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Das Material der meisten beteiligten Organisationen scheint relativ geschlossen, allerdings mangelt es an Material der wichtigsten beteiligten Organisation, der Polizei.
Es handelt sich neben der Polizei wesentlich um die KPD, aber auch um die KPD/ML-ZK, die bald wieder die einzige halbwegs überregionale KPD/ML bildet, und die Vorläufer des KBW in Gestalt der KFR.
Es geht hier ausschließlich um den 1. Mai 1973 in Dortmund im Rahmen einer oft für einzelne Tage erfolgenden Darstellung der Demonstrationsverbote 1973 in NRW, die aufgrund 'zwingender Notwendigkeiten des Klassenkampfes' erst später zusammengefasst werden wird. Ich möchte daher dazu hier weiter nichts grossartiges Analytisches sagen, außer, dass ich selbst 1973 einen weit friedlicheren Ersten Mai hatte.
01.05.1973: 
In Dortmund beteiligen sich, nach eigenen Angaben, trotz des Verbots über 1 000 bis 1 500 an der zentralen bzw. NRW-weiten Maidemonstration der KPD um 12 Uhr ab Nordmarkt.
Die KPD berichtet zunächst vom gestrigen Verbot ihrer Demonstration, gegen das bereits gestern Beschwerde eingelegt wurde:"
Unsere weitere Beschwerde zum Oberverwaltungsgericht Münster wurde am 1.Mai um 12 Uhr abgelehnt. Wie aus der mündlichen Begründung hervorgeht, gingen die Richter von der Identität unserer Partei mit der verbotenen KPD aus. Auch die am 1.Mai um 8 Uhr angemeldete Protestdemonstration des Rote-Hilfe-Komitees (RHK,d.Vf.) wurde sofort mit der Begründung verworfen, sie sei eine Ersatzdemonstration für die verbotene 1.Mai Demonstration.
Diese ganze Komödie beweist nur eins: Um der Verbotsankündigung des Innenministers Weyer (FDP,d.Vf.) nachkommen zu können, ließen Polizei-Juristen keine noch so offensichtliche Verdrehung der einfachen Logik aus. In Gelsenkirchen brachten wir in Erfahrung, daß das Gericht zwar mit dem Dortmunder Polizeipräsidenten telefoniert hatte, uns aber jede Anhörung unter Hinweis auf formale Gründe verweigerte. Die Polizei von Dortmund, unterstützt von den Gerichten, ist offensichtlich fest entschlossen, ein generelles Demonstrationsverbot gegen uns durchzusetzen.
Daß wir davor nicht zurückweichen, haben wir am Sonntag bewiesen. Aber auch an der Front der Klassenjustiz werden wir keinen Schritt zurückweichen. Der endgültige Entscheid über unseren Widerspruch wird neues Material für die Entlarvung der 'Unabhängigkeit' der dritten Gewalt sein."
Weiter berichtet die KPD über die:"
DURCHBRECHUNG DES DORTMUNDER DEMONSTRATIONS-VERBOTS!
Die Dortmunder Nordstadt gleicht einer besetzten Stadt. Nach Angaben des Düsseldorfer Innenministeriums fünf Hundertschaften Polizei, nach Überschlagszählungen sind hier das Drei- bis Vierfache postiert. Der städtische Schlachthof, direkt neben dem KPD-Büro, gleicht einem Heer-Lager. Vor den Revieren parken Mannschaftswagen, Busse, Wasserwerfer; Lastwagen, voll beladen mit Polizisten, patrouillieren durch die Straßen. Ein Hubschrauber kreist ständig in geringer Höhe über der Nordstadt; ungezählte Spitzelautos fahren herum, kreisen beständig um den Häuserblock Zimmerstraße - Steinplatz - Münsterstraße.
Kurz vor 12 Uhr ist der Nordmarkt nicht mehr zu betreten, überall Uniformen. Wer einen Helm hat oder wer Flugblätter verteilt, den versuchen die Polizisten festzunehmen - wie schon den ganzen Vormittag in der Innenstadt.
Die Demonstranten haben sofort erkannt, daß hier kein Versammeln ist. Sie bilden daher schnell an der nächsten großen Kreuzung einen Demonstrationszug. Erst stehen wenige Reihen, die Genossen halten sich fest untergehakt.
Schnell geordnet und in Massen stoßen Genossen und Freunde vom Nordmarkt und Umgebung herüber. In weniger als fünf Minuten wächst der Zug auf 1 500 Teilnehmer. Die Demonstration zieht durch die belebte Münsterstraße Richtung Innenstadt. Jetzt tragen die Demonstranten alle kleine Fähnchen, hunderte roter Fähnchen mit der Aufschrift '1.Mai - KPD!' und an der Spitze des Zuges ein großes Transparent: 'Weg mit den Demonstrationsverboten!' und die KPD-Fahne!
An der Bahnunterführung am Ende der Münsterstraße riegelt die Polizei in aller Eile die Straße ab. Allein fünf große Busse, mehrere Mannschaftswagen und andere Fahrzeuge stehen hier. Mit großer Brutalität schlagen Polizisten auf Demonstranten ein. Ein Mädchen bricht nach einem Schlag mit dem Gummiknüppel auf den Kopf bewußtlos zusammen. Festgenommene werden von fünf und mehr Beamten abgeführt, die alle auf sie einschlagen und treten, besonders in die Nieren und den Unterleib. Unter den so Mißhandelten sind auch viele Mädchen und junge Frauen. Passanten sind erregt, 'SS-Schläger' schreit ein älterer Kollege dauernd in Richtung der Polizei.
Aus einem Gefangenentransporter brechen plötzlich vier Inhaftierte aus, ein Polizeioffizier wird überrascht, er kann nur noch mit seinen Untergebenen schimpfen.
Die Demonstration hat sich geteilt. Ein Block versucht an anderer Stelle in die Innenstadt zu gelangen, es gelingt den genossen nicht. Eine kasernierte Einheit hat die Straße abgeriegelt. Auf einer Parkanlage, umzingelt von Polizisten, halten sie eine kurze Kundgebung ab und lösen sich auf. Gemeinsam mit den anderen sickern sie durch die Polizeisperren und treffen sich vor dem Bahnhof. Hier auf der großen Freitreppe wird eine weitere Kundgebung abgehalten, unter den Fahnen der KPD und des KJV. Als die Polizei nach längerer Zeit eintrifft und ihre Wasserwerfer in Stellung bringen will, löst sich die Demonstration auf.
Das Demonstrationsverbot ist durchbrochen. Die Taktik von Klassenjustiz und Bürgerkriegsmanöver zur Unterstützung des Verbots hatte keinen Erfolg."
In einem weiteren Artikel berichtet die KPD:"
ÜBER 1 000 GENOSSEN AUF DEM WEG NACH DORTMUND FESTGEHALTEN!
Überall in Nordrhein-Westfalen versuchte die Polizei, das rechtswidrige Demonstrationsverbot mit einem großangelegten Bürgerkriegsmanöver durchzusetzen. Auf den Autobahnen und Zufahrtsstraßen nach Dortmund wurden Busse, PKWs und Kleinbusse, die zur Maidemonstration der KPD fuhren, von der Polizei gestoppt und an der Weiterfahrt gehindert.
Freunde und Genossen aus Bielefeld wurden an einer entlegenen Autobahnausfahrt festgehalten und von ca. 50 Polizisten mit Hunden bedroht. Einige der Polizisten versuchten mehrfach, Schlägereien zu provozieren.
In Münster verbot die Polizei dem Busunternehmer den bereits zugesagten Bus zum Abfahrtsplatz zu schicken. Ein Teil der Genossen fuhr daraufhin ungeschoren mit PKWs nach Dortmund, die andere Gruppe, die zum Bahnhof ging, wurde dort von Polizisten angehalten, die ihre Personalien feststellen wollten. Die Genossen weigerten sich und wurden daraufhin von der Polizei angegriffen und zwei von ihnen festgenommen.
Mehr Glück hatte ein Kölner Bus. Die Genossen fuhren nicht über die Autobahn nach Dortmund, nachdem sie in Köln einen oppositionellen Block auf der DGB-Demonstration gebildet hatten, sondern über Landstraßen. Aber selkbst auf den Bundesstraßen gerieten sie zweimal in Polizeisperren, konnten aber jedesmal den Anschein harmloser Maiausflügler erwecken.
Die anderen Kölner Busse wurden jedoch festgehalten.
