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„Graue Wölfe“ / MHP

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin

Es geht hier um die Ülkücü (Idealisten)-Bewegung, deren ideologische Orientierung laut Verfassungsschutz NRW auf einem übersteigerten Nationalbewusstsein fußt, das die türkische Nation sowohl politisch-territorial als auch ethnisch-kulturell als höchsten Wert ansieht. Symbol der Bewegung ist der "Graue Wolf", deswegen sind die Anhänger der Bewegung auch als "Graue Wölfe" bekannt. Ihre Ideologie lebt wesentlich von Feindbildern. Ihre Feinde sind vor allem: die türkische und kurdische Linke, außerdem Juden, Zionisten, Freimaurer, der Vatikan, Kommunisten, Griechen, Armenier, Perser und die USA.

Demonstration in Dortmund gegen eine Kundgebung der türkischen Faschisten in der Westfalenhalle (Oktober 1978)
Demo in Dortmund gegen eine Kundgebung türkischer Faschisten in der Westfalenhalle (Okt. 1978)

Von deutschsprachigen Linken werden sie in der Regel als "Faschisten" und "Terroristen" bezeichnet. In der Bundesrepublik Deutschland treten sie vermutlich u.a. bei der Tötung von Neset Danis in Norderstedt in Erscheinung.

Ende der 1970er Jahre gibt es auch in der Bundesrepublik zahlreiche Proteste gegen die 1969 in der Türkei gegründete MHP (Partei der Nationalistischen Bewegung, türk.: Milliyetçi Hareket Partisi), die sich in der Bundesrepublik verankerte (vgl. 3.3.1976), wie hier aus Darmstadt (vgl. 9.1.1977) belegt. In der Türkei richtete die MHP "ein Blutbad an" (vgl. 1.5.1977). In der Bundesrepublik Deutschland aber werden nicht etwa die türkischen Faschisten verfolgt, sondern oft deren Gegner (vgl. 9.6.1977), selbst die Metallgewerkschaft bei Opel Bochum arbeitet mit Grauen Wölfen zusammen, anstatt kompromisslos gegen sie aufzutreten (vgl. Dez. 1977).

In verschiedenen bundesdeutschen Städten gibt es zum Ende der 1970er Jahre Initiativen gegen die Grauen Wölfe, u.a. in Hamburg (vgl. 30.5.1980) und Frankfurt (vgl. 11.6.1979, 22.8.1980), wo es auch Demonstrationen (vgl. 8.12.1979, 27.9.1980) und eine Veranstaltung (vgl. 25.4.1980) gegen sie gibt. Das bereits damals in Westberlin geforderte Verbot der Grauen Wölfe (vgl. 6.7.1979) läßt immer noch auf sich warten. Zumindest aus der RGO aber wurde ein Grauer Wolf ausgeschlossen (vgl. Juli 1979), und auch in Hamburg wird gegen die Faschisten demonstriert (vgl. 17.5.1980), die sich auch in Kiel mit Terrortaten hervortun (vgl. 16.8.1980).

Nach einer größeren Lücke in dieser wie immer unvollständigen Darstellung haben die Grauen Wölfe ihre Tätigkeit keineswegs eingestellt, sondern treten weiter - oft unter behördlichem Wegsehen - gewalttätig auf, u.a. in Memmingen (vgl. 18.4.1997), ereifern sich vor allem über die kurdische PKK (vgl. 27.11.2000).



Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

03.03.1976:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr.9 (vgl. 3.3.1976, 10.3.1976) heraus.
Eingegangen wird auch auf die türkischen Faschisten von der MHP und ihre Grauen Wölfe, die in Berlin und in der 'BRD' u.a. in NRW an der Uni Köln, in Niedersachsen in Hannover, in Hessen in Hanau, in Rheinland-Pfalz in Ludwigshafen, in Baden-Württemberg in Stuttgart, und in Bayern in Alzenau und München tätig sind.
=Rote Fahne Nr.9,Köln 3.3.1976

09.01.1977:
Laut KB findet in Darmstadt "anläßlich des Besuchs des Europa-Führers der türkisch-faschistischen MHP, Enver Altayli, eine Protestkundgebung" statt. Sie stand unter den Parolen: Verbot der türkischen Faschisten MHP und ihrer Tarnorganisation in der BRD!, Schluß mit der Unterstützung der Faschisten durch die BRD Regierung, Nieder mit der faschistischen MC-Regierung, Tod dem Faschismus.
Ca. 200 Menschen beteiligen sich an der Demonstration, zu der u.a. aufgerufen hatten:
- Türkischer Arbeiterverein e.V. (Darmstadt),
- Verein der Studenten aus der Türkei (Darmstadt),
- Iranischer Studentenverein (ISV),
- Generalunion Arabischer Studenten (GUAS),
- Ausländerausschuß der THD,
- ESG,
- AStA der THD,
- KPD/ML,
- KBW,
- KB.
=Arbeiterkampf Nr.97,Hamburg 24.1.1977,S.23

