Materialien zu Hochschulpolitik und Studentenbewegung in Tübingen - Erstes Halbjahr 1969

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 15.5.2017


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Es können hier nur wenige Dokumente und Hinweise zur Hochschulpolitik und Studentenbewegung in Tübingen vorgestellt werden. Wir bitten um Ergänzungen.

Diese Darstellung stützt sich vor allem auf einige Akten des SDS-Bundesvorstandes.

Im ersten Halbjahr des Jahres 1969 bilden die Tübinger Marxisten-Leninisten, die offenbar aus der SDS-Betriebsprojektgruppe (BPG - vgl. Juni 1969) kommen, die Revolutionäre Jugend (Marxisten-Leninisten) - RJ/ML (vgl. Jan. 1969), aus der später der Kommunistische Arbeiterbund (ML) entsteht, und beginnen alsbald mittels des zentralen Aktionskomitees (ZAK) auch Einfluß auf die Provinzgruppen vor allem in Schwaben zu nehmen (vgl. 22.2.1969, März 1969, 10.4.1969, Mai 1969).

Die Studentenbewegung in Tübingen ist derweil vor allem mit der Repression befasst, so findet dort das Bundesseminar des SDS für die Justizkampagne (vgl. 10.1.1969) statt und auch die 'Notizen' (vgl. Apr. 1969) widmen sich diesem Thema, ebenso wie die 'Roten Notizen' (vgl. 21.4.1969, 10.5.1969) der Basis- und Projektgruppen, von denen es mittlerweile eine ganze Reihe gibt. Auch hochschulpolitisch steht die Repression durch das Ordnungsrecht bzw. die Grundordnung (GO) und das Hochschulgesetz im Vordergrund (vgl. 8.5.1969, 15.5.1969), bei den Studentenparlamentswahlen (StPW) vom 12. bis 16.5.1969 setzen sich die Linken knapp durch (vgl. 19.5.1969).

Fortgeführt werden die Proteste am Amerikahaus (vgl. 25.4.1969), ebenso wie der Prozeß wegen der Vietnam-Solidaritätsaktionen vom 8. Feb. 1968 (vgl. 28.5.1969) und die Proteste gegen das Apartheidregime in Südafrika (vgl. Juni 1969, 12.6.1969). Eine zentrale Rolle spielt nun das Faschismus-Seminar (vgl. 15.5.1969, 19.6.1969), das auch in Karlsruhe agitiert (vgl. 11.6.1969, 12.6.1969).

Gegen die Grundordnung (GO) und das Ordnungsrecht beginnt dann Ende Juni 1969 ein aktiver Streik (vgl. 23.6.1969), der in Zusammenhang mit studentischen Protesten in ganz Baden-Württemberg steht und in dessen Verlauf es nicht nur zu verschiedenen Auseinandersetzungen mit der Polizei kommt, sondern auch intensive inhaltliche Arbeit sowie Agitation in der 'Provinz' betrieben wird.

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

1969:
Vermutlich in Tübingen kommt es zu einer Spaltung einer Studentengruppe (SDS), von denen ein Teil sich später als KSG/ML herausbildet.
Quelle: KSG/ML: Vorwärts beim Aufbau des kommunistischen Studentenverbandes (ML) als Studentenmassenorganisation des KABD! Dokumente des 2.LDT der KSG(ML), o.O. o.J.

Januar 1969:
Erst im Januar erscheint der auf Dezember 1968 / Januar 1969 datierte 'Rote Morgen' (vgl. Nov. 1968, 8.2. 1969), dafür ist er jetzt das Zentralorgan der KPD/ML (vgl. 31.12.1968). Leserbriefe kommen auch von der Uni Tübingen.
Q: Roter Morgen Dez. 1968 / Jan. 1969 und Nr. 10, Hamburg 1969 bzw. 23.5.1972, o. A. bzw. S. 6

Januar 1969:
Vermutlich diesen Monat wird die Revolutionäre Jugend/Marxisten-Leninisten (RJ/ML) von der Roten SDAJ-Opposition Mannheim und Mitgliedern der SDS Betriebsprojektgruppe Tübingen gegründet. Dazu führt die "Geschichte der MLPD" aus:
"Eine Gruppe von marxistisch-leninistischen Studenten, die aus der Spaltung des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) in Tübingen hervorgegangen war, schloß sich Anfang 1969 mit der proletarischen Gruppe um den 'Rebell' in Mannheim auf deren Initiative zusammen. Gemeinsam gründeten diese Marxisten-Leninisten - Arbeiter, Lehrlinge und Studenten - die Revolutionäre Jugend (Marxisten-Leninisten). Aus ihr ging im September 1969 der Kommunistische Arbeiterbund (Marxisten-Leninisten) hervor."
Q: MLPD-ZK: Geschichte der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands, II. Teil, 1. Halbband, Düsseldorf 1986, S. 117f

10.01.1969:
In Tübingen soll das dreitägige Bundesseminar des SDS für die Justizkampagne beginnen.
Q: SDS-Info Nr. 1, Frankfurt falsches Datum: 4.11.1968, S. 16

29.01.1969:
Es erscheint das 'SDS-Info' Nr. 6 (vgl. 28.1.1969, 20.2.1969) mit dem Text "Studentenzeitungen. Publikation und Agitation als Ausbreitung revolutionärer Kommunikation" von H. D. Bahr (SDS Tübingen und Redaktion der 'Notizen').
Q: SDS-Info Nr. 6, Frankfurt 29.1.1969, 21ff

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22.02.1969:
In Tübingen beginnt, laut RJ/ML, die erste zweitägige Arbeitstagung des zunächst auf Baden-Württemberg beschränkten Zentralen Arbeitskomitees (ZAK - vgl. Sept. 1968, 24.5.1969), auf der u.a. beschlossen wird den durch die RJ/ML herausgegebenen 'Rebell' als Mitteilungsorgan des ZAK zu verwenden. Thema der Tagung ist "Kritik der KPF-Politik". Das ZAK wurde, laut MLPD (2), ursprünglich von DKP-nahen Gruppen gegründet.Es organisierte sich überregional aus Teilen des SDS Tübingen, RC Tübingen, Sozialistischer Club (SC) Esslingen, Unabhängiger sozialistischer Club (USC) Bietigheim, Sozialistischer Lehrerbund (SLB) Ludwigsburg sowie Genossen aus Heilbronn, Stuttgart und Mannheim.