Die Genossen aus Aachen, wo die Kundgebung der KPD für den Vorabend des 1.Mai ebenfalls verboten worden war, waren besonderen Verfolgungen der Weyer-Polizei ausgesetzt. ... Nach der Demonstration (am Abend des 30.4.,d.Vf.) fuhren Aachener Genossen und Freunde mit dem Bus auf die Autobahn. In Remscheid werden sie von mehreren Polizeiwagen aufgehalten. Unter dem unsinnigen Vorwand, der Fahrer sei unausgeschlafen, halten die Polizisten den Bus zwei Stunden fest. Sie beschlagnahmen Transparente, nehmen die Personalien auf und verhören Einzelne. Einen Kollegen versuchen sie, mit vorgehaltener Maschinenpistole einzuschüchtern. ...
Alle Düsseldorfer Freunde und Genossen waren am 1.Mai in Dortmund.
In Siegen hatten die Polizisten ähnlich wie in Münster den Busunternehmer vorher eingeschüchtert, so daß er zwar zum Abfahrtsort kam, dort aber mehrere zivile und uniformierte Beamte in den Bus stiegen und damit fortfuhren. Den Siegenern gelang es trotzdem, noch rechtzeitig in Dortmund zu sein."
Die Ortsleitung Dortmund des KOV der KPD berichtet später (vgl. 29.4.1974):"
vor genau einem Jahr, am 1.Mai 1973, wurde hier in Dortmund die 1.Mai-Demonstration der KPD verboten. Über ganz NRW hatte Polizeiminister Weyer ein Demonstrationsverbot verhängt. Aber auch tausende von Polizisten, brutalste Knüppeleinsätze konnten nicht verhindern, daß das Demonstrationsverbot erfolgreich durchbrochen wurde. Gerade von uns Dortmundern werden sich viele noch daran erinnern, wie überall in der Stadt Polizeiposten standen, in Gruppen zusammenstehende Menschen auseinandergetrieben wurden, wahllos verhaftet wurde."
Aufgerufen wurde von der KPD u.a. im IGM-Bereich bei Hoesch Dortmund (vgl. 24.4.1973) sowie in Dortmund (vgl. 23.4.1973).
Zur Demonstration der KPD riefen auch der Vietnamausschuß (VA) Dortmunder Oberschüler des NVK der KPD (vgl. 23.4.1973) sowie die VAs Dortmund (vgl. 23.4.1973) auf.
Das oppositionelle Maikomitee der KPD-Freunde setzt sich, nach eigenen Angaben, aus Mitgliedern von 4 Gewerkschaften zusammen, wobei Lehrlinge der HBV und ÖTV sowie ein Jugendausschuß Hoesch Westfalenhütte im IGM-Bereich erwähnt werden. Das Maikomitee rief außer zur KPD-Demonstration auch zum oppositionellen Block beim DGB auf, wovon die KPD berichtet:"
150 OPPOSITIONELLE KOLLEGEN IM DORTMUNDER DGB-BLOCK
Etwa 600 Kollegen versammelten sich vor der Hoesch-Hauptverwaltung, um zum Westfalenpark zur DGB-Kundgebung zu marschieren. Davon reihten sich an die 150 Kollegen hinter den Transparenten des Blocks des 'Maikomitees oppositioneller Gewerkschafter' ein:
- Hinein in die Gewerkschaften - stärkt die RGO!
- Kampf den Demonstrationsverboten!
Sofort riegelten 30 Ordner den Block ab und ein Lautsprecherwagen schob sich dazwischen, von dem aus der oppositionelle Block mit wüsten Beschimpfungen überschüttet wurde, nur öfter unterbrochen von der Aufforderung, sich nur nicht in diesen Block einzureihen.
Gegen dieses Geplärre riefen die Genossen: DGB und Polizei - Straße frei! DGB und DKP tun dem Kapital nicht weh! Straße frei für den 1.Mai! und Kommt zu unserer Demonstration!
Die Polizei versuchte, den DGB-Bossen mit zwei Mannschaftswagen behilflich zu sein, sie unternahm mehrere provozierende Vorstöße gegen Genossen, ein Genosse mit einem Megaphon wurde verhaftet.
So wenig wie die Polizei es schaffte, eine Prügelei anzuzetteln, sowenig gelang es ihr, den oppositionellen Block abzuspalten: Er marschierte mit in den Westfalenpark, wo ein Genosse eine kurze Kundgebungsrede hielt, der die Massen mit Interesse zuhörten. Er schloß mit der Aufforderung, zur Protestdemonstration unserer Partei zu kommen."
Laut dem Gewerkschaftlichen Maikomitee Dortmund 1974 der KPD wird "zum ersten Mal nach 1945 eine Maidemonstration verboten, die Demonstration der KPD. NRW-Innenminister Weyer wollte sogar ein allgemeines Demonstrationsverbot durchsetzen. Gegen diese Maßnahmen demonstrierten dann am 1.Mai trotz Verbot über 1 000 Menschen. Friedlich zogen sie durch die Münsterstraße, bis sie am Steinplatz von der SPD-Polizei überfallen wurden. Die Bullen prügelten auf alles ein, was sich ihnen in den Weg stellte. Viele Ältere riefen: 'Das ist ja wie 1933!' Die Demonstranten schafften es jedoch noch, auf dem Bahnhofsvorplatz eine Abschlußkundgebung abzuhalten, wobei es die Polizei nicht wagte, einzugreifen. Erst als die Kundgebung sich auflöste, begannen die Bullen wieder zu prügeln. Doch der Versuch, die klassenbewußten Arbeiter zu isolieren, gelang nicht. Das Demonstrationsverbot war durchbrochen und konnte von Weyer bis heute nicht durchgesetzt werden. Selbst die bürgerliche Presse konnte diesen Polizeiterror nicht verschweigen. Sie mußte berichten, daß über 1 500 Menschen die Einfahrt nach Dortmund verweigert wurde. Auch der DGB hatte zu einer Demonstration aufgerufen. Doch hier zeigten fortschrittliche Kollegen, daß nicht die Parole nach 'mehr Mitbestimmung' die Interessen der Arbeiter vertritt, sondern der Kampf gegen die arbeiterfeindliche Brandt-Regierung, gegen Polizeiterror und Klassenjustiz, für einen Lohn, der zum Leben reicht, und nicht der Lohnverrat der Gewerkschaftsführung."
Laut dem Dortmunder Solidaritätskomitee Hände weg von der KPD, verbietet NRW-Innenminister Weyer "die von der KPD geplante Demonstration. Tausende Polizisten werden aufgeboten, um in Dortmund jede größere Menschenansammlung zu verhindern, Straßen abgeriegelt, Busse durchsucht und aufgehalten usw. Trotzdem demonstrieren rund 2 000 Menschen durch die Straßen und fordern: Weg mit dem Demonstrationsverbot. Die Presse kann nicht mehr verschweigen, daß es die Polizei war, die Gewalt anwendet, brutal auf Demonstranten einknüppelt und keine 'umherziehenden Politrocker'. Die Kriminalisierungsversuche gegen die KPD gehen weiter" (vgl. 15.5.1973).
Die Zelle des KSV der KPD an der PH Dortmund berichtet:"
TROTZ POLIZEITERROR: DER KAMPF GEGEN DEN IMPERIALISMUS LÄSST SICH NICHT VERBIETEN!
Der SPD-Polizeipräsident Riwotzki aus Dortmund erließ am 1.Mai 1973 ein Verbot gegen die Maidemonstration der KPD. Seit 1929, als der SPD-Polizeipräsident Zörgiebel den Mai-Aufmarsch der KPD verbot, ist es nicht mehr zu einer solchen Provokation gekommen!
Wie sah es an diesem 1.Mai in Dortmund aus?
Aufgeschreckt durch das sprunghafte Voranschreiten der Revolutionären Gewerkschaftsopposition, das sich im Nationalen Kongreß der RGO in Dortmund-Mengede (vgl. 14.4.1973,d.Vf.) dokumentierte und durch die mutigen Antiimperialisten, die durch ihre Aktionen angesichts des Empfangs des Faschisten und Völkermörders Thieu (vgl. 10.4.1973,d.Vf.) durch den Bundespräsidenten die Komplizenschaft der SPD-Regierung mit dem Mörder Nixon entlarvten, sollte das Demonstrationsverbot einen ersten Höhepunkt der vorausgegangenen wüsten Hetzkampagne darstellen. Die revolutionären Kräfte sollten eingeschüchtert und die Massen von der Solidarisierung mit diesen Kräften abgeschreckt werden, um so nach einer Isolierung von der Bevölkerung die Stimme der Revolution umso leichter zum Schweigen bringen zu können.
