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Es werden hier nur einige wenige der zahlreichen vorliegenden Dokumente zum Protest gegen das Atomkraftwerk Grohnde vorgestellt, die sich einerseits direkt dem Protest gegen das AKW Grohnde, andererseits der Solidarität mit den verfolgten Protestierern widmen und zum dritten von der aus der Antiatomkraftbewegung entstandenen Wählergemeinschaft gegen Atomanlagen (WGA), einer der ersten alternativen bzw. grünen Wählervereinigungen überhaupt in der Bundesrepublik Deutschland, künden.
Bereits frühzeitig wird vor Ort Einspruch eingelegt (vgl. 30.10.1974, 14.12.1976) und es werden auch anderswo, wie in Göttingen (vgl. 6.2.1975), Aufklärungsaktionen organisiert.
Immer wieder wird auch auf Brokdorf Bezug genommen (vgl. 16.11.1976), dann aber wird auch sowohl in Hameln (vgl. 11.12.1976) als auch beim Erörterungstermin in Hannover (vgl. 14.12.1976, 15.12.1976) demonstriert.
Taktisch geschickt wird zeitgleich mit der großen Demonstration in Brokdorf dann der Bauplatz besetzt (vgl. 19.2.1977).
Eine Großkundgebung wird vorbereitet (vgl. 5.3.1977), zu der auch in Göttingen (vgl. März 1977) und Hamburg (vgl. 14.3.1977, 16.3.1977) massiv mobilisiert wird.
Diese gerät dann schließlich, nach Wyhl und Brokdorf, zum letzten großen Angriff auf einen AKW-Bauplatz, wird in den Medien als, vor allem dem KBW anzulastender (vgl. 30.3.1977), militanter Gewaltausbruch geschildert (vgl. 19.3.1977, 21.3.1977), was die Freunde der DKP kritisieren, wie aus Kiel geschildert wird (vgl. Apr. 1977). Auch der KB scheint angesichts der polizeilichen Übermacht bedrückt (vgl. 29.3.1977, 14.5.1977).
Es beginnt nun die Solidarität mit den während der Aktion Festgenommenen (vgl. 20.3.1977, 12.4.1977, 22.4.1977, Mai 1977, 9.5.1977, 16.5.1977, Juli 1977, 7.7.1977, 25.7.1977, 28.7.1977, 11.8.1977).
Innerhalb der AKW-Gegner sind nicht nur linke Gruppen wie der KB und die SAG aktiv, sondern auch der eher rechtslastige WSL (vgl. 28.3.1977, 1.4.1977), dessen Mitglied Gründler sich aus Protest gegen die Atompolitik verbrennt (vgl. 21.11.1977). Die Trauerrede für Gründler wird gerichtlich verfolgt (vgl. März 1978).
Zunächst aber kommt es zu neuen Besetzungen in Form des Anti-Atom-Dorfes (vgl. 12.6.1977, 13.6.1977, 15.6.1977, 23.8.1977, 24.8.1977) und weiteren Protesten (vgl. 13.8.1977, 19.8.1977) sowie auch zu Befürwortungen des Baus (vgl. 5.8.1977, 19.10.1977).
Die sog. Grohnde-Prozesse sind nun in aller Munde (vgl. Sept. 1977, 14.9.1977, 12.10.1977, 19.11.1977, 22.11.1977, Dez. 1977, 2.12.1977, 8.12.1977, 12.1.1978, 21.1.1978, 28.1.1978), zeitigen ihrerseits wiederum weitere Verfahren (vgl. 21.10.1977, 15.11.1977, 6.2.1978).
Zugleich wird auch die Wählergemeinschaft gegen Atomanlagen (WGA) gegründet (vgl. 13.9.1977, 30.9.1977, 21.10.1977, 22.10.1977), die von der Anti-AKW-Bewegung auch anderswo unterstützt wird (vgl. 8.10.1977) und als erste grünalternative Wählervereinigung einen Sitz bei Kommunalwahlen erhält (vgl. 23.10.1977), wobei der KB damals noch gegen die Parlamentarisierung des Protestes arbeitete, in seiner Hochburg Hamburg aber dann selbst bald die Bunte Liste Wehrt Euch mitinitiierte und auch ansonsten in der Wahlbewegung aktiv wird (vgl. 25.2.1978), die allerdings bald auch im Kreis Hameln-Pyrmont ihre ausschließliche Anbindung an die Antiatombindung überwindet und daher in der allgemeinen Darstellung der politischen Ereignisse im Landkreis Hameln-Pyrmont behandelt wird.
Die ersten Grohnde-Prozesse stehen nun vor dem Abschluss, enden mit vielmonatigen Gefängnisurteilen (vgl. Apr. 1978, 19.4.1978), was wiederum zu Protesten führt (vgl. 22.4.1978, 7.5.1978, 31.5.1978, 5.6.1978). Es kommt auch zur Verhaftung eines der Angeklagten (vgl. 24.5.1978) und zum vorläufigen Abschluss dieser Darstellung beim Strafantritt des ersten der in den Grohnde-Prozessen Verurteilten in Hamburg zur Kirchenbesetzung aus Protest gegen die AKWs und die Verfolgung der AKW-Gegner (vgl. 2.4.1979, 12.4.1979).
30.10.1974:
Der KBW gibt seine 'Kommunistische Volkszeitung' (KVZ - vgl. 16.10.1974, 7.11.1974) Nr. 22 heraus. Die Ortsaufbaugruppe Hameln berichtet vom AKW Grohnde.
Quelle: Kommunistische Volkszeitung Nr. 22, Mannheim 30.10.1974, S. 10

06.02.1975:
Von den Zellen Chemie / Biologie und Mathematik / Physik des KSB Göttingen des KBW wurde aufgerufen zu ihrer Anti-AKW Veranstaltung mit einem Vertreter der BI Weserbergland, die gegen das AKW in Grohnde kämpft.
Q: KSB Göttingen-Zellen Chemie / Biologie und Mathematik / Physik: Kernenergie im Kapitalismus, Göttingen o. J. (1975)


