Iran: Der Besuch von Willy Brandt ab dem 5. März 1972

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 30.9.2017


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Der Besuch von Bundeskanzler Willy Brandt beim Schah von Persien erregte bereits zuvor den Unmut der westdeutschen Linken, für die der Schahbesuch 1967 ja eines der wichtigsten Ereignisse gewesen war.

Angegriffen wurde sodann vor allem die Forderung des Schahs nach verstärktem Vorgehen gegen Oppositionelle, der die Bundesregierung alsbald durch die Novellierung des Ausländerrechts bzw. das sogenannte 'Querschnittsgesetz' nachkam.

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

05.03.1972:
Ab 5. März hält sich Willy Brandt (SPD) im Iran auf (vgl. 7.3.1972).

Die KPD (vgl. 7.4.1972) berichtet:"
Der plumpen Forderung des Schahs von Persien, die politische Arbeit iranischer Studenten in der BRD zu unterdrücken, konnte der Bundeskanzler nicht öffentlich entsprechen - eine Tatsache, die von der bürgerlichen Presse ausführlich beklatscht wurde."

Die KG (NRF) Mannheim/Heidelberg (vgl. 28.3.1972) berichtet:"
BLUTIGER TERROR IM IRAN FÜR BRD-KAPITAL

AM 5. MÄRZ REISTE WILLY BRANDT IN DEN IRAN. DIESER BESUCH FIEL ZEITLICH ZUSAMMEN MIT EINER TERRORWELLE DES SCHAH-REGIMES GEGEN DIE MARXISTEN-LENINISTEN UND DIE DEMOKRATISCHEN KRÄFTE IM IRAN.

Die Verschärfung des Terrors in den letzten Jahren zeigt einerseits das Anwachsen des demokratischen und antiimperialistischen Kampfes der unterdrückten Massen, andererseits ist sie Ausdruck der Krise der iranischen Kapitalisten und Großgrundbesitzer und ihrer Schutzherren in den imperialistischen Staaten, die ihre ausbeuterischen Interessen nur noch mit offener Gewalt wahrnehmen könne, Die Verschärfung des Klassenkampfes zeigt jedoch, daß es den herrschenden Klassen im Iran nicht gelungen ist, die Widersprüche durch die im Jahre 1963 durchgeführten Reformen (vgl. 1963, d.Vf.), die vom Regime als 'weiße Revolution' propagiert wurden, zu lösen. Im Gegenteil, sie wurden verschärft. Die Verschärfung des Terrors ist die Reaktion des Regimes darauf, daß sich die unterdrückten Massen des Inhalts dieser Reformpolitik bewußt geworden sind."

Es folgen Ausführungen über die Weiße Revolution (vgl. 1963) und nach dem Vorspann, "Die Ereignisse in den letzten drei Jahren zeigen jedoch, daß die Terrormaßnahmen des Regimes nicht den Kampf der Völker des Irans aufhalten konnten. Hier die wichtigsten davon:" folgen weitere Berichte vom Widerstand (vgl. 1969, Okt. 1971). Fortgefahren wird:"
Auf die Dollarkrise und auf die zunehmenden antiamerikanischen Demonstrationen der iranischen Massen reagiert die iranische herrschende Clique mit einer Politik der Annäherung an andere imperialistische Staaten. Damit will sie sowohl die Krise des US-Imperialismus als auch den Konkurrenzkampf zwischen den imperialistischen Staaten ausnutzen, um sich einen Handlungsspielraum zu verschaffen und profitablere Geschäfte abzuschließen, die ihr einen größeren Anteil an der Ausbeutung der iranischen Arbeiter und Bauern gewähren.