Das Organ des ZAK: 'ZAK-Info 1. Mitteilung für die Gruppen des Zentralen Aktionskomitees' wird verantwortet von Thomas Quest in Tübingen (später KAB (ML), danach KABD-ZKK Mitglied).
Berichtet wird in der ersten Nummer u.a. vom Sozialistischen Club Esslingen und von Kaderschulungen in Tübingen. Ein längerer Bericht beschäftigt sich auch mit der Betriebsprojektgruppe Tübingen, die sich nach den Aktionen gegen die Notstandsgesetze (NSG, d.Vf.) in Tübingen konstituierte. Das ZAK sollte dem Bericht folgend Informations- und Koordinationszentrale werden. Der zunächst relativ lose Zusammenschluß verfestigte sich in den kommenden Wochen und Monaten. Später gab es sog. ZAK-Seminare, die alle zwei Monate in Tübingen stattfanden. Weitere 'ZAK-Infos' wurden uns bisher aber nicht bekannt.

Das ZAK entsprach, laut H. Modau, den Vorstellungen des Organisationsaufbaus von der Basis her. Damit erteilten auch die frühen 'Rebell'-Gruppen der Basisideologie keine eindeutige Absage. Das ZAK kam zustande aufgrund der Bedürfnisse von APO-Gruppen nach praktischer Unterstützung. Diese gewährten die Kräfte der SDS-Betriebsgruppe Tübingen. Aus dem SDS Tübingen und einigen ZAK-Gruppen stammten die Kräfte, welche später über den KAB(ML) in den KABD eingehen sollten. Die Struktur des ZAK war von der Jugend- und Studentenbewegung übernommen, d.h., eine formale Mitgliedschaft gab es nicht. Im ZAK betrieb man die gleichen Aktionen wie der Rest der Jugend- und Studentenbewegung (z.B. Umfunktionieren von Wahlveranstaltungen, Aktionen gegen Mietwucher)."
Q: H. Modau: Zur Geschichte der KPD/ML und des KABD, o.O. 1979, S. 37; Rebell Nr. 10, Mannheim Juni 1969;MLPD-ZK: Geschichte der MLPD, I.Teil, Stuttgart 1985, S. 179;ZAK-Info 1, Tübingen 1969

März 1969:
Die Nr. 7 des 'Rebell' (vgl. Feb. 1969, April 1969) für März berichtet in "ZAK Tagung Tübingen" über ein Zentrales Arbeitskomitee (ZAK) welches von folgenden Gruppen gebildet worden sei:
- SDS Tübingen,
- RC Tübingen,
- RC Reutlingen,
- Sozialistischer Club (SC) Eßlingen,
- Unabhängiger Sozialistischer Club (USC) Bietigheim,
- Sozialistischer Lehrerbund (SLB) Ludwigsburg,
sowie Genossen aus Heilbronn, Stuttgart und Mannheim.
Repräsentant des ZAK ist Thomas Quest.
Q: Rebell Nr. 7, Mannheim März 1969, S. 11f

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April 1969:
An der Universität Tübingen erscheint die Nr. 89 der 'Notizen' (vgl. Feb. 1968, 15.5.1969) mit dem Leitartikel "1919 - 1969 Etappen einer revolutionären Hoffnung".

Weitere Artikel und Rubriken sind:
- "Das verzweifelte Ringen des Ordinarius Dieter Pohmer um die Erhaltung der spätkapitalistischen Herrschaftsstrukturen, dargestellt am Beispiel seiner Vorlesung Steuerpolitik";
- "1 Polizei - Exekutive in der Exekutive" mit einer Liste über Polizeieinsätze gegen die Studenten in Tübingen und den Abschnitten:
- - "I Die Entsublimierung der herrschenden Gewalt. Geschichte der Polizei";
- - "II Die direkte Gewalt der Tötungsdrohung";
- - "III Die Eigenart der Polizeigewalt";
- "Bücher";
- "Politische Montage";
- "Notizen aus dem Untergrund";
- "Spendet für den Rechtshilfefonds";
- "2 Polizei - Exekutive in der Exekutive" mit den Abschnitten:
- - "I Guter und schlechter Staat";
- - "II Die Instrumentalität der Polizei";
- - "III Mephistophelisch";
- - "IV Die innere Misere der reinen Gewalt";
- - "V Die vernunftlose Taktik";
- "HTS" zur VDS-MV (vgl. 3.3.1969) vom HTS;
- "…VDS" eine Antwort zum Artikel "HTS";
- "Aus dem Lande der Richter und Henker IV" zum Polizeieinsatz am 7. und 8.9.1968 beim Treffen der 78. Sturmdivision der Wehrmacht;
- "Rand-Notizen" zum verband der Haus- und Grundbesitzer;
- "Es lautet ein Beschluß, daß der Mensch… …was lernen muß!" zu de Lehrerstudenten und der GEW;
- "Sehr gewehrte Herren Verbandsbrüder!" zum Convent deutscher Akademikerverbände (CDA);
- "VDS - fast ein Rätemodell"; sowie
- "Finanzreport II".
Q: Notizen Nr. 89, Tübingen Apr. 1969

April 1969:
In Göttingen gibt der Club politikon e.V. die Nr. 2 von 'politikon extra' (vgl. Dez. 1968, 16.6.1969) heraus mit dem Artikel "Raus aus dem Konzil" wobei von den Grundordnungsversammlungen (GOV) in Freiburg, Heidelberg und Tübingen berichtet wird.
Q: politikon extra Nr. 2, Göttingen Apr. 1969, S. 4

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10.04.1969:
Laut RJ/ML wird heute in Tübingen ein Kontaktgespräch des Zentralen Arbeitskomitees (ZAK), in dem sie selbst vertreten ist, mit Schülern aus Biberach, Heilbronn, Karlsruhe, Mannheim, Rottweil, Stuttgart, Ulm und anderen Orten geführt.
Das ZAK wies darauf hin, "daß das Zentrale Aktionskomitee es sich vor allem zur Aufgabe gemacht habe, die vielfältige und oft zersplitterte Arbeit der linken Gruppen zu koordinieren, mit ihnen gemeinsame Aktionen durchzuführen, wichtige Informationen auszutauschen, beispielhafte Arbeitsmodelle zu entwickeln und - wohl als das Wichtigste - die Zusammenarbeit zwischen Jungarbeitern und Lehrlingen, Schülern und Studenten zu festigen".
Q: Rebell Nr. 8, Mannheim Apr. 1969, S. 16

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21.04.1969:
An der Universität Tübingen erscheint vom AStA die Nr. 3 der 'Roten Notizen' (vgl. 29.4.1969) mit dem Leitartikel "Aufruf zur Solidarität mit dem Genossen Vowinckel beim Kampf gegen die Justiz" zum Luftschutzprozeß am 24.4.1969 wegen der Besetzung des Luftschutzbüros durch 124 Psychologiestudenten.

