeit, kommunistische Praxis nach außen zu entfalten, stehen die Gepflogenheiten des 'Parteilebens'. Hervorstehendes Merkmal ist die allgemein verbreitete Freude an der Jagd auf 'innere Feinde'. So gibt es nirgendwo so viele 'Trotzkisten, Erzrenegaten und versteckte Kollaborateure' wie gerade in den Reihen der ML-Gruppen. Die Verschwörer- und Agententheorien und in deren Gefolge Ausschlüsse und Spaltungen gehören zum täglichen Brot, ja oft werden sie zur Hauptbeschäftigung (der Genosse Manfred Krüger wurde vom KSB/ML der PH wegen 'trotzkistischer Umtriebe' ausgeschlossen).

Die schönste Blüte trieb unlängst der Verfolgungswahn in der KPD/ML-KJVD, als sie den Häuptling einer Fraktion (Gerd Flatow,d.Vf.) wegen 'Wirtschaftsspionage an der Volksrepublik China' aus der Partei hinaussäuberte, nachdem sie ihm selbstverständlich vorher 'wuchtige Schläge' versetzt hatte.

Die Ursachen für solche Praktiken liegen auf der Hand. Die permanente Frustration durch Mißerfolge und angespanntes Betriebsklima veranlassen dazu, die Schuld an Fehlschlägen auf Sündenböcke zu projizieren, die nicht hundertprozentig angepaßt sind; politisch rationalisiert als Kampf gegen Opportunismus und Abweichungen enthebt dieses Verfahren die Gruppe der Aufgabe, die Ursachen möglicherweise im eigenen ideologischen Konzept zu suchen. Hinzu kommt, daß durch Anpassungsdruck an das Normensystem und die Phraseologie gerade Karrieristen sehr schnell an höhere Pöstchen kommen, die diese dann zur Austragung persönlicher Rivalitäten ausnutzen, was z.B. ganz offensichtlich bei der Spaltung der KPD/ML in Hamburger und Bochumer Linie der Fall war. Als hervorragendes Beispiel für solchen Mißbrauch von Führungspositionen sei hier der Beschluß eines 'Frankfurter Führungsgremiums' genannt, der vorsah, die Mädchen in der betreffenden Organisation allein den Aktivisten zum Nießbrauch zu überlassen, da aufgrund der besonderen politischen Aufgaben von Aktivisten diese keine Zeit für Brautschau außerhalb der Organisation hätten. 'Trotzkistische Spalterelemente' behaupten jedoch, daß ein Häuptling durch diese Maßnahme seine sexuellen Probleme zu lösen gedachte.

Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß ein erheblicher Teil der innerorganisatorischen Aktivitäten eindeutig den Charakter von Ersatzhandlungen trägt, nichts weiter als Geschäftshuberei in politisch völlig bedeutungslosen Komitees, auf Konferenzen in den Funktionen eines phantomgleichen Apparates, dessen Funktionieren zum Selbstzweck gemacht wird, da er sonst zu nichts nütze ist. Politische Diskussionen finden kaum statt, gegen Kommunikation mit anderen Gruppen dichtet die Sektiererpsyche sich ab.

Die Inszenierung der Revolutionsgroteske 'Kampf zweier Linien mit ständig wechselnden Darstellern, gewichtig tuenden Mauscheleien hinter den Kulissen, genauso aufgeführt wie Klein-Fritzchen sie sich vorstellt; löst vielleicht individualpsychologischeSchwierigkeiten einzelner Funktionäre, paralysiert aber umso mehr politische Energien von ernsthaften Gruppen, die gutgläubig Veränderungen erwarten. Wenn aber demokratischer Zentralismus und Organisationsdisziplin nicht inhaltlich bezogen werden auf die tatsächliche politische Situation, sondern zu einem abstrakten Regelsystem erstarren, das nicht mehr vermittelt ist mit den realisierbaren politischen Inhalten, dann bestehen nur sehr schwache Chancen, daß politische Energien sich entfalten können. Dagegen gedeihen beim KSB/ML in dem letzlich entpolitisierten Klima von ritualisierter Selbstkritik, pseudorevolutionärer Askese und Disziplin, die sich politischen Inhalten gegenüber verselbständigt haben, umso besser Irrationalismus (so etwa, wenn vor Veranstaltungen Kampflieder gesungen werden müssen, um revolutionäre Begeisterung und Arbeitseifer zu entfachen), Personenkult (um Mao und Stalin), Proletkult, Theorienfeindlichkeit und dergleichen Kinderkrankheiten mehr.

'Studiert die Marxengelsideen und wendet sie kühn, allseitig und schöpferisch an!' (KSB/ML)

Die Diagnose ist eindeutig: Linksradikalismus als höchstes Stadium des Antikommunismus. Die Therapie? Der Patient lese für den Anfang täglich nach jeder Mahlzeit eine Stunde lang in den Werken von Marx, Engels und Lenin, was die Papiertigernatur des Linksradikalismus des KSB/ML als solche entlarven wird. Für Unheilbare, die den KSB/ML wählen, ist der politische Exitus unabwendbar.

Entnommen und überarbeitet aus 'Diskus', Nr.3, Jahrgang 20, 27.11.1970"
Q: AStA der PH Ruhr,Abteilung Dortmund:In Sachen gegen Kommunistischer Studentenbund/Marxisten-Leninisten,Dortmund o.J. (1970/1971); KSB/ML Dortmund:Zur Polemik des AStA,o.O. (Dortmund) o.J. (1971),S.1

13.01.1971:
Der AStA der PH Dortmund berichtet am 7.2.1972 über den Aktionskreis Kritischer Kindergarten (AKK) Dortmund und dessen Zusammenarbeit mit der PH:"
Die Zusammenarbeit drückte sich nicht zuletzt in dem einstimmigen Beschluß der Abteilungskonferenz vom 13.1.1971 aus, dem AKK die Räume der Ostdeutschen Forschungsstelle im ehemaligen Rektoratsgebäude zur Verfügung zu stellen.

Die Ausführung dieses Beschlusses scheiterte bisher an der allgemeinen Raumnot der PH."
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.9,Dortmund o.J. (1972),S.6

25.01.1971:
Vermutlich in dieser Woche erscheint das Flugblatt des KSB/ML der KPD/ML-ZK an der PH Dortmund "Zur Polemik des AStA". Es enthält eine Antwort auf die Broschüre des AStA der PH Dortmund "In Sachen gegen Kommunistischen Studentenbund Marxisten-Leninisten", die uns leider noch nicht vorlag. Danach ist der AStA unfähig, "auf die Kritik des KSB/ML-Abteilungskollektivs zu antworten".
Weiter meint man:"
Das Machwerk wurde massenhaft unter den Studenten verteilt, um einer befürchteten Wahlkampfschlappe der Hensels und Baumanns vorzubeugen. Offensichtlich können diese Gremienpolitiker ihr AStA-Königreich nur vor den Studenten sichern, indem sie solche üblen Machwerke und Lügentiraden über die Studenten ausgießen. Der KSB/ML ist der Meinung, daß man die Studenten nicht belügen darf, und druckt deshalb den Originalartikel ab, aus dem Heribert Baumann 'seine Analyse' zusammengeklaut hat. Der Artikel, eine allgemeine Polemik gegen antirevisionistische Gruppen, erschien Mitte November 1970 in Frankfurt, in dem SHB und Spartakus-nahen (MSB Spartakus der DKP,d.Vf.) 'Diskus' Nr.3 (vgl. 27.11.1970,d.Vf.). Seine pauschale Argumentation kritisiert alles Mögliche, nur nicht den KSB/ML: Das Konglomerat antirevisionistischer Gruppen wird nicht analysiert, die KPD/ML inhaltlich nicht kritisiert. Das schwachsinnige Baumann-Plagiat entlarvt sich endgültig, wenn man darauf hinweist, daß es den KSB/ML-Dortmund erst seit zwei Monaten nach Erscheinen dieses Artikels gibt".
Aufgerufen wird auch dazu, zu einem Teach-in des KSB/ML am 1.2.1971 im Foyer der PH zu erscheinen.
Q: KSB/ML Dortmund:Zur Polemik des AStA,o.O. (Dortmund) o.J. (Jan. 1971)

01.02.1971:
Spätestens heute erscheint ein weiteres Flugblatt des KSB/ML Dortmund der KPD/ML-ZK zur Auseinandersetzung mit dem AStA der PH (vgl. 25.1.1971), "Kommt alle zum Teach-in über die AStA-Drucksache: in Sachen gegen KSB/ML", welches heute im Foyer der PH stattfinden soll. Ausgeführt wird noch einmal:"
Die 'Überarbeitung' des 'discus'-Geferkels seitens des 'Marxisten-Leninisten' und 'Altstalinisten' Baumann (Ich war Mitglied und bin jetzt Sympathisant der KPD/ML in Frankfurt) enthielt denn auch nichts als ein paar Lügen und Unterstellungen sowie die freundliche Tatsache, daß an Stellen, wo der 'discus' verschiedene ML-Gruppen benennt, häufig schlicht KSB/ML steht. So einfach war das für den Baumann-AStA: Eins, zwei, drei, fertig war das Ei. Zu diesem Werk, das nicht ihr 'eigenes' ist, werden sie sich jetzt äußern müssen. Angesichts so kostspieligen Aufwands (wieviel mag den Baumann-Klüngel sein Feind KSB/ML wohl gekostet haben?) stellen wir an den AStA Baumann-Hensel die Forderung: Spuckt aus, was ihr von uns zu sagen habt! Sagt es uns vor allen Studenten! Nicht nur Pamphlete verteilen, sondern auch öffentlich vertreten".
Q: KSB/ML Dortmund:Kommt alle zum Teach-in über die AStA-Drucksache: In Sachen gegen KSB/ML,o.O. (Dortmund) o.J. (1971)

01.03.1971:
Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Dortmund gegen Klaus Dillmann (vgl. 12.3.1971) kommt es von heute bis zum 6.4.1971 in Dortmund "vorwiegend in der Innenstadt zu Demonstrationen und Aktionen aus Anlaß der Fahrpreiserhöhungen der Stadtwerke Dortmund, die mit Ausnahme der Sonntage fast täglich zu mehrstündigen gezielten Blockierungen des Straßenbahnverkehrs und teilweise auch des Omnibusverkehrs geführt haben. Eine besonders aktive Rolle hat dabei die KPD/ML (KPD/ML-ZK,d.Vf.) gespielt. Ihre Mitglieder und Anhänger haben sich fast ständig und in besonders auffälliger Weise, u.a. durch Mitführen von Transparenten und roten Fahnen sowie unter Benutzung von Megaphonen, an den Aktionen und insbesondere auch an den Blockierungen der öffentlichen Verkehrsmittel beteiligt. Die Polizei ist gegen die Blockierung vom ersten Tag an eingeschritten, um den Insassen der blockierten Fahrzeuge die Weiterfahrt zu ermöglichen und die Personalien der Täter festzustellen. Dabei und bei anderer Gelegenheit sind täglich bis zu 70 und insgesamt annähernd 500 Personen vorläufig festgenommen und nach Feststellung ihrer Personalien, Fertigung eines Lichtbildes zu Beweissicherungszwecken und ggf. Anhörung zur Sache wieder entlassen worden … Der bislang unbestrafte und zur Tatzeit 31 Jahre alte Angeschuldigte, der an der Pädagogischen Hochschule (PH,d.Vf.) Dortmund studiert, hat sich nach den Beobachtungen der Polizei fast regelmäßig und als Rädelsführer der KPD/ML-Gruppe an den Demonstrationen und insbesondere auch an den Blockierungen des Straßenbahnverkehrs in der Innenstadt beteiligt. Allerdings ist es der Polizei nur zum Teil gelungen, die Beweise zu sichern und des Angeschuldigten habhaft zu werden, weil es sich um ein weitgehend turbulentes Geschehen gehandelt hat und der Angeschuldigte es - wie allgemein die Rädelsführer - verstanden hat, sich durch rechtzeitige Flucht von den Schienen dem Zugriff der herannahenden Polizei zu entziehen".
Q: Staatsanwaltschaft Dortmund:Anklageschrift gegen Klaus Peter Dillmann,Dortmund 2.6.1971,S.4f

03.03.1971:
Laut dem Dortmunder 14. Kommissariat "versammeln sich vor der Reinoldikirche in Dortmund etwa 70 Personen, die Transparente und Plakate mitführten, die sich gegen die Fahrpreiserhöhungen richteten."

Laut 'Westfälischer Rundschau' haben sich auch die SDAJ der DKP, die Schülermitverantwortung (SMV) und der AStA der Pädagogischen Hochschule (PH) "in die Auseinandersetzungen eingeschaltet. Die Roten Garden (RG der KPD/ML-ZK) zogen unter Transparenten der kommunistischen Ahnherren von Marx bis Mao auf die Straße. Ein DKP-Mitglied: 'Die nutzen diesen Streit doch nur zu Fraktionskämpfen'".
Q: Westfälische Rundschau-Lokalteil Dortmund,Dortmund 4.3.1971; Polizei Dortmund-14. Kommissariat:Demonstrationen gegen die Fahrpreiserhöhungen der Dortmunder Stadtwerke AG und Durchführung von Rote Punkt-Aktionen in Dortmund,Dortmund 11.3.1971,S.4

22.03.1971:
Ein Extrablatt der 'Roten Westfalenwalze' der Betriebsgruppe Hoesch Westfalenhütte Dortmund der KPD/ML-ZB (vgl. 19.3.1971, 30.3.1971) erscheint:"
GEGEN DEN SPD-ANGRIFF - KAMPF IM BETRIEB!

Noch ein Wort zu den D'K'P-Führern (DKP,d.Vf.):
Anstatt sich unseren Forderungen anzuschließen, den Kampf in den Betrieben zu organisieren, rufen sie zu Kundgebungen auf nach Feierabend, an denen von uns nur wenige teilnehmen können und deren Aussicht auf Erfolg sehr gering ist. Sie verleumden im letzten 'Heißen Eisen' (lag uns bisher leider nicht vor, d.Vf*) die KPD/ML und den KJVD. Dabei müssen sie zu üblen Tricks greifen, indem sie uns mit einem Studentengrüppchen aus Bochum und von der PH (die sich KPD/ML und Rote Garde nennen) (KPD/ML-ZK und RG,d.Vf.) gleichsetzen wollen."
Q: Die Rote Westfalenwalze Extrablatt,Dortmund 22.3.1971

01.04.1971:
In Dortmund riefen Aktion Roter Punkt (ARP) und KPD/ML-ZB u.a. bei Hoesch (vgl. 30.3.1971, 31.3.1971) zu einem Sternmarsch in die Dortmunder Innenstadt gegen die Fahrpreiserhöhungen (vgl. 31.3.1971, 2.4.1971) auf.
Laut 'Westfälischer Rundschau' war es so: Einem Aufruf des Aktionskomitees Roter Punkt "folgten insgesamt nicht mehr als 200, meist jugendliche Betriebsangehörige". Gegen Mittag formierte sich ein Demonstrationszug von "etwa 70 Besuchern des Sozialpädagogischen Seminars und der Pädagogischen Hochschule" (SPS bzw. PH,d.Vf.).
Q: Westfälische Rundschau-Lokalteil Dortmund,Dortmund 2.4.1971

15.06.1971:
An der PH Dortmund findet für das Fach Wirtschaftslehre eine Studentenversammlung (SV) statt, auf der u.a. Rolf Kluge Flugblätter zur Antwort auf die Fragen des RCDS der CDU an ihn in seiner Eigenschaft als Studentensprecher im Fach Wirtschaftslehre verbreitet.
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.3,Dortmund 1.12.1971,S.4

Juli 1971:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 2.5.1972) bzw. der Projektbereich Gesamthochschule (PGH) der ESG berichten vermutlich spätestens aus dem Juli über den KSV der KPD:"
Ende des Sommersemesters 1971 versucht der KSV (Berlin-West) seine Arbeit im Ruhrgebiet aufzunehmen. Schwerpunkte sind die RU Bochum (RUB,d.Vf.) und die PH Dortmund. In Dortmund sucht der KSV erste Kontakte mit dem PGH. In mehreren Diskussionsrunden werden inhaltliche Auseinandersetzungen geführt."

Im selben Artikel wird allerdings danach der Semesterbeginn als Anfang der Kontakte genannt.
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.11,Dortmund o.J. (Mai 1972),S.5f

September 1971:
In der 'Betrifft Erziehung' (B:E - vgl. ***.1971, ***.1971) erscheint von Inge Sollwedel der Artikel "Das Bild der Frau in deutschen Lesebüchern".

Der AStA der PH Dortmund (vgl. 15.12.1971) verbreitet dazu folgenden Text:"
1969 untersuchte Inge Sollwedel das Frauenbild in den Lesebüchern der hessischen Grund- und Hauptschulen. Ich finde, das Ergebnis ist interessant für die Studentenschaft (nicht nur für Studentinnen); deshalb hier eine kurze Zusammenfassung des Aufsatzes.

1. Die gesellschaftliche Rolle der Frau

Die Frauen werden repräsentiert als Muttergestalt, die in außerhäuslichen Bereichen wie Arbeitswelt, Kunst, Technik usw. nicht auftreten.

2. Patriarchale Familienstrukturen

Der Vater ist oberste Familieninstanz, er vermittelt den Zugang zur Außenwelt; die Mütter treten lediglich Kindern gegenüber einflußreich auf, ihr Bild bleibt auf den Einheitsbrei hausfraulich-mütterlicher Betätigung beschränkt, etwa nach dem Muster: 'Papa Hase hielt strenges Regiment unter seinen Kindern und Mama Hase sorgte dafür, daß alle hungrigen Mäuler gestopft wurden.' (Deutsches Lesebuch 2. Schuljahr, Frankfurt 1969, 4. Auflage).

3. Familie als Isolationsmechanismus

Die Familienwelt des Lesebuchs ist hell und harmonisch bis zur Verfälschung! Toleranz und Mut zu Konflikten gibt es nicht. Der Lebensbereich der Frau ist eine geschlossene Wertwelt, von allen anderen Bezügen streng abgegrenzt. Mit solchen Vorbildern sind die Schülerinnen auch weiterhin auf die Mystifizierung ihrer Mütterlichkeit angewiesen, weil ihnen andere Betätigungsmöglichkeiten verschlossen bleiben (Beispiel: 'Sie sprach nicht viel, dafür war sie unermüdlich tätig. Sie schmorte herrliche Rouladen, bereitete erlesenste Gemüse zu, buk riesenhafte Mengen Kuchen, wusch unsere Wäsche, bügelte unsere Hosen. Ab und zu horchte sie auf unsere Gespräche, still, kaum einmal unterbrechend. Aber sie entnahm ihnen, was draußen vorging und überlegte, wie sie ihre Festung absichern könnte.', Welt im Wort, 7-8. Schuljahr, Hannover 1964).

4. Beruf

Die weiblichen Berufe liegen vorwiegend im Sozialbereich. Außerdem trennt das Lesebuch ganz wirklichkeitsfremd die Lebensbereiche Beruf und Familie. Dort, wo sie sich überschneiden, wird negativ gewertet. ('Mama, das Schlüsselkind tut mir so leid, weil es keinen Papa und keine Geschwister hat, und niemand ihm aufmacht, wenn es nach Hause kommt. Findest du nicht, daß ich für es beten soll?', Geschichten, Berichte, Gedichte, 3. Schuljahr, Frankfurt 1968).

Das herabgedrückte Selbstverständnis der Mädchen gipfelt in der ermutigend gemeinten Bemerkung: 'Aber sie ist kein kleines Mädchen. Sie ist fast so gut wie ein Junge.' (Deutsches Lesebuch, 5. Schuljahr, 1. Auflage, Frankfurt 1968).

Die heutige Fachdidaktik sieht im Lesebuch ein 'Instrument für den Deutschunterricht, in dessen Mittelpunkt deutsche Sprache und Literatur stehen.' Was sich als fachdidaktisch legitimiert gibt, entlarvt sich dabei eindeutig als Instrument zur Stabilisierung überkommener gesellschaftlicher Strukturen!"
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.5,Dortmund 15.12.1971,S.3f

01.11.1971:
An der Ruhruniversität Bochum (RUB) und der PH Dortmund geben die Zellen PH Dortmund und Philologie, Medizin und Naturwissenschaften RUB des KSV der KPD vermutlich erst in dieser Woche ihre Broschüre 'Erkämpft das Sozialistische Studium' heraus, die auf 32 Seiten das Programm des Sozialistischen Studiums enthält.

In einem beigelegten Zettel wird auf die Verzögerung durch Schwierigkeiten beim Druck verwiesen, weswegen die angekündigten Veranstaltungen um eine Woche verschoben werden, und aufgerufen, die Broschüre "massenhaft" zu lesen.

Eingeladen wird zur Semesteranfangsveranstaltung an der RUB (vgl. 3.11.1971) und in einer weiteren Einlage zu einer ebensolchen Veranstaltung an der PH Dortmund (vgl. 9.11.1971), hingewiesen wird auf die Bücher- und Zeitschriftenstände jeweils montags und mittwochs an der Mensa der RUB und im Foyer der PH Dortmund.

Agitationskollektive in den Hochschulseminaren sollen eingerichtet werden von den Zellen:
- Philologie (Germanistik) RUB im Seminar "Literatur der beiden deutschen Staaten nach 1945" von Klussmann;
- Medizin RUB in der Vorlesung "Der Arzt. Eine Einführung in die Medizin für Anfänger" von Fritze;
- Naturwissenschaften RUB in "Theoretische Physik";
- PH Dortmund - Arbeitsgruppe Erziehungswissenschaft im Seminar "Schüler und Lehrer in der Schule von Morgen" von Baer (vgl. 4.11.1971).

Arbeitsgruppen des KSV werden angekündigt von den RUB-Zellen Philogie (vgl. 11.11.1971), Medizin (vgl. 11.11.1971) und Naturwissenschaften (vgl. 11.11.1971) sowie von der Zelle PH Dortmund im Fach Deutsch (vgl. 10.11.1971).

Einleitend heißt es u.a.:"
DAS SOZIALISTISCHE STUDIUM
BESTANDTEIL KOMMUNISTISCHER BÜNDNISPOLITIK

2. Warum organisieren sich die fortschrittlichen Studenten im Sozialistischen Studium?

Die Situation an den Universitäten ist gegenwärtig gekennzeichnet durch verschärfte Aufnahmebedingungen, Einführung der Regelstudienzeit, Reglementierung der Studienordnung und Verschulung der Ausbildungsgänge. Die SPD-Regierung hat diese Maßnahmen eingeführt und propagiert sie als die längst fällige Reform der Hochschulausbildung. Was haben die Studenten, gerade an der 'Reformuniversität' Bochum, von den Maßnahmen der sozialdemokratischen Regierung erhofft?

Sie haben geglaubt, das Studium würde inhaltlich verändert dahin, die objektiven Gesetzmäßigkeiten des gesellschaftlichen Lebens erkennen zu können, sich ein Wissen aneignen zu können, das allen Unterdrückten und Ausgebeuteten zugute kommt und nicht nur der Profitgier der Monopolbourgeoisie, wenn die SPD-Regierung in ihrer Begründung zum HRG schreibt: 'Durch die Berücksichtigung der Berufswelt bei der Studien- und Prüfungsreform ist sicherzustellen, daß die Studenten die für ihren beruflichen Werdegang notwendige qualifizierte Ausbildung erhalten.'In der Realität der Vorlesungen und Seminare erfahren sie direkt, was die SPD-Regierung, die Dienerin der Monopole, meint, wenn sie von Reformen spricht: Reduzierung der Ausbildung auf den Erwerb bloßer technischer Fähigkeiten und Methoden, die für das Kapital in dem jeweiligen Bereich notwendig sind.

Die Bougeoisie kann die Hoffnungen der Studenten niemals erfüllen, denn alle Reformvorschläge im Kapitalismus finden ihre Grenzen dort, wo das Klasseninteresse der Bourgeoisie, die Aufrechterhaltung des Privateigentums an Produktionsmitteln, berührt wird.

Für die Studenten treten damit die Widersprüche der kapitalistischen Gesellschaftsordnung schärfer und erfahrbar zu Tage. Die offensichtliche Unterordnung der wissenschaftlichen Disziplinen unter die Zwecksetzung des kapitalistischen Profits zerstört den Schein der 'Autonomie der Wissenschaft', an deren immanente Fortschrittlichkeit die Studenten so viele illusionäre Hoffnungen knüpften. Sie geraten in Widerspruch zur herrschenden Klasse, die nicht in der Lage ist, ein Studium zu organisieren, das dem Wunsch nach einer gesellschaftlich nützlichen Ausbildung gerecht wird.

An diesem entscheidenden Widerspruch knüpft das Sozialistische Studium an. Denn die Studenten fordern von ihren Dozenten Antwort darauf, welche Gesetzmäßigkeit zum Beispiel dahinter steht, daß immer Arbeiterkinder die sogenannten unbegabten Kinder sind, wie man diese scheinbare Gesetzmäßigkeit durchbrechen kann, warum die Medizin, die selbst den notwendigen Zusammenhang zwischen Vorbeugen und Heilen anerkennt, nicht in der Lage ist, Krankheit, bevor sie mit ihrem somatischen Endstadium in Erscheinung tritt, zu erkennen und ein umfassendes System der Prophylaxe zu entwickeln. Die bürgerlichen Wissenschaftler müssen diese Antwort schuldig bleiben, denn die Unfähigkeit der Methode der bürgerlichen Wissenschaft, die zwar Einzelaspekte beschreiben, aber nicht in beziehung miteinander stellen kann, ist selbst Teil ihrer Funktion; unlösbare Fragen werden als ewig unlösbar dargestellt, als Beweis für die Unabänderlichkeit und ewige Herrschaft der bestehenden Verhältnisse. Die gesetzmäßigkeiten der bürgerlichen Gesellschaft kann die bürgerliche Wissenschaft niemals durchschauen. Dem stellen wir im Sozialistischen Studium die Methode des historischen und dialektischen Materialismus entgegen, die Methode des wissenschaftlichen Sozialismus, die allein in der Lage ist alle gesellschaftlichen Bereiche in ihren bewegungszusammenhang zu stellen, die darstellen kann, daß die Geschichte selbst eine Geschichte hat und sich weiterentwickeln wird, und die aufzeigen kann, daß die Arbeiterklasse die treibende Kraft in dieser Entwicklung ist ohne deren politische und ökonomische Kämpfe es seit der Entfaltung des Kapitalismus nie einen gesellschaftlichen Fortschritt gegeben hätte."

Eingeladen wird auch zu Meetings des KSV:"
Als weiteren Bestandteil seiner Arbeit unter den Studenten wird der KSV an der RUB und der PH Dortmund in diesem Semester beginnen Meetings zu veranstalten. Die Meetings sollen Studenten, die am Sozialistischen Studium und der Sympathisantenschulung noch nicht teilnehmen, aber dennoch an der Diskussion wichtiger politischer Fragen der aktuellen Politik, insbesondere der Hochschulpolitik, und an der Auseinandersetzung mit anderen Organisationen interessiert sind, die Gelegenheit geben, die Diskussion solcher Fragen mit Genossen des KSV zu führen. Um den politischen Klärungsprozeß dieser Studenten zu fördern und die Möglichkeit intensiver Mitarbeit abzustecken, wird der KSV in den Meetings zu allen Fragen und Kritikpunkten Stellung nehmen.
Die Themen der Meetings sind:
- Wie führt der KSV den Kampf gegen die reaktionär-bürokratische Hochschulreform?
- Die Programmatische Erklärung der KPD, die richtige Einschätzung der Etappe der Klassenkämpfe und der daraus resultierenden, notwendigen Schritte.
- Revisionismus und Kampf zweier Linien im Weltmaßstab und ihr Ausdruck in der BRD und Westberlin: die Politik der DKP, des MSB Spartakus, der SEW.
- Wie führt der KSV den antiimperialistischen Kampf und warum unterstützt er die Liga gegen den Imperialismus (LgdI,d.Vf.).
- Trotzki und der Trotzkismus, eine kleinbürgerlich konterrevolutionäre Richtung auf dem Boden Arbeiterbewegung.
- Die Auseinandersetzung mit anderen Gruppen und Organisationen (KSB/ML (der KPD/ML-ZK,d.Vf.), SAG etc.), die den Anspruch haben Bündnispolitik unter den Studenten zu betreiben."

Vorträge sollen durchgeführt werden zu den Themen:
- Die Funktion des Deutschunterrichts;
- Die konterrvolutionäre Anwendung technischer und naturwissenschaftlicher Forschungsergebnisse;
- Das Verhältnis von Politik, Ökonomie und Literatur;
- Die Funktion der Sozialmedizin.

Eingeladen wird auch zur Sympathisantenschulung an RUB (vgl. 17.11.1971) und PH Dortmund (vgl. 16.11.1971) und zu einer aktuellen Schulung. Aus der 'RPK' wird ein Bericht über die Kampagne der LgdI gegen den Besuch des japanischen Kaisers Hirohito übernommen.
Q: KSV:Erkämpft das Sozialistische Studium - Ruhruniversität Bochum/PH Dortmund WS 71/72,o.O. o.J. (1971)

04.11.1971:
Die Zelle PH Dortmund des KSV der KPD will heute ein erstes Treffen der an ihrem Agitationskollektiv im Seminar "Schüler und Lehrer in der Schule von Morgen" von Baer Interessierten durchführen, welches er zusammen mit dem Mitglied von AStA und MSB Spartakus der DKP, Böller durchführe.

Zur PH allgemein wird u.a. gesagt:"
Der Kampf gegen die bürgerliche Lehrerausbildung ist Teil des Kampfs des KSV gegen die kapitalistische Ausbildung.
Dieser Kampf wird nur dann in der richtigen Weise geführt werden, wenn den Studenten klar gemacht wird, daß die Misere ihrer Ausbildungssituation in direktem Zusammenhang zu den katastrophalen Zuständen an den Grund- und Hauptschulen steht, wenn klar gemacht wird, daß die miserable Ausbildungssituation der Studenten bedingt ist durch das Interesse der Kapitalistenklasse an der maßlosen Ausbeutung und Unterdrückung des Proletariats.

Was ist nun die Funktion der Grund- und Hauptschulen im Kapitalismus?An den Grundschulen werden indern elementare Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt: Lesen, Schreiben und Rechnen. Aber die Kinder werden nicht alle in der gleichen Weise qualifiziert. An den Grundschulen findet die Auslese statt, die die 'begabten' von den 'unbegabten' Kindern trennt, und damit die Entscheidungen darüber trifft, welche Berufschancen die Kinder später haben werden.

Die Kinder, die von der bürgerlichen Klassenschule als 'unbegabt' abgestempelt werden und als weitere Perspektive ihrer Ausbildung den Besuch der Hauptschule vor sich haben, stammen in ihrer großen Mehrheit aus der Arbeiterklasse. Die weitere Ausbildung dieser Kinder und Jugendlichen an den Hauptschulen umfaßt die gerade notwendigsten Qualifikationen und die Vermittlung bestimmter, zur Aufrechterhaltung der bürgerlichen Klassenherrschaft notwendiger Verhaltensweisen und Eigenschaften - wie 'Anpassungsfähigkeit', 'Flexibilität' und 'Mobilität'.

Sie umfaßt gerade soviel Qualifikationen wie sie zur Wahrnehmung untergeordneter Teilfunktionen in den Fabriken notwendig sind, und gerade solche Fähigkeiten, wie sie notwendig sind, um die proletarischen Kinder und Jugendlichen ideologisch bei der Stange zu halten. Diese Erziehung zu 'Flexibilität', 'Mobilität' und 'Anpassungsfähigkeit' ist eben gerade nicht als Höherqualifizierung zu begreifen, vielmehr soll dadurch gewährleistet werden, daß die proletarischen Kinder und Jugendlichen sich später im Betrieb schneller an Erhöhungen der Bandgeschwindigkeiten, besser an den öfteren Wechsel des Arbeitsplatzes und die damit einhergehenden Lohngruppenrückstufungen gewöhnen sollen, daß sie sich in Zeiten der Krise 'flexibel' auf Kurzarbeit und Massenentlassungen einstellen können.

Eine Funktion der Hauptschule ist es also, für den ständigen Nachschub billiger und arbeitswilliger Arbeitskräfte zu sorgen. Wenn wir so das Interesse der Bourgeoisie an den Grund- und Hauptschulen gesehen haben, können wir die Frage, warum so wenig finanzielle Mittel für die Grund- und Hauptschulen bereitgestellt werden, warum ein eklatanter Lehrermangel herrscht, leicht beantworten. …

Die Hauptschule hat aber noch eine andere Funktion als die Abrichtung der proletarischen Kinder und Jugendlichen zu billigen und 'anpassungsfähigen' Arbeitskräften. So beweist sich die Hauptschule auch als hervorragendes Mittel zur Spaltung der Arbeiterklasse; denn sie spaltet - z.B. durch das Zensurensystem, durch Sitzenbleiben - die Kinder und Jugendlichen aus der Arbeiterklasse, trennt so einen kleineren Teil von den übrigen ab, dem es ermöglicht ist, nach Schulabschluß eine Lehre zu beginnen. Dem anderen, größeren Teil ist es nach Schulabschluß mit schlechten Zeugnissen schwer möglich, eine Lehrstelle zu bekommen. In der Regel üben sie später die Funktion eines Hilfsarbeiters oder bestenfalls angelernten Arbeiters aus.

Aber wie sieht es in diesem Zusammenhang mit der von der SPD mit viel schönem Wortgeklingel begleiteten 'Bildungsreform' und der integrierten Gesamtschule aus? Hebt die Gesamtschule die Spaltung der Arbeiterklasse auf?

Die SPD behauptet im Bildungsbericht von 1970:
'Der Verfassungsgrundsatz der Chancengleichheit muß durch eine intensive und individuelle Förderung aller Lernenden in allen Stufen des Bildungssystems verwirklicht werden. Bildung soll den Menschen befähigen, sein Leben selbstzu gestalten. Sie soll durch Lernen und Erleben demokratischer Werte eine dauerhafte Grundlage für freiheitliches Zusammenleben schaffen und Freude an selbständig-schöpferischer Arbeit wecken.'

Aber die Gesamtschule bewirkt gerade mit leistungsdifferenziertem Unterricht ein neues, schärferes System der Auslese und Spaltung. Im leistungsdifferenzierten Unterricht sollen die 'Leistungsschwachen' schneller erkannt werden, um dann erbarmungslos herausgedrückt zu werden. So hilft die Gesamtschule, Geld einzusparen, es soll kein Groschen zuviel für die Ausbildung der 'Unbegabten' ausgegeben werden.

Die soziale Demagogie der SPD liegt darin, daß sie behauptet, mit diesem System 'soziale Gerechtigkeit' und 'Chancengleichheit' zu erreichen.

Was nützt es aber den Proletarierkindern, wenn sie formal eine Chance erhalten, aufzusteigen in die herrschende Klasse? Die Monopolbourgeoisie und ihre sozialdemokratischen Verwalter im Staatsapparat bewirken durch Verschärfung der Arbeitshetze in den Betrieben, durch Lohnraub und Preistreiberei die immer größere Verelendung der Arbeiterklasse. Sie berauben damit die proletarischen Eltern der materiellen Mittel, die gerade notwendig wären, um ihren Kindern eine solche Schulausbildung zukommen lassen zu können.
Auf diesem Hintergrund müssen wir die Ausbildung der Studenten an den Pädagogischen Hochschulen betrachten.

Da die Lehrer an den Grund- und Hauptschulen keine andere Funktion haben sollen, als die Kinder und Jugendlichen aus der Arbeiterklasse für eine problemlose Ausbeutung zu präparieren, keine andere Funktion als sich als willfährige Handlanger der Bourgeoisie für die Spaltung der Arbeiterklasse einzusetzen, wird es klar, warum die Ausbildung an der PH eben kein nützliches Wissen vermittelt.

So wie die Ausbildungskosten für die Arbeiterklasse niedrig gehalten werden, so müssen auch die Kosten für die Ausbildung der Lehrer für die Kinder aus der Arbeiterklasse so gering wie möglich sein. Damit die Arbeiterkinder auch wirklich eine schlechte Ausbildung bekommen, müssen auch ihre Lehrer schon schlecht ausgebildet werden. Das zeigt sich in der totalen Überfüllung der Pädagogischen Hochschulen, in den Massenseminaren, das zeigt sich in der ungenügenden Anzahl von Dozenten, das zeigt sich in der unzureichenden Anzahl von Räumen usw.

So wie die materiellen Voraussetzungen zur Durchführung eines sinnvollen Studiums völlig fehlen, so sind es auch die reaktionären Inhalte, die einer gesellschaftlich nützlichen Ausbildung direkt entgegengesetzt sind. Die Studenten der PH Dortmund werden im Laufe von sechs Semestern mit sechs verschiedenen Wissenschaften - von Grundstudium über Wahlfach bis Stufenschwerpunkt - vollgestopft; sie erhalten in jedem Fach lediglich einen Wust von Informationen und allgemeine 'werftfreie' Überblicke über die verschiedensten bürgerlichen Theorien und didaktischen Modelle, was es ihnen ersparen soll, danach zu fragen, wem diese Informationen, Theorien und Modelle denn eigentlich nutzen.

Die Lehrerausbildung an den Pädagogischen Hochschulen ist völlig unfähig, die gesellschaftlichen Widerspräche und den Klassencharakter der Erziehung an den Grund- und Hauptschulen zu begreifen. Sie kann deshalb nicht den Widerspruch zwischen den proletarischen Eltern und Kindern, mit ihrem Wunsch nach einer gesellschaftlich sinnvollen Schulausbildung und dem Lehrer, der die Rolle des direkten Handlangers der Bourgeoisie spielt, sehen. genau das ist der Grund, weshalb die bürgerliche Lehrerausbildung kein richtiges Bild von der Realität der Klassenauseinandersetzungen geben kann, warum die Lehrer nach abgeschlossener PH-Ausbildung in der Bezirksseminarzeit und auch danach den Problemen der proletarischen Kinder und Jugendlichen hilflos und verständnislos gegenüberstehen, sie sich den Schwierigkeiten des Lehrerberufs in keiner Weise gewachsen fühlen.

Selbst die Didaktik, die ihnen während ihrer Studienzeit noch vorzugaukeln versuchte, der Unterricht ließe sich mit einigen methodologischen Tricks, durch klugen Medieneinsatz, sinnvoll und vielleicht sogar 'emanzipatorisch' gestalten, versagt vor den Widersprüchen zwischen proletarischen Schülern und Eltern und ihren kleinbürgerlichen Lehrern vollständig."

Zum Fach Erziehungswissenschaft, in dem das Seminar von Baer stattfindet, wird ausgeführt:"
Warum beginnen wir mit dem Aufbau des Sozialistischen Studiums in Erziehungswissenschaft?

Die bürgerliche Erziehungswissenschaft ist Teil des Grundstudiums an der PH Dortmund, das von allen Studenten absolviert werden muß. Zugleich erwarten die Studenten gerade von dieser bürgerlichen Wissenschaft Hilfe für ihre spätere Lehrertätigkeit, sie glauben lernen zu können, wie die erzieherischen Prozesse ablaufen und welche Stellung als Lehrer man den Schülern gegenüber einnehmen muß. Welche Antworten geben aber die bürgerlichen Hochschullehrer auf die Fragen der Studenten? - Das Lehrangebot in Pädagogik enthält zu über der Hälfte Seminare, deren Titel bereits politisches Programm ist; als Beispiel seien hier nur genannt:
'Brezinka: Erziehung als Lebenshilfe'
'Mensch und Erziehung'
'Bildungsbegriff und Bildungsgeschehen'

Was wird in diesen Seminaren gelehrt?
'Ausgehend von einer anthropologischen Grundlegung, soll die gegenwärtige Situation, in der Erziehung geschieht, beispielhaft aufgewiesen werden. Daraus leiten sich verschiedene Aspekte für den Begriff der Erziehung ab, u.a. Erziehung als Sozialisation, Erziehung als Enkulturation, Erziehung als Lebenshilfe, usw.' (Aus: Erläuterungen zu den Lehrveranstaltungen der Fächergruppe I, 'Brezinka: Erziehung als Lebenshilfe'). Die Bedingungen von 'Erziehung' in der kapitalistischen Klassengesellschaft werden hier gar nicht erst untersucht. Dem Individuum, dem einzelnen soll geholfen werden gegen seine 'Umwelt', für das Leben 'draußen', deshalb 'Erziehung als Lebenshilfe'.

Was steckt aber hinter diesen bürgerlichen Vorstellungen von 'Erziehung'?

Es ist die Lebensphilosophie der Bourgeoisie, die in den Schulen und Hochschulen lehrt, daß es keine Klassen in der Gesellschaft gibt, daß die Erziehung, die jeder einzelne erfährt, 'neutral' ist, dem Menschen, nicht dem Mitglied einer Klasse gilt, sei es der Bourgeoisie oder des Proletariats. Diese Ideologie von der Möglichkeit einer klassenneutralen Erziehung, einer Erziehung, die von den Interessen einer 'Gesamtgesellschaft' ausgeht, ist die Grundlage aller Zweige der bürgerlichen Erziehungswissenschaft.

Die herrschende Ideologie der Erziehungswissenschaften - die idealistische Philosophie - derer sich die Bourgeoisie bis in die sechziger Jahre hinein noch vorzugsweise bediente, kann heute den Widerspruch zwischen den Interessen der Arbeiterklasse und ihren Kindern an einer gesellschaftlich nützlichen Ausbildung und der menschenfeindlichen Ausbildung im Kapitalismus an den Grund- und Hauptschulen vor den Studenten nicht mehr verbergen. So wird den Studenten immer klarer, daß die Lehrinhalte der idealistischen Philosophie, 'Erziehung als Hinführung zu den allgemeingültigen Werten der abendländischen Kultur', Lehrinhalte sind, die nichts mehr mit der Realität der bürgerlichen Klassenerziehung an den Grund- und Hauptschulen zu tun haben.

Wenn auch diese Ideologie die Pädagogischen Hochschulen noch beherrscht, zeichnet sich doch jetzt schon eine Entwicklung ab, durch die es der Bourgeoisie leichter fällt, die Studenten an sich zu binden, als durch die alten moralischen Lehrsätze. Gerade die SPD hat es mit dem Ruf nach Chancengleichheit verstärkt in Angriff genommen, unter den Studenten die Illusionen zu verbreiten, daß der Kapitalismus durch Reformen grundsätzlich zu verbessern sei, und empfiehlt als Mittel dafür die 'Bildungsreform' mit der integrierten Gesamtschule als Kernstück. Für die Erziehung und die Erziehungswissenschaft bedeutet das die Einführung von 'progressiven' Sozialisationstheorien, unter anderem die Einführung solcher illusionärer Reformmodelle wie der kompensatorischen Erziehung.

Verschweigt die kompensatorische Erziehung das Vorhandensein von Widersprüchen in der Gesellschaft nicht, so sind die von ihr entwickelten Programme zur Lösung dieser Widersprüche aber Versuche der Monopolbourgeoisie und ihrer sozialdemokratischen Verwaltung im Staatsapparat, sie auf der Basis der bestehenden Gesellschaftsordnung zu lösen. Dies ist aber nichts als die alte Leier von der zu erstrebenden Klassenharmonie im Kapitalismus, die bürgerliche Lüge davon, daß der Klassenkampf nicht geführt werden muß."
Q: KSV:Erkämpft das Sozialistische Studium - Ruhruniversität Bochum/PH Dortmund WS 71/72,o.O. o.J. (1971),S.20ff

08.11.1971:
An der PH Dortmund findet vermutlich in dieser Woche eine Studentenvollversammlung (SVV) statt, von der der AStA (vgl. 18.11.1971) berichtet:"
Massen wie nie vorher waren auf dieser SV. Der RCDS (der CDU,d.Vf.) hatte kurz vor dieser SV ein Flugblatt verteilt, in dem (sinngemäß) stand, daß in dieser SV ein erneuter Streik beschlossen werden sollte. Daß keiner auf dieser SV eine Fortsetzung des Streiks für sinnvoll hielt, dürfte aber klar zu erkennen gewesen sein.

Bei der Diskussion über das HRG zeigte sich erst, wie perspektivlos die formale Abstimmung war. Es zeigte sich, daß die Information fehlte, daß der AStA trotz seiner Bemühungen nicht in der Lage war, Informationen zu liefern, was er jedoch nachhohlen wird.

Es zeigte sich weiterhin, daß der Kampf gegen das HRG Kern einer Reihe von Gesetzen (…) nicht einfach von der Studentenschaft zu führen ist, weil die Hintergründe dieser Gesetzgebung noch nicht klar sind. Hier noch einmal Dank den Formalisten und Stimmungsmachern, die Probleme mit schönen Worten, die jeder versteht (wie auch jeder die 'Bild-Zeitung' versteht) verschleiern. Soziale Fragen, die auf dieser SV besprochen wurden, sind in diesem Info nachzulesen.

Die Frage nach der Nominierung von Mandatsvertretern der Studentenschaft wurde eindeutig beantwortet: Beschlußfassendes Organ ist die SK, nur sie kann Mandatsträger bestimmen.

Es wurden von einigen Kommilitonen Beispiele des inneren Numerus Clausus (NC,d.Vf.) in den Fächern Erdkunde und Englisch genannt, in denen widerrechtlich Leistungsnachweise verlangt werden.

Wenn euch solche Fälle bekannt werden, teilt sie der Studentenschaft mit. Denn die SV ist die Möglichkeit, Probleme offenzulegen und zu diskutieren. Sie ist nicht das Forum ohnehin bekannter Leute.

Es ist das Forum, auf dem der Kampf gegen die Herrschenden vorbereitet wird, nicht der Kampf untereinander!"
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.1,Dortmund 18.11.1971,S.2

09.11.1971:
An der PH Dortmund will der KSV der KPD zu unbekannter Uhrzeit im Raum H 5 seine Semesteranfangsveranstaltung durchführen.
Q: KSV:Erkämpft das Sozialistische Studium - Ruhruniversität Bochum/PH Dortmund WS 71/72,o.O. o.J. (1971),Einlage

10.11.1971:
Die Zelle PH Dortmund des KSV der KPD will heute mit ihrer Arbeitsgruppe im Fach Deutsch, "Proletarisch-revolutionäre Romane: Die Kämpfe der Arbeiterklasse im Ruhrgebiet März 1920 und der Berliner Blutmai 1929 in Grünberg: 'Brennende Ruhr' und Neukrantz: 'Barrikaden am Wedding'" beginnen. Zum Fach Deutsch wird festgestellt:"
Deutsch ist eines der Fächer an den Grund- und Hauptschulen, das für die Bourgeoisie zur Vermittlung der reaktionären Ideologie wichtig ist. Die den Studenten zugedachten Aufgaben - als Deutschlehrer den proletarischen Kindern und Jugendlichen in der Form des 'literarischen Bildungsgutes' die Lügengebäude der Bourgeoisie aufzutischen, darüberhinaus ihnen nur noch Lesen und Schreiben beizubringen - schlagen sich nieder im bürgerlichen Lehrangebot.
So stellen die angebotenen literaturwissenschaftlichen Seminare zum größten Teil sinnlose Beschäftigungen mit 'Form- und Gattungsproblemen' der bürgerlichen Literaturwissenschaft dar, die die Studenten dazu verführen sollen, darüber die reaktionären Inhalte dieser Literatur und Literaturwissenschaft zu vergessen.

Wir werden im Kampf gegen die bürgerliche Literaturwissenschaft den Studenten klarmachen, daß nur die materialistische Betrachtung der Literatur, die das literarische Dokument als Dokument des Klassenkampfes zwischen Proletariat und Bourgeoisie begreift, es daraufhin untersucht, für welche Klasse es in diesem Kampf Partei ergreift, es von seiner Stellung zu den Kämpfen der Arbeiterklasse um den gesellschaftlichen Fortschritt beurteilt, in der Lage ist, dem Wunsch der Studenten nach einer gesellschaftlich nützlichen Ausbildung nachzukommen und ihnen ein Instrument an die Hand zu geben, ihren späteren Deutschunterricht vom Klasseninteresse des Proletariats zu bestimmen."
Q: KSV:Erkämpft das Sozialistische Studium - Ruhruniversität Bochum/PH Dortmund WS 71/72,o.O. o.J. (1971),S.23f

16.11.1971:
An der PH Dortmund will der KSV der KPD mit seiner Sympathisantenschulung beginnen.
Q: KSV:Erkämpft das Sozialistische Studium - Ruhruniversität Bochum/PH Dortmund WS 71/72,o.O. o.J. (1971),S.29

18.11.1971:
An der PH Dortmund erscheint erstmals die 'AStA-Information' (vgl. 24.11.1971) mit 8 Seiten DIN A 4. Redaktionsmitglieder sind Mitglieder des Projektbereichs Gesamthochschule (PGH). Im Vorwort heißt es:"
Der AStA der PH, der aus den Gruppen PGH, GEW und SHB besteht und vom PGH getragen wird, hat beschlossen, zwecks besserer und schnellerer Information der Studentenschaft wöchentlich (an jedem Mittwoch) diese Informationsschrift herauszugeben.

In ihr sollen aktuelle Probleme, die im Interesse aller Studenten liegen, publiziert und kommentiert werden, da SaW ('Schwarz auf Weiß',d.Vf.) dieser Aufgabe nicht gerecht wird. Es ist geplant, diese Informationsschrift auch an der Fachhochschule (FHS,d.Vf.) Dortmund zu veröffentlichen. Wir fordern alle Studenten auf, sich durch Beiträge an der Arbeit des Redaktionskollektivs zu beteiligen."
Als Kontaktadresse wird angegeben: ESG-Heim, Lindemannstraße 68 oder AStA. Redaktionsschluß soll sein am Freitag um 12 Uhr.

Inhalt der Zeitung ist:
1. SV (Studentenvollversammlung (vgl. 8.11.1971,d.Vf.)).
2. HRG (Hochschulrahmengesetz).
3. Studentenwerk.
4. Information der HPI (Heilpädagogisches Institut).
5. Kurzinformation aus dem sozialen Bereich.
6. Abkürzungskatalog.

Zum HRG heißt es:"
VERABSCHIEDUNG DES HRG (HOCHSCHULRAHMENGESETZ) NOCH IN DIESEM SEMESTER!

Ende November wird das HRG in der 2. Lesung im Bundestag behandelt; die Verabschiedung ist für März 1972 vorgesehen.

Es ist also wieder einmal, wie z.B. beim NRW-Hochschulgesetz, die Verabschiedung eines Gesetzes in die Semesterferien verlegt, um studentische Proteste abzublocken.

Das HRG ist der KERN einer Vielzahl von Gesetzen, die das Hochschulwesen betreffen: BAFÖG, Bundesstatistikgesetz (BSG), GraFÖG, Ausländergesetz, Hochschulbauförderungsgesetz etc. Kern deshalb, weil sich alle anderen Hochschulgesetze mehr oder weniger auf das HRG beziehen. Beispiel: HRG fordert dreijähriges Regelstudium. Das wird durchgesetzt durch das BAFÖG: Höchstförderungsdauer 3 Jahre!

Das HRG bedingt, daß nur einige Auserlesene nach GraFÖG weitergefördert werden. Dies sind zwei Beispiele für die staatliche Reglementierung, die durch das HRG und die anderen oben genannten Gesetze erreicht werden soll.

Gegen diese Reglementierung müssen wir uns zu Wort setzen!

Dies können wir aber nur erfolgreich durchführen, wenn wir genauestens über das HRG informiert sind. ZU DIESEM ZWECK WIRD IN DEN NÄCHSTEN AUSGABEN DES ASTA-INFO AUSFÜHRLICH WEITERBERICHTET WERDEN."

Zum Studentenwerk heißt es:"
DAS STUDENTENWERK DORTMUND - INFORMATION UND HINTERGRÜNDE

Ende des Sommersemesters 1971 wurde das Studentenhilfswerk der PH Mitgliedv des Studentenwerks der Uni Dortmund e.V., das daraufhin in Studentenwerk Dortmund e.V. umbenannt wurde.

Seit Beginn dieses Semesters hat das Studentenwerk Dortmund wesentliche Aufgaben, die die Studentenschaft der PH betreffen übernommen - nämlich die Förderung nach BAFÖG (Bundesausbildungsförderungsgesetz) und die Mensa. Das Studentenwerk nimmt die Förderung für den gesamten Hochschulbereich Dortmunds wahr (PH, FH, HPI, Uni).

Da die Masse der Studenten im südlichen Stadtzentrum studiert und wohnt, sollte man meinen, daß zumindest die Förderungsabteilung sich auch dort befindet. Aber es scheint, daß es im Interesse der Studenten liege (denn nur diese sollte das Studentenwerk vertreten!) den umständlichen Weg nach Eichlinghofen auf sich zu nehmen, wenn Fragen zur Förderung auftauchen. Gewiß, es gibt die Möglichkeit für PH Studenten, jeden Montagmorgen im H II Fragen an Herrn Schütte (übrigens der einzige Mann im Studentenwerk, der über das BAFÖG und die Ausführungsbestimmungen Bescheid weiß, laut Auskunft des Geschäftsführers) zu richten, individuelle Beratung jedoch ist nicht möglich.

Die Zustände in der Mensa spotten jeder Beschreibung. Und wer glaubt, nach dem Umzug auf die Hauptbaufläche (sprich Acker) würden die Zustände besser werden, der irrt! Bis 1975 wird eine provisorische Mensa im PH-Gebäude eingerichtet, weil der Bau der Zentralmensa noch Jahre auf sich warten lassen wird.

Um die Zustände, wie wir sie derzeit antreffen, ein wenig zu mildern, hat der studentische Vertreter der PH (Ingrid Borek, gleichzeitig Vorsitzende des Vorstandes des Studentenwerkes) den Verkauf von Chips vorgeschlagen, um die Kasse an der Essensausgabe zu entlasten und den Durchlauf zu beschleunigen.

Auch in Fragen des Umzugs hat der studentische Vertreter der PH Initiative ergriffen und dem Studentenwerk Räume angeboten.

Soweit die Aufgaben des Studentenwerks, die die Studentenschaft der PH betreffen. Weiterhin untersteht dem Studentenwerk die Mensa und das Wohnheim der Uni.

Welche Perspektive ergibt sich für die Studentenschaft?

Der SVI (Studentenverband der Ingenieurschulen,d.Vf.) hat an die Studentenwerke NRW's einen offenen Brief gerichtet (im AStA erhältlich), in dem er die Tendenzen offenlegt, daß aus den Studentenwerken - bisher eingetragener Verein - Anstalten des öffentlichen Rechts werden sollen, denn nur diese können öffentliche Gelder verwalten und verteilen. Damit ist den Studenten jegliche Möglichkeit der Einflußnahme genommen. Weiterhin sind die Ausführungsbestimmungen des BAFÖG weder den studentischen Vertretern in den Studentenwerken noch den ASten bekannt.

Die Tendenz der Gesetzgeber geht dahin, den Studentenwerken alle bisherigen Aufgaben bis auf die Durchführung der Förderung nach BAFÖG zu nehmen.

Der AStA der PH Ruhr Abteilung Dortmund wird untersuchen, inwieweit die vom SVI aufgezeigten Tendenzen auf das Studentenwerk Dortmund zutreffen, inwieweit es sinnvoll und im Interesse der Studentenschaft ist, dort weiterhin einen Vertreter zu entsenden. Der PGH, als die den AStA tragende Gruppe arbeitet bereits an der inhaltlichen Klärung dieser Frage und wird das Ergebnis in Kürze veröffentlichen.

Anhand der anfangs festgestellten chaotischen Zustände in Dortmund läßt sich eine Studentenfeindlichkeit feststellen; aber ist diese Studentenfeindlichkeit auf widrige örtliche Zustände zurückzuführen, oder ist sie Bestandteil des Trends, der sich in der studentenfeindlichen Gesetzgebung (HRG, BAFÖG, Hochschulstatistikgesetz etc.) zeigt?

Der AStA, d.h. die Gruppen PGH, SHB und GEW werden diese Frage untersuchen und die Studentenschaft weiterhin informieren."

Als nächster Artikel erscheint eine:"
INFORMATION DES HPI (HEILPÄDAGOGISCHES INSTITUT)

Was geschah am Heilpädagogischen Institut (HPI)?

Im Wintersemester 1970/1971 führte der Landesrechnungshof an der PH Ruhr Abteilung für Heilpädagogik eine Haushaltsprüfung durch.

Bei dieser wurden erhebliche Fehlbestände festgestellt. Dieses hatte zur Folge, daß der Abteilung der Vorwurf gemacht wurde, die Haushaltsgrundsätze gröblich verletzt zu haben.

Weiterhin wurde der Haushalt um 2 X 20 000 DM gekürzt. Diese Kürzung wurde jedoch inzwischen wieder aufgehoben.

Dies ganz allgemein.

Bemerkenswert ist nun folgendes: Der Bericht trug das Datum des 4.2.1971 und traf am 11.2.1971 an der Hochschule ein. Ein Angehöriger der Verwaltung wurde vom Kanzler beauftragt, die Fehlbestände zu klären. Erst am 28.5. wurde die Abteilungskonferenz vom Dekan über diese Vorkommnisse unterrichtet.

Jedoch lag der Abteilung leider nur ein gekürztes Exemplar des Prüfungsberichtes vor, da jemand einen Teil desselben abgeschnitten hatte. Inzwischen wurde festgestellt, daß dieser Jemand der Kanzler war. Auf eine Anfrage an den Kanzler, Herrn Westermann, im Senat, aus welchen Gründen er den Bericht des Landesrechnungshofes gekürzt habe, wich dieser aus, daß diese Anfrage dem Senat schriftlich vorgelegt müsse.

Der AStA besorgte daraufhin den fehlenden Teil des Berichtes aus Düsseldorf. In diesem fehlenden Teil stand zu lesen, daß einem Seminarleiter aus Forschungsmitteln 3 000 DM zur Verfügung gestellt worden waren, eine mobile Funkanlage zu kaufen. Diese Anlage war auch vorhanden. Jedoch hatte dieser Seminarleiter aus Landesmitteln in seinem Wohnsitz eine weitere Funkanlage im Wert von mindestens 18 000 DM stationär errichtet. Der Landesrechnungshof machte ihm zur Auflage diese zu veräußern und den Differenzbetrag zwischen dem Neuwert und dem Verkaufswert aus eigener Tasche dem Lande wieder zuzuführen.

Der AStA des HPI betreibt eine Politik mit folgender Zielsetzung:

1) Die Verwendung von Forschungsmitteln und Seminargeldern aus dem Haushalt muß in der AK der Öffentlichkeit bekanntgegeben werden.

2) Nach Beendigung des Forschungsvorhabens muß der AK ein Rechenschaftsbericht vorgelegt werden!"

Ebenfalls erscheint eine"
KURZINFORMATION AUS DEM SOZIALEN BEREICH

Um die beschissenen Verhältnisse in der Mensa zu verbessern, wird auf Forderungen des AStA die Essensausgabe umgestellt.

Bis spätestens zum 1. Dezember werden folgende Veränderungen vorgenommen:

- Studentische Hilfskräfte verkaufen während einer bestimmten noch festzusetzenden Zeit verschiedenfarbige Chips für die verschiedenen Essen.
- Die Barriere an der Essensausgabe wird somit überflüssig und entfernt.
- Die Kasse wird dann noch für den Cafeteriabetrieb zuständig sein.

Eine weitere Entlastung soll die Einrichtung eines Aufenthaltsraumes bringen.

Nach langen und schwierigen Verhandlungen mit der Verwaltung ist es dem AStA gelungen, einen Raum zu bekommen, der für die gesamte Studentenschaft zentral zu erreichen ist.

Im Augenblick werden die notwendigen baulichen Veränderungen vorgenommen, um den Raum 115 im Hauptgebäude entsprechend herzurichten.

Die offizielle Gründung des Raumes wird noch durch den ASTA bekanntgegeben."

Ebenfalls enthalten ist ein:"
ABKÜRZUNGSKATALOG

AK Abteilungskonferenz
ASTA Allgemeiner Studentenausschuß
BAFÖG Bundesausbildungsförderungsgesetz
BSG Bundesstatistikgesetz
DKP Deutsche Kommunistische Partei
ESG Evangelische Studentengemeinde
FH Fachhochschule
GEW/HG Gewerkschaft für Erziehung u. Wissenschaft/Hochschulgruppe
GraFÖG Graduiertenförderungsgesetz
HPI Heilpädagogisches Institut
HRG Hochschulrahmengesetz
HSBFÖG Hochschulbauförderungsgesetz
KPD Kommunistische Partei Deutschlands
KPD/ML Kommunistische Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten
KSG Katholische Studentengemeinde
KSB/ML Kommunistischer Studentenbund/Marxisten-Leninisten
KSV Kommunistischer Studentenverband
MSB Marxistischer Studentenbund Spartakus
PGH Projektbereich Gesamthochschule
RCDS Ring Christlich Demokratischer Studenten
SaW Schwarz auf Weiß
SHB Sozialdemokratischer Hochschulbund
SK Studentenkonferenz
SV Studentenvollversammlung
SVI Studentenverband der Fachhochschulen in NRW
VDS Verband Deutscher Studentenschaften
VIS Studentenverband der Fachhochschulen in BRD/Westberlin.

Dieser Abkürzungskatalog wird nötigenfalls erweitert."
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.1,Dortmund 18.11.1971

23.11.1971:
An der PH Dortmund findet für das Fach Wirtschaftslehre eine Studentenversammlung (SV) statt.
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.3,Dortmund 1.12.1971,S.4

24.11.1971:
An der PH Dortmund tagt die Studentenkonferenz (SK), die u.a. den Entwurf für den Haushaltsplan des AStA's für das WS 1971/1972 annimmt.
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.3,Dortmund 1.12.1971,S.5

24.11.1971:
An der PH Dortmund erscheint vermutlich heute die 'AStA-Information' Nr.2 (vgl. 18.11.1971, 1.12.1971), die uns leider noch nicht vorlag.***
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.1 und 3,Dortmund 18.11.1971 bzw. 1.12.1971

29.11.1971:
In der PH Dortmund will der MSB Spartakus der DKP von 10 - 13 Uhr einen Infostand durchführen.
Q: MSB Spartakus Dortmund:An alle Sympathisanten und Interessenten des Spartakus,Dortmund 26.11.1971

29.11.1971:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 8.12.1971) berichtet vermutlich aus dieser Woche von der Heilpädagogischen Hochschule:"
HPH - RÜCKTRITT EINES ASTA-REFERENTEN

Der Pressereferent des AStAs der HPH, Michael Schaup, ist zurückgetreten.

Auf der letzten Sitzung des SP (Studentenparlaments) verlas er seine Rücktrittserklärung, in der er einerseits Zeitmangel als Grund nennt, andererseits die Politik des AStA angreift.

Die Zugehörigkeit der AStA-Vorsitzenden und einer weiteren Referentin zum MSB Spartakus (der DKP,d.Vf.) charakterisiert seiner Meinung nach die Politik des AStA.

In einer Diskussion über die Frage der Mitbestimmung zeigte sich, daß die Meinung des AStAs identisch mit der des MSB Spartakus ist.

Durch den Ruf nach Mitbestimmung und Demokratisierung der Hochschule wird die Funktion der Gremien und der Hochschule verschleiert und den Studenten werden Illusionen in Bezug auf Mitsprache vorgesetzt.

Eine solche Politik mitzubetreiben ist der ehemalige Pressereferent nicht gewillt."
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Info Nr.4,Dortmund 8.12.1971,S.6

Dezember 1971:
An der PH Dortmund findet die schriftliche Arbeit der Begabtensonderprüfung statt, bei der 51,8% der rund 130 KandidatInnen im Fach Deutsch eine 5 oder 6 erhalten (vgl. 27.1.1972, 9.2.1972).
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.8,Dortmund 2.2.1972,S.6; Westfälische Rundschau,Dortmund 28.1.1972,S.* zitiert nach: AStA PH Dortmund: AStA-Information Nr.8,Dortmund 2.2.1972,S.8; Ruhrnachrichten,Dortmund 28.1.1972,S.* zitiert nach: AStA PH Dortmund:AStA- Information Nr.8,Dortmund 2.2.1972,S.8

01.12.1971:
An der PH Dortmund soll um 13 Uhr im Hörsaal I eine Studentenvollversammlung (SV) stattfinden mit folgender Tagesordnung:"
TOP 1: Einschätzung des HRG durch die Gruppen GEW, KSB/ML (der KPD/ML-ZK,d.Vf), KSV (der KPD,d.Vf.), MSB Spartakus (der DKP,d.Vf.), PGH, RCDS (der CDU,d.Vf.), SHB.
TOP 2: Antrag des RCDS bezüglich der nächsten AStA-Wahlen.
TOP 3: Verschiedenes."
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.3,Dortmund 1.12.1971,S.1

01.12.1971:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 8.12.1971) berichtet:"
FÄCHERGRUPPENVERSAMMLUNG PÄDAGOGIK

Am 1.12.1971 fand eine Sitzung der Fächergruppe I: Pädagogik statt. Es wurden u.a. folgende Beschlüsse gefaßt:
1. Für das Fach Pädagogik werden im SS 1972 der 18.2. und der 24.3. Termine für Klausurarbeiten sein.

2. Spätestens zum 1. Januar 1972 soll eine Grobplanung für das SS 1972 mit Angabe aller Lehrveranstaltungen im Fach Pädagogik vorliegen. Alle Studenten sollen durch ein Papier über diesen Plan informiert werden. Bis zum 15. Februar wird eine Feinplanung ausgearbeitet werden. Sie wird in der Fächergruppenbibliothek und in der Zentralbibliothek ausliegen.

3. Wie zu Beginn dieses Semesters soll ein Papier zur Erläuterung der einzelnen Veranstaltungen im Fach Pädagogik erstellt werden.

Am 23.11. stellte Herr Konrad in der Fachschaft einen Antrag zur Erprobung von Kompaktseminaren in der Woche vor Pfingsten. Wir werden diesen Antrag demnächst abdrucken und kommentieren."
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.4,Dortmund 8.12.1971,S.6

01.12.1971:
Für den AStA der PH Dortmund (vgl. 8.12.1971) berichtet der Fachsprecher Englisch:"
FÄCHERGRUPPENVERSAMMLUNG - SPRACHEN

Am Mittwoch, dem 1.12.1971 fand eine Fächergruppenversammlung – Sprachen statt. Folgende Informationen scheinen mir wichtig zu sein: Deshalb gebe ich sie an die Studentenschaft weiter.

1.) Ein Diplom-Pädagoge wird bei der Anstellung an der PH, wenn er von der PH kommt, schlechter bezahlt, als wenn er von der Universität kommt.

2.) Wissenschaftliche Hilfskräfte, also Leute, mit der 1. Staatsprüfung, werden für nur 775 DM an der PH angestellt.

Neben der lächerlichen Bezahlung waren 1971 an der gesamten PH Ruhr nur 5 solcher Stellen ausgeschrieben.

