Sozialistischer Deutscher Studentenbund (SDS):
'SDS-Korrespondenz' (1966 - 1968)

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 21.11.2017


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Die hier vollständig dokumentierte 'SDS-Korrespondenz' diente dem SDS so wie die früheren 'Arbeitsblätter' als internes Diskussionsorgan.

Sie erschien zeitweise neben mit dem 'SDS-Info', von dem sie abgelöst wurde.

Liste der als Scans vorhandenen Zeitungen

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

1962:
Laut SDS bildet sich 1962/1963 zunächst in München, dann in Berlin eine Gruppe heraus, die sich subversive Aktion nennt:"
Diese Gruppe … trat mit dem Ziel an, aus den theoretischen Einsichten Marcuses und der Frankfurter Schule praktische Konsequenzen zu ziehen. Sie versuchte Organisation und Praxis in einem zu lösen, Resultat war die 'Kohorte'. … Ihr Programm forderte eine Gemeinschaft von Individuen, die in der Lage wäre, an und in sich selber allen Möglichkeiten des Menschlichen Raum zu schaffen. … In München begann sie zwar mit ihren Versprechungen ein Adressat war der Münchener SDS. … Die Adressaten fühlten sich nicht verlockt. … Die 'Kohorte' zerbrach an ihren eigenen Schwierigkeiten, einige ihrer Mitglieder fielen zurück in ihre private Existenz, andere emigrierten nach Berlin."
Quelle: SDS-Korrespondenz Nr. 6, Frankfurt 1967, S. IIIf

Oktober 1965:
Laut 'SDS-Korrespondenz' "ist unter Beteiligung der Redaktion der 'neuen Kritik', der Gruppen Frankfurt, Göttingen und Marburg, sowie einer Reihe von Mitgliedern aus anderen Gruppen des Verbandes eine Diskussion über Funktion und Struktur der Zeitschrift des SDS in Gang gekommen. … Die ersten Diskussionen bezogen sich unmittelbar auf den Verlauf der letzten Delegiertenkonferenz. Die beiden Bundesvorsitzenden gingen von der Überlegung aus, daß die zum Teil entschieden kontroversen Auffassungen …, sich künftig in den Arbeitsanforderungen an die NK-Redaktion und im Inhalt der Zeitschrift selbst notwendig niederschlagen werden. … Der Vorschlag, die Redaktion der 'neuen Kritik' zu erweitern, war zunächst verstanden worden, als Versuch, mit einer autoritären, personalpolitischen 'Maßnahme' noch nachträglich auf die während der Delegiertenkonferenz formulierte Opposition zu reagieren. Aber selbst noch die sachliche Begründung sei ihm unangemessen, da jedenfalls die Arbeit in der Redaktion mit den politischen Positionen ihrer Mitglieder nichts zu tun habe. Daß jener Vorschlag, jedoch gerade als politische Reaktion auf die - während der DK sichtbar gewordene - Entwicklung der Diskussion im Verband und eben deshalb auch als Versuch einer Politisierung der Redaktionsarbeit und somit der Zeitschrift selbst zu begreifen sei, wurde von der Mehrheit der Redaktionsmitglieder schließlich doch verstanden und als plausible Begründung akzeptiert. … Die bis zu diesem Zeitpunkt entwickelte Kritik an der 'neuen Kritik' an ihrer gegenwärtigen Gestalt zugrundeliegenden Konzeption und dem Selbstverständnis der Redaktion ging ein in einer sehr viel grundsätzlicheren Diskussion zwischen Mitgliedern des Bundesvorstands und einigen Marburger Genossen über die Konsequenzen des Verlaufs und der Beschlüsse der 20. Delegiertenkonferenz für den Verband und die Arbeit des Bundesvorstands. … Es wurde festgestellt, daß die Ansprüche an den Verband, die sich aus seiner doppelten Funktion als Studentenverband und als die noch immer intakteste sozialistische Organisation in der Bundesrepublik herleiten, auch die 'neue Kritik' als dessen Organ notwendig überfordern. Es sei kein Zufall, daß sich die 'neue Kritik' in dem Maße von der Praxis des Verbandes entfernt habe, in dem sie zur wesentlich auch außerhalb des Verbandes beachteten sozialistischen Zeitschrift geworden sei. Daher wurde erörtert, ob es nicht ratsam sei, jenem Übermaß an Ansprüchen dadurch Rechnung zu tragen, daß die Doppelfunktion der 'neuen Kritik' - zentrales Diskussionsorgan des SDS und darüberhinaus zugleich eine mehr und mehr auch außerhalb des Hochschulbereichs relevante sozialistische Zeitschrift zu sein - durch die Herausgabe von zwei verschiedenen Publikationen aufgespaltet werde. Diese könnten möglicherweise den ihnen gestellten Aufgaben eher gerecht werden, als die 'neue Kritik' allein. Von nun an wurde stets ein Junktim von zwei Projekten diskutiert: eine allgemeine, wissenschaftlich-politische Zeitschrift als Forum der über den SDS wesentlich hinausreichenden Diskussion von Sozialisten in der Bundesrepublik und eine überregionale Studentenzeitung, die die politischen und theoretischen Konzeptionen des SDS an konkreten und aktuellen Gegenständen erörtern und dabei einer breiteren, an der Arbeit des Verbandes interessierten Öffentlichkeit an den Hochschulen vorzustellen hätte. … In Marburg wurde der Plan entwickelt, in Anbetracht der Integration westeuropäischer Politik durch die Herausgabe einer deutschen Ausgabe des 'International Socialist Journal' (ISJ) eine feste Verbindung zur fortgeschrittensten sozialistischen Diskussion in Westeuropa herzustellen. … Unbestritten war, daß eine derart konzipierte Zeitschrift nur dann sinnvoll sein könnte, wenn sie Forum und Antrieb eines schon vorhandenen allgemeinen Diskussionszusammenhangs werden könne, an dem die relevanten sozialistischen Gruppierungen beteiligt seien."
Q: SDS-Korrespondenz Nr. 1, Frankfurt Jan. 1966, S. 1ff

November 1965:
Laut SDS findet in Frankfurt eine gemeinsame Tagung des Sozialistischen Bundes (SB) und des SDS statt, auf der über das Thema "Neokapitalismus - Rüstungswirtschaft - Arbeiterbewegung" diskutiert wird.
Q: SDS-Korrespondenz Nr. 1, Frankfurt 1966, S. 6

27.11.1965:
Laut SDS faßt der Bundesvorstand des SDS auf seiner Sitzung am 27./28.11. den Beschluß, im Januar 1966 ein Blatt herauszugeben, "in dem besonders Nachrichten und Kommentare über Vorgänge an den Hochschulen und den Gruppen des SDS gebracht und die Diskussion über die Politik des SDS geführt werden soll". Dieses Blatt nennt sich 'SDS-Korrespondenz' (vgl. Jan. 1966).
Q: SDS-Korrespondenz Nr. 1, Frankfurt Jan. 1966, S. 9

