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Chile

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin

Darstellungen zur örtlichen bzw. regionalen Chilesolidarität sind in einer Linkliste verzeichnet.

Dieser Länderbeitrag zu Chile beinhaltet neben den Hinweisen zur Historie des Landes vor allem die Frage des friedlich gewaltsamen Übergangs von einer als ausbeuterisch angesehenen Gesellschaft in eine gern ausbeutungsfreie Gesellschaft. Unterstützend für alle jene, die noch in der Schule, also noch im klassenmäßigen Denken befangen, ist hier die Strategie der Volksfront zwecks Überwindung kleinerer Klassengegensätze als probat, aber offenbar von Dimitroff nicht so gedacht, zu nennen. Hierauf wird bereits einleitend verwiesen (vgl. 25.7.1935).

Plakat der Liga gegen den Imperialismus u. a.: Tod dem Faschismus in Chile (1974)
Plakat der Liga gegen den Imperialismus u. a., 1974

Im Hintergrund der hier dargestellten Geschichte Chiles steht stets die Frage der Waffen und wer sie kontrolliert. Was konnte Allende überhaupt machen ohne diese, selbst, hätte er gewollt? Die Armee stand sicherlich nicht auf seiner Seite.

In dieser wie immer unvollständigen Darstellung tritt zunächst die RKP Chiles als China-freundliche Kraft auf (vgl. Apr. 1969), sie bleibt bis zum Ende dieses Textes der wesentliche Bezugspunkt für die orthodoxen Fraktionen der ML-Bewegung. Der Verlauf der Auseinandersetzungen in Chile wird von der KPD/ML-ZB zeitnah geschildert (vgl. 6.7.1970) wobei die KPD/ML-ZB sich von vornherein kritisch zu dem angestrebten friedlichen Weg zum Sozialismus äußert (vgl. 6.9.1970), aber weiterhin kontinuierlich aus Chile (vgl. 1.10.1970, 3.10.1970, 10.10.1970) berichtet und zwar wohl in der bundesdeutschen und Westberliner Linken ungeschlagen aktuell, während der weitere Verlauf hier teils aus späteren Quellen erschlossen wird (vgl. 22.10.1970, 24.10.1970, 29.10.1970, 3.11.1970).

Die KPD/ML-ZB gibt sich erneut kritisch, glaubt nicht an einen Erfolg der Unidad Popular (vgl. Dez. 1970), wofür nicht zuletzt auch die USA Sorge zu tragen scheinen (vgl. Jan. 1971), deren Interessen bedroht scheinen (vgl. 1.1.1971), wohingegen die VR China die Allenderegierung umgehend anerkennt (vgl. 5.1.1971). Während auf Allende ein erstes Attentat erfolgt (vgl. 16.1.1971), gibt dieser sich in der deutschen Frage offenbar noch ebenso diplomatisch zurückhaltend wie beim Vorantreiben der Revolution (vgl. 25.1.1971).

Die zeitnahe Berichterstattung wird von der KPD/ML-ZB fortgesetzt und schildert den Wahlerfolg der Volksfront (vgl. 4.4.1971). In der KPD/ML-ZK dagegen muss die Einschätzung Allendes erst noch erarbeitet werden (vgl. Juni 1971), die KPD greift wenig später bereits die DKP mit Verweis auf Chile als 'illusionäre Reformisten' an (vgl. 7.10.1971), zieht die Lehren des Legalismus (vgl. 5.2.1972).

Die UP scheint sich nun trotz der Nationalisierung der Kupferminen (vgl. 16.7.1971) nach rechts zu entwickeln (vgl. 16.1.1972, 19.2.1972), die KPD/ML-ZK besinnt sich auf die RKP Chile (vgl. 28.2.1972), während die lambertistischen Trotzkisten über ihre befreundete chilenische Gruppe (vgl. 1.4.1972) berichten seiht die KPD anhand Kubas bereits den Sozialimperialismus auch in Chile drohen (vgl. 26.6.1972).

In Chile selbst dagegen droht offenbar eher ein Bürgerkrieg (vgl. 10.9.1972) bzw. ein faschistischer Putsch (vgl. 14.9.1972), wobei sich die Fuhrunternehmer und Kleinhändler bald als kraftvolles Instrument imperialistischer Interessen zu erweisen scheinen (vgl. 12.10.1972), wobei aber die Ablösung der Regierung Allende in Chile selbst auch von den Christdemokraten bzw. der gesamten bürgerlichen Oppositon betrieben wird (vgl. 16.10.1972, 18.10.1972, 19.10.1972), die sich offenbar auch im Besitz von Waffen befinden (vgl. 22.10.1972), dergestalt ihren Forderungen Gewicht verleihend (vgl. 23.10.1972, 3.11.1972).

Sowohl der KB als auch die KPD äußern sich nun kritisch zu den Chancen des chilenischen Konzepts (vgl. Nov. 1972, 21.2.1973), die KP Chiles protestiert noch mit gegen den damals gerade in Guatemala wütenden Terror (vgl. 10.12.1972), bald darauf aber wird die chilenische Linke selber Objekt der internationalen Solidarität.

Zunächst aber erringt die Volksfront einen weiteren Wahlerfolg, allerdings mit nur einer Minderheit der Stimmen (vgl. 4.3.1973). Die KPD übt bereits heftige Kritik am chilenischen Weg (vgl. 12.3.1973), während in Chile der Einfluss des Militärs offenbar vorerst zurückgedrängt wird (vgl. 23.3.1973, 27.3.1973) und die Arbeiterschaft weiterhin für ihre Forderungen kämpft, auch bei den Niederlassungen deutscher Konzerne (vgl. 19.5.1973) .

Der Linken scheinen die Interessen der USA und des ITT-Konzerns, wie er in der Bundesrepublik vor allem in der Form von Intermetall Freiburg und SEL, wie hier bisher aus den originären SEL-Produktionsstätten Berlin und Stuttgart sowie Dortmund-Lindenhorst, Graetz Bochum, Teves Frankfurt und SEL Stuttgart-Zuffenhausen geschildert, mächtiger als die Polizei bzw. die deutsche Justiz erlauben würde, erachtet diese doch Putschversuche wie sie sich nun in Chile ereignen (vgl. 21.6.1973, 29.6.1973, 11.7.1973) üblicherweise als illegal.

Chile wird nun zum wichtigen Thema der linken Presse und Publizistik, wie hier von der KPD/ML dokumentiert (vgl. 30.6.1973, 14.7.1973), spitzt sich doch die Lage dort weiterhin zu (vgl. 3.8.1973, 9.8.1973, 23.8.1973, 28.8.1973), wobei die Politik Allendes bei den bundesdeutschen Linksradikalen auf wenig Anklang stößt (vgl. 3.9.1973).

Der Militärputsch, von dem die USA vermutlich frühzeitig informiert waren (vgl. 8.9.1973, 11.9.1973), führt umgehend zum linken Protest (vgl. Sept. 1973, 12.9.1973), wobei die radikale Linke die Befürworter des friedlichen Weges zum Sozialismus, mit denen es zunächst gemeinsame Aktionen gibt, als Mitschuldige anklagen und die DKP zunächst isoliert zu sein scheint, zumindest unter den Südamerikanern (vgl. 15.9.1973) und auch auf der zentralen Demonstration (vgl. 19.9.1973, 22.9.1973).

Während zahlreiche Protestmärsche und Kundgebungen an vielen Orten stattfinden, ist der KBW bemüht, den Überblick zu bewahren (vgl. 12.9.1973, 18.9.1973, 19.9.1973).

Die linke Propaganda zielt nun immer wieder auch auf die deutschen Kapitalinteressen in Chile ab (vgl. 19.9.1973, 21.9.1973, Okt. 1973), es erscheinen aber auch erste Berichte aus Chile selbst (vgl. 24.9.1973, 1.10.1973, 10.10.1973) und es gründen sich die ersten Chilekomitees. Auch die Haltung der DDR zu Chile wird von den Chinafreunden angegriffen (vgl. 26.9.1973, 13.10.1973), wobei auch die Angegriffenen die Antwort nicht schuldig bleiben (vgl. Nov. 1973, März 1974).

Eine bundesweite Demonstration wird 1973 von der radikalen Linken noch nicht organisiert (vgl. 27.9.1973), innerhalb des KBW werden weiter die Lehren aus Chile gezogen und verallgemeinert (vgl. 13.10.1973), und aus Chile Berichte vom Widerstand wiedergegeben. Enthüllt wird auch die enge Kumpanei der deutschen Botschaft mit den chilenischen Mörderbanden während sich in der Bundesrepublik die überall entstehenden Chilekomitees langsam koordinieren (vgl. 15.10.1973). Spendensammlungen werden, zunächst relativ fraktionsübergreifend, von der AELA München koordiniert, zumindest für verschiedene linksradikale Fraktionen (vgl. 15.10.1973, 5.11.1974, 5.12.1974).

Nachdem die Truppen der USA aus Vietnam fast vertrieben sind, wird nun Chile als neues Kriegsprojekt der USA betrachtet (vgl. 16.10.1973), nur dass es in Chile lediglich zum Massaker an nicht bzw. kaum Bewaffneten kommt, es also nicht des Eingriffs US-amerikanischer Truppen bedarf, sondern die einheimischen Schlächter die Situation allein zu kontrollieren vermögen.

Kritik an Revisionisten und KBW im Roten Morgen (1973)
Bild vergrößern Kritik an Revisionisten und KBW im Roten Morgen (1973)

Vertreter jener Partei, die in der Bundesrepublik Deutschland mutmaßlich das Gros der ehemaligen NSDAP-Mitglieder einzubinden vermochte, fühlen sich natürlich auch in den chilenischen KZs durchaus heimisch, ist es dort doch bei sonnigem Wetter offenbar angenehm für die Ehrengäste, während die dort Eingekerkerten dies durchaus anders gesehen haben dürften (vgl. 17.10.1973).

Es geht nun offenbar darum, das internationale Ansehen der Junta aufzuwerten, woran sich auch die bundesdeutsche Presse intensiv beteiligt. Andere Auffassungen scheinen die Metallgewerkschafter zu vertreten, sie zeigen keinerlei Verständnis für Massenmord und Massaker, verweisen vielmehr auf die Parallelen bei den Einsatzlagen der Bundeswehr, die sie offenbar in der Hand ähnlich blutrünstiger Befehlshaber wie die chilenische Armee wähnen (vgl. 25.10.1973), während das chilenische Vorbild offenbar bereits in anderen Ländern wie Griechenland Schule macht (vgl. 4.11.1973).

Es kommt nun auch zu militanten Protesten in Europa gegen einen der mutmaßlichen Drahtzieher des Putsches, den ITT-Konzern (vgl. 6.11.1973, 1.12.1973), während sich der Hauptmann der faschistischen Aktion stolz in Hamburg bei den bundesdeutschen Christdemokraten auf deren Parteitag präsentiert (vgl. 7.11.1973). Später wird gar behauptet, die CDU hätte den Putsch mit finanziert (vgl. 7.10.1973).

Es entwickelt sich insgesamt eine recht tiefgehende und auch bundesweit flächendeckende Spaltung der Chilesolidaritätsbewegung in die Anhänger des friedlich vorgehenden und dann blutig erstickten Weges und die Apologeten revolutionärer Militanz, sei diese nun als Volkskrieg bzw. Akt des Voluntarismus oder proletarisch-bolschewistische Revolution näher umschrieben.

Vermutlich recht belanglos für die Opfer des Putsches bleiben zunächst beide Strömungen, außer eventuell als moralisch-politische Instanz und natürlich für die endlich in der Bundesrepublik eintreffenden überlebenden Flüchtlinge.

Chile ist nun zum Synonym für Massenmord geworden (vgl. 4.1.1974), die Solidaritätsarbeit wird mittlerweile international organisiert (vgl. 19.1.1974, 16.3.1974), aber auch durch Kader in den höchsten Gewerkschaftsgremien (vgl. 28.1.1974). Obwohl wohl alle Gruppen der Linken ihre Solidarität mit den Opfern des Putsches in Chile zum Ausdruck zu bringen versuchen (vgl. Apr. 1974), sind die zahlreichen Komitees unterschieden in jene von DKP, Jusos und befreundeten Organisationen sowie die linksradikalen Chile-Komitees, in denen fast allein GIM und KBW agieren, wobei der KBW dank Masse bzw. ca. zwanzig mal mehr Mitgliedern und Anhängern als die GIM, sich vermutlich in der Vorherrschaft wähnt (vgl. 18.3.1974), sich so auch auf der internationalen Ebene als entscheidende Kraft zu präsentieren vermag, die trotzig auf den tiefen theoretischen Erkenntnissen der chilenischen Erfahrung beharrend der vermutlich als mehr oder minder trotzkistisch eingeschätzten Vereinigung fernbleiben kann (vgl. 23.4.1974) und sich nur örtlich an deren Protesten beteiligt (vgl. 27.4.1974).

Flugblatt der Orstgruppen von KPD, Liga und RH zu Chile (Dortmund, April 1974
Bild vergrößern Flugblatt, Dortmund 1974

An der Entlarvung des parlamentarischen Wegs beteiligt sich nun auch die cliffyistische SAG (vgl. Mai 1974). Während sich immer noch neue Solidaritätsgruppen gründen treten auch bereits die ersten Flüchtlinge bzw. Organisationsvertreter auf den linken Kundgebungen auf, wobei sich der KBW im Verein mit der KPD durch eine bestimmte Affinität zur MAPU auszeichnet (vgl. 1.5.1974, 29.6.1974, 7.8.1974), während andere Gruppen allein auf den MIR setzen bzw. wie die KPD/ML auf die RKP (vgl. 5.1.1974).

Die Teilnahme der chilenischen Mannschaft an der Weltmeisterschaft im Herrenfußball bietet erneuten Anlass zu Aktionen und Aufklärungsversuchen der äußersten Linken, nicht zuletzt über die Kompromissbereitschaft der Moskautreuen DDR mit dem chilenischen Mörderregime (vgl. 14.11.1973, 26.6.1974), während die SPD die Junta gar offen zu befürworten scheint (vgl. 12.6.1974), während des der Linken eher darum geht, den chilenischen Flüchtlingen in der Bundesrepublik (vgl. 22.6.1974) ein Leben, und möglichst gar noch ein mehr oder minder menschenwürdiges zu ermöglichen.

Die linksradikalen Chilekomitees bereiten die bundesweite Protestaktion zum ersten Jahrestag des Putsches vor (vgl. 27.7.1974), der KB spaltet das Ganze natürlich und verweigert sich 'sektiererisch' (M. Steffen), vermutlich nicht zuletzt um seine damals noch geringe Masse an Mitgliedern zu verbergen.

Nur wenige Gruppen der link(sradikal)en Bewegung sind es also, die zum bundesweiten Marsch auf Frankfurt mobilisieren (vgl. 27.8.1974), die KPD beteiligt sich mit ihrem Tross immerhin mittels eines revolutionären Blocks (vgl. 28.8.1974), lehnt sie doch den Göttinger Aufruf als zu kompromisslerisch ab.

Die cliffyistische SAG dagegen ist, wie immer, durchaus bündnisfreundlich (vgl. 1.9.1974), örtlich beteiligt sich auchder KB an den Protesten zum Jahrestags des terroristischen Militärputsches in Chile bzw. organisiert diese, während der damals noch weit überlegene KBW im Verein mit den Chilekomitees (vgl. 7.9.1974) lieber Sonderzüge nach Frankfurt und damit eine beeindruckende bundesweite Beteiligung aus vielen Orten der Bundesrepublik organisiert (vgl. 4.9.1974).

Zur Vorbereitung der zentralen Zusammenkunft findet in vielen Städten eine Chilewoche statt (vgl. 7.9.1974, 9.9.1974, 11.9.1974), die mit der bundesweiten Demonstration in Frankfurt endet.

Die zu Hause gebliebenen studentischen Anhänger des KABD versuchen sich nun in akademischen Unterscheidungen hinsichtlich des US-Engagements in Chile bzw. - Vietnam (vgl. 21.9.1974) was kaum zu überzeugen vermag, vermochte sich die Bewegung in Vietnam doch immerhin auf ein regulär bewaffnetes Staatswesen zu stützen statt nur auf einige Dutzend Basiskomitees mit irgendwo zufällig erbeuteten Handwaffen.

Innerhalb der ML-Bewegung kommt es nun zur Kompromittierung der KPD/ML durch die KPD (vgl. 2.10.1974), während sich cliffyistische SAG nicht nur weitere Ergänzungen zum aktuellen Marxismus-Leninismus publiziert, sondern auch den Protest mit organisiert (vgl. 1.2.1975). Selbst die DKP findet starke Worte (vgl. 3.3.1975), während sich der KB zwar verhalten hoffnungsfroh gibt (vgl. 25.3.1975), aber damit im Kontext der übermütigen ML-Bewegung, die sich im Angesicht der bald kommenden proletarischen Revolution wähnte, als zögerlicher und ängstlicher Akteur bzw. kleinlicher Kritikaster gilt, wie schon Michael Steffen treffend in seinem 'Trüffelschwein' schlussfolgerte.

Plakat des KB u. a. zu einer Chile-Veranstaltung am 18.4.1975 in der TU Berlin
Plakat, 1975

Während sowohl Spendensammlungen (vgl. Apr. 1975) als auch Solidaritätsaktionen jeweils nach Fraktionszugehörigkeit fortgeführt werden (vgl. 4.4.1975), nicht zuletzt im Rahmen einer Chile-Solidaritätswoche mit MIR-Vertretern (vgl. 5.4.1975). Die Entwicklung in Portugal führt nun endgültig zum Eklat innerhalb der Linksradikalen, wobei nicht zuletzt die vor allem in Frankfurt ansässigen ML Deutschlands mit ihren Positionen Aufsehen erregen (vgl. 20.4.1975). Der KBW dagegen reiht die Chilekomitees in sein Solidaritätsspektrum ein (vgl. 12.6.1975) und mobilisiert gar Christen für die Chilesolidarität (vgl. 26.6.1975).

Auch andere Gruppen aber bemühen sich um die Solidarität mit den Opfern des faschistischen Terrors (vgl. 5.7.1975, 26.7.1975, Sept. 1975). Die bundesweite Demonstration in Essen scheint nicht besonders erfolgreich gewesen zu sein (vgl. 18.9.1975), die Aufmerksamkeit der Linken hatte sich längst von Chile abgewandt, welches nur noch als mahnendes Beispiel zu dienen vermag, aber nicht mehr als revolutionäre Hoffnung (vgl. 21.9.1975), was auch der in der Chilesolidaritätsbewegung offenbar mittlerweile isolierte KBW nun einräumt (vgl. 2.10.1975). Die KPD dagegen klagt die Sowjetunion der Kumpanei mit den Putschisten an (vgl. 1.10.1975).

Während der MSB Spartakus noch Milch für Chiles Kinder beschaffen will (vgl. Nov. 1975) liefert die VR China offenbar lieber Waffen an die chilenische Junta (vgl. 28.10.1975), was für die stramm Chinatreuen Gruppen wie den KBW, aber auch die KPD zu Argumentationsschwierigkeiten führt, so dass sich die DKP, die damals verstärkt die Auseinandersetzung mit dem KBW suchte, als Siegerin des ideologischen Kampfes fühlt.

Die KPD verweist zwar wiederholt auf die ebenfalls existenten Beziehungen der Ostblockländer mit Chile (vgl. 6.1.1976, 24.3.1976), vermag aber damit vermutlich nicht zu überzeugen, entsinnt sich dann der RKP als Bruderpartei (vgl. 8.9.1976).

Zum Jahrestag des Putsches in Chile werden erneut Protestaktionen durchgeführt, wobei es vermutlich zu Auseinandersetzungen zwischen dem KBW und dem KB sowie anderen Kräften kommt (vgl. 6.9.1976). Der KB sieht nun die Chilefrage als eine der Ursachen für die Spaltung des KBW (vgl. 4.10.1976).

Zu Kontroversen kommt es offenbar auch innerhalb der linksradikalen Solidaritätsbewegung, in der der KB nun bundesweit initiativ tätig wird (vgl. 17.1.1977), sich dann auch im Verein mit den chilenischen Organisationen aufs internationale Parkett wagt (vgl. 29.1.1977).

Die KPD/ML ist immer noch mit der RKP befreundet (vgl. 5.2.1977, 30.3.1977, 25.4.1977, 16.5.1977), die DKP solidarisiert sich vor allem mit Luis Corvalan von der KP Chiles (vgl. 29.11.1976). Auch der KB sieht nun die Ursachen seiner Krise u.a. in der Enttäuschung über die Entwicklung in Chile (vgl. Juni 1978). Anlässlich des Zerwürfnis der VR China mit Albanien prangert gar die KPD/ML nun die chinesische Kollaboration mit den chilenischen Faschisten an (vgl. 7.7.1978).

Der KB ist weiterhin mit dem MIR befreundet (vgl. 11.6.1979, 4.1.1980), die Gruppen um GDS dagegen haben nicht nur eine befreundete exilchilenische Gruppe, sondern greifen für den vorläufigen Abschluss dieser Darstellung auch die RKP Chile an, als die wohl wichtigste Gruppe der neuen Blockbildung der Maoisten (vgl. Okt. 1980, Juni 1981), aus der später die RIM hervorgeht.

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

25.07.1935:
Die Frankfurter Marxisten-Leninisten (FML - vgl. 20.4.1975) berichten, unterstützt u.a. von den ML Aachen und den ML Bochum über den heute beginnenden und bis zum 20.8.1935 VII.Weltkongreß der KOMINTERN:"
Der VII. Weltkongreß legte die Linie im Kampf gegen den Faschismus, die Linie des Herankommens an die proletarische Revolution unter den konkreten historischen Bedingungen fest."

Berichtet wird auch durch die KPD (vgl. 7.4.1972).

Die KPD (vgl. 14.6.1972) berichtet auch über Georgi Dimitroff (vgl. 16.12.1933, 9.9.1944):"
III. DER VII. WELTKONGRESS

Der VII.Weltkongreß der Kommunistischen Internationale (KI) im Jahre 1935, auf dem Dimitroff zum Generalsekretär des Exekutivkomitees der KI gewählt wurde, stand ganz im Zeichen des antifaschistischen Kampfes der Völker und erarbeitete unter der Anleitung Dimitroffs eine revolutionäre Einheitsfront- und Volksfrontstrategie. Die bedeutendsten Beiträge waren Dimitroffs Referat 'Für die Einheit der Arbeiterklasse gegen den Faschismus' und seine Schlußansprache 'Die jetzigen Herrscher der Welt sind vorübergehende Leute - der wirkliche Herr der Welt ist das Proletariat.'

Gerade diese Beiträge weisen die Behauptung der modernen Revisionisten zurück, sich mit ihrer These des 'demokratischen Zwischenstadiums' und des 'friedlichen Übergangs' auf die Ausführungen des Genossen Dimitroff zur Volksfrontregierung zu stützen.

Im Aufruf der KPD vom 11.Juni 1945, im Programm der SED und in der Praxis der 'antifaschistisch-demokratischen Umwälzung', auf dem XX.Parteitag der KPdSU, in den Programmen der revisionistischen Parteien in den kapitalistischen Ländern, vor allem in der DKP-These von der 'antimonopolistischen Demokratie' - überall dort wo die modernen Revisionisten gezwungen sind, zu Fragen der revolutionären Strategie Stellung zu beziehen, können sie sich weder auf Lenin noch auf Dimitroff berufen. Auf dem VII.Weltkongreß wies Genosse Dimitroff nach:

'Die Rechtsopportunisten dagegen versuchten ein besonderes 'demokratisches Zwischenstadium' zwischen der Diktatur des Proletariats zu konstruieren, um in der Arbeiterschaft die Illusion eines friedlichen parlamentarischen Spaziergangs aus der einen Diktatur in die andere zu erwecken. Dieses fiktive 'Zwischenstadium' nannten sie gleichfalls 'Übergangsform' und beriefen sich sogar auf Lenin! Aber es war nicht schwer, diesen Schwindel aufzudecken: sprach doch Lenin von einer Front des Übergangs und des Herantretens an die 'proletarische Revolution' d.h. an den Sturz der Diktatur der Bourgeoisie, und nicht von irgendeiner Übergangsform zwischen der bürgerlichen und der proletarischen Diktatur.' (AGS, Bd.II, S.603)

Das historische Beispiel der Volksfront in Frankreich und die aktuellen Vorgänge in Chile beweisen, daß eine Volksfront ohne das erklärte Ziel der proletarischen Revolution der Konterrevolution in die Hände arbeitet.

Dimitroff erklärte hierzu:

'Wir sagen aber den Massen offen: Die endgültige Rettung kann diese Regierung nicht bringen. Sie ist nicht imstande, die Klassenherrschaft der Ausbeuter zu stürzen, und kann daher die Gefahr einer faschistischen Gegenrevolution nicht endgültigbeseitigen.' (Vergl. RF Nr.40 (vgl. 7.4.1972,d.Vf.), S.6/7)

Dimitroffs Ausführungen zur revolutionären Einheitsfrontpolitik, seine Beiträge 'Über die Kader' und seine Lehren zur Bolschewisierung der Kommunistischen Parteien in 'Die Festigung der Kommunistischen Parteien' fanden vor allem bei den chinesischen Genossen große Beachtung. Zahlreiche Aufsätze Mao Tse-tungs wie 'Gegen den Parteischematismus', 'Einige Fragen der Führungsmethoden' und 'Den Arbeitsstil der Partei verbessern' (alle AW, Bd. III) beweisen eine schöpferische Weiterentwicklung und die konkrete Anwendung der Gedanken Georgi Dimitroffs auf die chinesischen Verhältnisse."
Quellen: Frankfurter Marxisten-Leninisten:Marxisten-Leninisten zum 1. und 8.Mai 1975, Bochum 1975,S.12; Rote Fahne Nr.40 und 47,Dortmund 7.4.1972 bzw. 14.6.1972,S.6f bzw. S.8

April 1969:
In der Aprilausgabe des 'Roten Morgens' der KPD/ML (vgl. März 1969, Mai 1969) wird u.a. eingegangen wird auf den 9.Parteitag der KP Chinas, an den u.a. folgende Gruppen Grüße sandten:
- Revolutionäre KP Chile.
Q: Roter Morgen,Hamburg Apr. 1969

06.07.1970:
In Chile wird, laut KPD/ML-ZB, vermutlich in dieser Woche der Aufruf der kommunistischen Gewerkschaft zum Generalstreik von den meisten Arbeitern befolgt. Die Polizei sei mit Waffengewalt gegen die Arbeiter und sich solidarisierende Schüler vorgegangen, wobei ein Schüler erschossen wurde.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.14,Bochum 13.7.1970

06.09.1970:
Laut Freimut Duve gewinnt der Salvador Allende die erste Runde der chilenischen Präsidentschaftswahlen und wird schließlich Präsident von Chile.

Die KPD/ML-ZB berichtet:"
Einer Volksfront bestehend aus den linken Teilen der Christlichen Demokraten, Sozialdemokraten, Sozialisten, der KP und zwei anderen Gruppen ist es gelungen, ihren Präsidentschaftskandidaten Allende durchzubringen. Allende hatte einen knappen Vorsprung von 39 000 Stimmen (36,3% / 34,9%). Die 6 Parteien haben sich auf ein Maximalprogramm geeinigt, das auf dem innenpolitischen Gebiet die Verstaatlichung der Bodenschätze, Banken, Versicherungen, Monopolunternehmen und des Außenhandels vorsieht. Da in Chile 700 Großgrundbesitzer 55% des Ackerbodens besitzen, wird eine radikale Landreform. Die Bildung von landwirtschaftlichen Produktivgenossenschaften soll gefördert werden. Außenpolitisch wird die Volksfront die VR China, die DRV (Nordvietnam,d.Vf.), DDR, Nordkorea und Cuba anerkennen. Durch das Nationalisierungsprogramm werden erhebliche Interessen des US-Kapitals berührt. Die Kupferproduktion liegt zu 9/10 in den Händen von zwei US-Monopolen, die in den Jahren 1955 - 66 339 Mio. Dollar Profite in die USA transferierten. 1/4 der Eisenproduktion liegt in den Händen der Bethlehem Steel. Auch im Rüstungssektor, in der Salpeterindustrie und im Bankensektor haben US-Monopole bedeutende Geldmengen investiert. Der CIA hat in Lateinamerika schon bei geringeren Anlässen Putsche veranstaltet, so in Guatemala (Arbenz) und in Brasilien (Goulart). Auch in Chile hat die Armee unter dem vergangenen Präsidenten Frei zweimal Putschversuche gestartet. Für die neue Regierung ist es nicht damit getan, die verschiedenen Industriezweige zu nationalisieren, sie wird auch von den bisherigen Produktionspraktiken wegkommen müssen, die darin bestanden, die Rohstoffe mit Hilfe der billigen einheimischen Arbeiter zu fördern und sie unverarbeitet zu exportieren. Chile will seine Rohstoffe im eigenen Land veredeln. Damit werden aber nicht nur die Interessen der USA betroffen, sondern auch die der BRD, Englands (Großbritannien,d.Vf.), Italiens und Frankreichs, die ebenfalls große Mengen billigen Rohkupfererzes aus Chile importieren.

