Aktuelle Lehrlings Presse - Organ der Darmstädter Jungarbeiter- und Lehrlingsgruppen der RJ(ML), Jg. 1, o. Nr. (5), o. J. (1970)

30.11.1970:
In Darmstadt erscheint vermutlich in dieser Woche die 'Aktuelle Lehrlings Presse' (ALP) Nr. 5 (vgl. 31.8.1970, 11.12.1972) als Organ der Darmstädter Jungarbeiter- und Lehrlingsgruppen der RJ/ML, für deren 6 Seiten K. Krekeler die Verantwortung übernimmt. Im Leitartikel, "Arbeiterjugend kämpft für ihre Forderungen" wird von den jüngsten Berufsschulstreiks (vgl. 5.10.1970) berichtet:"
Im Betrieb müssen wir mit den Jungarbeitern und Arbeitern zusammen um unser aller Interessen kämpfen. An den Berufsschulen müssen sich alle Berufsschüler zusammenschließen. … Die Streiks waren vollkommen berechtigt und richtig. Wir können dabei jedoch nicht stehen bleiben, sondern müssen unsere Forderungen Tag für Tag vorbringen, In jeder Klasse muß darüber geredet werden. Die Schülervertretung muß von uns unterstützt werden und muß sich für unsere Forderungen gegenüber Rektoren und Lehrern einsetzen. Es müssen Arbeitsgruppen gebildet werden, in denen wir die Forderungen diskutieren und gemeinsame Schritte planen. In ihnen sollen nicht nur Schülervertreter sondern jeder interessierte Lehrling vertreten sein. Wir müssen uns auch außerhalb der Berufsschule organisieren, wie wir von der RJ/ML es in der Berufsschulgruppe bereits getan haben. Die Verbindung von Betrieb und Berufsschule muß geschaffen werden. Jugendvertretung und Schülervertretung müssen zusammenarbeiten, umso wirkungsvoller können wir unsere Interessen vertreten.

DIE FORDERUNGEN DER ARBEITERJUGEND SIND:"
- 60% vom Ecklohn einheitlich für alle Lehrlinge!
- Wegfall der Lohnstaffelung nach Altersgruppen!
- Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!
- Einheitlicher Tarifvertrag für Arbeiter und Lehrlinge!
- Für Arbeit in der Produktion - Arbeiter- oder Gesellenlohn!
- Streikrecht für Lehrlinge!
- Kündigungsschutz für Jugendvertreter!
- Freistellung zum Schreiben des Berichtshefts!

Eingegangen wird auch auf die "Antwort der IHK auf die Berufsschulstreiks" in den 'Nachrichten der IHK Darmstadt' Nr. 10, wozu festgestellt wird:"
Der Artikel beweist eindeutig, daß die Kapitalisten uns für dumm verkaufen wollen. Wenn Wölker von Lehrwerkstätten redet, die erhebliche Investitionen gekostet haben sollen, dann ist das eine Unverschämtheit. Er verschweigt, daß es solche Lehrwerkstätten kaum gibt und daß in ihnen die Lehrlinge genauso für die Produktion arbeiten müssen, wie in jedem anderen Betrieb auch. In diesen Werkstätten steht die Ausbildung auch unter dem Zeichen der Ausbeutung durch die Kapitalisten.

Wenn er von Lehrlingen und jungen Menschen mit glücklichen Gesichtern redet, so verschweigt er die vielen Proteste und Streiks der Lehrlinge und Jungarbeiter an Berufsschulen und im Betrieb. Diese Streiks, so behauptet Wölker, seien von 'linksradikalen Gruppen organisiert, die sich dadurch den Kontakt zu den Arbeitnehmern versprechen.' Damit versucht er uns weiszumachen, daß wir selbst nicht in der Lage sind, für unsere Forderungen einzutreten, den Kampf gegen die Kapitalisten zu führen und uns zu organisieren. Die RJ(ML) ist eine kommunistische Organisation, in der sich Jungarbeiter und Lehrlinge zusammengeschlossen haben, um gegen die Kapitalistenklasse zu kämpfen. Wer sich für unsere Arbeit interessiert: wir treffen uns jeden Mittwoch um 18 Uhr im Schloßkeller."

