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Politische Bewegung in Gelsenkirchen
1967-1985

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Dietmar Kesten, Gelsenkirchen


3. Teil: Neue Hauptseite Theorie (NHT), Marx-Engels- (Bildungs-) Gesellschaft (MEG), Arbeitsgruppe Westdeutsche Linke (AWL) und Arbeiterkulturverlag (AKV)

Natürlich ist der letzte Teil von „Politische Bewegungen in Gelsenkirchen“ nicht von weniger Brisanz als die beiden bereits vorgelegten Teile. Da der Autor selbst in der MEG des Kreises Gelsenkirchener Marxisten-Leninisten (Neue Hauptseite Theorie) und später in der AWL organisiert und aktiv war, könnte der Vorwurf erhoben werden, dass es sich hier um eine „Abrechnung” mit Ehemaligen oder damals vertretenen Positionen handelt und der subjektive Faktor gegenüber einer objektiven Darstellung überwiegt. Um dem vorzubeugen, hat der Autor (damaliges Pseudonym: Hans Kampmann) sich darum bemüht, die damaligen Kontroversen (soweit die Dokumente einsehbar und lesbar gemacht werden konnten) in ihrer Substanz wiederzugeben. Die Schwierigkeit bei den hier vorgestellten Materialien bestand jedoch darin, dass sie teilweise nur noch fragmentarisch in der Datenbank vorhanden sind und die eigene Sammlung über diese Zeit kaum noch vollständig ist. Zudem sind die vorliegenden Dokumente aus der NHT- und AWL-Zeit teilweise so umfangreich, dass ihre Erwähnung bzw. Zuordnung zu einem Datum ausreichen musste.

Das machte die Herauskristallisierung der Streitfragen nicht einfacher. Der Verfasser musste daher bei diesen Texten, wie auch bei allen anderen aus der maoistischen Bewegung, mit Auslassungen, die so (…) gekennzeichnet wurden, arbeiten. Ohne sie war der Textvielfalt nicht beizukommen. Dennoch, so meine ich, kann sich der Leser anhand der vorgestellten Daten ein genuines Bild darüber machen, was NHT MEG, AWL und der AKV waren. Nach Möglichkeit hat sich der Autor einer Wertung enthalten, ist aber nicht darum herumgekommen, die kontroversen Positionen wenigstens in ihren Grundzügen kurz zu skizzieren. Viele Richtungswechsel der Redaktion der „Aufsätze zur Diskussion”, die auf Konferenzen oder internen Beratungen angedacht und später zu öffentlichen Verlautbarung gemacht worden waren, lassen sich nicht mehr stringent darlegen, da das Konglomerat aus einer Reihe von (theoretischen) Ansätzen bestand, die ziemlich vielschichtig waren, so dass selbst alle hier vorgelegten Dokumente auch immer nur Teilergebnisse der Debatten widerspiegeln. Beziehen konnte sich der Verfasser daher nur auf die öffentlich gemachte Publizistik, in denen die Kerntheorien der AzD-Redaktion enthalten waren und an denen sich der Streit hochschaukelte.

Die Redaktion der „Aufsätze zur Diskussion” hatte seinerzeit durch beständige Positionswechsel mit fadenscheinigen Begründungen nun nicht gerade dazu beitragen, ihrem eigenen Anspruch, „die marxistisch-leninistische Bewegung auf die Höhe der Zeit” zu hieven, gerecht zu werden. Ein stringente Theorie gab es hierzu nicht. Zudem war die Bestimmung der „marxistisch-leninistischen Bewegung” als „revolutionär” äußerst fragwürdig, da sie schlechterdings davon ausging, ihren Mangel an „ideologischer Ausstrahlung“, den sie selbst bewegenden „Praktizismus“, ihre ungenügende „theoretische Abrechnung mit dem kleinbürgerlichen Sozialismus“ beheben zu können, um sie dann, wenn die Theoriearbeit von Erfolg gekrönt war, mit der „Klassenanalyse“ zu vereinen.

Diese krude Geschichtsbewältigung der NHT war jedoch ohne das entscheidende Standbein, den „Anti-Gramsci“ (d. i. Kaminski/Karuscheit/Winter: „Antonio Gramsci - Philosophie und Praxis“, Frankfurt/M., 1982), nicht zu haben. Die Schrift selbst, die Abgrenzung von der Studentenbewegung („Kritische Theorie“) und der Zirkelbewegung sein sollte, die als nächste „konkrete (theoretische) Aufgabe“ verstanden wurde, sollte dem Rest der Bewegung, den Linken im Allgemeinen, den theoretisch arbeitenden Kräften, sozusagen „Schützenhilfe“ in ihrem Kampf gegen einen „philosophischen Idealismus“ geben, der namentlich von einigen Organisationen oder deren Restbeständen vorgetragen wurde. Vor allem gegenüber der zerfallenden KPD, dem im Spaltungsprozess stehenden KBW, den SOST, MLD und anderen sollte der „Anti-Gramsci“ als „Wunderwaffe“ wirken. Dachte doch die NHT daran, mit ihm genügend Einfluss zu erlangen, um sie alle nachhaltig beeinflussen zu können. Die Schrift stieß jedoch auf weitgehende Ablehnung, was für den untersuchten Zeitraum nicht nur für Gelsenkirchen und das Ruhrgebiet, sondern vermutlich, als allgemeine Feststellung formuliert, auch für den Rest der Republik galt.

Ab 1979 begann zunächst ein breiterer Kreis der ML-Bewegung die Konzeptionen der Gelsenkirchener zu kritisieren. Zu nennen wären vor allem: KGB/E, die KG Ulm (KGU), die Marxisten-Leninisten Nürnberg/Fürth/Erlangen, der AKV, Erobert die Theorie (München) und andere. Die Positionen der Kritik an den „Gelsenkirchenern” zu dieser Zeit waren ziemlich umfangreich, so dass auch hier nur auf die vorliegenden Dokumente verwiesen werden kann. Aufhänger waren u. a. die Thesen zum „naiven Opportunismus der ML-Bewegung”, zum „Ende“ der ML-Bewegung, die Restbewegung der „Alten Hauptseite Theorie“ (AHT) schlagen zu wollen, in eine „politökonomische Debatte” einsteigen zu wollen, die nach Einschätzung der Kritiker letztlich im „linken Politpragmatismus” (AWL/AKV) aufgehen würde.

Der Hinweis darf nicht fehlen, dass alle hier genannten Personen, die mal öfter in Erscheinung traten, mal weniger, die Geschehnisse, soweit sich das nachrecherchieren ließ, maßgeblich mitbestimmt haben. Wie bei allen anderen Gruppen und Organisationen, Parteien, Komitees und Bünden so war auch der Fraktionierungsprozess der NHT in Gelsenkirchen, Frankfurt/M. und anhängenden Kreisen (etwa Groß-Gerau) Ergebnis einer längeren Entwicklung. Er vollzog sich in einem Zeitraum von gut drei Jahren (1981-1983).

Durch den AKV (Arbeiterkultur-Verlag, Köln/Düsseldorf) wurden die Auseinandersetzungen (zunächst über die AzD) in die NHT und damit auch in die Kreise hineingetragen. Deshalb erschien es sinnvoll, die Materialien, die über ihn noch vorhanden sind, hier mit aufzunehmen. Die AWL, die sich von der NHT abspaltete, stand bis zu ihrer Auflösung (die ab dem Sommer 1985 schrittweise bis zum Jahresende erfolgte) in ständiger Konfrontation zur NHT (Gelsenkirchen/Frankfurt/M.), was sich in allen hier vorgestellten Dokumenten und Papieren ablesen lässt. Eine Beschreibung der wesentlichen Widersprüche der NHT ist ohne den AKV nicht möglich, da er die Auseinandersetzungen innerhalb der NHT maßgeblich mitbestimmte und an der Fraktionierung wesentlich beteiligt war.

Da die leitenden Schulungsfunktionäre der Marx-Engels (Bildungs-) Gesellschaft Gelsenkirchen mit der NHT verflochten waren, lag es auf der Hand, sie ebenfalls zu skizzieren, da sie die Positionen der NHT in die Schulungskreise hineintrug.

Die ersten Gehversuche der Marx-Engels (Bildungs-) Gesellschaft, die es laut Alfred Schröder (Publizist für die „AzD” und lange Zeit Redaktionsmitglied) in den ersten Ansätzen bereits 1975 gegeben hatte, werden, soweit die vorliegenden Materialien auch darüber einen Einblick geben, verfolgt und dargestellt.

Ende 1976 wurde von einem späteren Mitglied des Kreises der Gelsenkirchener Marxisten-Leninisten unter dem Pseudonym „Heinz Seefeld“ das Buch „Krieg und Frieden in Europa und die Ostpolitik der BRD“ herausgegeben. Durch die MEG, die ihren Sitz zunächst in Gelsenkirchen-Bulmke (Bulmkerstraße 32a) hatte, wurde vermutlich am 17. Januar 1977 die „Buchhandlung und Antiquariat 'Volk und Wissen'” eröffnet. Sie wurde u. a. zu einem Treffpunkt der Gelsenkirchener Marxisten-Leninisten. Sie zog später in die Neustadt (Bochumer Straße) um, wo sie sich die Räumlichkeiten mit den Marxisten-Leninisten Gelsenkirchen (NHT) teilte. Einige Zeit später zog sie abermals um: Das neue Domizil war in der Feldmark (Holbeinstraße).

Die MEG, die sich an die Schulungskonzeptionen der Weimarer KPD anlehnte, zog seit 1979 eine Reihe von Menschen an, die sich für den Marxismus in allgemeiner Form interessierten. Angeboten wurde eine Reihe von Veranstaltungen, die sich mit Ökonomie, Geschichte der Arbeiterbewegung, Philosophie und Militärtheorie beschäftigten. Daneben gab es Grund- und Aufbausschulungen, Sommer-, Frühjahrs- und Winterurlaubsschulungen, auf denen in kleinen Gruppen diverse Schulungsthemen behandelt wurden. Im direkten Vergleich mit den KBW-Schulungen zog sie allerdings den Kürzeren, wenn man daran denkt, dass die dort durchgeführten Kapital-Schulungen (selbst noch in der langen Auflösungsphase ab dem September 1980) in der Regel zwischen 80 und 100 Personen umfassten.

Die Entwicklung der Grünen in Gelsenkirchen kann m. E. von der MEG bzw. der Neuen Hauptseite Theorie nicht gänzlich abgetrennt werden. Ein nicht unerheblicher Teil, der später im Rat der Stadt Gelsenkirchen (ab ca. 1982) unter Bernd Matzkowski, Ernst Sott (vormals MEG) und anderen erste Erfolge feierte, war von dieser Entwicklung mitbestimmt. Über die Entwicklung der Grünen in ihrer Anfangsphase enthält die Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO) wenig Materialien. Eine E-Mail des Autors vom 3. Januar 2007 an die Grüne Ratsfraktion, in der um Material nachgesucht wurde, blieb unbeantwortet.

Was diesen letzten Teil meiner Arbeit anbelangt, so wäre noch hinzuzufügen, dass damit ein Stück der Gelsenkirchener Kontinuität von den Anfängen bis ca. 1985 quellenmäßig gewährleistet werden konnte. Die aktuelle Datenbank endet im Übrigen für Gelsenkirchen auch mit diesem Jahr, was den sinnvollen Abschluss der Arbeit zu diesem Zeitpunkt ergibt. Einige Daten, die über 1985 hinausgehen, sollen nur dokumentieren, dass die Geschichte über den abgesteckten Zeitraum hinaus weiter geschrieben werden kann. So finden die ersten Bemühungen, die „Chronik des Maoismus” auf ein Fundament zu stellen, hier ebenso noch Berücksichtigung wie eine der letzten Ausgaben der AzD, aber auch das schleichende Ende der AWL. Die letzte uns bekannte Ausgabe der AzD dürfte die Nr. 72 (Hauptthema: „US-Kriegspolitik“) gewesen sein, die um 1998/99 erschienen sein dürfte.

Die NHT hatte nie eine durchgängig skizzierte Linie, die AWL allerdings auch nicht. Die Aufarbeitung des Scheiterns der ML-Bewegung war für beide Gruppen relevant, auch wenn die jeweilige Schwerpunktsetzung anders aussah. Die Theorien der AWL als Fragmente zu bezeichnen, wäre sicherlich nicht falsch, zumal diese über einem längeren Zeitraum ge- und verändert und einer breiteren Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht wurden (da intern beraten) oder in verklausulierten Textzusammenhängen später auftauchten. NHT, AWL und AKV waren insgesamt dem (revolutionären) Marxismus-Leninismus verpflichtet. Die AWL stand ausdrücklich in der Kontinuität der „revolutionären Theorie” (vgl. „Grundsätze”), in „der Tradition der kommunistischen Arbeiterbewegung” (ebd.) und der „Jugend- und Studentenbewegung“. Zur Zirkelbewegung nahm sie zwar eine kritische Position ein, befand aber, dass man an ihren „Bekenntnissen“ (ebd.) festhalten müsse. Meinten die einen (NHT), „Praxis-orientierte Theoriearbeit”, was immer darunter auch verstanden wurde, machen zu müssen, so forderte die AWL, „ideologiekritisch” vorzugehen. Der Aufhänger war dabei jeweils die Zirkelbewegung und deren Theoriedefizite, die nachgeholt und verwandelt werden sollten. Hier trafen sich dann im Übrigen auch NHT und AWL, da beide davon ausgingen, die „Theorie des ML als Hauptseite betreiben” und ein „ideologisches Zentrum” schaffen zu wollen, das die „Defizite” des Marxismus (-Leninismus) aufheben sollte.

NHT, AWL und AKV waren Ausläufer der bundesrepublikanischen ML-Zirkelbewegung. Sie lehnten den Marxismus (-Leninismus) als Theoriegebäude nicht ab, sondern bewegten sich in diesem. Ihre theoretische Arbeit fußte immer auf den Theorien des arbeiterbewegten Marxismus. Der Schlagung des „kleinbürgerliche Sozialismus“, den die NHT in der Phase bis 1982 auf die Tagesordnung setzte, folgte die Theorie des „naiven Opportunismus“ der ML-Bewegung, die wiederum durch die „Polit-ökonomische“ Debatte (ab 1983) ersetzt wurde - und die schließlich den Übergang zum „Anti-Gramsci“ (ebenfalls 1983) charakterisierte und markierte.

Die AWL, deren umfangreiches Schrifttum nie öffentlich gemacht wurde und deshalb überhaupt nicht bekannt ist, lehnte sich mit ihren theoretischen Arbeiten (bis ca. Ende 1982) an die NHT an, meinte auch, sie auf den „richtigen“ Weg der Theoriearbeit zurückführen zu können. Eine Reihe von Dokumenten belegt das. Der eigene Weg der AWL (ab dem genannten Zeitraum) wurde durch eine Reihe von theoretischen Arbeiten geebnet. Genannt werden können das Manuskript zu Georg Lukacs von Sigmund Piotrowski, die Arbeit zum Freudo-Marxismus von Sigmund Piotrowski und Hans Kampmann, die ersten Anfänge einer Maoisten-Chronik, der Kominformbeitrag von Hans Kampmann, ein mehr als 300-seitiges Kominternmanuskript von Hans Kampmann, ein Negt-Manuskript von Wolfgang Wirth und Sigmund Piotrowski, eine Leineweber-Arbeit von Jan Lidtke, Studien zu Oskar Negt in Hannover von Paul Rother und Wolfgang Merlin, ein umfangreiches Manuskript von Alfred über Friedrich Engels’ „Ursprung der Familie“, ein umfangreiches Manuskript über Sohn-Rethel des AKV, vor allem aber das Arbeitsprogramm zur „Westdeutschen Linken“, Studien zum „imperialistischen Imperialismus (Liberalismus)“ sowie das Schrifttum des Arbeiterkulturverlages (AKV) mit dem besonderen Merkmal der „Kritik des Warenfetischismus“.

Die AWL hob sich zu Beginn des Jahres 1983 von der NHT und ihrem „Politpragmatismus“ (Kennzeichnung durch die AWL) deutlich ab und reagierte nicht mehr öffentlich auf deren Positionen (vgl. Dokumente). Sie kann letztendlich als reiner, sich im Aufbau wähnender Theoriezirkel bezeichnet werden, der an den Debatten der Bewegung nicht mehr teilnahm. Aber es gelang ihr nicht, einen wirklich neuen theoretischen Ansatz zu entwickeln. Eine Radikalkritik am bisherigen Arbeiterbewegungsmarxismus gab es nicht. Für sie war (im Gegensatz zur NHT) die „Ideologie-Kritik“ der eigentliche theoretische Maßstab. Zu einer weiteren Verbreitung ihrer Ansichten kam es (teils durch eigene Abschottung) nicht. Man kann sagen, dass sie als reine Theoriegruppe tatsächlich im „eigenen Saft“ schmorte, nach der Trennung von der NHT keine Außenwirkung mehr produzierte.

Für die Entwicklung der AWL erschwerend kam hinzu, dass der AKV als Gruppe innerhalb der AWL arbeitete und seine theoretischen Vorstellungen in deren Diskurs hineintrug. Es wäre nicht verfehlt zu formulieren, dass die AWL Anhängsel des AKV war. Eine eigenständige theoretische Profilierung war nur in seltenen Fällen gegeben, was sich auch in den hier vorgestellten Kontroversen niederschlug. Die immer wieder an der NHT kritisierte „Scherenproblematik“, die es verunmöglichte, dass die Basis den Schritten der AzD-Redaktion auf überprüfbarer Grundlage folgen konnte, kam hier vollends zum Tragen. Die Vorschläge des AKV waren die der AWL. Allein die Maoisten-Chronik rettete sich über die Zeit hinweg. Sie ist m. W. das einzige Projekt aus dieser Zeit, das sich durchsetzen konnte - und an dem noch heute (allerdings in damals nicht beabsichtigtem Umfang und anderer Form) gearbeitet wird.

Die Gruppe um Robert Kurz, die etwa zu Beginn der 1980er Jahre noch an den Debatten der KGB/E und der „Gelsenkirchener” teilnahm, sagte sich als eine der ersten von der Arbeitertümelei und vom Marxismus-Leninismus als Gesamtsystem los. Ausdruck davon war die „Marxistische Kritik“, die in einer ersten Ausgabe 1986 (vormals „Neue Strömung“) erschien. Mit der Zeitschrift „Krisis” schienen sich auch die Debatten tatsächlich zu verlagern. Ob und inwieweit die spätere NHT über 1985 hinaus die Auseinandersetzung mit Kurz suchte, kann zurzeit nicht beurteilt werden. Mit dem ersten, von Kurz publizierten Buch: „Auf der Suche nach dem verlorenen sozialistischen Ziel“, mit dem „Manifest für die Erneuerung (einer) revolutionärer Theorie” (1988) und der Schrift „Der Kollaps der Modernisierung” (1. Auflage, 1991) endete auch der stetige Drang, sich an der Zirkelbewegung, was ja NHT und AWL noch auszeichnete, orientieren zu müssen. „Der Kollaps der Modernisierung” beschrieb einen möglichen Zusammenbruch des globalen Weltsystems, dass sich auflösen werde und dass auf der Grundlage des Rationalisierungsprozesses die Arbeit, die als Klammer des Kapitalismus der Moderne verstanden wurde, sukzessive verschwinden lassen würde. In einem „Kollaps” würde er auf ein „barbarisches Ende“ zusteuern.

Mit dieser Entwicklung hatte die Rest-Linke gar nichts mehr zu tun. Die Zeitschrift „Krisis” entfaltete fortan u. a. auch ihre „Wertkritik”, die sich gegen ein soziologistisch verkürztes Verständnis von Herrschaftsverhältnissen wandte. Gleichzeitig postulierte Kurz durch die radikale Kritik am „Arbeitswahn” und dem „Klassenkampffetisch” der traditionellen Arbeiterbewegung das „Ende der Souveränität der Moderne” (vgl. Robert Kurz: „Weltordnungskrieg. Das Ende der Souveränität und die Wandlungen des Imperialismus im Zeitalter der Globalisierung”, Bad Honeff 2003). Bis April 2004 war Robert Kurz Mitherausgeber der Zeitschrift und Mitglied der Gruppe. Ab diesem Zeitraum kam es zur Spaltung, die allerdings an die Debatten der ML-Zirkel erinnerte. Die Kontroversen sind auf den Homepages von „Krisis” und „Exit” (der neuen Zeitschrift von Kurz und anderen) nachzulesen.

Der Begriff des (Waren-) Fetischismus wurde hier schon ganz anders als seinerzeit noch von der AWL gefasst. Fetischismus postulierte eine kritische Analyse des totalitären Welt- und Vergesellschaftungsprinzips der Moderne. Die nun von Kurz und „Exit“ postulierten Theorien gehen u. a. nun in den „Abspaltungsthesen“ auf, die vielleicht sogar als Synthesis aus der früheren „Wertkritik“ sowie der (postfeministischen) Geschlechterdifferenz verstanden werden könnten. Gegenwärtig firmiert das unter „Wertabspaltungstheorie“, die in „Exit“ einen breiten Raum einnimmt. Kurz bekannteste Publikation dürfte das „Schwarzbuch Kapitalismus. Ein Abgesang auf die Marktwirtschaft“, Frankfurt/M. 1999, sein.

Erstmals werden in diesem Teil meiner Arbeit mehr als 70 Prozent der Datensätze über die NHT, AWL und den AKV aus der Datenbank MAO vorgestellt. Sie wurden komplett ausgewertet und den jeweiligen Jahren zugeordnet.

Die „Politische Bewegung in Gelsenkirchen“ kann fortgeschrieben werden. Dazu wäre allerdings noch eine Menge Material zu erheben. Sie könnte den Gelsenkirchener Kreis der NHT ab 1985 bis zu seiner Auflösung (über 1990 hinausgehend) umfassen, die Grünen, andere politische Vereinigungen, Komitees, sogar den KABD (MLPD) und die AUF, später vielleicht sogar PDS, WASG und andere Linke. Nur wenn der freie Zugang zu ALLEN Dokumenten möglich ist, kann das bewerkstelligt werden.

  

Daten über die Neue Hauptseite Theorie (NHT), die Marx-Engels- (Bildungs-) Gesellschaft (MEG), die Arbeitsgruppe Westdeutsche Linke (AWL) und den Arbeiterkulturverlag (AKV) (1974 – 1985)

1974

1974: Nach einem Bericht der Marx-Engels (Bildungs-) Gesellschaft in den AzD, Nr. 9/1980, gründete sich bereits im Laufe des Jahres 1974 in Gelsenkirchen ein „Initiativkreis für eine Studiengesellschaft”, die im Laufe des Jahres 1976 wieder scheiterte. (1)

Mai 1974: In Essen erschien, von Reinhard Merker und Frank Rainer Scheck herausgegeben, die Schrift: „Emanzipation und Revolution. Kritik an Duhm.” (2)

1975

Mai 1975: Reinhard Merker und Frank Rainer Scheck (beide AKV) veröffentlichen in der Reihe „Kulturkampf” die Schrift: „Deutscher Faschismus - Westdeutscher Neofaschismus. Ideologie und Politik der offenen Monopoldiktatur.” In der Vorbemerkung schrieben die Verfasser: „Die Gefahr eines Neofaschismus in der BRD kann kaum überschätzt werden. Ein westdeutscher Staat, der atomar bewaffnet die Hegemonie in Europa an sich reißt, der zum erbitterten Konkurrenten der Supermächte im Kampf um die Weltherrschaft und Einflußsphären aufrückt, der seine Militärmaschine erneut nach Osten ausrichtet, gleichzeitig das eigene Volk mit waffengespickten Bürgerkriegsarmeen brutal niederhält, kann nur dem als utopisch erscheinen, der das geschichtliche Räsonnement der Studentenbewegung gegen jede Erkenntnis marxistischer Analyse verbissen verteidigt, der im bedrohlichen Aufmarsch der Reaktion nur ‘äußerliche Erscheinungen’ erkennen will oder der, wie die DKP-Theoretiker, zwar wortreich vor Strauss und Dregger warnt, an einen Neofaschismus in der BRD aber angesichts der ‘weltweiten Schwächung’ des Imperialismus und des Waltens der ‘Friedensmacht Sowjetunion’ nicht ernsthaft glaubt. Die vorliegende Broschüre versucht in abrisshafter Form, Ideologie und Politik des historischen deutschen Faschismus zu erläutern und die einflussreichsten Faschismustheorien zu diskutieren, um daraus Schlussfolgerungen für den antifaschistischen Kampf zu ziehen. Wir verstehen sie als einen ersten, noch sehr fragmentarischen Beitrag, der keineswegs alle Fragen anschneiden, geschweige denn klären kann. Weitere Broschüren, insbesondere auch zur politökonomischen Konkretisierung der heutigen faschistischen Gefahr, zum Wesen und zur Stoßrichtung der ideologischen Vorbereitung des Faschismus heute werden zu folgen haben.” (3)

1976

Ende 1976: Von Heinz Seefeld [ein Pseudonym] erscheint vermutlich Ende 1976 mit 134 Seiten als „Eigendruck im Selbstverlag“ in Gelsenkirchen die Schrift „Krieg und Frieden in Europa und die Ostpolitik der BRD“. Vertrieben wird sie über: Buchhandlung und Antiquariat „Volk und Wissen“, Bulmker Str. 32a, 4650 Gelsenkirchen.
Quelle: Heinz Seefeld: Krieg und Frieden in Europa und die Ostpolitik der BRD, Gelsenkirchen, o. J. [1976].

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1977

17. Januar 1977: Vermutlich an diesem Tag eröffnet die „Buchhandlung und Antiquariat ‚Volk und Wissen’“, Bulmker Str. 32a, 4650 Gelsenkirchen. Sie wird zu einem Treffpunkt der Gelsenkirchener Marxisten-Leninisten.
Quelle: Anzeige in: Heinz Seefeld: Krieg und Frieden in Europa und die Ostpolitik der BRD, Gelsenkirchen, o. J. [1976], S. 135.

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Ende 1977: In Gelsenkirchen gründete sich nach den „AzD”, Nr. 9/10 1980, ein neuer „Initiativkreis für eine wissenschaftliche Studienbewegung des Marxismus-Leninismus”. Zum Scheitern der ersten MEG führten die Verfasser aus: „Obwohl die Gesellschaft das Studium des Marxismus-Leninismus zum Ziel hatte, konnte jeder, der an den Schulungen teilnahm, auch Mitglied der Gesellschaft werden. So bildeten die Kursteilnehmer auch gleichzeitig die Träger der Gesellschaft, unabhängig, ob sie nun Marxisten-Leninisten waren oder erst den wissenschaftlichen Sozialismus kennenlernen wollten. An diesem Widerspruch ist die erste MEG zugrunde gegangen. Aus ihrem Scheitern hat die neue MEG als wichtigste Konsequenz die Trennung von Hörer- und Trägerkreis der Gesellschaft gezogen. Heute kann nur Mitglied der MEG werden, wer auf dem Boden des Marxismus-Leninismus steht und sich an der Durchführung der Schulungstätigkeit beteiligt. Die Mitglieder bilden somit den Lehrkörper der heutigen MEG.” (4)

1978

Januar 1978: Verabschiedung eines „Arbeitsplanes der KGB/E“. Er hatte Gültigkeit bis zum Juni 1978. U. a. sollen Kontakte zu: KAG Osnabrück, Gelsenkirchen, KAB Kassel, IKG Bonn, KAB/RW Frankfurt aufgenommen werden. Innerhalb der ML-Bewegung würde es gelten, „die Auseinandersetzung um die 'Drei-Welten-Theorie' zu verfolgen, da diese Frage ... in der nächsten Zeit von großer Bedeutung für den antiimperialistischen Kampf sein" würde.

„Zusammenfassend muss noch einmal darauf hingewiesen werden, dass die Entwicklung der Widersprüche in der kommunistischen Bewegung in der BRD entscheidend von der internationalen kommunistischen Bewegung abhängt sowie allgemein von der internationalen Entwicklung. Mit der Entwicklung des Imperialismus ist der Kampf um die Befreiung der Arbeiterklasse international geworden. Dies müssen wir immer bei unserer Politik berücksichtigen." (5)

März 1978: Nach einem Bericht eines Vertreters des KAB Kassel in Bochum, soll sich der KAB/RW Frankfurt in der bisherigen Form aufgelöst haben. Er teile sich nun in zwei Gruppen auf: „Die Marx-Engels-Studiengesellschaft, die Schulungsarbeit betreibt und die noch nicht so fortgeschrittenen Genossen zusammenfasst, den 'Revolutionären Weg', in dem sich die fortgeschrittenen Genossen befinden, die eine theoretische Zeitung erstellen. Erste Aufgabe dieser Gruppe soll eine Untersuchung der ML-Bewegung und der Ursachen des bisherigen Scheiterns sein. Eine organisierte Praxis fällt damit bei diesem Konzept weg ... Es scheint sich also bei den Frankfurtern der Einfluss der Gelsenkirchener ziemlich breit gemacht zu haben." (6)

Juli 1978: Nach eigenen Angaben führte die Kommunistische Gruppe Bochum/Essen (KGB/E) Gespräche mit folgenden Gruppen durch:

Bei den Frankfurtern soll es sich weder um den KAB/RW noch um die ausgetretenen KBW'ler (Frankfurter Zirkel) handeln. Sie würden „keine homogene Gruppe“ bilden. „Hauptsächlich bestand wohl ein Interesse an praktischen Fragen (z.B. Gewerkschaftsfrage) und einen Erfahrungsaustausch darüber.

„Die Mainzer würden bestehen „aus einem Kern von 6 Genossen, die z. Zt. regelmäßig eine Schulungsarbeit über unsere Organe sowie Fragen der politischen Ökonomie betreiben. Darüber hinaus besteht noch ein weiterer Schulungskreis von 15 Leuten ... Die Genossen halten unsere Grundlagen im wesentlichen für korrekt.“ Ein weiteres Gespräch mit den Mainzern ist für den September/Oktober geplant. „Der Entwicklung der Zusammenarbeit mit dieser Gruppe misst der ZA große Bedeutung bei, da wir hier erstmalig eine Gruppe von Genossen haben (teilweise Ausgetretene aus KBW, KPD/ML-ZB u. ä.), die sich fast uneingeschränkt mit unserer Linie identifizieren können.“

Ein Gespräch wurde auch mit der Gruppe um Herausforderung Kiel geführt: „Die Gruppe zählt sich auch zur Bewegung ... der HS Theorie. An der gemeinsamen Erklärung der Gelsenkirchener und an ihrem Buch 'Unsere Aufgaben' bestehen mittlerweile von Seiten der 'Herausforderung' nach anfänglichen Sympathien für die ersten Veröffentlichungen der Gelsenkirchener erhebliche Kritiken.“ Das Gespräch mit den Gelsenkirchenern beschäftigte sich „schwerpunktmäßig mit der theoretischen Arbeit insbesondere mit deren Ausgangspunkt, Inhalte und nächste Aufgaben ... Die Genossen bleiben weiter bei der Behauptung, dass wir bisher keine Antwort auf die Frage gegeben hätten, warum die Bewegung bisher nicht die notwendigen Aufgaben auf dem Gebiet von Theorie und Programm geleistet habe. Die KGB/E sei ebenso wie die ganze Bewegung gescheitert. Bei der Gründung habe die KGB in ihrer Plattform eine Analyse des westdeutschen Imperialismus angekündigt, die sie bisher nicht geleistet Habe ... Die theoretischen Aufgaben der Bewegung können nach Ansicht der Gelsenkirchener erst benannt werden, wenn die Frage des Scheiterns der Bewegung und ihrer gemachten Fehler untersucht und erklärt worden sei ... Der Knotenpunkt der theoretischen Arbeit würde in der „Analyse der Geschichte der ML-Bewegung, der Ursachen ihres Scheiterns“ bestehen. (7)

9. August 1978: Innerhalb der Kommunistischen Gruppe Bochum/Essen (KGB/E) erschien der „Rundbrief“ Nr. 5/1978. Er enthielt u. a. den Arbeitsplan des Zentralausschuss, Thesen zur Notwendigkeit der gewerkschaftlichen Organisierung fortschrittlicher Lehrer und Erzieher innerhalb und außerhalb der GEW, Berichte über Gespräche mit Gruppen in Frankfurt, Mainz, Kiel und Gelsenkirchen. (8)

September 1978: Vom ZA der Kommunistischen Gruppe Bochum/Essen (KGB/E) wurden für diesen Monat Gespräche in Bonn mit der Initiative für eine KG und in Osnabrück mit der KAG sowie eine Veranstaltung in Gelsenkirchen zur Entstehung des russischen Marxismus geplant. (9)

28 September 1978: Der Kreis Gelsenkirchener Marxisten-Leninisten (KGML) lädt zu einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung zur „Entstehung des russischen Marxismus“ am 14.10. in Gelsenkirchen ein. (10)

Dezember 1978: Von Heiner Karuscheit herausgegeben, erschien die Schrift: „Zur Geschichte der westdeutschen ML-Bewegung“ in der ersten Auflage. Als wichtigste Organisationen, die er zu untersuchen vorgab, wurden genannt: KPD/ML, KP/AO, NRF und KBW KB/ML und PL/PI. (11)

1979

März 1979: Die Null-Nummer der „Aufsätze zur Diskussion“ erschien in Gelsenkirchen. Artikel waren u. a.: Heiner Karuscheit: „Pädagogik und die Massen - Über die Notwendigkeit einer Studienbewegung“, Alfred Schröder: „Ein neuer Vertreter der Alten Hauptseite Theorie“, Kurt Meissner: „Der Bochumer Kreislauf“, Georg Weber: „Eine Meuterei auf den Knien. Das Wochenendseminar der KG Bonn zur Novemberrevolution“, Jan Lidtke: „Eine verspätete Weihnachtsgeschichte.“ (12)

Frühjahr 1979: Der „Rechenschaftsbericht der Kreisleitung“ der Marxisten-Leninisten Gelsenkirchen erschien. Berichtet wurde u. a. darüber, dass die MEG in die „gesellschaftliche Bewegung“ am Ort „eingriff“. Genannt wurden auch Aktivitäten im Kampuchea-Komitee, im KOMIC und Rock gegen Rechts. (13)

17. März 1979: Beginn einer Konferenz von MEG-Mitgliedern zur „Einleitung einer wissenschaftlichen Studienbewegung“, die am 18. März fortgesetzt wurde. Danach hat sich die MEG „als Studiengesellschaft des wissenschaftlichen Sozialismus gegründet“. Studiengesellschaften dieser Form existierten bisher in Gestalt der Marx-Engels Bildungsgesellschaft Gelsenkirchen und der MEG-Initiative Frankfurt“. Aufgabe von MEG-Studiengesellschaften ist es, die Theorie des Marxismus-Leninismus, wie sie in den Schriften der Klassiker und der kommunistischen Arbeiterbewegung niedergelegt ist, in allgemeiner Form zu lehren. Angesichts der fehlenden Grundkenntnisse breiter Teile der ML-Bewegung auf allen wichtigen Bereichen des Marxismus will die MEG mit ihrer Schulungsarbeit einen Beitrag zur Aneignung und Verbreitung der revolutionären Theorie leisten, indem sie Schulungen zur marxistischen Philosophie, Ökonomie, der allgemeinen Geschichte und der Geschichte und Theorie des proletarischen Klassenkampfes durchführt. Mit dieser Schulungskonzeption setzt sich die MEG bewusst von der Konzeption der sogenannten ‚zielgerichteten‘ Schulung ab, wie sie zumeist in der ML-Bewegung betrieben wurde, wobei die Schriften der Klassiker oftmals nur als Steinbruch für die jeweilige politische Linie der Organisation benutzt wurden. Um mit der Aneignung der revolutionären Theorie wirklich Ernst zu machen und die Schulungsarbeit nicht durch die Tagespolitik beständig zu gefährden, haben wir die selbständige Organisierung der Schulungen in der Form von Marx-Engels-Gesellschaften gewählt, die unabhängig von den Zirkeln die Schulungsarbeit durchführen.“

Der Aufbau der MEG sollte darin bestehen: „1. Phase: Konsolidierung nach innen. 2. Phase: Vorbereitung nach außen.“ Dabei sollen das „Selbststudium“ und die „öffentlich (angebotenen) Schulungen“ im Mittelpunkt stehen. Als Fernziel der MEG wurde angegeben: „Sie solle sich später in eine Arbeiterbildungsgesellschaft umwandeln, die ähnlich wie die marxistischen Arbeiterschulen der Weimarer Republik einer großen Masse von Werktätigen sowohl die Theorie des Marxismus-Leninismus als auch Wissen im Sinne des gesellschaftlichen Fortschritts vermitteln will.“

Für die Grundkurse hieß es: „Zu Beginn der Schulungsarbeit wird das Schwergewicht notwendigerweise auf einem Angebot von Grundkursen liegen müssen. Für den Bereich Philosophie halten wir Engels, „Anti-Dühring“, 1. Abschnitt für einen guten Einstieg. Möglich ist aber auch, die Schulungsarbeit mit einem Text zu beginnen, der einen Einblick in den gesamten Marxismus gibt. Hierfür bietet sich z. B. Engels Schrift „Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft“ an ...“ Das Kurssystem würde sich gliedern lassen in: Grundkurse, Aufbaukurse und Studienkurse. Sie sollten in einem „wöchentlichen Turnus mit 1 ½ bis 2-stündigen Sitzungen“ stattfinden.

Geschult werden sollten weiter auf dem Gebiet der Philosophie/Weltanschauung: Engels: „Von der Utopie zur Wissenschaft“, Lenin: „Materialismus und Empiriokritizismus“, Engels: „Anti-Dühring“, Engels: „Ludwig Feuerbach“, Plechanow: „Anarchismus und Sozialismus“, Mao Zedong: „Über den Widerspruch“. Politische Ökonomie: Marx: „Lohnarbeit und Kapital“, „Kapital I-III“, Geschichte: „Deutsche Geschichte von der Urgesellschaft bis zu den Befreiungskriegen“, „Deutsche Geschichte von den Befreiungskriegen bis 1914. Geschichte und Theorie des proletarischen Klassenkampfes: Marx: „Kritik des Gothaer Programms“, Marx/Engels: „Das Kommunistische Manifest“, Lenin: „Staat und Revolution“, „Geschichte der KPdSU (B) Kurzer Lehrgang“, „Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung von den Anfängen bis zur Novemberrevolution“.

