Kambodscha
Teil 1: Mai 1954 bis Ende Juni 1970

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 22.5.2012

Aus Kambodscha ist in der linken Presse zunächst kaum etwas zu erfahren, außer der Teilnahme an der Genfer Indochinakonferenz (vgl. 8.5.1954, 20.7.1954) und der zwangsweisen Eingliederung in den Zuständigkeitsbereich des SEATO-Pakts (vgl. 8.9.1954).

Mit der Absetzung Prinz Sihanouks (vgl. 18.3.1970) beginnt die Berichterstattung in der linken Presse, die sich auf die Seite der umgehend gegründeten Vereinigten Nationalen Front von Kampuchea (FUNK - vgl. 23.3.1970) schlägt, gegen die die Regierung Lon Nol wiederum Hilfe der USA erbittet (vgl. 15.4.1970), während die FUNK Unterstützung seitens der indochinesischen Gipfelkonferenz einschließlich der VR Chinas erhält (vgl. 24.4.1970, 28.4.1970).

Die amerikanische und südvietnamesische Invasion (vgl. 30.4.1970) wird weltweit mit Protestaktionen beantwortet, wobei sich nicht nur die Demonstranten oft militant verhalten, sondern es auch seitens der Ordnungskräfte sowohl in Kent, Ohio - wo vier Studenten sterben (vgl. 4.5.1970) - als auch bei der Berliner Demonstration (vgl. 9.5.1970) zum Schusswaffeneinsatz kommt.

Teilweise finden die bundesdeutschen Kambodschademonstrationen noch gemeinsam mit der DKP statt, so dass es wie in Hamburg darüber zum Zwist kommt, in manchen Städten wie etwa Köln und München wurden von vornherein getrennte Aktionen durchgeführt. Ursächlich hierfür war nicht allein die Militanz der radikalen Linken, sondern auch deren Verurteilung der weitgehend indifferenten Haltung der Sowjetunion (vgl. 6.5.1970, 13.6.1970).

Schnell wird der Krieg in Kambodscha zum integralen Bestandteil der linken Argumentationsketten, die amerikanischen Truppen allerdings werden bald wieder abgezogen und durch südvietnamesische Kontingente ersetzt (vgl. 20.6.1970, 25.6.1970, 29.6.1970).

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

08.05.1954:
Aus Vietnam berichtet Horst Szeponik (vgl. 7.5.1954, 16.6.1954):"
Eröffnung der Genfer Indochina-Konferenz. An ihr nehmen Vertreter der DRV, der Marionettenregierung in Saigon sowie Vertreter Kambodschas, Laos', der UdSSR (SU,d.Vf.), der VR China, der USA, Frankreichs und Großbritanniens teil."

Die KPD/ML-ZB berichtet anhand der Pentagon-Papiere (vgl. 16.6.1971) über den Krieg der USA in Vietnam (vgl. 16.7.1955):"
Aus den Dokumenten geht ganz klar hervor, daß die EISENHOWER-REGIERUNG MIT ALLEN MITTELN VERSUCHT HAT ZU VERHINDERN, DASS DIE GENFER INDOCHINA-KONFERENZ von 1954 (vgl. 8.5.1954,d.Vf.), an der neben Laos, Kambodscha, der Regierung der DRV, der südvietnamesischen Marionettenregierung unter dem ehemaligen Kaiser Dai Bao und Frankreich auch die USA, Großbritannien und die SU als sogenannte Schutzmächte teilnahmen, FREIE WAHLEN IN GANZ VIETNAM UND WIEDERVEREINIGUNG BESCHLIESST.

In Geheimverhandlungen hat die Eisenhower-Regierung versucht, die französischen Kolonialisten dazu zu bewegen, daß sie sich bei der Konferenz gegen einen solchen Beschluß stellen.

Die Eisenhower-Regierung wollte die Wahlen um jeden Preis verhindern, weil sie den sicheren Sieg der Vietminh (Befreiungsbewegung gegen die französischen Kolonialisten unter der Führung Ho Chi Minhs) fürchtete. In einem Geheimbericht von 1955 müssen sogar sogenannte Experten der Eisenhower-Regierung zugeben, daß fast das gesamte vietnamesische Volk mit dem Vietminh zusammenarbeitet (nach ihrer Meinung 80%).

Als die Teilnehmer der Genfer Konferenz trotz des Widerstands der USA beschlossen, daß Vietnam innerhalb von zwei Jahren durch gesamtvietnamesische freie Wahlen wiedervereinigt werden soll, verhinderten die US-Imperialisten die Verwirklichung dieses Beschlusses."

Mit Hilfe des 'Spiegels' berichtet die KPD/ML-ZB:"
1954 z.B. weigert sich Dulles, Außenminister der amerikanischen Regierung Eisenhower auf der Genfer Indochina-Konferenz, 'seinem chinesischen Gegenüber Tschou En-Lai die Hand zu reichen.'"
Quellen: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 48 und 55,Bochum 23.6.1971 bzw. 21.7.1971,S.2 bzw. S.2; Horizont Nr. 46,Berlin (DDR) 2. Novemberwoche 1972,S.25f

20.07.1954:
Aus Vietnam berichtet Horst Szeponik (vgl. 16.6.1954, Aug. 1954):"
Unterzeichnung der Indochinaabkommen in Genf. Sie sehen vor: die Unabhängigkeit für Vietnam, Laos und Kambodscha, den Abzug der französischen Truppen, die provisorische Teilung Vietnams durch eine militärische Demarkationslinie am 17. Breitengrad, die nach der Abhaltung allgemeiner Wahlen im Jahr 1956 wiederaufgehoben werden soll.

Die USA verweigern die Unterzeichnung der Genfer Abkommen. Sie verpflichten sich jedoch, sie zu respektieren."

Laut KPD/ML-ZB (vgl. 31.7.1971) beginnt mit dem Ende der Konferenz die Planung des Vietnamkrieges.

Eine Arbeitsgruppe an der PH Dortmund berichtet, es wurden im "Genfer Abkommen (Teilnehmer: Großbritannien, Sowjetunion, Frankreich, USA, VR China, Kambodscha, Laos, Vietnam) folgende Punkte vereinbart:
- Die Beendigung der Feindseligkeiten,
- Verbot jeglicher Verstärkung und Ausbreitung ausländischer Militärengagemente,
- Provisorische Teilung des Landes in eine Nord- und eine Südregion südlich des 17. Breitengrades,
- Gesamtvietnamesische Wahlen binnen 2 Jahren zur Errichtung eines einheitlichen, souveränen Staates,
- Bildung einer internationalen Kontrollkommission (Kanada, Polen, Indien), um die Einhaltung der Vereinbarungen zu überwachen.

Die USA haben das Abkommen nicht unterzeichnet, gaben jedoch von sich aus die Erklärung ab, seine Ergebnisse zu respektieren.
Die für die Amerikaner fatalste Entscheidung des Genfer Abkommens war die Durchführung gesamtvietnamesischer Wahlen binnen 2 Jahren. Nach Schätzungen amerikanischer Experten standen zu dieser Zeit 80% der Bevölkerung auf Seiten Ho Chi Minhs: der Wahlausgang war also klar vorhersehbar."

Berichtet wird auch durch die Frankfurter Marxisten-Leninisten (FML - vgl. 20.4.1975), unterstützt u.a. von den ML Aachen und den ML Bochum, durch die LgdI der KPD (vgl. 19.6.1972) sowie in:
- Baden-Württemberg durch den Bund Kommunistischer Arbeiter (BKA) Freiburg (vgl. 24.4.1972);
- Bayern durch das Regensburger Vietnamkomitee für Frieden und Befreiungskampf (VKfFuB - vgl. 2.3.1973);
- Hamburg durch das NVK (vgl. Feb. 1973);
- NRW in Dortmund durch die Marxisten-Leninisten (ML) Dortmund (vgl. 15.12.1972, 6.2.1973) und in Köln durch H. Hansmann, Angeklagter im Kölner
Vietnamprozeß (vgl. 9.9.1975).
Q: Nachrichtendienst Vietnamprozeß Nr. 2,Köln o.J. (Sept. 1975),S.11; VKfFuB Regensburg:Vietnamkomitee für Frieden und Befreiungskampf. Mit der Unterzeichnung des …,Regensburg o.J. (1973),S.2;Horizont Nr. 46,Berlin (DDR) 2. Novemberwoche 1972,S.25f;Arbeitsgruppe des Seminars Marxismus und Psychoanalyse an der PH Dortmund:Die Entstehung des Vietnam-Kriegs,Dortmund o.J. (1973);Frankfurter Marxisten-Leninisten:Marxisten-Leninisten zum 1. und 8.Mai 1975,Bochum 1975,S.13;Internationale Solidarität Nr. 5,Berlin 1972,S.4;Klassenkampf 1.Mai-Zeitung,Freiburg o.J. (Apr. 1972),S.3;Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 57,Bochum 31.7.1971,S.3;Die Rote Front Nr. 5 und 3,Dortmund Dez. 1972 bzw. Feb. 1973,S.8 bzw. S.3;NVK-Regionalbüro Hamburg: Kämpfen und verhandeln - Dokumente,Hamburg Feb. 1973,S.6ff

08.09.1954:
Aus Vietnam berichtet Horst Szeponik (vgl. Aug. 1954, 29.9.1954):"
Gründung des von Washington inspirierten aggressiven Südostasienpaktes (SEATO), dem die USA, Großbritannien, Frankreich, Neuseeland, Australien, Pakistan, Thailand und die Philippinen angehören. Südvietnam, Laos und Kambodscha werden zur 'Schutzzone' der SEATO erklärt."

Eine Arbeitsgruppe an der PH Dortmund berichtet:"
Der Vertrag legte fest, daß die Unterzeichnerstaaten ihr Verteidigungspotential erhöhen sollten, um jeglichen Angriff und jegliche Subversion auf ihre Gebiete zu bekämpfen. In einem weiteren Zusatz wurde der Geltungsbereich des Vertrages auf Kambodscha, Laos und Vietnam ausgedehnt, ohne daß die Regierungen gefragt worden wären. Laut New York Herald Tribune vom 17.9.1954 erklärten die USA zusätzlich, sie würden den Vertrag nur erfüllen, wenn es sich um eine kommunistische Aggression handelte. Dadurch wurden die asiatischen Vertragspartner geradezu aufgefordert, jeden Aufstand als kommunistische Aggression auszugeben. Schon damals bezeichnete der indische Verteidigungsminister Krishna Menen den SEATO-Pakt als ersten Bruch des Genfer Abkommens."
Q: Horizont Nr. 46,Berlin (DDR) 2. Novemberwoche 1972,S.25f; Arbeitsgruppe des Seminars Marxismus und Psychoanalyse an der PH Dortmund:Die Entstehung des Vietnam-Kriegs,Dortmund o.J. (1973)

18.03.1970:
In Kambodscha tagt die Nationalversammlung. Bei einer Abstimmung über die Absetzung Prinz Sihanouks erhält jeder der Abgeordneten drei Stimmzettel, die namentlich gezeichnet werden sollen. Mit einstimmigem Votum wird der Kandidat Lon Nols, Cheng Heng zum Staatchef erklärt.

Die Frankfurter Marxisten-Leninisten (FML - vgl. 20.4.1975) berichten, unterstützt u.a. von den ML Aachen und den ML Bochum:"
1969 stürzte der US-Imperialismus mit Hilfe des CIA die Regierung des Prinzen Sihanouk und setzte die landesverräterische Lon-Nol-Clique als Regierung ein."

Der KSB/ML Freiburg der KPD/ML-ZK (vgl. 19.2.1971) berichtet evtl. von heute evtl. aber auch vom 30.4.1970:"
Die Aggression auf Kambodscha im März 1970 war von den Imperialisten propagandistisch massiv vorbereitet worden in der Absicht, das amerikanische Volk für ihre Ziele zu gewinnen. Jedoch eine breite Welle der Empörung stürzte die herrschende Klasse in eine tiefe Krise."

In NRW in Essen bei Krupp Widia (IGM-Bereich - vgl. 4.5.1970) berichtet die spätere KPD/ML-ZB:"
Am 18.März nutzten rechte Offiziere die Abwesenheit des Staatschefs Sihanouk aus, um die Macht mit Hilfe des CIA an sich zu reißen."

Berichtet wird auch durch die KPD (vgl. 25.1.1978) und in:
- Baden-Württemberg in Mannheim durch die OG der KPD/ML bzw. KPD/ML-ZK (vgl. 14.5.1970);
- NRW in Dortmund durch die OL der KPD (vgl. 26.1.1978).
Q: KPD/ML-OG Mannheim:Kampf dem US-Imperialismus!, Mannheim o.J. (Mai 1970), S.1; Roter Widia Arbeiter Nr. 4, Essen Mai 1970, S.7;Burchett, Wilfred:Kambodscha und Laos oder Nixons Krieg?, Reinbek 1970;Frankfurter Marxisten-Leninisten:Marxisten-Leninisten zum 1. und 8.Mai 1975, Bochum 1975, S.13;KSB/ML Freiburg:Nixons Lügen haben kurze Beine, Freiburg o.J. (1971), S.1;KPD:Sowjetunion schürt den Konflikt zwischen Kampuchea und Vietnam, o.O. (Dortmund) o.J. (1978), S.4;Rote Fahne Nr. 4, Köln 25.1.1978

23.03.1970:
Die KPD/ML-ZB berichtet von der heutigen Gründung der Vereinigten Nationalen Front von Kampuchea (FUNK - vgl. 4.5.1970), "IN DEREN HÄNDEN SEITDEM DIE FÜHRUNG DES BEFREIUNGSKAMPFES IN KAMBODSCHA LIEGT.

Am gleichen Tag schuf Prinz Sihanouk, der demokratische Präsident Kambodschas, den die US-Imperialisten kurz zuvor vertrieben hatten, auch die NATIONALE BEFREIUNGSFRONT (NLAF), IN DER SICH von dieser Zeit an DIE REVOLUTIONÄREN KÄMPFER DES LANDES ZUSAMMENSCHLOSSEN."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 28, Bochum 14.4.1971, S.14f

12.04.1970:
Die KPD/ML-ZB berichtet:"
Am 12.4.1970 erschossen Soldaten der kambodschanischen Marionettenarmee 3 000 vietnamesische Männer und Jugendliche auf einer Sandbank im Mekong etwa 50 km südlich von Pnom Penh.

Alle Opfer dieses Massakers waren Angehörige der vietnamesischen Minderheit in Kambodscha.

Das berichtete der Fischer Van Tam, einer der 28 Überlebenden, dem amerikanischen Journalisten Denis Warner."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 44, Bochum 9.6.1971, S.7

13.04.1970:
Bei Opel Bochum gibt die KPD/ML bzw. später KPD/ML-ZK nach eigenen Angaben erstmals ihre Betriebszeitung 'Zündkerze' heraus (vgl. 11.5.1970), in der es auch heißt:"
'ABER DIE 'GELBE GEFAHR'!'