Weitere Artikel sind:
- "Analyse der LSHD-Besetzung und des Wilhelm-Reich-Instituts. Zusammenarbeit bei der Vorbereitung politischer Prozesse";
- "Anarchisten und Staatsschutz" zum Urteil im Prozess in Berlin gegen Gaston Salvatore und Rolf Schwiedrizik (vgl. 28.1.1969) bzw. zur Kommune 1 (KI);
- "Macht aus Germanisten gute Sozialisten!" von der Basisgruppe Germanistik, die auch ein Wochenendseminar für Studienanfänger am 26./27.4.1969 durchführt;
- "Die Revolte der technischen Intelligenz";
- "Dokumente. Wann wirft man Ihnen die Scheiben ein? (Dietmar Rühl in: Junge Wirtschaft, Zeitschrift für fortschrittliches Unternehmertum, 2. Febr. 1969)";
- "Grussadresse an den ersten Parteitag der Deutschen Kommunistischen Partei" (DKP) vom SDS-Bundesvorstand am 12.4.1969;
- "Erlernt den Beruf im Klassenkampf" zur Podiumsdiskussion am 23.4.1969; sowie
- "GOV. Tritt Raiser zurück?" zum studentischen Vertreter von der HTS.

Bekanntgegeben werden die Termine der Basisgruppen Jura, Naturwissenschaften (mit den drei Arbeitskreisen Hochschul-Politik, Militär-Forschung und Spätkapitalismus), Slavisitik und Theologie (mit den beiden Arbeitskreisen Rotschuh sowie Militär und Kirche), des Faschismus-Seminars mit seinen vier Arbeitskreisen Gewerkschaften, Sozialisation in der Schule, Klassenjustiz und Hochschule, der Basisgruppe Germanistik, der Projektgruppe Antiautoritärer Kinderladen und der Projektgruppe Mietwucher.

Aufgefordert wird: "Mitglieder der Basis- und Projektgruppen, macht die Roten Notizen zu Eurem Kampforgan!".

Angekündigt werden die Studentenparlamentswahlen (StPW) vom 12. bis 16.5.1969. Aufgerufen wird auch zu einer Veranstaltung im Amerikahaus am 25.4.1969.
Q: Rote Notizen Nr. 3, Tübingen 21.4.1969

23.04.1969:
An der Universität Tübingen lud der AStA ein zur Podiumsdiskussion "Erlernt den Beruf im Klassenkampf!". Auf dem Podium sollen AStA, HSU, HTS, RCDS und SDS vertreten sein.
Q: Rote Notizen Nr. 3, Tübingen 21.4.1969, S. 3

25.04.1969:
An der Universität Tübingen rief der AStA zu einer Veranstaltung im Amerikahaus am 25.4.1969 auf, wobei eine Grafik einen Hammer zeigt, die das Amerikahaus zertrümmert.
Q: Rote Notizen Nr. 3, Tübingen 21.4.1969, S. 7

29.04.1969:
An der Universität Tübingen erscheint die Nr. 4 der 'Roten Notizen' (vgl. 21.4.1969, 8.5.1969) mit dem Leitartikel "Für einen roten 1. Mai!". Aufgerufen wird: "Kommt zur 1. Mai-Kundgebung und Demonstration der revolutionären Arbeiter, Schüler und Studenten!" in Stuttgart um 10 Uhr an der Liederhalle. In Tübingen trifft man sich um 8 Uhr am Clubhaus. Aufgefordert wird: "Bringt euch Demonstrationskleidung mit!".

Berichtet wird:"
Neues von der Front der Reaktionäre:

SAU-Mitglied Ebel, ehem. HTS-Rädelsführer, Initiator der 9.- DM-Verweigerungskampagne gegen den AStA, hat in der GOV die Erweiterung der Relegationsfrist von 2 auf 5 Jahre beantragt…

Relegiert die Relegateure!"

Weitere Artikel sind:
- "'Die Justiz ist eines der Mittel, deren sich die herrschende Klase in ihrem latenten Kampf gegen das Proletariat bedient' (E. Fraenkel 1927)" zur Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts (BVG) zum Demonstrationsrecht;
- "Forschung und Ausbildung im Dienst der Unterdrückung" von der Basisgruppe Naturwissenschaften;
- "Schülerprojektgruppe. Bericht von der Arbeit Januar bis April 1969", die sich "bisher weitgehend im Verborgenen" abgespielt habe und sich zunächst auf Gymnasiasten beschränkte, aber nicht auf Tübingen, denn:"
Einige Beispiele zeigen, daß Schülergruppen in Provinzstädten die besten äußeren Voraussetzungen haben, zum Ausgangspunkt dieser Organisationsbewegung zu werden; von ihnen kann die Initiative zur Bildung von Lehrlings- und Jungarbeitergruppen ausgehen. Zudem bietet ein engmaschiges Netz von Schülergruppen die Möglichkeit zu überregionalen Aktionen, die den Nahmen von überregionalen SDS-Aktionen weit überschreiten.";
- "Dokumentation. Rede des Amtsmeisters Günther. Grundsätzliches zur Mitbestimmung der nicht akademischen Bediensteten an der Universität"; sowie
- "Nochmal GOV" zur erneuten Beteiligung der Assistenten an der Grundordnungsvertretung.

Bekanntgegeben werden die Termine der Basisgruppen Jura, Naturwissenschaften und Theologie sowie des Faschismus-Seminar, aber auch des Republikanischen Clubs (RC). Angekündigt werden die Studentenparlamentswahlen (StPW) vom 12. bis 16.5.1969.

Beigeklebt ist eine Sondernummer 1 unter der Schlagzeile "Analyse der traditionellen Hochschulgruppen (HSU und HTS)",
Q: Rote Notizen Nr. 4, Tübingen 29.4.1969

Mai 1969:
Vermutlich im Mai erscheint erstmals das 'ZAK-Info' als Mitteilung für die Gruppen des Zentralen Aktionskomitees. Es wird verantwortet von Thomas Quest in Tübingen (später KAB (ML), danach KABD-ZKK Mitglied). Im Vorwort heißt es auch: "Während die marxistisch-leninistische Monatsschrift 'Rebell' (zu bestellen bei Rainer Strähle …) mehr langfristige Analysen erarbeiten will, dient das ZAK-Info zur zusätzlichen Information und zum Ausbau der Zusammenarbeit".