Die Maximalziele der Volksfront müssen nach deren eigenen Angaben nicht unbedingt während der Amtszeit Allendes durchgeführt werden. Das ist ohnehin fraglich, da die Volksfront nur über 82 von 200 Parlamentssitzen verfügt. Allende hat angekündigt, daß er sich bei der Durchführung seiner Maßnahmen verstärkt auf plebiszitäre Elemente stützen will. Es ist fraglich, ob es Allende und seiner Volksfront gelingen wird, mit diesem Programm, das nach eigener Aussage nicht sozialistisch ist, durchzukommen. Imperialistische Staaten, Monopole und die einheimische Bourgeoisie werden mit allen Mitteln versuchen, Allende zu bremsen. Das wird nicht schwer sein, da Allende sich nur auf ein Wahlkartell und nicht auf eine echte Volksbewegung stützen kann. Aufgrund seiner parlamentarischen Basis ist er gezwungen, binnen kurzer Zeit Erfolge zu zeigen, falls er nicht vom Parlament entmachtet werden will. Der Erfolg der Theorie vom parlamentarischen Weg zum Sozialismus bleibt auch in Chile unwahrscheinlich, falls es der Volksfront nicht gelingt, sich in den Massen zu verankern."

Laut 'Spiegel' (vgl. 17.9.1973) "bot der US-Konzern ITT der Washingtoner Regierung im September 1970 eine Beihilfe von einer Million Dollar an, wenn es ihr gelänge, Allendes Machtantritt zu verhindern, da er um seine Chile-Investitionen in Höhe von 153 Millionen Dollar bangte".

Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. 22.10.1970) vom 4.9.1970:"
Die Präsidentschaftswahlen ergeben einen 4% Vorsprung für den Kandidaten der Unidad Popular (Volksfront) Salvador Allende."

An anderer Stelle erläutert der AStA:"
Die UP stellt ein relativ heterogenes Bündnis verschiedener linker Gruppierungen dar, der Bewegung der vereinten Volksaktion (MAPU), einer Abspaltung der Christdemokraten; der Aktion Popular Independente (API), der Radikalenpartei und als wichtigster Träger die Sozialistische Partei unter Allende und die Kommunistische Partei Chile's."
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.3 und 7f; Der Spiegel Nr.38,Hamburg 17.9.1973,S.*, zitiert nach: SPD-LV NRW-Bezirk Westliches Westfalen-UB Dortmund-Jusos:Juso Information Nr.4,Dortmund 1973,S.22; Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.32,Bochum 12.9.1970,S.11f; Der Rote Gartenfelder Nr.5,Berlin 22.4.1971; Hochschule und Klassenkampf Nr.1,Bochum o.J. (1970),S.19ff; Duve,Freimut:Aufbrüche. Die Chronik der Republik 1961 bis 1986,Hamburg 1986

01.10.1970:
In Chile streiken heute, laut KPD/ML-ZB, fast 9 000 Arbeiter in drei Kupferminen für eine Lohnerhöhung von 60%. Das Angebot der Kapitalisten von 45% sei wegen der raschen Geldentwertung abgelehnt worden.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.39,Bochum 7.10.1970

03.10.1970:
Die Nr.38 (vgl. 30.9.1970, 7.10.1970) des 'KND' der KPD/ML-ZB und des KJVD.
Aus Bolivien wird über die Vorbereitung eines Staatsstreiches mit Hilfe des US Botschafters Siracrusa berichtet. Diese Aktion sei Teil einer globalen Strategie zur Eindämmung progressiver kleinbürgerlicher und marxistischer Regime. Ähnliches sei auch für Chile geplant.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.38,Bochum 3.10.1970

10.10.1970:
Die Nr.40 des 'KND' der KPD/ML-ZB und des KJVD (vgl. 7.10.1970, 14.10.1970) erscheint:"
Die Kämpfe in Bolivien, wie auch in Peru, und die Wahlergebnisse in Chile zeigen, daß die nationale Kleinbourgeoisie in Lateinamerika sich anschickt, die einheimische Kompradorenklasse und die Großgrundbesitzer zu entmachten.

Die in Bolivien, Peru und Chile stattfindenden Ereignisse sind ein Teil der demokratischen Revolution, die unter den besonderen politisch-ökonomischen Verhältnissen in den unterentwickelt gehaltenen Ländern Lateinamerikas zugleich einen antiimperialistischen Kampf mit einschließt."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.40,Bochum 10.10.1970

22.10.1970:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. 6.9.1970, 24.10.1970):"
Nachdem der Oberkommenadierende der Armee, der bürgerliche General Schneider, die Loyalität der Armee zur 'verfassungsmäßigen Regierung' erklärt hat, wird er von den Faschisten - unterstützt vom CIA und dem amerikanischen ITT Konzern - ermordet. Der drohende Staatsstreich, der die Amtseinführung Allendes verhindern sollte, konnte zurückgeschlagen werden."
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.3

24.10.1970:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. 22.10.1970, 29.10.1970):"
Der Kongreß wählt mit den Stimmen der Christdemokraten den 62-jährigen Allende zum Präsidenten und Nachfolger des Christdemokraten Frei, der der Verfassung gemäß nicht mehr kandidieren darf. Seine Amtszeit beträgt sechs Jahre."

Berichtet wird auch durch die KPD (vgl. 5.2.1972).
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.3; Rote Fahne Nr.41,Dortmund 19.4.1972,S.10

29.10.1970:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. 24.10.1970, 3.11.1970):"
Allende kündigt die Verstaatlichung ausländischer Unternehmen an."
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.3

03.11.1970:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. 29.10.1970, Dez. 1970):"
Allende wird in sein Amt eingeführt."
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.3

Dezember 1970:
Die KPD/ML-ZB berichtet aus Chile (vgl. 5.1.1971):"
Innenpolitisch hatte Allende vor allem eine Landreform sowie eine Reihe von Verstaatlichungen, vor allem der US-Monopolgesellschaften, die in Chiles Bergbau bedeutende Summen investiert haben, in seinem Programm vorgelegt.

Allende hatte selbst bei Amtsantritt (vgl. 6.9.1970,d.Vf.) gesagt, daß es in Chile nicht um die Einführung des Sozialismus geht, sondern darum, die chilenische Wirtschaft von den Einflüssen des reaktionären Großgrundbesitzertums, die die Entwicklung der landwirtschaftlichen Produktivität hemmen, zu befreien, sowie den Einfluß der nationalen Wirtschaft gegenüber den ausländischen Monopolgesellschaften zu verstärken.

Allende war mit der Unterstützung breiter Schichten des Volkes an die Macht gekommen. Im Parlament hatten auch die Christdemokraten, die die bisherige Regierung gestellt hatten, für ihn gestimmt.

Allende hatte im Wahlkampf, wie in allen bürgerlichen Wahlkämpfen, dem Volk viele Reformen versprochen. Da Allende bis jetzt nur geringe Teile seines Programms durchgeführt hat und der Großteil seiner Maßnahmen bisher nicht mehr als angekündigt worden sind, ist die Unzufriedenheit im Volk groß:

So hat es Ende Dezember in der südchilenischen Provinz Cautin blutige Kämpfe zwischen Bauern und Landarbeitern gegeben. Eine Gruppe bewaffneter Bauern vertrieb eine Anzahl Landarbeiter, die einen Bauernhof besetzt hatten, mit Waffengewalt. Zwei Landarbeiter wurden durch Schüsse verwundet. Die Polizei griff nicht ein: Weder vertrieb sie die Landarbeiter von dem besetzten Hof, noch ging sie gegen die bewaffneten Bauern vor.

Seit einigen Wochen sind Landbesetzungen in diesem Gebiet an der Tagesordnung. Allende hatte während des Wahlkampes auch solche Landbesetzungen befürwortet. Heute fordert Allende die Landarbeiter auf, das besetzte Land wieder freiwillig zu verlassen. Dies zeigt die tiefe Unzufriedenheit des chilenischen Volkes auch über die neue Regierung.

Was hat Allende bisher von seinem innenpolitischen Programm verwirklicht?

Nach dem Wahlsieg der Volksfront hatten Teile der chilenischen Bourgeoisie Geld- und Vermögenssummen ins Ausland gebracht, da sie Enteignung fürchteten. Die SZ redet von ca. 700 Mio. Dollar. Siemens in der BRD hatte seine vorgesehenen Investitionen für sein chilenisches Werk gestoppt.

Kurz nach Regierungsantritt hat Allende drei Firmen unter Aufsicht eines staatlichen Zwangsverwalters stellen lassen. Dies waren bankrotte Firmen, die unter Kontrolle der Regierung, mit dem Geld des Volkes wieder saniert werden sollen.

Die ersten Taten der Wirtschafts- und Finanzminister, die aus der revisionistischen KP stammen, waren die Bewilligung von Krediten an mittlere und kleinere Bergbauunternehmer, die gegenüber den Bergbaumonopolen in Chile einen äußerst schweren Stand haben.

Allende hat außerdem einen Verfassungsentwurf über die Möglichkeit der Verstaatlichung der Kupferminen vorgelegt, die sich zum großen Teil in Besitz von US-Monopolen befinden. Ursprünglich gehörte dem chilenischen Staat 25% dieser Unternehmen, der vorherige Präsident Frei hatte den Monopolen für teures Geld, das aus den Steuern finanziert werden muß, weitere 26% abgekauft. Allende will jetzt auch die restlichen 49% in Besitz des Staates bringen. Da Allende sehr vorsichtig mit seiner Politik den USA gegenüber ist, sollen die Monopole natürlich für ihre Enteignung entschädigt werden. Damit werden dem chilenischen Volk von Allende weitere Lasten auferlegt werden.

Die neue Regierung will außerdem die Banken verstaatlichen. Die Christdemokraten im chilenischen Parlament haben bereits Widerspruch gegen diese Maßnahme eingelegt. Da die chilenische Regierung auf parlamentarischem Weg an die Regierung gekommen ist, ist sie auf die Stimmen der Regierung angewiesen. Dies zeigt den engen Rahmen, innerhalb dessen sich das ganze Reformprogramm Allendes abspielen wird: Allende kann sich nicht auf bewaffnete Volksbefreiungsstreitkräfte stützen, die bestimmte Reformen auch gegen den Willen der nationalen Bourgeoisie durchsetzen würden. Allende ist insgesamt ein Präsident der nationalen Bourgeoisie Chiles, die die Wirtschaftsentwicklung des Landes vorantreiben will.

Welche Maßnahmen hat die Regierung bisher ergriffen, um die vielen Versprechen, die sie dem Volk im Wahlkampf gegeben hat, einzulösen?

Kurz vor Jahresende, wahrscheinlich auf Druck der zunehmenden Landbesetzungen, hat die Regierung Maßnahmen für die Agrarreform ergriffen. Allende teilte die Enteignung von 528 000 Ha Land einer Rinderzuchtgesellschaft mit; außerdem seien zwei weitere Landbesitze von insgesamt 200 000 Ha vom Staat übernommen worden. Zwei Wochen vorher waren bereits 63 Firmen und Viehzuchtbetriebe in Staatseigentum überführt worden.

Die Enteignung der Großgrundbesitzer ist für die Entwicklung der nationalen Wirtschaft in Chile unerläßlich. Allein 1969 mußte die Regierung für 150 Mio. Dollar Nahrungsmittel und Getränke im Ausland kaufen, das sind 16% aller Einfuhren. Dies kommt zum großen Teil daher, daß rund 500 000 Ha des besten Bodens von Großgrundbesitzern nur als Naturweide benutzt werden. Diese Großgrundbesitzer sitzen meist in den Städten und ließen jeden Monat das Geld zu sich in die Stadt kommen, ohne die landwirtschaftlichen Betriebe auszubauen.

Deshalb führte der frühere chilenische Präsident Frei schon 1966 ein Gesetz ein, was die Enteignung von Besitztümern mit mehr als 80 Ha Land ermöglicht.

An Maßnahmen, die unmittelbar das Lebensniveau der Volksmassen beeinflussen, hat Allende bisher verabschiedet:

- einen Mietstop für 1971 (Über 250 000 haben keine 'menschenwürdigen Behausungen').

- eine Begrenzung der Gehälter der staatlichen Angestellten. (Die höchsten Gehälter sollen in Zukunft nicht mehr betragen dürfen als das Zwanzigfache des niedrigsten Gehalts. Der Höchstsatz würde demnach ungefähr bei 3 000 - 4 000 DM liegen).

- Gehaltserhöhungen bei allen privaten und staatlichen Angestellten, die mindestens die Steigerung der Lebenshaltungskosten von 1970 ausgleichen sollen.

Zur Überwindung der Arbeitslosigkeit, die sich zwischen 7% in der Hauptstadt und 17% auf dem Lande bewegt, hat der revisionistische Wirtschaftsminister bisher nur demagogische Äußerungen getan: Die Preise sollen kontrolliert werden (die Inflation liegt zur Zeit bei ca. 40%). Die Kaufkraft der Arbeiter und Angestellten soll gestärkt werden, durch die plötzlich ansteigende Kaufkraft soll der Konsum gesteigert werden und hierdurch sollen die Kapitalisten dazu gebracht werden, mehr und billiger zu produzieren und damit auch mehr Arbeitsplätze zu schaffen. Diese Demagogie wird sich bald entlarven: Entweder der Wirtschaftsminister nimmt das Geld für die Lohnerhöhungen aus der Steuerkasse, dann bezahlt die Arbeiterklasse ihre eigenen Lohnerhöhungen, oder er zwingt die Kapitalisten, die Löhne für die Arbeiter zu erhöhen. Das wird jedoch eine Auslandsflucht der Kapitalisten bewirken, da die Kapitalisten nicht produzieren, um zu produzieren, sondern um Profit dabei zu machen.

Das ist die Lage in Chile.

Die neue Regierung wird wegen ihren schwachen Unterstützung durch das Volk, wegen ihrer rein parlamentarischen Mehrheit die Lage sowohl der nationalen Bourgeoisie als auch die Lage des Volkes nur begrenzt verbessern können. Die stärkere Betonung der nationalen Wirtschaft wird auch die Arbeiterklasse Chiles verstärken. Die Klassenauseinandersetzungen in Chile werden damit noch weiter zunehmen.

Eine weitere Schwächung der demokratischen Revolution in Chile ist der Umstand, daß Chile immer noch von den USA oder einer ihrer Lakaien-Regierungen überfallen werden kann. Da Allende sich nicht auf eine bewaffnete Volksbewegung unter Führung der Arbeiterklasse stützen kann, würde ein solcher Überfall kurzfristig wohl eine Niederlage der chilenischen Wirtschaft und des chilenischen Volkes bringen.

Erst mit der fortschreitenden Entwicklung des Proletariats wird die vollständige Befreiung Chiles von den ausländischen Monopolen zu Ende geführt werden können."

Zu diesem letzten Absatz heißt es später in einer Berichtigung:"
Dies ist ein politischer Fehler: Auch bei der demokratischen Revolution kommt es nicht auf die zahlenmäßige Stärke der Arbeiterklasse an, sondern auf die Organisiertheit der revolutionären Avantgarde der Arbeiterklasse, der Kommunistischen Partei."

Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. 3.11.1970, Jan. 1971), daß die Arbeitslosigkeit in Großsantiago (vgl. Juni 1971) bei 8,3% liege.
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.8; Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.2 und 4,Bochum 9.1.1971 bzw. 16.1.1971,S.7ff bzw. S.15

Januar 1971:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. Dez. 1970, 1.1.1971):"
Die US-Regierung verhängt einen systematischen Boykott über die chilenische Wirtschaft.

In 18 Monaten fallen die Kredite von 220 auf 26 Millionen Dollar!"
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.4

01.01.1971:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. Jan. 1971, 16.1.1971):"
Die Verstaatlichung der Kohlengruben und Banken wird bekanntgegeben. Im Rahmen der Agrarreform werden (Latifundien,d.Vf.) in Staatsbesitz übernommen."
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.3

05.01.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet aus Chile (vgl. Dez. 1970):"
Am 5.1.1971 hat die neue chilenische Volksfrontregierung die VR China diplomatisch anerkannt. Sie hat gleichzeitig bekanntgegeben, daß sie die Regierung der VR China als einzig rechtmäßige Regierung des chinesischen Volkes anerkennt. Die Tschiang Kai Tschek-Clique in Taiwan hat daraufhin sofort ihre diplomatischen Kontakte zu Chile abgebrochen. Chile hat außerdem angekündigt, daß es bald diplomatische Beziehungen zu Kuba herstellen wird. Auch mit der DDR will die chilenische Volksfront engere Beziehungen vereinbaren.

Das sind außenpolitisch die ersten Ergebnisse des Programms der Volksfrontregierung."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.2,Bochum 9.1.1971,S.7

16.01.1971:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. 1.1.1971, 4.4.1971):"
Ein Mordanschlag auf Allende wird vereitelt."
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.4

25.01.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet vermutlich aus dieser Woche aus Chile:"
Chile wird die DDR vorerst nicht anerkennen. Dies gab Präsident Allende dem BRD Staatssekretär Sohn bekannt. Allende versprach dem Staatssekretär, nichts in der Frage der Anerkennung der DDR zu unternehmen, ohne vorher die Bundesregierung zu informieren. Allende gab an, daß die Anerkennung der DDR aus Rücksicht auf die Ostpolitik der SPD-Regierung zurückgestellt worden sei."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.9,Bochum 3.2.1971,S.12

25.01.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet vermutlich aus dieser Woche:"
CHILE

Der Gouverneur der Region Lontune in Südchile ist seines Amtes enthoben worden. Er hatte mit seiner Amtsgewalt Bauern gedeckt, die Felder von Großgrundbesitzern besetzt hatten. Die Bauern hatten durch die Besetzung gegen die Verzögerung der Durchführung der versprochenen Landreform protestieren wollen."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.9,Bochum 3.2.1971,S.11f

04.04.1971:
Bei den Kommunalwahlen (KW) in Chile erhält die Unidad Popular (UP), nach Berichten der KPD/ML-ZB, 50,86% der Stimmen, was gegenüber ihrem Stimmenanteil von 36,3% beim Antritt der Regierung Allende im Sept. 1970 einen deutlichen Zuwachs bedeutet.

Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. 16.1.1971, Juni 1971):"
Bei Kommunalwahlen erhält die Unidad Popular fast 50% der Stimmen."
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.4; Der Rote Gartenfelder Nr.5,Berlin 22.4.1971,S.*

Juni 1971:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. 4.4.1971, 16.7.1971), daß die Arbeitslosigkeit in Großsantiago (vgl. Dez. 1970) nun nur noch bei 5,1% liegt.
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.8

Juni 1971:
Die Nr.6 des 'Roten Morgens' (RM) der KPD/ML-ZK (vgl. Mai 1971, Juli 1971) enthält u.a. einen theoretischen Artikel, der u.a. Chile betrifft.
Von der Redaktionssitzung für diese Nummer berichtet der Landespresseverantwortliche NRW (vgl. Mai 1971, Juli 1971):" …
KLASSENKAMPF UND FRIEDLICHE KOEXISTENZ. Von D schon seit langem der Redaktion vorgelegt. Die Einschätzung Chiles war zunächst kontrovers, ob Allende fortschrittlich sei oder nicht.

Ich war der Ansicht, er sei es, da als Vertreter der nationalen Bourgeoisie gegen den US-Imperialismus gerichtet."
Q: KPD/ML-ZK-LPV NRW:Bericht des LPV NRW (K) und RM-Redkoll-Mitglied über seine Tätigkeit im RM-Redkoll von Dezember 1970 bis November 1971,o.O. o.J.,S.6f; Roter Morgen Nr.6,Hamburg Juni 1971,S.7

RM_1971_06_14


16.07.1971:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. Juni 1971, 16.1.1972):"
Beschluß über Nationalisierung der großen Kupferminen. Entschädigungen werden gesetzlich garantiert."
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.4

16.01.1972:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. 16.7.1971, 19.2.1972):"
Wahlniederlage der Unidad Popular in den ländlichen Provinzen im Zentrum des Landes (Linares, Colchagua, O'Higgins). Der Wahlsieg der vereinigten Rechten führt zu einer ersten vagen Selbstkritik in der UP. Die KP sieht die Gelegenheit einer Hetzkampagne gegen die revolutionären Linken, insbesondere die MIR (Movimento Izquierda Revolucionario - Bewegung der revolutionären Linken), um diese für die Wahlniederlage verantwortlich zu machen und verkündet ihren 'Dialog' mit dem linken Flügel der Christdemokraten."
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.4

05.02.1972:
Die KPD (vgl. 11.2.1972) berichtet von ihrer heute und morgen angeblich in Berlin stattfindenden vierten Parteikonferenz (vgl. Nov. 1970), die sicherlich woanders und zu einem anderem Zeitpunkt stattfand in der 'RF' am 19.4.1972:"
RECHENSCHAFTSBERICHT DES 3.ZK AN DIE 4.PARTEIKONFERENZ

1. DIE ENTWICKLUNG DER WIDERSPRÜCHE IM INTERNATIONALEN UND NATIONALEN RAHMEN

Der Sieg der Volksfront in Chile (vgl. 24.10.1970,d.Vf.), vom modernen Revisionismus als Paradebeispiel für den friedlichen Weg zum Sozialismus propagiert, hat die ihm innewohnen Schranken bloßgelegt. Eingeschnürt in die Fesseln des bürgerlichen Legalismus, bleiben Teile der fortschrittlichen Bewegung stecken und sacken immer mehr in Richtung eines bürgerlich- nationalistischen Regimes ab.

Die Revisionisten ketten fortschrittliche Kräfte an den parlamentarischen Rahmen, sie verhindern den Aufbau revolutionärer Machtorgane und liefern das Land dem Zugriff der Armee und faschistischer Banden aus.

Schon jetzt zeigt sich die Wiederholung der fatalen Ereignisse der französischen Volksfront 1936/1937, wo die Kapitalistenklasse in aller Ruhe durch Kapitalflucht etc. die Wirtschaft ruinierte und ihre konterrevolutionären Kräfte neu gruppierte.

Die revolutionären Kräfte werden in Chile das Ruder nur herumreißen können, wenn sie den Einfluß des Sowjetrevisionismus niederkämpfen und entschlossen den Weg der bewaffneten Zerschlagung des bürgerlichen Machtapparates gehen.

In Chile wie auch in anderen lateinamerikanischen Staaten wird die Überwindung subjektivistischer, der Arbeiterbewegung feindlich oder unwissend gegenüber Revolutionsideologien, wie der Focustheorie, die revolutionäre Bewegung im ganzen vorantreiben."
Q: KPD-ZK:Rechenschaftsbericht des Zentralkomitees der KPD an die 4. Parteikonferenz,Dortmund 1972

19.02.1972:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. 16.1.1972, 10.9.1972):"
Die Oppositionsmehrheit der Christdemokraten im Kongreß setzt eine Reihe von Verfassungsänderungen durch, durch die die Verstaatlichung von Privateigentum von der Zustimmung des Parlamentes abhängig gemacht werden."
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.4

28.02.1972:
Der 'Rote Morgen' Nr.5 (vgl. 14.2.1972, 13.3.1972) berichtet u.a. über die RKP Chile.
Q: Roter Morgen Nr.5,Hamburg 28.2.1972,S.5

RM_1972_05_10


01.04.1972:
Es beginnt die viertägige 2.Vorkonferenz des Internationalen Komitees der Vierten Internationale, an der, neben der entschuldigten bolivianischen POR u.a. folgende Gruppen teilnehmen: … OMR Chile.
Q: Internationale Arbeiter Korrespondenz Nr.40/41,Eschborn Jan. 1973

26.06.1972:
Die KPD (vgl. 5.7.1972) berichtet vermutlich aus dieser Woche:"
FIDEL CASTRO, KUBAS PREMIERMINISTER UND 1.SEKRETÄR DER KP KUBAS IN MOSKAU GEFEIERT.

ZUCKERROHR UND PEITSCHE

Der zunehmenden Abhängigkeit der kubanischen Wirtschaft vom Sozialimperialismus, ihrer wachsenden Ausbeutung durch diesen, entspricht die Außenpolitik der Regierung, wie sie sich in der rückhalt- und kritiklosen Unterstützung der chilenischen Volksfrontregierung widerspiegelt."
Q: Rote Fahne Nr.50,Dortmund 5.7.1972,S.7

10.09.1972:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. 19.2.1972, 14.9.1972):"
Allende erklärt, daß Land sei vom Bürgerkrieg bedroht und appelliert an die Christdemokraten, mit der Regierung diese Gefahr zu bannen."
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.4

14.09.1972:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. 10.9.1972, 12.10.1972):"
Die Regierung deckt einen systematischen Plan der faschistischen Organisation 'Vaterland und Freiheit' und der Nationalpartei zum Sturz der Regierung auf.

Der 'Plan September' beinhaltet u. a.: Demonstrationen und Provokationen der Armee, um diese zum Eingreifen zu zwingen, Sabotageakte auf die Eisenbahnlinien, auf denen Lebensmittel transportiert werden, und den Versuch, den Militär Arturo a Marschall aus Bolivien zurückzuholen."
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.4

12.10.1972:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. 14.9.1972, 16.10.1972):"
Ein Streik der Fuhrunternehmer weitet sich aus. Wegen Versorgungsschwierigkeiten wird der Ausnahmezustand über Santiago und einige weitere Provinzen verhängt."

An anderer Stelle heißt es:"
Die vom CIA finanzierten Streiks der 150 000 Kleinhändler und Fuhrunternehmer im Oktober 1972 verkündeten den Beginn der Großoffensive der Reaktion. Damals antwortete die Arbeiterklasse mit der Schaffung von Komitees zur Verteilung und Gemeinschaften, die die Lieferung an Industriebetriebe kontrollierten."
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.4 und 9

16.10.1972:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. 12.10.1972, 18.10.1972):"
Der damalige Präsident der Christdemokraten Fuentalba fordert die Basis seiner Partei (Bankangestellte, die Beschäftigen der Wasser- und Fernmelde-, Elektrizitätsgesellschaften, Ingenieure, Ärzte) zum Streik gegen die Regierung auf.

Fuentalba: 'Wir werden jetzt von Worten zu Taten schreiten'.

Trotz der reaktionären Boykottmaßnahmen und des Wirtschaftskrieges erklärt sich die UP-Regierung nicht bereit, dieser Entwicklung adäquat durch massenhafte Mobilisierung und Bewaffnung ihrer eigenen Anhängerschaft zu begegnen.

Luis Corvalan, Generalsekretär der KP, am gleichen Tag: 'Die patriotische Aufgabe besteht jetzt darin, das Land in Gang zu halten.'

Demgegenüber erklärte die MIR: 'Verwandeln wir jede Fabrik, jeden Bauernhof, jeden Slum in eine Kampfbastion gegen den Faschismus!'"
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.4

18.10.1972:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. 16.10.1972, 19.10.1972):"
Unter dem Druck der Rechten erkennt Allende die Forderungen der Transportunternehmer an, läßt die inhaftierten Boykottführer frei und gibt die beschlagnahmten LKW'S zurück."
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.5

19.10.1972:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. 18.10.1972, 22.10.1972):"
Die fünf bürgerlichen Oppositionsparteien Chiles geben eine gemeinsame Erklärung ab, in der sie sich mit den Streiks der LKW-Besitzer solidarisch erklären, Allende als 'allein verantwortlich' für die Krisensituation im Lande bezeichneten, ihm 'seine ständige Nichterfüllung der eingegangenen Verpflichtungen' vorwarfen und ihn aufforderten, nunmehr eine 'demokratische Lösung' zu finden. Sie forderten damit nichts weniger als seinen Rücktritt."
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.5

22.10.1972:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. 19.10.1972, 23.10.1972):"
Der Kongreß verabschiedet in einer Situation, wo die Rechte bis an die Zähne bewaffnet ist, ein Gesetz, daß 'Privatleuten' den Erwerb von Waffen verbietet und die Bildung paramilitärischer Gruppen untersagt. Für den Besitz von Waffen ist künftig eine Genehmigung der Militärbehörden (!) (nicht etwa der Regierungsbehörden) erforderlich."
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.5

23.10.1972:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. 22.10.1972, 3.11.1972):"
Die Berufsorganisationen, die den Streik auslösten, konfrontieren die Regierung mit neuen Forderungen, deren Erfüllung Allendes politischen Zielen ein jähes Ende bereiten würden: sie forderten insbesondere 'eine gesetzliche Verankerung aller Verstaatlichungen', da die UP im Kongreß keine Mehrheit hat. Weiter fordern sie die Aufhebung aller gerichtlichen Sanktionen gegen die Boykottführer (und damit auch für die Verantwortlichen der Sabotageaktionen) und drittens die Einstellung der Übermittlung des Regierungsbulletins durch die Radiostationen des Landes."
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.5

November 1972:
Vom KB wird die Broschüre "Chile - Friedlicher Übergang zum Sozialismus?" herausgegeben.
Q: Unser Weg,Hamburg Sept. 1973

03.11.1972:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. 23.10.1972, 4.3.1973):"
Je ein Befehlshaber der drei Waffengattungen, darunter der Oberkommandierende des Heeres, General Prats, treten als Minister Allendes in die Unidad Popular ein.