3.) Wenn Bücherwünsche von seiten der Studentenschaft auftauchen, können sie im Fach Englisch vorher mit Herrn Sauer abgesprochen und bei Übereinstimmung zu Frl. Schlep in die Seminarbibliothek in der Kreuzstraße gebracht werden".
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.4,Dortmund 8.12.1971,S.6

01.12.1971:
An der PH Dortmund erscheint die 'AStA-Information - DOS (Dortmunder Studentenzeitung)' Nr.3 (vgl. 24.11.1971, 8.12.1971) mit 17 Seiten DIN A 4 und folgendem Inhalt:
1. An alle, die noch aus vollem Herzen an die Verwirklichung des Grundgesetzes in der BRD glauben.
2. Leserbrief (betr. Beitrag im 'Scheibenwischer': Informationssperre für Wirtschaftslehrstudenten.
3. Cartoons.
4. Stichmanns Stellungnahme zum Artikel im letzten AStA-Info.
5. Was geschieht mit unseren 15 DM Sozialbeitrag?
6. Büchertips für das Fach Englisch.
7. Einschätzung zum Hochschulrahmengesetz.

Auf dem Titelblatt finden sich die:"
TERMINE:

Mittwoch, 1.12.1971; 13 Uhr: SV
Mittwochs, 18 Uhr: Anfängerschulung des PGH im ESG-Heim, Lindemannstr.68
Donnerstags, 20 Uhr: Treff der ESG-Heilpädagogik (HPH,d.Vf.), Eichlinghofen, Stockumerstr.325
Dienstags, 20 Uhr: Treff der ESG/PGH im ESG-Heim, Lindemannstr.68"

Im ersten Artikel heißt es:"
AN ALLE, DIE NOCH AUS VOLLEM HERZEN AN DIE VERWIRKLICHUNG DES GRUNDGESETZES IN DER BRD GLAUBEN (Siehe auch VDS-Press vom 27.10.1971)

Folgende Paragraphen des Grundgesetzes sollen angeblich jedem Bundesbürger das Recht auf freie politische Meinungsäußerung und auf Freiheit in der Berufsausübung sichern.

Art. 3,3:
Niemand darf wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.

Art. 33,2:
Jeder Deutsche hat nach seiner Eignung, Befähigung und fachlichen Leistungen gleichen Zugang zu jedem öffentlichen Amte.

Art. 33,3:
Der Genuß bürgerlicher und staatsbürgerlicher Rechte, die Zulassung zu öffentlichen Ämtern sowie die im öffentlichen Dienste erworbenen Rechte sind unabhängig von dem religiösen Bekenntnis. Niemand darf aus seiner Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit zu einem Bekenntnis oder einer Weltanschauung ein Nachteil erwachsen.

Wie beurteilt Ihr die offensichtliche Tendenz der Regierung (in der BRD), politisch linksgerichtete Lehrer und Professoren, die der jetzigen Gesellschaft kritisch gegenüberstehen, an der Ausübung ihres Lehramts zu hindern?

Folgende Fälle sind bekannt geworden:
- Dem Kommunikationsforscher Prof. Horst Holzer wurde im August dieses Jahres vom Senat der Stadt Bremen die Ernennung zum Professor verweigert. Begründung: Holzers DKP-Mitgliedschaft.

- Der Lehrer Alfred Dreckmann wurde wegen seiner Mitgliedschaft in der DKP vom Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft aus der westdeutsch-schwedischen Kommission zur Demokratisierung des Bildungswesens abberufen.

- Dem Lehrer Peter Gohl (DKP) wurde vom Hamburger Amt für Schule die Tätigkeit als Seminarleiter in der Lehrerfortbildung untersagt.

- Dem Lehrer Karl-Heinz Henne (DKP) wurde vom nordrheinwestfälischen Kultusministerium die Einstellung in den Schuldienst verweigert.

- Dem Lehrer Bernhard Laux wurde wegen seiner Tätigkeit in der Referendarvertretung am Studienseminar vom Hamburger Amt für Schule die Einstellung in den Schuldienst verweigert.

- Der Lehrer Dietrich Lemke, Vorgänger von Bernhard Laux im Referendarausschuß, wurde vom Hamburger Amt für Schule nur mit einem halbjährigen Angestelltenvertrag eingestellt.

Wir glauben, daß diese Tatsachen für sich sprechen und keines weiteren Kommentars bedürfen."

Es erscheint auch ein:"
LESERBRIEF

Rolf Kluge, Studentischer Vertreter für Wirtschaftswissenschaft und ihre Didaktik, 46 Dortmund, 23.11.1971, Kreuzstraße 28.

Betr.: Antwort auf RCDS (der CDU,d.Vf.) Krämer Beitrag im Scheibenwischer: 'Informationssperre für Wirtschaftslehrstudenten?'

Die inhaltliche Betrachtung dieses Artikels offenbart die schockierende Unkenntnis des RCDS-Verfassers Gerd Krämer über die diesen Bereich betreffenden Fragen. Allein die Tatsache, daß der ehemalige RCDS Vorsitzende W. Buß stellvertretender Studentensprecher bis Ende dieses Semesters ist (de jure nach Wahl im Okt. 1970), scheint unbekannt, weil unverständlich, daß nicht dann von dieser Seite aktiver Einsatz gezeigt wurde.

Die schlechte Mitarbeit des Stellvertreters in diesem Fach wurde durch den zeitlichen Aufwand für den RCDS entschuldigt.

Um so weniger verständlich sind die ungerechtfertigten Thesen des RCDS, da er sich hier praktisch selbst angreift und seinem bisher 'profiliertesten Vertreter' (Gänsefüßchen von der Red.) eine Rüge erteilt. Hier beißt sich der Hund in seinen eigenen Schwanz.

Inhaltlich muß Herrn Krämer gesagt werden, daß seine Arbeitslehre/Hinführung zur Wirtschafts- und Arbeitswelt die Vorstellungen des Lehrplanes von NRW (Blaues Wunder) sind.

Ein Hochschulstudium für diesen gesamten Komplex existiert nicht.

An unseres Hochschule kann
1.) Wirtschaftswissenschaft und ihre Didaktik
2.) Technologie und Didaktik des techn. Werkens
3.) Haushaltswissenschaft für die Fächer des Blauen Wunders studiert werden.

Mit der irrigen Meinung einer Verknüpfung dieser Bereiche an der PH muß endlich Schluß gemacht werden. Das Studium an der PH kann jeweils einen oder höchstens zwei Bereiche des Lehrplanes abdecken.

1.) Wirtschaftslehre
2.) Technologie
3.) Hauswirtschaftswissenschaft
4.) Wirtschaftslehre und Technologie
5.) Wirtschaftslehre und Haushaltswissenschaft.

Wenn diese Regelung auch unbefriedigend ist, so existiert sie doch in der Prüfungsordnung und kann bis jetzt nicht umgangen werden. Nach meiner Vorstellung wäre die angemessenste Form die Fachlehrerausbildung an der FH für Technik und Wirtschaft.

Das Streben nach einem geschlossenen Studienangebot für das Fach Wirtschaftswissenschaft war immer die Tendenz der Koordinierungsgespräche zwischen den Lehrenden und den Studentenvertretern. Um dieses Ziel zu erreichen, ist intensivste Zusammenarbeit der Beteiligten nötig. Die Lehrbeauftragten waren hierzu bisher nicht bereit, zumal dem zukünftigen Lehrstuhlinhaber nicht vorgegriffen werden sollte. Sie haben aber Vorschläge zur Studienordnung von Platte und Hühner und die Studienordnung der PH Bremen von mir als Richtungshilfen erhalten.

Auch wurden diese Exemplare auf der letzten Studentenversammlung am 15.6.1971 verteilt (Zu den Fragen des RCDS an den Studentensprecher der Wirtschaftslehre: Anm. der Red.)
ad 1: Eine Studentenversammlung zu Beginn des Semesters wurde einberufen. Es mußten nur die Ergebnisse der letzten Berufungsausschußsitzung und die Entscheidung von Herrn John abgewartet werden. Dieses sind mit die wichtigsten Diskussionspunkte für eine Studentenversammlung. Der Berufungsausschuß mußte sich nochmals vertagen. Da die nächste Sitzung erst Anfang Dezember stattfindet, wurde die Studentenversammlung am 23.11.1971 einberufen. Sie mußte jedoch auf Ergebnisse des Berufungsausschusses verzichten.

ad 2: Die Berufungsveranstaltungen sind entgegen Herrn Krämers Meinung nicht beendet. Wohl die Probeveranstaltungen zur Besetzung des Lehrstuhls.

Auf der Studentenversammlung wurde über die Kandidaten Amrath, Decker, Katterle, Harloff, Hühner, Dedering, Golans, Torspecken, Schulz und Platte informiert.

ad 3: Die Gespräche sind nicht versandet. Aber es gab zwischenzeitlich keine. Das letzte fand am 5.2.1971 statt. Danach konnten durch 'Terminschwierigkeiten' der Lehrbeauftragten keine Gespräche mehr stattfinden. An diese Stelle trat vorläufig die Bitte an die Lehrbeauftragten, ihre Veranstaltungen in Kurzgliederung den Studenten zur Verfügung zu stellen. Das nächste Koordinationsgespräch ist für den 24.11.1971 geplant.

ad 4: Der Erlaß des Kultusministers vom 30. Juni 1969 - III A 40-11/0 Nr.3394 - liegt mir vor (müßte ebenfalls beim AStA der PH Ruhr - AStA der Abteilungen liegen). Die Wahlfachprüfung in Wirtschaftswissenschaften wird bisher nicht als Teilprüfung für das 2. Fach an der Realschule anerkannt, weil dieses Fach laut Erlaß nicht an der Realschule unterrichtet wird.

Die Wahlfachprüfungen für Hauswirtschaftswissenschaft und Werken (Technisches Werken) führen dagegen zur Fakultas an der Realschule.

Der RCDS erweist sich und den Studenten einen schlechten Dienst, wenn er mit unsachlicher Polemik den Studentenvertreter und nicht die katastrophalen Zustände des Faches angreift. Um hier etwas zu verändern, müssen sich die Studenten solidarisieren und gemeinsam Lösungen erarbeiten."

Es folgt:"
STICHMANNS STELLUNGNAHME ZUM ARTIKEL IM LETZTEN ASTA-INFO

Stellungnahme Stichmanns am 25.11.1971 vor den Praktikumsteilnehmern: 'Das (im Asta-Info, d. Red.) Geschriebene ist völlig richtig. Auch die Anmerkung der Redaktion bezüglich des arroganten Verhaltens trifft zu. Man könnte es vielleicht auch noch als zynisch bezeichnen. Wenn nämlich eine Diskussion auf ein Niveau herabsinkt, das ich als Dummheit oder Stupidität bezeichnen möchte, weigere ich mich, in so einem Fall karitativ aufzutreten. Insgesamt gesehen hat der Artikel bei mir und meinen Kollegen große Heiterkeit verursacht. Wenn der Artikel noch einen Punkt, den ich ungefähr folgendermaßen formuliert habe, 'Sie sollten sich vor Augen halten, daß die Werktätigen 8 Stunden intensiv arbeiten müssen, um unter anderen die Steuern aufbringen zu können, die den Studenten das Studium ermöglichen', enthalten hätte, wäre ich sogar bereit gewesen, 10 DM für den Abzug des Papiers zu spenden.'

ANMERKUNG DER REDAKTION:
Herr Stichmann hat recht, wenn er behauptet, daß die Werktätigen die Steuern für das Studium der Studenten aufbringen müssen. Wäre es dann jedoch nicht logisch, daß ihnen auch das Wissen der Ausgebildeten zugute käme?

Das ist keineswegs der Fall!

Die von dem Geld der Werktätigen Ausgebildeten werden in den Dienst des Kapitalisten genommen und müssen ihnen helfen, eben jene Werktätigen auszubeuten.

Ein Beispiel: Ein Student studiert auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung Werbepsychologie, wird dann in einem kapitalistischen Unternehmen angestellt und treibt mit Hilfe seines Fachwissens die Bevölkerung zu immer größerem Konsum an, indem er z.B. die Illusion erzeugt, man könne mit einer bestimmten Zigarettenmarke ein glücklicheres Leben führen.

D.h., das Wissen der Ausgebildeten kommt nicht den Werktätigen zugute, sondern dient der Profitvermehrung des Kapitalisten.

Herr Prof. Dr. W. Stichmann hat übrigens an diesem Donnerstag zum ersten Mal in diesem Semester für einige Zeit am Praktikum teilgenommen. Er gab eine Einführung, die in die Thematik bzw. Arbeit dieses Tages einführen sollte. Man fühlte sich dabei an seine Schulzeit erinnert, denn es wurde ein Frage und Antwort-Spiel praktiziert, daß die Anwesenden nur frustrieren, nicht aber zur Arbeit motivieren konnte."

Gefragt wird:"
WAS GESCHIEHT MIT UNSEREN 15 DM SOZIALBEITRAG?

Zu Beginn dieses Semesters wurden von jedem Studenten 15 DM Sozialbeitrag gefordert. Diesen Betrag setzte der Senat der PH Ruhr in der neuen Sozialbeitragsordnung vom 14. Juni 1971 fest, die im ASTA ausliegt.

Am Mittwoch, dem 24.11. legte Dieter Burg, der Finanzreferent des AStA's, der SK den Entwurf des Haushaltsplans für das WS 71/72 vor. Nach kurzer Diskussion wurde der Plan in der vorliegenden Form angenommen. In diesem wird u.a. aufgeschlüsselt, was mit den 12 DM geschieht, die für die studentische Selbstverwaltung vorgesehen sind.

Was geschieht mit den restlichen 3 DM?

In Paragraph 4 Absatz 25 der Sozialbeitragsordnung heißt es: 'Für die Förderung der sozialen Belange der Studenten.'

Zur Zeit überprüft der AStA, ob von diesen Mitteln ein Rechtsbeistand finanziert werden kann, der allen Studenten kostenlos zur Verfügung stehen soll."

Es folgen:"
BÜCHERTIPS FÜR DAS FACH ENGLISCH

Aufgrund mehrerer Semester Studienerfahrung möchte ich an dieser Stelle einige empfehlenswerte englische Fachbücher vorstellen:

1.) Harald Gutschow 'Englisch an Hauptschulen', Cornelsen Verlag Berlin und Bielefeld 1968 (6. Auflage).
2.) Robert Lado 'Moderner Sprachunterricht', Max Huebner Verlag, München 1969 (2. Auflage).
3.) Ernst Leise 'Das heutige Englisch', Carl Winter Universitätsverlag, Heidelberg 1967 (4. Auflage).
4.) Werner Tiggemann 'Unterweisungstechnik im mündlichen Englischunterricht - Moderner Englischunterricht, Arbeitshilfen für die Praxis (3), Hermann Schroedel Verlag KG Hannover - Verlag Lambert Lensing Dortmund, Hannover 1970 (2. Auflage).
5. Eleonore Cladder 'Englisch' (Didaktik - Schriftenreihe für den Unterricht an der Grund u. Hauptschule), Pädagogischer Verlag Schwann, Düsseldorf 1968 (1. Auflage).
6.) Helmut Heuer 'Die Englischstunde', Unterrichtsgestaltung und Unterrichtsforschung, A. Henn Verlag, Wuppertal-Ratingen 1969, Band 17.
7.) Helmut Heuer 'Brennpunkte im Englischunterricht', A Henn Verlag, Wuppertal-Ratingen 1970, Band 22.

Diese Aufzählung erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit."

In einem Kasten wird eine Studentenvollversammlung für den 1.12.1971 angekündigt und es folgt eine:"
EINSCHÄTZUNG ZUM HOCHSCHULRAHMENGESETZ

I. Nachdem nunmehr Gesetzestexte zum Hochschulrahmengesetz in genügender Anzahl im ASTA vorhanden sind, stellen wir im Folgenden eine Einschätzung dieses Gesetzes durch Kommilitonen aus dem SVI-Bundesvorstand zur Diskussion. Dieser erste Diskussionsbeitrag beschäftigt sich mit dem gesamten Gesetzeswerk und mit den flankierenden Maßnahmen der Bildungspolitik. Auseinandersetzungen mit einzelnen Paragraphen des Gesetzes und Stellungnahmen zu entsprechenden Ausführungsverordnungen werden folgen (vgl. die Information am Schluß der Einschätzung)."
Es folgt die HRG-Einschätzung aus dem SVI-Bundesvorstand (vgl. Nov. 1971) und als letztes folgender Artikel:"
ORDNUNGSRECHT BEI GREMIENBOYKOTT
NEUE INFORMATION ÜBER DAS HOCHSCHULRAHMENGESETZ

Nach dem neuesten Diskussionsstand zum HRG soll der Boykott der Gremien mit ordnungsrechtlichen Maßnahmen gegenüber Studenten geahndet werden.

Härteste Maßnahme: AUSSCHLUß VOM STUDIUM.

In dem Text heißt es: (s. Materialien zur Bildungsplanung 8 des SVI, Seite 19).

Paragraph 19a:
'Verhalten der Mitglieder der Hochschule'
(1) Die Mitglieder der Hochschule haben, unbeschadet weitergehender Verpflichtungen aus einem Dienst- oder Arbeitsverhältnis, sich so zu verhalten, daß die Hochschule und ihre Organe ihre Aufgabe erfüllen können und die an der Hochschule tätigen Personen nicht gehindert werden ihre Rechte und Pflichten wahrzunehmen.

(2) Verletzen Mitglieder der Hochschule die ihnen nach Absatz I obliegende Pflicht, so trifft das zuständige Hochschulorgan nach pflichtgemäßem Ermessen die Maßnahmen, die der Schwere der Pflichtverletzung angemessen sind. Das Nähere über die Zuständigkeit, das Verfahren und die nach Satz I zu treffenden Maßnahmen wird durch Gesetz geregelt: als Maßnahmen sind insbesondere vorzusehen:
1. Verwarnung.
2. Befristete Versagung der Teilnahme an einzelnen Lehrveranstaltungen.
3. Für Fälle besonders schwerer oder wiederholter Pflichtverletzungen Ausschluß als Mitglied der Hochschule bis zu …Jahren.

(3) Absatz 2 gilt nicht, wenn beamten- oder arbeitsrechtliche Bestimmungen angewendet werden können.

(4) Ist jemand als Mitglied einer Hochschule nach Absatz 2 Nr.2 ausgeschlossen worden, so ist ihm für die Dauer des Ausschluß die Aufnahme als Mitglied einer anderen Hochschule zu versagen, wenn nach den Umständen des Einzelfalls anzunehmen ist, daß er die ihm nach Absatz I obliegende Pflicht auch an dieser Hochschule in gleich schwerwiegender Weise verletzen wird. Für Streitigkeiten nach Paragraph 19 a Absatz 2 und 4 ist der Verwaltungsrechtsweg gegeben.'

KAMPF DEM MITBESTIMMUNGSBETRUG!

FÜR DIE AUFRECHTERHALTUNG DER VERFASSTEN STUDENTENSCHAFTEN IN ALLEN GREMIEN!"
Q: AStA der PH Dortmund:AStA-Information Nr.3,Dortmund 1.12.1971

06.12.1971:
Vermutlich in dieser Woche erscheint an der PH Dortmund ein Flugblatt der Aktion Spanienhilfe unter Verantwortung von Kolja Mydlak, 46 Dortmund, Rettenbacherstraße 29:"

Kommilitonen, Freunde, Genossen!

Während in diesen Tagen in der BRD die Metallarbeiter streiken, geht in Asturien/Spanien ein Streik weitaus schärferen Ausmaßes, DER STREIK VON TAUSENDEN VON BERGARBEITERN (vgl. 2.10.1971,d.Vf.), bereits in die 10. Woche. Die Bilanz der Streikwelle der letzten beiden Monate in Spanien bietet ein erschütterndes Bild vom TERROR UND GEWALT DER FASCHISTISCHEN MACHTHABER und ihres verbrecherischen Polizeiapparates: mindestens 6 Tote, zahlreiche Verletzte und eine nicht genau bekannte Zahl von Verhaftungen. SANKTIONEN VON SEITEN DER UNTERNEHMER, wie Aussperrungen, Entlassungen, sowie Zwang, Nötigungen und Erpressungen taten ein übriges - und das unter den Augen der ausländischen Presse, die es der herrschenden Klasse Spaniens bisher ermöglichte, unbesehen von einer ausländischen Öffentlichkeit zu agieren.

HIER EINIGE DATEN AUS DEM SOZIALEN ALLTAG SPANIENS: 10 - 12 Mark durchschnittlicher Tageslohn vieler Arbeiter; 10 - 14 Stunden durchschnittliche tägliche Arbeitszeit; völlig unzureichende Sozial- und Krankenversicherung: Invalidenrenten von ca. 150 DM monatlich, Renten, von denen oft die ganze Familie ernährt werden muß.

Die Streikenden sind finanziell völlig auf sich gestellt. Unterstützt werden sie nur von den illegalen Oppositionsbewegungen in Spanien und im Ausland. Die wenigen vorhandenen Mittel gehen nun zur Neige, viele Arbeiterfamilien sind in ihrer Existenz bedroht. SIE BRAUCHEN DESHALB AUCH UNSERE SOLIDARITÄT!

UNTERSTÜTZT DEN STREIK DER ASTURISCHEN BERGARBEITER!

SPENDET GELD ZUR AUFRECHTERHALTUNG DES STREIKS!

NIEDER MIT DER FRANCO-DIKTATUR, FÜR EIN FREIES SPANIEN!

Geldbeträge können jederzeit im Büro des AStA abgegeben werden. Als Konten stehen zur Verfügung: Stadtsparkasse Herne 209. 010. 560 (K. Mydlak) oder Postscheckkonto Essen 161319 (P. Kühne),Stichwort 'Spanienhilfe'."
Q: Aktion Spanienhilfe:Flugblatt,Dortmund o.J. (Dez. 1971)

08.12.1971:
Die Nr.4 der 'AStA-Information, DOS - Dortmunder Studentenzeitung' (vgl. 1.12.1971, 15.12.1971) erscheint durch den AStA der PH Dortmund mit 8 Seiten DIN A 4 und folgendem Inhalt:
1. Das Studentenwerk Dortmund (StW - vgl. 29.11.1971)
2. Information für alle Englischstudenten
3. Zur Entstehungsgeschichte und zur Herstellung der DOS
4. HPH - Rücktritt eines ASTA-Referenten (vgl. 29.11.1971)
5. Fächergruppenversammlung Pädagogik (vgl. 1.12.1971)
6. Fächergruppenversammlung Sprachen (vgl. 1.12.1971)
7. Cartoon
8. Angela Davis

Auf dem Titelblatt finden sich - bis auf die SV - unveränderte Termine.

Zwischen Titelblatt und - laut AStA-Numerierung - Seite 2 findet sich folgende Ankündigung:"
Ab SOFORT GANZTÄGIG studentischer Aufenthaltsraum RAUM 115 im Hauptgebäude, 1. Stock, auf dem Gang zwischen H I und H II.

AUTOMATEN werden in Kürze aufgestellt.

Der ASTA bittet die Studentenschaft diesen Raum UNBEDINGT als AUFENTHALTSRAUM
zu benutzen, damit die MENSA entlastet und ihrer Funktion als Eßraum wieder gerecht wird!"

Zum Studentenwerk (StW) erscheint folgende:"
BERICHTIGUNG ZU ASTA-INFO NR.2

Die Behauptung, Klinkhammer gebe nur noch Informationen an den Vorstand, die er im Sinne des Studentenwerks vertreten kann, muß ergänzt werden. Bis auf Hammer, der das Vertrauen des Geschäftsführers nicht besitzt, können alle Mitglieder des Vorstands von Klinkhammer Informationen bekommen.

Anmerkung der Redaktion:
Na und? Welche Informationen er gibt, das bleibt weiterhin dem Geschäftsführer überlassen.

Gewiß, es gibt da feine Unterschiede. Gibt er die Informationen einzeln an die Vorstandsmitglieder, hat er die Möglichkeit, das Vertrauen, das er in den einzelnen setzt, graduell zu unterscheiden.

Wir korrigieren uns um ein weiteres, DER VORSTAND (!) hatte wirklich noch keine Gelegenheit, in dieser Zusammensetzung zu mauscheln."

Vom Fachsprecher Englisch folgt eine:"
INFORMATION FÜR ALLE ENGLISCHSTUDENTEN

In der Englischbibliothek in der Kreuzstraße (Fächerbibliothek Sprachen) liegen Abzüge mit dem Angebot für das Fach Englisch im SS 1972 aus."

In eigener Sache äußert man sich:"
ZUR ENTSTEHUNSGESCHICHTE UND ZUR HERSTELLUNG DER DOS

ENTSTEHUNGSGESCHICHTE

Der AStA, der aus den Gruppen PGH (Projektbereich Gesamthochschule in Zusammenarbeit mit der ESG), SHB (Sozialdemokratischer Hochschulbund) und GEW (Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, Hochschulgruppe) besteht, mußte im Laufe der Zeit bei den Ausgaben von SAW (Schwarz auf Weiß) feststellen, daß diese immer weniger den Interessen der Studenten, also der Information und Aufklärung dient.

Außerdem erschien SAW selten und unregelmäßig, so daß aktuelle Ereignisse in SAW nie gebracht wurden.

Im Oktober dieses Jahres beschloß der PGH, die tragende Gruppe des AStA dieser PH, zur schnellen, aktuellen und gründlichen Information der Studenten, wöchentlich ein 'ASTA-INFO', die DOS (Dortmunder Studentenzeitung) herauszugeben.

HERSTELLUNG

Jedes der mehr als 20 PGH-Mitglieder sammelt und schreibt aktuelle Informationen auf, die am Freitagnachmittag (Redaktionsschluß ist um 12 Uhr) von einem Redaktionskollektiv, das aus Mitgliedern des PGH besteht, redigiert werden.

Wir sind dankbar für jede Information und Beiträge von seiten der Studentenschaft, die das Informationsangebot ergänzen. In ASTA-Info Nr.3 z.B. druckten wir einen Beitrag von Rolf Kluge, dem Sprecher für Wirtschaftswissenschaften und ihre Didaktik ab.

Am Montagmorgen werden die fertigen Artikel abgetippt; d.h. die einzelnen Artikel, in der vorher festgelegten Reihenfolge, werden auf DIN A 4 Seiten geklebt.

Am Dienstagmorgen werden im AStA von den einzelnen Seiten auf fototechnischem Wege Matrizen hergestellt.

Je nach Seitenzahl wird dann während des Dienstagnachmittags gedruckt, d.h. Matrizen werden 1 200 mal abgezogen. Beim Info Nr.3 (17 Seiten) brauchten wir dazu sechs Stunden. Anschließend müssen noch sechs Leute die Seiten zusammenheften, was noch einmal etwa zweieinhalb Stunden Arbeit bedeutet.

Diese Ausführungen sind ein Beispiel dafür, wie der AStA seinen Etat anwendet."

Der letzte Artikel lautet:"
ANGELA DAVIS

Angela Davis ist 27 Jahre alt, Philosophie-Professorin, Mitglied der Kommunistischen Partei der USA, aktive Bürgerrechtskämpferin, sympathisiert mit der Black-Panther-Partei (BPP,d.Vf.).

Die Kommunistin Angela Davis wartet in den USA auf ihren Prozeß. Sie wird des Mordes und der erpresserischen Entführung angeklagt. Hierfür gibt es jedoch keinerlei Beweise. Dem amerikanischen System geht es nur darum, mit Hilfe der Justiz Andersdenkende auszulöschen.

Im folgenden eine Erklärung von Angela Davis: 'Die reaktionäre Justiz unseres Landes verfolgt mich, weil ich eine kommunistische Revolutionärin bin, die zusammen mit Millionen unterdrückter Menschen der ganzen Welt an einer revolutionären Bewegung teilnimmt und alle Bedingungen beseitigen will, die unserer Freiheit im Wege stehen.

REVOLUTIONÄR - VERBRECHER?

Weshalb fordert der amerikanische Staat mein Leben? Nicht, weil ich die gefährlichste Verbrecherin bin, als die er mich hinstellt, nicht weil die erlogenen Beschuldigungen, für die es keinerlei Beweise gibt, zutreffen, sondern deshalb, weil in seiner verdrehten Vorstellung ein Revolutionär von vornherein ein Verbrecher ist.

VÖLKERMORD

Unsere Feinde sehen sich mit der wachsenden Erkenntnis des Volkes konfrontiert, daß die konzentrierten Anstrengungen, Revolutionäre zu liquidieren, nur eine weitere Form des täglichen Völkermordes sind, der auf das Konto der Brutalität der Polizei und der elenden Lebensbedingungen in den Ghettos und den Wohngebieten an den Stadträndern kommt. Die Volksmassen werden ihre Verpflichtungen erfüllen, alle Männer und Frauen zu schützen und zu verteidigen, die ihr Leben dem Kampf für Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und Freiheit gewidmet haben. Möge es keinen Zweifel daran geben - der Sieg wird bald unser sein.'"

Aufgerufen wird auch zur Mitgliederversammlung der GEW-Hochschulgruppe (vgl. 13.12.1971).
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.4,Dortmund 8.12.1971

13.12.1971:
Für die GEW-Hochschulgruppe an der PH Dortmund luden A. Merle und J. Brinkmann zur Mitgliederversammlung um 17 Uhr in der Westfalenschänke ein. Die vorgeschlagene Tagesordnung lautet:"
1. Neuformierung der Hochschulgruppe
2. Die GEW im ASTA
3. Vorbereitung für die SK-Wahl im Januar
4. Bericht von der Landesdelegiertenkonferenz der Fachgruppe 'Hochschule'
5. Verschiedenes"
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.4,Dortmund 8.12.1971,S.8

15.12.1971:
An der PH Dortmund erscheint die Nr.5 der 'AStA-Information - DOS (Dortmunder Studentenzeitung)' (vgl. 8.12.1971, 19.1.1972) durch ein Redaktionskollektiv aus Mitgliedern des PGH/ESG mit 10 Seiten DIN A 4 und folgendem Inhalt:
1.) Das Sozialreferat informiert: Betrifft Wohngeldfrage
2.) Inge Sollwedel: Das Bild der Frau in deutschen Lesebüchern, aus 'Betrifft Erziehung', 9/1971 (B:E - vgl. Sept. 1971).
3.) Cartoon
4.) Grundgesetz - auf Grund gesetzt
5.) Streik in Spanien
6.) Gar nicht (fast gar nichts)

Im ersten Artikel heißt es:"
DAS SOZIALREFERAT INFORMIERT: BETRIFFT WOHNGELDFRAGE

Nach Gerüchten in Dortmund soll den Studenten, die bisher trotz Förderung nach dem Honnefer Modell Wohngeld erhalten haben, nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz kein Wohngeld mehr gezahlt werden, mit der Begründung, daß im BAFÖG Höchstsatz ja schon 120 DM Wohngeld enthalten seien.

Auf Nachfrage des Sozialreferats beim Amt für Wohngeld wurde mitgeteilt, daß bis jetzt noch 'keine Weisung von oben' eingetroffen sei, wie nach BAFÖG mit dem Wohngeld verfahren werden soll.

Diese Tatsache wird bestätigt durch eine Information vom VDS (Verband Deutscher Studentenschaften), die wir im folgenden wiedergeben (vgl. 6.12.1971,d.Vf.). …

Wir bitten Euch, derartige Fälle dem AStA bekanntzugeben, damit wir einen Überblick darüber bekommen, wie die Situation in Dortmund aussieht, um evtl. mit anderen Hochschulen in dieser Sache gemeinsam etwas unternehmen zu können. Antragsformulare für Wohngeld sind übrigens im Dortmunder Stadthaus im Amt für Wohnungswesen zu erhalten."

Zu den späteren Berufsverboten (BV) bzw. zum GG wird gefragt:"
GRUNDGESETZ - AUF GRUND GESETZT?

Die wachsende Zahl von Fällen, in denen Menschen wegen ihrer politischen Gesinnung der Eintritt in den öffentlichen Dienst verweigert wird, hat zahlreiche Reaktionen (z.B. Bildung von Initiativkreisen, Herausgabe von Schriften) ausgelöst. Die Mißachtung der Grundrechte von Seiten der Herrschenden ist eindeutig (s. auch AStA-Info Nr.3 (vgl. 1.12.1971,d.Vf.)). Um diesem Bruch des Grundgesetzes entgegenzutreten, werden alle fortschrittlichen Kräfte aufgerufen, die im Grundgesetz verbrieften Grundrechte gegen die Angriffe der Bürokratie zu verteidigen.

Gegen diese Kräfte scheinen die bis jetzt getroffenen Maßnahmen der Regierung die ersten Schritte zu sein. Sie gehen gegen Lehrer, Studenten und Angestellte im öffentlichen Dienst (ÖD,d.Vf.) vor. Soll hier die juristische Legitimation für weitere Schritte gelegt werden!? Entscheidet in Gegenwart und Zukunft die Einstellung über die Einstellung!?

So zeigt sich im Fall Bernhard Laux, der Mitarbeiter der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft ist und, obwohl parteilos Kontakte zu Kollegen der DKP und der DFU pflegt, daß anscheinend schon aktives Eintreten für demokratische Rechte und Mitgliedschaft in der Gewerkschaft ausreichen, um unserer Schule einen fähigen Pädagogen vorzuenthalten.

Wenn jegliche prinzipielle Systemkritik für unvereinbar mit dem Grundgesetz erklärt wird, läßt sich mühelos eine generelle Unvereinbarkeit der Tätigkeit in einer progressiven Organisation mit der Tätigkeit im Staatsdienst konstruieren.

Erinnern wir uns an den Adenauer-Erlaß von 1950/51, der den Beamten verbot, Kommunist zu sein oder fortschrittlich zu denken."

Es folgen zwei Beschlüsse der Landesregierung NRW (vgl. 25.9.1950, 16.10.1950). Der AStA formuliert dazu:"
Zu diesem Erlaß bleibt noch das unscheinbare Wörtchen 'insbesondere' zu erwähnen, das wohl aussagen soll, daß ohne weiteres noch andere Organisationen zu den 'Geächteten' gerechnet werden können.

Fazit:
1.) Der Schlag gegen Kommunisten ist ein Schlag gegen alle Fortschrittliche (s. Laux).
2.) Der Antikommunismus bedeutet die Wiedereröffnung des kalten Krieges in unserem Lande.
3.) Offener Rechtsbruch ist ein Mittel des Faschismus."

Berichtet wird auch über den "Streik in Spanien" von den Bauarbeitern in Madrid (vgl. 13.9.1971) und u.a. vom 2.10.1971 bzw. 18.10.1971:"
Seit Anfang Oktober streiken Tausende von Bergarbeitern in Asturien. 2 Wochen später legten die Arbeiter des größten staatlichen staatlichen Automobilwerks (Seat), das italienische Fiat-Wagen in Lizenz baut, die Arbeit nieder. Überall im Lande brachen nun Streiks aus.

Das Regime reagierte mit Aussperrung, Entlassungen und brutalem Polizeiterror.

Resultat: mindestens 6 Tote, zahlreiche Verletzte und eine nicht genau bekannte Zahl von Verhafteten, auf die hohe Strafen warten, nach dem neuen Militärstrafrecht Spaniens sollen Aktionen von 'Terroristen' mit Todesstrafe oder 30 Jahren Haft bestraft werden.

Als terroristisch gelten bereits 'Organisationen oder Gruppen, deren Ziel es ist, die Einheit des Vaterlandes oder die Unverletztlichkeit seiner Institutionen zu attackieren').

UNTERSTÜTZT DIE STREIKENDEN!

Die Streikenden sind finanziell völlig auf sich gestellt. Unterstützt werden sie nur von den illegalen Oppositionsbewegungen in Spanien und im Ausland. Die wenigen vorhandenen Mittel gehen zur Neige, viele Arbeiterfamilien sind in ihrer Existenz bedroht. Sie brauchen deshalb auch unsere Solidarität.

UNTERSTÜTZT DEN STREIK DER SPANISCHEN ARBEITER!
SPENDET GELD ZUR AUFRECHTERHALTUNG DES STREIKS!
NIEDER MIT DER FRANCO-DIKTATUR!
FÜR EIN FREIES SPANIEN!

Im AStA steht eine Sammelbüchse für Eure Spenden bereit. Als Konten stehen zur Verfügung: Stadtsparkasse Herne 209. 010. 560 (K. Mydlak) oder Postscheckkonto Essen 161319 (P. Kühne), Stichwort 'Spanienhilfe'."

Angekündigt wird ein Teach-In des SHB (vgl. 22.12.1971) ansonsten sind die Termine unverändert und als letzter Beitrag folgt in der Rubrik "Gar nichts (fast gar nichts)" ein Gedicht:"
TANNE - SCHNAPS

WAS IST DENN BLOSS LOS?

Alle laufen sich die Füße wund,
kaufen ein und kommen auf den Hund.

WAS IST DENN BLOSS LOS?

Ein weißbärtiger Opa in roter Tarnfarbe
watzt von Schornstein zu Schornstein.
Schmeißt hier was rein,
dort läßt er's sein.

WAS IST DENN BLOSS LOS?

Ein paar Tage vergehn,
Ach das Fest war so schön!
Klaus bekam eine Eisanbahn,
jetzt sieht man sie Müllmänner nah'n.

WAS WAR DENN BLOSS LOS?

Alle rennen in die Läden.
kaufen Bomben, Molotows und
anderes Ballerzeug.

WAS IST DENN BLOSS LOS?

Kommt endlich die Revolution?
Es kracht und blitzt und jault!
- Und am Morgen spielen die Wiener den walzer

WAS WAR DENN BLOSS LOS?

Also die Revolution war's nicht!"

Auf der letzten Seite heißt es unter einem Bild von Karl Marx:"
I'm dreaming of a RED Christmas!!!
(Die Revolution 1917 fand im WINTER statt)

DOS WüNSCHT: FROHE OSTERN! FROHE PFINGSTEN! FROHEN 1. MAI!, FROHES STUDIUM!, FROHE TAGE!, FROHEN BEISCHLAF!, FROHEN STUHLGANG!, FROHE NÄCHTE!, FROHE MANIPULATION!

FREUT EUCH!"
Q: AStA PH Dortmund:AStA Information Nr.5,Dortmund 15.12.1971; DOS Sdr.Nr. Einführung in das PH-Studium,Dortmund o.J. (1972),S.36

21.12.1971:
Für den Rektor der PH Ruhr protokollierte Dr. Wellmer die:"
Sitzung des Senatsausschusses für Tutorenfragen am 21.12.1971

Der vom Senat in seiner Sitzung am 13.12.1971 eingesetzte Ausschuß für Tutorenfragen hat am 21.12.1971 von 9 Uhr 15 - bis 13 Uhr 15 erstmals getagt. Teilgenommen haben:
Der Rektor (zeitweise)
Prof. Dr. Benkmann
Frau Dr. E. Nyssen
J. Tillmann
Frau H. Gall
Dr. Wellmer (berantend)

Die Beratungen des Ausschusses erstreckten sich hauptsächlich auf die von der WRK mit Rundschreiben Nr.662 vom 22.11.1971 gestellten Fragen bezüglich der Erfahrungen der Hochschule mit Tutoren.

Der Ausschuß hat die von der WRK gestellten Fragen wie folgt beantwortet:
1. ENTSPRICHT DIE BESCHREIBUNG DER AUFGABEN DER TUTOREN IN DEN KMK-RICHTLINIEN DEM TUTORENMODELL IHRER HOCHSCHULE?

Der Einsatz von Tutoren als ein hochschuldidaktisches Mittel in der Reform des Studiums hat zum Ziel, dem Studenten in vermehrtem Umfang Gelegenheit zu intensiver Kleingruppenarbeit anzubieten.
Tutorien sollen als Teil hochschuldidaktischer Experimente für kontrollierte Innovationsversuche eingesetzt werden.

Tutorien sollen weiterhin das angebotene Lehrprogramm intensivieren, inhaltlich ergänzen und eine kritische Auseinandersetzung mit ihm fördern und auch der Behandlung von Fragestellungen dienen, die von Studenten formuliert werden.

Tutorien dürfen nicht zur Erweiterung der Lehrkapazität im Rahmen des herkömmlichen Lehrangebots eingesetzt werden.

Mit dem Ziel hochschuldidaktischer Erneuerung kommen als Aufgaben für Tutoren insbesondere in Betracht:
Anleitung zum Studium,
Einführung in die Arbeit mit wissenschaftlicher Literatur,
Anleitung zur Technik des wissenschaftlichen Arbeitens,
begleitende Studienberatung,
Einrichtung von Tutorien als Teil hochschuldidaktischer Experimente, z.B. für interdisziplinäre Kooperation, Projektarbeit, systematische Beobachtung von Kleingruppenarbeit.

2. MIT WELCHEM GRAD VON SACHLICHER SELBSTÄNDIGKEIT SOLLEN TUTOREN ARBEITEN?

Tutorien können Lehrveranstaltungen beigeordnet, in sie eingeordnet oder selbständig sein.

Tutorien können beantragt werden von der zuständigen Fachvertretung der Studenten (Fachschaften) sowie von allen an der Hochschule Lehrenden.

Über die Anträge entscheidet im Rahmen der verfügbaren Mittel der vom Fachbereich für das betreffende Fach bzw. die betreffenden Fächer eingesetzte
Ausschuß.

Dieser Ausschuß ist zu gleichen Teilen mit Studenten und Lehrenden zu besetzen.

3. WIEVIEL SEMESTERWOCHENSTUNDEN SOLL DIE ARBEIT DER TUTOREN INSGESAMT (D.H. ARBEIT IN DER GRUPPE UND VORBEREITUNGSZEIT) UMFASSEN?

Der monatliche Zeitaufwand für den Tutor sollte maximal 50 Stunden in den Vorlesungsmonaten betragen.

Die vorlesungsfreie Zeit ist für die hochschuldidaktische Weiterbildung, die Vertiefung des für das Tutorium notwendigen Fachwissens und die organisatorische Vorbereitung bzw. Auswertung zu nützen.

4. IN WELCHEN PUNKTEN WIDERSPRECHEN DIE KMK-RICHTLINIEN DEN BEREITS DURCHGEFÜHRTEN ODER GEPLANTEN MODELLEN DER TUTORENARBEIT IN IHRER HOCHSCHULE?

Die Pädagogische Hochschule Ruhr ist der Meinung, daß
- Tutorien in allen Fächern eingerichtet werden sollen,
- die Größe der Tutorengruppen 8 Studenten nicht überschreiten soll,
- studentische Tutoren nicht zur Entlastung der Hochschullehrer eingesetzt werden sollen,
- studentische Tutoren in Abstimmung mit dem jeweiligen Hochschullehrer selbständig tätig sein sollen,
- studentische Tutoren nach Möglichkeit 2 Monate vor Beginn der Tutorien beauftragt werden sollen, um eine angemessene Vorbereitungszeit zu gewährleisten.

Anschließend weist der Ausschuß darauf hin, daß die Einrichtung von Tutorenstellen auf keinen Fall zu einer Einsparung von im Stellenplan ausgewiesenen Personalstellen führen darf."
Q: PH-Ruhr-Der Rektor:Betr.:Sitzung des Senatsausschusses für Tutorenfragen am 21.12.71,Dortmund 7.1.1972

22.12.1971:
An der PH Dortmund will der SHB vermutlich diesen Mittwoch ein Teach-In zum Thema "Alternative an den Hochschulen" durchführen.
Q: AStA PH Dortmund:AStA Information Nr.5,Dortmund 15.12.1971,S.1 und 7

23.12.1971:
An der PH Dortmund beginnen die Weihnachtsferien (vgl. 7.1.1972).
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Info Nr.5,Dortmund 15.12.1971,S.1

Januar 1972:
An der PH Dortmund und der Ruhruniversität Bochum (RUB) führt der KSV der KPD, nach eigenen Angaben, vermutlich im Januar eine Kampagne gegen den Abbau der demokratischen Rechte des Volkes bzw. den Hamburger Erlaß (Berufsverbote - BV) durch (vgl. 3.2.1972). In dieser Kampagne habe der KSV "in Flugblättern und auf einem Teach-In den Studenten erklärt, daß nur die Front aller fortschrittlichen und sozialistischen Studenten, Angestellten und Proletariern an der Seite der Kommunisten gegen die ständigen Angriffe der Staats- und Hochschulbürokratie erfolgreich den Kampf aufnehmen kann."
Q: KSV-Zelle PH Dortmund:Wahlzeitung,Dortmund Feb. 1972,S.6

07.01.1972:
An der PH Dortmund enden die Weihnachtsferien (vgl. 23.12.1971).
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Info Nr.5,Dortmund 15.12.1971,S.1

10.01.1972:
Der AStA der PH Dortmund gibt von der dortigen Studentenvollversammlung am 19.1.1972 einen:"
BERICHT VON DER SV AM 10.1.1972

Montag, 10.1.1972 an der PH Ruhr, Abt. Dortmund.

Der SK-Präsident eröffnet die Sitzung. Die von ihm vorgeschlagene Tagesordnung wird akzeptiert:
Wahl des Wahlausschusses
Nachwahl in den Ältestenrat
Verschiedenes

Folgende Kommilitonen wurden in den Wahlausschuß gewählt: Delkus, Bernikowski, Fietrich, Plischke und Ant.

Durch Exmatrikulation von drei Kommilitonen war es notwendig, eine Nachwahl in den Ältestenrat durchzuführen.

Es wurden gewählt:
Anne Schniederjoost, Anne Brinkmann und Manfred Krüger.

Der Kommilitone Springborn (RCDS (der CDU,d.Vf.)), der ebenfalls kandidierte und seine Wahlchancen sehr optimistisch einschätzte, wurde nicht gewählt.

Dann ging es um DOS (Dortmunder Studentenzeitung) und um SaW (Schwarz auf Weiß). Der AStA hatte beantragt, den Raum, der SaW beherbergt, auch DOS zur Verfügung zu stellen.

Er begründete dies damit, daß SaW den Anspruch, studentische Zeitung zu sein, seit dem Erscheinen von DOS nicht vertreten kann, da sie nur sporadisch erscheint und nicht über die aktuelle Hochschulpolitik informieren kann.

Es ging den AStA nicht darum, die 'einzige und unabhängige Zeitung', wie auf der SV behauptet wurde, zu vernichten.

Doch eines wollen wir klarstellen: SaW ist ebenso wenig unabhängig wie jede andere Zeitung. Sie kann keine wertfreien und objektiven Informationen liefern. Eine Zeitung, die sich durch Anzeigen finanziert, ist notwendigerweise gehalten, der Meinung der Inserenten zumindest nicht zu widersprechen.

Diese Ausgabe der DOS befaßt sich in mehreren Artikeln mit der 'Wertneutralität, Objektivität und Unabhängigkeit'.

Wir wollen mit DOS nicht fiktiven Ansprüchen (Wertneutral) gerecht werden.

Wir wollen weiterhin aktuell informieren.

Wir wollen weiterhin der Studentenschaft klarmachen, für welche spätere Funktion sie an der Hochschule ausgebildet wird."
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.6,Dortmund 19.1.1972,S.2

17.01.1972:
Die DKP gibt vermutlich in dieser Woche ihren 'Blick auf Dortmund' (vgl. Nov. 1971, 31.1.1972) - Informationen, Hinweise, Ratschläge der DKP für demokratische Kommunalpolitik heraus.
In einer Spalte heißt es:"
SPOT(T)S ODER: SEITEN'BLICK'

WAHR IST, daß die Abteilung Heilpädagogik der Dortmunder PH in Eichlinghofen über 200 Studienplätze verfügt.

UNWAHR IST dagegen, daß man den eingeschriebenen 800 Studenten empfohlen hat, sich während der Seminare gegenseitig auf den Schoß zu nehmen (etwa: 1 Stuhl für 4 Studenten oder 1 Schoß für 3 Studentinnen)."
Q: Blick auf Dortmund Rat der Stadt Dortmund kein höheres Wesen,Dortmund o.J. (Jan. 1972)

19.01.1972:
An der PH Dortmund erscheint die Nr.6 der 'AStA-Information, DOS - (Dortmunder Studentenzeitung)' (vgl. 15.12.1971, 26.1.1972) mit elf Seiten DIN A 4 unter dem Generalthema "Was heißt schon 'wertneutral'?" mit folgendem Inhalt:"
1. Bericht von der SV am 10.1.1972 (vgl. dort)
2. 'Funktion der Erziehung in unserer Gesellschaft' von den SAG Bochum (vgl. 10.1.1972).
3. Der Tod von Georg von Rauch oder: Wie informiert die deutsche Presse?
4. Studentenheim soll für Bundeswehr zwangsgeräumt werden! (vgl. Braunschweig - 22.12.1971, 5.1.1972)
5. Kostenlose Rechtsauskunft
6. Pressespiegel aus der Hochschulwelt

Die Termine sind gegenüber der letzten Nummer unverändert.

Gefragt wird:"
DER TOD DES GEORG VON RAUCH ODER WIE INFORMIERT DIE DEUTSCHE PRESSE?

Im folgenden Bericht wollen wir nicht in erster Linie Licht in das Dunkel der Ereignisse um die Erschießung des Georg von Rauch bringen, sondern wollen aufzeigen, wie 'objektiv' und 'wertneutral' die deutsche Presse informiert. Gerade dieser Fall ist eines der krassesten Beispiele, wieviel Wertung in der Information liegt.

Versuchen wir, den Ablauf unter Zuhilfenahme mehrerer Zeitungen und Zeitschriften zu rekonstruieren:

Do/2/12/71
'stern': 'Baader-Meinhof-Gruppe - Wer stirbt als Nächster?'

Fr/3/12/71
'spiegel' 53/71:
'Die Westberliner Polizei ermittelte, von Rauch sei 'zum harten Kern der Meinhofgruppe gestoßen'. Er kommt auf die Fahnungsliste.'

Sa/4/12/71:
W-Berlin, Eisenacherstraße, ca. 17.25 Uhr: Der 24-jährige Georg von Rauch wird unter zunächst unklaren Umständen erschossen.

In den folgenden Tagen überstürzen sich Meldungen, die sich widersprechen.

Der angeblich schwerverletzte Kriminalobermeister Hans-Joachim Schultz entpuppt sich als Kriminalhauptmeister mit einem Streifschuß (er hat letzten Meldungen zufolge Rauch erschossen).

Plötzlich sollen es einige Genossen des Rauch gewesen sein, die die tödliche Kugel abschossen.

Die 'Berliner Morgenpost' schreibt noch sehr verhalten am 9/12/71, daß ein 'vierter Schütze von der anderen Straßenseite geschossen haben muß.'

Am 18/12/71 macht der 'Berliner Extra Dienst' (BED,d.Vf.) mit folgender Schlagzeile auf: 'Rauch-Tötung bei Feuergefecht - Verfassungsschutz gegen Polizei.'

Am 27/12/71 faßt der 'Spiegel' alle Gerüchte zusammen und fragt: 'Am 4. Dezember wurde in Westberlin der 24jährige Anarchist Georg von Rauch erschossen - von einem Gesinnungsgenosen, von einem Polizisten oder von einem Verfassungsschützer?'

Laut 'stern' 2/72 (vgl. 10.1.1972,d.Vf.) teilte der Chef des Berliner Verfassungsschutzamtes mit, 'zwei seiner Beamten hätten in 30 m Entfernung in einem Auto gesessen und bloß Mündungsfeuer gesehen. Wer geschossen hat, das wüßten sie leider auch nicht.'

Nach fünf Wochen, in denen eine Meldung die andere dementierte, taucht plötzlich 'Licht in das Dunkel':

Im 'Spiegel' 3/72 (vgl. 17.1.1972,d.Vf.) ist dann auch plötzlich zu lesen, daß die Brille Rauchs wieder aufgetaucht sei, anhand derer man das Kaliber der Todeskugel feststellen kann, da ist das Obduktionsergebnis bekannt (Todeskugel hat das Kaliber 7,65mm, also das bei der Polizei übliche) und vom Verfassungsschutz schon gar nicht mehr die Rede. Also, wer geschossen hat, ist klar, die Umstände bleiben unklar.

Das sind die Tatsachen um diesen verwirrenden Fall. Alle Zeitungen und Zeitschriften wollen informieren und auch die Hintergründe aufzeigen. Vergleichen wir einige Zeitschriften und das Schwergewicht ihrer Meldungen:

Der 'Spiegel', sonst das bestinformierte Blatt, fragt nur noch; der Stuhl
des Berliner Innensenators steht im Vordergrund.

Der 'stern', sozialliberal und Fast-Hauspostille der Regierung greift den Verfassungsschutz an und fordert mehr Durchblick und Demokratie.

Linke sozialistische Blätter wenden sich gegen den Polizeiterror und die Kriminalisierung der Linken.

Springers 'Morgenpost' wettert gegen die zunehmende Kriminalität.

Jeder schreibt über dieselbe Sache aus einer bestimmten Anschauung heraus und mit einer bestimmten Absicht. Jede Zeitung hat ihr Image.

Die Neutralität ist da schon nicht mehr gewahrt, wo Redakteure unter verschiedenen Informationen auswählen, welche sie veröffentlichen.

Ein Blatt, das sich unabhängig nennt, ist nicht unabhängig von den Presseagenturen, vom Verleger, von den Anzeigengebern, von den Lesern.

Wir ziehen nicht die Folgerung, Meldungen sollten 'neutral' und 'ohne Wertung' sein.

Uns allen muß vielmehr klar werden, wessen Interessen in welchem Blatt vertreten werden.

DOS INFORMIERT IM INTERESSE DER STUDENTEN. DAS IST EINE WERTUNG, EINE RICHTIGE, WIE WIR MEINEN!"

Informiert wird über die:"
KOSTENLOSE RECHTSAUSKUNFT

Alle Studenten der PH Dortmund können sich kostenlos Rechtsauskunft einholen. Der AStA der PH hat zwei Rechtsanwälte unter Vertrag genommen.

Rechtsanwälte: Marbach und Bönig, 46 Dortmund, Westenhellweg 2, Telef. 529657, Sprechstunden Mo.-Fr. ab 14 Uhr 30 - 17 Uhr.

Der AStA übernimmt die Beratungskosten.

Sollte es aufgrund der Beratung zu einem Prozeß kommen, muß die Kostenfrage mit dem AStA diskutiert werden.

Jeder der sich beraten läßt, erhält in der Anwaltspraxis gegen Vorlage des Studentenausweises eine Karte, auf der die Beratung vermerkt wird. Diese Karte gibt er im AStA ab.

Die Finanzierung der Rechtsanwälte erfolgt aus dem Teil der Semestergebühren, der für die sozialen Belange der Studenten vorbehalten war (drei DM)."

Unter dem Punkt "PRESSESPIEGEL AUS DER HOCHSCHULE", werden verschiedene ungekennzeichnete Artikel aus (Hochschul-) Zeitungen, u.a. aus 'Reflektor' abgedruckt, die sich u.a. mit 'Numerus Clausus' (NC) und 'Zurückstellung der Studenten vom Grundwehrdienst' beschäftigen.
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.6,Dortmund 19.1.1972

26.01.1972:
U.a. der AStA der PH Dortmund (vgl. 26.1.1972) rief in den Hörsaal II (HII) der PH Dortmund zur:"
PROTESTKUNDGEBUNG GEGEN DIE MASSREGELUNG DER FRÖNDENBERGER GESAMTSCHULLEHRER

Im Oktober/November 1971 führten drei Fröndenberger Gesamtschullehrer eine UE 'Arbeit' durch, die im gesamten Umkreis viel Zustimmung und Ablehnung fand, und für die betroffenen Lehrer nicht ohne Folgen blieb (vgl. 'BE' 1/1972 und 'stern' 4/1972 (vgl. Jan. 1972 bzw. 24.1.1972,d.Vf.)). Zum Januar 1972 wurde die Referendarin Frau Kühn mit formal korrekten Ausbildungsgründen an eine Unnaer Hauptschule versetzt. Vor wenigen Tagen ist die Abordnung des Studiendirektors von Koerber an ein Gymnasium in Hemer zum 1.2.1972 verfügt worden.

Diese Maßnahme wird mit dem durch Herrn von Koerber 'gestörten Schulfrieden' begründet.

Aus diesem Anlaß treffen sich solidarische Gesamtschullehrer am Mittwoch, den 26.1.1972, 18 Uhr im H II der PH Dortmund.

Kommilitonen, unterstützt die fortschrittlichen Berufskollegen durch euer zahlreiches Erscheinen."

Der AStA der PH Dortmund (vgl. 2.2.1972) berichtet:"
Die Gesamtschullehrer aus NRW trafen sich am 26.1.1972 um 18 Uhr im HII der PH DO. Um die Versetzung ihrer Kollegen rückgängig zu machen, verfaßten sie zusammen mit den anwesenden Studenten folgende Resolutionen:

'Dortmund, 26.1.1972

RESOLUTION I

Anläßlich der Abordnung des Kollegen von Koerber von der Gesamtschule an ein Gymnasium wenden sich die Unterzeichneten entschieden dagegen, daß Gesamtschullehrer auf Grund ihrer Femühungen, Ziele der Gesamtschule inhaltlich zu füllen - wozu sie im Schulversuch verpflichtet sind - mit dem Mittel kurzfristiger Abordnung und Versetzung persönlich gemaßregelt werden. Wir weisen nachdrücklich darauf hin, daß ein Festhalten der vorgesetzten Dienstbehörden an ihrer Entscheidung jede inhaltlich neue Unterrichtskonzeption als unerwünscht erscheinen läßt.

Jeder innovativ tätige Lehrer muß befürchten, daß er wegen seiner Arbeit beruflich bedroht ist.

Unabhängig davon werden die Unterzeichneten sorgfältig prüfen, ob die Unterrichtseinheit 'Arbeit', die zum Anlaß für die Abordnung des Kollegen von Koerber genommen wurde, nicht auch an anderen Gesamtschulen durchgeführt werden kann.

Wir fordern den Kultusminister (KuMi,d.Vf.) auf, die Abordnung des Kollegen von Koerber rückgängig zu machen.

65 Ja-Stimmen 3 Nein-Stimmen Keine Enthaltung

RESOLUTION II

Die Unterzeichneten verurteilen den Mißbrauch, der mit dem Erlaß zur Ausbildung von Referendaren an Gesamtschulen im Fall Jutta Kühn getrieben wurde.

Die Kollegin Kühn wurde unter Berufung auf diesen Erlaß GEGEN IHREN WILLEN von der Gesamtschule Fröndenberg entfernt und einer Hauptschule zugewiesen. Wir haben den Eindruck, daß man damit die Konsequenzen aus der Mitarbeit der Kollegin Kühn an der Unterrichtseinheit 'Arbeit' gezogen hat, und fordern, daß der Kollegin Kühn Gelegenheit gegeben wird, weiterhin an der Gesamtschule Fröndenberg zu verbleiben.'

Der Lehrer wird in der Auswahl der Lehrinhalte immer mehr eingeschränkt. Wenn er diese nicht nach den Richtlinien des Kultusministeriums behandelt, sondern kritisch hinterfragt, vielleicht mit den Schülern auf Widersprüche in unserem Gesellschaftssystem stößt, kann er damit rechnen, daß seine Mitarbeit an der betreffenden Schule nicht mehr unbedingt erwünscht ist.

Kommilitoninnen und Kommilitonen, SOLIDARISIERT euch mit den Lehrern, die die vorgegebenen Lehrinhalte nicht kritiklos übernehmen, sondern versuchen, gesellschaftliche Probleme in ihren Unterricht mit einzubeziehen.

Kommt in den AStA und unterzeichnet die dort ausgehängten Resolutionen!"
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.7 und 8,Dortmund 26.1.1972 bzw. 2.2.1972,,S.18 bzw. S.10f

26.01.1972:
An der PH Dortmund erscheint die Nr.7 'AStA-Information, DOS - Dortmunder Studentenzeitung' (vgl. 19.1.1972 2.2.1972) mit 20 Seiten DIN A 4 unter dem Motto "Maulkorb für Studenten!?!" und mit folgendem Inhalt:
- VDS-Unterstützung verboten
- 'Reform des Lehrerstudiums'
- Stop der Studentenzahlen
- Bespitzelung an der Hochschule
- Verschärfung der Begabtensonderprüfung
- PGH/ESH stellt sich vor
- Die Machenschaften der Hamburg-Münchener
- Brief des Vaters Georg von Rauch.

Unverändert sind die Termine der ESG und ihrer PGH.

Ausgeführt wird:"
VDS-UNTERSTÜTZUNG VERBOTEN

Den Studenten, sowohl der verfaßten Studentenschaft (gleich AStA) als auch dem einzelnen Studenten wird allmählich die Ausübung der freien Meinungsäußerung eingeschränkt, sowohl durch Bespitzelung als auch durch Verbote aller Art. Wenn wir uns nicht dagegen wehren und unsere demokratischen Rechte verteidigen, werden wir bald vollends durch die verschiedenen Maulkörbe (gleich Repressalien) mundtot gemacht.

Als erstes ist die Kultusbürokratie als vorgeschobener Handlanger des Monopolkapitals schon seit Jahren dabei, unsere Rechte (freie Meinungsäußerung, Versammlungen, hochschulpolitische Arbeit etc.) einzuschränken.

Das Hauptziel ihrer Attacken, die unter dem Mäntelchen juristischer Notwendigkeiten und durch Paragraphenverdrehungen stattfinden, gilt dem AStA.

WARUM ANGRIFFE GEGEN DEN ASTA?

Der AStA ist das einzige Organ, das ausschließlich von Studenten besetzt ist und ihre Interessen nach AUSSEN hin vertritt.

Da die Behörden und damit das Kapital, das heißt die Herrschenden, die Meinung der Studenten und die daraus erwachsenden Konsequenzen fürchten, wird logischerweise die Zerschlagung der verfaßten Studentenschaft (gleich AStA) also 'unserer Gewerkschaft' angestrebt.

Kommilitoninnen und Kommilitonen, in Baden-Württemberg ist folgendes schon geschehen:

1. DORT IST DER ASTA BEREITS VERBOTEN!
2. VOLLVERSAMMLUNGEN DER STUDENTENSCHAFT SIND VERBOTEN!
3. FLUGBLÄTTER MÜSSEN NAMENTLICH UNTERZEICHNET UND VON DER VERWALTUNG GENEHMIGT WERDEN!
4. PLAKATE SIND GENEHMUNGSPFLCHTIG!
5. VERSAMMLUNGEN VON STUDENTEN IM PH-GEBÄUDE SIND VERBOTEN, FALLS NICHT VORHER BEIM REKTORAT DIE GENEHMIGUNG EINGEHOLT WURDE!

Kommilitoninnen und Kommilitonen, das sind Tatsachen, keine Vermutungen!

Wo bleiben unsere im Grundgesetz (GG,d.Vf.) verankerten Rechte wie Versammlungs-, Meinungsfreiheit etc.??? (Wir möchten Euch an dieser Stelle auf unseren Artikel 'Grundgesetz - auf Grund gesetzt' in DOS-5 hinweisen).

Die ANGRIFFE richten sich natürlich nicht allein gegen den AStA. Fast Alle ASten sind im VDS (gleich Verband Deutscher Studentenschaften) zusammengeschlossen.

Damit dieser sogenannte Dachverband aller Studentenschaften arbeiten und unter anderem eine Koordinationsfunktion erfüllen kann, zahlen die ASten Beiträge (an der PH Dortmund für jeden Studenten pro Semester ca. 1,20 DM).

Um diesen festen Verband zu zerstören, richten sich die Aktionen der rechten Kräfte, besonders auch von CDU und RCDS-Leuten (siehe Frankfurter Rundschau (FR,d.Vf.) vom 18.1.1972), gegen den VDS. Wenn dieser Verband durch Verbot der Beitragszahlungen zerschlagen wird, können die dann isolierten und allein für unsere Interessen kämpfenden ASten umso leichter in ihrer Arbeit gestört, aufgelöst und verboten werden.

Nachfolgend haben wir Zeitungsartikel mehrerer bürgerlicher Zeitungen in chronologischer Abfolge, die die oben aufgezeigten Gefahren begründen, zusammengestellt".
Diese berichten aus Frankfurt (vgl. 3.12.1971), Göttingen (vgl. 20.12.1971), Tübingen (vgl. 13.1.1972) und vom VDS-Vorstand (vgl. 17.1.1972).

Der eigene Kommentar lautet:"
Kommilitoninnen und Kommilitonen, wir rufen Euch auf zu energischer Gegenwehr.

Verteidigt die Wahrnehmung Eurer Interessen durch einen STARKEN ASTA, indem ihr massenhaft am 8./9.2.1972 zur Wahlurne geht und in die SK (Studentenkonferenz) und damit auch in den AStA Gruppen wählt, die wirklich Eure Interessen vertreten.

Schaut Euch dazu vorher KRITISCH bei den verschiedenen Gruppen um.

Fragt sie nach ihren BISHERIGEN LEISTUNGEN, fragt sie nach ihrem ZUKÜNFTIGEN PROGRAMM und nach dem, was sie FÜR EUCH, nicht ohne und gegen Euch, erreichen wollen.

Wählt keine rechten Gruppen; denn wie ihr seht, versuchen diese, überregionale Verbände der Studentenschaften zu zerschlagen.

WIR WOLLEN EINEN STARKEN ASTA, DER FÜR UNSERE INTERESSEN KÄMPFT UND EINEN STARKEN DACHVERVERBAND, DEN VDS."

Es folgt:"
DIE NEUE LEHRERAUSBILDUNG

So soll das neue Lehrerausbildungskonzept aussehen, das noch in diesem Jahr verabschiedet werden soll:
Semester Primarstufe Sekundarstufe I Sekundarstufe II
1 Erziehungswissenschaft im sog. Kompaktseminar
2
-----------------------------------------------------------------------------
3
1 Fach (Wahlfach) 1. Wahlfach Hauptfach
4
-----------------------------------------------------------------------------
5
Differenzierung Didaktik und 2. Wahlfach Hauptfach
anderes für Grundschule Hauptschule
6
aufbauend auf dieses sechsemestrige Studium ein sogenanntes zweisemestriges Erweiterungsstudium:

7
ein 2. Wahlfach - Sek.stufe I 1. Wahlfach noch noch ein 2. Wahlfach
einmal - Sek.st.II Primarstufe und Sek.I
oder zwei Semester Heilpädagogik
8

Die Neuordnung der Lehrerausbildung schlägt allen Optimisten und auch denjenigen, die noch an 'rechte Reformen' glaubten, voll ins Gesicht. Alle EXPERTEN in sämtlichen Bereichen der Lehrerbildung waren sich darüber einig, daß die MINDESTZEIT für die Lehrerausbildung ACHT Semester betragen müsse.

Wie diese Stimmen von der Kultusbürokratie und den Behörden gehört wurden, beweist dieser Entwurf, den wir hier für Euch graphisch dargestellt haben.

HIER ZEIGT SICH WIEDER EINMAL, daß die Obrigkeit dieses Staates überhaupt NICHT an einer optimalen Ausbildung der Lehrerstudenten interessiert ist.

