Internationale Kommunisten Deutschlands (IKD) - Gruppe NRW:
Beginnen wir mit dem Aufbau der Kommunistischen Jugendorganisation! (Apr. 1970)

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 7.7.2018


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Das hier vorgestellte Papier der IKD entstand zu einer Zeit, als die IKD in NRW vor allem in Konkurrenz zur Roten Garde (RG) der KPD/ML stand, bei dem Versuch, die zahlreichen örtlichen Jugendgruppen in eine bundesweite Organisation einzugliedern.

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

April 1970:
Die IKD-Gruppe NRW verfaßt ein Papier "Beginnen wir mit dem Aufbau der Kommunistischen Jugendorganisation!", mit sieben Seiten DIN A4 Brennmatrize mit Kontaktanschrift in Köln, in dem einleitend auf die Sauerlandkonferenz vom 14.3.1970 eingegangen wird:"
BEGINNEN WIR MIT DEM AUFBAU DER KOMMUNISTISCHEN JUGENDORGANISATION!

Am 14. März 1970 fand in Lüdenscheid eine Konferenz aller Sauerlandgruppen statt, die über das Sauerland hinaus für die gesamte 'Bewegung' in Nordrhein-Westfalen von einiger Bedeutung ist.

Obwohl angesichts der bislang bereits vollzogenen Schwankungen der Bochumer Betriebsgruppe 1 eigentlich kein Grund vorlag, erstaunt zu sein: die meisten anwesenden Genossen wunderten sich doch, dass dieselben Leute, die einen Monat zuvor noch die KPD/ML mit dem Unternehmen 'Proletarische Linie' spalten wollten, plötzlich - in die Rote Garde eingetreten waren. Begründen konnten die frischgebackenen Rotgardisten ihren Schritt nur mit dem Hinweis, man sei bislang über die KPD/ML falsch unterrichtet gewesen und man habe sich inzwischen besser informiert. Nun, 'falsch unterrichtet' ist die Rote Garde noch über so manches, und es wäre angebracht, sie würde sich, bevor sie sich so grosspurig mit dem Titel 'Marxisten-Leninisten' schmückt, zunächst einmal über den Marxismus-Leninismus 'informieren'.

Was die Genossen von der Roten Garde den anwesenden Genossen als Marxismus-Leninismus verkaufen wollten, war nämlich bestenfalls Vulgär-Leninismus. Aus der Tatsache, dass der Imperialismus nur durch die revolutionäre Partei des Proletariats bekämpft werden kann (was unbestreitbar ist) folgerte man nicht, dass es notwendig ist, die Voraussetzungen für den Aufbau einer solchen Partei zu schaffen, sondern man zog vielmehr den Schluss, dass sich die erste beste Sekte, mag sie nun durch Abspaltung von der alten KPD oder durch den Willensakt einiger 'fortgeschrittener Genossen' entstanden sein, in 'Partei' umtaufen müsse; früher oder später (natürlich nur, wenn sie die richtige Politik betreibe), werde sie schon in den Massen Verwurzelung finden. Die Parolen, unter denen sie diese Massen zu finden gedenke, enthielten einmal sämtliche Tagesforderungen des Proletariats, und zum anderen natürlich die Forderung nach der Diktatur des Proletariats. Den Gedanken, Teilforderungen, die den Kampf vorantreiben, und (in Zeiten verschärften Klassenkampfes) Übergangsforderungen aufzustellen, wies man - da er trotzkistischen Ursprungs sei - weit von sich. Damit verzichtet die Rote Garde darauf, eine praktische Verbindung zwischen Tageskampf und Diktatur des Proletariats herzustellen.

Die Mehrheit der auf der Arbeitskonferenz anwesenden Genossen fand diese 'Konzeption' nun doch zu abenteuerlich, als dass sie ihre Arbeit hierauf hätte ausrichten wollen. Diese Ablehnung allerdings erfolgte aus den verschiedensten Motiven, und manche Diskussionsbeiträge enthielten noch Elemente der anti-autoritären Ideologie aus den besten Zeiten der kleinbürgerlichen Jugendrevolte. Wenn aber das Nein zu den sektiererischen Vorstellungen der Roten Garde kein Plädoyer für die Fortsetzung der bislang geleisteten perspektivlosen 'Arbeit' gewesen sein soll, müssen wir die Fehler dieser Ideologie in der gleichen Weise bekämpfen die die Konzeption der KPD/ML. Dieser Beitrag soll diesen doppelten Zweck erfüllen."

Es folgen die Abschnitte:
- "Koordination oder Organisation";
- "Die Notwendigkeit der revolutionären Partei des Proletariats";
- "Wodurch zeichnet sich eine revolutionäre kommunistische Partei aus?";
- "Die Fehler der Maoisten";
- "Die Alternative";
- "Wie sollte die KJO organisiert sein?";
- "Die Politik der KJO";
- "Das Verhältnis KJO - IKD"; sowie
- "Wie nehmen wir den Aufbau der Kommunistischen Jugendorganisation praktisch in Angriff?".

Aufgerufen wird abschließend:"
GEGEN DIE SEKTIERERISCHE POLITIK DER ROTEN GARDE!
GEGEN DIE OPPORTUNISTISCHE HANDWERKELEI IN EINZELNEN GRÜPPCHEN!
TUN WIR DEN ERSTEN SCHRITT FÜR DIE SCHAFFUNG EINER PROLETARISCHEN AVANTGARDE - BAUEN WIR DIE KOMMUNISTISCHE JUGENDORGANISATION AUF!"
Quelle: IKD-Gruppe NRW: Beginnen wir mit dem Aufbau der Kommunistischen Jugendorganisation!, Köln Apr. 1970

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Letzte Änderung: 07.07.2018