Zu diesem Zweck benutzte die SPD/FDP-Regierung des Landes NRW den 1.Mai für ein großangelegtes Bürgerkriegsmanöver ihres polizeilichen Unterdrückungsapparates. Auf allen Zufahrtswegen nach Dortmund hielten Polizeisperren Busse und PKWs an und hielten über 1 000 Menschen fest, die zur Demonstration nach Dortmund wollten.
In Dortmund sollten 5 000 Polizisten die Demonstration für eine Politik gegen Ausbeutung und Unterdrückung verhindern, eine Demonstration, die klar die Stoßrichtung des Kampfes benennt:
GEGEN DIE ARBEITERFEINDLICHE BRANDT-REGIERUNG -
REVOLUTIONÄRE ARBEITEREINHEIT - REVOLUTIONÄRE VOLKSEINHEIT
Dort, wo nicht dem Arbeiterverrat und der Klassenharmonie gehuldigt wird, dort sollte durch den staatlichen Terror der SPD-Regierung die Effizienz der 'Inneren Reform' von Polizei und Spitzelapparat unter Beweis gestellt werden.
Gegenüber den revolutionären Massen erwiesen sich jedoch Hubschrauber, Wasserwerfer, Funksprechgeräte und alle anderen Mittel der staatlichen Terrororgane als nutzlos, denn die revolutionär gesinnten Arbeiter, anderen Werktätigen, Studenten und Schüler ließen sich durch die Herrschau nicht einschüchtern, sondern formierten sich zu einer Demonstration von über 1 500 Menschen, die revolutionäre Parolen rufend durch die Straßen Dortmunds zogen. Zahlreiche Menschen reihten sich in den Zug ein und gaben so ihrer Sympathie für die Demonstranten und ihrer Ablehnung gegen das Demonstrations-Verbot Ausdruck, und am Ende der Demonstration fanden Schlußkundgebungen statt, die die Polizei nicht verhindern konnte.
Zwar erreichten die Schläger des Bürgerkriegsministers Weyer durch ihr äußerst brutales Vorgehen, daß mehrere Demonstranten zum Teil schwer verletzt wurden, doch erweckte dieser brutale Polizei-Einsatz die heftige Empörung und den Abscheu der Bevölkerung, die Vergleiche mit dem Terror der SA- und SS-Banden zog. Doch der Mut und die Entschlossenheit der Demonstranten, die sich das Recht auf die freie Straße nicht nehmen ließen, bewirkten, daß dieser 1.Mai zu einem Sieg für die konsequent klassenkämpferischen Kräfte wurde, besonders aber zu einem Sieg der KPD.
Der Angriff der Konterrevolution in Gestalt der SPD-Regierung und der Gewerkschaftsbonzen mit der die wahrhaft kommunistischen Kräfte verleumdenden DKP im Gefolge wurde erfolgreich zurückgeschlagen.
Zahlreichen Menschen wurden durch die kriminellen Aktionen der Polizei die Augen geöffnet, sie erkannten den arbeiterfeindlichen Charakter der SPD-Regierung. Ihnen, die von der Sozialdemokratie 'enttäuscht' sind, eine revolutionäre Perspektive an der Seite der Arbeiterklasse unter der Führung der KPD aufzuzeigen, ist jetzt die sich stellende Aufgabe, um sie zusammenzuschließen gegen das menschenfeindliche System des BRD-Imperialismus.
Durch Einschüchterungsversuche und Unterdrückungsversuche werden wir uns nicht lähmen und zurückdrängen lassen, sondern aus dem Kampf dagegen gehen wir gestärkt und ermutigt hervor, und die Antwort auf die terroristische Gewalt der SPD-Regierung ist die revolutionäre Gewalt der Volksmassen.
Die Hetzkampagne, die von einem breiten Bündnis der bürgerlichen, revisionistischen und kryptorevisionistischen Presseorgane getragen wird, richtet sich nicht nur gegen die KPD sondern ebenso gegen ihren Studentenverband, den KSV, da der KSV die Widersprüche, die sich auch im Bereich der Hochschulen verstärken, aufgreift und konsequent den Kampf gegen die reaktionäre Bildungspolitik der SPD-Regierung aufnimmt. Die Hetze wird ihr Ziel - die Isolierung und Zerschlagung der revolutionären Kräfte auch an den Hochschulen - nicht erreichen, denn gegen die verleumderischen Beschimpfungen der Geheimbündeleien usw. setzen wir die öffentliche Propagierung unserer Politik und den Kampf gegen die reaktionär-bürokratische Hochschulreform.
FÜR DAS FESTE BÜNDNIS DER ARBEITERKLASSE MIT ALLEN UNTERDRÜCKTEN SCHICHTEN DES VOLKES"
Die KPD berichtet auch:"
DER 1.MAI 1933:
DAS KURZE GEDÄCHTNIS DER SPD-FÜHRER
'Heute vor 40 Jahren', so ließ sich IGM-Bonze Preiss vor den im Dortmunder Westfalenpark versammelten Gewerkschaftern am Vormittag des 1.Mai 1973 vernehmen, 'mußten wir erleben, wie SA die Gewerkschaftshäuser stürmte.'"
Die KPD berichtet sodann von der Vor- (vgl. Jan. 1933, 22.4.1933) und Nachgeschichte (vgl. 2.5.1933) des 1.Mai 1933 und fährt fort:"
Wenn IGM-Bonze Preiss diese Tatsachen den Gewerkschaftern im Dortmunder Westfalenpark am 1.Mai 1973 eröffnet hätte, dann hätte er sich auch zur Politik der Sammlung der arbeiterfeindlichen Kräfte mit Hilfe der Sozialdemokratie äußern müssen. Und wenn die 'UZ', das Organ der revisionistischen DKP, statt zu diesen Tatsachen ebenso zu schweigen wie die SPD- und DGB-Führer, die Wirklichkeit des 1.Mai 1933 beleuchtet hätte, dann hätte sie ihren eigenen Mitgliedern, ihren Freunden und denen, die sie - vergeblich - zu gewinnen trachtet, erklären müssen, warum sie jene Sozialdemokratie, die das Erbe dieser imperialistischen Partei seit 1914 meisterhaft verwaltet und die Monopolbourgeoisie gegen die Arbeiter rüstet, heute verschont und umarmt!"
Laut KB Bremen (KBB) stand der "1. Mai in Dortmund im Zeichen des Polizeiterrors. Mit Polizeiterror wurde das Verbot von Kundgebungen und Demonstrationen der 'Gruppe Rote Fahne' (KPD) durchgesetzt." Ca. 2 500 Menschen kommen zusammen. Ein Block des der KFR nahestehenden Maikomitees (MK) umfaßt ca. 50 Menschen, der Block der RGO ca. 100.
Laut BKA Freiburg beteiligen sich 1 000 an einer verbotenen Demonstration von mehreren kommunistischen Organisationen.
Sie wird von der Polizei teilweise brutal auseinandergetrieben. Viele Teilnehmer werden erkennungsdienstlich (ED) behandelt.
Das daraufhin gebildete Regionale Komitee (vgl. 8.5.1973) berichtet, in einem auch von der KFR (vgl. 9.5.1973) verbreiteten "Aufruf" (vgl. 8.5.1973) so:"
Zum ersten Mal in der Geschichte der BRD wurden am 1.Mai 1973 am Kampftag der Arbeiterklasse Maidemonstrationen verboten, weil sie von Kommunisten durchgeführt wurden. In Dortmund war ein riesiges Polizeiaufgebaut zusammengezogen, um diese Maidemonstration zu verhindern und um jeden Protest gegen das Demonstrationsverbot mit allen Mitteln zu ersticken.
Schon morgens griff sich die Polizei überfallartig Teilnehmer der DGB-Demonstration heraus, die unter den Losungen: 'Für kampfstarke, klassenbewußte Gewerkschaften' und 'Für freie politische und gewerkschaftliche Betätigung der Arbeiterklasse und des Volkes' marschierten. Sie wurden durchsucht und teilweise festgenommen.
Mittags war die Dortmunder Innenstadt bürgerkriegsmäßig von der Polizei besetzt. Der 1 500 Mann starke Protestzug gegen die Demonstrationsverbote, der sich spontan gebildet hatte, wurden immer wieder brutal von der Polizei überfallen. Für die Polizei galt von Anfang an die Parole: Knüppel frei. Ergebnis: 60 Festnahmen, 2 Schädelbrüche, 1 Kieferbruch.