Diejenigen, die bisher noch acht Semester studiert haben (Realschullehrer - Sekundarstufe I und Gymnasiallehrer - Sekundarstufe II), werden in Zukunft AUCH NUR NOCH SECHS Semester studieren!

DIE AUSWIRKUNGEN AUF DIE LEHRERAUSBILDUNG UND VOR ALLEM AUF DIE SCHÜLER sind noch gar nicht abzusehen. Schlecht ausgebildete Lehrer haben in ihrem Beruf Schwierigkeiten jeder Art. Sie sind unfähig, auf die Bedürfnisse und die Probleme der Kinder einzugehen.

FOLGLICH…

…werden sie zu 'altbewährten' repressiven Maßnahmen greifen und sich hinter ihrer Amtsautorität verstecken.

SCHÜLER, die schlecht ausgebildet die Schule verlassen, haben immerhin noch die Möglichkeit, 'gute' Arbeiter zu werden. Diese Schüler werden sich einordnen und anpassen, so wie sie es von der Schule her kennen und kritiklose Untertanen dieses Staates werden.

Nach Informationen aus der Abteilungskonferenz der Abteilung Heilpädagogik der PH Ruhr plant die Kultusbürokratie

BIS 1980 (!) KEINE ERHÖHUNG DER STUDENTENZAHL AN DER PH RUHR!

Die Begründung für diese sensationelle Entscheidung:

ES IST DAVON AUSZUGEHEN, DASS GENÜGEND LEHRER VORHANDEN SIND.

Natürlich sind genügend Lehrer vorhanden, wenn man von der angeblichen Klassenfrequenz von 40 Schülern (in Schweden: 25!) ausgeht.

JEDER KOMMILITONE der in einer Schulklasse mit einer derartigen Klassenstärke schon einmal unterrichtet hat, kennt die chaotischen Zustände und die großen Anforderungen, die an jeden Schüler und auch an den Lehrer gestellt werden!

Nach Berichten aus dem Kultusministerium sollen die Studentenzahlen der Professoren nach Forschung und Lehre differenziert werden.

Die Profs sollen 24 Stunden maximal Vorlesungen halten, ihre Lehre betreiben.

Über eine Abstufung kommt man auf 8 Stunden, die den Herren vorbehalten werden, die primär forschend tätig sein sollen.

- Eine neue, zum Teil verkÜrzte, nicht ausreichende LEHRERAUSBILDUNG
- Keine Erhöhung deR STUDENTENZAHLEN bis 1980,
- Aufteilung der LEHRENDEN in 'Rezeptemacher' und 'Rezepteanwender' (für die Studenten im Hochschulrahmengesetz (HRG,d.Vf.) schon längst vorgesehen).

DIESE TATSACHEN IM NOTWENDIGEN ZUSAMMENHANG GESEHEN ERGEBEN FOLGENDES:

Die Herrschenden unserer kapitalistischen Gesellschaft versuchen, das Bildungssystem für ihre Interessen (gleich Profitmaximierung) voll verwertbar zu machen.

Die Kapitalistenklasse braucht wenige Rezeptemacher und eine große Mehrheit von Rezepteanwendern.

Sie braucht notwendig Handlanger (und Lehrer), die mit einem Minimum an Kenntnissen ausgestattet der breiten Mehrheit unseres Volkes gerade soviel an Wissen vermittelt, wie es für die Systemerhaltung notwendig ist."

Gefragt wird:"
Wußtest Du schon,…
…daß Arbeiten des ersten Staatsexamens, die mit 5 oder 6 bewertet wurden, von keinem zweiten Prüfer nachgesehen werden müssen!?!
…daß Professoren für Prüfungen, die sie abnahmen, gestaffelt nach 1. Staatsprüfung, Vordiplom- und Diplomprüfung honoriert werden?!?!"

Eingeleitet wird:"
DOS veröffentlicht hier einen Bericht aus dem 'Roten Pfeil' (Nr.16 vom Juni 1971) über Maßnahmen der deutschen Kultusministerien gegenüber politisch aktiven Hochschulgruppen."
Es folgt der Artikel aus dem Organ der KSG/ML des KAB/ML und der Kommentar:"
Auch an dieser Hochschule werden wir bespitzelt. Auf fast jeder der letzten SV's (Studentenvollversammlungen) waren Leute zugegen, die für die politische Polizei (14. Kommissariat (K14,d.Vf.)) Informationen sammeln.

Wir können nichts gegen diese einzelnen Leute unternehmen, da sie meistens so klug sind, sich an der PH einzuschreiben.

Daher sind sie dann formal Studenten, die an jeder SV teilnehmen dürfen.

KOMMILLITONINNEN UND KOMMILITONEN, WIR WEHREN UNS GEGEN DIESE UND ÄHNLICHE REPRESSIVE MAßNAHMEN DER KULTUSMINISTER!

Wir möchten Euch noch auf folgendes Schreiben des Ministers für Wissenschaft und Forschung vom November 1971 hinweisen, in dem sich die oben aufgezeigten Tendenzen ankündigen". Es folgt ein Schreiben des o.g. Ministers von NRW vom 23.11.1971 mit folgender Anmerkung:"
Was ist wohl ein 'strafbarer Inhalt'?

Wir halten es für eine Gummiformel, die den Herrschenden jede Auslegung ermöglicht."

Der nächste Artikel berichtet über die:"
VERSCHÄRFUNG DER BEGABTENSONDERPRÜFUNG

Wenn die Begabtensonderprüfung so verschärft wird, daß über die Hälfte der Prüflinge durchfällt, so ist es doch wohl notwendig, sich über den Hintergrund dieser Prüfung einige Gedanken zu machen.

Die Sonderprüflinge der vergangenen Jahre nehmen eine besondere Stellung innerhalb der Hochschule ein: sie sind politisch aktiver als die Abiturienten und sie zeigen auch mehr Bereitschaft, sich für ihre Interessen einzusetzen.

Ein Beispiel dafür bietet der AStA, der in den letzten Jahren hauptsächlich aus Sonderprüflingen bestand.

Angesichts dieser Tatsache muß die Verschärfung der Sonderprüfung als der Versuch einiger Professoren gewertet werden, politisch aktive Leute von der Hochschule fernzuhalten.

HABEN EINIGE PROFESSOREN ANGST VOR POLITISCH ARGUMENTIERENDEN STUDENTEN?

Auch meinen wohl einige Profs., sie würden im Rahmen des Aufbaus der Gesamthochschule zu Profs zweiter Klasse, wenn an der PH im Verhältnis mehr Arbeiterkinder studieren als an der UNI.

So wird jetzt versucht, auch noch die letzten Lücken für Arbeiterkinder zu verschließen. Die Absicht, mit der Verschärfung der Sonderprüfung besonders die Kinder aus unteren sozialen Schichten zu treffen, wird im Fach Deutsch deutlich.

Auf Grund ihrer Umwelt und ihrer Erziehung haben diese Kinder eine andere Sprache als die Kinder aus der Mittelschicht (nämlich den 'restringierten Code', siehe Basil Bernstein u.a.).

Wenn nun allein in der Deutschprüfung 51,2% der Prüflinge eine '5' oder eine '6' haben, so ergibt sich daraus eine eindeutige Benachteiligung dieser Kinder.

WIR WEHREN UNS DAGEGEN, DASS NOCH MEHR ARBEITERKINDER VOM STUDIUM AUSGESCHLOSSEN WERDEN!

Unterstützt die Prüflinge und kommt zum Teach-In am Donnerstag, 27.1.1972, 13 Uhr im H I."

Der nächste Beitrag lautet:"
PGH/ESG STELLT SICH VOR

Der PGH/ESG ist die Gruppe, die den AStA trägt.

Und das ist die Entwicklung der Gruppe:

WS 1969/1970: Innerhalb der ESG besteht eine POLIT-AG.

SS 1970: Aus dem 'lockeren Haufen' entwickelt sich eine politisch stringent arbeitende Gruppe, die in der PH-Analyse und der Entwicklung der Berufperspektive ihre Aufgabe sieht.

WS 1970/1971: Durch zunehmenden Druck der Kultusbürokratie beschäftigt sich die Gruppe immer mehr mit der gesamten Hochschulpolitik. Im Zusammenhang mit Plänen zur Gesamthochschule nennt sich die Gruppe PROJEKTBEREICH GESAMTHOCHSCHULE. Kritische Reflexion, verstärktes Theoriestudium und Schulungen befähigte den PGH dazu, die Interessen der Studenten zu erkennen und zu vertreten.

SS 1971: Der PGH beteiligt sich an den SK-Wahlen, und übernimmt in einer Koalition mit den Gruppen GEW und SHB den AStA. Er stellt den AStA-Vorsitzenden, das Sozialreferat (mit drei Referentinnen) und den SK-Präsidenten, die gemeinsam mit dem PGH-Kollektiv die Arbeit leisten.

WS 1971/1972: Nach einer Einarbeitungszeit konzentriert sich die Hauptarbeit des PGH auf die Information der Studenten (DOS erscheint wöchentlich), die dazu dienen soll, die Struktur unserer Gesellschaft durchschaubar zu machen.

Das Sozialreferat setzte Schwerpunkte seiner Arbeit auf:
1. Verbesserung der Mensasituation
2. Kostenlose Rechtsberatung für Studenten
3. Bemühungen auf dem Wohnungssektor
4. Bereitstellung eines Aufenthaltsraumes.

Folgende Kandidaten stellt der PGH zur gesicherten Weiterführung der Arbeit zur Wahl:
…, 20, Sozialreferentin des AStA, seit Mitte Oktober Vorsitzende des Vorstands des Studentenwerks (StW,d.Vf.) Dortmund e.V., Mitglied des DOS-Redaktionskollektivs.
…, 18, Mitglied des DOS-Redaktionskollektiv.
…, 20, enger Mitarbeiter des AStA (unregelmäßige Veröffentlichungen).
…, 21, Fachgruppensprecher, Sprachen, Fachsprecher Englisch, SK-Mitglied, Mitglied des DOS-Redaktionskollektiv.
…, 24, SK-Präsident, Mitglied der Fächergruppe Pädagogik.
…, 21, Mitglied der Fächergruppe Biologie.
…, 21, Sozialreferentin des AStA - Hochschulgesetzgebung.
…, 20, SK-Mitglied.
…, 20, Mitglied des DOS-Redaktionskollektiv.
…, 19, Mitglied des DOS-Redaktionskollektiv.
…, 20, Mitglied der Fächergruppe Psychologie.
…, 21, Sozialreferentin des AStA - Krankenversicherung und Wohnungswesen."

Berichtet wird auch:"
ÜBER DIE MACHENSCHAFTEN DER HAMBURG MÜNCHNER KRANKENVERSICHERUNG AN UNSEREN HOCHSCHULEN

Die Misere der studentischen Krankenversicherung spitzt sich immer mehr zu. Obwohl die DSKV (Deutsche Studenten Krankenversicherung) spätestens bis zum SS 1972 aufgelöst wird, und damit 70 000 Universitätsstudenten ohne Krankenversicherungsschutz sind, ist die gesetzliche Regelung von der SPD/FDP-Regierung wieder hinausgezögert worden.

Als Begründung wurde angegeben, daß die Lösung der Krankenversicherungsfrage kein Wahlschlager für die Bundestagswahl 1973 sei, da die Studenten nur 1% der Bevölkerung darstellen.

Die Hamburg Münchner (HA-MÜ) Versicherung versucht nun in letzter Zeit, sich durch intensive Werbung an den Hochschulen, z.B. durch Aussetzen einer Kopfgeldprämie von 25 DM pro erworbenes Mitglied für die AStA-Referenten, vor dem drohenden Konkurs zu retten.

Doch schon der wirtschaftliche Aspekt einer Mitgliedschaft ist fragwürdig, denn die Leistungskosten für Studenten können nicht durch ihre Mitgliedsbeiträge gedeckt werden.

Der Mitgliederbestand der HA-MÜ ist jedoch rückläufig und hat mit 17% der Gesamtmitglieder den höchsten Rentneranteil. Somit ist es fraglich, ob bei diesem Finanzvolumen die Leistungen für Studenten längerfristig abgesichert sind.

Der ausschlaggebende Punkt ist jedoch, daß die HA-MÜ aufgrund ihrer Satzung überhaupt nicht berechtigt ist, Studenten aufzunehmen.

'Paragraph 2 Mitgliederkreise.
(1) Mitglieder der Kasse können werden:

1. Angestellte, Verwaltungs- und Angestelltenlehrlinge von öffentlichen Rechts- und öffentlich rechtlichen Anstalten, Stiftungen des öffentlichen Rechts.
2. Angestellte und Angestelltenlehrlinge in privaten Betrieben.
3. Angestellte Ärzte und Apotheker sowie fachliche Hilfskräfte, einschließlich der Angestelltenlehrlinge in diesen Berufen.'

Von der Mitgliedsberechtigung der Studenten ist also nichts zu lesen. Wie versucht die HA-MÜ nun, diese Klippe zu umgehen?

Offiziell nimmt sie nur Werkstudenten auf, die jedoch nach dem Angestelltenstatus nicht rentenversicherungspflichtig sind. Da jedoch eine Vielzahl von Werkstudenten einer arbeiterrentenversicherungspflichtigen Beschäftigung (Bau, Betrieb) nachgeht, sind diese Mitgliedschaften rechtsunwirksam und können bei Überprüfung annulliert werden.

Dabei sind die sozialen Folgen, z.B. Einstellung einer laufenden Behandlung, nicht abzusehen. Inoffiziell nimmt die HA-MÜ auch Studenten auf, die in ihrem Versicherungsantrag 'irgendeinen Arbeitgeber' angeben.

'Wer noch nicht Werkstudenten ist, besorgt sich kurzerhand einen Job, läßt sich die Bescheinigung ausstellen und macht dann mit dem Job, was ihm dazu einfällt.' (Aus einem Werbeblatt der HA-MÜ in Dortmund).

Da sich die Beschwerden gegen die Aktivität der HA-MÜ häufen, wird mit Sicherheit bei der nächsten Überprüfung durch die Aufsichtsbehörde die Mitgliedschaft dieser Leute annulliert werden.

Die Mitgliedschaft eines Studenten in der HA-MÜ stellt somit ein recht dubioses Abenteuer für ihn dar, einen Schritt in die soziale Unsicherheit!!

Doch solange unsere Bundesregierung soziale Aufgaben weiterhin nach dem Kriterium der Zugkraft im Wahlkampf auswählt, werden die HA-MÜ und ähnliche Unternehmen aus der sozialen Not der Studenten weiterhin Kapital schlagen können."

Enthalten ist auch der Brief des Vaters von Georg von Rauch an den FDP-Vorsitzenden Oxfort (vgl. Berlin - 6.12.1971). DOS merkt dazu an:"
Die Anzeige gegen Unbekannt des Georg von Rauch ist mittlerweile konkret. Nach letzten Ermittlungen stammt die Todeskugel aus der Dienstpistole des Kriminalobermeister Schultz."

Aufgerufen wird zur heutigen landesweiten Protestveranstaltung von Lehrern gegen die Disziplinierung der Fröndenberger GesamtschullehrerInnen.

Beigeheftet ist ein Aufrufflugblatt des SHB (vgl. 1.2.1972).
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.7,Dortmund 26.1.1972

27.01.1972:
An der PH Dortmund soll um 13 Uhr im Hörsaal I, vom AStA einberufen, ein Teach-In zum Thema "Skandal um Begabtensonderprüfung" stattfinden.

Später berichtet der AStA:"
TEACH-IN ZUR SONDERPRÜFUNG

Am Donnerstag, den 27.1.1972, fand das angekündigte Teach-in zur Begabtensonderprüfung im vollbesetzten Hörsaal I statt. Trotz großer Schwierigkeiten - die meisten Kandidaten sind berufstätig - waren weit über die Hälfte der Betroffenen erschienen. Sie hatten - wie auch die übrigen Anwesenden - die Stellungnahme der Deutsch-Professoren zu der katastrophalen Notengebung erwartet, wurden jedoch schwer enttäuscht: Die Sektion Deutsch (ausschließlich Lehrende) ließ eine Stunde vor Beginn des Teach-in eine Stellungnahme verteilen, in der sie 'aus sachlichen Gründen keinen Anlaß sehen, vor dem Teach-in ihre Zensierung zu rechtfertigen.'

Im Namen der Anwesenden legte der AStA-Vorsitzende Gerd-Rüdiger Fischer schärfsten Protest gegen dieses Verhalten ein.

Anhand eines Artikels aus der B:E (betrifft Erziehung 7/1970) wurde noch einmal die Problematik der Zensurengebung gerade im Fach Deutsch aufgezeigt und ausdrücklich auf die Benachteiligung der unteren sozialen Schichten aufgrund ihrer Sprache hingewiesen.

'Was steckt dahinter, wenn 51,8% der Kandidaten, die meist aus den unteren sozialen Schichten stammen, in der Deutscharbeit eine 5 oder eine 6 bekommen? Was steckt dahinter, wenn 51,8% der Kandidaten, die meist aus den unteren sozialen Schichten stammen, im Fach Deutsch eine 5 oder 6 bekommen? Was steckt dahinter, wenn von der PH Rheinland (in Bonn, Köln, Mönchengladbach und Neuß - vgl. S6.**.197*,d*Vf.) sogar die Abschaffung der Begabtensonderprüfung erwogen wird?' (Fischer) Herr Professor Hülshoff (Pädagogik) konnte als Antwort lediglich geben: 'Wahrscheinlich haben sie eine schwache Stunde gehabt.'

Außerdem wurden Stimmen laut, daß im Rahmen der Gesamthochschule (GHS,d.Vf.) die Begabtensonderprüfung der PH an die Begabtenprüfung der Uni angeglichen werden solle - mit anderen Worten verschärft werden solle. Das bedeutet, daß dann ein noch engerer Personenkreis die Möglichkeit hätte, über den zweiten Bildungsweg (ZBW,d.Vf.) ein Studium an der PH aufzunehmen. Fürchten die Professoren, daß sie zu Professoren zweiter Klasse degradiert werden, wenn ein Teil ihrer Studenten nicht das Abitur abgelegt haben und an der Pädagogischen Hochschule im Verhältnis mehr Arbeiterkinder studieren als an der Uni? (…) Wie ein Kommilitone sehr treffend bemerkte, 'hängt das Prestige der Lehrenden davon ab, wen sie unterrichten.' Ein Vertreter der Volkshochschule (VHS,d.Vf.), der die Vorbereitungskurse zur Begabtensonderprüfung durchführt, berichtete, daß sich gerade Studenten, die über diesen Weg zur PH kommen, ausgezeichnet bewähren und daß bei der zweiten Staatsprüfung 'noch kein einziger wegen mangelnder Deutschkenntnisse durchgefallen' sei.

Ein Kommilitone, der vor einigen Semestern selbst die Begabtensonderprüfung abgelegt hat, betonte noch einmal die Fragwürdigkeit der Prüfungskriterien gerade im Fach Deutsch. 'Für einen, der keine 'humanistische Bildung' genossen hat, ist es sehr schwierig, das richtige Gespür dafür zu entwickeln, was die Professoren als 'wesentlich' erachten. Es kommen schließlich diejenigen durch, die sich am besten und konsequentesten an die bürgerliche Wissenschaft angepaßt haben.'

Einstimmig verabschiedeten die ca. 400 Anwesenden eine Resolution, in der eine Neuzensierung aller mit 5 oder 6 bewerteten Arbeiten durch Kommissionen, in denen neben Fachvertretern Vertreter anderer Fächergruppen und Vertreter der Studenten sitzen, gefordert wird. Außerdem wurde gefordert, die noch ausstehende mündliche Prüfung öffentlich zu machen. Einige Dozenten aus anderen Fächern haben sich bereits dazu bereit erklärt. Die Kandidaten der Begabtensonderprüfung werden gebeten, in ihrem eigenen Interesse schriftlich ihr Einverständnis dazu zu geben. Darüberhinaus erklärten sich die Sozialreferentinnen des AStA bereit, mit den Kandidaten Initiativgruppen zu bilden, um mit ihnen über weitere Maßnahmen zu diskutieren.

Der AStA der PH erklärt sich mit den Kandidaten der Begabtensonderprüfung solidarisch und wird nicht zulassen, daß der soziale Numerus Clausus (NC,d.Vf.) Triumphe feiert."

Die morgige 'Westfälische Rundschau' (WR) berichtet, laut AStA:"
STUDENTEN ERHEBEN SCHWERE VORWÜRFE GEGEN PRÜFER

'ARBEITERKINDER SCHEITERN AN ZU SCHARFER ZENSIERUNG'

Die Studenten der Pädagogischen Hochschule nennen es schlicht einen Prüfungsskandal: Bei der schriftlichen Arbeit der Begabtensonderprüfung im Dezember (vgl. Dez. 1971,d.Vf.) soll mehr als die Hälfte der rund 130 Kandidaten allein im Deutschaufsatz die Note '5' oder gar '6' bekommen haben. Damit aber hat sich die Chance der Prüflinge, über den zweiten Bildungsweg zum Studium zu gelangen, erheblich vermindert. In einem vom Allgemeinen Studentenausschuß (AStA) veranstalteten Teach-in sollten gestern die Prüfer im Fach Deutsch ihre Zensierung öffentlich rechtfertigen. Die rund 400 Studenten warteten darauf jedoch vergebens. Die Professoren erschienen nicht.

Einstimmig verabschiedete die Versammlung eine Resolution, in der eine neue Zensierung der mit '5' und '6' benoteten Arbeiten gefordert wird. Diese Bewertung soll eine Kommission vornehmen, der neben Fachvertretern auch Vertreter anderer Fächergruppen und Vertreter der Studenten angehören. Außerdem will der AStA versuchen, an der Anfang Februar stattfindenden mündlichen Prüfung teilzunehmen, um zu verhindern, daß die Prüflinge Represssalien ausgesetzt werden.

Die Hintergründe dieses Skandals sind für den AStA klar. Er faßt sie in dem Satz zusammen: 'Der soziale Numerus Clausus feiert Triumph.' Denn mit der Verschärfung der Sonderprüfung werde versucht, auch noch die letzten Lücken für Arbeiterkinder zu verschließen. Diese Absicht werde vor allem bei der Deutschprüfung deutlich, zumal die Kandidaten - durchweg Kinder aus den unteren sozialen Schichten - auf Grund ihrer Umwelt und ihrer Erziehung eine andere Sprache hätten als Kinder aus der Mittelschicht. In diesem Zusammenhang weist der AStA auf die grundsätzliche Problematik und die Fragwürdigkeit der Kriterien bei der Bewertung von Deutschaufsätzen hin.

Und so zieht der Studentenausschuß aus den Prüfungsergebnissen den Schluß: Einige Professoren meinen wohl, sie würden im Rahmen des Ausbaus der Gesamthochschule zu Professoren zweiter Klasse, wenn an der Pädagogischen Hochschule im Verhältnis mehr Arbeiterkinder studieren als an der Universität."

Die morgigen 'Ruhrnachrichten' (RN) berichten:"
PH-STUDENTEN FORDERN ÜBERPRÜFUNG DER NOTEN

Mit einer einstimmig verabschiedeten Resolution fordern die Studenten der PH-Abteilung Dortmund die bei der Sonderprüfung mit den Noten 'fünf und sechs' zensierten schriftlichen Arbeiten durch eine Kommission zu überprüfen. Dieser Kommission sollen neben Fachvertretern auch Angehörige anderer Fächer sowie Studenten angehören. Außerdem wollen die Studenten die Kandidaten der Sonderprüfung anschreiben und ihre Zustimmung einholen, damit Vertreter der Studentenschaft an den mündlichen Prüfungen am 9.Februar teilnehmen können.

Das ist das Ergebnis des gestrigen 'Teach-in', zu dem der AStA aufgerufen hatte. In dem fast vollbesetzten Hörsaal I der PH begründete AStA-Vorsitzender Gerd-Rüdiger Fischer noch einmal die Einberufung der Protest-Versammlung. So hätten Professoren bei dem für alle Prüflinge verbindlichen Deutsch-Aufsatz 51,2 v.H. der Arbeiten mit 'fünf und sechs' beurteilt. In dem Fach nach Wahl seien sogar 51,8 v.H. der Arbeiten mit diesen Noten bewertet worden.

Als 'Unverschämtheit' wertete Fischer die in einem Flugblatt verbreitete Erklärung der Sektion Deutsch der Abteilung, in der die Prüfer 'aus sachlichen Gründen keinen Anlaß sehen, vor dem Teach-in ihre Zensierung zu rechtfertigen.' Die acht Unterzeichner (Professoren, Wissenschaftler, Assistenten und Räte) weisen in der Erklärung die AStA-Vorwürfe zurück und besonders die Unterstellung, soziale Kriterien seien für die Bewertung der Arbeit bestimmend gewesen.

In der Diskussion wies der stellvertretende Vorsitzende des Prüfungsamtes, Prof. Dr. Rudolph Hülshoff, darauf hin, daß die Sonderprüfung keineswegs erschwert worden sei. Die Erfolgsquote bei den Sonderprüfungen, die als Abitur-Ersatz zu betrachten sei, habe sich in den letzten Jahren nicht verändert. Auch bei der laufenden Prüfung sei ein vergleichbares Ergebnis zu erwarten.

Hartmut Schuh, Präsident der Studenten-Konferenz (SK,d.Vf.), hatte bei seiner Aufgabe als Diskussionsleiter keine Schwierigkeiten."
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.7 und 8,Dortmund 26.1.1972 bzw. 2.2.1972,S.1 und 12 bzw. S.6f; Westfälische Rundschau,Dortmund 28.1.1972,S.* zitiert nach: AStA PH Dortmund: AStA-Information Nr.8,Dortmund 2.2.1972,S.8; Ruhrnachrichten,Dortmund 28.1.1972,S.* zitiert nach: AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.8,Dortmund 2.2.1972,S.8

31.01.1972:
Die Zelle PH Dortmund des KSV der KPD gibt vermutlich in dieser Woche ihre auf Februar datierte 'Wahlzeitung' unter den Parolen: "Unterstützt und wählt Liste 5 (SL): Kampf der kapitalistischen Ausbildung! Für eine Ausbildung im Dienste des Volkes!" mit einem Umfang von 14 Seiten DIN A 4 zu den Wahlen zur Studentenkonferenz (SK) an der PH (vgl. 8.2.1972) heraus.

Im ersten Artikel, "Kampfprogramm des KSV", wird u.a. eine Demonstration gegen den Hamburger Erlaß (Berufsverbote - BV,d.Vf.) am 3.2.1972 in Bochum angekündigt, die den Höhepunkt einer Kampagne gegen den Abbau demokratischer Rechte (vgl. Jan. 1972) sei.

Der zweite Artikel lautet:"
ISOLIEREN WIR DIE REAKTIONÄRE!
BEKÄMPFEN WIR ENTSCHIEDEN ALLE REFORMILLUSIONEN!

'Entschieden demokratisch' (RCDS), 'Vor extremen Experimenten warnen unabhängige Studenten', 'PGH/ESG, die Mannschaft, die den AStA macht!'. Mit diesen Werbesprüchen betreiben seit über einer Woche verschiedene Gruppen an der PH ihren Wahlkampf in der Hoffnung, die Mehrheit in der neuen SK zu erringen. Wir wollen im folgenden kurz auf einige ihrer Argumente eingehen und prüfen, ob sie tatsächlich das halten, was sie lauthals versprechen.

ENTSCHIEDEN REAKTIONÄR - RCDS:

Unter dem Deckmantel der Demokratie gibt sich der RCDS, die Studentenorganisation der reaktionärsten Teile des Monopolkapitals, der CDU/CSU, freiheitsliebend und staatserhaltend. Was sich aber hinter diesen leeren Phrasen verbirgt, wird klar, wenn man in den 'Demokratischen Blättern' vom WS 1971/72 Nr.1 (vgl. ***** 1971,d.Vf.) liest 'Im Wintersemester 1971/72 ging der RCDS an einer Reihe von Hochschulen in eine spürbare Offensive gegen antidemokratische Kräfte über, die ihn immer deutlicher als die entscheidende Alternative im Kampf gegen die Linksradikalen an den Hochschulen erscheinen läßt.'
Die Versuche des RCDS als reaktionärer Spähtrupp, den Boden für das Vorgehen der Hochschulbürokratie gegen fortschrittliche Studenten zu bereiten, seine in jeder Vollversammlung an der PH verbreiteten Denunziationen, seine Hetzkampagnen, die er fortgesetzt gegen Kommunisten entfacht, sind der Beweis dafür, daß er nichts weiter tut, als die Bourgeoisie bei der Ausbildung möglichst guter Handlanger an der PH nach allen Kräften zu unterstützen. Unter der Parole:
KAMPF DEN REAKTIONÄREN UND FASCHISTISCHEN ORGANISATIONEN AN DER HOCHSCHULE
entlarven die Kandidaten der Liste 5 (SL) die reaktionären Machenschaften des RCDS und führen einen entschiedenen Kampf dagegen.

ILLUSIONEN EINER 'FORTSCHRITTLICHEN' STUDENTENPOLITIK: PGH/ESG

Auf Seite 12 in der DOS 7 (vgl. ***** 197*,d.Vf.) steht zu lesen: 'Aus dem lockeren Haufen entwickelt sich eine politisch stringent arbeitende Gruppe, die in der PH-Analyse und der Entwicklung der Berufsperspektive ihre Aufgabe sieht.'

Was vielversprechend anfängt, nämlich als Versuch ein politisches Selbstverständnis zu finden, eine Grundlage für die Arbeit unter Studenten zu entwickeln, landet aber umgehend bei der Aufzählung von 'Erfolgen' studentischer Interessenvertretung ohne jegliche politische Aussage. Denn was hat die PGH/ESG nicht alles geleistet:
'1. Verbesserung der Mensasituation
2. Kostenlose Rechtsberatung für Studenten
3. Bemühungen auf dem Wohnungssektor
4. Bereitstellung eines Aufenthaltsraumes'
Dies sind die stolzen Ergebnisse verstärkter Schulung und Theoriestudiums, kritischer Reflektionen, die 'sie befähigen, die Interessen der Studenten zu erkennen und zu vertreten.' Was aber die PGH/ESG offensichtlich nur erkannt hat ist, wie man mit einem frischen antikapitalistischen Anstrich noch besser Reform-Illusionen ausstreut. Was anders bedeutet jener folgenschwere Satz: 'Auch meinen wohl einige Profs, sie würden im Rahmen des Aufbaus der Gesamthochschule zu Profs 2. Klasse, wenn an der PH im Verhältnis mehr Arbeiterkinder studieren als an der Uni. So wird jetzt versucht, auch die letzten Lücken für Arbeiterkinder zu verschließen.'
'Wir wehren uns dagegen, daß noch mehr Arbeiterkinder vom Studium ausgeschlossen werden!'
Treffend wird hier ausgedrückt, daß, gäbe es mehr Arbeiterkinder an den Hochschulen, manches den Arbeitern leichter fiele. Vielleicht meinen die Kommilitonen von der PGH/ESG, daß, wenn viele Arbeiter nur zu studieren anfingen, sie der kapitalistischen Ausbeutung in den Fabriken entfliehen würden, vielleicht könnten diese an den Hochschulen sich so ausbilden, daß vom Ausbildungsbereich her die Gesellschaft verändert wird. Diese Vorstellungen gleichen den illusionären Plänen der 'linken' SPD-Hochschul- und Schulreformer. Tatsache ist aber, daß mit dem Konzept der 'integrierten Gesamthochschule' in der Tasche die Lehrerstudenten gut trainiert werden, um den Arbeiterkindern noch besser das Denken der Bourgeoisie beizubringen. Es soll noch ausgetüftelter als bisher den Studenten die Hochschule und die gesamte Gesellschaft als reformierbar vorgespiegelt werden. Doch die 'linke' Reformpolitik der PGH/ESG kann die fortschrittlichen Studenten nicht von ihrem entschlossenen Kampf gegen die bürgerliche Wissenschaft abhalten, kann nicht verhindern, daß immer mehr Studenten die Perspektive darin sehen, ihren Kampf dem der Arbeiterklasse unterzuordnen, ihn unter die Leitlinie zu stellen:
KAMPF DER KAPITALISTISCHEN AUSBILDUNG!
FÜR EINE AUSBILDUNG IM DIENSTE DES VOLKES!

GEGEN REFORMISMUS UND REVISIONISMUS!
In diesem Jahr kandidiert zum ersten Mal der MSB Spartakus (der DKP,d.Vf.) zu den SK-Wahlen - und für viele Studenten ist es auch das erste Mal, daß sie etwas von dieser Organisation hören. Diese Tatsache ist nicht nur an der PH zu beobachten. Es gehört zur Strategie des Spartakus, sich auf allen möglichen Wegen in die Gremien zu manövrieren und fruchtlose Debatten hinter verschlossenen Türen zu führen.
Und wenn ein Spartakus-Funktionär bei Baer behauptet, man müsse sich den Studenten gegenüber taktisch verhalten, weil man von ihrem rückständigem Bewußtsein ausgehen müsse, dann ist das auch nur eines von zahlreichen Beispielen dafür, daß die Spartakus-Revisionisten nicht wirklich die Massen mobilisieren können und wollen, daß sie die Studenten nicht zu Verbündeten der Arbeiterklasse erziehen, sondern sie in ihrer Aktivität bestärken, indem sie falsche Hoffnungen über die Möglichkeiten der Studentenvertreter in den Gremien und über Mitbestimmung fördern.

Zur Wahl stellt sich auch die GEW-Hochschulgruppe. Zur GEW ist grundsätzlich zu sagen: die gewerkschaftliche Organisierung der Intelligenz dient dazu, die materiellen Interessen abzusichern und mittels der Gewerkschaft immer wieder ihre Privilegien zu verteidigen. Den Kommilitonen in der GEW-Hochschulgruppe muß klar sein, daß ihre Arbeit in dieser Organisation, auch wenn die Ansätze noch so kritisch sind, letzlich im Reformismus landet.
Dieser Weg ist schon angegeben im Flugblatt 'Zur Mitbestimmung' der GEW in der Forderung nach Studieninhalten 'die stärker auf die Praxis' bezogen sein sollen, die sich orientieren sollen an der späteren Lehrlingstätigkeit der Hauptschüler. Die GEW-Hochschulgruppe tut dabei so, als sei es möglich Theorie und Praxis im Kapitalismus sinnvoll zu verbinden, sofern man im Unterricht etwas näher auf die Lehrlingsausbildung eingeht. Letztlich vertritt sie damit das 'linke' SPD-Konzept, die Gesellschaft über den Ausbildungssektor zu verändern."

Ein weiterer Artikel lautet:"
DIE SK ZUR TRIBÜNE DES POLITISCHEN KAMPFES MACHEN!

Wir wissen - und das zeigt sich auch an dem Interesse, mit dem die Studenten an der PH den Wahlkampf verfolgen - daß sehr viele Studenten sich noch Illusionen darüber machen, daß ihre Interessen allein durch die Arbeit in den studentischen Selbstverwaltungsgremien durchgesetzt werden könnten. Wir wollen gerade auch diesen Studenten dadurch, daß wir ihnen klar machen, daß ihre Vorstellungen von der Möglichkeit einer tatsächlichen Interessenvertretung der Studenten in den Hochschulgremien Illusionen sind, gleichzeitig aufzeigen, welches die richtige Kampfperspektive für fortschrittliche PH-Studenten ist.
Es ist eine berechtigte Frage der Studenten, wie die Kommunisten die Arbeit in den Gremien grundsätzlich bestimmen und wie sie konkret den Kampf in der Studentenkonferenz und im AStA führen wollen. Diese Frage, die notwendig ist, allen Organisationen und Gruppen, die sich an der Wahl beteiligen, zu stellen, wird dieser Artikel beantworten.

Kommilitonen, dabei ist es zuallererst wichtig, noch einmal klar zu sagen, wo das Hauptkampffeld der Kommunisten liegt.
Ziel des KSV ist es, die Studenten zu Verbündeten der Arbeiterklasse zu erziehen. Deshalb ist die Hauptseite der Arbeit des KSV die Führung und Anleitung der Massenkämpfe. Um in diesen Kämpfen alle demokratischen und sozialistischen Studenten fest zusammenzuschließen hat der KSV die drei Pfeiler der Massenarbeit in seinem Kampfprogramm entwickelt, den Kampf für das sozialistische Studium, den antiimperialistischen Kampf und den Kampf gegen den Abbau der demokratischen Rechte des Volkes. Uns ist ganz klar, daß in diesen Kämpfen nur Erfolge errungen werden können, wenn sie von der Masse der Studenten getragen werden, denn nie in der Geschichte der Kämpfe an den Hochschulen wurde ein Erfolg durch Gremienarbeit durchgesetzt. Die Arbeit in den Gremien hatte immer nur unterstützende Funktionen.

Warum arbeiten die Kommunisten dann aber überhaupt in den Gremien? Unter der strategischen Leiltlinie des KSV:
KAMPF DER KAPITALISTISCHEN AUSBILDUNG!
FÜR EINE AUSBILDUNG IM DIENSTE DES VOLKES!
Die uns ja klar das Ziel des Kampfes, den Sozialismus zeigt, ist es notwendig, alle Möglichkeiten, die uns die bürgerliche Demokratie bietet, auszunutzen, sie als Stützpunkte für die Massenkämpfe zu benutzen, durch sie die Kämpfe zu flankieren. Auch die SK und der AStA können Stützpunkte in unserem Kampf sein. Die wichtigste Frage der Studenten ist aber, wofür setzen sich die Kommunisten in den Gremien ein. Weil wir die Studenten zu Verbündeten des Proletariats erziehen wollen, treten wir alle die Interessen der Studenten ein, die den Interessen der Arbeiterklasse nicht widersprechen. Wir kämpfen DESHALB nicht um die Privilegien der Studenten.
Durch die Privilegierung der Studenten vor der Arbeiterklasse, z.B. dadurch, daß die Studenten in ihrer Ausbildungszeit nicht wie das jugendliche Proletariat gezwungen sind in den Fabriken zu arbeiten und ausgebeutet zu werden, versucht ja gerade die Bourgeoisie die Studenten davon abzuhalten, den Kampf unter Führung der Arbeiterklasse aufzunehmen. Im Sozialismus wird die Intelligenz sicher keine Privilegien haben - deshalb heißt, den Kampf um studentische Privilegien führen immer, die Studenten vom Kampf für den Sozialismus abzuhalten - dient damit letzlich nur der Bourgeoisie.

Wenn wir sagen, daß die Arbeit in der SK und im AStA unsere Kämpfe flankieren soll, dann ist von daher schon klar, wofür wir uns einsetzen werden. Jeden Fall des Abbaus demokratischer Rechte wird der KSV aufgreifen und gegen den Abbau der demokratischen Rechte des Volkes mit der Masse der Studenten kämpfen. Gleichzeitig haben wir als Kommunisten in der SK die Aufgabe, immer wieder alle Organisationen darauf zu verpflichten, klar zu sagen, wie sie zu den Massenkämpfen stehen.
Dann nämlich wird es sich auch zeigen, was es mit dem demokratischen Getue der RCDS-Reaktionäre auf sich hat. Dann nämlich, wenn er seine demokratische Maske fallen muß und klar als Vertreter der Konterrevolution auftritt. Wir Kommunisten haben die Pflicht, permanente Enthüllungs- und Entlarvungskampagnen gegen die Reaktionäre zu führen, um den Studenten immer wieder zu zeigen, daß die, die sich als Vertreter der Interessen der Studenten aufspielen, in Wirklichkeit die Vertreter der Klasse sind, die z.B. durch die reaktionär-bürokratische Hochschulreform in immer größerem Maße den Abbau der demokratischen Rechte des Volkes auch an den Hochschulen betreibt.
Indem wir alle anderen Organisationen an ihrem antikapitalistischen Anspruch packen, sie in der SK zwingen Stellung zu beziehen zu den Kämpfen der Arbeiterklasse und der mit ihr verbündeten Schichten des Volkes, machen wir die SK zu einer Tribüne des politischen Kampfes.
Auch in der SK wird sich bei wichtigen politischen Entscheidungen, wie der Verabschiedung von Resolutionen gegen politische Dsiziplinierung, bei Entschlüssen über einen Streik, bei Aufrufen zu Demonstrationen immer wieder zeigen, wer tatsächlich den proletarischen Standpunkt vertritt. So müssen wir, wenn wir die Reaktionäre isolieren, gleichzeitig den Kampf zweier Linien führen. Wir müssen immer wieder aufdecken, daß es den Revisionisten von MSB Spartakus gar nicht mehr darum geht, für den Sozialismus zu kämpfen, da - laut Ausspruch eines Spartakus-Funktionärs an der PH - es linkssektiererisch sei, immer wieder den Kampf gegen den Abbau der demokratischen Rechte mit dem Kampf für den Sozialismus zu verbinden. Gerade an dem Punkt wird sich auch erweisen, wie ernst es andere Gruppen (z.B. PGH) mit ihrem antirevisionistischen Anspruch meinen.
Für den AStA gilt, daß er für die Kommunisten ein wichtiges Instrument ist, die Kämpfe sowohl ideologisch als auch materiell zu unterstützen. Die Behauptung, der AStA sei aus sich heraus schon ein Kampfinstrument der Studenten - wie sie von der PGH aufgestellt wird - dient nur der Bestärkung der Studenten, in ihren Illusionen über Gremienarbeit. Daß diese Behauptung falsch ist, kann man sehen, wenn man die Frage stellt, ob ein RCDS-AStA etwa auch Kampfinstrument der Studenten sein kann. Allein durch die Arbeit der Kommunisten im AStA ist es möglich, ihn zu einem Instrument zu machen, das durch seine vielfältigen Unterstützungsmöglichkeiten ein wichtiger Stützpunkt für die Massenarbeit ist.

Kommilitonen und Genossen, es geht für jeden fortschrittlichen Studenten darum, welche Politik er in Zukunft unterstützen will. Perspektivlose, prinzipienlose Handwerkelei und den Kampf um studentische Privilegien oder die Entscheidung für eine Politik, die das Hauptkampffeld in der Massenarbeit sieht, die sich immer konsequent am schließlichen Ziel, am Sozialismus ausrichtet."

Im letzten Artikel wird neben Passagen, die uns schon aus der Broschüre "Erkämpft das Sozialistische Studium" (vgl. 1.11.1971) geläufig sind, u.a. ausgeführt:"
ZUR SITUATION AN DEN GRUND- UND HAUPTSCHULEN IN NRW
DIE AUSBILDUNG DER PH-STUDENTEN

An der PH werden hauptsächlich Lehrer ausgebildet, die später an den Grund- und Hauptschulen unterrichten sollen. … Wie sieht nun die Situation an der Hauptschule aus? Die Klassenfrequenz liegt zu 54% über 36 Schülern, wogegen an Gymnasien die Klassenfrequenz nur bei 29% über 36 Schülern liegt. 53% der Schulklassen an Gymnasien haben weniger als 30 Schüler. 1971 wurden in Dortmund von 94 Erneuerungsbauten für Grund-, Haupt- und Sonderschulen 67 gestrichen, weil der Etat von 2,8 Mio. auf 0,8 Mio. DM gesenkt wurde.
In den nächsten Jahren ist nicht damit zu rechnen, daß der Lehrermangel behoben werden kann. Die Behauptung von Kultusminister Girgensohn, daß wenn die Lehrer selbst entscheiden könnten, wo sie unterrichten wollen, der Lehrermangel behoben würde, ist geradezu lächerlich. Auch die Behauptung von Girgensohn, daß in fünf Jahren der Lehrermangel behoben sei, macht deutlich, daß es nicht um eine Verbesserung der Ausbildung geht; denn wenn tatsächlich 1977 der Lehrerbedarf gedeckt sein soll, so kann dies nur der Fall sein, wenn die jetzige Klassenstärke und der Frontalunterricht beibehalten werden.
Die lauthals verkündete sozialdemokratische Schulreform mit der integrierten Gesamtschule als Kernstück, bleibt dann wohl eine leere Versprechung.

Diese Zahlen zeigen deutlich, daß die Ausbildungskosten für die Kinder aus der Arbeiterklasse so niedrig wie möglich gehalten werden. … Die Hauptfunktion der Hauptschule ist es, für den ständigen Nachwuchs billiger und arbeitswilliger Arbeitskräfte zu sorgen. … Das Fach Arbeitslehre zeigt dies ganz deutlich. So gibt der Lehrplan von NRW als Lernziel für die 8. Klasse an: 'Unternehmung und Haushalt stehen miteinander in einem Arbeitergeber/Arbeitnehmerverhältnis'. Die Kapitalisten und die Arbeiterklasse werden hier als gleichwertige Partner nebeneinander gestellt; die Tatsache der Ausbeutung, d.h., daß der eine seine Arbeitskraft verkaufen muß, während der andere sich den produzierten Mehrwert aneignet, ohne auch nur einen Schlag getan zu haben, soll durch die Ideologie der gegenseitigen Verantwortung verschleiert werden. …

WIE SEHEN DIE AUSBILDUNGSBEDINGUNGEN FÜR DIE STUDENTEN AN DER PH DORTMUND AUS?

Gerade die wichtigsten Lehrveranstaltungen, vor allem die Erstsemester, sind teilweise total überfüllt - bei manchen Vorlesungen ist sogar in den Hörsälen kein Platz mehr zu bekommen, ganz zu schweigen von der Raumnot in der Kreuzstraße. Die Anzahl der Dozenten ist verschwindend gering gegenüber den ca. 2 500 Studenten - so kommt z.B. in Schulpädagogik ein hauptamtlicher Lehrender auf 400 Studenten, in allgemeiner Pädagogik beträgt dieses Verhältnis sogar 1 : 480! Für die Chemiestudenten sind keine Laborplätze vorhanden ('die Studenten an der PH sollten nicht erwarten, einen eigenen Laborplatz zu erhalten, an dem sie sich austoben können', wie akadem. Rat Günther von der Fächergruppe treffend formulierte), ebensowenig wie für die Biologiestudenten, denn hier genügt es, 'wenn die Studenten auf dem Niveau lernen, wie es auch an den Schulen herrscht, nämlich auf dem der elementaren Grundlagen der Tier- und Pflanzenkunde', so ebenfalls Günther.
Daran, daß ähnliche, oft noch schlechtere, Zustände wie in Dortmund an allen pädagogischen Hochschulen herrschen, erweist sich deutlich: die Ursachen hierfür sind im menschenfeindlichen imperialistischen System selbst zu suchen.

Wie einerseits die materiellen Voraussetzungen für ein sinnvolles Studium in jeder Beziehung fehlen, stehen andererseits die reaktionären Inhalte der Lehrveranstaltungen dem Interesse der Studenten nach einer gesellschaftlich nützlichen Ausbildung direkt entgegen. … Im Fach Deutsch wird z.B. von einem Professor die Interpretation des Satzbaus bei H. v. Kleist auf seine Ästhetik und 'inneren Werte' hin als die Grundlage für jegliches Literaturverständnis und - daraus folgend für die Fähigkeit, einigermaßen klar zu denken, schlechthin betrachtet. Diese Logik läßt es dann allerdings einsichtig erscheinen, daß Hauptschüler, die im allgemeinen weniger Begeisterung für derlei Theorien aufbringen, auch gar nichts anderes verdienen als in der materiellen Produktion - die 'eine zwar notwendige, aber doch eine der untergeordnetsten aller menschlichen Tätigkeiten darstellt' - zu arbeiten (bei zugegebenermaßen 'etwas schlechterer' Bezahlung).
Tritt an der zeitweise schon lächerlichen Absurdität dieser und ähnlicher Theorien offen zu Tage, daß sie keinem anderen Interesse als dem der Unterdrückung der werktätigen Masse durch eine verschwindende Minderheit von Ausbeutern dienen, so bemühen sich die sogenannten progressiven Vertreter des Modells der kompensatorischen Erziehung und der Soziolinguistik, wie z.B. Rolff, um so stärker, den Studenten, die verschärft den menschenfeindlichen Charakter des imperialistischen Systems zu spüren bekommen, Illusionen der Art einzupflanzen, daß die Erziehung der Arbeiterkinder und -jugendlichen im Sinn ihrer Ausbeuter nur ein besonders häßlicher Auswuchs dieses Systems sei. In einer integrierten Gesamtschule sei von gutgewillten Lehrern, gewappnet mit der Theorie der Soziolinguistik sowie den Methoden der kompensatorischen Erziehung, diese unangenehme Seite des Imperialismus leicht zu beseitigen, behaupten diese Reformer. Aber: auch diese 'Reform' der SPD - die auf Grund nicht bereitgestellter finanzieller Mittel zudem nur bruchstückhaft durchgeführt wird - beabsichtigt nichts anderes, als mit all diesen Methoden flexible und mobile Arbeiter zu produzieren".
Q: KSV-Zelle PH:Wahlzeitung,Dortmund Feb. 1972

01.02.1972:
An der PH Dortmund soll ein SHB-Treffen stattfinden, das sich mit der weiteren Arbeit des SHB beschäftigen will, und das zunächst bereits am 25.1.1972 stattfinden sollte. Dazu wird im 'SHB-Report - Informationen der SHB-Gruppe an der PH Dortmund', das als Flugblatt mit einer Seite DIN A 4 der 'AStA-Information - DOS' Nr.7 (vgl. 26.1.1972) beigefügt ist, ausgeführt:"
Kommilitoninnen und Kommilitonen!

Die SHB-Gruppe an der PH-Dortmund wird sich an der diesjährigen SK-Wahl nicht beteiligen.!

Nach mehr als 10-semestriger AStA-Arbeit läßt die Personalstärke nach Meinung der verbliebenen Mitglieder keine weitere Wahlbeteiligung mehr zu.

Es soll nunmehr mit allen Kräften versucht werden, den SHB an dieser PH wieder zu einer starken politischen Gruppe zu machen. Diese Neukonstituierung soll im nächsten Semester durch Seminare und Gruppendiskussionen verstärkt gefördert werden.

Wir fordern alle Studenten dieser PH, die an einer Arbeit IM und AM SHB interessiert sind, auf, sich am DIENSTAG, 25.1.1972, 14 Uhr im SHB-Raum, Keller Sozialforschungsstelle, zu treffen.

Zu diesem Treffen werden die theoretischen Grundlagen der letzten SHB-BDK (vgl. **.**.197*,d.Vf.) bereitliegen. Eine Zusammenfassung sollte anschließend veröffentlicht werden.

FÜr einen starken SHB!"

Der 'SHB-Report' ist unterzeichnet mit "SHB-PH Dortmund i.A. Kramer".
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.7,Dortmund 26.1.1972,S.1 und 19; SHB-PH Dortmund:SHB-Report,Dortmund o.J. (Jan. 1972)

02.02.1972:
An der PH Dortmund erscheint die 'AStA-Information, DOS - Dortmunder Studentenzeitung' Nr.8 (vgl. 26.1.1972, 7.2.1972) mit 18 Seiten DIN A 4 und folgendem Inhalt:
1. Militarisierung an Schulen und Hochschulen
2. Teach-In zur Sonderprüfung (vgl. 27.1.1972)
3. Wer denkt, wird strafversetzt (vgl. Fröndenberg - Dez. 1971, NRW - 26.1.1972)
4. Dekan feuert 4 000 Studenten (vgl. Spanien - 15.11.1971, Jan. 1972)
5. Beitrag der Unabhängigen Studenten Liste (USL)
6. Weitere Beschneidung des 2. Bildungsweges in Württemberg (vgl. Ludwigsburg - 26.1.1972)

Im Leitartikel wird ausgeführt:"
MILITARISIERUNG AN SCHULEN UND HOCHSCHULEN

Die Militarisierung in der BRD verstärkt sich mehr und mehr. Unser Kriegsminister Schmidt (SPD,d.Vf.) und sein Ministerium haben erkannt, daß zur Stärkung des 'Verteidigungsapparates' das negative Bild von der Bundeswehr in großen Teilen der Bevölkerung abgebaut werden muß.

Um dies zu erreichen, sind der Regierung alle Mittel recht, sie nutzt ihre Machtpositionen in jeder Hinsicht aus. Besonders im Ausbildungsbereich werden durch Erlasse und Gesetze harte Maßnahmen getroffen, die zum Teil schon in die Praxis umgesetzt wurden."

Berichtet wird hierbei aus Baden-Württemberg (vgl. Dez. 1971), speziell von der Uni Stuttgart (vgl. Dez. 1971).

Enthalten ist auch der:"
BEITRAG DER UNABHÄNGIGEN STUDENTEN LISTE

Jeder Studierende wird sich inzwischen davon überzeugt haben, daß die Studienbedingungen an unserer Hochschule katastrophal sind:
- unzulängliche Räumlichkeiten
- totale Überfüllung in den Seminaren
- unwissenschaftliche Ausbildung, d.h. völlig unzureichende Qualifikation für den Beruf
- keinen Pfennig vom Ministerium für die unbedingt erforderlichen Tutorenstellen
- in sechs Semestern müssen sieben (!) Fächer 'studiert' werden
- unzureichende Studienberatung (gilt auch für Sonderprüflinge)
- unzureichende Absicherung der unbedingt notwendigen materiellen Bedürfnisse der Studierenden (BAFöG)
- schwindelerregend hohe Mieten für Studentenzimmer

Die UNABHÄNGIGE STUDENTEN LISTE, eine Initiativgruppe demokratischer Studenten, wird sich bei der kommenden SK-Wahl (vgl. 8.2.1972,d.Vf.) konsequent für die Realisierung der studentischen Interessen einsetzen!

Wir unterliegen dabei keinem Fraktions- oder Ideologiezwang, der uns hindern könnte, die objektiv notwendigen Interessen der Studentenschaft zu vertreten.

DIE USL VERSTEHT SICH ALS ECHTE ALTERNATIVE ZU DEN RECHTEN UND LINKEN GRUPPEN AN UNSERER PH

AUS DEM PROGRAMM DER USL

1. HOCHSCHULPOLITIK

Effektive Vertretung der studentischen Interessen in den Hochschulgremien; Koordinierung dieser Arbeit durch den AStA.

2. ASTA-POLITIK

- Umfassende Informationspolitik über Probleme der Hochschulpolitik, über die Arbeit in den Hochschulgremien, über die Studien- und Prüfungspraxis in den einzelnen Fächern, über die Politik der SK und des AStA.
- umfassende Studienberatung
- Auseinandersetzung mit der studentischen Wohnungsnot
- Koordinierung von Praktika und Referendarjahr

3. GEWERKSCHAFTSPOLITIK

Unterstützung und Forcierung der Arbeit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Das Programm der USL dient als Grundlage für die Arbeit in der SK und im AStA.

Wir sind uns darüber im Klaren, daß damit nur Teilbereiche der auf uns zukommenden Arbeit erfaßt sind.

Es gilt als Diskussionsgrundlage innerhalb der Studentenschaft.

Die USL wird deshalb bemüht sein, den jeweiligen Diskussionsstand reflektierend in ihre Arbeit einzubeziehen."

Eine ganze Seite füllt der Text der GEW:"
Für die gewerkschaftliche in der Hochschule auch hier", die auf einer weiteren Seite inhaltlich ausführt:"
GEWERKSCHAFT ERZIEHUNG UND WISSENSCHAFT LISTE 4

DEINE KANDIDATEN:

1. …, 4. Sem., Wahlfach Geschichte
2. …, 4. Sem., Organisationsreferent des AStA; Theologie
3. …, 1. Sem., Wirtschaftslehre
4. …, 5. Sem., AStA-Referent für Fächergruppen/Berufungen
5. …, 4. Sem., Deutsch
6. …, 4. Sem., Geschichte
7. …, 4. Sem., Geschichte
8. …, 3. Sem., Englisch
9. …, 6. Sem., Geschichte
10. …, 6. Sem., Geschichte"
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.8,Dortmund 2.2.1972

03.02.1972:
In Bochum soll, laut und mit KSV der KPD, die Kampagne gegen den Hamburger Erlaß (Berufsverbote - BV) um 16 Uhr 30 mit einer Demonstration ab Husemannplatz "einen vorläufigen Höhepunkt" finden (vgl. Jan. 1972). Aufgerufen wird auch vom KSV an der PH Dortmund.

Laut KPD/ML-ZB, die kein Datum angibt, findet in Bochum eine Demonstration gegen die Berufsverbote (BV) mit ca. 2 000 Personen statt. Die Junge Garde (JG) berichtet, ebenfalls ohne Datum, von 2 000 Jugendlichen.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.11,Bochum 9.2.1972,S.11; KSV-Zelle PH Dortmund:Wahlzeitung,Dortmund Feb. 1972,S.6; Junge Garde Nr.11,Bochum Feb./März 1972,S.17

07.02.1972:
An der PH Dortmund erscheint die 'AStA-Information, DOS - Dortmunder Studentenzeitung' Nr.9 vermutlich heute (vgl. 2.2.1972, 17.4.1972) mit zehn Seiten DIN A 4 und folgendem Inhalt:
1. AStA sorgt für Studentenkinder.
2. Die Chance zur Anpassung. Urs Jaeggi zum 'Zweiten Bildungsweg' (ZBW - vgl. Feb. 1972)
3. Wahlk(r)ampf an der PH.
4. Letzte Meldung. Studentische Krankenversicherung.
5. Die Kandidaten des PGH/ESG-Gruppe.

Unverändert sind die Termine der ESG und PGH, hingewiesen wird auf die SK-Wahl am 8. und 9.2.1972 in der Mensa und im Aufenthaltsraum Kreuzstraße.

Angekündigt wird:"
DOS meldet sich mit der 10. Ausgabe nach dem Semesterferien zurück. (Extrablätter sind nicht auszuschließen, sonst wären sie keine.)"

Zu 1 heißt es:"
ASTA SORGT FÜR STUDENTENKINDER

Hallo Studentenkinder! Hallo Angela, Michael, Frank, Sabine, Mirjam und Knut oder wie Ihr auch heißt! Ihr werdet bereits erwartet. Sechs Plätze im Kinderladen stehen für Euch bereit. Der AStA hat mit dem Aktionskreis Kritischer Kindergarten vereinbart: Ab sofort und so weiter stehen sechs Plätze für Kinder von PH-Studenten im Kinderladen bereit. Bei uns im Kinderladen ist was los! Erwachsene werden zwar geduldet, aber sie haben nicht viel zu sagen, zum Glück… Wir sind zur Zeit 13. Leider müssen ein paar von uns demnächst zur Schule, mit denen kann man dann nur noch nachmittags spielen. Aber deshalb freuen wir uns schon auf Euch. Kommt mal vorbei und guckt Euch unseren Laden an! Bald, wenn's geht, sonst sind die besten Plätze weg!

Nachdem in vergangenen Jahren bereits mehrfach Versuche gescheitert sind, einen Kindergarten speziell für die PH zu gründen, ist es dem gegenwärtigen AStA gelungen, in Verhandlungen mit dem Aktionskreis Kritischer Kindergarten e.V. eine Belegungsvereinbarung zu treffen. Danach können sechs Plätze in dem nach repressionsfreiem Modell arbeitenden Kinderladen des Vereins von PH-Studentenkindern belegt werden. Obwohl gegenwärtig bereits fünf Kinder von PH-Studenten dort betreut werden, hat der Aktionskreis dem AStA angeboten, auch die demnächst infolge Einschulung freiwerdenden fünf bis sechs Plätze schon jetzt übergangsweise mit Kindern von PH-Studenten zu besetzen.

Besonders günstig wären: ein Mädchen im Alter von ca. 2 3/4 Jahren, 4 bis 5 Kinder im Alter von 3 1/2 bis 4 1/2 bis 5 1/2 Jahren.

Der vom Aktionskreis Kritischer Kindergarten e.V. (AKK) betriebene und staatliche anerkannte Kinderladen befindet sich in PH-Nähe (Ecke Große Heimstraße 62/Essenerstraße). Der Laden wurde von den Eltern des Kreises in Selbsthilfe eingerichtet und zuletzt mit einer Gaszentralheizung und einer den Vorschriften für Kindergärten entsprechenden sanitären Einrichtung ausgestattet. Telefon des Ladens: 100929.

Die Kinder werden gegenwärtig vormittags von 8-13 Uhr von einem im Turnus wechselnden Elternteil und einer Fachlehrerin für Kunst und Werken betreut. Für die Nachmittage hat der Kreis das Modell der Familienbetreuung entwickelt, nachdem die Kinder in kleinen Gruppen zu vorher bestimmten Familien des Kreises gehen und dort bis gegen 16 Uhr betreut werden. In den Familien essen sie auch zu Mittag.

Für die Aufnahme von neuen Kindern hat sich der Elternkreis die folgenden Richtlinien gegeben:
'Grundsätzlich sollten die Eltern von Kindern, die in den Kinderladen aufgenommen werden von folgender Einstellung ausgehen: Wir akzeptieren das Kind als gleichwertigen Partner. Wir bemühen uns, dem Kind unser Verhalten und unsere Entscheidungen rational einsichtig zu machen.

Zwang wird nur dann in Kauf genommen, wenn ansonsten unmittelbarer Schaden für das Kind oder Dritte entstehen würde.

Wir sind für eine sexualbejahende Erziehung, die die Sexualität des Kindes weder herausstellt noch problematisiert.

Konflikte, Unsicherheiten, Erziehungsfehler versuchen wir gemeinsam mit anderen zu durchdenken und eine gemeinsame Erziehungskonzeption zu entwickeln.

Zu diesem Zweck treffen wir uns regelmäßig einmal in der Woche. Ehe ein Kind aufgenommen werden kann, müssen die Eltern bzw. ein Erziehungsberechtigter vorher am Treffen des Mitarbeiterkreises regelmäßig und aktiv teilgenommen haben. Über die endgültige Aufnahme entscheidet jedoch der Sozialisationsstand des Kindes. Selbstverständlich können Kinder nur soweit Plätze in den drei vertretenen Altersgruppen zur Verfügung stehen, aufgenommen werden.'

Die Teilnahme an den wöchentlichen Elternabenden Donnerstagsabends ab 20 Uhr 30 im ESG-Heim, Lindemannstraße 68, ist für Eltern verpflichtend und für Interessierte jederzeit offen. Hier wird die pädagogische Arbeit im Laden besprochen, werden alle Aktivitäten des Kreises geplant. Der Kreis entscheidet auch über Neuaufnahmen.

Die finanzielle Regelung sieht gegenwärtig vor, daß sich die Eltern mit 5% eines modifizierten Netto-Einkommens bis 800 DM und mit 10% vom modifizierten Netto-Einkommen über 800 DM an den Unkosten der Kinderbetreuung beteiligen. (Netto-Einkommen gleich Brutto minus Steuern und Soz. Vers. Modifiziert wird das Netto-Einkommen durch Abzug einer Pauschale von 250 DM, der Krankenversicherung und von 150 DM für das Zweitkind, das nicht im Laden betreut wird.)

Der AKK ist eine Elternselbsthilfeorganisation, die vor 2 1/2 Jahren auf Initiative der Evangelischen Studentengemeinde (ESG) zu Stande kam. Er ist als gemeinnütziger Verein eingetragen und dem Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband (DPWV,d.Vf.) angeschlossen. Der von ihm betriebene Kinderladen wird von Stadt- und Landesjugendamt gefördert. Der AStA der PH hat mit der Belegungsvereinbarung ebenfalls eine Förderung aufgenommen, die es dem AKK ermöglicht, bei hohem Betreuungskostenniveau (z.Zt. je Kind durchschnittlich über 100 DM Elternbeteiligung) auch Kinder von einkommensschwachen Studentenehepaaren aufzunehmen.

Mit der PH Dortmund arbeitet der AKK seit Beginn seines Bestehens pädagogisch zusammen. Die Zusammenarbeit drückte sich nicht zuletzt in dem einstimmigen Beschluß der Abteilungskonferenz vom 13.1.1971 aus, dem AKK die Räume der Ostdeutschen Forschungsstelle im ehemaligen Rektoratsgebäude zur Verfügung zu stellen.

Die Ausführung dieses Beschlusses scheiterte bisher an der allgemeinen Raumnot der PH. Der AStA wird sich jedoch weiterhin intensiv dafür einsetzen, daß die zugesagten Räume bald für den Kinderladen frei werden, damit die Kindergruppen erweitert und folglich mehr Studentenkinder einen Platz im Kinderladen bekommen können.

Anmeldungen und nähere Auskünfte entweder über den AStA (vormittags von 9 - 13 Uhr) oder direkt über den Aktionskreis Kritischer Kindergarten.
Büro: Lindemannstraße 68, Telef. 12 10 13.
Laden: Große Heimstraße 62,
Telef: 10 09 29.

Zusammenkünfte von Eltern und Interessenten jeden Donnerstag ab 20 Uhr 30 im ESG-Zentrum, Lindemannstraße 68.

Der AStA wird die Studentenschaft auch in Zukunft über die Zusammenarbeit mit dem Kinderladen unter- und ein Brett für alle Kinderladeninformationen neben dem AStA-Informationsbrett einrichten."

In einem Artikel heißt es zu den Studentenkonferenz (SK) Wahlen am 8./9.Feb. 1972:"
'WAHLK(R)AMPF AN DER PH'

Seit zwei Wochen tobt an der PH der Wahlkampf. Die Wände sind ihrer kahlen Pracht beraubt, bunte Plakate der sechs Gruppen, die um die Wählergunst buhlen, zieren die PH.

Emotionen werden geweckt, Popmusik ersetzt Argumente, 'Machenschaften' werden bloßgelegt. Kommunistenhaß und Abwehr der Rechten verdrängen Sachlichkeit der Arbeit.

Wo es um Bestehen der verfaßten Studentenschaft geht, ein Problem also, daß DOS als erste in die Mitte der Studenten trug, meldet sich jede Gruppe zu Wort, freilich ohne die Hintergründe offenzulegen.

Wo man während des Semesters nichts hörte, werden Stimmen laut, die glauben machen wollen, zu diesem AStA habe eine wirkliche Alternative bestanden. Der AStA, das heißt, die Gruppen PGH/ESG, GEW und SHB geben Rechenschaft über ihre Arbeit. Andere Gruppen fordern jedoch, was längst geschah (Beispiel: Kindergarten, Information zur Hochschulgesetzgebung).

Eine Papierflut ergießt sich über die Wähler, gerade von denen, die sich während des Semesters mit Informationen nicht hervorgetan haben (Wir rechnen den 'Scheibenwischer' nicht als solche, weil Buchauszüge von Spoerl und RCDS-Interna nicht dazu beitragen, über das Hochschulgeschehen zu informieren).

Die Wahl am 8. und 9. Februar wird zeigen, ob die Wirkung dieses Wahlk(r)ampfes über die geleistete Arbeit siegen wird.

Wir wünschen allen Gruppen, daß man ihre Wahlparolen an ihrer Arbeit messen wird."

Die Wahl soll am 8./9.2.1972 im Mensa-PH-Hauptgebäude (Kreuzsstraße - Kelleraufenthaltsraum) stattfinden."

Es erscheint auch die:"
LETZTE MELDUNG (STUDENTISCHE KRANKENVERSICHERUNG)

Es geht um die studentische Krankenversicherung.

