Antifaschismus in Dortmund: Flugblätter 1969-1984

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Dietmar Kesten, Gelsenkirchen, 18.1.2020


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Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

23.07.1969:
Die DKP berichtet aus Dortmund:
"GEDENKFEIER FÜR EINEN WIDERSTANDSKÄMPFER. Am 23. Juli 1969 wurde in der Gaststätte Witteler in Klein-Barop eine würdige Gedenkfeier für den am 24.7.1944 hingerichteten Jungkommunisten HANS GRÜNING durchgeführt. Heinz Junge, ein Mitkämpfer Hans Grünings in der Illegalität unter Hitler, schilderte den Widerstandskampf dieses mutigen Patrioten gegen Krieg und Faschismus, der alle Massenverhaftungen von 1933 bis 1943 überstand, dann als Leiter einer internationalen Widerstandsgruppe verhaftet und hingerichtet wurde.

Diese Gruppe gab Aufrufe und Flugblätter heraus, bereitete sich durch Beschaffung von Waffen auf einen Aufstand gegen Hitler vor und leistete eine große Aufklärungsarbeit unter den ausländischen Zwangsarbeitern darüber, dass neben dem Nazi-Deutschland noch ein Deutschland der Demokraten existiere. Zwei mit Hans Grüning verhaftete Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion wurden nicht vor Gericht gestellt, sondern, wie dies damals üblich war, von der Gestapo heimlich erschossen.

Altbürgermeister Ewald Sprave erinnerte daran, dass unser Stadtbezirk viele Opfer des Nazi-Terrors zu beklagen hat. Da war z. Zt. die Verschleppung Wilhelm Hansmanns 1933, den die SA totgeprügelt glaubte und im Straßengraben liegenließ, da wurde der Bergarbeiterführer und SPD-Reichstagsabgeordnete Fritz Husemann im KZ Esterwegen mit Maschinenpistolen-Salven zusammengeschossen und starb am 18.4.1935 - da war der ehemalige Stadtverordnete Fritz Menze, der auf dem Hungermarsch vom KZ Sachsenhausen ins KZ Bergen-Belsen umkam und der Bergarbeiter Karl Schwartz aus Hombruch, der im Rombergpark 1945 ermordet wurde.

Pfarrer Lipper sprach über die Gefahren für Demokratie und Frieden heute und erinnerte daran, dass auch die jungen Menschen, die zu jung sind, um mit schuldig zu sein, von der 'Schuld der Väter' belastet sind und 'kein Gras darüber wachsen lassen dürften'. Sie müßten alles tun, damit eine Wiederholung unmöglich wird."
Quelle: DKP Nachrichten für den Verwaltungsbezirk Hombruch, Nr. 1, Dortmund, Anfang August 1969, S. 3f.

29.07.1969:
Vermutlich heute erscheint das Flugblatt: "STOPPT DEN VORMARSCH DER NPD. Jungsozialisten blutig geschlagen!" Danach ist ein Jungsozialist von einem "Greifkommando von NPD-Ordnern in einem Hof bewußtlos geschlagen worden und hatte dabei fast alle Zähne eingebüßt". Dazu heißt es: "Mit der Zunahme der Aktivität der NPD in vielen Gebieten der Bundesrepublik setzte auch der Terror gegen Demokraten ein. Soll die NPD diesen Terror nun auch nach Dortmund tragen? Am 2. August will sie in der kleinen Westfalenhalle und am 14. September auf dem Neumarkt Kundgebungen abhalten. (…) BÜRGER SEID WACHSAM! Gelingt es der NPD in unsere Stadt einzudringen, werden Terror gegen Demokraten, Unsicherheit und Gefährdung der Ordnung Einzug halten. Die DEMOKRATISCHE AKTION ruft alle Mitbürger auf, diesen Provokationen der NPD entgegenzutreten.
BÜRGER HALTET EUCH ZUR ABWEHR BEREIT!

Sollte das Verwaltungsgericht die Westfalenhallen AG zwingen, der NPD die Halle zu geben, ruft die DEMOKRATISCHE AKTION zur GEGENKUNDGEBUNG am 2. August auf dem Vorplatz der Westfalenhalle auf.
DEMOKRATISCHE AKTION GEGEN NEONAZISMUS!"

Ein Teil des Flugblattes dient als Kupon zur Unterschriftensammlung: "Ich erkläre hiermit, dass ich die Bestrebungen der DEMOKRATISCHEN AKTION GEGEN NEONAZISMUS unterstütze". Mitunterzeichnerin: Gisa Marschewski, Generalsekretärin des Internationalen Rombergparkkomitees.
Q: Demokratische Aktion gegen Neonazismus: Stoppt den Vormarsch der NPD, Dortmund, o. J. (29. Juli 1969)

27.03.1970:
Zur heutigen Dortmunder Antifa-Mahnkundgebung im Rombergpark und zur Internationalen Veranstaltung wird u. a. durch ein Faltblatt mit 4 Seiten unter Verantwortung von Gisa Marschewski Generalsekretärin des Internationalen Rombergpark-Komitees, aufgerufen:
"ROMBERGPARK MAHNT 1945-1970 NIE WIEDER FASCHISMUS
ROMBERGPARK 25 JAHRE DANACH". Dazu heiß es u. a:
"Zum 25. Male jährt sich der Tag, an dem fast 300 Widerstandskämpfer gegen den Nazifaschismus im Rombergpark bestialisch ermordet wurden. Zu den Opfern gehören Antifaschisten aus Belgien, Holland, Frankreich, Jugoslawien, Polen, der Sowjetunion und aus Deutschland. Unter den Deutschen waren es vor allem Arbeiterfunktionäre, Kommunisten, Sozialdemokraten, Freidenker, die als aktive Gewerkschafter illegal den Widerstand in Dortmund, Hagen, Bochum, Lüdenscheid, Lünen und anderen Orten organisierten. Angesichts dieser Verbrechen und der Erfahrung um die Gefährlichkeit des Nazismus, können wir auch gegenwärtig nicht ohne Sorge sein. Der Nazismus erhebt in der Bundesrepublik wieder frech sein Haupt. Neu gruppiert in der neonazistischen NPD, die ein politisches Instrument ehemals hoher Nazifunktionäre ist, und dem Grundgesetz der Bundesrepublik widerspricht. Diese Partei verhöhnt die Opfer des Rombergparks und solidarisiert sich offen mit den nazistischen Mördern. Entgegen dem vielfachen Protest von Demokraten konnte sie unter dem Schutz der Polizei zum Hohn auf die Demokratie Kundgebungen durchführen. Mit der Millionenorganisation des DGB verlangen wir seit langem und wieder mit allen, denen Demokratie und Frieden teuer sind, das Verbot dieser Nazipartei.

ES GILT, DEN NEUEN ANFÄNGEN EINES FURCHTBAREN ENDES ZU WEHREN! (…) Wir wollen mit dem Karfreitag 1970 für diese Forderung demonstrieren, auf dass endlich die hoffnungsvollen Worte der gegenwärtigen Regierung in die Tat umgesetzt werden. (…) Jede Initiative zur Beseitigung des Nazismus, die zugleich der Sicherung des Friedens in Europa dient, findet unsere volle Anerkennung und Unterstützung.

Die Opfer des Rombergparks aus sieben Ländern Europas sind allen Lebenden Verpflichtung, nie wieder zuzulassen, dass die friedliche Zukunft und das Glück der Völker aufs Spiel gesetzt werden.
KARFREITAG 27.3.1970 13 UHR 45 WALDSCHMIEDE IM OLPKETAL
TREFFPUNKT FÜR DIE DEMONSTRATION ZUR MAHNKUNDGEBUNG IN DER BITTERMARK.
INTERNATIONALE VERANSTALTUNG KARFREITAG, 27.3.1970 17 UHR PARKHAUS BAROP GEGEN NEONAZISMUS - FÜR SICHERUNG DES FRIEDENS IN EUROPA
ES SPRICHT: LUCJAN MIERZWINSKI, POLEN".