Enthalten sind die Artikel:
- "Zur Lage des Sozialistischen Club Esslingens", dessen Lehrlingsgruppe von 4 - 5 Genossen gegründet wurde, die in den Bussen nach Köln agitierten, so dass zur nächsten Sitzung 10 Lehrlinge aus 7 Großbetrieben kamen. Es gibt die Arbeitskreise Parlamentarismus, Leistungsprinzip, Sexualität, Rotes Theater, SMV / Religionsunterricht, Technologie, Koordination der verschiedenen Schülerbasisgruppen, Emanzipation der Frau und Wehrdienstverweigerung sowie eine Betriebsgruppe;
- "Solidarität an der Basis. Die Zusammenarbeit von Lehrlingen Arbeitern Schülern Studenten", die vorangetrieben werden müsse;
- "Kaderschulung in Tübingen", um "Arbeiter heranzubilden";
- "Betriebsprojektgruppe Tübingen", die sich nach den Aktionen gegen die Notstandsgesetze (NSG, d.Vf.) in Tübingen, als etwa 100 Arbeiter zum DGB-Haus marschierten, konstituierte. Das ZAK soll dem Bericht folgend Informations- und Koordinationszentrale werden, da sich die Gruppen aus Esslingen und Reutlingen mehrmals an den SDS Tübingen gewandt hatten. Berichtet wird vom ersten Seminar im Februar sowie: "Das sektiererische Verhalten der Trotzkisten im ZAK (sie bekämpfen z. B. die 1. Mai-Kundgebung der Linken in Mannheim, warfen ihnen 'Handwerkelei' und 'Abenteurertum' vor, und ließen sich durch Mittelsmänner entschuldigen, an der Kundgebung gegen die gewerkschaftliche Mitbestimmungsforderung nicht teilnehmen zu können. Der Grund für dieses Verhalten liegt wohl darin, daß sie, ähnlich wie die Revisionisten, prinzipiell innerhalb der Gewerkschaften arbeiten und deshalb schlecht öffentlich Kritik an der DGB-Politik üben können), führte z. B. im Esslinger RC zu einer Abgrenzung gegenüber den Trotzkisten." Festgehalten wird: "Die Zielgruppe der Tübinger Betriebsgruppe sind die Lehrlinge und Jungarbeiter."; sowie
- "Bericht aus Karlsruhe" zu dem aus dem AAJ Roter Turm übrig gebliebenen Kern, der an der Gewerbeschule ein Flugblatt "Ausbildungsterror Beispiel: IWK" herausgab, was zur Gründung der Interessengruppe Karlsruher Lehrlinge (IKL) führte, die in vielen Betrieben Fragebögen verteilte, was auch die HBV getan hatte, deren Filmabend durch die ganze IKL besucht wurde, die dort die beiden Fragebögen verglich. Eine Zusammenarbeit besteht mit der Basisgruppe Jura Tübingen.

Weitere 'ZAK-Infos' wurden uns bisher nicht bekannt.
Q: ZAK-Info 1, Tübingen o. J. (1969)

05.05.1969:
In Hamburg erscheint die Nr. 8 der 'Apo press' - Hamburger Informationsdienst (vgl. 21.4.1969, 19.5.1969). Herausgeber ist der SDS Hamburg. Berichtet wird über die SDS-Arbeitskonferenz in Frankfurt / Bereich Publikationen, wozu eine Aufstellung linker Infos erscheint, u.a.:
- Stuttgart: 'Rebell' über Wotan Brass Tübingen; und
- Tübingen: 'Rote Notizen' über Holger Klotzbach.
Q: Apopress Nr. 8, Hamburg 5.5.1969

08.05.1969:
Der AStA der Universität Tübingen kündigte an:"
Heute, 8.5. 20 ct, Festsaal Teach-in SDS-Bundesvorstand 'Für eine rote Uni'".
Q: Rote Notizen Nr. 5, Tübingen 8.5.1969, S. 14

08.05.1969:
An der Universität Tübingen erscheint die Nr. 5 der 'Roten Notizen' (vgl. 29.4.1969, 19.5.1969) mit dem Leitartikel "Urabstimmung gegen die GO" zur Grundordnungsvertretung (GOV), in der allein der HTS mitarbeitet, bzw. zum Landeshochschulgesetz (LHG - vgl. 21.3.1968), gegen die eine Urabstimmung organisiert werden soll. Angekündigt wird: "Der SDS wird ab morgen die notwendigen 1200 Unterschriften für die Urabstimmung sammeln. Stände: neue Aula, Neue Mensa, Clubhaus."

Weitere Artikel sind:
- "Der Schlag der Herrschenden gegen den AStA muß ein Schlag ins Wasser werden!!" zum Flugblatt des HTS, "Der ASTA ist jetzt überflüssig", wozu es heißt: "Der extra aus Hamburg angereiste Wanderprediger der SPD für demokratische Hochschulreform und 'fundierte Kenner der Hochschulrevolte' Jens Litten sekundierte dem HTS bei seinen Bemühungen um Absicherung der Staatsinteressen mit der Parole: '… ASTA und Studentenparlament sind überflüssig und sollten - unter der Voraussetzung wirksamer Mitbestimmung - schnellstens aufgelöst werden'." Angekündigt werden die Studentenparlamentswahlen (StPW) vom 12. bis 16.5.1969;
- "Basisgruppe Germanistik: Reformismus mit Faustschlägen" zu den Go-Ins in der Mittelhochdeutsch-Vorlesung von Prof. Mohr im Wintersemester. Die bisherige Perspektivlosigkeit der BG müsse überwunden werden: "Von der antiautoritären Hochschulpolitik zur antikapitalistischen Praxis". Eingeladen wird zum studentischen Seminar "Sozialisation und Schule";
- "Faschismus-Seminar oder Wie linke Politologen endlich praktisch werden und dabei aufhören, nur Politologen zu sein";
- "Basisgruppe Naturwissenschaften" mit einem Bericht über ihr Go-In gegen den Numerus Clausus (NC) im letzten Semester bei der Fakultätssitzung;
- "Zerschlagt den Numerus Clausus" in der Sektion Biologie wogegen in ganz Baden-Württemberg vorgegangen werden soll (vgl. 10.5.1969);
- "Streik der Ingenieur-Studenten";
- "Das Ordnungsrecht produziert mehr Kämpfer als es bekämpfen kann"; sowie
- "Dokumentation zum Ordnungsrecht".

Aufgerufen wird zum heutigen SDS teach-In sowie: "Soziologen! Laßt Euch von Tenbrucks Lakaien nicht länger verdummen! Organisiert Euch! Basisgruppe: Mo, 20 h, RC".