Die Mitgliederversammlung der Deutschen Studenten Krankenversicherung (vgl. S8.2.1972,d.Vf.) hat mit 44 Stimmen bei 24 Nein-Stimmen und 4 Enthaltungen beschlossen, den Semesterbeitrag von 89 DM auf 115 DM anzuheben.

Dieser Mehrbetrag von 26 DM soll aber nicht von den Studenten getragen werden, sondern von den Studentenwerken, die zu diesem Zweck bezuschußt werden.

Bisher ist die PH-Dortmund nicht Mitglied der DSKV.

Zur Zeit besteht gar keine einheitliche Krankenversicherung für die Studenten der PH.

Wie sich das weiterentwickeln wird, muß in der nächsten Zeit geklärt werden.

Der zur Zeit amtierende AStA wird sich mit diesem Problem befassen und die Studenten weiterhin informieren."

Zu den SK-Wahlen werden die "Kandidaten der PGH/ESG-Gruppe auf Liste 2 vorgestellt:
- …, Sozialreferentin des AStA, Vorsitzende des Vorstands des Studentenwerks (StW) Dortmund;
- …, SK-Präsident, Mitglied der Fächergruppe Pädagogik;
- …, Sozialreferentin des AStA;
- …;
- …, Sozialreferentin des AStA;
- …, Mitglied der Fächergruppen Sprachen, Fachsprecher Englisch;
- …, Mitglied der Fächergruppe Psychologie;
- …;
- …, Mitglied der Fächergruppe Biologie;
- …;
- …, SK-Mitglied;
- ….
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.9,Dortmund o.J. (Feb. 1972)

08.02.1972:
An der PH Dortmund beginnen die zweitägigen Wahlen zur Studentenkonferenz (SK), zu denen die vom KSV der KPD unterstützte Sozialistische Liste (SL), der RCDS der CDU, der Projektbereich Gesamthochschule (PGH/ESG), die GEW-Hochschulgruppe und der MSB Spartakus der DKP kandidieren.
Q: KSV-Zelle PH Dortmund:Wahlzeitung,Dortmund Feb. 1972; AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.7, 8 und 9,Dortmund 26.1.1972, 2.2.1972 bzw. o.J. (Feb. 1972,S.6, S.1 bzw. S.2, 7 und 9

09.02.1972:
An der PH Dortmund soll die mündliche Begabtensonderprüfung stattfinden (vgl. Dez. 1971, 27.1.1972).
Q: Ruhrnachrichten,Dortmund 28.1.1972,S.* zitiert nach: AStA PH Dortmund:AStA- Information Nr.8,Dortmund 2.2.1972,S.8

April 1972:
Der KSV der KPD gibt vermutlich im April seine Berliner 'Dem Volke dienen' (DVD - vgl. 25.11.1971, 25.10.1972) heraus.

Berichtet wird auch über den Projektbereich Gesamthochschule (PGH) der ESG Dortmund, worauf dieser bzw. der AStA der PH antwortet (vgl. 2.5.1972).
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.11,Dortmund o.J. (Mai 1972),S.5ff

17.04.1972:
An der PH Dortmund erscheint vermutlich zu Beginn dieser Woche eine Sondernummer der 'AStA-Information, DOS - Dortmunder Studentenzeitung' (vgl. 7.2.1972, 24.4.1972) mit neun Seiten DIN A 4 und folgendem Inhalt:
1. Tips zum Studium,
2. Die Studentische Selbstverwaltung,
3. Sozialpolitik.

Zunächst wird eingangs ausgeführt:"
DOS begrüßt mit dieser Sondernummer alle Neuimmatrikulierten sowie die 'alten Hasen' an der PH.

Wir wollen euch in dieser Ausgabe einige Informationen und Tips geben, anhand derer ihr euch ein bißchen besser zurechtfinden könnt.

DOS meldet sich mit der Nr.10 in der nächsten Woche und wird dann nur noch alle 14 Tage erscheinen, um noch bessere und fundiertere Informationen liefern zu können.

DOS wünscht ein befriedigendes Sommersemester und ein kritisches Studium."

Bekanntgegeben werden die Termine von Wahlen (vgl. 20., 24. und 25.4.1972), Versammlungen (vgl. 19.4.1972) und Arbeitskreisen (vgl. 20.4.1972), u.a. der ESG (vgl. 19., 21. und 25.4.1972) sowie der GEW (vgl. 19.4.1972).

Zu Punkt 1 heißt es:"
TIPS ZUM STUDIUM

Im folgenden möchten wir den Erstsemestern helfen, eine Übersicht über den gegenwärtigen Studienablauf an der PH zu bekommen.

Weitere Informationen hierüber erhaltet ihr im AStA, wo Studienordnungen vorliegen. Prüfungsordnungen sind nur im Buchhandel erhältlich.

STUDIENFÄCHER.

PFLICHTFÄCHER:
1. Allgemeine Pädagogik ein Fach abwählbar durch Leistungsnachweis (LN),
2. Schulpädagogik das andere Prüfungsfach im Examen,

3. Psychologie ein Fach abwählbar durch LN;
4. Soziologie oder Politik oder Philosophie das andere ist Prüfungsfach im
Examen;

5. Wahlfach selbst zu wählen und Prüfungsfach;
6. Stufenschwerpunktfach selbst zu wählen und Prüfungsfach;
7. Stufenschwerpunktfach selbst zu wählen und Prüfungsfach.

Deutsch, Religion, Mathematik - eines dieser drei Fächer muß entweder als Wahlfach oder als Stufenschwerpunktfach studiert werden.

Stufenschwerpunkt I: Studium in Bezug auf die Grundschule - 1. bis 4.Schuljahr;

Stufenschwerpunkt II: Studium in Bezug auf die Hauptschule - 5. bis 9 Schuljahr.

Praktika: Während des Semesters (empfohlen) In den Semesterferien (Pflicht) 1. Semester - Einführung in die Schulwirklichkeit; 2. Semester - Wahlfachpraktikum
Blockpraktikum an Grund- oder Hauptschule
3. Semester - Stufenschwerpunktpraktikum
4. Semester - Wahlpraktikum pädagogisch relevantes Praktikum an Gymnasium, Realschulen, Gesamtschulen, Sonderschulen oder in Betrieben."

Berichtet wird auch über die VS:"
DIE VERFASSTE STUDENTENSCHAFT UND IHRE ORGANE

Die verfasste Studentenschaft - ein neuer Begriff. Nun, die Studentenschaft gab sich eine Verfassung, richtete ihre Organe ein - und so gibt es die verfaßte Studentenschaft.

Und das sind die Organe der studentischen Selbstverwaltung:

AStA:
Die Studentenkonferenz wählt den AStA-Vorsitzenden, seinen Stellvertreter und den Finanzreferenten.

Der Vorsitzende beruft nun Referenten für die einzelnen Aufgabenbereiche.

Von der Arbeit des Sozialreferats berichten wir in dieser Ausgabe im Kapitel Sozialpolitik.

Der AStA vertritt die Studentenschaft nach innen und nach außen - d.h. gegenüber der Verwaltung, dem Rektor, Dekan usw. und gegenüber überregionalen Organisationen wie dem Verband Deutscher Studentenschaften (VDS).

Ein weiterer wesentlicher Bestandteil der AStA-Arbeit ist die Informationspolitik.

Unter dem jetzt noch amtierenden AStA wurde DOS (Dortmunder Studentenzeitung) eingerichtet, die jetzt ins zweite Semester geht.

DOS ist die erste Studentenzeitung der PH, die kontinuierlich und aktuell Informationen an die Studenten gibt.

Der AStA wird von politischen Hochschulgruppen gestellt. Diese Gruppen sind mit einem politischen Programm an die Wähler herangetreten und werden in ihrer AStA-Politik immer dieses Programm vertreten.

ASTA-BÜRO:
Das AStA-Büro (Rheinlanddamm 203, Zimmer 42-44) ist täglich (Mo-Fr) von 10 bis 13 Uhr geöffnet!!

ORGANISATIONSSCHEMA DER STUDENTENSCHAFT.

SV - Studentenvollversammlung

Im Rahmen der studentischen Selbstverwaltung hat sich die Studentenschaft an der PH Ruhr, Abt. Dortmund mit der Satzung vom 3.2.1966 vier Organe geschaffen, die eine wirksame Interessenvertretung der Studentenschaft ermöglichen sollen.

Die Studentenvollversammlung (SV) ist das OBERSTE Organ aller Studenten, in der JEDER Student Sitz und Stimme hat. Die SV nimmt insbesondere folgende Aufgaben wahr:
a) sie berät die Studentenkonferenz (SK),
b) sie wählt die Mitglieder des Ältestenrates,
c) sie entscheidet über Satzungs- und Wahlordnungsänderungen und
d) sie wählt neuerdings die studentischen Vertreter der Grundwissenschaften in die Fächergruppenversammlung.

SK - Studentenkonferenz

Die Studentenkonferenz (SK) ist das BESCHLUSSFASSENDE Organ der Studentenschaft.

Der SK, die in unmittelbarer, geheimer, gleicher und freier Wahl gewählt wird, gehören 26 stimmberechtigte Mitglieder an.

Zwanzig Mitglieder ziehen über die Listenwahl in die SK ein, während 6 Mitglieder von den Fächergruppen entsandt werden.

Eine beratende Funktion haben AStA-Mitglieder, der Dekan und Ausschußmitglieder (z.B. Kassenprüfungsausschuß).

Zu den bedeutsamsten Aufgabe der SK gehört die Wahl des AStA-Vorsitzenden, seines Stellvertreters, des Finanzreferenten und die Bestätigung des vorgeschlagenen AStA-Referenten. Die SK gibt Empfehlungen für das Semesterprogramm und beschließt über dieses: sie berät und verabschiedet den vom AStA vorgelegten Haushaltsplan; nimmt die Rechenschaftsberichte entgegen und entlastet nach Anhören des Haushaltsausschusses den scheidenden AStA.

Die SK tagt GRUNDSÄTZLICH ÖFFENTLICH und kann mit einfacher Mehrheit der ÖFFENTLICHKEIT DAS REDERECHT einräumen.

Die gegenwärtige Fächergruppengliederung der Abteilung Dortmund ist wie folgt aufgebaut:
Fächergruppe I: Pädagogik (Allg. Pädagogik und Schulpädagogik);
Fächergruppe II: Psychologie, Soziologie, Arbeits- und Wirtschaftslehre, Hauswirtschaft;
Fächergruppe III: Geschichte, Politikwissenschaft, Philosophie, Theologie;
Fächergruppe IV: Sprachen (z.Zt. Deutsch, Englisch, Französisch);
Fächergruppe V: Mathematik und Naturwissenschaften (Biologie, Chemie, Geographie, Physik);
Fächergruppe VI: Bildende Kunst, Musik, Sport, Textilgestaltung).

Innerhalb der Fächergruppen sind die Organe drittelparitätisch zusammengesetzt, z.B. in der Gruppe III.

FÄCHERGRUPPENVERSAMMLUNG: alle hauptamtlich Lehrenden eine gleiche Anzahl von Angehörigen des 'Mittelbaus' eine gleiche Anzahl Studenten wählt den:
FÄCHERGRUPPENRAT: 3 Vertreter jedes Faches gleich 12 Miglieder wählen die:
FÄCHERGRUPPENSPRECHER: 3 Vertreter jeder Gruppe, der Sprecher der Dozentengruppe ist zugleich Dienstvorgesetzter im beamtenrechtlichen Sinne.

Die 6x3 gleich 18 Fächergruppensprecher bilden mit Dekan und Prodekan den Sprecherrat der Abteilung, der unterhalb der Abteilungskonferenz fungiert. Die Namen der studentischen Vertreter in den Fächergruppen sind im Vorlesungsverzeichnis zu finden."

Informiert wird auch über die:"
SOZIALPOLITIK

Wir wollen hier gleich unterscheiden zwischen der Sozialpolitik des AStA und dem, was der Staat studentische Sozialpolitik nennt. Fangen wir beim letzteren an:
BAFÖG

Das Bundesausbildungsförderungsgesetz gesteht jedem Studierenden eine staatliche Ausbildungsförderung zu, wenn er förderungswürdig ist, d.h. die Eltern dürfen nicht zuviel verdienen, das Zweitstudium muß ein aufbauendes etc. sein.

Wir wollen das nicht vertiefen.

Für die Förderung nach Bafög ist das Studentenwerk (StW,d.Vf.) Dortmund e.V. zuständig.
Adresse: 46 Dortmund-Eichlinghofen, Stockumerstraße 370.

Die Förderungsabteilung ist an folgenden Tagen geöffnet: Mo, Di, Fr 9 - 12
Uhr, Do 13 - 15 Uhr.
Formulare liegen im Sekretariat aus. Fragen, wenn sie nicht zu speziell sind, werden im AStA beantwortet.

KRANKENVERSICHERUNG

Die Hochschule ist laut Gesetz verpflichtet, die Studenten gegen Krankheit zu versichern. Diese Aufgabe nimmt die PH-Ruhr zur Zeit nicht wahr. Der AStA wird dem Senat empfehlen, der Deutschen Studentischen Krankenversicherung (DSKV) beizutreten. Das würde eine Erhöhung der Sozialbeiträge von z.Zt. 115 DM bedeuten. Diejenigen, die versichert sind - über die Eltern o.ä. können sich von dieser Erhöhung befreien lassen.

Wir raten den Studenten, die noch nicht versichert sind, sich in den billigeren Ersatzkassen zu versichern. Nähere Auskunft im AStA.

SOZIALBEITRÄGE

Der Sozialbeitrag pro Semester beträgt 15 DM. Davon sind 3 DM für das Studentenwerk, das die Ausbildungsförderung wahrnimmt und die Mensa betreut. Der Rest steht der studentischen Selbstverwaltung zur Verfügung.

Die Sozialbeitragsordnung steht im Vorlesungsverzeichnis.

Kommen wir nun zur Sozialpolitik, die der AStA betreibt.

Der AStA der zur Zeit noch im Amt ist, hat gerade auf diesem Gebiet einige
Neuordnungen geschaffen.

KINDERGARTEN

Der AStA hat mit dem Aktionskreis Kritischer Kindergarten e.V. (AKK) eine Belegungsvereinbarung getroffen. Danach können sechs Plätze in dem nach repressionsfreien Modell arbeitenden Kinderladen des Vereins von PH-Studentenkindern belegt werden.

Obwohl gegenwärtig bereits fünf Kinder von PH-Studenten dort betreut werden, hat der Aktionskreis dem AStA angeboten, auch die demnächst infolge Einschulung freiwerdenden 5 - 6 Plätze schon jetzt übergangsweise mit Kindern von PH-Studenten zu besetzen.

Anmeldung und nähere Auskünfte entweder über den AStA (10 - 13 Uhr vormittags) oder direkt über den Aktionskreis Kritischer Kindergarten, Büro: Lindemannstraße 68, Telef.: 12 10 13, Laden: Große Heimstraße 62, Telef.: 10 09 29.

Zusammenkünfte von Eltern und Interessenten jeden Donnerstag ab 20 Uhr 30 im ESG-Zentrum, Lindemannstraße 68.

Der AStA wird die Studentenschaft auch in Zukunft über die Zusammenarbeit mit dem Kinderladen unterrichten und hat ein Brett für alle Kinderladeninformationen neben dem AStA-Informationsbrett eingerichtet.

RECHTSANWALT

Kostenlose Rechtsberatung für Studenten!

Die meisten Studenten haben nicht das Geld, sich durch Rechtsberatung gegen Willkür der Bürokratie zu wehren. Der AStA hat mit dem Anwaltsbüro: Marbach u. Bönig, Dortmund, Westenhellweg Nr.2 einen Vertrag geschlossen, nach dem sich PH-Studenten kostenlos beraten lassen können (unter Vorlage des Studentenausweises).

WOHNUNGS- UND JOBVERMITTLUNG

Auf diesem Gebiet hat der AStA bisher noch keine systematische Vermittlung betrieben. Wir werden uns in nächster Zeit an die Öffentlichkeit wenden, uns Angebote zuzuschicken. Wir werden dann die Studenten bitten, die Nachfragen bei uns einzureichen.

Das war ein Überblick über die Sozialpolitik des AStA."
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Sdr.Nr. und Sdr.Nr. Einführung in das PH-Studium,Dortmund o.J. (Apr. 1972) bzw. o.J. (1972),o.S. bzw. S.25f

19.04.1972:
Laut AStA der PH Dortmund soll dort um 18 Uhr eine GEW-Versammlung in der Soz.-Forsch., Raum 24 stattfinden.
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Sdr.Nr.,Dortmund o.J. (Apr. 1972),S.1

19.04.1972:
Laut AStA der PH Dortmund soll um 18 Uhr die AG Hochschule im Kapitalismus im ESG-Heim Lindemannstraße 68 tagen.
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Sdr.Nr.,Dortmund o.J. (Apr. 1972),S.1

19.04.1972:
Laut AStA der PH Dortmund ist um 20 Uhr im ESG-Heim Lindemannstraße 68 eine Schulung über "Marxistische Philosophie" angesagt.
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Sdr.Nr.,Dortmund o.J. (Apr. 1972),S.1

19.04.1972:
Die KPD (vgl. 19.4.1972) berichtet heute über ihren KSV:"
Dem Maiaufruf der Partei folgend hat der Kommunistische Studentenverband an … der PH Dortmund seine ganzen Aktivitäten auf die Mobilisierung der fortschrittlichen Studenten zu den Maidemonstrationen der KPD in Westberlin, Hamburg und Dortmund ausgerichtet."
Q: Rote Fahne Nr.41,Dortmund 19.4.1972,S.5

19.04.1972:
Laut AStA der PH Dortmund findet dort vermutlich heute um 13 Uhr im HI (vermutlich Hörsaal I) eine Studentenvollversammlung (SV) mit folgender Tagesordnung statt:"
1. Wahl der studentischen Vertreter im Fachbereich I.
2. Wahl der studentischen Vertreter im Fachbereich II.
3. Nachwahlen in den Ältestenrat.
4. Verschiedenes."
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Sdr.Nr.,Dortmund o.J. (Apr. 1972),S.1 und 9

20.04.1972:
Laut AStA der PH Dortmund sollen dort heute die Fächergruppenwahlen für die studentischen Vertreter im Fachbereich IV stattfinden.
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Sdr.Nr.,Dortmund o.J. (Apr. 1972),S.9

20.04.1972:
Laut AStA der PH Dortmund soll um 20 Uhr der AK Heilpädagogen im Haus Grumnicke (Stockumerstraße) tagen.
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Sdr.Nr.,Dortmund o.J. (Apr. 1972),S.1

21.04.1972:
Laut AStA der PH Dortmund soll um 16 Uhr ein Jour fix im ESG-Heim stattfinden.
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Sdr.Nr.,Dortmund o.J. (Apr. 1972),S.1

24.04.1972:
In Bochum und Dortmund gibt der KSV der KPD vermutlich Anfang dieser Woche das folgende Flugblatt von einer Seite DIN A 4 ohne presserechtlich Verantwortlichen heraus:"
DIE SYMPATHISANTENSCHULUNG DES KSV - TEIL DER MASSENARBEIT

'Die Theorie ist die Erfahrung der Arbeiterbewegung aller Länder, in ihrer allgemeinen Form genommen. Natürlich wird die Theorie gegenstandslos, wenn sie nicht mit der revolutionären Praxis verknüpft wird, genauso wie die Praxis blind wird, wenn sie ihren Weg nicht durch die revolutionäre Theorie beleuchtet.' (Stalin)

Auch im Sommersemester führt der Kommunistische Studentneverband wieder eine Schulung für Sympathisanten und alle interessierten Studenten durch. Sie ist ein wesentlicher Teil unserer Massenarbeit; ausgehend von der Tatsache, daß gerade das Fehlen einer eigenen klassenkämpferischen Erfahrung, die Entfernung der Studenten vom materiellen Produktionsprozeß das Studium der revolutionären Theorie erfordert, machen wir die Schulung zu EINEM wichtigen Hebel in der Umerziehung der Studenten zu Verbündeten der Arbeiterklasse. In ihr gilt es aufzuzeigen, daß auch die Studenten ihre fortschrittlichen Interessen nur im Kampf an der Seite der Arbeiterklasse und unter Führung der Kommunistischen Partei verwirklichen können. Das bedeutet zugleich, daß sie kein freischwebendes Theorie-Unternehmen ist, sondern vielmehr Anleitung zur organisierten Praxis. Gerade in der VERBINDUNG der organisierten Auseinandersetzung mit den Texten des Marxismus-Leninismus und der Teilnahme am Kampf des KSV gegen die kapitalistische Ausbildung wird klar, daß allein der Marxismus-Leninismus in der Lage ist, die gesellschaftliche Wirklichkeit in ihrer Bewegung zu analysieren.

Die Schulungshefte, auf deren Grundlage die Schulung durchgeführt wird und die die wichtigsten Texte leicht zugänglich machen, gliedern sich in drei Teile:

TEIL A deckt die kapitalistische Wirklichkeit in der BRD und Westberlin auf und zeigt, welche Rolle die SPD bei der Wahrnehmung der Interessen des Kapitals spielt. Die mit der Restauration des BRD-Monopolkapitals verbundene Verschärfung der Widersprüche schafft die Voraussetzung dafür, daß auch die Intelligenz sich von der Bourgeoisie lossagt und sich an die Seite der kämpfenden Arbeiterklasse stellt. Die Leitsätze des KSV formulieren ein Kampfprogramm, das die Studenten im Kampf gegen die kapitalistische Ausbildung organisiert und sie einreiht in den Kampf für den Sozialismus. Die Lektüre programmatischer Texte der Revisionisten an den Hochschulen wird zeigen, daß sie dieses Ziel völlig aufgegeben haben.

TEIL B legt die Grundlagen für das Verständnis der Entwicklung des Imperialismus als des letzten Stadiums des Kapitalismus und zeigt, wie die Zuspitzung der Widersprüche in der ökonomischen Mechanik des Kapitalismus die Basis ist für den Kampf um eine höhere Gesellschaftsform, den Sozialismus.

TEIL C stellt auf der Grundlage der ökonomischen Gesetze die Entwicklung der Wirtschaftsformen der Bourgeoisie dar. Hier rückt die Frage der Machtergreifung, die Frage nach der Zerschlagung des bürgerlichen Staatsapparates in den Mittelpunkt. Diese Frage ist die Scheidelinie zwischen revolutionärer und revisionistischer Linie. Eine ausführlichen Stellungnahme zu den illusionären Theorien der modernen Revisionisten folgt deshalb die Darstellung der Politik der revolutionären Vorhutorganisation der Arbeiterklasse, der KPD."

Bekanntgegeben werden die Termine an der RUB Bochum und der PH Dortmund (jeweils 26.4.1972).
Q: KSV:Die Sympathisantenschulung des KSV - Teil der Massenarbeit,o.O. (Bochum/Dortmund) o.J. (Apr. 1972)

24.04.1972:
Laut AStA der PH Dortmund sind dort für heute Wahlen der studentischen Vertreter im Fachbereich V angesagt.
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Sdr.Nr.,Dortmund o.J. (Apr. 1972),S.9

24.04.1972:
Laut AStA der PH Dortmund (vgl. 2.5.1972) bzw. Projektbereich Gesamthochschule (PGH) der ESG findet vermutlich spätestens in dieser Woche ein Teach-In des KSV der KPD zum 1.Mai statt, zu dem auch der PGH eingeladen wurde. Eine Auseinandersetzung sei zwischen KSV und 'Marxisten-Leninisten', vermutlich dem KSB/ML der KPD/ML-ZK, entbrannt.
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.11,Dortmund o.J. (Mai 1972),S.5

24.04.1972:
Der AStA der PH Dortmund hatte für heute seine 'AStA-Information, DOS - Dortmunder Studentenzeitung' Nr.10 (vgl. 17.4.1972, 2.5.1972) angekündigt, die uns leider noch nicht vorlag.

Eingegangen wird, nach eigenen Angaben, auf Relegationen an der Uni Bonn.
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Sdr.Nr.,Dortmund o.J. (Apr. 1972),S.9; DOS Sdr.Nr. Einführung in das PH-Studium,Dortmund o.J. (1972),S.36

25.04.1972:
Laut AStA der PH Dortmund sind dort für heute Wahlen der studentischen Vertreter im Fachbereich III angesagt.
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Sdr.Nr.,Dortmund o.J. (Apr. 1972),S.9

25.04.1972:
Laut AStA der PH Dortmund soll um 12 Uhr der AK 'Politische Sozialisation', vermutlich im ESG-Heim, tagen.
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Sdr.Nr.,Dortmund o.J. (Apr. 1972),S.1

25.04.1972:
Laut AStA der PH Dortmund soll um 18 Uhr der AK 'Kirche und Sozialismus' im ESG-Heim tagen.
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Sdr.Nr.,Dortmund o.J. (Apr. 1972),S.1

25.04.1972:
Laut AStA der PH Dortmund ist für 20 Uhr ein allgemeiner Treff im ESG-Heim, Lindemannstraße 68 angesagt.
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Sdr.Nr.,Dortmund o.J. (Apr. 1972),S.1

26.04.1972:
An der PH Dortmund will der KSV der KPD mit seiner Sympathisantenschulung beginnen, zu der mit einem für Bochum und Dortmund gemeinsamen Flugblatt (vgl. 24.4.1972) aufgerufen wurde. Der Treffpunkt ist um 15 Uhr 30 im Foyer.
Q: KSV:Die Sympathisantenschulung des KSV - Teil der Massenarbeit,o.O. (Bochum/Dortmund) o.J. (Apr. 1972)

02.05.1972:
Der AStA der PH Dortmund gibt vermutlich frühestens heute seine 'AStA-Information, DOS - Dortmunder Studentenzeitung' Nr.11 (vgl. 24.4.1972, 12.6.1972) mit sieben Seiten DIN A 4 heraus.

Die regelmäßigen Termine von ESG, PGH und GEW sind unverändert, abgesehen von der Umbenennung des AK Heilpädagogen in Heilpädagogen AG und der Umlegung des AK Politische Sozialisation auf Donnerstag, 14 Uhr im ESG-Heim. Bekanntgegeben wird der Wahltermin in der Fächergruppe VI (vgl. 10.5.1972).

Im ersten Artikel heißt es zu den BV:"
BERUFSVERBOTE IN DER BRD

In den letzten Jahren häufen sich in der Bundesrepublik die Fälle, wo Lehrer, Juristen, Assistenten, Professoren usw. sowohl als Angestellte als auch als Beamte nicht in den öffentlichen Dienst (ÖD) aufgenommen werden bzw. wieder entlassen werden. Nicht nur Mitglieder und Sympathisanten sozialistischer Gruppen sondern auch Teilnehmer an Demonstrationen, sog. 'Demonstrationstäter' und Leute, die sich sonst irgendwie verdächtig gemacht haben, werden an Schulen und Universitäten diszipliniert.

Dem Berufsverbot ähnliche Maßnahmen werden auch in den Betrieben getroffen (siehe auch das neue Betriebsverfassungsgesetz (BVG - vgl. 10.11.1971,d.Vf.), das den 'Arbeitsfrieden' sichern soll).

Arbeitgeberverbände legen 'schwarze Listen' von Kommunisten und fortschrittlichen Gewerkschaftern an. Kollegen, die sich bei Streiks hervorgetan haben, werden unter fadenscheinigen Gründen diffamiert, isoliert, versetzt und entlassen.

ANPASSUNG ODER RELEGATION HEISST DIE DEVISE!

Hier einige Beispiele für Disziplinierungsmaßnahmen:
Schur (Duderstadt - vgl. S2.**.197*,d.Vf.)) wurde als Vertrauenslehrer für einen Artikel in der Schülerzeitung verantwortlich gemacht; Sahm (Burgdorf (vgl. S2.**.197*,d.Vf.)) verteilte gesellschaftskritische Flugblätter an seine Schüler; Pauen (Viersen (vgl. S2.**.197*,d.Vf.) führte das Buch 'Sexualinformationen für Jugendliche' von Claessons in den BERUFSschulunterricht ein.

Diese Beispiele zeigen eindeutig, daß nicht nur die Organisation in einer sozialistischen Partei oder Gruppe oder die offensichtliche Distanzierung vom Grundgesetz (GG,d.Vf.) für eine beliebige Disziplinierung entscheidend sind.

GRUNDGESETZ IST ZUR FARCE GEWORDEN!

Wo die Kriminalisierung von Demokraten oder Sozialisten nicht gelingt, und ihnen auch sonst nichts in ihrem Beruf nachzuweisen ist, genügt der bloße Verdacht auf mangelnde Verfassungstreue, um die Einstellung zu verwehren oder die Entlassung zu bewirken.

Daß schon Zweifel daran genügen, hat Brandt (SPD - vgl. S3.*.1972,d.Vf.) in einer kürzlich abgegebenen Erklärung ganz deutlich zum Ausdruck gebracht.

Helmut Kohl (CDU), Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz (vgl. S3.*.1972,d.Vf.), schlug vor, Lehrer sollten schriftlich erklären, daß sie sich auf 'die freiheitlich demokratische Grundordnung' (FdGO,d.Vf.) stellten. Die Ministerpräsidenten der Länder (vgl. S3.*.1972,d.Vf.) nahmen diesen Vorschlag dankbar an.

Mit dieser Erklärung, die die Lehrer abgeben sollen, werden sie an einen 'Gummiparagraphen' geknebelt, der mit Leichtigkeit jederzeit später gegen sie ausgelegt werden kann.

Es erweist sich also heute als eine Illusion, auf juristischem Wege mit Berufung auf das Grundgesetz sich vor irgendwelchen Disziplinierungsmaßnahmen schützen zu wollen.

Innenminister Genscher (FDP - vgl. S3.*.1972,d.Vf.) hat bereits eine VERFASSUNGSÄNDERUNG in Erwägung gezogen, um das an sich VERFASSUNGSWIDRIGE VORGEHEN DER REGIERUNG ZU LEGITIMIEREN.

Benda (CDU (vgl. S3.*.1972, S3.*.1972d.Vf.)), der ebenfalls eine Grundgesetzänderung vorgeschlagen hat, ist zum Verfassungsrichter ernannt worden.

Der Staat, der eindeutig die Interessen der Herrschenden vertritt, geht so mit seiner Verfassung um, wie er es für seine volksfeindliche Politik gerade braucht.

INDUSTRIE UND MILITÄR AUF DEM VORMARSCH IN UNSEREN SCHULEN

Die Regierung hat längst erkannt, daß Erziehung nicht unpolitisch ist, wie es von vielen Erziehern heute noch geglaubt und gelehrt wird. Obwohl die Regierung gerade im Schulbereich die Ideen von Pluralismus und Demokratie propagiert, zeigt sich deutlich, daß die vorgeschriebenen Lehrinhalte die Schüler zu einem kritiklosen Übernehmen der jetzigen Gesellschaftsordnung zwingen. Z.B. zeigt sich dies daran, daß der Lehrer dazu verpflichtet ist, den Schülern im Wehrkundeunterricht (WKE,d.Vf.) die 'Notwendigkeit des Wehrdienstes' zur Landesverteidigung einsichtig zu machen. Im Fach Wirtschafts- und Arbeitslehre wird besonders deutlich wie die Lehrinhalte an den Interessen der Industrie orientiert sind.

Somit bleibt dem Lehrer keine Wahl mehr bei der Entscheidung, ob er die Schüler für die Interessen des Kapitals oder für die der Arbeiterklasse als der Masse aller Lohnabhängigen erzieht."

Zu den BV wird auch ein Zeitungsartikel über die SPD (vgl. 21.1.1972) verbreitet.

Zum KSV der KPD heißt es:"
DIE LAGE DES KSV IN DORTMUND

Verschiedene Teach-Ins und Publikationen, auf und in denen sich der Kommunistische Studentenverband (KSV) mit dem Projektbereich Gesamthochschule (PGH) auseinandersetzte, veranlassen uns, die Lage des KSV, die Entwicklung seiner Arbeit in Dortmund näher zu betrachten. Gedacht als Diskussionsbeitrag innerhalb der Auseinandersetzung, die unter den Linken stattfindet, kann dieser Artikel aber auf einige Richtigstellungen nicht verzichten.

Ende des Sommersemesters 1971 (vgl. Juli 1971,d.Vf.) versucht der KSV (Berlin-West) seine Arbeit im Ruhrgebiet aufzunehmen. Schwerpunkte sind die RU Bochum (RUB,d.Vf.) und die PH Dortmund. In Dortmund sucht der KSV erste Kontakte mit dem PGH. In mehreren Diskussionsrunden werden inhaltliche Auseinandersetzungen geführt. Eine wesentliche Kritik des PGH setzt an bei der vom KSV behaupteten Notwendigkeit des Sozialistischen Studiums in der gegenwärtigen Situation.

Im Sozialistischen Studium soll der Student für eine revolutionäre Berufspraxis ausgebildet werden. Es ist leicht einzusehen, was mit den Intellektuellen geschieht, die an ihrem Arbeitsplatz 'revolutionäre Berufspraxis' ausüben wollen, ebenso mit denen, die sich im Studium eine derartige Qualifikation aneignen wollen.

Sie sind für die Bourgeoisie nicht brauchbar und auf dem Markt für wissenschaftlich qualifizierte Arbeitskräfte werden sie vielleicht als Exoten bestaunt, aber nicht eingestellt.

Diese Kritik konnte nicht entkräftet werden. Inzwischen hat der KSV Konsequenzen gezogen. Das Sozialistische Studium wurde zu Beginn des Sommersemesters 1972 gestrichen.

Anläßlich des 1.Mai 1972 fand die Diskussion zwischen KSV und PGH ihre Fortsetzung. Auf dem Teach-In des KSV (vgl. 24.4.1972,d.Vf.), zu dem der PGH aufgefordert worden war, zu erscheinen, fand jedoch eine Auseinandersetzung zwischen den Marxisten-Leninisten (vermutlich KSB/ML der KPD/ML-ZK,d.Vf.) und dem KSV statt. Dieses wieder einmal auf einem Niveau, das für die Masse der Studenten unerreichbar war.

In der Zeitung 'Dem Volke Dienen' (DVD - vgl. Berlin Apr. 1972,d.Vf.) findet sich nun einiges über den PGH, das der Korrektur bedarf. Doch zunächst mal zum Titel der Zeitung.

Der Begriff 'Volk' hat in jeder Entwicklungsstufe eine andere Bedeutung. Der KSV macht nur dunkle Andeutungen zur konkreten Bedeutung der Parole.

Die Parole 'Dem Volke Dienen' kann ihren kämpferischen Inhalt erst im Stadium entfalteter Klassenkämpfe gewinnen, in einer wirklichen Bewegung aller im antagonistischen Widerspruch zur Bourgeoisie stehenden Teile der Bevölkerung.

Doch nun zum Artikel in genannter Zeitung mit der Überschrift 'Aktivitäten des KSV'. In diesem Artikel tauchen einige Unwahrheiten auf, die hier richtiggestellt werden sollen.

Es wird behauptet, der PGH habe die Diskussion mit dem KSV gescheut. Das wundert uns, denn die Diskussion, die zu Beginn des Sommersemesters 1971 (oben war noch vom Ende des Semesters die Rede,d.Vf.) begonnen hatte, wurde vom KSV abgebrochen.

Aus Scheu vor der Diskussion seien Genossen des KSV daran gehindert worden, an der Erstsemesterfreizeit (vgl. S6.**.197*,d.Vf.) teilzunehmen. Wir haben den Genossen klargemacht, daß eine solche Freizeit nicht der Ort für eine ideologische Auseinandersetzung zweier Gruppen ist. Dazu stehen wir immer noch.

Die Plenumsdiskussion, von der der KSV schreibt, hat nicht stattgefunden, weil der KSV anfänglich von einer solchen Diskussion nichts wissen wollte.

Dem PGH einen reformistischen Charakter zu unterstellen, ist einfach. Den Beweis für diese Unterstellung ist uns der KSV bislang schuldig geblieben.

Wenn der KSV schreibt, er habe einen großen Teil der Mitglieder für sich gewonnen, so ist das eine Anmaßung. Mehr nicht.

Welche Absichten verfolgt der KSV?

Zu Anfang der Diskussion zwischen PGH und KSV versuchte letzterer aus den Reihen des PGH Sympathisanten zu gewinnen. da dies nicht gelang, versuchte er es mit Massenarbeit an der Hochschule, daß auch dies wenig Erfolg zeitigt, liegt wohl auch am Unterschied zwischen Berliner Hochschulen und unserer PH.

Der Versuch der Spaltung des PGH ist nicht gelungen. Das lag wohl nicht zuletzt am nicht ausgewiesenen Führungsanspruch.

In diesem Zusammenhang möchten wir auch das Neue Rote Forum (NRF - vgl. Okt. 1971,d.Vf.) Heidelberg zitieren:
'Es ist zu fragen, welchen Sinn es haben kann, wenn sich jeder örtliche Zirkel oder jede politische Strömung heute pathetisch zur 'Kommunistischen Partei' hochjubelt und seinen Führungsanspruch durchsetzen will. WEM NÜTZT DAS? Der Arbeiterklasse doch wohl kaum. Denn das Auftreten immer neuer Möchtegerne als 'Kommunistische Partei' ist nur geeignet, das prinzipielle Mißtrauen der Arbeiter zu verstärken gegen JEDE kommunistische Organisation. Aus dieser Entwicklung schlagen kurzfristig auch die Revisionisten Kapital, obwohl sie bei etwas mehr politischen Weitblick sehen müßten, daß sie sich mit ihrer Demagogie gegen die Zersplitterung der Linken langfristig selbst ins Kreuz treten.

Es wäre gut, wenn weniger vom 'FÜHRUNGSANSPRUCH' geschwätzt würde, sondern angegangen würde von der VERPFLICHTUNG der Kommunisten, sich als Führung zu erweisen. Anspruch also nicht an die Massen, sondern Anspruch an die Kommunisten selbst, sich in der Praxis für ihre Aufgabe zu qualifizieren.'

Die Diskussion innerhalb der Linken muß geführt werden. Sie muß in der gegenwärtigen Situation aber mit der Absicht geführt werden, ihre Einheit herzustellen. Wir sind bereit, die Diskussion fortzusetzen.

Sie muß aber inhaltlich und auf Argumenten aufgebaut sein. Lügen, Halbwahrheiten und Unterstellungen sind dafür keine Basis.

Wir haben diesen Artikel geschrieben, um die Lage zu klären. Die Diskussion muß und wird fortgesetzt werden. Wir sind auch der Meinung, daß sie vor den Studenten geführt werden soll, aber dann in einer Form, die den Studenten verständlich ist und ihnen die Notwendigkeit zur Veränderung unserer Gesellschaft aufzeigt."
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.11,Dortmund o.J. (Mai 1972); DOS Sdr.Nr. Einführung in das PH-Studium,Dortmund o.J. (1972),S.36

10.05.1972:
An der PH Dortmund sollen die Wahlen zur Fächergruppe VI um 13 Uhr im Hörsaal I (HI) stattfinden.
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.11,Dortmund o.J. (Mai 1972),S.6

12.06.1972:
Der AStA der PH Dortmund gibt vermutlich in dieser Woche seine 'AStA-Information - DOS (Dortmunder Studentenzeitung) Nr.12 (vgl. 2.5.1972, 21.6.1972) mit acht Seiten DIN A 4 und folgendem Inhalt heraus:
1. Zur Geschichte der verfaßten Studentenschaft
2. Das Gesamthochschulentwicklungsgesetz
3. Das Semesterprogramm des neuen AStA

Der Diskussionstreff der GEW-AG findet nun, immer noch in der Soz.-Forsch. Raum 24 aber Monatgs um 18 Uhr statt. Die anderen Termine sind unverändert, nur ein ESG Jour Fix der ESG wird nicht mehr erwähnt. Neu ist der Hinweis auf das täglich von 11 bis 13 Uhr geöffnete GEW-Büro.

In den beiden ersten Artikeln heißt es zur VS:"
1.) ZUR GESCHICHTE DER VERFASSTEN STUDENTENSCHAFT (vgl. RPK Nr.170 (u.a. des KSV der KPD - vgl. 2.6.1972,d.Vf.))

Eine verfaßte Studentenschaft gibt es bereits seit 1920. Der Relevanz halber möchten wir uns hier auf die Geschichte nach 1945 beschränken.

Die ersten Studentenparlamente wurden nach dem 2.Weltkrieg von den Alliierten EINBERUFEN. Diese sahen in der studentischen Selbstverwaltung eine Möglichkeit, dem Faschismus in der BRD entgegenzuwirken (gemeint war aber nur der Faschismus nationalsozialistischer und hitlerischer Prägung).

Mit der Einsetzung der Studentenparlamente wollten die Besatzungsmächte gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Auf der einen Seite sollten die Studenten 'demokratische Verhaltensweisen erlernen'. Auf der anderen Seite intendierte man aber, daß die Studenten ihre Kraft in die Gremien investieren und damit ihre Aktivitäten auf den Hochschulbereich beschränken würden.

Die Beschränkung der studentischen Arbeit auf die Hochschulpolitik bedeutet aber, daß gesamtgesellschaftliche Vorgänge von den Studenten nicht genügend reflektiert werden. Dadurch wird das kapitalistische System nur gestützt.

Daß die Hochschule nur als Absaugkanal für 'demokratische Bedürfnisse' gedacht war, hat sich klar gezeigt: Sobald die Studenten kritisch zu politischen Ereignissen in der Welt Stellung nahmen, wurde ihnen das Recht darauf abgesprochen mit der Begründung, die verfaßte Studentenschaft habe kein politisches Mandat.

Das Zunehmen von sozialistischen und fortschrittlichen Organisationen innerhalb der Studentenschaft gab den Herrschenden zu denken.

Sie fürchten die studierende Intelligenz als einen der wichtigsten stabilisierenden Faktoren des bestehenden Systems zu verlieren.

Damit war der verfaßten Studentenschaft eindeutig ein poliisches Mandat zugesprochen - aber im Sinne der Herrschenden.

2.) DAS GESAMTHOCHSCHULERRICHTUNGSGESETZ UND SEINE AUSWIRKUNGEN

Nach diesem kurzen Abriß der Geschichte der verfaßten Studentenschaft ist es notwendig, klarzumachen, weshalb die Ministerialbürokratie ein Interesse an der Zerschlagung der verfaßten Studentenschaft hat und diese auch bereits in einigen Bundesländern abgeschafft hat.

Mit der zunehmenden Politisierung der Studenten - resultierend aus der Einsicht, daß in dieser Gesellschaft etwas faul ist - wurden die Studentenparlamente und ASten Kampfmittel gegen die Unterdrückung seitens Ministerialbürokratie etc.

Man versucht jetzt die Studenten in möglichst viele Gremien und Kommissionen hineinzubekommen, damit sie dort ihre Kraft verschwenden. Man isoliert diese Studenten von der Masse der Studenten, zu denen die Organe der verfaßten Studentenschaft noch direkten Kontakt haben. Eine Abwehrmaßnahme also einer Herrschaft, die sich bedroht fühlt. Wie die weiteren Maßnahmen aussehen zeigt unter anderem folgender Artikel über das Gesamthochschulerrichtungsgesetz (GHEG).

Das GHEG ist die Krönung der Bildungsreform an den Hochschulen. Es reiht sich nahtlos ein in die Gesamttendenz der Hochschulgesetzgebung.

Eine isolierte Betrachtung des Gesetzestextes ist wenig sinnvoll. Wichtiger ist die Untersuchung der Inhalte dieser Politik und die Offenlegung ihres Charakters. Wesentlich sind die Mechanismen (Numerus Clausus, Studienberatung, Verfahren bei Neugründungen), die die Verwirklichung der staatlichen Bildungsreform gewährleisten sollen.

Bei der Betrachtung des GHEG ist es wichtig, die Erfahrungen anderer Bundesländer heranzuziehen.

In Berlin und Baden-Württemberg wurden solche Vorschaltgesetze dazu benützt, die verfaßte Studentenschaft zu zerschlagen. Begründung: Die Studenten sind in allen Gremien vertreten, ergo erübrigt sich die Studentenvertretung in der bisherigen Form. Auch in NRW muß ständig mit der Zerschlagung der verfaßten Studentenschaft gerechnet werden, ist der Minister befugt, solche Fragen per Erlaß zu regeln (Paragraph 18 GHEG).

Wie solche Gesetze zustande kommen, zeigt das GHEG mustergültig. Nach einem Hearing (vgl. S3.**.197*,d.Vf.) aller Beteiligten (Professoren, Studenten, Assistenten etc.) über die Gesetzesvorlage holte Herr Rau aus der Schublade einen neuen Entwurf und ließ ihn vom Landtag verabschieden (vgl. S4.**.197*,d.Vf.). Das alles innerhalb von wenigen Wochen. Soetwas nennt man dann 'demokratische Willensbildung'. Das sei allen Verfechtern der Mitbestimmungsideologie ins Stammbuch geschrieben.

Kommen wir nun zum Begriff 'Gesamthochschule':

Die formale Klassifizierung von FH (FHS,d.Vf.), PH und UNI wird abgeschafft. Was kommt??

Abgestufte Studienabschlüsse, Trennung von praxis- und forschungsorientierten Studiengängen, Kurzstudium von sechs Semestern für die Masse der Studenten.

Das heißt bei Rau (man möge ihn nicht verteufeln, wärs er nicht, wärs ein anderer Handlanger der Industrieinteressen) 'die Kapazitäten wirtschaftlich verwenden'.

Was verändert sich also?

Das Firmenschild! - Und die Möglichkeit der zentralen Steuerung für die Interessen der Kapitalseigner. Die wird besser!

Die Berufung auf gesamtgesellschaftliche Interessen ist in diesem Zusammenhang ein Hohn. Die Ware Arbeitskraft - in diesem Fall die der technischen und geistigen Intelligenz - optimal einzusetzen, ist erst dann im Interesse der Gesamtgesellschaft, wenn die Profite der Gesamtgesellschaft zu gute kommen und nicht einigen wenigen Kapitaleigentümern.

Kommen wir nun zum Stichwort: ZENTRAL.

Zentrale Studienberatung und zentrales Studienplatzverteilungsverfahren.

Genau wie der NC werden diese Maßnahmen zur Reglementierung und Bedarfsregelung eingesetzt. In diesem Zusammenhang weisen wir auch auf das Ordnungsrecht hin, das in Bayern bereits existiert.

Die Studienberatung ist verpflichtend für alle Studenten. Bei dieser Studienberatung wird den Studenten der Studiengang empfohlen, für den sie 'qualifiziert' sind. Der wird dann auch eingeschlagen.

Das zentrale Studienplatzverteilungsverfahren ist für die Fachhochschüler bereits Realität. Der umfassende Überblick über alle Hochschulen verschafft der Industrie besten Überblick und die Möglichkeit der Steuerung.

Die Aussicht für Neugründungen von Gesamthochschulen - wie es in Dortmund der Fall sein wird - ist erfreulich. Die Hochschule braucht sich keine Studienordnung zu erarbeiten. Die wird nämlich vom Minister zentral verordnet und dann zwei Jahre lang nicht geändert werden. Welche Aufgabe hat der Gründungssenat?

Die Verordnungen auszuführen! Denn neben der Studienordnung erläßt der Minister unter den gleichen Bedingungen die Verfassung der Hochschule.

Über Paritäten braucht hier kein Wort verloren zu werden. Stellen die Studenten 25% im Gründungssenat, so liegt das an den günstigen örtlichen Verhältnissen. Im Normalfall sind es weniger.

Wir wollen nicht den Eindruck erwecken, das Modell der INTEGRIERTEN Gesamthochschulen sei abzulehnen. Unter integrierter Gesamthochschule ist nämlich nicht nur die formale und verwaltungsmäßige Kooperation zwischen den einzelnen Hochschulen, wie Fachhochschulen, PH's und Unis zu verstehen.

Wir wollen aber klarmachen, daß dieses Modell in unserer Gesellschaft nicht zu verwirklichen ist, da es nicht den Interessen der herrschenden Klasse entspricht. Die jetzt konzipierte Gesamthochschule befriedigt das Interesse der Industrie, nicht das der Bevölkerung.

Was müssen wir aus solchen Hochschulgesetzen lernen?

Diese Hochschulreform im Dienste unserer kapitalistischen Gesellschaftsordnung ist nicht durch Arbeit in Gremien oder Kommissionen zu unterlaufen.

Das haben die Erfahrungen gerade mit diesem Gesetz gezeigt. Die Arbeit, die im Moment zu leisten ist, liegt in der Aufklärung über den Charakter der Bildungsreform, die uns zur Zeit geboten wird. Sie ist auch nicht zu trennen von anderen Vorgängen in der Gesamtgesellschaft.

Ein Ordnungsrecht an der Hochschule, der Friedensparagraph im Betriebsverfassungsgesetz (BVG,d.Vf.) und der Aufbau des Grenzschutzes (BGS,d.Vf.) zur Innenarmee, die Errichtung von bundeswehreigenen Hochschulen (BWHS,d.Vf.) - das alles ist nicht voneinander zu trennen. Das geschieht nicht nur zufällig zeitlich gleich.

Das ist eine Tendenz und eine Intention.

Eine Herrschaft, die sich bedroht fühlt und ihren Anspruch nicht mehr rechtfertigen kann, wehrt sich - und zwar mit allen Mitteln."

Bekanntgegeben durch den AStA und die Gruppen PGH und GEW-AG das:"
SEMESTERPROGRAMM DES ASTA

Die Funktion und die Aufgaben der Arbeit im AStA werden bestimmt durch verschiedene Faktoren.

Eine wichtige Rolle spielen die Hochschulgruppen, insbesondere ihre Analysefähigkeit und ihre Praxis als Gruppe, sowie das Verhältnis zwischen Gruppe und AStA. Hochschulpolitik ist nur im Hinblick auf die Entwicklung innerhalb der Gesellschaft möglich. Die Bestimmung der Hochschulpolitik erfolgt zum großen Teil durch Analyse des Charakters der Hochschule innerhalb der Gesellschaft, wobei eine der zentralen Fragen die nach dem Stand und dem Charakter des Klassenkampfes ist.

Es gilt, jede Unterdrückungsmaßnahme in die Entwicklung des gesellschaftlichen Widerspruchs einzuordnen. Dies, sowie die Konsequenzen und Alternativen, sollen den Studenten in einer breiten Informationsarbeit vermittelt werden. Diese Informationsarbeit wird vertieft durch die Studienbegleitung, in der vordringlich hochschul- und studienspezifische Probleme in Bezug auf ihre Bedeutung für die Interessen der Studenten und auf ihre Funktion und ihre Relevanz in der gesellschaftlichen Situation untersucht und vermittelt werden.

Aus der spezifischen Situation an der Hochschule ergeben sich Konsequenzen bei der Massenarbeit, denn sie muß bei den Interessen und Bedürfnissen der Studenten ansetzen, diese im Blick auf die Gesellschaft analysieren, sie vertreten und befriedigen und eine Perspektive aufzeigen.

Grundsätzliche Zusammenarbeit mit allen linken Gruppen, d. h. ein Optimum an Zusammenarbeit unter diesen Gruppen soll angestrebt werden.

KONKRETION DER EINZELNEN AUFGABEN

1.) Informationspolitik
a) DOS
Die Vermittlung von Informationen und Hintergründen hat im letzten AStA eine wichtige Rolle gespielt. Mit DOS ist ein Organ geschaffen worden, das von den Studenten anerkannt und gelesen wird. Es wird darauf ankommen, bereits herausgegebenen Informationen weitere Erläuterungen und Hintergründe anzufügen. Durch die Neugründung des Studienreferates sollte DOS in Zukunft mehr zur Ausbildungs- und Berufsproblematik bringen, diese in die gesellschaftlichen Verhältnisse einordnen und in einen Zusammenhang bringen.

Hierbei wird es notwendig sein, sich eingehender mit der Hochschulgesetzgebung und ihrer Analyse zu beschäftigen.

Des weiteren sollte versucht werden, mit den Lesern in direkten Kontakt zu kommen.

b) Pressereferat
Eine Archivierung eingehender Informationen ist unbedingt notwendig. In bestimmten Fragen soll auf bereits bestehende Stellungnahmen o.ä. zurückgegriffen werden.

Eine weitere Aufgabe ist die Sammlung und Weitergabe von Informationen an die einzelnen AStA-Referenten und an DOS.

Weiterhin ist die Kontaktaufnahme mit anderen Hochschulzeitungen (BSZ (an der RUB Bochum,d.Vf.) etc.) und mit der örtlichen Presse (z.B. Initiativkreis Kritische Presse) notwendig.

Um die kontinuierliche Arbeit des Pressereferates nicht zu gefährden, etwa durch Krankheit, Tagungen etc., übernimmt das Redaktionskollektiv der DOS die Vertretung der Pressereferentin.

2. Überregionale Arbeit
Eine engere Zusammenarbeit mit den Hochschulen im Geamthochschulbereich Dortmund sowie mit der Ruhruniversität Bochum muß angestrebt werden.

3. Die Vorsitzenden
Neben der überregionalen Vertretung gehören zu den Aufgaben der Vorsitzenden die Koordinierung der AStA-Arbeit und die Vertretung der AStA-Politik vor SV und SK.

Da in die Legislaturperiode dieses AStA und der Umzug der PH fällt, und aus diesem Grund mit zahlreichen Schwierigkeiten zu rechnen ist (Verkehrs- und Neubaufragen) erscheint es notwendig, daß sich die Vorsitzenden dieser Aufgabe widmen.

Aufgrund der im letzten Jahr gesammelten Erfahrungen ist es angebracht, daß diese Aufgaben von den Vorsitzenden wahrgenommen wird, da von Seiten der Verwaltung in der Regel nur Vorsitzende als Kompetente erachtet werden.

4. Finanzreferat
Vorrangige Aufgaben des Finanzreferenten sollen sein:

1.) Erstellung der Haushaltspläne in Zusammenarbeit mit dem gesamten AStA
2.) Die Buchführung jederzeit überprüfbar zu halten
3.) Forcierung der endgültigen Abrechnung der letzten Haushalte durch den Kanzler.

Zahlungsweisen sind vom 1. Vorsitzenden und von dem Finanzreferenten zu unterzeichnen.

5. Das Studienreferat
Das Studienreferat sollte am stärksten innerhalb der Studentenschaft verankert sein. Es nimmt Aufgaben wie Studienvorbereitung (Sonderprüfung, Information der Oberschüler), Studieneinführung, Studienablauf (Zusammenarbeit mit Studienkollektiven, Tutoren etc.) wahr.

Verstärkt sollte versucht werden, die Studenten zur inhaltlichen Kritik der Lehrinhalte zu befähigen. Diese Aufgaben sind selbstverständlich nur leistbar in Zusammenarbeit mit den Mitgliedern der Gruppen, die den AStA tragen.

Da die verschiedenen Arbeitsgebiete nicht isoliert voneinander betrachtet werden können, wird keine schematische Trennung vorgenommen.

Der Finanzreferent ist - soweit es seine Aufgaben zulasssen - Mitarbeiter im Studienreferat.

6. Sozialreferat
Das Sozialreferat setzt sich in erster Linie mit den sozialen und materiellen Bedürfnissen der Studenten auseinander. Dazu gehört in Zukunft auch die Wohnungs- und Jobvermittlung.

Weiterhin wird die studentische Sozialgesetzgebung etc. analysiert und weitergegeben werden.

7. Grundsatzfragen
Lösung AStA-interner Differenzen geschieht durch Diskussion nicht durch Abstimmung.

Es finden regelmäßige AStA-Sitzungen statt.

Außenvertretung des AStA und bindende Absprachen des Gesamt-AStA werden nur durch imperatives Mandat wahrgenommen. Die Art des Votums des Mandatsträgers legt die AStAsitzung fest.

Kommt kein Kompromiß zustande, werden beide beteiligten Gruppen den AStA auflösen."

Aufgerufen wird:"
Kommilitoninnen! Kommilitonen!

Die Verwaltung der PH bat uns, Euch folgendes bekanntzugeben:

Die Räume der PH in der Kreuzstraße sind von der Stadt Dortmund angemietet.

Die Stadt hat jetzt Geldforderungen wegen ungebührlicher Abnutzungen in den Räumen an die PH gestellt.

Brandlöcher im Fußboden und Fensterrahmen sind Punkte der Beanstandung.

Die Verwaltung bittet alle Studenten in Zukunft darauf zu achten, daß solche Schäden im erträglichen Maß bleiben. Wir meinen, kein Student erleidet Schaden, wenn er seine Zigarettenkippen in einen Behälter wirft und den Fußboden oder die Fensterrahmen verschont."
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.11 und Sdr.Nr. Einführung in das PH-Studium,Dortmund o.J. (Juni 1972) bzw. o.J. (1972),o.S. bzw. S.23

15.06.1972:
In Dortmund rief die KPD/ML-ZB im IGM-Bereich bei Hoesch Phoenix und Westfalenhütte (vgl. 12.6.1972, 19.6.1972) dazu auf, zu einer Versammlung um 18 Uhr in die Gaststätte Concordia am Borsigplatz zu kommen, auf der ein Aktionskomitee für den Freispruch von Klaus Dillmann (vgl. 26.4.1972, 20.6.1972) gegründet werden soll. Zu diesem Treffen wurden u.a. eingeladen:
- KPD Ortsleitung (OL) Dortmund,
- Kommunistischer Studentenverband (KSV) der KPD,
- Marxisten-Leninisten (ML) Dortmund,
- KPD/ML-ZK,
- AStA der PH Dortmund,
- ESG Dortmund.
Q: KPD/ML-ZB-OG Dortmund, KJVD-OG Dortmund:Brief an alle revolutionären und demokratischen Organisationen,Dortmund 15.6.1972; Die Rote Westfalenwalze Freispruch für Klaus Dillmann!,Dortmund o.J. (Juni 1972),S.4; Das Rote Schwungrad Freispruch für Klaus Dillmann!,Dortmund o.J. (Juni 1972), S.4; KPD/ML-ZB, KJVD:Freiheit für den Roten Punkt - Polizisten leisten Meineid - Gerichtsverhandlung geplatzt,Dortmund o.J. (Okt. 1972),S.1

19.06.1972:
Der AStA der Abteilung Heilpädagogik der PH Dortmund (vgl. 13.11.1972) berichtet von seiner Vorgeschichte (vgl. 27.6.1972) über die StPW:"
Bei den Wahlen zum SP (19. - 22.6) wurden drei Mitglieder einer Gruppe von fortschrittlichen Studenten ins SP gewählt, die sich zu Beginn des letzten Semesters zusammengeschlossen hatten und bereit waren, die Interessen der Studenten im SP und AStA zu vertreten."
Q: DOS Nr.15,Dortmund o.J. (13.11.1972),S.7

21.06.1972:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 22.6.1972) berichtet in seiner morgigen 'AStA-Information' über deren Text bzw. die heutige Studentenkonferenz (SK):"
Der Text dieses Flugblattes wurde in der SK diskutiert und fand Zustimmung bei allen Gruppen außer dem RCDS (der CDU,d.Vf.), der die Abstimmung über dieses Flugblatt als Resolution durch vorzeitigen Auszug aus der SK boykottierte!"

Später (vgl. 26.6.1972) berichtet der AStA auch:"
Zur Frage der Verkehrsverbindungen legte der AStA auf der Studentenkonferenz vom 21.6. eine Resolution vor, die dort verabschiedet wurde:
'Der SK sind die skandalösen Zustände in Planung und Durchführung einer Verkehrsverbindung der PH in Dortmund-Dorstfeld

a) an das Verkehrsnetz der Innenstadt über Dorstfeld und
b) an die Verkehrsverbindungen vom Altbau der Hochschule über Palmweide (Barop) bekannt.

Sie fordert im Interesse der gesamten Studentenschaft der PH Ruhr, Abt. Dortmund:
- Einrichtung und Ausbau von durchgängigen Linien öffentlicher Nahverkehrsmittel über die Innenstadt sowie vom alten PH-Gebäude aus
- ausreichende Beförderungsmöglichkeiten über beide Strecken, d.h. mindestens viertelstündiger Einsatz von Verkehrsmitteln!
DENN, Einrichtung und Unterhaltung ausreichender Verkehrsverbindungen hat sich nicht nach Profitinteressen der Dortmunder Stadtwerke zu richten, mißt sich nicht an Gesichtspunkten der Rentabilität, sondern nach dem Kriterium der Notwendigkeit der Verkehrsverbindungen für die betroffene Bevölkerung.

Dieses Kriterium der Notwendigkeit heißt in diesem Fall, die Isolation der Bildungseinrichtung teilweise aufzuheben.

Dekan der Abteilung und Rektor der PH Ruhr werden aufgefordert, die Forderungen der Studenten mit allem Nachdruck bei der Dortmunder Stadtverwaltung und beim Staatshochbauamt der Stadt Dortmund zu vertreten.

Sollten diese Forderungen nicht erfüllt werden, so wird die Studentenschaft Kampfmaßnahmen ergreifen.'"

Die KPD (vgl. 5.7.1972) berichtet vermutlich von der heutigen VV über die Vietnam-Solidarität, "daß die Studentenvollversammlung der PH nahezu geschlossen eine Solidaritätsresolution an die FNL verabschiedete. Bezeichnenderweise hatten sich die Studenten des MSB-Spartakus, der Studentenorganisation der DKP, vorher aus dem Saal verdrückt, sie wollten keiner Resolution zustimmen, in der die schändliche Rolle des Sozialimperialismus (SU,d.Vf.) angeprangert wurde."
Q: Rote Fahne Nr.50,Dortmund 5.7.1972,S.3; AStA PH Dortmund:AStA-Information Gegen die Bonner Notstandsgesetze und Nr. 13,Dortmund o.J. (Juni 1972) bzw. o.J. (Juni 1972),S.3 bzw. S.4f

22.06.1972:
Der AStA der PH Dortmund gibt vermutlich heute seine 'AStA-Information', diesmal nicht als 'DOS - Dortmunder Studentenzeitung' (vgl. 12.6.1972, 26.6.1972) sondern als Flugblatt mit drei Seiten DIN A 4 zum Roter-Punkt-Prozeß gegen Klaus Dillmann (vgl. 21.6.1972) bzw. den neuen Gesetzen zur 'Inneren Sicherheit' (vgl. 22.6.1972) und der Bochumer Demonstration dagegen (vgl. 24.6.1972) heraus:"
GEGEN DIE BONNER NOTSTANDSGESETZE (NSG,d.Vf.)

Der Genosse Klaus Dillmann sollte am 21. des Monats vor dem Dortmunder Gericht verurteilt werden. Ihm wird Rädelsführerschaft, Nötigung, Widerstand gegen die Polizei in Tateinheit mit Körperverletzung und Aufforderung zur strafbaren Handlung vorgeworfen. Es handelt sich dabei um eine der vielen Anklagen im Zusammenhang mit dem Kampf der Dortmunder Bevölkerung gegen die unverschämte Fahrpreiserhöhung der Dortmunder Stadtwerke vor einem Jahr (vgl. 1.3.1971,d.Vf.).

Durch den Prozeß gegen Dillmann und andere soll der berechtigte Kampf der Bevölkerung zur kriminellen Handlung abgestempelt werden. Als Widersprüche in der Anklageschrift auftauchten, vertagte man kurzfristig den Prozeß auf September ((vgl. 13.9.1972,d.Vf.) Semesterferien) mit der offiziellen Begründung, die zwei Hauptbelastungszeugen - zwei Polizisten – seien unerreichbar im Urlaub.

Die Prozesse gegen die Demonstranten sind im Zusammenhang zu sehen mit den verschärften Bonner Notstandsgesetzen, die einen Eingriff in die demokratischen Rechte des Volkes bedeuten. Diese Gesetze sollen im Bonner Parlament bis zum 23.6. verabschiedet werden. Daß man damit rechnet, in dieser knappen Zeit alle fünf Gesetze durchzubringen, zeigt, daß in diesen Punkten zwischen den im Parlament vertretenen Parteien kein Unterschied festzustellen ist.

Was beinhalten diese Gesetze?

1) DAS BUNDESVERFASSUNGSSCHUTZGESETZ soll die Möglichkeit zur Bespitzelung fortschrittlicher Organisationen erweitern und dem Verfassungsschutz (VS,d.Vf.) größere Vollmachten zur 'Überprüfung' der Beschäftigten im öffentlichen Dienst (ÖD,d.Vf.) geben. Dazu wird sogar das Grundgesetz (GG,d.Vf.) geändert. Außerdem wird das Verbot einer Reihe fortschrittlicher Organisationen vorbereitet.

2) DIE VORBEUGEHAFT, die 1969 (vgl. S2.**.196*,d.Vf.) wegen des großen demokratischen Widerstands im Volk nicht durchgesetzt werden konnte, soll jetzt wieder gesetzlich verankert werden, um neue Möglichkeiten zu haben, Widerstand gegen den Bonner Staat zu unterdrücken. Einzelne können auch ohne Gerichtsverfahren eingesperrt werden.

3) DAS OLYMPIA-GESETZ regelt unter dem Deckmantel des olympischen Friedens ein umfassendes Demonstrationsverbot.

4) WAFFENGESETZ: Zu diesem Gesetz bestehen noch keine genauen Untersuchungen. Nach dem 1968 (vgl. S3.**.1968,d.Vf.) verabschiedeten Waffengesetz dürfen Beamte des Bundes Waffen führen, die Anlagen oder Gegenstände sichern, die hoheitlichen Aufgaben dienen. Damit ist die Möglichkeit des bewaffneten Behördenschutzes gegeben, der z.B. bei Streiks in öffentlichen Betrieben einschreiten kann.

5) DAS BUNDESGRENZSCHUTZGESETZ soll den BGS zu einer 'Sonderpolizei' des Bundes machen, die gegen Streiks und Demonstrationen eingesetzt werden kann. Streiks sind jetzt nach dem Gesetz kriminelle Handlungen in Betrieben, die die sogenannte lebenswichtige Versorgung sichern, z.B. öffentlicher Verkehr, Strom und Wasser.

Diese Sonderpolizei erhält das Recht, Bürger vorzuladen und 'erkennungsdienstlich' (ED,d.Vf.) behandeln zu können. Nach diesem neuen Gesetz soll jeder Wehrpflichtige auch gegen seinen Willen zu dieser Bürgerkriegstruppe eingezogen werden können! Dieses Gesetz versucht, den Arbeitskampf der Bergleute, Stahlarbeiter (IGBE- bzw. IGM-Bereich,d.Vf.) etc. zu verhindern.

Es erhält einen aktuellen Bezug durch die gespannte Lage im Bergbau, die sich durch die unbefriedigenden Tarifverhandlungen (BETR - vgl. 20.6.1972,d.Vf.) ergeben hat. Ein großer Teil der Bergleute fordert Urabstimmung und nicht Schlichtung durch Arbeitsminister Figgen (SPD,d.Vf.) und die Gewerkschaftsführer. Daß man mit einem Streik rechnet, zeigt, daß sich die Hauptabnehmer der Zechen rechtzeitig mit genug Kohle eingedeckt haben. Sobald die Gesetze verabschiedet sind, ist in solcher Streik nicht legales Mittel, sondern krimineller Akt.