Der DKP Kreisvorstand Dortmund verteilt ein Flugblatt mit je einer Seite auf Deutsch und Französisch (identischer Text):
"AN DIE TEILNEHMER DER DORTMUNDER GEDENKKUNDGEBUNG FÜR DIE OPFER DES FASCHISMUS
Sehr geehrte Damen und Herren!
Sie sind hierhergekommen, um der antifaschistischen Widerstandskämpfer zu gedenken, die am Karfreitag 1945 in der Bittermark ermordet wurden. Die Ermordeten gehörten den verschiedensten politischen Richtungen, Weltanschauungen und Nationen an. Unter ihnen waren viele illegale Kämpfer der KPD, die zum Teil schon nach dem Machtantritt Hitlers 1933 verhaftet, gefoltert und eingesperrt worden waren. Heute, 25 Jahre nach der Ermordung unserer Genossen, möchten wir darauf aufmerksam machen, dass die Kommunisten nicht nur unter Hitler von 1933 bis 1945 verfolgt und eingesperrt wurden, sondern, dass sich diese Verfolgung während der 20jährigen Herrschaft der CDU/CSU in der Bundesrepublik wiederholt hat.

Die KPD wurde 1956 verboten, viele ihrer Mitglieder verhaftet, entrechtet und geschädigt. Das KPD Verbotsurteil besteht auch heute, im Jahre 1970, weiter und wirkt sich negativ auf die politische Atmosphäre, die demokratische Entwicklung und die freie politische Willens- und Meinungsbildung aus. Wir halten es für angezeigt, Sie, verehrte Gäste, darauf aufmerksam zu machen, weil wir meinen, dass dieser Tatbestand zum realen Bild der Bundesrepublik gehört. Zu einem solchen realen Bild gehört auch das Wissen um die Existenz der neonazistischen NPD und die Tatsache, daß diese Partei staatlich geschützt wird und ihre Wahlpropaganda sogar teilweise aus der Staatskasse finanziert wird. Das alles ist möglich, weil in der Bundesrepublik Deutschland nach wie vor solche Herren der Konzerne und Monopole Macht besitzen, die einst Hitler an die Macht hoben, den 2.Weltkrieg entfesselten, den Völkern Europas unermeßliches Leid brachten und solche Greueltaten wie die am Karfreitag 1945 in der Bittermark ermöglichten. (…)

Im Interesse der Friedenssicherung in Europa und nicht zuletzt im Interesse aller antifaschistischen Kräfte Europas läge es aber, wenn sich die neue Bundesregierung von dem Druck der CDU/CSU Politik freimachen würde und sich auf die demokratischen Volkskräfte stützend eine demokratische Erneuerung in unserem Lande einleiten würde. Eine wichtige Maßnahme für eine solche Entwicklung wäre, den neonazistischen Kräften die Basis zu nehmen, die NPD sowie jede neonazistische Aktivität zu verbieten. Die Anerkennung der Grenzen Europas sowie sie im Gefolge der Zerschlagung des Hitlerfaschismus entstanden sind und die völkerrechtliche Anerkennung der Deutschen Demokratischen Republik sind ebenfalls unabdingbare Voraussetzungen, eine friedliche und demokratische Entwicklung der Bundesrepublik voranzutreiben.

Ohne die Aufhebung des KPD Verbotes ist eine demokratische Erneuerung so wie sie die Bundesregierung vorzunehmen behauptet, nicht denkbar. Die Deutsche Kommunistische Partei ist der Auffassung, dass gerade das Andenken an die vor 25 Jahren ermordeten Antifaschisten die Lebenden verpflichtet, alles zu tun, damit die Wiederholung solcher Verbrechen wie das im Rombergpark 1945 ein für alle Mal unmöglich gemacht werden."

Die DKP Betriebsgruppe der Zeche Minister Stein berichtet:
"ROMBERGPARK MAHNT - NPD AUFLÖSEN!
Am Karfreitag wurde am Ehrenmal der Opfer des Nationalsozialismus im Rombergpark vor 12 000 Bürgern unserer Stadt eine Gedenkkundgebung durchgeführt. Vor 25 Jahren wurden dort nahezu 300 unschuldige Menschen, Angehörige vieler Nationen, von einem verbrecherischen System ermordet.
Wir gedenken ganz besonders der gemordeten Kollegen, die wie wir auf 'Minister Stein' gearbeitet haben. (…) Unter den Opfern befinden sich Sozialdemokraten und Kommunisten. Eine Delegation unseres Betriebsrates nahm an der Gedenkveranstaltung in der Bittermark teil und legte dort zu Ehren der Gemordeten einen Kranz nieder. Wenn wir dieser faschistischen Verbrechen gedenken, können wir nicht umhin, die Frage an Landes- und Bundesregierung zu stellen: Wann wird endlich die Nachfolgeorganisation der NSDAP, die NPD aufgelöst? (…)

Es geht also darum, von der jetzigen Bundesregierung die Einlösung eines Wahlversprechens führender Sozialdemokraten zu fordern. Nicht umsonst hat der DGB in diesem Jahr in seinen Mailosungen das NPD-Verbot gefordert. Tausende Arbeiter, vornämlich der Hoesch-Hüttenwerke demonstrierten am 1. Mai in Dortmund auch für diese Forderung. Darum sollten auch die Bergarbeiter mithelfen, die DGB-Losung zu verwirklichen: WIR FORDERN NPD-VERBOT!"
Q: Unsere Zeit Nr. 14, Essen 4.April 1970, S. 1 und 8; Die Kumpel-Post Lohn- und Gehaltsforderungen der IGBE voll durchsetzen, Dortmund o J. (Mai 1970), S. 5; DKP Kreisvorstand Dortmund: An die Teilnehmer der Dortmunder Gedenkkundgebung an die Opfer des Faschismus, Dortmund o. J. (27.März.1970); Internationales Rombergparkkomitee bzw. N.N.: Rombergpark mahnt 1945-1970 - Nie wieder Faschismus, Dortmund o. J. (27. März 1970).

09.04.1971:
Zur heutigen Antifaveranstaltung im Rombergpark erscheint das Flugblatt der Ortsgruppe Dortmund der KPD/ML-Zentralkomitee: "Nieder mit Faschismus und Sozialfaschismus!".
Q: N.N.(ex KPD/ML-ZK): Agitprop der OG Dortmund 1971 (ohne RG und KSB/ML), Dortmund o. J. (9. April 1971).

24.02.1972:
Der DKP-Kreisvorstand Dortmund lädt DKP-Mitglieder aus dem Rombergparkkomitee und der VVN/BdA zu einem Treffen ein:
"Genossinnen und Genossen! Die letzte Kreisvorstandssitzung beschäftigte sich sehr intensiv mit dem Problem der Friedenssicherung in Europa. Es wurde beschlossen, die DKP in Dortmund darauf zu orientieren, mit ganzer Kraft die Bestrebungen des Internationalen Romberg-Park-Komitees und der VVN-Bund der Antifaschisten im Kampf für die Ratifizierung und Erfüllung der Verträge von Moskau und Warschau zu unterstützen. (…) Um in dieser Richtung aktiv wirksam sein zu können, wurde beschlossen, eine Beratung mit solchen Genossinnen und Genossen durchzuführen, die in einigen Massenorganisationen tätig sind. Wir laden Dich zu einer Beratung herzlich ein und erwarten Dich am Donnerstag, den 24.2.1972 um 18 Uhr im Zentrum der DKP, Dortmund, Oesterholzstr.27."
Q: DKP-Kreisvorstand Dortmund: Genossinnen und Genossen!, Dortmund, 16. Februar 1972, S. 1.

01.03.1972:
Der DKP Bezirksvorstand Ruhr-Westfalen verfaßt heute eine Einladung:
"EINLADUNG. Wir machen auf folgende wichtige Termine aufmerksam: 31. März 1972 - Unterstützung und Beteiligung an der Kundgebung im Rombergpark".
Q: DKP-Bezirksvorstand Ruhr-Westfalen: Einladung, Essen, 1. März 1972.