16.11.1976:
Laut KB findet in Bad Pyrmont eine Veranstaltung zum Polizeiterror am AKW Brokdorf statt. Ca. 50 Menschen sind anwesend, darunter einige Mitglieder der 4 Bürgerinitiativen des Umkreises gegen das AKW in Grohnde.
Q: Arbeiterkampf Nr.94,Hamburg 29.11.1976,S.1
11.12.1976:
Laut KB findet in Hameln eine Demonstration mit über 1 000 Menschen statt, die sich gegen den Bau des AKW in Grohnde richtete". U.a. nimmt auch der KB an der Demonstration teil.
Q: Arbeiterkampf Nr.95,Hamburg 13.12.1976,Beilage
14.12.1976:
Die KPD (vgl. 22.12.1976) berichtet aus Hannover (vgl. 15.12.1976) vom heutigen Erörterungstermin zum AKW Grohnde, an dem sich ca. 1 000 Menschen beteiligen.
Es seien weit über 3 000 Einsprüche eingelegt worden, u.a. auch von Prof. Jens Scheer.
Q: Rote Fahne Nr.51/52,Köln 22.12.1976
15.12.1976:
In der Innenstadt von Hannover findet, laut und mit KPD (vgl. 22.12.1976), eine Kundgebung gegen das AKW Grohnde (vgl. 14.12.1976) statt.
Q: Rote Fahne Nr.51/52,Köln 22.12.1976
19.02.1977:
Laut KB demonstrieren ca. 1 500 vorwiegend niedersächsische AKW-Gegner am Bauplatz Grohnde und besetzen diesen. Laut SAG besetzen 2 000, u.a. Soldaten aus Hildesheim, den Bauplatz des AKW.
Berichtet wird auch durch die KPD (vgl. 23.2.1977).
Q: Arbeiterkampf Nr.100,Hamburg 7.3.1977,S.1; Rote Fahne Nr.8,Köln 23.2.1977;Sozialistische Arbeiterzeitung Nr.18,Frankfurt 23.2.1977
März 1977:
Der Kommunistische Bund – Gruppe Göttingen gibt seine Branchenzeitung 'Metaller' Nr. 30 (vgl. Dez. 1976) für März heraus mit einem Leitartikel: "Am 19.3.: Demonstration am Bauplatz des AKW Grohnde – Alle hin!". Dokumentiert wird die "Resolution von 50 BI's" und es gibt auch eine "Bauplatzbeschreibung". Ein Artikel erläutert "Was man über Kernenergie wissen sollte".
Q: Metaller Nr. 30, Göttingen März 1977, S. 1f und 5f




05.03.1977:
Laut KB beschließen in Kirchohsen ca. 50 niedersächsische BI's eine Kundgebung am Bauplatz des AKW Grohnde (vgl. 19.3.1977).
Dem stimmt auch der KBW zu "und wollte sich auch nicht davon abhalten lassen, die Kundgebung gleich selbst anzumelden". Laut SAG sind 40 BIs anwesend.
Q: Sozialistische Arbeiterzeitung Nr.19,Frankfurt 16.3.1977; Arbeiterkampf Nr.101,Hamburg 21.3.1977,S.4
14.03.1977:
Frauen aus der Initiative gegen Atomanlagen Harburg (Mitglied der BUU) in Hamburg veröffentlichen vermutlich in dieser Woche das Flugblatt "Die 'strahlende' Zukunft unserer Kinder", welches zu einer Grohndeveranstaltung im Freizeitzentrum Nöldekestrasse und zur Demonstration in Grohnde am 19.3.1977 aufruft. Die Auflage beträgt 2 000 Stück.
Q: Frauen aus der Initiative gegen Atomanlagen Harburg: Die 'strahlende' Zukunft unserer Kinder, Hamburg o. J. (1977)




16.03.1977:
Die BUU Hamburg veröffentlicht ihren "Aufruf zur Grosskundgebung am Atomkraftwerk Grohnde" am 19.3.1977 in einer Auflage von 70 000 Stück.
Q: BUU Hamburg: Aufruf zur Grosskundgebung am Atomkraftwerk Grohnde, Hamburg 16.3.1977


19.03.1977:
Laut KB kommt es am AKW-Bauplatz Grohnde zu heftigen Auseinandersetzungen:"
Gegen den äußerst brutalen Einsatz von insgesamt etwa 5 000 Bullen aus Niedersachsen sowie BGS haben am 19.3. etwa 20 000 AKW-Gegner gegen den Bauplatz in Grohnde gestürmt. Der Höhepunkt der Aktion war das Aufreißen einer etwa 10 m breiten Lücke in die Bauplatz-Befestigung durch die restlose Beseitigung beider Metallgitterzäune mit allem Drum und Dran an der B 83 sowie der eilends vom BGS aufgebauten Ersatzsperre aus Holzgestellen und Natodraht und schließlich das militante Zurückschlagen eines Bullen-Angriffs durch die Lücke."
Zur Demonstration hätten u.a. aufgerufen: 42 Bürgerinitiativen aus Niedersachsen (vgl. 5.3.1977).
"Von den politischen Organisationen hatte - im Sinne einer Vollmobilisierung - nur der KB aufgerufen (mit Ausnahme seiner Ortsgruppen in Bayern und Baden-Württemberg). Die KPD hatte sich recht halbherzig ins Zeug gelegt und in der Ausgabe ihrer 'Roten Fahne' unmittelbar vor der Aktion kein Wort mehr zu Grohnde geschrieben. Auf der Demo selbst war die KPD nur wenig vertreten, hauptsächlich (ausschließlich?) aus Norddeutschland, was sie durch das Mitführen vieler aufdringlicher Parteifahnen offenbar wieder wettzumachen versuchte. Der KBW hatte angekündigt, nur in Hannover und dem südlichen Niedersachsen für die Aktion zu mobilisieren, er war auf der Demo selbst mit maximal 2 - 3 000 Anhängern vertreten. Vielerorts hat er offen gegen die Aktion gehetzt und demobilisiert. Die KPD/ML, diese bisher leider noch weitgehend verkannte, nichtsdestotrotz eindeutige Avantgarde der Anti-AKW-Bewegung, hat sich vor der Demo dazu mit keiner Zeile geäußert, um dann während der Demo ein Flugblatt zur Verteilung zu bringen, in dem den Demonstranten einerseits geraten wurde 'am militanten Kampf festzuhalten', die konkrete Aktion aber abgelehnt wurde."
Der AB berichtet u.a. von der Beteiligung von KB und KBW.
Aufgerufen wurde auch durch die BUU Hamburg (vgl. 16.3.1977), u.a. in Harburg (vgl. 14.3.1977) sowie durch die SAG, die 15 000 Demonstranten zählt.
Laut Spartacusbund (SpB) demonstrieren 15 - 20 000, laut KPD/ML und RHD ca. 15 000.
Q: BUU Hamburg: Aufruf zur Grosskundgebung am Atomkraftwerk Grohnde, Hamburg o. J. (1977); Rote Hilfe Nr. 4, Dortmund Apr. 1977,S. 3;Rote Hilfe Nr. 4, Köln Apr. 1977, S. 8;Roter Morgen Nr. 12, Dortmund 25.3.1977, S. 12;Spartacus Nr.36,Essen 25.4.1977;Sozialistische Arbeiterzeitung Nr.19 und 20,Frankfurt 16.3.1977 bzw. 30.3.1977;Kämpfende Jugend Nr. 4, Köln Apr. 1977, S. 6f;Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.109,München 3.4.1977;Arbeiterkampf Nr.101,Hamburg 21.3.1977,S.1