Diese neuen Gesetze betreffen in besonderem Maße die Arbeiter, aber auch andere Teile der Bevölkerung.

Für die Studenten wird diese Gesetzgebung Bedeutung erlangen, wenn sie demnächst gezwungen sind, gegen die Zerschlagung der verfaßten Studentenschaft zu demonstrieren, und hat - gerade für Lehrerstudenten - schon Bedeutung erlangt durch den Ministerpräsidentenerlaß (BV vgl. 27.1.1972,d.Vf.) gegen 'Radikale' im öffentlichen Dienst.

Deshalb muß der Kampf gegen die Notstandsmaßnahmen ein solidarischer Kampf aller Teile der Bevölkerung sein.

Kommt zur Demonstration am Samstag, den 24.6.1972 in Bochum-Hordel um 16 Uhr, Platz zwischen Barbarastr., Finefraustr., Sonnenscheinstr.

WEG MIT DEM BUNDESGRENZSCHUTZGESETZ - DEM NEUEN BÜRGERKRIEGSTRUPPENGESETZ
WEG MIT DER WIEDEREINFÜHRUNG DER VORBEUGEHAFT
WEG MIT DEM BUNDESVERFASSUNGSSCHUTZGESETZ - DEM NEUEN SPITZELGESETZ
WEG MIT DEM DEMONSTRATIONSVERBOT ZU DEN OLYMPISCHEN SPIELEN
WEG MIT DEM KPD-VERBOT
FREISPRUCH FÜR KLAUS DILLMANN UND ALLE DEMONSTRANTEN DER ROTE-PUNKT-AKTION"

Berichtet wird von der Behandlung dieses Textes in der gestrigen Studentenkonferenz (SK).
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Gegen die Bonner Notstandsgesetze,Dortmund o.J. (Juni 1972); DOS Sdr.Nr. Einführung in das PH-Studium,Dortmund o.J. (1972),S.36

24.06.1972:
In Bochum-Hordel findet eine Demonstration gegen Streikverbot und Notstandskurs um 16 Uhr ab dem Platz zwischen Barbarastr., Finefraustr. und Sonnenscheinstr. statt, zu der u.a. der AStA der Ruhruni durch seine 'Bochumer Studentenzeitung' (BSZ) aufruft. Aufgerufen wurde durch die KPD/ML-ZB auch bei Hoesch Dortmund (IGM-Bereich - vgl. 22.6.1972). Der Treffpunkt in Dortmund ist allerdings erst um 16 Uhr. Der AStA der PH Dortmund (vgl. 22.6.1972) bzw. die dortige Studentenkonferenz (SK - vgl. 21.6.1972) riefen ohne Angabe eines Dortmunder Treffpunktes zum Protest gegen die neuen Notstandsgesetze (NSG - vgl. 31.5.1968) auf.
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Gegen die Bonner Notstandsgesetze,Dortmund o.J. (Juni 1972),S.3; Rote Fahne Extrablatt und Nr.13,Bochum Juni 1972 bzw. 28.6.1972,S.* bzw. S.*; Bochumer Studenten Zeitung Nr.97,Bochum 22.6.1972,S.1; Roter Morgen Nr.15,Hamburg 31.7.1972,S.5; Das Rote Schwungrad/Die Rote Westfalenwalze Bundesgrenzschutz darf auf Streikende schießen,Dortmund o.J. (Juni 1972),S.1

26.06.1972:
Die KPD (vgl. 5.7.1972) berichtet vermutlich u.a. aus dieser Woche von den VA des NVK in Dortmund (vgl. 7.7.1972):"
Auch in Dortmund veranstalteten die Vietnamausschüsse eine Solidaritätsdemonstration. Ungefähr einhundertfünfzig Menschen nahmen daran teil.

Die Ausschüsse in Dortmund hatten in den Tagen vorher eine Anzahl kleinerer Veranstaltungen durchgeführt. … Auch die Ausschüsse an der Pädagogischen Hochschule und der Universität hatten durch tägliche Agitation neue Mitglieder gewonnen. Ein Erfolg ihrer Arbeit war, daß die Studentenvollversammlung der PH (vgl. 21.6.1972,d.Vf.) nahezu geschlossen eine Solidaritätsresolution an die FNL verabschiedete."
Q: Rote Fahne Nr.50,Dortmund 5.7.1972,S.3

26.06.1972:
Der AStA der PH Dortmund gibt vermutlich Anfang dieser Woche seine 'AStA-Information, DOS - Dortmunder Studentenzeitung' Nr.13 (vgl. 22.6.1972, 16.10.1972) mit acht Seiten DIN A 4 heraus.

Die Termine von ESG, PGH und GEW bleiben unverändert, der Inhalt lautet:
1. Die BRD - Ein Polizeistaat
2. Umzug der PH
3. Bericht des Studentenkollektivs im Deutschseminar: 'Jugendbuchrezensionen'

Im ersten Artikel wird zu den NSG vom 22.6.1972 ausgeführt:"
DIE BRD - EIN POLIZEISTAAT

In der letzten Woche wurden neue Ausführungsgesetze zur Notstandsverfassung im Bundestag verabschiedet: Bundesgrenzschutzgesetz, Bundesverfassungsschutzgesetz, Vorbeugehaft und Demonstrationsgesetz zu den olympischen Spielen. Diese Gesetzesserie, die schon in der letzten AStA-Information 'Bonner Notstandsgesetze' erläutert wurde, dient dem 'Schutz der Inneren Sicherheit' laut Genscher (FDP,d.Vf.). Das heißt in der Praxis Kriminalisierung aller linken und fortschrittlichen Kräfte in der BRD, unterstützt von den Verfolgungskampagnen in Rundfunk, Fernsehen und Presse.

Wie konzentriert die Schläge gegen jegliche politische Arbeit Linker sind, zeigen einige Vorkommnisse der letzten Wochen und Tage.

Am 16.6. drangen einige mit MP's und durchladenen Pistolen in die Räume des Bochumer Schüler- und Lehrlingskollektivs ein. Ohne einen Hausdurchsuchungsbefehl vorzulegen, stellte man alles auf den Kopf. Unterlagen und Protokolle wurden beschlagnahmt, mehrere Mitglieder des Kollektivs wurden festgenommen, Stundenlange Verhöre, Verhaftung einiger Genossen und Beschlagnahme der Papiere wurden damit begründet, daß man diese Adresse bei Ulrike Meinhof (RAF,d.Vf.) gefunden hätte unter 50 anderen Adressen. Es bestehe der dringende Verdacht, daß die Genossen die BMG aktiv unterstützt hätten (ausführlicher Bericht hierüber in der BSZ (der RUB,d.Vf.) vom 22.6.1972).

Unter dem Vorwand ein Ausweis des BMG-Mitglieds Gudrun Ensslin sei auf ihre Adresse ausgestellt, wurden in Hamburg mehrere Mitglieder des Kommunistischen Bundes (KB - vgl. 7.6.1972,d.Vf.) verhaftet.

Ebenfalls aus Anlaß der Verhaftung Ulrike Meinhofs (vgl. Hannover 15.6.1972,d.Vf.) wurde in Stuttgart (vgl. 17.6.1972,d.Vf.) ein Büro der KPD/ML und ein politischer Buchladen sowie Wohnungen in Tübingen (vgl. 17.6.1972,d.Vf.) durchsucht.

Am Tage der Festnahme Gudrun Ensslins (vgl. Hamburg 7.6.1972,d.Vf.) wurde, wie allgemein bekannt, das Haus des Schriftstellers Heinrich Böll (in Köln,d.Vf.) umstellt und durchsucht. Allerdings galt diese Aktion nur Bölls Gästen, wie später von polizeilicher Seite verlautete.

Die Welle der politischen Unterdrückung ging weiter. Am 21.6. wurden in der Brelohstraße vier Genossen der Projektgruppe Brelohstraße (PGB Bochum,d.Vf.) verhaftet.

Am 25.6. wurde in Stuttgart der 34 Jahre alte Schotte Ian McLeod durch zwei Schüsse aus einer Maschinenpistole erschossen. Seine Wohnung war ebenfalls mit der Begründung, dies sei ein Treffpunkt der RAF, durchsucht worden.

Wie aus Polizeikreisen bekannt wurde, war McLeod unbewaffnet. Der Polizist gab zwei Schüsse ab, nachdem McLeod die Schlafzimmertür geöffnet und wieder zugeschlagen hatte. Die Schüsse trafen McLeod im Rücken. Es handelte sich natürlich um eine 'eindeutige' Notwehrsituation.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ähnliche Vorfälle bekannt werden. Der Staatsapparat greift täglich neu zu. Selbst die Bevölkerung wird aufgefordert, an der Bespitzelung und Verfolgung politisch Aktiver teilzunehmen.

Ein Fahndungsaufruf des BKA soll im sinngemäßen Wortlaut wiedergegeben werden: 'Folgende Wohnungen sind im Zusammenhang mit der Fahndung nach der Baader-Meinhof-Gruppe unverzüglich der nächsten Polizeidienststelle zu melden,

a) deren Inhaber unter 30 Jahre alt sind,

b) deren Inhaber den Kontakt zu den Nachbarn meiden,
c) deren Inhaber ihren Wagen abseits des Hauses oder in einer Garage abstellen,

d) deren Inhaber Meldepflichten zu übergehen versuchen,

e) deren Inhaber ihr Aussehen öfters wechseln.

Diese Angaben treffen auf weite Teile der Bevölkerung zu. Niemand ist davor sicher, als Anarchist verdächtigt zu werden.

Vorwände zu Hausdurchsuchungen und Festnahmen sind leicht zu beschaffen. Bei dem Adressbüchlein der Ulrike Meinhof scheint es sich um die Telefonbücher des Bundesgebiets zu handeln.

WEHRT EUCH!"

Als nächstes äußert man sich zum:"
UMZUG DER PH

Wann die PH ins neue Gebäude in der Nähe Dorstfelds umzieht, steht immer noch nicht fest (nach dem 1.9. und dem 1.11. werden jetzt als Termin die Wintersemesterferien genannt), daß umgezogen wird, ist sicher.

Mit diesem Umzug werden neue Probleme geschaffen.

Zur Frage der Verkehrsverbindungen legte der AStA auf der Studentenkonferenz vom 21.6. eine Resolution vor, die dort verabschiedet wurde: … (vgl. dort,d.Vf.)

Soweit die verabschiedete Resolution.

Die Stadtverwaltung bzw. die Stadtwerke sind zum Teil auf unsere Forderung eingegangen. Man plant die Einrichtung einer Buslinie, die zwischen Dorstfeld und Palmweide über die PH verkehrt.

In welchen Zeitabständen die Buslinie verkehren soll, steht noch nicht fest, die Stadtwerke verlangen Zahlen von der PH-Verwaltung über die sogenannten Spitzenzeiten.

Die Erfüllung unserer Forderungen darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß trotz neuer Räume und besserer Einrichtungen die Situation schlechter wird.

Wir haben mit unseren Forderungen wieder einmal nur REagiert und Selbstverständlichkeiten gefordert.

Wir hatten auch einmal gefordert, den Neubau der PH ins Stadtzentrum zu verlagern.

Doch die Situation heute ist diese: Nicht nur die Universität, sondern auch noch die PH sitzt auf dem Acker, den Akademiker 'Campus' nennen.

Das ohnehin schlechte Verhältnis der Dortmunder Bevölkerung zu den Studenten soll also dadurch verbessert werden, daß man die Studenten herauslagert und ihnen ein eigenes Stadtviertel gibt und neue Studentenwohnheime baut.

Doch nicht nur das: Unsere Forderung, die notwendigen Verkehrsverbindungen einzurichten war gekoppelt mit der Forderung, Verkehrsverbindungen hätten sich nicht nach dem Profitinteresse, sondern nach der Notwendigkeit der Verbindung für die betroffene Bevölkerung zu richten. Daß die Stadtwerke dies tun, ist ebenso unwahrscheinlich wie in unserem Gesellschaftssystem
unmöglich.

Forderungen der betroffenen Bevölkerung werden kriminalisiert statt befriedigt (siehe Aktion Roter Punkt (ARP - vgl. 1.3.1971,d.Vf.) im letzten Jahr und die jetzt fälligen Prozesse).

Daß die Isolation der Bildungseinrichtung nicht einmal duch gute Verkehrsverbindungen aufgehoben werden kann, muß jedem klar sein, der unter Isolation nicht die räumliche Trennung von Bevölkerung und Studenten versteht.

Und bei einer zunehmenden Verschulung des Studiums, die uns ja die Hochschulgesetze versprechen, ist es ja wohl besser, ungestört zu studieren auf dem Acker.

Randbemerkung: Da es auf dem Hauptgelände noch keine Mensa gibt, wird eine Cafeteria zu diesem Zweck umgebaut. Es wird nur eine Mahlzeit geben, da die Mensa der Uni in ihrer Kapazität beschränkt ist.

Mahlzeit!!!!"

Als letztes folgt der:"
BERICHT DES STUDIENKOLLEKTIVS IM DEUTSCHSEMINAR: 'JUGENDBUCHREZENSIONEN'

Zu Beginn dieses Semesters hatte die GEW-AG zusammen mit anderen Seminarteilnehmern eine Arbeitsgruppe im Seminar 'Jugendbuchrezensionen'
gebildet.

Die Arbeit der Gruppe sah folgendermaßen aus: in Diskussionen mit den übrigen Seminarteilnehmern wurde versucht, die politischen Implikationen der herkömmlichen Kinder- und Jugendliteratur aufzudecken - denn es gibt keinen unpolitischen Freiraum - und vom Standpunkt der Arbeitenden aus zu kritisieren.

Als zweites stellte die Gruppe eine neue Richtung von bewußt politischer Kinder- und Jugendliteratur vor, die gesellschaftliche Zwänge und Widersprüche aufzeigt. Zur Bewertung der herkömmlichen sowie der gesellschaftsorientierten Kinder- und Jugendbücher wurden folgende Kriterien erarbeitet:
- Darstellung der herrschenden gesellschaftlichen Zwänge und Widersprüche
- Aufzeigen von Veränderungsstrategien
- Anknüpfen an der konkreten Situation von Kindern und Jugendlichen, soweit es der Problemkreis des Buches zuläßt
- keine Rollenfixierungen und Rollenklischees
- Herstellen eines direkten Kontaktes zum Leser (Vorwort, Nachwort, Fragebogen)
- Die Vermittlungsträger (Sprache, Illustration) sollen auf Kommunikation abgestimmt sein
- Das Fehlen von gesellschaftlichen Widersprüchen und Zwängen, welches harmonische und stabile Gesellschaften vortäuschen (heile Welt)

Die Kritik an den herkömmlichen Kinder- und Jugendbüchern richtet sich besonders gegen das Unvermögen, Sozialisationsprozesse, d.h. Vermittlungs- und Erklärungszusammenhänge zwischen individuellem und gesellschaftlichem Sein aufzeigen zu können

Das Fehlen oft jeglicher Auswirkungen der Gesellschaftsordnung (Hunger, Krankheit, Aggression) auf die unterdrückten Menschen

Rollenfixierungen und Rollenklischees (Mädchen tun, denken dies, Jungen das; die Klassifizierung 'Mädchenbuch' deutet auf geschlechtsspezifische Vorurteile hin.)

Übertragung von Verhaltensweisen, die in der bürgerlichen Gesellschaft angelegt sind, auf andere Gesellschaftsformen (Indianerjunge hat z.B. einen spezifisch bürgerlichen Eigentumsbegriff)

das statische, genetisch fixierte Menschenbild, das in diesen Büchern vorherrscht.

Demgegenüber haben die politischen Kinder- und Jugendbücher durchweg gesellschaftliche Widersprüche zum Inhalt, und nehmen für die unterdrückten Klassen und Schichten Partei, wobei sie meistens auch Ansätze gesellschaftsverändernder Praxis aufweisen.

Sie unterscheiden sich lediglich in der Vermittlung ihrer Ziele. Einige Kinder- und Jugendbücher machen eine Geschichte aus einem Stück Gesellschaftsanalyse (z.B. 'Martin der Marsmensch'). Andere Kinder- und Jugendbücher knüpfen an den konkreten Interessen und Erfahrungsbereichen der Kinder und Jugendlichen an und vermitteln auf induktivem Wege eine Gesellschaftsvorstellung.

Einige der Bücher kann man auf Grund der Informationsfülle im Unterricht von Geschichte/Politik und Arbeitslehre verwenden (z.b. Good-bye, Onkel Sam). Allerdings ist die Anwendungsmöglichkeit wegen der politischen Disziplinierung begrenzt (s. Fall Fröndenberg)."

Zusätzlich wird noch folgende Literaturliste angegeben:
- Martin, der Marsmensch, Basis-Verlag;
- Die Fabrik gehört uns; Basis-Verlag;
- Krach auf Pohls Spielplatz, Basis-Verlag;
- Good-bye Onkel Sam, Weismann-Verlag;
- Von einem, der auszog und das Fürchten lernte, Weismann-Verlag.

Angekündigt wird:"
Im nächsten Semester Wintersemester 1972/1973 werden von der GEW-AG und anderen politischen Gruppen weitere Seminarkollektive gebildet, welche rechtzeitig publik gemacht werden. Die Gruppen werden nicht nur in den Seminaren arbeiten, sondern darüberhinaus der Information aller Studenten dienen. Deshalb werden auch von diesem Deutschkollektiv Skripte im AStA zu haben sein.

Wenn Studenten sich in Seminargruppen zusammenschließen und die Lehrinhalte auf ihren Praxisbezug und ihre Parteilichkeit für die Interessen der Arbeitenden (Hauptschüler) überprüfen, können sie mit der Unterstützung des AStA rechnen (Abdruck von Artikeln in der DOS, Erstellung von Papieren). Besucht unsere Arbeitsgruppen!"
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.13,Dortmund o.J. (Juni 1972)

27.06.1972:
Der AStA der Abteilung Heilpädagogik der PH Dortmund (vgl. 13.11.1972) berichtet von seiner Vorgeschichte (vgl. 19.6.1972, 24.10.1972) über die drei gewählten Kandidaten einer Gruppe fortschrittlicher Studenten:"
Sie legten auf der konstituierenden SP-Sitzung (27.6.1972) ein Programm für eine künftige AStA-Arbeit zur Diskussion vor. In der anschließenden Diskussion wurden grundsätzliche Meinungsunterschiede deutlich. Die übrigen SP-Mitglieder bestanden darauf, ihre politischen Vorstellungen ebenfalls schriftlich einbringen zu können. Doch auf der nächsten SP-Sitzung legten ehemalige AStA-Mitglieder, die dem Spartakus (MSB der DKP,d.Vf.) angehören, statt eines AStA-Programms eine neue Satzung für die Studentenschaft vor, um damit eine weitere Grundsatzdiskussion zu verhindern und die AStA-Wahl hinauszuzögern (s. Info Nr.5 (vgl. S7.**.1972,d.Vf.))."
Q: DOS Nr.15,Dortmund o.J. (13.11.1972),S.7

September 1972:
Das Koordinierungskomitee (KoKo) zum Kampf gegen das reaktionäre Ausländergesetz und die politische Unterdrückung in NRW verfaßt in Bochum, laut Klapro der ML Dortmund, ML Hagen und der PL Hamm (vgl. Dez. 1972), die folgende, auf Bochum, Sept. 1972 datierte:"
ERKLÄRUNG ZUR SPALTUNG DER GEMEINSAMEN KAMPFFRONT GEGEN DAS REAKTIONÄRE AUSLÄNDERGESETZ DURCH DIE KPD

Die Erklärung ist u.a. unterzeichnet von:"
- AStA der PH Dortmund, …
- PGH (Projektbereich Gesamthochschule,d.Vf.) Dortmund".
Q: Klassenkampf und Programm Nr.1,Dortmund Dez. 1972,S.40f; Kooordinationskomitee zum Kampf gegen das reaktionäre Ausländergesetz und die politische Unterdrückung in NRW:Erklärung zur Spaltung der gemeinsamen Kampffront gegen das reaktionäre Ausländergesetz durch die KPD,Bochum 14.9.1972

06.09.1972:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 11.12.1972) berichtet von der heutigen Fachgruppensitzung Psychologie, in der u.a. die Klausurenordnung (vgl. 29.11.1972) behandelt wird.
Q: DOS Nr.17,Dortmund o.J. (Dez. 1972),S.11

02.10.1972:
An der PH Dortmund (vgl. 13.11.1972) berichtet eine Gruppe vermutlich aus dieser Woche über sich selbst:"
Seit Anfang Oktober arbeitet eine Gruppe von PH- und HPH-Studenten mit Kindern der Obdachlosensiedlung Dortmund-Bövinghausen."
Q: DOS Nr.15,Dortmund o.J. (13.11.1972),S.9

11.10.1972:
Es findet ein 'Roter-Punkt-Prozess' gegen Klaus Dillmann in Dortmund (vgl. 9.10.1972, 20.10.1972) statt, von dem KPD/ML-ZB und KJVD Dortmund so berichten:"
POLIZISTEN LEISTEN MEINEID
GERICHTSVERHANDLUNG GEPLATZT

Diese Anklage des Genossen gegen den kapitalistischen Klassenstaat und seine Justiz wurde vom Beifall der Zuschauer unterstützt. Der Richter drohte mehrfach, den Saal räumen zu lassen, beschimpfte die Anwesenden (einige PH-Studenten waren gemeint, als er ausrief: 'Armes Deutschland!') und versuchte, den Genossen daran zu hindern, seine Anklage offen vorzutragen, indem er ihn unterbrach mit der Bemerkung, er solle aufhören, da er selbst (der Richter) immun dagegen sei."
Q: KPD/ML-ZB, KJVD:Freiheit für den Roten Punkt - Polizisten leisten Meineid - Gerichtsverhandlung geplatzt,Dortmund o.J. (Okt. 1972),S.1ff

12.10.1972:
Die Marxisten-Leninisten (ML) Dortmund (vgl. 12.10.1972) rufen auf:"
UNTERSTÜTZT DIE ARBEIT DER VORBEREITENDEN KOMITEES IN HUCKARDE UND IN DER NORDSTADT!

Bisher haben sich in diesen Komitees schon Genossen der Marxisten-Leninisten Dortmunds, der PGH (ESG-Projektbereich Gesamthochschule,d.Vf.), Mitglieder der GEW/AG, AStA PH Dortmund, Vertreter der KPD/ML Rote Fahne (KPD/ML-ZB,d.Vf.) und des KJVD mit etlichen ausländischen Arbeitern und Studenten zusammengeschlossen. Doch kann man keineswegs sagen, daß der Kampf schon breit geführt würde."
Q: Die Rote Front Nr.1,Dortmund Okt. 1972,S.4

14.10.1972:
Es beginnt eine zweitägige Tagung des SB in Frankfurt. Es geht um Fragen sozialistischer Organisation. U.a. hält Oskar Negt das Hauptreferat ("Nicht nach Köpfen, sondern nach Interessen organisieren!").

Teilnehmende Gruppen sind u.a. der Assistentenkreis PH Dortmund.
Q: Komitee für Grundrechte und Demokratie (Hg.): Tradition heißt nicht,Asche aufheben, sondern die Flamme am Brennen halten. Für und über Klaus Vack, Sensbachtal 1985, S.56f. und 208

16.10.1972:
Der AStA der PH Dortmund beginnt ab neun Uhr morgens in seinen Räumen mit der Studienberatung anläßlich des Semesteranfangs, die auch morgen fortgeführt werden soll.
Q: DOS Sdr.Nr. Einführung in das PH-Studium,Dortmund o.J. (1972),S.2 und 39

16.10.1972:
Der ESG-Projektbereich Gesamthochschule (PGH) an der PH Dortmund will von zehn Uhr morgens bis 18 Uhr in den Räumen der ESG eine Studienberatung anläßlich des Semesteranfangs durchführen.
Q: DOS Sdr.Nr. Einführung in das PH-Studium,Dortmund o.J. (1972),S.3 und 39

16.10.1972:
Der AStA der PH Dortmund gibt seine bisherige 'AStA-Information, DOS - Dortmunder Studentenzeitung' (vgl. 26.6.1972, 23.10.1972) vermutlich heute erstmals in den uns vorliegenden Exemplaren nur unter dem Titel 'DOS' als Sondernummer "Einführung in das PH-Studium" mit 39 Seiten DIN A 4 und folgendem Inhalt heraus:
- Was? Wo? Ein kleiner Führer
- Was man beim Studium verlernen muß (vgl. PH Berlin - Okt. 1971)
- Studienziel: Lehrer
- Praktika
- Studienziel: Diplompädagoge
- Zur Geschichte der verfaßten Studentenschaft
- Die studentische Selbstverwaltung
- Ihre Organe
- Der AStA
- Das Semesterprogramm des AStA
- Informationspolitik
- Studienreferat
- Sozialpolitik
- AStA-Referenten
- Die politischen Gruppen an der PH
- Mitbestimmung an der PH
- Berufsverbot - Notstandsgesetze (NSG,d.Vf.) - Politische Disziplinierung
- Studienziel: Heilpädagoge
- Nachwort und Termine

Bekanntgegeben werden Termine des AStA (vgl. 16.10.1972, 27.10.1972, 3.11.1972) sowie des PGH bzw. der ESG (vgl. 16.10.1972, 17.10.1972, 21.10.1972).

Zunächst aber findet sich ein:"
VORWORT

Diese Sondernummer der Dortmunder Studentenzeitung (DOS) wird vom Allgemeinen Studentenausschuß (AStA) - der Interessenvertretung der Studenten an dieser Hochschule - herausgegeben.

Sie soll euch helfen, die Problematik des Studiums an der PH zu erfassen.

Doch nicht allein Studienprobleme werden hier angesprochen. Wir haben in unserer politischen Arbeit an der PH konkrete Erfahrungen gemacht, die wir hier weitervermitteln wollen (z.B. Gremienarbeit, studentische Selbstverwaltung etc.).

Da die Hochschulpolitik nicht isoliert von der Gesamtgesellschaft betrachtet werden kann, halten wir es für angebracht, bereits in dieser Schrift auf die politische Disziplinierung hinzuweisen, die sich im Hochschulbereich z.B. durch die massiven Versuche äußert, die Rechte der verfaßten Studentenschaft (VS,d.Vf.) zu beschneiden.

Das ist aber wieder als Bestandteil der staatlichen Unterdrückungsmaßnahmen zu betrachten, die uns als Programm zur 'Inneren Sicherheit' verkauft werden.

Wir verzichten auf gute Wünsche zum beginnenden Studium; sie richten nichts aus!"

Zu den Ausbildungsgängen an der PH heißt es:"
STUDIENZIEL LEHRER

Studienfächer:

1. Allgemeine Pädagogik als Fach abwählbar durch Leistungsnachweis (LN)
2. Schulpädagogik das andere Prüfungsfach im Examen
3. Psychologie ein Fach abwählbar durch LN, das andere ist
4. Soziologie Prüfungsfach im Examen oder Politik oder Philosophie
5. Wahlfach selbst zu wählen und Prüfungsfach
6. Stufenschwerpunktfach selbst zu wählen und Prüfungsfach
7. Stufenschwerpunktfach selbst zu wählen und Prüfungsfach

DEUTSCH, MATEHMATIK (IM STUFENSCHWERPUNKT II AUCH RELIGION):

eines dieser Fächer muß entweder als Wahlfach oder als Stufenschwerpunktfach studiert werden.

Stufenschwerpunkt I: Lehramt an Grundschulen
Stufenschwerpunkt II: Lehramt an Hauptschulen

Die Staatsarbeit muß nach dem 5.Semester angefertigt werden.

PRAKTIKA

Während des Semesters (EMPFOHLEN) In den Semesterferien (PFLICHT)
1.Semester Einführung in die
Schulwirklichkeit
(Unterrichtsmitschau)
2.Semester Wahlfachpraktikum
Blockpraktikum an Grund- oder Hauptschule
3.Semester Stufenschwerpunktpraktikum
4.Semester
Wahlpraktikum, pädagogisch relevantes Praktikum an
Gymnasien, Real-, Gesamt- oder Sonderschulen oder in
Betrieben

STUDIENZIEL: DIPLOMPÄDAGOGE (die Angaben zu diesem Punkt erscheinen in einem Kästchen, das aus dem mehrmals wiederholten Text 'Studium ins Ungefähre' besteht,d.Vf.)

Am 20.März 1969 beschloß die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder (KMK) eine Rahmenordnung für die Diplom-Prüfung in Erziehungswissenschaft.

Das Diplom-Studium kann an der PH Dortmund studiert werden.

STUDIENGANG

Das erziehungswissenschaftliche Diplom-Studium erstreckt sich nach dieser Rahmenordnung auf acht Semester, in denen der Student Erziehungswissenschaft als Hauptfach belegt. Dazu kommen Psychologie oder Soziologie in der Vordiplomphase (1.-4.Semester) und - gegeneinander ausgewechselt - Soziologie oder Psychologie in der Haupt-Diplom-Phase (5.-8.Semester). …

STUDIENGANG DES DIPLOMPÄDAGOGEN

1.-4.Semester Erziehungswissenschaften (Pädagogik); Soziologie oder Psychologie

DIPLOM-VORPRÜFUNG

Voraussetzung:
1) vierwöchiges Praktikum
2) einfache Seminarscheine in
a) Pädagogik: 3 Scheine
b) Psychologie oder Soziologie: 2 Scheine

in der Prüfung:
Schriftliche Arbeit in Pädagogik (Zeit: 4 Stunden)
Mündliche Prüfung in Pädagogik (Zeit: 45 Min.)
Schriftliche Arbeit in Psychologie oder Soziologie (Zeit: 4 Stunden)
Mündliche Prüfung in Psychologie oder Soziologie (Zeit: 30 Min.)

5.-8.Semester Erziehungswissenschaften; Soziologie oder Psychologie (das
nicht im Vordiplom gewählte Fach)

DIPLOM-HAUPTPRüFUNG

Voraussetzung:
1) zwei vierwöchige Praktika (davon eines im Vordiplom)
2) einfache Scheine in jedem Prüfungsfach: 8 Scheine (Vordiplom-Scheine werden nicht angerechnet)
3) Zeugnis über bestandene Vordiplom-Prüfung bzw. Staatsexamen und Klausur in Psychologie

in der Prüfung:
a) Diplomarbeit (sechs Monate und zwei Monate Velängerung)
b) Klausurarbeit
c) mündliche Prüfung

PRÜFUNGSFÄCHER DER MÜNDLICHEN PRÜFUNG SIND

1. Pädagogik,

2. einer der folgenden, vom Kandidaten gewählten erziehungswissenschaftlichen Schwerpunkte, soweit dieser an der PH Ruhr vertreten ist:
a) Vorschulische Erziehung,
b) Pädagogik der Schule,
c) Berufs- und Betriebspädagogik,
d) Sondererziehung und Rehabilitation (behindertenspezifisch),
e) Sozialpädagogik und Sozialarbeit,
f) Erwachsenenbildung und außerschulische Jugendbildung,

3. die Didaktik eines für den gewählten erziehungswissenschaftlichen Studienschwerpunkt bedeutsamen Faches,

4. von den Fächern Psychologie oder Soziologie das nicht für die Vorprüfung (Paragraph 9 Abs.2 Ziff. 2) gewählte Fach; Kandidaten, die die Erste Staatsprüfung für das Lehramt an der Grund- und Haupt- … (mindestens eine Zeile nicht gedruckt,d.Vf.)

Eine zweite Wiederholung desselben Prüfungsfaches oder der ganzen Diplom- Vorprüfung ist nur in Ausnahmefällen zulässig. Über Anträge auf Zulassung entscheidet das Prüfungsamt.

Wichtige Hinweise auf die Tätigkeitsbereiche des Diplompädagogen und die erforderlichen Qualifikationen ergeben sich aus einer inhaltsanalytischen Auswertung von Stellenanzeigen für Erziehungswissenschaftler (vgl. 'Analysen', Zeitschrift zur Wissenschafts- und Berufspraxis, Ausgabe B, Heft 7, Juli 1972 (vgl. Juli 1972,d.Vf.); Herausgeber: Bundesanstalt für Arbeit, Nürnberg).

Die Analyse erstreckt sich auf den Zeitraum vom 1.1.1971 bis zum 30.6.1971. Sie umfaßt 378 Stellenanzeigen. da der Studienabschluß des Diplom-Pädagogen noch weitgehend unbekannt ist und ausdrücklich von den Inserenten nur sehr selten verlangt wird, wurden ale Stellenanzeigen ausgewertet, deren Aufgabenstellung eindeutig pädagogischen Charakter hatte und zu deren Wahrnehmung pädagogische Qualifikationen sowie ein abgeschlossenes Hochschulstudium verlangt wurden.

Stellenanzeigen für Lehrer wurden nicht berücksichtigt.

'Die Analyse wertet folgende Daten aus: Tätigkeitsbereich, Umfsng der Arbeit, gewünschte Qualifikation und Ort (Bundesland). Unter diesen Gesichtspunkten wurden die folgenden Zeitungen und Zeitschriften durchgesehen: Die Welt, Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ,d.Vf.), Süddeutsche Zeitung (SZ,d.Vf.), Die Zeit, Deutsche Zeitung / Christ und Welt, Allgemeine Deutsche Lehrerzeitung, Deutsche Universitätszeitung (DUZ,d.Vf.), Zeitschrift für Pädagogik, Bildung und Erziehung, Pädagogische Rundschau, Die Deutsche Schule, Sozialpädagogik, Betrifft: Erziehung (B:E,d.Vf.).'

LEHRER AN HOCH- UND FACHSCHULEN

Auf die Universitäten und Pädagogischen bzw. Erziehungswissenschaftlichen Hochschulen (EWH,d.Vf.) entfallen mehr als 40% der Stellenangebote. Diese Situation dürfte nach Meinung von Analysen jedoch nicht von Dauer sein, da die angebotenen Stellen bald mit jungem wissenschaftlichen Nachwuchs besetzt sein werden und dann das Stellenkontingent nur noch zögernd erweitert wird.

'Ähnliches gilt auf längere Sicht wahrscheinlich auch für das momentan günstige Stellenangebot im Bereich der Fach-, Fachober- und Fachhochschulen (FS, FOS bzw. FHS,d.Vf.). Mit 78 Anzeigen, von denen 30 von kirchlichen Unterhaltsträgern der genannten Ausbildungsstätten kommen, stellt diese Gruppe den zweitgrößten Arbeitsmarkt für Erziehungswissenschaftler dar.

Mit großem Abstand folgen die Behörden (Schul- und Kultusverwaltungen auf allen Ebenen) mit 30 Angeboten in der Reihe der für Erziehungswissenschaftler zugänglichen Arbeitsstätten. Volkshochschulen (VHS,d.Vf.) bieten 25 Stellen an. Industrie und Wirtschaft, worunter auch Schulbuchverlage fallen, inserierten 19 Arbeitsplätze.'

Erstaunlich wenige Angebote stammen aus dem Bereich der Gesamt- GS,d.Vf.) und Versuchsschulen sowie der Heime und Internate. Dort werden vor allem Diplom- Psychologen und Sozialpädagogen gesucht.

Die Diplom-Pädagogen werden offensichtlich auf dem Gebiet der Diagnose und Therapie von Erziehungsschwierigkeiten bzw -störungen als nicht kompetent angesehen oder sind dem Diplom-Psychologen unterlegen.

ARBEITSPLATZ BEHÖRDE

Die Berufschance der Diplom-Pädagogen mit dem Studienschwerpunkt Schule liegen zur Zeit eindeutig im Bereich der Schul- und Kultusverwaltungen, nicht in den Schulen selbst.

Für die Diplom-Pädagogen mit dem Studienschwerpunkt Schule scheint die Fakultas in einem Lehrfach zu einem wichtigen Kriterium der Berufschancen zu werden.

'Die Fähigkeit zu lehren ist sowohl für den Schul- als auch für den Sozialpädagogen eine wichtige Voraussetzung für die Wahrnehmung von Berufschancen.'

Bei den Volkshochschulen tritt jedoch die Lehrbefähigung hinter die Fähigkeiten zurück, Studienpläne und Weiterbildungsmaßnahmen zu konzipieren. Die verwaltenden und planenden Aufgaben stehen im Vordergrund der Tätigkeiten.

'Sowohl die Art der angebotenen Tätigkeitsbereiche als auch die in ihnen wahrzunehmenden Aufgaben rechtfertigen drei von fünf in der Rahmenordnung vorgesehenen Studienschwerpunkte, nämlich Sozialpädagogik und Sozialarbeit, Schulpädagogik sowie Erwachsenenbildung. Diese Schwerpunkte werden von der Art und Häufigkeit der wahrzunehmenden Aufgaben bestätigt. Es ergibt sich die nachstehende Reihenfolge (ohne Hochschulen): Lehre in Sozialpädagogik, Verwaltungstätigkeiten, Curriculumentwicklung, Konzipierung und Organisation von Fortbildungsmaßnahmen, Konzipierung von Studienplänen, Unterrichtstechnologie, Schulpädagogik, Sonderpädagogik, Jugendhilfe, Vorschulpädagogik, Grundschulpädagogik, allgemeine Pädagogik.

Für den Studienschwerpunkt 'Betriebliches Ausbildungswesen' finden sich nur wenige Stellenangebote und Aufgabenstellungen. Das gleiche gilt für den Studienschwerpunkt Sonderpädagogik.'

Für den Diplom-Pädagogen mit dem Studienschwerpunkt Sozialpädagogik und Sozialarbeit bieten die Fach-, Fachober- und Fachhochschulen die meisten Tätigkeitsbereiche, für den Diplom-Pädagogen mit dem Schwerpunkt Schulpädagogik sind es die Schul- und Kultusverwaltungen und für den Diplom- Pädagogen mit dem Schwerpunkt Erwachsenenbildung die Volkshochschulen.

'Dabei handelt es sich allerdings nur um potentielle Arbeitsplätze, die von ihrer Aufgabenstellung her zwar am besten von einem Diplom-Pädagogen ausgefüllt werden könten, für die aber von den Inserenten häufig Akademiker mit einem Abschluß in Sozialwissenschaften (73 Nennungen) oder mit einem Hochschulabschluß ohne nähere Angaben (45 Nennungen) gesucht werden. Ein Abschluß in Erziehungswissenschaften folgt erst an dritter Stelle mit 32 Nennungen, gefolgt von der Lehrerprüfung, die sechsmal als Einstellungsvoraussetzung verlangt wurde.

Die Unbestimmtheit der geforderten Studienabschlüsse weist darauf hin, daß in der Vorstellung der Inserenten alle sozialwissenschaftlichen Studien für die Ausübung außerschulischer pädagogischer Aufgaben gleichermaßen geeignet sind.

Der Erziehungswissenschaftler muß sich die von ihm von den Studienschwerpunkten her zugedachten Berufsfelder noch erkämpfen. Dabei steht er in einem starken Konkurrenzverhältnis zu den Absolventen anderer sozialwissenschaftlicher Studien.'

'Aspekte' (Jan. 1972 (vgl. Jan. 1972,d.Vf.)) schreibt zur Berufsperspektive des Diplom-Pädagogen:

'Wer… das Diplompädagogikstudium wählt, muß wissen, daß er ein Langzeit-Studium absolviert, mit dem er sich zur Zeit keine verläßlichen Berufs- und Verdienstmöglichkeiten erschließt, wie sie etwa für einen Lehrer, Mediziner oder Juristen bestehen.'

Wer diese Sicherheit sucht, sollte eher eine Lehramtsausbildung durchlaufen und ihr erst dann das Diplom-Studium der Pädagogik - quasi als Aufbaustudium - anschließen.

'Die Perspektiven sind also offen. Und darin liegt für den künftigen Diplom-Pädagogen die Problematik, aber auch seine Aufgabe.'

Das Material, das diesem Artikel zugrunde liegt, war mehr als dürftig.

Trotz intensivster Bemühungen fanden wir nur Informationen in:
Blätter zur Berufskunde Band 3
Aspekte von Januar 1972
Analyse von Aug.-Sept. 1972
Artikel aus einer Illustrierten

Es ist also schwierig, eine Einschätzung dieses neuen Berufes zu bringen bzw. fundierte Kritik anzubringen. Ganz offensichtlich werden die ersten drei genannten Zeitschriften von der Bundesregierung herausgegeben. Die Zeitungen arbeiten in irgendeiner Form mit der Bundesamnstalt für Arbeit zusammen. D.h. mit den Artikeln wird versucht, gezielt Einfluß auf die Studienwahl und -motivation der Studenten zu nehmen. Für die Kommilitonen, die sich für die Aufnahme dieses Studiums entschließen, gilt der Rat:

Kritische Auswahl von Lehrinhalten und Seminaren sind von besonderer Bedeutung."

Es folgt eine Übersicht der möglichen Studienorte für dieses Fach (vgl. Juni 1972).

Zur VS heißt es:"
ZUR GESCHICHTE DER VERFASSTEN STUDENTENSCHAFT

Eine verfaßte Studentenschaft gibt es bereits seit 1920. Das heißt, die Studentenschaft wurde als Körperschaft vom Staat anerkannt, ihr wurden konkrete Aufgaben übertragen und bestimmte Befugnisse verliehen; sie gab sich eine Verfassung und richtete ihre Organe ein. Der Relevanz halber möchten wir uns hier auf die Geschichte nach 1945 beschränken.

Die ersten Studentenparlamente wurden nach dem 2.Weltkrieg von den Allierten EINBERUFEN.

Diese sahen in der studentischen Selbstverwaltung eine Möglichkeit, dem Faschismus in Deutschland entgegenzuwirken (gemeint war aber nur der Fasachismus nationalistischer bzw. hitlerscher Prägung).

Mit der Einsetzung der Studentenparlamente wollten die Besatzungsmächte und der spätere Bonner Staat zweierlei erreichen:

Erstens sollten die Studenten ideologisch an das herrschende System gebunden werden, indem man von staatlicher Seite 'demokratische Spielwiesen' einrichtete.

Außerdem bot sich hier ein Übungsfeld für Politikernachwuchs und ein Instrument zur Verankerung des Revanchismus und des Antikommunismus in den Köpfen der Studenten. (Üblicherweise hatte damals jeder AStA ein Referat für gesamtdeutsche Fragen o.ä.) Zu diesem Zeitpunkt kam niemand auf die Idee, den ASten das politische Mandat abzusprechen, wenn sie z.B. Protestresolutionen gegen die Schließung der Staatsgrenze der DDR veröffentlichten.

Sobald die Studenten jeodch über die Hochschule hinaus Kritik am herrschenden Gesellschaftssystem übten, wurde ihnen ein allgemeinpolitisches Mandat abgesprochen.

Die Aufgaben der studentischen Selbstverwaltung beständen lediglich in der Wahrnehmung studentischer Interessen an der Hochschule (AStA gleich Dienstleistungsbetrieb).

Durch das Zunehmen von fortschrittlichen, insbesondere sozialistischen Organisationen innerhalb der Studentenschaft fürchtete die herrschende Klasse, die studentische Intelligenz als einen der wichtigsten stabilisierenden Faktoren des bestehenden Systems zu verlieren.

Das führte zu neuerlichen Versuchen des bürgerlichen Staates, die verfaßte Studentenschaft zu liquidieren: Fortfall der Beitragshoheit an einigen Hochschulen, Streichung der finanziellen Unterstützung des Verbandes Deutscher Studentenschaften (VDS) aus dem Bundesjugendplan, Absprechung des politischen Mandats durch die bürgerliche Justiz, die Kampagne, den VDS bankrott zu klagen, die von den studentischen Handlangern der herrschenden Klasse wie RCDS u.ä. betrieben wird (durch Gerichtsurteile wird den einzelnen ASten untersagt, ihre Beiträge an den VDS zu zahlen) sind die wichtigsten dieser Maßnahmen.

Aus diesen Gründen muß der Kampf für die Erhaltung der verfaßten Studentenschaft und ihrer Organe in der bisherigen Form wichtigster Bestandteil jeder AStA-Arbeit sein."

Offensichtlich nach einer eigenen Vorlage (vgl. 17.4.1972) wird berichtet über die studentische Selbstverwaltung an der Abteilung Dortmund der PH Ruhr (vgl. 3.2.1966). Zum AStA heißt es in diesem Zusammenhang:"
Der Allgemeine Studentenausschuß (AStA) ist das AUSFÜHRENDE Organ der Studentenschaft.

Der AStA wird von politischen Gruppen getragen, die sich an der Wahl zur Studentenkonferenz beteiligt haben. Die SK wählt den Vorsitzenden, dessen Stellvertreter und den Finanzreferenten. Der Vorsitzende beruft die Referenten für die einzelnen Aufgabenbereiche, die wiederum von der SK bestätigt werden.

Der AStA bestreitet seinen Haushalt aus den Mitteln der Studentenschaft in Form der Sozialbeiträge (siehe Sozialpolitik).

Ebenfalls vertritt der AStA die Studentenschaft nach innen (Verwaltung, Dekan etc.) und nach außen (z.B. VDS).

Der jetzige AStA ist eine Koalition, gebildet von den Gruppen PGH (Projektbereich Gesamthochschule) und GEW-AG (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft-Arbeitsgemeinschaft) und hat sich folgendes Semesterprogramm gegeben:

SEMESTERPROGRAMM DES ASTA

Die Situation an der Hochschule kann nicht isoliert von dem Charakter und der politischen Entwicklung der Gesellschaft betrachtet werden.

Deshalb muß die Bestimmung der studentischen Hochschulpolitik zum größten Teil aus der Analyse des Charakters der Hochschule innerhalb der Gesellschaft erfolgen, wobei eine der zentralen Fragen die nach dem Stand und dem Charakter des Klassenkampfes ist.

Die Funktionsfähigkeit des AStA ist abhängig von den ihn tragenden Gruppen. Dabei spielt deren Analysefähigkeit und ihre Praxis sowie das Verhältnis der Gruppe zum AStA eine große Rolle.

Jeder Übergriff der Herrschenden - z.B. Gesamthochschulerrichtungsgesetz ((GHEG, d.Vf.) siehe DOS 12 (vgl. 12.6.1972,d.Vf.), im AStA erhältlich) - auf den Hochschulsektor muß in die Entwicklung der gesellschaftlichen Widersprüche eingeordnet werden und den Studenten in einer breiten Informationsarbeit vermittelt werden.

Weiterhein sollte versucht werden, Konsequenzen für die studentische Politik und mögliche Alternativen aaufzuzeigen.

Diese Informationsarbeit wird vertieft durch die Studienbegleitung, in der vordringlich hochschul- und studienspezifische Probleme in Bezug auf ihre Bedeutung für die Interessen der Studenten und auf ihre Funktion und ihre Relevanz in der gesellschaftlichen Situation untersucht und vermittelt werden.

Aus ser spezifischen Situation an der Hochschule ergeben sich Konsequenzen bei der Massenarbeit, denn sie muß bei den Interessen und Bedürfnissen der Studenten ansetzen, diese im Blick auf die Gesellschaft analysieren, sie vertreten und befriedigen und eine Perspektive aufzeigen.

Grundsätzliche Zusammenarbeit mit allen fortschrittlichen Gruppen, d.h. ein Optimum an Zusammenarbeit unter diesen Gruppen soll angestrebt werden."

Man äußert sich auch zur:"
INFORMATIONSPOLITIK

Die Vermittlung von Informationen und Hintergründen ist einer der Schwerpunkte der AStA-Arbeit.

Seit zwei Semestern (vgl. 18.11.1971,d.Vf.) gibt der AStA die Dortmunder Studentenzeitung (DOS) im Turnus von vierzehn Tagen heraus. Daneben erscheinen zu aktuellen Ereignissen Sondernummern.

Durch die Neugründung des Studienreferates wird DOS in Zukunft mehr zu Ausbildungs- und Berufsproblemen Stellung nehmen, die Vorgänge in die gesellschaftlichen Verhältnisse einordnen und in einen Zusammenhang bringen.

Einige der bisher erschienenen Ausgaben der DOS sind noch im AStA erhältlich.

(Alle in diesem Heft erwähnten Ausgaben sind in größerer Auflage vorhanden.)"

Vorgestellt wird das:"
STUDIENREFERAT

Ein besonderer Schwerpunkt der AStA-Arbeit liegt auf dem Studienreferat, das in diesem Semester eingerichtet wurde.

Das Studienreferat nimmt - grob umrissen - folgende Aufgaben wahr:

Studienvorbereitung und -einführung, studienbegleitende Arbeit, Auseinandersetzung mit der Berufsperspektive des Lehrers und des Diplom-Pädagogen.

Das Studienreferat setzt sich im Rahmen der Studienvorbereitung mit dem Problem des zweiten Bildungswegs (ZBW,d.Vf.), speziell mit der Begabtensonderprüfung auseinander (Der AStA wird hierzu in nächster Zeit eine Informationsschrift (vgl. S24.**.197*,d.Vf.) herausgeben.).

Darüberhinaus soll an den Oberschulen eine breite Informationsarbeit betrieben werden, bei der zukünftige Studenten sowohl über den Studienablauf als auch über die politische Situation an der Hochschule innerhalb der Gesellschaft informiert werden.

Mit der gleichen Zielsetzung führt der AStA auch Einführungsfreizeiten für Neuimmatrikulierte durch.

Außerdem bietet der AStA zu Anfang des Semesters eine Studienberatung an, die im Rahmen der Studienbegleitung auch während des ganzen Semesters weiterbetrieben wird.

Um die Studenten zur Kritik der Lehrinhalte zu befähigen, führt der AStA in Verbindung mit fortschrittlichen Hochschulgruppen Studienkollektive bzw. Seminargruppen durch (gemeinsame Reflexion und Kritik der in den Seminaren vermittelten Inhalte in Kleingruppen, Erlernen von kooperativem Arbeiten).

Interessierte Studenten finden im Anhang dieses Heftes sowohl die von uns angebotenen Studienkollektive als auch die Termine der Vorbesprechungen im AStA

Da das Studium lediglich als Übergangsphase zur späteren Berufspraxis zu betrachten ist, erscheint es ns unbdingt notwendig, daß sich ALLE Studenten über die Fragen des Studiums hinaus mit ihrer zukünftigen Berufsperspektive kritisch auseinandersetzen. Aus diesem Grunde wird der AStA Informationsmaterial zur Verfügung stellen (siehe Art. in diesem Heft zum 'Berufsbild des Diplompädagogen').

Eine Broschüre zur Funktion des Lehrers (vgl.S25.**.197*,d.Vf.) erscheint in naher Zukunft.

Außerdem soll die Zusammenarbeit mit fortscrittlichen Lehrern und Organisationen gesucht werden, um die Diskussion über die Problematik voranzutreiben.

Da der AStA und die ihn tragenden Hochschulgruppen bei der Bewältigung dieser zahlreichen Aufgaben auf die Unterstützung einer möglichst großen Zahl von Studenten angewiesen sind,

Forden wir jeden zu AKTIVER MITARBEIT auf."

Der Punkt Sozialpolitik ist zunächst im Vorwort und dem Abschnitt zum BAFöG identisch mit früheren Äußerungen dazu (vgl. 17.4.1972), dann aber heißt es:"
FÖRDERUNGSAUSSCHUSS

Für strittige Fälle - z.B. bei Studierenden, die älter als 35 Jahre sind - existiert ein Förderungsausschuß, dem neben dem Leiter der Förderungsabteilung ein Dozent der PH und ein studentisches Mitglied angehören.

Zur Zeit sind das Herr Schütte, Frau Prof. Dorndorf und Ulrich Klimmek.

Die Sprechstunden von Ulrich Klimmek hängen am AStA-Brett aus.

SOZIALBEITRÄGE

Der Senat der PH Ruhr wird bis zum Beginn des kommenden Semesters (Wintersemester 1972/1973) eine neue Soziabeitragsordnung (vgl. S24**.1972,d.Vf.) verabschieden.

Diese Änderung wird notwendig durch die Pflicht der Hochschule (Paragraph 47 HSchG), die Studenten gegen Krankheit zu versichern. Das bedeutet für die PH Ruhr den Beitritt zur DSKV (deutsche Studentische Krankenversicherung).

Der Sozialbeitrag wird wie folgt aussehen:
110 DM Beitrag an die DSKV
5 DM Allgemeine Gesundheitsfürsorge
12 DM studentische Selbstverwaltung
3 DM Beitrag an das Studentenwerk

Eine Unfallversicherung für den privaten Bereich (in der Hochschule ist jeder Student durch den Staat gegen Unfall versichert) haben wir abgelehnt; ohne Beschluß der Studentenversammlung kann eine solche Versicherung unserer Meinung nach nicht abgeschlossen werden.

Der Beitrag an das Studentenwerk wird unsere Zustimmung nur dann finden, wenn das StW die sozialen Verpflichtungen des AStA, wie Unterstützung des Kinderladens, kostenlose Rechtsberatung, sowie Wohnungs- und Arbeitsvermittlung übernimmt. Entsprechende Verhandlungen sind bereits im Gange.

Diese Erhöhung der Sozialbeiträge war unumgänglich, wir müssen dieser neuen Ordnung zustimmen, da sonst auf dem Wege der Verordnung durch den Minister jede Einflußnahme unmöglich geworden wäre.

KRANKENVERSICHERUNG

Der Eintritt in die DSKV hat für alle Studenten Folgen. Bei der Immatrikulation muß der Nachweis einer bestehenden Krankenversicherung erbracht werden, andernfalls wird man durch die Hochschule in der DSKV versichert.

Deshalb raten wir allen, die noch nicht versichert sind, zu versuchen, vor der Immatrikulation eine Krankenversicherung, z.B. bei den Ersatzkassen abzuschließen. Die Ersatzkassen nehmen Werkstudenten in ihre Versicherung auf, eine Bescheinigung des Arbeitgebers ist ausreichend.

Diejenigen, die den Nachweis einer Versicherung erbracht haben, sind von der Zahlung des Semesterbeitrages von 110 DM befreit, nicht aber von der Zahlung der 5 DM für die allgemeine Gesundheitsfürsorge, die im Tarif der DSKV enthalten ist. Der Tarif kann im AStA eingesehen werden.

Erkundigt euch bei euren Eltern, ob ihr krankenversichert seid! Versucht eine Krankenversicherung abzuschließen!

Zum Problem der studentischen Krankenversiucherung wird in der nächsten DOS ein Artikel sein!

KINDERGARTEN

Der AStA unterstützt einen Kinderladen, der vom Aktionskreis Kritischer Kindergarten (AKK,d.Vf.) e.V. getragen wird.

Der Verein ist Mitglied im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband (DPWV,d.Vf.) und vom Landesjugendamt als Kindergartenträger anerkannt.

Gegenwärtig sind in dem Kinderladen an der Großen-Heim-Str.62 rund 20 Kinder im Alter von 2 1/2 und 5 1/2 Jahren untergebracht, davon gut die Hälfte Kinder von PH-Studenten.

Der Kinderladen arbeitet in Elternselbsthilfe nach dem pädagogischen Konzept einer möglichst repressionsfreien Kindererziehung. Deshalb werden Eltern bevorzugt, die bereit sind, sich selbst und ihren Erziehungsstil in Frage zu stellen und tatkräftig bei allen akutellen pädagogischen und praktischen Aufgaben mitzuhelfen. Die Betreuungskosten werden prozentual vom Familiengesamteinkommen berechnet.

Der Kreis der Eltern und Mitarbeiter trifft sich regelmäßig pünktlich und öffentlich Donnerstags um 20 Uhr 30 in den Räumen der ESG, Lindemannstr.68. Dort kann man auch weitere Information erhalten. (…)

RECHTSBERATUNG

Kostenlose Rechtsberatung für Studenten!

Die meisten Studenten haben nicht genug Geld, um sich durch Rechtsberatung gegen Willkür der Bürokratie zu wehren.

Der AStA hat mit dem Rechtsanwalt Bönig, 46 Dortmund, Westenhellweg 2, einen Vertrag geschlossen, nach dem sich PH-Studenten unter Vorlage des gültigen Studentenausweises kostenlos beraten lassen können. Von dieser Möglichkeit haben schon viele Studenten Gebrauch gemacht.

Wohnungen, Zimmer und Gelegenheitsjobs, die dem AStA angeboten werden, findet Ihr in der Kartei des AStA.

Das war ein Überblick über die Sozialpolitik an der PH."

Vorgestellt werden die:"
ASTA-REFERENTEN

Die Arbeit der verschiedenen AStA-Referate haben wir im vorhergehenden beschrieben.

Im Folgenden möchten wir die Leute vorstellen, die diese Arbeit leisten.

Die Porträts der Referenten sowie deren Sprechstunden werden am Schwarzen AStA-Brett im Foyer und im AStA aushängen.

Die Referenten:
Hans-Otto Garling, 1.Vorsitzender, PGH;
Arnulf Merle, 2.Vorsitzender, GEW-AG;
Klaus Meininghaus, Finanzreferent, GEW-AG;
Marlies Baak, Studienreferat, PGH;
Roland Fink, Studienreferat, PGH;
Gerhard Buch, Studienreferat, GEW-AG;
Brunhilde Schmidt, Sozialreferat, PGH;
Ulrich Klimmek, Sozialreferat, GEW-AG;
Friedo Niehoff, Pressereferat, PGH.

Weiterhin besteht ein Redaktionskollektiv der DOS, das aus Mitgliedern des PGH und der GEW-AG besteht.

Ebenfalls möchten wir das Präsidium der Studentenkonferenz vorstellen:
Hartmut Schuh, SK-Präsident, PGH;
Roland Fink, stellvertretender SK-Präsident, PGH."

Ebenfalls vorgestellt werden:"
DIE POLITISCHEN GRUPPEN AN DER PH

Wir wollen im folgenden versuchen, die politischen Gruppen an der PH vorzustellen.

Die Gruppen PGH (Projektgruppe Gesamthochschule) und GEW-AG (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft-Arbeitsgemeinschaft), die in einer Koalition den AStA tragen, stellen sich vor.

Die Vorstellungen der anderen Gruppen sind Darstellungen von uns, die auf Publikationen und in erster Linie auf der konkreten Arbeit der Gruppen an der PH beruhen.

Diese Gruppen werden sich selbst vor- und darstellen, wir geben hier unsere Einschätzung ab.

PROJEKTBEREICH GESAMTHOCHSCHULE (PGH)

Aus einer politischen Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Studentengemeinde (ESG) entwickelte sich der PGH zu einem sozialistischen Zirkel an der PH.

Er sieht es als seine Aufgabe an, den Studenten ihre Stellung in dieser Gesellschaft aufzuzeigen und ihnen die Einsicht in die Notwendigkeit und Möglichkeit zu einer Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse klarzumachen.

So wie die theoretische Vermittlung der politischen, d.h. wirtschaftlichen Zusammenhänge geleistet werden muß, besteht die Notwnedigkeit zur politischen Praxis.

Diese stellt sich zur Zeit konkret so dar, daß der Kampf gegen die politische Disziplinierung in den Vordergrund gestellt werden muß, da wir durch die Welle der Unterdrückung dazu gezwungen sind (s. Artikel in diesem Heft 'Zur politischen Unterdrückung').

Wir werden in Flugblättern, Info-Ständen und Veranstaltungen auffordern, sich an der Arbeit des Komitees gegen die politische Unterdrückung und die reaktionäre Ausländergesetzgebung zu beteiligen.

Der AStA arbeitet in diesem Komitee ebenso mit wie die Mitglieder des PGH. Dieses Komitee bietet zur Zeit die besten Voraussetzungen, den Kampf gegen die politische Disziplinierung auf breiterer Ebene zu führen (siehe Flugblätter hierzu).

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Arbeit des PGH sind die Schulungen.

Seit mehreren Semestern führt der PGH Schulungen durch, insbesondere Schulungen zur Politökonomie.

Neben diesen Schulungen, die auch für Anfänger geeignet sind, wird eine weitere Schulung über Bildungsökonomie durchgeführt werden.

Auskunft dazu geben alle PGH-Mitglieder, Termin und Ort siehe letzte Seite dieses Heftes.

AStA-Arbeit des PGH

Der PGH betrachtet den AStA nicht in erster Linie als Dienstleistungsbetrieb, sondern als Kampfinstrument der Studenten gegen die Übergriffe der Herrschenden auf den Hochschulsektor.

Dabei ist die Berücksichtigung der materiellen Interessen der Studenten Ausgangspunkt und Bestandteil der Arbeit.

Durch die Einrichtung des Studienreferates hat der PGH einen wichtigen Akzent auf die AStA-Arbeit gesetzt (siehe Art. in diesem Heft 'zum Studienreferat').

Der PGH wird das Informationsangebot über die von ihm geschaffene DOS hinaus erweitern und wichtige Skripten vervielfältigen und verteilen.

Termine sind am PGH-Brett im Flur gegenüber der Bücherei zu finden.

Ständige Termine siehe letzte Seite dieses Heftes.

GEWERKSCHAFT ERZIEHUNG UND WISSENSCHAFT-ARBEITSGEMEINSCHAFT (GEW-AG)

Die GEW-Arbeitsgemeinschaft ist eine Gruppe fortschrittlicher Gewerkschaftler an der PH, die die Hochschulpolitik als Bestandteil der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung sieht und sich für die demokratischen Rechte und für die Interessen der Mehrheit der Bevölkerung einsetzt. Grundlage für die Verwirklichung dieser Interessen ist die konsequente Bündnispolitik mit allen fortschrittlichen Kräften sowohl in der Hochschul- als auch in der Gesellschaftspolitik. Diese Grundsätze werden in der AStA-Arbeit der GEW-AG in der Studieneinführung und Begleitung und der Sozialpolitik bestimmend sein. In der Studienbegleitung wird es darauf ankommen, daß man als Anfänger die nötigen Informationen zum Studium bekommt und sich mit Formen der kollektiven Arbeit vertraut macht. Die GEW-AG wird daher in diesem Semester - aufbauend auf Erfajrungen des Sommersemesters - in verschiedenen Seminaren Projektgruppen einrichten, in denen das Lehrangebot auf seine gesellschaftliche und berufliche Relevanz hin kritisch analysiert und eventuell konkrete Alternativen erarbeitet werden. Der Bezug zur beruflichen Praxis wird durch die Zusammenarbeit mit einer gewerkschaftlichen Gruppe von Lehramtsanwärtern (LAA,d.Vf.) am Bezirksseminar Dortmund hergestellt.

RING CHRISTLICH DEMOKRATISCHER STUDENTEN (RCDS)

Der RCDS ist der Studentenverband der CDU/CSU. Er vertritt eine Politik, die über emotionale Appelle und zusammenhanglose Forderungen nicht hinausgeht.

Seine Praxis an der PH besteht aus der Beteiligung an den Wahlen zur SK und aus der Teilnahme an den Sitzungen der SK und an Vollversammlungen.

Gefährlich ist der RCDS dadurch, daß er verbalen Bekenntnissen zur verfaßten Studentenschaft eine Politik gegenüberstellt, die die Rechte der Studentenschaft beschneidet (s. Artikel zur Geschichte der verfaßten Studentenschaft).

Einer Rattenfängerpolitik wie der des RCDS (Einführungsfreizeiten im Hotel mit Ponyreiten; wer das wohl zahlt?) sollte eine klare Absage erteilt werden.

MARXISTISCHER STUDENTENBUND (MSB) SPARTAKUS

Der MSB Spartakus ist eine Studentenorganisation, die der DKP nahesteht.

Der MSB hat seine Arbeit an der PH erst im letzten Jahr aufgenommen.

Anlaß zur Auseinandersetzung hat vor allem die Stellung zur Mitbestimmung geboten (siehe Artikel zur Mitbestimmungsillusion).

Widersprüche zeigen sich beim MSB und bei der DKP in ihrer Haltung zur 'Friedenspolitik' der SPD/FDP-Regierung.

Sie unterstützen die Außenpolitik dieser Regierung, die im Inneren Berufsverbote (BV,d.Vf.) verhängt und die politische Unterdrückung forciert.

Wir werden die Auseinandersetzung mit dem MSB fortsetzen.

KOMMUNISTISCHER STUDENTENVERBAND (KSV)

Der KSV ist der Studentenverband der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), die aus der KPD/AO (Aufbauorganisation) hervorgegangen ist.

Die KPD/AO, die es 1970 (vgl. 28.2.1970,d.Vf.) in ihrer vorläufigen Plattform noch für angebracht hielt, zu schreiben: 'Gegenwärtig kann noch keine revolutionäre Organisation den Anspruch ereben, sich KPD zu nennen', hob dies im Juli 1971 (vgl. 7.7.1971,d.Vf.) mit folgender Begründung wieder auf: 'Die KPD/AO hat vom Tage ihrer Gründung an ihre revolutionäre Verpflichtung gegenüber der Arbeiterklasse und den anderen werktätigen Schichten des Volkes wahrgenommen'.

Von dieser selbsteinschätzung leitete ein kleiner Westberliner Zirkel den Anspruch ab, sich künftig K'P'D nennen zu müssen.

Da man jedoch bald einsah, daß eine revolutionäre Veränderung unserer Gesellschaft nicht von Berlin aus erreicht werden kann und mn endlich die Träume der westberliner Studentenbewegung realisieren wollte, hielt man es für angebracht eine neue Auflage der 'Ruhrkampagne' zu starten. Was darin seinen Ausdruck fand, daß die Parteizentrale nach Dortmund verlegt wurde (vgl. 1.3.1972,d.Vf.), um - vornehmlich - die Arbeiter und Studenten mit der Politik der K'P'D und ihren Unter- und 'Neben'-Organisationen (KSV, KJV, OSK, Liga gegen den Imperialismus (LgdI,d.Vf.)) bekannt zu machen.

Die Arbeit des KSV - als Studentenverband der K'P'D - an der Hochschule wird in erster Linie durch eine 'Liga-Politik' gekennzeichnet; d.h. wesentlich für diese Gruppe scheint es zu sein, kurzfristig Studenten für 'Kampagnen' zu mobilisieren, die nicht Ausdruck der Bewegung sind. Eine wesentliche Begleiterscheinung dieser Politik ist in stringent betriebener Ultimatismus; d.h. statt auf die Einheit der antirevisionistischen (d.h. - in erster Linie - revolutionären) Bewegung hinzuarbeiten, bläst man sich zur Partei auf, deren inhaltlich nicht ausgewiesenen Führungsanspruch jede Gruppe anerkennen muß, bevor man zur Zusammenarbeit bereit ist.

Das jüngste Verhalten anläßlich der nationalen Aktionseinheit zum 'Kampf gegen gegen das reaktionäre Ausländergesetz und die Verschärfung der politischen Unterdrückung' (Demonstration am 8.10. in Dortmund) sind ein erneuter Beweis dafür, daß eine derartige Politik selbst vor der Spaltung einer einheitlichen Kampffront nicht halt macht."

Der nächste Beitrag befaßt sich mit der:"
MITBESTIMMUNG AN DER PH

An der Hochschule gibt es keine Ausbeutung, da muß keiner seine Arbeitskraft verkaufen; klappt das denn da nicht mit der Mitbestimmung?