31.03.1972:
In der Dortmunder Bittermark findet eine Gedenkfeier für die von den Nazis am Karfreitag 1945 Ermordeten statt. Treffpunkt ist um 14 Uhr 15 am Eingang zur Bittermark. Aufgerufen wurde auch durch den DKP-Bezirksvorstand Ruhr-Westfalen, durch den DKP-Kreisvorstand Dortmund und durch die Dortmunder DKP-Stadtteilgruppe Mengede-Westerfilde-Bodelschwingh. Die SDAJ Dortmund der DKP stellte fest:
"Der Ortsverband unterstützt aktiv gemeinsam mit anderen demokratischen Organisationen die Vorbereitung und Durchführung der traditionellen antifaschistischen Kundgebung in der Bittermark, wir sehen diese Aufgabe als unseren Anteil an der Frühjahrskampagne".
Q: N.N.: DKP-Bezirksvorstand Ruhr-Westfalen: Hinweise zur Vorbereitung der Regional-Beratungen, die am Montag, 6. März 1972, bzw. am Mittwoch, 8.März 1972, stattfinden, o. O. o. J. (1972), S. 2; DKP-Kreisvorstand Dortmund: Genossinnen und Genossen, Dortmund 29. März 1972, S. 1; DKP-Stadtteilgruppe Mengede-Westerfilde-Bodelschwingh-Stadtteilgruppenvorstand:Genossinnen und Genossen, Dortmund 29. März 1972, S. 1; DKP Stadtteilgruppe Mitte-Süd: In ca. 10 Minuten, Dortmund o. J. (30. März.1972), S. 1; SDAJ Dortmund: Arbeitsplan des Ortsverbandes Dortmund der SDAJ, o. O., o. J. (1972), S. 1.

19.02.1973:
Vermutlich zu Beginn dieser Woche erscheint das Flugblatt der VVN-BdA Dortmund:
"WEISSE ROSE KONTRA HAKENKREUZ. WIDERSTANDSKAMPF IM 3. REICH
DEMOKRATIEVERSTÄNDNIS UND WIDERSTANDSKAMPF HEUTE.
Am 22. Februar 1973 jährt sich zum 30. Male der Tag, an dem im Münchener Zuchthaus Stadelheim die Geschwister Hans und Sophie Scholl sowie ihr Freund Christoph Probst von den Hitlerfaschisten ermordet wurden. Was bedeutet ihr Widerstand für junge Demokraten heute? Hierüber sprechen: Vertreter der Jugendverbände und ehemalige Widerstandskämpfer".

"Vor 30 Jahren Aufruf 'Weiße Rose'.
Am 22.Februar 1943 verurteilte der 'Teufel im Talar', Vorsitzender des sogenannten 'Volksgerichtshofes' Freisler, die Münchener Studenten Sophie und Hans Scholl sowie Christoph Probst zum Tode. Noch am gleichen Tage wurden die drei im Zuchthaus Stadelheim enthauptet. Das Führerhauptquartier und die oberste Parteileitung ließen sich von den Vorkommnissen Bericht erstatten. Einige Tage später war die 'Weiße Rose' in Europa und in der Welt zu einem Begriff geworden, zu einem Symbol des Widerstandes der jungen Generation Deutschlands gegen die Hitlerbarbarei. Leidenschaftlich hatten sie in ihren Schriften an das deutsche Volk appelliert, nicht blindlings seinen Verführern in das Verderben zu folgen.

In ihrem Aufruf hieß es: 'Ein Verbrechertum kann keinen deutschen Sieg erringen. Trennt Euch von allem, was mit dem Nationalsozialismus zusammenhängt; glaubt nicht der nationalsozialistischen Propaganda, die Euch den 'Bolschewistenschreck' in die Glieder gejagt hat! Beendet den faschistischen Krieg! Beseitigt den preußischen Militarismus! Jedes Volk, jeder Einzelne hat ein Recht auf die Güter dieser Welt!'

Friede, Demokratie und Völkerverständigung waren ihre Ziele. Die ermordeten Studenten ehren heißt: Die Gegenwart an den Zielen der 'Weißen Rose' überprüfen. Der barbarische Faschismus wurde geschlagen, der Friede und die Demokratie sind jedoch nicht gesichert. Der Nazismus ist nicht ausgemerzt. Faschistisches und revanchistisches Gedankengut wird trotz der Ostverträge und des Friedensgebotes der Verfassung weiterhin verbreitet. Der Widerstand gegen das 3. Reich findet in den Schulgeschichtsbüchern kaum noch Erwähnung. Die Aufrüstung wird verstärkt! (…)

Die Münchener Studenten kämpften für die Völkerverständigung. Die demokratischen Rechte werden immer mehr abgebaut! Der Kampf um die demokratischen Rechte wird bei der studierenden, der arbeitenden und lernenden Jugend immer schwerer.
Ein Teil der fortschrittlichen Lehrer wird durch Ministerpräsidentenbeschluss von der Berufsausübung ausgeschlossen. Das verstößt gegen den Geist des Kampfes der Geschwister Scholl und ihrer Kampfgefährten. Wir rufen auf, wachsam und zum Handeln bereit zu sein".

Das Flugblatt wird unterstützt von:
- AStA Uni Dortmund
- Christliche Arbeiterjugend (CAJ)
- CVJM Dortmund
- Vietnam-Solidarität
- Internationales Rombergpark-Komitee
- Jungdemokraten (Judos der FDP)
- Jungsozialisten (Jusos der SPD)
- MSB Spartakus der DKP
- Naturfreundejungend (NFJD)
- ÖTV-Jugend Stadtverwaltung
- Pax Christi
- Reichsbund,
- SDAJ der DKP
- Sozialistische Jugend Deutschlands - Die Falken (SJD der SPD)
- SMV Geschwister-Scholl-Gymnasium
- VDK Brackel

Aufgerufen wird zur Veranstaltung zur 'Weißen Rose'.
Q: VVN-BdA Dortmund: Weiße Rose kontra Hakenkreuz. Widerstandskampf im 3. Reich. Demokratieverständnis und Widerstandskampf heute, Dortmund, o. J. (19. Februar 1973).

20.04.1973:
Es erscheint eine Stellungnahme des DKP-Kreisvorstand Dortmund:
"Genossinnen und Genossen!
Wir erinnern daran, dass auch in diesem Jahr in der Bittermark in DO-Kirchhörde am Mahnmal für die Opfer des Faschismus eine Kundgebung stattfindet. Zur Teilnahme an der Kundgebung treffen wir uns gemeinsam mit den Freunden der VVN-Bund der Antifaschisten, UM 14 UHR 30 AM KARFREITAG an 'der Waldschmiede' im Olpketal. Von dort aus werden wir zum Kundgebungsplatz demonstrieren. Das 'Internationale Rombergpark-Komitee' wird ebenfalls am KARFREITAG UM 17 UHR IM GOLDSAAL DER WESTFALENHALLE eine internationale Veranstaltung durchführen unter dem Motto 'Für die weitere Sicherung des Friedens, durch Abrüstung und friedliche Koexistenz'.
Q: DKP-Kreisvorstand Dortmund: Achtung! Wichtige Information für alle!, Dortmund 11.4.1973, S. 2.

03.12.1973:
Vermutlich in dieser Woche erscheint ein vierseitiges Flugblatt von KPD/ML, Rote Garde und KSB/ML Dortmund: "NIEDER MIT DEM HAUS-VOSS-PROZESS! FREISPRUCH FÜR G. HERZOG UND W. BARTELS.
Es war letztes Jahr im Oktober: Auch die faschistische Gruppe 'Deutsche Volksunion' wollte ihr Süppchen im Wahlrummel kochen. Sie kündigte eine Versammlung im Arbeiterviertel Dorstfeld an. Das war eine Provokation! Reinzwängen in die Arbeitsfront, Elend, Hunger, die meisten Blutopfer im Krieg und im Widerstandskampf - das hat das Hitlerregime den Arbeitern gebracht. Denken wir nur an die Bittermark! Viele Dortmunder Jugendliche folgten dem Aufruf der KPD/ML, den Faschistentreff zu zerschlagen. (…) Niemals wieder - so schallten unsere Parolen durch das Dorstfelder Viertel.