29.12.1965:
Laut 'SDS-Korrespondenz' verschickt der SDS-München Einladungen zu einem Seminar über '"Revolution und Organisation bei Marx und Lenin". Das Seminar soll vom 4.-6.2.1966 in München stattfinden:"
Das Seminar beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Marxismus und Leninismus unter dem Gesichtspunkt von Revolution und Partei und der Rolle von Gewalt und Staat."
Unterthemen sollen u.a. sein:
- Marx und Engels über die Frage der Partei,
- Marx und Engels über die Revolution und die Diktatur des Proletariats,
- Lenin: Der Imperialismus und seine Folge, die 'kombinierte' Revolution.
- Lenin: Die Rolle von Staat und Gewalt in der Revolution,
- Die Partei als organisierte Avantgarde,
- Kampf gegen den Revisionismus.
Q: SDS-Korrespondenz Nr. 1, Frankfurt Jan. 1966, S. 43f

Januar 1966:
Die erste Nummer der 'SDS-Korrespondenz' (vgl. Juni 1966) erscheint. Die Zeitung wird herausgegeben vom Bundesvorstand (BV) des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) in Frankfurt. Im Editorial heißt es:"
Die erste Nummer der SDS-Korrespondenz demonstriert bereits in Ansätzen deren Funktion: sie soll die Teilnahme möglichst vieler Genossen an der Diskussion von aktuellen Projekten des Verbandes ermöglichen und der Vorbereitung von Entscheidungen dienen, die einer Erörterung im gesamten Verband besonders bedürfen. Als so verstandenes Medium der Kommunikation und Meinungsbildung wird die SDS-Korrespondenz nicht periodisch, sondern dann erscheinen, wenn über spezifische Probleme oder eine bestimmte Konzeption zur Politik des Verbandes eine so breite Diskussion notwendig ist, daß sie den Rahmen der 'neuen Kritik' sprengen müßte. Darüberhinaus könnte die SDS-Korrespondenz den an der Arbeit des Verbandes Interessierten die SDS-interne Diskussion vorstellen, sie informieren, wie im SDS argumentiert wird. Wir hoffen, daß sich viele Genossen zu den in der Zeitschriftendiskussion bisher vorgetragenen Auffassungen äußern werden; die Form der Korrespondenz sollte dazu ermutigen."

Inhalt der Ausgabe ist:
- "Zum Verlauf der Zeitschriftendiskussion" von Horst Stemmler;
- "Dokumentation zur Zeitschriftendiskussion";
- - "1) Auszug aus dem Beschlußprotokoll der Bundesvorstandssitzung vom 27./28.11.1965;
- - "2) Brief von Jürgen Seifert an Helmut Schauer, v. 12.12.1965;
- - "3) Brief von 19 Unterzeichner an den Bundesvorstand, v. 12.12.1965";
- - "4) Brief des Bundesvorstands an die 19 Unterzeichner, v. 14.12.1965";
- - "5) Rundbrief von vier Marburger Genossen an die Gruppen des SDS, v. 10.1.1965";
- - "6) Brief von Fritz Lamm an Jürgen Seifert, v. 26.12.1965";
- - "7) Brief von Fritz Lamm an Helmut Schauer, v. 2.1.1966";
- - "8) Brief von Helmut Schauer an Fritz Lamm, v. 5.1.1966";
- - "9) Brief von Michael Schumann an Helmut Schauer, v. 13.12.1965";
- - "10) Brief von Helmut Schauer an Michael Schumann, v. 7.1.1966";
- - "11) Brief der Gruppe Göttingen (i. A. Hannes Friedrich) an den Bundesvorstand v. 16.12.1965";
- - "12) Brief des Bundesvorstands an Hannes Friedrich, v. 7.1.1966";
- - "13) Diskussionsbeitrag von acht Marburger Genossen, undat.";
- - "14) Brief der Genossen Liebel, Schaltenbrand und Seifert an die übrigen Unterzeichner des Appells an den Bundesvorstand, v. 20.1.1966";
- "Zum Stand der Zeitschriftendiskussion - Verband und 'neue kritik'" von Helmut Schauer;
- "Vereinbarung zwischen SDS und ARGUMENT";
- "Seminar in München" (vgl. 2.4.1966, 4.2.1966);
- - "1) Einladung der Gruppe München vom 29.12.1965";
- - "2) Brief des Bundesvorstands an die Gruppe München vom 6.1.1966"; sowie
- - "3 Brief der Gruppe München an den Bundesvorstand vom 12.1.1966".

Die Vereinbarung zwischen SDS und 'Argument' beinhaltet, daß der SDS-Bundesvorstand das 'Argument' bei seiner Arbeit unterstützt:"
Er wird die Mitglieder des SDS von der Möglichkeit einer Mitarbeit am Argument unterrichten und die Tätigkeit von Redaktionsgruppen des Argument außerhalb Berlins innerhalb des SDS fördern und anregen. Der SDS-Bundesvorstand empfielt den SDS-Gruppen das Argument für ihre theoretische Arbeit. Es fördert den Vertrieb des Argument durch die Gruppen. Der jeweilige SDS-Bundesvorsitzende wird Mitherausgeber des Argument. Er wird als solcher im Impressum der Zeitschrift geführt."
Q: SDS-Korrespondenz Nr. 1, Frankfurt Jan. 1966

Januar 1966:
Laut 'SDS-Korrespondenz' legt der Bundesvorstand des SDS (1. Vorsitzender Helmut Schauer) seine "Überlegungen für einen Studentenkongreß, Vietnam - Analyse eines Exempels" (vgl. 21.1.1966) vor. Darin heißt es u.a.:"
Die bisherigen kritischen Äußerungen zur amerikanischen Vietnam-Politik beschränken sich weitgehend entweder auf humanitäre oder aber auf unmittelbar politische Argumentation. Ein weitergehender Begriff, eine analytische Erklärung jener Entwicklung ist bislang im breiterem Kreise kaum sichtbar geworden. Das ist nicht nur der Mangel an einer lebendigen, modernen Imperialismustheorie. Die fehlende marxistische Analyse wird sich aber auf die Dauer als praktischer Mangel erweisen, weil die Schwäche der Linken der Bundesrepublik zur Resignation treibt, wenn deren Ursachen nicht reflektiert und die gegenwärtige Aktivität in den Zusammenhang weitgespannter sozialistischer Perspektiven gestellt werden. … Die besondere Aufgabe des SDS besteht vielmehr darin, denen die unter der Entwicklung in Vietnam und der amerikanischen Politik dort leiden, die Vorgänge dort zu erklären und damit ein sozialistisch-wissenschaftliches Verständnis ihrer eigenen Lage vorzubereiten."
Der Vietnam-Kongreß soll nach erster Einschätzung im Mai stattfinden. Man erwartet ca. 1 000 Teilnehmer aus der ganzen 'BRD'.
Q: SDS-Korrespondenz Nr. 2, Frankfurt Juni 1966, S. 3f