Um zu verhindern, daß sich noch mehr Menschen am Protest gegen das Demonstrationsverbot beteiligten, hielt die Polizei auf den Zufahrtsstraßen nach Dortmund Busse und Privatwagen stundenlang fest. Verdächtige Eisenbahnfahrer wurden am Verlassen des Dortmunder Hauptbahnhofs gehindert, oder wie z.B. in Münster, erst gar nicht in den Zug nach Dortmund gelassen. Trotz dieser Unterdrückungsmaßnahmen durch die bürgerliche Staatsgewalt gelang es am Nachmittag auf der großen Freitreppe gegenüber dem Dortmunder Hauptbahnhof eine Protestkundgebung gegen die Demonstrationsverbote durchzuführen."
Das Komitee gegen die Demonstrationsverbote berichtet auch:"
Am 1.Mai plante die Gruppe 'Rote Fahne' (KPD)' eine 1.Mai-Demonstration, die mit eindeutig politischer Begründung verboten wurde. Daraufhin entstand, trotz des massiven Polizeieinsatzes, am 1.Mai spontan eine Protestdemonstration gegen dieses Verbot. Hierbei wurden ca. 60 Personen verhaftet und drei schwer verletzt. Schon am Vormittag ging die Polizei brutal gegen fortschrittliche Kollegen und Genossen im DGB-Zug vor. Hierbei wurde ein Genosse festgenommen."
Vom Regionalen Komitee gegen das Demonstrationsverbot (vgl. 14.5.1973) und der KFR (vgl. 9.5.1973) wird ein Bericht eines Mitglieds des Sekretariats der KFR, erstellt im Auftrag des Sekretariats verbreitet, der sich zunächst mit den Verboten der Demonstrationen der KPD und KPD/ML-ZK (vgl. 30.4.1973) befaßt und fortfährt:"
Der 1.Mai begann in Dortmund mit der Demonstration des DGB. Sie bestand aus drei Marschsäulen, die sich an der Westfalenhütte, bei Phoenix und am Postscheckamt aufstellten, um dann zum gemeinsamen Kundgebungsplatz im Westfalenpark zu marschieren, Wir reihten uns mit den Parolen des regionalen 1.Mai-Komitees in den Zug an der Westfalenhalle ein. Es wurden zwei Transparente mitgeführt: FÜR KAMPFSTARKE, KLASSENBEWUSSTE GEWERKSCHAFTEN! und FÜR FREIE POLITISCHE UND GEWERKSCHAFTLICHE BETÄTIGUNG DER ARBEITERKLASSE UND DES VOLKES!
Insgesamt hatten sich an der Westfalenhütte ungefähr 800 Menschen eingefunden. Bei der Aufstellung gelang es den Ordnern des DKP-Blocks, einen VW-Bully zwischen ihren Block und die Demonstranten zu schieben, die unten den Parolen des Maikomitees sich versammelt hatten. Dahinter hatte sich der 'RGO'-Block aufgestellt. Der VW-Bus stammte übrigens von der Hoesch-Werksfeuerwehr. Mit diesem Manöver sollte versucht werden, einen Keil in die Demonstration zu treiben. Trotzdem versuchten wir, die Aufstellung friedlich durchzuführen, was auch gelang.
Wir stimmmten von vorneherein eine Parole gegen das Demonstrationsverbot an, denn gerade am 1.Mai bedeutet das Verbot eine ungeheuerliche Provokation aller klassenbewußten Kollegen, aller Demokraten und Kommunisten.
WEG MIT DEM DEMONSTRATIONSVERBOT!
FÜR UNEINGESCHRÄNKTE DEMONSTRATIONSFREIHEIT FÜR ALLE DEMOKRATEN UND KOMMUNISTEN!
Die Genossen und Kollegen des 'RGO'-Blocks schlossen sich ebenfalls dieser Parole an.
Indem sie auf die falsche Politik der Gruppe Rote Fahne (KPD,d.Vf.) bei der Besetzung des Bonner Rathauses anspielten, versuchten die Ordner der DKP am Anfang, über den Lautsprecher den letzten Block als den der 'Chaoten' zu diffamieren, 'die ja in Bonn gezeigt hätten, was sie unter Demokratie verstehen'. Außerdem verbreitetem sie: 'Der Demonstrationszug besteht aus Kollegen, der Westfalenhütte, die mit diesen Kräften nichts zu tun haben wollen.'
Durch das Auftreten des letzten Blocks und insbesondere der Teile des Maikomitees waren sie aber bald gezwungen, die Hetze einzustellen. Die Parolen des Maikomitees waren eben klar an den Interessen der Arbeiterklasse und des Volkes ausgerichtet!
Die ersten Blocks stimmten nicht einmal Parolen an, das wurde lautstark durch drei Spielmannszüge ersetzt. An den Marschzug schlossen sich nach einiger Zeit zwei Mannschaftswagen der Polizei an, außerdem ein PKW mit einem Polizeioffizier. Als der Zug eineunbewohnte Zone der Demonstrationsroute erreicht hatte, stieg ein kleiner Stoßtrupp aus und lief neben dem letzten Block her. Plötzlich stieß er in die Demonstration vor und nahm drei Genossen des RGO-Blocks anhand von Fotolisten fest. Ihre Ausweise, Einkaufstüten und Mäntel wurden untersucht. Anschließend konnten die Genossen wieder in den Zug zurückkehren. Das gleiche geschah noch ein zweites Mal. Gleichzeitig wurde versucht, den gesamten letzten Block von der Demonstration zu trennen, was nicht gelang, weil er dicht auf den DKP-Block aufschloß. Die DKP-Ordner machten angesichts der Polizei keine Schwierigkeiten und ließen uns aufrücken, zeigten sich aber auch nicht aktiv solidarisch. In einem dritten Versuch nahm der Stoßtrupp der Polizei einen Genossen des 'Regionalen Maikomitees' fest, der über Megaphon die Parolen angestimmt hatte. Er wurde nicht gleich wieder freigelassen, sondern 8 Stunden von der Polizei festgehalten. Das Megaphon wurde eingezogen. Ihm wurde ein Verfahren wegen Rädelsführerschaft und wegen Anführens einer verbotenen Demonstration angedroht. (Das zweite bezog sich auf die zweideutig formulierte Verbotsverfügung, die offensichtlich gegen den RGO-Block gerichtet war). Das Eingreifen der Polizei wurde von den Demonstranten sofort als offene Provokation erkannt, die einen Anlaß zum umfangreichen Einsatz ihrer Kräfte suchte. Die Genossen und Freunde blieben ruhig in ihrem Demonstrationszug und stimmten die Parole an: Weg mit der Polizei - Straße frei zum 1. Mai!
Der Einsatz der Polizei führte dazu, daß selbst die DKP-Ordner sich dagegen empörten, weil sie keinen Grund dafür sehen konnten. Als die Polizei feststellen mußte, daß ihre Provokation keinen Erfolg hatte, zog sie sich wieder zurück. Auf der Abschlußkundgebung im Westfalenpark fanden sich etwa 2 500 Menschen zusammen.
Der Block des Maikomitees war die einzige politische Kraft, die dem scheinradikalen Mitbestimmungsgerede des IGM-Redners klassenbewußte Parolen entgegenhielt. Insbesondere wurde hier noch einmal das aktuelle Demonstrationsverbot in den Mittelpunkt gestellt. Wir beschlossen dann die Kundgebung mit der Parole:
Vorwärts im Kampf für die Rechte der Arbeiterklasse und des Volkes!
Vorwärts im Kampf für den Sozialismus!
und
Weg mit dem Demonstrationsverbot!
Während der Kundgebung waren vor den Eingängen des Parks Einheiten der Polizei in Bereitschaft gehalten worden. Über unser Auftreten wurde von den anwesenden Polizisten ständig über Funk berichtet.
Anschließend begaben sich die Demonstranten des Regionalen Maikomitees wieder in den Norden der Stadt zum Nordmarkt. Dort sollte um 12 Uhr die Kundgebung gegen das Demonstrationsverbot stattfinden. Die Polizei hatte sich umfangreich darauf vorbereitet: Um die Stadt Dortmund herum waren sämtliche Zufahrtsstraßen bewacht, wurden mengenweise PKW untersucht und fast alle Busse. Die Personalien der Insassen wurden festgestellt, ganze Busse, die zur Demonstration wollten, wurden nicht mehr weitergelassen. Der Hauptbahnhof wurde durch starke Einheiten überwacht, 'demonstrationsverdächtige Personen' wurden sofort angehalten, durchsucht, ein Teil auch festgenommen, wenn sie etwa Fahnen, kommunistische Zeitungen, Flugblätter oder ähnliches bei sich trugen. Fünf Busse mit Sportlern, die aus Richtung Norden auf Dortmund zufuhren, wurden zuerst, bis sie untersucht worden waren, im Polizeifunk als angereiste linksradikale Schlägertrupps angekündigt. Auf diese Weise gelangte der größte Teil der angereisten Demonstranten gar nicht ans Ziel.