In "Bezirksjugendtag der IG Metall" ist derjenige des Bezirkes Baden-Württemberg in Gaggenau (vgl. 27.9.1970) gemeint, auf den sich auch der KJVD der KPD/ML-ZB in seinem 'Kampf der Arbeiterjugend' (KDAJ) Nr. 5 (vgl. Nov. 1970) bezog, der vor den Berufsschulen verkauft wurde. Dazu heißt es u.a.:"
Die rechte Gewerkschaftsführung der IG Metall hat bei den Tarifabschlüssen ganz klar die Interessen der Arbeiter und Angestellten verraten. Die Forderung von 15% Lohnerhöhung wurde in keinem Tarifgebiet durchgesetzt. Für die Lehrlinge hat die IG Metall in Hessen lediglich eine Erhöhung der Erziehungsbeihilfe gefordert. Die Jungarbeiter erhalten erst mit 18 Jahren 'vollen' Lohn. So betrügt die rechte Gewerkschaftsführung die Werktätigen und verschachert ihre Interessen an die Kapitalisten, wie z.B. in der konzertierten Aktion. Wer jedoch wie der KJVD behauptet, die Gewerkschaftsführung arbeite mit faschistischen Mitteln, ist nichts als ein 'linker' Phrasendrescher. Er verwischt die Unterschiede zwischen der Gewerkschaftsführung und den wahren Faschistenbanden in der NPD, CDU/CSU und NLA. So hat sich der KJVD als gewerkschaftsfeindlich entlarvt. Für jeden von uns ist es doch klar, daß die Gewerkschaft eine wichtige Kampforganisation zur Verbesserung unserer wirtschaftlichen Lage ist. Deshalb müssen wir in den Gewerkschaften arbeiten und die reaktionären Führer entlarven.
MACHEN WIR DESHALB DIE GEWERKSCHAFT ZU UNSERER KAMPFORGANISATION!"

In "Burda Offset aufgelöst!" heißt es:"
Die Firma Burda Offset wurde aufgelöst, da sie für die Kapitalisten keinen Profit mehr abwirft. Von dieser Maßnahme sind ca. 200 Arbeiter und Lehrlinge betroffen, sie wurden kurzerhand auf die Straße gesetzt. Die bei Burda Offset verwendete Druckmaschine war eine der größten die es gibt. Weil die Maschine ein völlig neuer Typ ist, war bisher keine Druckerfahrung vorhanden. Trotzdem warb Burda überall Drucker an und bezahlte Spitzenlöhne. Jetzt, als sich herausgestellt hat, daß die Maschine fast nur Ausschuß produziert, sind die Arbeiter und Lehrlinge wieder einmal die Dummen. Da es in der näheren Umgebung keinen gleichwertigen Arbeitsplatz gibt, müssen die Offset-Drucker auf Tiefdruck umschulen. Ebenfalls sind fast alle Lehrlinge gezwungen, auf Tiefdruck umzulernen, was eine Verlängerung ihrer Ausbildungszeit bedeutet. Für die Kapitalisten war das ganze nur ein Experiment. Die Zeche zahlen die Arbeiter und Lehrlinge, die jetzt umschulen müssen und dabei einen großen Teil ihres Lohnes verlieren, bzw. eine längere Ausbildung mitmachen müssen. Diesen Machenschaften der Kapitalisten müssen wir unseren gemeinsamen Kampf entgegenstellen."

Eine Anzeige wirbt für die Ernst Thälmann Auswahl des KAB/ML, wobei die beiden ersten Halbbände sofort, die beiden zweiten erst Ende Okt. 1970 lieferbar seien. Ein Thälmann-Zitat gegen die Altersstaffelung der Löhne nimmt denn auch die ganze Rückseite ein.
Q: Aktuelle Lehrlings Presse o. Nr. (5), Darmstadt o.J. (1970)

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