21.01.1966:
Laut 'SDS-Korrespondenz' findet "eine Bundesvorstandssitzung der Höchster Verbände statt. Der BV des SDS teilt mit, daß er einen Vietnam-Kongreß erwäge. Er schlägt vor, vorläufig erst einmal zu prüfen, ob als gemeinsame Plattform der Veranstalter eines solchen Kongresses die vom Argument-Club in Westberlin initiierte 'Erklärung gegen den Krieg in Vietnam' angenommen werden könne" (vgl. Jan. 1966, 4.2.1966).
Q: SDS-Korrespondenz Nr. 2, Frankfurt Juni 1966, S. 5

04.02.1966:
Laut der 'SDS-Korrespondenz' werden in München und Westberlin illegale Plakate zum Thema Vietnam (vgl. 21.1.1966, 5.2.1966) mit folgendem Text geklebt:"
Erhard und die Bonner Parteien unterstützen Mord. Mord durch Napalmbomben! Mord durch Giftgas! Mord durch Atombomben! Die US-Aggression in Vietnam verstößt nicht gegen die Interessen des demokratischen Systems: Wer es wagt, sich aufzulehnen gegen Ausbeutung und Unterdrückung, wird von den Herrschenden mit Brutalität niedergemacht. Die Völker Asiens, Afrikas und Lateinamerikas kämpfen gegen Hunger, Tod und Entmenschlichung. Die ehemaligen Sklaven wollen Menschen werden. Kuba, Kongo, Vietnam - die Antwort der Kapitalisten ist Krieg. Mit Waffengewalt wird die alte Herrschaft aufrecht erhalten. Mit Kriegswirtschaft wird die Konjunktur gesichert. Ost und West arrangieren sich immer wieder auf Kosten der wirtschaftlich unterentwickelten Länder. Jetzt bleibt den Unterdrückern nur noch der Griff zur Waffe. Für sie heißt Zukunft: Revolution! Wir sollen den Herrschenden beim Völkermord helfen. Deshalb beschwören sie das Gespenst der gelben Gefahr. Wie lange noch lassen wir es zu, daß in unserem Namen gemordet wird? Amis raus aus Vietnam - Internationale Befreiungsfront!"
Beim Kleben der Plakate werden SDS-Mitglieder von der Polizei festgenommen.
Q: SDS-Korrespondenz Nr. 2, Frankfurt Juni 1966, S. 5

05.02.1966:
Laut der 'SDS-Korrespondenz' war für heute in Berlin eine "gemeinsame Demonstration der linken Studentenverbände gegen die US-Intervention in Vietnam" geplant. Einige Studentenverbände verlangen zuvor jedoch die Distanzierung des SDS Bundesvorstandes (BV) von der Klebeaktion vom Vortag. "Der BV erfährt von der Verhaftung der SDS-Mitglieder am nächsten Tage durch die Presse und durch die Forderung einiger Genossen gegen die beteiligten Mitglieder durch Suspension von ihren Mitgliedschaftsrechten eine Untersuchung einzuleiten." Der BV erklärt die Plakataktion als unvereinbar mit der Vietnam-Politik des SDS, lehnt aber ein Ausschlußverfahren ab. Trotzdem kommt es in Westberlin zu der bisher größten Vietnam-Demonstration (vgl. 9.2.1966). "Die von einer Gruppe Demonstranten nach der großen Demonstration gegen die US-Interventionsgegner gegen das Amerika-Haus geworfenen Eier und die auf Halbmast gesetzte Flagge der USA sorgen für eine gewisse Publizität und liefern das Material für eine wilde Hetze, insbesondere der Springer-Presse in Westberlin gegen linke Studenten überhaupt. Es gelingt auf diese Weise die Koalition der Verbände zu spalten."
Q: SDS-Korrespondenz Nr. 2, Frankfurt Juni 1966, S. 5

09.02.1966:
Laut der 'SDS-Korrespondenz' spricht auf einem jour-fix in Westberlin der 1. Vorsitzende des SDS, Helmut Schauer, "zur aktuellen Politik des SDS" (vgl. 5.2.1966, 13.2.1966). "Die Diskussion richtet sich vor allem auf das Problem von Legalität und Illegalität. Es stehen sich beiderseits einigermaßen unklare aber äußerst emotional bestimmte Positionen gegenüber, wobei die Differenzen vordergründig als solche zwischen der älteren und der jüngeren, aktiveren Generation des SDS erscheinen. Die Plakataktion und ihr Inhalt findet auch bei den an ihr Beteiligten keine Fürsprecher, die ihr zugrundeliegende Stimmung wird aber in der symptomatischen Bemerkung deutlich, die Vietnam-Demonstration habe sich durch die Aktion vor dem Amerika-Haus 'aus der Legalität' gelöst. Dem wird die politische Konzeption entgegengehalten, daß die Rechtsnormen kein Abstraktum, sondern ein Mittel und Ansatzpunkt unserer Politik gerade dort seien, wo die Herrschenden gegen sie verstoßen und sie in ihrem Interesse brechen. Ganz falsch sei es aber, aus der Krise der politischen Demokratie die Schlußfolgerung zu ziehen, daß es nur darauf ankäme, sich auf die Illegalität vorzubereiten, indem man sie akzeptiert. Selbst wenn man mit dieser Möglichkeit rechne, gäbe es nur eine Vorbereitung darauf, nämlich den Kampf für die Legalität und insbesondere die Disziplinierung der eigenen Kräfte für diesen Kampf."
Q: SDS-Korrespondenz Nr. 2, Frankfurt Juni 1966, S. 5f

13.02.1966:
Laut der 'SDS-Korrespondenz' findet in Berlin auf der Vollversammlung des SDS Landesverbandes die Fortsetzung der Diskussion über "die Politik des SDS" (vgl. 9.2.1966, 24.2.1966) statt. "Ein Referat von Rudi Dutschke löst eine ausführliche Diskussion aus über deren Fortsetzung in Arbeitskreisen etc. man sich einig war. Von der Neuwahl des LV erhofft man sich eine nun wieder funktionsfähige, aktivere und politisch bewußtere Zentrale. Davon ausgehend, daß das politische Verhalten auch einzelner SDS-Mitglieder verbindlich an der politischen Diskussion und Position des Verbandes orientiert sein müsse, beschließt die MV eine Verpflichtung der Mitglieder vor der Beteiligung an politisch relevanten Aktionen den LV zu informieren. Die MV wird allerseits als produktiv und für die Zusammenarbeit insbesondere auch zwischen älteren und jüngeren SDS-Mitgliedern gedeihlich beurteilt. Der BV bittet nach der Vollversammlung wiederholt um das Referat und eine Zusammenfassung der Diskussion zur Publikation im Verband. Ohne Erfolg."
Q: SDS-Korrespondenz Nr. 2, Frankfurt Juni 1966, S. 6