Im Norden Dortmunds und in der Innenstadt war jede Straße bewacht, an strategischen Punkten waren Hundertschaften postiert (in Bussen), Wasserwerfer wurden teils offen, teils versteckt aufgefahren. An den Polizeirevieren und auf dem Gelände des Städtischen Schlachthofes waren umfangreiche Reserven zusammengezogen, dort hielten sich auch etliche Sanitätswagen versteckt. Der Gesamteinsatz der Polizei wurde von einem Hubschrauber aus geleitet, der ständig während des ganzen Nachmittages über der Nordstadt schwebte. Das Postamt und die Telefonzentrale wurden gesperrt. Offensichtlich auch Telefone, von denen aus die Polizei Berichte nach außen vermutete (z.B. im Buchladen rote front (der KFR,d.Vf.)). Auf dem Nordmarkt kam es dann zu einer größeren Ansammlung von Demonstranten (1 000), umgeben von Einheiten der Polizei, Wasserwerfer und einer Unmenge Zivilpolizisten. Außerdem dazwischen überall Passanten und Schaulustige. Nach einiger Zeit erfolgt, ohne daß die Kundgebung begonnen hätte, die dreifache Aufforderung, den Platz zu räumen. Es werden noch neue Hundertschaften angefordert. Um den Nordmarkt herum werden Verteiler von Flugblättern festgenommen, Leute, die ein Exemplar der 'Roten Fahne' (RF der KPD,d.Vf.) in der Hand halten, müssen sie abgeben, sie wird für beschlagnahmt erklärt. Passanten geben offen ihrer Empörung Ausdruck, bzw. beteiligen sich dabei durch scheinbar dumme Fragen nach dem Polizeieinsatz, die Reihen der Polizei zu verunsichern. Weiterhin werden auf den Zufahrten nach Dortmund und in der Innenstadt Busse mit Demonstranten festgehalten. Am Bahnhof wird zur gleichen Zeit (12 Uhr 20) eine Gruppe von vorbeigehenden Demonstranten (20) ohne Ankündigung festgenommen. Auf dem Nordmarkt zerstreuen sich die Demonstranten nach der dritten Aufforderung in kleine Gruppen. Es wird die Parole ausgegeben, sich dreihundert Meter weiter an der Straßenecke Münsterstr./Mallinckrodtstr. zu treffen und einen Demonstrationszug gegen das Verbot zu formieren. Erst als sich der größte Teil der Demonstranten schon zu einem Demonstrationszug formiert hat und Richtung Innenstadt marschiert, begreifen die Polizisten die Lage und riegeln die Innenstadt an verschiedenen Bahnunterführungen, die den Zugang bilden, ab. Die Demonstration umfaßt ca. 600 Menschen, die unter der Parole:
Weg mit dem Demonstrationsverbot! ohne Transparente in geordneten 10er-Reihen marschieren. Am Burgtor stößt der Zug auf einen massiven Riegel der Polizei. Die Demonstranten bleiben stehen und stimmen wieder die Parolen an. Dann wird die Parole ausgegeben, den Zug zu wenden und einen anderen Weg zu nehmen. Als sich die Reihen gewendet haben, beginnt die Polizei plötzlich, in brutalster Weise auf die Demonstranten einzuknüppeln. Gerade auf einzelne, die sich in Geschäftseingängen gefangen haben oder zwischen parkenden Autos eingeklemmt sind, wird sinnlos eingeschlagen. Unter den Polizisten kommt inzwischen die Schreckensmeldung auf, daß die Demonstranten teilweise mit Erfolg versucht hätten, Passanten in den Zug einzureihen. Der Demonstrationszug formiert sich im Rückzug neu, obwohl einige Teile sich schon zerstreut haben. Es bleibt allerdings ein Zug von 400 - 500 Menschen übrig, der im Laufschritt einen anderen Weg zur Innenstadt in Angriff nimmt. Die Polizei gerät infolge der Schnelligkeit der Aktionen und der Zersplitterung in Nervosität. Im Funk wird plötzlich ein LKW, aus dem Fahnenstangen ausgeladen werden, zu einem LKW, aus dem Waffen verladen werden. Allerdings wird dieser Irrtum von der Polizei am LKW nach näherem Hinsehen wieder berichtigt.
Um 13 Uhr 04 wird von der zentralen Einsatzleitung der Polizei die Parole ausgegeben: In der Innenstadt jede Ansammlung von mehr als 10 Menschen ohne Ankündigung zerschlagen! Selbst ein Bus mit älteren Damen wird verdächtigt, neue Demonstranten heranzuschaffen.
Der Demonstrationszug wird am Bahnübergang Bornstraße wieder aufgehalten, die Polizei geht mit Knüppeln vor. Allerdings löst sich an diesem Punkt der Zug schon zu sehr in verschiedene Richtungen auf, um noch eine klare politische Aufgabe wahrnehmen zu können. Als sich ein Trupp von 200 Menschen in einer Sackgasse wiedertrifft, wird er aufgelöst und die Parole überall verbreitet, sich in kleinen Gruppen zum Bahnhof zu begeben.
Die Taktik gelingt. Obwohl noch an einzelnen Stellen Kurzkundgebungen stattfinden (eine genaue Übersicht fehlt), ist nach kurzer Zeit die große Freitreppe vor dem Hauptbahnhof mit Demonstranten übersät. Die Polizei ist nur schwerfällig in der Lage, Hundertschaften heranzufahren. Die Wasserwerfer haben den Befehl bekommen, auf den Bahnhofsvorplatz zu fahren und den Vorplatz und die Treppe unter Wasser zu setzen. Im gesamten Nordstadt- und Innenstadtbereich wird inzwischen weiter verhaftet, Einzelpersonen und kleinere Gruppen. Die Polizei gerät dabei zunehmend in Schwierigkeiten mit dem Abtransport.
Die Zeit wird von den Demonstranten auf der Freitreppe genutzt, um den gemeinsamen Protest gegen das Demonstrationsverbot noch einmal auszudrücken. Es wird die Parole noch einmal kräftig angestimmt und die Internationale gesungen. Anschließend löst sich die Demonstration auf, im selben Moment, als die Polizei verstärkt anrückt.
Sie hat inzwischen den Befehl bekommen, ohne Ankündigung in jeder Situation von Wasserwerfern und Schlagstöcken Gebrauch zu machen. Etwa um 14 Uhr tritt endgültig eine Situation ein, wo an den verschiedenen Stellen im Stadtgebiet kleine Gruppen Kundgebungen veranstalten oder Diskussionsgruppen bilden. Der Zusammenhalt der Demonstranten ist nicht mehr vorhanden. Über den genauen Verlauf dieser Kundgebungen fehlt uns bis heute die Übersicht, auch darüber, wer sie organisiert hat.
Wir wissen aus dem Polizeifunk, daß noch bis 17 Uhr einzelne Demonstranten und Gruppen gejagt worden sind und auch Verhaftungen stattgefunden haben.
ZUSAMMENFASSUNG:
Der wichtigste Erfolg war, daß die Demonstration und die Aktionen fast nur in belebten Gegenden stattgefunden haben. Sehr viele Passanten konnten also deutlich wahrnehmen, daß die Polizei brutal gegen alles vorging, was nur danach aussah, gegen das Demonstrationsverbot zu protestieren und für das Recht auf Demonstrationsfreiheit zu kämpfen. Ein Großteil der Passanten hat sich entsprechend solidarisch verhalten und war über den Einsatz der Polizei äußerst empört. Dieser Einsatz war leicht als Provokation friedlicher Demonstranten zu erkennen. Die Demonstranten verhielten sich aber so diszipliniert, daß keine Provokation möglich war. Trotz verschiedener Versuche der 'KPD', die Aktion für ihre Parteipropaganda auszunutzen, war die politische Stoßrichtung gegen das Demonstrationsverbot klar erkennbar und gemeinsam. Praktisch ist auch an keiner Stelle der Polizei die geplante Provokation gelungen."
Laut KBW Dortmund wird H.-J. F. wegen wiederholten Ausrufen der Parole 'Nieder mit den Demonstrationsverboten' festgenommen (vgl. 12.5.1973).