19.03.1977:
Laut KB sprach sich die OG Münster des KBW bei einer Vollversammlung der Münsteraner AKW-Gegner gegen die Aktion in Grohnde aus "mit der Begründung, die Bevölkerung sei dagegen".
Q: Arbeiterkampf Nr.101,Hamburg 21.3.1977,S.4
20.03.1977:
In Hannover beteiligen sich, laut SAG, 300 an einer spontanen Demonstration der BI gegen AKW für die Freilassung der in Grohnde (vgl. 19.3.1977) Festgenommenen. Die Route führt vom Jugendzentrum (JZ) Kornstraße zur Hardenbergstraße.
Q: Sozialistische Arbeiterzeitung Nr.20,Frankfurt 30.3.1977
21.03.1977:
Die Stadtteilgruppe Rotherbaum der BUU Hamburg veröffentlicht vermutlich in dieser Woche das Flugblatt "Grohnde am 19.3.1977".
Q: BUU-Stadttteilgruppe Rotherbaum: Grohnde am 19.3.1977, Hamburg o. J. (1977)


23.03.1977:
In Göttingen führt die CDU, laut SAG, eine Veranstaltung mit Ministerpräsident Albrecht gegen die Grohnde-Demonstration (vgl. 19.3.1977) durch. 250 AKW-Gegnern wird der Zutritt verwehrt.
Q: Sozialistische Arbeiterzeitung Nr.20,Frankfurt 30.3.1977
28.03.1977:
Laut KB "fand in Bodenwerder (bei Grohnde) ein Gespräch zwischen Delegierten ortsansässiger Bürgerinitiativen (Grohnde, Kirchohsen-Emmertal, Bodenwerder, Hameln, 2x Pyrmont), Vertreter der Graswurzel-Gruppen aus Kassel und Göttingen und des KB statt. Eingeladen hatte Gründler, ein Sprecher des WSL (Weltbund zum Schutze des Lebens) und Vertreter des 'Collegium Humanum', der WSL-Schulungsstätte. Thema der Unterredung sollte die Auswertung der Grohnde-Aktion vom 19.3. sowie die Planung weiterer Aktionen sein. Außergewöhnlich war die Zusammensetzung der Gesprächsrunde: Mit Ausnahme des KB alles 'Gewaltfreie', wenn auch aus höchst unterschiedlichen Motiven."
Q: Arbeiterkampf Nr.102,Hamburg 4.4.1977,Beilage
29.03.1977:
Der KB veröffentlicht die Broschüre "Polizeiterror gegen AKW-Gegner" in einer Auflage von 10 000 Stück, in der von den Demonstrationen in Brokdorf (vgl. 19.2.1977) und Grohnde (vgl. 19.3.1977) berichtet wird.
Q: KB: Polizeiterror gegen AKW-Gegner, Hamburg 29.3.1977



























30.03.1977:
In Hamburg gibt die Anti-AKW-Gruppe Lämmermarkt (Mitglied der BUU) am gleichnamigen Wirtschaftsgymnasium das Flugblatt "Informationen Was geschah wirklich am 19.3. in Grohnde?" mit einer Auflage von 1 000 Stück heraus, in dem die Behauptungen Albrechts, der KBW sei der Drahtzieher gewesen zurückgewiesen werden, da der KBW kaum beteiligt gewesen, sondern vielmehr aktiv gegen die Aktion gehetzt habe.
Q: Anti-AKW-Gruppe Lämmermarkt: Informationen Was geschah wirklich am 19.3. in Grohnde?, Hamburg 30.3.1977


April 1977:
Am Kieler Institut für Meereskunde gibt der MSB Spartakus der DKP vermutlich im April die Nr.5 seiner 'Antenne' heraus. Im Leitartikel äußert man sich so:"
AUF EIN WORT…
Nach den Ereignissen von Grohnde (in Niedersachsen am 19.3.1977,d.Vf.) glauben die Befürworter der Kernenergie wieder aufatmen zu können: Der Gerichtsentscheid von Schleswig (vgl. **.*.1977,d.Vf.) und Freiburg (am **.*.1977 in Baden-Württemberg,d.Vf.) hatte sie in arge Bedrängnis gebracht. Die als wenig fortschrittlich bekannten Gerichte konnten sich dem Protest der Bevölkerung nicht mehr entziehen und bestätigten offenkundige Mängel an der Konstruktion der AKWs. So müssen Bundes- und Landesregierung ebenso wie die Atomkonzerne - zumindest vorläufig - die Hoffnung auf juristischen Segen für den Ausbau des AKW-Netzes aufgeben.
In dieser Lage konnte ihnen gar nichts willkommener sein, als durch die 'Schlacht um Grohnde' von der Sicherheitsproblematik auf die 'Gewaltfrage' abzulenken.
Vieles deutet auf eine Provokation der Polizei hin, wobei sie bei maoistischen Gruppen bereitwillige Unterstützung fand. Vor allem die Freiburger Entscheidung zu Wyhl hat den Befürwortern die Argumentation vermiest. Wurde den Bürgerinitiativen vordem von Politikern der juristische Weg gepriesen, hat jetzt das Aufsichtsratsmitglied des Badenwerks, Filbinger, nichts eiliger zu tun als den Richtern mangelnden Sachverstand nachzusagen. Und das, obwohl die Medien berichteten, kaum je hätte ein Gericht so viel Material als Entscheidungshilfe zur Verfügung gehabt. Nachdem die Atom-Lobby gemerkt hat, daß sie mit der 'weichen Welle' nicht durchkommt, hat sie auch an anderen Stellen die harten Bandagen angelegt. Wieder war es Filbinger, der dazu den Auftakt gab. Er erklärte, die Bevölkerung Baden-Württembergs müsse jetzt mit massiven Sparmaßnahmen in der Energieversorgung rechnen. Dazu sei bereits ein Sparplan in Arbeit. Das ist umso erstaunlicher als das Badenwerk Stromüberkapazitäten verzeichnet und im vergangenen Geschäftsbericht über einen um 6% gesunkenen Stromverkauf klagte. Wirtschaftsminister Fridrichs wartete gar mit der Drohung auf, ohne AKWs gäbe es bald 2,5 Mio. Arbeitslose. Das ist das infamste der 'Argumente'! Der Bau von Kohlekraftwerken (KKW) erfordert fast ebenso viele Arbeitskräfte wie der von AKWs. Der Bau von KKWs ist aber etwa um die Hälfte billiger. Diese jeweils ca. 1/2 Mrd. könnte zur Schaffung weiterer Arbeitsplätze eingesetzt werden. Rechnet man die ca. 300 000 Arbeitsplätze hinzu, die durch verstärkte Förderung im Kohlebergbau gesichert werden könnten, wird klar, was hinter solchen 'Argumenten' steckt. Und Kohle haben wir nach Aussage der Zechen so reichlich, daß sie bei der berechneten Steigerung des Energieverbrauchs noch einige hundert Jahre ausreichen würde. Bis dahin steht aber mit Sicherheit die Kernfusion als Energielieferant zur Verfügung.
Die Sicherheit von Arbeitsplätzen hängt eben nicht ursächlich mit der Frage Atom- oder Kohlekraftwerke zusammen. Sie werden gefährdet, weil die kapitalistische Produktion ohne Rücksicht auf die Bevölkerung Kosten zu senken und den Profit zu erhöhen (gezwungen ist,d.Vf.). Dazu gehört auch die Vernichtung von Arbeitsplätzen durch Rationalisierung.
Es verwundert deshalb nicht, daß keine der Wirtschaftskrisen der Vergangenheit durch Energiemangel verursacht wurde. Die Gründe liegen in der kapitalistischen Mißwirtschaft."
Q: Antenne Nr.5,Kiel 1977
01.04.1977:
Laut KB führt der Weltbund zum Schutze des Lebens (WSL) in Hameln eine Podiumsdiskussion zu AKWs durch.
Q: Arbeiterkampf Nr.103,Hamburg 18.4.1977,S.51
12.04.1977:
In Hamburg kommt es bei der der Begleitung des Angeklagten AKW-Grohnde Gegners Bernd Löwe zu 10 Festnahmen (vgl. 21.10.1977).
Dagegen wird auch protestiert auf einer Veranstaltung gegen die Brokdorf- und Grohnde-Prozesse (vgl. 22.4.1977).
Q: BUU-Ermittlungsausschuß Info Nr. 2, Hamburg 18.11.1977, S. 7; BUU-Regionalgruppe Hamburg: Liebe Hamburger, liebe Hamburgerinnen, … , Hamburg o. J. (Apr. 1997)