24.02.1966:
Laut der 'SDS-Korrespondenz' findet anläßlich "eines Besuchs des BV in Berlin … eine ausgedehnte Diskussion mit den Genossen Dutschke, Horlemann, Fichter, Schmidt u. a. statt, bei der insbesondere über den Vietnam-Kongreß und seine politischen Implikationen gesprochen wird" (vgl. 13.2.1966, 26.2.1966).
Q: SDS-Korrespondenz Nr. 2, Frankfurt Juni 1966, S. 6

Juni 1966:
Die Nr. 2 der 'SDS-Korrespondenz' (vgl. Jan. 1966, Okt. 1966) erscheint mit "Materialien und Informationen zur Vietnam-Politik des SDS". In der "Vorbemerkung" des Bundesvorstands (BV) wird darauf verwiesen, daß die Korrespondenz "Materialien über Probleme dieser Politik" liefert. "Darüberhinaus soll die Darstellung der Vorgeschichte des Vietnam-Kongresses die Diskussion über die erste gemeinsame Veranstaltung der Opposition gegen die Vietnampolitik der USA in der Bundesrepublik erleichtern."
Enthalten sind in Form einer Chronologie:
- "Vorüberlegungen für einen Studentenkongreß: Vietnam - Analyse eines Exempels" (vgl. Jan. 1966);
- "Besprechung mit den 'Höchster Verbänden'" am 21.1.1966;
- "Plakat-Aktion in Berlin und München" am 4.2.1966;
- "Gründung des 'Westeuropäischen Studentenkomitees für den Frieden in Vietnam'" am 26./27.2.1966;
- "Brief des LV-Berlin an den US-Botschafter in der BRD" über die Gründung des Komitees;
- "BV-Sitzung" am 5./6.3.1966;
- die Unterstützung durch die Naturfreundejugend (NFJ) vom 8.3.1966;
- "Gemeinsame Bundesvorstandssitzung des SHB und SDS" am 29.3.1966;
- "SDS-Info Nr. 11" vom 31.3.1966;
- "Flugblatt an die Ostermarsch-Teilnehmer";
- "Gruppenvorsitzendenkonferenz: Gegenvorschlag des SDS-Köln zum Kongreß-Programm" vom 16.4.1966;
- "Gegenvorschlag des SDS-Tübingen zum Kongreß-Programm" vom 28.4.1966;
- "Zweite gemeinsame Bundesvorstandssitzung von SHB und SDS" am 26.4.1966;
- "Rücktritt des SHB von der Mitveranstaltung" am 1.5.1966;
- "Rundschreiben Nr. 5 des BV" vom 4.5.1966;
- "Gegenvorschlag des LV-Berlin zum Kongreß-Programm", die am 5.5.1966 beim BV eintraf;
- "Diskussion des LV-Berlin mit Frank Deppe" am 8.5.1966;
- "Flugblatt des LV-Berlin", die 'Informationen über Vietnam und Länder der Dritten Welt' Nr. 1 vom Mai 1966;
- "Reaktion des BV vor der Verteilung des Flugblattes" am 8.5.1966;
- "Mitgliederversammlung des SDS-Frankfurt" am 9.5.1966;
- "Gespräch des verantwortlichen Flugblatt-Redakteurs mit dem 'Argument'" am 9.5.1966;
- "Beschluß der a.o. BV-Sitzung" vom 11.5.1966;
- "Einladung des LV-Berlin zu seiner Vollversammlung" vom 12.5.1966;
- "Beschluß der a.o. MV des SDS-Frankfurt" vom 12.5.1966;
- "Stellungnahme des SDS-Heidelberg zur Flugblatt-Diskussion" vom 16.5.1966;
- "SHB-Opposition gegen den SHB-Rücktritt" am 16.5.1966;
- "Landesvollversammlung in Berlin" am 18.5.1966;
- - "Bericht des LV-Berlin";
- - "Bericht des BV, Referat von H. Schauer";
- - "Erklärung zum BV-Beschluß vom 11.5.66";
- "SHB-Opposition gegen SHB-Rücktritt" am 19.5.1966;
- "A.o. MV des SDS-Frankfurt" am 21.5.1966;
- "'Vietnam - Analyse eines Exempels'" am 22.5.1966;
- "Zweite Tagung des 'Westeuropäischen Studentenkomitees für den Frieden in Vietnam'" am 23.5.1966;
- "Rücktrittsabsichten der Bundesvorsitzenden" am 23.5.1966;
- "Norman Birnbaum: Stellungnahme zum Kongreß" vom 24.5.1966;
- "Stellungnahmen zur Flugblatt-Diskussion: SDS-Freiburg, SDS-Marburg" vom 26.5.1966;
- "Brief von Rainer Haase an Elmar Altvater" vom 26.5.1966;
- "Aufgabe der Rücktrittsabsichten" am 27.5.1966;
- "Brief des LV-Berlin an den BV" vom 29.5.1966;
- "Stellungnahme von Fritz Lamm zur Demonstration nach dem Kongreß" vom 30.5.1966;
- "Stellungnahme des SDS-München zur Flugblatt-Diskussion" vom 6.6.1966; sowie
- "Brief von H. Schauer an U. Schmiederer" vom 9.6.1966.

Enthalten ist auch ein "Anhang zur Zeitschriften-Diskussion" mit einem Beitrag des SDS-Köln.
Q: SDS-Korrespondenz Nr. 2, Frankfurt Juni 1966

