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In dieser wie immer unvollständigen Darstellung können nur einige wenige der zahllosen Stellungnahmen linker Gruppen gegen die Bundeswehrhochschulen, wie sie vor allem an den Hochschulen, aber auch an den Oberschulen verfasst wurden, erschlossen werden.
An der Ruhruniversität Bochum wird einleitend noch befürchtet, dass die Bundeswehrhochschulen durch die zentrale Studienplatzvergabe zur Zwangsalternative werden könnten (vgl. 10.11.1970), dafür aber sind diese vermutlich nicht gedacht gewesen. Nach Analyse der KPD/ML-ZB geht es eher um die Armee an sich (vgl. 12.1.1971), als um überzählige Studierende.
So setzt sich denn eine überwiegend antimilitaristische Argumentation gegen die Bundeswehrhochschulen auch im VDS durch (vgl. 18.3.1971), wird auch von den studentischen Freunden des KAB/ML in Baden-Württemberg vorgebracht (vgl. Dez. 1971), von den Heidelbergern gar noch mit dem Wehrkundeerlass (WKE) verknüpft (vgl. 28.2.1972), was die KPD/ML-ZB nur noch mit dem Hinweis auf die angeblichen Kriegsverträge zu überbieten vermag (vgl. 17.5.1972), so dass die Bundeswehrhochschulen nun als zentrale Bollwerke eines blutrünstigen bundesdeutschen Militarismus erscheinen mögen, welche der Kriegsvorbereitung dienen (vgl. 15.8.1972) und gar faschistisch seien (vgl. 7.11.1972).
Auch an der Pädagogischen Hochschule Dortmund werden die Bundeswehrhochschulen durchaus in einen größeren Zusammenhang der Militarisierung der Gesellschaft gestellt (vgl. 12.6.1972), während in Hamburg offenbar bereits Realpolitik betrieben wird (vgl. 20.7.1972), auch wenn die Bundeswehrhochschule deutlich abgelehnt wird (vgl. 2.10.1972).
Die ML Dortmund sehen die Funktion der Bundeswehrhochschulen nicht zuletzt in der Ideologieproduktion (vgl. 2.12.1972), während der KSV Dortmund Befürworter der Bundeswehrhochschulen in Gestalt des Sozialiberalen Hochschulverbandes (SLH) bzw. der ihm offenbar nahe stehenden DSU ausfindig machen konnte (vgl. 5.2.1973).
Auch die VVN-BdA Dortmund sieht die Bundeswehrhochschulen offenbar im Verein mit einer Reihe anderer Organisationen als Brutstätten eines neuen Weltkriegs an (vgl. 19.2.1973), in der Aachener Debatte um den Numerus Clausus gelten diese Hochschulen eher als Elitebildungsstätten (vgl. 18.3.1973), ohne dass die Qualität der dortigen Ausbildung etwa bekannt gewesen wäre. Die bayrische Rote Schülerfront (RSF – vgl. Juni 1973) arbeitet nun endlich die Funktion der Bundeswehrhochschulen als Lockmittel für leer ausgegangene Studienplatzbewerber heraus.
In Hamburg kommt es noch vor der Eröffnung (vgl. 1.10.1973) zur ersten Demonstration (vgl. 29.9.1973). Während der KBW anlässlich der Aufnahme des Studienbetriebs die Lage der Studierenden beschreibt, besteht der Rest dieser Darstellung allein aus Verweisen auf weitere Meldungen und Berichte.
10.11.1970:
Der AStA der Ruhr-Universität Bochum (RUB - vgl. 11.2.1971) berichtet aus NRW von den Clearingstellen zur Studienplatzverteilung u.a. von heute (vgl. 1.12.1970):"
CLEARINGSTELLEN - NEUE VARIANTE DER FORMIERUNG
Immer mehr werden konkrete Maßnahmen zur Errichtung von Clearingstellen, d.h. zentralen Studienplatzverteilungsverfahren, getroffen. Immer mehr verstärkt sich der Druck auf Hochschulen und Fachbereiche zur Unterstützung der Clearingstellen. Viele Studenten haben Illusionen über die Clearingstellen und haben die zentrale Bedeutung dieses Verteilungsverfahrens für die kapitalistische Bildungsplanung noch nicht erkannt.
Die Leussinksche Bildungspolitik schweigt sich über inhaltliche Reformen der Hochschule und des Studiums aus. Geplant sind nur quantitative Maßnahmen zur Erhöhung des Outputs an akademisch Ausgebildeten zur Anpassung der kapitalistischen Wirtschaft an die Erfordernisse der wissenschaftlich-technischen Revolution. Durch diese quantitativen Maßnahmen wird jedoch auch der Inhalt der Ausbildung bstimmt: Festlegung der Ausbildung auf geringes Niveau, Verhinderung von Mobilität und Disponibilität, Lenkung der Masse der Studenten in die Kurzstudienbereiche der Universitäten bzw. Umlenkung in andere Bereiche wie die geplanten Bundeswehrhochschulen (BWHS,d.Vf.).
Die demgegenüber für einen breiten Ausbau des Bildungswesens und der Hochschulen erforderlichen Summen werden nicht durch den Haushalt bereitgestellt. Dennoch unausweichliche Mehrausgaben werden - etwa durch Sondersteuern - auf die arbeitende Bevölkerung abgewälzt. Alles kommt daher für die kapitalistische Bildungsplanung darauf an, den gegenwärtigen Mangel durch Optimierung der Kapazitäten so zu verwalten, daß der Ausstoß an Studenten erhöht wird und gleichzeitig der Studentenstrom nach dem kurzfristigen Bedarf der Monopole gesteuert und gelenkt werden kann."