Zusätzlich setzte die MEG auf „Wiederholungsphasen“ des Stoffes „anhand gezielter Fragen“ und auf die „Phase der Erarbeitung des neuen Stoffes“. Die MEG baute auf die Schulungsleiter, die als „verantwortliche Leiter“ schon „tiefer in die Materie eingedrungen“ seien. Sie würden die „einzelnen Sitzungen leiten“. Und sie sollten dazu in der Lage sein, „auftauchende Fragen inhaltlicher Art zu klären“.

Folgende Formen zur „Heran- und Weiterbildung von Schulungsleitern“ hätten sich bewährt: „Interne Qualifizierungskurse“ und „Schulungsleiterkollektive“. Die MEG biete des Weiteren „bundesweite Urlaubsschulungen“ an. Diese sollten „zwischen 4 und 10 Tage dauern“. (14)

17. März 1979: Nach einem Bericht der Marx-Engels (Bildungs-)Gesellschaft begann am 17. März die „Einleitung einer Studienbewegung des wissenschaftlichen Sozialismus“, die am 18. März fortgesetzt wurde. (15)

April 1979: Gründungsdelegiertentag des Bundes Kommunistischer Intellektueller (BKI) des KABD. Laut MLPD wurde diese Gründung durch „intellektuelle Genossen in der Zentralen Aufbaugruppe (ZAG) unter Anleitung des Jugendbeauftragten der Zentralen Leitung des KABD" vorbereitet. Mit der Stellungnahme „Vorwärts zum Aufbau des BKI“ soll u. a. die „Einheit in der Orientierung auf die Interessen der Arbeiterklasse erzielt werden“. Weiter wurde ausgeführt:

„Bei der Gründung des BKI war noch das Zirkeldenken vorherrschend.“ Doch war „der Zusammenschluss der marxistisch-leninistischen Intellektuellen im BKI ... ein wichtiger Schritt zur Überwindung des bisherigen Zirkelzustandes“. Verabschiedet wurde eine „Gründungsresolution“, in der es u. a. hieß: „Heute haben die berufstätigen kommunistischen Intellektuellen, die seit Jahren diesen Weg des KABD unterstützen, den Bund Kommunistischer Intellektueller (BKI) gegründet. Wir unterstellen uns der ideologisch-politischen Führung des KABD, kämpfen unter seiner Strategie und Taktik gemäß den Lehren des Marxismus-Leninismus, der Mao Tsetungideen und seiner in der Grundsatzerklärung und dem theoretischen Organ REVOLUTIONÄRER WEG festgelegten Linie und erkennen das gemeinsame Statut von KABD, Revolutionärem Jugendverband Deutschlands (RJVD, d. Vf.) und der Kommunistischen Studentengruppen (KSG, d. Vf.) an.

Das ist für die kommunistischen Intellektuellen in Westdeutschland und Westberlin heute die einzige Möglichkeit, für die Revolution und für den Sozialismus zu kämpfen. Denn der gegenwärtige Stand der Arbeiterbewegung und des KABD macht es unmöglich, alle kommunistischen Intellektuellen im KABD zu organisieren. Deshalb hat der KABD vor einem Jahr die Gründung des BKI beschlossen, dessen erste Aufbauphase mit der erfolgreichen Durchführung des Gründungsdelegiertentages abgeschlossen wurde. Der BKI ist seinem ideologischen und politischen Charakter nach eine proletarische Organisation ... Die enge Verbindung mit den Kämpfen der Arbeiterklasse und der Kampf gegen liquidatorische Angriffe auf den Marxismus-Leninismus, die Mao Tsetungideen und die Linie des KABD waren die wichtigsten Grundlagen dafür, dass wir kommunistischen Intellektuellen in den wesentlichen Fragen Einheit erreichen und den Schritt zu einer bundesweiten Organisation machen konnten ... Wir kommunistischen Intellektuellen im BKI aber wollen unter Führung des KABD für den Sozialismus kämpfen.“

Zu diesem Ereignis erscheinen später die „Dokumente des Gründungsdelegiertentages des Bundes Kommunistischer Intellektueller (BKI) vom April 1979“. Diesem Bericht zufolge gibt es Ortsgruppen bzw. Stützpunkte des BKI in Baden-Württemberg in Tübingen, Stuttgart, Leinfelden, Waiblingen, Rottweil, Sulz am Eck, Balingen und Sigmaringen, in Berlin, in Bayern in Nürnberg, in NRW in Bielefeld und Gelsenkirchen. (16)

17. April 1979: Innerhalb des KABD erschien die „Mitteilung der ZKK Nr.14“. Danach kritisieren eine Reihe von Einheiten des KABD und des RJVD die bisherige Form des Kampfes von ZL und ZKK „gegen das Liquidatorentum“. Kritisiert wird hauptsächlich: „Die Rolle der ZL bei der Entwicklung in Bayern wurde sehr oberflächlich dargestellt (KABD Neunkirchen im Saarland), Ansichten und Auffassungen der Liquidatoren sollten veröffentlicht werden, die Linie des KABD dem entgegengestellt werden (Zelle ATH Duisburg in NRW), ein Plan fehlt, wie es weitergehen soll (KABD Gelsenkirchen in NRW), in der ideologischen Auseinandersetzung haben sich die Leitungen bisher kaum auf die Mitglieder gestützt (KABD Nürnberg in Bayern), das Hauptproblem liegt in der ideologisch-politischen Führung des KABD (Verbandsleitung (VL) des RJVD).“ (17)

Mai 1979: Im „Rechenschaftsbericht der Kreisleitung (Gelsenkirchen) für den Zeitraum von Mai 1979 bis Dezember 1980“ der Marxisten-Leninisten wurde bekannt gegeben, dass sich „durch die Trennung von Kreis und Redaktion“ auch der „Charakter des Kreises“ geändert habe. „Durch die Herausnahme der zentralen Aufgaben ging es hier nur noch um die Verbreitung der bundesweiten Auseinandersetzung am Ort - der Kreis wurde zur Quasi-Ortsgruppe der Redaktion“ (gemeint war die Redaktion der AzD, d. Vf.). Als wesentliche Aufgabe wurde formuliert: „Kampf um die Einheit der ML Bewegung“. Als weitere Aufgabe wurde festgelegt: „Sympathisantenarbeit mit Genossen und Freunden am Ort. Arbeit nach innen (sprich: theoretische Debatte und Schulung unabhängig von der MEG).“ (18)

Mai 1979: Vom Zentralen Ausschuss (ZA) der Kommunistischen Gruppe Bochum/Essen (KGB/E) wurde die Broschüre „Kritik an Auffassungen des Kreises Gelsenkirchener Marxisten-Leninisten (Gruppe Volk und Wissen): Die Wahrheit in den Tatsachen suchen“ herausgegeben. Unter anderem wurde einleitend ausgeführt: „Die nachfolgenden Ausführungen sind eine Kritik an den wesentlichen Positionen dieses Kreises, wie sie in den bisherigen Veröffentlichungen - insbesondere von Heiner Karuscheit und Alfred Schröder - zum Ausdruck kommen und dienen zur Vorbereitung einer Konferenz von marxistisch-leninistischen Zirkeln, zu der die Kommunistische Gruppe Bochum/Essen und der Kommunistische Arbeiterbund Kassel im Juni einladen.“

Die Broschüre hatte ferner zum Inhalt: „Kreislauf-Beschwerden oder sind Stilfragen Glücksache? Kurt Meissners Erzählungen oder wie fälscht man einen Standpunkt durch Unterschlagung? Anmerkungen zum Verhältnis von Klassenanalyse, Imperialismusanalyse und Programm, Die KPD der 50er Jahre - Ein Vorbild für unsere Bewegung? Zum Verhältnis von Arbeiterklasse und marxistisch-leninistischer Bewegung.“ (19)

29. Mai 1979: Die KGB/E und der KAB Kassel laden zur „ML-Zirkelkonferenz am 16./17. Juni 1979 in Bochum“ ein. U. a. hatten ihre Teilnahme verbindlich zugesagt:

Unklar sei die Anwesenheit folgender Gruppen auf der Konferenz:

Ausdrückliche Absagen, an der Konferenz teilzunehmen, erhielten die Einlader von: Gruppe R. Kurz (Fürth), Kommunistische Gruppe München (KGM). (20)

Mai 1979: Die Nr.1/1979 der „Aufsätze zur Diskussion“ erschien in Gelsenkirchen. Artikel waren: Klaus Winter: „Die Frankfurter Konferenz - Bericht von einem Treffen zur Einleitung einer Studienbewegung“, Helmut Modau: „Zu einigen Fragen der Geschichte des KABD (Teil I)“, Alfred Schröder: „Der Bochumer Fortschritt“, Heiner Karuscheit: „Ein Vortrag über die Kantsche Erkenntnistheorie“, Jan Lidtke: „Wie die Axt im Walde. Heine und der KBW“. (21)

Juni 1979: In Frankfurt/M. erschien die Schrift: „Lage und Aufgaben. Zwei Stellungnahmen.“ Der Herausgeberkreis sympathisierte mit den Gelsenkirchener ML, die durch eine Reihe von Schriften (u. a. „Unsere nächsten Aufgaben“) bekannt geworden waren. (22)

16. Juni 1979: Beginn einer Konferenz in Bochum, zu der die KGB/E und der KAB/Kassel aufgerufen hatten. Die Konferenz wird am 17.6. fortgesetzt. Erhard, Fröhlich und Ziegenhagen berichten:

„Die Bochumer Konferenz stand unter dem Zeichen einer Polarisierung der Meinungen der Gelsenkirchener Marxisten-Leninisten und denen der KGB/E. Die übergeordnete Frage war die: welche nächsten Schritte muss die „Neue Strömung Hauptseite Theorie“ machen, um dem Ziel, „dem Aufbau der Kommunistischen Partei Westdeutschlands - näher zu kommen?"

Auf der Konferenz waren Vertreter folgender Gruppen anwesend:

16./17. Juni 1979: Bochumer Zirkelkonferenz, an der auch Vertreter des Kreises Gelsenkirchener ML teilnahmen. (24)

Juni 1979: In Gelsenkirchen wurde ein „Arbeitskreis zur Geschichte der ML Bewegung“ eingerichtet. Träger ist vermutlich die MEG Gelsenkirchen, die „später in den Leserkreis der AzD überführt wurde.“ Zur Krise dieses Kreises wurde berichtet: „Gab es schon im Arbeitskreis zur Geschichte Probleme mit den nicht zum Kreis zählenden Teilnehmern, wurde unser Scheitern an dieser Frage mit dem Leserkreis offensichtlich ... Es muss hier berücksichtigt werden, dass das Interesse der Sympathisanten an der ml-Bewegung konkret äußerst gering ist (und der Leserkreis in seiner alten Form auf die Sympathisanten ausgerichtet war und zum Thema die ML Bewegung hatte), es zweifelhaft erscheint, hier überhaupt von Sympathisanten, jedenfalls der NHT oder ml Bewegung, zu reden. Unser Zugpferd, dass die Leute zusammengehalten werden, war die MEG. Fortschritte in dieser Arbeit sind nur möglich, wenn wir über die ML Bewegung hinausgehen. Das ist durch die inzwischen weiter fortgeschrittene zentrale theoretische Arbeit über den ‚kleinbürgerlichen Sozialismus‘ möglich geworden. Damit ist grundlegend auch die Möglichkeit für ein Herantreten an andere Linke in GE gegeben ... Zurzeit kann die Stabilität des Leserkreises nur durch die Teilnahme der Kreismitglieder gewährleistet werden, die dieser Kreis als Diskussions- und Schulungsforum nutzen sollten.“ (25)

Juni/Juli 1979: Nr. 2/1979 der „Aufsätze zur Diskussion“ erschien als Doppelnummer in Gelsenkirchen. Artikel waren: Heiner Karuscheit: „Ein neuer Turnus von Revolution und Krieg“, Helmut Modau: „Zu einigen Fragen der Geschichte des KABD (Teil II)“, Michael Vogt: „Hauptsache Einheit - Ein neuer Aufguss der Theorien Willi Dickhuts“. (26)

17./18. September 1979: In Mannheim fand die 2. Konferenz der Komitees für Demokratie und Sozialismus (KDS) mit Teilnehmern aus Gelsenkirchen und Frankfurt/M. statt. Im September erschien auch die Sondernummer der AzD zur KPD. U. a. mit einem Artikel von Heiner Karuscheit, einem Brief an das ZK der KPD über die Aufgaben der westdeutschen Marxisten-Leninisten. (27)

September 1979: Die Nr. 3/1979 der „Aufsätze zur Diskussion“ erschien in Gelsenkirchen. Artikel waren: „Bericht von der Bochumer Zirkelkonferenz am 16./17. Juni und von der 2. Konferenz der Komitees für Demokratie und Sozialismus am 17./18. September in Mannheim“, Jan Lidtke: „Der anachronistische Zug oder 10 Jahre danach. Ein Artikel zum KB“, Helmut Modau: „Die große Initiative des KABD“, Karam Khella: „Antwort auf Heiner Karuscheits Kritik an dem Buch ‚Dialektischer und historische Materialismus’“, A.E.A. „Mao Zedongs Beitrag zur Theorie der materialistischen Dialektik“. (28) .
#September 1979: In Gelsenkirchen/Frankfurt/M. erschien eine „Sondernummer“ der „Aufsätze zur Diskussion“ „Zur KPD“ mit Artikeln von Heiner Karuscheit: „Ein Brief an das ZK der KPD über die Aufgaben der westdeutschen Marxisten-Leninisten“, Gerd Jankowski: „Ein positiver Vorschlag und falsche Überlegungen. Über die theoretische Arbeit der KPD“, Klaus Winter: „Materialismus oder kritische Theorie. Kritische Bemerkungen zur philosophischen Debatte in der KPD“, Heiner Karuscheit: „Über die Brüsseler Konferenz der Weimarer KPD. Aus Anlass der Thesen der Einheitsfrontpolitik von A. von Plato.“ (29)

November 1979: Die Nr. 2 der „Schriften zum Parteiaufbau - Theoretische Zeitung des Kommunistischen Arbeiterbundes Kassel“ (KABK) erschien. Enthalten sind die Artikel: „Kritik der Politischen Plattform der Kommunistischen Gruppe Bochum/Essen (KGB/E) in NRW“, „Kritik der programmatischen Auffassungen der Gruppe Volk und Wissen (in Gelsenkirchen in NRW)“, „Zur Entwicklung in Indochina“. Im November erschien auch die „Sondernummer zur Alten Hauptseite Theorie“. (30)

21. November 1979: In Frankfurt/M. begann ein zweitägiger Nationaler Kampuchea-Kongress. Laut MLD sprachen u. a.: Hans Gerhard Schmierer (KBW), Jürgen Horlemann (KPD), Hans Peter Hochstätter (MLD) und Pramon Pratz. Diese Veranstaltung wurde auch unterstützt von den Kampuchea-Solidaritätsinitiativen Aachen, Düsseldorf und Gelsenkirchen. (31)

November 1979: Eine Sondernummer zur „Alten Hauptseite“ (AHT) erschien (mit AHT war vor allem die KGB/E gemeint, d. Vf.) mit Artikeln von Alfred Schröder, Jan Lidtke und Heiner Karuscheit. (32)

Dezember 1979: Nr. 4/1979 der „Aufsätze zur Diskussion“ erschien in Gelsenkirchen. Artikel waren u. a.: Alfred Schröder: „Offenbach und die Folgen - das Debakel der KPD. V.D. Hamburg: „Sandkastenrevolutionäre mit Sendungsbewusstsein. Eine Kritik am KBW“, Heiner Karuscheit: „Über die Dialektik von Theorie und Praxis“, Jutta Gerber: „Die Kritik der KPD/ML an Mao Zedong“, Heiner Karuscheit: „Dringlichkeit der Erscheinung oder Erscheinung des Dings? Eine Erwiderung auf Karam Khella.“ (33)

1979: Dr. Ludger Vollmer, später Staatsminister im Auswärtigen Amt (1998-2002), gehörte in Gelsenkirchen zu den Mitbegründern der Partei „Die Grünen“. „In den Zeiten der Spaltung der Partei in die sog. Fundis und Realos war er lange Zeit führender Repräsentant der gemäßigten Linken. Er gründete das linke Forum und machte sich für die Integration der zerstrittenen Partei stark. Auf dieser Basis war er von 191 bis 1994 Parteivorsitzender (Sprecher des Bundesvorstandes). Er managte die Fusion mit Bündnis 90, wurde der erste Parteivorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen (1993-1994) und organisierte die Rückkehr der Grünen in den Bundestag, aus dem sie 1990 ausgeschieden waren ...“ (34)

1980

25. Januar 1980: An uns derzeit unbekanntem Ort fand eine gemeinsame Veranstaltung des Kreises Gelsenkirchener Marxisten-Leninisten, der KPD und der KGB/E zur „Einschätzung der Klassenkampfsituation in der BRD“ statt. (35)

25. Januar 1980: Im Rhein-Main-Gebiet wurde, laut MLD, nach Gelsenkirchen eine weite Marx-Engels-Gesellschaft (MEG) gegründet. Die Gesellschaft „stellt sich zur Aufgabe, das Studium des Marxismus-Leninismus - wie er in der geschichtlich von Marx, Engels, Lenin, Stalin und Mao Tsetung geführten Kommunistischen und Arbeiterbewegung zum Ausdruck gekommen ist - zu organisieren“. (36)

27. Februar 1980: In „Die achtziger Jahre“ (ZO der MLD) erschien der Artikel: „Antonio Gramsci - Urvater des Europäischen Marxismus?“. Damit hatten neben der KPD, den Komitees (ab ca. September 1980), dem KBW, den SOST auch die MLD Gramsci als „Übervater“ des Marxismus entdeckt. U. a. kritisierte die MLD an Gramsci: „Was er unseres Erachtens aber nicht geleistet hat, ist die Entwicklung eines proletarischen Konzepts für eine sozialistische Entwicklung in Europa.“ In der Nummer 8/1980 wurde die Artikelserie über Gramsci fortgesetzt, Teil 3 erschien dann in „Die Achtziger Jahre“, 9/1980. (37)

Februar 1980: Eine Sondernummer der „Aufsätze zur Diskussion“ zum KABD erschien in Gelsenkirchen/Frankfurt/M. Aufsätze waren u. a.: Michael Vogt: „Blech aus Solingen. Dickhuts Philosophie“, Klaus Aresti/Heide Stecker: „Untersucht, analysiert, dargestellt ... und durchgefallen! Anmerkungen zum RW 7-9: Die Restauration des Kapitalismus in der Sowjetunion“, Hans Koch: „Der RW 10. Einige Grundfehler beim Parteiaufbau“, Lothar Debus: „Der KABD und die Arbeiterklasse. Das Lieblingskind entpuppt sich als Stiefkind.“ (38)

Februar 1980: Die „Neue Strömung - Zeitschrift für marxistisch-leninistische Theorie und Politik“ erschien erstmalig in Erlangen. Mitherausgeber war u. a. Robert Kurz, vormals KABD, der u. a. mit dem Buch „Vorhut oder Nachtrab“ (1978) bekannt geworden war.

Im Editorial wurde festgehalten: „Unter dem Titel ‚Neue Strömung - Zeitschrift für ml-Theorie und Politik’ soll die Ablösung der bisherigen 'Diskussionsbeiträge' überleiten zu einer offensiveren publizistischen Tätigkeit, die angesichts des Zersetzungs- und Umgruppierungsprozess der ml-Bewegung und gegenüber den Auffassungen der angeblichen 'Neuen Hauptseite Theorie' (NHT, d. Vf.) geboten scheint. Die neue und festere Form unserer Zeitschrift leiten wir ab aus den Erfahrungen der vergangenen beiden Jahre, nämlich einmal der immer klarer werdenden Unmöglichkeit einer Einigung mit Gelsenkirchen, zum anderen der Tatsache, dass sich überhaupt die Hoffnungen auf einen relativ raschen Zusammenschluss der ml-Oppositionsbewegung unter dem Dach einer gemeinsamen Diskussionszeitschrift zerschlagen hat ... Da bleibt nichts übrig, als die Polemik weiter zu forcieren und hauptsächlich durch publizistischen Kampf die Einheit mit den Genossen zu suchen, mit denen Einheit möglich ist. Der Titel 'Neue Strömung' soll dabei nicht Ausdruck eines besonderen Anspruchs unserer kleinen Gruppe sein, sondern verbindlich festlegen, dass wir nicht bloß 'diskutieren', sondern für eine 'engherzige' proletarisch-kommunistische Richtung kämpfen wollen. Die Zeitschrift soll einen Beitrag dazu leisten und einen publizistischen Zusammenschluss der Kritiker der bisherigen Bewegung von einem 'orthodoxen' Standpunkt aus erleichtern, wobei der Gelsenkirchener angeblichen 'Neuen Hauptseite Theorie' das Feld streitig gemacht werden muss.“

In dieser Nummer wurden vor allem Fragen der Philosophie behandelt. Folgende Artikel sind in der Nummer enthalten:

Die Zeitung sollte nach Angaben der Verfasser „zweimonatlich, mindestens viermal jährlich, im Verlag Neue Strömung“ erscheinen. (39)

2. März 1980: Vermutlich begann in Bochum die 7. Ordentliche Mitgliederversammlung der KGB/E, die am 15. und 16.3. fortgesetzt wurde. Tagesordnungspunkte waren u. a.:

Es wurde auch ein neuer Zentraler Ausschuss (ZA) gewählt, dem erstmals eine Frau angehörte. Auf der Versammlung wurden folgende Gruppierungen u. a. wie folgt eingeschätzt: KPD: „Eine Zusammenarbeit würde zum einen eine Selbstkritik der KPD (bzw. der Gruppe um Semler) zum Sozialchauvinismus erfordern, zum anderen müsste sie die Anerkennung der Notwendigkeit des Parteiaufbaus zur Grundlage haben.“ Komitees für Demokratie und Sozialismus (KDS): Sie wurden „als pluralistisch in ihrem Konzept eingeschätzt“ und orientierten sich „an der Linken, den Grünen und Ökologisten“. Kreis Gelsenkirchener Marxisten-Leninisten: Hier galt es einzuschätzen, ob sich „eine Auseinandersetzung mit ihnen überhaupt noch lohnt“. Der Einfluss der Gelsenkirchener auf die ML-Bewegung sei „schädlich“. „Dies zeigt die Notwendigkeit, in die theoretische Auseinandersetzung mit ihnen einzugreifen, ihre Positionen zu bekämpfen.“ (40)

März 1980: Nr. 5/6/1980 der „Aufsätze zur Diskussion“ erschien als Doppelnummer mit dem Thema „Krise und Zukunft der Westdeutschen ML-Bewegung“ in Gelsenkirchen. Artikel: Alfred Schröder/Heiner Karuscheit: „Die Grünen, die Krise der Linken und die Auflösung der KPD“, Jan Lidtke: „Und die Arbeit im KB könnte wieder sehr viel Spaß machen“, Manfred Weiß: „Zur Kritik der Komitees für Demokratie und Sozialismus“, N.N.: „Rechts oder links: Immer stinkt ’s (zur KPD/ML)“, Christian Sperber: „Einmal hin, einmal her - rundherum das ist nicht schwer. Anmerkung zur Entwicklung der MLD“. Außerdem enthielt die Ausgabe den „Rechenschaftsbericht der Aufsätze zur Diskussion“. (41)

April 1980: Von der Marxistisch-Leninistischen Gruppe Erlangen-Nürnberg-Fürth (MLG ENF) wurde das „Konferenz-Info Nr.1“ herausgegeben. Thema: „Die Vorbereitung auf eine wissenschaftliche Konferenz zum Thema Marxismus und nationale Frage“. Bereits Ende Januar rief die Gruppe zu einer Initiative für diese Konferenz auf. Das Info ging an folgende Gruppen: Erobert die Theorie (München), eine Gruppe in München um Axel Jansen, KG Osnabrück, Herausforderung (Kiel), AKV (Düsseldorf), Liebknecht-Vereinigung (Berlin), KG Bochum/Essen (KG B/E), Beiträge zur Diskussion (Bayern), Gruppe Ratinger Kommunisten (GRK). Zur Information ging das Info auch an die Neue Hauptseite Theorie (NHT) Gelsenkirchen-Rüsselsheim, GDS (Frankfurt) und die Komitees für Demokratie und Sozialismus (KDS). (42)

16. April 1980: Die Marxisten-Leninisten Deutschland (MLD) setzen sich mit dem Buch von Heinz Seefeld (Gelsenkirchen) „Krieg und Frieden in Europa und die Ostpolitik der BRD“ auseinander. (43)

19./20. April 1980: In Frankfurt fand die 2. NHT-Konferenz statt. Diskutiert wurde vor allem über das „Ende der ML-Bewegung“. Anwesend waren auch Vertreter aus der Zirkelbewegung, u. a. J. Schmierer. (44)

22. Mai 1980: Gemeinsame Veranstaltung des KBW (Bezirk Essen/Ruhr) und des Kreises Gelsenkirchener Marxisten-Leninisten zu: „Auflösung der KPD - Niederlage welcher Politik? Welche Konsequenzen ergeben sich für die Marxisten-Leninisten?“ (45)

Mai/Juni 1980: Die „Aufsätze zur Diskussion“, Nr. 7/8 1980, erschienen als Doppelnummer in Gelsenkirchen/Frankfurt/M. Inhalt: Weltanschauung. Dialektischer Materialismus: Gramscis Auffassung der Dialektik, Hoffnungsphilosoph Ernst Bloch, Gemeinsamkeiten zwischen Rudolf Bahro, der kritischen Theorie und den Grünen, Gemeinsame Debattenzeitschrift, ML-Treffen, Sozialistische Konferenz. (46)

6. Juni 1980: Gemeinsame Veranstaltung des Kreises Gelsenkirchener Marxisten-Leninisten und der Kommunistischen Gruppe Bochum/Essen (KGB/E) zur „Einschätzung der Ökologiebewegung.“ (47)

21. Juni 1980: In Dortmund begann eine Konferenz der „99er“, die am 22.Juni fortgesetzt wurde. An ihr nahmen, nach den AzD 9/10 (1980), auch Vertreter aus Gelsenkirchen teil. (48)

27. Juni 1980: Das Sozialistische Büro (SB) veranstaltete vom 27. bis 29. Juni 1980 in Frankfurt/M. eine Konferenz, an der, nach AzD 9/10 (1980), auch Vertreter aus Gelsenkirchen teilnahmen. Danach sollte über die Situation der „Linken„ beraten werden. (49)

27. Juni 1980: In Gelsenkirchen fand eine Veranstaltung des KABD statt, die unter Motto „Parteiaufbau und Liquidatorentum“ firmierte. Neben KGB/E-Vertretern waren auch Mitglieder des Kreises der Gelsenkirchener Marxisten-Leninisten anwesend. Einleitend schrieb die AzD-Redaktion zu dieser Veranstaltung: „Belustigend war es, dass sich der KABD, der sich jahrelang trotz hundertfacher Aufforderung der ideologischen Debatte entzogen hatte, jetzt seine eigene Einladung zur Veranstaltung mit der Bemerkung krönte: „Wir fordern die Liquidatoren auf, sich zu stellen!“ Noch belustigender war der Bericht in der RF 14/80: „Karuscheit stellt sich nicht den Arbeitern“, der als ‚Arbeiterkorrespondent‘ die Veranstaltung in Gelsenkirchen darstellen sollte ... Um das Bild abzurunden: nach der Art der Einladung hatten die Genoss(inn)en des Kreises Gelsenkirchener Marxisten-Leninisten vorausgesehen, dass eine Diskussion, die diesen Namen verdient, gar nicht vorgesehen, sondern lediglich beabsichtigt war, sie als ‚Liquidatoren‘ vorzuführen. Sie zogen es deshalb vor, sich am 27.6. in Düsseldorf und am 28.6 in Duisburg - also gleich zweimal - den Arbeitern zu stellen. An beiden Orten führte die zahlenmäßige Ausgeglichenheit der Anwesenden dazu, dass eine Rednerliste wenigstens teilweise eingehalten wurde und eine einigermaßen gleichberechtigte Diskussion geführt werden konnte ...“

Peter (KGB/E) fasste die Veranstaltung mit den Worten zusammen: „Der Vorwurf des KABD gegen den Kreis Gelsenkirchener Marxisten-Leninisten, er hätte sich vor einer ‚Kampfdiskussion‘ gedrückt, trifft voll auf den KABD zu. Alle Redebeiträge waren vorbereitet und wurden abgelesen. Sie wurden systematisch vom Veranstaltungsleiter abgerufen. Eine Rednerliste mit einer entsprechenden Reihenfolge gab es nicht. Der Veranstaltungsleiter das Rednerrecht praktisch nach Gutdünken. Auch die Redebeiträge gegen mich waren offensichtlich vorher gegen ‚die Liquidatoren‘ erarbeitet ... Ich habe in den letzten 10 Jahren eine Menge von Veranstaltungen miterleben dürfen oder müssen, in denen die verschiedenen Strömungen der ML-Bewegung ihre Unfähigkeit zur Auseinandersetzung und zum Lernen bewiesen. Was sich an diesem denkwürdigen Abend in Gelsenkirchen abgespielt hat, gehört zu den traurigsten Kapiteln. Es fällt schwer, das noch in politische Begriffe zu fassen, es sei denn, Dummheit und Ignoranz gehörten zu denselben. Man ist versucht, sich abzuwenden und einfach abzuwarten, bis eine politische Leiche namens KABD endlich über den Deister gegangen ist. Das tat ich an dem Abend dann auch, nachdem mir ihre Drohungen, sich in der Praxis sowieso durchzusetzen, zum Halse heraushingen ... allerdings nicht ohne abschließend noch einige Sticheleien über das praktische Durchsetzungsvermögen des KABD vom Stapel zu lassen. Somit hatte der KABD an diesem Abend einen ‚grandiosen Sieg‘ über das Liquidatorentum davongetragen ... und dazu noch einen über den Parteiaufbau in Westdeutschland.“ (50)

Mai/Juni 1980: Durch den Niedergang der ML-Bewegung (so die offizielle Begründung der Redaktion der „Aufsätze zur Diskussion“) müsse sich auch die Aufgabenstellung ändern. Hatte die NHT in den AzD bisher versucht, die Analyse der Geschichte der Zirkelbewegung voranzutreiben, die Ursachen ihres Scheiterns zu benennen, so verlagerte sie nun ab diesem Zeitraum ihren theoretischen Schwerpunkt auf den italienischen Marxisten Antonio Gramsci (1891-1937, Theoretiker des Sozialismus in Italien, Mitbegründer der PCI im Januar 1921). Berühmt wurde Gramsci durch seine „Gefängnisschriften“ (bekannt unter: „Philosophie der Praxis“), die er ab 1929 schrieb. Der Schwerpunktverlagerung ging keine umfassende Debatte in den Kreisen voraus. Die Redaktion setzte ihn einfach. Und schob in den AzD eine Begründung nach. (51)

Mai/Juni 1980: Die „Aufsätze zur Diskussion“ Nr. 7/8 erschienen als Doppelnummer. Inhalt der Ausgabe war: Heiner Karuscheit: „Über Gramscis Auffassung der Dialektik“, Alfred Schröder: „Hoffnungsphilosophie und hoffnungslose Theoretiker. Bemerkungen zur Renaissance der Blochschen Philosophie“, Sigmund Piotrowski: „Die neue Volksfrontideologie des kleinbürgerlichen Sozialismus. Bloch statt Lenin im Kampf gegen die drohende Barbarei des Spätkapitalismus“, Franz Kaminski: „Wahlverwandtschaften. Einige Gemeinsamkeiten zwischen der Kritischen Theorie, Rudolf Bahro und den Grünen.“ Außerdem enthielt die Ausgabe Rezensionen von Hans Kampmann, Jan Lidtke, Claus Ritter und Sigmund Piotrowski. (52)

Juni 1980: Schwerpunkt der Debatte des Gelsenkirchener Kreises der NHT bzw. der Gelsenkirchener Marxisten-Leninisten waren die AzD bzw. deren zentrale Artikel. Bis zur Sommerpause sei vor allem die „Diskussion über die ml-Bewegung (AHT, KPD) geführt“ worden. „Hier haben wir uns auf den Stand der Diskussion in der NHT gehalten ... In der nächsten Zukunft werden wir darüber zu diskutieren haben, welche Rolle die Beschäftigung mit dem kleinbürgerlichen Sozialismus bei der Herstellung der Einheit der Marxisten-Leninisten spielt ... Die theoretische Debatte muss in den Vordergrund unserer Arbeit treten oder anders ausgedrückt: eine Phase der inneren Konsolidierung ist gegeben.“ In der Debatte über den „kleinbürgerlichen Sozialismus“ sollen „SOST-Artikel“ studiert werden. Angekündigt wurde, dass eine breite Diskussion „über Gramsci“ geführt werden solle. Verwiesen wurde auch auf „die Stagnation der Kreisarbeit seit der Sommerpause“. Die Leitung als „Kollektiv existiere nicht mehr“. Die Leitung sei praktisch „auf eine 1-Mann-Leitung reduziert“. Um dem zu begegnen, soll eine „neue Kreisleitung gewählt“ werden. (53)

August 1980: Nach den „Aufsätzen zur Diskussion“ 9/10 (1980) vom September/Oktober führen die MEG Gelsenkirchen und Frankfurt nun regelmäßige Urlaubschulungen durch. (54)

September 1980: Die Nr. 9/10 der „Aufsätze zur Diskussion“ erschien im September/Oktober in Gelsenkirchen als Doppelnummer. Artikel waren u. a. Helmut Modau: „Nachruf auf Gerd Flatow“, Alfred Schröder: „Bundestagswahlen 1980. Die große Ratlosigkeit der Linken.“, Werner Fichard: „Der große Ratschlag des Sozialistischen Büros“, Helmut Modau: „KABD vor dem Untergang? Einige Bemerkungen zur aktuellen Entwicklung“, Peter (KGBE): „Zur Veranstaltung des KABD in Gelsenkirchen am 27.6.1980“, Heiner Karuscheit: „Die drohende Spaltung des KBW“, Manfred Weiß: „Kuckucksei oder legitimer Sprössling? Zur jüngsten Auseinandersetzung im KBW“, Ernst Hausmann: „KBW. Stagnation und Krise“, Hans Kampmann: „Die KPD/ML als neue KPD“, Heiner Karuscheit: „Das Elend der alten Hauptseite Theorie“, Heinrich John: „Die KGBE zur Einschätzung der NHT-Konferenz“, Katharina Hoffmann: „Bericht über die (zweite) Konferenz der 99er“ am 21./22.6.1980 in Dortmund“. (55)

Oktober 1980: Der Kreis der Gelsenkirchener Marxisten-Leninisten übernimmt gemeinsam mit der MEG und der Redaktion der „Aufsätze zur Diskussion“ den Verlag und den Buchladen „Volk und Wissen“ in Gelsenkirchen-Bulmke. (56)

November/Dezember 1980: Die „Aufsätze zur Diskussion“ 11/12 erschienen als Doppelnummer. Artikel: Alfred Schröder: „Die Linke nach der Wahl“, Jan Lidtke: „Zur Entwicklung der Sozialistischen Studiengruppen (SOST)“, Heiner Karuscheit: „Das Argument - Eine Theorieschrift linker Intelligenz“, Manfred Weiß: „Neuen Ufern entgegen. Bericht von der 4. Konferenz der Komitees“, Manfred Weiß: „Wie weiter im Aufbau der Kommunistischen Partei“, Erwin Maurer: „Gründung einer Marx-Engels Bildungsgesellschaft Rhein/Main“, Jutta Gerber: „Rudolf Bahros ‚Alternative‘ und Peter Kleins marxistisch-leninistische Kritik“, Sigmund Piotrowski: „Wie die deutsche Kollektivseele Hitler in den Sattel hob. Kulturanalyse und Tiefenpsychologie bei Siegfried Kracauer. (57)

16. Dezember 1980: In Gelsenkirchen fand eine Kreissitzung der Marxisten-Leninisten Gelsenkirchen statt. Danach soll eine „neue Kreisleitung“ gewählt werden. Bekannt wurde auch, dass sich „der Bochumer Kreis“ (vermutlich war der AzD-Kreis gemeint, d. Vf.) aufgelöst haben soll. (58)

26. Dezember 1980: Beginn einer Urlaubsschulung der MEG. Sie soll bis zum 4.1.1981 dauern. Folgende Schulungsthemen wurden angegeben: Einführung in das Kapital (Bd. I, 1.Abschnitt), Überblick über die deutsche Geschichte des 19. Jahrhunderts (etwa der Zeitraum von 1815-1890). (59)

November/Dezember 1980: Die „Aufsätze zur Diskussion“, Nr. 11/12 (1980) erschienen als Doppelnummer. Artikel waren u. a.: Zur Entwicklung der Sozialistischen Studiengruppen, Das Argument - Eine Theoriezeitschrift der linken Intelligenz, Der Ausgang der Bundestagswahlen, Rudolf Bahro und sein Kritiker P. Klein, Diskussion zur Geschichte und Einschätzung der ML-Bewegung, KBW, KABD, Komitees und 99er, Die Hoffnungsphilosophie Ernst Blochs. (60)

1980: Bei den Landtagswahlen in NRW erreichen die Grünen 2,5% der Stimmen. (61)

1980: Bei den Wahlen zum Deutschen Bundestag erreichen die Grünen in Gelsenkirchen 1% der Stimmen. (62)

1981

15. Januar 1981: Ein Teil der Bochumer Gruppe der Gelsenkirchener NHT verfasste einen „Tätigkeitsbericht“ über die bisherige Arbeit. Daraus ging hervor, dass der Kreis mit mäßigem Erfolg Veranstaltungen der KPD, der 99er und wohl auch der KGB/E besuchte und dazu aufforderte, im Kreis der AzD mitzuarbeiten. Mit der Spaltung und Auflösung der KPD (März 1980, d. Vf.) „hörte die aktive Teilnahme der Genossen an den Veranstaltungen auf“. Zwar bekundeten die „örtlichen Vertreter der Semler-Fraktion ... an den Veranstaltungen des Kreises (oder der Gruppe, d. Vf.) passiv teilzunehmen, was jedoch nicht in die Tat umgesetzt wurde“. Aus „dem Niedergang der KPD“, so der Bericht, sind uns „auf diesem Feld keine weiteren Aufgaben erwachsen. Die Reaktion der KGB/E führt uns vor Augen, dass lediglich eine Massenfreundliche Linie nicht den ersehnten Weg zum Erfolg wies. Unsere Sympathisantenarbeit beschränkte sich daher auf die Genossen aus und um die Komitees für Demokratie und Sozialismus, denen wir besonders die Teilnahme an den Kursen der MEG ans Herz legten.“ Der Bericht vermerkte weiter, „dass uns alle Genossen bis auf einen in die Praxis davongelaufen sind. Der verbliebene Genosse für die Praxis des Bochumer Kreises jedoch nicht zu erreichen war.“