Laut KG Hamburg sammeln sich im Anschluß an eine DGB-Demonstration ca. "400 Genossen der Gruppe Rote Fahne(KPD) zu der von ihnen angekündigten, jedoch verbotenen Demonstration. Tausende Polizisten und BGS-Einheiten trieben die Demonstranten auseinander. Diese sammelten sich daraufhin an einem anderen Platz und führten eine ca. 15-minütige Demonstration durch, die von der Polizei brutal auseinandergeknüppelt wurde. 4 Menschen wurden schwer verletzt, 50 verhaftet."
Die KPD/ML-ZK wollte eine eigene Maidemonstration um 12 Uhr ab Nordmarkt und eine Maiveranstaltung um 17 Uhr im Haus Voss in der Rheinischen Straße durchführen, auf der Ernst Aust sprechen sollte. Aufgerufen wurde dazu u.a. im IGM-Bereich bei Hoesch (vgl. 23.4.1973). Diese Demonstration wurde am 30.4.1973 (vgl. dort) verboten. Die KPD/ML-ZK berichtet u.a. auch über die Beteiligung Türkischer Marxisten-Leninisten und der PCE/ML Spaniens.
In einer Zusammenfassung der Geschehnisse um den 1. Mai 1973 in Dortmund schreibt das ZK der KPD/ML 1979 in seinem Jubiläumsband „Zehn Jahre KPD/ML“:
„In Vorbereitung des 1. Mai 1973 ruft die Partei „zur Aktionseinheit aller revolutionären Kräfte“ auf. Der Aufruf steht unter der zentralen Losung: „Gegen Lohnraub, Teuerung und politische Unterdrückung! Vereinigt euch im revolutionären Klassenkampf gegen das Kapital und seine Handlanger!“ In einer Sonderausgabe des „Roten Morgen“ vom 11.4. wendet sich das Zentralkomitee der Partei an die westdeutsche und die Westberliner Arbeiterklasse und ruft sie auf, gemeinsam den Kampf aufzunehmen, unter Losungen wie: „Weg mit dem Betriebsverfassungsgesetz!“; „Weg mit dem Ausländergesetz!“; „Kampf gegen Arbeitshetze und Rationalisierungsterror!“; „Kampf den Mitbestimmungsillusionen!“; „Kampf dem Mietwucher!“; „Schluß mit den Notstandsübungen, Polizeiterror und antikommunistischer Hetze!“; „Für ein vereintes, unabhängiges, sozialistisches Deutschland!“ u. a. m.
Nachdem zuvor schon einige Demonstrationen verhindert wurden, wird vom Düsseldorfer Polizeipräsidenten am 21. April eine Demonstration der Partei gegen den griechischen Faschismus und am 25. April von Nordrhein-Westfalens Innenminister Weyer für mehrere Städte des Ruhrgebietes die 1. Mai-Demonstrationen der revolutionären Arbeiterschaft, der Partei verboten. Die Partei ruft trotz Verbot zur 1. Mai-Demonstration in Dortmund auf.
Am Morgen des 1. Mai gleicht Dortmund einer belagerten Festung. Auf allen Zufahrtsstraßen Polizeikontrollen, auf dem Hauptbahnhof werden die Koffer von Reisenden nach roten Fahnen durchsucht. Auf den Straßen Polizeistreifen auf Motorrädern, in Polizei- und Zivilwagen, über den Dächern kreisen die Hubschrauber. 11 Uhr 30: auf dem angekündigten Sammelplatz, dem Nordmarkt, viele Menschen sind versammelt, tönen Lautsprecher der Polizei: „Diese Versammlung und die angekündigte Demonstration sind verboten. Wer an der Versammlung teilnimmt, macht sich strafbar.“
Nur kurze Zeit später versammeln sich in Hörde und anderen Stadtteilen Dortmunds Arbeiter, Genossen auf verschiedenen Plätzen. Transparente werden entrollt, eine Kurzansprache wird gehalten, ein Zug formiert sich, rote Fahnen flattern, revolutionäre Lieder und Parolen erklingen. Dann löst sich der Demonstrationszug so schnell wie er sich gebildet hat wieder auf, um sich eine Stunde später an anderer Stelle neu zu formieren. Die heranrasende Polizei stößt ins Leere, ist völlig verwirrt.
15 Uhr 30, Hoesch-Platz: Zunächst das normale Bild eines verregneten Feiertags - der Platz liegt wie ausgestorben da. Dann, nur innerhalb von fünf Minuten, ein völlig anderes Bild: Wie aus dem Erdboden gestampft eine Demonstration von rund 600 Menschen. Rote Transparente, rote Fahnen: „Trotz Verbot, der 1. Mai bleibt rot!“ Und dann brausender Beifall. Genosse Ernst Aust, der Vorsitzende der Partei, steht auf einem Auto mitten unter den Demonstranten und hält eine kurze Rede. „Straße frei für die kommunistische Partei! Vorwärts mit der KPD/ML!“ Mitten durch den Dortmunder Norden geht die verbotene Demonstration. Die Internationale und die Sprechchöre der Demonstranten dringen in die Häuser, Fenster öffnen sich, .erhobene Fäuste. Dann noch einmal der Ruf: „Trotz Verbot - der 1. Mai bleibt rot!“. Auflösung.
Auch in Westberlin und im übrigen Bundesgebiet, wie in Nürnberg, München, Mannheim, Kempten, Hannover, Duisburg, Bielefeld, Stuttgart, Hamburg, Wetzlar, Würzburg und Kiel, finden Demonstrationen und Versammlungen der Partei zum 1. Mai unter teils reger Beteiligung der ausländischen Kollegen statt.
Aktionseinheit, gemeinsame Kämpfe, die Angriffe der Bourgeoisie sowie die sachliche Auseinandersetzung über ideologische und politische Fragen treiben den Kampf für die Einheit aller Marxisten-Leninisten in der KPD/ML voran. Bereits im Februar kommt es zu einem gemeinsamen Kommunique der KPD/ML und der provisorischen Bundesleitung des KJVD. Auf seiner letzten Bundesdelegiertenkonferenz Mitte April beschließt der KJVD (Kommunistischer Jugendverband Deutschlands) seine Auflösung und empfiehlt seinen Mitgliedern, die KPD/ML und die Rote Garde zu stärken. Kurz darauf beschließen die Delegierten einer Konferenz der Gruppe Rote Fahne [KPD/ML-ZB, d. Verf.] aus Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Westberlin und Wasserkante die Auflösung ihrer Organisation und rufen alle ihre Mitglieder und Sympathisanten auf, „sich der KPD/ML zu unterstellen, um auf dem Weg zum politischen Ziel der westdeutschen Arbeiterklasse, der Diktatur des Proletariats und der sozialistischen Revolution, voranzuschreiten“. Sowohl durch den Anschluß bzw. Wiederanschluß des Thälmannkampfbundes, der Roten Garde Kiel, der Gruppe Rote Fahne Bochum mit KJVD, der Rückkehr einer Reihe ehemaliger Liquidatoren sowie den noch folgenden Anschluß weiterer Gruppen erfährt die Partei eine Stärkung. Nicht wenige der Genossen werden in der weiteren Entwicklung der Partei zu standfesten, revolutionären Kadern.“
Die GIM berichtet bei Hoesch (IGM-Bereich - vgl. 10.5.1973):"
KEIN INTERESSE AN 'PREISS-GESCHWÄTZ' - NACHLESE ZUM 1. MAI
Der wohl am sichtbarsten gewordene Unterschied zu der 1. Mai-Demonstration des DGB im letzten Jahr ist zunächst die Tatsache, daß 1972 90 000 (!) Kollegen zur Kundgebung mit dem 'Friedenskanzler' Brandt strömten, aber in diesem Jahr höchstens 5 000 Kollegen auf die Straße gingen, um sich die 'scheinradikalen Töne' des 'Kollegen' H. Preiss vom IGM-Vorstand anzuhören. Nicht nur, daß die 1.Mai-Parole des DGB: 'Mitbestimmen' (Oh wie schön!), 'Mitdenken' (Im Sinne des Profitinteresses!), 'Mitverantworten' (Für die bsicherung des Profits!) vollkommen an den gegenwärtigen Interessen der Kollegen vorbeiging, sondern auch gerade die Erfahrungen vieler Kollegen mit dem verräterischen und abwieglerischen Verhalten der Gewerkschaftsbürokraten (Judith, Troche und Co.) während der letzten Tarifbewegung und des Streiks um 14 Pfennig im Februar trugen dazu bei, daß nur relativ wenige Kollegen sich an der diesjährigen Maidemonstration beteiligten.