13.04.1977:
Die SAG gibt ihre 'Sozialistische Arbeiterzeitung' Nr.21 (vgl. 30.3.1977, 27.4.1977) heraus und berichtet u.a. über Bauern in Grohnde.
Q: Sozialistische Arbeiterzeitung Nr.21,Frankfurt 13.4.1977
22.04.1977:
Im Audimax der Universität Hamburg soll eine Veranstaltung gegen die Brokdorf- und Grohnde-Prozesse stattfinden, zu der die BUU aufruft (vgl. 12.4.1977).
Q: BUU-Regionalgruppe Hamburg: Liebe Hamburger, liebe Hamburgerinnen, … , Hamburg o. J. (Apr. 1997), S. 2
Mai 1977:
Die Rote Hilfe (RH) e.V. der KPD gibt ihre Zeitschrift 'Rote Hilfe' Nr. 5 (vgl. Apr. 1977, Feb. 1977) für Mai heraus. Zu Grohnde wird berichtet über "Erste Erfolge der Solidarität mit den verfolgten AKW-Gegnern".
Q: Rote Hilfe Nr. 5, Köln Mai 1977, S. 6

09.05.1977:
In Hannover begleiten, laut SAG, vermutlich heute 300 AKW-Gegner den in Grohnde festgenommenen Christian G., der sich jeweils Montags bei der Polizei melden muß (vgl. 16.5.1977).
Q: Sozialistische Arbeiterzeitung Nr.23,Frankfurt 25.5.1977
14.05.1977:
Laut KB findet ab heute "in Hannover der bisher größte Bundeskongreß der Bürgerinitiativen gegen Atomkraftwerke statt". Der Kongreß wird morgen fortgesetzt. Vom KB heißt es zur Anti-AKW-Bewegung:"
Insgesamt sieht es so aus, daß in der Anti-AKW-Bewegung derzeit nach den letzten Großaktionen vom 19.2. (Brokdorf) und 19.3. (Grohnde) weitgehend Erschlaffung und Resignation sich breit gemacht haben, daß angesichts des Bullen-Terrors und angesichts des Zurückweichens der örtlichen Bürgerinitiativen die Bedenken gegenüber weiteren militanten Aktionen zunehmen, daß Illusionen über eine mögliche Verbreiterung der Bewegung in Richtung auf die Wüstenhagen-BUU und die Itzehoe-Fraktion Raum gewinnen … Man muß sagen und sich klar machen, daß derzeit die Anti-AKW-Bewegung in keinem guten und aktionsfähigem Zustand ist, und daß es insbesondere um die Einheit der Bewegung sehr schlecht steht."
Q: Arbeiterkampf Nr.104 und 105,Hamburg 16.5.1977 bzw. 13.6.1977,S.1ff bzw. S.7
16.05.1977:
In Hannover begleiten, laut SAG, vermutlich heute 500 AKW-Gegner den in Grohnde festgenommenen Christian G., der sich jeweils Montags bei der Polizei melden muß (vgl. 9.5.1977).
Q: Sozialistische Arbeiterzeitung Nr.23,Frankfurt 25.5.1977
02.06.1977:
Heute wird, laut SAG, ein Baustop-Urteil gegen das AKW Grohnde gefällt, aber noch nicht begründet (vgl. 29.8.1977).
Q: Sozialistische Arbeiterzeitung Nr.31,Frankfurt 14.9.1977
12.06.1977:
Die BI Hameln gegen AKW erfährt, laut SAG, daß die Wiese am Bauplatz des AKW Grohnde gemäht werden soll, woraufhin sich dort gegen acht Uhr abends 100 Personen versammeln (vgl. 13.6.1977).
Laut KPD entsteht heute das Anti-AKW Dorf gegen den Willen des WSL. Im Dorf wird, laut SAG, die an einer Stelle erst von einer morgigen Besetzung berichtet, auch die Initiative Arbeiter gegen Atom aus Hannover aktiv.
Q: Sozialistische Arbeiterzeitung o.Nr.(25), Nr.27 und 32,Frankfurt o.J. (1977), 20.7.1977 bzw. 28.9.1977; Rote Fahne Nr.30,Köln 27.7.1977;Kämpfende Jugend Nr. 7/8, Köln Juli/Aug. 1977, S. 15