Zur Bochumer MEG, die wohl konstituiert werden sollte, bemerkte der Bericht: „Eine eigenständige MEG konnte nicht aufgebaut werden. Der Vorstand der MEG Gelsenkirchen hat eine Initiative zu einer MEG angeregt und ... einen Brief an die KBB/E gerichtet, der bisher unbeantwortet geblieben ist. Kurse in Bochum würden von der MEG-Gelsenkirchen durchgeführt.“

Zu „Warum wir uns aufgelöst haben?“ wurde angemerkt: „Die Diskussion über die zukünftige Tätigkeit und Perspektive des Bochumer Kreises wurde beeinflusst durch den Artikel von Schröder (vgl. AzD 9/10), wo besonders der vor uns liegende theoretische Kampf betont wird. Was hier allgemein ideologisch fundiert wurde, war in Bochum bereits praktisch entschieden. Die Isolierung des Bochumer Kreises zwang uns zur Theorie. Folgerichtig hatten wir bereits auf unserer vorletzten Kreissitzung als unsere Hauptaufgabe die Kritik ... (unleserlich, d. Vf.) bestimmt ... die Mehrheit der Genossen war nun der Meinung, dass, wenn - neben dieser speziellen theoretischen Aufgabe - uns keine besonderen praktischen Aufgaben aus den Verhältnissen in Bochum erwachsen, es nicht einzusehen sei, warum dazu ein eigenständiger Kreisapparat notwendig ist. Sie plädieren daher für Auflösung, die durch die folgenden Argumente notwendig geworden sei: 1. Erschwerend zur praktischen Selbstgenügsamkeit des Bochumer Kreises (d.h. wenn man diesen überwinden will) kommt, dass der Kreis nicht offiziell bekannt ist. 2. Die Kenntnisse über die Szene in Bochum sind nach langjähriger Tätigkeit kaum gewachsen. 3. Die MEG spielt eine größere Rolle als Anlaufpunkt für Genossen aus anderen Organisationen ... Bis auf eine Ausnahme haben alle Genossen für die Auflösung bestimmt.“ (63)

30. Januar 1981: Vermutlich erschien in Gelsenkirchen ein Papier der MEG-Gelsenkirchen „An die MEG Frankfurt und MEG Gelsenkirchen“. Darin wurde deutlich gemacht, dass die MEG „nicht genügend Kräfte habe, um „allein Genossen für das bundesweite Gremium zu stellen“. Folgende Aufgaben seien jedoch von „diesem Gremium zu leisten“: 1.) theoretische Debatte zur Schulungskonzeption, die propagandistisch in AzD und Zirkular geführt werden soll. 2.) Urlaubsschulungen. 3.) Konkrete Unterstützung und Anleitung der Schulungsarbeit.“ Weiter wurde ausgeführt: „Wir halten es überdies auch von den Aufgaben des bundesweiten Gremiums her für dringend erforderlich, dass dieses Gremium personell von beiden Trägerkreisen besetzt wird. Schon jetzt wird von der MEG Frankfurt ein Großteil der anfallenden Aufgaben mitgetragen (Urlaubsschulungen, Zirkular, wo beide MEGs Trägerkreis sind, Musterkurspläne, regionale Schulungsleitertreffen, wie auch das bundesweite Gremium zu gleichen Teilen von beiden MEGs finanziert wird. Dies alles erfordert eine stärkere Koordinierung, als es durch unregelmäßige Treffen zwischen bundesweiten und MEG-Vorständen möglich ist.“

Vorgeschlagen wurde weiter, „ein arbeitendes Gremium mit mindestens 3 Personen“ zu besetzen (2 aus Gelsenkirchen und mindestens 1 aus Frankfurt), wenn möglich natürlich auch 2 aus Frankfurt). Hier soll ein erweitertes Gremium gebildet werden, wozu die Vorstände beider MEGs mindestens 1 (max. 2) ihrer Vorstandsmitglieder schicken. Dieses erweiterte Gremium soll ca. alle 6 Wochen zusammenkommen und ist beschlussfähig. Damit soll zu einer besseren Koordinierung zwischen Bundesweiten und örtlichen MEGs beigetragen werden.“

Interessant war, wie die Aufgabenstellung des „bundesweiten Gremiums“ benannt wurde. Die Verfasser formulierten: „Aufgrund des Niedergangs der ml-Bewegung ist eine Studienbewegung in der erwünschten Breite nicht möglich. Bisher hatten wir ein breites Konzept der Studienbewegung vertreten, wobei die Schulungskonzeption der MEG als nur ein - wenn auch von uns angestrebter - Weg zur Organisierung der Schulungsarbeit angesehen wurde. Angesichts der Entwicklung der ml-Bewegung und der bisher von ihr betriebenen Schulungsarbeit halten wir diese Linie für nicht mehr gegeben. Hauptaufgabe muss es nach unserem Verständnis sein, die Schulungskonzeption, wie sie von der MEG vertreten wird, breit zu propagieren.“ Als Aufgabenbereiche wurden angegeben: 1. Theoretische Debatte, wobei die „theoretische Auseinandersetzung propagandistisch in dem Zirkular und den AzD geführt werden“. 2. Urlaubsschulungen, wobei sie ein „praktischer Hebel seien, um das MEG-Schulungskonzept zu propagieren“. (64)

31. Januar 1981: Laut KGB/E begann in Bochum eine zweitägige Frauenkonferenz. Anwesend waren ca. 70 Frauen aus dem linken und maoistischen Spektrum. U. a. waren vertreten: KBW, KB, Sozialistischer Frauenbund (SFB) Hamburg, Kreis Gelsenkirchener Marxisten-Leninisten, Komitees für Demokratie und Sozialismus (KDS, jetzt Moderne Zeiten, im Januar 1981, d. Vf.), Sozialistische Studiengruppen (SOST), Frauen der Kommunistischen Gruppe Ulm (KGU) und der Kommunistischen Gruppe Mainz. Es wurden drei Arbeitsgruppen gebildet, davon zwei zur Thematik: „Was ist brauchbar an Engels ‚Ursprung der Familie ...’?“ Eine Arbeitsgruppe behandelt das Thema: „Unsere Erfahrungen mit kommunistischer Bewegung/Organisation, wie stehen wir zu einer gemeinsamen Organisierung mit Männern einerseits und zur autonomen Frauenbewegung andererseits?“

Nach einem Bericht der „Bochumer Arbeiter-Zeitung“ (BAZ) „kam die überwiegende Mehrheit der Frauen im Plenum zu dem Schluss, „dass diese Form der Auseinandersetzung positiv zu beurteilen sei und weitere Konferenzen zur Vertiefung der Fragen erstrebenswert seien. Ein wichtiges Ergebnis: Es soll ein Rundbrief entstehen, der jeweils von unterschiedlichen Frauen/-gruppen zusammengestellt wird. In diesen Rundbrief sollen sowohl Thesenpapiere und Artikel rein, die der weiteren Auseinandersetzung unter kommunistischen/sozialistischen Frauen dienen sollen.“ (65)

Januar 1981: Vermutlich gab es, nach einem Papier von Hans Kampmann, in Bochum den Versuch, einen NHT-Kreis aufzubauen, der sich spätestens bis zum Sommer des Jahres wieder aufgelöst haben soll. Die Genossen Karuscheit und Schröder wurden dahingehend kritisiert, dass sie von „zwei Fraktionen im Kreis Gelsenkirchen“ geredet hätten und von „einem Fraktionsführer“. In die Debatte wurde auch eingebracht, dass eine „Schere von Redaktion und Basis“ offensichtlich sei. (66)

15. März 1981: Der „9. Rundbrief der Redaktion der Aufsätze zur Diskussion“ erschien in Gelsenkirchen. Inhalt der Ausgabe war: 1. Erklärung der politischen Grundsätze, 2. Arbeit der Redaktion und des Verlags, 3. Nächste Aufgaben/NHT-Konferenz, 4. Veranstaltungsvorschlag, 5. Rezensionen. (67)

März 1981: Die Nr. 13 (1981) der „Aufsätze zur Diskussion“ erscheint. Artikel der Ausgabe waren u. a: Heiner Karuscheit: „Notiz über die Krise des Marxismus und ihren Fragen“, Sigmund Piotrowski: „Der imperialistische Liberalismus. Zur Aktualität der Kritischen Theorie“, Alfred Schröder: „Hoffnungsphilosophie und hoffnungslose Theoretiker. Bemerkungen zur Renaissance der Blochschen Philosophie“, Hans Koch: „Zur Auseinandersetzung mit den philosophischen Anschauungen Antonio Gramscis“, Heiner Karuscheit: „Plechanow und Gramsci“. Außerdem enthielt die Ausgabe Artikel zur ML-Bewegung von Manfred Weiß, Ute Kirsch und Hans Koch. Klaus Aresti referierte über die „Sozialfaschismusdiskussion“ der ML-Bewegung. Zu Kulturfragen äußerte sich Jan Lidtke, zur Studienbewegung Jutta Gerber. (68)

4. April 1981: In Frankfurt/M. oder Gelsenkirchen fand eine Beiratssitzung der NHT statt, die am 5. April fortgesetzt wurde. Auf der Tagesordnung stand u. a. auch die Gramsci-Debatte. Dazu führte das Beiratsprotokoll aus: „H. Karuscheit formuliert: Kernstück der politischen Theorie Gramscis ist die Theorie der Hegemonie. Ursprung der Hegemoniedebatte liegt in Russland der Jahrhundertwende. Die russische Sozialdemokratie legte als bevorstehende Etappe der Revolution die bürgerlich-demokratische Etappe fest und zwar in Auseinandersetzung mit den Volkstümlern. Nach Meinung der Bolschewiki und Menschewiki vertraten sie die Auffassung: Führung gleich Hegemonie der Arbeiterklasse. 1905: Revolutionär-demokratische Diktatur der Arbeiter- und Bauernklasse um am Ende der Etappe die sozialistische Revolution zu vollziehen. Begründung Lenin: Bürgertum hat kein Interesse an konsequenter Durchführung der Revolution. Begriff der Hegemonie wurde beibehalten und setzte sich auch in der Komintern durch. Begründung bei Stalin: Werke Bd. 10, S. 84. Gramsci hat hierzu keine grundsätzlichen Widersprüche. Einschätzung Gramscis zu den Verhältnissen in Italien: Bündnis des Proletariats des Nordens mit den Bauern des Südens. Hegemonie als Klassenbündnis gegen die Bourgeoisie im Leninschen Sinne - Proletariat muss herrschend die Diktatur ausüben zur Erhaltung der Macht.“

Andere Formulierungen bei Gramsci: „Herstellen der kulturellen Führung“ (statt politischer Führung). Problematisch wird (der) Hegemoniebegriff im Zusammenhang mit (der) Staatstheorie, Stellungskrieg, Bewegungskrieg (z. B. Philosophie), Eroberung der politischen Macht gleich Aufgabe der Hegemonie. Diese Position ist Anknüpfungspunkt für die heutigen Gramsci-Interpreten, z. B. KPI/Sozialdemokratie: KPI gab Hegemonieanspruch auf und propagiert politisch-ideologisches Klassenbündnis unter Anerkennung des Pluralismus und der Parteienvielfalt ...“ Die Gramsci-Veröffentlichung, so wurde weiter berichtet, „sei zu 3/4 fertig“. Das Buch soll enthalten: „Teil 1: Idealismus und Materialismus, 2. Teil: Dialektikauffassung, 3. Teil: Gramsci, Lukacs und die kritische Theorie, 4. Teil: Theorie und Politik, 5. Teil: Historischer Gramcsi.“

Zu „Unsere nächsten Aufgaben“ führte Alfred Schröder aus: „Trotz politischem Aufschwung der neuen sozialen Bewegung ist die Linke weitgehend isoliert. Sie ist nicht in der Lage, eine gemeinsame Antwort auf bestehende politische Verhältnisse in der BRD zu geben. (Die) Linke hat sich insgesamt als theoretisch schwach erwiesen, ist insbesondere nicht in der Lage, die Angriffe auf weltanschaulichem Gebiet zurückzuweisen. Konsequenz für die NHT: Aufgaben auf philosophischem/weltanschaulichem Gebiet mit dem Schwerpunkt Gramsci, Gorz und deren westdeutschen Vertretern (Links, Prokla). Weltanschauliche Kritik kann sich aber nicht nur auf philosophischem Gebiet bewegen, sondern muss zu politökonomischen Fragen übergehen (innere Logik). (Die) SOST nehmen gegenüber Traditionalisten aber auch ml-Bewegung Einfluss auf politökonomischem Gebiet, daher auch diese Aufgabe. Das Ende der weltanschaulichen Debatte ist erst dann, wenn nach längerer Verarbeitung unserer (zum Teil noch bevorstehenden) Veröffentlichungen Reaktionen eingesetzt haben und Diskussionen hierüber stattfinden. Dennoch sollte sich der Arbeitsschwerpunkt nach Herausgabe dieser Veröffentlichungen (insbes. Gramsci) auf politökonomische Themen verlagern.“ (69)

Mai 1981: Laut „10. Rundbrief der Redaktion der Aufsätze zur Diskussion“ vom 5.7.1981 fanden in Gelsenkirchen, Ulm, Nürnberg, München und Aschaffenburg Veranstaltungen mit dem Thema „Krise des Marxismus“ statt, die mit Vertretern der Redaktion der „Aufsätze“ durchgeführt wurden. Zu den Konferenzen hieß es: “Anwesend waren jeweils 20 bis 40 Personen. Das Ergebnis war je nach Teilnehmerkreis unterschiedlich. In Gelsenkirchen nahmen bis auf einige Genossen der ‚Neuen Düsseldorfer Nachrichten‘ NHTler teil. Es gab eine kontrovers geführte Diskussion über die nächsten Aufgaben der NHT; in Nürnberg gab es die üblichen Kontroversen zwischen AHT und NHT, wobei Kurz und Co. die Unvereinbarkeit der unterschiedlichen Positionen betonte. In Ulm wurde recht fruchtbar über die Situation der MLer und ihre Aufgaben diskutiert; in München fand die Auseinandersetzung vor allem mit dem KBW und in Aschaffenburg mit dem KABD statt.“ (70)

Anfang Mai 1981: Referat eines Mitgliedes der AzD in Gelsenkirchen: „Der diesjährige 1. Mai“. In dem Referat wurden u. a. die Konsequenzen aus der Stagnation der Linken behandelt. Der Referent gelangte zu den Schlussfolgerungen: „Welche Aufgaben ergeben sich für die Marxisten-Leninisten aus dieser Situation? 1. Eine nur philosophisch-weltanschaulich geführte Auseinandersetzung mit den Kritikern des Marxismus erweist sich als zunehmend unzureichend. Es ist notwendig, die Grundfragen der Leninschen Imperialismusanalyse sowie die Probleme ihrer Anwendung auf Westdeutschland mit in die Debatte einzubeziehen. Dies hat die Entwicklung in den letzten Monaten gezeigt. 2. In dieser Situation des allgemeinen Niedergangs und der Auflösung unserer Bewegung ist eine Zusammenarbeit aller Kräfte dringend geboten, die ebenso wie wir die Schaffung der theoretischen Grundlagen einer künftigen kommunistischen Partei anstreben. Das ist das Gebot der Stunde.“ (71)

18. Mai 1981: Nach dem „10. Rundbrief der Aufsätze zur Diskussion“ vom 5.7.1981 fand vermutlich in Frankfurt/M. ein Gespräch der Aufsätze der Diskussion „mit 2 Vertretern des KBW-ZK“ statt. Anwesend war u. a. auch J. Schmierer. „Diskutiert wurde u. a. das KBW-Programm und sein Zustandekommen sowie über den Zusammenhang Imperialismus-Monopol, wobei Schmierer diesen Zusammenhang bestritt. An einer Prinzipienerklärung hat der KBW kein Interesse. Konkret vereinbart wurde die Übernahme der VTK-Reihe ‚Theorie und Geschichte der Arbeiterbewegung’ in den Haager-Buchvertrieb sowie eine Austauschwerbung. Außerdem wird der Sendler-Verlag eventuell unseren ‚Anti-Gramsci‘ übernehmen.“ (72)

21. Mai 1981: Nach dem „10. Rundbrief der Aufsätze zur Diskussion“ vom 5.7.1971 führten Vertreter der Redaktion ein Gespräch mit einem Vertreter von Fight Back, einer Organisation, „die in der US-Armee in der BRD arbeitet und mit der Revolutionary Communist Party der USA verbunden ist“. Es ging darum, „ob wir das Gemeinsame Kommuniqué von 15 ML-Organisationen unterstützen können“. Die Vertreter der Redaktion verwiesen auf ihre „augenblickliche ‚politische Abstinenz‘, weshalb wir ein solches Dokument ... nicht mittragen könnten. Und betonten die Vorrangigkeit der theoretischen Arbeit.“ (73)

Juni 1981: Nr. 14 (1981) der „Aufsätze zur Diskussion” erschien. Schwerpunkt war: „Revolutionärer Flügel der Linken”. Artikel waren u. a.: Heiner Karuscheit/Alfred Schröder: „Das Ende der ml-Bewegung und die Zukunft des revolutionären Flügels der Linken”, Ernst Hausmann: „Der KBW auf den Spuren der KPD?”, Ulrich Nielsen: „KABD im Gründungsfieber”, Wolfgang Wirth: „Einige Anmerkungen zur Theorie von der kleinbürgerlichen Denkweise”, Heinrich John: „Ist unsere Arbeit noch zeitgemäß (Zur KGB/E)”, Kurt Meissner: „Einige Gedanken zu den Kritischen Bemerkungen aus Stuttgart”, Bill Kaiser: „Rebellen im Schrebergarten”, Jutta Gerber: „Bahro, Bloch, Lukacs. Einführung. Eine Sammlungsbewegung”. Die Ausgabe enthielt neben Beiträgen von Jan Lidtke und Jens Scheer auch einen Aufsatz von Hans Kampmann zu „Steven Weinbergs: Die ersten drei Minuten”. (74)

11. Juni 1981: Auf einer Sitzung des ÖD-Kollektivs der Kommunistischen Gruppe Bochum/Essen (KGB/E) wurde u. a. zur Entwicklung des Kreises Gelsenkirchener Marxisten-Leninisten ausgeführt: „Die Veränderung in der Linie der Gelsenkirchener - hin zur Imperialismusanalyse - finden wir sehr erfreulich. Uns ist jedoch die Herleitung der Aufgabenstellung zweifelhaft. Die weitere Entwicklung muss abgewartet werden. Wir sollten jedoch an diesem Punkt Gespräche mit ihnen führen. In ihren Aussagen zur Programmdebatte verstehen die Gelsenkirchener wahrscheinlich etwas anderes unter Prinzipienerklärung als wir, nämlich Prinzipien losgelöst von der heutigen Situation und politischen Praxis. Dies soll auch in Gesprächen überprüft werden.“ (75)

16. Juni 1981: Nach dem „10. Rundbrief der Redaktion“ vom 5.7.1981 fand ein Gespräch von Vertretern der Redaktion der Aufsätze zur Diskussion mit Vertretern der KGB/E statt. Es hieß im „Rundbrief“ dazu: „Die KGB/E-Vertreter sahen den Sinn einer gemeinsamen Prinzipienerklärung nicht ein, die sich auf einige Leitsätze und die Benennung der bestehenden Aufgaben beschränkt. Nach ihrer Meinung darf eine solche Erklärung nicht hinter die programmatische Erklärung der KGBE von 1973 bzw. 1976 zurückfallen, sondern muss, wenn, dann darüber hinausgehen, also mehr enthalten. Den weiteren Weg sahen sie darin, dass die einzelnen Zirkel getrennt weiterarbeiten und ihre theoretischen Ergebnisse vorlegen, nach deren Erscheinen die Diskussion wiederaufgenommen werden könnte. Am Ende des Gesprächs wurde darauf hingewiesen, dass dies die vorläufige Meinung der Anwesenden sei und die Diskussionen in der KGBE wie auch in der NHT ... weitergeführt werden müssen.“ (76)

Juni 1981: Hans Koch, Mitglied des Vorstandes der MEG Rhein-Main, übt in einem Brief Kritik am Vortragsprogramm der MEG. Danach werden Vorträge zu Gramsci, den SOST, Stamokap und Bloch, der Kritischen Theorie und Bahro kritisiert. Dazu gebe es „keine ausgearbeiteten marxistischen Positionen“. Die Referenten würden nur „ihre eigenen Positionen“ vertreten. Das könne man aber nicht „im Namen der MEG“ machen. Und diesen „Anspruch auch nicht vertreten“. (77)

27. Juni 1981: Nach einem Protokoll der Beiratssitzung vom 4./5.4.1981 soll am 27./28.6.1981 eine weitere Beiratssitzung der Kreise der NHT stattfinden. Themen sollen sein: Fortführung der Diskussion über unsere nächsten Aufgaben, Organisationsfrage, ML-Bewegung, Arbeit KPD/ML-AG, Verlage/Finanzen, Studienbewegung. (78)

5. Juli 1981: Es erschien der „10. Rundbrief“ der Redaktion der „Aufsätze zur Diskussion“. Ausgeführt wurde u. a.: „Die ML-Bewegung, deren u. E. (vermutlich „Ende“, d. Vf) bevorsteht, und wir selber, stehen zur Zeit im Umbruch. Entsprechend den verschiedenen Fragen, die die Situation aufwirft, sind auch die Meinungen sehr unterschieden, und wird an den Orten kontrovers diskutiert. Eine endgültige Antwort ist noch nicht gefunden. Einige Genossinnen und Genossen machen sich aufgrund der aufgetauchten Widersprüche und Fragen Sorgen um die Zukunft der NHT. Wir meinen, dass diese Sorgen unberechtigt sind. Aus der alten ML-Bewegung kommend, haben wir wenig Erfahrungen, Widersprüche in einer demokratischen Diskussion und in voller Offenheit auszutragen und zur Klärung zu bringen. Darum möchten wir noch einmal darauf hinweisen, dass wir erst am Beginn der Debatte stehen und nicht erwartet werden kann, dass bereits fertige Lösungsvorschläge vorliegen.“

Zu den künftigen Aufgaben hieß es: „Die Redaktion vertrat die Auffassung, dass bis zur NHT-Konferenz im Herbst das Ende der augenblicklichen Schwerpunktsetzung (Weltanschauung und Philosophie) absehbar wäre und wir auf der Konferenz einen neuen Schwerpunkt beschließen könnten. Dem widersprachen die meisten Diskussionsredner der Beirats und der Gäste. Sie vertraten, dass in der NHT die weltanschauliche Diskussion z. Zt. erst begonnen habe und jedenfalls nicht weit genug vorangeschritten sei, um eine Aufgabenverlagerung vorzunehmen. Bei einem zu schnellen Übergang zur politischen Ökonomie würde die Gefahr bestehen, dass die Schere zwischen Redaktion und ‚Basis‘ sich weiter öffnen und die Mehrheit der NHT zurückbleiben würde. Gemeinsam wurde festgehalten, dass genauer als bisher bestimmt sein muss, welche Aufgaben inhaltlich erfüllt sein müssen, um davon zu sprechen, dass der augenblickliche Schwerpunkt bewältigt ist: Stellt der ‚Anti-Gramsci‘ diesen Schnittpunkt dar (Redaktion), oder ist dass die Kritik der Frankfurter Schule, die erst begonnen hat (so der AKV-Vertreter), inwieweit muss sich unsere Aufgabenstellung aus der objektiven Entwicklung (herannahendes Ende der ML-Bewegung) oder aus der Situation der NHT (innere Konsolidierung) bzw. aus der Eigenlogik der theoretischen Arbeit (AKV) ergeben, welcher Zusammenhang besteht dazwischen? Wann müssen wir die ML-Bewegung endgültig abschreiben. Sorgen KPD/ML und KABD nicht für ein Weiterleben dieser Bewegung?“

Weiter wurde formuliert: “In Auswertung der Beiratsdiskussion sowie der Diskussion in den Kreisen, die nach unserer Kenntnis in ähnlicher Richtung verlaufen sind, wird die Redaktion in der nächsten Zeit die ‚Thesen über unsere zukünftigen Aufgaben’ überarbeiten und zu der Frage der Herbstkonferenz einige Vorschläge machen.“

Zur MEG hieß es: „Zu erwähnen ist noch, dass auf der Beiratssitzung ebenfalls die Frage der Studienbewegung angeschnitten wurde. Gemeinsam war die Auffassung, dass die MEGs (Initiativen) sozusagen das zweite Bein der NHT darstellen, ohne dass wir kaum lebensfähig waren. Die Bewertungen dieser Arbeit waren allerdings unterschiedlich. Auf jedenfalls wird der künftige Rechenschaftsbericht der Redaktion im Gegensatz zum letzten auch diesen Teil unserer Tätigkeit erfassen.“

Auf der Beiratskonferenz wurde auch weiter beschlossen, „eine Sondernummer zum KBW herauszugeben“. Die Sondernummer soll zum Inhalt haben: Zur Geschichte des KBW, Auseinandersetzung des KBW mit Gorz, Revision der Leninschen Imperialismustheorie, Parteibildung des Proletariats, Zur Geschichte der Arbeiterbewegung. (79)

29. Juli 1981: In Gelsenkirchen fand eine Kreissitzung der Gelsenkirchener Marxisten-Leninisten statt. Kritisiert wurde, nach einem Papier von Hans Kampmann, der „desolate Zustand des Kreises“. Er würde sich darin zeigen, die „vorhandenen und offen zu Tage getretenen Widersprüche (nicht) innerhalb einer solidarischen Diskussion zu lösen“. (80)

1. August 1981: Die MEG Gelsenkirchen und Frankfurt/M. laden zu einer Urlaubsschulung ein. Der Termin dafür: 26.12.1981 bis 3.1.1982. Geschult werden sollen Engels („Ludwig Feuerbach und die klassische Philosophie“), Lenin („Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“, „Materialismus und Empiriokritizismus“), Marx/Engels („Deutsche Ideologie“), „Geschichte der KPDSU(B)“, Engels („Revolution und Konterrevolution“). Dazu noch: Deutsche Geschichte/Die 48er Revolution. (81)

September 1981: Die Nr. 15 der „Aufsätze zur Diskussion“ erschien in Gelsenkirchen. Schwerpunktthema war: „Antonio Gramsci und die Kritische Theorie“. Artikel waren u. a.: Katja Lente/Alfred Schröder: „Ein Reformierungsversuch der reformistischen Linken“, Franz Kaminski: „Ist die Philosophie am Ende? Der KBW und die Philosophie“, Kaminski/Karuscheit/Winter: „Warum Gramsci?“, Heiner Karuscheit: „Die Staatstheorie Antonio Gramscis und die Westdeutsche Linke“, Sigmund Piotrowski: „Der imperialistische Liberalismus. Zur Aktualität der Kritischen Theorie“, Franz Kaminski: „Ein Kantianer als Marxist? Zur SOAK-Einführung Habermas“, Manfred Weiß: „Max Horkheimer. Gesellschaft im Übergang“, Jan Lidtke: „Zu Martin Geschke: Ein misslungener Versuch“. Zusätzlich Beiträge zu „Unsere künftigen Aufgaben“ von Jan Lidtke, Peter Berger, Otto Bussmann und Hans Kampmann. (82)

November 1981: Aus dem Umfeld des Gelsenkirchener und Frankfurter AzD-Kreises erschien eine Schrift von Armin Kammrad „Hauptseite Theorie. Schlagwort oder Notwendigkeit“. Der AKV (Düsseldorf und Köln) schlug in seiner Rezension den Verfasser dem ehemaligen Arbeiterbund und anschließend der Münchener Gruppe Erobert die Theorie zu. Der Text „liefert eine Auseinandersetzung mit den Theorieströmungen (vor allem NHT, Neue Strömung, GDS)“. Der Autor setzte sich am „breitesten mit der Gelsenkirchener NHT auseinander. Und kritisierte dabei die Vorstellungen von Schröder/Karuscheit von der ML-Bewegung. Danach sei die Charakterisierung dieser Strömung nicht von einem „wahrhaft marxistisch-leninistischen Charakter“. Der Vorwurf des „naive Opportunismus“ sei „unreif“ und „beschönigend“. Weiter wurde „das Fehlen einer konkreten Analyse“ bzw. „einer überzeugenden Geschichtsschreibung“ bemängelt. Der Autor kritisierte die Fragwürdigkeit der Begriffe „Bolschewismus“ und „revolutionäre Linie“, was „die Gründungsphase der Zirkel“ anbelangt. (83)

Anfang 1981: Vermutlich erschien zum Jahresanfang eine Rezension des AKV zu Hans Günther: „Der Herren eigener Geist. Ausgewählte Schriften“. (84)

Mai 1981: In Gelsenkirchen erschien eine Schrift „Zur Geschichte der deutschen Sexpol-Bewegung“. (85)

Juni 1981: Es begann eine Urlaubsschulung der MEG. (86)

1. Oktober 1981: Laut „Protokoll der Beiratssitzung“ vom 3./4.10.1981 schlug die KGB/E „eine engere Zusammenarbeit auf künftig evtl. gemeinsamen Gebieten“ vor. Jedenfalls aber sollte ein neues Gespräch vereinbart werden“. Im Anschluss daran fragte der Genosse Hermann, „wieso es so plötzlich, entgegen allen Erwartungen (siehe RB) zu diesem Kontaktwunsch komme. Die Genossen der Redaktion können hierüber keine Auskunft geben. Zum Schluss wird darauf hingewiesen, dass die KGB/E eine Frauenkonferenz Ende Oktober/Anfang November, mit dem Schwerpunkt „Ursprung der Familie“ und „Frauen in kommunistischen Organisationen“ durchführt. (87)

3. Oktober 1981: In Frankfurt/M. fand eine Beiratssitzung der NHT statt, die am 4.10. fortgesetzt wurde. Dort wurde eine NHT-Gruppe in Berlin bekannt, die „sich regelmäßig treffen“ soll und eine Schulung zu Engels’ „Anti-Dühring“ durchführen soll. Zu einer öffentlichen Veranstaltung „erschienen ca. 70 Personen, Genossen und Organisationen, KBW, BWK, Komitees, SOST, die Redaktion der ‚Befreiung’ sowie Einzelpersonen“. In einer lebhaften Diskussion wurden vor allem „die Positionen des KBW diskutiert, so über Programm, Partei und das Verhältnis Theorie/Praxis. Die Veranstaltung bildet für die Berliner Genossen den Anfang zu weiteren Diskussionen (u. a. mit SOST) und mit konkreten Angeboten des BWK über die Geschichte der ml-Bewegung zu diskutieren und mit dem KBW in Schulungsfragen zusammenzuarbeiten“. In einem Gespräch mit der Redaktion der AzD wurde über die „Situation der ml-Bewegung und über die zukünftigen Aufgaben diskutiert“. Dabei ergab sich eine Mehrheit, welche Fragen der politischen Ökonomie (man als entscheidend, d. Vf.) ansah. Gefordert wurden auch bessere Organisations- und Kommunikationsstrukturen der NHT. (88)

3. Oktober 1981: Auf der Beiratskonferenz der NHT wird auch über eine KBW-AG diskutiert. Sie gab nach dem „Protokoll der Beiratssitzung vom 3./4.10.1981“ einen Überblick über die Situation im KBW. Ausgeführt wurde: „Der Stand der Diskussion im KBW geht derzeit darin, das Programm auf der nächsten Delegiertenkonferenz außer Kraft zu setzen.“ In der KuK gebe Schmierer „den Umriss eines neuen Programms an. In ihr wird das Ergebnis der Diskussion seit der Spaltung aufgenommen. Also die neuen Ansichten zur Imperialismusanalyse, Krieg und Frieden, den ML-Charakter des KBW, der Weltanschauung des KBW. Festgehalten wird nach wie vor am alten Verständnis de KBW vom demokratischen Kampf ... Die Delegiertenkonferenz wird Aufschluss über die weitere Entwicklung des KBW geben. Als stabilisierende Faktoren wird das Festhalten an der Organisation und Durchführung von AGs und Konferenzen zu brennenden aktuellen Fragen benannt. Für die Delegiertenkonferenz werden zwei Alternativen gesehen: Entweder Zuspitzung und offene Diskussion der Gegensätze, wobei das Risiko des Zerfalls sehr groß ist oder Verklitterung der Gegensätze, was aber die Gefahr des Erstarkens eurokommunistischer Positionen verstärkt.“ (89)

10. Oktober 1981: Auf der Beiratskonferenz vom 3./4. Oktober 1981 wird auch dazu aufgerufen, sich „an der (heutigen) Friedensdemonstration in Bonn“ zu beteiligen. Aller Voraussicht nach, so der Protokollant, „wird sie zur größten Demonstration in der Geschichte der BRD und wird erhebliche Einwirkung auf den Umformierungsprozess der Linken haben. Sie soll wie die Sozialistische Konferenz in den AzD kommentiert werden.“ Über ein mögliches Ende der ML-Bewegung heißt es im Protokoll: „Es steht die Frage nach dem Ende der ML-Bewegung an. Ist mit dem Ende des KBW das Ende der ML-Bewegung erreicht? Der Rechenschaftsbericht bejaht diese Frage. Die ML-Bewegung ist kein Bezugspunkt mehr für die Revolutionären Linken ... Es gibt neben dem Zerfall in Richtung Subjektivismus den Zerfall in Richtung politische Ökonomie, die sich in der Vergangenheit aus der Studentenbewegung heraus entwickeln. Gegen diese zwei Lager gilt es erst einmal in der Verteidigung eine Basis zu schaffen. Dies kann als Begründung für die politische Ökonomie gelten. Zugleich weist dies aber auf Arbeitsfelder in den Anfängen der Geschichte der ML-Bewegung hin, bei denen noch weitere Aspekte festzustellen sind.“ (90)

Oktober/November 1981: Von der Redaktion der „Aufsätze zur Diskussion“ wurde der „Rechenschaftsbericht der Redaktion“ herausgegeben. Ausgeführt wurde: „Seit Mitte der siebziger Jahre erleben wir den Abstieg und die Zersetzung der ml-Bewegung. Sie stellt nur noch eine ideologische Strömung dar. Engster Dogmatismus und Praktizismus bilden ihr brüchiges Fundament. Die Folge des Zerfalls ist es nicht nur, dass eine angestrengte Suche nach dem richtigen Weg beginnt, auf der anderen Seite führt der der Einfluss des kleinbürgerlichen Sozialismus zur teilweise Infragestellung der bisherigen ideologischen Grundlagen bis zur Infragestellung des Leninismus. (H. Karuscheit: ‚Zur Geschichte der westdeutschen ML-Bewegung’). Diese Einschätzung der künftigen Entwicklung unserer Bewegung ist inzwischen 3 Jahre alt. In dem Zeitraum von der letzten NHT-Konferenz bis heute wurde diese Prognose Realität. Die westdeutsche ml-Bewegung stirbt und die Entwicklungen der letzten Zeit lassen den Verdacht aufkommen, dass in nicht allzu ferner Zukunft diese Bewegung so gut wie vollständig aufgelöst sein wird. Unter diesen Bedingungen einen Rechenschaftsbericht (ab-)zugeben und dabei den Versuch zu unternehmen, die nächsten Aufgaben zu definieren, stellt uns vor zwei Probleme: Zum ersten gilt es, die Entwicklung der Linken und den Niedergang unserer Bewegung zu analysieren und zu einem Urteil über die bisherige Tätigkeit der NHT zu gelangen, deren Hauptaufgabe mit der Losung ‚Kampf um die Einheit der Marxisten-Leninisten‘ umrissen werden kann. Zum zweiten gilt es, die Frage nach dem künftigen Inhalt und den Formen unserer Arbeit aufzuwerfen, deren Änderung mit dem Ende der ml-Bewegung auf uns zukommt und im Moment bereits in den Reihen der NHT diskutiert wird.

Diese doppelte Problematik ist eine Widerspiegelung der Realität, die uns mit einer sterbenden, aber noch nicht verstorbenen ML-Bewegung konfrontiert. Das heißt, sowohl ergeben sich die Aufgaben, die im Hinblick auf die noch existierende ML-Bewegung wahrzunehmen sind ... Die Redaktion hat daraus die Schlussfolgerung gezogen, dass wir uns zur Zeit in einer Umbruchphase befinden, die nicht so schnell abzuschließen ist, wie noch in den Thesen (AzD 14) über unsere künftigen Aufgaben angenommen. Die jetzt stattfindende Konferenz soll darum ausschließlich der Diskussion über die eben angerissenen Probleme dienen, und erst recht auf einer weiteren Konferenz sollen die entsprechenden Beschlüsse gefasst werden.

Die Positionen, mit denen die Redaktion in dieser Umbruchphase tritt, ergeben sich aus dem Rechenschaftsbericht. Sie sind gegenüber den ‚Thesen‘ in einer Reihe von Punkten weiterentwickelt, ebenso in einigen Punkten noch unentfaltet. Was in den ‚Thesen‘ ausführlich begründet wird, wird hier nicht noch einmal wiederholt. Die ‚Thesen‘ sind insofern hinzuzuziehen. In seiner jetzigen Fassung entspricht der RB der Meinung der Redaktionsmehrheit. Der erste Teil des Rechenschaftsberichts ‚ML-Bewegung und Linke‘ ist unter der Überschrift ‚Vor dem Ende der ML-Bewegung‘ in den AzD 16 abgedruckt ...

Unsere Aufgabenstellung: Zwei zentrale Aufgaben bestimmen unsere Tätigkeit im Berichtszeitraum, die eine in theoretischer, die andere in praktischer Hinsicht: Die Einheit der Marxisten-Leninisten (bzw. der ML-Bewegung), die weltanschaulich philosophische Auseinandersetzung. Der Rechenschaftsbericht formulierte, dass die ‚Einheit der ml-Bewegung als wichtigste Aufgabe vor uns steht‘ (S. 151). Das hieß, die Linke mit einzubeziehen, deshalb sollte im ‚Mittelpunkt der theoretischen Arbeit die weltanschauliche Auseinandersetzung mit dem kleinbürgerlichen Sozialismus stehen’ (Bericht über die NHT-Konferenz, AzD 7/8). Ein Mangel ist, dass der notwendige und angestrebte Schwerpunkt ‚weltanschauliche Debatte‘ als solcher nicht eindeutig im RB stand. Dort war gleich von Gramsci die Rede, obwohl die Diskussion auf der Konferenz genau um diese Frage ging.