In diesem Zusammenhang muß man den Staatsbesuch Willy Brandts im Iran sehen. Er diente ausschließlich dem Interesse der westdeutschen Kapitalisten an einer Erhaltung des Schah-Regimes und ihrer Beteiligung an der Ausbeutung der Völker des Iran. Brandt selbst erklärte in einer Rede vor westdeutschen Kapitalvertretern in Teheran: 'Der Iran ist für uns wirtschaftlich und politisch ein wichtiger Partner; und unsere Außenpolitik hat von unseren Interessen auszugehen. Sie hat sich von ideologischen Vorurteilen freizuhalten.' (Bulletin der Bundesregierung Nr. 35, S. 564)

Und der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank, H.J. Abs, erläuterte: 'In der BRD ist heute das Kapital nicht mehr so profitbringend wie in der Vergangenheit, daher ist man auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, eine dieser Möglichkeiten besteht in der Investition im Iran.' (Interview mit der Teheraner Tageszeitung Kayhan am 11.5.1971)

Die iranischen Kapitalisten und ihre Regierung begrüßen diese Pläne ausdrücklich und luden zu noch mehr westdeutschen Direktinvestitionen ein: 'Angesichts der kritischen Entwicklung im Welthandel und des wachsenden Drucks auf die Ausfuhren gewisser Industrieländer scheint die Zeit besonders günstig für weit größere deutsche Beteiligungen an gemeinsamen Unternehmen im Iran.' (Rede des iranischen Ministerpräsidenten Howeida)

Die Außenpolitik des 'Friedens'kanzlers Brandt dient ausschließlich der Ausweitung und Erhaltung der imperialistischen Einflußsphären des westdeutschen Monopolkapitals und damit der Erhaltung solcher Lakaienregimes wie dem des Schah und der Vorbereitung neuer Kriege gegen die Völker, die sich, wie z.B. das vietnamesische, gegen die imperialistische Ausbeutung zur Wehr setzen.

DIE WIRTSCHAFTLICHEN INTERESSEN DER WESTDEUTSCHEN IMPERIALISTEN

Neben der Bedeutung des Iran als eines unterentwickelten Landes, das über billige Arbeitskräfte verfügt, spielen zwei weitere 'Vorzüge' für die westdeutschen Imperialisten eine bedeutende Rolle:

1. Das westdeutsche Kapital versucht, über den Ausbau seines Einflusses im Iran eine bedeutende Position im internationalen Ölgeschäft zu erringen. Auf diesem Sektor war es stets von den amerikanischen, britischen, holländischen (niederländischen, d.Vf.) und anderen Monopolen überflügelt worden. Die herrschende Clique im Iran sicherte den Verkauf von zehn Millionen Tonnen Rohöl zur Auffüllung der westdeutschen Ölreserven zu. Damit soll auch im Konkurrenzkampf mit den arabischen Staaten (Libyen, Irak) diesen ein Teil ihres Marktes genommen und sie in eine schlechte Verhandlungsposition gedrängt werden. Willy Brandt stellte eine Bürgschaft der westdeutschen Regierung in Höhe von 210 Millionen DM für den Ausbau der Mannesmann-Thyssen-Raffinerie (MM/ATH, d.Vf.) in Aussicht.

2. Für die westdeutsche Industrie stellt der Iran ein Sprungbrett nach den benachbarten und den osteuropäischen Ländern dar. Der Anteil dieser Länder am iranischen Export betrug im Jahr 1968 zirka 21%. Durch die Dollarabwertung und die informelle DM-Aufwertung verschlechterte sich zwar das Warenexportgeschäft für die westdeutschen Kapitalisten, stattdessen sind aber jetzt Kapitalexporte umso einträglicher. Wegen der kürzlich erfolgten Abwertung des iranischen Rial um zirka 27% (vgl. S12*1972, d.Vf.), durch die die im Iran hergestellten Industriewaren insgesamt billiger und auf dem internationalen Markt konkurrenzfähiger werden, kann die westdeutsche Kapitalistenklasse durch Investitionen im Iran (Aufbau von Montageindustrie) praktisch die eigenen Produkte billiger herstellen, leichter absetzen und so den Rückgang im direkten Exportgeschäft ausgleichen.