Bekanntgegeben werden die Termine der Basisgruppen Germanistik, Geschichte, Jura, Medizin, Naturwissenschaften, Politik, Psychologie, Slavistik, Theologie und Volkswirtschaft sowie des Faschismus-Seminars und der Schülerarbeit (vgl. 13.5.1969).
Q: Rote Notizen Nr. 5, Tübingen 8.5.1969

10.05.1969:
Es erscheint das 'SDS-Info' Nr. 13/14 (vgl. 2.5.1969, 19.5.1969) mit den Texten "Justizkampagne. Verkehrssicherheit geht vor Demonstrationsrecht" aus 'Rote Notizen' Tübingen und "Justizkampagne: Anarchisten und Staatsschutz" aus 'Rote Notizen' Tübingen.
Q: SDS-Info Nr. 13/14, Frankfurt 10.5.1969, S. 40ff

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10.05.1969:
Im Clubhaus der Universität Tübingen wollen sich die Basisgruppen Baden-Württembergs treffen um den Protest gegen den Numerus Clausus (NC) in der Biologie zu organisieren.
Q: Rote Notizen Nr. 5, Tübingen 8.5.1969, S. 13

13.05.1969:
Der AStA der Universität Tübingen kündigte an:"
SCHÜLERARBEIT

Alle Studenten, die Kontakt zu Schülergruppen an ihrem Heimatort oder ihren ehemaligen Schulen haben oder aufnehmen können, und alle Basisarbeiter, die solche Kontakte übernehmen wollen, treffen sich zu einer wichtigen Vorbesprechung Dienstag, den 13.5. 14.00 im Clubhaus Referentenzimmer."
Q: Rote Notizen Nr. 5, Tübingen 8.5.1969, S. 17

15.05.1969:
An der Universität Tübingen erscheint eine Sonderausgabe der 'Notizen' (vgl. Apr. 1969, Juli 1969) mit dem Artikel "Die Unduldsamkeit der liberalen Toleranz. Eine Lanze gegen die 'Gruppenuniversität' des Herrn von Beyme" vom Autorenkollektiv im Faschismusseminar (H.-D. Bahr, B. Kroeber, H. Klotzbach) zum Artikel "Eine Lanze für die 'Gruppenuniversität'" von K. v. Beyme in der 'Stuttgarter Zeitung' vom 8.5.1969, der sich gliedert in die Abschnitte:
- "Tröstliches Management";
- "Die handliche Metaphysik der Lehrinhalte";
- "Drittelparität: Spielregel für Rocker";
- "Die Wissenschafts-Kaserne";
- "Nüchterne antifaschistische Praxis"; sowie
- "Bündnis statt Kompromisse!".
Q: Notizen Sonderausgabe Die Unduldsamkeit der liberalen Toleranz. Eine Lanze gegen die 'Gruppenuniversität' des Herrn von Beyme, Tübingen 15.5.1969

18.05.1969:
Der AStA der Universität Tübingen berichtet: "gestern, am Sonntag (18.5.) haben revolutionäre Theologen den Hauptgottesdienst von Landesbischof Eichele in der Stiftskirche gesprengt und anschließend vor der Kirche agitiert."
Q: Rote Notizen Nr. 6, Tübingen 19.5.1969, S. 6

19.05.1969:
An der Universität Tübingen erscheint die Nr. 6 der 'Roten Notizen' (vgl. 8.5.1969, 28.5.1969) mit dem Leitartikel "Zum Wahlergebnis" zu den Studentenparlamentswahlen (StPW) vom 12. bis 16.5.1969 mit der seit Kriegsende niedrigsten Wahlbeteiligung.

Von den Listenstimmen erhielten die Basisgruppen 8 %, EFS 4,8 %, HSU 20 %, HTS 22,4 %, RCDS 18,7 %, SHB 11,1 % und der SDS 14,8 %. Durch die Zweitstimmen wurden gewählt 2 von den Basisgruppen, 1 von den EFS, 5 von der HSU, 6 vom HTS, 5 vom RCDS, 3 vom SHB und 4 vom SDS.

Weitere Artikel sind:
- "Bayerns Kultus-Huber stärkt die Wehrkraft!" zur Vorverlegung des Abiturtermins um eine Woche, so daß die Abiturienten dann am 1.7.1969 zur Bundeswehr eingezogen werden können;
- "Die Ware Filosofie" zum Numerus Clausus (NC) in der Philosophie;
- "Nicht durch Mehrheit zum revolutionären Kampf, sondern durch revolutionäre Taktik zur Mehrheit. Rosa" zur Vorlesung von Beyme bzw. zum Faschismus-Seminar und zur Fachschaft Politik;
- "Die Theologen proben den Aufstand" (vgl. 18.5.1969);
- "Gegen den Mietwucher!" zur Projektgruppe Mietwucher;
- "Schülerprojektgruppe II (Fortsetzung aus Heft 4)" mit den "Arbeitsmethoden, die in der Schülerprojektgruppe im letzten Vierteljahr erprobt wurden." Berichtet wird aus Böblingen, Heilbronn, Karlsruhe und aus Rottweil vom PAO. Man habe sich nicht auf Kontakte zu AUSS, USG und USSB-Gruppen beschränkt, sondern auch solche wie den PAO angesprochen; sowie
- "Roter Turm Karlsruhe" wo am 27.5.1969 das Urteil im Kündigungsprozeß gefällt wird.

Bekanntgegeben werden die Termine des Faschismus-Seminar sowie der Basisgruppen Anglistik, Germanistik, Geschichte, Jura, Math.-Nat., Medizin, Politik, Psychologie, Slavistik, Soziologie, Theologie und Volkswirtschaft.

Angekündigt wird die erste Sitzung des Studentenparlaments am 20.5.1969, auf der der AStA-Vorstand gewählt werden soll.
Q: Rote Notizen Nr. 6, Tübingen 19.5.1969

28.05.1969:
In Tübingen riefen der SDS und der AStA der Universität anläßlich des morgen beginnenden Vietnamprozesses auf zur Veranstaltung mit einem Film aus Vietnam um 20 Uhr im Audimax.
Q: Rote Notizen Nr. 7, Tübingen 28.5.1969, S. 3

28.05.1969:
An der Universität Tübingen beginnt die Veranstaltungsreihe "Arbeitssituation der Studenten" (vgl. 2.6.1969) von AStA, HSU und SDS, die von einem Arbeitskreis der HSU, einem sozialpsychologischen Seminar der Psychologen, der Basisgruppe Psychologie und im Faschismus-Seminar erarbeitet wurde, heute mit Jürgen Zimmer zum Thema "Schule im Kapitalismus".
Q: Rote Notizen Nr. 7, Tübingen 28.5.1969, S. 3

28.05.1969:
An der Universität Tübingen erscheint die Nr. 7 der 'Roten Notizen' (vgl. 19.5.1969, 11.6.1969) mit dem Leitartikel "Vietnam-Prozess II oder wie die BRD von der Ausbeutung der Dritten Welt profitiert" zur Berufungsverhandlung im Prozeß wegen der Vietnamdemonstration vom 8.2.1968 gegen Behnken, Winterhagen und Wolf, der am 29.5.1969 beginnt. Bekanntgegeben wird:"
Wir nehmen den 2. Vietnam-Prozess zum aktuellen Anlass, in konzentrierter Form über die Ausbeutung der Dritten Welt zu berichten und die internationale Strategie der Konterrevolution, an der die Bundesrepublik maßgeblich beteiligt ist, zu analysieren.