=Bochumer Studentenzeitung Nr.73,Bochum 11.2.1971,S.3
12.01.1971:
Die KPD/ML-ZB (vgl. 20.1.1971) berichtet:"
AUSBILDUNGSPROGRAMM FÜR DIE BUNDESWEHR
Die SPD-Regierung will die Bundeswehr stärken.
Für den Bereich Bildung und Ausbildung hatte Bundesverteidigungsminister Schmidt deshalb im vorigen Jahr eine Kommission berufen, der Professoren, Vertreter der Kapitalistenverbände und der Gewerkschaftsführung angehören und die Vorschläge zur 'Reform' des Ausbildungswesen in der Bundeswehr vorlegen sollte.
Diese Kommission hat am 12.1. ihren Vorschlag bekanntgegeben, nachdem Einzelheiten des Plans schon mehrfach bekanntgeworden waren. Dieser Vorschlag, zu dem sich Schmidt und die SPD bisher noch nicht geäußert haben, sieht folgendes vor:
Der Hauptpunkt ist der, daß die berufliche Bildung in der Bundeswehr so gestaltet wird, daß sie sich an der beruflichen Bildung im zivilen Bereich orientiert. 'Ausbildung und Bildung in der Bundeswehr müssen sich an der Gesamtgesellschaft orientieren.' Die berufliche Bildung in der Bundeswehr soll so gestaltet werden, daß Soldaten auf Zeit ohne Schwierigkeiten in einen zivilen Beruf überwechseln können. Hauptschul-Absolventen, die mit der Bundeswehr einen zivilen Lehrvertrag schließen, brauchen sich nicht mehr auf längere Zeit zu verpflichten. Es soll auch möglich werden, daß Zivilisten mit spezieller beruflicher Ausbildung als'Seiteneinsteiger' gleich mit einem höheren Dienstrang in die Bundeswehr einsteigen, ohne alle Grade von unten nach oben durchlaufen zu müssen.
Für Offiziere soll die Bundeswehr eigene Hochschulen (BWHS,d.Vf.) errichten, die alle Offiziere durchlaufen müssen.
Insgesamt das Ziel dieser 'Reform' ist klar: eine stärkere Austauschbarkeit der Soldaten in der Bundeswehr und der Arbeiter und Techniker außerhalb der Bundeswehr."
=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.5,Bochum 20.1.1971,S.6f
18.03.1971:
Laut 'Semesterspiegel' Münster beginnt in Bonn die 23. ordentliche Mitgliederversammlung des Verbandes Deutscher Studentenschaften (VDS - vgl. **.**.197*, **.**.197*). Sie dauert bis zum 21.3.1971. Für den AStA Uni Frankfurt in Hessen berichtet H. Heseler (SHB):"
VDS DACHVERBAND MIT GEWERKSCHAFTLICHER ORIENTIERUNG (GO,d.Vf.)
...
FÜR EIN DEMOKRATISCHES BILDUNGSWESEN
...
Zur Diskussion von Prüfungs- und Studienreformfragen werden Fachkonferenzen eingerichtet. Die Durchsetzung demokratischer Lehr- und Forschungsinhalte erfordert den Kampf gegen die organisierten Rechtskräfte (Bund Freiheit der Wissenschaft (BFdW,d.Vf.) etc.), gegen die Militarisierung des Bildungswesen (Kriegsforschung, Bundeswehrhochschulen (BWHS,d.Vf.)) für die Herstellung des Wissenschaftspluralismus an den deutschen Hochschulen durch die Berufung von Marxisten auf Lehrstühle.
Der VDS wird die Arbeit der Studenten in den Neugründungsausschüssen koordinieren und die Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW,d.Vf.) und der Bundesassistentenkonferenz (BAK,d.Vf.), sowie mit Gewerkschaftsjugend (DGB-Jugend,d.Vf.) und Schülern intensivieren."
=AStA Uni Frankfurt:AStA-Information Nr.4,Frankfurt 1971,S.9;
Semesterspiegel Nr.121,Münster ***1971,S.3
Dezember 1971:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 2.2.1972) zitiert aus der 'Korrespondenz' (Zeitung der gewerkschaftlichen Studentenorganisation Baden-Württemberg) Nr.2 (vgl. **.**.1971, **.**.197*), die vermutlich den KSG/ML des KAB/ML nahesteht, im Zusammenhang mit Vorfällen in Stuttgart (vgl. Dez. 1971):"
Die Kommission zur Neuordnung der Ausbildung und Bildung in der Bundeswehr, die unter Vorsitz von Dr. Ellwein (der übrigens auch Vorsitzender des Deutschen Studentenwerks ist) ein Gutachten vorlegte, dem Kriegsminister Schmidt 'in den Grundlinien... folgen zu können und folgen zu müssen' überzeugt ist (Ellweinplan, Vorwort; im Folgenden nur noch die Seitenzahlen), besteht aus alten Faschisten wie Ferber, höchsten Ordenträger Hitlers, wie Steinhoff, Konzernbossen, wie Overbeck, aber auch Pädagogik-Professoren, wie Groothoff, der jetzt auf der ersten Stelle der Berufungsliste für Pädagogen an der Uni Stuttgart stand.
Dieser Militarist sollte Studenten unterrichten, die später als Berufsschullehrer die Lehrlingsausbildung übernehmen.
'Die Attraktivität des Dienstes in den Streitkräften wird durch eine verbesserte Ausbildung... gesteigert.' (S.25) Das ist aber dringend erforderlich, um die Kerntruppe der Zeit- und Berufssoldaten auf 200 000 Mann erhöhen zu können, während gleichzeitig durch den Trick, statt 18, 15 Monate Dienstpflicht einzuführen, die Stärke der Bundeswehr von 450 000 auf 500 000 Soldaten gesteigert wird. Die Kriegsdienstverweigerer (KDV,d.Vf.) sollen nach wie vor 18 Monate Ersatzdienst ableisten. So wird ein noch größerer Teil der Jugend erfaßt, die 'Wehrgerechtigkeit wird verbessert'.