IMPERIALISTISCHE AUSSENPOLITIK - VORWAND ZUR VERSCHÄRFTEN UNTERDRÜCKUNG IM INNEREN

Die politischen Aktivitäten der fortschrittlichen iranischen Studenten in der BRD waren ebenfalls ein Gegenstand der Verhandlungen. Diese Frage wurde in der Öffentlichkeit auf beiden Seiten hochgespielt; von der iranischen Seite offensichtlich als Druckmittel auf die westdeutsche (Duldung dieser Aktivitäten gleich schlechte Beziehungen gleich schlechte Verhandlungsposition der westdeutschen Seite, also die iranische Seite muß 'besänftigt' werden) und von der westdeutschen Seite zur Legitimierung der neuen Ausländergesetze und überhaupt der fortschreitenden Maßnahmen zum Abbau demokratischer Rechte.

Die Aktivitäten und Organisationen der fortschrittlichen ausländischen Studenten und Arbeiter sollen als 'Gefährdung der Belange der Bundesrepublik' unterdrückt werden. Aber nicht so sehr die Angst auf beiden Seiten vor den Aktivitäten der demokratischen Kräfte ist maßgebend (solange die Revolutionierung der Arbeiterklasse noch nicht das Kapital wirklich bedroht), sondern vielmehr das Interesse der westdeutschen Monopolkapitalisten an vorbeugenden Notstandsgesetzen (NSG, d.Vf.), durch die in den kommenden Krisen die Ausweisung der ausländischen Arbeiter legitimiert und damit die Konfrontation mit der deutschen Arbeiterklasse so lange wie möglich hinausgeschoben werden kann."

Das Vorbereitende Komitee Dortmunder Hochschulen Kampf dem Ausländergesetz und der politischen Unterdrückung (vgl. 4.9.1972, 16.10.1972) berichtet aus dem Nov.1970 von den 'BRD'-Delegationen im Iran und fährt fort:"
Bei dem vor kurzem stattgefundenen Besuch des 'Friedenskanzlers' Brandt in Teheran wurde man dann auch schon konkreter: Bohrkonzessionen für deutsche Ölfirmen im Tausch gegen die Verschärfung des Ausländerrechts (Querschnittsgesetz)."

Der Kommunistische Bund Bremen (KBB - vgl. 3.4.1972) berichtet:"
BRANDT IM IRAN

Der 'König der Könige' Reza Pahlewi von eigenen Gnaden und mit ihm Howeida, der Chef des iranischen Terrorregimes über das persische Volk, führten vom 5. - 8.März 1972 Gespräche mit Bundeskanzler Brandt, um die 'guten' und 'vertrauensvollen' Beziehungen zwischen beiden Ländern wiederherzustellen. Gemeint waren dabei nicht die freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Völkern, sondern die dunklen Beziehungen bei der gemeinsamen Unterdrückung und Ausbeutung des persischen Volkes. Bundeskanzler Brandt war nämlich auf den Ruf der westdeutschen Imperialisten nach Teheran gereist, daß große Geschäfte für die westdeutschen Konzerne warteten: Geschäfte, die für die westdeutschen Imperialisten größtmögliche Extraprofite sichern sollen, die persischen Arbeitern durch die Errichtung von Montagefabriken der westdeutschen Elektrokonzerne in Persien abgepreßt werden sollen; Geschäfte, die sich um die Steigerung des Absatzes westdeutscher Waren in Persien drehen; Geschäfte, die sich aus einem 'gigantischen Großobjekt' ergeben könnten, mit dem 'unter Umgehung der internationalen Ölfirmen' die persischen Rohölreserven ausgeplündert werden sollen.

DER WESTDEUTSCHE IMPERIALISMUS AUF DER SUCHE NACH EIGENEN ROHSTOFFQUELLEN

Besondere Bedeutung muß dem 'Milliardengeschäft auf Gegenseitigkeit', das vom Ministerpräsidenten Howeida angeboten wurde, beigemessen werden, gemeinsam mit westdeutschen Firmen eine Erdölversorgung 'von der Quelle bis zur Tankstelle' aufzubauen, unter Umgehung der internationalen Ölkonzerne.