Die Basisgruppe Naturwissenschaften und der Arbeitskreis Dritte Welt haben eine Reihe von Analysen erarbeitet, die in den nächsten Tagen veröffentlicht werden." Aufgerufen wird zur Vietnamveranstaltung um 20 Uhr.

Weitere Artikel sind:
- "Forschung und Ausbildung im Dienst der Unterdrückung - II. Waffen für den Heiligen Krieg: BV + C-Waffen" von der Projektgruppe Verwertung der Basisgruppe Naturwissenschaften, die ankündigt: "Umfangreiche Dokumentation über B+C-Waffen erscheint demnächst.";
- "Erklärung des AStA-Kollektivs" zum Hissen der roten Fahne auf dem Clubhaus während der Sitzung des Kleinen Senats bzw. zur AStA-Programmatik, der "Effektivierung der Basis-, Projekt- und Betriebsgruppenarbeit mit besseren Mitteln" aus dem AStA-Haushalt;
- "Raisers Pressekonferenz (Hände weg von der GO!)";
- "Linke Soziologie ist noch keine revolutionäre Praxis!" zur Agitation der Basisgruppe Soziologie im Seminar von Riegel, Assistent von Tenbruck, wozu es heißt: "Es genügt nicht, gegen Tenbruck zu sein - man muß die bürgerliche Soziologie überwinden!"; sowie
- "Prof. Göppinger droht mit Abbruch seiner Kriminologie-Vorlesung" von der Projektgruppe Kriminologie / Strafvollzug, deren Flugblätter auch in die Landes-JVA Rottenburg gelangten.

Bekanntgegeben werden die Termine des Faschismus-Seminar sowie der Basisgruppen Anglistik, Germanistik, Geschichte, Jura, Math.-Nat., Medizin, Politik, Psychologie, Slavistik, Soziologie, Sport, Theologie und Volkswirtschaft.

Angekündigt wird eine Veranstaltungsreihe zum Thema "Arbeitssituation der Studenten" (vgl. 28.5.1969, 2.7.1969). Geworben wird u.a. für das Paper der Schülerprojektgruppe Tübingen "Bildungs- Ökonomie, -Planung, -Politik" mit 60 Seiten für 2 DM.
Q: Rote Notizen Nr. 7, Tübingen 28.5.1969

31.05.1969:
Auf der a.o. MV des VDS (vgl. 7.3.1969) in Göttingen werden vier SDS-Mitglieder in den Vorstand gewählt. Der neue Zentralrat setzt sich aus den sechs Vertretern der Projektbereichssekretariate sowie zwölf Vertretern der Studentenschaften zusammen, wobei für die:
- Universitäten Bochum, Hamburg, Heidelberg, Kiel, München und Tübingen;
- Technischen Hochschulen Berlin und Braunschweig;
- Pädagogischen Hochschulen Hannover und Reutlingen sowie
- die Kirchliche Hochschule Berlin und die Hochschule für Bildende Künste Stuttgart
als Vertreter gewählt wurden.
Q: SC-Info Nr. 13, Frankfurt 20.9.1969; Unilife Nr. 7, Hamburg 5.6.1969, S. 7

Juni 1969:
Die Nr. 10 des 'Rebell' (vgl. Mai 1969, Aug. 1969) der Revolutionären Jugend (ML) erscheint. Bei den Auftritten einer Burentanzgruppe aus Azania in Stuttgart und Tübingen hätten sich hunderte an den Gegendemonstrationen beteiligt.
Q: Rebell Nr. 10, Mannheim Juni 1969, S. 11

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Juni 1969:
Tübinger 'SDS-Infos' werden, laut Helmut Modau, im Sommer unterzeichnet mit "SDS Betriebsprojektgruppe Tübingen-RJ(ML)", entgegen den Behauptungen der MLPD ein Zeichen dafür, daß hier noch eine Identität bestand.
Q: H. Modau: Zur Geschichte der KPD/ML und des KABD, o. O. 1979, S. 9a

02.06.1969:
An der Universität Tübingen wird die Veranstaltungsreihe "Arbeitssituation der Studenten" (vgl. 28.5.1969, 16.6.1969) von AStA, HSU und SDS heute fortgeführt mit Hubert Bacia zum Thema: "Autorität und Hochschule - Sexualität und Neurosen der Studenten und die Struktur der Universität".

Bacias Referat wird von Basisgruppen, SDS und AStA der Universität Tübingen noch im Juni in Form einer Broschüre "Dr. H. Bacia: Autorität und Angst oder Warum wir streiken müssen" zusammen mit einer Vorbemerkung zum Streik gegen das Hochschulgesetz veröffentlicht.
Q: Rote Notizen Nr. 7, Tübingen 28.5.1969, S. 3; Basisgruppen, SDS, AStA: Dr. H. Bacia: Autorität und Angst oder Warum wir streiken müssen, Tübingen o. J. (1969)

11.06.1969:
An der Universität Tübingen erscheint die Nr. 8 der 'Roten Notizen' (vgl. 28.5.1969, 19.6.1969) mit dem Leitartikel "Ein Pogrom in Karlsruhe-Durlach" zum AAJ Roter Turm (vgl. 28.3.1969, 27.5.1969) von einem Arbeitskollektiv aus dem Faschismusseminar, das bekanntgibt "In einer Woche Basisarbeit in KA haben Tübinger Genossen mehr über Faschismus und die Methoden seiner Bekämpfung gelernt, als in einem Semester Faschismus-Seminar." Zur Besetzung des Jugendamts heißt es: "Der Tübinger ASta beglückwünscht die Karlsruher Genossen zu ihrer revolutionär-entschlossenen Handlung". Angekündigt wird eine Veranstaltung dazu am 12.6.1969.

Weitere Artikel sind:
- "Hochschulgesamtplan: Industrialisierung der Uni" zum HGP;
- "Verkappter Numerus Clausus für alle Fakultäten" zum NC bzw. der nun benötigten Voranmeldung zur Immatrikulation;
- "Was Riegel von Tenbruck lernte: Soziologie-Seminar abgebrochen" mittels Brief vom 7.6.1969;
- "Kampf dem Mietwucher!" von der Projektgruppe Mietwucher; sowie
- "Zeugen gesucht" zum Prozeß wegen der Ereignisse vor der Ersatzdienststelle in der Herrenberger Straße 34 am 10.1.1969.

