Buchhaltung TZ-EasyBuch 3.0
Buchhaltungsprogramm TZ-EasyBuch 3.0

Anzeige

Buchhaltungssoftware speziell für Freiberufler und Kleinunternehmer

TZ-EasyBuch 3.0


  Zur Hauptübersicht der Datenbank MAO

Holger Meins

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin


Holger Meins (Plakat, 1974)
Holger Meins (Plakat, 1974)

Von Holger Meins werden in dieser Darstellung lediglich zwei kurze Momente seines Lebens beleuchtet, zunächst seine spektakuläre Ergreifung (vgl. 1.6.1972) als mutmaßliches Mitglied der sog. Baader-Meinhof-Bande, d.h. der Rote-Armee Fraktion (RAF). Die KPD, die auf die Ungereimtheiten der vier festgenommenen Personen, von denen aber nur drei bekannt werden, verweist, hielt damals die RAF und damit den 'kleinbürgerlichen Terrorismus' für aufgelöst, befürwortete im Gegensatz zur RAF den Volkskrieg, wie ihn der vietnamesische General Giap lehrte. Auch bei der Hoesch Westfalenhütte Dortmund wird von der KPD die RAF noch einmal gegeißelt (vgl. 22.6.1972).

Dann erfahren wir in dieser natürlich unvollständigen Dokumentation von Archivalien, die wir vor allem der Geschichtswerkstatt Dortmund verdanken, erst wieder von Holger Meins anlässlich des Hungerstreiks der politischen Gefangenen 1974 (vgl. 13.9.1974), oft und von uns verkürzt RAF-Hungerstreik genannt, obwohl eventuell nicht alle der daran teilnehmenden RAF-Mitglieder waren. Holger Meins wird zwangsernährt (vgl. 30.9.1974, 28.10.1974), was aber seinen Tod nicht verhindert (vgl. 9.11.1974).

Dies führt zu einer Intensivierung der Solidaritätsaktionen mit dem Hungerstreik und gegen die Isolationshaft, wie anhand von einigen Beispielen (vgl. 9.11.1974, 10.11.1974, 12.11.1974, 13.11.1974, 15.11.1974, 18.11.1974) belegt wird, und zu zahlreichen Artikeln in der linken Presse (vgl. 14.11.1974, 20.11.1974, Dez. 1974, 4.12.1974), ohne dass hier ein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden könnte.

Bezeichnend ist die Situation im Berliner RAF-Prozess, zu dessen Beginn der Hungerstreik ja ausgerufen worden war (vgl. 12.11.1974). Horst Mahler nimmt den 'Mord' an Holger Meins als Beleg für die Brutalität des bundesdeutschen Staatsapparats (vgl. 19.11.1974).

Zur Kontroverse kommt es innerhalb der K-Gruppen zwischen jenen, wie den Zusammenhängen der KPD, wie hier durch die Rote Hilfe e.V. Dortmund (vgl. 10.11.1974, 11.11.1974) und den KOV Dortmund (vgl. 13.11.1974), dokumentiert, die den Tod von Holger Meins als 'Mord' bezeichnen, und dem KBW, der sich diesmal noch moderater gibt in der Wortwahl (vgl. 5.12.1974), erst bei den Stammheimtoden von 'Mord' spricht, aber zumindest in Frankfurt trotzdem juristische Repressalien für seine Äußerungen über den Tod von Holger Meins erleidet (vgl. 26.6.1975).

Die KPD/ML bei Opel Bochum spannt abschließend den Bogen zwischen Holger Meins und Ulrike Meinhof, die den Hungerstreik 1974 ausgerufen hatte (vgl. 8.5.1976).

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

01.06.1972:
Laut KPD/ML-ZB werden am 1.Juni morgens "drei fieberhaft gesuchte Mitglieder der Baader-Meinhof-Gruppe (RAF,d.Vf.) in Frankfurt festgenommen. In einem nie vorher dagewesenen Ausmaß zeigte der Polizeistaat in einer koordinierten, zentral geführten Gemeinschaftsaktion zwischen Polizei, Sonderpolizeitruppen und Verfassungsschutz seine Fratze. Tausende von Menschen wurden kontrolliert, bespitzelt, verdächtigt, überwacht. Jeder Bürger war verdächtig, jedes Auto konnte ein Terroristenauto sein. Die westdeutsche Demokratie war für Tage außer Kraft gesetzt. Der Bundespolizeiminister überwachte mit dem Bundeskriminalamt die öffentlichen Brennpunkte der Bundesrepublik und Westberlins. Die politischen Parteien übten Einmütigkeit, eine Sicherheitskonferenz jagte die andere, der Bundeskanzler lauschte ergeben den neuesten Ausführungen seines Polizeiministers zum Bürgerkriegseinsatz des imperialistischen inneren Gewaltapparates ... Im Zuge einer Großfahndung, durch Hinweise aus der Bevölkerung des Frankfurter Bourgeoisieviertels wurde der Unterschlupf eines Teiles der Baader-Meinhof-Gruppe ausgemacht und umstellt. Beamte der Sonderpolizei, des Bundeskriminalamtes in Zivil und gelbem Helm gehen mit MPs in Stellung ... Ein Panzerwagen rückt an, die Bevölkerung wird aufgefordert, die Rolläden herunterzulassen und die Häuser nicht zu verlassen. Die Polizei fordert die Gruppenmitglieder in der umstellten Garage auf, herauszukommen, die Waffen wegzuschmeißen. Das Fernsehen und der Runfunk haben die Aufnahmegeräte eingeschaltet ... Die Polizei fordert erneut auf herauszukommen ... Die Polizei schickt ein paar MP-Salven auf das umstellte Garagentor. Rundfunk und Fernsehen übertragen alles haarklein, mehrere Male noch im Laufe des Tages. Die Terroristen müssen jetzt das Spiel mitspielen. Die Polizei wirft Tränengas. Aus der Garage stürmt der erste Mann heraus. Das Wild ist draußen. Andreas Baader schießt wild um sich gegen die Panzerplatten des Polizeimonstrums. Ein Scharfschütze schießt ihn in Hüfte und Bein ...
Ein Gruppenmitglied verläßt die eingenebelte Garage ... und wird im Polizeigriff langsam mit gestreckten Armen über die Straße geführt ... Der verletzte Baader wird ebenfalls herausgeschleift und völlig entkleidet ... Im schwerbewaffneten Konvoi werden die Trophäen abgeführt. Ein Hubschrauber bringt sie an einen unbekannten Ort. Die Großfahndung läuft weiter ... Die Baader-Meinhof-Gruppe hilft mit, die notwendige revolutionäre Gewalt der Massen gegen den imperialistischen Staat zu denunzieren. Die Werktätigen sollen meinen, Revolutionäre, das sind Einzelpersonen ..., sie sollen meinen, das wäre die Revolution. Die Baader-Meinhof-Leute helfen mit, die Massen von Organisation und Solidarität abzuhalten. Sie arbeiten für die Reaktion. Eine Revolution wird nur dann die Kapitalistenklasse und den Staat stürzen, wenn sich die Massen unter Führung der Kommunistischen Partei erheben zum bewaffneten Kampf, sie wird nicht das Werk einzelner Menschen sein, die ohne Unterstützung der Massen den Kampf führen."
Neben Andreas Baader werden auch Jan Carl Raspe und Holger Meins festgenommen. In der BILD-Zeitung heißt es anläßlich der Festnahme, laut KPD/ML-ZB bei Hoesch Dortmund in NRW (IGM-Bereich - vgl. 20.6.1972) u.a., daß im Führungsstab der RAF ein Verfassungsschützer gesessen habe.

Manfred Funke (vgl. Nov. 1977) berichtet vom linken Terrorismus in der 'BRD' (vgl. Heidelberg 24.5.1972, Hamburg 7.6.1972) aus Frankfurt:"
Festnahme der zum Kern der BAADER-MEINHOF-Bande gehörenden Andreas BAADER, Holger MEINS und Jan-Carl RASPE."

Die KPD (vgl. 7.6.1972) berichtet:"
Der letzte Akt des Schaustücks 'Freiheitliche Demokratie wehrt sich gegen bewaffnete Terroristen' geht zu Ende.

DEMONTAGE DES PHANTOMS 'BAADER-MEINHOF-BANDE'

Andreas Baader, Holger Meins, Jan Raspe wurden in einer wohlinszenierten Live-Sendung der Fernsehanstalten ('zufällig'war ein Kamerateam zur Stelle) in ihrem Schlupfwinkel ausgeräuchert.

Die SPD-Regierung - der Unentschlossenheit gegenüber dem 'Linksradikalismus' bezichtigt, kann zufrieden sein: Sie hat den Massen wirkungsvoll und spektakulär demonstriert, in welchem Maße während ihrer Regierungszeit die Zentralisierung, die Schlagkraft und die Flexibilität der Geheimdienst- und Polizeiapparate erhöht worden ist.

Bundesweite Fahndungsaktionen, Massenkontrollen von PKW's und Durchkämmen ganzer Viertel durch schwerbewaffnete Polizei - selbst die Springerpresse konnte dieser Demonstration der Stärke das Lob nicht verwehren.