Oktober 1966:
Die Nr. 3 der 'SDS-Korrespondenz' (vgl. Juni 1966, Okt. 1966) erscheint zum Thema "Die 21. ordentliche Delegiertenkonferenz des Sozialistischen deutschen Studentenbundes" zur DK vom 1. bis 4.9.1966 in Frankfurt mit dem Inhalt:
- "Beschlußprotokoll";
- - "I. Zur innenpolitischen Situation in der Bundesrepublik";
- - - "1. Notstandsgesetzgebung";
- - - "2. Aufhebung des KP-Verbots";
- - - "3. Redneraustausch und 'Freistellungsgesetz'";
- - - "4. Rechtsradikalismus in der Bundesrepublik";
- - "II. Zur Entwicklung in Asien und Lateinamerika";
- - - "1. Vietnam";
- - - "2. Die 'Kulturrevolution' in der VR China";
- - - "3. Der jüngste Staatsstreich in Argentinien";
- - "III. Schulung und theoretische Arbeit im SDS";
- - - "1. Das Schulungsprogramm des SDS";
- - - "2. Struktur und Funktion der 'neuen kritik'" zur NK;
- - "IV. Spezielle Verpflichtungen des SDS in der nächsten Zeit";
- - - "1. Notstandspolitik auf lokaler und regionaler Ebene";
- - - "2. Aufarbeitung der Notstandsmaßnahmen der Bundesregierung";
- - - "3. Vorbereitung von Kongressen und Demonstrationen";
- - - "4. Hochschulpolitisches Bundesseminar";
- - - "5. Programmentwurf";
- - - "6. Der Sozialistische Bund" (SB);
- - "V. Neue Finanzregelungen zwischen BV und Gruppen";
- - - "1. Gruppebeiträge";
- - - "2. Sachlieferungen";
- - "Vi. Neuwahlen";
- "Dem BV von der DK als Material überwiesen";
- - "1. Hochschulpolitik des SDS (alter BV)";
- - "2. Die Stabilisierungsgesetze (alter BV)";
- - "3. SDS und Gewerkschaften (Frankfurt) Anlage (L. Wolfstetter, Mannheim)";
- - "4. 'neue kritik' (Redaktion der nk)";
- - "5. Strafrechtsreform in der Bundesrepublik (alter BV)";
- "Wichtige abgelehnte Anträge und Begründungen";
- - "1. Zur Notstandspolitik des SDS" mit Anträgen aus München und Berlin;
- - "2. Ein Initiativ-Antrag zur Vietnampolitik (München)";
- - "3. Drei divergierende Begründungen für die Resolution gegen das Verbot der KPD" aus Köln und München sowie von der Antragsprüfungskommission;
- - "4. Begründung zur Resolution über den Redneraustausch SPD / SED (Köln)";
- - "5. Einrichtung eines Ökonomie-Referates (Köln)";
- - "6. Verhältnis von Bundesvorstand und Gruppen (Frankfurt)";
- - "7. Süd-Tirol (Autor unbekannt)"
- "Stellungnahmen aus dem SDS zur Delegiertenkonferenz";
- - "1. Gerhard Bessau (Köln)";
- - "Walter Fischer (für Gruppe Bonn)"; sowie
- - "Reimut Reiche und Peter Gäng".
Q: SDS-Korrespondenz Nr. 3, Frankfurt Okt. 1966

Oktober 1966:
Die 'SDS-Korrespondenz' (vgl. Okt. 1966, Nov. 1966) erscheint als Sondernummer mit dem Text von Rudi Dutschke "Ausgewählte und kommentierte Bibliographie des revolutionären Sozialismus von Karl Marx bis in die Gegenwart".
Q: SDS-Korrespondenz Sondernummer Rudi Dutschke Ausgewählte und kommentierte Bibliographie des revolutionären Sozialismus von Karl Marx bis in die Gegenwart, Frankfurt Okt. 1966

November 1966:
Die Nr. 4 der 'SDS-Korrespondenz' (vgl. Okt. 1966) erscheint mit dem "Entwurf zum Schulungsprogramm des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes", dessen zweite Überarbeitung sich gliedert in die Abschnitte:
- "1 Sozialwissenschaftliche Grundbegriffe";
- - "1.1 Gesellschaftliches Produkt, Gesellschaftsstruktur und gesellschaftliche Entwicklung";
- - "1.2 Gesellschaftliche Arbeit und Arbeitsteilung";
- - "1.3 Herrschaft und Verfügungsgewalt über gesellschaftliches Mehrprodukt";
- - "1.4 Verfestigung gesellschaftlicher Verhältnisse";
- "2 Grundstrukturen des Kapitalismus";
- - "2.1 Warenproduktion und Wert";
- - "2.2 Mehrwert und Mehrwertaneignung";
- - "2.3 Klassen und Herrschaftsverhältnisse";
- - "2.4 Kapitalistische Produktion und Reproduktion";
- "3 Ökonomische Aspekte der Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaft";
- - "3.1 Ursprüngliche Akkumulation und Frühkapitalismus";
- - "3.2 Industrielle Revolution und Konkurrenzkapitalismus";
- - "3.3 Monopolisierung und imperialistische Expansion";
- - "3.4 Die Krisenhaftigkeit des Zwischenkriegskapitalismus";
- "4 Politische Aspekte der Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaft";
- - "4.1 Die Entwicklung bürgerlich-rechtsstaatlicher Prinzipien";
- - "4.2 Imperialistischer Staat und Arbeiterbewegung";
- - "4.3 Die Verschränkung von parlamentarischem Staatsapparat und Gesellschaft";
- - "4.4 Die Verschränkung von faschistischem Staatsapparat und Gesellschaft";
- "5 Nachholende ursprüngliche Akkumulation";
- - "5.1 Grundbedingungen ursprünglicher Akkumulation";
- - "5.2 Ursprüngliche sozialistische Akkumulation in der UdSSR";
- - "5.3 Ursprüngliche sozialistische Akkumulation in der VR China";
- - "5.4 Gemeinwirtschaftlich nachholende ursprüngliche Akkumulation";
- "6. Grundstrukturen der internationalen gesellschaftlichen Entwicklung seit dem 2. Weltkrieg";
- - "6.1 Entwicklungstendenzen der Kolonialrevolution";
- - "6.2 Entwicklungstendenzen im sozialistischen Staatensystem";
- - "6.3 Ökonomische Entwicklungstendenzen des Kapitalismus";
- - "6.4 Politische Entwicklungstendenzen im Kapitalismus"; sowie
- "7 Gesellschaftliches Bewußtsein und sozialistische Strategie".
Q: SDS-Korrespondenz Nr. 4, Frankfurt Nov. 1966