01.05.1977:
Die KPD/ML bei Opel Bochum (IGM-Bereich - vgl. Dez. 1977) berichtet aus der Türkei über die Grauen Wölfe bzw. die MHP:"
Am 1.Mai dieses Jahres war es diese faschistische Terrorbande, die in Istanbul unter den 400 000 Arbeitern, die sich dort zu einer Kundgebung versammelt hatten, ein Blutbad anrichtete. 38 Tote und 300 Verwundete wurden Opfer dieses barbarischen Gemetzels."
=Zündkerze Nr.7,Bochum Dez. 1977,S.6

09.06.1977:
Vermutlich frühestens heute erscheint das von der Ortsleitung (OL) Dortmund der KPD herausgegebene folgende Flugblatt mit zwei Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von M. Brentzel, Dortmund, Münsterstr.95:"
6 TÜRKISCHE PATRIOTEN VERHAFTET!
SOFORTIGE FREILASSUNG!

In einer lange vorbereiteten Nacht und Nebelaktion verhaftete die politische Polizei (K14,d.Vf.) am Mittwoch, den 8.Juni, 6 türkische Patrioten, darunter 5 Arbeiter und ein Student. Bei der Festnahme wurden die Wohnungen bis in den letzten Winkel durchsucht, zwei der Arbeiter wurden sogar vom Arbeitsplatz weg verhaftet. Vorgeworfen wird den Patrioten: 'Landfriedensbruch, Körperverletzung, Sachbeschädigung, Schußwaffengebrauch.' Diese Anklagepunkte sind vollständig aus der Luft gegriffen. Der Grund für die Verhaftung der Patrioten ist, daß sie als Demokraten bekannt sind und sich nicht nur den Haß der türkischen faschistischen Partei (Graue Wölfe) zugezogen haben, sondern auch der sozialfaschistischen türkischen 'Kommunistischen' Partei, die die Politik der sozialfaschistischen Sowjetunion (SU,d.Vf.) vertritt.

DIE AUSLÄNDISCHEN ARBEITER SIND IN DER BRD FASCHISTISCHER UNTERDRÜCKUNG AUSGESETZT!

Die Haftbefehle gegen die 6 türkischen Patrioten waren schon am 13.5. ausgestellt worden, keiner der Verhafteten war jedoch davon in Kenntnis gesetzt worden. Nach der Verhaftung brauchten türkische Freunde mehrere Tage, um überhaupt Gewißheit über das Schicksal ihrer Freunde und Kollegen zu erlangen. Die Namen der Verhafteten sind: Cengiz Han Ülker, Mehmet Ali Misirli, Hüseyin Kutucuoglu, Süleyman Cetinkaya, Ibrahim Dogan und Mahmut Cakir. Dieses Vorgehen der Staatsanwaltschaft und der politischen Polizei kann nicht anders als faschistisch bezeichnet werden!

Ständig unter der Drohung, abgeschoben zu werden, dürfen sich die ausländischen Kollegen bei niedrigsten Löhnen vom westdeutschen Monopolkapital schinden lassen. Die minimalsten Rechte werden ihnen jedoch verweigert. Beginnen sie sich zu organisieren und politischen Widerstand zu leisten, sind sie sofort der massivsten Einschüchterung, Bespitzelung und Verfolgung ausgesetzt. Gleichzeitig wird jedoch von der Bundesregierung das Treiben faschistischer Banden wie der 'Grauen Wölfe' geduldet, Staatsanwaltschaft und politische Polizei arbeiten z.T. schon ganz offen mit diesen Kräften zusammen. Inzwischen ist es kein Geheimnis, daß der türkische Geheimdienst (MIT,d.Vf.) von den türkischen Konsulaten in der BRD aus operiert.

Zu Beginn dieses Jahres (vgl. S1.*.1977,d.Vf.) überfiel in Dortmund eine Bande 'Graue Wölfe' eine Versammlung von demokratischen und patriotischen türkischen Arbeitern. Für die deutsche Polizei war das nur eine Gelegenheit, eine Reihe der Demokraten und Patrioten zu verhaften.