Der Fall 'Baader-Meinhof' scheint fast abgeschlossen, dennoch bleiben einige Fragen offen:

- Bundesinnenminister Genscher (FDP,d.Vf.) erklärte auf einer Pressekonferenz anläßlich des Bombenattentats auf das Springerhaus in Hamburg (vgl. 19.5.1972,d.Vf.), wieso sie die Bombenattentate nicht durch frühzeitige Festsetzung der Täter verhindert hätten: Sie hätten die Fahndung schon seit längerer Zeit durchgeführt, könnten aber erst jetzt nach den Attentaten eingreifen!

- Ebenso stellt sich die Frage, weshalb, wenn der Schlupfwinkel von Baader und Meins schon seit Wochen unter polizeilicher Beobachtung stand, die beobachteten Personen sich noch frei bewegen konnten und in dieser Zeit, wie die Polizei behauptet, noch Bomben in Augsburg (vgl. 12.5.1972,d.Vf.) und Heidelberg (vgl. 24.5.1972,d.Vf.) legen konnten.

- Es fragt sich, was mit der vierten Person war, die festgenommen wurde, nach einigen Stunden wieder auf freien Fuß kam und schon am nächsten Tag von der gesamten Presse nicht mehr erwähnt wurde.

Auch wenn in der Anarchistengruppe um Baader keine Agenten des Verfassungsschutzes (VS,d.Vf.) als Provokateure arbeiteten (diese Vermutung wird nicht zuletzt durch den Fall des Agenten Peter Urbach, der als Waffenlieferant der APO fungieren sollte und durch den Fall des Verfassungsschutzagenten, der, wie jüngst in einem Prozeß ans Tageslicht kam, die bewaffnete faschistische Organisation 'Europäische Befreiungsfront' (EBF - vgl. S3.*.1972,d.Vf.) aufbaute, nahelegt) ist eindeutig: Die Bombenattentate, und der von den Massen losgelöste und sich teilweise gegen die Massen selbst richtende Terrorismus paßte hervorragend ins Kalkül des Staatsapparates: Durch das Anheizen einer Hysterie suchte sich der SPD-geführte Staatsapparat die Rechtfertigung vor den Massen zu verschaffen, den Staatsapparat als Unterdrückungsinstrument im Dienste der Bourgeoisie weiter auszubauen. In diesem Prozeß ist ein wichtiges Etappenziel erreicht:

Das Bundeskriminalamt (BKA,d.Vf.) ist zur zentralen Ermittlungsbehörde ausgebaut, Landes- und kommunale Polizeikräfte haben zusammen mit dem Bundesgrenzschutz (BGS,d.Vf.) als Eingreifreserve wichtige Manöver durchgeführt und erfolgreich abgeschlossen, die Polizeikräfte haben wichtige Erfahrungen in bundesweiten Straßenkontrollen, Abriegeln und Durchkämmen von Stadtvierteln gewonnen, die Bewaffnung der Polizei ist schlagkräftiger geworden, die Massen werden an Manöver durch schwerbewaffnete Polizeikräfte psychologisch gewöhnt.

Wir wissen - all dies dient der Vorbereitung auf die Zerschlagung von Kämpfen der Massen, ihr eigentliches Ziel ist nicht die Zerschlagung des Terrorismus von selbsternannten Rotarmisten. Das Etappenziel, das sich die SPD-Regierung setzte, im Ausbau des Unterdrückungsapparates ist vorerst erreicht. Die kleinbürgerlichen Terroristen haben ihre Aufgabe erfüllt, sie sind nicht mehr nötig, das Kalkül des Staatsapparates ist aufgegangen.

REVOLUTIONÄRE GEWALT HEISST GEWALT DURCH DIE MASSEN!
Vo Nguyen Giap, 1971"

Berichtet wird auch in:
- NRW in Dortmund im IGBE-Bereich durch die Betriebsgruppe Minister Stein der KPD/ML-ZB (vgl. 15.6.1972) und im IGM-Bereich durch die Zelle Hoesch Westfalenhütte der KPD (vgl. 22.6.1972).
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Westfalenhütte Nr.14,Dortmund 22.6.1972,S.5f;
Rutsche Bergbautarifrunde: 'Jetzt rechnen - jetzt handeln!',Dortmund o.J. (Juni 1972),S.5f;
Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.40,Bochum 7.6.1972,S.*;
Duve,Freimut:Aufbrüche. Die Chronik der Republik 1961 bis 1986,Hamburg 1986;
Funke, Manfred:Terrorismus,Bonn 1977,S.336;
Rote Fahne Nr.46,Dortmund 7.6.1972,S.1 und 3;
Das Rote Schwungrad Kollegen, Genossen! Weg mit dem Vorbeugehaftgesetz,Dortmund o.J. (Juni 1972),S.2;
Die Rote Westfalenwalze Kollegen, Genossen! Weg mit dem Vorbeugehaftgesetz,Dortmund o.J. (Juni 1972),S.2

22.06.1972:
Die Zelle Hoesch Westfalenhütte Dortmund der KPD gibt die Nr.14 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 31.5.1972, 3.7.1972) heraus. Zur RAF (vgl. Frankfurt 1.6.1972, Hannover 15.6.1972) heißt es:"
DAS BAADER-MEINHOF-PHANTOM - VORWAND FÜR DIE WEITERE AUFRÜSTUNG DES POLIZEIAPPARATES!

Anfang Juni wurden Andreas Baader, Holger Meins und Jan Carl Raspe von der Polizei festgenommen, am Freitag der letzten Woche Ulrike Meinhof in Hannover verhaftet. Damit ist der Kern der Baader-Meinhof-Gruppe aufgelöst.

Das Fernsehen und die reaktionäre Massenpresse stilisierten diese Nachrichten zu einem Ereignis, das angeblich 'Millionen Menschen in der BRD aufatmen ließ' - als gebe es für die werktätige Bevölkerung unseres Landes keine weiteren Probleme als die sog. Baader-Meinhof-Bande. In 4-seitigen Großberichten, die jedes Detail der Festnahmen in einen Knüller zu verwandeln suchten, ('Wie Baader schrie - und warum alle drei nackt waren' / 'Meins kapituliert in der Unterhose' - so BILD) wurden diese Nachrichten zum Staatsereignis Nr.1 hochgespielt.

WESHALB DIESE BEWUSST INSZENIERTE HSYSTERIE?

Mit den Erfolgsmeldungen über die Festnahmen von Baader, Meins, Raspe und Meinhof sollen die bundesweiten spektakulären Verfolgungsmaßnahmen gerechtfertigt, die Bevölkerung auf weitere Polizeiaktionen vorbereitet werden. Die Öffentlichkeit soll sich an den Anblick von mit Maschinenpistolen bewaffneten Polizisten, an Straßenkontrollen, Durchsuchungen von PKW's etc. gewöhnen.

Die Bombendrohungen und Anschläge der letzten Wochen haben tatsächlich Verwirrung und Entsetzen unter der Bevölkerung hervorgerufen. Wir Kommunisten verurteilen solche Anschläge wie den Bombenanschlag auf das Springerhaus (vgl. Hamburg – 19.5.S5f*.1972,d.Vf.), durch den zahlreiche Kollegen verletzt wurden. Wer den Kollegen neben die Maschine oder den Schreibtisch Bomben legt, wer - wie in Stuttgart (vgl. S6.*.1972,d.Vf.) - Bombendrohungen gegen die gesamte Bevölkerung ankündigt, verhöhnt mit dieser Tat offensichtlich das vorgegebene Ziel: die Gesellschaft von Ausbeutung und Unterdrückung zu befreien. Diese Taten haben objektiv den Charakter einer faschistischen Provokation: sie bieten dem Staatsapparat den gewünschten Anlaß, weitere Unterdrückungsmaßnahmen gegenüber der Arbeiterklasse und ihrer revolutionären Vorhut, der Kommunistischen Partei, vorzubereiten.

Angesichts der systematischen Verfälschungen in der offiziellen Berichterstattung über die sog. Baader-Meinhof-Bande bleibt die Frage vorerst offen, wer tatsächlich für die letzten Bombenanschläge und -drohungen verantwortlich ist (Was die Stuttgarter Bombendrohungen betrifft, mußte das Bundeskriminalamt (BKA,d.Vf.) inzwischen seine Behauptung zurücknehmen, daß die 'Rote Armee Fraktion' dafür verantwortlich zeichnet.)

Klar ist auch, daß die 'Rote Armee Fraktion' mit ihrer geheimbündlerischen und putschistischen Theorie und Praxis solchen Verfälschungen Vorschub leistet.

Da ihre Aktionen nicht mehr erkennen lassen, gegen welchen Gegner sie sich eigentlich richten, kann es der Polizei umso leichter gelingen, faschistische Provokationen in Zusammenhang mit dem Baader-Meinhof-Phantom zu stellen: der Übergang dieser Aktionen zur faschistischen Provokation erscheint fließend.

Damit hat die 'Rote-Armee-Fraktion' ihre Isolierung und Kriminalisierung selbst vorbereiten helfen. Wir Kommunisten wissen, daß die Bourgeoisie immer versuchen wird, die revolutionären Kräfte zu kriminalisieren. Wir wissen aber auch, daß das Instrument der Kriminalisierung stumpf wird, wenn die Massen erkennen, daß für ihre Sache gekämpft wird, wenn der Kampf von den Massen getragen wird. Die Verbindung mit den Massen ist deshalb der Garant dafür, daß der Versuch, die revolutionären Kräfte zu kriminalisieren, fehlschlägt.