- Das ist ein Märchen unserer Bosse, um uns einzuschüchtern. Amerikanische Truppen stehen bei uns und in der ganzen Welt. Russische Truppen stehen in der DDR und in der halben Welt. Chinesische Truppen stehen in keinem einzigen Land der Welt. China bedroht niemanden. In Vietnam, Laos, Kambodscha kämpfen keine Chinesen, wie 'Bild' behauptet. Dort kämpfen Vietnamesen, Laoten und Kambodschaner. Allerdings wenden sie die Theorie Mao Tsetungs an, weil sie die gleichen Erfolge erringen wollen wie das chinesische Volk. Auch wir können Erfolge erringen, wenn wir diese Theorie auf unsere Verhältnisse korrekt anwenden."
Q: Zündkerze Nr. 1, Bochum 1970

15.04.1970:
Laut Freimut Duve ruft in Kambodscha nach Absetzung von Staatschef Prinz Sihanouk General Lon Nol die USA-Armee zur Hilfe.
Q: Duve, Freimut:Aufbrüche. Die Chronik der Republik 1961 bis 1986, Hamburg 1986

22.04.1970:
An der Universität Tübingen erscheint die Nr. 6 des 'Roten Pfeils' (vgl. März 1970, 25.5.1970) - Organ der marxistisch-leninistischen Gruppen an der Universität Tübingen mit dem Artikel "CIA-Putsch in Kambodscha".
Q: MLPD-ZK:Geschichte der MLPD, I.Teil, Stuttgart 1985, S.189; Roter Pfeil Nr. 6, Tübingen 22.4.1970, S. 31ff

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24.04.1970:
Es beginnt die zweitägige Gipfelkonferenz der indochinesischen Völker.

Sie verabschiedet morgen eine gemeinsame Erklärung, aus der die LgdI der KPD (vgl. 19.6.1972) so zitiert:"
Die Gipfelkonferenz der Völker Indochinas ruft die Völker der drei Länder leidenschaftlich auf, sich in diesen historischen Stunden noch enger zusammenzuschließen, tapfer und beharrlich zu kämpfen, alle Opfer und Entbehrungen zu überwinden, um entschlossen den Sieg über den US-Imperialismus und seine Helfershelfer herbeizuführen. Es gilt, die heiligen, nationalen Rechte der drei Völker und die grundlegenden Prinzipien des Genfer Abkommens von 1954 (über Indochina (vgl. 20.7.1954, d.Vf.)) und 1962 (über Laos (vgl. 23.7.1962, d.Vf.)) zu verteidigen. Es gilt, alle Anstrengungen zu unternehmen, um Indochina wirklich zu einem Gebiet der Unabhängigkeit und des Friedens zu machen, entsprechend dem Wunsch der Völker der drei Länder und den Interessen des Friedens in Südostasien und in der ganzen Welt.

Die Seiten von Kambodscha, Laos und Südvietnam bejahen das Ziel ihres Kampfes wie folgt: UNABHÄNGIGKEIT, FRIEDEN, NEUTRALITÄT, NICHTZULASSUNG DER UNTERHALTUNG BZW. DER ERRICHTUNG VON AUSSLÄNDISCHEN MILITÄRISCHEN TUPPEN, BZW. STÜTZPUNKTEN AUF IHREM TERRITORIUM; KEINE BETEILIGUNG AN IRGENDIENER MILITÄRISCHEN ALLIANZ; NICHTZULASSUNG AUSLÄNDISCHER BENUTZUNG IHRER TERRITORIEN ZUM ZWECK DER AGGRESSION GEGEN ANDERE LÄNDER.

In den Beziehungen zwischen den drei Ländern werden entschlossen die Prinzipien der friedlichen Koexistenz praktiziert.' (Gemeinsame Erklärung der Gipfelkonferenz der Völker Indochinas)"

Die KPD/ML-ZB (vgl. 31.7.1971) berichtet:"
Auf einer gemeinsamen Gipfelkonferenz der indochinesischen Völker vom 24./25.5.1970 erklärten die drei betroffenen Staaten unter vollster Unterstützung durch die VR China (nach Peking Rundschau Sondernummer v. 12.5.1970):

'Die Konferenz verurteilt energisch alle Versuche der USA und deren Lakaien sowie der Reaktionäre Asiens, unter Benutzung der UNO oder irgendwelcher internationaler Organisationen jedweder asiatischen Organisation oder Konferenz, das illegale Regime der Lon Nol-Sirik Matak-Clique zu legalisieren und sich in Kambodscha einzumischen… Nach dem Prinzip, daß Befreiung und Verteidigung eines Landes die Sache des betreffenden Volkes sind, gewährleisten alle Konferenzpartner… auf der Grundlage der gegenseitigen Achtung alle Anstrengungen zur gegenseitigen Unterstützung zu machen.' Damit haben die indochinesischen Völker ganz klar eine Konferenz 'über' Indochina abgelehnt."

Eine Erklärung zur Konferenz wird auch verfaßt durch die VR China (vgl. 28.4.1970).
Q: Internationale Solidarität Nr. 5, Berlin 1972, S.4; Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 10 und 57, Bochum 29.6.1970 bzw. 31.7.1971, S.*; bzw. S.3f.;Rote Fahne Nr. 18, Dortmund 2.5.1973, S.6

28.04.1970:
Die KPD/ML-ZB berichtet über die Erklärung der VR China zur Gipfelkonferenz der indochinesischen Völker:"
In der Erklärung der VR China vom 28.4.1970 heißt es zu dieser Gipfelkonferenz:

'Die chinesische Regierung und das chinesische Volk gratulieren herzlichst zu den gewaltigen Erfolgen der Gipfelkonferenz der indochinesischen Völker und bringen zum Ausdruck, daß sie die von der Konferenz abgegebene Erklärung höchst entschlossen unterstützen… Die chinesische Regierung und das chinesische Volk… sind entschieden gegen die Machenschaften des USA-Imperialismus und seiner Komplizen, mit denen sie die Vereinten Nationen (UNO, d.Vf.) oder irgendwelche anderen internationalen Organisationen oder Konferenzen dazu benutzen, den patriotischen Kampf des Volkes von Kambodscha gegen den USA-Imperialismus zu sabotieren.'"
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 57, Bochum 31.7.1971, S.4

30.04.1970:
Laut Freimut Duve marschieren US-Truppen und südvietnamesische Verbände in Kambodscha ein. Gleichzeitig wird die Bombardierung Nordvietnams wieder aufgenommen.

Horst Szeponik (vgl. 6.6.1969, 17.9.1970) berichtet:"
In der Nacht zum 1.Mai fallen größere Verbände amerikanischer Truppen und südvietnamesischer Söldner in das neutrale Kambodscha ein. Ende Mai beträgt die Zahl der Interventen 75 000 Mann."

Die KPD/ML-ZB berichtet später:"
Nach der unverschämten Invasion in Kambodscha hatte US-Präsident Nixon auf die Frage, ob die USA weitere Aktionen in Kambodscha vorhätten, gesagt: 'Es wird keine Unterstützung aus der Luft oder logistische Hilfe für künftige südvietnamesische Operationen in Kambodscha geben.' Einen neuen Einmarsch amerikanischer Truppen wies Nixon empört von sich."

Berichtet wird auch in:
- Baden-Württemberg in Mannheim durch die OG der KPD/ML bzw. später KPD/ML-ZK (vgl. 14.5.1970);
- NRW in Essen bei Krupp Widia (IGM-Bereich - vgl. 4.5.1970) durch die spätere KPD/ML-ZB.
Q: Roter Widia Arbeiter Nr. 4, Essen Mai 1970, S.7; Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 9, Bochum 3.2.1971, S.2;Horizont Nr. 46, Berlin (DDR) 2. Novemberwoche 1972, S.25f;Duve, Freimut:Aufbrüche. Die Chronik der Republik 1961 bis 1986, Hamburg 1986;Kammertöns, K.-H.:Bomben auf Kambodscha! Stoppt US-Krieg!, Dortmund o.J. (Mai 1970);Zündkerze Sdr.ausg. für Bochumer Betriebe, Bochum Mai 1970, S.4;KPD/ML-OG Mannheim:Kampf dem US-Imperialismus!, Mannheim o.J. (Mai 1970), S.1

30.04.1970:
Vermutlich noch heute erscheint, laut KPD/ML-ZK bei Opel Bochum, folgende:"
SOLIDARITÄTSERKLÄRUNG DER VR CHINA AN DAS KAMBODSCHANISCHE VOLK:

Die Aggression des amerikanischen Imperialismus gegen Kambodscha und die Ausdehnung seines Aggressionskrieges in Indochina stellen eine ernste Provokation nicht nur gegen die drei indochinesischen Völker Südostasiens sondern auch gegen das chinesische Volk und die revolutionären Völker der Welt dar. Getreu den Weisungen seines großen Führers, Vorsitzenden Mao Tsetungs, schwört das 700 Millionen starke chinesische Volk, eine mächtige Stütze der drei indochinesischen Völker zu sein und alles in seiner Macht stehende zu tun, um die Brudervölker Kambodschas, Laos' und Vietnams zu unterstützen und ihnen bei der Verfolgung ihrer Ziele bis zum Ende zu helfen, bis zum totalen Sieg ihres Widerstandskrieges gegen die amerikanische Aggression und für das nationale Wohl. Vorsitzender Mao tsetung wies schon vor längerer Zeit darauf hin: 'Die amerikanischen Imperialisten und die Reaktionäre aller Länder sind Papiertiger!' Wenn wir einig bleiben, wenn wir es wagen, den Kampf zu führen, wenn wir uns auf einen Krieg von langer Dauer einrichten, wenn wir alle Schwierigkeiten überwinden und wenn wir Welle um Welle vorwärtsstreben, werden die drei indochinesischen Völker ganz sicher den amerikanischen Imperialismus und alle seine Lakaien schlagen. Der Sieg gehört den drei heroischen Völkern Indochinas!"
Q: Zündkerze Sdr.ausg. für Bochumer Betriebe, Bochum Mai 1970, S.7

Mai 1970:
Die KPD/ML-ZB berichtet mit Hilfe der 'Peking Rundschau' (PR - vgl. 14.6.1971, 22.6.1971):"
Im Mai und Juni 1970, als die kambodschanischen Streitkräfte und Volksmassen die eindringenden USA-Aggressionstruppen und Saigoner Marionettentruppen wuchtig anschlugen, unternahmen die laotischen Streitkräfte und Volksmassen beim Triumphmarsch Angriffe, befreiten auf einen Schlag Attopeu und Saravane, zwei wichtige Gemeinden in Niederlaos, und brachten das strategisch wichtige Bolovene-Plateau unter ihre Kontrolle. Diese Gelegenheit ausnutzend, unternahmen die Streitkräfte und Volksmassen in Südvietnam umfangreiche Angriffe, zerstörten viele feindliche 'strategische Dörfer' und militärische Untersektoren und vereitelten den Plan sogenannter 'dringender Befriedung' seitens der USA-Marionettenclique, wodurch die USA-Truppen und eine große Menge Marionettentruppen zum Abzug aus Kambodscha nach Südvietnam hin gezwungen wurden."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 50, Bochum 3.7.1971, S.11

Mai 1970:
Die KPD (vgl. 25.2.1972) berichtet aus Thailand (vgl. 1969, 1971) vermutlich u.a. aus dem Mai über die Folgen der US-Invasion vom 30.4.1970:"
In dem Maße, wie die US-Imperialisten ihren Aggressionskrieg auf ganz Indochina ausdehnten und Thailand zum Hauptstützpunkt für den Krieg in Laos und die B-52 Luftflotte machten, richteten die Arbeiter und Bauern im Zeichen der internationalen Solidarität ihren Kampf gegen die Ausdehnung des Krieges aus. Als im April 1970 die US-Imperialisten ihre Invasion in Kambodscha durchführten, griffen bewaffnete Kämpfer des thailändischen Volkes in den an Laos und Kambodscha angrenzenden Gebieten die Nachschublinien der US-Armee und ihrer thailändischen Marionetten an und zerstörten Brücken, Landstraßen und Nachschubkonvois."
Q: Rote Fahne Nr. 37, Berlin 25.2.1972, S.4

Mai 1970:
Es erscheint die Nr. 32 der 'R – Zeitschrift der Schüler-Lehrlings-Gruppen & Clubs im BDP' (vgl. Apr. 1970, Juni 1970) mit dem Artikel "Nationalismus und Neokolonialismus im Kampf um Kambodscha".
Q: R – Zeitschrift der Schüler-Lehrlings-Gruppen & Clubs im BDP Nr. 32, Berlin Mai 1970, S. 17ff

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01.05.1970:
Vermutlich heute hält in den USA Präsident Nixon eine Rede über den Angriff auf Kambodscha, woraufhin laut KPD/ML-ZK die Börsenkurse in New York und u.a. in Frankfurt fallen.
Q: Zündkerze Sdr.ausg. für Bochumer Betriebe, Bochum Mai 1970, S.1

01.05.1970:
In München vertreiben die Arbeiterbasisgruppen (ABG), nach eigenen Angaben, zum 1.Mai erstmals eine 'Kommunistische Arbeiter Zeitung' (KAZ) Nr. 0 (vgl. Juni 1970) vor 30 Betrieben. Berichtet wird auch über Kambodscha.
Q: Kommunistische Arbeiter Zeitung Nr. 0, München 1.5.1970

02.05.1970:
Die WAZ berichtet, laut DKP Dortmund:"
Während sich in den USA am Wochenende auf Präsident Nixon wegen des Einsatzes amerikanischer Truppen in Kambodscha ein Trommelfeuer der Kritik entlud, flogen amerikanische Flugzeuge konzentrierte Angriffe auf Flugabwehrstellungen in Nordvietnam. Von allen Fronten des indochinesischen Kriegsschauplatzes wurden am Sonntag heftige Kämpfe gemeldet".

Heute bombardieren, laut KPD/ML-ZB, 100 amerikanische Flugzeuge drei Gebiete in Nordvietnam.
Q: Kammertöns, K.-H.:Bomben auf Kambodscha! Stoppt US-Krieg!, Dortmund o.J. (Mai 1970); Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 53, Bochum 25.11.1970, S.9

02.05.1970:
Frühestens heute gibt die Berliner KPD/AO eine vierseitige Sonderausgabe ihrer 'Roten Fahne' heraus, die zu den Kambodschaaktionen aufruft (vgl. 8.5.1970, 9.5.1970).
Q: Rote Fahne Sdr.ausgabe, Berlin Mai 1970

02.05.1970:
Vermutlich heute erscheint in Hannover das 'Info' Nr. 8 (vgl. 11.4.1970, 23.5.1970), welches sich auch mit Kambodscha befaßt, wobei z.T. Ausarbeitungen der Berliner KPD/AO übernommen werden.
Q: SDS-Gruppe Hannover:Info Nr. 8, Hannover 1970, S. 14ff

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03.05.1970:
Es tagt das IKD-Regionalkomitee (RK) Rhein/Main (vgl. 28.4.1970). Zum TOP Kambodscha heißt es:"
Es wurde allgemein die Notwendigkeit eingesehen, angesichts der erneuten Aggression des US-Imperialismus in Kambodscha auf eine antiimperialistische Demonstration und Kundgebung hinzuarbeiten. Dabei tauchte die Schwierigkeit auf, wie wir als kleine und relativ unbekannte Gruppe die Initiative ergreifen könnten. Wir einigten uns erst einmal darauf, Informationen einzuholen, was die anderen Gruppierungen planen."
Q: IKD-RK Rhein-Main:Protokoll der RK-Sitzung vom 3-5-70, o.O. o.J. (1970)

04.05.1970:
Die KPD/ML-ZB berichtet von der Vereinigten Nationalen Front von Kampuchea (FUNK - vgl. 23.3.1970, 20.8.1970) vermutlich u.a. aus dieser Woche:"
'DIE BREITESTE NATIONALE EINHEITSFRONT GEGEN ALLE MANÖVER UND ANGRIFFE DES US-IMPERIALISMUS' UND 'DER AUFBAU EINES FREIEN UND DEMOKRATISCHEN KAMBODSCHA', das sind die ZIELE DER FUNK, dafür kämpfen die Truppen der NLAF.