Der Sozialdemokratie ist es gründlich mißlungen, sich als den sozialen Nöten der ausländischen Arbeiter aufgeschlossene Partei aufzuführen. Denn gerade unter der SPD-Regierung sind die faschistischen Ausländergesetze durchgepeitscht worden. Die ausländischen Arbeiter können in die sozialdemokratische Regierung genausowenig Vertrauen haben wie ihre deutschen Klassenbrüder.

WESTDEUTSCHE KLASSENJUSTIZ MACHT MIT MOSKAUS HANDLANGERN GEMEINSAME SACHE!

In dieser Situation sehen die prosowjetischen und revisionistischen Kräfte der 'Kommunistischen Partei der Türkei' (TKP) und die von Breschnew und Honecker (DDR,d.Vf.) ausgehaltene DKP ihre große Chance. Sie versuchen 'Arbeitervereine' auf die Beine zu bringen und preisen sich demagogisch als Interessenvertreter der türkischen Arbeiter an. Außerdem versuchen sie die türkischen Arbeiter mit Entspannungsphrasen, Marke Moskau, einzuseifen. Denn die Unabhängigkeit der Türkei ist heute ernstlich von den beiden Supermächten, besonders dem sowjetischen Sozialimperialismus bedroht. Der Kampf für eine unabhängige und demokratische Türkei gewinnt daher unter der türkischen Arbeiterklasse und den Bauern zusehends an Unterstützung.

Die Türkei ist vor allem für die neuen Zaren heute ein begehrtes Objekt. Versperrt ihnen dieses Land, besonders mit seinen Hoheitsrechten über die Dardanellen (Meeresenge zwischen Schwarzem Meer und Mittelmeer) doch den Auslauf seiner Kriegsflotte aus dem Schwarzen Meer. Die russischen Sozialimperialisten mischen sich deshalb in der letzten Zeit immer offener und unverschämter in die inneren Belange der Türkei ein. Die wichtigste Stütze ist ihnen dabei die revisionistische 'Kommunistische' Partei. Sie bildet ebenso wie die faschistischen 'Grauen Wölfe' bewaffnete Banden. Sie unterscheiden sich von diesen nur dadurch, daß sie ihre Verbrechen im Namen des 'Kommunismus' begehen. So sind sie mit für das Flugblatt verantwortlich, das die herrschende militärfaschistische Clique auf der 1.Mai Kundgebung in Istanbul (vgl. S2.*.1977,d.Vf.) anrichtete. 50 Arbeiter wurden bei diesem Massaker getötet und über 200 schwer verletzt. Die revisionistische 'kommunistische' Partei unterstütze dieses Massaker voll und ganz. Schon vor dem 1.Mai redete sie laut davon, daß sie die 'Maoisten zerschlagen würde' und das 'Blut der Maoisten' trinken wollten. Diese sozialfaschistischen Elemente arbeiten auch hier in der BRD offen mit der politischen Polizei zusammen. Es ist ihnen sogar schon gelungen, die Berichterstattung der Dortmunder Lokalpresse mit ihren Hetztiraden gegen die 'Maoisten' zu füllen. So berichteten WAZ und WR im April von einem türkischen Kulturfest im Reinoldinum (S2*. Apr. 1977,d.Vf.), bei dem ein Schuß gefallen sein soll. Dieses Fest war von den moskauhörigen Kräften organisiert worden. Demokratische und patriotische Türken wurden erst gar nicht hineingelassen. Als einige fortschrittliche Arbeiter vor dem Eingang die Zeitung der demokratischen Arbeitervereine in der BRD verkaufen wollten, starteten die Sozialfaschisten einen brutalen Überfall. Dabei wurden auch Unbeteiligte verwickelt. Als ein Schuß die Scheibe durchschlug, war die deutsche Polizei da, die dann nichts anderes zu tun hatte als die Denunziationen der türkischen Sozialfaschisten entgegenzunehmen.

Mit diesen Anzeigen werden heute die Verhaftungen der 6 Patrioten begründet. Einer von ihnen war überhaupt nur am Reinoldinum. Die anderen haben die Sozialfaschisten und die Staatsanwaltschaft frei erfunden. Zunächst waren noch mehr angegeben, diese waren jedoch zu diesem Zeitpunkt gar nicht in Deutschland, sondern in der Türkei. Als sie das feststellten, fabrizierten sie neue Anschuldigungen.