Bekanntgegeben werden die Termine des Faschismus-Seminar, der Projektgruppe Strafvollzug sowie der Basisgruppen Anglistik, Germanistik, Geschichte, Jura, Math.-Nat., Medizin, Pädagogik, Politik, Psychologie, Slavistik, Soziologie, Theologie und Volkswirtschaft. Die Projektgruppe Verwertung arbeitet mit den BG Naturwissenschaften in Marburg und Heidelberg zusammen. Aufgerufen wird zum heutigen Teach-In "Verwertung wissenschaftlicher Forschung" der BG Naturwissenschaften.
Q: Rote Notizen Nr. 8, Tübingen 11.6.1969

12.06.1969:
In Tübingen Lustnau wird durch mehrere hundert Menschen versucht, die Veranstaltung der Deutsch-Südafrikanischen Gesellschaft in der Turnhalle zu sprengen was aufgrund der Polizei misslingt.
Q: Rote Notizen Nr. 9, Tübingen 23.6.1969, S. 11f

12.06.1969:
Im Clubhaus der Universität Tübingen will ein Arbeitskollektiv des Faschismus-Seminar um 19.30 eine Veranstaltung zum Roten Turm Karlsruhe durchführen. Bekanntgegeben wird dazu:"
Prof. Peter Brückner (Psychologe an der TU Hannover), der als Zeuge im Vietnamprozeß am Donnerstags zur Rädelsführertheorie geladen ist, wird am Abend im Faschismus-Seminar mitarbeiten."
Q: Rote Notizen Nr. 8, Tübingen 11.6.1969, S. 5

16.06.1969:
An der Universität Tübingen wird vermutlich heute die Veranstaltungsreihe "Arbeitssituation der Studenten" (vgl. 2.6.1969, 23.6.1969) von AStA, HSU und SDS fortgeführt mit Peter Brückner zum Thema "Wissenschaftliche Analyse und politisches Handeln".
Q: Rote Notizen Nr. 7, Tübingen 28.5.1969, S. 3

18.06.1969:
Der AStA der Universität Tübingen gibt seine 'AStA-Informationen zur Hochschulstrategie' Nr. 2 heraus zum Thema "Die Grund-Ordnungsrechts-Diktatur. Dokumentation zur neuen Grundordnung" zur GO mit den Abschnitten:
- "Das Grundordnungsdiktat oder wie man die Uni pazifizieren will";
- "Grundordnung der Universität Tübingen";
- "Das Grundordnungsrecht hebt sich selber auf"; sowie
- "Das allerneuste Ordnungsrecht. Aus: Drucksache 1122 'Entwurf zur Änderung des HSG'".
Q: AStA-Informationen zur Hochschulstrategie Nr. 2, Tübingen 18.6.1969

19.06.1969:
An der Universität Tübingen erscheint eine Sondernummer der 'Roten Notizen' (vgl. 11.6.1969, 23.6.1969) von Faschismus-Seminar und SDS zum Thema "Zum richtigen Gebrauch der Begriffe" bzw. der Bezeichnung der APO und des SDS als 'faschistisch'.
Q: Rote Notizen Sondernummer Zum richtigen Gebrauch der Begriffe, Tübingen 19.6.1969

23.06.1969:
An der Universität Tübingen wird die Veranstaltungsreihe "Arbeitssituation der Studenten" (vgl. 16.6.1969, 2.7.1969) von AStA, HSU und SDS heute fortgeführt mit Klaus Dörner zum Thema "Die psychische Situation der Studenten, Anpassung, Politisierung, Emanzipation".
Q: Rote Notizen Nr. 7, Tübingen 28.5.1969, S. 3

23.06.1969:
An der Universität Tübingen erscheint laut einer handschriftlichen Datierung heute, vermutlich vom SDS, das Flugblatt "Streik gegen Zerschlagung des Asta gegen HGP, GO, Ordnungsrecht", in dem es abschließend heißt:"
Nur indem wir unsere Berufsperspektive revolutionieren, werden wir auch das Studium verändern können".
Q: N. N.: Streik gegen Zerschlagung des Asta gegen HGP, GO, Ordnungsrecht, O. O. (Tübingen) o. J. (1969)

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23.06.1969:
An der Universität Tübingen erscheint die Nr. 9 der 'Roten Notizen' (vgl. 19.6.1969, 26.6.1969) mit dem Titelbild "Streik gegen Zerschlagung des AStA gegen Disziplinierung der Studenten gegen HGP, Ordnungsrecht und GO und dem Leitartikel "Baden-Württemberg streikt. Resolution der Studentenschaften des Landes Baden-Württemberg zur Zerschlagung der Asten, zum Ordnungsrecht und zu den Maßnahmen des Kultusministeriums zur Durchsetzung des Hochschulgesamtplans. (verabschiedet auf einer Aktionskonferenz der Asten und Basisgruppen Baden-Württ.)", die unterzeichnet ist vom VDS, von den Basisgruppen sowie den ASten der Uni Tübingen, der PH Reutlingen, der TU Karlsruhe, der SIS Karlsruhe, der HfbK Stuttgart, der Uni Freiburg, der PH Heidelberg, der Uni Heidelberg, der SIS Ulm, der SIS Konstanz, der SIS Reutlingen, der PH Freiburg und der Uni Konstanz.

Weitere Artikel sind:
- "Kleinfamilie und Kindergärten = Treibhäuser autoritärer Charaktere" von der Projektgruppe antiautoritäre Vorschulerziehung, die am 26.6.1969 im Studentenparlament Mittel für eigene Räume beantragen wird;
- "Zur Unmöglichkeit 'linker' Colloquien und den Möglichkeiten linker Arbeits- und Schulungskollektive";
- "Schlagt die Faschisten wo ihr sie trefft!" zur Veranstaltung der Deutsch-Südafrikanischen Gesellschaft am 12.6.1969; sowie
- "Basisgruppe Slavistik: Bericht über die bisherige Arbeit", wobei auch die anderen bisher existierenden vier BG Slavistik in Frankfurt, Berlin, Bonn und Bochum erwähnt werden.

Bekanntgegeben werden die Termine Projektgruppen Schülerarbeit, Technologie und Soziales sowie der Basisgruppen Germanistik, Geschichte, Jura, Pädagogik, Psychologie, und Sport.

Aufgerufen wird zur Vollversammlung aller Basis- und Projektgruppe am 23.6.1969, zur Streik-VV am 25.6.1969.
Q: Rote Notizen Nr. 9, Tübingen 23.6.1969

24.06.1969:
An der Universität Tübingen erscheint laut einer handschriftlichen Datierung heute, vermutlich vom SDS, das Flugblatt "Baden-Württ. streikt" in einer Auflage von 2 000 Stück mit der Erklärung des Senats der staatlichen Hochschule für Musik und Kunst Stuttgart vom 23.6.1969 und dem Bericht vom Streik an den PHs Ludwigsburg, Schwäbisch Gmünd und Weingarten, den Unis Karlsruhe und Stuttgart und in ganz Bayern sowie dem gestrigen Teach-In in Heidelberg.