Gleich nach der Gründung der FUNK und der NLAF bekundete das Volk in großen Demonstrationen sein Einverständnis mit diesen Zielen. Zehntausende von Männern und Frauen traten in die Befreiungsarmee ein. Im April und Mai 1970, während des Höhepunkts der US-Invasion in Kambodscha wurden allein in den Städten Kratie und Ratanakiri 2 000 junge Männer Mitglied der NLAF.

Anfang Mai, auf dem 1. Kongreß der FUNK, der unter Führung Prinz Sihanouks in Peking stattfand, wurde das Politbüro der FUNK gewählt und die KÖNIGLICHE REGIERUNG DER NATIONALEN UNION MIT SAMDECH PENN NOUTH ALS MINISTERPRÄSIDENT GEGRÜNDET.

In den darauffolgenden Monaten wurde in großen Teilen Kambodschas die revolutionäre Macht errichtet. In geheimer Abstimmung wählte die Bevölkerung der befreiten Gebiete ihre Verwaltungen."

Von der Gründung der GRUNK berichtet auch die KPD (vgl. 25.1.1978) sowie in - NRW die KPD-OL Dortmund (vgl. 26.1.1978).
Q: KPD: Sowjetunion schürt den Konflikt zwischen Kampuchea und Vietnam, o.O. (Dortmund) o.J. (1978), S.4; Rote Fahne Nr. 4, Köln 25.1.1978;Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 28, Bochum 14.4.1971, S.15

04.05.1970:
Laut Freimut Duve kommt es wegen des Einmarsches der US-Truppen in Kambodscha (vgl. 30. 4. 1970) zu weltweiten Protesten.
In Kent (Ohio) in den USA erschießt die Nationalgarde vier protestierende Studenten.

Die Rote Garde (RG) München der KPD/ML-ZK berichtet im DruPa-Bereich (vgl. Juni 1971):"
Die Stimmung des amerikanischen Volkes gegen den Krieg in Vietnam wird von Jahr zu Jahr stärker. Im Mai 1970 setzten sich zuerst die amerikanischen Studenten gegen die Entsendung von US-Truppen zur Invasion in Kambodscha ein, dann erhoben sich die Arbeiter, Afro-Amerikaner und die übrigen breiten Volksmassen zum Kampf. Vier Studenten der Kent-Universität haben dafür ihr Leben lassen müssen. Sie sind die wahren Helden des amerikanischen Volkes.

Mao Tse-tung erklärt dazu: 'Ich bin überzeugt, daß das heldenhaft kämpfende amerikanische Volk letzten Endes den Sieg davontragen und die faschistische Herrschaft in den USA unausbleiblich mit einer Niederlage enden wird.'

Die amerikanische Arbeiterklasse ist der größte Trupp der Arbeiterklasse in der Welt. Die überwiegende Mehrheit der 22 Millionen Afro-Amerikaner, die zutiefst unter der Rassendiskriminierung und am ärgsten unter der Klassenausbeutung zu leiden hat, bildete eine gewaltige potentielle Kraft der Revolution, die äußerst rebellisch ist. Sie alle sind die Totengräber der amerikanischen Monopolbourgeoisie. Ein solches Volk kann niemals die 'schweigende Mehrheit' sein, wie Nixon, es wird sich bestimmt erheben, um das imperialistische System zu stürzen und ihr Geschick in eigene Hand zu nehmen.

NIEDER MIT DEM US-IMPERIALISMUS UND SEINEN LAKAIEN!

DAS AMERIKANISCHE VOLK WIRD SIEGEN!"

Von den Tötungen berichtet auch die 'Frankfurter Rundschau' bzw. der BDP (vgl. Mai 1970), der KJVD der KPD/ML-ZB (vgl. Dez. 1970) und in:
- Baden-Württemberg die OG Mannheim der KPD/ML bzw. KPD/ML-ZK (vgl. 14.5.1970);
- NRW in Dortmund das Vorbereitende Komitee Huckarde Kampf dem Ausländergesetz und der politischen Unterdrückung (vgl. 4.9.1972).
Q: Vorbereitendes Komitee Huckarde:Kampf dem Ausländergesetz und der politischen Unterdrückung:Aufruf zum Kampf gegen das reaktionäre Ausländergesetz, Dortmund o.J. (Sept. 1972), S.4; KPD/ML-OG Mannheim:Kampf dem US-Imperialismus!, Mannheim o.J. (Mai 1970), S.2;Der Druckerei Arbeiter Nr. 2/3, München Juni 1971, S.25;Der Kampf der Arbeiterjugend Nr. 6, Bochum Dez. 1970, S.7;Duve, Freimut:Aufbrüche. Die Chronik der Republik 1961 bis 1986, Hamburg 1986;Zündkerze Sdr.ausg. für Bochumer Betriebe, Bochum Mai 1970, S.4 und 6;R – Zeitschrift der Schüler-Lehrlings-Gruppen & Clubs im BDP Nr. 32, Berlin Mai 1970, S.1

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04.05.1970:
In Berlin gibt die Betriebsgruppe Siemens vermutlich in dieser Woche ihren "Aufruf zur Demonstration gegen den US-Imperialismus" bzw. dessen Invasion in Kambodscha für den 9.5.1970 heraus.
Q: Betriebsgruppe Siemens: Aufruf zur Demonstration gegen den US-Imperialismus, o. O. o. J.

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04.05.1970:
In Essen erscheint vermutlich in dieser Woche bei Krupp die Nr. 4 des 'Roten Widia Arbeiters' (vgl. 20.4.1970) der Widia Betriebsgruppe KPD/ML bzw. bald KPD/ML-ZB. Der letzte Artikel (vgl. 30.4.1970) lautet:"
DER EINMARSCH IN KAMBODSCHA

Amerikanische und südvietnamesische Truppen fielen vorige Woche in Kambodscha ein.

50 000 US-Soldaten rücken ins Landesinnere vor und verwüsten das Land.

Am 18. März nutzten rechte Offiziere die Abwesenheit des Staatschefs Sihanouk aus, um die Macht mit Hilfe des CIA an sich zu reißen. Dieses reaktionäre Regime, das für die Interessen der US-Imperialisten arbeitet, ließ gleich Hunderte von Vietnamesen umbringen. Dem Volk waren jedoch die Machenschaften dieser rechten Führer klar und daß dahinter die US-Ausbeuter stehen.

Das neue Regime verlangte, daß die Nordvietnamesen abziehen sollen, die seit Jahren die Volksbefreiungsfront in Südvietnam mit Nachschub durch Kambodscha versorgen.

Die US-Imperialisten fielen in Kambodscha ein. Sie hatten es nicht einmal nötig, ihre Handlanger in Kambodscha um Erlaubnis zu fragen. Sie erhielten jedoch anschließend die Bestätigung.

Präsident Nixon befahl den Einfall der 50 000 US-Soldaten in Kambodscha, um das Hauptquartier für die gesamten kommunistischen Militäroperationen in Südvietnam anzugreifen.

Über den Einfall der US-Truppen in Kambodscha diskutierten die Kollegen im Betrieb heftig. Sie waren sich darüber einig, daß damit nicht der Vietnamkrieg beendet wird, sondern das bedeutet eine Erweiterung des Indochinakrieges. Es ist eine Lüge, wenn Nixon sagt, daß mit der Besetzung des Hauptquartiers in Kambodscha der Vietnamkrieg beendet ist.

Das ist uns allen klar. Doch was einigen Kollegen nicht klar war, wo Widersprüche und falsches Verständnis auftauchten, das war die Stellung des US-Imperialismus und seiner Machenschaften.

Warum kämpfen die US-Imperialisten in Indochina? Warum weiten sie jetzt auch noch den Krieg auf Kambodscha aus? Die US-Imperialisten kämpfen in Kambodscha, weil ihre Interessen bedroht sind. Indochina war nämlich für die Imperialisten ein äußerst günstiger Rohstoffquellen- und Absatzmarkt. Ihr einziges Interesse ist es, das Land auszubeuten und ihre Macht zu erweitern. Die Folge dieser imperialistischen Ausbeutung und Unterdrückung war der Kampf des vietnamesischen Volkes für seine Befreiung. Mit allen Mitteln versuchen die Ausbeuter weiterhin das Volk zu unterdrücken. Als das Volk sich zur Wehr setzte und gegen diese Unterdrücker kämpfte, sich unter der Führung der Kommunisten organisierte und sich nicht mehr ausbeuten lassen wollte, setzten die US-Imperialisten ihre mächtige Militärmaschinerie ein, um mit grausamen Mitteln den Aufstand niederzuschlagen. Sie bombardierten Nordvietnam schlimmer Als im 2. Weltkrieg Deutschland.

Mit allen Mitteln versuchen die Unterdrücker, das kleine vietnamesische Volk niederzuwerfen. Und zwar ganz brutal. Doch trotz ihrer gigantischen Militärmaschinerie müssen sie immer mehr Verluste hinnehmen und immer weiter zurückweichen. Denn das vietnamesische Volk führt einen gerechten Volkskrieg. Und damit hat es die Gegner immer weiter zurückgeschlagen. Die US-Imperialisten haben auf dem Lande längst allen Einfluß verloren und mußten sich auf schwerbefestigte Stützpunkte an der Küste zurückziehen. Ihre Niederlage wird immer klarer. Bisher büßten sie 40 000 Soldaten und eine halbe Billion - täglich mehrere Millionen - ein.

Diese Niederlage der US-Imperialisten läßt sie auf solche Wahnsinnstaten kommen, daß sie den Krieg ausweiten und in Kambodscha einmarschieren. Ihre Angst vor der Niederlage treibt sie zu solchen Taten und damit immer weiter in ihren Untergang hinein.

Mit dem Einmarsch in Kambodscha haben die Imperialisten ihre kriegerischen Absichten klar gezeigt. Es ist eine große Lüge, wenn Nixon sagt, daß er Truppen aus Vietnam abziehen will, den Krieg beenden will, aber in Kambodscha einfällt. Wenn er vom Frieden spricht, meint er Krieg. Wenn er von Entspannung redet, vergrößert sich die Spannung aber immer mehr. Das entlarvt ganz klar seine ausbeuterischen, kriegerischen Absichten. Nur die Macht- und Profitgier treiben ihn zu solchen Taten und ganz bestimmt nicht der 'Wunsch' nach Frieden. Er will nämlich keinen Frieden, sondern Indochina nur als Sprungbrett benutzen, um eventuell China aufzurollen. Das wäre die größte Wahnsinnstat. Doch die Machtgier wird sie dorthin treiben.

Mit dem Einfall in Kambodscha werden die Imperialisten nichts erreichen, sie haben auch bisher nichts erreicht. Sie wollten den Stützpunkt finden, haben ihn aber nicht gefunden.

Die Vietnamesen haben nämlich die Unterstützung des kambodschanischen Volkes. Auch die Kambodschaner wehren sich gegen die Unterdrückung der Imperialisten. Gegen ihre Regierung, die neuen Machthaber, die nicht mehr lange an der Macht bleiben werden, da das kambodschanische Volks sich organisiert hat und gegen den Feind vorgeht. In Kambodscha gibt es auch eine nationale Befreiungsfront wie in Südvietnam. Sie wird dem Volk zum Sieg verhelfen. Die US-Imperialisten werden hier genau so eine Niederlage erleben wie in Vietnam.

Kollegen!
Genau wie Adenauer, Erhard und Kiesinger unterstützt auch die SPD-Regierung unter Brandt den US-Imperialismus.

Jährlich zahlt die Bundesrepublik mehrere Milliarden Militärunterstützung an den US-Imperialismus - neben den eigenen Militärabgaben von 22 Milliarden DM.

Westdeutsche Soldaten werden in den USA ausgebildet - für denselben Zweck wie die amerikanischen Soldaten: Für den Einsatz gegen die unterentwickelten Völker in Lateinamerika, Asien und Afrika.

Brandt weigert sich, den Krieg des US-Imperialismus offen zu verurteilen. Warum? Weil die Bundesregierung die gleichen Ziele hat wie der US-Imperialismus: In aller Welt sind die westdeutschen Kapitalisten tätig und rauben den unterdrückten Völkern ihre Rohstoffe, beuten die billigen Arbeitskräfte aus und verbünden sich mit den reaktionären Regimes in diesen Ländern.

Deshalb fordert die Kommunistische Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten:

SCHLUSS MIT DER UNTERSTÜTZUNG DES US-IMPERIALISMUS !!!!"
Q: Roter Widia Arbeiter Nr. 4, Essen Mai 1970, S. 7f

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05.05.1970:
Vermutlich über heute erscheint, laut KPD/ML-ZK bei Opel Bochum, folgende UPI-Meldung aus Snoul, Kambodscha:"
'Wir hatten keine andere Wahl', antwortete der amerikanische Kommandant, Oberstleutnant General Brookshire auf die Frage, aus welchem taktischen Grund die kambodschanische Stadt Snoul von den US-Truppen ausgelöscht wurde. 'Wir mußten sie nehmen. Sie war ein Angelpunkt für die Nordvietnamesen. Ihr Nachschub lief hier durch.' Snoul war die erste größere Stadt in Kambodscha, die von den US-Truppen völlig zerstört wurde. Am Dienstag war den vorrückenden US-Panzern heftiger Widerstand vom Stadtrand her entgegengeschlagen. Daraufhin zerschossen die Amerikaner Häuser, Kampfflugzeuge zerstörten mit Bomben und Napalm den Rest.