Nein!

Denn die Hochschule in ihrer jetzigen Form ist Ausdruck einer Gesellschaft, die durch kapitalistische Produktionsverhältnisse bestimmt wird. Wer die Hochschule verläßt, soll in dieser Gesellschaft arbeiten und muß dementsprechend darauf vorbereitet sein. Die Verhältnisse an der Hochschule sind vordergründig demokratisch. Da gibt es Gremien für alles: vom Senat bis zum Fächergruppenrat. Da wird von der Verabschiedung einer neuen Sozialbeitragsordnung bis zur Anschaffung einer Schreibmaschine alles diskutiert, und dann wird abgestimmt. Gehen wir nicht zu lange auf die Paritäten ein. Werden einmal Zugeständnisse in Bezug auf die Paritäten gemacht, steht es meist schlimm um die Entscheidungsbefugnis eines Gremiums. Also kommen wir zurück auf die Frage der Mitbestimmung.

Nehmen wir das Beispiel vom Senat und der Sozialbeitragsordnung.

Die frühere Sozialbeitragsordnung besagte, 15 DM Sozialbeitrag, davon 12 DM für die studentische Selbstverwaltung, 3 DM für soziale Belange der Studenten.

Nun steht im Gesetz, die Hochschule müsse die Studenten gegen Krankheit versichern. Eine Einbeziehung der Studenten in die gesetzliche Krankenversicherung der Arbeiter und Angestellten ist unmöglich, ebenso ein Gruppenvertrag mit einer Ersatzkasse. Übrig bleiben private Krankenkassen (sie sind zu teuer) und die ständische DSKV (Deutsche Studenten Krankenversicherung).

Hier wird eine Entscheidung, von der nur Studenten betroffen sind, von einem Gremium gefällt, in dem Studenten gerade 10% der Stimmen haben; aber diese 'wahl' ist nur eine Wahl zwischen verschiedenen Übeln. Echte Alternativen sind durch Gesetz und Krankenkassensatzungen ausgeschlossen.

Ein anderes Beispiel:

Betrachten wir das neue Hochschulrahmengesetz (HRG (S34f **.*.1972,d.Vf.)): Dort steht etwas von der Schweigepflicht der Vertreter in Gremien. Ein treffliches Mittel, sie von der Studentenschaft zu isolieren. Niemand kann kontrollieren, ob sie im Interesse der Studenten arbeiten. Eine Abberufung der Vertreter während einer Legislaturperiode ist im Gesetz nicht vorgesehen.

Mit dem Hinweis auf diese Möglichkeiten der Mitbestimmung werden die Rechte der Organe der studentischen Selbstverwaltung liquidiert. Übrig bleiben die ausgehöhlten Gremien wie SV (Studentenvollversammlung), SP (Studentenparlament) und AStA, mit der einzigen Aufgabe, das Funktionieren dieser Art von 'Mitbestimmung' zu überwachen.

Wir haben gesehen, welche Funktion die meisten dieser vom Gesetz her eingerichteten Gremien haben. Welche Möglichkeiten bleiben den Studenten, um die Angriffe der Regierung auf ihre demokratischen Rechte abzuwehren?

- Nicht auf die Scheindemokratie der 'Mitbestimmungsgremien' hereinfallen, sondern ihre Funktion klarlegen, das ist die Notwendigkeit!

- Studenten können nur Einfluß nehmen, wenn sie solidarisch und geschlossen vorgehen!

- Wesentlich ist, sich zu solidarisieren, Studienkollektive zu gründen, die Lehrinhalte auf ihre Funktion zu überprüfen und Partei zu ergreifen für die, die man später unterrichten soll, Kinder, die zu 80 - 90% einer unterprivilegierten Schicht angehören!"

Zu BV und NSG bzw. RAF-Fahndung heißt es:"
BERUFSVERBOTE - NOTSTANDSGESETZE - POLITISCHE DISZIPLINIERUNG

Wollte man eine Chronik der laufenden Ereignisse schreiben, es würde den Umfang dieses Heftes ins Unerträgliche steigern.

Die innenpolitische Szene in der BRD ist düster geworden; selbst bürgerliche Journalisten schrecken vor den 'Putativkillern' - diesen Notwehrmördern - zurück. (Der Mord an dem Schotten Ian McLeod durch einen Polizisten wurde von der Staatsanwaltschaft als Putativnotwehr - vermeintliche Notwehr - dargestellt; McLeod war nackt und unbewaffnet durch seine Schlafzimmertür hindurch erschossen worden (vgl. Stuttgart - 25.6.1972,d.Vf.).)

Was steckt dahinter?

Als eine Regierung der 'inneren Reformen' 1969 die 'Macht übernahm', glaubten große Teile der Arbeiterschaft, diese Regierung könne 'mehr Gerechtigkeit' und weniger Ausbeutung herbeiführen.

Daß keine Rgeierung so etwas in diesem System erreichen kann, liegt am System, nicht an den Regierungen.

Nach geweckten Hoffnungen sah sich die herrschende Klasse mit wachsenden Unruhen der Arbeiterschaft und anderer Gesellschaftsgruppen konfrontiert.

(Zum Beispiel: Metalltarifrunde (MTR der IGM,d.Vf.) in Baden-Württemberg, Demonstrationen gegen die unverschämten Fahrpreiserhöhungen, Streiks bei Krupp und anderen Firmen etc.)

Auch eine sogenannte Friedenspolitik, wie die herrschende Klasse ihre expansive Außenpolitik - besonders den osteuropäischen Ländern gegenüber - nennt, mit ihren Scheinerfolgen konnte die Unruhe und Unzufriedenheit nicht beseitigen.

Die Reaktion der herrschenden Klasse: eine Welle der politischen Unterdrückung und Disziplinierung.

Neue Notstandsgesetze wurden verabschiedet (vgl. 22.6.1972,d.Vf.), fortschrittliche Leute werden nicht in den Staatsdienst eingestellt, sozialistische Gruppen werden kriminalisiert etc.

Maßnahmen, die allen verbalen Wahlversprechungen wie 'mehr Demokratie wagen' etc. widersprechen. Mehr noch, Maßnahmen, die den Abbau der demokratischen Rechte, die von den fortschrittlichen Kräften erkämpft wurden, forcieren, sind der herrschenden Klasse und ihrer Handlanger-Regierung recht, um aufkommende Klassenkämpfe im Keim zu ersticken.

Wir können das Problem in dieser Schrift nur andeuten, aber nicht behandeln, wie es ihm zukommt. Wir verweisen deshalb auf Schriften, die bereits erschienen sind und noch erscheinen werden. Alle Schriften sind im AStA erhältlich:

DOS 5 - Artikel zum Berufsverbot (vgl. 15.12.1971,d.Vf.)
DOS 10 - Relegation Bonner Studenten (vgl. 24.4.1972,d.Vf.)
DOS 11 - Artikel zum Berufsverbot (vgl. 2.5.1972,d.Vf.)
AStA-Info: Gegen die Bonner Notstandsgesetze (vgl. 22.6.1972,d.Vf.)
'Kampagne von Rechts' - Nachdruck aus 'Ästhetik und Kommunikation' (Ä+K - vgl. S36*197*,d.Vf.) (erscheint zu Beginn des Semesters (vgl. S36***1972,d.Vf.)"

Dargestellt wird auch das:"
STUDIENZIEL: HEILPÄDAGOGE

In den ersten sechs Semestern studiert man sowohl an der Abteilung Heilpädagogik als auch an der allgemeinen Abteilung.

STUDIENFÄCHER:

Allgemeine Abteilung

I ERZIHUNGSWISSENSCHAFT

besteht aus folgenden zwei Schwerpunktbereichen:
1.
a) allgemeine Pädagogik
b) Schulpädagogik

2.
a) Psychologie
b) Soziologie
c) Politikwissenschaft
d) Philosophie

Aus der Gruppe 1 und 2 ist je ein Fach zu studieren.

II WAHLFACH

Es können nur solche Fächer gewählt werden, die an den Sonderschultypen Unterrichtsfächer sind. Kunst, Werken und Musik können an der HPH studiert werden.

Abteilung Heilpädagogik

III. 1.SONDERPÄDAGOGISCHE FACHRICHTUNG

bestehend aus:
a) Pädagogik und Didaktik der Fachrichtung
b) heilpädagogischer Psychologie (behinderungsspezifisch)
c) Medizin (behinderungsspezifisch)
d) Sozialpädagogik oder Soziologie der Behinderten

IV 2.SONDERPÄDAGOGISCHE FACHRICHTUNG

bestehend aus: siehe oben

V ÜBUNGEN

Es ist außerdem mindestens eine Übung abzuleisten in: Kunst, Werken, Musik, Hauswirtschaft oder Leibeserziehung (wahlweise)

PRAKTIKA

Vor Aufnahme des sonderpädagogischen Teils des Studiums, zweckweise zwischen dem 1. und 3.Semester, muß der Student ein INFORMATIONSPRAKTIKUM von mindestens je drei Wochen an zwei Sonderschulen, die den von ihm gewählten Fachrichtungen entsprechen, ableisten.

ACHTUNG: Die Organisation des Praktikums ist Aufgabe des Studenten und nicht der Hochschule. Es empfiehlt sich deshalb, frühzeitig mit den Schulen Kontakt aufzunehmen.

Nach dem 6. bzw. 7.Semester muß der Student ein ÜBUNGSPRAKTIKUM von je vier Wochen in den Sonderschulen der gewählten Fachrichtung ableisten. Diese PRAKTIKA werden von der HOCHSCHULE ORGANISIERT."

Abschließend findet sich ein:"
NACHWORT MIT TERMINEN VON TAGUNGEN UND ANDEREN VERANSTALTUNGEN

Viele Fragen müssen nach der lektüre dieser schrift auftauchen, Kritik wird laut werden, Zustimmung und Ablehnung, vielleicht auch Empörung werden die Reaktionen auf diese Sondernummer der DOS sein.

Wir wollen solche Reaktionen, wir brauchen sie, um in unserer Arbeit weiterzukommen.

Folgende Termine von Veranstaltungen verschiedener Art geben euch die Möglichkeit, eure Kritik zu äußern und unsere Arbeit kennenzulernen". es folgen die bereits eingangs genannten Termine sowie die Schulungstermine des PGH, Mittwochs 18 Uhr Einführung in die Politische Ökonomie, Mittwochs 20 Uhr Bildungsökonomie, jeweils in der ESG, Lindemannstr.68.

Hingewiesen wird auf die Möglichkeit, alle zierten 'AStA-Infos' im AStA zu bekommen, wo auch "Flugblätter zum Komitee gegen politische Unterdrückung und reaktionäre Ausländergesetze" erhältlich seien. Hingewiesen wird auf das Erscheinen der 'DOS' Nr.14 in der nächsten Woche (vgl. 23.10.1972).

Zum Wintersemester 1973/1974 wird eine zweite Auflage herausgegeben (vgl. 8.10.1973).
Q: DOS Sdr.Nr. Einführung in das PH-Studium, Extra Sdr.Nr. Einführung in das PH-Studium Ergänzung SS 73 und Sdr.Nr. Einführung in das PH-Studium (2. Aufl.),Dortmund o.J. (1972), o.J. (Apr. 1973) bzw. o.J. (Okt. 1973),o.S., S.2 bzw. S.3

17.10.1972:
Laut der 'Bochumer Studenten Zeitung' findet in der Ruhr-Universität Bochum ein Teach-in und anschließend in der Stadt eine Kundgebung über die Vorfälle bei Opel statt. Diese beiden Veranstaltungen wurden organisiert durch das Aktionskomitee für die Unterstützung des Opel-Streiks. Laut KPD besuchen 200 eine Kundgebung gegen die Entlassung des Betriebsrates der oppositionellen Liste 2 bei Opel. Laut der Zelle PH Dortmund des KSV der KPD weigert sich an der PH Dortmund der AStA bzw. der ihn mittragende PGH, eine Kundgebung vor Opel zu unterstützen, womit vermutlich die heutige gemeint ist.
Q: Rote Fahne Nr.65,Dortmund 18.10.1972; Bochumer Studenten Zeitung Nr.99,Bochum 1972,S.1; KSV-Zelle PH Dortmund:Aufruf zur VV,o.O. (Dortmund) o.J. (15.11.1972),S.3

17.10.1972:
Der ESG-Projektbereich Gesamthochschule (PGH) an der PH Dortmund will von 15 Uhr bis 20 Uhr in den Räumen der ESG eine Studienberatung anläßlich des Semesteranfangs durchführen.
Q: DOS Sdr.Nr. Einführung in das PH-Studium,Dortmund o.J. (1972),S.3 und 39

21.10.1972:
Eine von der GOG Opel Bochum organisierte Demonstration in der Bochumer Innenstadt gegen die Entlassung Laras (vgl. 11.10.1972) wird, laut Projektgruppe Ruhrgebietsanalyse, von ca. 500 Menschen begleitet.

Laut KPD demonstrieren über 500 für den Opel-Betriebsrat Lara. Man selbst habe in einem 'starken Block' teilgenommen. Eine Kundgebung wird auf dem Husemannplatz durchgeführt. Laut der Zelle PH Dortmund des KSV der KPD demonstrieren 600 Menschen, obwohl sich an der PH Dortmund der AStA bzw. der ihn mittragende PGH geweigert habe diese zu unterstützen.
Q: Rote Fahne Nr.66,Dortmund 25.10.1972; Projektgruppe Ruhrgebietsanalyse Bochum:Opel streikt. Ausbeutung und Kämpfe bei Opel,Bochum 1973,S.30; KSV-Zelle PH Dortmund:Aufruf zur VV,o.O. (Dortmund) o.J. (15.11.1972),S.3

21.10.1972:
Der ESG-Projektbereich Gesamthochschule (PGH) an der PH Dortmund will heute mit einer zweitägigen Einführungstagung für neue StudentInnen an der PH beginnen.
Q: DOS Sdr.Nr. Einführung in das PH-Studium,Dortmund o.J. (1972),S.3 und 39

23.10.1972:
Vermutlich heute gibt der AStA der PH Dortmund seine 'DOS' – Dortmunder Studentenzeitung Nr.14 (vgl. 16.10.1972, 13.11.1972) mit 14 Seiten DIN A 4 und folgendem Inhalt heraus:
1. Das Gesamthochschulentwicklungsgesetz
2. Gesamthochschulbereich Dortmund
3. Umzug der PH an den Vogelpothsweg
4. Verkehrsverbindungen zur Hauptbaufläche
5. Raumaufteilung im PH - Neubau.

Bekanntgegeben werden Termine von Studentenkonferenz (SV - vgl. 8.11.1972) und Studentenvollversammlung (SV - vgl. 25.10.1972) sowie die regelmäßigen Treffs, wenn nicht anders angegeben im ESG-Heim, Lindemannstr.68:
Montags 18 Uhr Diskussionstreff der GEW-AG Soz. Forsch. Raum 24
Dienstags 18 Uhr (ESG-) Arbeitskreis Kirche und Sozialismus
Dienstags 20 Uhr (ESG-) 'Treff'
Mittwochs 18 Uhr Einführung des PGH in die politische Ökonomie
Mittwochs 20 Uhr Einführung des PGH in die Bildungsökonomie
Donnerstags 19 Uhr Arbeitskreis Heilpädagogen Stockumerstr.325

Im ersten Artikel heißt es zum GHEG (vgl. S3f**.1972):"
DAS GESAMTHOCHSCHULENTWICKLUNGSGESETZ

Das GHEG ist die Krönung der Bildungsreform an den Hochschulen. Es reiht sich nahtlos ein in die Gesamttendenz der Hochschulgesetzgebung. Eine isolierte Betrachtung des Gesetzestextes ist wenig sinnvoll. Wichtiger ist die Untersuchung der Inhalte dieser Politik und die Offenlegung ihres Charakters. Wesentlich sind die Mechanismen (Numerus Clausus, Studienberatung, Verfahren bei Neugründungen), die die Verwirklichung der staatlichen Bildungsreform gewährleisten sollen.

Bei der Betrachtung des GHEG ist es wichtig, die Erfahrungen anderer Bundesländer heranzuziehen.

In Berlin und Baden-Württemberg wurden solche Vorgeschaltgesetze dazu benützt, die verfaßte Studentenschaft (VS,d.Vf.) zu zerschlagen. Begründung: Die Studenten sind in allen Gremien vertreten, ergo erübrigt sich die Studentenvertretung in der bisherigen Form. Auch in NRW muß ständig mit der Zerschlagung der verfaßten Studentenschaft gerechnet werden, ist der Minister befugt, solche Fragen per Erlaß zu regeln (Paragraph 18 GHEG).

Wie solche Gesetze zustande kommen, zeigt das GHEG mustergültig. Nach einem Hearing aller Beteiligten (Professoren, Studenten, Assistenten etc. (vgl. S3.*.1972,d.Vf.)) über die Gesetzesvorlage holte Herr Rau aus der Schublade einen neuen Entwurf und ließ ihn vom Landtag verabschieden. Das alles innerhalb von wenigen Wochen. Soetwas nennt man dann 'demokratische Willensbildung' oder 'praktizierte Mitbestimmung'. Das sei allen Verfechtern der Mitbestimmungsideologie ins Stammbuch geschrieben.

Kommen wir zum Begriff 'Gesamthochschule' (GHS,d.Vf.).

Die formale Klassifizierung von FH (FHS,d.Vf.), PH und Uni wird abgeschafft. Was kommt??

Abgestufte Studienabschlüsse, Trennung von praxis- und forschungsorientierten Studiengängen, Kurzstudium von sechs Semestern für die Masse der Studenten.

Das heißt bei Rau (man möge ihn nicht verteufeln, wärs er nicht, wärs ein anderer Handlanger der Industrieinteressen) 'die Kapazitäten wirtschaftlich verwenden'.

Was verändert sich also?

Das Firmenschild! Und die Möglichkeit der zentralen Steuerung für die Interessen der Kapitaleigner. Die wird besser!

Die Berufung auf gesamtgesellschaftliche Interessen ist in diesem Zusammenhang ein Hohn. Die Ware Arbeitskraft - in diesem Fall die der technischen und geistigen Intelligenz - optimal einzusetzen, ist erst dann im Interesse der Gesamtgesellschaft, wenn die Profite der Gesamtgesellschaft zu gute kommen und nicht einigen wenigen Kapitaleigentümern.

Kommen wir nun zum Stichwort: ZENTRAL.

Zentrale Studienberatung und zentrales Studienplatzverteilungsverfahren.

Genau wie der NC werden diese Maßnahmen zur Reglementierung und Bedarfsregelung eingesetzt. In diesem Zusammenhang weisen wir auch auf das Ordnungsrecht hin, das in Bayern (vgl. S4.**.197*,d.Vf.) bereits existiert.

Die Studienberatung ist verpflichtend für alle Studenten. Bei dieser Studienberatung wird den Studenten der Studiengang empfohlen, für den sie 'qualifiziert' sind. Das wird dann auch eingeschlagen.

Das zentrale Studienplatzverteilungsverfahren ist für die Fachhochschüler bereits Realität. Der umfassende Überblick über alle Hochschulen verschafft der Industrie besten Überblick und die Möglichkeit der Steuerung.

Die Aussicht für Neugründungen von Gesamthochschulen - wie es in Dortmund der Fall sein wird - ist erfreulich: Die Hochschule braucht sich keine Studienordnung zu erarbeiten. Die wird nämlich vom Minister zentral verordnet und dann zwei Jahre lang nicht geändert werden. Welche Aufgaben hat der Gründungssenat?

Die Verordnungen auszuführen! Denn neben der Studienordnung erläßt der Minister unter den gleichen Bediungungen die Verfassung der Hochschule.

Über Paritäten braucht hier kein Wort verloren zu werden. Stellen die Studenten 25% im Gründungssenat, so liegt das an den günstigen örtlichen Verhältnissen. Im Normalfall sind es weniger.

Wir wollen nicht den Eindruck erwecken, das Modell der INTEGRIERTEN Gesamthochschulen sei abzulehnen. Unter integrierter Gesamthochschule ist nämlich nicht nur die formale und verwaltungsmäßige Kooperation zwischen den einzelnen Hochschulen, wie Fachhochschulen, PH's und Unis zu verstehen.

Wir wollen aber klarmachen, daß dieses Modell in unserer Gesellschaft nicht zu verwirklichen ist, da es nicht den Interessen der herrschenden Klasse entspricht. Die jetzt konzipierte Gesamthochschule befriedigt das Interesse der Industrie, nicht das der Bevölkerung.

Was müssen wir aus solchen Hochschulgesetzen lernen?

Diese Hochschulreform im Dienste unserer kapitalistischen Gesellschaftsordnung ist nicht durch Arbeit in Gremien oder Kommissionen zu unterlaufen.

Das haben die Erfahrungen gerade mit diesem Gesetz gezeigt. Die Arbeit, die im Moment zu leisten ist, liegt in der Aufklärung über den Charakter der Bildungsreform, die uns zur Zeit geboten wird. Sie ist auch nicht zu trennen von anderen Vorgängen in der Gesamtgesellschaft.

Ein Ordnungsrecht an der Hochschule, der Friedensparagraph im Betriebsverfassungsgesetz (BVG,d.Vf.) und der Aufbau des Grenzschutzes (BGS,d.Vf.) zur Innenarmee, die Errichtung von bundeswehreigenen Hochschulen (BWHS,d.Vf.) - das alles ist nicht voneinander zu trennen. Das geschieht nicht nur zufällig gleich.

Das ist eine Tendenz und eine Intention.

Eine Herrschaft, die sich bedroht fühlt, und ihren Anspruch nicht mehr rechtfertigen kann, wehrt sich - und zwar mit allen Mitteln."

Berichtet wird auch über den:"
UMZUG DER PH AN DEN VOGELPOTHSWEG

Nachdem die Hochschulen in Essen, Paderborn, Siegen, Wuppertal und Duisburg zu GHS ernannt wurden, bekamen andere Hochschulorte den Namen GHS-Bereich. Das heißt für Dortmund: die Fachhochschule mit ihren neun Bereichen, die Uni, die PH Dortmund, die PH Hagen und die Abt. Heilpädagogik werden in den nächsten fünf Jahren GHS.

Am 2.11.1972 soll es soweit sein. Der Umzug der PH vom Rheinlanddamm auf die Äcker und Wiesen zwischen Dorstfeld und Barop (landwirtschaftlich reizvolle Gegend) soll an diesem Tag beginnen. Es ist der erste Schritt zur Verwirklichung der GHS in Dortmund, der künftigen Akdademikerkolonie am Vogelpothsweg.

Mehr Räume, alle Fächergruppen in einem Gebäude, ein Grund zum Jubeln?

Ganz bestimmt nicht!

Von Anfang an wehrten sich die Studenten dagegen, auf einem Acker konzentriert und isoliert zu werden. Mehrere Gutachten wurden eingeholt und Vorschläge gemacht, wie z.B. der Plan, die zukünftige Gesamthochschule auf dem alten Schlachthofgebäude in der Stadt zu errichten. Sie alle wurden abgelehnt bzw. überhaupt nicht beachtet.

Die Isolation der Studenten von der Bevölkerung durch die Errichtung der Bauten auf der jetzigen Hauptbaufläche wäre mit Sicherheit zu vermeiden gewesen. Wer hat ein Interesse an der Isolation, welche Kräfte haben sich stark gemacht und durchgesetzt? Vertreter der Studenten nicht, Vertreter der Bevölkerung nicht, warum sollten sie? Die Entscheidenden sind die Herrschenden, die durch gemeinsame Aktionen der Studenten und der Bevölkerung ihre Macht gefährdet sehen. Als ein Beispiel soll hier die 'Rote-Punkt-Aktion' (vgl. 1.3.1971,d.Vf.) gesehen werden, in der sich die Bevölkerung und die Studenten gemeinsame gegen die unverschämten Fahrpreiserhöhungen der Stadtwerke wehrten."

Es folgen Hinweise über die "Verkehrsverbindungen zur Hauptbaufläche", in denen es u.a. heißt:"
Die Busse aus Dorstfeld pendeln zwischen Dorstfeld Straßenbahnhaltestelle Wittener Straße (Linie 2 und 9) und Vogelpothsweg (PH-Neubau).
Die Busse, die aus Barop kommen, pendeln zwischen Barop, Haltestelle Palmweide (Linie 4) und dem PH-Neubau am Vogelpothsweg.
Gegenwärtig ist geplant, die Busse im Rhythmus von VORMITTAGS: alle 20 Minuten, MITTAGS: jede Stunde, NACHMITTAGS: alle 30 Minuten zwischen den genannten Haltepunkten verkehren zu lassen. Der letzte Bus wird vermutlich um 20 Uhr von der PH am Vogelpothsweg abfahren."

Bekanntgegeben wird auch die "Raumaufteilung im PH-Neubau", aus der u.a. hervorgeht, daß sich die Ostdeutsche Forschungsstelle im PH-Neubau befindet.
Q: DOS Nr.14,Dortmund o.J. (Okt. 1972)

23.10.1972:
In Dortmund erscheint spätestens in dieser Woche das folgende Flugblatt von zwei Seiten DIN A4 im Offsetdruck unter Verantwortung von Erwin Bawulski, Dortmund, Von der Reckestr.40 (Roncalli-Heim):"
DIE CDU/CSU UNTERNIMMT GROSSE ANSTRENGUNGEN, UM DIE REGIERUNGSGEWALT WIEDER IN IHRE HAND ZU BEKOMMEN. ZU DIESEN ANSTRENGUNGEN GEHÖRT AUCH DAS AUFTRETEN VON F.J. STRAUSS AM 29.OKTOBER 1972 UM 14 UHR IN DER DORTMUNDER WESTFALENHALLE.

Anläßlich der Bundestagswahlen (BTWd.Vf.) am 19.November 1972 haben Dozenten, Studenten und Angehörige der Hochschulverwaltung der Pädagogischen Hochschule (PH,d.Vf.) Ruhr, Abt. Dortmund, folgenden Aufruf - dem sich u.a. auch der Schriftsteller und Nobelpreisträger HEINRICH BÖLL angeschlossen hat - unterzeichnet:

AUFRUF AN DIE DORTMUNDER WÄHLER
GEGEN STRAUSS, BARZEL UND DIE NPD!
KEINE STIMME DER CDU UND NPD!

Das Bestreben der Unterzeichner ist es, gemeinsam alle Anstrengungen zu unternehmen, bei diesen Bundestagswahlen den Kräften um Strauß und Barzel, der CDU/CSU und NPD eine Abfuhr zu erteilen.

Wir erinnern daran, daß es die CDU/CSU mit Strauß und Barzel an der Spitze und die NPD waren, die kein Mittel scheuten, um die Ratifizierung der Verträge von Moskau und Warschau (mit der SU bzw. Polen,d.Vf.) zu verhindern.

Mit Verleumdungen, Fälschungen und Versuchen des Abgeordnetenkaufs (Affäre Geldner) hat die CDU/CSU die unwürdigen Sitten einer 'Bananenrepublik' praktiziert.

Werfen wir einen Blick in die Vergangenheit: die CDU/CSU-Regierung hat die Wiederaufrüstung der Bundesrepublik betrieben, CSU-Strauß wollte die Bundeswehr mit Atomwaffenausrüsten. Unter der Regierung der CDU/CSU erlebten primitiver Antikommunismus und kalter Krieg ihren Höhepunkt. Demokratiefeindliche Praktiken standen auf der Tagesordnung: Organisationsverbote, Gesinnungsschnüffelei, Bespitzelung.

20 Jahre lang verhinderte die CDU/CSU, daß Arbeiter und Angestellte mehr Rechte in den Betrieben bekamen. 20 Jahre lang verhinderte die CDU/CSU die seit langem geforderte Herabsetzung des Wahlalters auf 18 Jahre. Die CDU/CSU war Haupteinpeitscher antidemokratischen Notstandsgesetze (NSG - vgl. 30.5.1968,d.Vf.). Den in Jahren nicht aufzuholenden Rückstand auf dem Bildungssektor hat die CDU/CSU verursacht.

Auf Druck der CDU/CSU kam das Berufsverbot (BV - vgl. 27.1.1972,d.Vf.) für politisch Unbequeme im öffentlichen Dienst - also auch für Lehrer - zustande, das quer durch alle Parteien auf starke Kritik gestoßen ist.

Das hat uns die CDU/CSU in der Vergangenheit gebracht.

Und wie sieht es heute aus?

Die von der CDU oder CSU regierten Bundesländer sind die eifrigsten, wenn es darum geht, an den Schulen Wehrkundeunterricht (WKE,d.Vf.) durchzuführen. In Bayern setzte F.J. Strauß ein reaktionäres Rundfunkgesetz (vgl. 1.3.1972,d.Vf.) durch.

Lt. Spiegel vom 2.November 1970 (Nr.45, Seite 31) erklärte Strauß am 10. Oktober 1970 im Restaurant 'Wienerwald' in New York (in den USA,d.Vf.) in einem Tischgespräch folgendes: 'Wer mich daran hindern würde, an die Macht zu kommen, den würde ich umbringen.'
Solche und ähnliche Äußerungen des CSU-Vorsitzenden lassen darauf schließen, was uns erwartet, wenn die CDU/CSU wieder die Regierungsgewalt ausübt.

Mehr Rechte für die arbeitenden Menschen, Preisstabilität, mehr Geld für die Bildung, mehr Demokratie, Friedenspolitik nach außen - das kann nur gegen Strauß und Barzel, gegen die CDU/CSU und die NPD verwirklicht werden!

Wir Unterzeichner dieses Aufrufs vertreten unterschiedliche politische Auffassungen, und werden verschiedene Parteien wählen. Aber in dieser Frage sind wir uns einig: Strauß und Barzel dürfen nicht noch einmal eine Regierung bilden!

KEINE STIMME FÜR DIE CDU/CSU, KEINE STIMME FÜR DIE NPD, DIE OFFEN IHRE SYMPATHI FÜR DIE POLITIK DER CDU/CSU MEHRFACH ERKLÄRT HAT. (Z.B. bei der Wahl des letzten Bundespräsidenten (vgl. 5.3.1969,Vf.) gaben die NPD-Wahlmänner ihre Stimmen dem Kandidaten der CDU/CSU, Gerhard Schröder.)

Die Unterzeichner:
Barbel, Klaus, stud. päd.; Baer, Ulrich, wss. Ass.; Bawulski, Erwin, stud. päd.; Böll, Heinrich, Schriftsteller; Brinkschulte, Ulrich, Lehrer; Bracht, Manfred, wiss. Ass.; Böller, Jürgen, stud. päd.; Cremer, Christa, Dipl.-Päd; Deutsch, Wilhelm-Otto, wiss. Ass.; Dürdoth, Peter-H., stud. päd; Esser, Matthias, stud. päd.; Fehr, Jörn, wiss. Ass.; Frede, Michael, stud. päd.; Franke, Brigitte, stud. päd.; Dostal, Regine, stud. päd.; Hansen, Dirk, wiss. Ass.; Haase, Wolfgang, Lehramtsanwärter; Krüger, Manfred, stud. päd.; Klimmek, Ulrich, stud. päd.; Klehm, Wolf, Dipl.-Päd.; Kühne, Peter, wiss. Ass. Dr.; Kesting, Michael, stud. päd.; Koch, Nikolaus, Prof. Dr.; Linde, Ursula, stud. päd.; Laumann, Sylvia, stud. päd.; Müller, Hans, Dr. priv. Dozent; Merle, Arnulf, stud. päd.; Mertin, Friedhelm, Hochschulverw.; Märtens, Brigitte, stud. päd.; Meininghaus, Klaus, stud. päd.; Neuer, Stephan, stud. päd; Philip, Elmar, stud. päd.; Pleuser, Bernhard W. stud. päd.; Pfaff, Konrad, Prof. Dr.; Peter, Gisela, Hochschulverw.; Rolff, Hans G., Prof. Dr.; Reiffen, Bertke, stud. päd.; Rath, Peter, stud. päd.; Roemheld, Regine, wiss. Ass.; Schmidt, Hermann Josef, Dr. akad. Rat; Simon, Ursula, stud. päd.; Schuh, Harmuth, Lehramtsanwärter; Schwarzenau, Paul, Prof. Dr.; Schaumann, Fritz, Dipl.-Päd.; Storchmann, Ruth, stud. päd.; Störmer, Bernhard, Hochschulverw.; Stey, Dieter, wiss. Ass.; Tönnes, Hildegard, Hochschulverw.; Tilgner, Gerd, stud. päd.; Thom, Hildegard, stud. päd.; Voß, Liesel, Hochschulverw.; Wutke, Gerhard, Prof. Dr.; Wilke, Ulrike, stud. päd.; Zenker, Werner, stud. päd.; Zimmermann, Christoph, stud. päd.; Zuck, Amalie, stud. päd.; Boesing, Klemens, stud. päd.; Goebel, Elke, Hochschulverw.

DIESEM AUFRUF SCHLOSSEN SICH BISHER UNTER ANDEREM FOLGENDE DORTMUNDER BÜRGER AN:
Groß, Werner, Schlosser; Damberg, Josef, Lehrer; Jeuschnik, Rainer, Student; Lotz, Heidrun, Psychologin; Johannsmann, Horst, Rektor; Loyal, Manfred, kfm. Lehrling; Jerwing, Norbert, Lehrling; Schmidt, Detlef, Mechaniker; Bartels, Wolfgang, Redakteur; Hüwel, Norbert, Schüler; Dudda, Hans, kfm. Lehrling; Priemer, R.J., Schriftsetzer; Kluthe, Hans, Student; Hennecke, Hans-J., Journalist; Skott, Rudi, Ang.; Teska, Hans, Rentner; Reinhard, Kurt, Arbeiter (Betriebsrat); Reinhard, Lucie, Hausfrau; Gau, Willi, Blockzieher; Gau, Irmgard, Hausfrau; Oberthin, Fritz, Rentner; Grimme, Günter, Ofenmann; Schmidt, Hans-Jürgen, Ofenmann; Sprenger, Wilhelm, Maurer; Nusch, Kurt, Dreher; Rießland, Güntr, Maschinist; Lange, Kurt, Maschinist; Vogt, Ernst, Maschinist; Prinz, Winand, Maschinist; Marschall, Ewald; Ernst, August, Schlosser; Wilke, Ludwig, Schlosser; Funke, Lene, Rentnerin; Osthaus, Wolfgang, Kaufmann; Horn, Manfrd, Ofenmann; Oberthin, Hans, Maschinist; Raguse, Rüdiger, Metallarbeiter; Luplow, Joachim, Lehrling; Quiter, Renate, Lehrling; Schwakopf, Hildegard, Lehrling; Bendig, Angelika, Lehrling; Miegas, Roland, Lehrling; Donis, Brigitte, Lehrling; Kost, Hans-Jürgen, Lehrling; Müller, Klaus-Jürgen, Lehrling; Hoffmann, Klaus, Lehrling; Hoffmeister, Jürgen, Lehrling; Himmelmann, Petra; Klein, Jutta, Lehrling; Quabeck, Klaus, Praktikant; Meyer, Carsten, Schüler; Unland, Th., Auszubildender; Meyer, Olaf, Schüler; Schaub, Margot, Schülerin; Kapper, Uwe, Schüler; Bültemeier, Martin, Ang.; Venjakob, Klaus, Ersatzdienstleistender; Hunsotck, Irene, Schülerin; Korte, Hermann, Lehrer; Schäper, Willi, Lehrer; Völzke, Manfred, Lehrer; Frickenhaus, Gundula, Lehrerin; Heidenreich, Fred Lehrer."

Beigefügt ist ein Unterschriftencoupon, "Ich schließe mich vorstehendem Aufruf an."
Q: Bawulski,Erwin:Aufruf an die Dortmunder Wähler,Dortmund o.J. (1972)

24.10.1972:
Der AStA der Abteilung Heilpädagogik der PH Dortmund (vgl. 13.11.1972) berichtet von seiner Vorgeschichte (vgl. 27.6.1972, 31.10.1972) über seinen Programmvorschlag, zu dem auch auf der heutigen Sitzung des Studentenparlaments keine Alternativen vorgelegt worden seien.
Q: DOS Nr.15,Dortmund o.J. (13.11.1972),S.7

25.10.1972:
An der PH Dortmund soll eine Studentenvollversammlung (SV) mit folgender Tagesordnung stattfinden:
1. Umzug,
2. Sozialbeitragsordnung,
3. Versicherungsfrage,
4. Wohnungsfrage.
Q: DOS Nr.14,Dortmund o.J. (Okt. 1972),S.8

27.10.1972:
Der AStA der PH Dortmund will heute mit einer zweitägigen Einführungstagung für neue StudentInnen an der PH beginnen.
Q: DOS Sdr.Nr. Einführung in das PH-Studium,Dortmund o.J. (1972),S.3 und 39

29.10.1972:
An einer Demonstration in Dortmund gegen den Auftritt von F.J. Strauß (FJS) von der CSU, mit, laut KPD, 200 Teilnehmern, beteiligen sich u.a. KPD und KPD/ML-ZB. Die Route führt zur Reinoldikirche.

Der Termin wird auch bekanntgegeben in einem von der PH Dortmund ausgehenden Aufruf, der auch in der Stadt verbreitet wird (vgl. 23.10.1972).
Q: KPD-OL Dortmund:Strauß raus aus Dortmund!,Dortmund o.J. (29.10.1972); KPD-OL Dortmund:Nur Volksfeinde stehen zur Wahl - ihnen keine Stimme!,Dortmund o.J. (Nov. 1972),S.1; Rote Fahne Nr.67,Dortmund 31.10.1972,S.*; Bawulski,Erwin:Aufruf an die Dortmunder Wähler,Dortmund o.J. (1972)

31.10.1972:
Der AStA der Abteilung Heilpädagogik der PH Dortmund (vgl. 13.11.1972) berichtet von seiner Entstehung (vgl. 24.10.1972, 7.11.1972) vermutlich über heute:"
Seit dem 31.10.1972 hat die Heilpädagogische Abteilung der PH Ruhr endlich einen neuen AStA, nachdem im SP (Studenten-Parlament) wochenlang versucht wurde, diese Wahl hinzuzögern. …

Bis zur letzten SP-Sitzung am 24.10.1972 existierten keine Alternativprogramme. Weil endlich die Notwendigkeit eines neuen AStAs den SP-Mitgliedern einsichtig wurde, wurde unser Programm (Info 4 (vgl. S7.**.1972,d.Vf.)) noch einmal diskutiert, in einigen Punkten konkretisiert und schließlich vom SP durch Mehrheitsbeschluß verabschiedet. Auf der Grundlage dieses Programms wurde

Michael Schaup, 1. Vorsitzender,
M.-L. Sundermeier, 2. Vorsitzender,
Mathias Esser, Finanzreferent.
in den AStA-Vorstand gewählt".
Q: DOS Nr.15,Dortmund o.J. (13.11.1972),S.7

02.11.1972:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 27.11.1972) berichtet von der Abteilung Heilpädagogik u.a. über die heutige Vollversammlung (VV):"
Umzug: Die auf der SV am 2.11.1972 von der Studentenschaft verabschiedete Resolution gegen den Umzugstermin wurde vom AStA an die entsprechenden Stellen weitergeleitet. Diese Resolution wendet sich gegen den Umzugstermin am 18.12.1972, mit der Begründung, daß der ohnehin schon eingeschränkte Studienablauf (ausfallende oder überfüllte Seminare, keine Hörsäle etc.) durch einen Umzug mitten im Semester noch weiter beeinträchtigt bzw. gänzlich lahmgelegt wertde.

ERGEBNIS:
a) KULTUSMINISTER: Anstelle des KuMi antwortete der Wissenschaftsminister. Er schreibt, es sei durchaus genug Zeit für den Umzug und er sähe keine größeren Schwierigkeiten (Schreiben vom 13.11.1972).
b) DEKAN: In einem Gespräch mit dem Dekan stellte sich heraus, daß der Umzugstermin schon lange feststeht (September), daß die Speditionsfirmen schon bestellt sind und der Dekan ebenfalls keine größeren Schwierigkeiten sieht.
c) PRESSE: Die Forderungen der Studentenschaft wurden in einem Artikel der Westfälischen Rundschau (WR,d.Vf*) vom 5.11.1972 dargestellt.
d) STADTVERWALTUNG: Niemand zuständig.
Die Frage wird auf der nächsten SV (vgl. 6.12.1972,d.Vf.) noch einmal behandelt werden."
Q: DOS Nr.16,Dortmund o.J. (Nov. 1972),S.5

02.11.1972:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 27.11.1972) berichtet:"
ERSTEINRICHTUNG DES PH-NEUBAUS

Wie gehabt - für Bildung ist in unserer Gesellschaft das Geld knapp, und die PH, in der keine für die Wirtschaft unmittelbar verwertbaren Akademiker ausgebildet werden, rangiert dabei unter den Hochschulen so ziemlich an letzter Stelle.

Nach Aussagen der auf der Fächergruppenversammlung der Fächergruppe V vom 2. November anwesenden Dozenten ist die Ausstattung des PH-Neubaus mit technischen Geräten und Materialien für die Naturwissenschaften in Frage gestellt, nachdem die PH-Anträge auf Bewilligung von 5,1 Millionen DM für Ersteinrichtungen (gemessen an den für die Universitätsinstitute bewilligten Geldern ein bescheidener Betrag) vom Ministerium zurückgewiesen wurden, da im Landesetat nur 4 Millionen DM für diesen Zweck vorgesehen seien und auch lediglich zur Verfügung ständen. Die PH, und hier insbesondere die kostenintensiven Naturwissenschaften, wurden ersucht, ihre Anforderungen entsprechend zu reduzieren. Die 'Dummen' wären die Studenten, da lt. Auskunft der Dozenten die beantragten Geräte ausschließlich zur Ausstattung der studentischen Arbeitsplätze benötigt würden."
Q: DOS Nr.16,Dortmund o.J. (Nov. 1972),S.8

03.11.1972:
Der AStA der PH Dortmund will heute mit einer weiteren zweitägigen Einführungstagung für neue StudentInnen an der PH beginnen.
Q: DOS Sdr.Nr. Einführung in das PH-Studium,Dortmund o.J. (1972),S.3 und 39

07.11.1972:
Der AStA der Abteilung Heilpädagogik der PH Dortmund (vgl. 31.10.1972, 13.11.1972) berichtet, daß auf der heutigen Sitzung des Studentenparlaments (SP) der Abteilung Marianne Hinken (Studienreferat), Frank Schmidt (Studienreferat), Wilma Kuhl (Sozialreferat) und Rolf Hausberg (Sozialreferat) als Referenten bestätigt wurden.
Q: DOS Nr.15,Dortmund o.J. (13.11.1972),S.7

08.11.1972:
An der PH Dortmund soll eine Sitzung der Studentenkonferenz (SK - vgl. **.**.1972, **.1*.1972) stattfinden.
Q: DOS Nr.14,Dortmund o.J. (Okt. 1972),S.8

13.11.1972:
Die Zelle des KSV der KPD an der PH Dortmund (vgl. 27.11.1972) berichtet:"
PH DORTMUND
DRAUSSEN SCHLAMM - DRINNEN SUMPF

Was die SPD-Landesregierung unter Hochschulreform und dem Aufbau von Gesamthochschulen versteht, haben wir PH-Studenten anläßlich des Umzugs der PH in ein neues Gebäude exemplarisch erfahren. Als wir am 13.11. nach Überwindung der Anfahrtsschwierigkeiten und des unseren neuen Studienort recht intensiv umgebenden Schlamms hoffnungsvoll die PH betraten, wurde klar, daß sich die Studienbedingungen gegenüber den ohnehin schon katastrophalen Verhältnissen in der alten PH eher noch verschlechtert hatten. Dekan Heuers Ankündigung wesentlich verbesserter Studienbedingungen in den neuen Räumlichkeiten entpuppte sich bei näherem Hinsehen als recht realitätsfremd.

Denn:

- es gibt keinen Seminarraum mit mehr als 120 Plätzen,
- in Veranstaltungen mit einer größeren Zahl von Teilnehmern werden diese auf mehrere Räume aufgeteilt. In einem doziert 'live' die Lehrperson, in die anderen Räume wird das dort angebotene per Fernsehen übertragen,
- auch gegenüber politischen Hochschulorganisationen herrschte ein 'neuer Wind': die Hausmeister rissen 'auf Anordnung' alle Plakate politischer Organisationen herunter.

In einem angesichts dieser Zustände von KSV und AStA am 13.11. erzwungenen Gespräch erklärte dann Dekan Heuer

- seiner Auffassung nach böte gerade die ('an sich' bedauerliche) Raumnot Gelegenheit für die Durchführung 'didaktischer Experimente';

- er behalte sich vor, Plakate und Wandzeitungen, deren Inhalt 'nicht mit dem Grundgesetz' (GG,d.Vf.) übereinstimme, abreißen zu lassen;

- es würden keine Räume für politische Organisationen zur Verfügung gestellt;

- er sei nicht bereit, alles dafür zu tun, daß die Vollversammlungen der Studentenschaft ordnungsgemäß abgehalten werden könnten."

Der KSV berichtet zentral (vgl. 22.11.1972) von heute und der VV (vgl. 15.11.1972):"
PH DORTMUND: DRAUSSEN SCHLAMM - DRINNEN SUMPF
GESAMTHOCHSCHULE DORTMUND: EINSPARUNG VON AUSBILDUNGSKOSTEN UND VERSCHÄRFUNG DER KAPITALISTISCHEN KLASSENERZIEHUNG.

Was die SPD-Landesregierung unter Hochschulreform und dem Aufbau von Gesamthochschulen versteht, läßt sich exemplarisch ablesen an dem kürzlich erfolgten Umzug der PH-Ruhr, Abt. Dortmund, in ein neues Gebäude, womit der Aufbau der Gesamthochschule Dortmund eingeleitet werden soll.

Dieselbe SPD-Regierung, die zunehmend jegliches Eingreifen etwa von Agitkolls, Agitprop-Trupps oder auch einzelnen fortschrittlichen Studenten in den Lehrveranstaltungen als 'Störung' und Beeinträchtigung des 'ordentlichen' Lehrbetriebs zu kriminalisieren versucht, hielt hier die Aufrechterhaltung des Lehrbetriebs offensichtlich für nicht so wichtig, als sie den Umzug auf die ersten drei Wochen dieses Semesters verlegte und dadurch den Lehrbetrieb für diese drei Wochen vollständig lahmlegte.

Konnte die daraufhin entstandene Empörung der PH-Studenten noch durch den Hinweis auf bedauerliche zeitliche Fehlplanungen und noch unvorhergesehene Verzögerungen halbwegs beschwichtigt werden, so wurde jedem Studenten spätestens nach Ablauf des Lehrbetriebs in dem neuen Gebäude klar, daß der Aufbau dieser Gesamthochschule alles andere, nur nicht eine Verbesserung der Ausbildungsbedingungen für die Studenten bezwecken sollte.

Denn die PH-Studenten, die noch voller Hoffnung auf verbesserte Studienbedingungen - wie es ihnen Dekan Heuer versprochen hatte - nach einem etwa einstündigen Anmarsch und nach erfolgreicher Überwindung der das neue Gebäude umgebenden Schlammfelder zum ersten Mal mit dem dortigen Lehrbetrieb Bekanntschaft machten, merkten nun spätestens, daß sich die Bedingungen selbst gegenüber der ohnehin schon katastrophalen Situation an der alten PH eher noch verschlechtert hatten. Denn sie mußten feststellen, daß auch dort aufgrund des Raummangels viele Seminare nicht planmäßig abgehalten werden können. Am schlimmsten traf es die Erstsemester:

Da der Bau von Vorlesungssälen, die mehr als 120 Studenten fassen, erst für 1975 'in Aussicht gestellt' ist, machte man aus dieser Raumnot eine 'Tugend' und erfand eine neue Form 'experimenteller Didaktik' (Dekan Heuer), indem man die Studenten einer Groß-Vorlesung auf mehrere Räume verteilte, um sie per Fernsehübertragung aus dem Zentral-Vorlesungsraum an den Ergüssen der vorwiegend reaktionären Profs teilhaben zu lassen.

Daß es sich hierbei nicht um eine, aus einer bedauerlichen Fehlplanung resultierende, nur kurzfristige Notlösung handelte, sondern daß die SPD-Hochschulreform-Strategen eine Ausdehnung dieser neuesten hochschuldidaktischen Errungenschaft auch auf andere Abteilungen fest einplanen, zeigen die Veröffentlichungen des Koordinationsausschusses für die Errichtung einer GHS-Dortmund. Diese Maßnahmen erscheinen der Bourgeoisie aus folgenden Gründen vorteilhaft: Zum einen bedeuten sie eine EINSPARUNG VON AUSBILDUNGSKOSTEN, da ja nun der Bau von Hörsälen nicht mehr in dem Maße notwendig erscheint oder zumindest auf Jahre verschleppt werden kann. Zum zweiten bedeuten die Fernseh-Vorlesungen eine Verschärfung der kapitalistischen Klassenerziehung: Durch die Aufteilung der Studenten auf mehrere Räume wird jede einheitliche Diskussion über die Inhalte der Vorlesung faktisch verhindert, die Unmöglichkeit zumindest für die Studenten in den Übertragungsräumen, in irgendeiner Weise in das Vorlesungsgeschehen durch Fragen oder Kritik einzugreifen, soll die vorwiegend Erstsemester-Studenten von Anfang an an den stupiden und schulmäßigen Ausbildungsdrill gewöhnen und sie auf eine möglichst widerspruchslose Aneignung der bürgerlichen Lehrinhalte verpflichten.

Und sollte es dennoch Studenten geben, die die Inhalte der jeweiligen Vorlesung in Fragen stellen oder gar in organisierter Form dagegen den Kampf aufnehmen, so bieten die Fernsehaufzeichnungen perfekte Beweismittel dafür, um aufmüpfige Studenten dingfest zu machen und sie - wie inzwischen schon wiederholt geschehen - wegen Störung des Lehrbetriebs - zu kriminalisieren.

Ein weiterer Vorteil besteht schließlich darin, daß die Mobilisierung der Studenten durch Vollversammlungen infolge der nicht vorhandenen Versammlungsräume eingeschränkt und damit die politische Arbeit des AStA und aller fortschrittlichen studentischen Organisationen insgesamt weiter erschwert wird.

Dekan Heuer versuchte zwar, sich durch scheinbar fortschrittliches Gerede bei den Studenten anzubiedern, indem er sein 'Verständnis' für deren Empörung und sein Bedauern über die 'Fehlplanungen' und die schlechte Raumsituation bekundete, er zeigte jedoch gleichzeitig, was sich hinter seiner liberalen Maske verbirgt: Der Dekan teilte mit, daß er KEINE RÄUME FÜR POLITISCHE HOCHSCHULGRUPPEN bereitstellen werde. Er drohte weiterhin mit einer ZENSUR DER WANDZEITUNGEN UND PLAKATE, DEREN ENTFERNUNG ER SICH VORBEHALTE, FALLS SIE SEINER MEINUNG NACH NICHT AUF DEM 'BODEN DES GRUNDGESETZES' (GG,d.VF.) stehen."

Berichtet wird auch durch den AStA der PH Dortmund (vgl. 9.4.1973).
Q: Dem Volke dienen Nr.3,Dortmund 22.11.1972,S.7; DOS Extra Sdr.Nr. Einführung in das PH-Studium Ergänzung SS 73,Dortmund o.J. (Apr. 1973),S.10; Kommunistische Studentenpresse PH Dortmund Nr.2,Dortmund Nov. 1972,S.2

13.11.1972:
Der AStA der PH Dortmund gibt vermutlich heute seine 'DOS' - Dortmunder Studentenzeitung Nr.15 (vgl. 23.10.1972, 27.11.1972) mit zwölf Seiten DIN A 4 und folgendem Inhalt heraus:
1. Zur verfaßten Studentenschaft,
2. Reaktionäre Ausländergesetzgebung,
3. Neuer AStA bei den Heilpädagogen,
4. Achtung Biologen,
5. Arbeit mit Obdachlosen,
6. Seminargruppen, Tagungen.

Nachgedruckt wird ein ESG-Flugblatt vom 13.11.1972, aufgerufen wird zur regionalen Demonstration in Bochum (vgl. 15.11.1972), bekanntgegeben werden auch zwei ESG/PGH-Seminare (vgl. 30.11.1972, 2.12.1972) und folgende regelmäßigen Termine:
Montags 18 Uhr 30 Diskussionstreff der GEW-AG, Westfalenschänke Lindemannstraßee
Dienstags 20 Uhr 'Treff' ESG-Heim, Lindemamnstr.68
Donnerstags 19 Uhr Arbeitskreis Heilpädagogen, Stockumer Str.325

Weitere Termine finden sich in folgender Rubrik:"
SEMINARGRUPPEN, TAGUNGEN

GEW/AG:
Politische Ökonomie Schulung der GEW - auch für neue Teilnehmer (aller Semester) Donnerstags 20 Uhr bei Werner Zenker/Königslöw, Mentlerstraße 1 (Eckhaus Krückenweg, Bauernfachwerkhaus)

Vierke: Gesellschaftspolitische Einführung in die Politökonomie, Freitags 10 - 12 Uhr, R. 2.237 (auch für Wirtschaftslehrstudenten)

Gruppe Cramer: Soziale Bedingungen organisierter Lernprozesse, Donnerstags 16 - 18 Uhr, R. 3.310

Gruppe Einführung in die moderne Linguistik - Wagner - Donnerstag 11 ? 13 Uhr, R. 3.310

Grundbegriffe der emanzipatorischen Erziehungswissenschaft, Donnerstags 11 - 13 Uhr, R. 1.112 und 1.211

PGH UND ESG:
Grundlagen der politischen Ökonomie 'Mandel: Einführung in die marxistische Wirtschaftstheorie', Mittwochs 18 - 20 Uhr, ESG-Center

Grundlagen der Bildungsökonomie, Mittwochs 20 Uhr, ESG-Center

Arbeitsgruppe 'Heimerziehung' - Veröffentlichungen per Flugblatt folgen in Kürze - Mittwochs 20 Uhr ESG-Center

Arbeitskreis Kirche und Sozialismus, Dienstags 18 Uhr - ESG-Center

Seminar- bzw. Tutorengruppen:

'Nyssen - Auseinandersetzung mit den Grundlagen marxistischer Pädagogik' Donnerstags 11 - 13 Uhr / z.B. Arbeitsgruppe Karras - Interessenten mögen sich bitte gegen 10 Uhr 45 im AStA bzw. Dienstags 20 Uhr zum Treff im ESG-Center einfinden.

Baer/Kühne: 'Grundbegriffe emanzipatorischer Erziehungswissenschaft', Mittwochs 11 - 13 Uhr".

Im ersten Artikel heißt es:"
ZUR VERFASSTEN STUDENTENSCHAFT

Innerhalb kürzester Zeit wurden Ende Juni (vgl. 22.6.1972,d.Vf.) vier Gesetze zur 'inneren Sicherheit' von allen Parteien des Bonner Bundestages verabschiedet, die in einer Reihe stehen mit z.B. Notstandsgesetzen (NSG - vgl. 31.5.1968,d.Vf.) und dem reaktionären Betriebsverfassungsgesetz (BVG - vgl. 10.11.1971,d.Vf.). Im einzelnen geht es hierbei um - das Bundesgrenzschutzgesetz, das den Bundesgrenzschutz (BGS,d.Vf.) zu einer Bundespolizei macht, die auf Antrag der einzelnen Länder jederzeit zur Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit eingesetzt werden kann;

- die Einführung der Vorbeugehaft, die sich gegen 'Serientäter' wendet, zu denen mit Sicherheit auch Mitglieder fortschrittlicher und revolutionärer Organisationen gerechnet werden, die den Kampf gegen das bestehende Gesellschaftssystem führen;

- das Gesetz zur Änderung des Waffenrechts, durch das das staatliche Waffenmonopol erhalten und ausgebaut werden soll;

- das Gesetz zum Ausbau des Verfassungsschutzes (VS,d.Vf.), mit dem noch mehr 'legale' Möglichkeiten der Überwachung, Bespitzelung, Verfolgung fortschrittlicher und revolutionärer Menschen und Organisationen geschaffen werden;

- das sogenannte 'Querschnittsgesetz', das die politische Betätigung von fortschrittlichen und revolutionären ausländischen Arbeitern, Studenten und Organisationen einschränkt, ja fast unmöglich macht.

In den Rahmen dieser Unterdrückungsmaßnahmen reiht sich ebenfalls der Versuch ein, die VS zu zerschlagen. Die Studentenparlamente wurden nach dem 2. Weltkrieg von den Alliierten eingesetzt. Sie sollten ein Übungsfeld für 'demokratische Verhaltensweisen' sein, um dem Faschismus nationalsozialistischer Prägung entgegenzuwirken. So wurden die ASten quasi zu einer 'demokratischen Spielwiese' und einem Absprungbrett für Karrieristen.

Im Verlauf der Studentenbewegung entwickelten sich die Organe der VS (AStA, SVV, SP u.ä.), in vielen Fällen zu einem Instrument für die Masse der Studenten im gemeinsamen Kampf von Demokraten, Sozialisten und Kommunisten gegen
- den Imperialismus, so gegen die US-Aggression in Indochina;
- die politische Disziplinierung der kommunistischen, sozialistischen und fortschrittlichen Kräfte (Ausschluß vom Studium, Berufs- (BV,d.Vf.) und Lehrverbote seitens der herrschenden Klasse);

- die kapitalistische Hochschulreform (HRG, Länderhochschulgesetze), gegen bürgerliche Klassenerziehung - durchgesetzt z.B. durch Verschärfung der Prüfungen, Steigerung des Ausbildungsdrills, strengere Reglementierung der Studiengänge und NC (vor allem in den Fächern Medizin und Lehrerausbildung), der zu Lasten der medizinischen Versorgung und der Schulausbildung der Kinder der Werktätigen geht;

- die Verschlechterung der Lebensbedingungen der Studenten, wobei der wirtschaftliche Kampf der Studenten so geführt werden muß, daß die Studenten sich nur für solche Forderungen einsetzen, die den gemeinsamen Kampf mit den Werktätigen stärken und hervorheben, z.B. Mietwucher, Preistreiberei, Bodenspekulation.

Diese Ausweitung politischer Aktivitäten seitens der fortschrittlichen Studenten über den ihnen zugebilligten Freiraum der Hochschule hinaus (allgemeinpolitisches Mandat) führten zu neuerlichen Versuchen des bürgerlichen Staates, die Organe der VS aufzulösen (siehe Westberlin und Baden-Württemberg) bzw. ihre Rechte drastisch einzuschränken, d.h. den AStA zu einem bloßen Dienstleistungsbetrieb zu degradieren. Demagogisch wird dabei auf das 'Mitwirkungsrecht' der Studentenvertreter in den Gremien der Hochschule hingewiesen. Konkret bedeutet das: die Arbeit der Studentenvertreter beschränkt sich auf die fachspezifische Seite in den einzelnen Fächergruppen. Die politische Funktion des AStA, der SV und der SK wäre ausgeschaltet. Durch Schweigepflicht und Kooperationszwang sollen die Studentenvertreter als Funktionäre von der gesamten Studentenschaft isoliert und damit auch besser diszipliniert werden. Die Studentenschaft weigert sich, ihre Vertreter in solchen Gremien zu verheizen.

Ebenso wie in allen Teilbereichen der Gesellschaft die fortschrittlichen Kräfte den Kampf aufnehmen gegen Disziplinierungs- und Reglementierungsmaßnahmen, so setzt sich die Studentenschaft gegen die drohende Zerschlagung ihrer Organe und die Einschränkung ihrer Recht zur Wehr.

Zu diesem Zweck hat sich eine Aktionseinheit aller ASten NRW's gebildet, die den Kampf gegen die politische Disziplinierung des bürgerlichen Staates in Betrieb, Schule und Hochschule entschlossen aufnimmt. Bestandteil dieses Kampfes ist die

DEMONSTRATION AM MITTWOCH, 15.11.1972 UM 17 UHR IN BOCHUM AB HUSEMANNPLATZ

Wir fordern alle Studenten auf, ihr Engagement für die Erhaltung der VS durch die Teilnahme an dieser Demonstration zu dokumentieren."

Der zweite Artikel behandelt die:"
REAKTIONÄRE AUSLÄNDERGESETZGEBUNG UND IHRE HINTERGRÜNDE

In den letzten Monaten sind zahlreiche Ausländer aus der BRD ausgewiesen worden. Grund der Abschiebung war in den weitaus meisten Fällen die fortschrittliche Haltung der betroffenen Ausländer. Viele von ihnen kehren in reaktionären Staaten, z.T. Militärdiktaturen, zurück (Griechenland, Persien (Iran,d.Vf.), Spanien etc.), wo sie eine scharfe Verfolgung wegen ihrer oppositionellen Stellung zum jeweiligen Regime erwartet. Lt. WAZ vom 14.10.1972 wurden seit dem Attentat von München bis zum 30.10.1972 (? - vgl. 30.9.1972,,d.Vf.) Ausweisungsbescheide gegen allein 255 Araber erlassen. 98 von ihnen mußten die BRD sofort verlassen. Das im Grundgesetz (GG,d.Vf.) verankerte Recht, gegen jeden Akt öffentlicher Gewalt Rechtsmittel einzulegen (vgl. Grundgesetz, Artikel 19, IV), wurde ihnen nicht zugestanden. Dies ist ein erneuter Beweis dafür, daß rechtsstaatliche Prinzipien bei entsprechenden Erfordernissen unterlaufen werden.

Demagogisch wird behauptet, man müsse die innere Sicherheit vor terroristischen Ausländern schützen. In Wirklichkeit sind alle fortschrittlichen Ausländer betroffen. Das zeigen u.a. die Abmachungen Brandts mit der persischen Regierung. Brandt holte sich in Persien die Zusage von größeren Öllieferungen ab. Nach nicht dementierten Pressemeldungen vom 8. März des Jahres hat sich die von ihm angeführte Delegation als Gegenleistung Verschärfungen des Ausländerrechts in Aussicht gestellt (vgl. 5.3.1972,d.Vf.). Darunter ist wesentlich die weitere Einschränkung der politischen Betätigung von Ausländern zu verstehen (s.u.: 'Querschnittsgesetz').

Hauptgewinner in diesem Spiel sind die Kapitaleigner beider Länder: auf der einen Seite sind deutsche Unternehmer streikbewußte persische Arbeiter los, auf der anderen Seite wird eine sich formierende Bewegung gegen das reaktionäre Schah-Regime und damit gegen persische Unternehmerinteressen zerschlagen.

Rechtlich sind die bereits erfolgten Maßnahmen gegen fortschrittliche Ausländer abgesichert durch das Ausländergesetz von 1965 (vgl. 1.10.1965,d.Vf.) sowie die Grundgesetzänderung und das Verfassungsschutzänderungsgesetz von 1972. Noch schärfere Unterdrückung sieht das geplante Querschnittsgesetz vor, das Änderungen des Ausländergesetzes, des Versammlungs- und Vereinsgesetzes beinhaltet. 'Die verbietbare politische Betätigung von Ausländern umfaßt nun auch die Beeinträchtigung 'auswärtiger Belange' der BRD (Paragraph 6, Abs.2). Von vornherein verboten, ohne daß es einer besonderen Verfügung der Ausländerpolizeibehörde bedarf, soll eine politische Betätigung nun auch dann schon sein, wenn sie 'geeignet ist, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören! (Paragraph 6, Abs.3). Das wäre z.B. der Fall, wenn Ausländer in der Bundesrepublik die Notwendigkeit des Sturzes des Regimes in ihrem Herkunftsland propagierten.' (aus: Die Rote Robe 3/1972 (vgl. Baden-Württemberg - Juni 1972,d.Vf.)).

So soll der berechtigte Widerstand der Ausländer gegen ihre unterprivilegierte Lage in der BRD (menschenunwürdiges Wohnen, schlechte Ausbildung durch z.T. faschistische Lehrer, unsichere Arbeitsplätze etc.), gegen ihre reaktionären Heimatstaaten sowie allgemein gegen jegliche Unterdrückung und Ausbeutung gebrochen werden.

Nur die Solidarität von Arbeitern und Studenten der BRD kann den bedrängten Ausländern helfen. DARUM ARBEITET MIT IN DEM VORBEREITENDEN KOMITEE DORTMUND 'KAMPF DEM AUSLÄNDERGESETZ UND DER POLITISCHEN UNTERDRÜCKUNG'. In diesem Komitee arbeiten der AStA PH Do, KSB/ML Do (der KPD/ML-ZK,d.Vf.), der PGH, Mitglieder der GEW-AG und andere Gruppen mit.

Informiert euch am Brett des Ausländerkomitees über die aktuellen Ereignisse!

Schon jetzt weisen wir auf eine Informationsveranstaltung zu der Lage in Palästina hin, die für den 14.12. 1972 geplant ist."

Der neue AStA der Abteilung Heilpädagogik berichtet über seine Bildung (vgl. 19.6.1972, 7.11.1972) und stellt vor das:"
SEMESTERPROGRAMM DES ASTA

Die Situation an der Hochschule kann nicht isoliert von dem Charakter und der politischen Entwicklung der Gesellschaft betrachtet werden. Deshalb muß die Bestimmung der studentischen Hochschulpolitik zum größten Teil aus der Analyse des Charakters der Hochschule innerhalb der Gesellschaft erfolgen, wobei eine der zentralen Fragen die nach dem Stand und dem Charakter des Klassenkampfes ist. Jeder Übergriff der Herrschenden (GHEG, Berufsverbot, Ausländergesetz usw.) muß in die Entwicklung der gesellschaftlichen Widersprüche unserer Klassengesellschaft eingeordnet werden und den Studenten in einer breiten Informationsarbeit vermittelt werden, damit diese sich ihrer Stellung als Studenten und ihrer späteren Funktion als Lehrer innerhalb unserer kapitalistischen Gesellschaft bewußt werden. Deshalb ist die Vermittlung von Information und ihrer gesellschaftlichen Einordnung einer der Schwerpunkte unserer AStA-Arbeit.

STUDIENREFERAT

Ein weiterer Schwerpunkt der AStA-Arbeit liegt auf dem Studienreferat, in dem vordringlich hochschul- und studienspezifische Probleme in Bezug auf ihre Bedeutung für die Interessen der Studenten und ihre Funktion und Relevanz in der gesellschaftlichen Situation untersucht und vermittelt werden. Außerdem befaßt sich das Studienreferat mit Studienvorbereitung und Einführung, Änderung der Studien- und Prüfungsordnung.

Ein weiteres Arbeitsgebiet wird die Seminararbeit sein. Hierzu bietet der AStA ein Studienkollektiv zum Seminar 'Soziologie der Intelligenzgeschädigten' an (Treffpunkt jeden Donnerstag um 17 Uhr 30 - Stockumer Straße 325).

SOZIALREFERAT

Das Sozialreferat befaßt sich vorwiegend mit Problemen des BAFöG, der Sozialbeitragsodnung, Krankenversicherung sowie der Wohnungs- und Jobvermittlung. Außerdem versucht der AStA in Kürze einen Vertrag für eine kostenlose Rechtsberatung für alle Studierenden abzuschließen.