Aufgerufen wird zur VV am Mittwoch.
Q: N. N.: Baden-Württ. streikt, O. O. (Tübingen) o. J. (1969)

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26.06.1969:
An der Universität Tübingen erscheint das Streik-Info Nr. 1 der 'Roten Notizen' (vgl. 26.6.1969, 27.6.1969) der Basisgruppen und des Politischen AStA (PAStA) mit der "Streikresolution der Vollversammlung vom 25.6.69", die von ca. 4 500 Studenten mit wenigen Gegenstimmen verabschiedet worden sei, und den "Informationen der Streikzentrale Do. 26.6.".
Q: Rote Notizen Streik-Info Nr. 1, Tübingen 26.6.1969

27.06.1969:
An der Universität Tübingen erscheint das Streik-Info Nr. 2 der 'Roten Notizen' (vgl. 26.6.1969, 30.6.1969) der Basisgruppen und des Politischen AStA (PAStA) mit den Artikeln:
- "Aktiver Streik heißt (zum Beispiel): Kontrolliert das Studentenwerk!" u.a. zu den Studentenwohnheimen;
- "Konflikte" in Jura, wo kaum gestreikt wurde, auf der Fakultätssitzung Math-Nat., wo 60 Studenten, hauptsächlich Biologen, protestierten, und in der VWL, wo der Streikbeschluß auch in der Vorlesung von Pohmer durchgesetzt wurde;
- "Hahn dreht den Hahn zu. Neue Honnef-Kürzung" vom Deutschen Studentenwerk e.V. vom 9.6.1969;
- "Tenbruck: Vorreiter des Ordnungsrechts (…stolpert bald)";
- "An streikwillige Mütter und Väter" zur provisorischen Kita im Clubhaus;
- ein Bericht über den Streik in Biologie, Geographie, Geschichte, Mathematik, Medizin, Physik, Psychologie und Zahnmedizin; sowie
- "Informationen der Streikzentrale Fr. 27.6.".
Q: Rote Notizen Streik-Info Nr. 2, Tübingen 27.6.1969

30.06.1969:
Die streikenden Studenten des Englischen Seminars der Universität Tübingen gibt vermutlich in dieser Woche das Flugblatt "An die Bevölkerung von Tübingen!" heraus zum Streik gegen das Hochschulgesetz.
Q: Englisches Seminar: An die Bevölkerung von Tübingen!, O. O. (Tübingen) o. J. (1969)

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30.06.1969:
An der Universität Tübingen erscheint vermutlich heute früh die Broschüre "Informationen der juristischen Streikzentrale. Streik. Erste Arbeitsberichts der AG's" mit folgenden Berichten:
- von der Projektgruppe Öffentlichkeitsarbeit;
- vom Arbeitskreis Straftheorien,
- "Eine Alternative zur VW-Übung" zur Projektgruppe VW-Übung;
- "Erster Arbeitsbericht der Projektgruppe Staatsrecht II";
- von der Projektgruppe Anfänger-AGs;
- von der Projektgruppe Staatsrecht I;
- "Jur. Fak - Fasch. Fak." zur Meinung der Professoren zum Ordnungsrecht;
- von der Projektgruppe Arbeitsrecht, die mit der Projektgruppe Roter Turm zusammenarbeitet zum Jugendzentrum in Karlsruhe-Durlach; sowie
- "Über die Arbeit der Projektgruppe Strafvollzug / Kriminologie".
Q: Informationen der juristischen Streikzentrale. Streik. Erste Arbeitsberichts der AG's, Tübingen o. J. (1969)

30.06.1969:
An der Universität Tübingen wurde mit einem Flugblatt "Doktoranden!" der Arbeitsgruppe Doktoranden der VDUT, das vom Hinauswurf dreier Studenten aus einer Pflichtvorlesung in Physik am 27.6.1969 berichtet, aufgerufen zur Versammlung der Doktoranden um 14 Uhr.
Q: VDUT-AG Doktoranden: Doktoranden!, O. O. (Tübingen) o. J. (1969)

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30.06.1969:
An der Universität Tübingen erscheint laut einer handschriftlichen Datierung heute das Flugblatt der Projektgruppe Bildungsökonomie "Zusammenfassung der beiden ersten Sitzungen".
Q: PG Bildungsökonomie: Zusammenfassung der beiden ersten Sitzungen, O. O. (Tübingen) o. J. (1969)

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30.06.1969:
An der Universität Tübingen erscheint laut einer handschriftlichen Datierung heute in der Philosophie das Flugblatt "'Zusammenarbeit' oder: Die da glauben, dagegen zu sein", wobei es sich handelt um "Eine Stellungnahme des Bloch-Seminars zum Streik der Ordinarien".
Q: Bloch-Seminar: 'Zusammenarbeit' oder: Die da glauben, dagegen zu sein, O. O. (Tübingen) o. J. (1969)

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30.06.1969:
An der Universität Tübingen erscheint das Streik-Info Nr. 3 der 'Roten Notizen' (vgl. 27.6.1969, 1.7.1969) der Basisgruppen und des Politischen AStA (PAStA) mit einem Hahn-Comic und den Artikeln:
- "Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen (Karl Marx, 1844)", der feststellt: "Die Jur. Fak. ist der wahre Streikbrecher";
- "Was wir tun müssen";
- "Das Neueste von der Studentenwerk-Front";
- "Resolution von über 100 Ausländern";
- "Verjagt Gernhuber!" in der Jura;
- eine Solidaritätsresolution vom Institut für Sonderpädagogik Reutlingen;
- "'Zusammenarbeit' oder: Die da glauben, dagegen zu sein" vom Bloch-Seminar;
- "Das wahre Gesicht der Professoren = Streikbrecher!";
- "Arbeitsbericht der Sozialpädagogen"; sowie
- "Informationen der Streikzentrale Mo. 30.6.", die erstmals Außentermine enthalten mit Diskussionen an den HGP Esslingen und Ludwigsburg, dem Schülerprojekt in Saulgau und dem Schulstreik in Nürtingen.

Aufgerufen wird zum Teach-In über das Kinderladen-Projekt um 10 Uhr und zum Teach-In zur Übernahme der neuen Aula um 20 Uhr, zum Teach-in mit Ulrike Marie Meinhof am 1.7.1969 sowie zu Politfilmen über die Münchner Polizeiaktionen und die SDS-Anti-Notstandsaktionen am 2.7.1969.
Q: Rote Notizen Streik-Info Nr. 3, Tübingen 30.6.1969

30.06.1969:
Der SDS Tübingen gibt vermutlich in dieser Woche das Flugblatt "Revolutionäre nach Feierabend" heraus zum Go-In bei der Underground-Filmvorführung im Audimax am letzten Abend, wo die Abstimmung ergab, die Störer herauszuwerfen.
Q: SDS: Revolutionäre nach Feierabend, O. O. (Tübingen) o. J. (1969)

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Letzte Änderung: 21.11.2017