Beginnen wir mit der theoretischen Aufgabenstellung, um dann dazu überzugehen, inwieweit die praktische Arbeit dadurch vorangekommen ist oder nicht. Als Schlüsselpunkt der theoretischen Arbeit wurde die Auseinandersetzung mit Gramsci und der augenblicklichen Gramsci-Debatte benannt ... Die Gründe dafür waren und sind folgende: Gramsci stand politisch auf Seiten der revolutionären Arbeiterbewegung, theoretisch weisen seine Gefängnisschriften jedoch idealistische Tendenzen auf. Darum kann er als Übergangspunkt der Abwendung von der revolutionären Arbeiterbewegung unter der Fahne des Festhaltens an ihr missbraucht werden. Seine Betonung der ideologisch-kulturellen Seite dient in einer von Intellektuellen dominierten Bewegung dazu, den grundsätzlichen Vorrang der Ideologie von der Praxis, die Kulturrevolution vor der Revolution zu behaupten. Der Materialismus hat sich stets mit wechselnden Gestalten des Idealismus auseinanderzusetzen und muss sein Lebensrecht gegen die jeweils aktuell wirksame Spielart idealistisches Denken behaupten.

Das war in den 60er Jahren die Kritische Theorie, heute ist es Gramsci. Die Gramsci-Diskussion muss die Kritische Theorie mit einbeziehen, weil ihr Gedankengut weiterwuchert, kann sie aber nicht zum Hauptgegenstand machen, eben sowenig wie die Geschichte ein Jahrzehnt zurückzudrehen ist. Nicht nur in der Philosophie, auch in der Staats- und Revolutionstheorie bieten Gramscis Gefängnisschriften Ansatzpunkte, die vom Materialismus und revolutionären Marxismus wegführen. Das sind Punkte, an denen der Eurokommunismus ansetzen kann. In der Gramsci-Debatte bündeln sich daher verschiedene Linien und machen Gramsci zum Stoßkeil bei der Bekämpfung des revolutionären Marxismus. Entsprechend wird von allen Seiten - von der DKP über das Argument und Bahro bis zu den SOST - ohne Ausnahme Gramsci als zentraler Punkt des ideologischen Kampfes benannt. ‚Seit geraumer Zeit steht Gramsci im Brennpunkt des politisch-ideologischen Richtungsstreits der westdeutschen Linken, die sein Werk kontrovers diskutiert und trotz gegensätzlicher Deutungsversuche für sich reklamiert.’ (so Butterwege in den Marxistischen Blättern 5/8, September/Oktober, S. 69).

Indem wir uns heute mit der Gramsci-Debatte auseinandersetzen, konzentrieren wir uns auf jene theoretischen Positionen, auf denen konkret der Übergang vom Boden des Materialismus auf den Idealismus und in der Politik von revolutionären zu reformistischen Positionen, auf denen konkret der Übergang vom Boden des Materialismus auf den Idealismus und in der Politik von revolutionären zu reformistischen Positionen vollzogen wird. Die Kritik A. Gramscis und seiner Rezeption in der westdeutschen Linken ins Zentrum der Arbeit zu rücken heißt, eine Abrechnung mit der eigenen Vergangenheit und ihren Versäumnissen zu organisieren, in eben jener konkreten Form, in der diese Versäumnisse uns heute erneut gegenübertreten. Von dieser Erwägung ausgehend, richtete die Redaktion eine Arbeitsgruppe ein, die die stärksten zur Verfügung stehenden Kräfte vereinigte. Als Ergebnis anderthalbjähriger Arbeit liegt mittlerweile die Rohfassung der angekündigten Schrift über Gramsci und die Gramsci-Debatte vor (ca. 300 Seiten, eine Kopie kann gegen Unkostenbeitrag von der Redaktion bezogen werden). Außerdem haben von den seit der NHT-Konferenz erschienenen sechs AzD-Ausgaben drei den Schwerpunkt ‚Weltanschauung, Dialektik, Materialismus’ gehabt. Gramsci, Bloch und die Kritische Theorie standen dort im Vordergrund.“

An weiteren Aufgaben nannte der RB „als wichtigstes die Geschichte der Arbeiterbewegung und die politische Ökonomie“. Zur Geschichte der Arbeiterbewegung sind im VTK zwei Veröffentlichungen erschienen. Plechanow: „Sozialismus und politischer Kampf“ sowie Lenin: „Bemerkungen zu Bucharins ‚Ökonomie der Transformationsperiode’. Außerdem hat K. Aresti als von Seiten des Beirats für diesen Bereich Verantwortlicher einen Aufsatz in den AzD über die Sozialfaschismusdiskussion der ml-Bewegung veröffentlicht. Schließlich geht die Gramsci-Schrift an verschiedenen Stellen auf die Komintern und die Bewertung ihrer Linie in den 20er und 30er Jahren ein. Zur PolÖk hieß es im RB: „Die politische Ökonomie weiter wie bisher zu vernachlässigen, halten wir auf Dauer für unmöglich, wenn der wissenschaftliche Sozialismus nicht den Boden unter den Füßen verlieren soll.“ Dennoch ist bisher nicht ein Beitrag zur PolÖk erschienen. Erst für die Nr. 16 der AzD ist ein Artikel zur KBW-Imperialismus Diskussion geplant. Es gab zwar Schulungen und die individuelle Beschäftigung mit politökonomischen Fragen, aber keine organisatorische Arbeit daran.

Außerdem nannte der RB die Aufgabe: „’Grundlagen für die Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit zu schaffen.’ (S. 153) Das sollte über die Aufarbeitung der Nachkriegsentwicklung der Gewerkschaften und der Erfahrungen der gewerkschaftsoppositonellen Bewegung geschehen, ist aber nicht in Gang gekommen. Darum war auch von dem geplanten ‚Treffen aller interessierten Genossen ..., die in Betrieb und Gewerkschaft tätig sind’ (S. 153), keine Rede mehr. Damit im Zusammenhang steht die im Rechenschaftsbericht geäußerte Hoffnung, ‚durch die Fortschritte in der theoretischen Arbeit in nicht allzu ferner Zukunft Umrisse einer politischen Linie erarbeiten zu können.’ Zwar hatte der Beirat eine ‚Erklärung politischer Grundsätze’ verabschiedet, die wir für sehr wichtig halten, das ist jedoch nicht aufgrund theoretischer Fortschritte geschehen, sondern als Festschreibung von alten Gemeinsamkeiten der ml-Bewegung. Mehr als das konnte ‚zur Lösung des Problems der praktisch-politischen Arbeit ..., die wir bisher der individuellen Verantwortung der einzelnen Genossen überlassen haben’, nicht getan werden.

Daneben gab es in den AzD Artikel zu Fragen des Antiimperialismus und der Kunst und Kultur, also zu den Bereichen, die im RB nicht eigens genannt worden waren. Insgesamt kann man zu diesen Arbeiten folgendes feststellen: Zwar waren zu den verschiedenen Bereichen (von der Geschichte der Arbeiterbewegung über die Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit bis zur Kultur) im Rahmen des Beirats Verantwortliche benannt worden. Dementsprechend sind die Ergebnisse je nach der individuellen Belastung und den Fähigkeiten der betreffenden Person individuell unterschiedlich ausgefallen. Anders war es nur dort, wo die Redaktion die Arbeit organisierte und kontrollierte. Das war angesichts der begrenzten Möglichkeiten der Redaktion nur in den Bereichen der Weltanschauung sowie mit Abstrichen ml-Bewegung/Linke. Das sind die Bereiche, über die die AzD im Wesentlichen handeln. Außerdem war es in der Studienbewegung der Fall.

In Fortführung unserer Geschichtsschreibung der ml-Bewegung wurde die Beschäftigung mit den verschiedenen ml-Organisationen fortgesetzt. Außerdem wurde diese Arbeit erweitert auf die Linke und ihre Entwicklung. Bezogen auf die ml-Bewegung standen KBW, KABD und AHT im Vordergrund, deren Entwicklung mehr kommentierend verfolgt wurde. Die geplante anfängliche Veröffentlichung zur Geschichte des KBW und des KABD wurden nicht fertig gestellt. Es liegen allerdings publikationsfertige Teilanalysen vor (zum KBW, S. AzD 16; zum KABD). Zweierlei kann man dazu noch feststellen: Die Beschäftigung mit den betreffenden Organisationen hing sehr von deren aktuelle Entwicklung ab. Solange es im KABD rumorte, wurde daran gearbeitet; sobald es im KBW anfing zu rumoren, erhielt dort die Arbeit neuen Auftrieb. Das ist einerseits verständlich, andererseits gefährlich. Gefährlich deshalb, weil wir dann immer den aktuellen Erschütterungen dieser Organisationen hinterherlaufen, falle es welche gibt. Darum ist es zu begrüßen, dass gerade die ‚Neuen Düsseldorfer Nachrichten‘ zäh an der Kritik der RWs 16ff. festhalten.

Auf der anderen Seite hat sich die KPD/ML-AG aufgelöst, ohne Wesentliches zustande gebracht zu haben. Die Redaktion ist jedoch nicht zur Einrichtung einer neuen AG in der Lage, sondern kann dazu nur an die Einsicht der Genoss(in)en appellieren. Die vorliegenden Untersuchungen zur Geschichte des KABD und KBW präzisieren das in dem Buch ‚Zur Geschichte der westdeutschen ML-Bewegung’ gewonnene Bild, erweitern es um eine Reihe von Punkten, und sind darum für das konkrete Begreifen der betreffenden Organisationen von wesentlicher Bedeutung. Sie gehen jedoch nicht grundlegend über die bereits gewonnene Erkenntnis hinaus, d.h. sie machen nicht die Revidierung unserer bisherigen Einsichten und die Stellung anderer Aufgaben erforderlich. Das bestätigt, dass es richtig war, trotz des Widerstands mancher Genoss(inn)en auf der letzten Konferenz, die Geschichte der ml-Bewegung nicht im Mittelpunkt unserer Arbeit zu belassen. Auf diesem Gebiet sind grundlegend neue Erkenntnisse erst durch den Übergang zur politökonomischen Analyse der BRD zu erwarten.

Sehr wichtig für unser Voranschreiten war die Erweiterung unserer Arbeit auf die Untersuchung der Linken. Wir gingen zu den ‚sozialistischen Konferenzen‘ und beschäftigten uns mit den Grünen, dem SB, den SOST, dem ‚Argument’ u. a. (siehe dazu die betr. Artikel in den AzD). Zwar haben die meisten dazu vorgelegten Artikel mehr den Charakter von Betrachtungen und sind keine ‚Analyse‘, aber auch das reichte aus, um ein genaues Bild der Entwicklung der Linken, ein Verständnis der theoretischen Fragen, um die es geht, und größere Klarheit über die inneren Beziehungen zwischen linker und ml-Bewegung zu gewinnen. Ohne dieses ‚Hinausgehen‘ über die ml-Bewegung wären wir heute angesichts des nahen Endes dieser Bewegung völlig hilflos.

Nach wie vor wurde dagegen die DKP/SEW vernachlässigt. Das hängt damit zusammen, dass sie auf dem Gebiet der weltanschaulichen Auseinandersetzung nicht unser Hauptgegner war und ist, jedenfalls nicht zur Zeit. Gegenwärtig richtet sich unser Kampf gegen den rapide vordringenden Idealismus. Die DKP/SEW kann jedoch nicht als Träger idealistischen Gedankenguts angesehen werden. Im Gegen teil stammt von ihr bzw. von ihrem Umfeld eine Reihe ernst zunehmender materialistischer Kritiken etwa von der Kritischen Theorie (was nicht heißt, dass ihre Positionen immer dialektisch-materialistisch sind. Darum müssen wir auch unsere eigene Kritik an der Frankfurter Schule nicht auf völlig jungfräulichen Boden führen, sondern haben dabei jedenfalls in gewissen Grenzen- eher Gemeinsamkeiten mit der DKP/SEW. Die Gramsci-Schrift befasst sich kurz mit ihrer opportunistischen Haltung gegenüber A. Gramsci. Grundsätzlich wird sich unser Negieren des Revisionismus ja jedoch erst beim Hinausgehen übe die philosophische Debatte ändern (müssen). Zielpunkt der theoretischen Aktivitäten war die Einheit der Marxisten-Leninisten, unsere praktische Hauptaufgabe. Hier wurden keine wesentlichen Fortschritte erzielt. Im Beirat arbeiten auch nicht NHT-ler, die ‚Neuen Düsseldorfer Nachrichten‘ oder ehemalige AB’ler aus München, jedoch kann keine Rede davon sein, dass wir damit der Einheit der ML-Bewegung näher gekommen sind. Bemühungen unserseits gegenüber den ‚99ern‘ scheiterten an der raschen Auflösung dieser Gruppierung und am Desinteresse der organisatorischen Zusammenarbeit mit MLern.

Gegenüber der AHT ist zu differenzieren. Die Gruppierung um die Zeitschrift ‚Neue Strömung‘ wurde von uns von Anfang an als wenig ernsthaft eingeschätzt. Die dort versammelten Kräfte waren weder theoretisch noch praktisch bedeutsam und entwickelten vor allem keine Perspektive. Eine Zusammenarbeit mit der KGBE hätten wir sehr begrüßt, sie wäre u. E. trotz unterschiedlicher Schwerpunktsetzungen der Theoretischen Arbeit möglich gewesen. Dass sie nicht zustande kam, lag z. T. daran, dass die KGBE sich durch unsere Polemik angegriffen fühlte; überwiegend verhinderte jedoch ein u. E. sektiererisches Herangehen der Genoss(inn)en die Erkenntnis, dass auch bei unterschiedlicher Aufgabenstellung die Gemeinsamkeiten größer als die Differenzen waren und darum nach Wegen der Zusammenarbeit gesucht werden konnte.

Wie ist unsere Arbeit insgesamt zu bewerten? Haben wir die richtigen Aufgaben gestellt? Wenn nein- welche anderen Aufgaben hätten wir stellen müssen; wenn ja - was haben wir erreicht, und warum wurde nicht mehr erreicht? Um das zu beurteilen, müssen wir genau auf die Möglichkeiten und Grenzen unserer theoretischen wie praktischen Aufgabenstellung eingehen. Der Schwerpunkt unserer Arbeit lag auf weltanschaulichem Gebiet. Das war und ist eine im wesentlichen rückwärts gewandte Tätigkeit, notwendig allein aufgrund der Fehler der Vergangenheit, aufgrund der fehlenden Erarbeitung des revolutionären Marxismus im ideologischen Kampf ‚von unten auf‘, weshalb die MLer dermaßen anfällig waren und sind für die Infragestellung des Marxismus. Eine andere theoretische Aufgabenstellung (etwa PolÖk oder Geschichte) hätte nicht nur eine offene Flanke gelassen, sondern den ganzen Boden der weiteren Arbeit unsicher gelassen, was angesichts der die Grundfragen des wissenschaftlichen Sozialismus berührenden Angriffe des kleinbürgerlichen Sozialismus unvertretbar war.

Das Dilemma war, dass diese theoretische Arbeit nicht unmittelbar mit der praktischen Aufgabenstellung zusammenhing. Um konkreteren Einfluss auf die ml-Organisationen nehmen zu können, hätten wir mit den im Vordergrund stehenden Fragen beschäftigen müssen, d.h. mit politischer Ökonomie bzw. insbesondere mit Politik. Lediglich die Auflösung der KPD zerriss für einen Augenblick die trügerische politische Decke über dem faulen theoretischen Fundament und rückte vorübergehend die philosophische Diskussion als solche nach vorn. Ansonsten waren und sind das Sektierertum und die Theorielosigkeit der ml-Bewegung dermaßen ausgeprägt, dass die Bedeutung der Grundfragen der revolutionären Theorie gar nicht ins Bewusstsein geriet. Daher konnte die von uns forcierte theoretische Arbeit nicht die Einheit der MLer als solche befördert, sondern nur Grundlagen dafür geschaffen werden. In der Sondernummer zur KPD hieß es in der Vorbemerkung der Redaktion daher, das die philosophische Kritik ‚Bestandteil jener dringend notwendigen allseitigen Konstituierung unsrer Bewegung und damit eine der Voraussetzungen ihrer künftigen Einheit ist’ (S. 15). Diese Erkenntnis wurde jedoch durch die Hoffnung zurückgedrängt, dass die vorhandenen MLer von selber und aus sich heraus den Wunsch nach Einheit entwickeln würden und damit eine Vereinheitlichung nicht wegen, sondern trotz unserer philosophischen Schwerpunktsetzung möglich wäre.

Was unsere theoretische Kritik konkret betrifft, haben wir sowohl in der weltanschaulichen Debatte als auch in der Kritik der ml-Bewegung und der Linken zu wenig geleistet, um einen größeren Einfluss auf die objektive Entwicklung nehmen zu können. In der Philosophie haben wir uns bislang im Wesentlichen auf die Grundfragen der Philosophie, d.h. auf den Nachweis beschränkt, dass diese von den verschiedenen Kritikern im Sinne des Idealismus beantwortet ist. Das ist auf Dauer außerordentlich unbefriedigend. Konkretere Fragen, die auch bei der Linken im Vordergrund stehen - etwa das konkrete Verhältnis zwischen Mensch und Natur heute oder die Entfremdungsproblematik- blieben ausgespart. Die weitere Auseinandersetzung mit der ml-Bewegung ging nur langsam voran. Die in Arbeit befindlichen Kritiken an Einzelorganisationen (KBW und KABD) sind noch nicht erschienen, die KPD/ML-AG hat sich aufgelöst. Die Beschäftigung mit der Linken hatte weitgehend beschreibenden Charakter, eine inhaltliche Auseinandersetzung steckt allenfalls in den Kinderschuhen.“ (91)

November 1981: Die Nr. 16 (1981) der „Aufsätze zur Diskussion“ erschien. Das Schwerpunktthema war: „Vor dem Ende der ML-Bewegung“. Artikel der Ausgabe waren u. a.: „Der Rechenschaftsbericht der Redaktion“, Manfred Weiß: „Zur Entstehung des KBW“, Franz Kaminski: „Aspekte der Auseinandersetzung des KBW mit Lenins Imperialismustheorie“, Karl Müller: „Partei kaputt. Anmerkungen zu einem Versuch von Vergangenheitsbewältigung dreier Ex-KPD’ler“. Außerdem enthielt die Ausgabe Aufsätze zur Diskussion über „Unsere zukünftigen Aufgaben“ mit Beiträgen von Hans Kampmann, AKV, Paul Rother und Heiner Karuscheit. Hans Kampmann kritisierte u. a. die Begründung der Redaktion „Warum Gramsci“, die nach Auffassung der Redaktion zu „einem Schlüsselbegriff in der theoretischen Auseinandersetzung der westdeutschen Linken geworden ist“. Karuscheit antwortete in groben Zügen, dass die Positionen ohnehin „nicht ausführlich entwickelt werden können“, sie würden sich aus „der ML-Bewegung“ und der „Beschäftigung eines Teil der Linken mit ihm“ (gemeint war Gramsci, d. V.) ergeben. Ins Feld führte Karuscheit dazu die Debatte innerhalb der Zeitung „Argument“. Weiter hieß es: „Erst als im Zuge der Auflösung der KPD weltanschauliche Fragen in den Vordergrund traten, plädierten wir für die Schwerpunktsetzung Philosophie durch die NHT ...“ (92)

1. November 1981: Der „10. Rundbrief der Redaktion der Aufsätze zur Diskussion“ erschien. Der „10. Rundbrief“ soll zur „Vorbereitung auf die NHT-Konferenz am 16./17. Januar 1982“ dienen. Die Konferenz soll „Diskussionscharakter tragen“ und „erst auf einer weiteren Konferenz im Laufe des kommenden Jahres, soll eine endgültige Entscheidung über unsere künftigen Aufgaben getroffen werden. Dementsprechend soll die ganze Konferenz (für alle MLer) öffentlich sein.“ Ernst Hausmann und Manfred Weiß aus Frankfurt/M. wurden in die Redaktion aufgenommen. Zur Begründung hieß es: „Die Genossen Manfred und Ernst wurden von uns wegen ihrer theoretischen Tätigkeit und der Mitarbeit im Beirat ausgewählt. Außerdem kommen sie aus Frankfurt, und eine rein ‚Gelsenkirchener’ Redaktion wäre denkbar ungünstig. Der Beirat hat diesen Vorschlag sowohl von der Verfahrensweise als auch von den Personen befürwortet. Der neu entstandene Berliner Kreis wird demnächst ein eigenes festes Beiratsmitglied entsenden. Ansonsten schlagen wir vor, den Beirat in seiner jetzigen Zusammensetzung ebenfalls vorläufig bis zur folgenden „Entscheidungs-Konferenz“ im Amt zu lassen.“ (93)

7. November 1981: Die Redaktion der „Aufsätze zur Diskussion“ lädt zur Beiratssitzung am 21./22. November 1981 in Frankfurt/M. ein. Auf der Tagesordnung sollen die Punkte stehen: Berichte (Frauenkonferenz der KGB/E, Gespräch mit Vertretern des ZK des KBW, Gramsci-Arbeitskonferenz, Gramsci, Croce und der Neohegelianismus, KuK (Oktober 1981), Unsere nächsten Aufgaben, NHT-Konferenz/Redaktionsbesetzung. Eingeladen sind zur Sitzung auch: Mitglieder der ehemaligen Gruppe Erobert die Theorie, der KGB/E, der KG Ulm. (94)

21. November 1981: Nach dem „Protokoll der Beiratssitzung vom 3./4.10.1981“ soll die nächste Beiratssitzung der NHT am 21./22.11.1981 stattfinden. Auf der Tagesordnung sollen folgende Punkte stehen: Moderne Zeiten, KBW-Demonstration am 10.10, Rechenschaftsbericht der Redaktion, Stand der Diskussion in den Kreisen. (95)

27. November 1981: Laut „10. Rundbrief der Aufsätze zur Diskussion“ soll am 27. November 1981 in Bochum die III. Sozialistische Konferenz stattfinden. Sie soll bis zum 29.11. dauern. (96)

31. November 1981: Laut KGB/E begann in Bochum eine zweitägige Frauenkonferenz. Anwesend waren ca. 70 Frauen aus dem linken und maoistischen Spektrum. U. a. waren vertreten: KBW, KB, Sozialistischer Frauenbund (SFB) Hamburg, Kreis Gelsenkirchener Marxisten-Leninisten, Komitees für Demokratie und Sozialismus (KDS, damals Moderne Zeiten), Sozialistische Studiengruppen (SOST), Frauen der Kommunistischen Gruppe Ulm (KGU) und der Kommunistischen Gruppe Mainz. Es wurden drei Arbeitsgruppen gebildet, davon zwei zur Thematik: „Was ist brauchbar an Engels’ ‚Ursprung der Familie ...’?“. Eine Arbeitsgruppe behandelte das Thema: „Unsere Erfahrungen mit kommunistischer Bewegung/Organisation, wie stehen wir zu einer gemeinsamen Organisierung mit Männern einerseits und zur autonomen Frauenbewegung andererseits?“

Nach einem Bericht der BAZ kam „die überwiegende Mehrheit der Frauen im Plenum zu dem Schluss, dass diese Form der Auseinandersetzung positiv zu beurteilen sei und weitere Konferenzen zur Vertiefung der Fragen erstrebenswert seien. Ein wichtiges Ergebnis: Es soll ein Rundbrief entstehen, der jeweils von unterschiedlichen Frauen/-gruppen zusammengestellt wird. In diesen Rundbrief sollen sowohl Thesenpapiere und Artikel rein, die der weiteren Auseinandersetzung unter kommunistischen/sozialistischen Frauen dienen sollen.“ (97)

21. Dezember 1981: Es erschien der „12. Rundbrief der Redaktion der Aufsätze zur Diskussion“. Berichtet wurde u. a. auch über die VI. ordentliche DK des KBW (14. bis 18. November). „Als entscheidende Differenz stellten sich unterschiedliche Positionen zur Staatsfrage heraus. H.G. Schmierer hatte mit seinem Eintreten für die marxistische Staatstheorie und für die Diktatur des Proletariats eine knappe Mehrheit hinter sich. Eine große Minderheit trat unter Heranziehung eurokommunistischer Vorstellungen gegen den Begriff der Diktatur des Proletariats und gegen die wesentliche Fassung des Staats als Gewaltapparat auf ... Beide Seiten einigten sich darauf, die Auseinandersetzung in den nächsten Monaten fortzusetzen ... sowie eine Konferenz über die Frage der Diktatur des Proletariats durchzuführen, evtl. zu Pfingsten 1982. Unseres Erachtens programmiert diese Auseinandersetzung die künftige Spaltung des KBW vor, da die beiden skizzierten Positionen dauerhaft nicht miteinander vereinbar sind. Offenkundig bestätigt sich, was Lenin in ‚Staat und Revolution’ schrieb: ‚ein Marxist ist nur der, wer die Anerkennung des Klassenkampfes auf die Anerkennung der Diktatur des Proletariats erstreckt’ ... Der KBW führt über die angesprochenen Fragen örtlich öffentliche Diskussionen durch. Wir empfehlen den NHT-Kreisen dringend, zu diesen Terminen zu gehen. Es kann uns nicht gleichgültig sein, wie die Entwicklung dort verläuft, zumal es reale Möglichkeiten der Einflussnahme gibt. In diesem Zusammenhang streben wir an, in der NHT-Gruppe eine Schulung über Lenins ‚Staat und Revolution’ zu organisieren ... Unter Berücksichtigung der angesprochenen Gesichtspunkte halten wir eine Schulung für sinnvoll, Zeitraum: Februar bis März 1982.

Im April wird von NHT, KBW und SOST eine Gramsci-Konferenz veranstaltet. Thema 1. Tag: Gramscis Philosophie, Thema 2. Tag: Theorie der Politik. Die Konferenz soll auf Bitten von SOST in Hannover stattfinden und nichtöffentlich sein, da sie im Wesentlichen nur von Mitgliedern der 3 Gruppen besucht werden. Zur Vorbereitung dieser Konferenz sowie zur Verarbeitung unserer Veröffentlichung zu Gramsci (wird endgültig im Januar 1982 abgeschlossen), schlägt die Redaktion vor, 2 Arbeitsgruppen zu bilden: Philosophie sowie Theorie der Politik.“ (98)

1982

11. Januar 1982: „Stellungnahme des AKV zur Bedeutung und Grenzen des Anti-Gramsci“. In der „Stellungnahme“, die zunächst vehemente Kritik an der Auffassung der Redaktion der AzD übt, die in ihrem „Rechenschaftsbericht“ davon ausgeht, dass der Anti-Gramsci das „Produkt der theoretisch Fortgeschrittensten bzw. Stärksten zur Verfügung stehenden Kräfte“ sei, und einen „Höhe- wie Wendepunkt der NHT Arbeit darstellt“, ging der AKV weiter davon aus, dass „nicht davon geredet werden kann, das Gramsci zum Kristallisationspunkt idealistischen Gedankenguts geworden sei“, dass er nicht zum eigentlichen „Kristallisationspunkt aller politischen Kräfte der linken demokratischen Bewegung geworden“ sei, und dass die Behauptung, die „Jugend- und Studentenbewegung habe Gramsci wiederentdeckt“ falsch sei. Der Anti-Gramsci hätte die Funktion, mit ihm „den Einstieg in die theoretische Arbeit an staatspolitischen und politökonomischen Themen“ zu wagen, in die „jahrelang schmerzlich entbehrte praktisch-politische Tätigkeit“.

Der „Anti-Gramsci“ soll das endgültige Ende der ML-Bewegung markieren, die Redaktion sei jedoch „den Nachweis (dafür, d. Vf.) schuldig“ geblieben. Auf philosophischem Gebiet fehle „das Gesamtfeld imperialistischer Philosophie und Ideologie“, dem Gramsci entstammte und dem er teilweise verhaften blieb“. Diese „Blässe der Darstellung“ durch die NHT würde bis an „die Geschichtslosigkeit“ gehen. Der der Anti-Gramsci sei „alles andere als eine richtungsweisende Auseinandersetzung mit bürgerlichen Ideologien“, wie sie heute „erforderlich wäre“ und vom AKV „als Abschluss der ideologischen Auseinandersetzung gefordert wird“.

Aus diesem Missverhältnis folgerte der AKV, dass wir heute „die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte imperialistischer Kultur lernen müssen, insbesondere was die in Westdeutschland wirksamen Formen“ anbelangt. Der AKV kritisierte weiter die „Sandkastenstrategie der NHT“, mit der man versuche, auf die verblichenen Kräfte von KPD, KBW und anderen „einzuwirken“. Dies sei „opportunistische Anbiederungspolitik“, eine „kurzschlüssige Funktionalisierung“ für „flüchtige politische Ziele“. Heute gehe es um eine Analyse des „imperialistischen Liberalismus in der BRD“, also „jener Elemente des hegemonialen Kulturapparates, die den spontanen Protest der Arbeiterschaft und oppositioneller kleinbürgerlicher Schichten imperialistisch einbeuten halfen“. (99)

16. Januar 1982: In Frankfurt/Main begann die 3. NHT-Konferenz, die am 17. Januar fortgesetzt wurde. Im Mittelpunkt der Diskussion stand „das sich abzeichnende Ende der ML-Bewegung sowie die daraus zu ziehenden Schlussfolgerungen“. (100)

18. Januar 1982: In Gelsenkirchen kursiert das Papier „NHT-Konferenz - NHT in der Krise?“ Ausgeführt wurde u. a. „Im Gegensatz zur NHT-Konferenz (19./20.April 1980) haben sich tatsächlich auf der 3. Konferenz wohl bisher genannte, aber bis dato nicht konkrete ausformulierte Differenzen und Widersprüche offen gezeigt. Sie sind vakant geworden ... Der erste Tag der Konferenz begann mit einem einleitenden Referat des Genossen Schröder, das sich dadurch auszeichnete, dass er zwar noch einmal grob umrissen die Entwicklung der Entstehungsgeschichte der marxistisch-leninistischen Bewegung bis zu ihrem absehbaren, heutigen Ende darstellte. Der Referent ließ jedoch entscheidende Positionen vermissen, die in den Diskussionsbeiträgen der Aufsätze zur Diskussion Nr. 15 und 16 quasi als Gegenpole zu den Auffassungen der Redaktion entwickelt worden sind. Man kann eigentlich festhalten, dass der Genosse Schröder in seinem Referat nicht über das hinausging, was schon allgemein in den Aufsätzen genannt worden ist. Fraglich bleiben muss dann auch an dieser Stelle, ob dieses ‚Allgemeingut‘ ausgereicht hat, um von vornherein der Diskussion bereits im Anfangsstadium den richtigen Weg zu bahnen?

Es gab auf der Grundlage des Referats zunächst keine neuen Erkenntnisse. Der ‚Zersetzungsprozess der marxistisch-leninistischen Bewegung‘, die ‚Bezugspunkte der NHT zu dieser Bewegung‘, die ‚neuen Erscheinungen, die das heutige Bild bestimmen‘, oder die zum wiederholten Mal betonte Tatsache des ‚theoretischen Hinausgehens über diese Bewegung‘, sind halt Elemente, die im Kern ausweisen, dass es den Redaktionsgenossen offensichtlich schwer fällt, in den Auseinandersetzungen mit anderen Positionen (z. B. mit dem AKV) kritisch die eigenen Postulate zu überprüfen.“

Der AKV trat auf der Konferenz auch mit einem eigenen Referat auf. Ausgeführt wurde u. a.: „Die Redaktion habe in Bezug auf die Bewegung eine illusionistische Einschätzung. Die Strategie der Redaktion sei gegenüber ihr nicht alternativ, sondern gipfle in der Pädagogik. Die Schaffung eines weltanschaulichen Fundaments sei das Gebot der Stunde.“

„Der zweite Tag der Konferenz“, so der Bericht weiter, „begann ebenfalls mit zwei Referaten. Das Referat des Genossen Karuscheit war ebenfalls in seinen wichtigsten Bestandteilen bereits bekannt. Zusammenfassend kann man sagen, dass der Genosse Gramsci und die sich daraus ableitenden Aufgaben für die NHT in den Mittelpunkt stellte, dass die wesentlich philosophischen Fragen mit Gramsci geklärt, dass damit die Grundlagen für die NHT geschaffen sind ... Das Gegenreferat des Genossen Hermann Anthe versuchte noch einmal zu verdeutlichen, dass mit dem ‚Anti-Gramsci‘ kein Wendepunkt in der weltanschaulichen Debatte erreicht ist, das er nicht den Zentralpunkt in der Auseinandersetzung mit bürgerlichen Ideologien darstellt, dass die NHT auf Grund ihres verkürzten Theorieverständnis nicht in der Lage ist, sich in der weltanschaulichen Auseinandersetzung zu qualifizieren, dass sie darüber hinausgehend auch nicht in der Lage sein wird, innerhalb der Linken einen revolutionären Flügel zu bilden. De erste Schritt zur Aufdeckung und Bekämpfung der imperialistischen Hegemonie in Westdeutschland sei die systematische Analyse des imperialistischen Liberalismus in der BRD.“

Der Bericht endete mit folgender Einschätzung: „Die Konferenz hat wohl die ‚zwei Lager‘ stabilisiert. Es gilt einmal mehr, in der solidarischen Diskussion annähernde Werte zu erzielen. Zwar stehe „eine Spaltung der NHT“ nicht auf der Tagesordnung, aber da die vorhandenen Widersprüche nicht verkleistert worden sind, wird man mit Argusaugen darauf achten müssen, wie sich die verschiedenen Positionen weiterentwickeln. Im Vorfeld der 3.NHT-Konferenz sind jedoch Tendenzen, die zu einer Spaltung der NHT führen könnten, bekannt geworden. Es handelt sich um Auffassungen der KGB/E, die in der Zwischenzeit von ‚zwei Fraktionen innerhalb der NHT‘ reden und auch schon darüber spekulieren, was passiert, wenn ...“ Die Konferenz war von ca. 100 Menschen besucht worden. (101)

Mitte Februar 1982: Vermutlich in Gelsenkirchen erscheint ein Papier bzw. ein Bericht mit dem Titel „NHT-Konferenz: NHT in der Krise?“. (102)

17. Februar 1982: Es erscheint eine Diskussionsvorlage von Sigmund Piotrowski (AKV): „Georg Lukacs - Ein richtungsweisender Theoretiker des Marxismus-Leninismus? Zur Frage des theoretischen Erbes und zur notwendigen Weiterentwicklung der Ideologiekritik.“ (103)

18. Februar 1982: Arbeitspapier des AKV „Imperialistischer Liberalismus in der BRD.“ Der Nutzen dieses „Arbeitspapieres“ liege darin, so der AKV, dass es „unsere Forderungen und die vom AKV vorgenommene Bedeutungsrelativierung des ‚Anti-Gramsci konkretisiert ... dass es noch einmal - wie wir meinen - schlagend den Unterschied zwischen Philosophie und Ideologiekritik verdeutlicht ...“ Das Papier war gegliedert in:

I. Die Voraussetzungen: Unorthodoxer Marxismus und kritische Gesellschaftstheorie 1918-1945. Die Reaktionen auf Positivismus und Evolutionismus der II. Internationale (Luxemburgismus, Syndikalismus. Übergang vom Neukantianismus zum Neuhegelianismus), Austromarxistische Kritik der politischen Ökonomie (Hilferding, O. Bauer, C. Grünberg, Schumpeter und Baran), Linksbürgerliche Soziologie (K. Mannheim, Th. Geiger, S. Kracauer), Psychoanalytische Gesellschaftskritik (W. Reich, S. Bernfeld), Die Frankfurter Schule als Begründer eines Systems ‚Kritische Theorie‘ (Austromarxismus, Soziologie, Kulturtheorie, Tiefenpsychologie), Exkurs: Der Sieg des Faschismus, das Niveau der kommunistischen Ideologiekritik und die theoretischen Außenseiter der Dritten Internationale (Lukacs, Gramsci), die Fortsetzung der ‚Volksfront‘-Politik nach 1945 und die ideologischen Folgen.

II. Westzone und innere Einkehr (1945-1949), Der Faschismus als absurde Schuldverstrickung, christlicher Sozialismus als tätige Reue, existentialistischer Humanismus als Heraldik des Wiederaufbaus (W. Dirks, E. Kogon und die „Frankfurter Hefte“), die Nürnberger Prozesse, programmierte Hilflosigkeit des Antifaschismus. Exkurs: Die Ostzone und ihre ideologische Formierung.

III. BRD: Bürgerlich-demokratischer Protest gegen Klerikalkonservatismus und imperialistische Politik. Freidenker: antiklerikal-atheistisches Aufklärertum, demokratisch-pazifistische Parteien, Vereinigungen und Bewegung (DFU, HU, Naturfreunde, Gewerkschaftsinitiative), Linkssozialistische Parteien und Organisationen zwischen SPD und KPD (UAP, Arbeiterpolitik, VUS, trotzkistische Gruppen), Kampf der Wiederaufrüstung und Atomwaffen (Ohne mich und Anti-Atomtod Bewegung), Stalins Angebot der Wiedervereinigung (1954), Reaktion der westdeutschen Linken auf Adenauer Politik.

IV: Marxologie und Scheinrevolte: Die ideologische Entwicklung nach dem Verbot der KPD. Linksbürgerliche Marxologie im Zeichen humanistischer Neuorientierung (E. Thier, I. Fetscher), Kritischer Linkskatholizismus- und Protestantismus, die Infiltration der Linken durch kirchliche Fortschrittlichkeit. Exkurs: Der moderne Revisionismus und sein Dialog mit westlichen Linksintellektuellen, kritischer Marxismus in der BRD: L. Kofler, W. Abendroth, H.H. Holz, P. Brückner, Rückkehr der kritischen Theorie: Eskapistischer Kulturpessimismus (Adorno, Horkheimer), alternativer Kulturoptimismus (Fromm) strukturalistischer Reformismus (Habermas), Praxis-Philosophie (A. Schmidt), subjektivistischer Außenseiter (O. Negt, die kritische Theorie als klassenmäßig adäquates Widerspiegelungsmodell für kleinbürgerliche Linksintellektuelle, ihre Auseinandersetzung mit dem Neopositivismus (Positivismusstreit ) und ihre Überwindung des Reformismus. Einflüsse des französischen Linksexistentialismus (Sartre, Lefebvre, Garaudy) und kritischer Strukturalismus (Levi-Strauß, Althusser), der Reiz kulturtheoretischer Synopsis und aktivistischer Philosophie.