RACHE FÜR ERNST THÄLMANN! NIE WIEDER FASCHISMUS! - NIE WIEDER KRIEG! KAMPF FÜR DEN ARBEITERSTAAT BIS ZUM SIEG! NUR DER GRIFF DER MASSEN ZUM GEWEHR SCHAFFT DEN SOZIALISMUS HER!

Diese Wahrheit haben auch die Ereignisse in Chile bewiesen, wo die DKP-Revisionisten immer wieder vom 'friedlichen Weg zum Sozialismus' schwafelten. Zur blutigen Niederlage des Volkes hat das geführt! Und hier? Ein SDAJ-Häuptling kam als Beobachter zum Haus Voss. Als der Kampf entbrannte, ließ er sich von Polizei zu seinem Wagen geleiten. Am nächsten Tag fand in der Gaststätte gegenüber eine DKP Veranstaltung statt, bei der ein anderer Häuptling der Revisionisten sich zu der Behauptung verstieg, die Polizei hätte gar nicht anderes gekonnt, sie wäre ja provoziert worden. Deutlicher kann man es nicht sagen. Bleibt nur die Frage, was die Revisionisten jedes Jahr in der Bittermark mit ihren weinerlichen Reden sagen wollen? Etwa auch, daß die Ermordeten des Hitlerregimes ihren Tod durch ihren revolutionären Kampf 'provoziert' haben? Ja, Justizminister Posser und die Revisionisten in der Bittermark Hand in Hand! Posser redete am Mahnmal von Prozessen gegen alte Nazis-und stellt Antifaschisten und Kommunisten vor Gericht. Die Revisionisten verteidigen den Polizeieinsatz. Sie sind nichts als Wegbereiter des Faschismus. Den Arbeitern sagen sie: 'Nur keine Gewalt!' Die Gewalt des imperialistischen Staates aber fordern sie! Sie fordern selbst die faschistische Maßnahme des Verbotes der KPD/ML!

DIE REVISIONISTEN SIND VERRÄTER DER SCHLIMMSTEN SORTE!
Aber auch sie können das Rad der Geschichte nicht aufhalten! Denn alle Maßnahmen seitens der Kapitalisten und ihres Staates tragen dazu bei, die Kampfreihen zu erweitern. AUCH HIER IN DER BUNDESREPUBLIK IST DIE HAUPTTENDENZ REVOLUTION!"
Q: KPD/ML, Rote Garde und KSB/ML Dortmund: Nieder mit dem Haus-Voss-Prozeß! Freispruch für G. Herzog und W. Bartels, Dortmund o .J. (3. Dezember 1973).

März 1974:
Es erscheint, vom "Comite International du 'Rombergpark' - Internationales Rombergpark-Komitee" herausgegeben, das Flugblatt: "Rombergpark - Es darf sich niemals wiederholen. Gedenken an Karfreitag 1974".
Berichtet wird über das "Mahnmal in der Bittermark". Hier treffen sich jeden "Karfreitag Angehörige vieler Nationen, mit Tausenden Bürgern aus Dortmund und der Umgebung (…) um der von der Gestapo ermordeten 300 Antifaschisten aus sieben europäischen Nationen zu gedenken".
Berichtet wird weiter über Griechenland, Spanien und Portugal. Vor allem gilt die Solidarität dem chilenischen Volk. Aufgerufen wird zum "Gedenken an Karfreitag".
Q: Comite International du 'Rombergpark - Internationales Rombergpark-Komitee: Rombergpark - Es darf sich niemals wiederholen. Gedenken an Karfreitag 1974, Dortmund, März 1974.

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12.04.1974:
Vermutlich zu Karfreitag erscheint von der Ortsleitung Dortmund der KPD herausgegeben, das Flugblatt: "Nieder mit Faschismus und Imperialismus". Das Flugblatt geht auf den faschistischen Terror an Karfreitag 1945 im Dortmunder "Rombergpark und in den Wäldern der Bittermark" ein. "Unter den Ermordeten waren Angehörige der Widerstandsgruppen, die um den kommunistischen Bergmann von Zeche Minister Stein, Budnik, den kommunistischen Hochofenarbeiter, Mainusch, und den kommunistischen Arbeiter, Kanwischer organisiert waren". Dortmund sei "vor 1933 als auch nach der Machtergreifung durch die NSDAP, ein Zentrum des antifaschistischen Widerstands gewesen". Die KPD "gedenkt heute dieser Opfer des Faschismus". Agitiert wird gegen die SPD, die heute u. a. das "faschistische Schahregime" und das "faschistische Regime in Griechenland" unterstützen würde. Aufgerufen wird im Anschluss an die Kranzniederlegung zu einer Veranstaltung in der KPD-Zentrale. U. a. soll über die "Geschichte des antifaschistischen Widerstandes" diskutiert werden. Es heißt noch:"Die Feinde des Volkes rechnen mit der Vergesslichkeit der Massen. Wir setzen dieser Spekulation entgegen. Alles lernen, nichts vergessen!"
Q: Ortsleitung Dortmund der KPD: Nieder mit Faschismus und Imperialismus, Dortmund, o. J. (12. April 1974).

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12.04.1974:
Vermutlich Zu Karfreitag erscheint vom "Internationalen Rombergpark-Komitee" herausgegeben, das Flugblatt: "Rombergpark 1974. Solidarität mit Chile. Für Frieden und Völkerverständigung". Erinnert wird an die Ermordung von Antifaschisten im Dortmunder Rombergpark 1945. Daher: "Für Frieden, Völkerverständigung und Zusammenarbeit!"

Dazu heißt es noch: "Wer der Opfer des Rombergparks gedenkt, darf nicht an den Erfahrungen vorbeigehen, die wir in Deutschland von 1933-1945 mit all seinen Folgen machten. Die Opfer des Rombergparks und des Krieges mahnen, faschistische Gefahren nie zu unterschätzen und einen Putsch nach dem Muster Chiles durch die Anstrengungen aller demokratischen Kräfte im antifaschistischen Bündnis unseres Landes nie zuzulassen!"

Aufgerufen wird zu einer Forumsdiskussion am 11.4. mit Teilnehmern des Rombergparkkomittees, zu einer Demonstration am 12.4. zur Mahnkundgebung, zu einer Veranstaltung am 12.4. "für Frieden und Völkerverständigung" (Westfalenhalle).
Q: Generalssekretärin des Internationalen Rombergpark-Komitees: Rombergpark 1974. Solidarität mit Chile. Für Frieden und Völkerverständigung, Dortmund, o. J. (12. April 1974).

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Mai 1974:
Vermutlich im Mai erscheint, von der Ortsaufbaugruppe Dortmund des KBW herausgegeben, das Flugblatt: "Schluss mit dem Reklamerummel der Bundeswehr".
Agitiert wird gegen die Besetzung des Hombrucher Markts durch die Bundeswehr. Dazu heißt es: "Mit dieser Aktion will die Bundeswehr ihren schlechten Ruf aufbessern. (…) Die Bundeswehr ist keine Armee des Volkes, sondern eine Armee der Kapitalisten und deren Regierung gegen das Volk. Wir protestieren deshalb gegen den militaristischen Reklamerummel auf unserem Marktplatz".
Q: Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW), Ortsaufbaugruppe Dortmund: Schluss mit dem Reklamerummel der Bundeswehr, Dortmund, o. J. (Mai 1974).

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26.10.1974:
In Dortmund führt die NPD, laut KPD, vermutlich heute eine Kundgebung mit einem Oberstudienrat aus Weinheim durch. Dagegen protestieren 100 von KPD und KPD/ML. Es kommt zum Polizeieinsatz, zu Strafbefehlen und zu mindestens einem Prozess. Die Ortsleitung (OL) Dortmund der KPD gibt dazu heute ein Flugblatt heraus:
"FASCHISTEN RAUS AUS DORTMUND!
Dortmunder Bürger!
Die Faschisten im Gewande der NPD haben die Unverfrorenheit, heute um 14 Uhr hier auf dem Markt eine Kundgebung abzuhalten. Sie preist sich an als Kämpfer für eine 'freie, national-soziale Demokratie' und will dadurch nur verdecken, dass an ihr noch die Blutspuren der Millionen Toten des zweiten imperialistischen Weltkriegs, der Millionen Arbeiter, Kommunisten, Juden und ausländischen Zwangsarbeiter aus den KZ's des Hitler-Faschismus kleben. Der Faschismus, ob NPD oder NSDAP, ob in Griechenland, in Chile oder in Spanien, immer paktiert er mit den Feinden des Volkes, den Monopolkapitalisten, immer bedeutet er brutalste Unterdrückung der Arbeiterklasse, Unterjochung fremder Völker.