Während Allende bei seinen Verhandlungen mit dem streikenden Mittelstand nichts erreicht, schaffte sein neuer Ministergeneral die Beilegung des Konflikts binnen 48 Stunden nach seinem Regierungsantritt - um den Preis, daß die Unidad Popular in fast allen Punkten nachgab:

1. Garantierter Verzicht auf jede staatliche Kontrolle der Transportunternehmer und Aufgabe der Pläne für ein staatliches Fuhrunternehmen, in der von den Privatspediteuren vernachlässigten Südprovinz Aysen,
2. die 'Rechte der Einzelhändlerschaft' sollen gesetzlich fixiert werden,
3. Der Konsumgroßhandelskonzern Codina wird nicht verstaatlicht,
4. Alle gerichtlichen Schritte gegen Boykotteure und Saboteure werden eingestellt,
5. Gegen diese dürfen keine gerichtlichen Sanktionen verhängt werden.

So endete der Kleinbürgerstreik, der dem Staat einen Schaden von 640 Millionen verursachte, mit einem vollen Erfolg der Reaktion."
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.5f

10.12.1972:
Die Aktion Lateinamerika (ALA) Freiburg (vgl. 2.7.1973) verbreitet den folgenden Text anläßlich der Ermordung von Kommunisten in Guatemala (vgl. 26.9.1972):"
SOZIALISTISCHE UND KOMMUNISTISCHE FÜHRER AMERIKAS VERURTEILEN DIE ERMORDUNG IHRER GENOSSEN DER PGT

Zeigen wir jetzt sofort dem guatemaltekischen Volk unsere aktive moralische Unterstützung, in politischer und materieller Hinsicht!

Moskau, 10.Dezember 1972

Fidel Castro Rus, 1. Sekretär des ZK der Kommunistischen Partei Cubas; Mario Zamorano, Mitglied der politischen Kommission der Kommunistischen Partei Chiles; Cesar Godoy Urrutia, Mitglied der KP Chiles; Edmundo Serani, Mitglied des Politischen Büros des ZK der Sozialistischen Partei Chiles …"
Q: Aktion Lateinamerika Nr.1,Freiburg 1973,S.4f

21.02.1973:
Die KPD gibt die Nr.8 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 14.2.1973, 28.2.1973) heraus, in der sie u.a. von Chile berichtet.
Q: Rote Fahne Nr.8,Dortmund 21.2.1973

04.03.1973:
In Chile finden Parlamentswahlen (vgl. **.**.19**, **.**.19**) statt.

Die DKP berichtet:"
SIEG DER VOLKSFRONT!

Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus und zum Senat in Chile errang die Unidad Popular (UP,d.Vf.) einen großen Erfolg.

42% DER BEVÖLKERUNG FÜR DIE VOLKSFRONT!

Der US-Imperialismus und seine Verbündeten haben es nicht geschafft, in Eintracht mit der chilenischen Reaktion die Arbeiterklasse zu täuschen! Die schwierige wirtschaftliche Lage des Landes, hervorgerufen durch die von en USA herbeigeführte Senkung des Weltmarktpreises für Kupfer, hervorgerufen durch die lange Lahmlegung des Transportwesens und die Hortung von Versorgungsgütern durch die einheimischen Rechtskräfte haben es nicht vermocht, das Vertrauen und die Zuversicht der arbeitenden Bevölkerung in die Unidad Popular zu untergraben.

Im Gegenteil!

Das Bündnis von Kommunisten und Sozialisten, Christen und Parteilosen wird in immer stärkeren Maße als der einzige Garant für den sozialen Fortschritt erkannt. Die Nationalisierung der Großindustrie, die Durchführung einer Bodenreform, die Lösung vom US-Imperialismus und die Aufnahme freundschaftlicher Beziehungen zur Sowjetunion (SU,d.Vf.), zur DDR und den anderen sozialistischen Staaten wurde trotz der mannigfachen Schwierigkeiten, die diese Klassenauseinandersetzung mit sich bringt, immer mehr als eine der Voraussetzungen dafür angesehen, Chile zu einem Staat zu machen, in dem die werktätige Bevölkerung die Macht hat.

DAS VOLK SIEGT!

Wenn die bürgerliche Presse in der Bundesrepublik dieses Wahlergebnis als einen 'Achtungserfolg' des Staatspräsidenten Salvador Allendes interpretiert, so halten wir Kommunisten dagegen:

Jawohl, dieser Wahlsieg ist ein 'Achtungserfolg!'

Aber es ist kein Erfolg lediglich Salvador Allendes, sondern in erster Linie ein Erfolg und das Verdienst breiter Teile des Volkes; der klassenbewußten Arbeiter, der fortschrittlichen Kräfte der Intelligenz und dem demokratisch gesinnten Teil der Bauernschaft!

Der Sieg der Unidad Popular; der ist entschieden worden von allen antiimperialistischen und sozialistischen Kräften in Chile in ihrem harten Kampf gegen die ausländischen Monopole und die einheimische Reaktion!"

Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. 3.11.1972, 23.3.1973):"
Bei den Parlamentswahlen entfallen 43,3% der Stimmen auf die Kandidaten der Unidad Popular und 54,7% auf den Block der Rechten, bestehend aus Christdemokraten und Nationalpartei."
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.6; Kommunist Extra,Hamburg 6.3.1973,S.1f

12.03.1973:
Die KPD berichtet vermutlich aus dieser Woche (vgl. 1.3.1973):"
SIEG IM VOLKSKRIEG

Schon immer versuchten die modernen Revisionisten der Vietnamsolidaritätsbewegung ihre Kapitulantenlinie aufzuzwingen. …
Auf einer Pressekonferenz Mitte des Monats in Bonn überbot DKP-Präsidiumsmitglied Hermann Gautier die bisherigen Praktiken noch an Unverfrorenheit: Als wesentliches Ergebnis seiner Reise nach Nordvietnam präsentierte er der versammelten Presse: 'Das vietnamesische Volk hat seinen Kampf gegen die USA-Aggression nie als 'revolutionären Volkskrieg' bezeichnet.' Und auf die Frage, ob der Kampf des vietnamesischen Volkes exemplarisch für alle Länder der dritten Welt sei, antwortete er: 'Nein! Die Kampfformen richten sich nach den konkreten Bedingungen und sind verschieden, wie die Wege Kubas und Chiles.'"
Q: Rote Fahne Nr.13,Dortmund 28.3.1973,S.1

23.03.1973:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. 4.3.1973, 27.3.1973):"
Kabinettsrücktritt."
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.6

27.03.1973:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. 23.3.1973, 21.6.1973):"
Im neuen Kabinett sind die neuen Militärs nicht mehr vertreten."
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.6

April 1973:
Die SAG gibt die Nr.22 ihres 'Klassenkampf' (vgl. März 1973, Mai 1973) heraus. Themen sind u.a. Chile.
Q: Klassenkampf Nr.22,Frankfurt Apr. 1973

19.05.1973:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr.19 (vgl. 12.5.1973, 26.5.1973) heraus. Berichtet wird u.a. "Chilenische Hoechst-Arbeiter fordern Enteignung!".
Q: Roter Morgen Nr.19,Dortmund 19.5.1973,S.4

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21.06.1973:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. 27.3.1973, 29.6.1973):"
Die Reaktion rüstet mit neuen Streiks und Boykotts zum erneuten Angriff."
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.6

27.06.1973:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' Nr.26 (vgl. 20.6.1973, 4.7.1973) heraus. Berichtet wird u.a. über Chile.
Q: Rote Fahne Nr.26,Dortmund 27.6.1973

29.06.1973:
In Chile scheitert ein Militärputsch.

Davon berichtet auch der KBW (vgl. 12.9.1973).

Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. 21.6.1973, 26.7.1973):"
Ein Putschversuch des 2.Panzerregiments mit dem Ziel, die gesamte Armee gegen die Regierung zu mobilisieren, wird niedergeschlagen. Die chilenischen Arbeiter reagieren auf diesen Putschversuch mit der sofortigen Besetzung der Betriebe."

An anderer Stelle heißt es (vgl. 12.10.1972):"
Am 29.Juni 1973 wurde die zweite Offensive gestartet. Der Putsch, von Teilen der Armee getragen, scheitert. Die Betriebe werden von den Arbeitern spontan besetzt und weitere Machtorgane der Arbeiter gebildet."
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.6 und 9; KBW-ZK-StA:Rundbrief,Mannheim 12.9.1973,S.2

30.06.1973:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr.25 (vgl. 23.6.1973, 7.7.1973) heraus. Betont wird unter Bezug auf Argentinien und Chile: "Es gibt keinen friedlichen Weg zum Sozialismus".
Q: Roter Morgen Nr.25,Dortmund 30.6.1973,S.5

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11.07.1973:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. 29.6.1973, 26.7.1973):"
Aus einem Interview vom 11.7.1973 mit einem chilenischen Soldaten: 'Wie könnte ihrer Meinung nach eine bessere Kräftekorrelation gegenüber einem Putsch hergestellt werden.'

Antwort: 'Dadurch, daß die Arbeiter stärker zuschlagen, dadurch, daß sie mehr Industrien in Besitz nehmen, um ihre Stärke zu zeigen. Die Stärke der Arbeiter beeindruckt die Soldaten sehr, in dem Maße, in dem sie sehen, daß dort die Stärke ist, werden sie sich für diese Seite entscheiden.'"
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.7

14.07.1973:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr.27 (vgl. 14.7.1973, 28.7.1973) heraus. Erläutert wird zu Chile: "Unserer Stellung zur Regierung Allende".
Q: Roter Morgen Nr.27,Dortmund 14.7.1973;s.5

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26.07.1973:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. 11.7.1973, 3.8.1973):"
Ein erneuter Streik der Fuhrunternehmer bricht aus. Mit vorgeschobenen Forderungen wie nach mehr Lastwagen, mehr Ersatzteilen und höheren Tarifen, hat der Streik von vornherein das Ziel, ein solches wirtschaftliches Chaos auszulösen, daß der Sturz der Regierung nur noch eine Frage der Zeit wäre."
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.6

03.08.1973:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. 26.7.1973, 9.8.1973):"
Bus- und Taxiunternehmer schließen sich dem Streik an."
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.6

09.08.1973:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. 3.8.1973, 23.8.1973):"
Auf Drängen der Christdemokraten und um den 'Streik' zu beenden, werden wieder Militärs ins Kabinett aufgenommen. Daß das Militär nicht bereit war, 'Feuerwehr' zu spielen, zeigt sein schwaches und unwirksame Vorgehen gegen die Fuhrunternehmer. Stattdessen nahm es teil an der schon langandauernden Verfolgung der Arbeiter, Bauern und Studenten."

Von der Hereinnahme des Militärs in die Regierung berichtet auch der KBW (vgl. 12.9.1973).
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.6; KBW-ZK-StA:Rundbrief,Mannheim 12.9.1973,S.2

23.08.1973:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. 9.8.1973, 28.8.1973):"
Um die Situation weiter zu verschärfen, erklärt das mehrheitlich von Christdemokraten und Faschisten besetzte Abgeordnetenhaus die Regierung für illegal und zwingt so das Militär, sich zwischen Parlament und Regierung zu entscheiden."
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.6

28.08.1973:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. 23.8.1973, 11.9.1973):"
Neue Kabinettsumbildung. Anstelle der Befehlshaber werden andere hohe Offiziere als Minister berufen. Der Streik der Fuhrunternehmer, die ca. 70% des gesamten Lastwagenparks besitzen und damit die gesamte Versorgung lahmlegen, dauert jetzt 34 Tage."
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.6

September 1973:
Laut Sozialistischem Büro (SBü) findet vom Herbst bis Ende 1973 eine Solidaritätskampagne für Chile statt, die von zwölf arbeitenden Chile-Komitees und dem SBü getragen wird. Angebote für gemeinsame Aktionen macht das SBü u.a. an die DKP und die K-Gruppen.
Q: Komitee für Grundrechte und Demokratie:Tradition heißt nicht, Asche aufheben, sondern die Flamme am Brennen halten,Sensbachtal 1985,S.211

03.09.1973:
Für den KBW berichtet F.H. vermutlich u.a. aus dieser Woche:"
DIE VOLKSMACHT AUFBAUEN

DIE TAKTIEREREI ALLENDES HINTER DEM RÜCKEN DER VOLKSMASSEN

Anstatt das Volk über die Absichten der Bourgeoisie aufzuklären, ging Allende auf das vermeintliche Angebot ein. Er nahm Militärs in die Regierung, entließ Faivovich und kündigte das Ende der Verstaatlichungen an. Gleichzeitig polemisierte er äußerst scharf gegen diejenigen, die nicht bereit sind, den Kampf für den Sozialismus um des Ausgleichs mit der Bourgeoisie willen zu opfern. Aber Allende hat keine Wahl, Obwohl er in gutbürgerlicher Manier den kommunistischen MIR auf die gleiche Ebene wie die faschistische Organisation 'Patria y Libertad' (Vaterland und Freiheit) stellt, wenn er behauptet, beide seien 'Pseudorevolutionäre, die sich die Hände reichen', so mußte er unter dem Druck der Volksmassen die faschistische Terrororganisation 'Vaterland und Freiheit' doch kürzlich verbieten.

Der Bourgeoisie lag an der Aufnahme von Militärs in Schlüsselstellungen der Regierung besonders viel. Denn für die herrschende Klasse in Chile ist klar, daß die chilenische Armee nicht eine ist, die etwa loyal zu jeder gewählten Regierung hält und sich den sozialen Fragen gegenüber neutral verhält, sondern daß sie die bewaffnete Streitmacht der Bourgeoisie ist. Die chilenische Bourgeoisie hat die Armee aufgebaut, um ihre Ausbeuterordnung zu schützen, um ihre Herrschaft über die Volksmassen zu sichern. Die Soldaten werden deshalb unter Druck gesetzt. Wenn sie mit den Interessen des Volkes sympathisieren, ist ihre Verhaftung und Folterung sicher.

Büros fortschrittlicher Organisationen werden in selbständigen Aktionen der Armee nach Waffen durchsucht und verwüstet. Willkürlich werden Menschen festgenommen. Am 4.8.1973 überfielen Armeeeinheiten die Fabrikviertel von Punta Arenas, durchsuchten die Fabriken und zerstörten sie völlig. Auf Arbeiter, die sich gegen diesen Terror zur Wehr setzten, wurde das Feuer eröffnet; zwei Arbeiter sind dabei erschossen worden.

Solche Erfahrungen machen die Arbeiterklasse wachsam der Taktiererei Allendes gegenüber: 'Das Militärkabinett wird von uns als ein Verrat an der Arbeiterklasse angesehen, weil es zeigt, daß die Regierung kein Vertrauen in die Arbeiterklasse hat und weiter zögert', antwortete ein Arbeiter auf die Frage, was er vom Militärkabinett halte. Er erklärte weiter: 'Die Militärs in der Regierung sind im Grunde nur eine Garantie für die Herren, nicht für die Arbeiterklasse. Wir haben damit unsere Erfahrungen, wir glauben, daß die Überfälle weiter gehen werden und daß viele Arbeiter fallen werden'. Ein anderer antwortete auf die gleiche Frage: 'Wir sind für die Revolution und gegen die Reformisten. Wir wollen ein für alle Mal die Macht des Volkes in Chile aufbauen und sind gegen die Militärs im Kabinett.'

DIE CHILENISCHEN VOLKSMASSEN HABEN IHRE LEHREN AUS DER NIEDERLAGE GEZOGEN

Das chilenische Volk wurde in den letzten Jahren zunehmend geschlossener und kampfbereiter. In zahllosen Aktionen konnten wichtige Erfahrungen gesammelt werden, wie die Arbeiterklasse und das Volk die immer wütender werdenden Angriffe der Reaktion abwehren kann. 'Crear, crear, poder popular' - 'Die Volksmacht aufbauen!', das war die Parole, mit der die Arbeiterklasse den erfolgreich niedergeschlagenen Putschversuch feierte und die Konsequenzen daraus zog. Und die Volksmacht wird aufgebaut, selbständig von der Arbeiterklasse und gegen den bürgerlichen Staatsapparat. Die wichtigsten Organe der Volksmacht sind die 'Cordones industriales', die 'Commandos Comunales' und die 'Consejos Campesinos'.

Die Cordones Industriales sind demokratische Organisationen, in denen sich die Arbeiter der Fabriken von Industriebezirken zusammengeschlossen haben. Sie sind im Herbst letzten Jahres in Santiago de Chile entstanden. Heute gibt es sie in nahezu jedem Industriebezirk in ganz Chile. In diesen Vereinigungen diskutieren die Arbeiter die Aufrechterhaltung und die Gestaltung der Produktion, organisieren die Beschaffung von Rohstoffen und vor allen Dingen die Verteidigung der Fabriken gegen faschistische Überfälle. Viele Fabriken werden Tag und Nacht von den Arbeitern besetzt gehalten.

Die Consejos Campesinos (Bauernräte) sind auf dem Lande unter der Bauernbevölkerung entstanden. Sie haben die gleichen Aufgaben wie die Cordones Industriales. Die Verteidigung der Ländereien gegen faschistische Überfälle muß organisiert werden. Die feudale Reaktion beantwortete das wachsende Klassenbewußtsein der Landarbeitermassen auf die immer häufiger stattfindenden Besetzungen von Ländereien mit wütendem Terror.

Die Commandos Comunales sind die Zusammenschlüsse aller vom Volk geschaffenen Organe auf Stadtteilebene. In ihnen arbeiten die Mitglieder aller linken politischen Organisationen zusammen, organisieren die Versorgung mit Kleidung und Lebensmitteln, haben Preiskontrollorgane gebildet, ebenso wie Mütterzentren. Auch hier gewinnt die Verteidigung gegen Willkürakte der Armee und gegen faschistische Überfälle der 'Patria y Libertad' immer mehr an Bedeutung. Die Leiter der Commandos Comunales verfolgen das Ziel, jeden in die Arbeit miteinzubeziehen, um die breiteste Einheit und größte Geschlossenheit des Volkes herzustellen.

Die Arbeit in diesen 'Basisorganisationen des Volkes', wie die Commandos, Cordones und Consejos in Chile genannt werden, war ein wichtiger Faktor in dem ungeheuren Fortschritt an Klassenbewußtsein und Kampfbereitschaft, den das chilenische Volk seit Beginn der Regierung der UP gemacht hat. In diesen Organisationen, in denen das Volk seine Geschicke selbst in die Hand genommen hat, erfährt jeder einzelne täglich die Erfordernisse des Klassenkampfes, des Aufbaus des Sozialismus. So ist es nicht verwunderlich, daß z.B. insbesondere die Mitglieder der Kommunistischen Partei Chiles (KP,d.Vf.) immer häufiger in Widerspruch zu den revisionistischen Führern dieser Partei geraten: unter dem Druck der Massen mußten die auf den Ausgleich gesinnten Führer dieser Partei die 'Basisorganisationen' anerkennen und ihre Mitglieder auffordern, sich in ihnen zu organisieren. Ursprünglich hatten sie diese Organisationen als 'gefährliche Doppelherrschaft' diffamiert!

DIE IMPERIALISTEN SIND ZUM ENTSCHEIDENDEN SCHLAG ANGETRETEN

Die Arbeiterklasse Chiles braucht diese Erfahrungen und die Einheit, nicht nur, um den Angriffen der einheimischen Bourgeoisie entgegentreten zu können. Der Feind aller Völker, der Imperialismus, hat auch in Chile seine offene Intervention angekündigt: jüngst erklärte Hugo Banzer, der Chef der bolivianischen faschistischen Militärregierung, daß er seine Truppen in den Norden Chiles einfallen lassen werde. Die brasilianische Militärregierung, die über ausgearbeitete Pläne zur Besetzung eines großen Teils von Lateinamerika verfügt, kündigte an, daß sie eine Straße von Santos nach Nordchile bauen wird. In Bolivien haben die chilenischen Grundbesitzer eine schlagkräftige Armee aufgebaut mit Hilfe des amerikanischen Geheimdienstes CIA. Sie warten nur auf den günstigsten Moment, um in Chile einzufallen. Die US-Imperialisten führen gerade wieder große Seemanöver vor der Küste Chiles durch. Die US-Imperialisten machen immer größere Anstrengungen, um in Chile ebenso wie Bolivien und Brasilien ein Marionettenregime zu installieren.

Der Kampf des chilenischen Volkes wird den Völkern Lateinamerikas Beispiel sein. Das chilenische Volk ist nicht am Ende seiner Kräfte. Im Gegenteil: der Kampf des chilenischen Volkes zeigt, zu welcher Leistung ein Volk fähig ist, wenn es um seine Freiheit, für den Sozialismus kämpft."

Verbreitet wird dieser Artikel bzw. Teile daraus u.a. in:
- NRW durch die KFR (vgl. 17.9.1973) und in Dortmund komplett bei Hoesch (IGM-Bereich - vgl. 18.9. 1973) durch die KFR.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.2,Mannheim 12.9.1973; KFR:Gegen den Militärputsch in Chile - Für die bewaffnete Volksmacht,Dortmund o.J. (Sept. 1973); Roter Hoesch Arbeiter Nr.2,Dortmund 18.9.1973,S.5f

08.09.1973:
Im UB Dortmund der Jusos der SPD wird aus Chile (vgl. 26.11.1973) berichtet "daß der amerikanische Botschafter Nathaniel Davis am Wochenende vor dem Putsch zu einem Blitzbesuch nach Washington geflogen war".
Q: SPD-LV NRW-Bezirk Westliches Westfalen-UB Dortmund-Jusos:Juso Information Nr.4,Dortmund 1973,S.22

11.09.1973:
In Chile findet der Militärputsch gegen Allende statt.

Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet aus Chile (vgl. 28.8.1973):"
Allende wird von einer Militärjunta gestürzt. Tausende von Arbeitern und Bauern werden umgebracht oder landen in Konzentrationslagern (KZ,d.Vf.)."

Bei Hoesch Dortmund (IGM-Bereich - vgl. 18.9. 1973) berichtet das Kommunistische Kollektiv der KFR des KBW:"

GEGEN DEN MILITÄRPUTSCH IN CHILE - FÜR DIE BEWAFFNETE VOLKSMACHT

Der Militärputsch fordert unseren gemeinsamen Protest heraus! Solidarisieren wir uns mit den chilenischen Arbeitern, die ihre Fabriken und Minen besetzt haben und die der Militärjunta erbittert bewaffneten Widerstand leisten. Belagerungszustand für das ganze Land, Massenverhaftungen, Erschießungen und Bombardierung von Fabriken und öffentlichen Gebäuden. Mit diesen Maßnahmen versuchte die Militärjunta in Chile den wachsenden Widerstand von Arbeitern und Bauern zu brechen.
Nachdem die reaktionären Militärs am Dienstag den Präsidentenpalast Allendes bombardiert und Allende aller Wahrscheinlichkeit nach ermordet hatten, sind in unzähligen Fabriken, Minen und landwirtschaftlichen Kooperativen die Arbeiter und Bauern zum bewaffneten Widerstand gegen die Militärjunta übergegangen.
- In Valparaiso haben Arbeiter die Kontrolle der Stadt übernommen,
- In den großen Kupferminen Chuquicamata , El Salvador haben sich die Minenarbeiter verschanzt,
- In der Grenzstadt Mendoza haben Arbeiter von El Temiente, der größten Kupfermine des Landes, Teile der Mine gesprengt,
- Im Süden Chiles haben Bauern landwirtschaftliche Kooperationen und Staatsbetriebe besetzt um ihre Rechte gegen die Militärjunta zu verteidigen,
- Auch in der Armee und der Polizei wächst der Widerstand. In einer Polizeischule hatte die Militärjunta Mühe, eine Rebellion zu verhindern,
- Nach letzten Meldungen marschieren bewaffnete Arbeitertruppen gemeinsam mit einer Infanteriedivision auf Santiago zu.
Die Arbeiter in allen großen Industriebetrieben haben 'Industriezonen' (Cordone Industries) aus den Arbeiterräten der einzelnen Fabriken gebildet. Aktionsgruppen der Arbeiter regeln die Gemeindeverwaltung und organisieren die Lebensmittelverteilung. Die Arbeiter von Lebensmittelfabriken liefern ihre Produkte direkt an Volksmärkte, so daß die Versorgung der Arbeiterbevölkerung mit Lebensmitteln gut funktioniert.
Doch dem erbitterten Widerstand der chilenischen Arbeiter und Bauern steht eine mit modernstem amerikanischen Waffen ausgerüstete Armee gegenüber.
In den letzten Monaten vor dem Militärputsch hatte die USA-Regierung diese Armee mit Waffen und Gerät im Werte von über einer Million Dollar für den Militärputsch ausgerüstet.
Gemeinsame Marinemanöver wurden für die Zeit des Putsches unterbrochen. Nixon war über den Plan, wie aus Chile wieder eine verlässliche Stütze der USA in Lateinamerika gemacht werden soll, gut informiert. Das Außenministerium hat zu diesem Zweck einen Chile-Ausschuß eingerichtet, der offensichtlich die Maßnahmen koordiniert hat. Der Widerstandskampf des chilenischen Volkes ist mit großen Opfern verbunden. Aber es gibt keine andere Möglichkeit als sich mit Waffengewalt gegen den blutigen Terror der Militärjunta zu wehren. Das Ziel dieses Kampfes ist die Errichtung der Volksmacht in Chile. Die Militärjunta geht mit äußerster Brutalität und faschistischen Terrormaßnahmen gegen das chilenische Volk vor. In Santiago wurden schon an die Tausend erschossenen Arbeiter gezählt. Fabriken werden bombardiert und Wohnviertel, wo die Arbeiter wohnen. Es ist nicht abzusehen, wie sich der Bürgerkrieg in Chile in den nächsten Tagen entwickeln wird.

Auf jeden Fall gilt unsere uneingeschränkte Solidarität dem bewaffneten Widerstandskampf der chilenischen Arbeiter und Bauern. Der vielgepriesene 'friedliche Weg zum Sozialismus' erweist sich nun als tragische Illusion. Eine Illusion, die von den Arbeiter und Bauern blutig bezahlt werden muß.

Unsere Empörung über den Militärputsch ist deshalb keine Empörung über das Scheitern eines 'Experiments'. Es ist die Empörung über den blutigen Terror von Militärs gegen das chilenische Volk. Unsere Solidarität gilt den Arbeitern und Bauern, die sich gegen ihre brutale Ausbeutung und Unterdrückung gewaltsam zur Wehr setzen."

Damit befassen sich u.a. auch morgen intern der KBW, der 'Spiegel' (vgl. 17.9.1973) und in:
- Bremen der KOB (vgl. 19.9.1973).
- Niedersachsen die DKP Wolfenbüttel (vgl. Okt. 1973).
- NRW der UB Dortmund der Jusos der SPD (vgl. 26.11.1973).
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.6; SPD-LV NRW-Bezirk Westliches Westfalen-UB Dortmund-Jusos:Juso Information Nr.4,Dortmund 1973,S.22f; KBW-ZK-StA:Rundbrief,Mannheim 12.9.1973; Roter Hoesch Arbeiter Nr.2,Dortmund 18.9.1973,S.4f; Wolfenbütteler Volksstimme Nr.7,Wolfenbüttel 1973; Schulkampf Nr.7,Bremen 19.9.1973,S.12ff

12.09.1973:
Der Ständige Ausschuß (StA) des ZK des KBW führt heute intern zum gestrigen Putsch in Chile aus:"
Genossen,
der ständige Ausschuß hat heute morgen die Lage in Chile nach dem Militärputsch beraten und die Frage untersucht, wie wir auf diese Lage reagieren müssen. Im Laufe des heutigen Tages hat der Genosse X. mit euch telefonisch Kontakt aufgenommen oder versucht mit euch Kontakt aufzunehmen, um euch kurz das Ergebnis unserer bisherigen Diskussion mitzuteilen. Im folgenden versuchen wir unsere Einschätzung darzulegen und die Aufgaben zu entwickeln, die sich nach unserer Auffassung aus dieser Einschätzung ergeben.