Bei der bekannten 'demokratischen' Einstellung der Dortmunder Staatsanwaltschaft, die bekannterweise der Polizei und Faschisten mehr Gehör schenkt als Demokraten, verwundert es nicht, wenn die Handlanger Breschnews gleich mit Haftbefehlen gedankt wurde.

Gegen diesen ungeheuerlichen faschistischen Willkürakt müssen sich deutsche und ausländische Arbeiter zusammenschließen!

DEUTSCHE UND AUSLÄNDISCHE ARBEITER - EINE KAMPFFRONT!
SOFORTIGE FREILASSUNG DER 6 VERHAFTETEN PATRIOTEN!
NIEDER MIT DEM MODERNEN REVISIONISMUS, DEM SCHLIMMSTEN FEIND IN DER ARBEITERBEWEGUNG!
ES LEBE DER PROLETARISCHE INTERNATIONALISMUS!"
=KPD-OL Dortmund:6 türkische Patrioten verhaftet! Sofortige Freilassung!,Dortmund, o.J. (Juni 1977)

Dezember 1977:
Die Nr.7 der 'Zündkerze' - Betriebszeitung der KPD/ML für Opel-Bochum (vgl. 21.6.1976, 7.5.1984) erscheint. In einem Artikel heißt es:"
TÜRKISCHER FASCHIST IM BETRIEBSRAT
EIN SPRICHWORT...

'Sage mir, wer deine Freunde sind, und ich sage dir, wer du bist' so lautet ein deutsches Sprichwort. M. Thomas, Löffelmeier, Perschke wie auch Flakschin und Wirtz, allesamt Funktionäre der IGM in der Vertrauenskörperleitung, im Betriebsrat bzw. in der Ortsverwaltung kennen es sicherlich auch. Und doch haben sie einen gemeinsamen Freund, fühlen sich zumindest mit ihm sehr verbunden, wo jeder aufrechte Kollege sagen würde: 'Mit dem will ich nichts zu tun haben.'

Ihr Freund heißt Muza Gücer - Mitglied der IGM, türkischer Dolmetscher des Betriebsrats, seit neuestem Delegierter in der Vertreterversammlung.

Muza Gücer ist Faschist. Er unterstützt die türkische faschistische Terrorbande 'Graue Wölfe'. Auf ihr Konto gehen zig Morde, brutale Überfälle und die Terrorisierung türkischer Kollegen. Sein Vorbild wie das seiner faschistischen Bande ist Hitler. So eifert er ihm auch nach, stolziert wie ein KZ-Aufseher in den Wohnheimen herum, trägt frech das Abzeichen der Grauen Wölfe zur Schau. Wenn er kommt, verstummt so manches Gespräch, eine Atmosphäre wie im Faschismus macht sich breit, denn die türkischen Kollegen wissen: Die Grauen Wölfe bleiben nicht bei Drohungen.

Neset Danis, fortschrittlicher Arbeiter in Hamburg, wurde mit dem Ruf 'Wer Allah liebt, tötet die Kommunisten' erschlagen (in Norderstedt - vgl. 5.5.1974,d.Vf.), in Hilden ein türkischer Arbeiter erstochen (vgl. S5.**.197*,d.Vf.) Unzählige Terrorüberfälle wurden von dieser Organisation verübt, die mit ihrer Partei, der MHP - Partei der nationalistischen Bewegung, die auch in Bochum, Dorstener Straße 8 jetzt ein Büro unterhält - danach strebt, 'einen nationalen Staat zu gründen, der für ein paar Haare eines Türken die ganze Welt opfern wird'. Am 1.Mai dieses Jahres war es diese faschistische Terrorbande, die in Istanbul unter den 400 000 Arbeitern, die sich dort zu einer Kundgebung versammelt hatten, ein Blutbad anrichtete. 38 Tote und 300 Verwundete wurden Opfer dieses barbarischen Gemetzels.

Sollten diese Tatsachen der IGM und ihren Funktionären bei Opel etwa nicht bekannt sein? Kennen sie, die doch sonst an alle Flugblätter herankommen, ausgerechnet nicht das Flugblatt, wo diese Terrorbande mit ihrem Wolfsemblem versehen ihre faschistische Ideologie verbreitet? - Das ist unvorstellbar. Vielmehr ist es so, daß die IG Metall und ihre Spitzenfunktionäre bei Opel sehr wohl Bescheid wissen, was es mit Muza Gücer auf sich hat.