DESHALB SAGT DIE KPD: NIE WIEDER FASCHISMUS - NIEDER MIT DER BRAUNEN PEST! DIE KUNDGEBUNG DER NPD DARF NICHT STATTFINDEN!

Oberbürgermeister Samtlebe aber und seine sozialdemokratische Mannschaft in der Stadtverwaltung, die am Karfreitag seit Jahren in der Bittermark so große Worte für die Antifaschisten finden, die dort 1945 von den Faschisten ermordet wurden, werden heute mit ihrer Polizei die Faschistenkundgebung schützen, werden die Antifaschisten vertreiben wollen, wie die Sozialdemokraten es auch in München beim NPD-Parteitag vor einer Woche getan haben. Dort wurden die faschistischen Schläger von der Polizei sofort wieder auf freien Fuß gesetzt, während Arbeiter, die gegen den NPD-Parteitag protestierten, noch heute in U-Haft sitzen".
Q: KPD-Ortsleitung: Dortmund: Faschisten raus aus Dortmund!, Dortmund o. J. (26. Oktober 1974); N.N.: KPD-Ortsleitung Dortmund: Freispruch für die zwei Antifaschisten!, Dortmund, o. J. (Mai 1975).

1975:
Vermutlich 1975 erscheint, von der Ortsleitung der KPD herausgegeben, das Flugblatt: "Faschisten raus aus Dortmund".
Erklärt wird u.a: "Jetzt, wo der Wahlkampf in NRW zu den Landtags- und Kommunalwahlen eröffnet wird, wo die Wirtschaftskrise mit bald einer Million Arbeitslosen, hunderttausenden von Kurzarbeitern mit Lohnabbau und verschärfter Arbeitshetze brutal auf dem Rücken der Arbeiter ausgetragen wird, kommen auch die Faschisten im Gewand der NPD aus ihren Löchern und klopfen radikale Sprüche. (…) Von diesen Nachfahren Hitlers ist keine Lösung der kapitalistischen Krisenwirtschaft zu erwarten, sie werden nicht gegen die Arbeitslosigkeit, die Preistreiberei und Korruption kämpfen. Die NPD spekuliert nur auf eins: die Enttäuschung des Volkes über die arbeiterfeindliche Politik der Schmidt-Regierung, für ihre brutalen und menschenfeindlichen Ziele". Deshalb: "Faschisten raus aus Dortmund!" Aufgerufen wird zu einer Großkundgebung gegen die NPD in Dortmund.
Q: Ortsleitung der KPD: Faschisten raus aus Dortmund, Dortmund, o. J. (1975).

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28.03.1975:
Laut KPD demonstrieren in Dortmund mit ihr 80 Personen für die im Rombergpark Ermordeten. Die KPD Ortsleitung (OL) Dortmund ruft dazu mit einem Flugblatt auf, welches einige Parallelen zum letztjährigen Flugblatt der OL zum selben Anlass aufweist:
"DIE ANTIFASCHISTISCHEN KÄMPFER SIND UNVERGESSEN!
Kurz vor dem Zusammenbruch des Naziregimes, in den Tagen um Ostern 1945 , wurden in den Wäldern der Bittermark 240 Widerstandskämpfer deutscher und ausländischer Nationalität von den Faschisten ermordet. Die Gestapo-Henker trieben die mit Draht gefesselten antifaschistischen Kämpfer in die Bombentrichter, mordeten sie mit Genickschuß und verscharrten sie dort.

Unter den Ermordeten waren vor allem Angehörige der kommunistischen Widerstandsgruppen. (…) Gleichzeitig wurden hunderte von russischen und französischen Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen erschossen. Dortmund war sowohl vor 1933 als auch nach der Machtergreifung Hitlers ein Zentrum des antifaschistischen Widerstandes. Dortmunder Arbeiter, Kommunisten, einfache Sozialdemokraten standen an vorderster Front im Kampf gegen den faschistischen Terror. Unter der Führung Theodor Neubauers (1924-1933 Reichstagsabgeordneter der KPD), der nach über fünf Jahren KZ-Haft aus Buchenwald entkommen konnte, waren Anfang der 40er Jahre erneut kommunistische Widerstandsgruppen in Dortmund aufgebaut worden. Sie versuchten in Dortmund wie auch in anderen Städten Deutschlands alle antifaschistischen Kräfte zusammenzuschließen, um den bewaffneten Kampf gegen das nationalsozialistische Terrorregime aufzunehmen.

Die SPD-Führung und die Gewerkschaftsführung versuchen heute, sich als die 'wahren' antifaschistischen Kräfte hinzustellen. Die Dortmunder Arbeiter und Werktätigen, die die Jahre 1933 bis 1945 selbst miterlebt haben, wissen jedoch, dass es nicht die SPD-Führung und auch nicht die Führer des ADGB waren, die den antifaschistischen Widerstand organisierten. Sie wissen, dass einzig die KPD nicht vor dem faschistischen Terror kapituliert hat, dass sie es war, die die kommunistischen, sozialdemokratischen und parteilosen Arbeiter in Widerstandsgruppen organisierte und in den Kampf führte.

UND WAS IST DIE TRADITION DER SPD- UND DGB-FÜHRUNG?
- die SPD ließ 1929 unter ihrem Berliner Polizeipräsidenten Zörgiebel die KPD-Demonstration zum 1. Mai blutig zusammenschlagen. Zörgiebel hatte sich damit so 'bewährt', dass er ab 1930 in Dortmund Polizeichef wurde und hier die Hungerdemonstrationen niederknüppeln ließ.
- unter der SPD-Regierung Hermann Müller wurde Ende der 20ger Jahre der Rot-Frontkämpfer-Bund verboten, die SA aber konnte weitermorden.
- die SPD bereitete in der Weimarer Republik Gesetze vor, wie das Republikschutzgesetz, das nur der Verfolgung der Kommunisten diente und das so zu einem Instrument der Machtergreifung durch die Nazis wurde.
- die SPD-Führung schlug das Einheitsfrontangebot der KPD: gemeinsamer Generalstreik gegen die Machtübernahme Hitlers am 30.1.1933 aus und verbot ihren Mitgliedern, sich an der Antifaschistischen Aktion zu beteiligen, mit der die KPD alle antifaschistischen Kräfte sammelte.
- der Vorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) trat am 5.April 1933 mit der Führung der nationalsozialistischen Betriebsorganisation (NSBO) in 'Verhandlungen über eine Vereinheitlichung des deutschen Gewerkschaftslebens' ein, d. h. er willigte in die Überführung der Gewerkschaften in die faschistische 'Deutsche Arbeitsfront' ein.
- die ADGB-Führer erließen am 19.April 1933 einen Aufruf an alle Gewerkschaftsmitglieder, gemeinsam mit den Nazis den 1. Mai festlich zu begehen, 'nicht mehr wie seit 1890 als einen Tag der internationalen Solidarität, sondern als einen Tag der nationalen Arbeit'.

UND WAS IST DIE POLITIK DER SPD HEUTE?
- Heute gewährt die SPD jeder Faschisten-Kundgebung massiven Polizeischutz, während sie Antifaschisten niederknüppeln läßt. Gegen unsere Genossen laufen zahlreiche Prozesse, weil sie die antifaschistische Tradition hochhalten und einen unerbittlichen Kampf gegen die braune Pest führen.
- Die Antifaschisten, die in den KZs zugrundegerichtet wurden, werden um ihre Rente betrogen und leben in bitterster Armut. So kämpfte auch hier in Dortmund die Antifaschistin Lisbeth Haux vergebens darum, daß ihre gesundheitlichen Schäden als Folgen der KZ-Zeit anerkannt wurden.