Der AStA hat feste Sprechstunden eingerichtet, und zwar montags bis freitags von 10 Uhr - 12 Uhr 30. In dieser Zeit stehen wir den Studenten zur Beantwortung aller ihrer Fragen zur Verfügung. Ebenso übernehmen wir auch weiterhin den Verkauf von Testbögen."

Gewarnt wird:"
ACHTUNG BIOLOGEN!

Wir verstehen Biologie keineswegs als eine 'wertfreie' Wissenschaft; sie hat durchaus gesellschaftliche Relevanz. Deshalb hat sich in diesem Semester eine AG gebildet zum Thema UMWELTSCHUTZ UNTER BIOLOGISCHEM UND GESELLSCHAFTSPOLITISCHEM ASPEKT.

Absicht ist u.a. die Umweltschutzmaßnahmen und -vorschläge der verschiedenen Parteien und Verbände kritisch zu analysieren und in den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang einzuordnen.

Wir haben die verschiedenen Problemkreise zunächst zusammengestellt und wollen nun exemplarisch einige ausführlich behandeln. Schwergewicht liegt dabei im ökonomischen und politischen Bereich.

Es ist weiter vorgesehen, das Thema Umweltschutz in diesem Sinne für die Schule aufzuarbeiten, wobei wir vorhandene Unterrichtseinheiten auf ihre Verwendbarkeit untersuchen werden. Wahrscheinlich wird dieses Programm mehr als ein Semester in Anspruch nehmen.

Ein Raum und Material wurde uns von Prof. Stichmann zur Verfügung gestellt. Damit ist die Möglichkeit gegeben, in dieser AG 'kritische Biologie' zu betreiben.

Wir bitten alle interessierten Studenten, also nicht nur Biologen, sich an der AG zu beteiligen. Umweltschutz betrifft auch die Wirtschaftswissenschaft, Politische Bildung, Chemie, Physik und Geologie.

Vorläufiger Termin: Dienstags von _ (?,d.Vf.) bis 10. Raum 4.428 (voraussichtliche Kontaktadresse: Bertke Reiffen, 46 Dortmund-Löttringhausen, Aufenangerstraße 13, Telef.: 7311232."

Berichtet wird auch über die:"
ARBEIT MIT OBDACHLOSEN

Seit Anfang Oktober (vgl. 2.10.1972) arbeitet eine Gruppe von PH- und HPH-Studenten mit Kindern der Obdachlosensiedlung Dortmund-Bövinghausen. Vorerst geben wir Schularbeitenhilfen für Vor-, Grund-, Haupt- und Sonderschulkinder, sind aber mit neun Studenten noch zu wenige, um sinnvoll arbeiten zu können. Wir sind also auf der Suche nach Studenten, die sich aktiv und engagiert beteiligen. Daß zu unserer Arbeit neben der konkreten Schulhilfe auch die Erarbeitung einer theoretisch-politischen Konzeption gehört, versteht sich von selbst.

Die Schularbeitshilfe verlangt von jedem Gruppenmitglied an je zwei Nachmittagen drei Stunden Zeitaufwand. Vorhandenes Auto wäre gut.

Kommt doch mal zu unserem ständigen Gruppentreff: dienstags 20 Uhr bei: Wolfram Königslöw, 46 Dortmund-Schönau, Mentlerstraße 2/Krückenweg 53, Telef.: 714048"
Q: DOS Nr.15,Dortmund o.J. (13.11.1972)

15.11.1972:
Die Zelle des KSV der KPD an der PH Dortmund berichtete vom Umzug (vgl. 13.11.1972):"
Am 15.11. fanden dann die ersten Fernsehveranstaltungen statt. Nach Meinung der PH-Bürokratie sollte also (…) die Freude darüber, daß nunmehr – wenn auch aus einer angeblichen Notsituation heraus - die moderne Technik in entwickeltester Form selbst in der PH ihren Einzug hielt, ungetrübt sein. Denn: wer experimentiert nicht gern?
Im Folgenden drucken wir den Bericht eines Kommillitonen ab, der Gelegenheit hatte, an einem solchen Experiment teilzunehmen:

KORRESPONDENZ AUS EINER FERNSEHVORLESUNG

Am Mittwoch früh (15.11.) ging ich in das Seminar der Psychologiedozentin Dorndorf über 'Grundfragen der Psychologie'. Dort wurde mir sehr schnell klar, was es bedeutet, wenn Dekan Heuer von 'experimenteller Pädagogik bzw. Arbeit in Kleingruppen' als moderner hochschuldidaktischer Methode spricht.

Schon auf dem Flur drängte sich eine große Zahl von Kommillitonen. Beide Räume, also auch der, in dem die 'neue technische Errungenschaft' in Gestalt von zwei Fernsehern stand, waren überfüllt; und etwa 70 Kommillitonen gingen wieder, bevor das Seminar überhaupt angefangen hatte.

Wir anderen hockten uns eng zusammen, besonders im Fernsehraum, in dem kaum Stühle standen. Als dann die Dozentin im Nebenraum und im Fernsehen 'auftrat' und ihren Vortrag anhub, versuchten wir alle, auf engstem Raum irgendwie mitzuschreiben. Wir konnten der Vorlesung im Fernsehen nur folgen, wenn absolute Ruhe herrschte. Rücksichtsvollerweise meinte Frau Dozentin, man sollte doch Bescheid sagen, wenn sie zu schnell spreche. Gelächter und Murren waren die für sie allerdings unhörbare Reaktion im Fernsehraum. Weitere Kommillitonen zogen unzufrieden (von dannen,d.Vf.). Einer rannte dann doch mal rüber, um die 'Meldung' zu überbringen, daß wir im Fernsehraum nicht mitkämen.

Augenblicke später wurde im Vortragsraum allem Anschein nach eine Frage gestellt. Frau Dorndorf antwortete, aber wir im Fernsehraum hatten keine Ahnung, worum es ging. Denn wir hörten nur das, was von dem Mikrophon, das sich die Dozentin an ihren Busen geheftet hatte, übertragen wurde; nicht aber Diskussionsbeiträge der im anderen Raum sitzenden Kommillitonen. Also mußte wieder jemand rüberrennen und fragen, um was es derzeit überhaupt gehe.

Vorteile brachte diese neue Lehrmethode nur für die Raucher im Fernsehraum mit sich. Als Frau Dorndorf die Studenten im Vortragsraum aufforderte, das Rauchen im Vortragsraum einzustellen, meinte jemand im Fernsehraum, daß sie es hier wohl nicht sehen könne und alle rauchten belustigt weiter. Vielleicht besteht das von Herrn Heuer angekündigte Experiment in einer 'Untersuchung von Studenten in 'Kleingruppen', Gruppe A ohne und Gruppe B mit Nikotineinfluß'…

Alle Kommillitonen waren mit den neuen Lernbedingungen sehr unzufrieden und machten ihrem Unmut durch lautstarke Kritik Luft. Einer meinte, er sehe nicht ein, warum er überhaupt noch hier her komme; er habe zu Hause ein Tonbandgerät und DIESER Studiensituation ziehe er das Abspielen eines Bandes - Originalton Dorndorf oder andere - in häuslicher Bequemlichkeit entschieden vor.

Im Mittelpunkt der Kritik stand jedoch, einmal abgesehen von den unmöglichen räumlichen Bedingungen die Frage, wie denn jetzt aus dem Fernsehraum heraus eigentlich noch ein Eingreifen in den Ablauf von Lehrveranstaltungen möglich sei, wie man eigentlich unter diesen Bedingungen den angebotenen Lehrstoff noch hinterfragen, wie unter diesen Bedingungen eine einheitliche Diskussion aller Teilnehmer an einer Lehrveranstaltung noch möglich sei. Die Fernsehvorlesungen zwingen geradezu zu einer völlig kritiklosen Rezeption des dargebotenen Stoffes; sie sollen uns vom Beginn des Studiums an an den stupiden Ausbildungsdrill gewöhnen und uns auf eine möglichst widerspruchslose Aneignung der oft genug sehr reaktionären Ausbildungsinhalte verpflichten."
Q: Kommunistische Studentenpresse PH Dortmund Nr.2,Dortmund Nov. 1972,S.2

15.11.1972:
Die Zelle des PH Dortmund gibt vermutlich heute das folgende Flugblatt mit vier Seiten DIN A 4 ohne Impressum heraus:"
AUFRUF ZUR VV
PH-UMZUG - VERBESSERUNG DER AUSBILDUNG?

IN DER NEUEN PH WIRD ES BIS 1975 KEINE HÖRSÄLE MIT MEHR ALS 120 PLÄTZEN GEBEN!

VOR ALLEM IN DEN EINFÜHRUNGSVERANSTALTUNGEN IM FACHE MATHEMATIK UND ALLEN GRUNDWISSENSCHAFTEN WERDEN DIE VERANSTALTUNGEN AUF MEHRERE RÄUME AUFGETEILT!
DURCH FERNSEHÜBERTRAGUNGEN IN DIE VERSCHIEDENEN RÄUME WERDEN DIESE VORLESUNGEN DURCHGEFÜHRT!

Diese Maßnahmen im Rahmen des PH-Umzugs wurden bisher meistens verschwiegen. Welche Bedeutung haben sie für die PH-Ausbildung?

Die unhaltbare Überfüllung vieler Seminare in der alten PH wird sich weiter verschlechtern. Hoffnungslose Überbelegung der Räume wird zum Erscheinungsbild in den nächsten Jahren gehören. Die Ausbildung der späteren Lehrer der Kinder der Werktätigen wird noch weiter verschlechtert.

Für die meistbesuchten Veranstaltungen für Erstsemester sind Fernsehübertragungen geplant. Die Folge wird sein, daß die neuen Studenten, ohnehin ratlos vor dem PH-Studienbetrieb stehend, eingeschüchtert werden. Die kapitalistische Klassenerziehung wird weiter intensiviert, d.h. durch diese Maßnahmen können formalisierte Methoden verstärkt den neuen Studenten eingetrichtert werden. Der Zusammenhang zu den eigentlichen Studieninhalten wird gar nicht behandelt, geschweige denn der zur Berufspraxis. Auf die Frage nach der Bedeutung und der Anwendung der Wissenschaft wird keine befriedigende Antwort gegeben. Ziel dessen ist, die Ausbildung von Lehrern, die später in der Schule die ihnen eingetrichterte Ideologie den Kindern der Werktätigen sollen.

Zwar war dies schon die Praxis in den Einführungsveranstaltungen in den letzen Jahren, mit dem Mittel der Fernsehübertragung jedoch wird den Studenten die letzte Möglichkeit genommen, durch Fragen und Diskussionen in den Veranstaltungen sich gegen diese Indoktrination zu wehren, und zu fragen, wem nützt diese Ausbildung.

Kommillitonen,
Welch ein Hohn war da das Auftreten des Dekan Heuer auf der Studieneinführungsveranstaltung (vgl. S1*11.1972,d.Vf.), als er einer Vertreterin des Kommunistischen Studentenverbandes, die auf diese Absichten hinwies, antwortete 'Arbeit in großen Vorlesungen ist nicht mehr up to date, modern ist Kleingruppenarbeit'. Wie kann man den zwang bei einer Fernsehübertragung widerspruchslos mitschreiben zu müssen als Kleingruppenarbeit bezeichnen?

Zu den Folgen des PH-Umzugs versucht die PH-Bürokratie jedoch meistens sich auszuschweigen oder sie versucht mit lächerlichen Hinweisen auf die Verzögerung der Bauabschnitte durch die Baufirmen abzublocken! Sie befürchtet wohl Kampfmaßnahmen der Studenten gegen diese neue Variante der kapitalistischen Ausbildung. Diese Rechnung wird jedoch nicht aufgehen!

WIR FORDERN: SOFORTIGE OFFENLEGUNG ALLER PLÄNE ZUR EINRICHTUNG VON FERNSEHÜBERTRAGUNGEN IN GROSSEN VORLESUNGEN UND SEMINAREN!

Diese ersten Maßnahmen im Rahmen des PH-Umzugs sind Teil der von der SPD geplanten und durchgeführten Neuordnung der Hochschulen. Werden diese Maßnahmen noch als 'fortschrittlich' und im 'Interesse der werktätigen Bevölkerung' stehend dargestellt, so zeigt doch dieses eine Beispiel an der PH schon den reaktionären, gegen das Volk gerichteten Charakter dieser Umstrukturierung. Gezielter Numerus Clausus (NC,d.Vf.), obligatorische Studienberatung, zentrale Hochschulstatistik, niedergelegt im Gesamthochschulerrichtungsgesetz (GHEG), sowie die im Hochschulrahmengesetz (HRG,d.Vf.) festgelegten Pläne, die verfaßte Studentenschaft zu zerschlagen, verbunden mit einem Ordnungsrecht, das fortschrittliche Studenten, die eine reibungslose Durchsetzung der reaktionär-bürokratischen Hochschulreform gefährden, politisch disziplinieren soll - das sind die beabsichtigten Schritte der Kapitalisten, ihres Staatsapparats und dessen Handlanger in der Unibürokratie. (Bekannt geworden ist z.B. schon, daß an der neuen PH keine Räume für politische Organisationen zur Verfügung gestellt werden!)

Der Kommunistische Studentenverband wird auf der heutigen Studentenvollversammlung einen Aktionsausschuß bilden, der die genauen Schritte zur Verwirklichung dieser Pläne untersuchen wird und auf einer nächsten Vollversammlung nach dem Umzug konkrete Kampfmaßnahmen gegen diesen Angriff auf die demokratischen Rechte des Volkes und die Schulausbildung der Kinder der Werktätigen vorschlagen wird.

WIR FORDERN DEN DEKAN HEUER AUF, AUF DER HEUTIGEN VOLLVERSAMMLUNG ÖFFENTLICH STELLUNG ZU BEZIEHEN ZU DIESEN NEUEN MASSNAHMEN!"

In einem zweiten Abschnitt wird gefragt:"
FORTSCHRITTLICHE ASTA-POLITIK?
'AUSLÄNDISCHE KOMMILITONEN, WENN IHR BEDROHT SEID, RUFT DIE ESG AN!'
'SOLIDARITÄT MIT DEN SPANISCHEN OPELKOLLEGEN!'

Der PGH und die PGH-Fraktion im AStA haben in der letzten Zeit durch Flugblätter und Klebezettel behauptet, sie würden die Kämpfe der ausländischen Arbeiter und Studenten gegen die Verschärfung der Ausländergesetze wirkungsvoll unterstützen wollen.

Gerade heute - in einer Situation, in der ausländische Arbeiter und Studenten ständig bedroht sind, aus der BRD ausgewiesen zu werden, teilweise in ihre faschistischen Heimatländer verschleppt zu werden - muß es uns gelingen einheitlich gegen diese Maßnahmen der SPD-Regierung vorzugehen. Das hat sogar der AStA selbst betont in seiner ersten Ausgabe der DOS (vgl. S2.**.1972,d.Vf.).

Wie sieht aber die praktische Politik und der Wunsch nach Einheit beim PGH aus?

Der AStA der PH hat die erfolgreiche Solidaritätsdemonstration (vgl. 21.10.1972,d.Vf.) für die Opelkollegen, die Protestkundgebung vor den Opelwerken (vgl. 17.10.1972,d.Vf.) nicht unterstützt, sondern vielmehr versucht, zu verhindern, daß auch die PH-Studenten sich aktiv für die Opelkollegen einsetzen!

Erster Schritt war die Verweigerung des Drucks eines Flugblatts, dessen Inhalt eine vom Bochumer Solidaritätskomitee zur Unterstützung des Opelstreiks ausgearbeitete Resolution war.
Begründung: SIE SEI VOM KSV, DER KSV WOLLE DEM ASTA EINE POLITISCHE LINIE UND AKTION AUFZWINGEN.

Zweiter Schritt: Die Weigerung des AStA, eine Solidaritätskundgebung zu unterstützen.
Begründung: SIE SEI IN BOCHUM UND HABE MIT DEN ÖRTLICHEN AKTIVITÄTEN IN DORTMUND NICHTS ZU TUN.

Dritter Schritt: Boykott der Demonstration von 600 Menschen für die Einstellung des entlassenen spanischen Kollegen bei Opel in Bochum.
Begründung: SIE ENTSPRÄCHE NICHT DER BEWEGUNG UNTER DEN OPELKOLLEGEN, SIE SEI 'SPONTANEISTISCH' UND 'AKTIONISTISCH'.

Unterstützung dieser Aktivitäten hätte aber gerade bedeutet, den AStA tatsächlich - wie es immer von dem PGH beschworen wird - als ein Kampfinstrument zu benutzen, durch ihn zu erreichen, daß die Solidaritätsbewegung auch in die PH-Studenten getragen worden wäre, daß die Opelkollegen sich auch auf die Abwehrfront an der PH hätten stützen können.

Zwölf spanische Kollegen wurden verhaftet, beim Streik gegen die Entlassung ihres Sprechers, des Kollegen LARA, die oppositionelle Liste 2 bei Opel kämpft mutig für die sofortige Wiedereinstellung dieses Kollegen, rief die Opelarbeiter durch ein Flugblatt auf, sich an der Demonstration zu beteiligen

- der PGH/GEW AStA weigerte sich konkrete Unterstützungsmaßnahmen zu ergreifen, den 'konkreten Kampf'' zu führen, den er so oft im Munde führt. Auf der heutigen Vollversammlung sind der AStA und alle anderen Organisationen, die im 'Vorbereitenden Komitee zum Kampf gegen die reaktionären Ausländergesetze' zusammengeschlossen sind und die Demonstration ebenfalls nicht unterstützt haben uns eine Erklärung für eine derartige Politik schuldig!

Diese Politik des PGH findet ihre Ergänzung in dem Versuch im AStA, die politische Arbeit des KSV zu unterbinden bzw. politisch zu zensieren.

1. Vor einem Semester hatte es der PGH bereits abgelehnt, daß Genossen des KSV an der AStA-Einführungsfreizeit teilnehmen.
Begründung: Der KSV wolle dort den ideologischen Kampf führen und das verstünden die Erstsemester überhaupt noch nicht!

2. Der PGH hat in der letzten Zeit den Beschluß gefaßt, dem KSV grundsätzlich keine Räume in der ESG zur Verfügung zu stellen.
Begründung: Der KSV spalte die Bewegung unter den Studenten und diene damit der Konterrevolution.

3. Inzwischen ist faktisch ein Druckverbot für den KSV durch die PGH-Fraktion im AStA verhängt.
Begründung: Die AStA-Drucker vom PGH sehen keine Veranlassung, den KSV in irgendeiner Weise zu unterstützen, indem sie Flugblätter drucken, deren politische Linie sie nicht selbst vertreten.

IM FALL DER UNTERSTÜTZUNG DES KAMPFS DER OPELKOLLEGEN HAT DAS KONKRET BEDEUTET:
VERHINDERUNG DES DRUCKS EINES FLUGBLATTES, WELCHES DIE STUDENTEN ZU EINER PROTESTKUNDGEBUNG IN BOCHUM AUFRIEF!
DAS WAR OFFENE SABOTAGE DER SOLIDARITÄTSBEWEGUNG FÜR DIE OPELKOLLEGEN IN BOCHUM!

Die Beschneidung der politischen Rechte, Maßnahmen der politischen Disziplinierung und der politischen Zensur - das sind die Mittel, mit denen die Kapitalisten durch ihre SPD-Regierung gegen Sozialisten und Kommunisten vorgehen.

Die Maßnahmen des PGH bedeuten faktisch das Gleiche: Verhinderung der Arbeit von Sozialisten und Kommunisten an der PH, zumindest der Versuch dazu!

Alle Beteuerungen des PGH, der AStA stelle seine Druckmaschinen den fortschrittlichen Studenten und ihren Organisationen zur Verfügung, haben ihren phrasenhaften Charakter mit den letzten Maßnahmen deutlich gezeigt.

Kommillitonen,

Es muß uns darum gehen, vom AStA zu erzwingen, daß er sofort und bedingungslos die Druckmaschinen für alle fortschrittlichen Studenten und ihre Organisationen zur Verfügung stellt, wollen wir in Zukunft verhindern, daß die Arbeit von fortschrittlichen Organisationen an der PH durch den AStA boykottiert wird!

Auf der heutigen Vollversammlung wird sich der AStA entscheiden müssen, Unterstützung der fortschrittlichen Organisationen an der PH durch die Bereitstellung von Druckmöglichkeiten - oder Boykott der politischen Arbeit von Sozialisten und Kommunisten!

SOFORTIGE AUFHEBUNG DES DRUCKVERBOTS FÜR DEN KOMMUNISTISCHEN STUDENTENVERBAND!

SOFORTIGE UND BEDINGUNGSLOSE BEREITSTELLUNG DER ASTA-DRUCKMASCHINEN FÜR ALLE FORTSCHRITTLICHE STUDENTEN UND IHRE ORGANISATIONEN!"
Q: KSV-Zelle PH Dortmund:Aufruf zur VV,o.O. (Dortmund) o.J. (15.11.1972)

15.11.1972:
An der PH Dortmund erscheint vermutlich heute oder in den nächsten Tagen ein Flugblatt mit der Resolution der heutigen VV (vgl. 16.11.1972), zu deren Besuch u.a. der KSV der KPD aufrief (vgl. 15.11.1973), sowie einer weiteren, die von AStA, PGH, der GEW-AG und dem KSV unterzeichnet ist.

Der erste Text lautet:"
RESOLUTION DER SSV VOM 15.11.1972

Nach dem Wiederbeginn des Studiums am 13.11. im neuen PH-Gebäude wurden die bisher heruntergespielten Auswirkungen des Umzugs in aller Schärfe deutlich.

Es fehlen Seminarräume, die mehr als 120 Studenten fassen. Die Folge ist, daß in völlig überfüllten Räumen notdürftig der Stoff heruntergespult wird. Besonders in den Veranstaltungen für Erstsemester soll diesem Mißstand durch den Einsatz von Fernsehübertragungen in andere Räume abgeholfen werden. Die hier versammelten Studenten weisen die Äußerung des Dekans, daß man diese Raumlage zur Erprobung experimenteller Pädagogik benutzen kann, auf's schärfste zurück und erklären:

Mit den Mitteln der Fernsehübertragungen wird verhindert, daß die Studenten den Sinn der Veranstaltung hinterfragen, sich gegen reaktionäre Lehrinhalte zur Wehr setzen.

Ungestört soll besonders in den Einführungsveranstaltungen den Studenten die Ideologie der herrschenden Klasse eingepaukt werden. Diese Fernsehübertragungen bedeuten eine erneute Verschärfung der kapitalistischen Klassenerziehung an der PH und stellen letztendlich einen erneuten Angriff auf die Schulausbildung der Kinder der Werktätigen dar.

KAMPF DER STÄNDIGEN VERSCHLECHTERUNG DER SCHULAUSBILDUNG DER KINDER DER WERKTÄTIGEN!
WEG MIT DEN FERNSEHÜBERTRAGUNGEN ALS MITTEL DER VERSCHÄRFUNG DER KAPITALISTISCHEN KLASSENERZIEHUNG!

Diese Fernsehübertragungen sind weiterhin ein Mittel die Arbeit fortschrittlicher Studenten und ihrer Organisationen zu kontrollieren und zu bespitzeln. Die Möglichkeit von den Fernsehübertragungen Aufzeichnungen zu machen, bedeutet, daß die PH-Verwaltung und ihre Auftraggeber jederzeit nachprüfen können, wo und wann Studenten sich gegen die reaktionären Lehrinhalte zur Wehr gesetzt haben. Wir fordern deshalb:
SOFORTIGE OFFENLEGUNG DES VERWENDUNGSZWECKES FÜR DAS FERNSEH-MATERIAL!"

Im zweiten Text heißt es:"
VERSTÄRKTE POLITISCHE UNTERDRÜCKUNG AN DER PH

Die Hochschule ist nicht bereit, den studentischen Hochschulgruppen Räume zur Verfügung zu stellen. Dies bedeutet eine erhebliche Einschränkung der Arbeit der politischen Hochschulgruppen. Hierbei handelt es sich besonders um die Beeinträchtigung der Seminararbeit; außerdem besteht keine Möglichkeit, Informationsmaterial und Bücher unterzubringen. Auch regelmäßige Sprechstunden können nicht abgehalten werden. Da außer der Cafeteria für die Studentenschaft keine Räume als Kommunikationszentrum zur Verfügung stehen, ist die Weigerung der Hochschule als Angriff auf das Recht der Studenten auf politische Aktivitäten und Information zu sehen.

Ebenfalls in diesem Zusammenhang ist die Stellungnahme des Dekans zur Plakatierung in der PH zu sehen.

Auf den 'erlaubten' Flächen dürfen nur Plakate hängen, deren Inhalt mit dem Grundgesetz (GG,d.Vf.) zu vereinbaren wäre. Das Grundgesetz wird jedoch durch Erlasse und andere Gesetze erheblich eingeschränkt (Berufsverbot (BV,d.Vf.)).

Dies bedeutet, daß politische Zensur ausgeübt wird.

KAMPF DER POLITISCHEN DISZIPLINIERUNG FORTSCHRITTLCHER STUDENTEN UND DOZENTEN!
SOFORTIGE BEREITSTELLUNG VON RÄUMEN FÜR ALLE FORTSCHRITTLICHE ORGANISATIONEN!
KAMPF DER POLITISCHEN ZENSUR VON PLAKATEN FORTSCHRITTLICHER STUDENTEN UND IHRER ORGANISATIONEN!
WEG MIT DIESER ANWENDUNG DES REAKTIONÄREN RAU-ERLASSES!
GEGEN DIE ZERSCHLAGUNG DER VERFASSTEN STUDENTENSCHAFT!
FÜR DAS POLITISCHE MANDAT!
GEGEN DIE VERHINDERUNG DER SV's DURCH DAS FEHLEN EINES GEEIGNETEN VERSAMMLUNGSRAUMES!"

Veröffentlicht wird diese Resolution auch durch den AStA der PH (vgl. 11.12.1972).

Die Zelle des KSV der KPD an der PH Dortmund (vgl. 27.11.1972) berichtet:"
1. VOLLVERSAMMLUNG AM 15.11.

Am Nachmittag des 15.11. fand die erste Studentenschaftsvollversammlung statt, auf der über den Umzug und die Einführung der Fernsehveranstaltungen diskutiert wurde. Der anwesende Dekan versuchte, den Umzug und die Fernsehveranstaltungen trotz allem als 'Fortschritt' auszuweisen und hielt auch sonst an seinen am 13.11. geäußerten Positionen fest. Er wurde ausgepfiffen und verließ (wegen einer Abteilungskonferenz) vorzeitig die VV.

KSV, AStA und die ihn tragenden Gruppen legten auf der VV eine Resolution vor, in der es hieß:

RESOLUTION
'Die hier versammelten Studenten weisen die Ausführung des Dekans, daß man diese Raumlage zur Erprobung experimenteller Pädagogik benutzen kann, aufs schärfste zurück und erklären: mit dem Mittel der Fernsehübertragung wird verhindert, daß die Studenten den Sinn der Lehrveranstaltung hinterfragen, sich gegen reaktionäre Lehrinhalte zur Wehr setzen. Ungestört soll besonders in den Einführungsveranstaltungen den Studenten die Ideologie der herrschenden Klasse eingepaukt werden. Diese Fernsehübertragungen bedeuten eine erneute Verschärfung der kapitalistischen Klassenerziehung an der PH und stellen letztendlich einen erneuten Angriff auf die Ausbildung der Kinder der Werktätigen dar.

KAMPF DER STÄNDIGEN VERSCHLECHTERUNG DER SCHULAUSBILDUNG DER KINDER DER WERKTÄTIGEN!
WEG MIT DEN FERNSEHÜBERTRAGUNGEN ALS MITTEL ZUR VERSCHÄRFUNG DER KLASSENERZIEHUNG!'

Diese Resolution wurde bei nur zehn Gegenstimmen (RCDS (der CDU,d.Vf.) und SLH, die behaupteten, die Fernsehvorlesungen seien das 'kleinere Übel') angenommen. Die Vollversammlung beschloß darüberhinaus, einen AKTIVEN FERNSEHBOYKOTT durchzuführen."

Der KSV (vgl. 13.11.1972, 16.11.1972) berichtet zentral (vgl. 22.11.1972):"
Auf einer kurzfristig einberufenen VV zeigten die PH-Studenten, daß sie den Charakter dieser 'Reformmaßnahmen' erkannt haben und daß sie nicht bereit sind, die Angriffe der SPD-Landesregierung und ihrer Gehilfen an der PH kampflos hinzunehmen. Der anwesende Dekan kam diesmal mit seinem 'Diskussionsbeitrag' nicht durch sondern wurde ausgepfiffen, worauf er es vorzog, schnell wieder die VV zu verlassen. Mit nur zehn Gegenstimmen (RCDS und der DSU - Dortmunder Studenten Union) verabschiedete die Studentenschaft eine Resolution der KSV-Zelle PH, des AStA und der ihn tragenden Gruppen. Es wurde beschlossen, unter folgenden Hauptparolen den Kampf aufzunehmen:
- KAMPF DER STÄNDIGEN VERSCHLECHTERUNG DER SCHULAUSBILDUNG DER KINDER DER WERKTÄTIGEN!
- WEG MIT DEN FERSEHÜBERTRAGUNGEN ALS MITTEL DER VERSCHÄRFUNG DER KAPITALISTISCHEN KLASSENERZIEHUNG!
- KAMPF DER POLITISCHEN DISZIPLINIERUNG FORTSCHRITTLICHER STUDENTEN UND DOZENTEN!
- SOFORTIGE BEREITSTELLUNG VOM RÄUMEN FÜR ALLE FORTSCHRITTLICHEN ORGANISATIONEN!
- KAMPF DER POLITISCHEN ZENSUR VON PLAKATEN FORTSCHRITTLICHER STUDENTEN UND IHRER ORGANISATIONEN!
- GEGEN DIE VERHINDERUNG DER STUDENTISCHEN VV'S DURCH DAS FEHLEN EINES GEEIGNETEN VERSAMMLUNGSRAUMES!

Nahezu einstimmig wurde ein aktiver Boykott der Fernseh-Vorlesungen beschlossen, sowie die Forderung nach sofortiger Einrichtung eines Hörsaal-Schnellbaus aufgestellt. Die PH-Bürokratie wurde durch die Kampfentschlossenheit der Studenten so aufgeschreckt, daß sie die Fernsehveranstaltungen vorläufig absetzte. Obwohl dies schon als ein erster Teilerfolg anzusehen ist, versuchte die Unibürokratie mit diesem Schritt natürlich, dem Kampf der Studenten die Spitze abzubrechen und den Boykott ins Leere laufen zu lassen."

Der AStA der PH Dortmund (vgl. 11.12.1972) veröffentlicht zum StW auch die:"
Resolution der SSV am 15.11.1972

Die SV möge beschließen, das Studentenwerk aufzufordern, ein zweites Essen in der Mensa bereitzustellen. Zu diesem Zweck schlagen wir vor, eine provisorische Küche in einem Anbau einzurichten. Das ist nach Aussage des staatlichen Hochbauamtes kein Problem. Die zusätzlich angebotenen Gerichte ersetzen kein warmes Mittagessen, und sind teurer als der Mittagstisch. Für Studenten und Angestellte, die regelmäßig in der Cafeteria zu Mittag essen, sind diese Preise nicht tragbar, gemessen an ihrem durchschnittlichen Einkommen.

Im letzten Jahr verminderte sich durch den allgemeinen Preisauftrieb im Durchschnitt um 6%, insbesondere durch Mietpreissteigerungen (im Studentenwohnheim in der Stockumer Straße 50%, im ESG-Wohnheim kosten 15qm 170 DM) und durch die Tatsache, daß bei der Berechnung der BAFöG-Beträge die Freibeträge nicht dynamisiert sind, das Einkommen der Studenten beträchtlich.

Außerdem fordern wir, daß die Öffnungszeiten der Cafeteria von 16 Uhr auf 18 Uhr ausgedehnt werden. Es würde ein/e Angestellte/r für die Bewirtung in diesem Zeitraum ausreichen.

Die Lage des PH-Gebäudes - weit entfernt von Ortschaften und Gaststätten - macht es erforderlich, daß den Studenten, Angesellten und Arbeitern für Pausen Getränke und kaltes Buffet angeboten werden.

Die halbtags beschäftigten Arbeiter und Angestellten im Haus müssen z.T. einen Preis von 2, 10 DM für ein Mittagessen bezahlen. Es ist nicht einzusehen, warum Angestellte und Arbeiter, die von der oben dargestellten Situation ebenso betroffen sind, einen höheren Preis bezahlen sollen.

Wir fordern daher
ausreichendes Essen (2.Essen) fÜr alle (Studenten, Arbeiter, Angestellte) zu gleichen Preisen!"
Q: Kommunistische Studentenpresse PH Dortmund Nr.2,Dortmund Nov. 1972,S.3f; PH Dortmund:Resolution des AStA, der PGH, der GEW-AG und des KSV,Dortmund o.J. (1972); PH Dortmund:Resolution der SVV vom 15.11.1972,Dortmund o.J. (Nov. 1972); KSV-Zelle PH Dortmund:Aufruf zur VV,o.O. (Dortmund) o.J. (15.11.1972); Dem Volke dienen Nr.3,Dortmund 22.11.1972,S.7; DOS Nr.17,Dortmund o.J. (Dez. 1972),S.3, 13 und 15

16.11.1972:
Die Zelle des KSV der KPD an der PH Dortmund berichtet (vgl. 15.11.1972):"
Auf der VV am 16.11. wurden die Kampfmaßnahmen gegen die neuen Studienbedingungen weiter konkretisiert. Nahezu einstimmig wurde die Forderung nach dem sofortigen Bau einer Großbaracke sowie der Einrichtung von Tutorenkursen, die von fachlich unabhängigen, d.h. unabhängig von Kontrolle und Disziplinierung der Seminarleiter arbeitenden bezahlten Tutoren durchgeführt werden. Diese Tutoren werden von den Fachbereichsvollversammlungen gewählt.

Auf Antrag des KSV wird zudem ein Brief an das Kultusministerium ebenfalls fast einstimmig verabschiedet, in dem das KuMi aufgefordert wird, auf einer Vollversammlung in der nächsten Woche zu unseren Forderungen Stellung zu nehmen.

Schließlich wurde ein Aktiv gegründet, das bis zur nächsten VV den aktiven Fernsehboykott organisiert und die Entwicklung konkreterer Vorstellungen zum Tutorenwesen in Angriff nehmen soll.

AKTIVER BOYKOTT!"

Der KSV berichtet zentral (vgl. 22.11.1972) von gestern und heute:"
Auf einer zweiten Versammlung bekräftigen die Studenten jedoch ihren Willen, ihren Kampf bis zur endgültigen Abschaffung der Fernsehübertragungen und bis zur Bewilligung eines kurzfristig zu errichtenden Hörsaal-Schnellbaus fortzusetzen."

Der AStA der PH Dortmund (vgl. 27.11.1972) berichtet vermutlich von heute (vgl. 21.11.1972):"
ZUR MENSAFRAGE

Die Studentenschaft hat sich auf der letzten SV über die Zustände der Mensaversorgung beschwert. In der einstimmig angenommenen Resolution wurde darauf hingewiesen, daß die Versorgung mit nur einem Essen, die ungleichen Preise für Studenten, Arbeiter und Angestellte der PH und die frühe Schließung der Cafeteria (ab 15 Uhr 30) nicht tragbar seien.

Das Studentenwerk (StW,d.Vf.) wurde aufgefordert, konkrete Schritte zur Beseitigung der desolaten Lage einzuleiten."

Der AStA der PH Dortmund (vgl. 27.11.1972) berichtet auch (vgl. 23.11.1972):"
Aufgrund der unhaltbaren Situation an unserer PH verabschiedete die Studentenvollversammlung am 16.11.1972 eine Resolution, in der bezahlte studentische Tutoren und die Errichtung einer Baracke gefordert werden. Eine Arbeitsgruppe wurde beauftragt mit der Erarbeitung von Grundlagen für dieses Tutorenprogramm. In dieser Arbeitsgruppe arbeiten bisher Vertreter beider Gruppen des AStA, der PGH (Projektbereich Gesamthochschule), die GEW-AG (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft-Arbeitsgemeinschaft) sowie der KSV (Kommunistischer Studentenverband) und der MSB Spartakus (der DKP,d.Vf.) mit. Darüberhinaus sind alle Interessenten eingeladen, sich an der Arbeit dieser Tutorengruppe zu beteiligen."
Q: Dem Volke dienen Nr.3,Dortmund 22.11.1972,S.7; DOS Nr.16,Dortmund o.J. (Nov. 1972),S.3 und 6; Kommunistische Studentenpresse PH Dortmund Nr.2,Dortmund Nov. 1972,S.4

17.11.1972:
In Bonn wird, laut KSV der KPD, Hannes Heer vom Dienst an den Gewerblichen Bildungsanstalten nach einer Pressekampagne (vgl. 16.11.1972) suspendiert, womit sein Berufsverbot (BV) vorbereitet wird.
Neben anderen Resolutionstexten (vgl. NRW 27.11.1972) wird bundesweit vom KSV (vgl. 22.11.1972) und in NRW vom KOV auch der folgende verbreitet:"
SOFORTIGE WIEDEREINSTELLUNG VON HANNES HEER
SOLIDARITÄTSERKLÄRUNG

Ich verurteile die undemokratische und verleumderische Hetze gegen Hannes Heer, wie sie von der bürgerlichen Presse, dem Bund Freiheit der Wissenschaft (BFdW,d.Vf.), der Universitätsbürokratie, von Regierungsstellen und Gerichten betrieben wird.

Ich verurteile die Versuche der Universitätsbürokratie und der Justiz, Anklagen gegen fortschrittliche Studenten und Intellektuelle aus den Verleumdungen, Lügen und Meineiden reaktionärer Universitätsangehöriger und Spitzel zu konstruieren.

Ich verurteile die Kriminalisierungsversuche gegenüber fortschrittlichen Studenten und Intellektuellen und fordere deshalb:

- die sofortige Wiedereinstellung von Hannes Heer in den Schuldienst,
- die Beendigung der Kriminalisierung gegen fortschrittlichen Studenten und Intellektuellen
- und die Aufhebung des Hamburger Erlasses und der gegen fortschrittliche Lehrer gerichteten Innenminister-Beschlüsse."

Diesen Text verbreitet auch die Zelle des KSV der KPD an der PH Dortmund (vgl. 27.11.1972), die aufruft:"
SOLIDARITÄT MIT HANNES HEER!

Am 17.November, gerade noch rechtzeitig vor der Wahl, suspendierte der Kölner Regierungsprräsident Heydecke (SPD) den Genossen Hannes Heer vom Schuldienst.

Hannes Heer unterrichtete seit dem 1.9.1972 in der Gewerbe- und Fachoberschule der gewerblichen Bildungsanstalt Bonn in den Fächern Deutsch und Geschichte. Ausgelöste wurde die Suspendierung durch eine Pressekampagne, die die erzreaktionäre 'Bonner Rundschsau' nach Absprache mit den örtlichen CDU-Führern und BFdW-Bundessprecher Scheuch gestartet hatte.

Die Bezirksregierung begründet die Suspendierung so: ein Mann, der wegen Körperverletzung, Landesfriedensbruch und Nötigung angeklagt ist, kann für die heranwachsenden jungen Menschen kein Vorbild sein. Richtig, Hannes Heer ist als Aushängeschild der NRW-Bildungsminister Rau und Girgensohn untauglich, er ist kein Propagandist des Reformismus, der Hetze gegen Kommunisten und andere fortschrittliche Menschen, der militaristischen Erziehung und der weltweiten Ausbeutung und Unterdrückung der Völker. Er infiziert die Schüler nicht mit diesem Gift, er ist kein Lakai der Bourgeoisie, sondern ihr entschiedener Gegner. Er ist vielmehr vielen Studenten, Professoren und Wissenschaftlern in Bonn und in allen Hochschulstädten der BRD und Westberlin als ein entschiedener Kämpfer und Verfechter der demokratischen Rechte des Volkes sowie durch seine schriftstellerische Tätigkeit bekannt. Viele Studenten und Intellektuelle haben gemeinsam mit ihm 1967/1968 wie heute gegen die imperialistische Politik der SPD/FDP Regierung und gegen einzelne reaktionäre Maßnahmen wie gegen den Hamburger Erlaß oder das Verbot des politischen Mandats der Asten gekämpft.

Ihrem gemeinsamen Kampf wird der Prozeß gemacht, indem Hannes Heer mit Berufung gerade auf diesen Kampf vom Schuldienst suspendiert wird! Die breite Solidarität und Unterstützung hat 1967/1968 die ersten Versuche von Unibürokratie und Klassenjustiz, den Genossen zu kriminalisieren, durchkreuzt. Heute darf es nicht anders sein!

SOFORTIGE WIEDEREINSTELLUNG VON HANNES HEER IN DEN SCHULDIENST!
SCHLUSS MIT DER KRIMINALISIERUNG VON FORTSCHRITTLICHEN STUDENTEN!
KAMPF DER ILLEGALISIERUNG SOZIALISTISCHER UND KOMMUNISTISCHER ORGANISATIONEN!
WEG MIT DEM HAMBURGER ERLASS!
SOLIDARITÄT MIT HANNES HEER!"
Q: Kommunistische Studentenpresse PH Dortmund Nr.2,Dortmund Nov. 1972,S.16; Schulkampf-NRW Einlage Nr.3,o.O. o.J. (Dez. 1972),S.1f und 7; KSV-RK NRW:Kommt zu den Tribunalen gegen die politische Disziplinierung,o.O. o.J. (Nov. 1972); KSV-RK NRW:Androhung des Berufsverbots für Hannes Heer,o.O. o.J. (Nov. 1972); Dem Volke dienen Nr.3,Dortmund 22.11.1972,S.1f

21.11.1972:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 27.11.1972) berichtet von der Mensafrage, zu der auf der Studentenvollversammlung (SV - vgl. 16.11.1972) eine Resolution verabschiedet wurde:"
Der AStA hat die Resolution dieses Inhalts am Dienstag, 21.11., in einem Gespräch an den Geschäftsführer des StW, Herrn Klinkhammer, weitergeleitet und ihn gefragt, welche Schritte eingeleitet werden müssen, um diese mißliche Lage abzuschaffen.

Der Geschäftsführer erklärte daraufhin, daß die Studentenschaft sich selbst beim Wissenschaftsministerium (genauer: bei Herrn Rau) um die Beseitigung dieser Mißstände kümmern könne. Wie dieses 'Kümmern' aussieht, erklärte er nicht näher.

Die Bereitstellung eines zweiten Essens sei ohnehin aufgrund finanzieller Möglichkeiten des StW nicht möglich.

Auch zur Frage der verlängerten Öffnungszeiten der Cafeteria (von 15 Uhr 30 auf 18 Uhr) konnte der AStA keine Ergebnisse erzielen. Man wurde aufgefordert, auf einer der nächsten Vorstandssitzungen diese Frage vorzutragen.

Als Termin wurde später der 1.12. bekannt.

Die beschriebene Reaktion von Seiten des Studentenwerkes zeigt, daß diese institutionalisierte Interessenvertretung nicht einmal gewillt ist, die PRIMÄREN Bedürfnisse der Studentenschaft zu erfüllen.

Klinkhammer: 'Wir haben uns schließlich noch mit anderen Dingen zu beschäftigen.'

Wenn man wüßte, welche das alle wären!"
Q: DOS Nr.16,Dortmund o.J. (Nov. 1972),S.3

21.11.1972:
Von heute liegt uns von der PH Dortmund folgender Text vor:"
BESPRECHUNG DER TUTORENINITIATIVGRUPPE VOM 21.11.1972

1.0 Die studentischen Tutoren werden von den studentischen Vertretern des jeweiligen Fachbereichs vorgeschlagen.

2.0 Die Qualifikation der studentischen Tutoren.

2.1. erfolgreiche Teilnahme an einem Tutorentraining, das in Zusammenarbeit mit interessierten Prof. und Assistenten aus den jeweiligen Fachbereichen veranstaltet wird.
2.2. Zwei Tutoren übernehmen jeweils eine Gruppe, von denen einer mindestens 3 Semester in dem betreffenden Fach studiert haben sollte. Der andere sollte in einem niedrigen Semester sein, um mit Hilfe seines Kollegen Erfahrungen zu sammeln und um die Kontinuität der Arbeit zu garantieren.

2.3. Die Tutoren sollen in den fachwissenschaftlichen Tutorenstellen eingesetzt werden, wenn sie in dem betreffenden Fach als Wahlfach- oder Stufenschwerpunktfach-Student tätig sind.

2.4. In den grundwissenschaftlichen Tutorien ist das Studium in dem betreffenden Fach Voraussetzung.

3. Regelmäßiger Erfahrungsaustausch aller Tutoren ist verbindlich.

4. Eine weitere Verpflichtung ist die regelmäßige Besprechung mit dem Seminarleiter.

5. Die überfüllten Seminare haben Vorrang bei der Besetzung der Tutorenstellen."
Q: N.N.:Besprechung der Tutoreninitiativgruppe vom 21.11.1972,o.O. (Dortmund) o.J. (1972)

22.11.1972:
Laut KSV Zelle PH soll an diesem Tag an der PH Dortmund eine Studentenvollversammlung stattgefunden haben. U. a. soll auch über Fragen des "Einsatzes von Fernsehübertragungen" diskutiert worden sein (vgl. 23.11. 1972).

Vermutlich zu diesem Treffen wurde auch der folgende Text verfaßt:"
Resolutionsvorschlag der GEW-AG

Die GEW-AG fordert sofortige Einstellung von bezahlten Tutoren und zusätzlichen Lehrbeauftragten.

Dadurch soll erreicht werden, daß
- die Übertragungen von Seminaren und Vorlesungen durch Fernsehen abgeschafft werden. Da sonst nicht allein eine Fortsetzung der bisherigen Vorlesungspraktiken, sondern auch ein Verschärfung des rein rezeptiven und kritiklosen Lernens bewirkt wird.
- die Seminare auf hochschuldidaktisch vertretbare Größen (Aufteilung in Seminargruppen) reduziert werden
- Vorlesungen in anschließender Gruppenarbeit aufbereitet und kritisch hinterfragt werden
- kollektives Lernen durch studentische Tutoren initiiert werden kann bei entsprechender Gruppengröße
- die rapid steigenden Neuimmatrikulationen in kleinen Seminaren arbeiten können und sich das Verhältnis von Lehrenden und Studierenden verbessert.

Die Einstellungsbedingungen und Arbeitsbedingungen für studentische Tutoren müßten im einzelnen spezifiziert werden."
Q: GEW-AG PH Dortmund:Resolutionsvorschlag der GEW-AG,o.O. (Dortmund) o.J. (1972); KSV-Zelle PH Dortmund:Aufruf zur außerordentlichen Studentenvollversammlung heute 14 Uhr!,o.O. (Dortmund) o.J. (23.11.1972)

23.11.1972:
Der Kanzler der PH Ruhr erläutert, laut AStA der PH Dortmund (vgl. 31.10.1973), den sogenannten Paper-Erlaß des Wissenschaftsministeriums (WiMi) NRW (vgl. 12.9.1972) dahingehend, daß "Vervielfältigungen – insbesondere Skripten und Literaturauszüge - für Studienzwecke nicht mehr unentgeldlich hergestellt werden können".
Q: DOS Nr.23,Dortmund 31.10.1973,S.16

23.11.1972:
Vermutlich heute erscheint ein Flugblatt der Zelle PH Dortmund des KSV der KPD:"
AUFRUF ZUR AUSSERORDENTLICHEN STUDENTENVOLLVERSAMMLUNG HEUTE 14 UHR!

Kommillitonen!
Die Unhaltbarkeit der Zustände an der neuen PH ist in voller Schärfe deutlich geworden!
- die Seminarräume sind völlig überfüllt,
- es fehlen Seminarräume mit mehr als 120 Plätzen,
- vor allem in den Einführungsveranstaltungen wird mit dem Mittel des Einsatzes von Fernsehübertragungen versucht, den Studenten der Anfangssemester die bürgerliche Ideologie einzupauken, ohne ihnen die Möglichkeit zu geben, sich dagegen zur Wehr zu setzen.
- es steht kein Raum für die ordnungsgemäße Durchführung einer Studentenvollversammlung zur Verfügung.
- die Arbeit von fortschrittlichen Studenten und ihren Organisationen wird massiv behindert durch die Verweigerung von Räumen und Androhung der Entfernung von Wandzeitungen und Plakaten, die strafbar sind. Was 'strafbaren Inhalts' ist, bestimmt das Kultusministerium und der Dekan.

Auf der gestrigen Studentenvollversammlung haben die dort versammelten Studenten bei nur 10 Gegenstimmen eine Resolution verabschiedet, in der sie ihren festen Willen ausdrückten, diese Maßnahmen nicht hinzunehmen.

Dem anwesenden Dekan Prof. Heuer, der sich vor klaren Stellungnahmen drückte und vorzeitig den Saal verließ, um zur Abteilungskonferenz zu gehen, erteilte die Versammlung eine klare Abfuhr. Es wurde beschlossen, aktiv gegen diese Angriffe vorzugehen, d. h. konkret:
- es wurde einstimmig die Vorlage eines Briefes an den Kultusminister Rau verabschiedet, die ihm mit der Resolution zugeschickt wird, und in dem er aufgefordert wird, in einer Woche auf einer Studentenvollversammlung an der PH zu den Forderungen der Studenten Stellung zu nehmen.
- es wurde beschlossen, ab HEUTE einen AKTIVEN FERNSEHBOYKOTT durchzuführen.

Kommillitonen,
um weitere Kampfmaßnahmen und die konkrete Stoßrichtung unseres Kampfes festzulegen, hat die Studentenvollversammlung einstimmig den Beschluß gefaßt, heute, am Donnerstag um 14 Uhr in der Mensa eine außerordentliche Studentenvollversammlung einzuberufen.

Der Kommunistische Studentenverband (KSV), der zusammen mit dem AStA, dem PGH und der GEW die Resolution ausgearbeitet und vorgelegt hat, wird zusätzlich als konkrete Forderung aufstellen:
SOFORTIGE AUFSTELLUNG VON GROSSRAUMBARACKEN!

Diese Forderung ist durch den umfassenden Kampf aller Studenten kurzfristig realisierbar. Sie bedeutet die vorläufige Beendigung der unhaltbaren Zustände in unserer neuen PH. Weiterhin hebt sie die beabsichtigte Zersplitterung der Studenten in einzelne Gruppen auf und ermöglicht das gemeinsame Vorgehen aller Studenten.

Kommillitonen,
kommt zur außerordentlichen Studentenvollversammlung heute in der Mensa und diskutiert über die Weiterführung des Kampfes gegen diesen unverschämten Angriff der SPD/FDP-Landesregierung und ihrer Handlanger in der Unibürokratie.

BETEILIGT EUCH AM AKTIVEN FERNSEHBOYKOTT!

KÄMPFEN WIR UNTER FOLGENDEN PAROLEN:
Kampf der ständigen Verschlechterung der Schulausbildung der Kinder und Werktätigen!
Weg mit den Fernsehübertragungen als Teil der Verschärfung der kapitalistischen Klassenerziehung!
Sofortige Offenlegung des Verwendungszwecks für das Fernsehmaterial!
Kampf der politischen Disziplinierung fortschrittlicher Studenten und Dozenten!
Sofortige Bereitstellung von Räumen für alle fortschrittlichen Organisationen!
Weg mit dieser Anwendung des reaktionären Rau-Erlasses!
Gegen die Zerschlagung der verfaßten Studentenschaft!
Für das politische Mandat!
Gegen die Verhinderung der SV's durch das Fehlen eines geeigneten Versammlungsraumes!
(Forderungen sind aus der gemeinsamen Resolution von AStA, PGH, GEW und KSV).

Sofortige Aufstellung von 2 Großraumbaracken!"
Q: KSV-Zelle PH Dortmund:Aufruf zur außerordentlichen Studentenvollversammlung heute 14 Uhr!,o.O. (Dortmund) o.J. (23.11.1972)

23.11.1972:
Die Zelle des KSV der KPD an der PH Dortmund berichtet (vgl. 16.11.1972, 29.11.1972):"
VOLLVERSAMMLUNG AM 23.11. BESCHLIESST KONKRETE KAMPFMASSNAHMEN UND KAMPFZIELE:

Am 23.11. fand die dritte STUDENTENSCHAFTSVOLLVERSAMMLUNG zum Thema Fernsehen statt. Mit großer Mehrheit wurde eine Resolution verabschiedet (Gegenstimmen wie üblich von RCDS (der CDU,d.Vf.) und SLH), in der es heißt:
'WIR FORDERN DEN BAU EINER GROSSBARACKE MIT 1 000 PLÄTZEN BIS ZUM 8.JANUAR
(Studienwiederbeginn nach den Weihnachtsferien)'

Außerdem wurden auf dieser VV der AStA und die ihn tragenden Gruppen PGH und GEW scharf kritisiert, da sie während der bisherigen Auseinandersetzungen kaum etwas unternommen hatten, um den Kampf gegen die Verschlechterung der Ausbildung an der PH zu unterstützen. So
- wurde der auf der letzten VV verabschiedete Brief an das KuMi nicht abgeschickt;
- hatte der AStA versprochen, zur Vollversammlung ein Flugblatt herauszugeben, tat dies aber nicht;
- unternahmen AStA, PGH und GEW fast nichts, um die Kampffront an der PH zu vergrößern.

DER KSV SCHLUG DAHER VOR:
- Durchsetzen eines KAMPFTAGES an der PH in der nächsten Woche, an dem die PH-Studenten noch einmal umfassend über die 'neue' Ausbildungssituation und deren Hintergründe informiert werden sollen und die PH-Bürokratie aufgefordert wird, eindeutig und klar zu den Forderungen der Studenten Stellung zu nehmen;
- Auftrag der SVV an das AKTIV, Informationspolitik zu betreiben und SEMINARAGITATION durchzuführen;
- Auftrag der SVV an den AStA, seine materiellen Ressourcen umfassend dem Aktiv und den es tragenden Organisationen zur Verfügung zu stellen;
- Durchführung einer UNTERSCHRIFTENSAMMLUNG für den Bau der Baracke.

Diese Vorschläge wurden mit überwältigender Mehrheit angenommen und verabschiedet."

Aufgerufen wurde u.a. durch die Zelle PH des KSV (vgl. 23.11.1972).

In einer "Resolution zur SV am 23.11.1972" heißt es:"
I. auf der Vollversammlung am 15.11.1972 haben die Studenten eine Großraumbaracke gefordert, die in erster Linie für studentische Zwecke zur Verfügung stehen soll. Es wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, daß es nicht Ziel sein kann, die Baracken dazu zu benutzen, statt der Fernsehübertragungen wieder die alten Massenseminare zu institutionalisieren, sondern daß solche Veranstaltungen kurzfristig in Tutorengruppen aufgelöst werden müssen. Die Studenten fordern deshalb zunächst für die Veranstaltungen der Grundwissenschaften, die von Fernsehübertragungen betroffen sind, die sofortige Einsetzung von bezahlten studentischen Tutoren (keine akademischen Tutoren).

Dieses vorliegende Programm kann nur ein vorläufiges sein, das Grundlagen für ein umfassenderes sein muß.

1. Studentische Tutoren sind für die Studenten da. Einrichtungen von Tutorien dürfen auf keinen Fall zu einer Einsparung von im Stellenplan ausgewiesenen Planstellen führen.

Tutoren dürfen nicht als ausführendes Organ der Seminarleiter verstanden werden.

Tutoren bereiten gleichberechtigt mit Seminarleitern das Seminar inhaltlich und organisatorisch vor.

Tutoren sind dem Seminarleiter und dem Tutorenteam des jeweiligen Fachbereichs verantwortlich.

2.0. Die Qualifikation der studentischen Tutoren,

2.1. Erfolgreiche Teilnahme an einem Tutorentraining, das in Zusammenarbeit mit interessierten Prof. und Assistenten aus den jeweiligen Fachbereichen veranstaltet wird.

2.2. Zwei Tutoren übernehmen jeweils eine Gruppe, von denen einer mindestens 3 Semester in dem betreffenden Fach studiert haben sollte. Der andere sollte in einem niedrigen Semester sein, um mit Hilfe seines Kollegen Erfahrungen zu sammeln und um die Kontinuität der Arbeit zu garantieren.

2.3. Die Tutoren sollten in den Fachwissenschaftlichen Tutorenstellen eingesetzt werden, wenn sie in dem betreffenden Fach als Wahlfach- oder Stufenschwerpunktfach-Student tätig sind.

2.4. In den grundwissenschaftlichen Tutorien ist das Studium in dem betreffenden Fach Voraussetzung.

3. Regelmäßiger Erfahrungsaustausch aller Tutoren ist verbindlich.

4. Eine weitere Verpflichtung ist die regelmäßige Besprechung mit dem Seminarleiter.

3. - Die Tutorenstellen werden öffentlich ausgeschrieben.
- Zuständig für die Bewerbungen sind die studentischen Fachbereichsvertreter (SFV).
- Die SFV leiten die Bewerbungen an den Seminarleiter weiter.
- Die Tutoren werden von dem Seminarleiter berufen.
- Vorschlagsrecht haben Seminarleiter, studentische Tutoren und SFV.
- Es darf keine Berufung gegen den Willen der Mehrheit des SFV geben.
- Bewerber werden von der SFV angehört.
- Die Sitzungen der SFV sind öffentlich.

4. Seminarleiter, betroffene Tutoren und SFV können die Absetzung eines Tutors beantragen.

Beschließen die SFV nach Anhörung aller Betroffenen die Absetzung eines Tutors, ist der Seminarleiter verpflichtet, den Tutor abzuberufen.

5. Die studentischen Tutoren werden zunächst aus dem FONDS für studentische Hilfskräfte finanziert. Im zukünftigen Haushaltsplan ist ein besonderer Fonds für Bezahlung von studentischen Tutoren einzurichten."

Der AStA der PH Dortmund (vgl. 27.11.1972) berichtete von der Bildung der Arbeitsgruppe für ein Tutorenprogramm (vgl. 16.11.1972):"
Auf der VV vom 23.11.1972 berichtete die Gruppe über ihre bisherigen Arbeitsergebnisse. Sie sollen die Grundlage für das Tutorenprogramm bilden.

1) Tutorengruppen (oder Tutorien) sollen zunächst in den überfüllten Seminaren der Grundwissenschaften eingerichtet werden, da kurzfristig nicht genügend Tutoren für alle Fächer gefunden werden können. Da jedoch alle Studenten die Seminare der Grundwissenschaften besuchen müssen, hätte jeder die Möglichkeit, in einer solchen Tutorengruppe mitzuarbeiten.

2) Die Tutorengruppen sollten mit jeweils zwei studentischen Tutoren besetzt werden, von denen einer mindestens 3 Semester das betreffende Fach studiert haben sollte. Sinnvoll wäre es, wenn der 2.Tutor aus einem jüngeren Semester stammte, damit er mit Hilfe seines Kommilitonen Erfahrungen sammeln kann und die Kontinuität der Arbeit auch dann gewährleistet ist, wenn der ältere Tutor wegen seiner Examensarbeit ausscheiden muß.

3) Die Tutoren sollten von den studentischen Vertretern in den Fachbereichen gewählt werden und fachlich unabhängig sein. Das bedeutet auf keinen Fall, daß sie losgelöst vom eigentlichen Seminar arbeiten. Sie sollten gleichberechtigt mit dem Seminarleiter das Thema inhaltlich und organisatorisch vorbereiten und - abgesehen von regelmäßigen Besprechungen mit dem Dozenten - den im Seminar angesprochenen Fragenkomplex selbständig mit ihrer Gruppe erarbeiten.

D.h. z.B., daß sie zusätzliche Literatur nach eigener Wahl heranziehen können und vom Dozenten vermittelte Lehrinhalte nicht nur 'nachkauen', sondern auch kritisch reflektieren können.

Die Tutoren müssen unter Kontrolle und Verantwortung der Studenten, nicht der jeweiligen Dozenten stehen!

4) Selbstverständlich ist, daß die Tutoren angemessen bezahlt werden müssen. Sie sind keine billigen Hilfskräfte, die zu Stelleneinsparungen von Lehrbeauftragten dienen. Nicht zu vergessen bei unserer Forderung nach bezahlten Tutoren ist jedoch die Ambivalenz dieser Forderung. Denn auch das Kultusministerium ist sich über die katastrophale Lage an den Hochschulen im klaren und plant von sich aus ebenfalls ein Tutorenprogramm, das wir nach genauer Prüfung allerdings auf gar keinen Fall unterstützen können. Die dort ausgearbeiteten Richtlinien machen die Tutoren zu ausführenden Organen der Profs. An den Fachhochschulen (FHS,d.Vf.) besteht bereits ein Tutorenprogramm, in dem die studentischen Tutoren lediglich die Funktion von billigen Nachhilfelehrern haben, die über die Behandlung 'von Fachfragen' nicht hinausgehen dürfen. D.h. konkret, daß ihnen z.B. jede kritische Reflexion des angebotenen Stoffes untersagt ist. Ein solches Tutorenprogramm kann nicht in unserem Interesse sein!

Es muß noch einmal ganz deutlich gesagt werden:

Die studentischen Tutoren sind für die Studenten da und unterliegen IHRER Kontrolle. Die Studenten müssen die Möglichkeit haben, im Seminar angesprochene Fragenkomplexe gemeinsam mit den von ihnen gewählten Tutoren selbständig zu behandeln!

Wir fordern deshalb alle Studenten auf, die Forderung nach fachlich unabhängigen studentischen Tutoren konsequent zu vertreten und in ihrem eigenen Interesse die Einführung eines Tutorenprogramms, wie es das Kumist vorsieht, zu bekämpfen!

Nicht zu trennen von der Forderung nach bezahlten studentischen Tutoren ist die von der SSV ebenfalls aufgestellte Forderung nach einer Großraumbaracke unter studentischer Verwaltung. In dieser Baracke sollen in erster Linie die SVV's und die SK's sowie Teach-ins durchgeführt werden. Es ist eine Zumutung, diese Versammlung stets in der Mensa abzuhalten. (Am Rande sei bemerkt, daß seltsamerweise bei diesen Veranstaltungen regelmäßig nach einiger Zeit der Strom ausfällt). Es ist schließlich nicht unsere Schuld, daß keine Hörsäle existieren, und auf 1975 können wir uns nicht vertrösten lassen.

Außerdem sollen in dieser Baracke diejenigen Massenseminare durchgeführt werden, die kurzfristig noch nicht mit Tutoren arbeiten können und mit Fernsehapparaten einfach nicht arbeiten dürfen. Die Fernsehapparate bedeuten eine Verschärfung der Ausbildungssituation: Spontane Diskussion und Rückfragen sind nicht mehr möglich. Durch die Großraumbaracke wäre zumindest der Zustand an der alten PH wiederhergestellt. Auch Seminaren, die zwar mit Tutoren arbeiten, jedoch auch auf Plenumsveranstaltungen angewiesen sind, soll die Baracke zur Verfügung gestellt werden."
Q: DOS Nr.16,Dortmund o.J. (Nov. 1972),S.6ff; N.N.:Resolution zur SV am 23.11.1972,o.O. (Dortmund) o.J. (1972); Kommunistische Studentenpresse PH Dortmund Nr.2,Dortmund Nov. 1972,S.8; KSV-Zelle PH Dortmund:Aufruf zur außerordentlichen Studentenvollversammlung heute 14 Uhr!,o.O. (Dortmund) o.J. (23.11.1972)

27.11.1972:
Die Zelle des KSV der KPD an der PH Dortmund gibt ihre 'Kommunistische Studentenpresse' (KSP - vgl. 5.2.1973) Nr.2 mit 16 Seiten DIN A 4 ohne presserechtlich Verantwortlichen unter der Schlagzeile "Kampf der ständigen Verschlechterung der Ausbildung der Kinder der Werktätigen" heraus.

Ob auch eine KSP als Nr.1 erschien oder ob die 'Erkämpft das Sozialistische Studium' (vgl. 1.11.1971) als solche gerechnet wird, die gemeinsam für die Ruhruniversität Bochum und die PH Dortmund erschien, entzieht sich derzeit unserer Kenntnis.

Berichtet wird vom Umzug der PH (vgl. 13.11.1972), aus einer Fernsehvorlesung (vgl. 15.11.1972), von der 1. und 2. VV (vgl. 15.11.1972, 16.11.1972) und über:"
DIE REAKTION DER PH-BÜROKRATIE:
VORLÄUFIGE EINSTELLUNG DER FERNSEHVORLESUNGEN…

Die beiden Vollversammlungen am 15. und 16.November zeigten der PH- Bürokratie deutlich, daß wir Studenten nicht bereit waren, die neuen Studienbedingungen kampflos zu akzeptieren. Ihre Reaktionen waren von dem Versuch geprägt, dem Kampfeswillen der Studenten durch scheinbare Zugeständnisse und taktische Manöver die Spitze zu nehmen.

So fielen nach dem 16.11. bis heute sämtliche Fernsehveranstaltungen aus. Angebliche Gründe: Krankheit, der Professor habe den 'Zug verpaßt' etcetera. Wo es eben geht, werden wir Studenten in einen Raum zusammengepfercht – wer zu spät kommt, kann wieder gehen, viele Studenten machen den weiten Weg zur PH umsonst, da die Veranstaltungen zusätzlich serienweise ausfallen. Herr Lorenz, der Verantwortliche für das Fernsehwesen, erklärte gegenüber dem KSV: 'Wir können JEDERZEIT (bei Bedarf) die Fernseher wieder einsetzen.' Und darum wird und will die PH-Bürokratie solange nicht herumkommen, wie es keine geeigneten großen Hörsäle gibt.

FERNSEHVORLESUNG BRINGT DIE EINSPARUNG VON AUSBILDUNGSKOSTEN UND VERSCHÄRFUNG DER KAPITALISTISCHEN KLASSENERZIEHUNG.

Denn: daß es diese Hörsäle bisher noch nicht gibt, ist keineswegs die Folge einer 'bedauerlichen Fehlplanung'. Die SPD-Hochschulreformstrategen planen vielmehr den Einsatz dieser neuesten hochschuldidaktischen Errungenschaft auch auf andere Abteilungen fest ein. Dies beweisen die Veröffentlichungen des Koordinationsausschusses für die Errichtung einer Gesamthochschule Dortmund.