Januar 1967:
Die 'SDS-Korrespondenz' Nr. 5 (vgl. Nov. 1966, Mai 1967) erscheint unter dem Titel "Lokaler Notstandskampf sozialistischer Schüler und andere Diskussionen aus dem SDS" mit dem Inhalt:
- "Einleitung" von Reimut Reiche und Peter Gäng zum Rücktritt der Schulungsreferenten Frank Deppe und Kurt Steinhaus und den Ereignissen in Berlin. Weiter heißt es auch: "Gedanken aus dem Bundesvorstand des SDS über die Gründung einer sozialistischen Schülerorganisation sind bedauerlicherweise über uns bislang noch verborgene Kanäle an die Öffentlichkeit gelangt";
- "I. Schulungsprogramm";
- - "1. Rücktritt der Schulungsreferenten" (vgl. 29.12.1966);
- "II. Notstand";
- - "1. Der SDS und die Notstandsopposition nach dem Kongreß vom 30. Oktober" von der Gruppe Bonn";
- - "2. Vorschläge für die lokale Notstandsarbeit" von Frank Wolff, Franfurt;
- - "3. Bericht der Gruppe Heidelberg" (vgl. Mai 1966);
- "III. Gründung einer sozialistischen Schülerorganisation";
- - "1. Hanspeter Bernhardt (Bundespräsident-Theodor-Heuss Schule in Homberg (Kassel) - Beitrag zur Gründung einer sozialistischen Schülerorganisation", worin es auch heißt: "Tröstlich zu wissen, daß es an den einzelnen Schulen immerhin noch etwa ein Dutzend Schüler gibt, denen das Unbehagen so tief in den Knochen steckt, daß es ihnen auch nicht mit der SMV ausgetrieben werden konnte. Es dürfte wohl deshalb gar nicht schwerfallen, diese Handvoll Schüler pro Schule für den geplanten SDS zu interessieren. Mit ihrer Hilfe müßte es möglich sein, den Sozialistischen Oberschülerbund zu gründen, die einzelnen SDS-Gruppen an den Schulen einzurichten und die Aktionen zu organisieren. Die Notwendigkeit dieser SDS-Gründung ergibt sich vor allem aus der unverändert abhängigen Stellung des Schülers innerhalb der Schule und der bewußten Tendenz und den bewußten Unterlassungen der Ausbildung. Es gilt, daß jene Gruppe kritischer Schüler, die sich noch nicht hat integrieren lassen, gemeinsam als lokale SDS-Ausschüsse auf die fehlende Demokratisierung der Schule, die unerträgliche Bevormundung durch die Lehrer, die autoritär orientierte Machtdifferenz Lehrer-Schüler und den Mangel der Ausbildung aufmerksam machen muß. Sie muß all den Mitschülern (potentiellen SDS-Mitgliedern) die wirklichen Zustände bewußt machen, die jene vor lauter Mitverantwortung gar nicht sehen. Vor allem aber muß die autoritäre Stellung des Lehrers verunsichert werden, damit denen endlich klar wird, daß die Scheiße nicht mehr so weiterlaufen soll, wie sie sich das alleine ausdenken. Als Anknüpfungspunkt für das Interesse der Schüler empfiehlt es sich nicht, den SDS als mini-sds (sprich: Nachwuchsorganisation) oder als Lesezirkel für Marx einzurichten. Damit kann man vorläufig keinen Hund hinterm Ofen hervorlocken. Vielmehr muß man das Unbehagen der Schüler in der Gesellschaft, d.h. in der Schule, und den von den Schülern selbst empfundenen Mangel der Ausbildung in der Schule ausnutzen. Man kann damit beginnen, ein Selbsthilfe-Programm aufzustellen; offensichtliche Unterschlagungen im Biologie-, Sozialkunde- und Geschichtsunterricht müssen aufgedeckt werden. Folgende Vorschläge, die sich mit dem tabuierten Sexualunterricht auseinandersetzen, können gleichzeitig Motiv zum Eintritt in den SDS sein:
1. Sexuelle Aufklärung
2. Information über Verhütungsmittel
3. Diskussion zur Abtreibung
4. Ärzte und Apotheken vermitteln, die Anti-Babypillen verschreiben oder verkaufen.
Im Blick auf den Geschichts- und Sozialkundeunterricht empfiehlt es sich, Themen vorzuschlagen, von denen man noch dazu in der Schule profitieren kann. Vorerst kann man sich darauf beschränken, unterbelichtete oder falsch dargestellte Geschichtsepochen zu untersuchen:
1. Widerstand im Dritten Reich …
2. Ursachen eines Krieges …
3. Geschichtsbüchervergleich DDR und BRD.
Weiterhin bieten sich Aktionen gegen die Unterrichtsformen, speziell der Fächer Religion und Turnen an … Ein weiteres Aufgabengebiet fiele dem SDO zu, wenn es ihm gelänge, die Nazi-Vergangenheit verschiedener Lehrer aufzuspüren. Auf Plakaten und Flugblättern müssen die Ergebnisse bekannt gemacht und die Entlassung dieser Lehrer gefordert werden.";
- - "2. Erich Eisner (SDS München) - Zur Frage der Gründung einer Schülerorganisation". Danach hat der BV auf einer seiner letzten Sitzungen beschlossen, "eine ausführliche Diskussion im Verband mit den bereits bestehenden fortschrittlichen Schülerarbeitskreisen herbeizuführen und möglichst noch in diesem Jahr eine Gründung zu versuchen".;
- - "3. Robert Kurz (SDS Nürnberg-Erlangen) - Antwort auf die Stellungnahme Eisners", der die Gründung für verfrüht hält;
- - "4. Klaus Gilgemann (SDS Berlin) - Schüler in Metropolen";
- - "5. Eine erste Antwort aus der Schule" über ein Schülerkabarett zu Themen wie Notstand und Vietnam;
- - "6. Aus dem Rundschreiben des BV", worin es auch heißt: "Es ist selbstverständlich, daß die Gründung einer solchen Organisation in unserem Interesse liegt, nicht als Konkurrenzorganisation zu den Jungsozialisten (Jusos der SPD, d.Vf.) etc. und nicht als Rekrutierungsfeld für den SDS, sondern als eigenständige politische Kraft mit ganz spezifischen Zielsetzungen.

Damit sich eine derartige Organisation bilden kann, müssen natürlich ganz bestimmte Randbedingungen erfüllt sein. In der BRD gibt es z.B. über 2 000 Oberschulen. Wenn es gelingt, von etwa 30 Oberschulen und ca. 400 Schülern ausgehend die Gründung eines SDSch politisch und organisatorisch vorzubereiten, würde das nach unserer Einschätzung für eine Konstituierung ausreichen …

Nach ausführlicher Diskussion und nach Analyse einiger 'freier' Schülerarbeitskreise können wir das Argument, die Organisierung von Schülern unter dem Titel 'sozialistisch' werde unsere Einflußmöglichkeiten an den Schulen verringern, nicht mehr anerkennen. Bei den Schülern, bei denen der SDS attraktiv ist, ist er es als sozialistische Organisation." Für die Konstituierung soll folgender Zeitplan eingehalten werden: "Januar 1967: zentrale vorbereitende Besprechung der 'opinion-leaders' einzelner Schülergruppen und Schulen, die Programm und Satzung vorbereiten sollen. Pfingsten 1967: Gründungsversammlung.";
- - "7. Reimut Reiche und Peter Gäng (BV) - Zur Gründung eines sozialistischen Schülerbundes";
- "IV. Zu den Ereignissen in Berlin";
- - "1. Auszug aus 'Der Tagesspiegel', Berlin, vom 11.12.1966" zur Vietnam-Demonstration am 10.12.1966;
- - "2. Auszug aus 'Der Tagesspiegel', Berlin, vom 18.12.1966" zur SDS-Demonstration am 17.12.1966;
- - "3. Auszug aus dem 'Kölner Stadt-Anzeiger' vom 19. Dez. 1966" zur Berliner SDS-Demonstration am 17.12.1966;
- - "4. Ein völlig subjektiver Bericht - Reiner Langhans, Berlin";
- - "Verschickt an die Berliner SDSler" - ein Aufruf zum 17.12.1966;
- - 5. Resolution zur Politik des SDS Landesverband Berlin", angenommen auf der Landes-VV am 7.1.1967;
- "V. Erich Eisner (SDS München) - Zu Dutschkes Literaturverzeichnis", in dem Clara Zetkin, Ernst Thälmann, August Bebel und die gesamte DDR-Literatur fehlen;
- "VI. Pathologica";
- - "Fälschungen" zum 'Sozialistischen Deutschland' der MLPD, das vom Verfassungsschutz stamme; sowie
- "'National Construction'", die entgegen dem Impressum nicht aus der VR China stamme.
Q: Erziehung und Klassenkampf Nr. 2, Frankfurt 1971, S. 18; SDS-Korrespondenz Nr. 5, Frankfurt Jan. 1967