ARBEITER, WERKTÄTIGE, ANTIFASCHISTEN!
Die SPD-Regierung rüstet gegen die Arbeiterklasse, sie baut den Polizei- und Gewaltapparat aus, um die Kämpfe der Volksmassen niederzuschlagen. Streiks wie bei Hella/Lippstadt und Ford/Köln wurden im Auftrage sozialdemokratischer Polizeipräsidenten mit Knüppelgewalt niedergeschlagen. Von der SPD-Polizei wurden zahlreiche Arbeiter ermordet, wie der 18-jährige Erich Dobhardt in Dortmund oder der Arbeiter Günther Routhier in Duisburg, der bei einem Arbeitsgerichtsprozess zu Tode geprügelt wurde. Die von der SPD-Regierung erlassenen Gesetze und Maßnahmen zur 'Inneren Sicherheit', die angeblich dem 'Schutz des Bürgers' dienen sollen, dienen nur der Vervollkommnung seiner Unterdrückung: Das Versammlungs- und Demonstrationsrecht soll weiter verschärft, die Verteidigerrechte sollen abgebaut werden. Wer die Wahrheit über diese Ausbeutergesellschaft ausspricht, wird nach Paragraph 90a wegen 'Beleidigung der BRD' verfolgt. Der Verkauf unseres Zentralorgans, der ROTEN FAHNE wird systematisch unter Strafandrohung gestellt: so drohte die SPD-Stadtverwaltung hier in Dortmund jedem Verkäufer der ROTEN FAHNE an, dass er für jeden Verkauf ein Bußgeld von 100 DM zahlen muß.

Deshalb sagen wir: wer sich für die Sozialdemokratie entscheidet, entscheidet sich, auch wenn er das nicht will, für den Imperialismus. Imperialismus aber bedeutet, das hat die deutsche Geschichte bewiesen: Ausplünderung und Unterdrückung der Massen bis hin zum offenen Terror, wenn die herrschende Klasse anders ihre Gewalt über die Arbeiterklasse und die Volksmassen nicht mehr aufrechtzuerhalten vermag. Deshalb kämpft mit der KPD unter den Losungen:

NIEDER MIT IMPERIALISMUS UND FASCHISMUS!
GEGEN KRISENWIRTSCHAFT UND POLITISCHE UNTERDRÜCKUNG! - FÜR DIE SOZIALISTISCHE DEUTSCHE REPUBLIK!
Die KPD gedenkt der heldenhaften antifaschistischen Kämpfer, die in der Bittermark ermordet wurden. Kommt zu unserem Treffpunkt: KARFREITAG, 28.3., 13 UHR 30 'WALDSCHMIEDE' IM OLPKETAL".
Q: KPD-Ortsleitung Dortmund: Die antifaschistischen Kämpfer sind unvergessen!, Dortmund, o. J. (März 1975).

April 1976:
Vermutlich erscheint im April, von der Ortsleitung Dortmund der KPD herausgegeben, das Flugblatt: "Antifaschisten, Freunde und Genossen!", das vermutlich zu den Morden im Rombergpark durch die Faschisten herausgegeben wurde. Dazu heißt es u. a.: "Heute gedenken wir auch Genossen Ernst Thälmann, der vor 80 Jahren am 16. April 1886 geboren wurde. (…) Ernst Thälmann wurde am 18. August 1944 von den Nazischergen in Buchenwald ermordet".
Parolen sind u. a.: "Nieder mit Kapitalismus, Imperialismus und Reaktion! Es lebe die proletarische Weltrevolution!", "Für ein unabhängiges, vereintes, sozialistisches Deutschland!"
Q: Ortsleitung der KPD: Antifaschisten, Freunde und Genossen!, Dortmund, o. J. (April 1976).

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01.09.1979:
In der Betriebsgruppe Hoesch der RGO der KPD/ML wurde berichtet von der Kampagne für das Verbot der Aussperrung und eingeladen zum Antikriegstag.
"Am 1. September wollen wir diese Initiative dadurch unterstützen, dass wir auf der DGB Veranstaltung zum Antikriegstag in der Bittermark und abends in der großen Westfalenhalle Unterschriften sammeln, Plaketten verkaufen und Informationsmaterial verteilen. Wer mitmachen will sollte um 14 Uhr zur Bittermark oder um 17 Uhr zur Westfalenhalle kommen. Dort wird die Initiative einen Informationsstand aufbauen."
Q: RGO Betriebsgruppe Hoesch Dortmund: Mitgliederrundbrief, Dortmund, 22. August 1979, S. 2.

25.01.1980:
Vermutlich erscheint um den 25.1. herum, von der "Sozialistischen Arbeitergruppe" herausgegeben, das Flugblatt: "Stoppt den Rüstungswahn!" Aufgerufen wird zu einer "Antimilitarismus-Veranstaltung" am 29.1. in 'Vor Ort", Dortmund.
Q: Sozialistischen Arbeitergruppe: Stoppt den Rüstungswahn!, Dortmund, o. J. (15. Januar 1980).

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26.01.1980:
Es erscheint, von einem Mitglied des Gründungskomitees der "Volksfront" herausgegeben, das Flugblatt: "Nie wieder Faschismus! - Nie wieder Krieg!"
Dazu heißt es: "Das ist das höchste Ziel der Volksfront. Diesem Ziel dienen alle ihre Aktivitäten. Um dieses Ziel zu erreichen, will die Volksfront die Einheit aller antifaschistisch und demokratisch gesinnten Menschen-über die Grenzen von Weltanschauung, Religion und Parteizugehörigkeit hinweg-im Kampf gegen die Gefahr einer neuen faschistischen Diktatur, im Kampf gegen den Ausbruch eines neuen völkermordenden Krieges herstellen". Aufgerufen wird zur "Gründung des Kreisverbandes Dortmund der Volksfront" am 9.2.1980 im Haus Göbbeln, Dortmund.
Q: N.N.: Nie wieder Faschismus! - Nie wieder Krieg!. Dortmund, 26. Januar 1980.


05.02.1980:
Vermutlich um den 5.2. herum erscheint, von der "Antifaschistischen Gruppe Dortmund/Bunte Liste Dortmund" herausgegeben, das Flugblatt: "Veranstaltung über die Prozesse gegen Antifaschisten".
Agitiert wird gegen den "aufkeimenden Neonazismus". Dabei werde "gegen die, die antifaschistische Aufklärungsarbeit betreiben, ermittelt. (…) Bis heute wurde gegen die für die militanten Nazi-Provokationen am 4.11.78 in Kamen und Unna verantwortlichen Neofaschisten drei Verfahren eingeleitet (…) Wir begrüßen allerdings, die in diesem Zusammenhang seitens der Stadt Kamen angekündigten Maßnahmen gegen das Nazi-Zentrum". Weiter heißt es: "Keine Strafverfolgung von NPD-Gegnern im Zusammenhang mit den Kundgebungen und Demonstrationen am 4.11. in Unna und Kamen gegen neofaschistische Aufmärsche! Einstellung aller Prozesse und Ermittlungsverfahren gegen Antifaschisten in dieser Angelegenheit! Einstellung aller, seitens der NPD angestrengten Beleidigungsklagen gegen Antifaschisten!"

Aufgerufen wird zur Veranstaltung "über die Prozesse gegen Antifaschisten" am 8.2. 1980 im Haus Göbbeln, Dortmund. Die "Antifaschistische Gruppe Dortmund arbeitet auch im Trägerkreis der "Antifaschistischen Informationen - Zeitschrift für die antifaschistische Praxis" mit.
Q: Antifaschistische Gruppe Dortmund/Bunte Liste Dortmund: Veranstaltung über die Prozesse gegen Antifaschisten, Dortmund, o. J. (5. Februar 1980).

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05.06.1980:
Vermutlich um den 5.6. herum erscheint eine "Einladung zu einem Vortrag im Rahmen des antifaschistischen Seminars Dortmund" zum Thema: "Das Wiedererstehen der demokratischen Jugendbewegung in Dortmund nach der Befreiung 1945". Referent: Heinz Jung, 1. Vorsitzender des Jugendrings nach dessen Gründung im März 1946. Das Seminar soll am 7.6.1980 im Fritz-Henßler-Haus stattfinden.
Q: N. N.: Einladung zu einem Vortrag im Rahmen des antifaschistischen Seminars Dortmund: Das Wiedererstehen der demokratischen Jugendbewegung in Dortmund nach der Befreiung 1945, Dortmund, o. J. (5. Juni 1980).