Die Wetterlage spielte wohl keine so bedeutende Rolle, wie es einem oft versucht wurde, weiszumachen: Gewerkschaftler demonstrieren auch bei trübem Wetter für ihre Interessen!
Neu auf der Maidemonstration war das Auftreten einiger sozialistischer Organisationen u.a. auch der Gruppe Internationale Marxisten (GIM), die mit teils sehr unterschiedlichen Parolen auf der DGB-Demonstration mitmarschierten. War die Beteiligung der RGO-Gruppe lediglich dazu bestimmt, um für ihren eigenen sektiererischen Haufen zu werben, so versuchte die GIM die realen Interessen der Kollegen zum Ausdruck zu bringen, indem sie für kampfbewußte, vom Staat und SPD/FDP-Regierung unabhängige Gewerkschaften demonstrierte und Transparente trug mit Forderungen wie: 'Für die sofortige Kündigung der 46 Pfennig/8,5 % Tarifabschlüsse', 'Für lineare Lohnerhöhungen und Preisgleitklauseln', 'Gegen die Maßregelung fortschrittlicher und aktiver Kollegen', 'Für freie politische und gewerkschaftliche Betätigung in Ausbildung und Beruf' usw. (...)
Trotz der Provokations- und Störversuche durch eine bezahlte Prügelgarde (Stundenlohn: 14 DM, d.h. Verschwendung der Beiträge der Gewerkschaftsmitglieder und der vorhergegangenen Hetz- und Verleumdungskampagne ('Terroristen'), gelang es diesen Knaben und der Polizei nicht, den friedlichen Verlauf der Demonstration zu verhindern.
Auf der Kundgebung redete 'Kollege' H. Preiss viel von Inflation, unverantwortlichen Preissteigerungen usw. Kein einziges Wort auch nur über die letzte Tarifbewegung und den völlig unzureichenden Abschluß und den darauffolgenden Unmut der Streikaktionen in vielen Betrieben.
Stattdessen: Appelle an die SPD/FDP-Regierung, die Preise zu stoppen und nun endlich einmal etwas für die Arbeiter zu tun. Daß diese Appelle nur eine Illusion im Kopfe des 'Kollegen' Preiss bleiben, wird offensichtlich. War es doch gerade diese Regierung, die mittels der konzertierten Aktion in Kumpanei mit ihren Parteifreunden in der Gewerkschaftsführung für den 46 Pfennig/8,5% Abschluß mitverantwortlich ist, und deren Finanzminister Schmidt drohte, jeden Abschluß über 8% rigoros wegzusteuern.
Zeigen doch gerade die Erfahrungen in England (Großbritannien,d.Vf.), daß es nicht möglich ist, die Preise zu stoppen, der sogenannte Preisstopp lediglich ein Vorwand ist, um die Löhne als 'Gegenleistung' zu drücken.
Das einzige Mittel mit dem wir uns gegen die Preissteigerungen wehren können, ist die Verankerung von Preisgleitklauseln in den Tarifverträgen, d.h. ein automatisches Ansteigen der Löhne bei Preiserhöhungen, um diese so wieder auffangen zu können, damit Hinterherhinken der Löhne hinter der Preisentwicklung verhindert wird, und der Lohnkampf als Kampf um eine reale Steigerung des Einkommens geführt wird."
Vermutlich in den frühen Abendstunden erscheint folgendes Flugblatt der KPD Dortmund, unter Verantwortung von Maria Bergmann, Zimmerstr.19:"
TROTZ VERBOT - DER 1. MAI BLEIBT ROT! - MAIDEMONSTRATION DER KPD ERFOLGREICH!
Freunde, Kollegen Genossen!
Wir haben heute einen großen Sieg über die herrschende Klasse und ihren Gewaltapparat davongetragen. Über 5 000 Polizisten hatte NRW-Innenminister Weyer in Dortmund zusammengezogen, dazu noch Bundesgrenzschutz. Die Aufgabe dieser Polizeitruppen: das Verbot der Maidemonstration durchzusetzen, ein Demonstrationsverbot, wie es in unserem Lande seit 1929 nicht mehr verhängt wurde. Damals verbot ebenfalls ein SPD-Polizeipräsident die Maidemonstration der KPD. Trotzdem gingen die Arbeiter auf die Straße - die Polizei erschoß 33 von ihnen.
Es liegt voll in der sozialdemokratischen Tradition, wenn gerade die Brandt-Regierung, die immerzu von Frieden, Fortschritt und Reformen spricht, heute wieder Maidemonstrationen verbietet und brutal Polizei dagegen einsetzt.
Trotzdem fand die Demonstration statt. Im Handumdrehen stand der 2 000 Mann starke Zug - er erfüllte die ganze Münsterstraße. Viele Passanten und politisch bisher uninteressierte Leute schlossen sich an. Denn die Empörung über dieses Demonstrationsverbot und den Polizeieinsatz war in breiten Teilen der Bevölkerung groß.
Die SPD-Regierung wollte uns durch das Verbot empfindlich treffen; doch der Stein, den sie erhoben hatten, fiel auf ihre eigenen Füße: vielen Menschen ist durch diese Vorfälle der reaktionäre Charakter dieser Regierung klargeworden.
Obwohl die Bullen brutal prügelten, marschierten wir über eine Stunde lang durch Dortmunds Straßen. Wir haben gezeigt: die Arbeiterklasse und die fortschrittlichen Menschen lassen sich ihr Recht auf Demonstrationen für ihre Ziele am 1.Mai nicht nehmen. Das muß die Kapitalistenklasse und ihr Polizeipräsident Riwotzki erstmal schlucken - für uns bedeutet das einen großen Sieg.
GEGEN DIE ARBEITERFEINDLICHE BRANDT-REGIERUNG!
REVOLUTIONÄRE ARBEITEREINHEIT! REVOLUTIONÄRE VOLKSEINHEIT!"
Die 'Werk und Wir' der Hoesch Hüttenwerke AG (IGM-Bereich) berichtet vom DGB:"
Sprecher der Veranstaltung war das Vorstandsmitglied der IG Metall - Hans Preiss - den Hüttenleuten als stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrat der Hoesch Hüttenwerke AG bekannt.
In drei Marschsäulen zogen die Arbeitnehmer der Werke Westfalenhütte, Phoenix und Union zum Kundgebungsplatz."
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 21.5.1973) berichtet durch Abtippen eines Artikels der 'Westfälischen Rundschau' (WR - vgl. S4ff.*.1973):"
Die Polizei nahm 51 Demonstranten vorläufig fest, nachdem zuvor - im Gegensatz zum Bonner Rathaussturm - diesmal unbewaffnete Demonstranten zum Teil mit Schlagstöcken brutal niedergeschlagen worden waren. Das NRW-Innenministerium, das 'noch nie solche Sicherheitsvorkehrungen getroffen' hatte, stoppte zudem rund zehn Busse mit KPD-Sympathisanten in Städten außerhalb des Reviers."
Für den UB Dortmund der Jusos der SPD (vgl. 23.7.1973) übersetzten Lilli Rutter und Rolf Brandt den folgenden Artikel von Rafael Garcia, wozu es heißt:"
Mit Genehmigung des Verfassers gekürzte Übersetzung eines Artikels aus: 'Boletin del Centro Espanol de Dortmund e.V.', 2. Jg. Nr.17, Juni 1973 (vgl. Juni 1973),d.Vf.)
Rafael ist Mitarbeiter im AK 'Ausländische Arbeitnehmer' der AG Nordmitte. Ausgeführt wird:"
1.MAI IN DORTMUND
In einigen Ländern - wie Portugal, Griechenland, Türkei oder Spanien - wird der 1.Mai auch heute noch nicht als Tag des Arbeitskampfes begangen. In Griechenland, Spanien und in der Türkei feiert man stattdessen das Fest des Hl. Josefs des Handwerkers. Hier prügelt und erschießt die Polizei diejenigen Arbeiter, die den Tag ihrer Klasse feiern wollen und Gerechtigkeit und Brot fordern.
Wenn man von dem diesjährigen 1.Mai sprechen will, muß man auch über den in Dortmund sprechen, den ich erlebt habe. Erlebt in zwei Formen: eine Blechmusik, die, wenn, das Wetter entsprechend gewesen wäre, an eine Kirmes erinnert hätte, und den, wie in Portugal, Griechenland, Spanien und der Türkei verbotenen 1.Mai, den 1.Mai dr Polizei und der Prügel, der staatlichen Gewalt.