KAMPF DER ILLEGALISIERUNG SOZIALISTISCHER UND KOMMUNISTISCHER ORGANISATIONEN!
KAMPF DEM ABBAU DER DEMOKRATISCHEN RECHTE DES VOLKES! AUFLÖSUNG DES BUNDESGRENZSCHUTZES (BGS,d.Vf.)! KEINE MILITARISIERUNG DER POLIZEI!

Die SPD-Regierung kann zufrieden sein. Mit Hilfe der 'Jagd auf die Baader-Meinhof-Bande' ist es ihr gelungen, die Schlagkraft der Geheimdienst- und Polizeiapparate zu erhöhen, die Zentralisierung der Polizei voranzutreiben. Bundesweite Fahndungsaktionen, Massenkontrollen von PKW's und Durchkämmen ganzer Viertel sind polizeiliche Übungen, die ohne die Begründung der Suche nach Baader-Meinhof auf wesentlich stärkere Empörung und Widerstand bei der Bevölkerung gestoßen wären. Wir wissen - all dies dient der Vorbereitung auf die Zerschlagung von Kämpfen der Massen, ihr eigentliches Ziel ist nicht die Zerschlagung des Terrorismus von selbsternannten Rotarmisten. Das Etappenziel, das sich die SPD-Regierung setzte im Ausbau des Unterdrückungsapparates ist vorerst erreicht.

Noch vor der Sommerpause des Bundestages will die SPD/FDP-Regierung 4 Gesetze durchbringen, die den Ausbau des staatlichen Unterdrückungsapparates absichern (vgl. 22.6.1972).

Wenn die Polizei vor einigen Tagen 10 Studenten in Bochum mit vorgehaltener Maschinenpistole verhaftet, weil angeblich irgendwelche Beziehungen zur Baader-Meinhof-Gruppe bestehen sollen (vgl. 12.6.1972,d.Vf.), wenn in Köln (vgl. 12.6.1972,d.Vf.) ein Student mit derselben Begründung verhaftet und gezielt nach der KPD und dem Kommunistischen Studentenverband (KSV,d.Vf.) 'befragt' wird, dann zeigt der Staatsapparat mit aller Deutlichkeit, was sich hinter dem Kampf gegen 'Kriminelle' und 'Terroristen' verbirgt: der verschärfte Kampf gegen kommunistische Organisationen, der beständige Abbau der demokratischen Rechte des Volkes, immer offenere Angriffe auf alle fortschrittlichen Menschen, Demokraten und Kommunisten."
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Westfalenhütte Nr.14,Dortmund 22.6.1972

13.09.1974:
Manfred Funke (vgl. Nov. 1977) berichtet vom linken Terrorismus in der 'BRD' (vgl. Berlin 10.9.1974, Wittlich 9.11.1974) über den Beginn des Hungerstreiks von Holger Meins in der JVA Wittlich.
Quelle: Funke, Manfred:Terrorismus,Bonn 1977,S.338

30.09.1974:
In der JVA Wittlich beginnt, laut Ortsgruppe (OG) Dortmund der Roten Hilfe (RH) e.V. der KPD (vgl. 10.11.1974, 11.11.1974, 15.11.1974), im Rahmen des Hungerstreiks der Gefangenen u.a. aus der RAF (vgl. 13.9.1974), die künstliche Ernährung von Holger Meins (vgl. 24.10.1974):"
An Händen und am Hals angeschnallt auf einer Pritsche wurde ihm vom Anstaltsarzt ein Schlauch in die Speiseröhre geschoben und Brühe eingetrichtert."
Q: RH e.V.-OG Dortmund:Holger Meins - im Gefängnis ermordet!,Dortmund o.J. (Nov. 1974),S.1; RH e.V.-OG Dortmund:Verhindert weitere Morde an politischen Gefangenen! Version A und B,Dortmund o.J. (Nov. 1974),S.1

28.10.1974:
Die Ortsgruppe (OG) Dortmund der Roten Hilfe (RH) e.V. der KPD gibt vermutlich in dieser Woche ein Flugblatt heraus, in dem es u.a. heißt:"
SOLIDARITÄT MIT DEM HUNGERSTREIK DER POLITISCHEN GEFANGENEN
FREITAG, SAMSTAG, SONNTAG
UNTERSTÜTZT DEN SOLIDARITÄTSHUNGERSTREIK
WEG MIT DER ISOLATIONSFOLTER

Arbeiter, Werktätige, Schüler und Studenten!

Seit dem 13.9.1974 - seit über sechs Wochen - sind mehr als 50 politische Gefangene in der BRD in einen unbefristeten Hungerstreik getreten. Sie sind in einen Hungerstreik auf Leben und Tod getreten, um gegen ihre systematische Vernichtung durch die Isolationsfolter zu protestieren. Einige Gefangene werden seit mehr als einer Woche zwangsernährt. Bei dieser Zwangsernährung werden die Gefangenen festgeschnallt und ihnen wird ein Schlauch in die Speiseröhre hineingewürgt. Dabei werden sie noch zusätzlich gequält und es werden ihnen Verletzungen beigebracht. Bei Andreas Baader wurde die Speiseröhre so verletzt, daß er Blut spucken mußte. Holger Meins wurden bei dieser Prozedur drei Zähne ausgebrochen.

Dem Gefangenen Ronald Augustin wurde das Trinkwasser entzogen (vgl. S2.**.1974,d.Vf.), was innerhalb weniger Tage zum Tode führt.

Die Solidarität der anderen politischen Gefangenen, die daraufhin ebenfalls die Wasseraufnahme verweigerten, zwangen den Justizapparat diese barbarische Maßnahme wieder rückgängig zu machen.

SCHLUSS MIT DER ISOLATIONSFOLTER"
Q: RH e.V.-OG Dortmund:Solidarität mit dem Hungerstreik der politischen Gefangenen,Dortmund o.J. (1974)

09.11.1974:
In der JVA Wittlich stirbt Holger Meins im Verlauf des Hungerstreiks der Gefangenen aus der RAF.

Manfred Funke (vgl. Nov. 1977) berichtet vom linken Terrorismus in der 'BRD' (vgl. Wittlich 13.9.1974, 9.11.1974) aus Wittlich:"
Gegen 17 Uhr verstirbt Holger MEINS, der sich seit dem 13.9.1974 im Hungerstreik befand."

Berichtet wird auch durch den KJV der KPD (vgl. 20.11.1974, 4.12.1974) und in:
- Berlin durch den Landesverband der RH der KPD/ML (vgl. 22.11.1974);
- NRW in Dortmund durch die Ortsleitung (OL) des KOV der KPD (vgl. 13.11.1974) und die Ortsgruppe (OG) der Roten Hilfe (RH) e.V. der KPD (vgl. 10.11.1974, 11.11.1974, 15.11.1974).
Q: RH e.V.-OG Dortmund:Holger Meins - im Gefängnis ermordet!,Dortmund o.J. (Nov. 1974),S.1f; Funke, Manfred:Terrorismus,Bonn 1977,S.338; Kämpfende Jugend Nr.21 und 22,Dortmund 20.11.1974 bzw. 4.12.1974,S.1 und 6f bzw. S.1f; KOV-OL Dortmund:Holger Meins im Gefängnis ermordet!,Dortmund o.J. (13.11.1974),S.1; RH e.V.-OG Dortmund:Verhindert weitere Morde an politischen Gefangenen! Version A und B,Dortmund o.J. (Nov. 1975),S.1f; Rote Fahne Nr.46,Dortmund 13.11.1974,S.*; Rote Hilfe Prozessinformationen zum Bäcker-, Mahler- und Meinhof-Prozeß Nr.4,Berlin o.J. (Nov. 1974),S.5

09.11.1974:
Manfred Funke (vgl. Nov. 1977) berichtet vom linken Terrorismus in der 'BRD' (vgl. Wittlich 9.11.1974, Berlin 10.11.1974) aus Berlin und anderen Orten von heute und den folgenden beiden Tagen:"
Wegen des Todes von Holger MEINS kam es an verschiedenen Orten der Bundesrepublik Deutschland zu insgesamt 50 Demonstrationen und Aktionen. Es wurde behauptet, Holger MEINS sei ermordet worden. Brandanschläge gegen das Landgericht Bochum, 2 weitere gegen das Landgericht Frankfurt/Main. Zahlreiche Sachbeschädigungen an öffentlichen Gebäuden und Fahrzeugen in Berlin, Stuttgart und Mannheim, außerdem etwa 50 Farbschmierereien an Gebäuden."