DIE LAGE IN CHILE

Die Volksfrontregierung war keine revolutionäre Regierung, aber sie war eine Regierung, die den revolutionären Entwicklungen in der Arbeiterklasse und im Volk einen relativ breiten Spielraum gegeben hat. Während der Regierungszeit Allendes hat sich weitgehend entgegen den Absichten der Volksfrontregierung und Allendes der Klassenkampf breit entfaltet und hat zu einer außerordentlich scharfen Klassenkonfrontation geführt. Da die Volksfrontregierung sich nicht an die Spitze der Arbeiterklasse und der Volkskämpfe stellte, sondern teilweise versuchte diese Kämpfe zu bremsen und durch ständige Kompromisse die Klassenkonfrontation zu verhindern versuchte, hat sich diese Klassenkonfrontation nicht in der für die Arbeiterklasse günstigsten Weise hergestellt, so daß zahlreiche Kräfte der Mittelklassen nicht für die Seite der Revolution gewonnen oder neutralisiert werden konnten, die unter anderen Umständen hätten gewonnen oder neutralisiert hätten werden können. Fast sämtliche Schichten der alten und der neuen Mittelklassen haben sich so in eine Basis der Konterrevolution verwandelt, auf die sich die Großgrundbesitzer, die Kompradorenbourgeoisie und die ausländischen Kapitalisten bei ihren unausbleiblichen Versuchen, ihre unangefochtene Herrschaft wiederherzustellen, stützen konnten. Im Verlaufe der Volksfrontregierung haben sich zwar Ansätze einer Doppelherrschaft herausgebildet, die Volksfrontregierung war jedoch kein Instrument dieser Doppelherrschaft, sondern aussichtslose Versuch die Ausbildung einer Doppelherrschaft zu verhindern. Während die Volksfrontregierung und vor allem die revisionistischen Führer der KP versuchten die Herausbildung von selbständigen Organen der Arbeiter und Landarbeiter zu verhindern und diese später bestenfalls duldeten, versuchten sie auf der anderen Seite die bürgerliche Armee, das entscheidende Machtorgan der Großgrundbesitzer und der Bourgeoisie, durch Hereinnahme in die Regierung an sich zu ketten. In Wirklichkeit hat die Volksfrontregierung der Armee damit nur Gelegenheit gegeben, den konterrevolutionären Putsch sorgfältig vorzubereiten. Das hatten die Arbeiter und die armen Volksmassen durchaus erkannt, indem sie gegen die Hereinnahme der Militärs in die Regierung protestierten. Allende aber gab den bürgerlichen Militärs nicht nur Regierungsposten, sondern auch die Macht, selbst und nach eigenem Gutdünken Aktionen durchzuführen, um die Bewaffnung des Volkes zu verhindern. Der Rücktritt der Armeeführer aus der Regierung war das Zeichen, daß diese die Zeit für den Putsch gekommen hielten.

DIE KRÄFTEVERHÄLTNISSE NACH DEM PUTSCH

DIE ARBEITERKLASSE UND DIE ARMEN VOLKSMASSEN

Das revolutionäre Bewußtsein der Arbeiterklasse und der armen Volksmassen hat sich im Laufe der Volksfrontsregierungszeit zweifellos gewaltig erhöht. Gerade in den letzten Monaten und unter der Drohung der Konterrevolution hat die Arbeiterbewegung einen großen Aufschwung genommen und zahlreiche weitere Fabriken besetzt und in eigene Regie übernommen. Die Wachsamkeit gegenüber der Konterrevolution ist zweifellos hoch gewesen und die Arbeiter sind spätestens seit dem gescheiterten Militärputsch im Juni (vgl. 29.6.1973,d.Vf.) und der Hereinnahme der Militärs in die Regierung (vgl. 9.8.1973,d.Vf.) gegen weitere Putschversuche auf der Hut. Auch scheint die Arbeiterklasse eine große revolutionäre Einheit erreicht zu haben. So schreibt zum Beispiel der Spiegel dieser Woche: S.2***''Ansätze für eine Parallelmacht zum bürgerlichen Staat' stellte die Linkszeitschrift 'Punto Final' fest. Und der Pariser Monde sah in Chile ein 'neues Phänomen': die direkte Konfrontation zwischen der bürgerlichen und der Arbeiterklasse, wobei die Parteizugehörigkeit zumindest offenbar unter den Arbeitern an Bedeutung verliert: Während die christdemokratischen Parteiführer um Eduardo Frei letzte Woche neue Mißtrauensanträge gegen Allende-Minister ankündigten, um die Regierung zu Fall zu bringen, schieben in den besetzten Fabriken auch christdemokratische Arbeiter Wache. Und im vergangenen Monat mahnte der christdemokratische Vizesekretär des Gewerkschaftsbundes CUT, Ernesto Vogel, gemeinsam mit seinen marxistischen Kollegen die Arbeiter zu 'äußerster Wachsamkeit'.' (Spiegel, 10.9., S.102)

Sicher ist, daß in dem Maße, wie die Konterrevolution offen auftrat, die revolutionäre Einheit unter den Arbeitern wuchs und daß die Arbeiter zunehmend daran gingen sich außerhalb der Volksfrontregierung eigene Organe zu schaffen. Diese 'Ansätze für eine Parallelmacht' sind vor allem die Cordones Industriales, die Cordones Campesionos und die Commandos Communales (vgl. dazu KVZ Nr.2 (vgl. 12.9.1973,d.Vf.)). Die Schwäche der Arbeiterbewegung besteht gegenwärtig nicht in eine fehlenden Kampfbereitschaft und in fehlendem revolutionären Bewußtsein, sondern in der noch ungenügenden Ausbildung der eigenen Organe, der Räte und in der Bewaffnung. Eine weitere Schwäche ist, daß die chilenische Arbeiterklasse noch nicht von einer starken marxistisch-leninistischen Partei geführt wird, sondern das die revisionistischen und reformistischen Parteien, was die Organisation anbetrifft, nach wie vor stärker sind als der MIR und daß der MIR seinerseits wohl keine festgefügte marxistisch-leninistische Organisation darstellt.

DIE KRÄFTE DER KONTERREVOLUTION

Armee: Es ist der Volksfrontregierung in keiner Weise gelungen, die Armee als Instrument der Konterrevolution und der Bourgeoisie zu zerstören. Wie hätte das auch geschehen können, wenn die Volksfrontregierung sich selber auf diese Armee und ihre bisherigen Machthaber zu stützen versuchte und ständig von der Verfassungstreue und Loyalität der Armee daherfaselte. Obwohl es in der Armee zweifellos Kräfte gibt, die nicht auf der Seite der Konterrevolution stehen, befinden sich die Kommandostrukturen völlig in der Hand der Konterrevolution. Allende und die Volksfrontregierung haben selber zur Verschleierung dieser Tatsache beigetragen und haben den Nimbus der Armee als neutralem Ordnungsstifter und Verfassungschützer gestärkt. Allende wurde jetzt von denselben Militärs ermordet, die noch vor etwas mehr als einer Woche in seiner Regierung saßen.

Quantitativ verhält es sich mit den regulären bewaffneten Kräften der Bourgeoisie folgendermaßen: Die Armee umfaßt 47 000 Offiziere und Mannschaften. Die Dienstpflicht beträgt ein Jahr. Das Heer umfaßt 24 000 Mann, zwei Panzerregiments, vier berittene Regimente, 16 Infanterieregimenter, davon zehn motorisiert, fünf Artillerieregimenter, sowie Flugzeugabwehr-, Pionier- und Nachschubeinheiten. Die Marine umfaßt 15 000 Mann, die Luftwaffe 8 500 Mann mit 41 Kampfflugzeugen, davon zwölf leichte Bomber und 29 Jagdflugzeuge, sowie zahlreiche Übungs-, Transport- und Verbindungsflugzeuge und 30 Hubschrauber. (Diese Angaben entnehmen wir der FAZ vom heutigen Donnerstag. (Der Text ist
allerdings datiert auf den Mittwoch,d.Vf*)) Dazu kommen rund 25 000 Carabineros als pramilitärische Bürgerkriegstruppe, die wohl unseren Grenzschützern (BGS,d.Vf.) und Bepos (Bereitschaftspolizei,d.Vf.) vergleichbar sind. Alles in allem verfügt also die Konterrevolution über 72 000 reguläre Truppen, wobei sie sich wohl eines großen Teils der Dienstpflichtigen nicht sicher sein kann, wenn ihr die Zügel aus der Hand gleiten. Abschließend schreibt die FAZ zu ihrer Übersicht über die chilenische Armee: S.3*** 'Trotz der amerikanischen Weigerung, Chile bei der Finanzierung von Entwicklungsprojekten zu helfen, lieferten die Vereinigten Staaten in jüngster Zeit im Rahmen eines Kreditabkommens für über zehn Millionen Dollar Waffen und Ausrüstung an die chilenischen Streitkräfte.'

In dem benachbarten Bolivien haben emigrierte Großgrundbesitzer darüber hinaus eine größere private Söldnerarmee aufgebaut. Die faschistische Organisation Patria y Libertad (Vaterland und Freiheit), der Stoßtrupp der Konterrevolution, verfügt über zahlreiche bewaffnete Terrorbanden, die sich aus den Söhnen der Bourgeoisie und des Mittelstandes rekrutieren.

Obwohl politisch keineswegs einheitlich, sind sich die Kräfte der Großgrundbesitzer und der Bourgeoisie mit allen anderen Kräften der Konterrevolution darin einig, daß zunächst sämtliche Errungenschaften der letzten Jahre zerschlagen werden müssen und sämtliche Ansätze selbständiger Machtorgane der Arbeiter und der Volksmassen vernichtet werden müssen. Der Versuch Allendes die internen Widersprüche innerhalb der Kräfte der Konterrevolution auszunützen mußte scheitern und ist gescheitert.

ÄUSSERE RESERVERN DER KONTERREVOLUTION

Obwohl es eher so ist, daß die inneren Kräfte der Konterrevolution als Reserven des US-Imperialismus zu betrachten sind, denn umgekehrt (vgl. ITT-Komplott etc.) und obwohl die USA und der CIA zweifellos maßgeblich bei der Vorbereitung und Durchführung des Putsches beteiligt sind, behandeln wir die USA hier als Reserven der inneren Konterrevolution. Die USA werden jetzt vor allem dafür sorgen müssen, daß die Kräfte der Konterrevolution mit der akuten Versorgungskrise fertig werden, in die die Boykottmaßnahmen der imperialistischen Länder und der Fuhrunternehmerstreik sowie die Sabotageaktionen der faschistischen Terrorbanden das Land gestürzt haben. Offen werden sie vor allem in dieser Rolle auftreten. Sollte es, was wahrscheinlich ist, zu einem Bürgerkrieg kommen, dann würden die USA eine offene Intervention vermeiden wollen und sich stattdessen auf die konterrevolutionären Regime von Bolivien und Brasilien stützen, wenn eine Intervention nötig erscheint. Schon heute besteht ein wichtiger Beitrag der internationalen Solidarität darin, auf die drohende Intervention dieser Mächte hinzuweisen und den eigentlichen Drahtzieher, den US-Imperialismus, zu entlarven. Als solcher Drahtzieher sind auch die BRD-Imperialisten zu entlarven, die in Südamerika einen gewaltigen Einfluß ausüben.

DIE ÄUSSEREN RESERVEN DER REVOLUTION

Die äußeren Reserven der Revolution in Chile sind schwach. Es ist dies die internationale Arbeiterbewegung, deren Unterstützung im wesentlichen lediglich in Solidaritätsdemonstrationen bestehen wird. Die sozialistischen Länder werden auf der Ebene der Entlarvung der Drahtzieher hinter dem Putsch vor den internationalen Foren eine gewisse Unterstützung geben können. Die revisionistischen Länder und der sowjetische Sozialimperialismus (SU,d.Vf.) werden ein großes Geschrei anstimmen und über die Verfassungswidrigkeit des Putsches jammern.

Im wesentlichen müssen sich die Kräfte der Revolution in Chile auf die eigene Kraft verlassen und je mehr sie dabei Erfolg haben werden, um so mehr werden sich ihnen die Sympathien der internationalen Arbeiterklasse und der Völker zuwenden. Unsere Pflicht aber ist es, diese Sympathie anzuregen und in Solidarität zu verwandeln.

SCHLUSSFOLGERUNG ÜBER DIE WEITERE ENTWICKLUNG IN CHILE

Entsprechend der Situation die durch die Klassenkonfrontation unter der Volksfrontregierung sich entwickelt hat und dem völligen Versagen der Volksfrontregierung, sich an die Spitze der revolutionären Volksmassen zu stellen, zeigt der konterrevolutionäre Putsch der Armee zwei Gesichter. Auf der einen Seite vollzog er sich wie einer der üblichen südamerikanischen Staatsstreiche, die das eine Regime an der Spitze des bürgerlichen Staatsapparats durch ein anderes ersetzen. Nach der Erstürmung des Präsidentenpalais und der Besetzung einiger wichtiger Verwaltungs- und Regierungsinstitutionen, sowie der Ermordung des Präsidenten Allende, brach die Volksfrontregierung wie ein Kartenhaus zusammen. Auf der anderen Seite konnte und kann der Putsch sich damit nicht begnügen: er muß versuchen, die revolutionäre Arbeiter- und Volksbewegung zu zerschlagen, die mit der Volksfrontregierung nicht identisch ist, wenn sich auch große Teile dieser Bewegung mit dieser identifizierten. Aus dieser zweiten, wesentlichen Aufgabe der Konterrevolution erklärt sich die äußerste Brutalität des Putsches, von der selbst in den bürgerlichen Presse- und Kommunikationsorganen die Rede ist. So gab es schon am gestrigen Tag in Santiago über 500 Tote, wobei aus den Nachrichten, die wir haben, nicht hervorgeht unter welchen genauen Umständen es dazu gekommen ist. Offensichtlich versucht die Armee die Arbeiter- und Armenviertel militärisch zu besetzen und zu durchkämmen. Die Ausgehsperre und der Ausnahmezustand, die äußerst brutal gehandhabt werden, sollen der Arbeiterbewegung jede Bewegungsmöglichkeit und jede Initiative nehmen. Sicher wird die Armee auch versuchen, möglichst schnell die besetzten Fabriken zu räumen, die Ansätze von Arbeiter- und Volksorganen, sowie die Ansätze von Milizen sofort zu zerschlagen. Für die Kräfte der Revolution ist die gegenwärtige Lage sicher nicht günstig, weil sie bitter für das Abenteurertum der Volksfrontregierung und der sie anführenden Revisionisten und Reformisten bezahlen müssen. Denn nichts anderes als Abenteurertum ist es, sich in einer revolutionären Situation ausgerechnet auf die bürgerliche Armee und Verfassung stützen zu wollen. In den letzten Monaten und Wochen haben sich aber die Arbeitermassen und Volksmassen vom 'friedlichen Weg' dieser elenden Abenteurer zunehmend losgesagt und sich auf den Weg des bewaffneten Kampfes vorbereitet. Deshalb ist die Niederlage der Volksfrontregierung noch nicht die Niederlage der Revolution, wenngleich die Kräfte der Revolution durch die Abenteuer und reformistischen und revisionistischen Verbrechen (es ist ein Verbrechen bürgerliche Generäle in die Regierung zu lassen und sie unter der Legitimation der Volksfrontregierung ihren Putsch gegen das Volk vorbereiten zu lassen) unter schlechteren Bedingungen den Kampf führen müssen als dies durch objektive Umstände bedingt ist. Wir gehen davon aus, daß der Militärputsch die Machtfrage noch nicht gelöst hat, sondern nur eindeutig gestellt hat. Wir gehen davon aus, daß die proletarische Macht nicht zerschlagen ist und die Situation der Doppelherrschaft nicht beendet ist, sondern sich im Kampf gegen die offene Konterrevolution entwickeln wird. Wenn diese Einschätzung der Situation richtig ist, dann folgt daraus, daß diese Situation zu einer raschen Entscheidung drängt. Die Bourgeoisie kann die Fabriken und die Landgüter nicht in den Händen der Arbeiter und Landarbeiter lassen und die Arbeiter und Landarbeiter können sich nicht hinter den Fabrikmauern und auf den Landgütern verschanzen. Nur wenn die Arbeiterklasse und die breiten Volksmassen die Initiative nicht verlieren, bzw. soweit sie sie verloren haben, die Initiative zurückgewinnen, kann ein Teil der Armee erschüttert und gewonnen werden. Das aber halten wir für die entscheidende Voraussetzung für eine günstige Entwicklung der Revolution in Chile.

UNSERE AUFGABEN

Wir haben unsere Aufgaben diskutiert und sind zu dem Schluß gekommen, daß wir uns in dieser Situation nicht auf schriftliche Agitation und Propaganda beschränken können, sondern daß wir soweit irgend möglich Veranstaltungen, mündliche Agitation in der Stadt mit Hilfe von Ständen und Demonstrationen organisieren müssen. Wir dürfen hier das Feld keineswegs den Revisionisten (DKP,d.Vf.) überlassen und die Entwicklung in Chile sozusagen als Sache der Revisionisten betrachten. Zweifellos haben die Revisionisten die chilenische Revolution in eine schwierige Lage gebracht. Umso wichtiger ist es, das gesetzmäßige Scheitern des 'friedlichen Weges' nicht nur in der schriftlichen Agitation und Propaganda herauszuarbeiten, sondern die Massen zur aktiven Solidarität mit der chilenischen Revolution unter den Parolen aufzurufen unter denen die chilenische Arbeiterklasse und die chilenischen Volksmassen den Kampf jetzt selbst organisieren müssen. Dabei geht es nicht um die Verteidigung der Volksfrontregierung oder der Verfassung, sondern um die Zerschlagung der Konterrevolution und die Errichtung der Volksmacht unter der Führung des Proletariats. Deshalb müssen wir unsere Agitation und Propaganda unter die Losung stellen 'Weg mit der konterrevolutionären Militärdiktatur - Für die Errichtung der bewaffneten Volksmacht' und müssen unter dieser Parole in vorhandene Bewegungen und Demonstrationen eingreifen und wo uns dies möglich ist, selbständig zu Demonstrationen aufrufen. Wir haben deshalb allen Ortsgruppen und befreundeten Organisationen, die wir telefonisch erreichen konnten, vorgeschlagen, ihre Möglichkeiten für Veranstaltungen und Standagitation zu prüfen und vor allem den größeren Ortsgruppen und Organisationen vorgeschlagen zu prüfen, ob sie am Samstag Demonstrationen in ihren Städten organisieren können. Soweit wir es bis jetzt überblicken können, sind die Ortsgruppen allerdings teilweise sehr schlecht auf die gegenwärtige Entwicklung vorbereitet. An vielen Orten haben offensichtlich die Revisionisten die Initiative inne. Deren Aktivitäten können aber für die chilenische Revolution keine wirkliche Unterstützung bedeuten. Im Übrigen müssen wir jetzt unbedingt den Massen die Schädlichkeit und das Abenteurertum des friedlichen Weges vor Augen führen, auf den die Revisionisten sie aufs Neue einzuschwören versuchen werden.

Genossen,
wir wollten euch mit diesem Rundbrief dabei behilflich sein, die jetzt nötige Agitation und Propaganda auf eine klare Einschätzung zu gründen. Wir wissen natürlich, daß uns diese Einschätzung nur unzulänglich gelungen ist und daß wir nicht alle Seiten der gegenwärtigen Situation herausarbeiten konnten. Zusammen mit dem Artikel in KVZ 2 hoffen wir jedoch, daß es in allen Orten möglich sein wird, alles nötige zu tun. Wir fordern euch auf, alle Aktivitäten, die ihr jetzt entfaltet, aufs engste mit dem Verkauf der KVZ zu verbinden und diesen nicht als zusätzliche Aufgabe zu bestimmen. Die KVZ ist unser entscheidender Hebel in jeder Situation, in der wir uns an die Massen wenden.

Morgen werden wir über die übliche Mannheimer Telefonnummer erreichbar sein."
Q: KBW-ZK-StA:Rundbrief,Mannheim 12.9.1973

12.09.1973:
Der Ständige Ausschuß (StA) des ZK des KBW richtet einen "Rundbrief an die Ortsgruppen und an die befreundeten Organisationen" (vgl. 11.9.1973, 13.9.1973), in dem er sich auf sechs Seiten DIN A 4 ausschließlich mit dem Putsch in Chile (vgl. dort) befaßt.
Q: KBW-ZK-StA:Rundbrief,Mannheim 12.9.1973

12.09.1973:
Frühestens heute gibt die SAG die auf September datierte Nr.27 ihres 'Klassenkampf' (vgl. Juli 1973, Okt. 1973) heraus. Mit Chile soll sich eine Veranstaltung in Frankfurt befassen (vgl. 21.9.1973), diesem Thema widmet sich auch ein beigelegtes Flugblatt "Militärputsch in Chile".
Q: Klassenkampf Nr.27,Frankfurt Sept. 1973

15.09.1973:
Der Ständige Ausschuß (StA) des ZK des KBW berichtet (vgl. 22.9.1973):"
Am Wochenende tagten verschiedene chilenische und südamerikanische Genossen und Gruppen, die in einem Dachverband zusammengeschlossen sind (Name wissen wir nicht) und berieten über die Durchführung einer zentralen Demonstration. Die Gruppen sind politisch heterogen. Sie traten zunächst an die DKP heran und führten mit der DKP Verhandlungen über die Durchführung einer zentralen Demonstration. Die Südamerikaner wollten Freiheit der Agitation und der Losungen für alle teilnehmenden Organisationen. Die DKP war unter dieser Bedingung nicht zu einer gemeinsamen Demonstration bereit. Sie führt also die Demonstration in Köln allein durch".
Q: KBW-ZK-StA:Rundbrief,Mannheim 19.9.1973

18.09.1973:
Der Ständige Ausschuß (StA) des ZK des KBW richtet einen "Rundbrief: An die Ortsgruppen (befreundeten Organisationen zur Kenntnisnahme)" (vgl. 13.9.1973, 19.9.1973):"
Schickt sofort kurze Berichte und Bilder über Veranstaltungen und Demonstrationen zu Chile. Wir brauchen die für die Zeitung."
Q: KBW-ZK-StA:Rundbrief,Mannheim 18.9.1973

19.09.1973:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' Nr.38 (vgl. 12.9.1973, 26.9.1973) heraus. Eingegangen wird auch auf die Umtriebe der USA und der Deutschen Bundesbank in Chile.
Q: Rote Fahne Nr.38,Dortmund 19.9.1973

19.09.1973:
Der Ständige Ausschuß (StA) des ZK des KBW richtet einen Rundbrief "An die Ortsgruppen (befreundeten Organisationen zur Kenntnisnahme)" (vgl. 18.9.1973, 27.9.1973), in dem er sich auf einer Seite DIN A 4 mit der von der DKP geplanten zentralen Chile-Demonstration (vgl. 22.9.1973) in Köln und den örtlichen Vorbereitungen für eine Demonstration in Köln (vgl. 21.9.1973) befaßt und abschließend ausführt:"
Haltet uns auf dem laufenden über die Entwicklung an euren Orten. Ortsgruppen oder befreundete Organisationen, die mit Südamerikanern in Verbindung stehen und bessere Informationen haben, sollen uns bitte sofort unterrichten."
Q: KBW-ZK-StA:Rundbrief,Mannheim 19.9.1973

21.09.1973:
Der KBW veröffentlicht zur Illustration der deutschen Interessen in Chile den folgenden, vermutlich aus einer Anzeige stammenden Text aus der heutigen 'FAZ':"
CHILE: JETZT INVESTIEREN!

Zur Neuankurbelung aller Wirtschaftszweige bieten sich außergewöhnliche Möglichkeiten, ebenso auf dem Immobilien-Sektor. Gesucht wird Kapital und Know-how. Wir bieten Koordinierung über das seit 25 Jahren bestehende Büro unserers Partners in Santiago. Unser Partner ist hier und reist in Kürze nach Chile zurück."
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.5,Mannheim 24.10.1973,S.10

22.09.1973:
Der Ständige Ausschuß (StA) des ZK des KBW berichtete intern am 19.9.:"
Genossen,
es haben uns Anfragen erreicht wegen der Chiledemonstration in Köln von Samstag, den 22.9., zu der die DKP zentral aufruft. Nach unseren Informationen verhält es sich mit dieser Demonstration folgendermaßen", wobei zunächst auf die Konferenz der chilenischen und südamerikanischen Gruppen (vgl. 15.9.1973) und die dortige Nichteinigung mit der DKP eingegangen und über die DKP fortgefahren wird:"
Sie führt also die Demonstration in Köln allein durch, während die Südamerikaner, soviel wir wissen, eine neue Initiative zur Durchführung einer zentralen Demonstration ergreifen wollen. Offiziell wissen wir davon bis jetzt noch nichts und auch inoffiziell nur auf Umwegen. Über eventuelle Verhandlungen werden wir die Ortsgruppen sofort unterrichten.

In Köln selber sieht die Sache so aus: Dort wird für den Freitag durch unsere Ortsgruppe und andere Organisationen eine Demonstration vorbereitet. Von der DKP-Demonstration wußte der Vertreter der Ortsleitung, mit dem wir gestern telefonierten, noch nichts, d.h. die DKP hat die lokale Agitation für die Demonstration noch nicht oder höchst mäßig aufgenommen. Unsere Ortsgruppe wird weiterhin an der Durchführung der lokalen Demonstration am Freitag festhalten. Wie sie sich zu der Demonstration am Samstag verhält ist noch nicht geklärt. Die anderen Ortsgruppen sollen gegenüber der Agit-Prop der DKP folgenden Standpunkt einnehmen:
1. Kritik der Linie der DKP in der Frage des Kampfes der chilenischen Arbeiterklasse
2. Daß die DKP mit allen Mitteln verhindern will, daß eine einheitliche Solidaritätsbewegung mit der chilenischen Arbeiterklasse und dem chilenischen Volk zustandekommt
3. Daß die DKP schon immer der größte Spalter der antiimperialistischen Bewegung gewesen ist und daß dies zwingend aus ihrer Linie der Kapitulation vor der Bourgeoisie folgt
4. Daß der KBW jede Initiative zu einer zentralen Demonstration begrüßt und sie unterstützen wird, sofern von ihm kein Verzicht auf wesentliche Punkte seiner Linie verlangt wird. daß der KBW, überall wo er dazu in der Lage war, Solidaritätsdemonstrationen mit der kämpfenden chilenischen Arbeiterklasse und dem kämpfenden chilenischen Volk durchgeführt hat.

Sobald sich eine erfolgversprechende Initiative für eine zentrale Demonstration abzeichnet, die gegenwärtig wohl nur von den südamerikanischen Gruppen selbst ausgehen kann, werden wir diese Initiative unterstützen. Wir selbst werden jedoch vorläufig keine Initiative für eine zentrale Demonstration ergreifen."
Q: KBW-ZK-StA:Rundbrief,Mannheim 19.9.1973

22.09.1973:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr.37 (vgl. 15.9.1973, 29.9.1973) heraus. Der Leitartikel berichtet vom "Putsch in Chile".
Q: Roter Morgen Nr.37,Dortmund 22.9.1973,S.1 und 4

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24.09.1973:
Der KBW veröffentlicht aus Chile den folgenden, vermutlich aus dieser Woche stammenden Artikel aus der ersten Nummer der 'Resistencia' (vgl. **.**.1973):"
Nach zwei Wochen heroischen revolutionären Widerstands der chilenischen Arbeiterklasse und des Volkes haben sich Genossen der Parteien und revolutionären Organisationen MIR, MAPU, Arbeiterpartei, Sozialistische Partei, Sozialistische Jugend und der Isquerda Christiana (Linkschristen) zusammengeschlossen, mobilisiert und organisiert, um die Vorstellungen und Aktionen der revolutionären chilenischen Gegenoffensive zu verbreiten. Die Zeitung Resistencia erscheint dank der kämpferischen lateinamerikanischen Organisation, die treu zum Grundprinzip des proletarischen Internationalismus halten. Wie Camillo Torres sind sie davon überzeugt, daß die Revolutionäre die Gemeinsamkeiten hervorheben müssen und nicht die Differenzen vergrößern dürfen.

Eines der Ziele der Resistencia ist es auch, mit der schändlichen Blockade zu brechen, die die Weltpresse auf falsche Weise und mit dem Anspruch auf Objektivität durch eine Kampagne von Lügen und Verdrehungen in Bezug auf Chile errichtet hat. Deshalb war das Erscheinen einer kämpferischen Zeitung vorrangig, war es eine unmittelbare und zwingende Notwendigkeit.

'Resistencia' soll alle chilenischen Revolutionäre und Volkskämpfer, alle Lateinamerikaner, Arbeiter und Studenten, erreichen, die sich dem chilenischen, lateinamerikanischen und internationalen Klassenkampf angeschlossen haben. Die 'Resistencia' will zur ideologischen und politisch- militärischen Wideraufrüstung der Arbeiterklasse und des chilenischen Volkes unter dem Banner des Marxismus-Leninismus beitragen.