DER HEITERE UND FRÖHLICHE 1.MAI DES DGB MIT ORCHESTERN UND TRIUMPHIEREND
Der Marsch zum Westfalenpark, der durch wenige Polizisten und einige Arbeiter gut organisiert war, wurde von zwei Blechmusikkapellen begleitet, diefröhlich und festlich aufspielten. Die Transparente forderten mehr Mitbestimmung in den Fabriken, mehr Demokratie in den Schulen, usw. usw. Im Park selbst versammelten sich ungefähr 5 000 Personen, um zwei kurze, aber weitschweifige, Reden von zwei DGB-Vertretern anzuhören. Ich verstand nicht alles genau, was sie sagten, aber das, was ich nicht verstand, konnte ich mir vorstellen. Danach wurde die Kundgebung beendet (aus Witterungsgründen) und mit ihr die Forderungen. (Im Wissen über das, was der 1.Mai bedeutet bzw. bedeuten sollte, fragte ich mich: 'Haben wir dem Kapital nicht eine fette Fleischbrühe zubereitet?').
Statt um einen 1.Mai des Arbeiters schien es sich nach meiner persönlichen Meinung mehr um eine gut geleitete und kontrollierte Gruppe zu handeln.
Für mich - vielleicht, weil ich zu sensibel bin - heißt das, dieses Datum seiner revolutionären Kraft zu berauben.
DER VERBOTENE 1.MAI DER PRÜGEL UND DER STRASSEN, VERANSTALTET VON DER VERBOTENEN PROCHINESISCHEN KPD
Um 12 Uhr mittags sollte eine weitere, von der KPD organisierte Kundgebung stattfinden, die vom Polizeipräsidenten verboten worden war. Als wir uns dem Nordmarkt näherten, stürzten sich 20 Polizisten auf uns und entrissen uns die Transparente, die kurz zuvor vor der Polizei offen im Westfalenpark gezeigt werden konnten. So begann eines der deprimierendsten Schauspiele, das ich in meinem Leben gesehen habe und das mich in Spanien nicht überrascht hätte, das mich aber in einer Bundesrepublik mit einer sozialdemokratischen Regierung und freien Gewerkschaften in Erstaunen versetzte.
Mehr als 700 Polizisten schirmten den Platz ab. Hinzu kamen einige Polizeibusse, einige -zig Polizeiautos, Wasserwerfer, Hubschrauber usw. 700 Polizisten für ungefähr 1 000 Personen. Aus den Polizeiautos drangen Stimmen, die wiederholten: 'Räumen Sie den Platz, diese Kundgebung wurde verboten, wenn sie den Platz nicht räumen, werden wir kein Mitleid zeigen und die Wasserwerfer und Gewalt einsetzen!' Man war gezwungen, sich in kleine Gruppen in verschiedene Straßen zu verstreuen. Polizeikordone verhinderten den Durchgang durch die Nordstadt. Sehr junge (getäuschte?) Polizisten verteidigten nach ihren eigenen Worten die Ordnung, die Sicherheit und die Demokratie. Welche Demokratie? Welche Sicherheit? Welche Ordnung? Niemand hatte die Ordnung gestört. Die Kundgebung war ebenso friedlich wie die im Westfalenpark.
Die Polizei wich zurück. In kleinen Gruppen und auf verschiedenen Wegen begaben sich viele Teilnehmer - nicht alle - zum Bahnhof. Hier auf der Straße gegenüber dem Hauptbahnhof versammelte sich eine Gruppe von Demonstranten, die einige Fahnen, die einzigen, die die Polizei nicht beschlagnahmt hatte, entrollten und begleitet vom Lärm eines tieffliegenden Hubschraubers die Internationale sangen und sonst nichts.
Von neuem umgaben etwa 500 Polzisten den Ort, diesmal nicht so friedlich. Den Gummiknüppel in der Hand betraten sie die Straße. Die Folgen: Einige Verprügelte, 51 Festgenommene, 3 Polizisten je Demonstrant, viele Fotos für die Polizeiarchive und die Auflösung der Demonstration.
Ich will nicht untersuchen, ob die geplante Kundgebung richtig war oder nicht, ob sie antigewerkschaftlich war, oder ob diese Leute ihre Unzufriedenheit im Westfalenpark manifestiert hätten sollen oder nicht. Das wirklich Wichtige für mich war das Polizeischauspiel.
War dies für eine friedliche Demonstration nötig, die nicht daran dachte, irgendjemand zu töten. Die Demonstranten waren nicht bewaffnet. Sie waren eine leichte Beute für die Gummiknüppel. Ein deprimierendes Schauspiel für ein Land mit freien, progressiven Gewerkschaften auf dem Papier und einer sozialdemokratischen Regierung mit sozialistischer Tendenz auf dem Papier."
=SPD-LV NRW-Bezirk Westliches Westfalen-UB Dortmund-Jusos:Juso Information Nr.3,Dortmund 1973,S.14f;
Werk und Wir Nr.5,Dortmund Mai 1973,S.69;
KPD Dortmund:Trotz Verbot - Der 1. Mai bleibt rot! - Maidemonstration der KPD erfolgreich,Dortmund 1.5.1973;
Kommunistische Studentenpresse PH Dortmund Nr.4,Dortmund 7.5.1973,S.2f;
Rote Fahne Sonderdruck Jetzt erst recht: Heraus zum 1.Mai!,Dortmund o.J. (Apr. 1973);
Solidarität Nr.4,Dortmund 10.5.1973;
Roter Morgen Nr.15, 16 und Extra Trotz Verbot der 1.Mai bleibt rot,Dortmund 21.4.1973, 28.4.1973 bzw. Mai 1973;
Hamburger Arbeiter-Zeitung 1.Mai-Extra,Hamburg Mai 1973,S.2;
Wahrheit Nr.5/6,Bremen 1973,S.9;
Rote Presse Korrespondenz Nr.13/14,Berlin ****1973,S.24;
Die Rote Front Extra 1.Mai 73 in Dortmund,Dortmund o.J. (Mai 1973),S.1ff;
Klassenkampf Nr.33,Freiburg 24.5.1973;
Kommunistische Arbeiterpresse KWU Nr.25,Berlin 15.5.1973;
Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Dortmund Nr.23,Dortmund 24.4.1973,S.1 und 5;
Rote Fahne Nr.14, 17, 18, 19 und 20,Dortmund 4.4.1973, 25.4.1973, 2.5.1973, 9.5.1973 bzw. 16.5.1973,S.2, S.1, S.1ff, S.1f bzw. S.*;
Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr.4,Dortmund Juni 1973;
Dortmunder Solidaritätskomitee-Hände weg von der KPD:Hände weg von der KPD,Dortmund o.J. (Juni 1973);
Kämpfende Jugend Nr.5,Dortmund Apr. 1973;
Schulkampf Sdr.druck,Berlin Apr. 1973;
1.Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse o.Nr.,Dortmund o.J. (Apr. 1974),S.3;
Kommunistische Volkszeitung - Ortsbeilage Dortmund Nr.22,Dortmund o.J. (30.10.1974),S.1;
Stählerne Faust Extra,Dortmund 1.5.1973,S.2 und 8;
Weg mit den Demonstrationsverboten! Uneingeschränkte Demonstrationsfreiheit für Demokraten und Kommunisten!,Dortmund o.J. (Mai 1973),S.1ff;
Regionales Komitee gegen das Demonstrationsverbot - für uneingeschränkte Demonstrations- und Organisationsfreiheit der Arbeiterklasse und des Volkes!: Aufruf,Dortmund o.J. (Mai 1973),S.1;
Komitee gegen die Demonstrationsverbote:18./19. Mai 73 Dokumentation,Dortmund o.J. (Juni 1973),S.1;
VA Dortmunder Oberschüler:Unterstützen wir am 1. Mai verstärkt das kämpfende vietnamesische Volk,Dortmund o.J. (1973);
Vietnamausschüsse Dortmund:Das Pariser Abkommen sah 60 Tage...,Dortmund o.J. (1973);
KOV-OL Dortmund:Mitschüler!,Dortmund o.J. (Apr. 1974),S.1;
DOS Nr.20,Dortmund o.J. (1973),S.4;
ZK der KPD/ML (Hrsg.): 1968/69 bis 1978/79. Zehn Jahre KPD/ML. 10 Jahre Kampf für ein vereintes, unabhängiges, sozialistisches Deutschland, Dortmund 1979, S. 114-116
(Letzte Änderungen: 8.12.2007)
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