Denn bereits vor ca. einem Jahr wurde Perschke, wie Wirtz und Flakschin von der IGM-Ortsverwaltung erklärten, von der Zentrale der IGM in Frankfurt orientiert. Perschke bestreitet das. Doch was solls. Es spielt keine Rolle, wer hier die Unwahrheit sagt. Tatsache ist: Seit Monaten wissen es mit Perschke und der Ortsverwaltung Bochum auch alle führenden IGM-Funktionäre bei Opel. Doch geschehen ist nichts. Muza Gücer konnte weiter seinen finsteren Machenschaften nachgehen.

Und wer erwartet hätte, daß dann die IGM-Zentrale in Frankfurt eingreift und gegen Muza Gücer und die FunktionÄre, die mit ihm zusammenarbeiten, Maßnahmen ergreift - der sieht sich getäuscht.

Offensichtlich ist es für die IGM-Funktionäre nichts besonderes, wenn sie mit Faschisten zusammenarbeiten. Wie sollte es auch, wenn DGB-Chef Vetter den Herrn Dr. Schleyer, der schon 1938 von sich erklärte: 'Ich bin alter National-Sozialist und SS-Führer' anläßlich seines Ablebens (vgl. S6.**.1977, d.Vf.) lobte als einen: 'der für alles gestanden hat, was wir an unserer Gesellschaft schätzen: den Mut, den Kampf um die Würde des Menschen.'

Wie sollte es auch, wenn M. Thomas - Mitglied der VK-Leitung - auf dem IGM-Gewerkschaftstag (vgl. S6.**.1977,d.Vf.) unter großem Beifall der anwesenden Delegierten in faschistischer Manier zu den Unvereinbarkeitsbeschlüssen (UVB,d.Vf.) erklären kann: '...wir werden alles daransetzen, in dieser Richtung diesen Leuten (den ausgeschlossenen Kollegen) den Garaus zu machen. Sie haben in unseren Reihen nichts zu tun, genausowenig wie Mörder und andere, die mit ihnen etwas gemeinsam haben...'.

Wie weit stehen Dr. Schleyer und H. O. Vetter, Muza Gücer und M. Thomas auseinander?

Es bleibt dabei: 'Sage mir, wer deine Freunde sind und ich sage dir, wer du bist'!"
=Zündkerze Nr.7,Bochum Dez. 1977

Oktober 1978:
Laut KPD/ML demonstrieren in Dortmund und Frankfurt insgesamt 8.000 Menschen, vor allem türkische Werktätige, gegen Veranstaltungen der türkischen Faschistenorganisation „Graue Wölfe“. In Dortmund protestieren türkische und deutsche Antifaschisten mit einer großen Demonstration gegen eine Kundgebung der türkischen Faschisten in der Westfalenhalle.
=ZK der KPD/ML (Hrsg.): 1968/69 bis 1978/79. Zehn Jahre KPD/ML. 10 Jahre Kampf für ein vereintes, unabhängiges, sozialistisches Deutschland, Dortmund 1979, S. 298f.

28.10.1978:
In Berlin demonstrieren laut KB, ca. 300 Menschen gegen einen Auftritt türkischer Faschisten, vermutlich Graue Wölfe.
=Arbeiterkampf Nr.142,Hamburg 13.11.1978,S.5

29.10.1978:
In der Dortmunder Westfalenhalle findet, laut KB, eine Großveranstaltung türkischer Faschisten (vermutlich u.a. der Grauen Wölfe), die als 'Türkischer Kulturverein' getarnt sind, statt. Die FIDEF mobilisiert daraufhin "für den 29.10. - dem Tag des Türkes-Auftritts. Protestnoten gab es ebenfalls vom DGB, der IG Chemie, der IG Metall und den Jusos (letztere riefen auch zur Demonstration auf). ... Etwa 1 500 Demonstranten - ganz überwiegend türkische Antifaschisten – trafen sich dann am 29.10. am Dortmunder Hauptbahnhof. Leider kam es aufgrund der unter den türkischen Gruppierungen allseits vorhandenen sektiererischen Vorbehalte nicht zu einem gemeinsamen Auftreten: Der Block der KPD/ML-nahen ATIF/ATÖF blieb gleich am Bahnhof stehen – er lehnte jede Kooperation mit der sozialfaschistischen FIDEF ab. Der eher KPD orientierte türkische Kulturverein wollte sich zwar in einem eigenen Block der Demo anschließen, wurde aber von FIDEF-Ordnern abgetrennt und weit abgedrängt. Die FIDEF-Ordner gingen überhaupt gegen alle ihr nicht angehörenden bzw. nicht mit ihr sympathisierenden Antifaschisten vor: AK-Verkäufer wurden abgedrängt, z.T. bedroht und angepöbelt; andere Dortmunder Linke, u.a. die Antifa-Gruppe, Falken usw. wurden ebenfalls aus dem FIDEF-Block herausgehalten und bei der Abschlußkundgebung - ebenso wie der türkische Kulturverein - daran gehindert, den Kundgebungsplatz zu betreten."
=Arbeiterkampf Nr.142,Hamburg 13.11.1978,S.6