Berichtet wird auch in:
- Bayern durch die RSF des AB (vgl. 9.12.1974).
- Berlin durch die KABB (vgl. Dez. 1974).
Q: Roter Weg Tod eines Anarchisten und Tod eines Richters – beides nützt der Reaktion,München o. J.; Funke, Manfred:Terrorismus,Bonn 1977,S.338; Berliner Arbeiter Zeitung Nr.7,Berlin Dez. 1974,S.1f und 12

09.11.1974:
Manfred Funke (vgl. Nov. 1977) berichtet vom linken Terrorismus in der 'BRD' (vgl. Wittlich 9.11.1974, Berlin 10.11.1974) aus Berlin und anderen Orten von heute und den folgenden beiden Tagen:"
Wegen des Todes von Holger MEINS kam es an verschiedenen Orten der Bundesrepublik Deutschland zu insgesamt 50 Demonstrationen und Aktionen. Es wurde behauptet, Holger MEINS sei ermordet worden. Brandanschläge gegen das Landgericht Bochum, 2 weitere gegen das Landgericht Frankfurt/Main. Zahlreiche Sachbeschädigungen an öffentlichen Gebäuden und Fahrzeugen in Berlin, Stuttgart und Mannheim, außerdem etwa 50 Farbschmierereien an Gebäuden."
Q: Funke, Manfred:Terrorismus,Bonn 1977,S.338

09.11.1974:
Die Gruppe Arbeiterstimme (vgl. 1.9.1975) berichtet aus der LgdI Ortsgruppe Nürnberg (vgl. Okt. 1974), dass bei deren heutigen Aktionen zum Tode von Holger Meins 20 Festnahmen erfolgten.
Q: Arbeiterstimme Nr.4,Nürnberg 1.9.1975

10.11.1974:
In Freiburg demonstrieren, laut und mit KBW, heute oder in den nächsten Tagen 600 Menschen gegen den Tod des RAF-Häftlings Holger Meins.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.24,Mannheim 14.11.1974,S.3

10.11.1974:
In Karlsruhe wird, laut und mit KPD, vermutlich heute gegen den Tod von H.Meins (RAF) in der JVA Wittlich in Rheinland-Pfalz (vgl. 9.11.1974) demonstriert.
Q: Rote Fahne Nr.46,Dortmund 13.11.1974

10.11.1974:
In Mannheim demonstrieren, laut und mit KBW (vgl. 14.11.1974), heute oder in den nächsten Tagen (vgl. 14.11.1974) 200 gegen den Tod des RAF-Häftlings Holger Meins.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.24,Mannheim 14.11.1974,S.3

10.11.1974:
In Stuttgart demonstrieren, laut und mit KPD, vermutlich heute mehrere hundert Personen gegen den Tod von H. Meins (RAF) in der JVA Wittlich in Rheinland-Pfalz (vgl. 9.11.1974). Laut und mit KBW demonstrieren heute oder in den nächsten Tagen 150 gegen den Tod von Holger Meins.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.24,Mannheim 14.11.1974,S.3;
Rote Fahne Nr.46,Dortmund 13.11.1974

10.11.1974:
In Frankfurt findet, laut und mit KPD/ML, eine Demonstration zur Unterstützung des RAF-Hungerstreik mit 1 000 Leuten statt (vgl. 13.11.1974).

Laut und mit KPD demonstrieren 800 gegen den Tod von H. Meins (RAF) in der JVA Wittlich in Rheinland-Pfalz (vgl. 9.11.1974).
Q: Rote Fahne Nr.46,Dortmund 13.11.1974;
Roter Morgen Nr.47,Dortmund 23.11.1974

10.11.1974:
In Marburg wird, laut und mit KPD, vermutlich heute gegen den Tod von H. Meins (RAF) in der JVA Wittlich in Rheinland-Pfalz (vgl. 9.11.1974) demonstriert.
Q: Rote Fahne Nr.46,Dortmund 13.11.1974

10.11.1974:
In Bremen wird, laut und mit KPD, vermutlich heute gegen den Tod von H. Meins (RAF) in der JVA Wittlich in Rheinland-Pfalz (vgl. 9.11.1974) demonstriert. Laut KBW demonstrieren heute oder in den nächsten Tagen 500 Personen.
Q: Kommunistische Volkszeitung 24,Mannheim 14.11.1974,S.3;
Rote Fahne Nr.46,Dortmund 13.11.1974

10.11.1974:
In Braunschweig demonstrieren, laut und mit KBW, heute oder in den nächsten Tagen 100 bis 200 Menschen gegen den Tod des RAF-Häftlings Holger Meins.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.24,Mannheim 14.11.1974,S.3

10.11.1974:
In Hannover demonstrieren, laut und mit KBW, heute oder in den nächsten Tagen 150 Menschen gegen den Tod des RAF-Häftlings Holger Meins.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.24,Mannheim 14.11.1974,S.3

10.11.1974:
In Hildesheim demonstrieren, laut und mit KBW, heute oder in den nächsten Tagen 150 Menschen gegen den Tod des RAF-Häftlings Holger Meins.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.24,Mannheim 14.11.1974,S.3

10.11.1974:
In Hamburg wird, laut und mit KPD, vermutlich heute gegen den Tod von H. Meins (RAF) in der JVA Wittlich in Rheinland-Pfalz (vgl. 9.11.1974) demonstriert.
Laut KBW demonstrieren heute oder in den nächsten Tagen 900 Personen.
Q: Kommunistische Volkszeitung 24,Mannheim 14.11.1974,S.3;
Rote Fahne Nr.46,Dortmund 13.11.1974

10.11.1974:
In Kiel wird, laut und mit KPD, vermutlich heute gegen den Tod von H. Meins (RAF) in der JVA Wittlich in Rheinland-Pfalz (vgl. 9.11.1974) demonstriert.

Laut KBW demonstrieren heute oder in den nächsten Tagen 150 Personen.
Q: Kommunistische Volkszeitung 24,Mannheim 14.11.1974,S.3;
Rote Fahne Nr.46,Dortmund 13.11.1974

10.11.1974:
In Dortmund demonstrieren, laut und mit KPD, vermutlich heute mehrere hundert Personen gegen den Tod von H. Meins (RAF) in der JVA Wittlich in Rheinland-Pfalz (vgl. 9.11.1974).
Q: Rote Fahne Nr.46,Dortmund 13.11.1974

10.11.1974:
Die Ortsgruppe (OG) Dortmund der Roten Hilfe (RH) e.V. der KPD gibt vermutlich heute das folgende Flugblatt mit zwei Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von R. Pohl, Dortmund, Heroldstr.50, zum Tod von Holger Meins (RAF) in der JVA Wittlich (vgl. 9.11.1974) heraus:"
HOLGER MEINS - IM GEFÄNGNIS ERMORDET!

Seit zwei Jahren (vgl. S1.**.197*,d.Vf.) wird Holger Meins in Isolationshaft im Gefängnis Wittlich/Eifel gehalten. Wegen Sonderbehandlung
- Trennung von den anderen Gefangenen
- Aufbewahrung in abgesonderten, geräuschisolierten Trakts,
- Abschneidung von Kontakt mit der Außenwelt
sind rund 40 politische Gefangene vor acht Wochen (vgl. 13.9.1974,d.Vf.) in den Hungerstreik getreten.

Holger Meins wurde seit dem 30.9. künstlich ernährt:

An Händen und am Hals angeschnallt auf einer Pritsche wurde ihm vom Anstaltsarzt ein Schlauch in die Speiseröhre geschoben und Brühe eingetrichtert.

Obwohl seine Anwälte schon am 24.10. Strafanzeige gegen den verantwortlichen Anstaltsarzt Dr. Freitag erstattet haben, wurde die Zwangsernährung fortgesetzt.

SAMSTAG MORGEN LAG HOLGER MEINS IM STERBEN. DER ANWESENDE ANWALT FORDERTE, DASS ER IN EIN KRANKENHAUS VERLEGT WIRD UND BENACHRICHTIGTE DIE BUNDESANWALTSCHAFT (BAW,d.Vf.).

Die Gefängnisleitung unternahm nichts, um das Leben von Holger Meins zu retten!

SIE LIESS IHN STERBEN! DAS IST MORD!

Warum gehen diese Leute im Auftrage der Bourgeoisie bis zur Vernichtung ihrer Feinde?

Die Bourgeoisie macht Jagd auf ihre politischen Gegner, sie scheut nicht vor Morden zurück: Bei der Verfolgung der RAF mobilisierte sie Polizei und Bundesgrenzschutz (BGS,d.Vf.). Maschinenpistolen wurden an jeden Polizisten verteilt. In Großeinsätzen wurden ganze Stadtviertel umstellt und durchkämmt.

Petra Schelm (vgl. Hamburg - 15.7.1971,d.Vf.), Georg von Rauch (vgl. Berlin - 4.12.1971,d.Vf.), Ian Mc Leod (vgl. Stuttgart - 25.6.1972,d.Vf.) wurden die Opfer dieser Jagd. Inzwischen wurde die Polizei weiter aufgerüstet, spezielle 'Mobile Einsatzkommandos' (MEK,d.Vf.) geschaffen.

Die Bilanz der letzten Monate:
- H.J. Remizko (vgl. 17.7.1974,d.Vf.), ein Mannheimer Arbeiter, wurde von Zivilpolizisten bei einer einfachen Ausweiskontrolle erschossen
- G. Jendrian (vgl. München - 24.5.1974,d.Vf.), der verdächtigt wurde, mit der RAF zu sympathisieren, wurde in seinem Zimmer von Schußgarben eines Mobilen Einsatzkommandos zerfetzt.