Aus diesem Grund will die 'Resistencia' keineswegs beschränkte und dogmatische Formen der traditionellen Parteipresse neu auflegen. Wir wollen mit all unseren Kräften darauf hinarbeiten, eine regelmäßige Zeitung herauszugeben, kritisch und unabhängig, offen für alle revolutionären Gruppen, die sich ehrlich mit unserer Sache identifizieren.

Jede Nummer zu lesen, zu diskutieren und zu verbreiten ist eine Pflicht für alle revolutionären Genossen Lateinamerikas. Wir müssen uns vollständig über die Bedeutung und Notwendigkeit der Zeitung im Klaren sein und in diesem Sinn die Worte Lenins begreifen: 'Die Rolle der Zeitung beschränkt sich jedoch nicht allein auf die Verbreitung von Ideen, nicht allein auf die politische Erziehung und die Gewinnung von Bundesgenossen. Die Zeitung ist nicht nur ein kollektiver Propagandist und kollektiver Agitator, sondern auch ein kollektiver Organisator. Was das Letztere betrifft, kann sie mit einem Gerüst verglichen werden, das um ein in Bau befindliches Gebäude errichtet wird: Es zeigt die Umrisse des Gebäudes an, es erleichtert den Verkehr zwischen den einzelnen Bauarbeitern, hilft ihnen die Arbeit zu verteilen und die durch die organisierte Arbeit erzielten gemeinsamen Resultate zu überblicken.'

Machen wir also die Resistencia zu einer großen revolutionären Zeitung, um mit ihrer Hilfe ein großes Potential an Revolutionären und Kräften aus dem Volk zu schaffen, die die Arbeiterklasse und das Volk, die in Chile kämpfen, aktiv unterstützen.

Denn in Chile kämpft Lateinamerika!"
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.5,Mannheim 24.10.1973,S.10

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26.09.1973:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' Nr.39 (vgl. 19.9.1973, 3.10.1973) heraus. Eingegangen wird u.a. auch auf die Haltung der SPD und der DDR zu Chile.
Q: Rote Fahne Nr.39,Dortmund 26.9.1973

26.09.1973:
In der 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ) Nr.3 (vgl. 12.9.1973, 10.10.1973) berichtet der KBW u.a. "Chile: das Volk ist nicht besiegt" sowie über die weltweite Solidarität.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.3,Mannheim 26.9.1973,S.1ff

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27.09.1973:
Der Ständige Ausschuß (StA) des ZK des KBW berichtet heute intern:"
SOLIDARITÄTSBEWEGUNG MIT DER KÄMPFENDEN CHILENISCHEN ARBEITERKLASSE UND DEM CHILENISCHEN VOLK

Unseres Wissens hat sich keine neue erfolgversprechende Initiative für eine zentrale Demonstration ergeben. Wir selbst hielten es gegenwärtig noch nicht für sinnvoll, eine solche Initiative zu ergreifen, sondern die Bewegung örtlich weiter zu entfalten (vgl. Stuttgart - 29.9.1973,d.Vf.). …

Eine Einschätzung der weiteren Entwicklung wird in der nächsten KVZ erscheinen. Dort auch eine Untersuchung der Reaktion der Bourgeoisie auf den Putsch. In der letzten KVZ (vgl. 26.9.1973,d.Vf.) sind leider nur Demonstrationsberichte aus einigen Städten erschienen. Das erklärt sich vor allem daraus, daß auch nur aus einigen Städten Berichte vorlagen. Trotzdem hätte die Sache vollständiger sein können. Sofern ihr noch keine Berichte geschickt habt, tut dies auch jetzt noch."
Q: KBW-ZK-StA:Rundbrief,Mannheim 27.9.1973,S.1

29.09.1973:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr.38 (vgl. 22.9.1973, 6.10.1973) heraus. Berichtet wird "Chile: Die Massen greifen zum Gewehr".
Q: Roter Morgen Nr.38,Dortmund 29.9.1973,S.1 und 4

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Oktober 1973:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 31.10.1973) dokumentiert vermutlich aus dem Oktober*die folgende Anzeige:"
AB NÄCHSTE WOCHE NUR IN PRALINE

Die großen aktuellen Farbreportagen: So leben die Chilenen nach dem Unsturz wirklich

CHILE: FREIER, SATTER, FROHER!"
Q: DOS Nr.23,Dortmund 31.10.1973,S.15

Oktober 1973:
Der Kommunistische Jugendverband (KJV) der KPD gibt die Nr.9 seiner 'Kämpfenden Jugend' (KJ - vgl. Sept. 1973, Nov. 1973) für Oktober heraus. Aus dem Ausland wird auch berichtet über Chile.
Q: Kämpfende Jugend Nr.9,Dortmund Okt. 1973,S.9f

KJV246

KJV247

KJV248

KJV249


Oktober 1973:
Der Kommunistische Oberschülerverband (KOV) der KPD gibt seinen 'Schulkampf' Nr.10 (vgl. Sept. 1973, Nov. 1973) heraus und berichtet auch aus Chile.
Q: Schulkampf Nr.10,Dortmund Okt. 1973, S.1 und 4

KOV-Schulkampf373

KOV-Schulkampf379
KOV-Schulkampf380


Oktober 1973:
Vermutlich im Oktober erscheint das 'Rote Signal' der MLSG des KABD Nr.8 datiert auf September (vgl. Sept. 1973, Nov. 1973). Gefordert wird: "Freiheit und Unabhängigkeit für Chile".
Q: Rotes Signal Nr.8,Erlangen Sept. 1973,S.17ff

MLSG595

MLSG596

MLSG597


Oktober 1973:
Die SAG gibt die Nr.28 ihres 'Klassenkampf' (vgl. Sept. 1973, Nov. 1973) heraus.
Aus der linken Presse werden Positionen zu Chile aus der 'UZ' der DKP, der 'Links' des SBü, des 'Arbeiterkampf' des KB und der 'KVZ' des KBW kommentiert.
Q: Klassenkampf Nr.28,Frankfurt Okt. 1973

01.10.1973:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 17.10.1973) berichtet über Folterungen in Chile mit Hilfe des heutigen 'Spiegel' Nr.40:"
Der Schwede Henrik Janbell, Jahrgang 1948, kam als Entwicklungshelfer an das Institut für Holzkunde nach Chile. Er war elf Tage Gefangener, erst auf einer Polizeistation in Santiago, dann im Estadio Chile und zuletzt im Estadio National.

Während meines Verhöres wurden ich und andere Mitgefangene durch Schläge mit Gewehrkolben, mit Fußtritten in die Nieren, Rippen und Genitalien traktiert.

Eine besonders ausgeklügelte Folter war das Liegen auf dem kalten Beton bis zu 40 Stunden. Mit Schubkarren, die mit Pflastersteinen gefüllt waren, fuhren Soldaten über die Gefangenen hinweg.

Ein junger Mann in meiner Zelle kam aus der Folterzelle der Militärhochschule. Er hatte mitangesehen, wie eine Kadettengruppe, von Offizieren kommandiert, fast eine Stunde lang auf den Körpern der im Hof liegenden Gefangenen wie auf einem Trampolin auf und nieder sprangen.

Ein Argentinier, der neben mir in der Zelle lag, wurde zum Verhör gerufen. Nach einer Stunde kam er blutverschmiert zurück, sein Gesicht war eine einzige Wunde. Kaum war er in der Zelle, schleiften sie ihn schon wieder zur Tür; kurz danach hörten wir Schüsse. Er kam nicht wieder…

Zu den schlimmsten Bestien bei den Folterungen gehörten Zivilisten. Mitgefangene beschworen, daß es sich um Mitglieder der Organisation 'Patria y Libertad' handelte. Auch Offiziere waren sehr fanatisch, es ist mehrfach vorgekommen, daß die einfachen Soldaten und Polizisten Gefangene vor deren Blutrausch in Schutz nahmen."
Q: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.10

01.10.1973:
Die französische Ligue Communiste (LC - vgl. 5.10.1973) des VS veröffentlicht ein vermutlich Anfang dieser Woche mit MIR-Führern geführtes:"
GESPRÄCH MIT CHILENISCHEN UNTERGRUNDKÄMPFERN

Rouge: 'Hattet ihr mit diesem Staatsstreich gerechnet? Welches sind die ersten Lehren, die ihr daraus zieht?'

'Der Staatsstreich, der am 11. September stattfand, zeichnete sich politisch schon in den Geschehnissen ab. Wir hatten uns darauf vorbereitet, sowohl von der politischen als auch von der organisatorischen Seite her. Und wir haben darauf Teile der Arbeiter- und Bauernklasse vorbereitet, die wir direkt beeinflußten. Wir haben unermüdlich die Illusionen von der reformistischen Strategie denunziert, Illusionen, die nur die chilenischen Massen im wahrsten Sinne des Wortes entwaffnen konnten. Insofern hat der Putsch vom 11.September nur auf die tragischste Art und Weise unsere Perspektiven und Analysen bestätigt.

Er zeichnete sich ab in den Ereignissen seit dem 29.Juni. Zu diesem Zeitpunkt ist es sehr deutlich geworden, daß ein Teil der Armee zu allem bereit war, um der wachsenden Mobilisierung des Volkes entgegenzutreten. Seitdem konnte sich das Hauptinteresse der Militärchefs und derer, die zu Ministern ernannt worden waren, auf eine Sache beschränken: die Disziplin und den Zusammenhalt dieses letzten Bollwerks der bürgerlichen und imperialistischen Ordnung aufrechtzuerhalten. Die Mehrzahl der Offiziere war für den Putsch.

Parallel dazu konnte man in diesen letzten Monaten eine völlig neue Mobilisierung und Bewußtwerdung der chilenischen Arbeiter erleben, die nicht zu vergleichen ist mit all dem, was sich zuvor ereignet hatte. Dieses Phänomen hat - nach dem, was du uns sagst - ein großes Echo in der revolutionären Presse überall in der Welt gefunden. Ich möchte also über dieses Thema nichts mehr sagen, obwohl es das grundlegende Element der letzten Periode bildete: praktisch haben ganze Sektoren der chilenischen Arbeiterklasse mit ihren Forderungen und ihrem Enthusiasmus begonnen, mit dem Kurs der reformistischen Führungen zu brechen.

DIE BOURGEOISIE UND DER IMPERIALISMUS KÖNNEN ZWAR BIS ZU EINEM GEWISSEN MASSE DEN REFORMISMUS TOLERIEREN, ABER EIN SOLCHES PHÄNOMEN KANN NICHT LANGE ANHALTEN: der Produktionsapparat ging mehr und mehr in die Hände der Arbeiter über. Diese Mobilisierung machte nicht nur den Putsch, sie machte auch den Zusammenstoß unvermeidlich. Es ist wichtig, das zu unterstreichen: den globalen und massiven Zusammenstoß.'

Rouge: 'Was habt ihr getan, um das Aufkommen dieser proletarischen Macht und ihre Konsolidierung zu fördern?'

'Alle unsere Genossen haben am Entstehungsprozeß von Machtorganen des Volkes teilgenommen und in vielen Fällen eine entscheidende Rolle bei ihrer Konsolidierung gespielt. Aber sie waren dabei nicht gewiß nicht die einzigen, auch die Genossen der PS (Sozialistischen Partei) z.B. haben in zahlreichen Fällen eine große Rolle gespielt. Aber da es sich um ein Phänomen von außerordentlichem Ausmaß handelte, besonders in den 'cordones' (Industrievierteln), kann man es nicht nur quantitativ ausdrücken. Es handelt sich ja um ein ganz beispielhaftes Phänomen von massivem Heranreifen des Arbeiterbewußtseins. In diesem Rahmen haben wir mit unserer Propaganda-, Agitations- und Organisationsarbeit überall, wo es möglich war, darauf hingezielt, diese Prozesse zu beschleunigen und zu festigen. Ich will gleichzeitig hinzufügen, daß wir unsere Arbeit in Richtung auf die Armee als prioritär betrachten, und das ist heute der Hauptanklagepunkt, der gegen uns und besonders gegen Miguel Enriquez erhoben wird.'

Rouge: 'Was die Arbeit gegenüber der Armee angeht: ohne auf Einzelheiten einzugehen, die in einem Interview, das veröffentlicht wird, nicht am Platze sind, gab es wichtige Spaltungen oder Anzeichen von Widerstand in der Armee beim Staatsstreich?'

'Die Gerüchte darüber kursieren seit dem 11.September. Zwar hat es keine entscheidende Spaltung innerhalb der bewaffneten Kräfte in ihrer Gesamtheit gegeben, aber man müßte blind sein, um nicht Unterschiede zwischen den einzelnen Sektoren zu sehen.

Es besteht kein Zweifel, daß innerhalb der Junta die Vertreter der Marine und der Luftwaffe die extremen Elemente darstellen. Längerfristig sollte man sie indes nicht unterschätzen, denn sie werden sicher mit den wirklich dinglichen Spaltungen innerhalb der Bourgeoisie in Gleichklang kommen.

Es ist sicher, daß Sektoren der herrschenden Klasse Meinungsverschiedenheiten mit der Politik der Junta haben werden. Im Moment ist nur ein einstimmiges erleichtertes Aufatmen zu vernehmen. Aber welcher Preis mußte dafür bezahlt werden!

Vergessen wir nicht, daß die Sektoren, die insbesondere mit der DC (Christdemokraten) verbunden sind, eine alte Tradition besitzen, die sie an die bürgerliche Demokratie bindet, an eine gewisse bürgerliche 'Legalität'. Und all das ist mit dem Putsch hinweggefegt worden, ohne von den 'Überschreitungen' zu sprechen, die einige dieser Herren in Verlegenheit bringen würde…

Das Bezeichnendste für die Armee ist, daß gewisse Regimenter nicht wirklich an den täglichen Durchsuchungs- und Repressionsmaßnahmen teilgenommen haben. Das will nicht besagen, daß sie anders denkend wären. Aber es handelt sich - sagen wir mal - um eine taktische Vorsichtsmaßnahme der Junta, eine Verschärfung der potentiellen Spaltungen zu vermeiden.

Um auf deine genaue Frage, die du mir stellst, zu antworten, kann ich sagen, daß die bruchstückhaften Informationen über die Situation in der Armee, über die wir verfügen, erkennen lassen, daß es am Anfang ziemlich viele Befehlsverweigerungen von Soldaten oder Unteroffizieren gegeben hat. Alle wurden sofort erschossen! Wenigstens von zehn Fällen dieser Art wurde direkt oder indirekt berichtet. Es muß also viel mehr gegeben haben.

Dieses macht die Arbeit in der Armee sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich in gewissen Fällen. Wenn dagegen die Revolutionäre durch eine politische und militärische Offensive wirklich als Alternative erscheinen, dann würden zweifelsohne viele Unteroffiziere und Soldaten auf unserer Seite sein. Wiederholt haben Soldaten, Unteroffiziere und sogar Offiziere - sagen wir - die Augen geschlossen, als sie bei Hausdurchsuchungen Waffen fanden: 'Wir bitten euch nur ums eins: richtet sie nicht gegen uns!'

Angesichts dieser Situation vermeiden wir also in der kommenden Periode, unverantwortliche Aktionen zu starten, die dazu beitragen könnten, die bewaffneten Kräfte in einen homogenen Block zusammenzuschweißen, und wir werden auf bescheidene aber bedeutsame Widerstandsaktionen innerhalb der Armee hinarbeiten.'

Rouge: 'Du sprichst von Arbeitsperspektiven, von einer politischen und militärischen Offensive der Revolutionäre, aber eines der auffallendsten Elemente ist doch, daß sichtbare Anzeichen einer solchen Offensive fehlen…'

'Das stimmt. Zumindest was die sichtbaren Zeichen anbelangt, wie du sagst. Aber in diesem Punkt müssen wir klar sehen: die chilenischen Arbeiter haben aufgrund des Gewichts der reformistischen Illusionen und vor allem aufgrund der blinden Politik der reformistischen Führungen überhaupt eine Schlacht verloren, und zwar zu einem sehr hohen Preis. Wenn man die Informationen, die aus der näheren Umgebung Santiagos und aus dem ganzen Land zu uns gelangen, vergleicht, so muß man die Opfer dieser Schlacht auf MINDESTENS 25 000 TOTE schätzen. Nach unseren Informationen spricht man von Zahlen in dieser Höhe auch in den Kreisen des militärischen Oberkommandos. Und jeden Tag nimmt diese Zahl zu.

Am Tage des Staatsstreichs haben sich die Arbeiter an den Arbeitsplätzen, die sie oft seit mehreren Wochen besetzt hatten, gesammelt. In zahlreichen Fabriken haben sie heldenhaft gegen das Militär, das zur Rückgewinnung der Fabriken entschlossen war, jeden Fußbreit verteidigt. Aber das Kräfteverhältnis war zu ungleich. Das Militär war bis zu den Zähnen mit modernen Waffen ausgerüstet und setzte Panzer, manchmal auch die Luftwaffe ein. Die Arbeiter waren demgegenüber sehr wenig bewaffnet, beinahe überhaupt nicht in einigen Fällen. Das Militär stellte eine koordinierte und zentralisierte Macht dar, die einen Plan ausführte, der bis ins Einzelne im voraus vorbereitet war. Die Arbeiter der verschiedenen Fabriken, der verschiedenen 'cordones' waren nicht zentralisiert, waren nicht einmal untereinander koordiniert.

Nichtsdestoweniger hat es beinahe fünf Tage - manchmal länger - gedauert, bis das Militär mit den 'cordones industriales' von Santiago fertig wurde.

In der Provinz haben sich die Ereignisse allgemein in der gleichen Art und Weise abgespielt. So erklärt sich die hohe Anzahl von Toten während der ersten Tage. An bestimmten Orten kam es zu wahrhaften Massakern. In einer der wichtigsten Fabriken in Santiago hat man aus den Kellergeschossen mehr als 200 Leichen herausgeholt. Unter solchen Bedingungen war der Rückzug unvermeidlich.'

Rouge: 'Du bezeichnest die gegenwärtige Situation als eine des Rückzugs und nicht der Zerschlagung?'

'Ohne jeden Zweifel, denn trotz der außergewöhnlichen Zahl der Opfer war die Repression in den meisten Fällen nicht sehr gezielt. Das ist eine Tatsache, die man wissen muß und die man im Ausland bekanntmachen muß: ZAHLREICHE KÄMPFER, GEWERKSCHAFTLICHE UND POLITISCHE KADER, SIND AUF IHREM KAMPFPOSTEN UMGEKOMMEN.

Aber die revolutionären Organisationen, insbesondere die unsere, sind nicht zerschlagen worden. Trotz der schweren Verluste sind unsere Strukturen, ist unser Apparat im wesentlichen absolut intakt geblieben. Insofern haben wir konsequent zu unseren Analysen gehandelt und die Maßnahmen, die wir getroffen haben, haben sich bewährt. Die Militärs sind sich dessen bewußt, und das bedrückt sie sehr. In ihren Siegesberichten klingt verhaltene Furcht durch; sie geben ohne Überzeugung Verlautbarungen über die Einnahme von Waffen und Material zur Schau und versuchen, uns zu demoralisieren, indem sie uns weiszumachen versuchen, daß sie unsere Kader in großer Zahl aufgreifen würden. Aber sie wissen, daß das alles falsch ist und das ist ein entscheidendes Moment in der kommenden Periode, ein Moment, das uns erlaubt, mittelfristig von einer Offensive der Revolutionäre zu sprechen.'

Rouge: 'Und wie steht es mit den anderen Organisationen der Linken, hauptsächlich mit den Parteien der U.P.?'

'Obwohl ich Kontakt hatte mit Genossen der KP, der PS und der MAPU, werde ich darüber mit Vorsicht und sozusagen nur für mich persönlich sprechen. Was die MAPU anbelangt, so glaube ich behaupten zu können, daß auch sie nicht als Organisation in ihren Strukturen übermäßig gelitten hat. Bei der KP scheint es, daß viele mittlere Kader verschwunden oder verhaftet sind. Eines ist sicher: die Basis der Partei, insbesondere in Santiago, ist völlig desorientiert: mit einem Schlag sind die lange gehegten Illusionen über einen friedlichen Weg zum Sozialismus vernichtet worden. Außerdem scheinen die Strukturen der KP zutiefst desorganisiert zu sein, und obwohl die Führer der KP an den Kämpfen in den 'cordones' teilgenommen haben, steht heute eine große Anzahl von Genossen ohne präzise Anweisungen und total sich selbst überlassen da. Was die PS betrifft, so ist die Situation relativ komplex gemäß den verschiedenen Strömungen, die es in dieser Partei gab. Die Struktur der PS war in einer solchen Situation völlig unangepaßt. Aber zahlreiche Genossen von revolutionären Strömungen innerhalb der PS, die ihre eigenen Strukturen und organisierte Kader hatten, haben der Repression ganz schön widerstanden und bereiten sich auf die kommenden Kämpfe vor. Auch hier tragen wir eine große Verantwortung.'

Rouge: 'Wie beabsichtigt der MIR dieser Verantwortung gerecht zu werden?'

'Wir sind für die Schaffung einer revolutionären Front, die nach unserer Meinung die Parteien der UP und uns selbst umfassen sollte. Die Aufgabe dieser Front sollte sein, so schnell wie möglich die Gegenoffensive gegen das gegenwärtige Regime vorzubereiten, eine politische und besonders militärische Gegenoffensive. Wir hoffen, daß diese Front sehr bald zustande kommen wird. Wir werden alle nötigen Anstrengungen dafür auf uns nehmen. Wir wollen auch - nach den unerläßlichen Diskussionen und Debatten in unserer Gruppe – dieser Front einen regelrechten politischen und militärischen Plan vorschlagen, um die Gegenoffensive erfolgreich zu führen. Aber die politische Orientierung einer solchen Front muß klar sein und alle Lehren aus der Vergangenheit ziehen. In diesem Sinne muß für uns eine solche Front der Rahmen sein, in dem wir zwar soweit wie möglich uns für die Aktionseinheit einsetzen, aber auch mehr denn je den Kampf gegen den Reformismus weiter führen werden, mit dem alle chilenischen Arbeiter soeben eine tragische Erfahrung machen mußten.

Schon jetzt stößt sich die Errichtung dieser Front an reformistischen Vorstellungen. Mitglieder der KP, mit denen wir die ersten Diskussionen über diese Sache hatten, zeigten sich zwar einverstanden mit der Idee der Einheit und insbesondere einer Einheit mit uns, was neu ist - stimmten also zunächst mit der Notwendigkeit einer schnellen Gegenoffensive überein, ohne die die gegenwärtig herrschende Verwirrung in tiefe Demoralisierung umschlagen würde, sie sind aber nichtsdestoweniger nicht einig mit dem, was die Ziele und den Charakter einer solchen Front anbelangt.

Einige setzen sich weiterhin für eine breitere Front ein, in die gewisse Sektoren, die gegen das Militär sind, einbezogen werden sollen. Konkret wäre ihre Perspektive die, Teile der DC (Christdemokratie), vielleicht sogar die ganze DC in eine solche Front mit einzubeziehen. Das ist eine alte, klassische Orientierung, wie sie in der Logik der Linie liegt, wie sie schon immer von der KP innerhalb der UP verteidigt wurde: Bündnis mit der DC gegen die Rechte und die faschistische Ultrarechte. Es scheint heute, daß die KP aufgrund des Drucks einer großen Anzahl ihrer Genossen und besonders der gesamten Kommunistischen Jugend in den letzten Tagen eine Wendung gemacht hat und nun akzeptiert, an solch einer Revolutionären Front, wie wir sie vorschlagen, teilzunehmen.

Aber es ist nicht ausgeschlossen, daß sie erneut Schwierigkeiten macht. Wir machen uns jedenfalls keine Illusionen: der Kampf gegen den Reformismus in einer solchen Front oder irgendeiner anderen Struktur bleibt noch lange eine unserer Hauptaufgaben. Wir sind in diesem Punkt Optimisten.

Auf jedenfall ist es - ohne große Spekulationen anzustellen - offensichtlich, daß nach den von den chilenischen Massen durchgemachten Erfahrungen die Linke ziemlich bald große Veränderungen und eine regelrechte Umstrukturierung erfahren wird. Und in dieser Hinsicht sind wir jedenfalls entschiedene Optimisten. Natürlich werden diese Veränderungen nicht Ergebnis von Schlüssen sein, die die Massen spontan aus dem Staatsstreich ziehen. Sie hängen hauptsächlich ab von der Fähigkeit der Avantgarde, in der Praxis, in der Aktion und schnellstmöglich die richtige Antwort auf die Situation zu finden.

Sie hängen ab von ihrer Fähigkeit, dem Feind Schläge zu versetzen. Aber auch das, was ich dir über unsere Organisation gesagt habe, muß uns zu Optimismus anregen.'

Rouge: 'Du hast von Massakern gesprochen, die auf den Staatsstreich folgten, aber die Repression geht sei drei Wochen pausenlos weiter. Jede Nacht während des Ausgehverbots von 22 Uhr bis 6 Uhr morgens werden Wohnviertel durchkämmt, Leute verhaftet und gefoltert, werden getötet, verschwinden. Gestern noch habe ich mit eigenen Augen mitten in der Stadt an den Ufern des Rio Mapuche die Leichen von kurz vorher getöteten 5 Menschen gesehen. Hast Du von dieser Situation einen Gesamtüberblick auf nationaler Ebene?'

'Das ist die dringendste und dramatischste Frage. Die Arbeit der Repressionskräfte vollzieht sich jetzt etwas weniger spektakulär, aber auf sehr breiter Ebene. Ich weiß nicht, wie man das nennen soll. Es ist schrecklich, unglaublich! Es reicht, jeden Tag am frühen Morgen in den Straßen von Santiago spazierenzugehen, um dieses festzustellen. Leichen liegen hier und da herum, hauptsächlich am Flußufer; das ist die Arbeit, die während des nächtlichen Ausgehverbotes geleistet wurde. Hinzu kommen die Durchsuchungen, die Verfolgung von Genossen und bekannten politischen Kadern, obwohl das noch nicht zu großen Resultaten geführt hat.

Besonders in den bürgerlichen und kleinbürgerlichen Vierteln wird denunziert und angezeigt, was dazu führt, daß man ohne Untersuchung, ohne Beweise beinahe sicher zur Haft ins Nationalstadion geführt wird, wo mehr als 5 000 Gefangene festgehalten werden, wenn man nicht einfach getötet wird. Ich will mich nicht über diesen besonders schändlichen Aspekt der Repression ausbreiten; du hast ebensoviele Informationen darüber wie ich, um davon zu sprechen.

Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen rufen unaufhörlich zu Denunziationen auf, täglich wiederholen sie, welche Telephonnummern anzurufen sind, wobei sie verlockende Belohnungen ankündigen.

In den 'poblaciones' (Elendsvierteln) hat es wie in den Fabriken zahlreiche Massaker gegeben, wenn die Bevölkerung etwas Widerstand geleistet hat. Und das geht so weiter.

Ein Beispiel, bei dem ich Zeuge war: In einer 'poblacion' von Santiago bemächtigt sich eine Gruppe Jugendlicher eines Feuerwehrautos, zieht die Uniform der Mannschaft an, die sie einsperrt, bewaffnet sich und fährt durch die Gegend. Sobald die Soldaten sehen, schießen sie und töten mehrere hier und da. Als man sie verhaftet, werden sie in die 'poblacion' zurückgebracht und auf der Stelle hingerichtet. Die Bewohner, die man gezwungen hatte, sich auf dem Richtplatz zu versammeln, werden zynisch mit Maschinengewehren beschossen. Die Bilanz? Mehrere Dutzend, mehrere hundert Tote? Man wird es nie wissen… Das ist wieder ein Beispiel, das man deinen Genossen berichten muß, damit alle im Ausland verstehen, was sich konkret abspielt. Eines muß klar sein: dieser Zwischenfall ist kein isoliertes Beispiel. Du selbst hast dich ganz konkret davon überzeugen können. Heute noch ist es unmöglich, in den armen Vierteln von Santiago spazieren zu gehen, ohne hier und da auf eine Leiche in einer Ecke zu stoßen.

WAS DIE ATMOSPHÄRE IN BEZUG AUF DEN AUSLÄNDERHASS BETRIFFT, DEN DIE JUNTA ZU ENTWICKELN VERSUCHT, SO ÜBERSCHREITET DAS EINFACH DIE VORSTELLUNGSKRAFT. AUCH DARÜBER MUSS IM AUSLAND MOBILISIERT WERDEN: UNSERE GENOSSEN, DIE ALS POLITISCHE FLÜCHTLINGE ODER EINFACH ALS AUSLÄNDER HIER SIND, HAUPTSÄCHLICH DIE BRASILIANER UND BOLIVIANER, RISKIEREN IHR LEBEN IM AUGENBLICK. SIE SIND DIE JUDEN DER JUNTA GEWORDEN!

