Kreis Nordfriesland: Bundeswehr und Zivildienstpflichtige

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 24.5.2018


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Zur Bundeswehr und den Zivildienstpflichtigen im Kreis Nordfriesland können hier nur wenige Dokumente und Hinweise erschlossen werden. Wir bitten um Ergänzungen.

Während einleitend der Jugendclub Courage Flensburg aus Niebüll berichtet (vgl. Apr. 1973) wird später der KBW unter den Soldaten in Husum, Leck und Seeth aktiv, beteiligt sich auch an der Initiative für ein Soldaten- und Reservistenkomitee Husum (vgl. 13.7.1977), die dann ins das SRK Flensburg-Westküste aufgeht, dessen 'Volksmiliz' auch im Kreis Nordfriesland verbreitet wird. Wegen des Klebens von Plakaten in Husum kommt es dann zum vorläufigen Abschluss dieser Darstellung zum Prozess (vgl. 16.11.1979).

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

April 1973:
In Flensburg gibt der Jugendclub Courage der DFG/IDK vermutlich im April die Nr. 2 seiner Zeitung 'Stopp' (vgl. März 1973, Apr. 1974) heraus mit dem Artikel "Über uns", wobei auch berichtet wird von der Vorführung des Films 'War Game' in Niebüll mit 150 Zuschauern.
Quelle: Stopp Nr. 2, Flensburg 1973, S. 6

13.03.1974:
Der Kommunistische Jugendverband (KJV) der KPD gibt die Nr. 5 seiner 'Kämpfenden Jugend' (KJ - vgl. 1.3.1974, 27.3.1974) heraus. Zum Bundesgrenzschutz (BGS - vgl. 1.1.1974) und zur Polizei, aber auch zum 'Radikalenerlaß' (Berufsverbote - BV) wird berichtet in "Wie sich Herr Genscher die Lösung der Klassenkämpfe vorstellt…", über dessen Rede im BGS-Lager Bredstedt in Nordfriesland in Schleswig-Holstein.
Q: Kämpfende Jugend Nr. 5, Dortmund 13.3.1974, S. 1 und 6

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17.04.1974:
Der KBW gibt seine 'Kommunistische Volkszeitung' (KVZ - vgl. 3.4.1974, 1.5.1974) Nr. 8 heraus. Aus Husum wird berichtet von der Bundeswehr.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 8, Mannheim 17.4.1974, S. 8

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19.02.1975:
In Hamburg beteiligen sich, laut 'Sozialistische Arbeiterpolitik', 15 000 an der Demonstration der DGB-Jugend gegen die Jugendarbeitslosigkeit. Laut SAG beteiligen sich 10 000 an der Demonstration, an der die AE des KB nicht teilnimmt.

Laut und mit KBW (vgl. 27.2.1975) demonstrieren über 7 000. Laut SRK Hamburg (vgl. 3.3.1975) beteiligen sich auch drei Soldaten aus Seeth in Uniform.
Q: Hamburger Militärzeitung Nr. 3, Hamburg 3.3.1975, S. 3; Kommunistische Volkszeitung Nr. 8, Mannheim 27.2.1975;Klassenkampf Nr. 46, Frankfurt Apr. 1975;Sozialistische Arbeiterpolitik Nr. 39, Bochum Juli/Aug. 1975

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11.03.1976:
Der KBW gibt seine 'KVZ' Nr. 10 (vgl. 4.3.1976, 18.3.1976) heraus. Berichtet wird:"
12 Tage Bau wegen Teilnahme an Demonstration gegen den § 218

Friedrichstadt / Schleswig-Holstein. Gegen den Soldaten M. aus der 3. Kompanie des Nachschubbataillons, das in Seeth stationiert ist, wurden 12 Tage Disziplinararrest verhängt, weil er am 21.2. an der Demonstration gegen den § 218 in Essen - von dort stammt der Soldat - teilgenommen hatte. Begründet wird die Bestrafung mit der Kleiderordnung, denn der Soldat trug einen Arbeitsanzug. In der Öffentlichkeit im Arbeitsanzug aufzutreten, ist demnach verboten. Gegen die Bestrafung hat die 'Initiative Dithmarschen gegen den § 218' ein Flugblatt vor der Seether Kaserne verteilt. Das Flugblatt wurde auch in den Kasernen Heide / Holstein und Husum verteilt sowie an die Bevölkerung in Seeth."
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 10, Mannheim 11.3.1976

30.04.1976:
Das Soldaten- und Reservistenkomitee (SRK) Braunschweig gibt seine 'Militärzeitung' Nr. 13 (vgl. März 1976) heraus mit dem Artikel "Lass doch mal die Puppen tanzen oder - Spass muss sein" zum Aufklärungsgeschwader 52 in Leck, Nordfriesland, dessen stellvertretender Kommandeur Olt Gerhard Ladewig im Alkoholrausch am 20.1.976 NATO-Alarm auslöste.
Q: Militärzeitung Nr. 13, Braunschweig 30.4.1976, S. 10

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13.07.1977:
Es erscheint die 'Volksmiliz' - Militärzeitung für das Land Schleswig (vgl. 24.10.1977) als Extraausgabe für Husum durch die Initiative für ein Soldaten- und Reservistenkomitee Husum in einer Auflage von 600 Stück mit dem Leitartikel "Die Wunschträume des Oberstleutnant J. Dietrich - und was daraus wurde" zum Artikel "Willkommen, Herr Metzger" in der Zeitschrift 'Tinchen', gegen den für den KBW presserechtlich Verantwortlichen, der dokumentiert wird, und der Veranstaltung in der Diskothek Pony am 27.4.1977.