'Die Reform (des) Ausbildungssystems der Streitkräfte soll demnach deren Effektivität wahren, zu ihrer weiteren Integration in die Gesellschaft beitragen und ihre Attraktivität erhöhen.' (S.25).
Dazu werden jetzt nicht nur bundeswehreigene Hochschulen (BWHS,d.Vf.) in Hamburg und München eingerichtet, bei denen der 'wünschenswerte enge Zusammenhang zwischen den allgemeinen öffentlichen Fach- und Hochschulen und der vergleichbaren Einrichtung der Bundeswehr' gewahrt ist (S.13), sondern Teile der Ausbildung werden auch an 'zivilen Ausbildungseinrichtungen durchgeführt.' (S.31)
'Zwischen den allgemeinen Hochschulen und denen der Bundeswehr ist eine enge Kooperation anzustreben, die sich besonders auf die Abstimmung der Lehrpläne und den Austauch des Lehrpersonals erstrecken soll.' (S.51)
Und das betrifft nicht nur die technischen Studiengänge, die an den Fachhochschulen (FHS,d.Vf.) abgeleistet werden sollten, wichtig sind auch 'rechtliche, historische oder politische Grundkenntnisse über die der Offizier verfügen muß.' (S.54)
Besonderen Wert legen die Militaristen bei der Ausbildung der Armee auf Wehrpsychatrie und Wehrpädagogik, entsprechende Studiengänge sollen in der vielbesungenen 'engen Kooperation' an allen Hochschulen eingerichtet werden.
'Im Rahmen der vorgesehenen Fachbereiche wird Forschung ermöglicht und betrieben. Die Hochschulen werden vor allem auch pädagogische sowie hochschul- und fachdidaktische Forschungsinteressen bei interdisziplinärer Arbeit befriedigen (S.51).
Aber nicht jeder wird den Vorzug genießen dürfen, studieren zu können. 'Die Bewährung im Dienst ist auch von Bedeutung für die Ausbildungsberatung, die Auswahl der Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen und ggf. den Wechsel der Verwendungsreihe.' (S.32)
Was zur Bewährung gehört, wird auch gleich aufgezählt:
- 'Treues Dienen, das heißt persönliche Opfer und Einschränkungen der persönlichen Freiheit in Kauf zu nehmen;
- Gehorsam, ohne den die Bundeswehr weder verteidigungsfähig noch ein zuverlässiges Instrument in der Hand der politischen Führung ist;
- Tapferkeit...' (S.19)
So sollen die bewährtesten Offiziere neben uns in den Vorlesungen sitzen, sollen die militärpropagandistischen Offiziersprofessoren von den Bundeswehrhochschulen mit allen Hochschulen, von allen Kathedern ihre Kriegshetze verbreiten können, sollen zivile Professoren ihr Denken und ihre Lehrmethoden an den Bundeswehrhochschulen auffrischen können.
Wir Studenten aber sollen bei all dem still zuschauen.
DAS HRG SCHAFFT ALLE VORAUSSETZUNGEN ZUR REALISIERUNG DES ELLWEIN-PLANS.
Damit das auch gut klappt, sind in dem reaktionären Hochschulrahmengesetz der SPD/FDP-Regierung gleich die entsprechenden Paragraphen eingebaut worden.
Paragraph 54 sorgt dafür, daß die Bundeswehrhochschulen als allgemeine Unis anerkannt werden können.
Paragraph 59 sichert den Austausch ziviler und militärischer Lehrkräfte ab.
Paragraph 19 soll jetzt so geändert werden, daß die Studenten, die sich gegen derartige Maßnahmen wehren, mit einem bundeseinheitlichen Ordnungsrecht unter der Knute gehalten werden sollen.
Aber all diese Maßnahmen demonstrieren nicht nur die Stärke unseres Staates, sie zeigen auch und vor allem seine Schwäche. Sie zeigen, daß dieser Staat des Monopolkapitals für die breite Mehrheit der Jugend keine Zukunft zu bieten hat, daß nur mit Unterdrückung und politischer Entrechtung das Volk noch unter der Herrschaft der Wenigen gehalten werden können.
Eine zunehmende Militarisierung ist aber ohne die Wehrwilligkeit der Jugendlichen auf die Dauer nicht möglich. Dies scheinen auch einige CDU-Abgeordnete erkannt zu haben, als sie im Mai 1971 folgende große Anfrage an den baden-württembergischen Landtag gerichtet haben. ... (Leider läßt sich in unserer Vorlage die große Anfrage kaum lesen,d.Vf*).
Das Ministerium antwortete u.a. dahingehend, daß es erklärte, die Aufgaben der bewaffneten Macht der BRD seien so darzustellen, daß sie von den Schülern notwendig bejaht werden könnten.
Am 26.3.1971 äußerte sich Schmidt vor dem Bundestag zu diesem Problem: 'An manchen Gymnasien scheint es zum guten Ton zu hören, auf die eine oder andere Weise den Wehrdienst zu vermeiden oder zu umgehen. Von dieser Feststellung können auch manche Lehrer nicht ausgenommen werden.'"
In einem weiteren Artikel heißt es, laut AStA PH Dortmund:"
Die Bundeswehr: Unterdrückungsmaschinerie nach innen und außen.
Diese Armee ist nach dem Krieg hinter dem Rücken und gegen den erklärten Willen des deutschen Volkes wieder aufgebaut worden.