Diese Maßnahmen erscheinen der Bourgeoisie aus folgenden Gründen vorteilhaft:
- sie bringen eine EINSPARUNG VON AUSBILDUNGSKOSTEN, denn der Bau von Hörsälen erscheint beim Bau von Hochschulen nicht mehr im alten Ausmaß notwendig oder kann zumindest auf Jahre verschleppt werden.
- die kapitalistische Klassenerziehung wird, wie oben mehrfach erläutert, erheblich verschärft; und:
- sollte es auch bei dieser 'neuen' Vorlesungsform noch Studenten geben, die die Inhalte der jeweiligen Vorlesung in Frage stellen oder in organisierter Weise den Kampf dagegen aufnehmen, so bieten die Fernsehaufzeichnungen perfekte Beweise dafür, um aufmüpfige Studenten dingfest zu machen und sie - wie inzwischen schon wiederholt geschehen - zu kriminalisieren.

SIE SIND ALSO BESTANDTEIL DER REAKTIONÄR-BÜROKRATISCHEN HOCHSCHULREFORM; IHRE FOLGE IST EINE WEITERE VERSCHLECHTERUNG DER SCHULAUSBILDUNG DER KINDER DER WERKTÄTIGEN!

…UND VORSCHLÄGE ZUR EINRICHTUNG EINES TUTORENWESENS NACH DEN RICHTLINIEN DER KULTUSMINISTERKONFERENZ (KMK,d.Vf.)…

Aufgeschreckt durch die beiden VVs und den dort demonstrierten Kampfwillen der Studentenschaft beantragt die ABTEILUNGSKONFERENZ die nötigen Gelder für die Erstellung des Hörsaalbaus bis ENDE 1973! ('voraussichtlich', also mit fadenscheinigen Gründen beliebig verschiebbar, faktisch Absicherung der bestehenden Zustände für mehrere weitere Semester; aber 'wir haben ja alles getan, nur: die Kultusbürokratie…' Dekan Heuer im Dezember 1973).

Außerdem spricht sich die Abteilungskonferenz für die Einsetzung von Tutoren aus. Aber: diese Tutoren sollen auf der Grundlage der Richtlinien der Kultusministerkonferenz über die Einrichtung des Tutorenwesens arbeiten. In diesen Richtlinien ist verankert, daß
- die Tutoren vom jeweiligen Seminarleiter berufen werden,
- sie diesem verantwortlich sind und
- er das Recht hat, sie jederzeit wieder abzusetzen.

Also wird hier die Einrichtung eines Tutorenwesens beantragt, dessen Sinn die Verbesserung der kapitalistischen Ausbildung ist, das von Tutoren getragen wird, die im Auftrag der Dozenten und als deren Handlanger fachlich abhängig und jederzeit disziplinierbar arbeiten müssen."

Bericht wird auch über:"
DIE ARBEIT DES AKTIV:

Nachdem auf der Vollversammlung beschlossen worden war, ein Aktiv einzurichten, dessen Aufgabe die Organisierung des aktiven Fernsehboykotts und die Erarbeitung konkretisierter studentischer Vorstellungen zum Tutorenwesen war, die Aufgabe der Organisierung des Fernsehboykotts aber hinfällig wurde, als sämtliche Fernsehvorlesungen ausfielen, beschäftigte sich das Aktiv in seiner Arbeit vor allem mit der Tutorenproblematik.

Die Vollversammlung hatte beschlossen, daß die Tutoren fachlich unabhängig, d.h.: der jeweilige Seminarleiter darf dem Tutor nicht vorschreiben, wie er das Themengebiet des Seminars in den Tutorenkursen behandelt; er hat kein Recht, den Tutor wegen der Arbeit in seinem Tutorium auszuschließen oder zu reglementieren, arbeiten sollten. Sie hatte außerdem den Beschluß gefaßt, daß die Einstellung von Tutoren nicht gegen den Willen der Studenten nach den Vorstellungen von Assistenten erfolgen sollte.

EIN VORSCHLAG DES MSB SPARTAKUS…

In der Arbeit des Aktivs wurde sehr schnell deutlich, was die Kommillitonen vom MSB Spartakus (der DKP,d.Vf.) von diesen Vollversammlungsbeschlüssen hielten. Sie legten einen Entwurf zum Tutorenwesen vor, in dem es heißt:
'Tutoren sind dem SEMINARLEITER (!) und dem Tutorenteam des jeweiligen Fachbereichs verantwortlich'… und: 'eine weitere Verpflichtung (der Tutoren, Anm. d. Verf.) ist die regelmäßige Besprechung mit dem Seminarleiter.'… und: 'die Tutoren werden von den Seminarleitern berufen'.
Schließlich war in dem Entwurf des Spartakus NICHT EIN Absatz enthalten, der für den Fall, daß ein Seminarleiter einen studentischen Tutor ablehnt, Gegenmaßnahmen der Art vorsah, daß der Seminarleiter durch das Votum der Studenten gezwungen werden kann, den von ihm abgelehnten Tutor dennoch einzustellen.

Im Aktiv wurde sehr schnell klar, daß der vom Spartakus vorgelegte Entwurf ein 'besserer' Kultusminister-Entwurf war. Mit dem Argument 'wir können nicht immer mit einem Schild um den Hals herumlaufen, auf dem steht, wir sind gegen diese Ausbildung' oder 'wenn wir gleich offen alles fordern, ohne auf die KMK-Richtlinien wenigstens zum Schein einzugehen, bekommen wir nie etwas durch', versuchten die Kommillitonen vom MSB zu erklären, warum sie sich in ihrem Entwurf gegen die Beschlüsse der Vollversammlung stellten und dem Kultusministerium offen in die Hände arbeiteten.

…DER DIE BISHER GEÄUSSERTEN VORSTELLUNGEN DES KULTUSMINISTERIUMS IN ETWAS VERBESSERTER FORM BEINAHLTET…

Die Vertreter des KSV wiesen darauf hin, daß Tutoren 'an sich', also 'Kleingruppenarbeit', keinen Erfolg für uns Studenten bringen, sondern vielmehr nur dem KuMi und der PH-Bürokratie. Der alte, langweilige und oft genug reaktionäre Stoff wird von solchen Tutoren den Studenten nur noch 'besser' und 'intensiver' eingeübt. Nur Tutorien, die von fortschrittlichen Studenten durchgeführt werden und die ohne Kontrolle durch die meist reaktionären Profs arbeiten können, bedeuten einen Fortschritt in der Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen PH-Ausbildung. Alles andere, jeder 'Kompromiß', führt zu einem Verrat an den auf der Vollversammlung klar artikulierten Interessen, arbeitet der SPD-Regierung, die ja genau ein solches 'lernintensivierendes' Tutorenprogramm durchsetzen will, in die Hände.

…WIRD EINHELLIG ABGELEHNT (UND ZURÜCKGEZOGEN)

Durch den Widerstand des gesamten Aktivs gezwungen, mußte der MSB Spartakus seinen Vorschlag zurückziehen. Er wird - das beweist die Politik dieser Organisation auch in allen anderen Universitäten - jedoch weiterhin versuchen, den Kampf von uns PH-Studenten gegen die Einrichtung eines reaktionären Tutorenprogramms und seine Anwendung durch die PH-Bürokratie, für ein fortschrittliches Tutorenwesen, zu sabotieren. Uns Studenten versuchen die Spartakisten einzureden, wir könnten 'Kompromisse' schließen und dann innerhalb dieser Komrpomisse die Absichten der Landesregierung 'hintertreiben'. Daß dieses Konzept illusionär ist, daß es genau den Absichten der Kultusbürokratie, durch scheinbare 'Zugeständnisse' dem Kampf der Studenten die Spitze zu nehmen, entspricht, beweisen mit absoluter Eindeutigkeit die Erfahrungen mit dem Tutorenwesen in anderen Hochschulen: überall dort, wo Tutoren gegen die herrschende Lehrmeinung, gegen die kapitalistische Ausbildung gearbeitet haben, wurden sie herausgeworfen. Auf der 'legalen' Basis ähnlicher Tutorenordnungen, wie sie uns der MSB Spartakus jetzt auch hier anbietet…

In der Arbeit des Aktivs wurde weiter klar, daß der Kampf für
- fachlich unabhängige,
- von den Studentenvollversammlungen der jeweiligen Fachbereiche gewählte Tutoren nur ziemlich langfristig mit Aussicht auf Erfolg geführt werden kann. So wichtig dieser Kampf um Tutorien ist - kurzfristig, und gerade das ist notwendig, kann er an der momentanen Situation an der PH nicht viel ändern.
Deshalb beschloß das Aktiv, die Forderung des KSV nach einer GROSSRAUMBARACKE nicht allein für studentische Belange, sondern auch für die großen Lehrveranstaltungen, in denen derzeit auf Grund der Raumlage mit Fernsehübertragungen operiert wird, zu propagieren. Nur so kann es uns kurzfristig gelingen, die erneute Verschlechterung der PH-Ausbildung, bei der uns mit nur noch formalen Methoden das 'notwendige Wissen' für unsere spätere Berufstätigkeit eingepaukt werden soll, ohne daß wir die Möglichkeit haben, uns mit dem Inhalt dieses Unterrichts auseinanderzusetzen, abzuwehren.

KOMMT ZU DEN AKTIVSITZUNGEN!"

Berichtet wird auch von der 3. VV zur Fernsehfrage (vgl. 23.11.1972) und gefragt:"
KOMMILLITONEN, HABEN WIR ÜBERHAUPT EINE CHANCE, UNSERE FORDERUNGEN DURCHZUSETZEN?

Die Angriffe auf die Ausbildungssituation und die versuche der politischen Disziplinierung finden nicht allein an der PH statt:

- in Westberlin versucht die SPD-Kultusbürokratie für alle Lehramtsstudenten ein reaktionäres Prüfungsrecht durchzusetzen; fortschrittlichen Dozenten wird das Prüfungsrecht entzogen;
- an der PH Rheinland sind bereits seit einiger Zeit sämtliche Praktika gestrichen und durch FERNSEHÜBERTRAGUNGEN ersetzt worden;
- bei den Medizinern in Köln wurde ein generelles Raumverbot für alle Veranstaltungen politischer Gruppen ausgesprochen;
- in Bonn, Köln, Münster und auch an der hiesigen PH werden unter Berufung auf den reaktionären 'Rau-Erlaß' (Verbot von Plakaten 'strafbaren Inhalts') Agitationsmaterialien fortschrittlicher Organisationen abgerissen und verboten.

Diese Liste ließe sich beliebig verlängern (…). Sie macht deutlich, daß die Verhältnisse an der neuen PH einzuordnen sind in einen generellen Angriff der Bourgeoisie und ihrer SPD/FDP-Regierung (denn von niemand anderem werden ja diese Gesetze und Erlasse derzeit verabschiedet - dies all denen ins Stammbuch, die nicht müde werden, die SPD als 'kleineres Übel' zu propagieren), um mit allen Mittel der Brechung des Widerstandes der fortschrittlichen Studenten die Hochschulreform im Interesse der Kapitalisten zügig durchzusetzen.

Der Unterschied zum Vorgehen der Kultusbürokratie in anderen Städten besteht hier in Dortmund nur darin, daß der Dekan und seine Truppe nicht so offen vorgehen, wie in anderen Hochschulen. Hier wird versucht, abzuwiegeln, den Anschein zu erwecken, man gehe auf die Forderungen der Studenten ein. Das Absetzen der Fernsehveranstaltungen zum gegenwärtigen Zeitpunkt, das 'Angebot' eines Tutorenwesens, das 'endlich die Möglichkeit der Arbeit in Kleingruppen für alle Studenten eröffnet' - aber, wie aufgezeigt, nach den inhaltlichen Vorstellungen der Profs und getragen von Kommillitonen, die deren bereitwillige Handlanger sein müssen - sind taktische Maßnahmen, deren Zweck einzig und allein die Brechung des eindeutig demonstrierten Kampfeswillen von uns Studenten ist. Wir sollen uns an die bestehenden Zustände gewöhnen, uns beruhigen. Dann, wenn die PH-Bürokratie mit ihren Maßnahmen ihre Zwecke erreicht, stehen sofort auch wieder die Fernsehapparate zur Verfügung, wird sie nichts unversucht lassen, die von ihr gerade auch LANGFRISTIG geplanten 'technischen Neuerungen des Studienbetriebs' auch durchzusetzen. Dies alles müssen wir, wenn wir unsere Forderungen vertreten, im Auge behalten, um uns durch derartige Scheinzugeständnisse und schöne Versprechungen nicht verwirren zu lassen.

LASSEN WIR UNS DURCH SOLCHE SCHÖNSCHWÄTZEREI NICHT VERWIRREN, KÄMPFEN WIR GEMEINSAM GEGEN DIE ANGRIFFE DER SPD/FDP-REGIERUNG AUF UNSERE AUSBILDUNGSSITUATION!

Kommillitonen,
1 300 westberliner PH-Studenten, die auf einer Vollversammlung (vgl. 10.11.1972,d.Vf.) fast einstimmig für einen AKTIVEN STREIK gestimmt haben, geben uns ein gutes Beispiel. Der Erfolg bei der Durchsetzung unserer Forderungen gegen die Angriffe auf unsere Ausbildungssituation hängt von der Geschlossenheit unserer Kampfmaßnahmen und damit von der aktiven Beteiligung ALLER an diesen Auseinandersetzungen ab. Die zahlreiche Teilnahme an den Sitzungen des Aktivs und vor allem der Aktionen ist der beste Garant für erfolgreiche Kampfmaßnahmen, für das Zurückdrängen solcher zurückweichlerischer Auffassungen, die meinen, Garant eines erfolgreichen Kampfes seien in erster Linie endlose Diskussionen und Mauscheleien in Gremien. (So behauptete z.B. eine Vertreterin des MSB Spartakus, daß wir einen 'optimalen' Erfolg nur dann erreichen könnten, wenn wir unsere Forderungen in den zuständigen SPD-Kultusgremien REIN FORMAL, OHNE DEN POLITISCHEN HINTERGRUND vortragen würden !!)

Kommillitonen, die KSV Zelle PH weist derartige Äußerungen des MSB Spartakus und einiger Vertreter der GEW-AG ('wenn man den Studenten etwas von SPD- Regierung im Dienste des Kapitals erzählt, fällt bei ihnen eine Klappe… Man muß viel tiefer in der Agitation einsetzen…') entschieden zurück. Für die Zustände an der neuen PH tragen die SPD/FDP-Landesregierung und ihre Handlanger in der PH-Bürokratie voll die Verantwortung. Nur eine Aktion, bei der sich alle Beteiligten in diesem Punkt einig sind, hat Aussicht auf Erfolg.

…GEGEN ALLE MASSNAHMEN DER POLITISCHEN DISZIPLINIERUNG

Kommillitonen, die Durchführung des Kampftages am MITTWOCH, DEN 29.11., zu dem wir das Kultusministerium und die PH-Bürokratie aufgefordert haben, vor allen Studenten über ihre bisherigen Maßnahmen und weiteren Vorstellungen Rechenschaft abzulegen, bietet eine erste Gelegenheit, den Herrn Verantwortlichen klar zu machen, daß wir PH-Studenten nicht nur verbal gegen die bestehenden Zustände protestieren, sondern gewillt sind,
- gegen die Weiterführung der Fernsehvorlesungen
- gegen die Verschärfung der politischen Disziplinierungsmaßnahmen
fortschrittlicher Studenten und ihrer Organisationen,
gemeinsam mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln, einschließlich des aktiven Warnstreiks, zu kämpfen.
Unsere Forderungen liegen auf dem Tisch:
BAU EINER GROSSRAUMBARACKE MIT 1 000 PLÄTZEN BIS ZUM 8. JANUAR!
BINDENDE ZUSAGE DER SPD/FDP-LANDESREGIERUNG BIS ZUM 10. DEZEMBER!
KEIN TUTORENPROGRAMM, DAS DIE FACHLICHE SELBSTSTÄNDIGKEIT DER TUTOREN ZERSCHLÄGT UND VON DEN DOZENTEN BESTIMMT WIRD!
WEG MIT DEN FERNSEHÜBERTRAGUNGEN ALS MITTEL ZUR VERSCHÄRFUNG DER KAPITALISTISCHEN KLASSENERZIEHUNG!

Wir sollten deutlich machen, daß wir nicht bereit sind, von diesen Forderungen Abstriche zu machen!

KAMPFTAG!!
MITTWOCH, 29.11. VOLLVERSAMMLUNG 14 UHR MENSA"

Berichtet wird von der PH Westberlin (vgl. 10.11.1972) und dem Berufsverbot (BV) von Hannes Heer in Bonn (vgl. 17.11.1972). Zu den Bundestagswahlen (BTW - vgl. 19.11.1972) heißt es:"
NACH WIE VOR - VOLKSFEINDE

Der 'härteste und sachlichste' Wahlkampf seit Bestehen der BRD, der Wahlkampf, in dem angeblich nur Argumente zählten, ist vorbei. SPD und FDP heißen die strahlenden Sieger und weiter gehts mit Willy Brandt für Frieden, Sicherheit und eine bessere Qualität des Lebens.

'Wir Deutsche können stolz sein auf unser Land' lächelte uns 'Friedens'-Willy in den letzten Wahlkampfwochen von den Plakatsäulen entgegen; in der Wahlnacht dankte er dann seinen Wählern für das in ihn gesetzte Vertrauen. Die SPD hat in diesem Wahlkampf mit Sicherheit das von den Monopolen in sie gesetzte Vertrauen gerechtfertigt: ihr ist es noch einmal gelungen, all die volksfeindlichen Maßnahmen, die sie im Interesse des Monopolkapitals unter dem Deckmantel der 'inneren Reformen' seit Übernahme der Regierung durchgesetzt hat, mit Unmengen von sozialer Demagogie zu übertünchen. Das Credo Willy Brandts, 'welchem Unternehmer haben wir denn in den letzten drei Jahren weh getan?' stand nur im Spiegel - ansonsten setzt die Sozialdemokratie im Wahlkampf auf die Karte des 'demokratischen Sozialismus'. Ihr Bestreben, sich der Arbeiterklasse als Vertreterin ihrer Interessen darzustellen, sich volksfreundlich zu geben und sogar versteckte Angriffe gegen das Kapital zu starten, war erfolgreich. Denn im Wahlkampf geht es um die Stimmen der Mehrheit der Bevölkerung, um in der nächsten Legislaturperiode am 'Platz an der Sonne' - sprich der besten Ausgangsposition für Regierungspfründe, Beraterverträge und lukrative Staatsämter - zu bleiben.

'In der bürgerlichen Demokratie werden die Massen von den Kapitalisten mit tausenderlei Kniffen, die umso raffinierter und wirksamer sind, je entwickelter die 'reine Demokratie' ist, von der Teilnahme an der Regierung, von der Ausnutzung der Versammlungs- und Pressefreiheit usw. abgehalten.' (Lenin, Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky)

Der Kniff 'Volksfeinde spielen Volksfreunde' wurde von den Sozialdemokraten überzeugend dargeboten. Sie haben einmal mehr bewiesen, daß sie derzeit die Partei sind, die, basierend auf dem starken Einfluß, den der Reformismus noch in der Arbeiterklasse und den anderen unterdrückten Schichten des Volkes hat, am besten in der Lage ist, die Aufgaben des 'geschäftsführenden Ausschusses der Bourgeoisie' zu führen.

Welchem Unternehmer wird die SPD denn in den nächsten vier Jahren 'weh' tun; was verbirgt sich denn hinter den Phrasen von 'Frieden, Sicherheit und einer besseren Qualität des Lebens'? Diese 'bessere Qualität' ist nichts anderes als eine 'bessere Qualität' der Ausbeutung, garniert mit unter der Maske der 'Rechtsstaatlichkeit' vorangetriebenem Abbau der demokratischen Rechte des Volkes, mit stetig sich steigernder Preistreiberei, mit leeren Versprechungen und Phrasen.

So heißt es z.B. im Wahlprogramm der SPD 'mit Willy Brandt für Frieden' im Abschnitt Bildung und Forschung (neben diesem Faksimile wird gefragt: "Bildungspolitik im Interesse der Werktätigen?",d.Vf.): 'UNSERE LEISTUNGEN FÜR EIN GERECHTERES BILDUNGSWESEN UND EINE MODERNE WISSENSCHAFT

ERHÖHUNG DER MITTEL für Bildung, Wissenschaft und Forschung: Finanzplan des Bundes für 1975: 9,5 Mrd. DM (1970: 3,2 Mrd. DM, 1972: 6,1 Mrd. DM).

CHANCENGLEICHHEIT für Kinder und Jugendliche aller Schichten: Das Dringlichkeitsprogramm von Bund und Ländern vom 7.7.1972 sieht vor:
- Ausbau der Vorschulerziehung - 1975 werden über 50 Prozent unserer Kinder einen Kindergartenplatz haben und besser auf die Schule vorbereitet werden;
- Orientierungsstufe bis 1976 - gerechtere Auswahl für die weiterführenden Schulen;
- Förderung der integrierten Gesamtschule in breit angelegtem Versuchsprogramm - Vorbereitung für eine leistungsfähigere und gerechtere Schule;
- Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAFöG,d.Vf.) vom August 1971: 400 000 Jugendliche erhalten Stipendien.

ABBAU DER ZULASSUNGSBESCHRÄNKUNGEN an den Hochschulen, Sicherung des Bedarfs an Lehrern, Ärzten, Ingenieuren und anderen Fachkräften:
Schnellbauprogramm 1970-1971 mit 39 000 neuen Arbeitsplätzen.
2. Rahmenplan zum Hochschulausbau Juli 1972:
Bis 1976 entstehen 240 000 zusätzliche Studienplätze.'

Soweit das Resumee sozialdemokratischer Bildungspolitik der letzten drei Jahre. Es gab also keine Zunahme der Zulassungsbeschränkungen an den Hochschulen, kein Anwachsen des Lehrermangels (der, laut WAZ vom 22.11., im Jahre 1977 mit 12,6% gleich 92 000 Lehrern einen bisherigen Höhepunkt erreichen wird), keinen selbstauferlegter Lehrermangel durch Berufsverbote (BV,d.Vf.) im öffentlichen Dienst etc.

Wie sieht es denn tatsächlich mit der Ausbildung der Kinder der werktätigen Bevölkerung aus?" Diese Frage wird beantwortet mit Hilfe der Broschüre der KPD zu den BTW (vgl. 2.10.1972).

Geworben wird für die 'Rote Fahne' (RF) der KPD.
Berichtet wird bundesweit vom BFdW (vgl. 22.11.1972) und fortgefahren:"
An der PH hier in Dortmund ist der BFdW bisher noch nicht offen aufgetreten. Allerdings ist anzunehmen, daß im Zuge der angekündigten Offensive auch der Ausdehnungswille der Organisation auf alle Hochschulen der BRD gewachsen ist. Wir Studenten sollten jedem Versuch dieser Reaktionäre, sich auch hier an der PH breit zu machen, von Anfang an eine entschiedene Absage erteilen."
Q: Kommunistische Studentenpresse PH Dortmund Nr.2,Dortmund Nov. 1972

27.11.1972:
An der PH Dortmund gibt der SLH vermutlich in dieser Woche das folgende Flugblatt mit mindestens einer Seite DIN A 4 ohne Impressum heraus:"
Wir halten das vorliegende Tutorenprogramm in den Hauptpunkten für annehmbar, sehen aber einige Schwierigkeiten in der Durchführung der Beschlüsse der Studentenvollversammlung.

ES STEHT FEST:
Nur kleine Gruppen können effektiv arbeiten; relevant ist ihre Arbeit für die Studenten nur, wenn sie Arbeitsziel, Arbeitstempo, Arbeitsstil und Niveau selbst bestimmen können.

D.h. Vorlesungen und Großseminare sind unbrauchbar. Deshalb sollten Skripten, herausgegeben von Dozenten, die Veranstaltungen ersetzen und Tutorengruppen als Arbeitsgrundlage dienen.

Den Tutorengruppen ist es freigestellt, am Text selbst zu arbeiten oder andere Auffassungen zum Thema zum Mittelpunkt ihrer Arbeit zu machen.

SCHWIERIGKEITEN TRETEN AUF

1. Bei der Festsetzung der Anzahl der benötigten Tutoren. Diese läßt sich erst nach Semesterbeginn bei den ersten Veranstaltungen absehen.

2. Bei der Vorbereitung der Tutoren für ihre Gruppenarbeit, da sie nach ihrer Wahl nur sehr wenig Zeit bis zu ihrem ersten Gruppentreffen haben. Oder sollen sich Studenten ihre Semesterferien für die Vorbereitung auf ein Seminar opfern, für welches sie dann nicht als Tutor eingesetzt werden!?

3. Bei der Wahl der Tutoren durch studentische Vertreter in der Fächergruppe, da fachliche Qualifikation und Engagement für die Interessen der Studenten gleichermaßen berücksichtigt werden müssen.

Wahl durch Professoren, Vollversammlungen oder den Fächergruppenrat ist aus offensichtlichen Gründen indiskutabel.

4. Bei der Bezahlung der Tutoren. Für die umfangreiche Vorbereitung und Arbeit der Tutoren in den Gruppen läßt sich schwer eine gerechte Bezahlung finden, wobei uns 280 DM auf die Dauer als zu wenig erscheinen.

Es muß weiterhin geregelt werden, wer über die Vergabe der Gelder an die Fächergruppen, an die einzelnen Fächer und weiter an die einzelnen Veranstaltungen entscheidet.

In einer Übergangsphase schlagen wir vor, Gruppen von zehn bis zwölf Studenten mit einem Tutor zu bilden."
Q: SLH:Wir halten das vorliegende Tutorenprogramm …,o.O. (Dortmund) o.J. (1972)

27.11.1972:
Der AStA der PH Dortmund gibt vermutlich Anfang dieser Woche die Nr.16 der 'DOS' - Dortmunder Studentenzeitung' (vgl. 13.11.1972, 1.12.1972) mit acht Seiten DIN A 4 und einem beigehefteten Flugblatt von der FHS, FB Sozialarbeit (vgl. 24.11.1972) sowie folgendem Inhalt heraus:
1. Zur Mensafrage (vgl. 16.11.1972, 21.11.1972)
2. 210 Wohnungen stehen leer
3. Neues von den Heilpädagogen
4. Zum Tutorenprogramm,

Bekanntgegeben werden die unveränderten Termine des Diskussionstreffs der GEW-AG, des Treffs der ESG, der PGH-Schulungen über Bildungsökonomie und politische Ökonomie, des ESG-Arbeitskreises Heilpädagogen und der Schulung politische Ökonomie der GEW-AG. Eingeladen wird auch zum ESG/PGH-Seminar (vgl. 2.12.1972).

Bekanntgegeben wird auch:"
210 WOHNUNGEN STEHEN LEER!!!

Wir wissen es alle: die Wohnraumnot ist bei allen enorm groß! Vor fast genau einem Jahr wurde von einem studentischen Mitglied im Vorstand des Studentenwerks eine Analyse der Sanierungsobjekte im Dortmunder Raum vorgenommen. Man überlegte, ob diese Wohnungen, die noch zwei und mehr Jahre vor dem Abbruch stehen, Studenten zur Verfügung gestellt werden können.

Diese Analyse ergab, daß im gesamten Dortmunder Raum 210 solcher Wohneinheiten verfügbar sind.

Auf diese Anregung hin wurden Verhandlungen zwischen der Gemeinnützigen Treuhandgesellschaft, der die Stadt Dortmund die Abwicklung dieses Projektes übergeben hat, und dem StW geführt.

Ziel: etwaige Übernahme von Wohneinheiten im Dorstfelder Raum durch das StW, das als Vermittler und Verwalter zwischen Treuhandgesellschaft und Studenten fungieren soll.

Diese Verhandlungen ziehen sich nun schon seit fast einem Jahr hin.

Dieser Zustand (preiswerter Wohnraum wird nicht genutzt) veranlaßte den AStA, in diesem Zusammenhang einige Fragen an den Geschäftsführer des StW zu stellen.

Hier einige der Fragen mit Stellungnahme des Geschäftsführers:
- Um welche Sanierungsprojekte handelt es sich bei den Verhandlungen und welche detaillierten Pläne zur Belegung der Sanierungsgebiete liegen vor?

Das StW verwandelt über Sanierungsprojekte im Dorstfelder Raum. Allerdings hat das StW keine Informationen darüber, welche Anzahl von Projekten vorhanden ist und in welchem Zustand diese sind.

MERKE: Das StW verhandelt also ohne jede grundlegende Information über die angebotenen Projekte.

- Welche Bedingungen müssen erfüllt sein, damit das StW bzw. die Stadt etwaige Verträge abschließt?

Das StW und die Stadt verhandeln über einen Vertragsentwurf, der einen Paragraphen enthält, der das StW zu einer Übernahme folgenden Versicherungsrisikos zwingt:

'Tritt durch nicht rechtzeitige Räumung der Nutzungsobjekte eine Verzögerung der Abbrucharbeiten ein, dann kann die Gesellschaft gegenüber dem StW Regreßansprüche geltend machen.'

Dies bedeutet nach Auskunft des Geschäftsführers ein dermaßen großes Finanzrisiko, daß die Realisierung für eine Übernahme der Sanierungsprojekte kaum in Aussicht steht.

Scheinbar fehlt es aber auch an Intensität, mit der das StW die Verhandlungen betreibt.

Es läßt sich in der Tat in dieser Frage keine Einigung erzielen, wenn man bedenkt, daß während eines Jahres immerhin 2 (in Worten: Zwei) Verhandlungstermine wahrgenommen wurden.

MERKE: Das Studentenwerk ist nicht nur für studentische Angelegenheiten da!"

In "Neues von der Heilpädagogik" wird berichtet von einer vergangenen Vollversammlung (vgl. 2.11.1972) und über eine geplante (vgl. 6.12.1972) sowie bekanntgegeben:"
RECHTSBERATUNG

Auch die Studenten der Heilpädagogik werden auf Vorlage des gültigen Studentenausweises vom Rechtsanwalt Bönig kostenlose Rechtsberatung erhalten."

In "Zum Tutorenprogramm" wird berichtet vom 16. und 23.11.1972 und angekündigt:"
In dieser Woche findet eine Unterschriftenaktion in den Seminaren statt. Bitte unterstützt durch Eure Unterschrift die Forderung nach bezahlten studentischen Tutoren und Errichtung einer Großraumbaracke unter studentischer Verwaltung."

Berichtet wird auch von der Fächergruppenversammlung der Fächergruppe V (vgl. 2.11.1972).
Q: DOS Nr.16,Dortmund o.J. (Nov. 1972)

29.11.1972:
An der PH Dortmund soll im Rahmen des Kampftages (vgl. 22.11.1972), zu dem u.a. die Zelle des KSV der KPD (vgl. 27.11.1972) aufrief, um 14 Uhr eine Vollversammlung in der Mensa stattfinden, was auch geschieht.

Beschlossen wird dort über ein Tutorenprogramm, zu dem uns drei Entwürfe vorliegen, die sich teilweise ähneln. Dabei decken sich der zweite (2T) und der dritte (3T) fast völlig, Anmerkungen zu T2 beziehen sich also – wenn nicht anders gekennzeichnet, auch auf T3. Bei T3 handelt es sich um die Fassung die - als letztlich wohl offizielle - auch durch den AStA der PH (vgl. 11.12.1972) verbreitet wird.

Im ersten Entwurf heißt es zunächst gleichlautend mit dem zweiten:"
1. Vorwort

Nach dem Umzug am 15.11.1972 zeigen sich die mangelhaften räumlichen Bedingungen und die mangelhafte personelle Ausstattung der PH was seinen Ausdruck in überfüllten Lehrveranstaltungen findet. Daß die geplanten und teilweise schon durchgeführten Fernsehübertragungen keine Lösungsmöglichkeiten bieten, wird deutlich, wenn man sich klar macht, daß auf diese Weise weder eine gründliche und kritische Aufarbeitung des Stoffes möglich wird, noch eine adäquate Betreuung der Studenten geleistet werden kann (2T: weder eine kritische Aufarbeitung noch eine kritische Reflexion des Stoffes möglich wird.).

Um hier wirksam Abhilfe zu schaffen, bietet sich die Einführung von Tutorengruppen bei Großseminaren an. Nur so kann (2T: ist) gewährleistet werden (2T: 'werden' nicht), daß die rezeptive Haltung der Studenten aufgelöst werden und an deren Stelle die umfassende und selbständige Erarbeitung des Stoffes durch die Studenten selbst tritt (2T: daß einer rezeptiven Haltung der Studenten entgegengewirkt werden kann. An deren Stelle tritt die umfassende und selbständige Erarbeitung des Stoffes durch die Studenten.). In kleineren Gruppen kann darüber hinaus intensiver auf die Problemstellungen der einzelnen Studenten eingegangen und dadurch ein tieferes und kritischeres (2T: nur 'kritisches') Verständnis des Stoffes erzielt werden. Einübung in gemeinschaftliche Arbeitsweise und wissenschaftliches Arbeiten stellen weitere Vorteile dar.

Es sollen vor allen Dingen (2T: nur) studentische Tutoren eingesetzt werden, (2T hier Satzende) da dies die Möglichkeit von Theorie und Praxis an der Hochschule direkt ergibt. Dies trägt dem Verlangen Rechnung, Lehrerstudenten frühzeitig mit der praktischen Auseinandersetzung mit pädagogisch-didaktischen Problemen (Gruppendynamik, Stoffvermittlung usw.) zu konfrontieren (2T: dieser Satz fehlt).

Das folgende Programm ist als ein kurzfristiges zu betrachten, das vorläufig auf die Grundwissenschaften beschränkt ist, das jedoch (2T: statt der letzten beiden Wörter: und) bereits in der nächsten Zukunft auf die Großveranstaltungen in den Fachwissenschaften ausgedehnt werden soll. Ein längerfristiges Programm soll von einem Ausschuß auf der Grundlage dieses Papiers und der mit ihm (2T: die letzten beiden Wörter fehlen) gemachten Erfahrungen erarbeitet werden.

2. Aufgaben der Tutoren

2.1. Studentische Tutoren sind für die Studenten da. Tutoren dürfen nicht als ausführende Organe der Seminarleiter verstanden werden.

2.2. Einrichtung von Tutorien dürfen auf keinen Fall zu einer Einsparung von im Stellenplan ausgewiesenen Planstellen führen.

2.3. Tutoren bereiten gleichberechtigt mit Seminarleitern das Seminar inhaltlich und organisatorisch vor.

2.4. Tutorien sollen das angebotene Lehrprogramm intensivieren, inhaltlich ergänzen und eine kritische Auseinandersetzung mit ihm fördern und der Behandlung von Fragestellungen dienen, die von Studenten formuliert werden.

(2T: 2.3.1. Die durch die Seminare angesprochenen Themenkomplexe werden von den Tutorengruppen selbständig erarbeitet, inhaltlich ergänzt und dienen der kritischen Auseinandersetzung und der Behandlung von Fragestellungen, die von Studenten formuliert werden.)

2.5. (2T: noch Punkt 2.3.1.) Als Aufgabe für Tutoren kommen (2T hier Einschub: , sofern der Wunsch in den Seminargruppen besteht,) weiterhin in Betracht (siehe BAK/WRK (2T: keine Klammer)):
- Anleitung zum Studium
- Einführung in die Arbeit mit wissenschaftlicher Literatur
- Anleitung zur Technik des wissenschaftlichen Arbeitens (2T hier Ende)
- Anleitung zum wissenschaftlichen Gespräch
- Anregung zur selbständigen Beschäftigung mit wissenschaftlichen Fachfragen

2.6. (2T: 2.4.) Gruppen unter Leitung von Tutoren (Tutorien) sind im Regelfall bestimmten Lehrveranstaltungen zugeordnet oder in sie eingeordnet.

2.7. (2T: dieser Punkt entfällt) Tutoren sind verpflichtet, an der Seminarvorbereitung teilzunehmen.

2.8. (2T: 2.5.) Tutoren sind verpflichtet, an einer didaktischen Schulung teilzunehmen, die von praxiserfahrenen Seminarleitern und/oder Studenten (2T nur: praxiserfahrenen Studenten (Tutoren)) durchgeführt wird.

2.9. (2T: 2.6.) Tutoren sind verpflichtet, an den regelmäßig stattfindenden Tutorenbesprechungen (innerhalb des Seminars) teilzunehmen.

2.10. (2T: 2.7.) Für intensive Teilnahme an der Gruppenarbeit werden vom Seminarleiter Leistungsnachweise ausgestellt (2T: Der Seminarleiter stellt für Gruppenleistungen jedem Teilnehmer einen Leistungsnachweis aus.).

2.11. (2T: 2.8.) Um eine intensive Gruppenarbeit zu ermöglichen, soll das Betreuungsverhältnis 1:8 (2T: 2:8) betragen.

3. Wahl der Tutoren
(2T hier: a) Vorschlag der Gruppen GEW, MSB Spartakus (der DKP,d.Vf.) und GIM - ganzer Abschnitt 3. fehlt in 3T)

3.1. Für die Wahl der studentischen Tutoren soll ein Gremium (2T: Berufungsgremium) zuständig sein, bestehend aus:
a) 2 (2T: 6) Seminarleitern, gewählt von allen Dozenten (2T: Seminarleitern) der beteiligten Fächergruppen. Davon sollte (2T: muß) die Hälfte schon Erfahrung mit Tutorenarbeit (2T: Tutoren) gesammelt haben. (2T: hier Ende von a))
Die beteiligten Fächergruppen sollen nach folgendem Schlüssel ihre Gremienmitglieder wählen:
4 Pädagogik
2 Soziologie
2 Philosophie
2 Psychologie
2 Politologie

Sollte sich herausstellen, daß einige Fächer noch keine Erfahrung mit Tutoren gemacht haben, kann die Wahl von Delegierten mit Tutorenerfahrung von anderen Fächern übernommen werden.

b) 12 (2T: 6) Studenten, gewählt von den studentischen Vertretern der beteiligten Fächergruppen. Davon sollte die Hälfte aus dem Kreis der schon tätigen Tutoren gewählt werden.

3.2. Die Tutorenstellen sollen (2T: werden) innerhalb der Fächergruppe (2T: öffentlich) ausgeschrieben (2T hier Satzende) werden.

3.3. Bewerbungen sind an das Berufungsgremium zu richten.

3.4. Die Betroffenen können die Abberufung von einem (2T: eines) Tutor beantragen. Das Gremium (2T: Berufungsgremium) entscheidet nach Anhörung aller Betroffenen über den Antrag.
(nur in 2T: b) Vorschlag des PGH)

(in 2T und 3T:
Die studentischen Tutoren werden in den Fächergruppen von den studentischen Vertretern gewählt.)

4. Finanzierung

4.1. Wir beantragen, daß (2T beginnt erst hier) in allen Seminaren, die von den Fernsehübertragungen betroffen (2T: oder überfüllt) sind, (2T: werden) sofort Tutoren eingesetzt (2T Satzende) werden. Als Tutoren können Teilnehmer des Tutorentrainings eingesetzt (2T: verwendet) werden. Sie sollten, sobald die Haushaltsmittel bewilligt sind, nachträglich bezahlt werden.

4.2. Die Sprecher der Fächergruppen werden beauftragt, den Haushaltsetat zu untersuchen, aus welchen Titeln die bestehenden und sofort einzurichtenden Tutorenstellen bezahlt werden (T2: Satzende) können.

(nur 2T: 4.3. Als Anhaltspunkt für die Finanzierung sollte die Regelung der Ruhr-Universität Bochum (RUB,d.Vf.) (Fachschaft Geschichte) dienen, die vorsieht, daß ein Tutor 280 DM im Monat erhält.)"
Q: N.N.:Entwurf eines Tutorenprogramms,o.O. (Dortmund) o.J. (1972); N.N.:Entwurf eines Tutorenprogramms,o.O. (Dortmund) o.J. (1972); Kommunistische Studentenpresse PH Dortmund Nr.2,Dortmund Nov. 1972,S.10; DOS Nr.17,Dortmund o.J. (Dez. 1972),S.6f

29.11.1972:
Der AStA der PH Ruhr, Abteilung Dortmund (vgl. 4.12.1972) berichtet:"
DISKUSSION ÜBER DAS TUTORENPROGRAMM VERTAGT

Anschließend an die letzte SVV vom 29.11.1972 tagte die Fächergruppenversammlung der Fächergruppe I (Pädagogik,d.Vf.), wo das auf der SV verabschiedete Tutorenmodell eingebracht wurde.

Was geschah?

Eine ausführliche Diskussion wurde dadurch verhindert, daß der Behandlung des 'Tutorenprogramms' von vornherein nur 30 Minuten eingeräumt wurde. Und das bei vierstündiger Dauer der gesamten Sitzung! Bereits hier zeigt sich die Abwiegelungs- und Verzögerungstaktik von Seiten vieler Dozenten, die dann auch in Diskussionsbeiträgen (u.a. wurde vorgeschlagen, in der Abteilungskonferenz ein Gremium zu bilden, das bis zum Sommersemester Richtlinien erarbeiten soll, vor allem aber in folgendem Beschluß zum Ausdruck kam:

Die Stellungnahme der FG I zum Tutorenprogramm der Studenten wird bis zum 13.12. hinausgeschoben. Ein Ausschuß, bestehend aus 2 Dozenten und 2 Studenten, holt bis zu diesem Termin weitere Informationen zu Tutorenprogrammen ein. Wiederum eine Woche später tagt die AK, die als oberstes Gremium der PH Dortmund über die Erfüllung der in zahlreichen SVV's gestellten Forderungen nach BEZAHLTEN studentischen Tutoren zu entscheiden hat.

Wer sichert uns zu, daß auch dann nicht wieder ein neues Gremium gebildet wird, daß nicht vertagt und verzögert wird?

Und in all dieser Zeit der Beratungen und Ausschußwursteleien ändert sich nichts an den miserablen Studienbedingungen.

Auf Druck der Studenten, des VV-Beschlusses und der Seminaraufklärung werden Fernsehveranstaltungen nicht mehr abehalten. Aber die Misere ist geblieben.

Entweder werden Seminare abgehalten, die überfüllt sind - die Studenten sitzen und stehen bis auf den Gang -, oder den Studenten wurde nahegelegt, ein anderes Seminar zu besuchen.

Im Seminar Baer/Köhne (Grundprobleme der emanzipatorischen Erziehungswissenschaft) mußten Studenten auf das nächste Semester vertröstet werden, weil nicht genügend Tutoren zur Verfügung standen.

Viele Studenten, die eine Tutorentätigkeit ausüben könnten, arbeiten außerhalb der Hochschule, um ihr Studium zu finanzieren.

Aus diesen Gründen fordern wir, daß noch in diesem Semester die ärgsten Mißstände beseitigt werden und wir nicht - mit Hilfe eines Gremiums - auf das nächste - nächste - nächste Semester vertröstet werden.

Die Fächergruppensitzung am vorigen Mittwoch hat gezeigt, daß die Mehrheit der Dozenten nicht bereit ist, ihre Privilegien über Bord zu werfen."

An anderer Stelle berichtet der AStA (vgl. 11.12.1972):"
FÄCHERGRUPPE I VERTAGT ENTSCHEIDUNG ÜBER DAS TUTORENPROGRAMM

Anschließend an die letzte SSV vom 29.11.1972 tagte die Fächergruppenversammlung der Fächergruppe I, wo das auf der SVV verabschiedete Tutorenmodell eingebracht wurde.

Was geschah?

Bevor eine inhaltliche Diskussion über das unterbreitete Tutorenprogramm zustande kam, wurde von seiten einiger Dozenten versucht, die Tutorenfrage an einen Ausschuß zu verweisen und damit die Entscheidung darüber hinauszuzögern. Diese Abwiegelungs- und Verzögerungstaktik kam noch verstärkt in folgenden Beschlüssen zum Ausdruck:

Die Stellungnahme der FG I zum Tutorenprogramm der Studenten wird bis zum 13.12. hinausgeschoben. Ein Ausschuß, bestehend aus 2 Dozenten und 2 Studenten, holt bis zu diesem Termin weitere Informationen zum Tutorenprogramm ein. Wiederum eine Woche später tagt die AK, die als oberstes Gremium der PH Dortmund über die Erfüllung der in zahlreichen SVV's gestellten Forderungen nach bezahlten studentischen Tutoren zu entscheiden hat.

Die Fächergruppensitzung am Mittwoch, 29.11., hat gezeigt, daß die Mehrheit der Dozenten nicht bereit ist, ihre Privilegien über Bord zu werfen.

Jetzt kommt es darauf an, daß die Studenten gemeinsam und entschlossen auftreten. Nur so kann eine baldige Verbesserung der Studiensituation durchgesetzt werden.

Deshalb: Tretet mit eurer Unterschrift demonstrativ für das studentische Tutorenprogramm und die Errichtung einer Großraumbaracke ein. Unterstützt die Unterschriftenaktion, indem ihr andere Studenten informiert und sie zum Unterschreiben auffordert (Unterschriftenlisten liegen im AStA aus)."
Q: DOS Nr.17,Dortmund o.J. (Dez. 1972),S.10; AStA PH Dortmund:Info Diskussion über das Tutorenprogramm vertagt,o.O. (Dortmund) o.J. (1972),S.1f

29.11.1972:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 11.12.1972) berichtet aus der Fachgruppe Psychologie (vgl. 7.12.1972):"
NEUE KLAUSURORDNUNG ERFOLGREICH ABGEWEHRT!

Wie der AStA auf der Studentenvollversammlung bereits berichtete, stand in Psychologie die Verabschiedung einer neuen Regelung zur Ablegung der Klausuren an. Auf der Fachgruppensitzung vom 29.11.1972 wurden verschiedene Konzepte diskutiert (im folgenden Auszüge aus dem Protokoll dieser Sitzung).

a) 'die bisher weitgehend geübte Praxis, die Themenstellung (Aufsätze) anzubieten,
b) das von Herrn Ferdinand und Herrn Bauer bislang praktizierte Verfahren jeweils 10 Fragen aus drei Bereichen zu stellen,
c) eine von Herrn Schaumann und Herrn Bauer entwickelte (Kompromiß-) Lösung, bei der aus den drei Gebieten (Allgemeine Psychologie, Entwicklungs- und Sozialpsychologie) jeweils drei kleinere Themenstellungen angeboten werden; der Kandidat hätte dann aus seinem Wahlgebiet zwei, von den Themen der übrigen zwei Gebiete ein Thema zu bearbeiten,
d) das in der Sitzung vom 6.9.1972 vorgesehene Modell, aus den drei Gebieten jeweils 25 Fragen vorzulegen.'…

'Die Vor- und Nachteile der verschiedenen Konzepte wurden lebhaft erörtert. Von studentischer Seite wurden dabei insbesondere gegen das 25-Fragen Modell Einwände vorgebracht, die sich z.B. auf die Gefahr von Verschulung und reinem 'Einpaukens' von Detailwissen bezogen.' Soweit zunächst das Protokoll.

Es würde zu weit führen, wollte man alle Modelle hier noch einmal ausführlich erörtern (das geschah bereits auf der Vollversammlung).

Festzuhalten ist lediglich, daß wir uns ganz entschieden gegen den Versuch wenden, einen nicht oder nicht genügend an der Schulpraxis orientierten Studiengang durch verschärfte Prüfungsbedingungen zu 'reformieren'.

Welchen Sinn kann es haben, vor der Prüfung soviel Bücher wie möglich auswendig zu lernen, um dann wie ein Computer auf Knopfdruck die richtigen Antworten zu 25 Fragen auszuspucken???

Auch das Modell, DREI vorher unbekannte Themen zu bearbeiten, bietet hier keine Alternative. Unserer Meinung nach ist die beste Lösung immer noch, das alte Verfahren zunächst beizubehalten, das heißt, mit dem Dozenten der Wahl drei Themenstellungen abzusprechen, bzw. nach Möglichkeit ein Thema genau festzulegen. Bei der genauen Festlegung eines Themas hatten einige Dozenten übrigens moralische Skrupel, es fielen Worte wie 'unsauber' und 'Mauschelei'. Obwohl sie uns vorher versichert hatten, daß sie lieber heute als morgen die Klausuren abgeschafft sähen! Unserer Meinung nach ist es jedoch weder 'unsauber' noch eine 'Mauschelei', wenn man ein Thema genau abspricht und sich dann intensiv darauf vorbereitet."
Q: DOS Nr.17,Dortmund o.J. (Dez. 1972),S.10ff

30.11.1972:
An der PH Dortmund will der KSV der KPD um 16 Uhr ein Tribunal gegen die politischen Disziplinierungen anläßlich des Berufsverbotes (BV) gegen Hannes Heer in Bonn (vgl. 17.11.1972) durchführen, auf dem Heer selbst, die in Bonn "vom Ausschluß aus der Inneren Fakultät bedrohte Genossin" Doris Hommer und ein oppositioneller Gewerkschafter sprechen sollen.
Q: KSV-RK NRW:Kommt zu den Tribunalen gegen die politische Disziplinierung,o.O. o.J. (Nov. 1972); KSV-RK NRW:Androhung des Berufsverbots für Hannes Heer,o.O. o.J. (Nov. 1972)

30.11.1972:
An der PH Dortmund lud der AStA (vgl. 13.11.1972) zur viertägigen, heute beginnenden Einführung von PGH/ESG in das 'Kapital' von Karl Marx in Nordwalde ein.
Q: DOS Nr.15,Dortmund o.J. (13.11.1972),S.11

01.12.1972:
Der AStA der PH Dortmund verbreitet, laut einer handschriftlichen Datierung heute, den Aufruf des AStAs der RUB zur heutigen Demonstration in Dortmund in Form einer 'AStA-Information' von zwei Seiten DIN A 4 ohne presserechtlich Verantwortlichen, die als Sondernummer der 'DOS' (vgl. 27.11.1972, 11.12.1972) erscheint.
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information - DOS Sdr.Nr.,Dortmund o.J. (1.12.1972)

02.12.1972:
An der PH Dortmund lud der AStA (vgl. 13.11.1972) zur zweitägigen, heute beginnenden "Diskussionsschulung (Einführung in die Technik der Diskussions-Führung und -leitung)" der ESG/PGH in Eversberg ein.
Q: DOS Nr.15,Dortmund o.J. (13.11.1972),S.11

04.12.1972:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 11.12.1972) berichtet vermutlich aus dieser Woche vom StW:"
ZUR CAFETERIA

Auf der letzten Vorstandssitzung des Studentenwerks hat der AStA versucht, der Resolution der SVV (vgl. 15.11.1972,d.Vf.) mit der Forderung nach einem zweiten Essen und der Verlängerung der Öffnungszeiten der Cafeteria, Nachdruck zu verleihen.

Mit einigem Erfolg:
Die Verlängerung der Öffnungszeiten wurde auf der Vorstandssitzung bereits zugesagt. Der verantwortliche Sachbearbeiter Herr Öcking wird nun überprüfen, wie die technische Realisierung dieser Forderung zu bewerkstelligen ist.

Ein genauer Termin aber konnte nicht genannt werden. Spätestens bis nach den Weihnachtsferien, also Anfang Januar, will man in der Lage sein, die Cafeteria für eine Probezeit von mindestens drei Monaten länger geöffnet zu halten.

Nach neuester Information soll die Probezeit schon in dieser Woche eingeführt werden."
Q: DOS Nr.17,Dortmund o.J. (Dez. 1972),S.14

04.12.1972:
Der AStA der PH Ruhr, Abteilung Dortmund gibt vermutlich Anfang dieser Woche ein 'Info' mit zwei Seiten DIN A 4 heraus, in dem über die Versammlung der Fächergruppe I (vgl. 29.12.1972) berichtet und weiter ausgeführt wird:"
Jetzt kommt es darauf an, daß die Studenten gemeinsam und entschlossen auftreten. Nur so kann eine baldige Verbesserung der Studiensituation durchgesetzt werden.

Deshalb:
Tretet mit eurer Unterschrift demonstrativ für das studentische Tutorenprogramm und die Errichtung einer Großraumbaracke ein. Unterstützt die Unterschriftenaktion, indem ihre andere Studenten informiert und sie zum Unterschreiben auffordert (Unterschriftenlisten liegen im AStA aus).

Wir fordern die Vorverlegung der AK um eine Woche.

Kommt zur SSV am kommenden Mittwoch, auf der die Ergebnisse bisheriger Aktivitäten besprochen und weitere Schritte geplant werden.

Verleiht euren Forderungen Nachdruck durch einen eintägigen Warnstreik!
Dieser Punkt muß auf der geforderten SVV behandelt werden."
Q: AStA PH Dortmund:Info Diskussion über das Tutorenprogramm vertagt,o.O. (Dortmund) o.J. (1972)

06.12.1972:
Vermutlich zur heutigen Vollversammlung erscheint an der Dortmunder PH ein zweiseitiges Flugblatt der Zelle des KSV der KPD ohne Titel und Verantwortlichen:"
Die PH-Bürokratie gestand in der letzten Woche ein, daß die Fernsehübertragung von Vorlesungen und Seminaren einstweilen nicht mehr stattfinden. Ohne Frage - ein Erfolg unseres Kampfes!

Sieht man sich aber weiter um, so hat sich in allen anderen Fragen bisher nichts geändert.

- die Vollversammlungen müssen immer noch in der Mensa stattfinden, ebenso alle größeren Veranstaltungen!
- die Fernsehübertragungen finden nun meistens so statt, daß die 200 - 300 Mann-Vorlesungen entweder ganz ausfallen oder im Räumen stattfinden, in die normalerweise nur 80 Studenten hineinpassen!
- die angedrohte Plakatzensur ist nicht zurückgenommen!
- an der PH soll von seiten der Bürokratie ein reaktionäres - von der SPD-Regierung diktiertes - Tutorenprogramm duchgesetzt werden!
- es gibt immer noch keine Räume für fortschrittliche Studenten und ihre Organisationen an der PH!

Der Angriff der SPD-Regierung und der PH-Bürokratie auf uns Studenten und auf die Schulausbildung der Kinder der Werktätigen umfaßt weit mehr, als lediglich in einigen Seminaren Fernsehübertragungen einzuführen!

So zielt er doch einerseits darauf ab, innerhalb von 2 Jahren - möglichst ohne großen Widerstand von den Studenten - hier in Dortmund die Gesamthochschule zu errichten, in deren Satzung z.B. verankert werden soll, daß der AStA als Organ der Verfaßten Studentenschaft des politischen Mandats beraubt werden soll - als Kampfinstrument der Studenten praktisch zerschlagen wird! In deren Satzung desweiteren festgelegt werden soll (wie schon in Bonn bereits geschehen und praktiziert!), daß 'Agitation in Seminaren' 'ordnungsrechtlich' verfolgt werden kann, also von Hausverbot bis Relegation jede Maßnahme der politischen Disziplinierung per Hochschulsatzung verankert werden soll!

- Wenn also spätestens 1973 diese Satzung durch den Gesamthochschulrat erarbeitet werden soll,
- wenn jetzt bereits erste probeweise Maßnahmen durchgeführt oder auch nur angedroht werden (Raumverbot und Plakatzensur),
- wenn jetzt bereits die Verfaßte Studentenschaft eines wichtigen Teils ihrer Rechte beraubt ist, das Recht Vollversammlungen durchzuführen, ist durch das Fehlen eines geeigneten Versammlungsraumes erheblich beschnitten!
- wenn jetzt bereits die Hochschulbürokratie alle Anstrengungen unternimmt, um in den entscheidenden Gremien, z.B. der Abteilungskonferenz ihr reaktionäres Tutorenprogramm (in dem die Tutoren durch Seminarleiter eingesetzt werden sollen, in dem den Tutoren jedes Quentchen fachlicher Unabhängigkeit genommen wird), durchzupauken,

- WENN BEREITS IN BONN UND KÖLN DIE SPD-LANDESREGIERUNG UND DIE HOCHSCHULBÜROKRATIEN ZU DEN OFFENEN UND BRUTALEN MITTELN DER POLITISCHEN DISZIPLINIERUNG GREIFEN:

- BERUFSVERBOT FÜR HANNES HEER!
- RAUSSCHMISS EINER FORTSCHRITTLICHEN GREMIENVERTRETERIN!
- PLAKATIERUNGS- UND RAUMVERBOT FÜR DEN KSV!
- PROZESSE GEGEN DIE FORTSCHRITTLICHEN STUDENTEN WEILAND UND FRITSCHE!

dann ist es hier an der PH bereits an der Zeit, die Maßnahmen, die von der SPD und Hochschulbürokratie an der PH geplant sind, gemeinsam abzuwehren,

UNSERE FORDERUNGEN, DIE WIR AUF DER 1. SSV GESTELLT HABEN, GEMEINSAM DURCHZUSETZEN!

SOFORTIGE ERRICHTUNG EINER BEHELFSBARACKE MIT 1 000 PLÄTZEN BIS ZUM 8. JANUAR FÜR VOLLVERSAMMLUNGEN UND GROSSE VORLESUNGEN!

BINDENDE ZUSAGE DER SPD-LANDESREGIERUNG BIS ZUM 10. DEZEMBER!

SOFORTIGE UND BEDINGUNGSLOSE BEREITSTELLUNG VON RÄUMEN FÜR ALLE FORTSCHRITTLICHEN STUDENTEN UND IHRE ORGANISATIONEN AN DER PH!

GEGEN DAS REAKTIONÄRE TUTORENPROGRAMM DER KULTUSMINISTERKONFERENZ UND SEINER ANWENDUNG AN DER PH!

FÜR VÖLLIGE FACHLICHE SELBSTÄNDIGKEIT DER TUTOREN!

KANN MAN ABER DIESE FORDERUNGEN ÜBERHAUPT DURCHSETZEN?

Wenn man dem MSB Spartakus (der DKP,d.Vf.) glauben will, dann allerdings nur so, indem man sich in die verschiedensten Gremien begibt und dort mit den entsprechenden Professoren Lösungen aushandelt und dabei auch Abstriche von unserem Programm macht.

Was dabei herauskommen wird, daß hat uns der MSB Spartakus schon einmal in Bochum gezeigt! Alle fortschrittlichen Organisationen an der RUB lehnten vor 2 Semestern die Arbeit in einem Uni-Parlament - das von einem Kommissar des Landes-Wissenschaftsministeriums als Schlichtungsvorschlag gegen die streikenden Studenten angeordnet wurde - ab; nur der MSB Spartakus war zur 'vertrauensvollen Zusammenarbeit' bereit und mauschelte auf dem Wege der Kompromisse und Zugeständnisse mit dem Staatskommissar gemeinsam eine neue, nicht weniger reaktionäre Satzung aus.

Demgegenüber:
Wie wir Erfolg haben werden, das lehren uns demgegenüber

- die Kämpfe der Berliner PH-Stundenten gegen ein reaktionäres Prüfungsrecht (die PH-Studenten streiken bereits seit 14 Tagen),
- die streikenden Fachhochschüler in NRW,
- Unsere 1. Vollversammlung, wo durch die Bereitschaft der Studenten ihre Forderungen durchzusetzen (die sich in der Vorlesungsagitation des auf die VV folgenden Tages manifestierte, als die durch die Vorlesungen gehende Gruppe auf zeitweise 50 aktiv beteiligte Studenten anwuchs), und dadurch die Hochschulbürokratie gezwungen wurde, die Fernsehveranstaltungen vorläufig abzusetzen.

Das zeigt deutlich, nicht Mauscheleien führen zum Ziel, sondern der von der Masse der Studenten getragene Kampf!

Zur Durchsetzung unserer Forderungen nach Räumen für fortschrittliche Studenten und ihre Organisationen und nach einer Großraumbaracke schlagen wir als ersten Schritt vor, daß wir gemeinsam nach der VV heute alle zur Sitzung des Sprecherrats um 16 Uhr gehen und folgende Resolution vorlegen:

Im ganzen Land NRW ist das SPD-Wissenschaftsministerium unter Rau in die Offensive gegangen. Überall werden reaktionäre Prüfungsordnungen eingesetzt, Studiengänge reglementiert und zu Mitteln wie innerem Numerus Clausus (NC,d.Vf.) gegriffen etc. Jedoch im ganzen Land haben die Studenten gezeigt, daß sie nicht bereit sind, diese Maßnahmen hinzunehmen. Die Demonstration der 10 000 Fachhochschüler in Düsseldorf war nur der Auftakt zu weiteren Kampfschritten.

In der Hoffnung, ihre reaktionären Maßnahmen reibungslos durchzusetzen zu können, greifen der Staatsapparat und seine Handlanger in den Unibürokratien zu dem Mittel der Verschärfung der politischen Disziplinierung fortschrittlicher Studenten und ihrer Organisationen. Berufs- (BV,d.Vf.), Plakatierungs- und Raumverbote sind an der Tagesordnung.

Die hier versammelten Angehörigen der PH Ruhr Abt. Dortmund wenden sich entschieden gegen diese Maßnahmen, und unterstützen daher die berechtigten Forderungen der PH-Studenten, wie sie in der Studentenvollversammlung verabschiedet worden sind.

Ein weiteres Kampfmittel ist die gezielte Agitation in den Lehrveranstaltungen von Dekan, Prodekan und Rektor, um ihre Hinauszögerungstaktik anzuprangern.

Kommillitonen, wir fordern euch zur Beteiligung an diesen weiteren Kampfmaßnahmen auf! Zeigen wir unsere Bereitschaft, für die Forderungen der 1.VV entschlossen einzutreten."
Q: KSV-Zelle PH Dortmund:ohne Titel (Die PH-Bürokratie gestand …),o.O. (Dortmund) o.J. (Dez. 1972)

06.12.1972:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 27.11.1972) kündigte für heute, 14 Uhr 15 in der Uni-Mensa eine studentische Vollversammlung (SV) der Abteilung Heilpädagogik (vgl. 2.11.1972) an, auf der als Haupttagesordnungpunkt die neue Satzung behandelt werden solle.

Befassen wolle man sich aber auch mit dem Umzug und:"
RAUMVERTEILUNG

Ebenfalls auf der nächsten SV wird der Punkt 'Raumverteilung nach dem Umzug' behandelt werden. Desgleichen in der nächsten AK (Abteilungskonferenz - vgl. S6.**.1972,d.Vf.).

Dabei geht es um die Frage, ob der AStA weiterhin unter unzulänglichen Bedingungen wird arbeiten müssen. Das heißt, daß er weiterhin nur einen Raum zur Verfügung hat, oder aber zwei, die zusammen die gleiche Quadratmeterzahl ergeben wie andernfalls der eine. Notwendig sind aber zwei Räume von jeweils ca. 20 qm. Wenn sich diese Forderungen nicht erfüllen lassen, wird es dem AStA unmöglich sein, alle seine Aufgaben mit der notwendigen Intensität wahrzunehmen. Der AStA sieht sich gezwungen, solche Maßnahmen der Hochschule, die seine Arbeit derartig behindern, im Zusammenhang mit der vom Minister geplanten Zerschlagung der Verfaßten Studentenschaft (VS,d.Vf.) zu stellen."

Zur Frage der neuen Klausurordnung, wie sie in Fachgruppe Psychologie (vgl. 29.11.1972, 7.12.1972) diskutiert wird, spricht sich die VV, lut AStA (vgl. 11.12.1972) mit großer Mehrheit gegen Neuerungen aus.
Q: DOS Nr.16 und 17,Dortmund o.J. (Nov. 1972) bzw. o.J. (Dez. 1972),S.5f bzw. S.12

06.12.1972:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 11.12.1972) erstattet folgenden:"
BERICHT ÜBER DIE SITZUNG DES SPRECHERRATS AM 6.DEZ. 1972

Im Anschluß an die SSV fand am vergangenen Mittwoch eine Sitzung des Sprecherrats statt, der als vorbereitendes Gremium der Abteilungskonferenz (AK,d.Vf.) vorgeschaltet ist.

Um die in der SVV gefaßten Beschlüsse zum Tutorenprogramm, zur Frage der Zuweisung von Räumen für studentische Gruppen und zur Plakatierung nachdrücklich vertreten zu können und Öffentlichkeit herzustellen, forderte der ASTA die Studentenschaft auf, an dieser Sitzung teilzunehmen und stellte folgende Anträge zur Geschäfts- und Tagesordnung:

1. Beschluß des Sprecherrats auf Einberufung einer Sonderabteilungskonferenz am 14. oder 15.12. mit dem einzigen Tagesordnungspunkt 'Tutorenprogramm'.
2. Rederecht für alle anwesenden Studenten zu allen Tagesordnungspunkten der laufenden Sitzung.
3. Erweiterung der Tagesordnung um den Punkt 'Tutorenprogramm'.

Nach längerer Diskussion, in der die Wichtigkeit einer möglichst frühzeitigen und ausführlichen Befassung mit dem Tutorenprogramm eindringlich begründet wurde, konnte auf Druck der stud. Vertreter folgender Kompromiß erreicht werden:

Der Sprecherrat beschließt, den Punkt 'Tutorenprogramm' als TOP 1 OHNE ZEITBEGRENZUNG in der Abteilungskonferenz am 20.12. zu behandeln.

Der Antrag 2 (Einräumung des Rederechts) wird vom AStA mit der Notwendigkeit begründet, zu derart wichtigen TOPs auch den nicht im AStA vertretenen Studentengruppen die Möglichkeit zur Meinungsäußerung zu geben. Nach ausführlicher Erörterung nimmt der Sprecherrat diesen Antrag endlich mit 13 / 6 / 4 Stimmen an. Danach wird der Beschluß gefaßt, gem. Antrag 3 das Tutorenprogramm in die Tagesordnung aufzunehmen und zu beraten. In diesem Zusammenhang verliest der AStA-Vorsitzende die Resolution der SSV zum Tutorenprogramm und fordert dabei nachdrücklich die Errichtung einer Großraumbaracke bis 8.1.1973. Die Baracke soll für folgende Veranstaltungen zur Verfügung stehen: für studentische Großveranstaltungen (SVVs, Teach-ins etc.), für Plenumssitzungen der Tutorenseminare, für Massenveranstaltungen, die vorläufig noch nicht durch Tutoren abgedeckt werden können.

Unter dem Eindruck der Resolution und der kompromißlosen Haltung der stud. Vertreter beschloß der Sprecherrat schließlich folgende Stellungnahme:

'Der Sprecherrat unterstützt den Antrag der Studentenschaft, weil er der Auffassung ist, daß die Studentenschaft die Möglichkeit haben muß, eigene Großveranstaltungen durchzuführen.'

Auch beim TOP 5 (Plakatierung) zeigten sich wieder gravierende Unterschiede in den Auffassungen von Studentenschaft und Hochschulbürokratie.

Der Vorschlag, die Plakatierung aus psychologischen und ästhetischen Gründen auf die vorgesehene Anschlagflächen zu beschränken, wurde als Versuch der Einschränkung der freien Meinungsäußerung auf's schärfste zurückgewiesen.

Der Antrag der Studentenschaft, daß Plakate zu jeder Zeit an den Flächen im Foyer und an sämtlichen Metallwänden (mittels Tesakrepp) angebracht werden können, wird schließlich mit knapper Mehrheit (10 / 8 / 3) angenommen, während ein Erweiterungsantrag, mit der Forderung nach der Möglichkeit zur Plakatierung von Meinungsäußerungen jedweden Inhalts gegen die Stimmen der stud. Vertreter abgelehnt wird.

Diese Fakten sprechen für sich. Der AStA wird die Entwicklung sorgfältig beobachten, alle Versuche einer Zensur mit