Nur weil sie mit ihren Akzent sprechen, werden sie von ihren Nachbarn denunziert. Auf einfache Denunziation hin werden sie verhaftet, ins Stadion geführt, um dort oft zu verschwinden.

Man muß sagen, man muß all das schreien. Es ist notwendig, eine Kampagne zu organisieren. Sonst besteht die Gefahr, daß eine Mauer des Schweigens um uns geschlossen wird. Gerade heute Nacht hat die Junta jedem Journalisten, jeder Person mit schweren Waffen gedroht - und man sieht, was das heißt im Mund solcher Henker - der außerhalb von Chile 'alarmierende Nachrichten' über die Repression und die Situation der Ausländer in Chile verbreitet.

ES MUß ALLES GETAN WERDEN, DAMIT DAS MAXIMUM AN INFORMATIONEN VERBREITET WIRD. DIE NACHRICHTEN, DIE DU UNS GEBRACHT HAST ÜBER DIE REAKTION AUF DEN STAATSSTREICH, ÜBER DIE LAUFENDEN KAMPAGNEN, BEDEUTEN EINE AUSSERORDENTLICHE ERMUTIGUNG FÜR UNSEREN KAMPF. DASS DU HIER BIST, IN EINEM SO SCHWIERIGEN AUGENBLICK, DAS HAT FÜR UNS EINEN UNSCHÄTZBAREN WERT - SO SEHR SIND WIRD IM MOMENT VOM REST DER WELT ISOLIERT.

Überbringe unsere brüderlichsten Grüße den Genossen von 'Rouge' und sage ihnen, daß wir überzeugt sind, daß sie in Frankreich unseren Kampf, der gerade erst anfängt, fest unterstützen werden."

Dieses Interview erscheint in Frankreich in der 'Rouge' Nr.223 vom 5.10.1973 und wird nachgedruckt in:
- der 'BRD' durch die GIM (vgl. 15.10.1973) und in NRW durch den AStA der PH Dortmund (vgl. 31.10.1973), mit folgender:"
Vorbemerkung der DOS-Redaktion:

Bei dem nachfolgenden Interview mit Führern der MIR in Chile handelt es sich um einen Abdruck aus der 'Internationale', theoretisches Organ der GIM, Nr.2,Oktober 1973. Wir erachten diesen Abdruck als notwendig, da er eine ausführliche Einschätzung der politischen Situation vor und nach dem Putsch darstellt, geliefert von Kämpfern, die direkt in den politischen Auseinandersetzungen in Chile stehen."
Q: DOS Nr.23,Dortmund 31.10.1973,S.8ff

03.10.1973:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' Nr.40 (vgl. 26.9.1973, 10.10.1973) heraus. Zu Chile wird u.a. auf die Verwicklung des US-Präsidenten Nixon und die falsche Theorie des friedlichen Weges hingewiesen.
Q: Rote Fahne Nr.40,Dortmund 3.10.1973

06.10.1973:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr.39 (vgl. 29.9.1973, 13.10.1973) heraus. Berichtet wird "Chile: Volkskrieg gegen die Junta".
Q: Roter Morgen Nr.39,Dortmund 6.10.1973,S.6

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10.10.1973:
Der KBW gibt seine KVZ Nr.4 (vgl. 26.9.1973, 24.10.1973) heraus. Geschildert werden auch aus Chile "Die Bedingungen des Freiheitskampfes" sowie in einem "Interview: Die Lage in Chile".
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.4,Mannheim 10.10.1973,S.12f

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13.10.1973:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr.40 (vgl. 6.10.1973, 20.10.1973) heraus. Berichtet wird u.a. über die "Bürgerliche und revisionistische Berichterstattung über Chile".
Q: Roter Morgen Nr.40,Dortmund 13.10.1973,S.5

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13.10.1973:
Es beginnt die zweitägige 4.Sitzung des ZK des KBW (vgl. 15.9.1973, 10.11.1973):"
TO II. Bericht des Sekretärs

Y. erklärt seine Position zu den Thesen, daran Kritik und kündigt eine schriftliche Stellungnahme an.
B. äußert sich in ähnlicher Weise, bemängelt unzureichende Behandlung der Rolle der sozialistischen Länder in ihrer Unterstützung der unterdrückten Völker.

Y.: Wendet sich gegen die Kritik einzelner Punkte , schlägt vor, entlang der Frage zu diskutieren, ob der Bericht als Dokument im Kampf gegen den Rechtsopportunismus tauglich ist. Bejaht dies.

A.: Stellt Notwendigkeit der Veröffentlichung in der Zeitung in Frage.

C. votiert dafür.

E. weist darauf hin, daß man Argumentation nicht auf Chile beschränken kann, sondern Bedeutung für ganz Lateinamerika hat und auch für den Kampf gegen den Revisionismus, stimmt nicht der Argumentation zu den selbständigen Streiks zu. Plädiert für Veröffentlichung in der Zeitung.

Sekretär: Nimmt Stellung zu einzelnen Kritiken, arbeitet heraus, daß es gilt, die Bedeutung der Etappen festzuhalten (zu Guinea-Bissao). Plädiert auch für Hereinnahme in die Zeitung."
Q: KBW-ZK-N.N.:Protokoll vom 13.10.1973,o.O. o.J. (1973)

15.10.1973:
Der KBW berichtet vermutlich u.a. aus dieser Woche:"
CHILE, ORGANISIERTER WIDERSTAND

DIE EINHEITLICHE FÜHRUNG WIRD HERGESTELLT

Während in Chile der faschistische Terror der Militärjunta weiter anhält, versucht sie nach außen hin den Völkern der Welt vorzuspiegeln, sie brächte die angeblich durch die Unidad Popular (UP) zerrütteten wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse wieder 'in Ordnung'. Hierbei kommen ihr Politiker wie Wischnewski (SPD) und Heck (CDU) bereitwillig zur Hilfe.

Heute redet die Junta davon, sie wolle 'das Land wiederaufbauen', sie verlangt vom Volk 'große Opfer'. Die Junta meint den Wiederaufbau der alten Ausbeuterordnung, meint die Rückeroberung Chiles durch den Imperialismus. Schon gleich zu Beginn ihrer Diktatur bot sie ausländischem Kapital beste Bedingungen für die Investition in Chile. Wie in letzter Zeit deutlich geworden ist, sehen diese Bedingungen so aus:

Die für Oktober vorgesehene Lohnangleichung an die Inflationsrate wurde nicht durchgeführt, darüberhinaus wurde ein Lohnstop auf unbefristete Zeit verordnet. Die Gewerkschaften wurden verboten, ihre Führer und aktiven Mitglieder werden blutig verfolgt; das Streikrecht wurde abgeschafft. Gleichzeitig steigen die Preise in einem Maß, wie es das chilenische Volk bisher nicht gekannt hat. So stieg, wie die bürgerliche Presse in der letzten Woche zugeben mußte, nach dem Putsch der Fischpreis (Fisch ist das wichtigste Grundnahrungsmittel der Arbeiter- und Bauernfamilien) um 300%; Säuglingsnahrung wurde um 1 000% teurer. Insgesamt sind die Preise für Grundnahrungsmittel, die unter der UP-Regierung zum Teil eingefroren waren, um 200 bis 1 800% gestiegen.

Die Käuferschlangen vor den Geschäften in Chile sind nicht deswegen verschwunden, weil es - wie die Junta behauptet - wieder alles in genügendem Maß zu kaufen gibt, sondern weil die werktätigen Massen aufgrund der gestiegenen Preise nichts mehr kaufen können.

Die Arbeiterklasse sieht sich nach dem Putsch ungeheurer Ausbeutung gegenüber, gegen die sie, ihrer gewerkschaftlichen und politischen Organisationen beraubt, nur unter schwersten Bedingungen kämpfen kann. Sie ist momentan den Preissteigerungen ebenso hilflos ausgeliefert wie dem Zwang, täglich bis zu vier unbezahlte Überstunden leisten zu müssen oder den zahllosen Entlassungen von Arbeitern, von denen bisher über 100 000 betroffen waren.

Jedoch trifft der Imperialismus, der Chile wieder in sein System der Ausbeutung eingliedern will, in Chile auf eine kampferfahrene Arbeiterklasse, deren Breite und ideologische Stärke beispiellos in Lateinamerika ist.

DIE ORGANISIERUNG DES WIDERSTANDS

Für die Kraft des chilenischen Volkes spricht die Fähigkeit der chilenischen Revolutionäre, unter schwierigsten Bedingungen die Fehler der Vergangenheit selbstkritisch zu diskutieren und zu überwinden."

Nachgedruckt wird im Folgenden von KBW ein Artikel aus der 'Resistencia' (vgl. 24.9.1973).
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.5,Mannheim 24.10.1973,S.10

15.10.1973:
Der KBW ruft auf und berichtet zugleich, vermutlich aus dieser Woche:"
SPENDET FÜR DEN KAMPF DES CHILENISCHEN VOLKES

Spenden auf das Konto: Deutsche Bank, 8 München 40, Konto … Sonia Patric (AELA); Kennwort: CALCA

Die AELA (Vereinigung lateinamerikanischer Studenten), auf deren Konto die Chile-Spenden einlaufen, berichtet, daß bereits 40 000 DM abgeschickt wurden und vor einer Woche ihr Ziel erreichten. Das Geld kommt direkt der chilenischen Befreiungsfrontorganisation zugute."
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.5,Mannheim 24.10.1973,S.10

15.10.1973:
Der KBW berichtet u.a. aus heutigem Anlaß:"
BOTSCHAFT VERWEIGERT ASYL
BRD-BOTSCHAFT STÜTZT MILITÄRJUNTA

Unmittelbar nach dem Putsch in Chile veranstaltete die SPD in mehreren Städten Veranstaltungen. In ihren Flugblättern, mit denen die SPD zu Veranstaltungen aufrief, heißt es: 'Unsere Solidarität gehört der arbeitenden Bevölkerung in Chile'. Wie es mit den Taten aussieht, war aus einem Beitrag der Sendung REPORT im 1.Fernsehprogramm (ARD,d.Vf.) vom 15.10. zu erfahren. Im Gegensatz zu den Botschaftsresidenzen von Finnland, Holland (Niederlande, d.Vf.), Schweden oder der Schweiz, um nur einige zu nennen, gewährt die deutsche Botschaft keinerlei Schutz für chilenische Volksfrontanhänger und andere Verfolgte der Militärjunta. Auf entsprechende Fragen reagierte der deutsche Botschafter gegenüber den Reportern äußerst gereizt und nervös, und berief sich auf diplomatische Gepflogenheiten und das 'Völkergewohnheitsrecht'. Aber das Verhalten der deutschen Botschaft entspricht nicht nur den Gewohnheiten der Imperialisten, die das chilenische Faschistenregime unterstützen und nicht das Völkerrecht. Die Verweigerung des 'Rechts auf einstweilige Zuflucht' für Verfolgte, zeigt, daß die deutsche Botschaft nur dem einen dient: Der Vertretung westdeutscher Kapitalinteressen in Chile und dafür ist die faschistische Diktatur nur günstig.

Daran hat auch eine SPD-Regierung nichts geändert. Während der gesamten Regierungszeit der chilenischen Volksfrontregierung wurde der deutsche Botschafter einmal vorstellig: zum Schutz deutscher Unternehmen vor Verstaatlichungsmaßnahmen."
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.5,Mannheim 24.10.1973,S.10

15.10.1973:
Mitte Oktober, also vermutlich in dieser Woche, treffen sich, laut 'BED', Vertreter von 60 Chile-Komitees aus der BRD in Mainz, um ihre Arbeit zu koordinieren.
Q: Berliner Extra Dienst Nr.83,Berlin **.**.1973,S.13

16.10.1973:
Für den KBW berichtet zunächst H.L.:"
FRIEDENSNOBELPREISMANÖVER

NOBELPREIS AN KISSINGER UND LE DUC THO VERLIEHEN, IDEOLOGISCHES MANÖVER IM VORFELD DER NEUEN IMPERIALISTISCHEN AGGRESSIONSSTRATEGIE DER USA

Am 16.10. wurde Kissinger und Le Duc Tho der Friedensnobelpreis verliehen. …

Die bürgerliche Presse bemühte sich stets, Kissinger als Friedensunterhändler und Nixon im Widerspruch zu ihm als reinen Gewaltpolitiker darzustellen. Tatsächlich sind sich Nixon und Kissinger in den Prinzipien ihrer Außenpolitik einig: Dreinschlagen und gleichzeitig verhandeln.

Beide gehen davon aus, daß 'DER 3.WELTKRIEG BEREITS BEGONNEN HAT', dieser jedoch nicht in einer unmittelbaren Konfrontation zwischen den Großmächten, sondern in ständigen lokalen Kriegen gegen kleine Völker auf ihrem eigenen Territorium zu führen ist. Wenn es auch keinen wirklichen Frieden gibt, so soll doch ein stabiles System der Konterrevolution in Zusammenarbeit mit der Sowjetunion (SU,d.Vf.) die Möglichkeit schaffen, jede revolutionäre Bewegung zu unterdrücken und Kriege örtlich 'begrenzt' zu halten.

Um derartige lokale Kriege siegreich führen zu können, dürfe nicht zaghaft, allmählich eskaliert werden, ein Fehler, den sie Kennedy und Johnson vorwerfen, und es dürfe nicht abwechselnd gekämpft und verhandelt werden, sondern müsse schlagartig eskaliert werden wie die Invasionen von Kambodscha (vgl. 30.4.1970,d.Vf.) und Laos (vgl. 8.2.1971,d.Vf.), die Bombardierungen der Deiche Nordvietnams und Hanois und Haiphongs im Dezember 1972 (vgl. 18.12.1972,d.Vf.) demonstrierten. Die grundsätzliche Bereitschaft, auch Atomwaffen einzusetzen, muß für den Gegner unmißverständlich deutlich sein und auch die Entschlossenheit zu einer 'vorbeugenden Verteidigungsstrategie', die schon jede 'Möglichkeit' einer Gefährdung imperialistischer Interessen im Ansatz zertritt und nicht wartet, bis eine Bedrohung real ist. Dem Gegner müßten Verluste auferlegt werden, die im Mißverhältnis zu seinen Zielen stehen. Nach Indochina ist das Wüten der unter US-Regie agierenden chilenischen Junta (vgl. 11.9.1973,d.Vf.) das neueste Beispiel. Rege diplomatische Aktivität hat gleichzeitig die Aufgabe, dem 'Gegner hinreichend attraktive Verhandlungslösungen anzubieten, damit er in Atempausen die Möglichkeit hat, seinen Kampf einzustellen'. Daneben muß sie den anderen Großmächten zeigen, daß die USA bestrebt sind, die Kriege 'begrenzt' zu halten und keine direkte Konfrontation mit der Sowjetunion und in Indochina auch mit der VR China sucht, - 'obwohl eine Strategie des begrenzten Krieges nur entwickelt werden kann, wenn die USA keinen Zweifel daran läßt, daß sie auch bereit und fähig ist, eine direkte Konfrontation mit der Sowjetunion oder China durchzustehen.' (Kissinger)"
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.5,Mannheim 24.10.1973,S.3

17.10.1973:
Der KBW berichtet vermutlich von heute:"
JUNTA IST 'GROSSZÜGIG'
CDU-HECK NACH SEINER CHILE-REISE

Vor einiger Zeit (vgl. **.9.1973,d.Vf.) sprach sich das CDU-Präsidium gegen den Putsch in Chile aus. Jetzt ist der frühere CDU-Generalsekretär Heck von einer Reise nach Chile zurückgekehrt. Er verteidigte am letzten Mittwoch in Bonn vor der Presse das Terrorregime und zeigte volles Verständnis für die Politik der Junta, d.h. die Ermordung von Tausenden Chilenen durch die Armee. Schuld an allem sei der ermordete Präsident Allende. Gegen die Gefangenen sei die Junta 'großzügig'. Die CDU unterstützt überall die reaktionären und faschistischen Regierungen in der Welt. Das zeigte Heck wieder einmal deutlich. Darüber können die Feigenblatt-Erklärungen der CDU nicht hinwegtäuschen. Zu diesen Erklärungen ist die CDU gezwungen, denn die breite Meinung in der BRD ist klar gegen den Putsch in Chile. Die tatsächliche Position der CDU machte Heck klar."
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.5,Mannheim 24.10.1973,S.10

20.10.1973:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr.41 (vgl. 13.10.1973, 27.10.1973) heraus. Berichtet wird "Chile: Militärjunta mit Mord und Unterdrückung gegen den Widerstand des Volkes".
Q: Roter Morgen Nr.41,Dortmund 20.10.1973,S.5

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25.10.1973:
In Travemünde beginnt die zweitägige 8. Konferenz der IGM für Vertrauensleute und Betriebsratsmitglieder (vgl. **.**.19**, **.**.197*).

Laut DKP führt Lutz Dieckerhoff, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall (ehemals Hoesch Dortmund) u.a. aus:"
Wir haben die schrecklichen Ereignisse von Chile vor Augen. Das Morden der Militärs nimmt kein Ende. Arbeiterführer werden viehisch abgeschlachtet, Demokraten füsiliert.

Vor diesem Hintergrund scheint es makaber, wenn deutsche Militärs sich in Notstandsübungen und Manövern peinlich einfallslos zeigen und in unverschämter Offenheit ihre Ziele deutlich werden lassen: 'Angriff gegen demonstrierende Arbeiter der Henschelwerke in Kassel' (IGM-Bereich in Hessen,d.Vf.) nannte man die jährliche Alarmübung der Raketen- und Jägerdivision der Bundeswehr in Nordhessen.

Die Generalstäbler entwickelten Ideen, sie bastelten an einer, 'sich zum militärischen Konflikt zuspitzenden Krisenlage' (wie sie das Notstandsgesetz vorsieht), 'um das Verständnis der übenden Truppe anzuregen'. So versuchte man naiv sein Fehlverhalten vor der Landesregierung zu rechtfertigen.

Ich möchte dieser Konferenz nicht vorenthalten, was man dort hochoffiziell zunächst als Sandkastenspiel, dann als scharfes Manöver durchexerzierte.

Hier der offizielle Text:
'Lageorientierung:
In Kassel haben offensichtlich organisierte Arbeitergruppen die Arbeit niedergelegt und hindern Arbeitskollegen an der Fortführung der Arbeit.

Weder der Firmenleitung noch den Gewerkschaften ist es gelungen, die Wiederaufnahme der Produktion durchzusetzen.

Polizeikräfte haben in der Nacht die Henschelwerke besetzt. Die Rädelsführer konnten festgenommen werden. Sabotageakte sind angekündigt worden. Die Firmenleitung in Kassel wurde von der Regierung in Rot-Land aufgefordert, die Betriebsführung in die Hände der Arbeiter zu legen.'

Und dazu, Kolleginnen und Kollegen, spielten Soldaten in Monteuranzügen Arbeiter! Und bei den Arbeitsniederlegungen in Köln, Lippstadt und sonstwo, verhaftet oder sucht man Rädelsführer. Auch in Baden-Württemberg schickt der Innenminister die politische Polizei in die Betriebe und sucht Rädelsführer. Rädelsführer suchten auch in der letzten Woche mit Ferngläsern ausgerüstete Polizisten vom Daimler-Benz Hochhaus aus.

Diese Schamlosigkeiten führen zum organisierten Protest unserer Vertrauensleute."
Q: Heisse Eisen Vorsicht: Lohnraub auf Umweg geplant?,Dortmund Dez. 1973,S.2

November 1973:
Das Antiimperialistische Arbeitskomitee (AAK) gibt vermutlich im November das 'Antiimperialistische Informationsbulletin' (AIB) Nr.11/12 (vgl. Okt. 1973, Jan. 1974) für November/Dezember als Chile-Referat heraus. Angegriffen wird darin u.a. die KPD.
Q: Antiimperialistisches Informationsbulletin Nr.11/12,Marburg Nov./Dez. 1973

November 1973:
In der November-Ausgabe der 'Roten Fahne' des KABD (vgl. **.**.1973, **.**.1973) erscheint der Leitartikel "Chile und der Weg zum Sozialismus". Laut MLPD (2) wurde "darin nachgewiesen, daß die KP Chiles die elementaren Lehren des Marxismus-Leninismus über Bord geworfen hatte und deshalb mit verantwortlich für die Niederlage der chilenischen Arbeiter war".
Q: MLPD-ZK:Geschichte der MLPD,II.Teil,1.Halbband,Düsseldorf 1986,S.95

04.11.1973:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 5.12.1973) berichtet (vgl. 29.7.1973):"
GRIECHENLAND

DER AUFSTAND IST IM BLUT ERSTICKT - DOCH DER KAMPF GEGEN DIE GRIECHISCHE MILITÄRJUNTA WIRD WEITER GEHEN.

Nach aus Athen vorliegenden authentischen Berichten haben die Schergen über 200 Menschen, darunter auch Kinder und unbeteiligte ausländische Touristen, ermordet. Im Stadion der Hauptstadt werden - nach dem Vorbild der chilenischen Militärdiktatur - mehrere tausend Widerstandskämpfer festgehalten."
Q: DOS Nr.25,Dortmund 5.12.1973,S.10f

06.11.1973:
Manfred Funke (vgl. Nov. 1977) berichtet vom linken Terrorismus in der 'BRD' (vgl. Hannover 4.10.1973, Berlin 17.11.1973) aus Boulogne (Frankreich) vom "Sprengstoffanschlag auf SEL/ITT-Niederlassung". Den Grund, den Militärputsch in Chile, verschweigt Funke.
Q: Funke, Manfred:Terrorismus,Bonn 1977,S.337

07.11.1973:
Der KBW gibt die Nr.6 seiner 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ - 24.10.1973, 22.11.1973) heraus. Berichtet wird u.a. von der Chilesolidarität, nicht nur der DKP, aufgerufen zum Protest gegen Frei in Hamburg.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.6,Mannheim 7.11.1973,S.12f

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14.11.1973:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' Nr.46 (vgl. 7.11.1973, 20.11.1973) heraus.
Berichtet wird u.a. von der Sowjetunion und Chile bei der Fußballweltmeisterschaft.
Q: Rote Fahne Nr.46,Dortmund 14.11.1973

22.11.1973:
Der KBW gibt seine 'Kommunistische Volkszeitung' (KVZ - vgl. 7.11.1973, 5.12.1973) Nr.7 heraus. Berichtet wird aus Chile sowie von Chileprotesten in Hamburg und Heidelberg, über die diplomatischen Beziehungen zwischen der VR China und Chile sowie ein vom Verfassungsschutz gefälschtes Chileflugblatt des KBW.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.7,Mannheim 22.11.1973,S.12f

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24.11.1973:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr.46 (vgl. 17.11.1973, 1.12.1973) heraus. Aufgerufen wird zur "Solidarität mit dem kämpfenden chilenischen Volk".
Q: Roter Morgen Nr.46,Dortmund 24.11.1973,S.5

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Dezember 1973:
Die DKP berichtet vermutlich aus dem Dezember:"
ANTIKOMMUNISMUS AUF SOZIALDEMOKRATISCH

'Vor einigen Wochen wurde in Hamburg ein 'Komitee gegen die Repression in der Tschechoslowakei und Osteuropa' gegründet. Den Gründungsaufruf haben u.a. Ernst Bloch, Peter Brückner, Rudi Dutschke, Hans Magnus Enzensberger, Ernest Mandel, Oskar Negt, Jiri Pelikan, Bernd Rabehl, Peter von Oertzen, Klaus Wagenbach und Jochen Steffen unterschrieben.'

Diese Nachricht geisterte kürzlich durch den bundesrepublikanischen Blätterwald. Eine interessante, eine aufschlußreiche Nachricht: ein solches Komitee, getragen insbesondere von Sozialdemokraten mit linkem Touch, paßt in die Landschaft des verschärften Klassenkampfes von oben.

Im Zusammenhang mit dem starken Aufschwung der Arbeiterbewegung in den letzten Jahren und der umfassenden Stärkung der fortschrittlichen Kräfte in der BRD versucht die Reaktion, mit verschärftem Antikommunismus die progressiven Kräfte zu schwächen und die Bewegung zu spalten. Besonders beliebt: Ablenkung von der Unterdrückung und Ausbeutung im eignen Lande durch Propagierung angeblicher Unterdrückungen im sozialistischen Lager. Wenn er nicht wirklich existierte, hätte ein Solschenyzin erfunden werden müssen, um von der politischen Unterdrückung in der BRD und vom faschistischen Putsch in Chile abzulenken."
Q: Kommunist Zum Ausgang der Kammerwahlen,Hannover o.J. (1974),S.5

Dezember 1973:
Der Kommunistische Jugendverband (KJV) der KPD gibt die Nr.11 seiner 'Kämpfenden Jugend' (KJ - vgl. Nov. 1973, 15.1.1974) für Dezember heraus, berichtet wird auch aus Chile.
Q: Kämpfende Jugend Nr.11,Dortmund Dez. 1973,S.9

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Dezember 1973:
Die SAG gibt ihren 'Klassenkampf' Nr.30 (vgl. Nov. 1973, Feb. 1974) heraus. Man berichtet u.a. aus Frankfurt von einer DKP-nahen Chileveranstaltung in der Phillipp Holzmann Berufsschule. Dort sei der SAG der Verkauf des 'Klassenkampfes' verboten worden und Prügel habe man nur deshalb nicht bekommen, weil viele Arbeiter sich mit einem solidarisierten.
Q: Klassenkampf Nr.30,Frankfurt Dez. 1973

01.12.1973:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr.47 (vgl. 24.11.1973, 8.12.1973) heraus. Berichtet wird "Chile: Der Kampf der Arbeiterklasse wächst an!". Begrüßt werden die aufgrund des Putsches in Chile erfolgten jüngsten Bombenanschläge auf SEL/ITT-Niederlassungen in Berlin (vgl. 17.11.1973) und Nürnberg (vgl. 18.11.1973).
Q: Roter Morgen Nr.47,Dortmund 1.12.1973,S.4

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05.12.1973:
Der KBW gibt seine 'KVZ' Nr.8 (vgl. 22.11.1973, 19.12.1973) heraus. Berichtet wird "Westdeutscher Verfassungsschutz in Chile" sowie aus Westberlin über "Zwei Linien in der Solidarität mit Chile" zu den Demonstrationen am 14.9.1973 und 3.11.1973.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.8,Mannheim 5.12.1973,S.15

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KVZ1973_08_30


15.12.1973:
Der Kommunistische Oberschülerverband (KOV) der KPD gibt seinen 'Schulkampf' Nr.12 (vgl. Nov. 1973, Jan. 1974) für Dezember vermutlich Ende dieser Woche heraus. Berichtet wird auch aus Chile über den "Brief der Slumbewohner an Chiles Ärzte".
Q: Schulkampf Nr.12,Dortmund Dez. 1973,

KOV-Schulkampf435
KOV-Schulkampf436


04.01.1974:
Die morgige 'Frankfurter Rundschau' (FR) berichtet, laut Roter Hilfe (RH) e.V. der KPD (vgl. Juli 1974) vom CISNU-Weltkongreß (vgl. 3.1.1974):"
PERSERN EINREISE VERWEIGERT

GRENZBEHÖRDE: CISNU-KONGRESS STÖRT GUTES VERHÄLTNIS ZU IRAN

Ein Sprecher der CISNU erklärte dazu auf einer Pressekonferenz in Frankfurt, die Bundesrepublik, die 'extrem abhängig von Ölimporten aus Persien' sei, mache sich mit der Aktion gegen die CISNU zum 'Handlanger des faschistischen Schah-Regimes, dessen Gewaltmaßnahmen nur noch von den Massenmorden in Chile übertroffen' würden."
Q: RH e.V.:So wie es ist - bleibt es nicht!,Dortmund o.J. (1974),S.16

05.01.1974:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr.1 (vgl. 29.12.1973, 12.1.1974) heraus. Aus Chile kommt ein Interview mit einem Mitglied des Politbüros der RKP.
Q: Roter Morgen Nr.1,Dortmund 5.1.1974,S.5

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19.01.1974:
Laut ID beginnt eine zweitägige Koordinationssitzung der westeuropäischen Chile-Komitees (vgl. 16.3.1974).
Q: Frankfurter Informationsdienst Nr.20,Frankfurt 1974,S.3

28.01.1974:
Innerhalb des KBW berichtet die die GEW-Fraktion leitende Person (vgl. 4.2.1974) über eine vermutlich in dieser Woche stattfinden Sitzung des GEW-Hauptvorstandes:"
OFFIZIELLER PLAN FÜR DEN 6.2. UND UNSER EINGREIFEN

Nach der letzten Hauptvorstandssitzung der GEW ist folgender Ablauf der Kundgebung geplant: (Bericht des … (eines Teilnehmenden,d.Vf.) …
- Die Chile-Sammlung wurde mehrheitlich akzeptiert. Den AjLE NRW bitte ich, die Sammlung organisatorisch vorzubereiten und durchzuführen."
Q: KBW-GEW-Fraktionsleitung, KBW-ZK-StA-GEW-Beauftragter: Offizieller Plan für den 6.2. und unser Eingreifen, o.O. (Mannheim) o.J. (1974)

27.02.1974:
In der heutigen 'KVZ' Nr.5 des KBW erscheint zu Chile ein Aufruf für die Gefangenen.
Q: Schulkampf Nr.1,Hameln März 1974,S.20

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März 1974:
Die DKP verbreitet ab März in verschiedenen Betriebszeitungen einen zentralen Artikel gegen die KPD:"
VOM KAPITAL BEZAHLTE SPALTER

NICHT die Solidarität mit dem kämpfenden Volk Chiles haben sie auf ihre Fahnen geschrieben - nein, sie bekämpfen und besudeln die Unidad Popular (UP,d.Vf.)."
Q: Roter Punkt,Duisburg März 1974,S.4

01.03.1974:
Der Kommunistische Jugendverband (KJV) der KPD gibt die Nr.4 seiner 'Kämpfenden Jugend' (KJ - vgl. 15.2.1974, 13.3.1974) heraus. Berichtet wird auch aus Chile.
Q: Kämpfende Jugend Nr.4,Dortmund 1.3.1974,S.7

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16.03.1974:
Laut ID beginnt ein zweitägiges Vorbereitungstreffen für eine Konferenz der westeuropäischen Chile-Komitees (vgl. 19.1.1974, 23.4.1974).
Q: Frankfurter Informationsdienst Nr.20,Frankfurt 1974,S.3

18.03.1974:
Laut KBW (vgl. 17.4.1974) beginnt eine Kampagne 'Solidarität mit Chile'. Sie dauert bis zum 24. März und wird von den Komitees 'Solidarität mit Chile' (KBW nahestehend) durchgeführt.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.8,Mannheim 17.4.1974,S.15

April 1974:
1. Mai-Aufruf des KABD. Er steht unter der Losung "Arbeiteroffensive gegen Monopoloffensive - Gemeinsam sind wir stark".