Mai 1967:
Die Nr. 6 der 'SDS-Korrespondenz' (vgl. Jan. 1967, März 1968) enthält u.a.:
- "Einleitung";
- "I. Dokumente zu einigen Entwicklungen im SDS (Partei' und 'Kommune')" (vgl. 3.5.1967);
- - "a) Beschluss des Bundesvorstands des SDS zur Organisationsfrage" vom 29./30.4.1967;
- - "b) Beschluss des Bundesvorstands des SDS zur Entwicklung im Berliner SDS" vom 29./30.4.1967;
- - "c) Beschluss des SDS München zur 'Kommune'" vom 24.4.1967;
- - "d) Pressemitteilung über einen Ausschluß" vom 3.5.1967 aus der Gruppe an der FU Berlin;
- - "e) SDS Nürnberg / Erlangen";
- - "f) ein Flugblatt der ASO", verteilt auf dem Hessischen Ostermarsch;
- - "g) Offener Brief des SDS Heidelberg an die ASO";
- "II. Einige Semesterberichte aus kleineren Gruppen";
- - "a) SDS Bonn";
- - "b) SDS Nürnberg / Erlangen";
- - "c) SDS Darmstadt";
- - "d) SDS Tübingen";
- - "e) Etwas aus Frankfurt", wobei es sich um den Text von Burkhard Bluem "Misslungene Proben des akademischen Proletariats für den aufgeschobenen Aufstand" vom 23.4.1967 handelt;
- "III. Innerverbandliche Schulung im SDS";
- - "a) Kritik am Programmentwurf (Deppe / Steinhaus)";
- - - "I. Kritik des vorliegenden Programmentwurfs von Deppe / Steinhaus. (Korrespondenz Nr. 4)";
- - - "II. Rohentwurf eines Alternativprogramms";
- - "b) Ein Arbeitskreismodell" des SDS München;
- "IV. Die Notstandsverfassung" von K. H. Roth;
- "V. SDS und SPD - eine Grußadresse des Bundesvorsitzenden, die nicht gut aufgenommen wurde";
- "VI. Der Prozess gegen den SDS" um die Förderungswürdigkeit; sowie
- "VII. Pathologica" zur 'Neuen Kritik' (NK), wozu sich neben Frankfurt nur Bonn und Heidelberg, die am 4.3.1967 eine Antwort des BV erhielten, äußerten.
Q: SDS-Korrespondenz Nr. 6, Frankfurt Mai 1967

03.05.1967:
Der Vorstand der SDS-Gruppe an der FU-Berlin und der Vorstand des Landesverbandes Berlin im SDS fassen mit Zustimmung des BV des SDS den Beschluß:"
Der Landesvorstand des SDS suspendiert mit sofortiger Wirkung die ihm bekannten Verfasser der mit 'SDS' unterzeichneten Flugblätter (durchnumeriert mit 1-5) von ihren aktiven und passiven Mitgliedsrechten. Der Bundesvorstand des SDS schließt sich der Suspendierung an."
Q: SDS-Korrespondenz Nr. 6, Frankfurt Mai 1967, S. 5

März 1968:
Die Nr. 7 der 'SDS-Korrespondenz' (vgl. Mai 1967, 27.9.1968) erscheint mit Beiträgen zu den Bundestagswahlen (BTW) 1969:
- "Arnhelm Neusüss: 'Parlamentarische Aktion' der außerparlamentarischen Opposition";
- "Auszüge aus einem Brief von Fritz Lamm";
- "Helmut Schauer: Unsystematische Anmerkungen zur Diskussion";
- "Walmot Falkenberg, Hartmut Dabrowski: Langer Marsch - kurze Perspektive";
- "Bernhard Achterberg: Zwei Formen von Voluntarismus und die Suche nach einer marxistischen Alternative";
- "Dokumentation";
- - "Der B. V. und die traditionalistische Gefahr" von E. Jedamus, H. E. Schmitt und E. Eisner; mit dem "Grußwort des BV auf der Arbeitskonferenz des 'Sozialistischen Zentrums' am 2.2.68 in Offenbach und einer bisher von über 50 Mitgliedern unterzeichneten "Gegenerklärung"; sowie
- "Nachwort des Bundesvorstandes".
Q: SDS-Korrespondenz Nr. 7, Frankfurt März 1968

27.09.1968:
Der kommissarische Bundesvorstand des SDS (Bärmann, Noth und Schmierer) verfasst die Vorbemerkung für die 'SDS-Korrespondenz' (vgl. März 1968, 26.10.1968), die die "Dokumente der XXIII. ordentlichen Delegiertenkonferenz des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS 12.-16. September 1968" enthält, bei denen es sich handelt um:
- "I. Rechenschaftsbericht des Bundesvorstandes";
- - "Die Springer-Kampagne";
- - "Kampagne gegen die Notstandsgesetze";
- - "Hochschule";
- - "Vietnam";
- - "Organisation des SDS";
- "II. Zur Ausschlußfrage" wegen der Weltjugendfestspiele in Sofia;
- - "Satzungsänderung";
- - "Entschließung des Bundesvorstands vom 10. Aug. 68";
- - "Brief von Herbert Lederer an die Gruppen";
- - "Bericht der Kölner Antiautoritären zur Lage im SDS-Köln";
- "III. Zur Entwicklung in der CSSR";
- "IV. Zum Kampf gegen die Notstandspraxis, Militarisierung, Bundeswehr…";
- - "I. Zur ökonomischen Analyse der Notstandsplanung";
- - "II. Zur Organisation der Notstandspraxis";
- - "III. Der SDS beschließt deshalb:"
- "V. Resolutionsentwurf zur Justizkampagne";
- "VI. Wissenschaft und Hochschule";
- - "Resolutionsentwurf über den strategischen Stellenwert der technischen Intelligenz" von den Gruppen TH Aachen, TU Berlin, Ingenieurschulen Gauss, Beuth und Post Berlin, TH Darmstadt, TU Hannover, Uni Stuttgart und Projektgruppe Technologie Berlin;
- - "Resolution zur Politik an der Hochschule" vom SDS Frankfurt;
- - "Resolutionsentwurf der Gruppe Münster zur 23. o. DK. Wissenschaft als revolutionäre Praxis oder gegen Wissenschaft als bloße Ideologiekritik";
- - "Resolutionsentwurf der Gruppe Münster. Über die Notwendigkeit des kulturrevolutionären Kampfes";
- "VII. Zur Organisationsfrage";
- - "Helke Sander: Der Aktionsrat zur Befreiung der Frauen";
- - "Resolutionsentwurf, vorgelegt vom Aktionsrat zur Befreiung der Frauen - Berlin";
- - "F. Huisken: Autoritäre Züge im SDS-Erlangen-Nürnberg";
- - "Modell der drei Ebenen und zwei Räte" vom SDS Delegiertenkollektiv Hamburg; sowie
- "Anhang: Aus 'Entwicklung des Heidelberger SDS seit Juni 67 5. Hochschulpolitik".
Q: SDS-Korrespondenz Dokumente der XXIII. ordentlichen Delegiertenkonferenz des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS 12.-16. September 1968, Frankfurt O. J. (1968)