Für die Bundesrepublik ist nämlich die von Jahr zu Jahr steigende Abhängigkeit von Importen der Energieträger Kohle und Öl kennzeichnend. Heute wird bereits 55% des Energieverbrauchs durch Öl gedeckt (1950 waren es erst 5, 2%). Aus bundesrepublikanischen Quellen fließen konstante 7, 5 - 8 Millionen t jährlich, während die Importe von Rohöl 1972 114 Millionen t übersteigen werden. Dabei sinkt die Kohleförderung laufend. Dies ist auch nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, daß der Heizwert des Erdöls um 57% höher liegt als bei der Steinkohle und das Öl um etliches billiger gefördert werden kann.

Der steigende Energieverbrauch der westdeutschen Industrie, die Verminderung der Steinkohlenförderung an der Ruhr um weitere 15 Millionen t und die Stillegung der Zechen verstärken die Abhängigkeit der Bundesrepublik von den Öllieferanten in den arabischen Ländern.

Zudem wird sich in den nächsten Jahren die Konkurrenz der imperialistischen Staaten um die Erdölgebiete verstärken. So decken die USA heute 30% ihres Bedarfs aus Nahost und Afrika, während erwartet wird, daß dieser Anteil 1975 auf 58% und 1980 sogar bis 73% steigen wird. Die Rohölförderung wird ab 1975 in den USA selbst rückläufig werden.

Somit sieht sich der westdeutsche Imperialismus wiederum einer Situation gegenüber, in der er in der Rohstoffwirtschaft den anderen führenden imperialistischen Mächten unterlegen ist. Alle bekannten Erdölgebiete sind bereits unter die verschiedenen imperialistischen Mächte aufgeteilt. Zwar hatten die westdeutschen Imperialisten bisher keine Schwierigkeiten, die notwendigen Rohstoffe auf dem 'freien Markt' zu kaufen, aber die oben angedeuteten Entwicklungstendenzen weisen ganz klar darauf hin, daß dies nicht immer so sein muß. Der westdeutsche Imperialismus unternimmt daher z.Zt. immer größere Anstrengungen, eigene Rohstoffquellen im Ausland zu erwerben. Neben der Sicherung der Rohstoffe für die heimische Industrie muß jedoch zugleich das Streben westdeutscher Kapitalisten nach neuen Absatzmärkten und Ausbeutungsmöglichkeiten im Ausland berücksichtigt werden.

DER EINFLUSS DER WESTDEUTSCHEN IMPERIALISTEN AUF DIE IRANISCHE WIRTSCHAFT

Im Zusammenhang mit dem Erdöl ist der Iran dafür der geeigneteste Platz. Die iranischen Bohrtürme zeichnen sich durch eine ungeheure Produktivität aus. Im Jahre 1966 fördert ein Bohrturm im Iran 728 000 t Öl, während in Venezuela nur 17 800 t und in den USA nur 700 t pro Bohrturm gefördert wurden. Diese Tatsache ist die Quelle kolossaler Profite. Des weiteren hoffen die reaktionären Kreise im Iran, daß sich der Import bis 1978 verdoppeln wird. Damit würde der Iran den größten Markt aller unterentwickelt gehaltenen Länder darstellen. Schließlich werden den persischen Arbeitern nur karge Hungerlöhne gezahlt, ein weiterer Anreiz für die Kapitalisten. Der Iran nimmt darüberhinaus eine geographische und strategische Schlüsselposition im gesamten Nahen und Mittleren Osten ein.

Die Chancen der BRD, den Kampf um das iranische Erdöl zu beginnen, sind nicht schlecht. Schließlich ist die BRD, wenn man mal vom Erdölsektor absieht, der wichtigste Handelspartner des Irans. Sie belegt den ersten Platz bei den Lieferländern vor den USA und Großbritannien und den ersten Platz bei den Käuferländern vor der UdSSR (SU, d.Vf.). Die BRD nimmt die zweite Stelle bei den Direktinvestitionen nach den USA im Iran ein. Das Doppelbesteuerungsabkommen von 1970 (vgl. 1970, d.Vf.) räumt westdeutschen Konzernen eine Reihe Privilegien gegenüber ihren Konkurrenten ein. In den letzten Jahren bemühen sich die westdeutschen Imperialisten ihren Einfluß im Iran zu verstärken. Das läßt sich z.B. an der gewährten 'Entwicklungshilfe' ablesen: Sie betrug in den Jahren 1965 - 1969 etwa 330 Millionen DM, im Jahr 1970 allein schon 430 Millionen DM. Politischer Ausdruck dieser Bemühungen war der Besuch des Bundeskanzlers Brandt im Iran.