13.06.1977:
Laut KB wird ab heute in Grohnde "der Kühlturmplatz vor dem Gelände für das geplante AKW Grohnde besetzt gehalten. Anlaß hierfür war die Meldung, daß mit den Erdarbeiten zum Bau der Kühltürme begonnen werden soll … Die Grohnder Aktion ist fast einhellig von der Anti-AKW-Bewegung begrüßt worden, so auch vom KB … In einigen Spontikreisen und besonders auch von der KPD wird dies offensichtlich anders eingeschätzt. Seit der Besetzung in Grohnde entfachen sie vor allem in den größeren Städten immer wieder eine besondere Hektik, um möglichst immer die gesamte Bewegung nach Grohnde zu mobilisieren. Mehrfach wurden von ihnen über Nacht telefonische Benachrichtigungssysteme inganggesetzt und Meldungen von angeblich bevorstehenden Polizeieinsätzen verbreitet, um damit die Bürgerinitiativen zu mobilisieren. Wir halten diese Hektik für gänzlich unangebracht und unangemessen. Sie trägt eher zur Verwirrung bei, als daß sie nützt. Bei der KPD steht dahinter offensichtlich die Einschätzung, daß Grohnde jetzt das Zentrum der Bewegung sei (noch vor kurzem war dies ausschließlich Brokdorf, dann Kalkar). In Bremen z.B. spielt sie den Kampf gegen das AKW-Esenshamm gegen die Grohnde-Aktion aus und versucht, alle Aktivitäten auf Grohnde zu konzentrieren. Ihr Professor Scheer rühmte die Besetzung des Kühlturmplatzes als den Beweis, daß man eben Bauplätze doch besetzen kann".
Laut SAG versammeln sich heute Abend 300 Personen auf dem Bauplatz des AKW Grohnde (vgl. 12.6.1977).
Q: Sozialistische Arbeiterzeitung o.Nr.(25),Frankfurt o.J. (1977); Arbeiterkampf Nr.107,Hamburg 27.6.1977,S.20
15.06.1977:
In Hamburg gibt der Arbeitskreis Politische Ökologie (Mitglied der BUU) frühestens heute das Flugblatt "Kühlturmgelände des AKW Grohnde besetzt!" heraus. Die Auflage beträgt 10 000.
Q: Arbeitskreis Politische Ökologie: Kühlturmgelände des AKW Grohnde besetzt!, Hamburg o. J. (1977)


26.06.1977:
Die Gruppe Arbeiterstimme-Mehrheitsgruppe gibt ihre 'Arbeiterstimme' (ARSTI - vgl. 9.3.1977, 20.9.1977) Nr.3/4 (29/30) heraus und berichtet u.a. vom AKW Grohnde.
Q: Arbeiterstimme Nr.3/4,Nürnberg 26.6.1977
Juli 1977:
Der Ermittlungsausschuß der BUU Hamburg richtet angesichts der ersten sechs Anklagen vermutlich im Juli ein Flugblatt "An alle Teilnehmer der Grohnde-Demonstration vom 19.3.77".
Q: BUU-Ermittlungsausschuß: An alle Teilnehmer der Grohnde-Demonstration vom 19.3.77, Hamburg o. J. (1977)




07.07.1977:
Für das heutige Plenum der BUU Hamburg wurde vom IKAH Hamburg angesichts der Zustellung zweier Anklageschriften wegen der Demonstration gegen das AKW Grohnde die Resolution "Auf die Prozesswelle rechtzeitig vorbereiten!" vorgelegt.
Q: IKAH Hamburg: Auf die Prozesswelle rechtzeitig vorbereiten!, o. O. (Hamburg) o. J. (1977)

25.07.1977:
Der Ermittlungsausschuß der BUU Hamburg gibt spätestens in dieser Woche ein Flugblatt "Angeklagt: Wir alle!" heraus, welches zu einer Solidaritätsveranstaltung mit den Angeklagten der Grohndedemonstration aufruft (vgl. 28.7.1977).
Q: BUU-Ermittlungsausschuß: Angeklagt: Wir alle!, Hamburg o. J. (1977)


28.07.1977:
Im Audimax der Universität Hamburg soll eine Solidaritätsveranstaltung mit den Angeklagten der Grohndedemonstration stattfinden.
Q: BUU-Ermittlungsausschuß: Angeklagt: Wir alle!, Hamburg o. J. (1977), S. 2
28.07.1977:
Laut KB findet an der Uni Kiel eine Anti-Repressions-Veranstaltung mit dem Karl-Heinz-Roth Verteidiger Arnim Golzem und dem Hamburger Grohnde-Angeklagten Christian M. statt, zu der eine Aktionseinheit von KB, verschiedenen Spontis und der Naturfreundejugend (NFJ) Neumünster aufgerufen hatte. Ca. 160 Menschen sind anwesend.
Q: Arbeiterkampf Nr.110,Hamburg 8.8.1977,S.26
05.08.1977:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' Nr. 31 (vgl. 29.7.1977, 12.8.1977) heraus. Aus Grohnde wird berichtet: "Faschistische 'Bürgerwehr' gegen KKW-Gegner".
Q: Roter Morgen Nr. 31, Dortmund 5.8.1977, S. 8

11.08.1977:
Die BUU Hamburg St. Georg veröffentlicht einen "Aufruf zur Unterschriftensammlung" gegen die Brokdorf- und Grohnde-Prozesse bzw. einen "Aufruf zur Solidarität mit den verfolgten AKW-Gegner!".
Q: BUU Hamburg St. Georg: Aufruf zur Unterschriftensammlung, Hamburg 11.8.1977



13.08.1977:
In Hameln beteiligen sich, laut und mit SAG, 800 an einer Kundgebung gegen das AKW Grohnde. Die Polizei führt u.a. eine Personenkontrolle an Jens Scheer (KPD Bremen) durch. Ein AKW-Gegner, der einen 'Atomkraft? - Nein Danke!' Aufkleber auf ein Auto der Zivilpolizei klebte wird festgenommen. Zum Polizeipräsidum seien dann noch 400 gezogen, um die Freilassung des Festgenommenen zu verlangen.
Q: Sozialistische Arbeiterzeitung Nr.28/29,Frankfurt 17.8.1977
19.08.1977:
In Hameln besuchen, laut SAG, 400 Personen eine Podiumsdiskussion zum AKW Grohnde.
Q: Sozialistische Arbeiterzeitung Nr.30,Frankfurt 31.8.1977
23.08.1977:
Heute wird das Anti-AKW Dorf in Grohnde durch die Polizei geräumt. Die KPD/ML berichtet: "1 300 Polizisten und zwei Wasserwerfer gegen 212 Demonstranten".
Q: Kämpfende Jugend Nr. 9, Köln Sept. 1977, S. 31; Roter Morgen Nr. 35, Dortmund 2.9.1977, S. 12;Sozialistische Arbeiterzeitung Nr.30,Frankfurt 31.8.1977


