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Landkreis Wesermarsch

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 14.12.2007

Freies Landvolk - Zeitung der Revolutionären Landvolkbewegung Aus dem Landkreis Wesermarsch, zu dem bisher weitere Darstellungen zu Nordenham und VFW Lemwerder vorliegen, wurde kein lokales Material, welches von der KBW-Zelle Brake teilweise vorlag, ausgewertet.

Aus Brake wird in dieser wie immer unvollständigen Darstellung so nur anfänglich berichtet (vgl. 8.1.1970, Apr. 1970), wobei auch die Lotsen dort angesiedelt sein könnten (vgl. 13.2.1971), aus Elsfleth beteiligen sich Seefahrtsstudenten am Protest (vgl. 1.12.1971). Während die KJO Spartacus vermittels ihrer Anhänger aus Delmenhorst im Landkreis Wesermarsch arbeitet (vgl. Jan. 1973), wird die KPD/ML nicht zuletzt unter den Bauern aktiv (vgl. 4.8.1973).

Beherrschendes Thema dieses Textes aber ist das Atomkraftwerk Esenshamm, von dem hier zunächst die KPD berichtet (vgl. 7.11.1973), aber auch die in Geesthacht vom AKW Krümmel bedrohte DKP (vgl. 4.4.1977). Zum Streit kommt es dann scheinbar innerhalb der AKW-Gegner über die Prioritäten der Aktionen in Grohnde (vgl. 13.6.1977) oder in Esenshamm (vgl. 16.6.1977) oder auch in Kalkar (vgl. 17.7.1977) bzw. Esenshamm (vgl. 31.7.1977). Der Protest aber kann die Inbetriebnahme nicht verhindern (vgl. 6.8.1977). Innerhalb der Protestbewegung hat vermutlich der KB Sympathien gewonnen bei späteren Mitgliedern (vgl. Jan. 1980).



Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

08.01.1970:
Die DKP bringt die Nr.1/2 ihrer 'Unsere Zeit' (UZ - vgl. 24.12.1969, 15.1.1970) heraus und berichtet u.a. aus Brake.
=Unsere Zeit Nr.1/2,Essen 8.1.1970

April 1970:
In Bremerhaven gibt das SALZ die Nr.3 seiner 'SALZ-Korrespondenz' (vgl. Feb. 1970, Mai 1970) heraus, die berichtet, regionale Kooperation betreibe man mit Gruppen u.a. in Brake.
=SALZ-Korrespondenz Nr.3,Bremerhaven Apr. 1970

18.04.1970:
Die DKP bringt die Nr.16 ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) heraus (vgl. 11.4.1970, 25.4.1970) und berichtet u.a. von Rehau Plastiks (CPK-Bereich - insg. 5 000 Besch.) u.a. in einem Brake, welches entweder in Niedersachsen oder NRW liegen könnte.
=Unsere Zeit Nr.16,Essen 18.4.1970

23.05.1970:
Die DKP bringt die Nr.21 ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) heraus (vgl. 16.5.1970, 30.5.1970) und berichtet u.a. aus der Wesermarsch.
=Unsere Zeit Nr.21,Essen 23.5.1970

13.02.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet:"
LOTSENSTREIK

Am Samstag haben die Lotsen in Hamburg, Bremen, Bremerhaven und Jade (in Niedersachsen,d.Vf.) die Arbeit niedergelegt. Sie wollten damit ihrer Forderung nach Lohnerhöhung und Arbeitszeitverkürzung Nachdruck verleihen.

Die Lotsen fordern eine Erhöhung der Heuern um 15% und eine Arbeitszeitverkürzung um 4 Stunden; (die Lotsen verdienen zur Zeit im Durchschnitt 3 000 Mark und haben eine Wochenarbeitszeit von 61,5 Stunden). Das Bundesverkehrsministerium, das die Heuern für die Lotsen aushandelt, hatte zunächst 8% angeboten, dann 10,4% und eine Arbeitszeitverkürzung um 1 1/2 Stunden. Daraufhin hatten die Lotsen beschlossen, am Samstag die Arbeit niederzulegen. Sie forderten in Versammlungen die Lotsenbrüderschaften auf, neue Verhandlungen mit dem Bundesverkehrsministerium zu führen. Die Lotsen sind freie Gewerbetreibende und nicht in Gewerkschaften, sondern in Brüderschaften organisiert. Gerd Wichmann von der Lotsenbrüderschaft erklärte zu der Arbeitsniederlegung, 'Das ist kein Streik'."
=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.13,Bochum 17.2.1971,S.8

01.12.1971:
In Bremen demonstrieren, laut KBB, über 3 000 Studenten aus Bremen, Elsfleth, Oldenburg und Wilhelmshaven sowie Schüler und Fachoberschüler aus Bremen gegen das HRG.
=Kommunistische Arbeiter Korrespondenz Nr.10,Bremen o.J.