Dieses Vordringen in den Iran mit dem Ziel, eigene Erdölquellen für die BRD zu sichern, entspricht einer Politik, die Enno Schubert, Vorstandsmitglied der Gelsenberg AG (IGBE-Bereich, d.Vf.), so formuliert hat: die Erdölsuche und -förderung 'in solchen Gebieten' zu betreiben, 'die als politisch relativ stabil gelten, auch wenn aus ihnen nicht unbedingt 'Niedrigkostenöl' zu erwarten ist'. Das iranische Erdöl ist schwefelhaltiger als z.B. das libysche und daher kostspieliger in der Verarbeitung. Dennoch sind die Imperialisten bereit, gewisse Abstriche an ihren Extraprofiten im Hinblick auf eine längerfristige strategische Sicherung hinzunehmen. Heute herrschen jedoch nirgends 'stabile' politische Verhältnisse im Sinne der Imperialisten. Es folgt für sie daraus: 'Wir müssen aktiv zu einer weiteren Streuung der Versorgung beitragen' (E. Schubert). Genau dies ist in den letzten Jahren geschehen. Hauptlieferant bei Erdöl ist Libyen, das 1970 noch 38, 5% der gesamten Ölimporte lieferte, dieses Jahr aber nur noch 23, 6%. 'Nutznießer' dieser Umverteilung sind Saudi-Arabien, Nigeria und Algerien.

DER KAMPF DES IRANISCHEN VOLKES GEGEN AUSBEUTUNG UND UNTERDRÜCKUNG

Die westdeutschen Imperialisten und ihre Regierung sind aus ökonomischen Interessen zwangsläufig an der politischen 'Stabilität' des gegenwärtigen Systems im Iran interessiert. Bundeskanzler Brandt, trotz 'Friedens'-Nobelpreis, trotz seines Geredes über 'mehr Demokratie wagen', ist nicht im mindesten an den Erfolgen des persischen Volkes bei seinem Versuch, das Terrorregime des Schahs abzuschütteln, interessiert. Im Gegenteil, die Aufrechterhaltung der Unterdrückung ist eine der wichtigsten VORBEDINGUNGEN für die großen Geschäfte der westdeutschen Imperialisten im Iran. Absicherung der Interessen im Iran bedeutet aber auch Militärhilfe. Der Wert der bekanntgewordenen Waffenlieferungen im Jahr 1970 allein betrug 40 Millionen DM. Der 'aufrechte Demokrat' Brandt ein Komplize des Schahs!

Das despotische Regime im Iran ist gekennzeichnet durch: ene geknebelte Presse, Terror und Bespitzelung durch die SAVAK, die Geheimpolizei des Schahregimes, Verbot von Parteien und Massenorganisationen, Unterdrückung von Demonstrationen und Streiks, Verfolgung und schwere Bestrafung all derjenigen, die dieses System zu kritisieren wagen.

Diese Unterdrückung wird ergänzt durch einen absurden Schahkult, der seinen Höhepunkt im letzten Jahr (vgl. Sept. 1971, d.Vf.) erreichte, als der 'König der Könige' das 'Fest der Feste', das 2 500jährige Bestehen des persischen Reiches, also das 2 500jährige Bestehen von brutaler Ausbeutung und grausamer Unterdrückung der Volksmassen durch die persischen Potentaten feierte und dafür fast eine Milliarde Dollar aus dem Fenster warf.

Neben dem hemmungslosen Schahkult sollen die persischen Massen durch eine vorgetäuschte Demokratisierung vernebelt werden.