Das Potsdamer Abkommen, wurde von den Friedensphrasen der Herrschenden Schritt für Schritt gebrochen. Inzwischen ist die Bundeswehr zur größten europäischen Armee in der NATO ausgebaut worden, der Rüstungsetat umfaßt inzwischen fast 1/3 des gesamten Haushalts, allein in diesem Jahr wurde der Wehretat um 11% auf 24 Milliarden DM erhöht. Und neben diesen offiziellen Mitteln fließen der Kriegsmaschinerie noch ungeheure Summen aus anderen Etats zu, sei es vom Außen- oder Wirtschaftsministerium, sei es aber auch vom Wissenschaftsministerium.
Aber um den wachsenden Unmut des Volkes zu unterdrücken, bedarf es nicht nur der Bundeswehr. Dazu gehört auch die Aufrüstung des Bundesgrenzschutzes (BGS,d.Vf.), die gesetzliche Möglichkeit ihn auch als Bürgerkriegsarmee im eigenen Land einzusetzen, die immer schwerere Bewaffnung der Polizei, der Ausbau des Werksschutzes, aber auch Maßnahmen, wie die Wiedereinführung der Vorbeugehaft.
'WER DIE JUGEND HAT, DER HAT DIE ZUKUNFT' (Karl Liebknecht).
Das haben auch die Kriegstreiber erkannt. Beim jungen Menschen muß 'Verständnis geweckt werden für die Notwendigkeit einer ausreichenden Verteidigung als Voraussetzung jeder Entspannungspolitik', meint das mit dem Friedensnobelpreis gekrönte Haupt der antidemokratischen SPD/FDP-Regierung, Willy Brandt, in einem Brief an den Reaktionär Helmut Kohl (CDU,d.Vf.) vom 19.11.1970.
Die Jugend wieder für die Ideologie der Vaterlandsverteidigung zu gewinnen, ist dann auch das Ziel des von der CDU/SPD-Landesregierung Baden-Württemberg am 18.8.1971 verabschiedeten Wehrkundeerlasses" (WKE - vgl. dort,d.Vf.).
=AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.8,Dortmund 2.2.1972,S.2ff
28.02.1972:
Die KG (NRF) Mannheim/Heidelberg (vgl. 27.3.1972) berichtet spätestens aus dieser Woche vom WKE:"
WEHRKUNDEERLASS: VERSTÄRKTE MILITARISTISCHE PROPAGANDA
MILITARISIERUNG SOLL DIE SCHULEN ERFASSEN
Das Kultusministerium in Baden-Württemberg gab am 18.8.1971 einen Wehrkundeerlaß heraus unter der Überschrift 'Berücksichtigung der Landesverteidigung im Schulunterricht'. Damit soll eine verstärkte militaristische Propaganda in den Schulen eingeleitet werden.
Der Wehrkundeerlaß geht zurück auf einen Brief von 'Friedenskanzler W. Brandt (SPD,d.Vf.) an den Vorsitzenden der Ministerpräsidentenkonferenz, H. Kohl (CDU,d.Vf.), vom November 1970 (vgl. 19.10.1970,d.Vf.). ... Auch im Wehrkundeeerlaß wird das Ziel offen genannt: 'DIE AUFGABEN DER BUNDESWEHR SIND SO VERSTÄNDLICH ZU MACHEN, DASS SIE VON DEN SCHÜLERN ALS NOTWENDIG ANERKANNT WERDEN KÖNNEN.'
Der Erlaß ist Ende Februar auch vom Landtag fast einstimmig (zwei Enthaltungen) gebilligt worden und an vielen Schulen läuft der Wehrkundeunterricht bereits, sei es mit Hilfe der vom KuMi vorgeschlagenen Schriften oder wie an der Berufsschule, wo schon seit Jahren regelmäßig Bundeswehroffiziere 'bewaffnet' mit Maschinenpistolen, Prospekten und Vorträgen über den Militarismus von der Antike bis zur Gegenwart auftauchen.
Ähnliche Beschlüsse gibt es auch in anderen Bundesländern. So strebt etwa der niedersächsische SPD-Minister Oertzen die Einführung eines Faches 'Wehrkunde' an und der sog. Ellwein-Plan (vgl. S10**.197*,d.VF.), der die Schaffung von Bundeswehruniversitäten (BWHS,d.Vf.) vorsieht, versucht analog zur Verstärkung der militaristischen Propaganda an den Schulen, militaristische Forschung und Lehre an den Hochschulen zu verankern."
=Arbeiter-Zeitung Nr.3,Mannheim/Heidelberg Apr. 1972,S.10f
17.05.1972:
Laut KJVD der KPD/ML-ZB werden am 17. und am 19.Mai im Bonner Bundestag die Ostverträge bzw. die Verträge von Moskau und Warschau mit der SU bzw. Polen verabschiedet. Die KPD/ML-ZK (vgl. 23.5.1972) berichtet:"
OSTVERTRÄGE
VERTRÄGE ZWISCHEN KRIEGSTREIBERN
...
So weit haben 'wir' es gebracht:
- Die Bundeswehr ist die drittgrößte Militärmaschinerie der Welt, größer als die Wehrmacht Hitlers vor Kriegsbeginn.
- 23 Milliarden beträgt der Rüstungshaushalt der SPD-Regierung, mehr als je zuvor in der Bundesrepublik.
'Alles, was stehen und gehen kann', soll in die Bundeswehr, wie das Helmut Schmidt (SPD) ausdrückte. 800 000 Jugendliche sollen bis 1980 an den Maschinengewehren und Panzern von Krupp, Messerschmidt und Henschel stehen.