20.11.1972:
Die KPD/ML-ZK gibt den 'Roten Morgen' Nr.23 (vgl. 6.11.1972, 4.12.1972) heraus. Spenden gingen u.a. ein von Genossen aus Schwei.
=Roter Morgen Nr.23,Hamburg 20.11.1972

Januar 1973:
Vermutlich im Januar wird ein Dreimonatsbericht Sept./Okt./Nov. der Ortsgruppe Bremen/Delmenhorst der KJO Spartacus verfaßt. Im DGB KJA Delmenhorst/Wesermarsch habe man 2 Mitglieder und mehrere Sympathisanten.
=KJO Spartacus-OG Bremen/Delmenhorst:Drei-Monatsbericht Sept-Oct.-Nov.72,o.O. o.J.

04.08.1973:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr.30 (vgl. 28.7.1973, 11.8.1973) heraus. Aus Niedersachsen wird berichtet aus dem Landkreis Wesermarsch über die Bauern und die Kreisbauernvereinigung (KBV).
=Roter Morgen Nr.30,Dortmund 4.8.1973

07.11.1973:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' Nr.45 (vgl. 31.10.1973, 14.11.1973) heraus. Aus Bremen wird berichtet vom Disziplinarverfahren gegen den Physikprofessor Jens Scheer, der sich u.a. gegen das AKW Esenshamm in Niedersachsen wandte.
=Rote Fahne Nr.45,Dortmund 7.11.1973

Juli 1976:
Das Olympiawerk Schwei (218 Besch.) wird, laut SAG, vermutlich im Juli stillgelegt.
=Sozialistische Arbeiter Zeitung Nr.7,Frankfurt 25.8.1976

04.04.1977:
Vermutlich in dieser Woche gibt die DKP Geesthacht ihren 'DKP Express Geesthacht' Nr.2 heraus. Zum AKW Krümmel äußern sich mehrere Artikel. U.a. heißt es im letzten AKW-Artikel:"
BÜRGERPROTESTE HABEN ERFOLG:

Es gibt schon ein Beispiel, wo ein fertiges Atomkraftwerk nicht in Betrieb gehen durfte, weil die Genehmigungsbehörden grob die Umweltbelange vernachlässigt hatten: das Kraftwerk Esensham an der Weser. Hier wurde im Herbst 1976 der Klage eines Fischers nachgegeben (vgl. **.**.1976,d.Vf.), weil für das Werk, obwohl eine weitere Wassererwärmung nicht mehr zulässig ist, Kühlung durch Weserwasser genehmigt und eingebaut worden war.

Die gerichtlichen Erfolge sind allerdings erst möglich geworden durch die breiten Bürgeraktionen, vor allem in Wyhl und später in Brokdorf. Ein Verlassen auf Gerichtsbescheide würde schnell wieder andere Urteile bedeuten:
DEM DRUCK DER MILLIARDEN DM KANN NUR DURCH ANDAUERNDEN DRUCK DER MILLIONEN MENSCHEN EINHALT GEBOTEN WERDEN!"
=DKP Express Geesthacht Nr.2,Geesthacht 1977