Die Propagierung eines eigenen Weges, jenseits von Kapitalismus und Sozialismus, angeblich verwirklicht in der 'weißen Revolution' (vgl. 1963, d.Vf.) des Schahs soll den immer stärkeren Widerstand des persischen Volkes eindämmen helfen. Aber die Streiks persischer Arbeiter für eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen und für demokratische Rechte, die Bewegung der Schüler und Studenten gegen die Imperialisten und das Schahregime schlagen die finstere Herrschaft des Schah schwer an. Die demokratischen Kräfte werden durch die Geheimpolizei SAVAK verfolgt, ohne Haftbefehle verhaftet, gefoltert und erschossen. Dennoch kommt es immer wieder zu Demonstrationen und Streiks. Auch wenn diese Kämpfe spontan, unorganisiert und voneinander isoliert sind, zeigen sie jedoch immer mehr die Entschlossenheit breiter Schichten der Bevölkerung, den Kampf zu wagen, den Schah zu stürzen: Das Volk wird sich bewußt, daß das gegenwärtige Regime zu brechen ist.

Hier einige Ereignisse des letzten Jahres, über die die bürgerliche Presse kaum berichtete". Es folgen einige Berichte aus dem Iran (vgl. 8.2.1971, 18.1.1972) und weiter heißt es:"
ABSICHERUNG DER ROHSTOFFQUELLEN DURCH STÜTZUNG REAKTIONÄRER KRÄFTE

Mit der 'Insel des Friedens' und den 'stabilen' politischen Verhältnissen ist es also nicht so weit her, wie es uns der Schah glauben machen möchte. Trotz Pressezensur und Geheimhaltung werden immer mehr Einzelheiten über die faschistische Unterdrückung und die zunehmenden Kämpfe dagegen bekannt. Nicht zuletzt die iranischen Studenten im Ausland, die eigentlich ausgeschickt wurden, die neuesten wissenschaftlichen Methoden der Ausbeutung und Unterdrückung anwenden zu lernen, die sich aber auf die Seite des Volkes gestellt haben, bilden für das Schahregime eine ständige Gefahr. Das 'Geschäft auf Gegenseitigkeit', das Howeida den westdeutschen Imperialisten anbot, läuft denn auch darauf hinaus, diesen 'beleidigenden Aktivitäten' iranischer Studenten endlich ein Ende zu setzen. So ließ die deutsche Delegation im Iran durchblicken, daß die an 'Terror grenzenden Exzesse' iranischer und sonstiger ausländischer Gruppen in der Bundesrepublik 'eingedämmt' werden sollten, sie könnten außenpolitischen Schaden anrichten, sprich: Geschäfte verhindern; das 'Kapital an Sympathie' zugunsten Deutschlands im Iran müsse unbedingt erhalten werden. Brandt und der Schah, 'einträchtig' und 'vertrauensvoll' zusammenarbeitend bei der Ausplünderung des persischen Volkes, spielen sich gegenseitig die Vorwände zu, um auch in der Bundesrepublik die demokratischen Rechte einzuschränken. Die Angriffe bundesrepublikanischer Behörden auf die Existenz politischer Organisationen der antiimperialistischen Kräfte des Irans und anderer Länder der 'Dritten Welt' werden sich in den nächsten Wochen und Monaten verschärfen. Gegen dieses unheilvolle Komplott von BRD-Imperialisten und Schah-Clique, das sehr sinnfällig den Zusammenhang zwischen der expansionistischen Politik nach außen und der weiteren Einschränkung demokratischer Rechte im Inneren demonstriert, kann nur der gemeinsame Kampf der Arbeiterklasse und der anderen Werktätigen in der Bundesrepublik und der persischen Volksmassen gesetzt werden."

Der AStA der PH Dortmund (vgl. 13.11.1972) berichtet vermutlich vom 7. März:"
Brandt holte sich in Persien die Zusage von größeren Öllieferungen ab. Nach nicht dementierten Pressemeldungen vom 8.März des Jahres hat die von ihm angeführte Delegation als Gegenleistung Verschärfungen des Ausländerrechts in Aussicht gestellt."