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09.08.1980:
Von der Kreisgruppe Dortmund des KBW herausgegeben, erscheint heute eine "Eilnachricht": "NPD: Aggression nach Osten - Spaltung der Arbeiter".
Danach will "heute die NPD mit ihrem Landes- und Bundesvorsitzenden eine Kundgebung auf dem Alten Markt durchführen." Bereits vor 6 Wochen habe "die NPD-Aktion 'Ausländerstopp' versucht, eine Kundgebung durchzuführen. Eine Gegendemonstration zwang sie unverrichteter Dinge wieder abzuziehen. Jetzt wollen sie wohl die Schlappe wieder ausbügeln".
Q: KBW-Kreisgruppe Dortmund: Eilnachricht: NPD: Aggression nach Osten - Spaltung der Arbeiter, Dortmund, 9. August 1980.

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20.08.1980:
Vermutlich um den 20.8. herum erscheint , von der "KSG-Studentenorganisation des Kommunistischen Arbeiterbundes Deutschland, Ortsgruppe Dortmund" herausgegeben, das Flugblatt: "Veranstaltung zum Antikriegstag: Rat der Götter-Filmvorführung". Der Film handelt von den "Kriegsgeschäften der IG Farben" und deren "Wiederaufnahme der Produktion nach dem II. Weltkrieg". Die Veranstaltung soll am 22.8. in Dortmund stattfinden.
Q: KSG-Studentenorganisation des Kommunistischen Arbeiterbundes Deutschland, Ortsgruppe Dortmund: Veranstaltung zum Antikriegstag: Rat der Götter-Filmvorführung, Dortmund, o. J. (20. August 1980).

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10.11.1980:
Vermutlich um den 10.11. herum erscheint , von der "Roten Garde-Jugendorganisation der KPD" herausgegeben, das Flugblatt: "Schluss damit. Den Frieden schaffen mit unseren Waffen".
Agitiert wird gegen das "öffentliche Gelöbnis", gegen "Kriege und Blutvergießen", gegen den "Militärblock NATO und Warschauer Pakt".
Gefordert wird u. a.:
- "Austritt der Bundesrepublik Deutschland aus der NATO!"
- "Entfernung aller atomaren, chemischen, biologischen und anderen Massenvernichtungswaffen von bundesdeutschem Boden!"
- "Uneingeschränktes Recht auf Kriegsdienstverweigerung!"
- "Abschaffung der Gewissensprüfung!"

Aufgerufen wird zu einem "Fackelzug" am 12.11. am Dortmunder Nordmarkt und zur zentralen Demo am 8.11. in Bonn für "Frieden und Abrüstung!", "Gegen Militarismus-Für das uneingeschränkte Recht auf Kriegsdienstverweigerung!", "Nie wieder Faschismus! - Nie wieder Krieg!"
Q: Rote Garde-Jugendorganisation der KPD: Schluss damit. Den Frieden schaffen mit unseren Waffen, Dortmund, o. J. (10. November 1980).

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09.03.1981:
Vermutlich um den 9.3. herum erscheint, von Dortmunder Antifaschisten herausgegeben, das Flugblatt: "Antifaschisten informieren die Öffentlichkeit über den Dortmunder Kriegsverbrecherprozess".
Danach steht der ehemalige Polizeihauptwachtmeister der BRD, Karl-Wilhelm Kampmann, vor dem Dortmunder Landgericht. Anklage: "Mord und Beihilfe zum Mord in mindestens 650 Fällen begangen zu haben". Aufgerufen wird dazu: "Neonazis zu stoppen!" Gerichtstermine sind: 11.3. und 16.3. In diesem Zusammenhang wird auf die Ausstellung im Stadthaus: "Widerstand und Verfolgung in Dortmund 1933-1945" verwiesen.
Q: N. N.: Antifaschisten informieren die Öffentlichkeit über den Dortmunder Kriegsverbrecherprozess!, Dortmund, o. J. (9. März 1981).

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15.04.1981:
Vermutlich um den 15.4. herum erscheint, vom KABD, Ortsgruppe Dortmund, herausgegeben, das Flugblatt: "Bittermark. Ihr Widerstand war nicht umsonst".
Berichtet wird u. a. über den März/April 1945 und die Ermordung von Widerstandskämpfern im Rombergpark und in der Bittermark. Aufgerufen wird: "Aus der Geschichte lernen: einig handeln!"
Parolen sind: "Arbeitereinheit gegen Krisen- und Kriegskurs der Monopole!", "Gegen Völkerhetze und Kriegsgefahr!", "Internationale Solidarität der Arbeiterklasse und unterdrückten Völker!", "Für das Verbot und Vernichtung aller ABC-Waffen!"

Aufgerufen wird zu einer "Veranstaltung zu den Karfreitagsmorden im Rombergpark und in der Bittermark". Gegen den Krisen- und Kriegskurs der Monopole", am 18.4. im Dortmunder Bürgerhaus Körne. Es soll auch der Film: "Ernst Thälmann - Führer seiner Klasse" gezeigt werden.
Q: KABD, Ortsgruppe Dortmund: Bittermark. Ihr Widerstand war nicht umsonst, Dortmund, o. J. (15. April 1981).

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03.05.1981:
Vermutlich Anfang Mai erscheint, vom "Arbeitskreis NS-Prozess Kampmann" herausgegeben, das Flugblatt: "Dortmunder Antifaschisten-Kampmann Prozess!"
Eingegangen wird auf den Terror der Faschisten in der Bittermark. Wenige Tage vor dem Karfreitag sei das "Bittermark-Mahnmal von Neo-Nazis mit Hakenkreuzen und faschistischen Parolen geschändet worden". Angesichts dieses Terrors will man auf einen NS-Prozess lenken, der z. Zt. vor dem Dortmunder Landgericht verhandelt wird. Es handelt sich hierbei um den "Kampmann-Prozess". Der "Arbeitskreis NS-Prozess Kampmann", indem sich "Dortmunder Antifaschisten zusammengeschlossen haben", fordert "eine breite Öffentlichkeit schaffen" um die Hintergründe aufzudecken. "Wir wollen durch unsere Arbeit einen Beitrag leisten zur Verwirklichung der gemeinsamen Ziele aller Antifaschisten. Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!"

Aufgerufen wird zum Treffen am 7.5. in Dortmund.
Q: Dortmunder Antifaschisten - Kampmann Prozess, Dortmund, o. J. (3. Mai 1981).

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17.06.1981:
Vermutlich um den 17.6. herum erscheint, von unbekannten Verfassern herausgegeben, das Flugblatt: "Gespenstisch!"
Danach spielte sich auf dem Dortmund Nordmarkt "ungeheuerliches ab". Es ging um ein NPD-Treffen. Es tauchten plötzlich "die Fahnen der faschistischen NPD und ihrer Unterorganisationen auf. 300 alte und neue Nazis versammelten sich und hielten ihr zentrales 'Deutschlandtreffen' ab - ein provokatorisches Spektakel mit den sattsam bekannten ausländerfeindlichen Hetztiraden und demagogischen nationalen Phrasen". Das Verhalten der Dortmunder Stadtverwaltung wird als "Skandal" bezeichnet, da sie "in Zukunft das Treiben der Neonazis unterbinden wollten". Die Stadt Dortmund "darf in Zukunft keine Nazi-Kundgebung mehr genehmigen. Das sind wir den Opfern der Bittermark schuldig!"
Q: N.N.: Gespenstisch, Dortmund, o. J. (17. Juni 1981).