Auf ihrem Weg durch die Straßen der verwüsteten Stadt versorgten sich die Soldaten aus den Ruinen der Geschäfte mit Bier, Limonade, Spiegeln, Koffern, Schuhen, Uhren und sogar mit einem Motorrad, das sie auf einem Panzer festbanden. Ein Krämerladen stand noch, er wurde ebenfalls seiner Waren - meist Taschenlampenbatterien - beraubt und angezündet. In einem anderen Laden lagen Sonnenbrillen. Die Soldaten nahmen auch sie mit."
Q: Zündkerze Sdr.ausg. für Bochumer Betriebe, Bochum Mai 1970, S.7

06.05.1970:
Heute erscheint, laut KPD/ML-ZK bei Opel Bochum, folgende Agenturmeldung:"
Wien, 6. Mai (AP). Die amerikanischen und sowjetischen (USA und SU, d.Vf.) Verhandlungen über die Begrenzung der strategischen Rüstung sind am Mittwoch in der amerikanischen Botschaft in Wien fortgesetzt worden. Wie im Anschluß an die 75 Minuten dauernde Sitzung verlautete, kam es von Seiten der Sowjets zu keinerlei Polemik gegen die amerikanische Intervention in Kambodscha."
Q: Zündkerze Sdr.ausg. für Bochumer Betriebe, Bochum Mai 1970, S.7

06.05.1970:
In Heidelberg führt der SDS Heidelberg eine Demonstration durch, die von Joscha Schmierer angemeldet wurde, und, nach einem Bericht des Innenministeriums Baden-Württemberg, u.a. darin bestand Steine und Metallstücke gegen das Amerikahaus und das Kaufhaus Horten zu schleudern, was einen Schaden von ca. 3 000 DM verursacht haben soll. Laut DKP geht es um Kambodscha.
Q: Unsere Zeit Nr. 21, Düsseldorf 23.5.1970, S.*; Innenministerium Baden-Württemberg: Verfügung: Verbot und Auflösung der Hochschulgruppe Heidelberg des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes, Stuttgart 24.6.1970, zitiert nach: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 10, Bochum 29.6.1970

06.05.1970:
In Tübingen findet, laut 'Roter Pfeil', eine antiimperialistische Demonstration statt. Sie wird organisiert von den marxistisch-leninistischen Gruppen an der Universität Tübingen. Ca. 1 500 Teilnehmer. Hauptparolen sind u.a.:
"US-Imperialismus raus aus Kambodscha", "Hände weg von Indochina", "US-Imperialismus raus aus Westdeutschland", "Ausländische Truppen raus aus ganz Deutschland". Laut DKP beteiligen sich 1 500 Schüler und Studenten an der Kambodschademonstration. Auch der Rote Pfeil meldet nur Schüler und Studenten.
Q: Unsere Zeit NRW Nr. 21, Düsseldorf 23.5.1970, S.*; Roter Pfeil Nr. 7, Tübingen Mai 1970, S.19ff

06.05.1970:
Für die IAK berichtet Doris Müller aus Frankfurt aus den Jusos der SPD (vgl. 20.5.1970):"
BEGINN EINER KLASSENKAMPFPOLITIK BEI DEN JUNGSOZIALISTEN

Im Mai fanden in Frankfurt zwei zentrale Mitgliederversammlungen der Jungsozialisten statt. … Auf der zentralen Mitgliederversammlung der Jungsozialisten am 6. Mai … wurde eine Demonstration gegen die Invasion in Kambodscha diskutiert. Wir stellten folgende Forderungen zur Abstimmung: Abzug aller amerikanischen Nachschubtruppen aus Westdeutschland! Raus aus der Nato! Boykott aller Waffenlieferungen aus der BRD nach Kambodscha! Gewerkschaften, organisiert Boykottstreiks!

Diese Forderungen und der Kampf gegen den Kapitalismus im eigenen Land bedeuten praktische Solidarität mit den Arbeitern und Bauern in Vietnam und Kambodscha!

Die Jungsozialisten entschieden sich gegen diese Forderungen und für die Volksfrontpolitik der DKP, die nur Aktionen für eine moralische Verurteilung der Invasion in Kambodscha organisierte."
Q: Internationale Arbeiter Korrespondenz Nr. 30, Frankfurt Mai/Juni 1970, S.4f

06.05.1970:
In Hamburg erscheint die 'Rote Presse Hamburg' der Zelle Produktion, die die Nummerierung der 'Apo Press' (vgl. 10.3.1970) fortführt. Das Titelbild ruft auf zur Kambodscha-Demonstration am 12.5.1970 ab Hansaplatz.
Q: Rote Presse Hamburg Nr. 4, Hamburg 6.5.1970, S. 1

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08.05.1970:
In München finden, laut ABG, zwei Kambodschademonstrationen statt. Bei einer Kampfdemonstration von Roten Zellen, AStA, Rote Garde und KPD/ML-ZK seien einige Scheiben zu Bruch gegangen. Eine zweite Demonstration der Aktion Vietnam International habe vom Platz der Opfer des Nationalsozialismus zum Hackerkeller geführt.

Das ZK der ABG verfaßt dazu später eine Stellungnahme, die im internen Zirkular der ABG Nr. 12 und im 'Roten Blatt' Nr. 9 (vgl. 1.6.1970) veröffentlicht wird.
Die ABG und die RSF seien für eine antiimperialistische Massendemonstration eingetreten, Rote Zellen und AStA aber wollten eine Kampfdemonstration, woraufhin die ABG sich zurückgezogen hätten. Dafür aber habe sich die KPD/ML-ZK angeschlossen. Eine Antwort der Roten Zellen dazu wird am 25.5.1970 verfaßt.

Das ZK der ABG befaßt sich auch später (vgl. März 1971) noch mit der Aktion.
Q: Rotes Blatt München Nr. 9, München 1.6.1970; ABG:Rechenschaftsbericht des Zentralen Komitees der Arbeiter-Basis-Gruppen für die Zeit von Mai 1970 bis zum März 1971, o.O. (München) o.J. (1971), S.16 und 23

08.05.1970:
Die Berliner KPD/AO ruft zu einer Kambodschagroßveranstaltung an diesem Tage in der Technischen Universität auf.
Q: Rote Fahne Sonderausgabe, Berlin Mai 1970

08.05.1970:
In Hannover soll unter dem Motto "Solidarität mit den kämpfenden Völkern Vietnams und Kambodschas" ein Teach In in der TU und eine Demonstration ab Opernplatz stattfinden. Zur Teilnahme rufen u.a. Aktionskomitee der sozialistischen Arbeiter-, Schüler- und Studentengruppen Hannovers, Schülerbasisgruppe I, Sozialistische Arbeiter- und Lehrlingsgruppe (SALG) und SDS Hannover mit einem gemeinsamen Flugblatt auf.
Q: SDS-Gruppe Hannover:Info Nr. 8, Hannover 1970, S. 25

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08.05.1970:
In Dortmund wurde zur Kambodscha-Demonstration u.a. mit folgendem Flugblatt von zwei Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von K.-H. Kammertöns und gedruckt in der Schreibstube Groß des DKP Kreisvorsitzenden aufgerufen:"
BOMBEN AUF KAMBODSCHA! STOPPT US-KRIEG!

Mit einer unerhörten Brutalität setzte sich die US-Regierung und ihr Militär über die Prinzipien des Völkerrechts hinweg und begann einen zweiten Krieg in Südostasien (vgl. 30.4.1970, 2.5.1970, d.Vf.). …

Die Angriffe der US-Division auf Kambodscha heben bereits mehr als 1 000 Opfer gefordert.

Wir dürfen nicht tatenlos zusehen, wie die US-Regierung ihren Krieg auf ganz Indochina ausdehnt. Dieser Krieg muß beendet werden!

WIR FORDERN:
SOFORTIGEN ABZUG DER US-TRUPPEN AUS KAMBODSCHA!
EINSTELLUNG ALLER LUFTANGRIFFE!
FRIEDEN FÜR VIETNAM!

Solidarisieren Sie sich mit den Gegnern des Vietnamkrieges. Nehmen Sie teil an einer Protestdemonstration gegen die US-Aggression in Vietnam und Kambodscha!

TREFFPUNKT: FREITAG, 8. MAI 1970
17 Uhr 30 Alter Markt, Bläserbrunnen"

Enthalten ist auch ein Unterschriftenkoupon (einzusenden an Kammertöns im Verlag 'pläne'):"
Ich unterstütze diesen Aufruf!"
Q: Kammertöns, K.-H.:Bomben auf Kambodscha! Stoppt US-Krieg!, Dortmund o.J. (Mai 1970)

08.05.1970:
In Köln findet, laut 'apo press', eine erste Kambodschademonstration (vgl. 12.5.1970) mit ca. 300 Teilnehmern statt, die dem Aufruf von AMS der DKP, SHB und SDAJ folgten.
Q: Apo press Nr. 5, Köln 1.6.1970

09.05.1970:
In den USA wird, laut KPD/ML-ZK, in Washington landesweit gegen den Überfall auf Kambodscha (vgl. 30.4.1970) und die Ermordung der vier Studenten in Kent, Ohio (vgl. 4.5.1970) demonstriert.

Laut ASS Göttingen demonstrieren dieses Wochenende 100 000 in Washington, sowie in England 6 000 in London und in den Niederlanden 5 000 in Den Haag.
Q: Rote Schule Nr. 4, Göttingen 1970, S.1; Zündkerze Sdr.ausg. für Bochumer Betriebe, Bochum Mai 1970, S.6

09.05.1970:
Für die DKP berichtet J. S. vermutlich von diesem Wochenende über die eigene AMS:"
EIN NEUER MAGNET FÜR STUDENTEN
DER LENIN-KONGRESS VON SPARTAKUS - ASSOZIATION MARXISTISCHER STUDENTEN - IN FRANKFURT/MAIN

Der Kongreß wurde durch ein Teach-in anläßlich des 25. Jahrestages der Befreiung vom deutschen Faschismus beendet.

Jupp Angenfort, William Mngadi vom südafrikanischen Nationalkongreß (ANC Azania, d.Vf.), der Interbrigadist aus dem spanischen Bürgerkrieg Ernst Buschmann, die Gäste aus der UdSSR und der DDR - sie alle wurden stürmisch gefeiert - sprachen zu Problemen des Kampfes gegen den internationalen Faschismus und Imperialismus. Anschließend demonstrierten die Teilnehmer durch die Frankfurter Innenstadt - gegen die Aggression in Kambodscha und den brutalen Knüppel- und Schußwaffeneinsatz der Westberliner Polizei (vgl. 9.5.1970, d.Vf.)."
Q: Unsere Zeit Nr. 21, Essen 23.5.1970, S.11

09.05.1970:
Laut ASS Göttingen demonstrieren dieses Wochenende in München 3 000 gegen die Schüsse in Ohio, USA.
Q: Rote Schule Nr. 4, Göttingen 1970, S.1

09.05.1970:
In Berlin beteiligen sich, laut der selbst aufrufenden KPD/AO, 15 000 an der Kambodschademonstration vom Kreuzberger Mehringdamm durch Schöneberg zum Amerikahaus, dort habe ein Polizist dann einen Schuß abgegeben. Offiziell heißt die Aktion Solidaritätsdemonstration für die "Kämpfenden Völker Vietnams, Laos, Kambodschas".

Laut KPD/ML-ZB demonstrierten 8 000 Studenten, die versuchten das Amerikahaus zu stürmen und dort eine Massenschlägerei mit der Polizei provozierten. Die traurige Bilanz der Aktion seien 250 verletzte Polizisten, 2 angeschossene Menschen und 2 tote Pferde. Dem Proletariat dienten nicht militante Demonstrationen sondern die Bildung von Betriebsgruppen in den wichtigsten Betrieben, diese aufzubauen heiße den Klassenkampf bei uns voranzutreiben.

Aufgerufen wurde auch durch die Betriebsgruppe Siemens (vgl. 4.5.1970).

Wegen der Demonstration kommt es später zu Festnahmen von mindestens 3 Personen (vgl. 29.1.1971). Bei der KPD hat sich die Teilnehmerzahl 1975 schon auf ca. 20 000 erhöht.

Der KJVD der späteren KPD/ML-ZB (vgl. Juni 1970) berichtet:"
In Berlin schossen bei der letzten Demonstration Polizisten auf Demonstranten.

Innensenator Neubauer (SPD, d.Vf.) drohte mit dem Einsatz von Handgranaten und Maschinengewehren."

Von den Schüssen berichtet auch die OG Mannheim der KPD/ML bzw. KPD/ML-ZK (vgl. 14.5.1970).

Laut ASS Göttingen demonstrieren 8 000, die Projektgruppe Information Kreiensen (vgl. Mai 1970) berichtet ausführlich mit Hilfe des 'Extradienst'.
Q: Rote Provinz Nr. 6, Bad Gandersheim Mai 1970, S.5f; Rote Schule Nr. 4, Göttingen 1970, S.1;KPD/ML-OG Mannheim:Kampf dem US-Imperialismus!, Mannheim o.J. (Mai 1970), S.2;KPD-ZK:Vorwärts im Kampf um die Einheit der Marxisten-Leninisten. Kritik an der politischen Linie der KPD/ML, Köln 1975, S.214;Rote Presse Korrespondenz Nr. 65 und 100, Berlin ***1970 bzw. 29.1.1971;Betriebsgruppe Siemens: Aufruf zur Demonstration gegen den US-Imperialismus, o. O. o. J.;Der Kampf der Arbeiterjugend Nr. 2, Bochum o.J. (1970), S.9;Kommunistische Arbeiterpresse AEG Telefunken, Berlin Mai 1970;Rote Fahne Sdr.ausg. und Nr. 16, Berlin bzw. Köln Mai 1970 bzw. 21.4.1976;Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 1, Bochum 15.5.1970;Duve, Freimut:Aufbrüche. Die Chronik der Republik 1961 bis 1986, Hamburg 1986

09.05.1970:
Laut ASS Göttingen demonstrieren dieses Wochenende in Frankfurt 10 000 gegen die Schüsse in Ohio, Usa.
Q: Rote Schule Nr. 4, Göttingen 1970, S.1

09.05.1970:
Die KPD/ML-ZK berichtet von Krupp Bochumer Verein (BV - IGM-Bereich) bzw. aus den USA (vgl. 4.5.1970, 9.5.1970):"
TELEGRAMM EINES KOLLEGEN VOM BV AN DIE STUDENTEN VON KENT:

Als Solidaritätsbekundung an die Arbeiter und Studenten, die am Samstag vor dem Weißen Haus in Washington gegen den Überfall auf Kambodscha und gegen die Ermordung von vier Studenten in Kent (Ohio) demonstrierten, war folgendes Telegramm gedacht, das ein Bochumer Metallarbeiter versucht hatte, an die Organisationsleitung der Demonstranten zu schicken:

AMERIKANISCH-KAPITALISTISCHE AUSBEUTERSCHWIENE, HINAUS AUS ASIEN! NIEDER MIT NIXON! ES LEBE MAO TSETUNG!

Ein Oberpostrat fand jedoch das Wort 'Ausbeuterschwein' so anstößig, daß er das Telegramm nicht weiterleitete. Offenbar ist es für solche Postbeamten, die sich damit das Recht zur Zensur herausnehmen, nicht so anstößig, was die Herren Nixon und Co. treiben."
Q: Zündkerze Sdr.ausg. für Bochumer Betriebe, Bochum Mai 1970, S.6

11.05.1970:
Vermutlich in dieser Woche verteilt die KPD/AO in Berlin bei AEG Telefunken ein zweiseitiges Flugblatt ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse - Ausgabe AEG Telefunken' über die Kambodscha-Demonstration vom 9.5.1970, welches unter der Verantwortung von Jürgen Horlemann u.a. den dort gefallenen Schuß anprangert.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse - Ausgabe AEG Telefunken Mai 1970, Berlin Mai 1970

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11.05.1970:
Vermutlich in dieser Woche erscheint in Göttingen die Nr. 4 der 'Rote Schule' – Zentralorgan der sozialistischen Schüler und Lehramtskandidaten (vgl. 6.4.1970, 15.6.1970), herausgegeben vom Arbeitskreis Sozialistischer Schüler (ASS) oder vom Aktionszentrum Sozialistischer Schüler Göttingen, denn "das ASS" trifft sich jeden Montag im Club für Internationalismus. Berichtet wird von den Schüssen in Ohio und den Protesten dagegen international sowie in Berlin, Frankfurt, Göttingen und München (vgl. 9.5.1970) sowie über Indochina.
Q: Rote Schule Nr. 4, Göttingen 1970, S. 1ff

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11.05.1970:
Die Rote Opel-Betriebsgruppe der KPD/ML bzw. später KPD/ML-ZK Bochum gibt vermutlich in dieser Woche eine Sonderausgabe ihrer 'Zündkerze' (vgl. 13.4.1970, 26.5.1970) für Bochumer Betriebe heraus, für deren 8 Seiten Werner Lehrke verantwortlich zeichnet. Aufgerufen wird darin zur Demonstration zur "Solidarität mit den Völkern von Kambodscha und Vietnam" (vgl. 14.5.1970). Der Name des US-Präsidenten Nixon wird in den Hervorhebungen meist mit Hakenkreuz anstatt mit 'X' geschrieben:"
NIXON, KAMBODSCHA UND WIR
'WAS GEHT UNS KAMBODSCHA AN?'