24.08.1977:
Vermutlich heute erscheint ein Flugblatt der BUU / Regionalverband Hamburg: "Räumung des Anti-Atomdorfs Grohnde".
Q: BUU / Regionalverband Hamburg: Räumung des Anti-Atomdorfs Grohnde, Hamburg o. J. (1977)


29.08.1977:
Ende August, also vermutlich in dieser Woche wird, laut SAG, die Begründung für das Baustop-Urteil (vgl. 2.6.1977) gegen das AKW Grohnde veröffentlicht.
Q: Sozialistische Arbeiterzeitung Nr.31,Frankfurt 14.9.1977
September 1977:
Die Rote Hilfe (RH) e.V. der KPD gibt ihre Zeitschrift 'Rote Hilfe' Nr. 8 (vgl. Aug. 1977, Okt. 1977) für September heraus. Der Artikel "Demokratischer Kampf gegen staatlichen Terror – Die Unterdrückung der AKW-Gegner" berichtet über Brokdorf und Grohnde.
Q: Rote Hilfe Nr. 8, Köln Sept. 1977, S. 1f


06.09.1977:
Der AB gibt seine 'Kommunistische Arbeiterzeitung' Nr.120 (vgl. 23.8.1977, 18.9.1977) heraus und berichtet u.a. vom AKW Grohnde.
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.120,München 6.9.1977
14.09.1977:
Der Ermittlungsausschuß (EA) der BUU Hamburg gibt seine 'Wehrt Euch!' Nr. 4 heraus. Die Auflage beträgt 800. Das Titelbild berichtet vom Protest gegen die Grohndeprozesse, von denen es auch Neues gibt. Daneben geht es um Brokdorfprozesse. Aus Kiel kommt "Ein Spitzelbericht".
Q: Wehrt Euch! Nr. 4, Hamburg 14.9.1977




13.09.1977:
In Kirchohsen führt, laut SAG, die Wählergemeinschaft gegen Atomanlagen (WGA), die zum Kreistag (vgl. 23.10.1977) eine, vermutlich ihre erste, Veranstaltung durch.
Q: Sozialistische Arbeiterzeitung Nr.31,Frankfurt 14.9.1977
30.09.1977:
In Hameln-Afferde führt die Wählergemeinschaft gegen Atomanlagen (WGA), laut SAG, eine Veranstaltung zur Wahlkampfplanung durch, zu der sich 40 Wahlhelfer einfinden.
Q: Sozialistische Arbeiterzeitung Nr.33,Frankfurt 15.10.1977
08.10.1977:
In Bremen findet, laut SAG, ein Treffen der Bürgeraktion Küste (BAK) statt, die sich u.a. gegen AKWs einsetzt. Anwesend ist auch ein Mitglied der Wählergemeinschaft gegen Atomanlagen (WGA) aus dem Kreis Hameln-Pyrmont, welches über die Kandidatur der WGA zu den Kreistagswahlen (vgl. 23.10.1977) berichtet. Es werden 365,65 DM für die WGA gespendet.
Q: Sozialistische Arbeiterzeitung Nr.33,Frankfurt 15.10.1977
12.10.1977:
Der Ermittlungsausschuß (EA) der BUU Hamburg gibt sein 'Info' Nr. 1 (vgl. 18.11.1977) heraus, welches Beiträge zu Malville und Grohnde bzw. "Zwei Linien in der politischen Prozeßführung" von Uwe Maeffert enthält und sich u.a. mit den Grohnde-Prozessen befasst, wobei auch ein Referat des EA Hannover auf seiner Veranstaltung vom 12.8.1977 dokumentiert wird.
Q: BUU-Ermittlungsausschuß Info Nr. 1, Hamburg 12.10.1977

















19.10.1977:
In Hameln demonstrieren, laut SAG, 600 Bauarbeiter gegen den Baustop für das AKW Grohnde.
Q: Sozialistische Arbeiterzeitung Nr.34,Frankfurt 2.11.1977
21.10.1977:
In Hameln führt die Wählergemeinschaft gegen Atomanlagen (WGA), laut SAG, ein Wahlfest zur Kreistagswahl (vgl. 23.10.1977) durch.
Q: Sozialistische Arbeiterzeitung Nr.34,Frankfurt 2.11.1977
22.10.1977:
In Hessisch-Oldendorf führt die Wählergemeinschaft gegen Atomanlagen (WGA), laut SAG, einen Infostand zur Kreistagswahl (vgl. 23.10.1977) durch.
Q: Sozialistische Arbeiterzeitung Nr.34,Frankfurt 2.11.1977
21.10.1977:
In Hamburg findet, laut BUU-EA, der erste Prozesstag gegen Bärbel P. (vgl. 15.11.1977) wegen Begleitung des Angeklagten AKW-Grohnde-Gegners Bernd Löwe (vgl. 12.4.1977) bzw. 'Widerstand' statt. Da der Saal für die 60 Zuschauer zu klein ist, verlässt sie die Verhandlung. Es wird Haftbefehl erlassen, der später aufgehoben wird nachdem sie ihre Bereitschaft zur Teilnahme erklärte. Nachmittags agitieren etwa 100 AKW-Gegner dazu am Gerhart-Hauptmann-Platz. Es gibt drei Festnahmen.
Q: BUU-Ermittlungsausschuß Info Nr. 1 und 2, Hamburg 12.10.1977 bzw. 18.11.1977, S. 22 bzw. S. 7