11.06.1979:
Der KB gibt seinen 'Arbeiterkampf' (AK) Nr.155 (vgl. 28.5.1979, 25.6.1979) heraus. U.a. folgende Gruppen haben sich dem Bündnis Rock gegen Rechts angeschlossen: Komitee gegen die Grauen Wölfe Frankfurt.
=Arbeiterkampf Nr.155,Hamburg 11.6.1979

Juli 1979:
Die RGO der KPD/ML gibt ihre 'Nachrichten' Nr.7 (vgl. Juni 1979, Aug. 1979) heraus. Im Artikel "Ausschluß aus der RGO" heißt es u.a.:"
Das erste Mal ist jetzt jemand aus der RGO ausgeschlossen worden und zwar 'auf beiderseitigen Wunsch' ... Die RGO ist ... eine überparteiliche Vereinigung innerhalb der DGB-Gewerkschaften. Überparteilich bedeutet aber nicht, daß sie klassenmäßig neutral ist. Im Gegenteil: Die RGO vertritt kompromißlos die Klasseninteressen der Arbeiterschaft. Auf dieser Grundlage führen wir den Kampf um die Einheit in den DGB-Gewerkschaften ... In diesem Fall ging es um ein Mitglied der 'Grauen Wölfe', einer faschistischen Terrorvereinigung, deren Aufgabe es ist, fortschrittliche und kommunistische Arbeiter aus der Türkei zu terrorisieren bis hin zum Mord. Im Gegenteil: Es ist die Aufgabe jedes Gewerkschafters, den Kampf gegen solche faschistischen Terrortruppen zu führen."
=RGO-Nachrichten Nr.7,Vellmar Juli 1979

06.07.1979:
Laut KB veranstaltet die Alternative Liste (AL) Berlin in Kreuzberg ihr 2. Bürgerforum. Ca. 400 Menschen waren erschienen und forderten das Verbot der Tarnorganisationen der Grauen Wölfe und die Entlassung faschistischer türkischer Lehrer. Anwesend war auch ein Initiativkomitee um die KPD/ML.
=Arbeiterkampf Nr.159,Hamburg 6.8.1979,S.18

08.12.1979:
Laut KB beteiligen sich ca. 1 000 bis 1 500 Antifaschisten in Frankfurt an einer Demonstration gegen eine Veranstaltung türkischer Faschisten ('Graue Wölfe').
=Arbeiterkampf Nr.168,Hamburg 10.12.1979,S.2

25.04.1980:
Laut KB kommen in Frankfurt zu einer Türkei-Veranstaltung ca. 800 Menschen zusammen. Unterstützt wurde die Veranstaltung von:
- GLH,
- SBü,
- KB,
- Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV),
- Medico International,
- KSG Frankfurt (des KABD oder Katholische Studentengemeinde?,d.Vf.).
Die Veranstaltung stand unter dem Thema: "Faschismus in der Türkei – Graue Wölfe in der BRD".
=Arbeiterkampf Nr.176,Hamburg 5.5.1980,S.7

17.05.1980:
Laut KB ruft die türkische Nationalistische Bewegungspartei (MHP) zu einer nationalen Kundgebung und Demonstration in Hamburg auf. Ca. 1 500 - 2 000 Antifaschisten demonstrieren gegen den Aufmarsch der Faschisten.
=Arbeiterkampf Nr.177,Hamburg 19.5.1980,S.48

30.05.1980:
Laut KB fand in Hamburg-Steilshoop ein Rock gegen Strauß-Konzert statt, "das von einem breiten Bündnis getragen wurde". Unterstützung leisteten u.a. folgende (bezirklichen) Organisationen und Initiativen: Jusos der SPD, Judos der FDP, DKP, Bunte Liste, Die Grünen, KB, Z-Gruppe, Volksfront, Rote Garde (RG) der KPD/ML, Anti-Strauß-Ini Bramfeld, Chilegruppe Steilshoop, JZ-Ini-Bergedorf, Rock gegen Rechts (RGR), Schüler gegen Rechts (SGR), Ini gegen Graue Wölfe, SDAJ.
=Arbeiterkampf Nr.179,Hamburg 16.6.1980,S.20