Geschichte des SDS 1963-1969. Akademismus und Scheinrevolte, Dutschke und der Marcuse-Flügel (Entlarvung und Verweigerung), Krahl und die marxologische Revolte, Cohn-Bendit und der Anarcho-aktivistische Flügel, der subjektivistisch-selbstgenügsame Flügel und sein Umfeld (Selbsterfahrungsgruppen, Drogenszene, Hedonismus, pädagogische Modelle). Der Internationalismus der Jugend- und Studentenbewegung. B. Nirumand, Anti-Schah-Demonstration, Iran-Frage, antiautoritäre Despotenschmähung, Vietnamkrieg, pazifistischer Anti-Amerikanismus? Chef Guevara, lateinamerikanischer Guerillakampf, zivilisationsmüde Revolutionsromantik, chinesische Kulturrevolution, Fanal des Professorensturzes, US-amerikanische Bürgerrechtsbewegung, kalifornischer Studentenprotest, Black Power, Pop-Revolution, Illusion des raschen Umsturzes? Pariser Mai 1968, Zittern die starren Strukturen, Studentenaufruhr und Arbeiterspontaneität, westliches Revolutionsmodell. Tschechoslowakei 1968: Höhepunkt des westdeutschen Antisowjetismus-Impuls des Antirevisionismus? Die Haltung zum Proletariat. Frankfurter Schule: die Massen als Opfer von Verdinglichung und Manipulation, die radikalen Studenten als Katalysator der Erweckung, Pariser Mai 1968, proletarische Spontaneität als revolutionäre Gewalt? Septemberstreiks 1969, der erwachende Riese?

Die Faschismusfrage, Frankfurter Schule, Spätkapitalismus - die erstarrte Barbarei, Aufklärung kontra faschistoide Massenmanipulation, Massenpsychologische Deutung (W. Reich), Theoretische Ansätze des modernen Revisionismus (K. Gossweiler, J. Streisand) und ihm nahe stehende Autoren (R. Kühnl, R. Opitz), Die Rolle der Psyche, Frankfurter Schule: Reflexion und Verweigerung als Ausbruch aus der Domestikation, W. Reich: Triebbefriedigung als Garant der Vernunft, aktivistisch-hedonistische Überbaurevolte: Hoffnung auf ein neues Denken, Sozialdemokratismus, Reformismus und Revisionismus bei den Ausläufern der Jugend- und Studentenbewegung (SHB, MSB Spartacus, Jusos, Sozialistisches Büro, SOST, Trotzkismus. Die Entdeckung des westlichen Marxismus und die Abwendung von der kommunistischen Orthodoxie, SOST: Zurück zu Marx, Vorwärts mit Gramsci, R. Dutschke und die Kritik des Leninismus, B. Rabehl und die bewusste Aufwertung kritisch-spontaneistischer Theorie, H.J. Krahl und die Entdeckung des bürgerlichen Diskurses.

V. Die ml-Bewegung, ihr Verhältnis zum Marxismus-Leninismus und zum unorthodoxen Marxismus, Bekenntnistreue und Aufweichung, die Entfaltung der Alternativbewegung, Tradition des westdeutschen demokratischen Pazifismus, die innerkapitalistische Pseudo-Dualität von Natur und Technik, Erbe der kritischen Theorie (H. Marcuse, Th. Adorno, J. Habermas), Triebe, Subjekt, Kultur, Anti-Intellektualismus und Anti-Wissenschaftlichkeit, spontaneistische Organisationsfeindlichkeit und theorielose Verweigerungshaltung als plebejische Variante des studentischen Protests 1967/68, Theoretische Überwölbung der Theorielosigkeit, Poststrukturalismus, feministische Kulturtheorie, Neo-Irrationalismus (Deleuze/Guattari, Duerr, Feyerabend, Theweleit, Bornemann, Neoreligiöse Tendenzen: Jugendsekten und Kirche von unten, imperialistischer Eskapismus (Rucksackreisen, alternativer Tourismus, Landflucht), neue Militanz, reformistische Technologiekritik (R. Bahro), Naturfetischismus der Grünen, alternative Technologien: Humanismus ohne Klassenkampf, Dialektik der Linken: Zerfall der orthodoxen Organisationen, irrationalistische Durchseuchung und undogmatische Kräfte. (104).

25. Februar 1982: Hermann Anthe vom Arbeiterkulturverlag hielt auf einer Diskussionssitzung des Gelsenkirchener Kreises einen Redebeitrag. Kritisiert wurde auf dieser Versammlung das „Grüne Buch“ von Heiner Karuscheit (gemeint war „Die Geschichte der ML-Bewegung“ in der ersten Auflage von 1978). Anthe führte u. a. aus: „Das ‚Grüne Buch‘ und seine Wertung der sogenannten ML-Bewegung bleiben indessen jener unhistorischen Überbewertung der Politik verhaftet, die für die Zirkel charakteristisch war und ist. Heiner Karuscheit und mit ihm Teile der NHT erklären die politische Hinwendung zum Proletariat, die politische Hinwendung zum bolschewistischen Organisationstypus, die politische Hinwendung zum Marxismus-Leninismus für einen historischen Meilenstein, ohne die Bedeutung dieser politischen Schritte in der gegebenen geschichtlichen Situation konkret zu beurteilen ... Halten wir fest, dass die Darstellung der NHT, gerade das vielbeschworene ‚Grüne Buch‘ in zentralen Fragen nicht als ‚konkrete Untersuchungen einer konkreten Situation‘ bezeichnet werden können ... Sie zieht es in der ihr eigenen kuriosen Logik vor, aus dem politischen Niedergang der Zirkelbewegung einen politischen Aufbruch der NHT zu folgern und zeigt sich damit bewusstlos für die ideologischen Abläufe wie auch für die Bedeutung der weltanschaulichen Konstellation.“ (105)

Frühjahr 1982: Eine erste „Chronik zur westdeutschen Zirkelbewegung“ erschien in Gelsenkirchen. Autor: Hans Kampmann, Gelsenkirchen. Eine zweite verbesserte Auflage erschien mit ca. 250 Seiten 1983/1984 („Kleine Chronik der MAO-Bewegung“). Ab 1984/85 beteiligen sich auch Jürgen Schröder (Berlin) und Dieter Osterloh (Berlin) an dem Projekt. Aus diesem Projekt heraus entstand die Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO), deren bisher veröffentlichte Daten auf www.mao-projekt.de einzusehen sind. (106)

März 1982: Die Nr. 17 (1982) der „Aufsätze zur Diskussion“ erschien. Schwerpunkt der Ausgabe war: „Reformismus/Preußen/ML-Bewegung.“ Artikel waren: Alfred Schröder: „Linker Frühling. Das Frühlingsforum der Demokratischen Sozialisten“, Klaus Aresti: „Reformismus: Born, Lassalle, Bernstein ... SOST?. Der friedliche Weg zum Sozialismus“, Sigmund Piotrowski: „Faschismustheorie im Dienst des subjektiven Idealismus und Spontaneismus. Theweleits „Männerphantasien“, Heinrich John/Walter Sandhofe: „Über Preußen“, Manfred Weiß: „Der KBW nach der Delegiertenkonferenz“, Ernst Hausmann: „Zur Auflösung der MLD“, Alfred Schröder: „Der KB auf dem Weg zur Theorie. Zum KB-Kongress am 16./17. Januar 1982, AKV: „Zum Drang zur Politik und von der Freiheit der Intelligenz. Kritische Anmerkungen zu Beiträgen von Robert Kurz in Neue Strömung Nr. 4.“ (107)

8. März 1982: Brief der Redaktion von Gegen die Strömung (GDS) an die Organisationen bzw. Redaktionen:

GDS schlug in diesem Brief den beteiligten Organisationen zum 1. Mai „eine gemeinsame zentrale Demonstration“ vor. Ausgeführt wurde weiter: „Wir meinen, dass die Demonstration nach Möglichkeit in einer ausgesprochen proletarischen Stadt stattfinden sollte, am besten relativ zentral. Das wäre also Dortmund, Duisburg, Gelsenkirchen oder ähnliches. Wir halten es für möglich, dass die Demonstration so organisiert wird, dass sie zunächst durch die proletarischen Viertel geführt wird, am Endpunkt, wo die Kundgebung gehalten wird, auf die offizielle Demonstration des DGB in der Stadt trifft ... Wir schlagen vor, keine nach Ländern und Nationen unterteilte Blöcke auf der Demonstration zu organisieren, sondern eine einheitliche internationalistische Demonstration.“ Die Hauptparolen sollten nach Auffassung von GDS sein: „Nieder mit dem Regierungsmai! Proletarier aller Länder vereinigt Euch! Tod dem Imperialismus!“

GDS schlug weiter vor, „eine gemeinsame Zeitung für den 1. Mai unter dem Namen VÖLKER IM KAMPF herauszugeben“. (108)

März/April 1982: Papier des AKV „Vom Drang zur Politik und von der Freiheit der Intelligenz. Kritische Anmerkungen zu Beiträgen von Robert Kurz in Neue Strömung 4“. Kritik wurde u. a. an einer „Neuen Jugendbewegung“ geübt, die zum „Marxismus-Leninismus zu finden“ hätte. „Genau diese spontaneistische Erwartung versucht Robert Kurz in seinem Aufsatz theoretisch zu untermauern, anstatt die historische Aufgabe der Theorieströmung hervorzuheben, die darin besteht, das Erbe des Marxismus-Leninismus schöpferisch weiterzuführen.“ (109)

Mai 1982: Eine „Sondernummer zu unseren nächsten Aufgaben“ erschien. Die Ausgabe enthielt Beiträge von: Hans Kampmann, Jutta Gerber, AKV, Arbeitskreis Hannoverscher Marxisten-Leninisten, Paul Rother, Jan Lidtke/Hans Kampmann, NDN, Heiner Karuscheit und Gerd Jankowski. Die Redaktion der AzD schrieb in einem Vorwort: „Die vorliegende Sondernummer vereinigt in sich verschiedene Beiträge, die anlässlich der Debatte um unsere künftigen Aufgaben entstanden sind. Ihr Abdruck in der regulären AzD-Ausgabe hätte deren Umfang gesprengt bzw. ihnen internen Diskussionscharakter gegeben. Aus diesem Grund wurde diese Sondernummer herausgegeben, die die Auseinandersetzung jedem Interessierten zugänglich macht, ohne die AzD zu vereinnahmen.“ (110)

8. Mai 1982: In Frankfurt/M. fand eine Beiratskonferenz der NHT statt, die am 9. Mai fortgesetzt wurde. Danach gab Manfred Weiß eine Einschätzung der ml Bewegung ab. U. a. wurde formuliert: „... dass in Konkurrenz zu den Grünen die Gründung der Demokratischen Sozialisten (DS) erfolgte“, und „damit der Zerfall der ml Bewegung beschleunigt“ würde. Weiß gab auf der Konferenz einen Bericht über die Konstellationen der ML Bewegung und, den „zwei Flügeln“, die einerseits den KB, den BWK, die KPD/ML und andererseits des KBW umfassen sollen. Die „Dreierkonstellation“ KB, BWK und KPD/ML stehe dabei dem KBW „konträr“ gegenüber, wobei der KBW sich noch zusätzlich durch die Koenen- und Schmierer-Fraktion charakterisieren ließe. Weiter hieß es: „Da nach der Einschätzung der AzD-Redaktion der KB als einzige Gruppierung theoretisch zu arbeiten scheine, wolle sie, so Gen. Heiner Karuscheit, mit der KB-Leitung ein abklärendes Gespräch führen; zum BWK, der in einem teilweise verlesenen Brief des ehemaligen Beiratsgenossen Kurt Meißner an die AzD-Redaktion in Verarbeitung eines Gesprächs mit führenden BWK-Mitgliedern als eine Mischung von Empirismus und Prinzipienreiterei charakterisiert wurde, ist ein Artikel seitens des Gen. Manfred Weiß geplant; zur KPD/ML bereitet der Gen. Paul Rother eine Darstellung ihrer Entwicklung bis etwa 1981 vor, die zeigen soll, in welcher Form auch die insgesamt eher sektiererisch abgeschlossene Organisation auf die gesellschaftlichen Abläufe reagiere.“ Anwesend waren u. a. Beiratsmitglieder aus Gelsenkirchen, Hannover, Frankfurt/M., die Redaktion der Aufsätze zur Diskussion, der AKV (Hermann Anthe).“ (111)

31. Mai 1982: Treffen von Gelsenkirchener NHT-Mitgliedern mit dem AKV in Düsseldorf. (112)

Juni 1982: Es erschien vermutlich im Juni eine Stellungnahme des AKV: „Wo stehen wir? Stellungnahme des AKV zum Rechenschaftsbericht der Redaktion.“ Darin wurde u. a. ausgeführt: „Die von der Redaktion vorgeschlagene Neuausrichtung (gemeint ist die Anti-Gramsci-Debatte, d. Vf.) erinnert frappierend an die Kurswechsel der alten Zirkelbewegung, und auch die Argumente dafür wirken altvertraut, eben wie die Manie, sich unbedingt in laufende Bewegungen politisch einschalten zu müssen. Den eigenen Zustand, die Kleinigkeit, dass man selbst gerade erst das theoretische Laufen lernt, vergisst man voll pragmatischen Eifers. Man vergisst, dass die NHT gegenwärtig nicht einmal als ideologische Strömung bezeichnet werden kann; denn sie besitzt einfach noch keine einheitliche, fundierte Weltanschauung auf dem Boden des dialektischen Materialismus.“

Auf weltanschaulichem Gebiet favorisierte der AKV: „Klärung und Aneignung der philosophischen Grundlagen, im dialektischen Materialismus das Instrument der wissenschaftlichen Arbeit gewinnen, Klärung der eigenen Vergangenheit (Studentenbewegung, ML-Bewegung), die Einfallstore der linksbürgerlichen (einschließlich der revisionistischen) Ideologie erkennen und schließen, wozu eine neue Arbeitsgruppe, vergleichbar dem ‚Anti-Gramsci‘-Autorenkollektiv gebildet werden sollte.“ Politisch würden drei Aufgaben im Vordergrund stehen: „Politisch stehen drei Aufgaben im Vordergrund: Beobachtung und Beeinflussung der noch bestehenden Zirkel der ML-Bewegung (KPD/ML, KABD, AB, KB/Nord, BWK, KBW-Fraktionen), Auseinandersetzung mit der Theorie-Strömung außerhalb der NHT, ideologischer Kampf gegen den kleinbürgerlichen Sozialismus und vor allem Abwehr seiner Angriffe auf den dialektischen Materialismus.“ Organisatorisch gilt es: „Die NHT zu einem ideologischen Zentrum zusammenzuschließen und einen autoritativen Organisationskern zu entwickeln, die Bedeutung der theoretischen Arbeit nach innen zu propagieren und die ‚Schere‘ zwischen Theoretikern und Basis tendenziell zu schließen, die Schulungsarbeit zu intensivieren ... und theoretische Arbeitsgruppen zu bestimmten Fragen der ideologischen Auseinandersetzung zu bilden, in denen Genossen mit relativ entwickelten Kenntnissen und weniger erfahrenen Genossen zusammenarbeiten ...“ (113)

8. Juni 1982: Das Gelsenkirchener NHT-Mitglied Hans Kampmann stellte einen Antrag an die Redaktion der „Aufsätze zur Diskussion“, zur nächsten Beiratssitzung der Aufsätze eingeladen zu werden. (114)

8. Juni 1982: In einem Brief vom 8.6.1982 „besteht“ Hans Kampmann (Gelsenkirchen) darauf, dass seine Rezension zu Osten-Sackens „Schöpfung aus dem Nichts“ in den Aufsätzen zur Diskussion erscheint. (115)

21. Juni 1982: Vertreter des AKV nahmen an einer Diskussionsrunde des Frankfurter NHT-Kreises teil. Die Runde stand unter dem Thema: „Zirkelbewegung und NHT“. Dazu wurde ein Referat gehalten, das ausführte: „Die Situation der marxistisch-leninistischen Kräfte in Westdeutschland wird von Jahr zu Jahr schlechter. Die Gründung der NHT im Jahre 1979 nährte noch neue Hoffnung, die nach den ernüchternden Erfahrungen der zurückliegenden drei Jahre - Sozialchauvinismus, ungeschminktes Sektierertum, wesentlicher Zirkel, Aufspaltung der Bewegung in eine proalbanischen und einen prochinesischen Teil - bitter nötig schienen. Aber welche Erfolge hat die NHT nach vier Jahren ihres Bestehens vorzuweisen? Resümieren wir: Der Kampf um die Genossen des KAB/RW ging weitgehend verloren. Es gelang nicht, Gruppen wie die KG Bonn, die „Roten Briefe“ Wuppertal, die „Herausforderung“ Kiel, und andere vom Absacken in die Resignation oder ins linksbürgerliche Lager abzuhalten. Die Auseinandersetzung mit der Gruppe um Robert Kurz und der KGB/E, also mit der sogenannten Alten Hauptseite Theorie, stagniert oder wird gar nicht mehr geführt. Zum offenkundigen Debakel geriet die Bemühung, wenigstens Bruchstücke der zerfallenen Semler-KPD zu gewinnen. Die heutigen hektischen Bemühungen, im KBW irgendwelche ml Kräfte aus dem Niemandsland zwischen Liquidatoren und bürgerlich auftrumpfenden Theoretikern zu Bundesgenossen zu machen, erweisen sich zusehends als illusionär.

In diese Kette von Niederlagen und Enttäuschungen schlägt sich nicht nur der ‚Zug der Zeit‘, die Anziehungskraft neuer sozialer Bewegungen nieder. Der AKV, wie auch Teile der NHT gehen davon aus, dass die Gelsenkirchener Redaktionsgenossen von jeher ein Konzept verfochten haben, das in der Formierungsphase der NHT einen wichtigen, wenngleich relativen Fortschritt gegenüber der sogenannten ml Bewegung darstellte, seine Beschränktheit, seine Wesensverwandtschaft mit eben dieser Zirkelbewegung aber nur allzu deutlich unter Beweis stellte. In den gegenwärtigen Auseinandersetzungen systematisieren Heiner Karuscheit, Alfred Schröder und ein Kreis von Gefolgsleuten das, was beschränkt und zurückgeblieben in ihrer Anschauung ist, zu einer Linie, die zukunftsweisend sein soll, in Wirklichkeit aber die NHT aufs Spiel setzt ... Zunächst einmal: Worin liegt das Verdienst der verantwortlichen Genossen, das Verdienst der ursprünglichen NHT-Linie?

Dieses Verdienst liegt nicht darin, eine systematische ideologische Grundlagenarbeit gefordert zu haben. Die Redaktion forderte stets eine Theorie-Arbeit, die die Einheit der Zirkelbewegung bzw. der ml Kräfte bewirken sollte, und zwar getragen von der wahrhaft hirnrissigen Einschätzung, das was seinerzeit – 1978 - in der Zirkelbewegung kreuchte und fleuchte, sei gleichzusetzen mit dem Kaderstamm der zu schaffenden westdeutschen Kommunistischen Partei! Wie wenig die Redaktion heute von diesem ihren alten Geniestreich hält (den sie natürlich nie einer öffentlichen Selbstkritik unterzogen hat), geht daraus hervor, dass sie mittlerweile in der gesamten westdeutschen Linken nach revolutionären Kräften Ausschau hält, die für den Leninismus gewonnen werden sollen - als seien aus dieser Linken Individuen und Gruppen leichter herauszueisen als aus Zirkeln wie etwa der Semler-KPD.

Der Gerechtigkeit halber wollen und müssen wir aber auch sagen, worin das objektive Verdienst der alten Redaktion besteht: Unbezweifelbar ist die NHT die einzige Gruppierung westdeutscher ML-Kräfte, die Theorie in der Hauptseite betrieb, ohne Federn an bürgerlichen Strömungen zu lassen. Die NHT hat es nicht vermocht, sich zu vergrößern, das ist wahr. Sie hat aber auch - im Gegensatz zu allen anderen auf den Marxismus-Leninismus eingeschworenen Verbänden - eine gewisse innere Konsolidierung erreicht, und zwar indem oder obwohl sie sich an weltanschauliche Themen wagte. Das ist nicht wenig, auch wenn bisher wenig Vorzeigbares auf diesem wichtigen Gebiet hervorgebracht wurde. Warum schwächt und liquidiert aber heute die Redaktion mit ihren treibenden Kräften Karuscheit und Schröder gerade das Positive und Verdienstvolle des Ansatzes NHT? Unseres Erachtens hängt die heutige Fehlkonzeption einer Unterordnung der Hauptseite Theorie unter den eisernen Vorsatz, politischen Einfluss zu nehmen, mit Schwächen und Versäumnissen zusammen, die sich bis hinein in die konstituierenden Schriften der NHT, das ‚Rote‘ und das „Grüne‘ Buch zurückverfolgen lassen.

Kurz gesagt: Die Gelsenkirchener Linie des Jahres 1978 war noch immer eine Linie der Zirkelbewegung, allerdings klüger, qualifizierter, weitblickender, als dies von den verschiedenen damaligen Zirkeln selbst zu erwarten gewesen wäre, sie markierte aber keinen entschiedenen Bruch mit dieser Bewegung, war nicht in der Lage, sie theoretisch tiefgreifend zu überwinden ... Im ‚Roten‘ wie im ‚Grünen Buch‘ wird an die Zirkelbewegung in erster Linie kritisiert, dass sie sich bloß Strategie und Taktik aus den Klassiker-Schriften angeeignet hätte. Für sich selbst beanspruchten die NHT-Begründer, den Marxismus-Leninismus in seiner Gesamtheit zu sehen, also nicht auf politisch-theoretische Themen beschränkt. Keinen Anstoß nahmen sie am platten, dogmatischen Traditionalismus der sogenannten ml-Bewegung - auch für sie war der historische Marxismus-Leninismus eine bloß in Vergessenheit geratene Schatzkammer, die geöffnet und ausgeräubert werden müsste. Kritik an der Zirkelbewegung gab es nur deshalb, weil diese nicht den vollen Reichtum dieser Schatzkammer erfasst hätte. Dieses unhistorische, undialektische Verständnis des marxistisch-leninistischen Erbes spiegelt sich im ‚Roten‘ wie im ‚Grünen Buch‘ geradezu penetrant wider. Die Zirkelbewegung sei als gleichsam einäugiger Erbe angetreten, während die NHT-Stifter sich selbst als vollsichtige Schatzkämmerer verstanden. Dass das Erbe der III. Internationalen, der Komintern und speziell der Weimarer KPD aber vielleicht nicht bloß als ein Hort positiver und fraglos übernehmbarer Erkenntnisse und Ergebnisse, sondern ein von Widersprüchen durchgezogenes, ja teilweise auszuschlagendes Vermächtnis sein könnte, dies tauchte in den Veröffentlichungen von Heiner Karuscheit und Alfred Schröder nicht einmal als vorsichtige Erwägung auf. Alles, was das heutige unbedingt notwendige Problembewusstsein wecken oder entwickeln könnte, wurde mit dem herkömmlichen Dogmatismus der Zirkelbewegung ausgespart ...

Die NHT hat es auf dogmatische Weise ... vermocht, einen kleinen Kreis von ml-Kräften zusammenzuhalten. Sie gerät heute an ihre Grenzen, eben aufgrund der dogmatischen Sterilität ihres Theoriebegriffs und der Überschätzung dessen, was an der Zirkelbewegung marxistisch-leninistisch war und ist. Die bürgerliche Erosion der Zirkel vermag und vermochte sie in keiner Weise mehr aufzuhalten. Hauptseite Theorie muss heute mehr denn je die Devise heißen. Hauptseite Theorie nicht in der Märchenbuch-Verkürzung der Redaktion, nicht in der noch primitiveren Verkürzung einiger alter Zirkelansätze in diese Richtung, sondern in einem historischen Problembewusstsein, dass uns allein den propagandistischen Zugang zu jenen Genossen eröffnet, die nach jahrelanger entbehrungsreicher Arbeit unter dem Druck linksbürgerlicher Argumentation abspringen oder abzuspringen drohen.

Wir müssen uns „zur Geschichte der Komintern mit ihren Leistungen und Versäumnissen“ vorarbeiten, nicht „zuletzt ihrer entscheidenden Niederlagen in Form der revisionistischen Entartung. Dann erst haben wir das Recht auf jenen historischen Platz gewonnen, den wir für uns beanspruchen, dann erst werden wir fähig sein, von der theoretischen Defensive zur Offensive überzugehen.“ (116)

Juni 1982: Vermutlich erschien zu diesem Zeitpunkt ein Papier des AKV: „Zur politischen Ökonomie des Ostblocks“. (117)

24. Juni 1982: In Gelsenkirchen fand eine Kreissitzung der NHT statt, an der auch Vertreter des AKV und möglicherweise auch Paul Rother (Hannover) teilnahmen. Das einleitende Referat des AKV lautete „Über Kommunistische Aufgabenbestimmung heute“. Ausgeführt wurde u. a.: „Über den Theorieansatz der Gelsenkirchener Redaktionsgenossen weht bekanntlich das Panier einer ‚konkreten Analyse der konkreten Situation’. Dass es mit der Konkretheit der konkret vorhandenen Analyse nicht gar so weit her ist, hat der AKV und haben Kräfte der NHT-Opposition in verschiedenem Zusammenhang zeigen können. Grundsätzlicher aber lässt sich argumentieren, dass der von der Redaktion so heißgeliebte Lenin-Satz: ‚Die Wahrheit ist immer konkret’ - nur die halbe Wahrheit ist. Denn ist es nicht genauso richtig, dass die Wahrheit ‚immer’ abstrakt ist, so wie ja der gerade zitierte Lenin-Satz eine höchst abstrakte Aussage trifft und damit nach seinem eigenen Inhalt - wollte man ihn eng verstehen - oder sophistisch wenden - nicht wahr sein könnte. Umgekehrt: Würde man den Satz von der stets konkreten Wahrheit absolut nehmen, entfiele jede wissenschaftliche Begriffsbildung und theoretische Abstraktion. ‚Die wahre Gestalt, in welcher die Wahrheit existiert, kann allein das wissenschaftliche System derselben sein’, schreibt Hegel in der ‚Phänomenologie des Geistes’ - ein Satz, der auch im Dialektischen Materialismus volle Gültigkeit bewahrt.

Indessen geht es hier nicht darum, Lenin gegen Hegel, Hegel gegen Lenin auszuspielen - zumal Lenin sich mit seinem Wort von der konkreten Wahrheit ja gerade auf Hegel bezieht -, sondern um die vermittelnde Feststellung: Wahrheit - relative in Annäherung an absolute Wahrheit - liegt in, entspringt aus der Dialektik von Konkretem und Abstraktem. Das Konkrete wird nur durch die Abstraktion wahr, die Abstraktion nur durch das Konkrete. Jenseits dieser theoretischen Dialektik drohen die Einseitigkeiten des Empirismus und der Metaphysik, wobei der AKV bekanntlich im Redaktionskonzept einer politökonomischen Ausrichtung eine empiristische Verflachung sieht und umgekehrt von der NHT-Führung der Metaphysik bezichtigt wird. Also Einseitigkeit auf beiden Seiten?

Wir meinen, dass eine ganz bestimmte verhängnisvolle Art von Schmalspurigkeit schon immer die Programmatik der NHT kennzeichnete und dabei mit dem Wörtchen 'konkret' getarnt wurde. Den Gelsenkirchener Redaktionsgenossen gelang es - bei unbestrittenen Verdiensten - um 1978 nicht, eine Hauptseite Theorie konsequent dialektisch-materialistisch abzuleiten. Sie wollten damals eine neue Richtung theoretischer Arbeit begründen, die, anders als die Theorieansätze der Zirkel (und der Alten Hauptseite Theorie, d. Vf.) ... von der 'konkreten Situation' ausging, sprich: von der sogenannten ml Bewegung, nicht aber von der Konstellation des internationalen Klassenkampfes zwischen der Bourgeoisie und dem Proletariat, der historischen Verfassung des Marxismus-Leninismus. Als objektiv und konkret erschienen und erscheinen der NHT-Führung (jüngstes Beispiel: Heiner Karuscheits Beitrag in der AzD-Sondernummer) die knapp 15 Jahre Zirkelbewegung und vor allem die Leistung der Zirkel, Zehntausenden organisationsbedürftigen Revolutionären Anleitung und Heimstatt geboten zu haben. Das sei historische Aufgabe und zugleich historischer Verdienst der sog. ml-Bewegung gewesen - alle Maßstäbe und Urteile, die diese national-bornierte Opernguckerperspektive überschreiten, werden dagegen als beckmesserisch, oberlehrerhaft, subjektivistisch, idealistisch etc. zurückgewiesen. Aber gerade die Art und Weise, wie die NHT-Führung sich „objektiven, materiellen Boden“ - um Heiner Karuscheit zu zitieren - unter den Füßen verschafft, ist durch die Ausklammerung bzw. Beschönigung einer sehr realen, sehr objektiven Größe gekennzeichnet: nämlich der Verfassung des Weltkommunismus. Schon das ‚Rote Buch‘ demonstrierte auf mehr als nur eine Seite eine gravierende Unterschätzung der Angeschlagenheit des Marxismus-Leninismus - dies ganz in der Tradition des sterilen Zirkeltraditionalismus, der niemals in der Lage war, die realen Problemhorizonte des Weltkommunismus und der Kominterngeschichte, vor allem die wesentlichen theoretischen, zu erkennen, geschweige denn zu thematisieren.

Wenn der AKV mit zweifellos nervtötender Beharrlichkeit das ml in ml Bewegung durch An- und Abführungszeichen relativiert, dann eben aus der Einsicht, dass diese westdeutsche Zirkelbewegung und ihre Fragestellungen nur in sehr eingeschränkter Weise repräsentativ für die - für uns akuten - Probleme des Weltkommunismus nach den verheerenden Niederlagen gegen Faschismus und Revisionismus sein konnten und können, dass die Bewegung auf diese Probleme ganz unangemessen reagierte, dass alle organisatorischen und politisch-propagandistischen Bemühungen als Sandkastenspiele enden mussten, dass die Bewegung schon deshalb nicht „Träger der revolutionären Theorie“ war und ist, weil diese Theorie vordringlich auf die Höhe der Zeit gehoben werden muss und das Bewusstsein dieser Aufgabe zum entscheidenden subjektiven Kriterium wird.

Auf der Zirkelebene, auf der Ebene eines engen Problem- und Theoriebewusstseins anzusetzen, war nicht nur richtig, sondern zwingend, solange man zugleich die historische Problematik des Marxismus-Leninismus, die wirkliche Spannweite unserer Aufgaben überschaute; die Zirkelebene aber zum gültigen Niveau zu erheben - etwa durch Gleichsetzung einer vereinigten Zirkelbewegung mit der zu schaffenden neuen Kommunistischen Partei (so im 'Roten Buch', S. 144) -, sie zum Maßstab zu machen, wie es durchgängig geschehen ist, musste zu einer Reproduktion des verkürzten Problem- und Aufgaben-Bewusstseins der Zirkelszene führen, wie wir sie ja heute in der Tat von der Redaktion vorgeführt bekommen. Geradezu exemplarisch schlägt sich die redaktionelle Froschperspektive theoretischer Arbeit etwa in der epigonalen Forderung des Genossen Klaus Aresti in seinem Reformismus-Artikel (AzD 17) nieder, es gelte „theoretische Versäumnisse der vergangenen Dekade“ aufzuarbeiten; das berühmt-berüchtigte Wort von den „Theoriedefiziten“ oder - um mit Heiner Karuscheits jüngstem Elaborat zu sprechen - der „Erstklässlersituation“ der sogenannten ml Bewegung gehört in das gleiche Fach, und in der naiven Freude darüber, dass KBW und nunmehr auch der KB verstärkt theoretisch aktiv werden, steckte und steckt alles andere, nur nicht die nüchterne Klarheit, dass ein Mehr an theoretischer Arbeit angesichts eines weit hinter den Anforderungen unserer Tage zurückgebliebenen Marxismus-Leninismus einerseits, einer instrumentalisierenden Auffassung von revolutionärer Theorie andererseits zwangsläufig zu einem Mehr an linksbürgerlicher Theorie führen muss.

Der Marxismus-Leninismus, so wie er sich heute darbietet, ist nicht unmittelbar politisierbar. Eben daraus ergibt sich ja die theoretische und politische Kehrtwendung seiner ehemaligen Parteigänger. Wenn sich ein Schmierer, ein Koenen, ein Dick, ein Möhle aus der sogenannten ml-Bewegung in die offen opportunistischen 'Alternativen' des Eurokommunismus und 'revolutionären Kommunismus' verabschieden, dann tun sie dies unter Hinweis auf sehr reale Probleme des Marxismus-Leninismus. Sie verabschieden sich nicht auf der Ebene der Zirkelbewegung, sondern auf der der ml Theorie und Weltanschauung. Für uns folgt daraus, dass eine Hauptseite Theorie dialektisch von der historischen - und aus historischen Gründen kritischen - Verfassung des Marxismus-Leninismus über die abgeleitete Ebene der Zirkelbewegung bzw. umgekehrt von der Zirkelbewegung zur - darin keineswegs keimhaft eingeschlossenen - historischen Verfassung und Problematik des Marxismus-Leninismus hätte bestimmt werden müssen und bestimmt werden muss ... Entweder gelingt es uns, den Marxismus-Leninismus freizukämpfen, und zwar gegen die historisch gewachsene Formation linksbürgerlicher und revisionistischer Gegner - oder der 'Glücksfall' westdeutsche Zirkelbewegung ist auch in seinen letzten Potenzen verspielt. Von alle dem, von unseren Pflichten, Möglichkeiten und Gefährdungen - in der Aufgabenbestimmung der Redaktion kein Wort, stattdessen politische Ambitionen, deren Voraussetzung eben das Ausblenden der Situation des ML heute ist ...

Halten wir fest, dass die Aufgabenstellung der Redaktion eine pseudokonkrete ist, geprägt vom dogmatischen Traditionalismus der alten Zirkelbewegung, und kommen wir auf eine weitere Frage zu sprechen, die nicht minder relevant ist. Diese Frage lautet, ob eine „selbstgenügsame Kraft“ wie die NHT ihre Aufgaben nicht anders zu bestimmen hat als eine gesellschaftlich wirksame Kraft. Dass die NHT bzw. die ganze Theorieströmung, ja darüber hinaus auch die heutige Zirkelbewegung eine solche „sich selbst genügende Kraft“ darstellt, gehört zu den richtigen und wertvollen Einsichten der Redaktion, und natürlich ist auch die gerade aufgeworfene Frage unter diesem Aspekt zu bejahen. Zweifellos macht es in der Aufgabenbestimmung einen immensen Unterschied, ob wie eine mit der Arbeiterklasse verbundene Kommunistische Partei oder eine winzige Gruppe isolierter Theoretiker sind. Hauptseite Theorie bestimmt sich heute ja gerade aus dem Umstand, dass eine Theorie, die Massen ergreifen soll, auf der Höhe der Zeit sein muss. Was aber folgt aus dem unbezweifelbaren Umstand, dass die Theorieströmung gesellschaftlich isoliert ist, was folgt daraus, dass auch dieser ideologischen Strömung unter dem Druck linksbürgerlicher Ideologie und neuer sozialer Bewegungen noch ständig Kräfte verlorengehen, was folgt daraus, dass auch die NHT personell stagniert, ja dass im Hinblick auf das 'Scherenproblem', aber nicht nur deshalb, sogar Verfallsmomente sichtbar werden?

Für die Redaktion der Gedanke, nunmehr, da man in der Zirkelbewegung nichts ausgerichtet hat, die Linke revolutionär zu formieren. Offenbar lautet das Motto: Je gründlicher man gescheitert ist, desto weniger Selbstbesinnung, desto unbescheidenere neue Projekte ... Ausgehend von einer Analyse dieses linksideologischen Umfelds, in dem wir wirksam werden müssen und das auf uns einwirkt, werden wir uns über die wissenschaftlich-sozialistische Bewältigung seines historischen Vorspanns nicht zuletzt in Gestalt der Studentenbewegung und der in ihr wirkenden ideologischen Faktoren zu den Ursachen der heutigen marxistisch-leninistischen Defensive vorarbeiten müssen: zur Geschichte der Komintern mit ihren Leistungen und Versäumnissen. Dies und nicht die „Selbstversenkung“ ist das Programm der „inneren Konsolideure“, und dies ist auch das einzige Programm, das die NHT auf Dauer Überlebenschancen bietet.“ (118)

25. Juni 1982: Die Redaktion der Aufsätze zur Diskussion verweigerte Hans Kampmann mit einem Brief vom 25.6. die Teilnahme an einer Beiratssitzung der NHT mit der Begründung, dass „Gelsenkirchen schon 2 Beiratsplätze hätte“. (119)

17. Juli 1982: Das NHT-Mitglied Hans Kampmann aus Gelsenkirchen stellte mit einem Brief vom 17.7. den Antrag an die Redaktion der „Aufsätze zur Diskussion“, in den NHT-Beirat aufgenommen zu werden. Von der Redaktion wurde dieses Anliegen abschlägig beantwortet. (120)

Juli 1982: Die „Aufsätze zur Diskussion“ 18 (1982) erschienen. Schwerpunktthema war: „Krisenphilosophie und Naturmystik“. (121)

August 1982: In Gelsenkirchen erscheint ein Papier von Hans Kampmann über die „Wiederentdeckung der Theorie.“ (122)

11. September 1982: Vermutlich fand in Frankfurt/M. eine Beiratssitzung der „Aufsätze zur Diskussion“ statt, die vermutlich am 12. September fortgesetzt wurde. (123)

18. September 1982: „Arbeitspapier der AWL an alle Linken“, „die sich in der AWL engagieren möchten“. Die AWL lädt dazu ein, „die weltanschauliche Debatte, die eine heutige Standortbestimmung leisten könnte, fortzusetzen“. Sie forderte die „kritische Beschäftigung mit der Geschichte der kommunistischen Arbeiterbewegung, vor allem in Deutschland“. Wünschenswert wäre auch die Aufarbeitung „der Kominterngeschichte“. Weiter hieß es: „Wir laden dazu ein, Geschichte und Ideologie der westdeutschen Linken aufzuarbeiten, und zwar im Rahmen einer Arbeitsgruppe, die in enger Kooperation, in ständiger Aus- und Absprache mehr als ‚anregende Hypothesen‘, nämlich Ergebnisse entwickelt. Die Teilstücke der theoretischen Arbeit sollen zunächst in den AzD veröffentlicht und damit zur Diskussion gestellt werden. Als den geeigneten Abschluss stellen wir uns eine Gesamtpublikation vor, mit der das geleistet wäre, was die Redaktion illusionistisch dem ‚Anti-Gramsci‘ zuschreibt: ein vorläufiger Abschluss des weltanschaulichen Kampfes, oder besser: eine Grundlage, um den weltanschaulichen Kampf fortan propagandistisch zu führen. Über die genauen Modalitäten der Arbeitsplanung und Zusammenarbeit wird noch zu sprechen sein. Allgemein kann man sagen, dass die Erstellung des Endmanuskriptes (von ca. 500 Seiten) unter der Voraussetzung von mindestens sechs Teilnehmern zwei bis zweieinhalb Jahre erfordern dürfte ...“ (124)

18. September 1982: Der AKV legte sein Positionspapier „Zur Geschichte und Ideologie der westdeutschen Linken“ vor. Danach lädt er dazu ein, alle, die „sich für die AWL engagieren möchten“, mitzuhelfen, „die Geschichte und Ideologie der westdeutschen Linken aufzuarbeiten“. Die Teilstücke „der theoretischen Arbeit sollten als Ergebnisse in den AzD veröffentlicht und zur Diskussion gestellt werden. Als den geeigneten Abschluss des Projekts stellen wir uns eine Gesamtpublikation vor, mit der das geleistet wäre, was die Redaktion illusionistisch dem ‚Anti-Gramsci‘ zuschreibt: ein vorläufiger Abschluss des weltanschaulichen Kampf fortan propagandistisch zu führen. Das Positionspapier des AKV vom 18.2. wurde um nachfolgende Bereiche ergänzt: „Die Entdeckung des ‚westlichen Marxismus‘ und die Abkehr von der Orthodoxie: R. Dutschke und die Kritik des Leninismus, H. J. Krahl und die Entdeckung des bürgerlichen ‚Diskurses‘, B. Rabehl: mit kritisch-trotzkistischer Theorie gegen Bürokratie und Orthodoxie, P. Brückner: Spontaneismus statt Leninismus, Massenbewegung statt Kaderpartei, O. Negt/A. Schmidt: subjektivistische Erkenntnistheorie. Die organisatorischen Ausläufer der Studentenbewegung: Linker Reformismus (SHB, Sozialistisches Büro, SOST, trotzkistische Gruppen. Die Zirkelbewegung: Die Entstehung der Zirkelbewegung: Organisationsbildung (KPD/ML (ZK und ZB), KABD, KPD, Arbeiterbasisgruppen, KBW, KB Nord (Salz und KAB/ML), Sonstige Zirkel. Die Entstehung der Zirkelbewegung und Ideologiebildung (Die Auseinandersetzung mit der Studentenbewegung, die Auseinandersetzung mit dem Spontaneismus (PL/PI), die Auseinandersetzung mit dem Revisionismus. Die Einschätzung der gesellschaftlichen Situation: Die bürgerlichen Parteien, der Staat, das Kapital, das Proletariat, die Linke, die Bedeutung der Zirkel. Stabiler Imperialismus oder revolutionäre Situation? Die Bekenntnisse: Zum Proletariat, zur revolutionären Gewalt, zum ML, zur Leninistischen Kaderpartei, zum proletarischen Internationalismus. Konflikte, Spaltungen, Abdankungen: im Mittelpunkt das Theorie-Praxis Verhältnis.