- So fragen manche Kollegen. Sie sind der Meinung, Kambodscha wäre weit weg. Sie glauben daher, es wäre unnötig, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Wenn Kambodscha uns wirklich nicht direkt anginge, dann könnte man diese Kollegen verstehen, wenn man sie auch nicht loben könnte. Denn die Tatsache, daß dort Plantagenarbeiter und Bauern ausgebeutet, unterdrückt und jetzt sogar massenweise umgebracht werden, sollte eigentlich schon genügen, um jeden Arbeiter und Angestellten zur Empörung darüber und zu Solidarität mit den unterdrückten Klassenbrüdern zu veranlassen. Die betreffenden Kollegen begehen aber außerdem noch einen schweren Fehler.

KAMBODSCHA GEHT UNS NÄMLICH AUCH DIREKT SEHR VIEL AN.

Das sieht man schon daran, daß nach Adolf Nixons Rede über den Angriff auf Kambodscha (vgl. 1.5.1970, d.Vf.) nicht nur die Börse von New York, sondern auch die von Frankfurt in den Keller ging. Unsere Wirtschaft, d.h. 'unser' Kapitalismus, hängt eng mit dem amerikanischen Kapitalismus zusammen.

'WENN AMERIKA DEN SCHNUPFEN HAT, BEKOMMEN WIR DIE LUNGENENTZÜNDUNG.'

An dieser Wahrheit hat sich nichts geändert. Und die Lage ist heute besonders ernst: Amerika hat selber eine Lungenentzündung, nicht nur einen Schnupfen.

Der amerikanische Kapitalismus gleicht einem Lastwagen, der ohne Bremse eine Gebirgsstraße hinabrast, und wir sitzen auf dem Anhänger. Nixon am Steuer des Wagens versucht verzweifelt irgendwelche Bremsmanöver. In Vietnam kämpfen die USA seit Jahren, weil sie beweisen wollen, daß Mao Tsetungs Theorie des Volksbefreiungskrieges nicht stimmt. Mao Tsetungs Theorie besagt nämlich: die unterdrückten Völker können im Befreiungskrieg den Imperialismus besiegen. Natürlich geht es den (US-Imperialisten nicht, d.Vf.) nur um Vietnam. Es geht ihnen um ihr Erdöl in Venezuela, um ihre Bananen in Guatemala, um ihre Erze in Chile usw… Wenn ihnen der Beweis in Vietnam nicht gelingt, wird ihr Reich in Südamerika zusammenbrechen. Vietnam hat jedoch den entgegengesetzten Beweis erbracht: den Beweis, daß die Arbeiter und armen Bauern mit Mao Tsetungs Theorie des Volksbefreiungskrieges sogar die USA besiegen können. Das haben auch andere Völker verstanden. Dazu gehört auch das Volk von Kambodscha, das schon seit längerer Zeit mit dem Aufstand gegen die Grundbesitzer begonnen hat.

DER VIETNAMKREIG SCHLUG AUF DIE WIRTSCHAFT DER USA ZURÜCK

Der Krieg in Vietnam brachte den amerikanischen Kapitalisten zwar riesige Rüstungsaufträge und entsprechend riesige Profite. Aber solche Profite sind soagr für die kapitalistische Wirtschaft selbst auf die Dauer ein zweischneidiges Schwert. Panzer kosten zwar Geld, aber sie bilden keine wirklichen Werte. Das führt zur Inflation. Angenommen die Arbeiter von General Motors (GM, d.Vf.) bauen statt 1 000 Autos 500 Autos und 100 Panzer, so haben sie noch immer gleichviel Geld in der Tasche, aber es sind weniger Waren auf dem Markt, da die Arbeiter, ihre Meister und sogar ihre Aktionäre keine Panzer kaufen wollen. Wenn aber mehr Geld als Waren auf dem Markt ist, dann überbieten sich die Käufer und die Preise steigen: DAS BEDEUTET INFLATION.

DER 'PFEILER DES WELTWÄHRUNGSSYSTEMS' WANKT

Auf dem Dollar beruht das ganze Gebäude des kapitalistischen Währungssystems. Und nun ist der Dollar durch den Vietnamkrieg in eine galoppierende Inflation geraten (1969: 7 Prozent). Das Gebäude begann zu wackeln. Die DM-Aufwertung sollte den Dollar abstützen. Aber diese Stütze hilft nichts, wenn der 'Pfeiler' innen morsch ist. Nixon hätte seinen wildgewordenen Lastwagen radikal zum Stehen bringen können, indem er den Krieg wirklich beendet hätte. Aber dann hätte er endgültig den Beweis geliefert, daß Mao Tsetungs Theorie richtig ist. Das (hier wurde eine Zeile nicht abgedruckt, dessen letztes Wort wohl 'des-' war, d.Vf.) halb versuchte er zuerst das Unmögliche: gleichzeitig Krieg und Kampf gegen die Inflation. Er gab also weiter Gas, indem er die Kriegsproduktion anheizte. Gleichzeitig versuchte er, die Friedensproduktion zu bremsen. Er wollte also die Inflation dadurch bremsen, indem er die Kaufkraft und damit die Nachfrage verringerte. Das bedeutet Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit.

ADOLF NIXONS REZEPT: KRIEG PLUS ARBEITSLOSIGKEIT

Die Friedensproduktion sank; die großen Autofirmen z.B. entließen massenweise Arbeiter. Die Arbeitslosigkeit stieg auf über 4 MILLIONEN. Gleichzeitig lief die Kriegsproduktion weiter auf Hochtouren. Ergebnis: Krieg plus Inflation plus Arbeitslosigkeit.

Als Adolf Nixon nicht mehr weiter wußte, gab er erneut Vollgas: Er dehnte den Krieg aus, statt ihn zu beenden. Er gleicht nun einem Fahrer, der die Hoffnung auf ein gutes Ende aufgegeben hat und mit geschlossenen Augen weiterrast.

DER WAGEN RAST, UND WIR HÄNGEN DRAN!

Die Inflation wird nun weitergehen. Der Dollar wird weiter schmelzen. Das Währungssystem wird in neue Krisen stürzen. Die Kapitalisten haben nun selbst Angst. Deshalb stürzen die Kurse in Wall Street wie noch nie zuvor. Es gibt nun nur noch ein Mittel: Zwangswirtschaft wie bei 'unserem' Adolf. Nixon wird Löhne, Preise, Devisen und Einfuhren zwangsweise beschränken müssen. Er selbst wird die 'freie' Wirtschaft total abschaffen. Für uns bedeutet das: Die Exporte der BRD in die USA werden sinken. Wir werden unter der Währungskrise zu leiden haben. Die amerikanische Lungenentzündung wird uns anstecken. Und natürlich werden unsere Kapitalisten genauso wie die amerikanischen die Hauptlast der Krise auf ihre Arbeiter und Angestellten abwälzen.

GIBT ES KEINE RETTUNG?

Nixon und die Kapitalisten sitzen im Führerhaus und steuern die amerikanischen und deutschen Volksmassen in den Abgrund. Die einzige Rettung wäre, mit vereinten Kräften den Anhänger vom Lastwagen zu lösen. Durch die sozialistische Revolution könnten wir den Anhänger vom Wagen lösen. Aber dies Mittel ist sehr radikal. Viele Kollegen sehen die Notwendigkeit dafür noch nicht ein. Sie werden ihre Meinung aber ändern, wenn sie am eigenen Leib spüren, welch schreckliche Unfälle der Kapitalismus auch bei uns bauen wird. Andere Kollegen erkennen zwar die Notwendigkeit der sozialistischen Revolution, meinen aber, sie sei nicht durchführbar. Sie haben insofern natürlich recht, als es sehr schwierig ist, einen Anhänger von einem fahrenden Wagen abzukoppeln und sicher zum Stehen zu bringen. Dazu braucht man einen genauen Plan und entschlossene Leute, die was von der Sache verstehen. Genauso braucht man für den revolutionären Sozialismus einen Plan, d.h. das Programm einer marxistisch-leninistischen Partei. Man braucht auch entschlossene Leute, die was von der Sache verstehen und auf die man sich verlassen kann. Das können alle Arbeiter, Angestellten und revolutionären Intellektuellen werden, die das herrschende politische und wirtschaftliche System durchschaut haben und die Notwendigkeit sehen, es abzuschaffen. Sie dürfen nicht auf eigene Faust kämpfen, weil das zu nichts führt, sondern sie müssen sich in der marxistisch-leninistischen Partei vereinigen.

NIXON ODER MAO TSE TUNG

Die sozialistische Revolution kann nur das Ende eines langen Marsches sein. Um die richtige Marschroute zu finden, müssen wir die Theorie Mao Tsetungs für unsere Verhältnisse neu anwenden und ergänzen. Wir leben nicht in China, Kambodscha oder Vietnam, aber wir können viel von Mao Tsetung lernen. Vor allem ein Prinzip: ABSOLUTES VERTRAUEN IN DIE VOLKSMASSEN. Dieses Prinzip hat in Vietnam bewiesen, wer recht hat: Mao Tsetung und nicht Nixon. Dieses Prinzip wird auch in Kambodscha das gleiche beweisen. Nixon vertraut auf Panzer, Mao Tsetung vertraut auf die Volksmassen. Wer recht hat, sehen wir täglich.

AUCH BEI UNS SIND DIE VOLKSMASSEN STÄRKER!

Während der letzten Wirtschaftskrise (1966/67) haben die Kapitalisten sich als stärker als die Arbeiter erwiesen. Viele Kollegen wurden entlassen, sehr viele mußten Kurzarbeit machen. Bei Opel z.B. wurden damals 1 500 Kollegen entlassen. Was taten die Gewerkschaften? Sie haben den Schwanz eingekniffen! Die Gewerkschaften haben Angst vor den Volksmassen, anstatt ihnen zu vertrauen. Deshalb müssen die Volksmassen ohne sie handeln. Das haben die Kollegen bei Stahl und Kohle im September 1969 bewiesen. Und sofort stellte sich heraus, wer der Stärkere ist. Das ist sehr wichtig zu wissen für die nächste Krise: die Arbeiter können und werden sich wehren, auch ohne Gewerkschaften, wenn es darauf ankommt. Sie müssen dann allerdings fähig sein, selber Streiks zu organisieren. Dazu wäre es ein gutes Mittel, möglichst bald überall Rote Betriebsgruppen zu bilden, die sich nicht von den Gewerkschaftsbonzen einlullen lassen.

ORGANISIERT EUCH IN DEN ROTEN BETRIEBSGRUPPEN DER KPD/ML!

WARUM WIR DEMONSTRIEREN SOLLTEN

Der Krieg in Kambodscha geht uns also sehr viel an. Indem wir gegen ihn protestieren, erklären wir, daß wir uns morgen gegen die Krise wehren werden. Krieg und Krise hängen zusammen. Wir stehen auf der selben Seite wie das amerikanische, vietnamesische und kambodschanische Volk! Krieg und Krise haben die selbe Wurzel: das kapitalistische System. Wir können bei der Demonstration klarmachen, daß wir beides nicht wollen: weder Krieg noch Krise.

NIXON GLEICH HITLER

Adolfs sind keine typisch deutsche Erscheinung. Sie sind eine typisch kapitalistische Erscheinung. Sie tauchen immer und überall dort auf, wo es dem Kapitalismus schlecht geht. Wenn es dem Kapitalismus schlecht geht, dann klopft nämlich der Sozialismus an die Tür, und dann suchen sich die Herren Kapitalisten einen Adolf, der die Massen verführen soll und von der Forderung nach dem Sozialismus ablenken soll. Solch ein Adolf muß skrupellos sein, er muß wie ein reißender Tiger sein. Deshalb müssen sich alle, die nicht von ihm zerrissen werden wollen, gegen ihn zusammentun. Im Anfang wird solch ein Tiger zwar viele Opfer verschlingen, mit der zeit jedoch können ihm die organisierten künftigen Opfer erfolgreich Widerstand leisten. Dann stellt sich der Tiger als Papiertiger heraus. Der gefährlichste Tiger ist augenblicklich Adolf Nixon.

WER FREMDE VÖLKER MORDET, MORDET AUCH DAS EIGENE VOLK!

Diese bittere Wahrheit haben wir Deutschen erfahren: Hitler brachte nicht nur Juden, Polen, Franzosen und Russen um, sondern auch deutsche Kommunisten und Sozialisten in den KZs. Nixon gleicht ihm auch darin aufs Haar, es fehlt ihm wirklich nur noch der Schnäuzer. Alle, die in den USA nicht mit ihm einverstanden sind (das sind besonders Arbeiter, allen voran die schwarzen Arbeiter, und Studenten) erklärt er zu 'Vietcongs' und 'Pennern' und läßt kaltblütig auf sie schießen (vgl. 4.5.1970, d.Vf.). Vier Tote im eigenen Land machen ihm nichts aus: kein Wunder - 4 000 ja 400 000 Tote in Vietnam machen ihm ja auch nichts aus!

'FRIEDENS'-VERSPRECHEN VOR NEUEM KRIEG: ALTER HUT VON ADOLF

Vierzehn Tage vor Nixons Einmarsch hielt er eine große 'Friedens'rede (vgl. **.4.1970, 30.4.1970, d.Vf.). Auch das kommt uns Deutschen verdammt bekannt vor: auch 'unser' Adolf hielt kurz vor neuen 'Blitzkriegen' immer 'Friedensreden'. Wenn also Adolf Nixon die nächste 'Friedensrede' hält, werden wir uns fragen, welches Land dann an der Reihe ist. Wie 'unser' Adolf so ist auch Nixon inzwischen ein gefährlicher Feind aller Völker geworden. Niemand kann mehr sicher vor ihm sein. Für die Arbeiter, Angestellten und Intellektuellen überall auf der Welt kann nur eins gelten: Adolf Nixon ist ihr Feind, sie wollen nichts mit ihm zu tun haben, er soll mit all seinen Generälen und 'Beratern' zum Teufel gehen. Seine Panzer, Flugzeuge und Atombomben bei uns in Deutschland sind ein Pulverfaß, sie müssen weg, genauso wie die russischen Panzer, Flugzeuge und Atombomben in der DDR.

GOTTSEIDANK ERINNERN WIR UNS NOCH AN 'UNSEREN' ADOLF!