16.08.1980:
Laut KB findet in Kiel-Gaarden eine Demonstration gegen die türkische faschistische Organisation Graue Wölfe statt. Sie ist getragen von linken türkischen und westdeutschen Organisationen. "Der Anlaß: Eine Woche vorher waren 2 fortschrittliche Türken von Mitgliedern der Grauen Wölfe mit Messern angegriffen und schwer verletzt worden. Der eine konnte nur durch eine Sofortoperation gerettet werden, da die Messerstiche auch seine Lunge getroffen hatten. Kennzeichnend wiederum das Verhalten der Behörden: Der festgenommene Haupttäter wurde von der Polizei kurze Zeit später wieder auf freien Fuß gesetzt." Ca. 400 Menschen beteiligen sich an der Demonstration. "Den Großteil bildeten dabei die 3 verschiedenen türkischen Blöcke; etwa 1/3 waren deutsche Teilnehmer. Getragen wurde diese Aktion von folgenden Gruppen: Solidaritätsverein der Arbeiter aus der Türkei, Dritte-Welt-Initiative, Komitee gegen die Grauen Wölfe, KB, Grüne, Volksfront, Gruppe Z, KPD/ML sowie KSG des KABD."
=Arbeiterkampf Nr.183,Hamburg 25.8.1980,S.16

22.08.1980:
Laut KB demonstrieren in Frankfurt ca. 800 Menschen unter der Parole "Stoppt Strauß", gegen den CDU/CSU Kanzlerkandidaten F.J.Strauß. Zu der Demonstration findet sich ein Anti-Strauß-Bündnis zusammen, das besteht aus:
- KB,
- Devrimci Isci,
- Frauen gegen Strauß,
- Frauen zum Bund - Nein Danke,
- GIM,
- KL,
- GLH,
- Initiative gegen Graue Wölfe,
- SAG,
- Volksfront.
=Arbeiterkampf Nr.183,Hamburg 25.8.1980,S.37

27.09.1980:
Laut KB ist für heute in Frankfurt eine Demonstration gegen die türkische faschistische Organisation Graue Wölfe geplant. Die Demonstrationsroute soll vom chilenischen zum türkischen Konsulat führen. Aufgerufen wird von folgenden Organisationen:
- Initiative gegen die Grauen Wölfe,
- AStA der Uni Frankfurt,
- Stadtschülerrat (SSR),
- Arbeiterselbsthilfe (ASH),
- Grüne Liste Hessen (GLH),
- Anarchistische Föderation Frankfurt,
- KB,
- GIM,
- Kommunistische Liga (KL),
- Kreisvorstand der Grünen Frankfurt,
- Volksfront Frankfurt.
Die türkischen Organisationen Halkin Kurtulusu, Devrimci Isci und Proleter Dayanisma rufen mit einem eigenen Aufruf zur Demonstration auf.
=Arbeiterkampf Nr.185,Hamburg 22.9.1980,S.9

18.04.1997:
Der 'Kurdistan-Rundbrief' (vgl. 6.5.1997) berichtet;"
DIE TÜRKEI IST HEUTE KEIN URLAUBSLAND! EIN BERICHT AUS MEMMINGEN

Bundesweit wird derzeit von einem breiten Bündnis auf Plakaten zu einem Boykott der Türkei als Urlaubsland aufgerufen. An mehreren Orten haben deutsch-kurdische Solidaritätsgruppen mit Info-Ständen die Argumentation des Plakats unterstützt. In Augsburg (vgl. Apr. 1997,d.Vf.) z.B. kann man an der kleinlichen Art, mit der die Plakate abgerissen worden sind, die Wut der Gegner erkennen. In Friedrichshafen (vgl. Apr. 1997,d.Vf.), wo der Info-Stand von etlichen Kurden und Deutschen durchgeführt wurde, hielten sich die türkischen Faschisten zurück. Nachfolgendes drucken wir aus dem den Bericht der Gruppe ab, die die Aktion in Memmingen durchgeführt hat.