Ansätze zu einer ‚Hauptseite-Theorie‘, die ‚Liquidatoren‘ in der KPD/ML (ZK), der Thälmann-Kampfbund ML, Octobergruppe Frankfurt, Gegen die Strömung, KGB/E, Liebknecht Vereinigung, der Niedergang der Zirkelbewegung (KPD, MLD, KBW, KB). Die Theorieströmung: Kurz & Co., KAB/RW, NHT, AKV, Sonstige, die Konflikte der Theorieströmung. Der Revisionismus: Die Polemik um die Generallinie: Scheidelinie zwischen Revisionismus und ML. Die KPD zwischen 1945 und 1956 und die Entwicklung ihrer ideologischen Positionen, ‚Ostzone‘ und DDR als ideologische Faktoren, die Bedeutung des KPD-Verbots für die westdeutsche Linke und die KPD selbst, Änderungen in den ideologisch-theoretischen Positionen der KPD zwischen 1956 und 1968: Die Entwicklung des Revisionismus zum System, Sozialimperialismus und Revisionismus: die zunehmende ideologisch-theoretische Abhängigkeit von der Sowjetunion: die DKP, DKP und Studentenbewegung, und die Zirkelbewegung, und die Alternativbewegung, und der Eurokommunismus. Die Ideologie des westdeutschen Revisionismus: Antiimperialismus als Systemkonkurrenz, Sozialstaatsillusionen statt Klassenkampf, idealistischer Reformismus statt dialektischer Materialismus, Einfluss und Bedeutung der DKP in der BRD. Der chinesische Neorevisionismus und sein Einfluss in der BRD. Die negative Bedeutung des ‚realsozialistischen‘ Staatsrevisionismus für die Kommunisten und ihre Propagandatätigkeit. Die Alternativ- und Friedensbewegung: Tradition des westdeutschen demokratischen Pazifismus, Kampf gegen Wiederaufrüstung und Atomwaffen, demokratisch-pazifistische Parteien und Bewegungen der 50er und 60er Jahre. Die innerkapitalistische Pseudo-Dualität von Natur und Technik: Erbe der Kritischen Theorie (Marcuse, Adorno, Habermas), reformistische Technologiekritik (R. Bahro), Naturfetischisierung der ‚Grünen‘, alternative Technologien: Humanismus oder Klassenkampf?, Triebe, Subjekt ... Anti-Intellektualismus und Antiwissenschaftlichkeit, Spontaneismus, friedlicher Anarchismus, Neoirrationalismus, Jugendsekten, ‚Kirche von unten‘, antidialektischer Mystizismus. Eskapismus: ‚alternative‘ Projekte, ‚Gegenmilieu‘, Landflucht, Rucksackreisen. Theoretische Überwölbung der Theorielosigkeit: Poststrukturalismus, feministische Kulturtheorie, Theoriedadaismus (Deleuze/Guattari, Bornemann, Duerr, Feyerabend, Theweleit). Tendenz der Linken: Zerfall der ‚orthodoxen‘ Organisationen, irrationalistische Durchseuchung der ‚undogmatischen‘ Kräfte. Situation und Aufgabe der Kommunisten heute.“ (125)

Anfang Oktober 1982: In Gelsenkirchen erschien die Stellungnahme von Hans Kampmann: „Müssen wir die theoretische Arbeit im Kreis umstrukturieren?“ Darin wurde u. a. ausgeführt: „Die theoretischen Diskussionen der letzten 1 ½ Jahre im Kreis haben gezeigt, dass die Orientierung unserer theoretischen Ausrichtung absolut nicht kontinuierlich und vereinheitlichend erfolgt. Dies ist sicherlich nicht subjektiv der Ortsleitung zuzuschreiben, sondern diese Situation entspringt wohl aus der augenscheinlich diffusen Orientierung der ml-Bewegung und der Stellung der Redaktion zu dieser. Im Wesentlichen können wir folgende theoretische Perioden im Kreise verzeichnen: 1. Die Gramsci-Diskussion, die Vorbereitung auf die NHT-Konferenz (einschließlich der Diskussion des RBs der Redaktion). 2. Anlässlich der erfolgten NHT-Konferenz, die Diskussion um die Einschätzung der ml-Bewegung (einschließlich der bis dato vorliegenden Kritiken an den Positionen der Redaktion), der Linken, die Diskussion mit dem AKV. 3. Anlässlich der Staatsdebatten-Theorie innerhalb des KBWs, die Diskussion im Kreis darüber. 4. Aus ‚aktuellem Anlass‘ erfolgte die Beschäftigung mit der ‚Kritik am KABD-Programm‘. 5. Auf die Staatsdebatten-Diskussion wiederum folgte die Diskussion um Bischoffs Buch „Jenseits der Klassen“.

Zu 1: Hatten wir vor mehr als einem Jahr geplant, angesichts der bevorstehenden NHT-Konferenz (die am 16./17.1.1982 stattfand) uns mit A. Gramscis „Philosophie der Praxis“ zu beschäftigen, so wurde ziemlich schnell deutlich, dass der Aufgabenplan, den eine Arbeitsgruppe zu dieser Diskussion vorlegte, nicht eingehalten wurde, geschweige denn Einzelpunkte aus diesem Plan diskutiert wurden. Ich darf darauf aufmerksam machen, dass 9 Sitzungen im 2-wöchigen Abstand geplant waren, wobei konkret zur Vorbereitung der einzelnen Schwerpunktsitzungen, die dementsprechenden Stellen aus der „Philosophie der Praxis“ diskutiert werden sollten. Nachdem die Redaktion ihr erstes Gramsci-Rohmanuskript Interessierten aus dem Kreis vorgelegt hatte, entstand die Frage, ob es sinnvoll sei, sich an diesem Entwurf zu orientieren, oder die Primärquelle zu lesen?

Noch ehe die Diskussion dieser Frage für alle abgeklärt werden konnte, erschien in dieser Zeit der RB der Redaktion, der ebenfalls zur Vorbereitung der NHT-Konferenz dienen sollte. Die geplante Diskussion um Gramscis „Philosophie der Praxis“ fiel einfach unter den Tisch, ohne - und das ist bemerkenswert - sich Rechenschaft darüber abgelegt zu haben, wie dieser Sprung zu bewerten war. Im Kreis wurde nicht weiter über den bereits zu „den Akten gelegten“ Gramsci diskutiert. Es erfolgte einfach, wiederum für mehrere Sitzungen konzipiert, die Diskussion um den RB. Diese Relevanz wurde wohl offensichtlich, als feststand, dass es nur noch wenige Wochen bis zur NHT-Konferenz waren. Eine eigene inhaltliche Vorbereitung der Genossinnen und Genossen auf diese Konferenz fand nicht statt. Spiegelbild war diese Konferenz, die auch zeigte, dass evtl. gemeinsam erarbeitete Standpunkte nicht vertreten waren. So gab es individuelle Äußerungen, die insgesamt auch ein Hinweis darauf waren, dass die Basis der NHT nur „anwesend“ war.

Zu 2: Auch nach der NHT-Konferenz gab es keine andere Ausrichtung des Kreises und seiner theoretischen Diskussion. Es wurde da weitergemacht, wo wir vorher aufgehört hatten, nämlich bei der alten ml-Bewegung. Auch in dieser zweiten Periode gibt es kein kritisches Reflektieren über die mangelnde theoretische Ausbildung unserer Genossinnen und Genossen. Ihre Hinweise, „dass es ihnen schwer fällt, diese Diskussionen nachzuvollziehen“, blieben überhört. Und kamen da schlagartig zum Ausdruck, wo mit dem AKV über die Einschätzung der Zirkelbewegung und über den „imperialistischen Liberalismus“ diskutiert wurde. Eine gewisse Teilnahmslosigkeit war nicht nur bei dieser Diskussion festzustellen. Diese Auseinandersetzungen wurden nicht zum Anlass genommen, sich intensiver mit der Bewegung und der Kritik der bürgerlichen Ideologie zu beschäftigen. Festzustellen war vielmehr, dass in der Zwischenzeit die theoretische Diskussion innerhalb des Kreises zu einem Anhängsel anderer TO-Punkte geworden waren, so z.B. als der Artikel des Genossen Kampmann „Die NHT auf dem Weg zur Politik ...“ oder die Staatsfrage diskutiert wurde.

Zu 3: Genau hier erfolgte dann auch ein weiterer Sprung, der sich wiederum von den Debatten der Linken leiten ließ. Es erfolgte im Kreis die Diskussion um die Marxistische Staatstheorie und die westdeutsche Ableitungsdebatte anlässlich der Debattenkonferenz des KBW, sowie die Beschäftigung mit einzelnen Artikeln aus der KUK 6/1982. Auch hier gibt es keinen Zusammenhang mit irgendeiner selbständig erarbeiteten theoretischen Position, wenn man von dem Schröder-Artikel in der genannten KUK einmal absieht. Auch der vormals deklamierte A. Gramsci findet hier hauptsächlich keine Berücksichtigung. Unsere Genossinnen und Genossen wurden und werden von einer theoretischen Debatte in die andere gehetzt. Darunter leidet die Beteiligung an den Diskussionen, das Gefälle (die sog. Schere) zwischen den Kreisgenossen wird immer größer, es ist kein Wendepunkt in Sicht. Daher müssen die Diskussionen sich zwangsläufig um die „eigene Achse“ drehen.

Zu 4: Da tritt aus „aktuellem Anlass“ die „Kritik des KABD Programms“ auf den Plan. Staatsdebatten-Theorie bleibt Staatsdebatten-Theorie. Auch sie ist nun nicht mehr relevant. Im Prinzip bleibt alles, wie es ist. Die dort getroffenen Aussagen der Genossen werden keiner kritischen Prüfung unterzogen. Eine zusammenhängende Diskussion erfolgt nicht, sondern es werden nur Einzelpunkte diskutiert, etwa: SOST-Positionen, der Bereich der Klassenanalyse. Dort, wo es notwendig wäre, tiefer einzusteigen (z. B. lag zu diesem Zeitpunkt das Papier des Genossen Kampmann „Einige Fragen an den Genossen Schröder“) vor, erfolgte nichts. Auch die Hinweise des Genossen Kampmann werden nicht zum Anlass genommen, zumindest auf die Problematiken, die er in seinem Papier anreißt, hinzuweisen.

Zu 5: Eine „neue zündende Idee“ tritt auf den Plan, nämlich Bischoffs „Jenseits der Klassen“. Das ist der letzte Stand der Dinge. Durchschaubarer werden die ständigen Positionswechsel da, wo man sich mit der theoretischen Entwicklung und Ausbildung unserer Genossinnen und Genossen beschäftigt, die in den letzten Monaten (und des trotz einer ehemals ‚funktionsfähigen‘ MEG) deutlich stagniert, ja rückläufige Tendenzen ausweist. Spätestens hier muss eine Kritik an den vorherrschenden Zuständen in der Kreisarbeit ansetzen. Ich halte die Form und den Inhalt der Orientierung des Kreises an den theoretischen Debatten der ml-Bewegung und der Linken für nicht mehr tragbar. Die Praxis (hier ist unter Praxis der Ablauf der theoretischen Debatten im Kreise zu verstehen) müsste uns darauf aufmerksam gemacht haben, dass wir so kaum tiefergehende Problemzusammenhänge erkennen können, weil dies der Status quo nicht zulässt.

Die Tendenzen sind vorbestimmt: Die theoretischen Diskussionen, die wir führen, sind von den Schwankungen innerhalb der Debatten der ml-Bewegung bestimmt, bzw. dem, was sich die Redaktion als Schwerpunkte herausgreift und uns als die „zentralen“ Bruchstellen in der ml-Bewegung präsentiert (so z. B.: „Die Entscheidung im KBW fällt über die Staatsdebatte.“). Es gibt keine kontinuierliche Folge einzelner Diskussionen, vieles bleibt dem Zufall überlassen (z. B. anlässlich der Diskussion über den „klassenanalytischen Teil der Kritik des KABD-Programms“ gab es einen Hinweis des Genossen Schröder, man könne sich ja jetzt mit Bischoffs „Jenseits der Klassen“ beschäftigen, um diese oder jene Frage zu vertiefen), die theoretischen Diskussionen, die geführt werden, bleiben an der Oberfläche, ein stark klaffendes theoretische Niveau (Schere) ist nur die Folge dieses Missverhältnisses.

Ein „effektives theoretisches Arbeiten“ (da die MEG mit ihrer einstigen Konzeption gescheitert ist. Und nun auch die ‚neue‘ mehr erahnen lässt, dass auch sie nicht wesentlich dazu beitragen wird, diese Fehlerquelle auszumerzen) findet demnach (wenn man die individuelle Ausbildung und Lernbereitschaft einmal absorbiert) nur auf den Kreissitzungen statt, da äußerst sporadisch und nicht intensiv inhaltlich. So sind unsere Diskussionen „Sprungdiskussionen“, die nicht dazu führen, eine allseitige Wende herbeizuführen. Auch hier gibt es dann einen Ausblick: Löst sich der KBW auf, so wird über die Auflösung des KBWs diskutiert werden, gibt es Zerfallserscheinungen in der MLPD, wird es Diskussionen um eine ‚Einschätzung der ML-Bewegung‘ geben, erscheint das Gramsci-Buch ... so wird es mit Sicherheit die gebührende Achtung im Kreis finden. So besitzt der Kreis in der Zwischenzeit nur die Aufgabe des Wiederkäuens. Daher halte ich es für nicht mehr effektivvoll, diese Form der theoretischen Diskussionen beizubehalten. Sie müssen wie ein Fremdkörper wirken ... sie bleiben orientierungslos, vor allem dann, wenn diese Bewegung absolut nicht mehr existiert ... Solange sich der Kreis an dieser Bewegung orientiert, scheint er sich nur ideell nach vorne zu bewegen ...

Zur Änderung schlage ich vor: Die Absorbierung der theoretischen Diskussionen aus den Kreissitzungen. Damit wäre zunächst erreicht, dass sie nicht mehr zum Anhängsel irgendwelcher anderer TO-Punkte würden. Die theoretischen Diskussionen müssen einen eigenständigen Platz einnehmen. Anders wird es nicht möglich sein, den Erfordernissen in Bezug auf die theoretische Ausbildung unserer Genossinnen und Genossen gerecht zu werden. Die Orientierung an der ML-Bewegung und an der Linken kann nur einen Nebenwiderspruch darstellen, sie kann nicht Hauptwiderspruch der theoretischen Debatte im Kreise sein. Daher sollte diskutiert werden: 1. Änderung der Struktur, der Form des Kreises (z. B. der Kreis trifft sich nur noch aus aktuellem Anlass, so etwa: Zur Vorbereitung von NHT-Konferenzen, RB-Diskussionen, Beiratsberichte, andere aktuelle Probleme). 2. Der bisherige TO-Schwerpunkt wird zu einer eigenständigen Sitzung, auf der nicht etwa eine Orientierung an den Debatten der ML-Bewegung und der Linken erfolgt, sondern die geprägt sind, von der Notwendigkeit, unsere Genossinnen und Genossen theoretisch auszubilden ... 3. Die Aufarbeitung und die Kritik an der ml-Bewegung, der Linken wird in einer eigenständigen Arbeitsgruppe zusammengefasst. Diese AG könnte den Charakter des einstigen aufgelösten Diskussionskreises der Gelsenkirchener Marxisten-Leninisten tragen. Diese AG bezieht die aktuelle Entwicklung der Bewegung in ihre Diskussionen mit ein. Die Ergebnisse dieser Diskussionen sind eventuell in Artikel für die Aufsätze zusammenzufassen ... Eine prinzipielle Umstrukturierung muss auf alle Fälle erfolgen. Ob in dieser oder jenen Form - es bleibt die Notwendigkeit, den theoretischen Diskussionen einen eigenständigen Platz zu geben.“ (126)

Anfang Oktober 1982: In Gelsenkirchen erschien das Papier: „Zu Hans Kampmann: Müssen wir die theoretische Diskussion im Kreis umstrukturieren. Und unsere Stellungnahme zur Situation des Kreises.“ Ausgeführt wurde u. a.: „Führen wir im Kreis eine „Sprungdebatte“ und beruht diese auf der augenblicklich „diffusen Orientierung der ml Bewegung“ und der Stellung der Redaktion zu dieser? Wir teilen hier nicht die Auffassung des Genossen Kampmann. Alle Diskussionspunkte des Kreises, die er aufgezählt hat – egal ob erledigt oder nicht erledigt - beziehen sich konsequent auf die von der Redaktion formulierten Zielsetzungen: Abschluss der philosophischen Debatte (Gramsci), Auseinandersetzung mit Linker und ml-Bewegung (KBW-Staatsdebatte und KABD Programm sowie Bischoffs Buch „Jenseits der Klassen“), wobei bei der Auseinandersetzung mit Bischoff das Herangehen an die Beschäftigung mit polit-ökonomischen Fragen eingeschlossen ist. Vom Standpunkt der Redaktion ist also die Debatte über die Themen durchaus folgerichtig und keineswegs „sprunghaft“. Wenn die Diskussion im Kreis nicht mehr richtig läuft, so hat dies andere Ursachen, als von Kampmann vertreten wird. Um die zu erklären, ist ein kurzer Rückblick auf die Entwicklung des Kreises erforderlich.

Solange sich der Kreis im wesentlichen mit der Geschichte der ml-Bewegung und der philosophischen Diskussion beschäftigte, war eine gewisse Einheitlichkeit vorhanden, da die meisten Genossen über eigene Erfahrungen in der ml-Bewegung verfügten und durch die Schulungen der MEG auch über ein gewisses Fundament in philosophischen Fragen. Hier waren die in den Aufsätzen abgedruckten Positionen noch für jeden nachvollziehbar. Dies änderte sich schlagartig mit dem Beginn der Gramsci-Debatte - von der Redaktion voreilig als vorläufiges Ende der philosophischen Diskussion verkündet - und der dann folgenden Neubestimmung der theoretischen Aufgaben (politische Ökonomie). Im Zusammenhang mit der Arbeit an dem Gramsci-Buch hatte sich in Gelsenkirchen erstmals ein Kreis von im wesentlichen theoretisch arbeitenden Genossen um die Redaktion zusammengeschlossen, der - sicher in wechselnder Zusammensetzung - bis heute existiert. Dieser Kreis, der einen erheblichen Vorsprung in der theoretischen Arbeit gegenüber der Masse der Kreis-Genossen hat, bestimmte die zur Diskussion stehenden Probleme und trug auch die Diskussion im Kreis. Im Zusammenhang mit der Beschäftigung mit polit-ökonomischen Fragen und staatstheoretischen Fragen (s. Bischof-Buch) trat diese „Schere“ besonders drastisch zu Tage, weil im Grunde nur einige Genossen die Debatte inhaltlich führen konnten und der Rest des Kreises auf Verständnisfragen bzw. das „Hinnehmen“ von Standpunkten ohne Nachvollziehbarkeit beschränken musste. Wir möchten hier hervorheben, dass wir diese Entwicklung eines Theoriekreises nicht für grundsätzlich schlecht halten. Die meisten Genossen haben aus verschiedenen Gründen nicht die Möglichkeit, in dieser Form theoretisch zu arbeiten. Wir grenzen uns hier auch gegenüber dem AKV ab, weil wir es für idealistisch halten, zu glauben, der ganze Kreis oder sogar die ganze NHT könnte ein Programm a la Kritik des „imperialistischen Liberalismus“ durchziehen.

Es zeigt sich bereits jetzt, dass die bestehende Organisationsform des Kreises mehr zur Fessel als zum vorantreibenden Element geworden ist. Es stellt sich damit die Frage, ob der Kreis in dieser Form überhaupt noch eine Existenzberechtigung hat? Der Kreis hat sich in der Vergangenheit als politischer Kreis verstanden, mit dem Ziel, die am Ort arbeitenden MLer anzusprechen, sich auseinanderzusetzen und möglichst für unsere Sache zu gewinnen. Mit dem immer deutlicher sichtbar werdenden Niedergang der ML-Bewegung konnte dies keiner ernsthaft mehr als Aufgabenstellung akzeptieren, zumal praktisch keine Erfolge bei verschiedenen Versuchen, mit anderen ML-Organisationen ins Gespräch zu kommen, erzielt werden konnten. Heute ist der klägliche Rest der ml-Bewegung in einem Zustand, der es verbietet, sie überhaupt noch als politischen Faktor ernst zu nehmen. Die NHT kann sich heute nicht mehr als Bestandteil der ML-Bewegung verstehen.

Neben den Ansichten der Redaktion, dass der NHT mit der Orientierung auf polit-ökonomische Fragen eine neue Perspektive gewiesen werden kann (eine Ansicht, die wir im Grunde teilen), gibt es den Versuch der Gelsenkirchener Redaktionsmitglieder der NHT ein zweites Standbein durch die praktisch-politische Arbeit der Genossen zu verschaffen. Als Grundlage für diese Arbeit wurde bisher nur der politische Teil des Beiratsstatus genannt. Damals, als dieser Teil in das Statut eingefügt wurde, wurde das von allen begriffen - weil auch so begründet - als Selbstverständigung auf die wesentlichen, historischen Gemeinsamkeiten der ml-Bewegung auch in diesen Fragen war das richtig und notwendig. Zur Selbstverständigung unter MLer taugen diese Punkte auch. Sie reichen aber nicht aus für eine organisierte praktisch-politische Tätigkeit des Kreises oder der NHT. Der politische Teil des Beiratsstatuts bildet die auf den Kern reduzierte politische Gemeinsamkeit der ml-Bewegung. Drum herum rankte sich bei jeder Organisation ihre mehr oder weniger erfundene politische Linie, die sie alle zum Dogmatismus und Sektierertum führte (letztlich zum Opportunismus, dass aber nur als Katzenjammer).

Es gibt keinen, jedenfalls keinen uns bekannten Grund, warum die NHT, allein auf dieser Grundlage, eine bessere (sprich richtige) Politik machen könnte. Anders gesagt, wir würden uns genau den politischen Phantasien (nicht nur) unserer führenden Köpfe ausliefern, wie die alten ML-Organisationen. War es nicht wesentlicher Teil unserer Kritik an den alten Organisationen, dass sie Politik auf fehlender Grundlage gemacht haben, dass die jeweiligen politischen Linien im Wesentlichen subjektive Ansichten widergespiegelt haben? Seit wann haben wir diese Kritik zurückgenommen? Seit wann haben wir andere politische Grundlagen, um es besser zu machen? Es gibt doch nicht einmal auch nur ansatzweise eine Kritik der politischen Tätigkeit der ml-Organisationen, die über bestimmte grundsätzliche Fragen, wie Subjektivismus und „ernsthafte Politik“ (Millionenmassen) hinausgeht.

Vor diesem Hintergrund halten wir es für absolut unverantwortlich, wenn der Genosse Karuscheit auf der letzten MEG-MV die Forderung aufstellte, praktisch-politische Arbeit für jedes MEG-Mitglied verbindlich zu machen - ohne dass es auch nur eine ernsthafte Diskussion über diese Frage gegeben hätte. Früher nannte man dieses Vorgehen in unseren Kreisen „Abenteurertum“. Als reine Stimmungsmache sind die Lobenshymnen des Genossen Schröder auf die praktisch arbeitenden Genossen im Kreis einzustufen. Sie waren selbst den betroffenen Genossen zu dick aufgetragen.

Unser Eindruck ist, dass hier eine Hinwendung zu Politik durchgesetzt werden soll, ohne eine klare Konzeption (die auch gar nicht vorgelegt werden kann, da die theoretische Arbeit in dieser Richtung nicht weit genug fortgeschritten ist, ja noch gar nicht richtig begonnen hat). Aus dem Vorstehenden ziehen wir daher folgende Schlussfolgerungen: 1. Um wieder zu einer fruchtbaren theoretischen Debatte zu kommen, sollten Arbeitskreise mit unterschiedlichen Themen geschaffen werden ... 2. Um ein völliges Auseinanderfallen der Genossen in den verschiedenen Arbeitskreisen zu verhindern, sollten von Zeit zu Zeit gemeinsame Veranstaltungen gemacht werden, wo die einzelnen Gruppen ihre Arbeitsergebnisse präsentieren und diskutieren können. 3. Die praktisch-politische Tätigkeit und deren Organisierung bleibt in der individuellen Verantwortung der Genossen. 4. Der Gelsenkirchener Kreis in seiner bisherigen Form wird aufgelöst. 5. Unserer Ansicht nach stellt sich die Frage für alle NHT-Kreise in ähnlicher Form.“ (127)

Oktober 1982: Die Nr. 19 (1982) der „Aufsätze zur Diskussion“ erschien. Schwerpunkt war: „Dritter Weg - Wohin“? Artikel waren: Redaktion: „Kommentar zur Gründung der MLPD“, Manfred Weiß: „Dritter Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus. Zur Entwicklung und Programmatik der Grünen“, Katja Lente: „Von einer fertigen Strategie des Dritten Weges kann niemand reden - Die SOST und die Krise des Marxismus“, Ernst Hausmann: „Zum Austromarxismus. Die österreichische Arbeiterbewegung bis zum Hainfelder Programm“, Klaus Aresti: „Karl Kautsky - Theoretiker des Dritten Wegs“, Heinrich John/Walter Sandhofe: „Die jüngste Preußen-Debatte“. Außerdem enthielt die Ausgabe Rezensionen von Jan Lidtke, ein Artikel von Jan Lidtke/Hans Kampmann zu „Unseren künftigen Aufgaben“, Wolfgang Wirth schrieb „Über das Theorie-Praxis Verhältnis, der AKV „Über den Kampf gegen den Revisionismus“. Bis Oktober 1982 stellten Kaminski/Karuscheit/Winter das Buch „Antonio Gramsci. Philosophie und Praxis“ fertig. In der Ausgabe befand sich dafür eine Anzeige. (128)

2. Oktober 1982: In Düsseldorf fand ein erstes Treffen der NHT-Opposition statt. Auf der Tagesordnung standen die folgenden Punkte: I. Die Position der NHT-Führung. Dieser Punkt gliederte sich in: Das Verständnis des historischen ML, Bestimmung der anstehenden theoretischen Aufgaben, strategisch-taktische Pläne (inkl. MEG Gelsenkirchen). II. Die aktuelle Lage des ML. Gegliedert war der Tagesordnungspunkt in die Unterpunkte: Weltsituation, ML-Bewegung und ML-Kräfte in Westdeutschland, Das linksbürgerliche Umfeld in der BRD. III. Unsere nächsten Aufgaben. Darunter die Punkte: Hauptkettenglied der theoretischen Arbeit, Organisatorisch-praktische Fragen der Zusammenarbeit, Strategie und Taktik gegenüber der NHT-Führung, Weitere oppositionelle ML-Kräfte innerhalb der NHT, restliche Theorie-Strömungen und Zirkel. Anwesend waren nach einem handschriftlich angefertigten Protokoll: Ein Mitglied eines Aschaffenburger Kreises, Mitglieder der NHT-Opposition aus Gelsenkirchen, Hermann Anthe (Köln), Siegmund Piotrowski (Düsseldorf), Paul Rother (stellvertretend für Hannover), Wolfgang Wirth. (129)

2. Oktober 1982: Auf einem Treffen in Düsseldorf legte die NHT-Opposition den „Entwurf einer Plattform“ vor. An dem Treffen nahmen u. a. Mitglieder der NHT aus Gelsenkirchen teil. Formuliert wurde: „Die Unterzeichner stimmen darin überein, dass 1. Die AzD-Redaktion bzw. die NHT-Führung als Ausdruck ihres unvollständigen ideologischen Bruchs mit der Zirkelbewegung den Marxismus-Leninismus in einem verkürzten Verständnis vertritt; 2. sie auf dieser Grundlage falsche Hauptkettenglieder der fundamentaltheoretischen und der propagandistischen Arbeit benennt; 3. Sie ohne ausreichende theoretische Basis taktisch-strategisch in der westdeutschen Linken zu operieren gedenkt, ganz in der politpropagandistischen Tradition der alten Bewegung; 4. Sie die heutige theoretische Defensivsituation der westdeutschen Marxisten-Leninisten ausblendet und wesentliche Teile der wenigen verbliebenen ML Kräfte aufs Spiel setzt.

Demgegenüber halten wir die Unterschiede fest, dass 1. Die NHT als derzeit wichtigstes Sammelbecken westdeutscher ml Kräfte keinesfalls zum Spielball illusionärer politischer Konzepte und Projekte gemacht werden darf; 2. Sie ihre notwendige innere Konsolidierung durch theoretische Grundlagenarbeit gezielt vorantreiben und sich zu einem ideologischen Zentrum des Marxismus-Leninismus entwickeln muss; 3. Die ideologiekritische Freikämpfung und historische Identifizierung des Marxismus-Leninismus im Zentrum dieser Bemühungen zu stehen haben; 4. Thematisch heute die linksbürgerlichen ideologischen Strömungen und Bewegungen Westdeutschlands (hauptseitig) und Ideologiegeschichte der kommunistischen und Arbeiterbewegung (nebenseitig) im Vordergrund stehen.“ (130)

5. Oktober 1982: In Gelsenkirchen fand eine Kreissitzung der NHT statt. (131)

Mitte Oktober 1982: Alfred Schröder verfasst das Papier „Vorschlag zur weiteren Kreisarbeit“. Darin nahm er zum Papier von Hans Kampmann Stellung. Ausgeführt wurde u. a.: „Mit seinem Papier ‚Müssen wir die theoretische Diskussion im Kreis umstrukturieren?’ hat der Genosse Kampmann die seit einigen Monaten anstehende neue Orientierung der theoretischen, politischen und organisatorischen Arbeit des Gelsenkirchener Kreises ‚nicht kontinuierlich und vereinheitlichend‘ erfolgt sei (S.1). Dies habe dazu geführt, dass die theoretische Entwicklung und Ausbildung unserer Genossen ‚deutlich stagniert, ja rückläufige Tendenzen ausweist‘ (S.4). Schuld an dieser negativen Entwicklung sie ‚die Redaktion‘ (S. 1).

Der Beschreibung der Mängel unserer Kreisarbeit in den letzten 1 ½ Jahren durch den Genossen Kampmann ist in groben Umrissen zuzustimmen. In der Tat ist eine Stagnation in der theoretischen Arbeit des Kreises für diesen Zeitraum zu konstatieren. Die entscheidende Ursache hierfür allerdings vergisst der Genosse Kampmann in seinem Papier: Über Monate hinweg führte der Kreis eine Diskussion über sich selbst und die NHT, die die Kreisarbeit lähmte und das theoretische Niveau nicht um einen Deut erhöhte. Diese Debatte fortzusetzen, ist eines der Anliegen des Papiers des Genossen Kampmann.

Ausgangspunkt dieser Selbstbespiegelung der NHT war die sogenannte Scherenproblematik, d.h. die Differenz zwischen dem theoretischen Niveau der Redaktion und dem der NHT-Kreise. Nach über einem Jahr Diskussion über die Scherenproblematik und der weiteren Orientierung der theoretischen Arbeit der NHT muss auch der Genosse Kampmann feststellen, dass die Schere zwischen der Redaktion und den mit ihr theoretisch zusammenarbeitenden Genossen und den Kreisen nicht kleiner, sondern größer geworden ist. Während die NHT schwerpunktmäßig die von der inzwischen ‚vereinigten Opposition‘ aufgeworfenen Fragen diskutierte, wurde von Seiten der Redaktion die theoretische Arbeit zu philosophischen Fragen und zu ersten Problemen der politischen Ökonomie vorangetrieben. Die Verantwortung für die Stagnation der theoretischen Arbeit in den Kreisen fällt somit in erster Linie der ‚vereinigten Opposition‘ zu, während die theoretischen Fortschritte der vergangenen 1 ½ Jahre Ergebnis der Arbeit der Redaktion und ihrer Arbeitsgruppen sind.

Um dieser gewachsenen Scherenproblematik beizukommen, schlägt der Genosse Kampmann vor, auf das ‚Arbeitspapier des AKV: Imperialistischer Liberalismus in der BRD‘ zurückzugreifen (S.7), weil in diesem Papier die Möglichkeit einer eigenständigen theoretischen Entwicklung des Kreises angelegt sei (S.7). Ganz im Gegenteil dazu würde die Position der Redaktion dem Kreis ‚nur die Aufgabe des Widerkäuens‘ (S.5) zuweisen. Treffender kann man den theoretischen Stillstand der ‚vereinigten Opposition‘ nicht beschreiben. Tatsächlich könnte der Kreis einen eigenständigen theoretischen Beitrag zur Bedeutung oder Geschichte oder aktuellem Gesicht jenes so schwer fassbaren Ungeheuers ‚imperialistischer Liberalismus‘ leisten, da trotz aller Stellungnahmen des AKV derselbe immer noch sehr verschwommen ist und infolge seines neuesten Papiers (s. AzD 19) immer problematischer wird. Im Gegensatz hierzu spiegelt sich der noch zweifelsohne unzureichende theoretische Fortschritt durch die Arbeit der Redaktion und ihrer Arbeitsgruppen in der gewachsenen Scherenproblematik wider. Um hier von Seiten des Kreises eigenständige theoretische Arbeit zu leisten, ist erst einmal ein Heraufarbeiten auf das Niveau der philosophischen und politökonomischen Debatten vonnöten.

Da die NHT im vergangenen Jahr lähmende Debatten über eine sogenannte innere Konsolidierung und ihre weitere theoretische Aufgabenstellung (geführt hat, d. Vf.), hat (sich, d. Vf.) die Scherenproblematik weiter vertieft. Der einzige Weg heraus aus diesem Dilemma ist in der Tat der Weg des ‚Widerkäuens‘, was hier nichts anderes als Aneignung der bereits erzielten Arbeitsergebnisse in den Debatten der westdeutschen Linken und der Reste der marxistisch-leninistischen Bewegung in den letzten Monaten bedeutet. Seit Beginn der NHT-internen Auseinandersetzung hat unser Kreis kaum die Diskussionen in der niedergehenden ml-Bewegung und der reformistischen Linken verfolgt, nur wenige Genossen lesen noch die Zentralorgane der verbliebenen marxistisch-leninistischen Organisationen. Kaum einer wäre in der Lage, die aktuellen Stellungnahmen dieser Organisationen zu theoretischen und politischen Streitfragen zu benennen. Die Behauptung des Genossen Kampmann, dass sich unsere Kreisarbeit ‚an den theoretischen Debatten der ml-Bewegung und der Linken‘ (S.4) orientiert hätte, ist ein Hohn auf die Realität. Nie war unser Kreis uninformierter, unwissender, über den tatsächlichen Stand der Auseinandersetzungen in diesen Gruppierungen als heute. Dies ist zweifelsohne ein Verdienst der ‚vereinigten Opposition‘.

Wie ist nun die Scherenproblematik zu lösen? Sie ist zu lösen auf eben dem Weg, den die Redaktion bereits vor über einem Jahr vorgeschlagen hat: der organisierten Auseinandersetzung über die von den verschiedenen Kräften vorgelegten Arbeitsergebnisse zu den Fragen der Philosophie und der politischen Ökonomie. Konkret heißt dies für alle interessierten Genossen, die Diskussion sowie Aneignung des vorliegenden Gramsci-Buches und Auseinandersetzung mit von anderer Seite hierzu vertretenen Auffassungen auf der Gramsci-Konferenz am 4./5. Dezember dieses Jahres. Dies heißt weiterhin, sich auf dem Gebiet der politischen Ökonomie den Stand der Debatte, insbesondere durch die kleinbürgerlichen Sozialisten (was wir im Moment anhand der Diskussion über ‚Jenseits der Klassen‘ bereits tun), der DKP und der Reste der marxistisch-leninistischen Bewegung anzueignen. Um diesen Prozess zu erleichtern, halten Genossen aus der Arbeitsgruppe der Redaktion hierzu in den kommenden Monaten im Rahmen der MEG eine Reihe von Vorträgen, weiterhin soll in den nächsten Wochen ein Artikel erscheinen, der einen Einblick in die mit der Imperialismus-Monopoltheorie zusammenhängenden grundlegenden Fragen der politischen Ökonomie gibt. Dies ist m. E. der einzig mögliche, der einzig gangbare und der einzig erfolgversprechende Weg, die Scherenproblematik zu verringern.