Weitere Losungen sind: …
- Solidarität mit dem Kampf des chilenischen Volkes.
Q: KABD:Aufruf des Kommunistischen Arbeiterbundes Deutschland zum 1. Mai 1974,Tübingen 1974; KABD-ZL-Sek:Rundschreiben,o.O. Apr. 1974

April 1974:
Vermutlich im April erscheint das 'Rote Signal' der MLSG des KABD Nr.3/4 für März und April (vgl. Feb. 1974). Aus Neunkirchen wird berichtet von der Chilesolidarität, wobei zwei Filme vorgestellt werden.
Q: Rotes Signal Nr.3/4,Erlangen März/Apr. 1974,S.28f

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10.04.1974:
In der Nr.15 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 3.4.1974, 17.4.1974) befaßt sich die KPD u.a. mit Chile.
Q: Rote Fahne Nr.15,Dortmund 10.4.1974

23.04.1974:
Verschiedene westeuropäische politische Organisationen und Chile-Solidaritätskomitees führen in bzw. bei Frankfurt eine Chilekonferenz durch, die mit einer Demonstration beendet wird (vgl. 16.3.1974, 27.4.1973).
Laut KBW (vgl. 17.4.1974) ist es das Ziel der Konferenz, die "Vereinheitlichung der Westeuropäischen Linken" zu erreichen, sowie "Solidarität mit dem kämpfenden chilenischen Volk" zu üben.

Der KBW nimmt an dieser Arbeitstagung nicht teil, "weil er eine Vereinheitlichung der westeuropäischen Linken aus Anlaß der chilenischen Erfahrungen für ein völlig verfehltes Unterfangen hält und weil er der Auffassung ist, daß die Solidarität mit Chile für einige der Initiatoren des Kongresses ein Vorwand für ganz andere Zwecke ist. … Dem KBW geht es nicht um die Vereinheitlichung einer Westeuropäischen Linken, sondern um die Einheit der Arbeiterklasse in Westdeutschland und die Einheit des internationalen Proletariats".

Laut KB beginnt in der Nähe von Frankfurt eine Chile-Konferenz, an der "Delegationen von rund 30 politischen Organisationen Westeuropas sowie verschiedener Chile-Solidaritätskomitees teilnahmen".
Anwesend sind u.a. MIR, MAPU, Sozialistisches Büro und KB.
Themen der Konferenz sind u.a.:
- Analyse der chilenischen Entwicklung unter der Unidad Popular,
- Widerstand nach dem faschistischen Putsch,
- Lehren für Westeuropa,,
- Weiterentwicklung der Solidarität mit dem revolutionären Widerstand.

Laut ID veranstalten die westeuropäischen Chile-Komitees in Frankfurt erst morgen eine internationale Konferenz, gefolgt von einem Meeting am 27. April.
Q: Frankfurter Informationsdienst Nr.20,Frankfurt 1974,S.3; Kommunistische Volkszeitung Nr.8,Mannheim 17.4.1974,S.15; Unser Weg Nr.23,Hamburg 1974,S.30; Arbeiterkampf Nr.44,Hamburg 22.5.1974,S.31

27.04.1974:
Die Frankfurter Chile Konferenz (vgl. 23.4.1973) wird, laut KB, durch eine Demonstration und Kundgebung beendet, an der über 3 000 Menschen teilnehmen.

Laut KBW sind es ca. 5 000 Personen, u.a. von der eigenen Ortsgruppe und von verschiedenen westdeutschen Chilekomitees.
Q: Arbeiterkampf Nr.44,Hamburg 22.5.1974,S.31; Kommunistische Volkszeitung Nr.9,Mannheim 1.5.1974,S.2

Mai 1974:
Die SAG gibt ihren 'Klassenkampf' Nr.35 (vgl. Apr. 1974, 1.5.1974) heraus. Anzeigen werben u.a. für die SAG Broschüre "Chile - Parlamentarischer Weg in die Sackgasse".
Q: Klassenkampf Nr.35,Frankfurt Mai 1974

02.05.1974:
In der Nr.18 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 24.4.1974, 8.5.1974) befaßt sich die KPD u.a. mit Chile.
Q: Rote Fahne Nr.18,Dortmund 2.5.1974

22.05.1974:
In der Nr.21 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 15.5.1974, 29.5.1974) berichtet die KPD aus Karlsruhe, daß die DKP dort die Chile Solidaritätsarbeit der KPD verhindert habe, woraufhin ein Polizeieinsatz erfolgte.
Q: Rote Fahne Nr.21,Dortmund 22.5.1974

Juni 1974:
Vermutlich im Juni erscheint das 'Rote Signal' der MLSG des KABD Nr.5/6 für Mai und Juni (vgl. Apr. 1974). Zu Chile wird gefragt: "Friedliche Kapitalisten?".
Q: Rotes Signal Nr.5/6,Erlangen Mai/Juni 1974,S.18f

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12.06.1974:
In der Nr.24 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 5.6.1974, 15.5.1974) berichtet die KPD u.a. von der Unterstützung der SPD für die Junta in Chile.
Q: Rote Fahne Nr.24,Dortmund 12.6.1974

22.06.1974:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' Nr.25 (vgl. 15.6.1974, 29.6.1974) heraus und berichtet über Chilenen in Bochum.
Q: Roter Morgen Nr.25,Dortmund 22.6.1974

26.06.1974:
Der Kommunistische Jugendverband (KJV) der KPD gibt die Nr.12 seiner 'Kämpfenden Jugend' (KJ - vgl. 6.6.1974, 10.7.1974) heraus. Berichtet wird auch von der Fussballweltmeisterschaft, wozu es auch ein Interview mit Chilenen sowie Protest in Bochum gegen die Meldeauflagen für chilenische Flüchtlinge gibt.
Q: Kämpfende Jugend Nr.12,Dortmund 26.6.1974,S. 1 und 4f

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29.06.1974:
In Köln führt die KPD eine Großveranstaltung zum Abschluß ihres 1.Parteitages (vgl. 26.6.1974) mit 6 000 Personen durch.
Anwesend sind, laut KPD, Vertretungen u.a. der Organisationen MAPU Chile und die bundesdeutschen AELA/KELA Lateinamerika.
Q: Rote Fahne Nr.22, 26, 27 und 29,Dortmund 29.5.1974, 26.6.1974, 3.7.1974 bzw. 17.7.1974

27.07.1974:
Laut KB findet in Frankfurt ein Treffen von Gruppen und Organisationen statt, die zum 1. Jahrestag des Putsches in Chile Demonstrationen und Aktionen vorbereiten wollen (vgl. 24.7.1974, 7.9.1974). Eingeladen hatten einige westdeutsche Chile-Komitees:"
Bei diesem Treffen ging es um eine Aktionseinheit zur Solidarität mit dem chilenischen Volk anläßlich des Jahrestages des faschistischen Putsches in Chile vom 11. September 1973."
Vertreter des Koordinationsausschusses legten u.a. die Modalitäten fest: lokale Mobilisierungen am 11.9.1973, zentrale Mobilisierung zum 14.9.1973. LgdI und KPD kritisieren den Aufruf des Chile-Komitees, "weil darin die Lehren aus dem Putsch in Chile fehlten". Die Chile-Komitees werden unterstützt von: GIM, Spartacusbund (SpB), SBü und KBW.
Q: Arbeiterkampf Nr.48,Hamburg 20.8.1974,S.3

August 1974:
Der Kommunistische Jugendverband (KJV) der KPD gibt vermutlich Anfang August die Nr.14/15 seiner 'Kämpfenden Jugend' (KJ - vgl. 10.7.1974, 13.9.1974) heraus, berichtet wird auch aus Chile.
Q: Kämpfende Jugend Nr.14/15,Dortmund o. J. (1974),S.8

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07.08.1974:
In der Nr.32 ihrer 'Roten Fahne' (RF - vgl. 31.7.1974, 14.8.1974) berichtet die KPD u.a. über die MAPU Chile.
Q: Rote Fahne Nr.32,Dortmund 7.8.1974

27.08.1974:
Der KBW (vgl. 7.8.1974) rief mit einem Artikel "Kann es Einheit in der Solidarität mit dem Kampf des chilenischen Volkes geben? Eine Aktionseinheit ist notwendig" dazu auf, am 27. August an einem Treffen in Göttingen teilzunehmen, um die Möglichkeiten einer gemeinsamen Demonstration zu beraten. Das Treffen wurde organisiert vom Koordinationsausschuß der Chile Komitees.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.16,Mannheim 7.8.1974,S.16

28.08.1974:
In der Nr.35 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 21.8.1974, 4.9.1974) kündigt die KPD die bundesweite Chiledemonstration in Frankfurt (vgl. 14.9.1974) von KBW und GIM, sowie den eigenen revolutionären Block mit CISNU Iran, FRAP Spanien, FILE Italien und EKKE Griechenland an.

Aus Bochum wird berichtet vom Chilekomitee (CK), in dem der KBW vertreten ist.
Q: Rote Fahne Nr.35,Dortmund 28.8.1974

01.09.1974:
Vermutlich Anfang September gibt die SAG die Nr.38/39 ihres 'Klassenkampf' (vgl. Juli 1974, Okt. 1974) heraus, in der sie zur Chile-Woche vom 8. bis 14.9.1974 und zur bundesweiten Demonstration in Frankfurt am 14.9.1974 aufruft.
Bisher sei der Aufruf auch unterschrieben worden von den Chile-Komitees, dem Chile-Aktiv Göttingen, Komitee Europa-Lateinamerika (KELA) Frankfurt, der Föderation lateinamerikanischer Studenten (FOLA), dem MCE Spanien, dem Comite Solidaridad y Lucha Spanien, KBW, GIM, Spartacusbund, SBü, SVI und SAG.
Q: Klassenkampf Nr.38/39,Frankfurt o.J. (1974)

04.09.1974:
Der KBW gibt seine 'KVZ' Nr.18 (vgl. 21.8.1974, 18.9.1974) heraus. Aufgerufen wird zur Chile-Demonstration nach Frankfurt (vgl. 14.9.1974), bekanntgegeben der Fahrplan der drei Sonderzüge.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.18,Mannheim 4.9.1974

07.09.1974:
Laut KBW (vgl. 24.7.1974) soll auf Initiative des Komitees Solidarität mit Chile, eine Chile-Woche vom 7.9. bis 14.9.1974 durchgeführt werden. Ein "Aufruf zur Chile-Solidarität" ist unterzeichnet von den Chile Komitees Aachen, Berlin, Bochum, Bremen, Düsseldorf, Esslingen, Freiburg, Göttingen, Hamburg, Heidelberg, Kiel, Köln, Frankfurt, Saarbrücken, Wolfsburg, vom Chile Aktiv Göttingen, KELA Frankfurt und FOLA München.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.15,Mannheim 24.7.1974,S.16

09.09.1974:
Auf Initiative des Komitees Solidarität mit Chile soll heute, laut KBW, eine bundesweite Chile-Woche bis zum 14.9.1974 beginnen (vgl. 27.7.1974, 11.9.1974).
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.15,Mannheim 24.7.1974,S.16

11.09.1974:
In der bundesweiten Chile-Woche bis zum 14.9.1974 (vgl. 27.7.1974), sollen heute, laut KB, lokale Mobilisierungen erfolgen.
Q: Arbeiterkampf Nr.48,Hamburg Sept. 1974,S.3

13.09.1974:
Der Kommunistische Jugendverband (KJV) der KPD gibt vermutlich Anfang August die Nr.16 seiner 'Kämpfenden Jugend' (KJ - vgl. Aug. 1974, 24.9.1974) heraus. Berichtet wird auch über Chile.
Q: Kämpfende Jugend Nr.16,Dortmund 13.9.1974,S.8

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14.09.1974:
Zum Abschluß der bundesweiten Chile-Woche ab 7.9.1974 findet heute in Frankfurt eine bundesweite Demonstration zum Jahrestags des Putsches statt.

Laut KBW, der schon am 24.7.1974 aufrief, kommen mehr als 25 000 Demonstranten zusammen. Aufgerufen hatten eine Reihe von Chile-Komitees und der KBW.

Die Chile-Komitees organisieren, laut KBW (vgl. 4.9.1974), zur Anfahrt u.a. drei Sonderzüge. Der erste fährt von Freiburg über Emmendingen, Offenburg, Karlsruhe, Bruchsal, Wiesloch, Heidelberg, Mannheim, Weinheim und Darmstadt.
Der zweite fährt von Bremen über Osnabrück, Münster, Hamm, Dortmund, Bochum, Essen, Düsseldorf, Köln, Bonn und Koblenz.
Der dritte fährt von Kiel über Neumünster, Hamburg, Lüneburg, Celle, Hannover, Hildesheim, Kreiensen, Göttingen, Kassel-Wilhelmshöhe, Marburg und Gießen.
Karten gab es über die Chilekomitees oder den KBW.

Die KPD/ML beteiligte sich nicht an der Demonstration. Sie beklagte, "daß der Aufruf der Chile Komitees nicht den Hauptstoß gegen die Unidad Popular und gegen den Revisionismus richtet".
Auch der AB beteiligt sich nicht, da "der Aufruf der Chile Komitees … den Eindruck erwecke, als habe in Chile unter Allende der Aufbau des Sozialismus begonnen".

Der KABD äußerte sich nicht offiziell zur Demonstration, auch der KB lehnte eine Beteiligung ab. Für ihn sei eine zentrale Demonstration falsch. Außerdem richte sich der Aufruf der Chile Komitees an alle Organisationen, also auch an die CDU. Da könne er nicht mitmachen.

"Die Gruppe Rote Fahne (KPD) hat die Aktionseinheit auf Grundlage des Aufrufes abgelehnt. Der Aufruf richte den Hauptstoß nicht gegen den US-Imperialismus."
Trotzdem beteiligte sich die KPD an der Demonstration. "Sie hat aufgerufen nach Frankfurt, aber für einen besonderen, wie sie es nannte, 'revolutionären Block'. Mit diesem Block, etwa 3 000 bis 3 500 Teilnehmern, marschierte sie am Schwanz der Demonstration."

Den Aufruf zur Demonstration unterstützten schließlich: Sozialistisches Büro (SBü), Revolutionärer Kampf (RK) Frankfurt, KBW, MAPU, MIR, CUT und einige trotzkistische Gruppen.

Laut Komitee für Grundrechte und Demokratie bzw. SBü nehmen fast alle linken Gruppen teil, so u.a. KPD, KPD/ML, KB, SBü, Spontis etc. Im Vorfeld dieser Demonstration kam es zu heftigen ideologischen Auseinandersetzungen unter den rivalisierenden maoistischen Gruppierungen. Es ging hauptsächlich um den "Göttinger Aufruf" (vgl.***.1974), der vom KBW und von der GIM in den Komitees vertreten und von der KPD bekämpft wurde. So demonstrierte die KPD mit einer Reihe ausländischer Gruppen in einem sogenannten Revolutionären Block. Auf der Kundgebung sprach ein ????? Allende, der Vorsitzender der MIR war. Er trat anonym auf und wurde von mit Pistolen bewaffneten Mitgliedern des Revolutionären Kampfes (RK) Frankfurt beschützt.

Laut KB kommen ca. 20 000 Menschen zusammen. Aufgerufen hatte der Koordinationausschuß der Chile-Komitees (KBW und GIM). Auf einer Abschlußkundgebung sprechen u.a. Vertreter des MIR und der MAPU.

Laut KPD riefen zur Chiledemonstration in Frankfurt u.a. KBW, GIM, MIR Chile und MAPU Chile auf, man selbst bildet einen eigenen revolutionären Block mit CISNU, Frankfurter ML (FML), ATöF Türkie, FRAP Spanien, FILE, Türkischer Arbeiter- und Bauernpartei (TIIKP), PCE/ML, PC Italien/ML und EKKE. Der KBW sei gemein gewesen, die KPD/ML habe nichts gemacht, die DKP gespalten. Insgesamt zählt die KPD 20 000 Teilnehmer.

Laut SAG (vgl. 1.9.1974) beteiligen sich 30 000, u.a. vom Chilekomitee Frankfurt (vgl. Juli 1974).

Laut KG Bochum (vgl. Okt. 1974) hatten "alle Komitees und Aktionseinheiten aus der BRD" aufgerufen. Aus Bochum wurde in einem gemeinsamen Block angetreten. "Die Genossen der KPD und der Liga gegen den Imperialismus, die in der örtlichen Bochumer Aktionseinheit sehr aktiv mitgearbeitet hatten, bildeten jedoch einen Extra-Block in der Frankfurter Demonstration, zusammen mit mehreren ausländischen Organisationen, der sich deutlich von der eigenen Demonstration der Chile-Komitees absetzte. … Der sogenannte 'revolutionäre Block' der KPD ist damit in der revolutionären Propaganda weit hinter den Block der Bochumer Aktionseinheit auf der Frankfurter Demonstration zurückgefallen."

Auch das Chile-Komitee Saarbrücken unterstützt, laut und mit RFO, die Demonstration.
Aufgerufen wurde auch durch den KOB Göttingen (vgl. 4.9.1974).
Q: Rote Fahne - Röchling,Völklingen Sept. 1974; Rote Fahne - Reden/Maybach,Völklingen 16.8.1974; Rote Fahne Nr.35,36,37 und 38,Dortmund 28.8.1974,4.9.1974,11.9.1974 bzw. 18.9.1974; Klassenkampf Nr.40,Frankfurt Okt. 1974; Komitee für Grundrechte und Demokratie:Tradition heißt nicht, Asche aufheben, sondern die Flamme am Brennen erhalten,Sensbachtal 1985,S.173; Kommunistische Volkszeitung Nr.15, 18 und 21,Mannheim 24.7.1974, 4.9.1974 bzw. 16.10.1974,S.16, S.* bzw. S.14f; Arbeiterkampf Nr.50,Hamburg Okt. 1974,S.4; Bochumer Arbeiterzeitung Nr.7,Bochum 1974,S.13f.; Schulkampf Nr. 5,Göttingen 1974,S.2f

21.09.1974:
Der erste Jahrestag des Sturzes des chilenischen Regierung unter Allende ist auch für die KSG des KABD Anlaß, "zur Solidarität mit dem Kampf des chilenischen Volkes" aufzurufen. In einer später erscheinenden Stellungnahme wird zur Chile-Solidarität herausgearbeitet:"
Schon im September 73 wurde der Fehler gemacht, die Revolution in Chile als 'nationaldemokratische' mit der vietnamesischen gleichzusetzen. … Statt den Hauptstoß gegen die faschistische Junta als dem Instrument der einheimischen Bourgeoisie zu richten und deren Unterstützung durch den US-Imperialismus aufzuzeigen, richten sie nach wie vor den Hauptstoß gegen den US-Imperialismus. Diese ideologischen Unklarheiten und daraus resultierenden politischen Fehler sind Ausdruck der Unterschätzung des ideologischen Kampfes durch die ZL. Sie wirkte sich bei den Aktivitäten zum ersten Jahrestag des Putsches besonders schädlich aus. Für die Auseinandersetzung mit den Linkssektierern und Trotzkisten, die sich in den Chilekomitees durchgesetzt und breiten Einfluß gewonnen hatten, wurde die Organisation nicht richtig ausgerichtet. Der prinzipielle Fehler in deren 'Göttinger Plattform', die Entwicklung in Chile unter Allende als 'Aufbau des Sozialismus' zu bezeichnen, wurde nicht kritisiert. Die falsche Kritik, es fehle die Stoßrichtung gegen den US-Imperialismus, wurde zum Hauptpunkt der Auseinandersetzung gemacht. Entsprechend dieser Anleitung schied eine Ortsgruppe aus einer Aktionseinheit aus, da sie die Stoßrichtung gegen den US-Imperialismus nicht durchsetzen konnte. So konnten die Opportunisten nicht isoliert und keine Erfolge in der Herstellung der Aktionseinheit erzielt werden."
Q: KSG-ZL:Dokumente des 2. Zentralen Delegiertentages der Kommunistischen Studentengruppen,o.O. 1975

02.10.1974:
In der Nr.40 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 25.9.1974, 2.10.1974) berichtet die KPD u.a. von der Inaktivität der KPD/ML zu Chile.
Q: Rote Fahne Nr.40,Dortmund 2.10.1974

07.10.1974:
Die 'Frankfurter Rundschau' (FR) befasst sich, laut RSF des AB (vgl. 9.12.1974) heute aus Chile mit der Ko-Finanzierung des Putsches durch die CDU.
Q: Roter Weg Tod eines Anarchisten und Tod eines Richters – beides nützt der Reaktion,München o. J.,S.12

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09.10.1974:
In der Nr.41 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 2.10.1974, 16.10.1974) berichtet die KPD u.a. aus Chile.
Q: Rote Fahne Nr.41,Dortmund 9.10.1974

16.10.1974:
In der Nr.42 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 9.10.1974, 23.10.1974) berichtet die KPD u.a.:
Auf der Frankfurter Buchmesse wurde eine Resolution gegen einen Stand des südvietnamesischen Thieuregimes unterzeichnet von Auvermannverlag Glashütten, dem Anabasverlag Steinbach, weiteren Verlagen aus Berlin, Frankfurt, München, Köln und dem Ausland, von Frankfurter Journalisten, dem Chile Komitee Frankfurt, später auch vom KBW, gar nicht vom KABD.
Q: Rote Fahne Nr.42,Dortmund 16.10.1974

05.11.1974:
Erstmals erscheint die 'Marxistische Studentenzeitung' (MSZ) als Hochschulzeitung der Arbeitskonferenz für die BRD und Westberlin. Chilespenden für den MIR sollen auf ein Konto der AELA von Sonya Larthe gehen.
Q: Marxistische Studentenzeitung Nr.1,München 5.11.1974

27.11.1974:
In der Nr.48 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 20.11.1974, 4.12.1974) berichtet die KPD u.a. über Chile.
Q: Rote Fahne Nr.48,Dortmund 27.11.1974

05.12.1974:
Es erscheint die 'Marxistische Studentenzeitung' (MSZ - 5.11.1974, 3.2.1975) Nr. 2 als Hochschulzeitung der Arbeitskonferenz für die BRD und Westberlin.
Das Chilekonto der AELA läuft nun über Anne S. Godard.
Q: Marxistische Studentenzeitung Nr.2,München 5.12.1974

Februar 1975:
Die SAG gibt ihren 'Klassenkampf' Nr.44 (vgl. Jan. 1975, März 1975) heraus, in dem u.a. für den von der SAG übersetzten Text von Helios Prieto: "Chile - die Gorillas sind unter uns" geworben wird.
Q: Klassenkampf Nr.44,Frankfurt Feb. 1975

01.02.1975:
Laut SAG findet ein nationales Treffen der Chilekomitees statt.
Q: Klassenkampf Nr.45,Frankfurt März 1975

19.02.1975:
Der Kommunistische Jugendverband (KJV) der KPD gibt die Nr.4 seiner 'Kämpfenden Jugend' (KJ - vgl. 5.2.1975, 5.3.1975) heraus. Aus dem Ausland wird auch berichtet aus Chile.
Q: Kämpfende Jugend Nr.4,Dortmund 19.2.1975,S.6

KJV673


03.03.1975:
Die DKP gibt ihre 'UZ' (vgl. **.*.1975, **.3.1975) heraus.
Enthalten ist der Artikel "Die Hintermänner der neuen Hysteriewelle" von Georg Polikeit:"…
Sie schüren also die Erregung gegen 'anarchistische Gewalttäter' - die Herrschaften, die die brutale Gewalt des USA-Imperialismus in Vietnam jahrelang bejubelt haben, die noch heute die bestialische Gewalt des Faschismus in Chile rechtfertigen. Aber sie meinen damit nicht nur das Ende der Freiheit für Kommunisten und Sozialisten in unserem Land, die sie wider besseres Wissen skrupellos mit den 'Anarchisten' in einen Topf werfen, obwohl keinerlei Gemeinsamkeit besteht. Sie meinen weit mehr: das 'Ende der Liberalität' - das bedeutet nichts anderes als das Ende jeder demokratischen Diskussion überhaupt, das Ende der Freiheit für alle, die anderer Meinung sind als sie."
Q: Unsere Zeit,Düsseldorf 3.3.1975; Der Querträger Nr.2,Bielefeld 11.3.1975,S.4

03.02.1975:
Es erscheint die 'Marxistische Studentenzeitung' (MSZ - 5.12.1974, 2.5.1975) Nr. 2 als Hochschulzeitung der Arbeitskonferenz für die BRD und Westberlin.
Aufgerufen wird zu Chilespenden an die AELA.
Q: Marxistische Studentenzeitung Nr.3,München 3.2.1975

25.03.1975:
Der KB gibt ein Sonderblatt des 'Arbeiterkampf' (AK - vgl. 11.3.1975, 2.4.1975) zu Chile heraus:"
Chile: Trotz brutaler Unterdrückung, Mord und Terror: Der Widerstand lebt und erstarkt". U.a. wird zu einer Veranstaltung in Hamburg (vgl. 4.4.1975) aufgerufen.
Q: Arbeiterkampf Sdr.blatt,Hamburg 25.3.1975

April 1975:
Der MSB Spartakus der DKP berichtet von der Chile Solidarität (vgl. Nov. 1975):"
Bereits im April 1975 dankte das Büro des chilenischen Widerstandes in Rom (in Italien,d.Vf.), Chile Democracio, dem Antiimperialistischen Solidaritätskomitee (ASK) und den mit dem ASK zusammenarbeitenden Komitees und Arbeitskreisen für die wertvolle politische und materielle Hilfe. Es bestätigte den Eingang von über 1 Million DM. Dieser Brief trägt die Unterschrift sämtlicher Parteien des Widerstandes."
Q: Uni aktuell,Kiel o.J. (1975),S.6

04.04.1975:
Laut KB beginnt eine Veranstaltungsreihe der chilenischen MIR in 7 westdeutschen Städten und Westberlin "zur Unterstützung des Kampfes der chilenischen Arbeiter und Bauern und der Bewegung der revolutionären Linken". Sie dauert bis zum 21.4.1975. An ihr nehmen ca. 9 000 Menschen teil, ca. 80 000 DM werden für die MIR gesammelt. U.a. ruft auch der Koordinationsausschuß der westdeutschen Chile-Komitees zu einer Aktionswoche auf und verabschiedete eine Resolution:"
Der KB hatte diese Initiative ausdrücklich begrüßt und die Resolution unterzeichnet."
Die einzelnen Veranstaltungen finden statt in Hamburg (vgl. 4.4.1975), Frankfurt (vgl. 11.4.1975), Göttingen (vgl. 17.4.1975), Berlin (vgl. 18.4.1975), Bremen (vgl. 21.4.1975), Hannover (vgl. 1.4.1975), Bochum (vgl. 1.4.1975) und München (vgl. 20.4.1975).
Q: Arbeiterkampf Nr.60,Hamburg 29.4.1975,S.21

05.04.1975:
Laut SAG soll eine bundesweite Chileaktionswoche beginnen, die bis zum 12.4.1975 dauern soll.
Q: Klassenkampf Nr.45,Frankfurt März 1975

20.04.1975:
Die Frankfurter Marxisten-Leninisten (FML - vgl. 20.4.1975) berichten, unterstützt u.a. von den ML Aachen und den ML Bochum, spätestens von heute aus Portugal:"
DIE NEUEN KREMLZAREN STRECKEN IHRE KLAUEN NACH PORTUGAL AUS!