Der Infostand am 18.4.97 in der Memminger Fußgängerzone zum Thema 'Boykott der Türkei als Urlaubsland' wurde über die Gruppe Kurdistan-Solidarität Oberschwaben-Allgäu bei der Stadt Memmingen angemeldet und von dem zuständigen Amt genehmigt. Außer dieser Anmeldung hatten wir nirgends bekanntgegeben, daß dieser Stand stattfinden soll ... Als wir alles hergerichtet hatten und sich ein paar interessierte Passanten näherten, kamen ca. 15 Türken an den Stand, fragten zuerst, was wir da machen, behaupteten dann, daß das, was wir ausliegen hatten, alles Lügen seien und fingen an Flugblätter zu zerknüllen und zu zerreißen und rissen Plakate vom Infotisch ab. Wir forderten sie auf zu verschwinden und stellten uns, als sie das nicht taten, zwischen sie und den Infotisch. Daraufhin kam es zu handgreiflichen Auseinandersetzungen ... Als wir einen, der ein Plakat abgerissen hatte, fotografierten, drohte ein anderer die Kamera zu zerstören. Während dieses Handgemenges, das etwa 10 Minuten dauerte, hielten die Türken sich immer wieder gegenseitig zurück, noch ausfallender zu werden. Der Kripomann hatte inzwischen eine Streife angefordert. Als diese dann mit Schlagstöcken bewaffnet kamen, war die tätliche Auseinandersetzung schon wieder vorbei. (...) In der weiterhin angespannten Situation verständigten wir die Presse. Es kam auch gleich eine Vertreterin der Memminger Zeitung und befragte sowohl uns als auch einen der Türken, von dem wir im Nachhinein erfahren haben, daß er der stellvertretende Vorsitzende der Memminger 'Grauen Wölfe' ist. (...) In den ruhigen Phasen, zwischen diesen Hetztiraden, kamen immer wieder Interessierte und ließen sich von uns erklären, um was es uns mit dieser Aktion geht und worum sich diese Auseinandersetzung jetzt gedreht hat. Allerdings kam es neben all diesen Auseinandersetzungen mit den türkischen Nationalisten auch immer wieder zu Streitereien mit deutschen Nationalisten, die sich über die 'Aggressivität der Türken' aufregten und dumme Sprüche brachten, wie den, daß die Ausländer keine Steuern zahlen würden und nur auf unsere Kosten leben würden ...

Aus der Gruppe Kurdistan-Solidarität Oberschwaben-Allgäu"
=Kurdistan-Rundbrief Nr.9,Berlin 6.5.1997

27.11.2000:
In der 'junge Welt' erscheint heute u.a folgender Leserbrief:"
Unterstützung
Zu jW vom 22. November: »Fall Öcalan vor Menschenrechtsgericht«

Wir wissen, daß es der jungen Welt leider nicht möglich ist, überall mit eigenen KorrespondentInnen anwesend zu sein und deshalb auf Agenturmeldungen angewiesen ist. Die AFP-Meldung über die Demonstration am 21. November in Strasbourg ist nicht nur zu kurz, sondern stellt die Ereignisse des Tages auch nicht wahrheitsgemäß dar. Als teilnehmende Gruppe an der Demonstration für die Freiheit und das Leben von Abdullah Öcalan und Frieden in Kurdistan stellen wir folgendes fest: 1. An der Demonstration der kurdischen Freiheitsbewegung nahmen nicht nur »Hunderte«, sondern knapp 40 000 Menschen teil. 2. An der zweiten Demonstration in Strasbourg nahmen ungefähr 2 000 türkische Nationalisten und Faschisten teil. Offen wurden Fahnen der faschistischen MHP gezeigt. Bei den Teilnehmern handelte es sich nicht um »Angehörige von Türken, die Opfer des bewaffneten Kampfes der PKK«, sondern wie schon gesagt, um Faschisten und Nationalisten, die provozieren wollten. Allerdings ließ sich niemand darauf ein. 3. Im Artikel wird von »Opfern des bewaffneten Kampfes der PKK« gesprochen. Daß es sich dabei um gefallene türkische Soldaten handelt, verschweigt der Artikel. Die türkische Armee, die für den Krieg, die Massaker an der kurdischen Zivilbevölkerung und den täglichen Terror in Kurdistan verantwortlich ist, wird in der AFP-Meldung vom Täter zum Opfer umgedichtet.

Wir nahmen an der Demonstration in Strasbourg teil, um das kurdische Volk und seine Partei, die PKK, in ihrem Kampf für Freiheit und Frieden in Kurdistan zu unterstützen. Und für die Freilassung von Abdullah Öcalan einzutreten.

Olaf Meyer, Antifaschistische Aktion Lüneburg/Uelzen"
=junge Welt, Berlin 27.11.2000

Text erstellt am: 6.11.2007;
letzte Änderungen: 10.8.2008

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