In Hamburg wurde die erste Bundes-Universität (BWHS,d.Vf.) gegründet. Mit dem 'Wehrkundeerlaß' (WKE,d.Vf.) dringt der Militarismus in unsere Schulen. Immer mehr Konzerne schalten auf Rüstungsproduktion um, immer mehr Forschungs- und Universitätsinstitute betreiben Kriegsforschung.
NIEDER MIT DEM WESTDEUTSCHEN IMPERIALISMUS! WEG MIT DEM WEHRKUNDEERLASS - BUNDESWEHR RAUS AUS DEN SCHULEN! BAUT ANTIMILITARISTISCHE KOMITEES IN DER BUNDESWEHR AUF!"
=Roter Morgen Nr.10,Hamburg 23.5.1972,S.1f;
Der Kampf der Arbeiterjugend Nr.5,Bochum Juni 1972
12.06.1972:
Der AStA der PH Dortmund gibt vermutlich in dieser Woche seine 'AStA-Information - DOS (Dortmunder Studentenzeitung) Nr.12 (vgl. 2.5.1972, 21.6.1972) heraus, in "DAS GESAMTHOCHSCHULERRICHTUNGSGESETZ UND SEINE AUSWIRKUNGEN" heißt es u.a.:"
Diese Hochschulreform im Dienste unserer kapitalistischen Gesellschaftsordnung ist nicht durch Arbeit in Gremien oder Kommissionen zu unterlaufen.
Das haben die Erfahrungen gerade mit diesem Gesetz gezeigt. Die Arbeit, die im Moment zu leisten ist, liegt in der Aufklärung über den Charakter der Bildungsreform, die uns zur Zeit geboten wird. Sie ist auch nicht zu trennen von anderen Vorgängen in der Gesamtgesellschaft.
Ein Ordnungsrecht an der Hochschule, der Friedensparagraph im Betriebsverfassungsgesetz (BVG,d.Vf.) und der Aufbau des Grenzschutzes (BGS,d.Vf.) zur Innenarmee, die Errichtung von bundeswehreigenen Hochschulen (BWHS,d.Vf.) - das alles ist nicht voneinander zu trennen. Das geschieht nicht nur zufällig zeitlich gleich.
Das ist eine Tendenz und eine Intention.
Eine Herrschaft, die sich bedroht fühlt und ihren Anspruch nicht mehr rechtfertigen kann, wehrt sich - und zwar mit allen Mitteln."
=AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.12,Dortmund o.J. (Juni 1972)
21.06.1972:
Die Nr.42 des 'KND' der KPD/ML-ZB und des KJVD (vgl. 14.6.1972, 28.6.1972) erscheint und berichtet u.a. über die Heeresoffiziersschule der Bundeswehr, die zur Bundeswehrhochschule (BWHS) werden soll.
=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.42,Bochum 21.6.1972
20.07.1972:
Der Kommunistische Studentenverband (KSV - vgl. 25.10.1972) der KPD berichtet von der Uni Hamburg über die Forderung 'Mehr Arbeiterkinder an die Uni', des MSB Spartakus der DKP im Zusammenhang mit den Bundeswehrhochschulen (BWHS):"
Zu welch absurden Behauptungen diese Theorie führt, zeigt die Stellungnahme der studentischen Vertreter (MSB/SHB) im Akademischen Senat (AS,d.Vf.) zu den Bundeswehrhochschulen: 'Prinzipiell ist es zu begrüßen, daß für Bundeswehrangehörige ein Hochschulstudium ermöglicht wird. Diese Absicht steht durchaus im Einklang mit der Forderung, das Ausbildungssystem zu demokratisieren und für weitere Teile der Bevölkerung zu öffnen. Deshalb aber darf sich die Ausbildung von Bundeswehrangehörigen nicht allein auf Offiziere beziehen, sondern muß auf alle Angehörigen der Bundeswehr ausgedehnt werden, die die Hochschulreife erlangt haben.' (Hamburg, 20.7.1972)"
=Dem Volke dienen Nr.1,Dortmund 25.10.1972,S.3
15.08.1972:
Von der KPD/ML-ZB wird bei Opel Bochum heute vermutlich eine Ausgabe der 'Presse' (vgl. **.*.1972, **.*.1972) herausgegeben, von der uns nur ein Blatt vorlag.
Auf der Rückseite (vermutlich Seite 6) ruft der KJVD auf zum RAKT (vgl. 2.9.1972):"
AUF ZUM ANTIKRIEGSTAG!
Kurz vor Beginn der Berufsschulferien (vgl. 14.6.1972,d.Vf.) wurde der Lehrer N. Osswald von der Städtischen Bildungsanstalt entlassen. Man brauche ihn nicht mehr, wurde gesagt. Der wahre Grund: N. Osswald ist Mitglied der KPD/ML, sein Name steht unter vielen Betriebszeitungen.
Auf der einen Seite: Fortschrittliche Lehrer werden entlassen - auf der anderen:
- Jugendoffiziere geben Berufsschulstunden
- Im Landtag soll ein Wehrkundeerlaß (WKE,d.Vf.) durchgebracht werden, verkleidet als Erlaß zum politischen Unterricht und die CDU hat im Landtag (vgl. **.*.1972,d.Vf.) schon klar sein Ziel genannt: 'die MORALISCHE VERPFLICHTUNG, SOLDAT ZU WERDEN, um die freiheitliche Gesellschaftsordnung weiter zu verteidigen, muß in der Jugend wieder fester verankert werden.'
- Die Einrichtung von Bundeswehrhochschulen (BWHS,d.Vf.) ist geplant, hierfür steht jederzeit genügend Geld und Personal bereit! Geld, das dem kleinen Mann aus der Tasche gezogen wird!
Wem dienen diese Maßnahmen?