Kollegen, laßt Euch nicht weismachen, daß die Bourgeoisie gegen Kriminelle rüstet, daß Polizeimanöver, Isolationshaft, Schauprozesse mit Terrorurteilen Eurem Schutz dienen sollen!

In Duisburg wurde der kommunistische Arbeiter Günther Routhier (vgl. 18.6.1974,d.Vf.) von der Polizei im Gerichtssaal erschlagen, er protestierte gegen die Bestätigung einer Kündigung (bei Mannesmann, IGM-Bereich - vgl. 5.6.1974,d.V f.) durch das Arbeitsgericht.

So geht die Kapitalistenklasse vor:
Störst Du den 'Betriebsfrieden', so fliegst Du raus.

Beteiligst Du Dich am Streik und läßt Dich dabei von Geschäftsleitung, Meistern und Gewerkschaftsbonzen nicht zurückhalten, kommt die Polizei.

Ziehst Du daraus den Schluß, daß dieser Staat nicht Deine Interessen vertritt, organisierst Du den Widerstand, dann tritt die Polizei und die Justiz massiv auf den Plan:

Uwe Maack, Opel-Arbeiter (IGM-Bereich in Bochum - vgl. 28.10.1974,d.Vf.), und Martin Thomas, Philips-Arbeiter (IGM-Bereich in Aachen - vgl. 31.8.1973,d.Vf.), werden wegen 'Rädelsführerschaft' beim Streik im letzten Jahr vor Gericht gestellt.

Gegen hunderte von Antiimperialisten laufen Prozesse. Fast keine Demonstration mehr ohne Polizeieinsatz.

Hetze, Einschüchterung, Aburteilung, Vernichtung - das ist die Stufenleiter der Bourgeoisie bei der Bekämpfung ihrer Gegner.

Aber mit jeder Verschärfung der Unterdrückung wächst der Widerstand. Und alle diejenigen, die noch daran gezweifelt haben, daß die herrschende Klasse wütend um sich schlägt, sehen an der Ermordung von Holger Meins, an den geplanten Morden von weiteren politischen Gefangenen, die im Hungerstreik stehen: Nicht Gerechtigkeit, sondern Unterdrückung regiert im Kapitalismus. Dagegen hilft nur die breite und entschlossene Solidarität der Volksmassen. Reih Dich ein, Kollege! Steh auf, um weitere Morde zu verhindern! Reiht Euch ein, Werktätige, Hausfrauen, Rentner, Schüler und Studenten! Die Mörder von Holger Meins sind Eure Feinde!

SCHLUSS MIT DER VERNICHTUNGSHAFT!
KEINE ZWANGSERNÄHRUNG!
FREIHEIT FÜR ALLE POLITISCHEN GEFANGENEN!
BESTRAFUNG DER VERANTWORTLICHEN FÜR DEN MORD AN HOLGER MEINS!
NIEDER MIT DEM KAPITALISMUS!
STÄRKT DIE KLASSENSOLIDARITÄT! SCHAFFT ROTE HILFE!"
Q: RH e.V.-OG Dortmund:Holger Meins - im Gefängnis ermordet!,Dortmund o.J. (Nov. 1974)

10.11.1974:
In Köln demonstrieren, laut und mit KPD, vermutlich heute mehrere hundert Personen gegen den Tod von H. Meins (RAF) in der JVA Wittlich in Rheinland-Pfalz (vgl. 9.11.1974).
Q: Rote Fahne Nr.46,Dortmund 13.11.1974

10.11.1974:
In Münster demonstrieren, laut und mit KPD, vermutlich heute mehrere hundert Personen gegen den Tod von H. Meins (RAF) in der JVA Wittlich in Rheinland-Pfalz (vgl. 9.11.1974).
Q: Rote Fahne Nr.46,Dortmund 13.11.1974

10.11.1974:
In Mainz demonstrieren, laut und mit KBW, heute oder in den nächsten Tagen 90 Menschen gegen den Tod des RAF-Häftlings Holger Meins.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.24,Mannheim 14.11.1974,S.3

11.11.1974:
In Heidelberg findet, laut und mit KPD/ML, eine Demonstration gegen den Tod von Holger Meins und zur Unterstützung des RAF-Hungerstreik mit 500 bis 1 000 Leuten, laut und mit KBW (vgl. 14.11.1974), der sich beim Datum nicht festlegt, mit 600, statt.
Q: Roter Morgen Nr.47,Dortmund 23.11.1974;
Kommunistische Volkszeitung Nr.24,Mannheim 14.11.1974,S.3

11.11.1974:
In München findet, laut und mit KPD/ML, eine Kundgebung auf dem Stachus zur Unterstützung des RAF-Hungerstreik statt.

Laut KBW protestieren an ungenanntem Tage 300 Personen.
Q: Kommunistische Volkszeitung 24,Mannheim 14.11.1974,S.3;
Roter Morgen Nr.47,Dortmund 23.11.1974

11.11.1974:
In Berlin demonstrieren, laut und mit KPD/ML, mindestens 5 000 trotz Verbot zur Unterstützung des RAF-Hungerstreik (vgl. 14.11.1974). Laut und mit Spartacusbund (SpB) sind es 4 000 bis 5 000.

Laut KPD beteiligen sich über 5 000, u.a. von KPD, KBW und Rote Hilfe (RH) Stephanstraße an der verbotenen Demonstration.

Berichtet wird auch durch die Ortsleitung (OL) Dortmund des KOV der KPD (vgl. 13.11.1974), die allerdings von einer Aktion der 'Roten Hilfe', womit vermutlich die RH e.V. der KPD gemeint ist, spricht. Laut KBW demonstrieren an ungenanntem Tage 4 000 bis 6 000 Personen.
Q: Kommunistische Volkszeitung 24,Mannheim 14.11.1974,S.3;
KOV-OL Dortmund:Holger Meins im Gefängnis ermordet!,Dortmund o.J. (13.11.1974),S.2;
Rote Fahne Nr.46,Dortmund 13.11.1974;
Spartacus Nr.11,Essen Dez. 1974;
Roter Morgen Nr.47,Dortmund 23.11.1974

11.11.1974:
In Darmstadt demonstrieren, laut und mit KBW (vgl. 14.11.1974), heute oder in den nächsten Tagen 180 gegen den Tod von Holger Meins.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.24,Mannheim 14.11.1974,S.3

11.11.1974:
In Bochum findet, laut und mit KPD/ML, eine Kundgebung zur Unterstützung des RAF-Hungerstreik mit rund 150 Leuten statt (vgl. 13.11.1974).

Laut und mit KPD demonstrieren 150 Personen vor der JVA gegen den Tod von H. Meins (RAF) in der JVA Wittlich in Rheinland-Pfalz (vgl. 9.11.1974). Laut KBW protestieren an ungenanntem Tage 100 Personen.
Q: Kommunistische Volkszeitung 24,Mannheim 14.11.1974,S.3;
Rote Fahne Nr.46,Dortmund 13.11.1974;
Roter Morgen Nr.47,Dortmund 23.11.1974

11.11.1974:
Vermutlich die Ortsgruppe Dortmund der Roten Hilfe (RH) e.V. der KPD gibt vermutlich heute oder morgen das folgende Flugblatt mit zwei Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von R. Pohl, Dortmund, Heroldstr.50, heraus zum Tod von Holger Meins (vgl. 9.11.1974) in der JVA Wittlich im Rahmen des RAF-Hungerstreiks heraus, das sich streckenweise an einem früheren Flugblatt der OG Dortmund (vgl. 10.11.1974) orientiert und auch später (vgl. 15.11.1974) noch einmal leicht verändert verbreitet wird (Textunterschiede von uns in Klammern als V2: angegeben):"
VERHINDERT WEITERE MORDE AN POLITISCHEN GEFANGENEN!

Seit zwei Jahren (vgl. S1.**.197*,d.Vf.) werden Holger Meins und andere der rund 40 politischen Gefangenen in Isolationshaft im Gefängnis gehalten. Wegen Sonderbehandlung, d.h. Trennung von den anderen Gefangenen, Aufbewahrung in abgesonderten, geräuschisolierten Trakts und Abschneidung vom Kontakt mit der Außenwelt, sind alle politischen Gefangenen vor acht Wochen (vgl. 13.9.1974,d.Vf.) in den Hungerstreik getreten. Sie setzten mit diesem Hungerstreik ihr Leben aufs Spiel, um den langsamen Tod durch Isolationsfolter zu verhindern.

DAS IST KEIN SELBSTMORD, SONDERN WIDERSTAND GEGEN MORD AUF RATEN!

Um diesen Widerstand zu brechen, wurde Holger Meins seit dem 30.9. zwangsernährt, wurde ihm vom Anstaltsarzt ein Schlauch in die Speiseröhre geschoben und Brühe eingetrichtert.

Obwohl seine Anwälte schon am 24.10. Strafanzeige gegen den verantwortlichen Anstaltsarzt, Dr. Freitag, erstattet haben, wurde die Zwangsernährung fortgesetzt.

SAMSTAG MORGEN LAG HOLGER MEINS IM STERBEN. DER ANWESENDE ANWALT FORDERTE, DASS ER IN EIN KRANKENHAUS VERLEGT WERDEN MÜSSE UND BENACHRICHTIGTE DIE BUNDESANWALTSCHAFT (BAW,d.Vf.). DIE GEFÄNGNISLEITUNG UND DIE ÄRZTE UNTERNAHMEN NICHTS, UM DAS LEBEN VON HOLGER MEINS ZU RETTEN.