26.10.1968:
Heute beginnt in Heidelberg ein zweitägiges Bundesseminar des SDS zur Hochschulpolitik, über das in einer Ausgabe der 'SDS-Korrespondenz' (vgl. 27.9.1968) berichtet wird, die sich gliedert in die Abschnitte:
- "Zur Diskussion auf dem SDS-Hochschulseminar";
- "I. Zum Bundesseminar";
- - "1. Hochschulpolitik - Politik an der Hochschule (Joscha Schmierer)";
- - "2. Entwicklung einer Konfliktstrategie an der Hochschule (Rüdiger Stiebitz)" aus dem SDS Münster;
- - "3. Thesen zur Hochschulpolitik (Diskussionsbeitrag der Berliner Genossen)";
- - "4. Kurze Zusammenfassung der Diskussion auf dem Bundesseminar";
- - "5. Schwierigkeiten des Basisgruppenkonzepts und der politischen Arbeit in den Instituten (Joscha Schmierer)", wozu es u.a. heißt: "An den meisten Hochschulen entstand aus den Erfahrungen der Notstandsaktionen, das Basisgruppenkonzept als eine Möglichkeit, wenigstens verbal, eine praktische Perspektive zur Weiterführung der Hochschulrevolte aufzuzeigen. Das Basisgruppenkonzept wurde jedoch sehr schnell dogmatisiert und zu einem Allheilmittel der organisatorischen Misere der Studentenbewegung stilisiert. Schon in seiner Genese an den einzelnen Hochschulen war ein ahistorisches und dogmatisches Element: vielfach wurde es unter Abstraktion seiner konkreten Herausbildung in Berlin unreflektiert als Aufgabe und Ausweg postuliert statt seinen jeweiligen Zusammenhang mit der bisherigen Studentenbewegung an den einzelnen Hochschulen zu analysieren und die verschiedenen Motivationen zu berücksichtigen … Auf dem Heidelberger Seminar zeigte sich, daß das Basisgruppenkonzept von einem Scheitern der bisherigen SDS-Politik ausgeht und als Ansatz einer qualitativ neuen Hochschulpolitik verstanden wird … Die bisherige Politik des SDS ist aber nicht gescheitert, sondern an ihre Grenzen gelangt. Das Basisgruppenkonzept ist Produkt und Antwort auf diese Krise. Es konkretisiert die bisherige SDS-Politik und negiert sie keineswegs. Die Basisgruppen sind zunächst die Organisation der mobilisierten Studenten … Die Form der Massen teach-ins und Massenaktionen, die den Konflikt mit der bestehenden Gesellschaft auf einer allgemeinen Ebene austrugen, und die jetzt an ihre vorläufige Grenze gestoßen ist, brachte innerhalb des SDS eine bestimmte Art von Sprechern hervor, deren Lebensform als Quasiberufsrevolutionäre die subjektive Widerspiegelung der Herausentwicklung der Studentenbewegung aus der Universität ist. Diese Avantgarde kann jedoch das Bedürfnis der Studentenbewegung, sich innerhalb der Universität zu stabilisieren, im allgemeinen nur noch theoretisch postulieren, aber nicht praktisch initiieren … Der SDS steht vor der Notwendigkeit, eine neue Avantgarde herauszubilden, die sich sofort, da auch die Institutspolitik nicht auf ihre provokative Phase wird verzichten können, sehr starken Pressionen ausgesetzt sehen wird. Denn durch die Konkretisierung des politischen Konflikts innerhalb der Hochschule, gerät die Studentenbewegung zunehmend unter Bedingungen, die mit denen in den Betrieben vergleichbar sind, wo ein strenges Kontrollsystem und die Individualisierung am Arbeitsplatz jede politische Aktivität behindert … Die Basisgruppen dürfen sich außerdem nicht verselbständigen, um im Konfliktfall von der ganzen politischen Studentenbewegung geschützt werden zu können, d.h. daß gerade für das Basisgruppenkonzept eine Besetzung des AStA, der partielle Konflikte auf die allgemeine Universitätsebene heben und damit verallgemeinern kann, eminent wichtig ist … Nur wenn die Basisgruppen an die allgemeine Problematik der Studentenbewegung anschließen und eine inhaltlich bestimmte Funktion in dieser erfüllen, werden sie auch Möglichkeiten der Kooperation untereinander finden, die ihnen durch die Fachstruktur der Universität ja zunächst verweigert sind. Das aber heißt, daß es nicht darum gehen kann, die Basisgruppen als die Organisationsform zu behaupten, sondern daß sie als organisatorische Teillösung von Teilproblemen der Protestbewegung begriffen werden müssen.";
- "II. Materialien";
- - "1. SDS-Hochschulstrategie (SDS Erlangen)" vom Bayrischen Regionalseminar in Erlangen am 19./20.10.1968;
- - "2. Die radikaldemokratische Hochschulpolitik in Hamburg. Kritik und Möglichkeiten einer Politik innerhalb der studentischen Institutionen (SDS Hamburg)" von der SDS-Regionalkonferenz Hamburg vom 11.-13.10.1968;
- - "3. SDS und 'Studentengewerkschaft' (Frankfurter Genossen, Rainer Haase u.a.)"; sowie
- - "4. Empirische Kritik des Aktionismus" und "Funktionsbestimmung der Fachbasisgruppen an der Hochschule" von einer Gruppe Frankfurter Genossen.
Q: SDS Korrespondenz Bericht vom Bundesseminar zur Hochschulpolitik Heidelberg, 26.-27.10.68, Frankfurt o. J. (1968)

Letzte Änderung: 09.03.2018