Die Conföderation Iranischer Studenten/National Union (CISNU) berichtet auf einem Kongreß gegen die Ausländergesetze in Köln (vgl. 15.11.1972):"
Als der Bundeskanzler Willy Brandt im März dieses Jahres nach Teheran kam, kam er, um über bessere Anlagebedingungen für die westdeutschen Kapitalisten zu verhandeln. Der Schah ließ durchblicken, daß er zu großen Zugeständnissen bereit sei, wenn Brandt dafür gegen die progressiven persischen Studenten in der BRD schärfer vorgehen würde. Laut Pressesprecher Konrad Ahlers verlief diese Verhandlung damals 'in freundschaftlicher und herzlicher Atmosphäre'."

Berichtet wird auch durch die KPD (vgl. 17.4.1972), die KPD/ML-ZK (vgl. 23.5.1972), die Rote Hilfe (RH) e.V. der KPD (vgl. Juli 1974), den KSV der KPD (vgl. 25.10.1972, 22.11.1972) und in:
- Baden-Württemberg durch die MLSG am ASG Leonberg (vgl. 13.3.1972).
- Bayern durch die KPD/ML-ZK über die Folgen in München (vgl. 26.4.1972);
- Niedersachsen durch die Göttinger Betriebszeitung (vgl. 9.3.1972);
- NRW in Dortmund durch die Marxisten-Leninisten (ML) Dortmund (vgl. 31.7.1972) und das Vorbereitende Komitee Huckarde Kampf dem Ausländergesetz und der politischen Unterdrückung (vgl. 4.9.1972) sowie in Herne durch die ASS (vgl. Mai 1972).
Quellen: Göttinger Betriebszeitung Nr. 28, Göttingen 9.3.1972, S. 6; Herner Schülerpresse, Herne Mai 1972, S. 7;Vorbereitendes Komitee Huckarde: Kampf dem Ausländergesetz und der politischen Unterdrückung: Aufruf zum Kampf gegen das reaktionäre Ausländergesetz, Dortmund o.J. (Sept. 1972), S. 2;Klassenkampf und Programm Nr. 1, Dortmund Dez. 1972, S. 33;Arbeiter-Zeitung Nr. 3, Mannheim Apr. 1972, S. 11f;Dem Volke dienen Nr. 1 und 3, Dortmund 25.10.1972 bzw. 22.11.1972, S. 4 bzw. S. 4;DOS Nr. 15, Dortmund o.J. (13.11.1972), S. 5;Internationale Solidarität Nr. 2, Berlin 10.3.1972, S. 16f;Kommunistische Arbeiterpresse AEG Telefunken Nr. 34, Berlin 15.3.1972;Roter Morgen Nr. 10, Hamburg 23.5.1972, S. 5;Wahrheit Nr. 3, Bremen Apr. 1972, S. 6;Vorbereitendes Komitee Dortmunder Hochschulen Kampf dem Ausländergesetz und der politischen Unterdrückung: Kampf der Verschärfung der reaktionären Ausländergesetze, Dortmund o.J. (1972), S. 2;Vorbereitendes Komitee Dortmunder Hochschulen Kampf dem Ausländergesetz und der politischen Unterdrückung: Aufruf zum Kampf gegen das reaktionäre Ausländergesetz, Dortmund o.J. (1972), S. 2;RH e.V.: So wie es ist - bleibt es nicht!, Dortmund o.J. (1974), S. 13;N.N. (ML Dortmund): Plattform für den Kampf gegen das Ausländergesetz und die politische Unterdrückung, o.O. (Dortmund) o.J. (1972), S. 4;Rote Fahne Nr. 40 und 42, Dortmund 7.4.1972 bzw. 3.5.1972, S. 2 bzw. S. 6f;Roter Schülersprecher Nr. 1, Leonberg März 1972, S. 7ff

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Wahrheit_1972_03_11

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Letzte Änderung: 21.11.2017