23.10.1977:
Im Landkreis Hameln-Pyrmont finden die Kreistagswahlen statt. Die Wählergemeinschaft gegen Atomanlagen (WGA) erhält, laut SAG, im Durchschnitt 2,29% der Stimmen und einen Sitz. In Bad Pyrmont erhalten die 4 WGA-KandidatInnen 605, 125, 114 bzw. 48 Stimmen (2, 65%). Je ein/e KandidatIn erhalten in Emmerthal/Aerzen 1 339 (3,36%), Coppenbrügge / Salzhemmendorf 511 (1,5%) Hameln-Ost 1 212 (3,8%), Hameln-West 1 430 (4,34%), Bad Münder 521 (1,51) und in Hessisch-Oldendorf 349 (1,08). Keine Direktkandidatur gab es lediglich in Hameln-Nord.
Laut KB erringt dadurch erstmals eine aus Teilen der Anti-AKW-Bewegung hervorgegangene Wählerinitiative, die linke Wählergemeinschaft Atomkraft Nein Danke (WGA), 2,3% und einen Sitz. U.a. ist der KB mit einzelnen Mitgliedern an der WGA beteiligt.
Der KB beteiligt sich dadurch erstmals an den Kommunalwahlen (KW).
Nach einem Bericht über die Beteiligung in Rotenburg wird fortgefahren:"
Interessanter war der Ansatz im Kreis Hameln. Die dortige 'Wählergemeinschaft Atomkraft Nein Danke' (WGA) war eng mit der entstehenden Protest- und Bürgerinitiativbewegung gegen das AKW Grohnde verwachsen und hatte eine relativ gute Verankerung in den Orten um das AKW … Die Erringung eines Parlamentssitzes durch die WGA (ohne 5% Klausel) hatte starke Ausstrahlungskraft. Versuchen, die WGA landesweit auszudehnen, und sich auf eine Wahlbeteiligung bei den Landtagswahlen vorzubereiten, wurde von KB-Seite aus entgegengearbeitet."
Q: Unser Weg Nr. 26, Hamburg März 1979; Arbeiterkampf Nr. 260, Hamburg 1.7.1985,S.7;Sozialistische Arbeiterzeitung Nr. 31 und 34, Frankfurt 14.9.1977 bzw. 2.11.1977
15.11.1977:
In Hamburg findet, laut BUU-EA, der zweite Prozesstag gegen Bärbel P. (vgl. 21.10.1977) wegen Begleitung des Angeklagten AKW-Grohnde-Gegners Bernd Löwe (vgl. 12.4.1977) bzw. 'Widerstand' statt. Sie wird freigesprochen.
Q: BUU-Ermittlungsausschuß Info Nr. 2, Hamburg 18.11.1977, S. 11
18.11.1977:
Der Ermittlungsausschuß der BUU Hamburg gibt sein 'Info' Nr. 2 (vgl. 12.10.1977) heraus.
Angekündigt wird der erste Grohnde-Prozess in Hameln (vgl. 22.11.1977), aufgerufen zum Aktionstag dagegen (vgl. 19.11.1977). Dokumentiert wird die "Erklärung einiger Grohndeangeklagter bzw. Festgenommener". Zitiert wird auch aus dem 'Info' Nr. 3 des Ermittlungsausschuß Hannover. Es gibt "Grohnde-Neuigkeiten" zu Hamburger Verfahren und aus Hannover wird in "Fernmeldegesetze contra Meinungsfreiheit" ein Prozess wegen Widerspruchs gegen Strafbefehle wegen Abdruck von Auszügen des Polizeifunks angekündigt für den 8.12.1977. Dokumentiert werden vom 19.2.1977 in Grohnde "Auszüge Aus dem Polizeibericht". Enthalten ist auch ein Beitrag: "Die Prozesswelle läuft – Überblick".
Berichtet wird vom ersten Prozesstag gegen Bärbel P. wegen Begleitung des Angeklagten AKW-Grohnde-Gegners Bernd Löwe (vgl. 21.10.1977), aber auch von ihrem Freispruch (vgl. 15.11.1977), und in "Das Letzte!" von Strafbefehlen auch in Grohnde für Dorfbewohner und Demonstranten vom 19.3.1977.
Q: BUU-Ermittlungsausschuß Info Nr. 2, Hamburg 18.11.1977










19.11.1977:
In Hameln beteiligen sich, laut SAG, 1 500 an einer Kundgebung auf dem Marktplatz gegen die Grohnde-Prozesse (vgl. 22.11.1977).
Aufgerufen wurde auch durch die BUU Hamburg (vgl. 18.11.1977).
Q: Sozialistische Arbeiterzeitung Nr.35 und 36,Frankfurt 16.11.1977 bzw. 30.11.1977; BUU-Ermittlungsausschuß Info Nr. 2, Hamburg 18.11.1977, S. 2f
21.11.1977:
Hartmut Gründler, der sich aus Protest gegen die AKW-Politik selbst verbrannte, erliegt, laut SDAJ der DKP, seinen Verletzungen.
Q: Eidig der Wildschütz Nr. 1, Schwarzenbek o.J. (1978),S.3; Sozialistische Arbeiterzeitung Nr. 36, Frankfurt 30.11.1977
22.11.1977:
In Hameln findet, laut SAG, der AKW Grohnde Prozeß gegen Linda E.statt, wozu 350 Personen vor das Amtsgericht kommen. Dies ist laut BUU Hamburg der erste Grohnde-Prozess.
Q: BUU-Ermittlungsausschuß Info Nr. 2, Hamburg 18.11.1977; Sozialistische Arbeiterzeitung Nr. 36, Frankfurt 30.11.1977
Dezember 1977:
Der Ermittlungsausschuß der BUU Hamburg gibt vermutlich im Dezember ein Flugblatt zu den Grohnde-Strafbefehlen "'Jeder, der dabei auch nur als Kulisse dient, … …ist ein Komplize der Gewalttäter!' (Albrecht)" heraus. Die Auflage beträgt 4 500.
Q: BUU-Ermittlungsausschuß: 'Jeder, der dabei auch nur als Kulisse dient, … …ist ein Komplize der Gewalttäter!' (Albrecht), Hamburg o. J.

02.12.1977:
In Hamburg gibt die BI Finkenwerder gegen Atomanlagen (Mitglied der BUU) das Flugblatt "Angeklagt wir alle!" zu den Brokdorf-Leistungsbescheiden und den Grohnde-Prozessen heraus.
Q: BI Finkenwerder gegen Atomanlagen: Angeklagt wir alle!, Hamburg 2.12.1977

08.12.1977:
Die BUU Hamburg gibt zum Grohnde-Prozess gegen Bernd Löwe eine "Prozeßerklärung" heraus. Die Auflage beträgt 300.
Q: BUU Hamburg: Prozeßerklärung, Hamburg 8.12.1977


12.01.1978:
Die BUU Hamburg gibt das Flugblatt "Angeklagt: Wir alle!" zum Grohnde-Prozess gegen einen Hamburger in Hannover ab dem 16.1.1978 heraus. Die Auflage beträgt 20 000.
Q: BUU Hamburg: Angeklagt: Wir alle!, Hamburg 12.1.1978


21.01.1978:
Laut KB demonstrieren in Hamburg ca. 1 500 AKW-GegnerInnen wegen der Grohnde-Prozesse.
Zur Demonstration ab Karl-Legien-Platz rief auch das Plenum der autonomen Gruppen der BUU auf.
Q: Plenum der autonomen Gruppen der BUU: was ist kriminell?, Hamburg o. J. (1978); Arbeiterkampf Nr.121,Hamburg 23.1.1978,S.1


06.02.1978:
In Hamburg erscheinen vermutlich in dieser Woche die Flugblätter "Prozesse gegen 7 AKW-Gegner wegen Bernd-Löwe-Begleitung" und "Grohnde-Prozesse in Hamburg !!".
Q: N. N.: Prozesse gegen 7 AKW-Gegner wegen Bernd-Löwe-Begleitung, Hamburg o. J. (1978); N. N.: Grohnde-Prozesse in Hamburg !!, o. O. o. J.




