Zur Hauptübersicht der Datenbank MAO
Der „Arbeiterkulturverlag“ (AKV) war ein kleiner linker Verlag, der zuerst 1974 mit drei Titeln (vgl. 1974) und 1975 mit einem Titel (vgl. 1975) seiner „Reihe Kulturkampf“ an die Öffentlichkeit trat. Ansässig war er erst in Essen und Köln, später dann in Düsseldorf und Köln. Ab 1976 erschienen in der „Edition Kultur und Klasse“ Neudrucke und Übersetzungen von Schriften aus der kommunistischen Arbeiterbewegung (vgl. 1976, 1978).
Bekannt wurde der AKV eher durch seine Mitarbeit an den „Aufsätzen zur Diskussion“ (AzD), dem zentralen Publikationsorgan der sog. „Neuen Hauptseite Theorie“ (NHT). In den AzD veröffentlichte er in den Jahren 1980 bis 1982 eine Reihe von Beiträgen. Im Zuge der Auseinandersetzungen um den weiteren Weg der ML-Bewegung schloss sich der AKV ab Ende 1982/Anfang 1983 der sog. „Oppositionsbewegung“ in der NHT an. Der AKV gründete die „Arbeitsgruppe Westdeutsche Linke“ (AWL), die bis ca. Anfang 1987 bestand (vgl. Dietmar Kesten: Politische Bewegung in Gelsenkirchen 1967-1985, Teil 3: Neue Hauptseite Theorie (NHT), Marx-Engels (Bildungs-)Gesellschaft (MEG), Arbeitsgruppe Westdeutsche Linke (AWL) und Arbeiterkulturverlag (AKV)) maßgeblich mit.
Mir nicht bekannt ist, wo sich der Verlag in seiner Frühzeit ideologisch-politisch positioniert hat. Vermutlich waren die den Verlag tragenden Personen Produkte der ML-Bewegung, „Einzelkämpfer“, die sich schon früh mit Fragen der marxistischen Theorie beschäftigten. Ab ca. 1977 nahmen sie an diversen Konferenzen der neuen Strömung einer Hauptseite Theorie (so am 16./17. Juni 1979 in Bochum und am 16./17. Januar 1982 in Frankfurt/M.) teil. Der AKV ging später in der AWL auf. Ab Anfang 1987 sind keinerlei Aktivitäten des AKV mehr festzustellen. Vermutlich löste er sich auf.
1974: Im „Arbeiterkulturverlag“ (AKV) mit Sitz in Essen-Holsterhausen erscheint als erster Titel der „Reihe Kulturkampf“ von den Autoren Reinhard Merker und Frank Rainer Scheck: „Emanzipation und Revolution: Kritik an Duhm“. Die Broschüre hat 54 Seiten.
=Merker/Scheck: Emanzipation und Revolution: Kritik an Duhm, Essen 1974

1974: Im „Arbeiterkulturverlag“ (AKV) mit Sitz in Essen-Holsterhausen erscheint als zweiter Titel der „Reihe Kulturkampf“ von Frank Rainer Scheck: „Stanislaw Lem, ein moderner Revisionist. Auseinandersetzungen“. Die Broschüre hat 59 Seiten.
=Scheck: Stanislaw Lem, ein moderner Revisionist, Essen 1974
1974: Im „Arbeiterkulturverlag“ (AKV) mit Sitz in Essen-Holsterhausen erscheint als dritter Titel der „Reihe Kulturkampf“: „Intelligenz und Sozialismus. Kampfperspektiven.“. Die Broschüre hat 54 Seiten und stellt eine Art Selbstpositionierung der Verlagsbetreiber dar.
=AKV: Intelligenz und Sozialismus, Essen 1974
Mai 1975: Im „Arbeiterkulturverlag“ (AKV) mit Sitz in Essen-Holsterhausen erscheint als vierter Titel der „Reihe Kulturkampf“ von den Autoren Reinhard Merker und Frank Rainer Scheck: „Deutscher Faschismus, westdeutscher Neofaschismus? Ideologie und Politik der offenen Monopoldiktatur“. Die Broschüre hat 48 Seiten.
=Merker/Scheck: Deutscher Faschismus, westdeutscher Neofaschismus?, Essen 1975


1976: In der „Edition Kultur und Klasse“, Köln, (Arbeiterkulturverlag, AKV) erscheint die Schrift: „Agitproptruppen. Erfahrungsberichte und Schilderungen aus der Praxis der Arbeiterbühne vor 1933“, neu herausgegeben von Armin Kammrad und Frank Rainer Scheck.
=Online-Katalog der Deutschen Nationalbibliothek, Stand: 8.1.2009
Januar 1976: In der „Edition Kultur und Klasse“, Köln, (Arbeiterkulturverlag, AKV) erscheint als deutsche Erstveröffentlichung die Schrift „Stalin spricht mit. H. G. Wells. Die. Unterredung vom Juli 1934 in Moskau“. Themen des Gesprächs sind u. a. Reform und Revolution, friedlicher Übergang zum Sozialismus, die Rolle der Intelligenz, die Krise des Kapitalismus. Die 48-seitige Broschüre enthält außerdem ein Nachwort über die weltanschauliche Position von H. G. Wells.
=Stalin spricht mit. H. G. Wells, Köln 1976.

1977: Ab 1977 nimmt der AKV an verschiedenen Konferenzen der sich entwickelnden neuen Theorie-Strömung teil.
=Eigener Bericht, Dietmar Kesten, 5. Januar 2009
1978: In der „Edition Kultur und Klasse“ im „Arbeiterkulturverlag“ (AKV), Düsseldorf, erscheint die Schrift von G. W. Plechanov: „Zu Hegels sechzigstem Todesstag“. Sie hat 55 Seiten.
=G. W. Plechanov: Zu Hegels sechzigstem Todesstag, Düsseldorf 1978
1980: Der AKV erarbeitet sich ab ca. Anfang 1980 ein eigenständiges Profil und publiziert unter diesem Namen eine Reihe von Beiträgen in den „Aufsätzen zur Diskussion“, die von der „Neuen Hauptseite Theorie“ (NHT) herausgegeben werden.
=Eigener Bericht, Dietmar Kesten, 5. Januar 2009
1982: In der „Neuen Hauptseite Theorie“ (NHT) beteiligt sich der „Arbeiterkulturverlag“ (AKV) an der Herausbildung einer „Oppositionsbewegung in der NHT“ und wird dort zum Wortführer. Der AKV gründet die „Arbeitsgruppe Westdeutsche Linke“ (AWL) maßgeblich mit.
=Eigener Bericht, Dietmar Kesten, 5. Januar 2009
1982: Innerhalb der AWL bildet der „Arbeiterkulturverlag“ AKV eine eigenständige Gruppierung. Unter seiner Federführung erscheinen eine Reihe von (unveröffentlichten) Publikationen der AWL. Die Erarbeitung einer Analyse (Theorie) der Oppositionsbewegung in der BRD seit den frühen 1960er Jahren und der ML-Bewegung, aus der später das MAO-Projekt hervorgeht, wird fortan zum wesentlichen Betätigungsfeld der Gruppe.
=Eigener Bericht, Dietmar Kesten, 5. Januar 2009
Anfang 1987: Nachdem der „Arbeiterkulturverlag“ AKV als Teil der „Arbeitsgruppe Westdeutsche Linke“ (AWL) seine Publikationstätigkeit eingestellt hatte, kann er als aufgelöst betrachtet werden.
=Eigener Bericht, Dietmar Kesten, 5. Januar 2009.
[ Zum Seitenanfang ] [ Zur Hauptübersicht der Datenbank MAO ]