SIE LIESSEN IHN STERBEN - DAS IST MORD!

In Bochum sitzt Lothar Gend in Untersuchungshaft. Er hat sich ebenfalls am Hungerstreik beteiligt. Darüber hinaus trat er am 4.11. in den Durststreik, weil ihm sogar der Besuch seines Verteidigers verweigert wurde. Nach einer Woche zwangen die entschlossene Haltung Lothar Gends und die Solidaritätsaktionen in Bochum die Justiz zum Nachgeben. Verweigert wird ihm auch die Untersuchung durch einen Arzt seines Vertrauens mit der zynischen Bemerkung, daß sein Gesundheitszustand nicht besorgniserregend sei und daß, obwohl er sich am Samstag zeitweise im Dämmerzustand befand und Sprechschwierigkeiten, Atembeschwerden und Kreislaufstörungen hatte.

Deshalb fordern wir:
SOFORTIGE VERLEGUNG IN EIN KRANKENHAUS UND HAFTENTLASSUNG!
ZULASSUNG EINER KOMMISSION (V2: Rote-Hilfe-Kommission,d.Vf.) ZUR UNTERSUCHUNG SEINES GESUNDHEITSZUSTANDES UND SEINER HAFTBEDINGUNGEN!

Ab hier folgt eine längere Passage aus dem Flugblatt vom 10.11.1974, und zwar von "Warum gehen die Justizminister, Richter ..." bis zu:"
HETZE, EINSCHÜCHTERUNG, ABURTEILUNG UND VERNICHTUNG - DAS IST DIE STUFENLEITER DER BOURGEOISIE BEI DER BEKÄMPFUNG IHRER GEGNER.

Dieselben Lakaien der herrschenden Klasse, die vor keinem Terror zurückschrecken, um die kapitalistische Ausbeuterordnung aufrechtzuerhalten, denen Menschenleben nichts bedeuten, geifern jetzt vor Entrüstung, weil der oberste Richter von Berlin von Attentätern erschossen worden ist (vgl. 10.11.1974,d.Vf.). Diesen Mann zu bedauern, der mitverantwortlich für die unmenschlichen Haftbedingungen ist, besteht nicht der geringste Anlaß. Wir weisen entschieden die Versuche der bürgerlichen Klassenjustiz zurück, sich mittels des Todes dieses Gerichtspräsidenten von ihren Verbrechen reinzuwaschen.

Die Rote Hilfe verurteilt solche individuellen Mordanschläge, da sie nicht Bestandteil des Kampfes der Volksmassen für den Sturz des kapitalistischen Staates sind. Nicht isolierte Aktionen Einzelner, sondern nur die bewaffnete Volksrevolution unter der Führung der Arbeiterklasse kann das kapitalistische System beseitigen. Und mit ihm den staatlichen Terror der Bourgeoisie.

Dieser Terror wird heute verschärft, um Euch, Arbeiter und Werktätige, vom Kampf für den Sozialismus abzuschrecken."

Es folgt der letzte Absatz des Flugblattes vom 10.11. ("Aber mit jeder Verschärfung ...") bis zu den Abschlußforderungen, von denen nur "Schafft Rote Hilfe!" fortgelassen wird. In Version zwei lautet die letzte Parole:" KLASSENSOLIDARITÄT FÜR DEN SOZIALISMUS!"

Aufgerufen wird (vgl. 13.11.1974):"
DEMONSTRATION MITTWOCH 17 Uhr in Bochum, Treffpunkt Husemannplatz".
Q: RH e.V.-OG Dortmund:Verhindert weitere Morde an politischen Gefangenen! Version A und B,Dortmund o.J. (Nov. 1974)

11.11.1974:
In Bielefeld finden, laut und mit KPD/ML, fünfmal Kundgebungen zur Unterstützung des RAF-Hungerstreiks mit rund 200 Leuten statt. Auch laut KPD wird in Bielefeld gegen den Tod von H. Meins (RAF) in der JVA Wittlich in Rheinland-Pfalz (vgl. 9.11.1974) demonstriert. Laut KBW protestieren an ungenanntem Tage 150 Personen.
Q: Kommunistische Volkszeitung 24,Mannheim 14.11.1974,S.3;
Rote Fahne Nr.46,Dortmund 13.11.1974;
Roter Morgen Nr.47,Dortmund 23.11.1974

12.11.1974:
Der Landesverband Westberlin der RH der KPD/ML (vgl. 22.11.1974) berichtet vom Bäcker-, Mahler- und Meinhof- bzw. RAF-Prozeß (vgl. 15.11.1974):"
Als letzten Dienstag, 12.11., die Öffentlichkeit zum dritten Mal ausgeschlossen wurde, weil sie eine Schweigeminute für den ermordeten Genossen H. Meins durchführte, war in Sekundenschnelle der ganze Zuschauerraum voll mit knüppelschwingenden Polizisten."
Q: Rote Hilfe Prozessinformationen zum Bäcker-, Mahler- und Meinhof-Prozeß Nr.4,Berlin o.J. (Nov. 1974),S.6

13.11.1974:
In Frankfurt findet, laut und mit KPD/ML, eine Demonstration zur Unterstützung des RAF-Hungerstreik mit 3 000 Leuten statt (vgl. 10.11.1974, 14.11.1974).
Q: Roter Morgen Nr.47,Dortmund 23.11.1974

13.11.1974:
In Bochum findet, laut und mit KPD/ML, eine Demonstration zur Unterstützung des RAF-Hungerstreik mit 700 Leuten statt (vgl. 11.11.1974). Zur Demonstration um 17 Uhr ab Husemannplatz riefen auch die Ortsleitung (OL) Dortmund des KOV der KPD (vgl. 13.11.1974) und die Ortsgruppe (OG) Dortmund der Roten Hilfe (RH) e.V. der KPD (vgl. 11.11.1974) auf.
Q: KOV-OL Dortmund:Holger Meins im Gefängnis ermordet!,Dortmund o.J. (13.11.1974),S.2;
RH e.V.-OG Dortmund:Verhindert weitere Morde an politischen Gefangenen! Version A,Dortmund o.J. (Nov. 1974),S.2;
Roter Morgen Nr.47,Dortmund 23.11.1974

13.11.1974:
Die Ortsleitung (OL) Dortmund des KOV der KPD kündigte heute für heute Kundgebungen zum RAF-Hungerstreik vor Schulen und in der Stadt an, demonstriert werden aber soll in Bochum.
Q: KOV-OL Dortmund:Holger Meins im Gefängnis ermordet!,Dortmund o.J. (13.11.1974),S.2

13.11.1974:
Die Ortsleitung (OL) Dortmund des KOV der KPD gibt vermutlich heute das folgende Flugblatt mit zwei Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Bodo Stöcklein, Dortmund, Oesterholzstr.70 heraus:"
HOLGER MEINS IM GEFÄNGNIS ERMORDET!

Holger Meins, politischer Gefangener im Gefängnis Wittlich/Eifel, starb am Samstag, 9.11.1974. Er war vor acht Wochen in den Hungerstreik getreten, um zu erreichen, daß die Isolierhaft gegen die politischen Gefangenen aufgehoben wird. Während der ganzen Zeit der gesundheitlichen Zerrüttung hat sich die Gefängnisleitung geweigert, die Isolierhaft aufzuheben, den Gefangenen in ein Krankenhaus zu verlegen oder ausreichend medizinisch zu versorgen – alle entsprechenden Anträge der Rechtsanwälte wurden abgelehnt!

Gegen die politischen Gefangenen in der BRD (80, davon sind 50 seit zwei Monaten im Hungerstreik) geht die Bourgeoisie und Klassenjustiz mit allen Mitteln vor, um sie körperlich und psychisch fertigzumachen: Isolierfolter, das heißt monatelange Einzelhaft, totale Isolierung von der Umwelt durch schalldichte Wände, ununterbrochene künstliche Beleuchtung, Einschaltung eines Heultons in unregelmäßigen Abständen: Das Resultat bezeichnet die medizinische Wissenschaft als 'sensorische Deprivation', im Klartext ist das fortschreitende psychische und körperliche Zerrüttung mit Todesfolgen. Dieser Tortur sind einige der Gefangenen seit drei Jahren ausgesetzt!

Von den verantwortlichen Justizministern und Gefängnisdirektoren wird die Isolierfolter verschärft durch Verbot der Gemeinschaftsveranstaltungen und Hofgang gemeinsam mit den anderen Gefangenen für die politischen Gefangenen, Besuchsverbote für Bekannte und Freunde, massive Behinderung der Rechtsanwälte der politischen Gefangenen und ständig praktizierte Beschneidung der Verteidigerrechte.

FREIHEIT FÜR ALLE POLITISCHEN GEFANGENEN!
SCHLUSS MIT FOLTER UND ISOLIERHAFT!