Die Situation des Kreises hat sich durch zwei von ihm unabhängigen Faktoren in den vergangenen Jahren verändert. Zum einen durch das Aufkommen einer relativ breiten und politisch fortschrittlichen Protestbewegung (insbesondere Ökologie- und Friedensbewegung), deren Träger hauptsächliche Teile der ‚neuen Mittelschichten‘ sind und deren parlamentarischer Arm die Grüne Partei geworden ist. Zum zweiten durch den Niedergang der marxistisch-leninistischen Bewegung, der in dem oben beschriebenen Prozess einen Katalysator gefunden hat. Dies blieb nicht ohne Auswirkungen auf die Bedeutung der politischen Praxis der Marxisten-Leninisten. Diese Veränderung der Situation spiegelt sich in der wachsenden Teilnahme von Genossen unseres Kreises in der politischen Bewegung wider, so dass heute ungefähr die Hälfte der Kreisgenossen außerhalb des Kreises politisch organisiert ist.

Während die Redaktion von Beginn an der sich entwickelnden Friedensbewegung und der Formierung der Grünen Partei besondere Aufmerksamkeit geschenkt hat, was sich in den Artikeln für die AzD 9/10, 11/12 und 14 widerspiegelt, fiel die Analyse und Kritik dieser Strömungen im vergangenen Jahr aus den behandelten Fragenkomplexen der AzD heraus. Ein weiteres Ergebnis der Selbstbespiegelung der NHT. Und dies zu einer Zeit, wo die politische Aktivität der eigenen Genossen in dieser Bewegung zugenommen hat (in Gelsenkirchen sogar qualitativ). Eine solche Situation ist unhaltbar. Die Analyse und Kritik der grün-alternativen Bewegung, ebenso wie der Friedensbewegung muss sowohl in den „Aufsätzen ...“, wie im Kreis erneut begonnen werden. Die AzD Nr. 19 leisten hierzu bereits einen ersten wichtigen Beitrag. Für den Kreis heißt dies, dass künftig mit einer gewissen Regelmäßigkeit die Diskussion grundsätzlicher politischer Fragestellungen auf der Tagesordnung gesetzt werden muss.

Alfred Schröder weiter folgendes zur Beschlussfassung vor: 1. Der Kreis befasst sich mit Aneignung und Auseinandersetzung der grundlegenden theoretischen Positionen der Reste der ml-Bewegung, der kleinbürgerlichen Sozialisten (konkret der SOST), der DK und der Grünen, wobei zukünftig die polit-ökonomischen Anschauungen dieser Gruppierungen im Mittelpunkt stehen sollten. Diese regelmäßigen Kreissitzungen sollten für die anderen Kräfte der marxistisch-leninistischen Bewegung am Ort und in der Region öffentlich sein. 2. Die Diskussion grundsätzlicher politischer Fragen wird fester Bestandteil der Kreisarbeit, ohne damit zugleich eine verbindliche Form der politischen Praxis festzulegen. 3. Interne Kreissitzungen, wo über die speziellen Probleme der NHT diskutiert wird, werden nur bei Bedarf einberufen. 4. Jedes Kreismitglied hat das Recht Arbeitsgruppen zu speziell interessierten theoretischen politischen Themen zu bilden, und ihre Ergebnisse nach Maßgabe des Interesses des Kreises in seine Arbeit einzubringen.“ (132)

11. Oktober 1982: Der AKV antwortet auf ein Schreiben von Berger/Bussmann, die als Einzelpersonen der NHT nahestanden, in dem der AKV auf die „Weltsituation des Marxismus“ einging. Und abschließend feststellte: „Was die weitere Theoriearbeit anbetrifft, so sind wir - entgegen der Auffassung der AzD-Redaktion - der Meinung, dass ... die Geschichte der kommunistischen Arbeiterbewegung eindeutig Priorität gegenüber Klassen- und Imperialismusanalyse hat ...“ (133)

14. Oktober 1982: Es erschien eine Stellungnahme des AKV: „Stellungnahme des AKV zur Resolution der Redaktion“ (gemeint war die, die die Redaktion zur „Geschichte der ML-Bewegung“ in einem Rohentwurf vorgelegt hatte und die sie in einer veränderten Form auf der NHT-Konferenz vom 26.2.1983 in Frankfurt/M. zur Abstimmung stellte). Darin wurde u. a. ausgeführt: „Die Redaktion hat den AKV in ihrer Einladung zur nächsten Beiratssitzung aufgefordert, zur Redaktions-Resolution (betitelt ‚Zur Geschichte der ML-Bewegung und zu unseren künftigen Aufgaben‘) Stellung zu nehmen. Grundsätzlich begrüßen wir den Versuch, trotz der bestehenden inhaltlichen Differenzen zwischen Redaktion und ‚NHT-Opposition‘ auf eine Fortsetzung der gemeinsamen Bemühungen um die NHT und um die AzD hinzuarbeiten. Ehe jedoch hier eine Einigung (in Form eines Kompromisses) möglich ist, müsste die Redaktion (statt angebliche Gemeinsamkeiten aufzuzählen), ihre eigenen Zielvorstellungen konkret erläutern. In der Resolution geschieht das nur in äußerst allgemeiner Form auf S. 4. Ausgehend von der (u. E. irrigen) Auffassung, die „weltanschaulich-philosophische Auseinandersetzung“ sei „so weit bewältigt, dass das Schwergewicht der Arbeit auf die Analyse der gesellschaftlichen Entwicklung gelegt werden kann“, wird die „politische Ökonomie“ zum Hauptkettenglied der theoretischen Anstrengungen erklärt. Während aber der AKV seine abweichende Meinung - Vertiefung und Erweiterung der Kritik linksbürgerlicher Ideologie in Arbeitspapieren zum imperialistischen Liberalismus bzw. zur westdeutschen Linken ausführlich dargestellt und im Sinne eines praktikablen Plans ausgeführt hat, will die Redaktion (ganz abgesehen von der fragwürdigen Gleichsetzung einer ‚Analyse der gesellschaftlichen Entwicklung‘ mit ‚politischer Ökonomie‘) es bei ganzen zwei Wörtern bewenden und auch noch darüber abstimmen lassen.

Es bedarf keiner langen Erläuterung, dass das NHT-Plenum, ehe es sich für eine der beiden konträren Positionen entscheiden muss, einen Anspruch darauf hat, die Redaktionslinie exakt kennenzulernen. Das gilt genauso für den zweiten Kernpunkt der Redaktions-Auffassung, nämlich die Forderung nach ‚organisierter politischer ökonomischer Tätigkeit‘. Während wir den Standpunkt vertreten, dass eine eigentliche politische Praxis im Sinne von Koalitionen oder einen ‚Entrismus‘ heute verfehlt und gefährlich ist, dass allerdings flankierend zur theoretischen Grundlagenarbeit (die das Zentrale darstellt) verschiedentlich propagandistische Aktivitäten möglich und sinnvoll sein können, hält die Redaktion dem wieder eine völlig unausgeführte Gegenposition entgegen, aus der nur die grundsätzliche Differenz in der Frage der politischen Praxis hervorgeht, nicht aber die konkrete Form dieser angeblich so nötigen Praxis.“

Der AKV warf folgende Fragen zur „Resolution“ auf: „Was ist heute für Marxisten-Leninisten „positives Wissen? Gibt es wirklich in unserer heutigen Situation die Notwendigkeit, ja auch nur die Möglichkeit, ‚wissenschaftliche Arbeit‘ von ‚internen Auseinandersetzungen‘ zu trennen (wie dies die Redaktion in ihrer Wortwahl und demnächst womöglich in den AzD selbst tut?“ (134)

19. Oktober 1982: In Gelsenkirchen fand eine Kreissitzung der NHT statt. Kritisiert wurde u. a. von Hans Kampmann, dass „Fragen zur Diskussion in der Regel von den führenden Genossen nicht beantwortet“ würden. Vorgeworfen wurde Kampmann u. a. dass er seine Fragen mit Absicht gestellt hätte, „um die Genossen zu verwirren und zu verunsichern“, da er Kenntnisse des II. und III. Bandes des Kapitals voraussetze, die „sie nicht besitzen könnten“. Es mute ein wenig nachdenklich an, „dass die Genossen der Redaktion sich zu solchen Sprüchen flüchten müssen, und dass sie nicht dazu in der Lage sind, konkrete Fragen ... zur Werttheorie, die Marx im „Kapital“ entwickelt, zu beantworten.“ Dies würde umso schwerer wiegen, weil auf der nächsten Beiratssitzung die „Thesen der Redaktion: Zur Geschichte der ML-Bewegung und zu unseren künftigen Aufgaben“ diskutiert werden sollen. (135)

20. Oktober 1982: In Frankfurt/M. fand eine Beiratssitzung des AzD-Kreises statt. Dort sollen Gelsenkirchener Mitglieder des Beirats zwar erklärt haben, „dass die Redaktion weder über ein Konzept der Beschäftigung mit der politischen Ökonomie, noch über ein Konzept bezüglich organisierter politischer Praxis habe“, doch indem sie das Vehikel der „organisierten politischen Diskussion“ bemühen, würden sie dem „alten Ziel (der politischen Praxis, d. V.) wieder näher kommen“. Als weiteres Beispiel wurde die Arbeit Einzelner aus dem Kreis in der hiesigen „Friedensbewegung“ genannt. (136)

30. Oktober1982: Auf einer weiteren Beiratssitzung des NHT-Kreises in Frankfurt/M. kam es zum Eklat. Nach einem Bericht von Hans Kampmann haben ihm dort die Redaktionsmitglieder Alfred Schröder und Heiner Karuscheit „Antikommunismus, Unverständnis und Unkenntnis der Geschichte der Arbeiterbewegung“ vorgeworfen. Diese massiven Vorwürfe hätten dazu beigetragen, „dass er am 16.11.1982 seinen Austritt aus dem Gelsenkirchener Kreis der NHT erklärte“. Aus der persönlichen Stellungnahme ging auch hervor, dass die Redaktion sich um „seine kritische Reflexionen“ über „Kominterntheorie und Kominternpolitik“ herumgedrückt hätte. Wegen der „Entgleisungen“ der Redaktionsmitglieder ruft Hans Kampmann dazu auf, „Selbstkritik“ zu üben. (137)

30. Oktober 1982: In Frankfurt/M. fand eine Beiratssitzung der NHT statt, die am 31.10. fortgesetzt wurde. Ort war das Schulungszentrum des KBW in der Mainzer Landstraße. Im Mittelpunkt der Sitzung stand die anstehende „NHT-Konferenz“ und die „Auseinandersetzung um den nächsten Schwerpunkt“. (138)

30. Oktober 1982: Die Bundesleitung des KBW begann mit einer Tagung, die am 31. Oktober fortgesetzt wurde. Angesichts der Ergebnisse, die sich in einer möglichen „offenen Zeitung“ und des Schielens des KBW auf „mögliche Kräfte“ aus dem Spektrum der NHT, erklärte der AKV vor diesem Hintergrund, dass eine „Polemik gegen die bloße ‚Standpunktpublizistik‘ entfaltet werden müsse“. Darauf ziele auch der „Vorschlag der AWL zur weiteren Zusammenarbeit mit der Redaktion der NHT“ ab. Er versuche, „dass Politikkastertum in eine (von mehreren) Gruppierungen der NHT zu verweisen und spricht ihr das Recht ab, sich als ‚Kampfstab‘ der ganzen NHT zu gebärden. Es ist klar, dass wir mit härtestem Widerstand rechnen müssen. Nicht zuletzt wird das Verhalten der Hausmann-Gruppierung dafür ausschlaggebend sein, ob wir uns durchsetzen können ... Es bleibt vielmehr inhaltlich unsere Aufgabe, je Kräfte, die weiterhin hauptseitig theoretisch arbeiten wollen, und zwar auch jene, die das auf politökonomischem Gebiet tun wollen, für den gemeinsamen theoretischen Kampf, für solidarische Kritik, Kooperation und Koordination zu gewinnen; die eigentliche Trennungslinie verläuft zwischen diesen Kräften und dem Politpragmatismus.“ (139)

3. November 1982: Es erschien der 13. Rundbrief der Aufsätze zur Diskussion. Die lange Pause zwischen den Rundbriefen wurde mit den Worten begründet: „Die Herausgabe ist hauptsächlich den Umständen geschuldet, dass die ganze Auseinandersetzung über die nächsten Aufgaben über die AzD geführt worden ist ... Zweck des jetzt vorliegenden Rundbriefes ist die Information über die NHT-Konferenz und ihre Vorbereitung. Als Termin wurde davon vom Beirat der 26./27. Februar ins Auge gefasst. Der Termin wurde soweit hinausgezögert, weil am 4./5. Dezember 1982 die Gramsci-Konferenz stattfindet, bis zum 9. Januar 1983 die MEG-Urlaubsschulung dauert und Ende Januar noch eine Beiratssitzung stattfindet. Aus dem Beirat, insbesondere vom AKV und der vereinigten „NHT-Opposition“ wurde gefordert, den Termin noch weiter hinauszuschieben, um mehr Raum zur weiteren Diskussion zu haben. Das halten wir jedoch nicht für verantwortlich.

Folgendes ist der Stand nach der letzten Beiratssitzung: Die Redaktion hat vorgeschlagen (und hält es nach wie vor für richtig), eine Resolution zur Konferenz vorzulegen, die einerseits die vorhandenen Gemeinsamkeiten, andererseits die - getrennt abzustimmenden Differenzen - über die künftigen Aufgaben benennt. Darüber konnte keine Einigkeit erzielt werden, da der AKV (bzw. die NHT-Opposition) vertrat, die Differenzen seien noch nicht genügend herausgearbeitet (die vorgelegten Papiere können bei den Beiratsmitgliedern eingesehen werden). Zu der von uns vorgelegten Resolution ist zu bemerken, dass die Redaktion, wie verschiedentlich fälschlicherweise interpretiert, eine gemeinsame politische Praxis nicht zur Beschlussfassung stellt. Die Debatte hat gezeigt, dass die Voraussetzungen dafür nicht vorliegen. Wir werden jedoch vorschlagen und zur Abstimmung stellen, die AzD künftig auch politischen Fragen zu öffnen (was bisher nur in Form von Leserbriefen und Rezensionen geschehen kann). Diese Fragen sollen nur an zweiter oder dritter Stelle behandelt werden, da niemand daran denkt, den theoretisch-grundsätzlichen Charakter der AzD zu verändern. Wenn jedoch, wie geplant, die AzD eine Stellungnahme zum Regierungswechsel in Bonn aufnehmen, möchten wir nicht jedesmal eine Diskussion provozieren, ob damit nicht bereits ein unerlaubtes politisches Thema behandelt wird.

Noch vor der Konferenz werden wir zwei Artikel zur politischen Ökonomie veröffentlichen, um zu verdeutlichen, wie wir an diese Fragen herangehen wollen. Und wo wir auch die Verbindung zu politischen Fragestellungen sehen. Damit liegen dann sowohl die Vorstellungen des AKV als auch die Vorstellung der Redaktion über den Inhalt der künftigen Aufgaben in konkreter Form vor, so dass jeder sich ein ausreichendes Bild davon machen kann.

Differenzen gab es auf der Beiratssitzung ferner über die künftige Redaktionsbesetzung. Der AKV bzw. die NHT-Opposition beanspruchten zwei Plätze einer künftig 5-köpfigen Redaktion. Dagegen wurde von den bisherigen Redaktionsmitgliedern und aus dem Beirat eingewandt, dass eine solche Redaktion arbeitsunfähig sein würde und keine Möglichkeiten hätte, nach außen aufzutreten. Sie hielten es für richtiger, eine ‚Linienredaktion‘ zu bilden, die die Auffassungen der Mehrheit vertritt. Die Diskussion hierüber wurde nicht abgeschlossen, sie wird wie die ganze konkrete Vorbereitung der NHT Konferenz Gegenstand der nächsten Beiratssitzung sein. Darüber wird ebenfalls der nächste Rundbrief handeln, der nach dieser Beiratssitzung erscheint ... Mit diesem Rundbrief werden dann zugleich die abzustimmende Resolution (bzw. mehrere Resolutionen) verschickt.“ (140)

3. November 1982: Der AKV kritisierte den „13. Rundbrief der Redaktion der Aufsätze zur Diskussion“. Danach stimme es nicht, dass „der AKV und die NHT-Opposition ‚verantwortungslos eine weitere Verschiebung der NHT-Entscheidungskonferenz gefordert haben‘. Vielmehr haben wir gefordert zu prüfen, ob sich die NHT-Basis auf die Konferenz-Abstimmung hinreichend gerüstet fühlt ... AKV und NHT-Opposition gehen - entgegen der Behauptung des ‚Rundbriefs‘ – keineswegs davon aus, dass die Differenzen zur Redaktionslinie nicht genügend herausgearbeitet seien ... Um so bedauerlicher, dass ein von der Redaktion H. Karuscheit auf der Beiratssitzung am 30./31.10. gegebenes Versprechen offenbar nicht mehr erfüllt werden soll. Es war zugesagt, dass die Redaktion zumindest in knapper Form das Programm ihrer theoretischen Arbeit auf dem Gebiet der Politökonomie und das Verhältnis dieser Theoriearbeit zu den von der Redaktion befürworteten politischen Bemühungen auf lokaler Ebene darlegen werde. Im ‚Rundbrief‘ ist nun mehr nur noch von zwei Artikeln der Redaktion die Rede, aus denen die Leser den ‚Inhalt der künftigen Arbeit‘ herauslesen sollen.“ (141)

11. November 1982: Es erschien ein „Rundbrief der AWL“ mit „Arbeitsmaterialien“. Enthalten ist ein Aufsatz über den „Nationalsozialismus“, über „Antisemitismus“ und „Falsches Bewusstsein“. Zudem ein „Vorschlag der AWL zur weiteren Zusammenarbeit“. Hier hieß es u. a.: „Die NHT kann mit der ideologischen-politischen Fraktionierung in eine Gruppe um die Redaktionsmehrheit (Karuscheit, Schröder, Weiß), eine Gruppe um den Redaktionsgenossen Hausmann, einer Aschaffenburger Gruppe, die Arbeitsgruppe Westdeutsche Linke (AWL), die auch den AKV einschließt, eine nur ideologisch, nicht organisatorisch auftretende Arbeitertümler-Strömung (etwa H. Modau) sowie eine Basis-Strömung, die zur Praxis drängt, ihre alten formalen Strukturen und Regelungen nicht mehr aufrechterhalten. Der inneren Uneinigkeit wie auch dem gemeinsamen Ziel, der Schaffung eines Programms der westdeutschen Kommunisten als Vorbedingung einer zukünftigen Parteigründung, muss gleichermaßen Rechnung getragen werden. Im Interesse aller Gruppierungen (möglicherweise außerhalb der NHT stehenden Kräfte wie der NDN) scheint uns zumindest gegenwärtig zweierlei zu liegen: Die Erhaltung der AzD als eines publizistischen Organs (Organ westdeutscher Marxisten-Leninisten), die Erhaltung eines Diskussionszusammenhangs zwischen den ideologischen-politischen Fraktionen im Sinne eines marxistisch-leninistischen Forums. Es bedeutet einen Verschleiß der vorhandenen Kräfte und finanziellen Ressourcen, wenn es zu einer konkurrierenden Publizistik, zur Gründung einer neuen Theoriezeitschrift neben den AzD käme ... Die AzD sind allein schon schwer genug zu halten. Die Redaktion der AzD wird von einem mehrköpfigen Gremium getragen. Die verschiedenen Gruppierungen sind, soweit sie Anspruch darauf erheben, in der Redaktion vertreten. Die Entscheidung der Redaktionsmitglieder erfolgt auf gruppeninterne Entscheidung, ebenso die Auswechselung der redaktionellen Gruppenrepräsentanten. Die Redaktion verabschiedet ein Statut und inhaltliche Richtlinien, nach denen sich die Annahme publizistischer Beiträge entscheidet …

Der Beirat wird in ein marxistisch-leninistisches Forum verwandelt. Engere redaktionelle Fragen sind hier nicht zu erörtern. Stattdessen allgemeine interessierende Fragen des Marxismus-Leninismus, des Kurses der heutigen westdeutschen Marxisten-Leninisten und besonders die Beiträge der Zeitschrift AzD. Die Autoren der AzD verteidigen hier ihre Aufsätze. Als Organisatorin des ca. viermal jährlich an einem Wochenende tagende ml Forum fungiert die Redaktion. Die Teilnehmer des Forums sind: Die Redaktion, von den verschiedenen Gruppierungen bestimmte Genossen, Gäste.“ (142)

23. November 1982: Vom AKV erscheint eine Stellungnahme zum „13. Rundbrief der Redaktion der AzD“. Unter anderem wurde ausgeführt: „1. Es trifft nicht zu, dass AKV und NHT-Opposition ‚verantwortungslos‘ eine weitere Verschiebung der ‚NHT-Entscheidungskonferenz‘ gefordert haben. Unsere Forderung ging vielmehr dahin, zu prüfen, ob sich die NHT-Basis auf die Konferenz-Abstimmungen hinreichend gerüstet fühlt. Für den Fall, dass dies nicht in genügendem Maße sein sollte, halten wir allerdings ein Hinausschieben der Konferenz für unumgänglich. Die Abstimmung so wurde wörtlich von uns erklärt - würde zur Farce, wenn es mehr Stimmenthaltungen als Stimmen pro und contra gäbe. Desweiteren haben wir in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass der Meinungsbildungsprozess innerhalb der NHT offenbar noch keineswegs abgeschlossen ist, da erst in jüngster Zeit mit der Aschaffenburger Gruppe eine dritte Richtung publizistisch aufgetreten ist und innerhalb der Redaktion selbst der Gen. Hausmann kritisch gegen den Politpropagandismus Stellung bezieht. 2. AKV und NHT-Opposition gehen - entgegen der Behauptung des ‚Rundbriefs‘ - keineswegs davon aus, dass ihre Differenzen zur Redaktionslinie nicht genügend herausgearbeitet seien. Was fehlt und von uns gefordert wurde bzw. wird, ist ein Positionspapier seitens der Redaktion, das dem auf der letzten Beiratssitzung vorgelegten der Opposition (Arbeitsgruppe Westdeutsche Linke) eine programmatische Alternative entgegensetzt. Wir kritisieren, dass die Redaktion über ihren zukünftigen Kurs positiv bisher nicht mehr zu sagen wusste, als dass die Politökonomie der theoretische Schwerpunkt sein soll. Und dass man sich in den Ortsgruppen politisch in organisierter Form betätigen möge. Über den Inhalt, die wesentlichen Kampffelder und Antagonisten auf dem Sektor der politökonomischen Forschung ist bisher eben sowenig Konkretes gesagt worden wie über die Inhalte und theoretischen Grundlagen einer örtlich betriebenen Politik (was ja kein Zufall ist, denn es gibt keine solche Grundlagen). Die von der Redaktion angestrebte gemeinsame Resolution setzt eine klare programmatische Abgrenzung voraus, an der es gerade von ihrer Seite hapert.

3. Um so bedauerlicher, dass ein von der Redaktion (Heiner Karuscheit) auf der Beiratssitzung am 30./31.10 gegebenes Versprechen offenbar nicht mehr erfüllt werden soll. Es war zugesagt worden, dass die Redaktion (zumindest in knapper Form) das Programm ihrer theoretischen Arbeit auf dem Gebiet der Politökonomie und das Verhältnis dieser Theoriearbeit zu den von der Redaktion befürworteten politischen Bemühungen auf lokaler Ebene dargelegt werde. Im „Rundbrief“ ist nunmehr nur noch von zwei Artikeln der Redaktion die Rede, aus denen die Leser den „Inhalt der künftigen Arbeit“ herauslesen sollen ... Wenn dieser ‚13. Rundbrief‘ den Fehldarstellungen und Auslassungen etwas lehrt, dann dieses: Eine ‚Linienredaktion‘, die nunmehr ihre eigenwillige Sicht der Dinge zu publizieren vermag, kann es in Zukunft nicht mehr geben. Stattdessen ist eine Redaktion zu schaffen, der Vertreter aller oppositionellen Gruppierungen (soweit sie Wert darauf legen) angehören.“ (143)

November 1982: In einem Papier erklären Mitglieder des Kreises der Gelsenkirchener Marxisten-Leninisten ihren Austritt aus dem Kreis. Als Gründe werden angegeben, dass sie nicht länger bereit sind, die Schlussfolgerungen der Redaktion auf dem Gebiet der theoretischen Auseinandersetzung mit der Rest-ML-Bewegung mitzutragen. Dass nun der nächste Schwerpunkt der Arbeit „die politische Ökonomie, insbesondere anhand der Positionen der SOST, der DKP und der Grünen sei“, sei nicht „nachvollziehbar“. Sie kritisieren eine gewisse „Scherenentwicklung“, die sich vor allem auch anhand Bischofs Buch („Jenseits der Klassen“, d. Vf.) im Kreis herauskristallisiert habe. Befremden wurde darüber geäußert, dass die Diskussion in der Kreisarbeit auf „grundsätzliche politische Fragen“ hinauslaufe und zum „festen Bestandteil“ wird. Das Redaktionsmitglied der AzD, Heiner Karuscheit, wurde darin kritisiert, dass er eine „politische Diskussion“ für sinnvoll halte. Er soll sein Befremden darüber geäußert haben, dass eine Debatte über einen „Weltentwicklungshilfefond im El Salvador-Komitee“ geführt wird, und „nicht im Kreis“. (144)

November 1982: Bekannt wurde, dass es drei NHT-Kreise gibt: Frankfurt/M., Gelsenkirchen und Rüsselsheim. (145)

14. November 1982: Jan Lidtke (AzD-Autor) und Kreismitglied der Marxisten-Leninisten Gelsenkirchen erklärt seinen Austritt aus dem Kreis. Kritisiert wurde u. a. der Satz aus der Nr. 19/1982 der AzD, wo es hieß: „Die Redaktion meint zwar, dass die Ausbreitung der internen Debatte der sicherste Weg ist, um das Interesse an den AzD einzuschläfern, sah sich aber genötigt, anders zu verfahren.“ Stil der Redaktion sei es nun, „dass die Genossen Schröder und Karuscheit die Inanspruchnahme eines im Statut des Beirats verankerten Rechts als Nötigung darstellen“. Es wurde kritisiert, dass die organisatorische Debatte hier als „etwas Schädliches dargestellt“ wird. Das letzte Papier des Genossen Schröder zur Kreisarbeit, indem ausgeführt wurde, dass „die Stagnation der theoretischen Arbeit des Kreises in erster Linie der „vereinigten Opposition“ zufalle, mache deutlich, dass es sich nicht um einen „verbalen Ausrutscher handelt, sondern um die konsequente Linie der Schuldzuweisung, auf der die Opponenten in die Rolle der „Parteischädlinge“ gedrängt werden sollen“. Weiter wurde Heiner Karuscheit kritisiert, der auf der letzten Kreissitzung zur Vokabel „Sektierer“ griff, um damit eine Opposition im Kreis zu verunglimpfen. Kritisiert wurde weiter, dass das zeige, wie „abgedroschen diese Stimmungsmache“ ist, dass dies „einer aus der alten mlB übernommenen und nicht überwundenen Praxis der Auseinandersetzung sei“. Wenn die Redaktion in ihrem Resolutionsentwurf formuliert: „Zur dauerhaften Lösung der bestehenden Differenzen bleibt es den Vertretern der unterschiedlichen Positionen offengelassen, der jeweiligen theoretischen Aufgabenstellung nachzugehen“, wurde als „Feststellung und bewusste Spaltung der NHT“ interpretieret, als Versuch, „auf kaltem Wege“ eine Linie durchzudrücken. Ebenfalls wurde der Einstieg in die „praktische Politik“ der NHT kritisiert. Im Resolutionsentwurf der Redaktion hieß es: „Zugleich soll dauerhaft die organisierte politische Praxis angestrebt werden, die Kreise werden auf das Recht hingewiesen, das bereits jetzt zu tun.“ Damit wolle die Redaktion in ihrer Resolution „für die NHT insgesamt ein Konzept vorschlagen ... dass auf Schaukelpolitik und Taktiererei“ hinauslaufe, auf eine „mangelnde Bereitschaft, die Positionen wirklich offenzulegen“. (146)

14. November 1982: Das Mitglied des Gelsenkirchener Kreises Hans Kampmann erklärt seinen Austritt aus dem Kreis. Darin wurde u. a. den „Genossen Schröder und Karuscheit Machtkalkül“ vorgeworfen, dass “sich keinen Deut von den Bestrebungen bürgerlicher Politiker ... unterscheidet“. Es gehe wieder einmal nur darum (als Beispiel wurde die letzte Beiratskonferenz angeführt, die in Frankfurt/M. stattfand, d. Vf.) „die Opposition zu verleumden und zu diffamieren“. Ein bewusster Neuanfang habe „nicht stattgefunden. Wir standen und sehen mit beiden Beinen in der Zirkelbewegung.“ Die Konsequenzen der Schröderschen Vorschläge, „selbige auf der letzten Kreissitzung von einer Mehrheit verabschiedet worden seien“, würden eine „Weiterführung des Redaktionskurses“ bedeuten. Die führenden Genossen hätten bewusst „aus den existierenden Widersprüchen antagonistische gemacht“. (147)

14. November 1982: Es erscheint der Aufsatz von Sigmund Piotrowski: „Nationalsozialismus, Antisemitismus, falsches Bewusstsein“ und „Richtigstellungen zum 13. Rundbrief der Redaktion“, „Einschätzung der Situation“, „Vorschlag der AWL zur weiteren Zusammenarbeit“, „Die nächsten Beiträge der AWL“. (148)

18. Dezember 1982: Vermutlich fand Anfang Dezember die zweite Sitzung der AWL in Köln oder Düsseldorf statt. Die AWL beschloss dort u. a. den Aufsatz des Genossen Kampmann „Kominterngeschichte, Kominternpolitik“ in der vorliegenden Form „nicht zu veröffentlichen“. Die vorgesehene Debatte darüber auf der nächsten Beiratssitzung, die am 22. Januar in Gelsenkirchen stattfand, sei nicht mehr sinnvoll. Der AKV ging dabei von einer „längerfristigen Spaltung der NHT“ aus, da die Gruppe am „Zirkeltraditionalismus  und Pragmatismus“ festhielte, weswegen sie „die entscheidenden theoretischen Probleme und damit den einzigen realen Weg, die Ohnmacht des ML zu überwinden, nicht sehen kann“. (149)

Dezember 1982: Zur NHT-Konferenz (26.2./27.2.1983) legte die AzD-Redaktion die Beschlussvorlage „Zur Neugestaltung der AzD“ vor. Ausgeführt wurde: „Die NHT möge beschließen: Die AzD erscheinen künftig, beginnend mit der ersten Ausgabe 1983 nur noch geheftet im Umfang von ca. 100 Seiten. Die Erscheinungsweise ist mindestens viermal jährlich ... Begründung:

a) Die AzD in der jetzigen Form warfen Anfang 1980 als ‚große‘ theoretische Zeitschrift konzipiert worden, in der dauerhaft alle Bereiche der Theorie behandelt werden sollten, von der politischen Ökonomie über die Philosophie bis zur Kultur. Dafür haben wir weder genügend erforderliche Mitarbeiter außerhalb unserer Reihen gewinnen können, noch war es uns bisher möglich, genügend eigene Genoss(inn)en heranzubilden. Aus diesem Grund waren wir gezwungen, zur Füllung der Zeitschrift Artikel aufzunehmen, die den notwendigen Ansprüchen an eine theoretische Zeitschrift nicht genügten. Das heißt unsere Leser(inn)en mussten einen relativ hohen Preis für die AzD zahlen, ohne den entsprechenden Wissensgewinn dafür zu erhalten. In Anbetracht der schwierigen Situation, die gegenwärtig für alle linken und speziell kommunistischen Publikationen besteht, können die AzD sich jedoch nur dann auf einem ausreichenden Niveau und zu einem Preis herausgebracht werden, der ihrem Inhalt entspricht.

b) Nach dem jetzt vorliegenden Verlagsbericht über die Verkaufsentwicklung der AzD 1982 übersteigen die für das Jahr 1983 zu erwartenden Beschlüsse die finanziellen Möglichkeiten der NHT bzw. führen zu unzumutbaren Leistungen und finanziellen Zwängen, denen rechtzeitig begegnet werden muss. Die vorgeschlagene Neuregelung hält die AzD auf absehbare Zeit finanzierbar.

c) Die Notwendigkeit, über die AzD eine Entscheidung zu treffen, ist jetzt durch den AKV forciert worden, der ultimativ angekündigt hat, seine Mitarbeit einzustellen, wenn er nicht als Mitherausgeber freies Verfügungsrecht über die Hälfte der Zeitschrift erhält. (150)

Dezember 1982: Es erscheint eine „Resolution zur konkreten Herausgabe der AzD im Jahre 1983 (Beschlussvorlage der Redaktion)“. Ausgeführt wurde: „Die NHT-Konferenz möge beschließen: Im Jahre 1983 werden 6 Ausgaben der AzD herausgebracht. Davon erhält der AKV (AWL) 2 Ausgaben in eigener Verantwortung zur freien Verfügung; er übernimmt die dafür notwendigen Zuschüsse und zahlt zusätzlich einen angemessenen Beitrag für die technische Herstellung durch den VTK. Begründung: Diese Resolution setzt die Annahme der grundsätzlichen Neuregelung für die AzD-Herausgabe (nur noch 100 Seiten pro Nummer) voraus. Sie hat den Zweck, den weiteren Zusammenhang und die Auseinandersetzung mit dem AKV (AWL) zu gewährleisten. Es soll verhindert werden, dass einfach eine oberflächliche Trennung voneinander stattfindet, obwohl die inhaltlichen Fragen (Warenfetisch-Konzept der AWL) sich noch entwickeln und die Differenzen von beiden Seiten noch unzulänglich herausgearbeitet sind.

Aus diesem Grund bietet die vorgeschlagene Regelung einen Kompromiss an, der a) den Interessen des AKV (AWL), selbständig die Gestaltung eines Teils der Zeitschrift zu übernehmen und so an die Öffentlichkeit zu treten, entgegenkommt; b) die AzD nicht grundsätzlich aus der Hand der NHT gibt, c) gewährleistet, dass wir unabhängig von der Auseinandersetzung mit dem AKV die Ergebnisse unserer theoretischen Arbeit (siehe das Arbeitsprogramm) veröffentlichen können, und diese Auseinandersetzung nicht wie bisher fast jede AzD-Ausgabe prägt, d) Schließlich wird damit die Möglichkeit eröffnet, vielleicht wieder zu einer solidarischen Zusammenarbeit zu gelangen.“ (151)

4. Dezember 1982: Die Redaktion der „Aufsätze zur Diskussion“ schlägt für den 4. Dezember mit den SOST eine „Gramsci-Konferenz“ vor, die am 5.12. in der Nähe von Frankfurt/M. fortgesetzt werden soll. (152)

8. Dezember 1982: Der AKV schlug eine Diskussionsrunde mit der Gruppe „Neue Düsseldorfer Nachrichten“ vor. (153)

8. Dezember 1982: Einladungsschreiben des AKV „zum Treffen der AWL und weiterer Interessenten“ zu einer AWL-Sitzung am 18. Dezember 1982. Tagesordnung für das Treffen soll sein: Situation der NHT, Perspektiven der Theorie-Strömung, Frage der Beteiligung der AWL an den AzD, Diskussion als Entwurf beiliegender Resolution der AWL, Frage der Konstituierung eines ML-Arbeitskreises und generell der Koordination mit Kräften und Theorieansätzen außerhalb der AWL. (154)

8. Dezember 1982: Diskussionspapier des AKV: „Situation der NHT-Pläne der NHT-Führung“. Ausgeführt wurde u. a.: “Zweifellos haben der Austritt mehrerer NHT-Mitglieder und die Reduzierung der AzD-Redaktion auf jene drei Positionen, die im folgenden als NHT-Führung bezeichnet werden, Betroffenheit bei der Mitgliederbasis (ca. zwei Dutzend Personen), der theoretisch-schriftstellerischen tätigen NHT-Gruppierung (K. Winter, F. Kaminski, J. Gerber, K. Lente, K. Aresti) und der NHT-Führung selbst hervorgerufen. Dem Vernehmen nach wurde auch gegenüber den Kreisen ‚Selbstkritik’ geübt, die sich jedoch anscheinend in der Bemängelung des zu ‚hohen Tempos‘ erschöpfte, mit dem man bündnispolitische ‚Aufgaben‘ habe angehen wollen. Diese ‚Aufgaben‘ bleiben indessen unangetastet. Aus den Parolen der frühen Jahre (‚Einheit der ML-Bewegung‘ und ‚Einheit der ML-Kräfte‘) ist bekanntlich der Ruf nach einem Zusammenschluss der ‚revolutionären Marxisten‘ (samt einem leninistischen Flügel) geworden. Diese ‚revolutionären Marxisten‘ sucht man nicht nur im KBW, sondern auch in der Friedens- und Alternativbewegung; es handelt sich bei diesem mutmaßlichen Potential um Aussteiger und Renegaten der Zirkelbewegung, deren Bekenntnis zum ML einer ökologisch und pazifistisch begründeten Oppositionshaltung gewichen ist, die den Marxismus nur noch als Phrase mitschleppt. Was den leninistischen Flügel angeht, hält die NHT-Führung offenbar sich selbst (vielleicht vermehrt durch eine Handvoll prinzipienbewusster KBWler) für seinen Kaderstamm.

