il manifesto (Massimo Serafini, Lucio Magri, Luigi Pintor):
"Die Einheit der Klassen-Linken herstellen. Nationale Arbeiterkonferenz, Mailand, 30.-31. Januar 1971"

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Dietmar Kesten, Gelsenkirchen, 1.10.2017


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1971 erscheint im Merve-Verlag (Berlin) der hier dokumentierte Text der italienischen Manifesto-Gruppe: "Die Einheit der Klassen-Linken herstellen. Nationale Arbeiterkonferenz, Mailand, 30.-31. Januar 1971".

Entstanden war "Il Manifesto" aus der italienischen KP. Als Fraktion gab sie seit Juni 1969 ihre Zeitung heraus und wurde alsbald (im November 1969) wegen Fraktionismus ausgeschlossen. Ziel der Gruppe war der Aufbau einer neuen revolutionären Partei. Im Januar 1971 führte die Gruppe ihren "Nationalen Arbeiterkongress" durch. Die eher spontaneistische Gruppe hatte auf die Organisationsdebatte der westdeutschen Linken einen nicht zu unterschätzenden Einfluss. U. a. beschäftigte sich der SDS Köln im Juni 1971 in seinem Organ "Theorie und Praxis" ausführlich mit der AK der Gruppe, u. a. aber auch die "Roten Zellen" in West-Berlin, die "Rote Presse-Korrespondenz" und auch das "Neue Rote Forum" (Heidelberg).

Wir danken dem Merve-Verlag für die freundliche Unterstützung.

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

1971:
Im Merve-Verlag (Berlin) erscheint als Arbeitspapier Nr. 1 der Text "Die Einheit der Klasen-Linken herstellen. Nationale Arbeiterkonferenz, Mailand, 30.-31. Januar 1971" von der italienischen Gruppe "Il Manifesto.

Im Vorwort von Andre Gorz heißt es u. a.: "Dieser Text wurde von Masssimo Serafini unter Mitarbeit von Lucio Magri und Luigi Pintor verfasst, als einleitender Bericht zu der Nationalen Arbeiterkonferenz, an der am 30. und 31. Jan. 1971 in Mailand 1.500 Arbeitermilitante teilnahmen, die vorwiegend zur Manifesto-Gruppe und Potere Operaio gehören … Dieser - vom Merve-Kollektiv als Arbeitspapier veröffentlichte - Bericht muss zunächst im Zusammenhang mit der politischen Konjunktur in Italien gesehen werden: die Arbeiteroffensive der Jahre 1968/69 hat die Unternehmer zu sehr substanziellen Konzessionen gezwungen und so die Mechanismen der kapitalistischen Akkumulation erschüttert. Die Versuche der Bourgeoisie, die Situation zu 'stabilisieren' und die klassischen Gleichgewichte wiederherzustellen, sind an der Kampfbereitschaft der Arbeiter gescheitert, die sich während des ganzen letzten Jahres - trotz der Appelle an die 'Verantwortlichkeit' vonseiten der traditionellen Klassenorganisationen - im Widerstand gegen Disziplin, Bandgeschwindigkeiten und autoritäre Hierarchie äußerte, allerdings in ziemlich unkoordinierter Form.

Die Macht der Bourgeoisie ist nicht stark genug, um die Arbeiterklasse durch eine deflationistische Politik, die in solchen Situationen ihre übliche Waffe ist, 'zur Vernunft zu bringen'. Umgekehrt hat die Arbeiterklasse nicht die politische Macht, um einen Frontalangriff gegen das System zu lancieren, obwohl dieses objektiv von ihr abhängt: wenn sie intransigent bliebe, würde dies genügen, um das System funktionsunfähig zu machen und die Herrschaft des bürgerlichen Staates zu beenden.

Diese konkrete Möglichkeit befürchten die traditionellen Klassenorganisationen: sie weigern sich, eine revolutionäre Krise anzusteuern, und schüchtern die Massen ein, indem sie die Gefahr einer reaktionären Offensive und eines wirtschaftlichen Chaos aufzeigen, die letzten Endes auf Kosten der Arbeiter gingen. Für die Verfasser des Berichtes kann unter diesen Voraussetzungen die Bewegung gegenwärtig nur dann die Gefahren einer Rückentwicklung und Zersplitterung vermeiden und reformistischen Pseudolösungen widerstehen, wenn:

1) ihre Forderungen und Angriffsziele das System hindern, die klassischen Gleichgewichte der Wirtschaft, sei es auch nur provisorisch, wiederherzustellen (was ihm in Frankreich trotz allem gelang), und
2) wenn die Bewegung in der Lage ist, einer verschärften Krise des Kapitalismus, die von ihr ausgelöst werden kann, eine revolutionäre Lösung entgegenzuhalten .

Ausgehend von dieser Analyse schlägt das 'Manifesto' vor:
1) Einen 'Katalog von Kampfforderungen', der die Arbeiterklasse davor bewahrt, sich zu spalten und ihre Kräfte zu zerstreuen;
2) organisatorische Übergangsmittel, um in Betrieben und Stadtteilen die Arbeiteravantgarden in 'politischen Komitees' zusammenzuschließen, die gleichzeitig die Vorstufe für eine neue, in die direkten Massenkämpfe eingegangene Partei und für eine Bewegung von autonomen Räten bilden, die die Dualität Gewerkschaft - Partei, Masse - Avantgarde überwinden soll."

Abschnitte des Textes sind:
- "Der Katalog der Kampfforderungen"
- "Die Überwindung des Leistungslohns (des Akkords)"
- "Die Arbeitszeit"
- "Die Klassifikationen"
- "Die gesellschaftlichen Kämpfe"
- "Die organisatorischen Mittel"

Die Parole für den Kongreß lautet: "Einheit der Klassenlinken, damit die kapitalistische Gegenoffensive und das reformistische Kapital zerschlagen werden. Einheit der Klassenlinken für den Kommunismus".
Quellen: Il Manifesto (Massimo Serafini, Lucio Magri, Luigi Pintor): Die Einheit der Klasen-Linken herstellen. Nationale Arbeiterkonferenz, Mailand, 30.-31. Januar 1971 (=Arbeitspapier Nr. 1, Internationale Marxistische Diskussion), Merve-Verlag, Berlin 1971.

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Letzte Änderung: 21.11.2017