Die Justiz ist weder 'unabhängig' noch 'gerecht', sondern Bestandteil des kapitalistischen Staates, funktioniert genauso zur Unterdrückung der Arbeiterklasse:

- Die Morde der Polizeitruppen an dem kommunistischen Arbeiter Routhier (vgl. Duisburg - 18.6.1974,d.Vf.), dem Münchener Taxifahrer Jendrian (vgl. 24.5.1974,d.Vf.) und dem Mannheimer Arbeiter Hans-Jürgen Remizko (vgl. 17.7.1974,d.Vf.) sind Ausdruck der wachsenden Polizeiwillkür gegen das Volk, um ein Klima der Angst, Unsicherheit und des uneingeschränkten Schußwaffengebrauches der Polizisten zu schaffen.

- Die Prozesse gegen sechs Antifaschisten in Köln, die einen NPD-Stand im Arbeiterviertel Nippes abgeräumt haben (vgl. 17.11.1973, 4.11.1974,d.Vf.), zielen auf eine Verurteilung der Genossen als 'Kriminelle' und 'Geistesbehinderte' ab (sie sollen laut Gericht psychiatrisch untersucht werden!) - während die alten Nazis ungeschoren hohe Posten im Staatsapparat einnehmen.

- Der Arbeiter Hanns Marzini , KPD-Mitglied, wird seit über vier Wochen in Untersuchungshaft gehalten - er wurde aus einer Protestdemonstration gegen den Parteitag der neofaschistischen NPD in München (vgl. 12.10.1974,d.Vf.) heraus verhaftet, soll abgeschoben werden (er ist Österreicher) und flog aus seinem Betrieb bei Agfa (IGM-Bereich - vgl. 14.10.1974,d.Vf.)! Sofortige Freilassung des Genossen Hanns Marzini!

- Prozesse werden gegen einzelne Kommunisten eingeleitet unter Berufung auf Paragraphen wie den Staatsschutzparagraphen (übernommen aus dem Faschismus), kriminelle Vereinigung, Landfriedensbruch, Widerstand gegen die Staatsgewalt - so gegen die Verantwortlichen der 'Roten Fahne' (RF der KPD - vgl. S1.**.1974,d.Vf.) und der 'Rote Hilfe Zeitung' (der RH e.V. - vgl. S1.**.1974,d.Vf.), weil in den Zeitungen der Mord an dem Arbeiter Günther Routhier als 'staatlicher Terror' bezeichnet wurde!

Dieser Staat verteidigt das 'Recht' der Kapitalisten, die 'soziale Marktwirtschaft' der Horten, Krupp, Hoesch und Konsorten - sie schützen diese Ordnung durch Unterdrückung der Massen. Dazu brauchen sie Notstandsgesetze (NSG - vgl. 31.5.1968,d.Vf.), Gesinnungsurteile der Justiz und Gewaltinstrumente wie die 'Mobilen Einsatzkommandos' (MEK,d.Vf.) - sie haben Angst vor dem 'Notstand', daß die Arbeiter zur revolutionären Gegengewalt greifen und diesen Staat der Ungerechtigkeit, Ungleichheit und Unterdrückung zerschlagen!

Die Kapitalisten haben auch Grund zur Angst - denn die Wut der Arbeiter wächst, Wut über eine Million Arbeitslose im Winter und Preistreiberei, Wut über weniger Geld durch Lohnabschlüsse von nu 9% und 600 DM in der Stahlindustrie (STR der IGM - vgl. S2.**.1974,d.Vf.), ein 'Angebot' von 6% und 50 DM für die ÖTV (ÖDTR - vgl. S2.**.1974,d.Vf.)! Genauso, wie heute die Hetze gegen die RAF-Genossen genutzt wird, um den Staatsapparat aufzurüsten gegen die kämpfende Arbeiterklasse, so hat NRW-Weyer (Innenminister - FDP,d.Vf.) die 'Terroristen-und-Meuchelmörder-Hetze' nach dem Attentat auf israelische Olympia-Sportler (vgl. Fürstenfeldbruck - 6.9.1972,d.Vf.) dazu ausgenutzt, mit einem 17-Millionen-Sonderetat die Polizei aufzurüsten - um so gewappnet im September 1973 mit Polizeigewalt den Streik der Fordarbeiter in Köln (IGM-Bereich - vgl. 30.8.1973,d.Vf.) zu 'schlichten'.

DIE HETZE GEGEN DIE RAF - ABLENKUNGSMANÖVER DER BOURGEOISIE!

Schmidt, Genscher (SPD bzw. FDP,d.Vf.) und die Volksfeinde in der Regierung sprechen nicht mehr vom Tod von Holger Meins, dieser Mord der Klassenjustiz wird tunlichst verschwiegen - jetzt geht es ihnen darum, eine reaktionäre Volksgemeinschaft um die Ideologie der 'Rechtsstaatlichkeit' und 'wehrhaften Demokratie' aufzubauen - so hat die bayrische Landesregierung die Ermordung des Westberliner Kammergerichtspräsidenten Drenkmann (vgl. 10.11.1974,d.Vf.) zum Anlaß für eine Verschärfung des Demonstrationsrechts (vgl. S2.11.1974,d.Vf.) benutzt; werden Konsequenzen für die Debatte über 'Radikalengesetze' in dieser Woche im Bundestag (vgl. S2.11.1974,d.Vf*) angekündigt; Westberlins Innensenator Neubauer (SPD,d.Vf.) warnt vor 'jeder Form der Solidarisierung mit den Mördern' - und verbietet die Demonstration der 'Roten Hilfe' (RH e.V. der KPD - vgl. 11.11.1974,d.Vf.) gegen die Isolierfolter!

Die KPD kämpft gegen diesen Staat, gegen alle Formen der Unterdrückung der Werktätigen mit dem Ziel, die Ausbeuterordnung zu stürzen und die Arbeiterklasse an die Macht zu bringen - nur so können Folter, Unterdrückung, wirtschaftliches Elend dauerhaft beseitigt werden. Deshalb unterstützen wir auch den Kampf der RAF-Genossen gegen die Isolierfolter und gegen ihre Verurteilung.

Doch wir sind gegen den Mord an dem Kammergerichtspräsidenten Drenkmann - nicht, weil wir wie die Moralapostel der SPD über die 'Abscheulichkeit des Verbrechens' jammern, diese Heuchelei der Bourgeoisie soll vertuschen, das sie diejenigen sind, die täglich plündern - durch Lohnraub und Preistreiberei die Arbeiter bestehlen, daß sie täglich morden - durch Arbeitshetze, Betriebsunfälle, Berufskrankheiten hervorrufen - täglich reaktionäre, menschenfeindliche Gewalt. Dagegen setzen wir nicht die isolierten und individuellen Aktionen wie die RAF, sondern die revolutionäre Gewalt der Volksmassen - die gerecht ist, wie der Kampf des vietnamesischen Volkes zur Vertreibung der USA gerechte Gewalt war!

Die Bourgeoisie ist terroristisch gegen das Volk - deshalb sprechen wir ihnen das Recht ab, die zu verurteilen, die sich dagegen zur Wehr setzen - wie die Genossen der RAF.

NIEDER MIT DER KLASSENJUSTIZ!
KAMPF DEM STAATLICHEN TERROR DER SPD-REGIERUNG!
GEGEN MONOPOLDIKTATUR - FÜR VOLKSDEMOKRATIE - DIE ARBEITERKLASSE AN DIE MACHT!

Lothar Gendt, politischer Gefangener in Bochum, ist seit sechs Wochen ebenfalls im Hungerstreik gegen Isolationsfolter - er wird nicht ins Krankenhaus verlegt oder ärztlich behandelt.

SCHLUSS MIT DER ISOLATIONSOLTER! EINWEISUNG INS KRANKENHAUS!
TREFFEN DER ORTSGRUPPE der Roten Hilfe: Mo, 19 Uhr Haus Westerfeld (Osterholzstr./Ecke Roberstr.)
WERDET MITGLIED DER ROTEN HILFE!
KUNDGEBUNG: VOR DER SCHULE ODER IN DER STADT
DEMONSTRATION: HEUTE, BOCHUM 17 UHR HUSEMANNPLATZ!

Ortsleitung Dortmund des KOV: Di 16 - 19 Uhr, jederzeit im KOV-Büro"
Q: KOV-OL Dortmund:Holger Meins im Gefängnis ermordet!,Dortmund o.J. (13.11.1974)

14.11.1974:
In seiner heutigen 'KVZ' fordert der KBW zum Hungerstreik der RAF: "Der Hungerstreik der Häftlinge ist gerecht! Die Isolations- und Vernichtungshaft muß weg!". Joscha Schmierer betont, es gelte angesichts des Todes von Holger Meins nicht, nun Rache zu nehmen, sondern die Isolations- und Vernichtunghaft abzuschaffen.