25.02.1978:
In Hannover beginnt, laut KB, ein zweitägiger Wahlkongreß, zu dem die WGA aus Hameln/Bad Pyrmont aufgerufen hatte:"
Am Kongreß nahmen 69 Bürgerinitiativen aus dem Anti-AKW-Bereich und andere demokratische Initiativen und politische Organisationen teil (u.a. der KB)."
Q: Arbeiterkampf Nr.124,Hamburg 6.3.1978,S.7
März 1978:
Die Rote Hilfe (RH) e.V. der KPD gibt ihre Zeitschrift 'Rote Hilfe' Nr. 1 (vgl. Dez. 1977, Apr. 1978) für März heraus. Vom Anti-AKW-Protest wird berichtet über ein "Ermittlungsverfahren nach §90a gegen Pastor" wegen dessen Rede auf einer Trauerfeier für Hartmut Gründler in Hameln. Zu Grohnde erscheint der Artikel "AKW-Gegner gegen Kriminalisierung".
Q: Rote Hilfe Nr. 1,Köln März 1978, S. 5 und 25f



April 1978:
Die Rote Hilfe (RH) e.V. der KPD gibt ihre Zeitschrift 'Rote Hilfe' Nr. 2 (vgl. März 1978, Juni 1978) für April heraus. Berichtet wird vom Anti-AKW-Protest aus Hannover: "Erste Urteile in den Grohnde-Prozessen stehen bevor".
Q: Rote Hilfe Nr. 2, Köln Apr. 1978, S. 5f


19.04.1978:
Die BUU Hamburg gibt das Flugblatt: "AKW-Gegner zu 22 Monaten Knast verurteilt!" zum Grohndeprozess gegen Jerry Schulz mit einer Auflage von 30 000 heraus. Aufgerufen wird zur Kundgebung am 22.4.1978 am Legienplatz.
Q: BUU Hamburg: AKW-Gegner zu 22 Monaten Knast verurteilt!, Hamburg 19.4.1978


22.04.1978:
Die BUU Hamburg (vgl. 19.4.1978) rief gegen die Grohndeprozesse zu einer Kundgebung "Verurteilt: Wir alle!" um 10 Uhr 30 am Legienplatz auf.
Q: BUU Hamburg: AKW-Gegner zu 22 Monaten Knast verurteilt!, Hamburg 19.4.1978
07.05.1978:
In Hannover findet eine Anti-AKW-Konferenz statt, die für den 10.6.1978 eine Demonstration gegen die Grohnde-Prozesse und für den 9.-11. Juni 1978 "ein öffentliches Arbeitstreffen zu den brennenden Fragen der Anti-AKW-Bewegung" in Hannover beschließt.
Q: Jordan, J.: Weg mit den Grohnde-Urteilen, Hamburg o. J.


24.05.1978:
In Hamburg wird, laut RH e.V., der Grohnde-Angeklagte Karl Winter verhaftet.
Q: Rote Hilfe Nr. 4, Köln Sept. 1978, S. 7

31.05.1978:
Die Bürgerinitiative gegen Atomkraftwerke Oberschwaben führt, laut und mit KBW, in Ravensburg eine Anti-AKW-Veranstaltung gegen die Grohndeprozesse mit über 50 Teilnehmern durch.
Q: Kommunistische Volkszeitung – Bezirksteil Ulm / Bodensee Nr. 22 und 23, Ravensburg 29.5.1978 bzw. 5.6.1978, S. 17 b zw. S. 17

Juni 1978:
Die Rote Hilfe (RH) e.V. der KPD gibt ihre Zeitschrift 'Rote Hilfe' Nr.3 (vgl. Apr. 1978, Sept. 1978) für Juni heraus. Berichtet wird über Prozesse gegen AKW-Gegner wegen der Aktionen in Brokdorf und Grohnde. Es erscheint dazu auch der Artikel von Helmut Ostermeyer, Bielefeld: "Atomjustiz".
Q: Rote Hilfe Nr.3,Köln Juni 1978, S. 13 und 17ff




05.06.1978:
Heute soll, laut und mit KBW, eine Anti-AKW-Veranstaltung in Friedrichshafen vom Arbeitskreis Kernenergie gegen die Grohnde-Prozesse stattfinden.
Q: Kommunistische Volkszeitung – Bezirksteil Ulm / Bodensee Nr. 23, Ravensburg 5.6.1978, S. 17
15.12.1978:
Der Ermittlungsausschuß der BUU Hamburg gibt eine Schrift "Grohnde-Prozesse – wir lassen uns nicht einschüchtern!" heraus. Die Auflage beträgt 2 000 Stück, der Preis 10 Pfennig. Ausgeführt wird einleitend: "Insgesamt 93 Monate Gefängnis lautet die vorläufige Bilanz der Grohnde-Prozesse."
Angekündigt wird, dass beim Internationalen Russell-Tribunal vom 3.-9.1.1979 auch die Grohnde-Prozesse zur Sprache kommen.
Q: BUU-Ermittlungsausschuß: Grohnde-Prozesse – wir lassen uns nicht einschüchtern!, Hamburg 15.12.1978




02.04.1979:
In Hamburg soll Eso Oldefest als erster in den Grohnde-Prozessen Verurteilte in die JVA Fuhlsbüttel einziehen, Die ihn begleitenden ca. 400 Menschen aber machen auf halbem Wege kehrt und besetzen die Petri-Kirche (vgl. 12.4.1979) um ihrer Forderung nach Zurücknahme aller Urteile gegen Atomkraftwerks-Gegner Nachdruck zu verleihen.
Q: Ökologie-Laden: St. Petri-Kirche besetzt: Zurücknahme aller Urteile gegen Atomkraftwerks-Gegner, Hamburg o. J. (Apr. 1979)


12.04.1979:
In Hamburg erscheint spätestens heute von den Besetzern der Petri-Kirche (vgl. 2.4.1979) das Flugblatt "Wir lassen nicht locker – wir bleiben! Ostern in der Petri-Kirche". Am 15.4.1979 soll dort der Grohnde-Film gezeigt werden.
Q: Besetzer der Petri-Kirche: Wir lassen nicht locker – wir bleiben! Ostern in der Petri-Kirche, Hamburg o. J. (Apr. 1979)


Letzte Änderungen: 26.5.2011
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