1. Mai in der Bundesrepublik Deutschland (1979)

Materialien zur Analyse von Opposition

März 1979:
Die RGO gibt ihre 'Nachrichten' Nr. 3 (vgl. feb. 1979, Apr. 1979) heraus.
Im Artikel "Der 1. Mai gehört den Arbeitern - nicht den Bonzen und Ministern. Schmiedet die Front in den Gewerkschaften für einen kämpferischen 1. Mai!" wird auf Seite 3 u.a. ausgeführt:"
Wir werden in diesem Jahr auf eigene RGO-Demonstrationen in der Regel verzichten. Es geht uns darum, die oppositionellen Kräfte für einen kämpferischen 1. Mai zu stärken und jede unnötige Zersplitterung zu vermeiden. Wir rufen euch darum auf: Stärkt und organisiert die Front in den Gewerkschaften für einen kämpferischen 1. Mai. Tragt in die gewerkschaftlichen Demonstrationen und Kundgebungen die Forderungen der Arbeiterschaft hinein. Kämpft zusammen mit allen fortschrittlichen und oppositionellen Kräften in den Gewerkschaften darum, daß im Mittelpunkt der Kundgebungen und Demonstrationen zum 1. Mai die Forderungen stehen, für die die Arbeiter in den letzten Wochen und Monaten gekämpft haben. Kämpfen wir in den Betrieben und vor allem auf gewerkschaftlichen Versammlungen, in den Vertrauensleutekörpern, in Jugendgruppen, Frauenausschüssen und Mitgliederversammlungen dafür, daß die Arbeiterschaft in machtvollen Demonstrationen ihre Einheit und Kampfstärke zeigen kann. Kämpfen wir gegen die Bonzenveranstaltungen im Saal. Fordern wir, daß keine Regierungsvertreter und Spitzenpolitiker auf unseren Kundgebungen reden, daß nicht die Europawahl das zentrale Thema an diesem 1. Mai wird, sondern unsere Forderungen nach der 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich und nach dem gesetzlichen Verbot der Aussperrung. Kämpfen wir in diesem Sinne für die Einheit und Geschlossenheit der Arbeiterschaft auch auf den Kundgebungen des DGB zum 1. Mai. Der 1. Mai muß auch bei uns wieder zum Kampftag der Arbeiterklasse werden!"
Q: RGO:Nachrichten Nr. 3, Vellmar März 1979

April 1979:
Spätestens im April erscheint innerhalb des KABD ein Rundbrief des Sekretariats der Zentralen Leitung (ZL): "1. Mai-Aufruf. 1. Mai 1979: Kampftag für die 35 Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich."
Q: KABD-ZL-Sek: Rundbrief, o.O. 1979

16.04.1979:
Der KB gibt ein Extra des 'Arbeiterkampf' (AK - vgl. 2.4.1979, 30.4.1979) zum 1. Mai heraus. Im "Aufruf des KB zum 1. Mai 79" heißt es:"
Wie in den früheren Jahren ruft der Kommunistische Bund dazu auf, am 1. Mai an den Demonstrationen und Kundgebungen des DGB teilzunehmen. Zugleich unterstützen wir Aktivitäten unter weitgehenden Forderungen und Parolen, die sich nicht an den Rahmen der 'Staatstreue' und des Klassenfriedens halten. Der KB stellt in diesem Jahr folgende Fragen in den Mittelpunkt seiner Aktivitäten zum 1. Mai:
- Forderung der Arbeiter nach Arbeitszeitverkürzung (35-Stunden-Woche) und andere Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit, Forderung nach offensiver Tarifpolitik statt Lohnraub-Abschlüssen; Verbot der Aussperrung, qualifizierte Ausbildung aller Jugendlichen, besonders für Mädchen.
- Kampf gegen Berufsverbote und staatliche Schnüffeleien.
- Kampf gegen das Atom-Programm der Bundesregierung, sofortige Stillegung der lebensbedrohenden Atomanlagen, insbesondere Kampf gegen das Gorleben-Projekt.
- Kampf gegen das internationale Wettrüsten und die Vorbereitung neuer imperialistischer Eroberungskriege."
Q: Arbeiterkampf Extra, Hamburg 16.4.1979

26.04.1979:
Es erscheint der 'Rundbrief' der Verbandsleitung (VL) des RJVD des KABD Nr. 14 (vgl. 7.3.1979, 29.10.1979). Er beinhaltet das "Politische Referat Mai 79". Gefordert wird die Bildung von Mai-Komitees:"
Wir müssen uns dabei das Ziel setzen, durch beharrliche Überzeugungsarbeit diese Maikomitees an den RJVD heranzuführen und die Kollegen für unsere Sache, den Sozialismus/Kommunismus zu gewinnen."
Q: RJVD-VL: Rundbrief Nr. 14, o.O. 26.4.1979

01.05.1979:
Von ATIF, ATÖF, Freundschaftsgesellschaft des deutschen und spanischen Volkes (FGDSV), GDS und der türkischen 'Partizan' herausgegeben erschien eine 1. Mai-Zeitung: "1. Mai - Tag des Proletarischen Internationalismus. Gemeinsame Mai-Zeitung von ATIF, ATÖF, Freundschaftsgesellschaft des deutschen und spanischen Volkes, GDS, Partizan."
Q: GDS:Verzeichnis der Veröffentlichungen von GDS 1974-1983 und der gemeinsamen Schriften, Frankfurt 1984, S. 44

01.05.1979:
Die RGO der KPD/ML rief zum 1. Mai u.a. mit einem "Heraus zum 1. Mai 1979. Für die Forderungen der Arbeiterschaft!" auf. Die RGO stellt darin die Forderungen auf:
- 35-Stunden Woche bei vollem Lohnausgleich!
- Verbot der Aussperrung!
- Für die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich!
- Der 1. Mai gehört den Arbeitern - nicht den Bonzen und Ministern!
Q: RGO:Heraus zum 1. Mai 1979. Für die Forderungen der Arbeiterschaft!, Vellmar o.J. (1979)

29.06.1979:
Im 'Roten Morgen' Nr. 26 der KPD/ML (vgl. 22.6.1979, 6.7.1979) erscheint das Referat von Ernst Aust auf dem 3. ZK-Plenum, welches sich mit 'Problemen beim Aufbau der Front gegen Reaktion und Faschismus' befaßt. Damit geht er, laut KB, "Zurück zum Sektierertum!" Der KB berichtet:"
Kaum hat die KPD/ML vor ein paar Monaten die Abkehr von ihrem traditionellen Sektierertum angekündigt, schon wird wieder zum Rückzug geblasen! … In diesen paar Monaten war einiges geschehen: Bekannte MLer im Betrieb, in der Berufsschule etc. wurden plötzlich richtig menschlich und ansprechbar, sogar zu nichtpolitischen Themen; die KPD/ML rief zur Teilnahme an den Mai-Demonstrationen des DGB auf, was sie jahrelang als schlimmsten Opportunismus der Zirkel gebrandmarkt hatte; MLer tauchten in Antifa-Komitees und ganz zaghaft sogar schon bei Diskussionen um alternative Wahllisten auf."
Q: Arbeiterkampf Nr. 157, Hamburg 9.7.1979, S. 55