Damit sollen die Soldaten zurechtgeschneidert werden, die dann bereitwillig für die Interessen der Krupp und Thyssen in den Krieg marschieren sollen. Denn unsere 'freiheitliche Grundordnung' ist dieser Staat nicht!
Freiheit und Frieden - das gibt es für den Arbeiter nur im Sozialismus!"
=unvollständiges Dokument (vermutlich:Die Presse),Bochum o.J. (15.8.1972)
02.10.1972:
Die DKP-Hochschulgruppe Hamburg gibt vermutlich in dieser Woche die Nr.15 ihres 'Kommunist' (vgl. 25.9.1972, 5.10.1972) für Oktober heraus. Man wendet sich gegen die Bundeswehrhochschule (BWHS).
=Kommunist Nr.15,Hamburg Okt. 1972
07.11.1972:
Vermutlich heute erscheint ein Extrablatt der 'Roten Fahne' der KPD/ML-ZB (vgl. 24.10.1972, 1.12.1972) mit dem "Wahlaufruf der KPD/ML gegen Notstand, Aufrüstung und Revanchepolitik! Für Sozialismus und Frieden !" U.a. enthält das Extrablatt "Das Programm von Sozialismus und Frieden". Die KPD/ML (Zentralbüro) stellt u.a. die Forderungen auf:"
Februar 1973:
In Lübeck erscheint vom Marxistischen Schülerbund (MSB) der SDAJ das 'MSB-Info' Nr. 3 (vgl. Jan. 1973, Feb. 1973). Berichtet wird u.a. von der Bundeshochschule (BWHS) Hamburg.
=MSB-Info Nr.3,Lübeck Feb. 1973
05.02.1973:
Die Zelle des KSV der KPD an der PH Dortmund gibt eine Wahlnummer ihrer 'Kommunistischen Studentenpresse' (KSP - vgl. 27.11.1972, 3.4.1973) heraus, in der es u.a. heißt:"
Natürlich ist der SLH auch dagegen, daß Bundeswehrhochschulen (BWHS,d.Vf.) getrennt von den übrigen Hochschulen eingerichtet werden, aber:
'Die DSU begrüßt die Feststellung der Bildungskommission beim Bundesminister für Verteidigung, daß 'das Ausbildungssystem der Bundeswehr als Teil des allgemeinen Bildungswesens' anzusehen ist und daß den OFFIZIEREN DER BUNDESWEHR IM RAHMEN DER NEUORDNUNG DER AUSBILDUNG UND BILDUNG IN DER BUNDESWEHR EIN WISSENSCHAFTLICHES STUDIUM ERMÖGLICHT WERDEN SOLL.'
Zu einem Zeitpunkt, zu dem Bundeswehr und Polizei verstärkt aufgerüstet werden, um nach außen und nach innen gegen revolutionäre Befreiungskämpfe und die kämpfenden Arbeiter im eigenen Land vorzugehen, heißt Befürwortung der 'wissenschaftlichen Ausbildung' von Offizieren - Befürwortung von Imperialismus und Militarismus!"
=Kommunistische Studentenpresse PH Dortmund Wahlnummer,Dortmund 5.2.1973
19.02.1973:
Vermutlich zu Beginn dieser Woche erscheint das Flugblatt der VVN-BdA Dortmund:"
WEISSE ROSE KONTRA HAKENKREUZ
WIDERSTANDSKAMPF IM 3. REICH
DEMOKRATIEVERSTÄNDNIS UND WIDERSTANDSKAMPF HEUTE
...
Die Gegenwart an den Zielen der 'Weißen Rose' überprüfen. Der barbarische Faschismus wurde geschlagen, der Friede und die Demokratie sind jedoch nicht gesichert. Der Nazismus ist nicht ausgemerzt. Faschistisches und revanchistisches Gedankengut wird trotz der Ostverträge und des Friedensgebotes der Verfassung weiterhin verbreitet. Der Widerstand gegen das 3. Reich findet in den Schulgeschichtsbüchern kaum noch Erwähnung. Die Aufrüstung wird verstärkt!
In den neuen Bundeswehrhochschulen (BWHS,d.Vf.) werden die jungen Offiziere zu unbedingtem Gehorsam erzogen (1933 - 1945 52 Millionen Tote). Die finanzielle und materielle Hilfe der Bundesregierung an die USA für deren schmutzigen Krieg in Indochina, die militärische Hilfe an Portugal, an das faschistische Griechenland und Spanien, widersprechen dem humanen Wollen der 'Weißen Rose'.
Die Münchener Studenten kämpften für die Völkerverständigung. Die demokratischen Rechte werden immer mehr abgebaut! Der Kampf um die demokratischen Rechte wird bei der studierenden, der arbeitenden und lernenden Jugend immer schwerer.
Ein Teil der fortschrittlichen Lehrer wird durch Ministerpräsidentenbeschluß (BV,d.Vf.) von der Berufsausübung ausgeschlossen. Das verstößt gegen den Geist des Kampfes der Geschwister Scholl und ihrer Kampfgefährten. Wir rufen auf, wachsam und zum Handeln bereit zu sein."
Das Flugblatt wird unterstützt von:
- AStA Uni Dortmund,
- Christliche Arbeiterjugend (CAJ),
- CVJM Dortmund,
- Vietnam-Solidarität,
- Internationales Rombergpark-Komitee,
- Jungdemokraten (Judos der FDP),
- Jungsozialisten (Jusos der SPD) Husen-Kurl,
- MSB Spartakus der DKP,
- Naturfreundejugend (NFJD),
- ÖTV-Jugend Stadtverwaltung,
- Pax Christi,
- Reichsbund,
- SDAJ der DKP,
- Sozialistische Jugend Deutschlands - Die Falken (SJD der SPD),
- SMV Geschwister Scholl-Gymnasium,
- VDK Brackel,
Sowie einer Reihe Dortmunder Einzelpersonen.