Nachgedruckt wird der Artikel in:
- Niedersachsen bei Alcan Göttingen (vgl. 26.11.1974).
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.24,Mannheim 14.11.1974,S.3; Informationsblatt des Kommunistischen Bundes Westdeutschland für die Kollegen von Alcan Nr.8,Göttingen 26.11.1974,S.9

Goettingen-Alcan009


Ausriss: Die KPD/ML-ZK berichtet über die Demonstration anlässlich der Beerdigung von Holger Meins in Hamburg
Ausriss: Die KPD/ML-ZK berichtet über die Demonstration anlässlich der Beerdigung
von Holger Meins in Hamburg

15.11.1974:
Die Ortsgruppe (OG) Dortmund der Roten Hilfe (RH) e.V. der KPD gibt vermutlich gestern oder heute ein Flugblatt "Verhindert weitere Morde an politischen Gefangenen!" mit zwei Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von R.
Pohl, Dortmund, Heroldstr.50, heraus zum Tod von Holger Meins (vgl. 9.11.1974) in der JVA Wittlich im Rahmen des RAF-Hungerstreiks, das fast identisch mit einem bzw. zwei früheren Flugblättern der OG Dortmund (vgl. 10.11.1974, 11.11.1974) ist und lediglich zu anderen Aktionen aufruft (vgl. 16.11.1974, 19.11.1974).
Q: RH e.V.-OG Dortmund:Verhindert weitere Morde an politischen Gefangenen! Version B,Dortmund o.J. (Nov. 1974)

18.11.1974:
In Berlin findet, laut KPD, vermutlich heute eine Demonstration anläßlich der Beerdigung von Holger Meins (RAF) in Hamburg statt.
Q: Rote Fahne Nr.47,Dortmund 20.11.1974

18.11.1974:
In Hamburg beteiligen sich, laut und mit KPD, 3 000 an der Demonstration anläßlich der Beerdigung von Holger Meins (RAF).
Q: Rote Fahne Nr.47 und 48,Dortmund 20.11.1974 bzw. 27.11.1974

19.11.1974:
Der Landesverband Westberlin der RH der KPD/ML (vgl. 22.11.1974) berichtet vom RAF-Prozeß gegen Bäcker, Mahler und Meinhof (vgl. 15.11.1974, 24.11.1974) evtl. von heute:"
ERKLÄRUNG DES GENOSSEN HORST MAHLER
...
Um ihre Machtposition nicht zu verlieren, ist die herrschende Klasse gezwungen, Tag für Tag von Neuem Gewalt anzuwenden:
...
Um jeglichen Widerstand zu brechen, werden Justiz- und Polizeiapparat sowie Bundesgrenzschutz (BGS,d.Vf.) in voller Stärke eingesetzt.

In diesem Zusammenhang ist auch der Baader-Meinhof-Prozeß zu sehen, er soll für die Bevölkerung als abschreckendes Beispiel dienen, soll aufzeigen, was mit den Leuten passiert, die es wagen sollten, sich gegen das Unterdrückersystem zu wehren!
(gerade auch der Mord an Holger Meins (vgl. Wittlich - 9.11.1974,d.Vf.) ist ein treffendes Beispiel dafür, wieweit der Staatsapparat mit seinen unterdrückenden Maßnahmen geht).

Aber je größer die Gewalt der Kapitalisten und ihrer Helfershelfer, desto größer der Wille zum Widerstand. Gegen den räuberischen Willen der Ausbeuterklassen setzt das Volk seinen eigenen unbeugsamen Willen zur Beendigung der Unterdrückung. Der Wille des Räubers ist Unrecht - auch wenn er sich die Gestalt des Gesetzes gibt; der Wille zur Beendigung der Unterdrückung ist Recht - auch wenn er in Fesseln geschlagen ist und als 'kriminell' gebrandmarkt wird.

Die Beendigung der Unterdrückung des Volkes kann nur geschehen durch die revolutionäre Gewalt desselben, denn gegen das gewaltige Unrecht der Ausbeuter kann sich das Recht des Volkes nur gewaltsam durchsetzen.

- ROTFRONT!!! -"
Q: Rote Hilfe Prozessinformationen zum Bäcker-, Mahler- und Meinhof-Prozeß Nr.4,Berlin o.J. (Nov. 1974),S.1ff

20.11.1974:
Der Kommunistische Jugendverband (KJV) der KPD gibt die Nr.21 seiner 'Kämpfenden Jugend' (KJ - vgl. 6.11.1974, 4.12.1974) mit dem Leitartikel "Mord an Holger Meins" heraus, in dem auch berichtet wird von der Demonstration in Berlin.
Q: Kämpfende Jugend Nr.21,Dortmund 20.11.1974,S.1 und 6f

KJV548
KJV549

KJV558
KJV559

KJV560


22.11.1974:
In Frankfurt-Höchst findet eine Veranstaltung der KPD/ML zum Tod von Holger Meins im Rahmen des RAF-Hungerstreiks statt.
Q: Roter Morgen Nr.47,Dortmund 23.11.1974

Dezember 1974:
Es erscheint auf Dezember datiert die Nr. 7 der 'Berliner Arbeiter Zeitung' (BAZ - vgl. Nov. 1973, Dez. 1974) der Kommunistischen Arbeiterbasisgruppen Berlin (KABB) mit einem Leitartikel "Auf die Massen bauen – den Kampf beginnen" zum Tod von Holger Meins (vgl. 9.11.1974), wobei zur RAF auch ein Artikel aus der 'Wir wollen alles' (WWA) Nr. 19 vom August 1974 übernommen wird.
Q: Berliner Arbeiter Zeitung Nr.7,Berlin Dez. 1974,S.1f und 12

Berlin-SDA169
Berlin-SDA170

Berlin-SDA171
Berlin-SDA172


04.12.1974:
Der Kommunistische Jugendverband (KJV) der KPD gibt die Nr.22 seiner 'Kämpfenden Jugend' (KJ - vgl. 20.11.1974, 18.12.1974) mit dem Leitartikel "Der Staatsapparat rüstet gegen das Volk! Polizeiüberfälle sollen die Stimmung anheizen!" heraus, in dem auch berichtet wird vom 'Mord' an Holger Meins und dessen Beerdigung und zur Solidarität mit dem Hungerstreik der Gefangenen aus der RAF aufgerufen wird.
Q: Kämpfende Jugend Nr.22,Dortmund 4.12.1974,S.1f

KJV564
KJV565

KJV566
KJV567


05.12.1974:
In seiner heutigen 'KVZ' veröffentlicht der KBW zur RAF einen Artikel von Joscha Schmierer, "Einige Fragen, über die wir Klarheit schaffen müssen", in dem es zur KPD u.a. heißt:"
In ihrer Unfähigkeit , an die Fragen des Klassenkampfes nüchtern und vom Standpunkt der Arbeiterklasse, d.h. ausgehend von Interessen und Zwecken heranzugehen, erledigt die Gruppe Rote Fahne (KPD) die Frage von gerecht und ungerecht unter der Hand. Sie spricht von der 'Ermordung von Holger Meins'und von der 'Erschießung von Richter Drenkmann' Damit löst sie tatsächlich die Aufgabe der Agitation nicht, nämlich den völlig gegensätzlichen Charakter des Todes von Holger Meins und des Richters von Drenkmann herauszuarbeiten".
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.27,Mannheim 5.12.1974,S.8f

Februar 1975:
Die SAG gibt ihren 'Klassenkampf' Nr.44 (vgl. Jan. 1975, März 1975) heraus. Aus Berlin wird u.a. berichtet über Holger Meins.
Q: Klassenkampf Nr.44,Frankfurt Feb. 1975

03.02.1975:
Es erscheint die 'Marxistische Studentenzeitung' (MSZ - 5.12.1974, 2.5.1975) Nr. 2 als Hochschulzeitung der Arbeitskonferenz für die BRD und Westberlin. Eingegangen wird u.a. auf Holger Meins.
Q: Marxistische Studentenzeitung Nr.3,München 3.2.1975

26.06.1975:
Der KBW gibt seine 'KVZ' Nr.25 (vgl. 19.6.1975, 3.7.1975) heraus. Der Sekretär der Ortsgruppe Frankfurt des KBW, Gerd Koenen, wurde von einem Frankfurter Schöffengericht wegen der Unterzeichnung des Flugblatts zum Tode von Holger Meins (RAF), "Der Hungerstreik der Politischen Gefangenen muß unterstützt werden" zu 1 800 DM Geldstrafe, ersatzweise 90 Tagen Haft, verurteilt.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.25,Mannheim 26.6.1975

08.05.1976:
In der JVA Stuttgart-Stammheim stirbt in der Nacht von heute auf morgen Ulrike Marie Meinhof (RAF). Die KPD/ML berichtet:"
TOD NACH JAHRELANGER ISOLATIONSHAFT
...
Dazu all die Schikanen, die Verweigerung ärztlicher Hilfe, Mißhandlungen durch Wärter und Aufsichtsbeamte, Fesselung usw. Darin sind die Ursachen für den Tod von Ulrike zu sehen. Nicht ohne Grund wird man den Leichnam von Ulrike an einen geheimen Ort gebracht und unabhängige Ärzte von der Obduktion ausgeschlossen haben. Wer die Bilder des toten Holger Meins (vgl. **.**.197*,d.Vf.) gesehen hat, zum Skelett abgemagert, von den Spuren der Vernichtungshaft gezeichnet, kann sich denken, warum."
Verbreitet wird dieser Text von der KPD/ML u.a. in NRW bei Opel Bochum (IGM- Bereich - vgl. 21.6.1976).
Q: Zündkerze Nr.4,Bochum Juni 1976,S.7

Letzte Änderungen: 4.1.2010

Valid HTML 4.01!   Valid CSS!


[ Zum Seitenanfang ]  [ Zur Hauptübersicht der Datenbank MAO ]