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15.11.1981:
Vermutlich um den 15.11. herum erscheint, von der "Volksfront. Gegen Reaktion, Faschismus und Krieg" herausgegeben, das Flugblatt: "Eine Volksfront für den Frieden".
Agitiert wird gegen einen möglichen "neuen Weltkrieg". Dazu heißt es: "Und die Bundesregierung, die unser Land in die NATO eingebunden hat, spielt dieses verbrecherische Spiel mit! Sie ist sogar bereit, im Ernstfall Neutronenbomben in unser Land zu holen, die die 'Hemmschwelle' zu einem Atomkrieg noch weiter senken". Gefordert wird: "BRD raus der NATO!", "Die Front des Volkes schaffen!"

Aufgerufen wird aus Anlass des Breshnew-Besuches zu demonstrieren: "Gegen die Kriegspolitik des Warschauer Pakts!", "Gegen das System der atomaren 'Abschreckung' in Ost und West", am 22.11. in Bonn. Zuvor soll in Dortmund eine Antikriegs-Veranstaltung stattfinden, am 20.11. im Haus Göbbeln, Dortmund.
Q: Volksfront. Gegen Reaktion, Faschismus und Krieg: Eine Volksfront für den Frieden, Dortmund, o. J. (15. November 1981).

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25.10.1983:
Vermutlich um den 25.10. herum erscheint, von der "Kommunistischen Jugend Deutschlands" (KJD) herausgegeben, das Flugblatt: "Nie wieder Krieg. Die Stationierung von Pershing II und Cruise Missiles verhindern. Leistet Widerstand".
Agitiert wird gegen Pershing II und Cruise Missiles, gegen die "Nachrüstung" und "BRD raus aus der NATO!" Dazu heißt es: "Von der Mitgliedschaft der BRD in der NATO, von ihrer unterwürfigen Treue zu Amerika, geht heute die größte Gefahr für den Frieden in unserem Land aus. Der Austritt aus der NATO und die Neutralitätserklärung der Bundesrepublik, das wäre echte Friedens- und Entspannungspolitik in Europa. (…) Jetzt Aktion gegen die Stationierung der Mittelstreckenraketen ist gerechtfertigt! Beteiligt Euch an den Aktionen gegen die Stationierung!"

Aufgerufen wird zur Antikriegsveranstaltung am 29.10.1983 im Revierpark Wischlingen.
Q: Kommunistischen Jugend Deutschlands" (KJD): Nie wieder Krieg. Die Stationierung von Pershing II und Cruise Missiles verhindern. Leistet Widerstand, Dortmund, o. J. (25. Oktober 1983).

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28.01.1984:
Vermutlich um den 28.1. herum erscheint, vom "Dortmunder Friedensplenum" herausgegeben, das Flugblatt: "30. Januar 1933/1984: Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!"
U. a. heißt es darin: "Der 30. Januar wurde als 2. bundesweiter Widerstandstag ausgerufen. Mit Beginn der Pershing-Stationierung ist das Thema 'Nachrüstung' nicht erledigt. Im Gegenteil: die Gefahr eines versehentlichen oder eines von den USA geplanten Atomkrieges in Europa ist größer geworden. (…) Die Bundeswehr und die westdeutsche Hochrüstungspolitik (…) sind Teile der NATO, sind Teil eines wachsenden Militarismus. Die Kreiswehrersatzämter sind der verlängerte Arm des Verteidigungsministeriums, die Nahtstelle zwischen militärischem und zivilem Leben. Deshalb werden die im Dortmunder Friedensplenum koordinierten Friedensinitiativen am 30. Januar das Kreiswehrersatzamt ganztägig blockieren".
Gleichzeitig soll gegen
- "Militarismus und Kriegsgefahr"
- "Blockdenken, Abschreckung und Rüstungswettlauf"
- "die neuen Mittelstreckenraketen"
- "das neue Kriegsdienstverweigerungsgesetz"
- "die mögliche Einberufung von 100.000 Reservisten der Bundeswehr zur logistischen Unterstützung der 'Schnellen Eingreiftruppe der USA (…)
demonstriert werden.

Aufgerufen wird zu "antimilitaristischen Arbeit in der Bundeswehr".
Q: Dortmunder Friedensplenum: 30. Januar 1933/1984:Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!, Dortmund, o. J. (28. Januar 1984).

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25.05.1984:
Vermutlich um den 25.5. herum erscheint, von der "Volksfront. Gegen Reaktion, Faschismus und Krieg" herausgegeben, das Flugblatt: "Bundesgerichtshofhebt Urteil gegen Nazis auf. Hakenkreuz und 'Türken raus' erlaubt".
Danach hat der "Bundesgerichtshof, das am 20. Mai 1984 veröffentlicht wurde, ein Strafurteil gegen einen 30jährigen Nazi aufgehoben, der zuvor wegen Volksverhetzung und Aufruf zu Straftaten zu insgesamt 25 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden war. (…) Dieses Urteil darf nicht widerspruchslos hingenommen werden. (…) Es ist an der Zeit, dass wir vielem, an das wir uns schon gewöhnt haben und weiter zu gewöhnen drohen, laut widersprechen und widersetze". Aufgerufen wird zu einer Veranstaltung in Dortmund am 28.5. im 'O panos' (Adlerstraße) und zu einem Filmabend in Wattenscheid. Es soll der Film "Der Parteitag" gezeigt werden.
Q: Volksfront. Gegen Reaktion, Faschismus und Krieg: Bundesgerichtshofhebt Urteil gegen Nazis auf. Hakenkreuz und 'Türken raus' erlaubt, Dortmund, o. J. (25. Mai 1984).

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15.08.1984:
Vermutlich zur Monatsmitte erscheint, vom "VVN - Bund der Antifaschisten" herausgegeben, das Flugblatt: "Neonazis - Eine Randerscheinung?"
Das Flugblatt berichtet u. a. über die "Gefährlichkeit des Faschismus heute", über den "Neofaschismus", die "Situation in Dortmund" und den "Kampf gegen den Neofaschismus". Zu Dortmund heißt es: "Auch in Dortmund gibt es neonazistische Gruppierungen, z. B. die 'Borussenfront' und rechtsextremistische Veranstaltungen". Unter "Ziele der Neonazis" heißt es: "Es gibt eine Vielzahl neofaschistischer Gruppen und Organisationen. Wenn auch jede dieser Gruppierung ihr eigenes Programm hat, so ist bei näherer Untersuchung festzustellen, dass bei aller Unterschiedlichkeit in Formulierung und Zielangaben weitgehende politische Übereinstimmun gegeben ist. Selbst wenn sie ihre Forderungen anders artikulieren, so verbirgt sich dahinter die Taktik, mehr Menschen, vor allem Jugendliche und Arbeitslose anzusprechen und in ihre Reihen ziehen zu können."

Aufgerufen wird zur Veranstaltung am 21.8.1984 im Dietrich-Keuning Haus.
Q: VVN-Bund der Antifaschisten das Flugblatt: "Neonazis - Eine Randerscheinung?, Dortmund, o. J. (15. August 1984).

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07.09.1984:
Es erscheint eine "Sonderausgabe Kommunalwahl" des "Klüngelkerl - Zeitung für Dortmund" mit der Schlagzeile: "Borussenfront ins Rathaus?"
U. a. wird ausgeführt: "Zur Kommunalwahl am 30. September kandidieren Neonazis. Unter dem Decknamen 'Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei' (FAP) beteiligt sich die vom Innenminister Friedrich Zimmermann im Dezember vergangenen Jahres verbotene 'Aktionsfront Nationale Sozialisten' (ANS) des per Haftbefehl gesuchten und vom 'Stern' in Paris aufgespürten Michael Kühnen auch in Dortmund an der Wahl zur Ratsvertretung. Zwischen der FAP, der ANS und der spätestens seit einigen Stern- und Fernsehberichten in der ganzen BRD berüchtigten 'Borussenfront' bestehen engste Verbindungen. (…) Die FAP ist vom Dortmunder Wahlamt zugelassen und kandidiert in den Wahlbezirken 4, 5, 12 und 20 mit den Kandidaten (…). Auffällig ist, dass die NPD in Dortmund nicht zur Wahl antritt". Die Redaktion der Zeitung bietet jedem Antifaschisten Informationen an.
Q: Klüngelkerl - Zeitung für Dortmund: Sonderausgabe Kommunalwahl, Dortmund, 7. September 1984.

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Letzte Änderung: 19.01.2020