Bis April 1974 war Portugal einer der hauptsächlichen Stützpunkte für die US-Truppen in Europa. Im Oktober 1973 war es das einzige europäische Land, wo die US-Luftwaffe zwischenlanden (auf den Azoren) und so ihren israelischen Lakaien zu Hilfe kommen konnte, die damals durch die Offensive der arabischen Völker und des palästinensischen Volkes in ernste Schwierigkeiten geraten waren. Solche Positionen, ganz abgesehen von den Möglichkeiten wirtschaftlicher Ausplünderung, wird der USA-Imperialismus niemals freiwillig aufgeben, und dabei wird er auch vor keinem Verbrechen zurückschrecken - Chile hat das ja gezeigt!"
Q: Frankfurter Marxisten-Leninisten:Marxisten-Leninisten zum 1. und 8.Mai 1975,Bochum 1975,S.14

20.04.1975:
Die Frankfurter Marxisten-Leninisten (FML) geben, unterstützt u.a. von den ML Aachen und den ML Bochum, eine Zeitung "Marxisten-Leninisten zum 1. und 8.Mai 1975" heraus. Zu den Positionen von KPD und KPD/ML heißt es u.a.:"
WAS IST DIE HAUPTGEFAHR? SOZIALIMPERIALISMUS - FEIND NR.1 DES DEUTSCHEN VOLKES!

Man muß klar erkennen, daß die Hauptgefahr vom sowjetischen Sozialimperialismus ausgeht. Der Sozialimperialismus ist nicht nur der gefährlichste Feind des deutschen Volkes, das er völlig zu versklaven sucht. Hinter Theorien, wie sie z.B. die ML Duisburg (Dokumente zu Chile vom Oktober 1974 (vgl. Okt. 1974,d.Vf.) oder in der letzten Zeit Genossen der KPD (Rote Fahne) vertreten, daß in der BRD vor allem der USA-Imperialismus und in der DDR der Sozialimperialismus zu bekämpfen sei, steckt die revisionistische Theorie vom 'Gleichgewicht der Kräfte', von 'sicheren Grenzen in Europa', von den 'zwei deutschen Nationen', die politisch der Expansion der Sozialimperialisten in die Hände arbeiten."

Ein weiterer Artikel lautet u.a.:"
ES LEBE DIE DIKTATUR DES PROLETARIATS!

Noch eine andere Wahrheit wird von den Opportunisten und modernen Revisionisten geleugnet und gilt als Trennungsstrich zwischen ihnen und den wirklichen Marxisten-Leninisten: Daß nämlich die Diktatur des Proletariats niemals das Ergebnis einer 'friedlichen Entwicklung' oder einer 'Reformierung' der Diktatur der Bourgeoisie sein kann! Die Theorie vom friedlichen Weg zum Sozialismus hat vor nicht allzu langer Zeit erst ein grausames Blutbad an der Arbeiterklasse und dem Volk von Chile angerichtet.

Es gibt keinen 'friedlichen, parlamentarischen' Weg zum Sozialismus, wie es die Revisionisten propagieren. Die Geschichte hat es mehr als einmal beweisen!

'Die Arbeiterklasse kann die fertige Statsmaschine nicht einfach in Besitz nehmen und für ihre eigenen Zwecke in Bewegung setzen.' (Marx/Engels - Kommunistisches Manifest)"
Q: Frankfurter Marxisten-Leninisten:Marxisten-Leninisten zum 1. und 8.Mai 1975,Bochum 1975

02.06.1975:
Es erscheint die 'Marxistische Studentenzeitung' (MSZ - 2.5.1975, 5.7.1975) Nr. 5 als Hochschulzeitung der Arbeitskonferenz für die BRD und Westberlin.
Aufgerufen wird zu Chilespenden an die AELA.
Q: Marxistische Studentenzeitung Nr.5,München 2.6.1975

12.06.1975:
Der KBW gibt seine 'KVZ' Nr.23 (vgl. 5.6.1975, 19.6.1975) heraus, in der er u.a. berichtet aus Heidelberg von Chilekomitee (CK), Indochinakomitee (ICK) und Komitee Südliches Afrika (KSA).
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.23,Mannheim 12.6.1975

26.06.1975:
Der KBW gibt seine 'KVZ' Nr.25 (vgl. 19.6.1975, 3.7.1975) heraus. Das Chile Komitee Frankfurt habe auf dem Kirchentag Resolutionen in zwei Arbeitsgruppen mit je 1 000 Teilnehmern verabschieden lassen.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.25,Mannheim 26.6.1975

05.07.1975:
Es erscheint die 'Marxistische Studentenzeitung' (MSZ - 2.6.1975, 30.10.1975) Nr. 6 als Hochschulzeitung der Arbeitskonferenz für die BRD und Westberlin. Aufgerufen wird zu Chilespenden an die AELA.
Q: Marxistische Studentenzeitung Nr.6,München 5.7.1975

26.07.1975:
Rundschreiben des Sekretariats der ZL des KABD "Solidarität mit dem kämpfenden Chilenischen Volk!"
Das Rundschreiben verweist darauf, daß das "Ziel von uns Kommunisten anläßlich des 2. Jahrestages des Putsches in Chile sein muß, die Solidarität mit dem Kampf des Chilenischen Volkes herzustellen". Es wird zu Demonstrationen und Kundgebungen auf der Grundlage von Aktionseinheiten aufgerufen.
Q: KABD-ZL-Sek:Rundschreiben,o.O. 26.7.1975

September 1975:
Der KB gibt eine Sonderausgabe des 'Arbeiterkampf' (AK - vgl. 19.8.1975, Sept. 1975) zur "Chile-Solidarität" heraus. U.a. wird auch auf die Chile-Komitees von GIM und KBW eingegangen:"
Obwohl die Chile-Komitees zunächst öffentlich erklärt hatten, eine breite Kampagne zur Freilassung der politischen Gefangenen in Chile durchzuführen zu wollen, haben sie in ihrer Mehrheit schließlich nicht nur nichts zum Gelingen dieser Kampagne beigetragen, sondern in zahlreichen Fällen aktiv (mit den übelsten Methoden) gegen die unabhängig von den Chile-Komitees organisierten Veranstaltungen gearbeitet."
Q: Arbeiterkampf Sdr.Nr. zur Chile-Solidarität,Hamburg Sept. 1975

18.09.1975:
In Essen findet eine bundesweite Chile-Demonstration statt. Von der Kommunistischen Gruppe Bochum (KGB) heißt es dazu und zur vorbereitenden Aktionswoche intern:"
Überörtlich blieb die Initiative zuletzt in den Händen von Spontis und Trotzkisten, und entsprechend chaotisch verlief die zentrale Demonstration".
Q: KGB:Rundbrief,Bochum 1.11.1975

21.09.1975:
Laut KB beginnt in Westeuropa "eine internationale Solidaritätswoche unter der Parole: 'Portugal darf nicht das Chile Europas werden'", die bis zum 27.9.1975 dauert. "Die Initiative dazu war von zahlreichen portugiesischen revolutionären Organisationen sowie ausländischen Organisationen auf einer Massenkundgebung in Lissabon am 13. August ausgegangen." Aus der 'BRD' hatten zunächst der KB, die SAG und der RK Frankfurt daran teilgenommen. "Später kam, nach zum Teil mühsamen und langwierigen Verhandlungen, eine Aktionseinheit zustande, an der außer den genannten auch folgende Organisationen und Gruppen beteiligt waren: Bund Demokratischer Jugend (BDJ), CISNU (Verband iranischer Studenten), GIM (Trotzkisten), Lotta Continua (LC - Italien,d.Vf.), MIR (Chile), Sozialistisches Büro (SB) (SBü,d.Vf.) und Spartacusbund (Trotzkisten) (Spb,d.Vf.). Nicht beteiligt waren insbesondere der KBW und die DKP."

In NRW (vgl. 22.9.1975) berichten der Landesvorstand NRW der LgdI und das RK NRW der KPD.
Q: LgdI-LVorst NRW, KPD-RK NRW:Nicht Breschnew, nicht Ford! Unabhängigkeit für Portugal!,Bochum o.J. (1975),S.3f; Arbeiterkampf Nr.67,Hamburg 2.10.1975,S.5

01.10.1975:
Vermutlich zum heutigen Einberufungstermin erscheint ein Flugblatt des ZK des KJVD der KPD:"
ARBEITER UND SOLDATEN - GEGEN DIE BEIDEN HAUPTKRIEGSTREIBER!

Die USA-Imperialisten haben jahrzehntelang in Indochina Völkermord betrieben! Überall, wo der gerechte Freiheitskampf der unterentwickelt gehaltenen Länder niedergemacht werden soll, wie in Chile, Pakistan, Irak, im Nahen Osten, haben die beiden Supermächte ihre blutigen Finger im Spiel. In Portugal errichten die Agenten des sowjetischen Sozialimperialismus eine brutale Diktatur über das Volk und machen das Land zu einem Stützpunkt der Sowjetunion. Überall wollen die Supermächte die Völker kontrollieren und erpressen, ihre Rohstoffe und Arbeitskräfte ausplündern und sie politisch und militärisch unterjochen. Die nationale Unabhängigkeit der Völker wollen sie mit Waffengewalt verhindern."
Q: KJVD-ZK:Arbeiter und Soldaten - gegen die beiden Hauptkriegstreiber!,Köln o.J. (1975)

02.10.1975:
Der KB gibt seinen 'Arbeiterkampf' (AK) Nr.67 (vgl. 9.9.1975, 21.10.1975) heraus. In "KBW zu Chile - Ganz neue Erkenntnisse." heißt es:"
Sicher ist es zu begrüßen, daß sich der KBW zwei Jahre nach dem faschistischen Putsch mit den Tatsachen vertraut zu machen beginnt. Das Unverschämte daran ist jedoch, daß er nicht nur keinerlei Selbstkritik an seinen früheren Fehleinschätzungen übt, sondern sich sogar noch frech in die Positur desjenigen wirft, der der Solidaritätsbewegung in Westdeutschland Lehren zu erteilen hat. Dies zeigt, daß vom KBW in der Frage einer ehrlichen und sachlichen politischen Auseinandersetzung auch in Zukunft vorerst kein Wandel zum Besseren zu erwarten ist."
Q: Arbeiterkampf Nr.67,Hamburg 2.10.1975

28.10.1975:
Die Botschaft der VR China in Santiago in Chile richtet, laut MSB Spartakus der DKP, folgendes Telegramm an den Chilenischen Außenminister, in dem es u.a. heißt:"
Der Botschafter der Volksrepublik China grüßt in der Republik Chile sehr aufmerksam den ehrenwerten Minister für Auswärtige Beziehungen der Republik Chile und hat die Ehre des Bemühens, einen guten Vorschlag zu haben, eine Übereinkunft abschließen zu können für die Verhandlungen der gemischten Kommission der Repräsentanten der Republik Chile und denen der VR China, um die technischen Details für die Auslieferung ausgewählter Waffen für die Streitkräfte Chiles zu präzisieren."
Q: Uni aktuell,Kiel Juni 1976,S.4

30.10.1975:
Es erscheint die 'Marxistische Studentenzeitung' (MSZ - 5.7.1975, Nov. 1975) Nr.7 als Hochschulzeitung der Arbeitskonferenz der Roten Zellen für die BRD und Westberlin. Eingegangen wird zu Chile, wo an die AELA gespendet werden soll, auf das Sozialistische Büro.
Q: Marxistische Studentenzeitung Nr.7,München 30.10.1975

November 1975:
Der MSB Spartakus der DKP berichtet von der Chile Solidarität (vgl. Apr. 1975):"
Das Auslandskomitee der Einheitszentrale der Werktätigen Chiles, CUT, in Paris (in Frankreich,d.Vf.), sprach in einem Brief an das ASK (Antiimperialistisches Solidaritätskomitee,d.Vf.) im November 1975 seine besondere Anerkennung für die Aktivitäten im Zusammenhang mit der Kampagne 'Ein Schiff zu Weihnachten für Chiles Kinder' (vgl. 22.9.1975,d.Vf.) aus und bedankte sich für eine erste Spende von 30 000 DM. Die CUT spricht die Bitte aus, diese Kampagne bis zum Ende des Jahres weiterzuführen, um demnächst eine zweite Sendung verschiffen zu können. Sie ruft alle Demokraten auf, die Solidarität mit dem Chilenischen Volk weiter zu verstärken."
Q: Uni aktuell,Kiel o.J. (1975),S.7

06.01.1976:
Die KPD gibt ihren 'Roten Fahne Pressedienst' (RFPD) Nr.1 (vgl. 23.12.1975, 13.1.1976) heraus. Auslandsmeldungen behandeln u.a. die Beziehungen zwischen der DDR und Chile.
Q: Rote Fahne Pressedienst Nr.1,Köln 6.1.1976

27.01.1976:
Die KPD gibt die Nr.4 ihres 'Rote Fahne Pressedienstes' (RFPD - vgl. 20.1.1976, 3.2.1976) heraus. Auslandsmeldungen behandeln u.a. Chile.
Q: Rote Fahne Pressedienst Nr.4,Köln 27.1.1976

24.03.1976">24.03.1976:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr.12 (vgl. 17.3.1976, 31.3.1976) heraus. Eingegangen wird auf den Einsatz der SU für Chile.
Q: Rote Fahne Nr.12,Köln 24.3.1976

25.04.1976:
Es erscheint die 'Marxistische Studentenzeitung' (MSZ - Jan. 1976, 5.6.1976) Nr.10 als Hochschulzeitung der Arbeitskonferenz für die BRD und Westberlin. Aus Chile wird berichtet über die Wirtschaftspolitik und aufgerufen zu Spenden an die AELA.
Q: Marxistische Studentenzeitung Nr.10,München 25.4.1976

06.09.1976:
Der KB gibt seinen 'Arbeiterkampf' (AK) Nr.88 (vgl. 23.8.1976, 20.9.1976) heraus. Im Artikel "Chile-Solidarität; KBW sucht sein zweites Angola" heißt es:"
Kaum hat sich der KBW mit seinen konterrevolutionären Standpunkten und putschistischen Praktiken zu Angola weitgehend aus der Afrika-Solidarität hinausmanövriert, versucht er nun mit der Chile-Solidarität ein Gleiches … Aus dem 'Chile Monitor' geht im übrigen hervor, daß auch in der Chile-Solidarität sich eine ähnliche putschistische Entwicklung des KBW anbahnt wie in verschiedenen Afrika-Komitees. Mit derselben, jetzt rational überhaupt nicht mehr zu erklärenden Blödheit, hat man dem KBW offenbar wieder wesentliche Schlüsselstellungen in der Komitee-Koordination überlassen … Inzwischen scheint in manchen örtlichen Chile-Komitees die Auseinandersetzung zwischen den KBWlern und anderen Komitee-Mitgliedern voll entbrannt zu sein."
Q: Arbeiterkampf Nr.88,Hamburg 6.9.1976

08.09.1976:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr.36 (vgl. 1.9.1976, 15.9.1976) heraus. Auslandsmeldungen behandeln u.a. die RKP Chile.
Q: Rote Fahne Nr.36,Köln 8.9.1976

04.10.1976:
Der KB gibt seinen 'Arbeiterkampf' (AK) Nr.90 (vgl. 20.9.1976, 18.10.1976) heraus. Der Artikel "KBW: Wo gehobelt wird, fallen Späne!" beschäftigt sich u.a. mit der Funktionserhebung der 'KVZ' Redakteure B.B., W.M. und E.R. und deren Vorgeschichte. Der KB formuliert u.a.:"
Hinter dem 'Kampf zweier Linien' im KBW stecken unserer bisherigen Einschätzung nach vor allem zwei Hauptpunkte:

1. Der Versuch, einer bisher insgesamt eher kleinbürgerlich-liberalen, rechtsopportunistischen Organisation einen 'ML'-Kurs aufzuzwingen - beispielsweise die konterrevolutionären, nur durch krasse Geschichtsfälschung abgestützten Thesen des KBW zu Angola; der Kurs der Anbiederung an die KPD/ML und die schmierersche These von der marxistisch-leninistischen Bewegung (bestehend aus KBW, KABD, KPD und KPD/ML); inzwischen auch die Durchsetzung bestimmter konterrevolutionärer Positionen zu Chile (Kampf gegen die Forderung nach Boykott der Junta etc.)."
Q: Arbeiterkampf Nr.90,Hamburg 4.10.1976

29.11.1976:
Die DKP beginnt, laut KPD, vermutlich in dieser Woche mit einer Chilekampagne für Luis Corvalan.
Q: Rote Fahne Nr.49,Köln 8.12.1976

22.12.1976:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF) 51/52 (vgl. 15.12.1976, 5.1.1977) heraus. Auslandsmeldungen behandeln u.a. das Verhältnis zwischen Chile und der SU.
Q: Rote Fahne Nr.51/52,Köln 22.12.1976

12.01.1977:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr.2 (vgl. 5.1.1977, 19.1.1977) heraus, in der u.a. berichtet wird über Luis Corvalan von der KP Chile.
Q: Rote Fahne Nr.48,Köln 1.12.1976

17.01.1977:
Laut KB beginnen in der 'BRD' und Westberlin Nahostveranstaltungen des KB zunächst in Berlin (vgl. dort). Sie dauern bis zum 28. Januar. Die Veranstaltungen standen unter dem Motto 'Solidarität mit dem antiimperialistischen und antifaschistischen Kampf der arabischen Massen'. Auf allen Veranstaltungen sprachen jeweils Vertreter von:
- PFLP Palästina,
- CISNU Iran,
- FPOLISARIO Sahara.
Ca. 3 500 Menschen nahmen an den Veranstaltungen teil.
U.a. wurden die Veranstaltungen von folgenden Organisationen unterstützt:
- Vereinigung internationaler Kulturaustausch (VIK),
- MIR Chile,
- Äthiopische Studentenunion (ÄSU),
- Eritreische Studenten (EFLE),
- Iranischer Studentenverein (ISV),
- Sozialistische Hochschulorganisation (SHO),
- Kulturverein der Türkei,
- GIM,
- Amilcar Cabral Gesellschaft (ACG),
- Generalunion arabischer Studenten (GUAS).

Innerhalb des linken Lagers in der BRD und Westberlin kommt es bezüglich dieser Veranstaltungen in Berlin (vgl. 17.1.1977), Frankfurt (vgl. 18.1.1977), Darmstadt (vgl. 19.1.1977), Göttingen (vgl. 20.1.1977), Köln (vgl. 21.1.1977), Bochum (vgl. 22.1.1977), Bielefeld (vgl. 24.1.1977), Münster (vgl. 25.1.1977), Bremen (vgl. 26.1.1977), Kiel (vgl. 27.1.1977) und Hamburg (vgl. 28.1.1977) zu wesentlichen Differenzen.
Q: Arbeiterkampf Nr.98,Hamburg 7.2.1977,S.46

29.01.1977:
Laut KB findet in Straßburg eine Veranstaltung zur aktuellen Situation in Spanien im Rahmen des 10. Kongresses der französischen PSU statt. Auf der Veranstaltung wird eine Erklärung - eingebracht vom KB – verabschiedet. Neben dem KB, unterzeichnen die Erklärung auch aus Chile MIR und MAPU.
Q: Arbeiterkampf Nr.99,Hamburg 21.2.1977,S.31

05.02.1977:
Auf dem 3.ordentlichen Parteitag der KPD/ML sind, laut KB, auch Vertreter der Parteien anwesend, die sich um die Schaffung einer albanien-orientierten Internationalen (vgl. 30.1.1977, 14.3.1977) bemühen. Eine Grußbotschaft übermittelt auch die Delegation der Revolutionären Kommunistischen Partei Chiles (RKP).
Q: Arbeiterkampf Nr.104,Hamburg 16.5.1977,S.58; KPD/ML-ZK:Dokumente der öffentlichen Abschlußveranstaltung des III. ordentlichen Parteitages der KPD/ML am 5.Februar 1977,Dortmund 1977,S.1ff

05.04.1977:
In Frankfurt findet, laut SpB, eine bundesweite Iran-Demonstration gegen die Zusammenarbeit zwischen Verfassungsschutz und SAVAK mit 800 bis 1 000 Personen statt, an der man sich selbst mit regionaler Mobilisierung beteiligte. Auf einer Veranstaltung der CISNU seien dann Grußadressen u.a. vom KB, dem MIR Chile und einem selber verlesen worden.
Q: Spartacus Nr.36,Essen 25.4.1977

25.04.1977:
In Frankfurt beginnt, laut KPD/ML, der 17.Kongreß der CISNU, der bis zum 29.4.1977 dauert und auf dem auch anwesend sind die PCE/ML Spanien, KEN/ML Niederlande, PCP (R) Portugal, KP Argentinien/ML, KP Brasilien, RKP Chile, KP Griechenland/ML, die PLO Palästina und die KPD/ML.
Q: Roter Morgen Nr.18,Dortmund 6.5.1977

16.05.1977:
Der KB gibt seinen 'Arbeiterkampf' (AK) Nr.104 (vgl. 29.4.1977, 31.5.1977) heraus.
Der Artikel "ML-Internationale: Ein totgeborenes Kind!" folgert u.a.:"
Nach dem 7. Parteitag der PdAA hat sich ein fester Block von europäischen ML-Parteien herausgebildet, die sich immer klarer von der chinesischen Außenpolitik abgrenzen und die sehr bestrebt sind, als Vorform einer neuen Internationale möglichst häufig öffentlich in Erscheinung zu treten. … Das ständige Ensemble dieser internationalen Wanderbühne besteht vor allem aus den Parteivorsitzenden der folgenden Organisationen:
- Die KPD/ML, 1969 gegründet.
- Die portugiesische PCP (r), 1975 gegründet,
- Die italienische PCD'I (ml), 1966 gegründet.
- Die spanische PCE (ml).
- Die griechische KKE (ML), im November 1976 aus der OMLE entstanden.
- Ferner einige lateinamerikanische ML-Parteien, nämlich die KP Argentiniens (ML), die Revolutionäre Kommunistische Partei Chiles, und die KP Brasiliens, die bei keiner der bisherigen internationalen Großkundgebungen gefehlt haben".
Q: Arbeiterkampf Nr.104,Hamburg 16.5.1977

Juni 1978:
Nach eigenen Angaben versucht das Leitende Gremium (LG) des KB eine "Einleitung der Krisendebatte" im KB in Gang zu setzen. Über den weiteren Verlauf heißt es:"
In dieser zweiten Phase der Krisendebatte verschob sich gewissermaßen der Schwerpunkt der Diskussion: hauptsächlich diskutiert wurden jetzt die Ursachen und Bedingungen der Krise, herausgearbeitet worden ist die Unterscheidung zwischen objektiven Faktoren für die Krise - objektiv in der Hinsicht, daß sie für uns kaum oder gar nicht beeinflußbar sind oder werden können - und zum anderen der Aufdeckung tatsächlicher Mängel und Fehler in der Organisation. Hinsichtlich der objektiven Faktoren ist hauptsächlich folgendes genannt worden … das politische Abdriften Chinas, insbesondere nach dem Rechtsputsch Huas, und die Verschüttung aller mit dem chinesischen Beispiel verbundenen revolutionären Hoffnungen; die Enttäuschung revolutionärer Hoffnungen durch das Abschwenken Vietnams auf einen opportunistischen oder gar revisionistischen Kurs …, weiter die Konterrevolution in Chile und die vergebliche Hoffnung auf den revolutionären Gegenschlag …, die Erstickung des revolutionären Prozesses in Portugal, die Anlehnung Angolas und anderer fortschrittlicher Staaten an die Sowjetunion … Schließlich wurde auch der Ausbau der innerpolitischen* Repression genannt, das Gefühl der Machtlosigkeit gegenüber dem Staatsapparat".
Q: Unser Weg Nr.26,Hamburg März 1979

07.07.1978:
China stellt, laut KB, jede Hilfe für Albanien ein. Die KPD/ML berichtet:"
ALBANIEN LÄSST SICH NICHT ERPRESSEN

Und während die chinesische Regierung Albanien jede Hilfe verweigert, unterstützt sie solche Mörder und Faschisten wie den Schah von Persien (Iran,d.Vf.), Pinochet in Chile und Mobuto von Zaire und schickt ihnen Geld, Waffen und sogar militärische Berater."

Diesen Text verbreitet die KPD/ML u.a. in NRW in Dortmund bei Hoesch (IGM-Bereich - vgl. 9.8.1978).
Q: Stählerne Faust,Dortmund 9.8.1978,S.1ff; Arbeiterkampf Nr.134,Hamburg 24.7.1978,S.1

11.06.1979:
Der KB gibt seinen 'Arbeiterkampf' (AK) Nr.155 (vgl. 28.5.1979, 25.6.1979) heraus. U.a. haben sich dem Bündnis Rock gegen Rechts angeschlossen alle Rote Hilfen, MIR Chile und die Antifa-Kommission des KB und das Komitee zur Unterstützung der politischen Gefangenen in Chile/Frankfurt.
Q: Arbeiterkampf Nr.155,Hamburg 11.6.1979

04.01.1980:
Nach einem Bericht des KB beginnt sein 1. Kongreß, der bis zum 6.1.1980 dauert. U.a. nimmt am Kongreß teil aus Chile: MIR.
Q: Unser Weg Nr.32,Hamburg 1980; Arbeiterkampf Nr.169,Hamburg 14.1.1980,S.46ff

April 1980:
Von den Organisationen GDS, ATIF, ATÖF (Türkei,d.Vf.), Frente del Pueblo-Chile im Ausland, GUAFS (Afghanistan,d.Vf.), Lateinamerika-Initiative (LI) Frankfurt, Partizan, WBK und Fight back wird eine 1. Mai Zeitung herausgegeben:" Es lebe der Revolutionäre 1. Mai."
Q: GDS:Verzeichnis der Veröffentlichungen von GDS 1974-1983 und der gemeinsamen Schriften,Frankfurt 1984,S.45

September 1980:
Die Nr.5 der 'Internationalen Informationen' (vgl. Juli 1980, Dez. 1980) erscheint. Sie werden von den Redaktionen von 'Rote Fahne' (RF der MLPÖ), 'GDS' und 'WBK' in Berlin herausgegeben. Die Nr.5 hat zum Inhalt: "Informationen zu Chile, Iran und Neuseeland."
Q: GDS:Verzeichnis der Veröffentlichungen von GDS 1974-1983,Frankfurt 1984,S.58

Oktober 1980:
Im Herbst 1980 verabschieden 13 ML-Organisationen aus der ganzen Welt eine gemeinsame Plattform. Ausgehend von der zersplitterten ml-Weltbewegung, wird der Versuch unternommen, eine Bewegung zur Vereinheitlichung der Marxisten-Leninisten in Gang zu setzen.

U.a. ist diese Plattform unterzeichnet von:
- Ceylon Communist Party,
- Groupe Marxiste-Leniniste du Senegal,
- Grupo para la Defensa del Marxismo-Leninismo (Spanien),
- Mao Tsetung-Kresden (Dänemark),
- Marxist-Leninist Collective (Großbritannien)
- Organizzazione Communista Proletaria Marxista-Leninista (OCPML Italien),
- Partido Communista Revolucionario de Chile (RKP),
- Pour l'Internationale Proletarienne (Franckreich),
- Reorganization Committee, Communist Party of India (Marxist-Leninist) (CPI/ML Indien),
- Revolutionary Communist Party (RCP USA),
- Union Comunista Revolucionaria (Dominikanische Republik).

Diese Plattform wird von keiner westdeutschen Organisation unterzeichnet.
Q: KGB/E:Zur internationale Lage,Bochum 1980,S.1ff

Juni 1981:
'Gegen die Strömung' Nr.23 erscheint. Die Ausgabe hat zum Inhalt eine gemeinsame Stellungnahme der Redaktionen von 'RF' der MLPÖ, 'GDS' und 'WBK':"
Offene Debatte oder Vertuschung der Widersprüche. Offener Brief der Marxistisch-Leninistischen Partei Österreichs, des Westberliner Kommunist und von Gegen die Strömung an die RKP Chiles und 12 Organisationen zum 'Gemeinsamen Kommunique' der 13 Organisationen und Parteien vom Herbst 1980. Supermachtstheorie und Mao Tsetung-Ideen contra Leninismus."
Q: GDS:Verzeichnis der Veröffentlichungen von GDS 1974-1983 und der gemeinsamen Schriften,Frankfurt 1984,S.22 und 56

Letzte Änderungen: 7.11.2010

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