Wir kennen noch Adolf Hitlers Reden: er behauptete, polnische und tschechische Provokateure säßen überall und er müßte 'das Leben deutscher Landsleute schützen'. Einen Tag pflegte er irgendwo einzumarschieren. Wenn Nixon heute davon redet, er müßte 'das Leben amerikanischer Soldaten schützen', kann man nur lachen. Es ist doch völlig klar, daß er das Leben seiner Soldaten am besten schützen könnte, wenn er sie schleunigst nach Amerika zurückverschiffen würde. Stattdessen behauptet er, er würde das Leben seiner Soldaten schützen, indem er sie auf neue Schlachtfelder schickt!

NIXONS FREUNDE SIND SO SCHLIMM WIE HITLERS FREUNDE

Adolf Nixon bringt überall in der Welt massenhaft die einfachen Leute um und verheizt seine eigenen Arbeiter. Er ist ein wildes Tier. Wenn daher unsere Regierung, wenn die SPD behauptet, sie sei Nixons 'unverbrüchlicher Freund', dann sollte uns das zu denken geben. Wie kann man Freund von solch einem Adolf ohne Schnäuzer sein? Viele Kollegen finden heute schon: man kann nicht gleichzeitig Nixons Freund und unser Freund sein. Auch Willy Brandt muß da wählen. Und er hat schon gewählt: Adolf Nixons Freundschaft ist ihm lieber als die seines Volkes, wenn er auch wegen Kambodscha 'Besorgnis' heuchelt. Er steht fest hinter Nixon. Den Arbeitern versucht er Sand in die Augen zu streuen, wenn er am 1. Mai mit ihnen marschiert. Das tut er nur, weil er Angst hat, er könnte nicht mehr gewählt werden. Er sollte doch bloß mal seine Wähler fragen, was sie von seiner Freundschaft mit Nixon halten! Aber das tut er ja gerade nicht, weil er genau weiß, was die meisten von uns darüber denken.

NIXON UND WILLY

Es ist klar, wie eng die 'Freundschaft' zwischen General Motors und Opel ist. Es ist auch klar, wie eng die deutschen und amerikanischen Kapitalisten zusammenarbeiten. Die 'Freundschaft' des Profits darf natürlich nicht in die Brüche gehen. Willi Brandt schützt diese 'Freundschaft' durch seine Freundschaft mit Nixon: auf die Freundschaft seiner Wähler pfeift der Willy. Willy sitzt längst mit Nixon und den Kapitalisten im Führerhaus. darüber sollten wir uns keine Illusionen machen!

'SIND DENN EIGENTLICH ÜBERALL VIETCONG?'

- Das fragen zu recht viele Kollegen, wenn sie Adolf Nixon nun plötzlich reden hören, ganz Kambodscha stecke voller Vietcongs. Nixon hält die Volksmassen wirklich für dumm: gestern erzählte er ihnen, in Südvietnam gäbe es gar keine Vietcong, sondern nur 'infiltrierte Nordvietnamesen'. Also: in Südvietnam gibt es nur Nordvietnamesen, aber in Kambodscha gibt es Südvietnamesen (Vietcong)! Morgen wird Adolf Nixon uns erzählen, in Thailand steckten rote Kambodschaner und übermorgen, in Indien würde es nur so von roten Thailändern wimmeln."

Berichtet wird auch von der Bochumer Solidarität bei Krupp (vgl. 9.5.1970) mit den Antikriegsdemonstrationen in den USA, der Solidarität der VR China mit Kambodscha (vgl. 30.4.1970), aus Kambodscha (vgl. 5.5.1970), von den Pariser Vietnamverhandlungen (vgl. 6.5.1970) sowie der SALT-Konferenz (vgl. 6.5.1970).
Q: Zündkerze Sdr.ausg. für Bochumer Betriebe, Bochum Mai 1970

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11.05.1970:
In Mainz veranstalten die Sozialistische Arbeiterbasisgruppe (SABG) Mainz, die Marxisten-Leninisten der Uni Mainz und der AStA der Uni eine Vietnam- bzw. Kambodschademonstration, zu der sie mit einem gemeinsamen Flugblatt "Die US-Imperialisten werden immer brutaler" aufrufen.
Q: SABG Mainz, ML Uni Mainz, AStA Uni Mainz: Die US-Imperialisten werden immer brutaler, Mainz 1970

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12.05.1970:
An der Hamburger Kambodschademonstration beteiligen sich, laut gewerkschaftlichem Komitee zur Demokratisierung der Schiffswerft und Rüstungsfabrik Blohm und Voss, bis zu 10 000 Personen, die am Holstenbahnhof erst dann mit Steinen warfen, als die Polizei zu prügeln begann. Von 10 000 Demonstranten berichtet auch die DKP.
Q: Unsere Zeit - Ausgabe NRW Nr. 21, Düsseldorf 23.5.1970; Blohm und Voss Arbeiterzeitung Nr. 2, Hamburg Juni/Juli 1970, S. 9

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12.05.1970:
Zu der heutigen Bonner Kambodschademonstration ruft, laut BPG, ein von der DKP kontrolliertes Bündnis auf.
Q: Arbeitermacht Nr. 5/6, Bonn Juni/Juli 1970

12.05.1970:
In Köln findet, laut 'apo press', eine zweite Kambodschademonstration (vgl. 8.5.1970) statt, auf der ca. 3 000 Demonstranten von SDS, AStA der Uni, AUSS, AKS, AELA, verschiedenen Basisgruppen, Internationalismus und Spätkapitalismusanalyse Kollektiv (ISKAK), Judo, RC, SHB-PH und Trikont mobilisiert werden konnten. Der SDS gab dazu ein Flugblatt heraus, in dem u.a. die SU als revisionistisch bezeichnet wurde. Hinterher habe man sich zum Amerikahaus begeben. Als die Polizei in die Menge ritt seien Steine geflogen (vgl. 13.5.1970).

Für die DKP berichtet H. W.:"
PFERDE GEGEN DEMONSTRIERER
BEISPIELLOSE BRUTALITÄT DER POLIZEI

Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit (vgl. 20.12.1969, d.Vf.) hat sich das berittene Einsatzkommando der Kölner Polizei bei einem Präventiv-Angriff auf Demonstranten durch unerhörte Brutalität 'ausgezeichnet' und seine Blutspur hinterlassen. Die Reiterstaffel und Kölns Polizeipräsident Hochstein, der selbst den Befehl zur Attacke auf Demonstranten und Passanten gab, haben sich in mehrfacher Hinsicht schuldig gemacht.

Gegen sie muß Anklage erhoben werden. Von der Landesregierung muß die sofortige Auflösung der aggressiven und gefährlichen Polizeisondertruppe verlangt werden.

Der Reiterangriff kam ohne zwingenden Anlaß und wie ein Blitz aus heiterem Himmel am Nachmittag des 12. Mai über die Demonstranten vor dem Amerika-Haus am Apostel-Kloster. Zuerst und noch schlimmer kam er aber über unbeteiligte Passanten in der Hahnenstraße, einer nachmittags stark belebten Einkaufs- und Hauptverkehrsstraße. Die Polizeireiter preschten nämlich vom Neumarkt kommend, über die linke Straßenseite heran. Die Pferde wurden dort rücksichtslos dicht an den Hauswänden vorbei über den Bürgersteig gejagt, wodurch Passanten gegen die Schaufensterscheibe eines anliegenden Geschäfts gedrückt wurden und diese entzwei brach. Mehrere Personen fielen in den Laden. Sie erlitten zum Teil schwere Schnittwunden.

'Die Passanten wurden regelrecht in das Schaufenster hineingedrängt', berichtet der Geschäftsinhaber. Weil die Folgen des 'wilden Ritts' der Polizei vorhersehbar gewesen seien, will der Geschäftsmann Strafantrag gegen die Reiterstaffel stellen.

Der ungezügelte Reiterangriff verwandelte das Bild der bis dahin im wesentlichen friedlich verlaufenen Demonstration gegen den US-Krieg in Indochina mit einem Schlag in eine Szenerie des Aufruhrs. Dabei vermischte sich der berechtigte Zorn der großen Mehrheit der Demonstranten, die in friedlicher Absicht gekommen waren, mit militanten Aktionen kleiner anarchistischer Minderheiten, die bis dahin kaum zum Zuge gekommen waren.

Nun flogen Steine, wurden die Polizisten mit Feuerlöschern attackiert, wurde gegen Roß und Reiter zurückgeschlagen, da es kaum einen Fluchtweg gab.

Die Polizei hatte die Gewalttätigkeit in die Demonstration hineingeritten! Sie hatte sinnlos eskaliert. Es gab Verletzte auf beiden Seiten und zahlreiche Festnahmen. Und es wird nachher wieder Anklagen gegen 'Demonstrationstäter' geben, obwohl die Schuldigen Uniform trugen.

Polizeipräsident Hochstein erbat am nächsten Tag auf einer eiligst einberufenen Pressekonferenz Entschuldigungen für seinen unverantwortlichen Reitereinsatz. Hochstein bekam gewünschte Rehabilitierung weder von der Kölner Presse noch von den Veranstaltern der Demonstration.

Für Hochstein darf es keine Entschuldigungen geben. Eine Eskalation des Polizeieinsatzes und der Anwendung polizeilicher Gewaltmittel gegen Demonstranten bei uns parallel zur Eskalation der USA-Brutalität in Indochina muß unter allen Umständen unterbunden werden."
Q: Unsere Zeit - Ausgabe NRW Nr. 21, Essen 23.5.1970, S.17; Apo press Nr. 5, Köln 1.6.1970

13.05.1970:
In Rom beteiligen sich, laut KPD/ML-ZB, mehrere tausend Studenten an einer Kambodschademonstration, auf der Bilder von Marx, Engels, Lenin, Stalin und Mao getragen wurden. Nachher sei noch auf dem Victor Emanual Denkmal eine rote Fahne gehißt worden.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 1, Bochum 15.5.1970

14.05.1970:
In den USA teilt, laut KPD/ML-ZB, der US-Botschafter in Saigon, E. Bunker, in einer geheimen Sitzung des außenpolitischen Senatsausschußes mit, daß die USA der kambodschanischen Armee neben 6 000 erbeuteten sowjetischen auch 7 200 amerikanische M-2 Karabiner zur Verfügung gestellt hätten.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 2, Bochum 18.5.1970

14.05.1970:
Die OG Mannheim der KPD/ML bzw. später KPD/ML-ZK gibt, laut einer handschriftlichen Datierung heute, das folgende Flugblatt von zwei Seiten DIN A 4 mit der Kontaktadresse Emil Ludwig, Mannheim, F 5, 4 heraus:"
'Unruhe stiften, scheitern, abermals Unruhe stiften, wieder scheitern und so weiter bis zu ihrem Untergang - das ist die Logik der Imperialisten und aller Reaktionäre in der Welt dem Anliegen des Volkes gegenüber, und sie werden niemals gegen diese Logik verstoßen. Das ist ein Gesetz des Marxismus. Wenn wir sagen: 'Der Imperialismus ist bestialisch', so meinen wir, daß sich sein Wesen nicht ändern kann, daß die Imperialisten bis zu ihrem Untergang ihr Schlächtermesser nie aus der Hand geben werden, sich nie in Buddhas verwandeln können.

Kämpfen, unterliegen, nochmals kämpfen, wieder unterliegen, ernuet kämpfen und so weiter bis zum Sieg - das ist die Logik des Volkes, und auch das Volk wird niemals gegen diese Logik verstoßen. Das ist ein anderes Gesetz des Marxismus. Die Revolution des russischen Volkes verlief nach diesem Gesetz, und so entwickelt sich auch die Revolution des chinesischen Volkes.' Mao Tse-tung, Herbst 1949

KAMPF DEM US-IMPERIALISMUS!

Seit Jahrzehnten führen die Völker Indochinas einen heroischen Kampf gegen den WELTFEIND NR. 1, den US-IMPERIALISMUS und seine Lakaien. Die USA und ihre imperialistischen Verbündeten (an vorderster Front die Bundesrepublik Deutschland) geben vor, den 'Frieden der Welt', die 'westliche Zivilisation' und andere schöne Sachen gegen den Weltkommunismus, symbolisiert durch die Volksrepublik China zu verteidigen. In Wirklichkeit - und das wissen wir alle schon seit Jahren - 'verteidigen' sie nichts anderes als die wirtschaftlichen Interessen ihrer Monopole. Und diese Wirtschaftsinteressen setzen sie überall mit brutaler Waffengewalt durch; in Südostasien genauso wie in Lateinamerika, in Afrika genauso wie im Nahen Osten.

Ihren letzten Streich lieferten die US-Imperialisten am 1.Mai in Kambodscha, wo nach dem Sturz des neutralistischen Staatschefs Sihanouk durch den CIA und kambodschanische US-Söldlinge (vgl. 18.3.1970, d.Vf.), amerikanische Truppen und südvietnamesische Söldnertruppen einmarschierten (vgl. 30.4.1970, d.Vf.). Gleichzeitig bombardierte die US-Air-Force wieder die Demokratische Republik Vietnam (DRV, d.Vf.). Durch diese erneute Ausweitung des völkermörderischen imperialistischen Krieges entlarvt sich das Gerede Nixons von der 'Beendigung des Krieges' und dem 'Abzug der US-Truppen' als heuchlerisches und lügnerisches Geschwätz, das nur einen Zweck hat: die antiimperialistischen Bewegungen der ganzen Welt und die revolutionären Bewegungen zu verwirren und zu lähmen und dem Imperialismus ein friedliches Mäntelchen umzuhängen.

Die volksfeindliche Brandt/Scheel-Regierung (SPD/FDP, d.Vf.), die immer von der Erhaltung des Friedens in der Welt spricht, hat zu diesem Akt imperialistischer Barbarei nichts anderes zu sagen, als ihre 'tiefe Besorgnis über die Entwicklung in Südostasien zum Ausdruck zu bringen'. Aber wie soll sie auch anders handeln, wo sie doch der Hauptverbündete der US-Aggressoren ist, wo sie doch auch ihre imperialistischen Interessen in Südostasien 'verteidigen muß', wo sie doch den US-Krieg durch Waffenkäufe (1962 - 1968 im Wert von über 14, 4 Milliarden DM), durch den Kauf von US-Staatspapieren (1967 - 1968 im Wert von 4 Milliarden DM) und durch Devisenausgleichszahlungen (pro Jahr rund 3 Mrd. DM) ständig nach besten Kräften unterstützt? Wie soll diese Bundesregierung den Imperialismus verurteilen, wenn sie selbst weltweit imperialistische Politik praktiziert?

Neben der Sicherung wirtschaftlicher Einflußbereiche für die imperialistischen Staaten verfolgt die US-Aggression in Indochina aber noch ein politisches Ziel: die militärische Einkreisung der großen revolutionären Macht, der Volksrepublik China, die tatkräftig alle antiimperialistischen Befreiungsbewegungen unterstützt und die der US-Imperialismus fürchtet wie der Teufel.