Eingeladen wird zur Veranstaltung "Gegen die imperialistischen Kriegsvorbereitungen und die Kasernenunterdrückung" des KJB-Zeltlagers am 14.7.1977 auf dem Campingplatz Simonsberg.
Q: Volksmiliz Extraausgabe für Husum Die Wunschträume des Oberstleutnant J. Dietrich - und was daraus wurde, Husum 13.7.1977

26.09.1977:
Der KBW gibt seine 'KVZ' Nr. 39 (vgl. 19.9.1977, 3.10.1977) in einer Ausgabe Nord heraus mit dem Artikel "Herbstmanöver 'Starker Büffel': Mit 12000 Soldaten wurde die Besetzung der Mecklenburger Börde geprobt. Bauern und Soldaten gegen die imperialistische Armee" vom SRK Holstein mit Berichten aus Börm, Hollingstedt, Klein-Bennebek, Klein-Jörl und Treia sowie vom Kreisbauernverband Husum-Eiderstedt.
Q: Kommunistische Volkszeitung Ausgabe Nord Nr. 39, Frankfurt 26.9.1977, S. 11

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14.01.1978:
Das Hamburger Soldaten- und Reservistenkomitee (HSRK) des KBW gibt seine 'Volksmiliz' Nr. 1 (vgl. 23.10.1977, 26.2.1978) heraus mit dem Artikel "Zivildienstleistende beschließen Demonstration und Streik" was geschehen sei in Flensburg, Hamburg, Lüneburg, Rendsburg, auf den Halligen und auf Sylt.
Q: Volksmiliz Nr. 1, Hamburg 14.1.1978, S. 2

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10.09.1978:
Das Soldaten- und Reservistenkomitee (SRK) Hamburg-Unterelbe des KBW gibt seine 'Volksmiliz' Nr. 16 (vgl. 26.8.1978, 23.9.1978) heraus mit dem Artikel "'Das sind doch alles Banditen' Durch Zwangsverpflichtung der Bauernsöhne leistet die Bundeswehr einen regelmäßigen Beitrag zum Bauernlegen. Bei den Herbstmanövern wird es noch dicker kommen", wobei auch berichtet wird aus der 2./62 in Kellinghusen und vom Kreisbauernverband Husum-Eiderstedt.
Q: Volksmiliz Nr. 16, Hamburg 10.9.1978, S. 2f

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16.11.1979:
Die KBW-Bezirksgruppe Nord-Ost gibt eine Flugschrift der Kommunistischen Volkszeitung mit einer Auflage von 800 Stück heraus zum Thema "Wehrkraftzersetzungsprozess - Staatsschutzkammer Flensburg. Die Absichten der BRD-Imperialisten und die Zwecke ihrer Armee sind nicht friedlich - sie bereiten Krieg vor für die Durchsetzung ihrer Höchstprofite". Der Freispruch von Plakatklebern in der Husumer Innenstadt war vom BGH aufgehoben worden. Enthalten sind die Abschnitte:
- "Die westdeutschen Imperialisten gehören zu den größten Ausbeutern, Plünderern und Wucherern der Welt";
- "Die BRD-Regierung erkennt die bestehenden Staatsgrenzen in Europa nicht an";
- "Keiner der Abrüstungsvorschläge der 3. Welt wird von der BRD unterstützt";
- "'Rohstoffsicherung ist lebenswichtig'";
- "Die sowjetisch-vietnamesischen Aggressoren sind für den Hunger verantwortlich" zu Kampuchea;
- "Seit ihrer Gründung schürt die BRD ungerechte Kriege und bekämpft die gerechten";
- "'Mitwirkung der Polizei bei: Evakuierungen, Lenkung von Flüchtlingsbewegungen, Feststellung der zivilen Verteidigungslage…'";
- "'Der Katastrophenfall': Vollständiges Verbot jeder selbständigen Bewegung der Massen";
- "Territorialheer: Rückendeckung für den Vormarsch";
- "Die strategische Bedeutung der 6. PzGrenDiv.";
- "Die Jägereinheiten der 6. PzGrenDiv sind berüchtigte Schleiferanstalten";
- "Befehl und Gehorsam!";
- "Mit dem Wachsen der Kriegsvorbereitungen wird die Arbeitskraft der Soldaten immer intensiver verschlissen";
- "Die wichtigsten Kampfabschnitte der Soldatenbewegung im Bereich der 6. PzGrenDiv. seit 1974"; sowie
- "Sofortige Einstellung aller Wehrkraftzersetzungsprozesse!".
Q: KVZ-Flugschrift: Wehrkraftzersetzungsprozess - Staatsschutzkammer Flensburg. Die Absichten der BRD-Imperialisten und die Zwecke ihrer Armee sind nicht friedlich - sie bereiten Krieg vor für die Durchsetzung ihrer Höchstprofite, Hamburg 16.11.1979

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Letzte Änderung: 24.05.2018