13.06.1977:
Laut KB wird ab heute in Grohnde "der Kühlturmplatz vor dem Gelände für das geplante AKW Grohnde besetzt gehalten. Anlaß hierfür war die Meldung, daß mit den Erdarbeiten zum Bau der Kühltürme begonnen werden soll ... Die Grohnder Aktion ist fast einhellig von der Anti-AKW-Bewegung begrüßt worden, so auch vom KB ... In einigen Spontikreisen und besonders auch von der KPD wird dies offensichtlich anders eingeschätzt. Seit der Besetzung in Grohnde entfachen sie vor allem in den größeren Städten immer wieder eine besondere Hektik, um möglichst immer die gesamte Bewegung nach Grohnde zu mobilisieren. Mehrfach wurden von ihnen über Nacht telefonische Benachrichtigungssysteme inganggesetzt und Meldungen von angeblich bevorstehenden Polizeieinsätzen verbreitet, um damit die Bürgerinitiativen zu mobilisieren. Wir halten diese Hektik für gänzlich unangebracht und unangemessen. Sie trägt eher zur Verwirrung bei, als daß sie nützt. Bei der KPD steht dahinter offensichtlich die Einschätzung, daß Grohnde jetzt das Zentrum der Bewegung sei (noch vor kurzem war dies ausschließlich Brokdorf, dann Kalkar). In Bremen z.B. spielt sie den Kampf gegen das AKW-Esensham gegen die Grohnde-Aktion aus und versucht, alle Aktivitäten auf Grohnde zu konzentrieren. Ihr Professor Scheer rühmte die Besetzung des Kühlturmplatzes als den Beweis, daß man eben Bauplätze doch besetzen kann".
=Arbeiterkampf Nr.107,Hamburg 27.6.1977,S.20

16.06.1977:
Laut KB soll in Esenshamm ein gemeinsames Anti-AKW Zeltlager der BBA Bremerhaven und anderer nordwestdeutscher Anti-AKW-Initiativen beginnen und bis zum 19.6.1977 dauern.
=Arbeiterkampf Nr.106,Hamburg 13.6.1977,S.4

17.07.1977:
Das KPD-RK NRW (vgl. 8.8.1977) berichtet aus der Anti-AKW-Bewegung über die für den 27./28.8.1977 geplante Bundeskonferenz bzw. über ein auf heute datiertes, vermutlich bundesweites, KB-Papier aus Hamburg:"
INTERNES PAPIER DES KB ZUR VERHINDERUNG EINER BUNDESKONFERENZ
...
3. unsinnig ist es auch, einen Bundeskongreß - wie in der TO vorgeschlagen - allein auf der Basis der Kalkar-Aktion einzuberufen. In der Anti-AKW-Bewegung stehen schon jetzt eine Reihe von Aufgaben an, die bei der weiteren Planung berücksichtigt werden müssen: Für Philippsburg II ist eine Baugenehmigung erteilt, in Ohu II steht sie kurz bevor, In Esenshamm droht jeden Augenblick die Inbetriebnahme, in Biblis soll der Block C im Gefolge des 'Erörterungsverfahrens' in Bau gehen, in Gorleben sind Bohrungen zu erwarten..."
=KPD-RK NRW:Stellungnahme der KPD zur Verhinderung einer Bundeskonferenz am 27./28.August,Dortmund o.J. (Aug. 1977),S.4

31.07.1977:
Laut KB demonstrieren in Esenshamm ca. 2 200 Menschen gegen die geplante Inbetriebnahme des AKW Esenshamm. U.a. nimmt auch der KB teil.
=Arbeiterkampf Nr.110,Hamburg 8.8.1977,S.7

06.08.1977:
Vermutlich heute demonstrieren in Bremen, laut KB, 500 Menschen "aus Anlaß der Inbetriebnahme des AKW Esenshamm. "Der KBW führte eine eigene Abschlußkundgebung durch".
=Arbeiterkampf Nr.110,Hamburg 8.8.1977,S.5

17.08.1977:
Die SAG gibt ihre 'Sozialistische Arbeiterzeitung' Nr.28/29 (vgl. 20.7.1977, 31.8.1977) heraus. Berichtet wird u.a. vom AKW Esenshamm.
=Sozialistische Arbeiterzeitung Nr.28/29,Frankfurt 17.8.1977

Januar 1980:
Über die KB Gruppe Oldenburg, die sich Anfang 1980 neu zusammenfand, heißt es im "Rechenschaftsbericht der KB Gruppe Oldenburg" (vgl. 6.1.1980):"
Tatsächlich war die Gruppe ... relativ neu und politisch in mancher Hinsicht unbedarft. Nur zwei Genossen hatten politische Erfahrungen hinter sich, die bis in die Gründung der alten KB-Gruppe zurückreichten. ... Das Gros der neuen Gruppe war aus einer Kleinstadt am Jadebusen herüber gekommen."
=KB Oldenburg:Rechenschaftsbericht der KB Gruppe Oldenburg,o.O. o.J.,S.3

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