Die Volksrepublik China wendet das leninsche Prinzip der friedlichen Koexistenz genauso an, wie Lenin und Stalin es auch anwendeten: Im revolutionären und nicht im revisionistischen Sinne! Das wissen die Imperialisten aller Länder ganz genau, deshalb haben sie Angst vor dem revolutionären Volkschina, deshalb bedrohen sie die Volksrepublik andauernd und kreisen sie militärisch ein. Die Zusammenarbeit der USA und Westdeutschlands mit der imperialistischen Regierungsclique Japans wird immer besser, der westdeutsche Außenminister Scheel handelt mit den faschistischen Kommunistenschlächtern Indonesiens neue Militärhilfen aus usw. Alle diese Maßnahmen sind gegen die revolutionären Völker Südostasiens und ihre Befreiungsbewegungen gerichtet, alle diese Maßnahmen sind gleichzeitig auch gegen die Volksrepublik China gerichtet. Und in solch einer Situation nimmt es sich mindestens sehr merkwürdig aus, wenn auch die UdSSR ihre wirtschaftlichen und politischen Beziehungen sowohl zur reaktionären japanischen Regierungsbande als auch zu den reaktionären Unterdrückern in Indonesien und Burma ständig verbessert!

In der ganzen Welt erhebt sich ein immer stärkerer Protest und Widerstand gegen die US-Verbrecher und ihre Handlanger. Aber - und das muß spätestens jetzt allen deutlich werden, der Imperialismus begeht seine aggressiven Verbrechen nicht nur nach außen, nicht nur in den von ihm unterdrückten Ländern. Spätestens nach den Schüssen von Kent (Ohio (vgl. 4.5.1970, d.Vf.)) und den Schüssen vom letzten Samstag in Westberlin (vgl. 9.5.1970, d.Vf.) müssen wir zur Kenntnis nehmen, daß die imperialistischen Staaten sich zunehmend nach innen faschisieren. Der Imperialismus als weltweites System ist nur durch die weltweite kämpferische Solidarität der unterdrückten Länder und der internationalen Arbeiterklasse zu schlagen! Sihanouk hat nach eingehender Beratung mit der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh, d.Vf.) in Kambodscha den Volkskrieg ausgerufen. Die kommunistischen Parteien und die Befreiungsbewegungen der Länder Indochinas werden ihren Volkskrieg gemeinsam führen. Und die antiimperialistischen Kräfte der kapitalistischen Länder können diese Befreiungsbewegungen nur dann sinnvoll unterstützen, wenn sie den Klassenkampf in ihren eigenen Ländern unter der Führung der kommunistischen Parteien führen.

KLASSENBEWUSSTE ARBEITER
ORGANISIERT EUCH IN DER KPD/ML

KLASSENBEWUSSTE ARBEITERJUGEND
ORGANISIERT EUCH IN DER ROTEN GARDE" (RG).
Q: KPD/ML-OG Mannheim:Kampf dem US-Imperialismus!, Mannheim o.J. (Mai 1970)

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14.05.1970:
In Bochum demonstrieren, laut KPD/ML-ZB, 500 Studenten gegen den Krieg in Kambodscha. Organisiert worden sei die Demonstration von der KPD/ML-ZK unter der abstrakten Parole "Solidarität mit Kambodscha".

Mobilisiert hatte die KPD/ML-ZK u.a. durch eine Sonderausgabe für Bochumer Betriebe der Opel-Betriebszeitung 'Zündkerze' (vgl. 11.5.1970), mit der KPD/ML und Rote Garde (RG) um 15 Uhr zum Springerplatz aufriefen zur "Solidarität mit den Völkern von Kambodscha und Vietnam".

Der KJVD der späteren KPD/ML-ZB verteilte ein Flugblatt "Was heißt: Solidarität mit dem kambodschanischen Volk?" Das Flugblatt richtet sich gegen "den Einfall der US-amerikanischen Truppen in Kambodscha". Dieser sei "ein erneuter Beweis für den offen kriegerischen Charakter des US-Imperialismus". Dieser Einmarsch sei letztlich "ein klarer Ausdruck der Verschärfung der allgemeinen Widersprüche des Imperialismus. Der Aggressivität nach außen entspricht die Aggressivität nach innen: Die faschistischen Reaktionen gegen die Studentendemonstrationen sind nur konsequenter Ausdruck der seit Jahren vorherrschenden Terrormethoden gegen wirklich klassenkämpferische Gewerkschaften, gegen die Organisation der schwarzen Proletarier. Doch der US-Imperialismus stellt nur den Vortrupp für das imperialistische Lager (USA, Westeuropa, Japan) insgesamt dar. So ist der Unterschied zwischen dem US-Imperialismus und dem bundesrepublikanischen - außer dem unterschiedlichen Wirtschafts- und Militärpotential - der, daß die Monopolkapitalisten der BRD zur Zeit ihrer Wirtschaftsexpansion mit friedlichen Mitteln gegen den Osten führen. Der Tatbestand ist klar: Die BRD-Monopole - vertreten durch die SPD-Regierung - leisten dem US-Imperialismus objektiv Handlangerdienste: schweigendes Einverständnis mit dem US-Imperialismus; offene Unterstützung der CIA-Regierung in Athen (Griechenland, d.Vf.) durch Lieferung von U-Booten und Flugzeugen; offene Unterstützung des Faschistenregimes in Spanien durch Lieferung von Panzern". Das Flugblatt ruft unter diesem Gesichtspunkt u.a. mit einem Zitat von Ho Chi Minh, "Die Revolution in den unterdrückten Nationen unterstützen heißt konkret, die Revolution im eigenen Land voranzutreiben!", dazu auf:"
Schluß mit den ohnmächtigen Demonstrationen moralischer Empörung! Aktiv den Klassenkampf in der BRD unterstützen!". Zu diesem Zweck sollten sich Lehrlinge und Jungarbeiter im KJVD, Schüler im Schülerkollektiv des KJVD und Studenten im Unikollektiv des KJVD organisieren.

In der 'Bochumer Studenten Zeitung' (BSZ) wird die Aktion so dargestellt:"
Etwa tausend Demonstranten, unter ihnen eine Anzahl Arbeiter, zogen … durch das Arbeiterviertel am Springerplatz, um gegen den Überfall der US-Imperialisten auf Kambodscha zu demonstrieren. Zu dem Protest hatten KPD/ML und Rote Garde und von der studentischen Seite der AStA der Ruhruniversität und das Gründungskomitee des SDS/ML aufgerufen. Auf zahlreichen Spruchbändern drückten die Demonstranten ihre Solidarität mit dem Kampf der Völker von Kambodscha, Vietnam und Laos sowie mit allen vom US- und Sowjetimperialismus unterdrückten Völker aus. An der Universität hatte bereits nachmittags ein teach-in stattgefunden, das gemeinsam vom SDS/ML-Gründungskomitee und dem AStA organisiert war … Ein Genosse des Gründungskomitees des SDS/ML stellte dar, daß der US-Imperialismus bereits auf der absteigenden Linie steht … Praktische Solidarität mit den von den Imperialisten unterdrückten Völkern könne sich nur darin erweisen wenn man die Parole des Genossen Ho Chi-Minh konkret anwendet: 'Die Revolution in der Dritten Welt unterstützen, heißt für Euch konkret, die Revolution im eigenen Lande vorbereiten'. Deshalb komme es darauf an, die revolutionäre marxistisch-leninistische Partei der Arbeiterklasse zu unterstützen. Das können wir als Studenten am besten tun, indem wir uns im SDS/ML, der Studentenorganisation der KPD/ML organisieren … Deshalb war es richtig, daß sich der AStA hier klar der Führung der marxistisch-leninistischen Partei der Arbeiterklasse, der KPD/ML, unterstellt. … Diesmal bestand die große Mehrheit des Demonstrationszuges noch aus Studenten, mehr und mehr Arbeiter werden aber künftig unter Führung der revolutionären Partei der Arbeiterklasse das Bild solcher Demonstrationen bestimmen."

Laut KSB/ML der KPD/ML-ZK handelt es sich um die erste Demonstration in Bochum, die unter Führung der KPD/ML bzw. KPD/ML-ZK stand.
Q: Bochumer Studenten Zeitung Nr. 61, Bochum 1970, S.1; Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 1, Bochum 15.5.1970;Zündkerze Sdr.ausg. für Bochumer Betriebe, Bochum Mai 1970, S.8;Rote Zelle Nr. 1, Bochum Nov. 1970, S.4;KJVD Bochum: Was heißt: Solidarität mit dem kambodschanischen Volk?, Bochum o.J. (1970)

15.05.1970:
In den USA wird, laut KPD/ML-ZB, bekannt, daß die US-Regierung Waffen an Kambodscha geliefert hat, ohne, wie vorgeschrieben, den Kongreß darüber zu informieren.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 2, Bochum 18.5.1970

15.05.1970:
Die KPD/ML-ZB und ihr KJVD geben erstmals ihren 'Kommunistischen Nachrichtendienst der KPD/ML und des KJVD' (KND) (vgl. 18.5.1970) heraus. Über Proteste gegen die US-Invasion in Kambodscha wird berichtet aus Rom (vgl. 13.5.1970), Bochum (vgl. 14.5.1970), Berlin (vgl. 9.5.1970) und aus Barcelona. Dort hätten mehrere tausend Studenten versucht eine Coca Cola Fabrik zu stürmen und die Polizei mit Steinen und Molotow-Cocktails beworfen.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 1, Bochum 15.5.1970

18.05.1970:
In Kambodscha eröffnen, laut KPD/ML-ZB, ca. 10 000 südvietnamesische und amerikanische Soldaten im Papageienschnabel eine neue Front von Süden her.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 3, Bochum 21.5.1970

20.05.1970:
In China gibt Mao Tse-tung, laut KPF/ML Frankreich, die Erklärung heraus, 'Die vorherrschende Tendenz ist die Revolution'.

Der KJVD der späteren KPD/ML-ZB (vgl. Juni 1970) dokumentiert mit Hilfe der chinesischen 'Peking Rundschau' (PR - vgl. 26.5.1970):"
VÖLKER DER GANZEN WELT, VEREINIGT EUCH, BESIEGT DIE USA-AGGRESSOREN UND ALLE IHRE LAKAIEN!

Gegenwärtig nimmt im Weltmaßstab der Kampf gegen den USA-Imperialismus einen neuen Aufschwung. Nach dem zweiten Weltkrieg haben der USA-Imperialismus und seine Anhänger wiederholt Aggressionskriege entfesselt, und die Völker verschiedener Länder haben immer wieder durch revolutionäre Kriege Siege über die Aggressoren errungen. Die Gefahr eines neuen Weltkriegs bleibt immer noch bestehen, und die Völker aller Länder müssen Vorbereitungen treffen. Aber die Haupttendenz in der heutigen Welt ist Revolution.

Die USA-Aggressoren, die in Vietnam und Laos nicht siegen können, haben verschwörerisch den reaktionären Staatsstreich der Clique Lon Nol - Sirik Matak angezettelt, skrupellos Truppen nach Kambodscha entsandt und ihre Bombardements im Norden Vietnams wieder aufgenommen, all das hat unter den Völkern der drei Länder Indochinas empörten Widerstand ausgelöst. Ich unterstütze mit Wärme den Kampfgeist des Staatsoberhauptes von Kambodscha Samdech Norodom Sihanouk gegen den USA-Imperialismus und dessen Lakaien, unterstütze mit Wärme die gemeinsame Erklärung der Gipfelkonferenz der indochinesischen Völker, unterstütze mit Wärme die Bildung der Königlichen Regierung der Nationalen Union unter Führung der Nationalen Einheitsfront von Kampuchea. In verstärktem Zusammenschluß, einander unterstützend und im langwierigen Volkskrieg ausharrend, werden die Völker der drei Länder Indochinas mit Sicherheit alle Schwierigkeiten überwinden und den vollen Sieg erringen.

Der USA-Imperialismus massakriert Menschen in anderen Ländern, zugleich auch Weiße und Schwarze in seinem eigenen Land. Nixons faschistische Gewalttaten haben die lodernden Flammen der revolutionären Massenbewegung in den USA entfacht. Das chinesische Volk unterstützt entschieden das amerikanische Volk in seinem revolutionären Kampf. Ich bin überzeugt, daß das heldenhaft kämpfende amerikanische Volk letzten Endes den Sieg davontragen und die faschistische Herrschaft in den USA unausbleiblich mit Niederlage enden wird.

Von Schwierigkeiten von innen und außen bedrängt, steht die Nixon-Regierung im Inland vor einem Chaos und ist in der Welt bis zum äußersten isoliert. Die Massenbewegung zum Protest gegen die Aggression der USA in Kambodscha erfaßt den ganzen Erdball. Die Königliche Regierung der Nationalen Union von Kambodscha ist in weniger als 10 Tagen nach ihrer Bildung schon von nahezu 20 Ländern anerkannt worden. Die Lage im Widerstandskrieg der Völker der drei Länder Vietnam, Laos und Kambodscha gegen die USA-Aggression zur Rettung des Vaterlandes wird immer besser. Der revolutionäre bewaffnete Kampf der Völker aller Länder Südostasiens, der Kampf der Völker Koreas, Japans und der anderen Länder Asiens gegen die Wiederbelebung des japanischen Imperialismus durch die amerikanischen und japanischen Reaktionäre, der Kampf des palästinensischen Volkes und der anderen arabischen Völker gegen die USA- und israelischen Aggressoren, der nationale Befreiungskampf der Völker verschiedener Länder Asiens, Afrikas und Lateinamerikas und der revolutionäre Kampf der Völker Nordamerikas, Europas und Ozeaniens - sie alle entwickeln sich stürmisch. Das chinesische Volk unterstützt entschieden die drei Völker Indochinas und die anderen Völker der Welt in ihrem revolutionärem Kampf gegen den USA-Imperialismus und dessen Lakaien.

Der USA-Imperialismus sieht wie ein Ungeheuer aus, ist aber in Wirklichkeit ein Papiertiger und führt nun den letzten Verzweiflungskampf. Wer fürchtet denn wen in der heutigen Welt? Nicht das vietnamesische Volk, das laotische Volk, das kambodschanische Volk, das palästinensische Volk, die anderen arabischen Völker und die Völker aller Länder der Welt fürchten den USA-Imperialismus, sondern der USA-Imperialismus fürchtet die Völker aller Länder der Welt, und, sobald die Blätter im Wind rascheln, gerät er schon in Panik und Verwirrung. Unzählige Tatsachen beweisen: Wer eine gerechte Sache vertritt, der kann breite Unterstützung finden, wer eine ungerechte Sache vertritt, der kann nur geringe Unterstützung finden. Ein schwaches Land kann ein starkes besiegen, ein kleines Land kann eine Großmacht besiegen. Das Volk eines kleinen Landes kann, wenn es Mut hat, sich zum Kampf zu erheben und zu den Waffen zu greifen, und die Geschicke seines Landes in die Hand nimmt, bestimmt die Aggression einer Großmacht vereiteln. Das ist ein Gesetz der Geschichte.

Völker der ganzen Welt, vereinigt euch, besiegt die USA-Aggressoren und alle ihre Lakaien!"