Aufgerufen wird zur Veranstaltung zur 'Weißen Rose' (vgl. 22.2.1973).
=VVN-BdA Dortmund:Weiße Rose kontra Hakenkreuz. Widerstandskampf im 3. Reich. Demokratieverständnis und Widerstandskampf heute,Dortmund o.J. (Feb. 1973)
18.03.1973:
Aus Aachen lag uns folgendes Dokument vor:"
Protokoll der Diskussion im Redaktionskollektiv für eine Plattform zur NC-Kampagne vom 18.3.1973
Anwesend waren Delegierte bzw. Beobachter folgender Organisationen: AStA FHS, AStA TH, GEW, GIM, Hochschulseminar, Lehrergruppen, MSB Spartakus (der DKP,d.Vf.), SBG - FHS, SHB, SMV, SSK (Sozialistisches Schülerkollektiv,d.Vf.) und ZRV.
...
Gegen die Rolle des Staates als langfristig planendes Instrument in den Händen der Monopole spricht die Unmöglichkeit langfristiger Planung im Kapitalismus überhaupt, bedingt durch die Anarchie der Produktion. Deutliche Zeichen sind die um mehr als hundert Prozent divergierenden Prognosen von 'Planern'.
Deshalb kann NC kein bewußt eingesetztes langfristiges Steuerungsinstrument sein, sondern widerspiegelt die Widersprüchlichkeit zwischen Staat und Bourgeoisie und zeigt die strukturelle Unfähigkeit, über den unproduktiven Charakter des Bildungswesens hinaus den an es gestellten Anforderungen genüge zu tun. Dabei bestreitet niemand die zentrale Steuerung als Ausdruck kurzfristiger Planung.
DAGEGEN: Da langfristige Berechnungen nicht möglich sind, wendet man bewußt Mittel wie politische Disziplinierung an, züchtet sich mit der Errichtung von Bundeswehrhochschulen (BWHS,d.Vf.) eine Elite heran. Hier zeigt sich wieder deutlich der Einfluß der Monopole auf den Staat.
Die Diskussion in ihrem allgemeinen Charakter wird abgebrochen."
=N.N.:Protokoll der Diskussion im Redaktionskollektiv für eine Plattform zur NC-Kampagne vom 18.3.1973,o.O. (Aachen) o.J. (1973)
Juni 1973:
Innerhalb der bayrischen Roten Schülerfront (RSF) der ABG wird vermutlich im Juni vom Zentralkollektiv ein Text verfaßt:"
Rechenschaftsbericht des ZKolls (Gliederung)
...
Die studierende Jugend steht heute dem Militarismus weitgehend ablehnend gegenüber. Das ist hauptsächlich darin begründet, daß für die Schüler der Militärdienst nichts als Nachteile bringt, daß sie da Opfer bringen müssen, deren Sinn sie nicht einsehen. Besonders Intellektuelle sind es deshalb, die der Bundeswehr individuell zu entkommen suchen, statt sie zu bekämpfen.
Darin drückt sich andererseits aus, wie wenig die antikommunistische Hetze noch unter der Jugend ankommt, wie tief der Wunsch nach Frieden ist. Andererseits besteht aber, solange die Haltung der Massen nur auf diesem Stand bleibt, die Gefahr, daß viele Intellektuelle wieder zu Anhängern des Militarismus werden. Schon heute versucht die Bundeswehr alle Abiturienten damit zu ködern, daß sie systematisch bevorzugt werden, daß sie die Möglichkeit haben, bequeme Posten zu bekommen, daß vor allem ihnen eine Offizierslaufbahn angeboten wird. Heute sind es noch wenige, die das mitmachen. Aber je mehr z.B. der Ersatzdienst (ED,d.Vf.) zu einem Arbeitsdienst ausgebaut wird, je schlechter vor allem die Ausbildungs- und Lebensbedingungen und die Berufsaussichten für die studierende Jugend werden, desto größer wird die Gefahr, daß immer mehr Intellektuelle ihr Heil in einer Offizierslaufbahn suchen und zu Anhängern des Militarismus werden. Die Bundeswehr tut alles, um diese Tendenz zu fördern - siehe z.B. den Bau von Bundeswehrhochschulen (BWHS), die den Abiturienten, die keinen Studienplatz mehr bekommen, noch eine Ausbildungsmöglichkeit geben, wenn sie Offiziere werden.
Umso wichtiger ist unsere Aufgabe, die Massen nicht mit ihrem spontanen Mißtrauen allein zu lassen, sondern den antimilitaristischen Kampf voranzutreiben, ein kämpferisches antimilitaristisches Bewußtsein zu fördern."
=RSF:Rechenschaftsbericht des Z-Kolls,o.O. o.J. (1973)
29.09.1973:
In der Hamburger Innenstadt findet, laut und mit KPD, eine Demonstration gegen die Eröffnung der Bundeswehrhochschule (BWHS) (vgl. 1.10.1973) statt.
=Rote Fahne Nr.40,Dortmund 3.10.1973
Oktober 1973:
Die Nr.1 (vgl. Okt. 1973) der Reihe 'Agitationsheft des Kommunistischen Jugendverbandes' (Jugendverband der KPD) erscheint im Verlag Kämpfende Jugend unter dem Titel "Weg mit den Bundeswehrhochschulen!". Berichtet wird von den Bundeswehrhochschulen (BWHS) in Hamburg-Wandsbek und in Bayern in Neubiberg bei München, an denen u.a. Pädagogik, Maschinenbau, Elektrotechnik, Bauingenieurswesen, Informatik/EDV, Organisations- und Betriebswirtschaft sowie Biologie studiert werden kann. Gegen derlei Umtriebe kämpfen mit dem KJV die Ausschüsse gegen den BRD-Imperialismus u.a. in Bayern in Hof, in Berlin, in Hessen in Frankfurt und in NRW in Düsseldorf und Solingen.