Mit dieser Erklärung befassen sich auch die KPD/ML-ZK (vgl. 23.5.1972) und in:
- NRW in Bochum der KSB/ML der KPD/ML-ZK (vgl. 2.11.1970).
Q: Roter Morgen Nr. 10, Hamburg 23.5.1972, S.5; Der Kampf der Arbeiterjugend Nr. 2, Bochum o.J. (1970), S.6f;Rote Zelle Nr. 1, Bochum Nov. 1970, S.12

23.05.1970:
Vermutlich heute erscheint in Hannover das 'Info' Nr. 9 (vgl. 2.5.1970, 27.6.1970). Enthalten sind auch die Beiträge:
- Rede Peter Brückners anläßlich der Kambodschademonstration am 8.5.70; sowie
- Thomas Leithäuser: Diskussionsbeitrag auf dem Teach-In anläßlich der Kambodscha-Demonstration am 8.5.70.
Q: SDS-Gruppe Hannover:Info Nr. 9, Hannover 1970, S. 3f

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24.05.1970:
Auf der heutigen Leitungssitzung des Spartacus - Regionalausschuß (RA) NRW wird auch über Bonn (vgl. Juni 1970) diskutiert:"
In BONN besteht Kontakt zur 'Roten Zelle Germanistik', die in der Gewerkschaftsfrage wie zur Stellung gegenüber der 3.Welt (Kambodscha) mit uns einer Meinung ist."
Q: Spartacus-RA-NRW:Protokoll der Leitungssitzung vom 24.5.70, o.O. o.J. (1970)

25.05.1970:
In München verabschieden die Delegierten der Roten Zellen eine Antwort auf die Erklärung der ABG zu den Kambodschademonstrationen (vgl. 8.5.1970). Betont wird hierbei, daß man in einige strategisch wichtige Betriebe gehen und von dort aus den Internationalismus betreiben müsse, nicht umgekehrt.
Q: Rotes Blatt München Nr. 9, München 1.6.1970

25.05.1970:
An der Universität Tübingen erscheint die Nr. 7 des 'Roten Pfeils' (vgl. 22.4.1970, 1.6.1970) - Organ der marxistisch-leninistischen Gruppen an der Universität Tübingen mit den Artikeln:
- "Es lebe der Befreiungskampf des kambodschanischen Volkes!";
- "Wie sollen wir gegen den US-Imperialismus demonstrieren?";
- "Antiimperialistische Demonstration in Tübingen" (vgl. 6.5.1970); sowie
- "Bekämpft den US-Imperialismus und den Sowjetrevisionismus!" von der Kundgebung am 6.5.1970.
Q: Roter Pfeil Nr. 7, Tübingen 25.5.1970, S. 13ff

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26.05.1970:
In Ulm soll heute eine Kambodschademonstration stattfinden. Die Ortsgruppe Ulm der RJ/ML und die Schülergruppe Ulm (ML) verteilten dazu ein gemeinsames Flugblatt "US-Imperialisten raus aus Kambodscha", welches sich auch für den Abzug der Besatzer aus DDR und 'BRD' einsetzt.
Q: RJ/ML-OG Ulm, SGUlm(ML):US-Imperialisten raus aus Kambodscha, Ulm o.J. (1970)

Juni 1970:
Vermutlich im Juni erscheint die Nr. 21/22 des 'Rebell' (vgl. Apr. 1970, Juli 1970) des KAB/ML und der RJ/ML. Enthalten sind auch die Artikel "Der US-Imperialismus schaufelt sich sein eigenes Grab" zu Kambodscha und "Machtvolle Demonstrationen gegen die US-Aggression in Kambodscha".
Q: Rebell Nr. 21/22, Tübingen 1970, S. 14ff

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Juni 1970:
Vermutlich im Juni erscheint die Nr. 2 des 'Der Kampf der Arbeiterjugend' (KDAJ - vgl. Apr. 1970, 1.8.1970) des KJVD der späteren KPD/ML-ZB. Gefragt wird ab Seite 3:"
WER GIBT DIESE ZEITUNG HERAUS?

Fast alle von uns wollen einen sozialistischen Staat, deshalb sagt die SPD auch, daß wir beinahe einen sozialistischen Staat haben, um uns für dumm zu verkaufen. In Wirklichkeit ist unser Staat nicht sozialistisch, sondern kapitalistisch. Um die verrottete kapitalistische Gesellschaftsordnung aufrechtzuerhalten, machen die Kapitalisten Kriege (siehe Vietnamkrieg, Kambodscha). Vielleicht müssen wir schon im nächsten Jahr als Bundeswehrsoldaten in Afrika kämpfen, falls sich die Länder dort weigern, für einen Spottpreis ihr Öl herzugeben. Jährlich müssen 25 Mio. Menschen verhungern, weil die USA/UdSSR-Imperialisten (SU, d.Vf.) bestimmten Ländern ihre Nahrungsquellen rauben."
Q: Der Kampf der Arbeiterjugend Nr. 2, Bochum o.J. (1970)

Juni 1970:
Der KJVD der späteren KPD/ML-ZB (vgl. Juni 1970) veröffentlicht vermutlich im Juni folgende:"
ERLEBNISSE EINES BUNDESWEHRSOLDATEN

Die Bundeswehr ist eine Armee der Kapitalisten. Sie ist für drei Zwecke gedacht:
- Sie soll den Kapitalisten, wenn es nötig ist, neue Absatzmärkte erobern und dazu auch kapitalistische Staaten bekämpfen (wie im 1. und 2.Weltkrieg).
- Sie soll nationale Befreiungsbewegungen niederschlagen (wie in Vietnam und Kambodscha).
- Sie soll im gegebenen Fall uns Arbeiter im eigenen Land bekämpfen, wenn wir uns gegen die Kapitalisten erheben.

Heißt das, daß wir gegen Armeen überhaupt sind? Nein, das heißt es nicht. Das vietnamesische Volk, das kambodschanische Volk usw. sind von einer solchen Armee eines kapitalistischen Staates überfallen worden. Hätten diese Völker nicht zu den Waffen gegriffen, hätten sie nicht den Krieg gegen den Feind aufgenommen, so wären sie jetzt unter der Knute des Kolonialismus. Doch sie haben zu den Waffen gegriffen, haben dem Eroberungskrieg der Kapitalisten einen Krieg entgegengesetzt, der das Ziel hat, die US-Imperialisten aus dem eigenen Land herauszuschmeißen. Sie wissen, wofür sie kämpfen. Sie kämpfen für ihre Freiheit, für den Frieden und für den Aufbau des Sozialismus. Doch wofür kämpft der amerikanische Soldat? Wofür verreckt er in Süd-Ost-Asien? Für das Profitinteresse von einigen wenigen Kapitalisten. Für wen kämpfen wir, wenn wir demnächst von der NATO aus in Nahost eingesetzt werden? Ebenfalls für die paar Kapitalisten und ihre Profite aus den arabischen Ölfeldern."
Q: Der Kampf der Arbeiterjugend Nr. 2, Bochum o.J. (1970), S.10ff

Juni 1970:
Die Rote Hilfe (RH) Westberlin veröffentlicht die Broschüre "Imperialismus, Sozialdemokratie, Terror, Militanz. Zur Konterrevolution in Westberlin". Enthalten sind auch ein Bericht und zwei Zeugenaussagen von der Kambodschademonstration am 9.5.1970 sowie ein Zeitungsartikel dazu.
Q: Rote Hilfe: Imperialismus, Sozialdemokratie, Terror, Militanz. Zur Konterrevolution in Westberlin, Berlin Juni 1970, S. 8f und 37ff

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Juni 1970:
In Bonn ist die Nr. 5/6 der 'Arbeitermacht' (vgl. 22.4.1970, 27.10.1970) auf Juni/Juli datiert. In "Zur Internationalismusarbeit" von Hannes Heer wird u.a. ausgeführt:"
Die Gruppe um Jens Bünnig hat unter verschiedenen organisatorischen Bezeichnungen … je ein Info zu Lateinamerika, Palästina und Kambodscha herausgegeben. Konkreter Anlaß war jedesmal eine Demonstration, meistens verbunden mit einem Teach-In."
Q: Arbeitermacht Nr. 5/6,Bonn Juni/Juli 1970

Juni 1970:
Vermutlich im Juni gibt die Rote Zelle Germanistik (Rotzeg) Bonn erstmals ihre Zeitschrift 'Roter Anfang' - Veröffentlichungen der Rotzeg Bonn (vgl. Juli 1970) heraus mit einem Artikel zu Kambodscha.
Q: Roter Anfang Nr. 1, Bonn 1970

01.06.1970:
Es erscheint das 'Rote Blatt München' Nr. 9 (vgl. 29.3.1970, 15.6.1970). Zu den Kambodschademonstrationen werden Stellungnahmen von ABG und Roten Zellen (vgl. 8.5.1970 und 25.5.1970) abgedruckt.
Q: Rotes Blatt München Nr. 9, München 1.6.1970, S. 1ff

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01.06.1970:
Die DKP berichtet vermutlich aus dieser Woche:"
Der Unterbezirksparteitag der SPD, Groß Gerau (Hessen) forderte 'eine eindeutige Verurteilung der amerikanischen Aggression gegen Vietnam, Laos und Kambodscha durch die Bundesregierung, die Einstellung jeder direkten und indirekten Unterstützung der Marionettenregierungen… und die längst fällig Bundestagsdebatte zur Lage in Indochina'."
Q: Unsere Zeit Nr. 23, Essen 6.6.1970, S.5

13.06.1970:
Laut KPD/ML-ZB beschuldigt die 'Prawda' an diesem Tage die USA, ihre Aggression in Kambodscha, trotz des Abzugs ihrer Truppen, in veränderter Form fortzusetzen, und verweist dabei auf die geplante Erhöhung der Militärhilfe für Kambodscha auf 60 Millionen Dollar.

Außerdem würden die USA weiterhin Ziele in Kambodscha bombardieren und immer mehr 'Berater' in Pnom Penh auftauchen lassen.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 16, Bochum 18.7.1970, S.*

20.06.1970:
Am Wochenende läßt Südvietnam laut KPD/ML-ZB, die sich wiederum auf die 'FR' beruft, 4 000 Soldaten über die Grenze nach Kambodscha einmarschieren.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 9, 25.6.1970

22.06.1970:
Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums gibt, laut KPD/ML-ZB, bekannt, daß die USA in Kambodscha in den letzten Wochen Bombardierungen auch jenseits der 32 km breiten Grenzzone, mit deren Verwüstung sie sich zunächst eigentlich hatten begnügen wollen, durchgeführt habe. Eine neue Grenze für die Luftangriffe weigerte er sich anzugeben.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 9, Bochum 25.6.1970, S.*

25.06.1970:
US-Präsident Nixon erklärt, laut KPD/ML-ZB, daß alle US-Truppen aus Kambodscha abgezogen werden sollen. Der Einmarsch in Kambodscha sei seiner Meinung nach, vom militärischen Standpunkt aus, sehr erfolgreich gewesen.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 10, Bochum 29.6.1970, S.*

25.06.1970:
In der Nr. 9 des 'KND' (vgl. 22.6.1970, 29.6.1970) berichtet die KPD/ML-ZB, in Kambodscha habe sich die Lage wesentlich verschärft. Die Macht dort sei praktisch durch die USA und die südvietnamesische Armee übernommen worden, da sich die einheimische Lon-Nol-Sirik-Matak-Clique als zu schwach erwiesen habe sich des Widerstandes der Bevölkerung zu erwehren.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 9, Bochum 25.6.1970

28.06.1970:
In Hamburg beteiligen sich, laut DKP, im Anschluß an den Leninkongreß der SDAJ 5 000 an einer Demonstration gegen den Indochinakrieg durch Altona und Eimsbüttel.

In Hamburg berichtet die DKP:"
Im Anschluß an den Kongreß formierten sich etwa 5 000 Menschen zu einer Kampfdemonstration gegen den US-Krieg in Indochina und gegen die Rüstungspolitik der bundesdeutschen Großkonzerne; für eine demokratisch geplante Wirtschaft, die den Arbeiterinteressen Rechnung trägt; für die qualifizierte Mitbestimmung und die Vergesellschaftung der Schlüsselindustrien, besonders solche Rüstungsbetriebe wie BLOHM und VOSS.

Der Marsch führte durch die Hamburger Arbeiterviertel Eimsbüttel und Altona. Die Abschlußkundgebung auf dem Hein-Köllisch-Platz in St. Pauli, auf der u.a. Vertreter der Kommunistischen Parteien Frankreichs, Belgiens und Dänemarks sprachen, beendete der 2. Vorsitzende der DKP, Herbert Mies, mit dem Aufruf zur Bildung einer solidarischen Einheitsfront aller Demokraten und Sozialisten gegen Rechtsentwicklung in der BRD, für die Solidarität mit Vietnam, Laos und Kambodscha."
Aufgerufen wurde u.a. an den Hamburger Hochschulen.
Q: Kommunist Nr. 1 und 2, Hamburg 1970 bzw. Juli 1970, S.8 bzw. S.2; Unsere Zeit Nr. 27, Essen 4.7.1970

29.06.1970:
Aus Kambodscha wird vermutlich aus dieser Woche von der KPD/ML-ZB berichtet, daß die südvietnamesischen Truppen, die ursprünglich gemeinsam mit den US-Truppen, die schon abgezogen seien, das Land hätten verlassen sollen, nun noch auf unbefristete Zeit bleiben würden. Auch Thailand würde nun Truppen nach Kambodscha schicken, wofür die USA das Geld bereitstellen wollten.

Prinz Sihanouk habe unterdessen zur Generaloffensive aufgerufen. Verurteilt wird besonders, daß die SU immer noch diplomatische Beziehungen zu den kambodschanischen Putschisten unterhalte.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 11, Bochum 2.7.1970, S.*

29.06.1970:
Die Nr. 10 des 'KND' (vgl. 25.6.1970, 2.7.1970) erscheint. Aus Kambodscha wird berichtet, daß die Lon Nol-Sirik Matak-Clique die allgemeine Mobilmachung verordnet habe. Wären die USA und Südvietnam nicht einmarschiert, wäre Kambodscha längst befreit.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 10, Bochum 29.6.1970

30.06.1970:
In Hamburg führt, laut SALZ, die Zelle Produktion vermutlich heute eine Demonstration gegen das Verbot des SDS Heidelberg durch, mit der sich das SALZ solidarisch erklärt, obwohl es die dortigen 'Provokationen' unnötig fand. Die DKP Hochschulgruppe berichtet von der heutigen einheitlichen Demonstration in Heidelberg und fährt fort:"
In Hamburg zogen dagegen ca. 800 Studenten zu einer Kundgebung, deren Redner außer revolutionären Phrasen nichts zu bieten hatten als erneute Attacken gegen die Aktionseinheit aller Demokraten. Die antikommunistischen Parolen gegen die DDR und gegen Walter Ulbricht glichen denen der Springer-Presse während der Hochblüte des Kalten Krieges.

Hatten wir gehofft, daß nach dem unwürdigen Hickhack um die Kambodscha-Demonstration (vgl. 12.5.1970, d.Vf.) der Hamburger AStA die Lehren gezogen hätte, so mußte man erneut erleben, wie er sich auf die Seite der Unverbesserlichen und Unbelehrbaren schlug und damit eine der Bedeutung der Heidelberger Ereignisse entsprechende Aktion verhinderte.

Wir Kommunisten und unsere Genossen im 'SPARTAKUS' haben trotzdem diese Demonstration unterstützt. Wir sind jedoch der Meinung, daß endlich die Lehren aus den jüngsten peinlichen Verhältnissen gezogen werden müssen. Auch der Hamburger AStA sollte in Zukunft einsehen, daß nur durch eine breite Aktionseinheit der Kampf erfolgreich geführt werden kann."
Q: Kommunist Nr. 2, Hamburg Juli 1970, S.8; Einheit Kritik Einheit Nr. 1, Hamburg Juli 1970

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