Erwähnung finden auch die Streiks in NRW bei Philips Aachen, Ford Köln und Hella Lippstadt.
=Rote Pressekorrespondenz Nr.31,Dortmund 1973,S.20;
KJV:Agitationsheft Nr.1,Dortmund Okt. 1973
01.10.1973:
Der KBW berichtet von den BWHS:"
BUNDESWEHRHOCHSCHULEN
Ab 1.Oktober nehmen ca. 630 Bundeswehrsoldaten, Fähnriche und Leutnante aus allen Waffengattungen an den in Hamburg und München neuerrichteten Bundeswherhochschulen ihr Studium auf. Die Hochschulen der Bundeswehr befinden sich auf Kasernengelände; es besteht also kein Recht auf Versammlungsfreiheit. Die Bundeswehrstudenten unterstehen dem Soldatengesetzt; das bedeutet Verbot politischer Betätigungen.
Ein Studium, das unter solch abschreckenden Bedingungen zu absolvieren ist, muß mit allen Mitteln attraktiv gemacht werden:
Ein Leutnant bezieht ein Gehalt von 1 400 DM monatlich und hat die Sicherheit, nach zwölf Jahren Dienstzeit bei der Bundeswehr in der Wirtschaft aufgenommen zu werden. Auf diese Weise korrumpierte Offiziere sollen sich durch 'klares Engagement in Staat, Gesellschaft und Beruf' ('Wehrkunde' 11/1972 (vgl. **.**.1972,d.Vf.)) auszeichnen. Die Bundeswehr hat aufgrund der wachsenden antimilitaristischen Haltung der Jugend Offiziere dringend nötig, 'die immer darauf aus sind, Legitimation und Leistung der Armee ständig zu verbessern.' (ebenda) Sie sind für den kapitalistischen Staat Garanten für die Schlagkraft und zuverlässige Einsetzbarkeit der Armee gegen fremde Völker und streikende oder demonstrierende Arbeiter des eigenen Volkes.
Die Bundeswehrhochschulen sind jedoch nicht allein für die Armee des kapitalistischen Staates von Bedeutung. Es soll an einer möglichst 'krisenfreien' Stelle des Hochschulsystems exemplarisch gezeigt werden, wie die normalen Studienbedingungen an allen Hochschulen auszusehen haben.
Maßnahmen zur Neuorganisierung des Studiums an den Hochschulen, die durch die kapitalistische Hochschulreform durchgesetzt werden sollen, sind beim Studium an den Bundeswehrhochschulen von vornherein gegeben. Unter dem Gesichtspunkt der Integrierung der Bundeswehrhochschulen in eine künftige Gesamthochschule (GHS,d.Vf.) ist die 'positive Einwirkung' (ebenda) der an den kasernierten Hochschulen geschaffenen Reformrealitäten auf die zivilen Unis geplant.
WEG MIT DEN BUNDESWEHRHOCHSCHULEN ! - KAMPF DER MILITARISTISCHEN ERZIEHUNG DER JUGEND!"
=Kommunistische Volkszeitung Nr.5,Mannheim 24.10.1973,S.8
01.10.1973:
In Hamburg nimmt, laut KPD, die Bundeswehrhochschule (BWHS) ihre Arbeit trotz Protesten (vgl. 29.9.1973) auf.
=Rote Fahne Nr.40,Dortmund 3.10.1973
06.02.1974:
In der Nr.6 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 30.1.1974, 13.2.1974) befaßt sich die KPD u.a. mit der Bundeswehrhochschule (BWHS) Hamburg.
=Rote Fahne Nr.6,Dortmund 6.2.1974
17.07.1974:
In der Nr.29 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 10.7.1974, 24.7.1974) berichtet die KPD u.a. über die Bundeswehrhochschule (BWHS) in Neubiberg bei München.
=Rote Fahne Nr.29,Dortmund 17.7.1974
04.10.1977:
Der AB gibt seine 'Kommunistische Arbeiterzeitung' Nr.122 (vgl. Okt. 1977, 18.10.1977) heraus. Die Kämpfende Jugend (KJ) berichtet u.a. vom Fachbereich Pädagogik der Bundeswehrhochschule (BWHS) Neubiberg bei München.
=Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.122,München 4.10.1977
15.10.1977:
Die SAG gibt ihre 'Sozialistische Arbeiterzeitung' Nr.33 (vgl. 28.9.1977, 2.11.1977) heraus. Berichtet wird u.a. über die Bundeswehrhochschule (BWHS) in Neubiberg bei München.
=Sozialistische Arbeiterzeitung Nr.33,Frankfurt 15.10.1977
18.10.1977:
Der AB gibt seine 'Kommunistische Arbeiterzeitung' Nr.123 (vgl. 4.10.1977, 1.11.1977) heraus. Die Kämpfende Jugend (KJ) berichtet u.a. von der Bundeswehrhochschule (BWHS) in Neubiberg bei München.
=Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.123,München 18.10.1977
29.11.1977:
Der AB gibt vermutlich heute seine 'Kommunistische Arbeiterzeitung' Nr.126 (vgl. 15.11.1977, 3.12.1977) heraus und berichtet u.a. aus Neubiberg von der Bundeswehrhochschule (BWHS).
=Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.126,München falsches Datum:15.11.1977
Text vom 29.2.2008;
letzte Änderung: 5.3.2008
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