Die Bemühungen um ‚Leninisten‘ des KBW (namentlich nannte H. Karuscheit den Genossen F. (wohl Fochler, d. Vf.) aus Göttingen standen hinter den Versuchen, mit SOST und KBW gemeinsam eine Gramsci-Konferenz abzuhalten und einen Schröder-Artikel zur ‚Lage der Nation‘ in der letzten KuK unterzubringen. Beide Versuche sind gescheitert, zweimal hat der KBW der NHT-Führung eine empfindlich treffende Absage erteilt, deren Deutung - wohl auch für die NHT Führung - auf der Hand liegt: Entweder ist die Theoriefeindlichkeit der überwiegenden KBW-Mehrheit dermaßen ausgeprägt, dass nur noch plattester Umgang mit politökonomischen Tagesfragen ansteht, oder das Liebäugeln des KBW mit Themen und Trägern des Linksreformismus lässt den bisher geduldeten und benutzten ‚Dogmatismus‘ der NHT-Beiträge mehr und mehr als überholt erscheinen. Jedenfalls dürfte die neue KBW-protegierte Zeitschrift „Kommune“ auf einem Niveau (etwa links von „MoZ“) arbeiten, das der NHT-Führung trotz eifrigen politökonomischen Nachtrabs so gut wie keine Gelegenheit lassen wird, leninistisch zu brillieren, oder gar ‚formierend‘ tätig zu werden. Die Mischung aus Vulgärmaterialismus und Empirie, die wir von der „Kommune“ erwarten dürfen, ist noch deutlich tiefer angesiedelt als die Vorstellung der NHT-Führung von der heute nötigen theoretischen Arbeit.

Die AzD-Redaktion setzt ja das alte Patentrezeptdenken der Zirkelbewegung fort, der ML sei ein fertiges Gerät, das nach ein paar Dateneingaben schon die Klassen- und Imperialismusanalyse auswerfen und damit die ‚Höhe der Zeit‘ erreichen werde. Anwendung des ML heißt also für sie im wesentlichen politökonomische Arbeit - dass heute eine Anwendung des ML zugleich auch immer auf ihn selbst notwendig ist, dass er kritisch und selbstkritisch zugleich operieren muss, entgeht dieser traditionalistisch-bornierten ‚Perspektive‘. Für die KBW-Mehrheit dagegen existiert der ML, um im Bild zu bleiben, nicht einmal mehr als ‚Gerät‘, sondern nurmehr als antiquiertes Dogmengebäude, dem man schleunigst den Rücken kehren muss, um zu den ‚rettenden Ufern‘ des linksbürgerlichen Eklektizismus und Pragmatismus zu gelangen. Diesen Fliehenden will die NHT-Führung zugutehalten, dass sie doch irgendwie fortschrittliche, ja ‚revolutionäre‘ Ziele verfolgen und sich nach einiger Zeit vielleicht wieder zum Rückzug in das ‚Dogmengebäude‘ bewegen lassen. Dabei setzt das Trio, wie schon jetzt erkennbar, von vornherein kaum noch auf den Anachronismus ihrer ‚Anti-Gramsci‘ Fleißschrift, sondern vielmehr darauf, in den angebrochenen ‚bewegten Zeiten‘ durch korrekte politökonomische Analysen und Prognosen Überzeugungsarbeit unter diesen ‚bewegten Massen‘ leisten und den ML durch die Wahrheit seiner Sachargumentation und Praxis den historisch verlorenen Kredit zurückverschaffen zu können.

Wir halten dagegen, dass nur ein intakter, einsatzfähiger ML eine Klassenanalyse hervorbringen kann, die mehr ist als jene Sorte von Prophetie, welche sich selbst zu erfüllen trachtet. Darüber hinaus interessiert sich die Alternativbewegung, grob gesprochen, für materialistische politökonomische Analysen nur sehr bedingt, insoweit sie sich nämlich in ein ganz bestimmtes (subjektiv-idealistisches, tendenziell irrationalistisches) kulturideologisches Raster pressen lassen. Raketenzahlen, Listen über aussterbende Wesen der Flora und Fauna, Kataloge mit Schadstoffkonzentrationen- ja bitte; dagegen: systematische Belehrungen auf dem Gebiet der politökonomischen Theorie, Marxismus-Leninismus a la ‚drüben‘- nein, danke. Und schließlich: Die personelle Situation der NHT und ihrer Mitgliederstruktur lassen den Erfolg der politökonomischen Theoriearbeit mit Gewissheit nicht zu.

Schon jetzt zeigen sich Tendenzen zum Plagiat, die nicht nur von subjektiver Unverfrorenheit zeugen, sondern auch auf die objektive Möglichkeit hinweisen dürfen, hier und heute den ML politökonomisch zu instrumentalisieren, ohne linksbürgerliche Ideologie (deren Struktur man nicht kennt) zu unterliegen. Eine Reihe abwiegelnder Äußerungen der NHT-Führung in persönlichen Gesprächen ließen sich so auslegen, dass sie selbst einen Teil dieser Problematik dunkel erahnt. Die taktische Konsequenz daraus und aus der aktuellen Entwicklung des KBW dürfte ein eher verstärktes Festhalten an den AzD in ihrer heutigen Form sein ... Da die NHT nicht gerade mit Mitgliedermassen prunken, keinesfalls mit theoretischen ‚siegen‘ rechnen und eben sowenig von einer bedeutsamen Repräsentanz (vielleicht nicht einmal von einem leninistischen Katzentischchen) in der Zeitschrift „Kommune“ ausgehen kann, wächst der Stellenwert der AzD als Aushängeschild und Disponiermasse. Nimmt man hinzu, dass die AzD-Redaktion sich der Unmöglichkeit bewusst ist, die AzD als reine NHT-Zeitschrift finanziell und inhaltlich zu führen, hat man den vollen Umfang der aktuellen Widersprüchlichkeit vor Augen. Die NHT-Führung sieht sich gezwungen, mit Kräften zusammenzuarbeiten, deren Verständnis der anstehenden Aufgaben ein wesentlich anderes ist. Diese Zusammenarbeit aber könnte eine weitere Auszehrung der NHT-Mitgliederschaft fördern - entweder durch Abwanderung zur AWL oder durch Ablehnung sowohl der Redaktionslinie als auch der AWL-Linie zugunsten einer Rückkehr ins ‚Privatleben‘ bzw. einer Rückentwicklung zum offenen Politpragmatismus.“

Zur „Zukunft der AWL“ und dem „Verhältnis zur NHT“ wurde angemerkt: „Die AWL sollte als theoretisch arbeitende Gruppe bemüht sein, durch einen Marxistisch-Leninistischen Arbeitskreis zu ergänzen, der Diskussionsform, eventuell aber auch Klammer zu anderen bestehenden Theorieansätzen wäre. Einem solcher Kreis könnten sich auch ml Kräfte anschließen, die zwar nicht selbständig theoretisch arbeiten, sich aber weiterhin aktiv an einer ‚Hauptseite Theorie‘ beteiligen wollen. Mit anderen Worten: Dieser Kreis könnte diejenige Funktion erfüllen, die der AzD-Beirat eben nicht wahrnimmt: Diskussion, Ablehnung oder Verabschiedung vorgelegter Arbeiten und damit Gewinnung festen theoretischen Bodens. Die Erwähnung des Beirats und seiner Unzulänglichkeit bringt uns zwangsläufig zur Frage, wie lange die labile Einheit von NHT-Führung/NHT-Autoren und Vertretern der AWL in diesem Gremium wie auch im Rahmen der AzD Bestand haben kann. Wir gehen davon aus, dass es längerfristig zur Trennung kommen wird, dass es aber heute aus taktischen und technischen Gründen nicht sinnvoll wäre, diese Trennung zu provozieren, auch wenn unseres Erachtens die personellen und materiellen Grundlagen für eine eigenständige Publizistik seitens der AWL vorhanden sind.

Warum halten wir auf längere Sicht die Spaltung für unvermeidlich? Die NHT-Führung (zu der innerhalb der NHT keine personelle Alternativen existieren) ist zutiefst geprägt vom Zirkel-Traditionalismus und Zirkel-Pragmatismus, weswegen sie unserer Meinung nach die entscheidenden theoretischen Probleme und damit den einzigen realen Weg, die Ohnmacht des ML zu überwinden, nicht sehen kann. Eine inhaltliche Selbstkritik ist von den angesprochenen Personen, obwohl es dazu zahlreiche Möglichkeiten, ja Notwendigkeiten gab, nie geäußert worden. Sie werden dazu, wenn überhaupt, so erst unter dem Druck schwerster Enttäuschungen in der Lage sein. Die erschreckende blinde Loyalität der angeschlossenen NHT-Theoretiker und Autoren lässt auch nicht erwarten, dass aus dieser Richtung produktive Kritik an die Führung kommt; vielmehr werden wir auch in Zukunft die gewohnten halbgaren Auftragsarbeit lesen müssen, in denen sich falsche Orthodoxie nahtlos mit Anleihen bei modern revisionistischer ‚Standardliteratur‘ verbindet ...

Warum kein sofortiger Bruch mit der NHT-Führung und AzD-Redaktion, der wir theoretisch wie politisch keine Chance einräumen? Zunächst wegen der NHT-Mitglieder-Basis, die wir, so schmal sie ist, keinesfalls kampflos ihrer Führung überlassen wollen. Eine sofortige Stornierung von Geld und Aufsätzen für die AzD würde den schon jetzt fabulierten Spalter- und Dolchstoßlegenden vermutlich derartigen Auftrieb geben, dass die NHT-Führung vorübergehend von einer unverdienten Solidaritätswelle der Rest NHTler leben könnte. Darüber hinaus wäre eine eigenständige AWL-Publizistik mit erheblichen Opfern an Zeit und Geld verbunden, ohne dass Verkaufsziffern wie die der AzD gesichert werden könnten. Trotz dieser Bedenken meinen wir aber, dass eine Beteiligung der AWL an den AzD nicht um jeden Preis aufrechterhalten werden sollte. Wir können unmöglich einen Zustand fortsetzen, in dem die AWL trotz deutlichst herausgearbeiteter theoretischer Differenzen als Dispositionsmasse einer ‚Linienredaktion‘ benutzt wird, um die AzD selbst als Zeitschrift der NHT erscheint. Wir schlagen Euch deshalb die Verabschiedung der beigefügten AWL-Resolution vor, die der NHT-Führung möglichst noch vor Weihnachten zugehen sollte. Von der Redaktion der AzD-Redakteure wird unsere weitere Taktik in Bezug auf eine gemeinsame Resolution und die sogenannte ‚Entscheidungskonferenz‘ (die schon keine mehr ist) abhängen.“ (155)

18. Dezember 1982: Es erscheint die „Resolution der AWL zur weiteren Mitarbeit an den AzD“. Ausgeführt wurde: Wir lehnen es ab, uns in Zukunft an den AzD, die als Zeitschrift der NHT firmieren, zu beteiligen und als politische Manövriermasse zu dienen. Die in den Auseinandersetzungen des letzten Jahres herausgearbeiteten inhaltlichen Differenzen sind dafür zu gravierend. Als eigenständig arbeitender Theorie-Kreis strebt die AWL eine in Gemeinschaft mit der NHT erfolgende kooperative Herausgabe der AzD, beginnend mit der Nummer 21, an. Die NHT-Führung hat sich ebenso wie die NHT zu entscheiden, ob sie die AzD in Zukunft als reines Organ der NHT publizieren wollen und können  oder ob sie zu einer solcher kooperativen Herausgabe bereit sind. Unsererseits sind die folgenden sechs Grundregelungen die Voraussetzung dazu; gleichzeitig verstehen wir sie als unabdingbaren Bestandteil der von der NHT-Führung vorgeschlagenen gemeinsamen Resolution zur ‚Entscheidungskonferenz“.

1. Die AzD werden fortan gemeinsam von NHT und AWL herausgegeben, ausgewiesen durch das Impressum (‚herausgegeben von der NHT in Zusammenarbeit mit der AWL‘). 2. Die Hauptredaktion bleibt bei der NHT-Führung, wird aber ergänzt durch eine im Impressum ebenfalls namentlich genannte Binnenredaktion der AWL. 3. Der AWL steht in jeder Nummer ein festes Seitenkontingent (40% des Gesamtumfangs, ca. 350 Seiten pro Jahr) zur Verfügung. 4. Die Hauptredaktion ist zu keinerlei Eingriffen in Beiträge der AWL berechtigt, sondern hat ihre Bedenken bei der Binnenredaktion vorzutragen, die in Rücksprache mit der AWL allein entscheidungsberechtigt ist. Umgekehrt maßt sich die Binnenredaktion keinerlei Einspruchsrecht in Bezug auf NHT-Beiträge an. 5. Die einzelnen AzD-Nummern werden von Haupt- und Binnenredaktion gemeinsam konzipiert. 6. Die Finanzierung und Bezuschussung der Zeitschrift erfolgt hälftig; die technische Erstellung liegt bei der NHT/VTK, wobei die AWL ihre Unterstützung anbietet.“ (156)

20. Dezember 1982: Die AWL legt eine Resolution „Zur weiteren Mitarbeit an den AzD“ vor. Ausgeführt wurde: „Die AWL lehnt es ab, sich künftig an den „Aufsätzen zur Diskussion“, die als Zeitschrift der NHT firmieren, zu beteiligen und einer Linienredaktion der NHT als theoretische und politische Manövriermasse zu dienen. Die in den Auseinandersetzungen des letzten Jahres herausgearbeiteten inhaltlichen Differenzen sind dafür zu gravierend. Als eigenständig arbeitender marxistisch-leninistischer Theorie-Kreis strebt die AWL jedoch eine in Gemeinschaft mit der NHT erfolgende kooperative Herausgabe der AzD, beginnend mit der Nummer 21, an. Die NHT-Führung hat sich ebenso wie die NHT zu entscheiden, ob sie die AzD in Zukunft als reines Organ der NHT publizieren wollen und können oder ob sie zu einer solchen kooperativen Herausgabe bereit sind. Seitens der AWL sind die folgenden sieben Grundregelungen (die ggf. noch durch inhaltliche und statutarische Redaktionsrichtlinien zu ergänzen sind) die Voraussetzung dazu:

1. Die AzD werden fortan gemeinsam von NHT und AWL herausgegeben, ausgewiesen durch das Impressum ... 2. Die Hauptredaktion bleibt bei der NHT-Führung, wird aber ergänzt durch eine im Impressum ebenfalls namentlich genannte Binnenredaktion der AWL. 3. Der AWL steht ein festes Seitenkontingent der AzD (50% des Gesamtumfangs, ca. 350 Seiten pro Jahr) zur Verfügung, und zwar möglichst auf die vier Nummern des Jahres verteilt. 4. Die Hauptredaktion ist zu keinerlei Zugriff in Beiträge der AWL berechtigt, noch kann sie solche ablehnen. Etwaige Bedenken hat sie der Binnenredaktion vorzutragen, die in Rücksprache mit der AWL allein entscheidungsberechtigt ist. Umgekehrt maßt sich die Binnenredaktion keinerlei Einspruchsrecht in Bezug auf NHT-Beiträge an. 5. Die einzelnen AzD Nummern werden von Haupt- und Binnenredaktion gemeinsam konzipiert. 6. Die Finanzierung und Bezuschussung der Zeitschrift erfolgt hälftig; die technische Erstellung liegt bei NH/VKT, wobei die AWL ihre Unterstützung anbietet. 7. Der VTK steht NHT und AWL gleichermaßen für eigenfinanzierte Veröffentlichungen zur Verfügung.“ (157)

Dezember 1982: Die Nr. 20 (1982) der „Aufsätze zur Diskussion“ erschien. Hauptschwerpunkt war: „Ökonomie und Ideologie“. Artikel waren: Heiner Karuscheit/Alfred Schröder: „Ende einer Epoche? Über die ökonomischen und politischen Ursachen eines Regierungswechsels“, Heiner Karuscheit/Klaus Winter: „Imperialismus, Monopol, Wertgesetz“, Sigmund Piotrowski: „Faschismus. Antisemitismus, falsches Bewusstsein. Plädoyer für eine dialektisch-materialistische Erkenntnistheorie“, AKV: „Über die Kritik der bürgerlichen Ideologie. Am Beispiel Pier Pasolinis Freibeuterschriften“. (158)

23. Dezember 1982: „Planungspapier der AWL“. In diesem Papier wurde noch davon ausgegangen, dass der AWL für eine mögliche Mitarbeit an den AzD Seitenkontingente zur Verfügung gestellt werden könnten. Ein Jahrgang Beteiligung an den AzD solle mit ca. 350 Seiten zu Buche schlagen. Für die AzD Nr. 21 war in Planung: Sigmund Piotrowski: Kritische Theorie und Faschismus, AKV: Geschichtsobjektivismus und subjektiver Faktor, Sigmund Piotrowski/Paul Rother: Rezension von J. Kuczynskis Alltag des deutschen Volkes 1918-1945, Rede des AWL-Vertrerers auf der NHT-Konferenz. AzD Nr. 22: Wolfgang Wirth: Negt-Einflüsse in der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit Hessens, Sigmund Piotrowski: Oskar Negt oder die kritische Theorie auf der Höhe der Zeit, Wolfgang Merlin: Negt in Hannover, Jan Lidtke: Wie man mit der Sense philosophiert. Negt-Schüler Leineweber als Propagandist der Landkommune, Hans Kampmann: H. Karuscheits Kominterngeschichte. Kritische Anmerkungen. AzD Nr. 23: Hans Kampmann/Sigmund Piotrowski: Wilhelm Reich - Komintern und Psychoanalyse. (159)

1983

Dezember 1982/Anfang 1983: Von Manfred Weiß (NHT) wurde vermutlich zu diesem Zeitpunkt das „Warenfetischismuskonzept“ des AKV kritisiert. Der entscheidende Fehler sei, so Weiß, dass mit ihm die Begründung der „Analyse des imperialistischen Liberalismus“ ins Feld geführt wurde und damit „erstmals begründet wurde“. „Der Fetischismus und die unzulängliche Erkenntnistheorie werden zum zentralen Schlüssel der Erklärung des Revisionismus, faschistischer Massenbewegungen und Niederlage des Faschismus ... und der wissenschaftlichen Begründung von Lenins Parteitheorie“. (160)

Januar 1983: Von G. Jacob (ehemals KABD) u. a. erscheint die Schrift: „Die Linke und der Schein der Konkurrenz.“ Die AWL setzte sich seinerzeit mit dieser Schrift auseinander. (161)

6. Januar 1983: Die Gruppe „Neue Düsseldorfer Nachrichten“ antwortet der AWL, kritisiert die „starke Taktikänderung“ der AWL in Bezug auf den „Beirat“ und die AzD. Eine Resolution der AWL zur NHT-Konferenz würde „die Mitglieder der NHT gegen die AWL“ aufbringen. (162)

6. Januar 1983: Es erscheint eine Stellungnahme von Hans Kampmann (Gelsenkirchen) zum Papier der „Neuen Düsseldorfer Nachrichten“ (vgl. 6. Januar 1983). Danach wurde die Positionierung von NDN bezüglich einer möglichen „veränderten Taktik“ der AWL kritisiert. Ausgeführt wurde u. a.: „Die NDN haben die Diskussionen der letzten Monate nur halbherzig verfolgt. Inwieweit die ‚Basis‘ unter dem Druck der z. Zt. völlig ungeklärten Verhältnisse auf der NHT-Konferenz reagieren wird, weiß selbst die Redaktion nicht. Wir haben unsere Vorschläge gemacht und sind gespannt, welche Konsequenzen sich daraus für die Redaktion und die NHT-Basis ergeben. Ob wir dementsprechend die Mitglieder der NHT „gegen uns haben“, das bleibt abzuwarten. Wir gehen auf jedenfalls von nachdenklichen Gesichtern aus. Das genügt uns z. Zt. Zumindest der AKW/AWL haben diese Genossen zu nichts gezwungen. Jedoch bleibt die ‚Basis‘ für die Redaktion Manövriermasse, ganz nach Belieben.“ NDN, so wird weiter fortgefahren, begnügten sich mit „einer einseitigen Kritik an den Vorstellungen der AWL, die, wie hier dargelegt, nicht den Anspruch erheben können, vorwärtstreibende Kritik zu beinhalten. Der NDN-Ansatz, den Ökonomiebereich zu bearbeiten, ohne klare Zielvorstellungen zu besitzen, ist lobenswert und verdient Beachtung. Jedoch müssten die Genossen konkret darlegen, wie ihre Programmatik aussieht. Solange das ausbleibt, darf man nur darauf gespannt sein, wie die weitere Kritik an der AWL ausfällt ... Das Beispiel der NDN ist ein gutes/ein schlechtes Beispiel für Unverständnis der Positionen der AWL. Gut insofern, als das die AWL aufgefordert ist, die NDN in ihrer Kritik an der Redaktion zu unterstützen, sie gleichzeitig auf ihre unabdingbare Aufgabe aufmerksam zu machen, ihren programmatischen Ansatz vorzulegen. Schlecht insofern, als dass ihre Aussagen zu ungenau, zu unkonkret sind. Es ist das Niveau einer tatsächlichen ‚Basis‘, die alles anreißt, aber nichts Inhaltliches darstellt.“ (163)

13. Januar 1983: Der AKV legte ein Exposé zum „Westdeutschen Ökopazifismus“ vor. Danach sollen in einer künftigen Schrift folgende Problematiken behandelt werden:

13. Januar 1983: Von einem Gelsenkirchener AWL-Mitglied wird ein Papier „Rückblick auf die westdeutsche ML-Bewegung - Marxismus als Scheinrevolte“ vorgelegt, das kurze Zeit später in die ersten Entwürfe einer MAO-Chronik eingearbeitet wurde. Der Rückblick ist in folgende Punkte gegliedert:

22. Januar 1983: In Gelsenkirchen begann eine Beiratssitzung der „Aufsätze zur Diskussion“, die am 23. Januar fortgesetzt wurde. Als Gäste wurden von der Redaktion die AWL (Arbeitsgruppe Westdeutsche Linke) eingeladen. U. a. lautete ein Tagesordnungspunkt „AWL-NHT Differenzen“. Als Schwerpunkt sei vorgesehen, über die „Positionen des AKV bzw. der AWL“ zu debattieren, wie sie aus einem „Papier des Genossen Kampmann“ hervorgehen würden. Konkret könne aber dann darüber diskutiert werden, wenn klar sei, „wieweit die inhaltlichen Widersprüche reichen und in welche Bereiche sie sich erstrecken“. (166)

22. Januar 1983: Der Beirat der AzD legt einen Resolutionsentwurf „Zur Geschichte der ML-Bewegung und zu unseren künftigen Aufgaben“ vor. Ausgeführt wurde u. a.: „Da die ml-Bewegung mittlerweile dem Ende zugeht, können unsere künftigen Aufgaben nicht mehr hauptsächlich von dieser Bewegung bestimmt werden, sondern erwachsen zunehmend aus der gesellschaftlichen Realität, der wir gegenüberstehen. Dabei muss die theoretische Arbeit als nach wie vor wichtigste Aufgabe der unabdingbare Schwerpunkt unserer Tätigkeit bilden. Anders ist die ideologische und organisatorische Selbständigkeit und Unabhängigkeit der kommunistischen Kräfte nicht zu sichern. Im Rahmen dieser Tätigkeit rückt allerdings anstelle der weltanschaulich-philosophischen Fragen ... die politische Ökonomie an die erste Stelle. Außerdem werden in den AzD künftig auch politische Fragen behandelt werden.“ Und längerfristig werde „die organisierte politische Arbeit angestrebt“. Auf „die wachsenden Möglichkeiten propagandistischer Tätigkeit wird hingewiesen.“ Auf dieser Beiratssitzung wurde weiter der „Entwurf eines Theoretischen Arbeitsprogramms“ vorgelegt, dass sich aus „den Problemen der politischen Ökonomie“ und der „Behandlung der politischen Fragen, wie z. B. des Bonner Regierungswechsels“, ergebe. (167)

23. Januar 1983: Auf der Beiratskonferenz der NHT in Gelsenkirchen hält auch Hans Kampmann einen Redebeitrag. Kritik wurde an der Redaktion der Aufsätze zur Diskussion geübt, die nun auch „das Gebiet der politischen Ökonomie zu bearbeiten“ gedenken. Dabei wurde öfter das Buch von Bischoff „Jenseits der Klassen“ als Beleg dafür genannt. Auch wurden die „Thesen der Redaktion“ kritisiert, wo es heißt: „Wenn wir z. Zt. auch wesentlich als theoretischer Zirkel arbeiten ... haben wir letztlich politische Aufgaben, zu deren Fundierung eine Imperialismusanalyse erforderlich ist.“ (168)

29. Januar 1983: In Gelsenkirchen erscheint ein Papier von Hans Kampmann: „Zur weiteren Perspektive der AWL“. Darin wurde ausgeführt: „Die AWL ist bis zur Beiratskonferenz (23./24.1.1983) u. a. davon ausgegangen, dass es noch möglich erscheint, einen entscheidenden Kompromiss auf der Grundlage der 7 Punkte, die am 18. Dezember 1982 in Düsseldorf verabschiedet worden sind, zu erzielen. Nach dem beharrlichen Schweigen der Redaktion der Aufsätze zur Diskussion war noch jede Interpretation möglich, obwohl insgeheim eigentlich doch recht deutlich war, dass die Redaktion nur einen faulen Kompromiss anzustreben gedachte. Hatten wir noch am 18. Dezember formuliert: „Die sieben Punkte stellen keine Verhandlungsposition dar, sondern sind unabdingbare Forderungen der AWL; etwaige Veränderungsvorschläge Eurerseits können nur berücksichtigt werden, insofern sie die Substanz der Vereinbarungen nicht berühren“, so ist unsere Vorstellung am 23./24.1.1983 von der Redaktion auf die zu erwartende ablehnende Haltung gestoßen.

Die Redaktion der Aufsätze zur Diskussion hat mit ihrer „Kompromiss-Lösung“ (Schröder-Karuscheit-Vorschläge) die Spaltung der NHT vollzogen. Die erneuten - wie zu befürchten war - massiven Angriffe der Redaktion und ihrer Anhänger auf der Beiratskonferenz, ihr taktisches Kalkül, lassen ein Abrücken von der Resolution der AWL nicht mehr zu. Würde sich die AWL zu einem der Vorschläge der Redaktion noch positiv äußern, so würde ich der AWL blankesten Opportunismus vorwerfen, meine Mitarbeit innerhalb dieser, müsste somit als stark gefährdet angesehen werden. Die ‚Moskauer Schauprozesse‘ (eine übrigens sehr richtige Einschätzung der Beiratskonferenz durch den Genossen Jan Lidtke) haben gezeigt, dass die Redaktion es darauf angelegt hatte, den Bruch zu vollziehen.

Wenn auch die übriggebliebenen AWL-Vertreter nach meinem Weggang auf der Beiratskonferenz auf die Fragen der Redaktion hin, wie sie denn nun weiter verfahren wollen, geantwortet hatten, „dass das die AWL auf ihrer nächsten Sitzung entscheiden wird“, so springt doch ins Auge, dass die Nicht-Standhaftigkeit einiger AWL-Vertreter (was unsere Resolution anbelangt) für die Redaktion Wasser auf ihre Mühlen war. Wie ich es bereits schon an anderer Stelle geäußert habe, hielt ich es für verkehrt, dass sich der AKV-Vertreter ... auf die Diskussion um die These ‚Warenfetischismus und falsches Bewusstsein‘ eingelassen hat. Damit ermöglichte er u. a. der Redaktion ihre zwar haltlosen Angriffe auf den AKV und damit auf die AWL (bis zum Vorwurf der geistigen Beschränktheit), unser eigentliches Anliegen jedoch konnten wir nicht durchsetzen. An dieser Stelle muss auch solidarische Kritik an den AWL-Genossen, die auf der Beiratskonferenz anwesend waren, geübt werden.

Zumindest in den 3 Stunden meiner Anwesenheit am 23.1. argumentierten inhaltlich nur der Genosse Hermann Anthe und der Genosse Hans. Ich stelle daher eine ungenügende Koordination der AWL Genossen insgesamt fest. Ich übe Kritik an der mangelnden Absprache, die für diese Konferenz noch ausschlaggebend war ... Mit dieser letzten Beiratskonferenz vor der NHT-Konferenz sind die Würfel endgültig gefallen. Ein Meinungskampf im Beirat hat sich jetzt erübrigt. Vom Beirat in irgendeiner Form noch zu erwarten, er könnte sich gegenüber den AWL-Vorschlägen als autoritatives Gremium erweisen, ist grotesk. Der Beirat ist in dieser Zusammensetzung nichts anderes mehr als eine erweiterte Redaktion. In ihm ist es nicht mehr möglich, sachlich, auf der Grundlage der überzeugenden Argumente zu diskutieren. Das ‚Freund-Feind‘-Denken prägt die Beiratsgenossen in jeglicher Hinsicht, die zusammen mit der Redaktion in der alten Zirkelbewegung stehen. Überhaupt scheint mir insgesamt die Redaktion und ihr williges Werkzeug - der Beirat - davon auszugehen, dass sie die richtige und damit proletarische Linie besitzen. Es wird absolut keine Veränderungen im Beirat mehr geben. Eine Mitarbeit im Beirat ist nicht mehr sinnvoll und effektiv ... Schon die letzten beiden Jahre haben gezeigt, dass die Redaktion der ‚Opposition‘ nur einen begrenzten Spielraum zugestanden hat. Sie wurde ihr immer unbequemer und ließ da noch Kritiken an ihrer Konzeption zu, wo sie noch selbst merkte, dass die NHT-Basis noch nicht auf ihrem Kurs war.

Spätestens mit der Nr. 19 der „Aufsätze“ (mit der Entwicklung der Thesen des AKV zum Warenfetischismus und falsches Bewusstsein, mit dem Kominternbeitrag des Genossen Hans Kampmann) ging sie in die letzte Phase der Offensive und trug ihre massiven Angriffe vor ... Das Team Karuscheit/Schröder scheint mehr denn je von der Basis als „glorreiche“ Marxisten-Leninisten betrachtet zu werden, da es ihnen gelang, einen heftigen Schlag gegen jegliche Form des Idealismus und des Antikommunismus zu führen. Das wird es der Redaktion evtl. über einen längeren Zeitraum hinaus ermöglichen, neue Kräfte für ihre Konzeption, etwa aus dem Umfeld des KBW zu gewinnen, zumal auch sie jetzt auf politökonomischer Ebene die ersten Gehversuche gestartet hat ...

Das heißt: 1. Die Mitarbeit der AWL-Vertreter im Beirat ist sofort aufzugeben. 2. Die AWL wird auf der NHT-Konferenz nicht mehr mit einer eigenen Resolution in Erscheinung treten ... 3. Die AWL-Vertreter nehmen auf der NHT-Konferenz nur eine Beobachterrolle ein. 4. Die AWL erklärt der Redaktion ihre Nichtbeteiligung an den AzD und stellt ihre Mitarbeit an diesem Projekt ein. 5. Die AWL löst sich damit aus der NHT heraus. 6. Die AWL konstituiert sich als eigenständiger marxistisch-leninistischer Theoriezirkel. 7. Die AWL arbeitet auf der Grundlage ihrer bisher getroffenen ‚Düsseldorfer Vereinbarungen‘ (einschließlich des Arbeitsprogramms der ‚Arbeitsgruppe Westdeutsche Linke‘ vom 18.9.1082). 8. Eine neue Zeitschrift der AWL steht z. Zt. außerhalb jeder Debatte. 9. Arbeitsergebnisse der AWL werden dieser und interessierten Genossinnen und Genossen in hektographierter Form zugänglich gemacht. 10. Um die Arbeitsergebnisse zu besprechen, um insgesamt die wenigen Genossen, die noch übriggeblieben sind, innerhalb der AWL zu organisieren, sind im Abstand von 6-8 Wochen AWL-Sitzungen einzuberufen. Bei aktuellen Ereignissen finden außerhalb dieser Periode Besprechungen statt. 11. Um die Arbeit der AWL koordinieren zu können, ist ein zwei- bis drei-köpfiger Ausschuss zu bilden, der die laufende Arbeit der AWL regelt. 12. Dieses Gremium darf nicht den Charakter, den Status und die Funktion einer Redaktion haben. 13. Arbeitsergebnisse werden gemeinsam besprochen und soweit das möglich ist, gemeinsam korrigiert. 14. Über weitere gemeinsame Projekte entscheidet insgesamt die AWL. 15. Die AWL bemüht sich, den Kontakt mit den Marxisten-Leninisten innerhalb und außerhalb der NHT-Strömung aufrechtzuerhalten, sie für die Projekte der AWL zugänglich zu machen.“ (169)

30. Januar 1983: Schreiben des AKV an NDN-Düsseldorf. Darin wurde noch einmal auf eine gemeine Basis (Kritik an der NHT) verwiesen und dazu aufgefordert, an einem gemeinsamen Projekt von NDN und AWL teilzunehmen. (170)

Januar/Februar 1983: Exposé von Hans Kampmann (Gelsenkirchen) und Sigmund Piotrowski (Düsseldorf): „Wilhelm Reich und der Freudomarxismus“. Die Arbeit wurde im Juni 1983 den Mitgliedern der AWL vorgelegt. (171)

Februar 1983: Es erscheint ein Papier der AWL: „Situation der NHT - Positionen der AWL“, das als Referat zur NHT-Konferenz am 26. Februar 1983 konzipiert war. (172)

6. Februar 1983: Der AKV verfasste anlässlich der Beiratssitzung vom 22./23.1. das Papier: „Anmerkungen zur Situation - Zu den Perspektiven und zur Taktik der AWL - Diskussionspapier.“ Darin wurde u. a. über die „geteilte Reaktion der AzD-Redaktion auf die AWL-Resolution zur weiteren Zusammenarbeit“ referiert. Danach bieten „H. Karuscheit und W. Weiß der AWL an, unter Oberhoheit der NHT, aber in faktischer Eigenverantwortung zwei Nummern der AzD zu füllen; diese Regelung ist ausdrücklich auf ein Jahr (1983) begrenzt und wurde damit begründet, dass die NHT-Führung in diesem Zeitraum anhand der AWL-Beiträge den Idealismus und das Sektierertum von AWL bzw. AKV zu entlarven habe, da die NHT-Basis noch keine völlige Klarheit darüber besitze und antiidealistisch gefestigt werden müsse. A. Schröder lehnte jeden Kompromiss mit der AWL in Bezug auf die AzD ab, da die NHT dadurch von ihrer anstehenden politökonomischen Arbeit abgehalten werde und ein weiteres Jahr ideologiekritisch zu Gange bleiben müsse. VTK-Verlagsleiter R. Altmann wusste übrigens noch eine dritte Alternative zu nennen: dass die AzD nämlich eingestellt bzw. auf eine hektographierte Publikationsform umgestellt werden müsse, wenn die rückläufige Verkaufsentwicklung (Ausbleiben von Nachbestellungen) sich fortsetze. Das Papier bezeichnete das NHT-Papier als „völlig inakzeptabel“, das es nicht „im Zeichen des offenen, gleichberechtigten Meinungsstreits steht, sondern in dem eines apriorischen Führungsanspruchs.

Über eine mögliche Zukunft der NHT wurde ausgeführt: „Zweifellos wird es eine kurzfristige Konsolidierung der NHT geben, wird eine klare Basis-Mehrheit, der Zirkeltradition verhaftet, die Karuscheit-Schröder-Weiß-Programmatik als ‚kleineres Übel‘ akzeptieren. Das Zurückweichen von einer reflektierten und systematischen Theoriearbeit, bei manchen NHT-Mitgliedern Hand in Hand gehend mit aktivistischen Sehnsüchten, kommt der Redaktion entgegen, die ihr Artikelangebot überdeutlich auf das ‚Mitreden können‘ in der Linken ausrichtet und ihr Dementi der politischen Praxis mit unübersehbaren Augenzwinkern vorträgt.“ Die AzD 20 mache klar, „wo das Trio seine Gesprächspartner/Gegner suchen wird, nämlich bei den Grünen einerseits ... bei den Stamokap-Theoretikern andererseits ...

Wie glänzend dagegen die Aussichten der AWL, die mit ihren qualifizierten Theoriekadern in eine bessere ML-Zukunft vorprescht, natürlich unaufhaltsam. Im Ernst: Die Entwicklung oder genauer die weitere Auszehrung der Theorieströmung ist nicht eben ermutigend. Aber wenn wir uns nicht entscheidend täuschen, so ist 1982 doch zum ersten Mal in der gesamten Zirkelhistorie ein (einigermaßen) tragfähiges Konzept, ein zeitgemäßes Problembewusstsein entwickelt, der Blick über den engen ‚ML‘ Horizont erhoben worden ... 1983 kann uns muss dabei unserer Auffassung nach ein Jahr der ‚inneren Konsolidierung‘ als Voraussetzung eines theoretisch-propagandistischen ‚Wiederauftauchens‘ der AWL im Jahre 1984 werden.“

Unter „Konsolidierung“ wurde verstanden, „die Schaffung einer effektiven Infrastruktur der theoretischen Zusammenarbeit, zweitens die Legung eines (vorläufigen) programmatischen Fundaments und drittens die Erzielung theoretischer Ergebnisse (Negt, Reich, Fetischismus, Entfremdung, ML-Bewegung).“ Der AKV schlug vor, seine künftigen Arbeitsergebnisse (und die der AWL) in einer „theoretischen Vierteljahreszeitschrift“ zu veröffentlichen.“ (173)

12. Februar 1983: In Düsseldorf fand eine AWL-Sitzung statt. Teilnehmer waren u. a. Vertreter aus Gelsenkirchen, Düsseldorf, Köln, Frankfurt/M. Hannover, Groß-Gerau und Duisburg. Diskutiert wurde primär darüber, ob es noch sinnvoll sei, an der kommenden NHT-Konferenz teilzunehmen? Dabei traten kontroverse Positionen zu Tage. Einige meinten, man sollte aus „Gründen des Selbstverständnisses der AWL noch einmal dort die Programmatik der AWL vorstellen“. Eine andere Position meinte, dass es eine „Illusion sei, anzunehmen, dass die Vorstellungen der AWL auf ein größeres Interesse stoßen könnten“. Eine Mehrheit entschied sich für einen AKV-Vorschlag: „Diskussion um die Vorbereitung auf die NHT-Konferenz, Vorgehen der AWL auf der Konferenz“. Weiter konnte geklärt werden: „1. Die AWL lehnt geschlossen die Mitarbeit an den AzD ab ... 2. Die Konferenz Beteiligung der AWL auf der NHT-Konferenz: Teilnahme von fast allen AWL-Vertretern an der NHT-Konferenz. Die AWL wird mit einem eigenen Referat auf der Konferenz in Erscheinung treten (Inhalt: Entwicklung der NHT als letzter Ausläufer der Zirkelbewegung, Herausschälung der Differenzen, Charakterisierung und Konstituierung der AWL, Programmatik der AWL).“ (174)

17. Februar 1983: Vom AKV herausgegeben erscheint das Papier „Bemerkungen zur AWL“. Ausgeführt wurde: „Ausgehend von den bisherigen Arbeitsresultaten der AWL und den Erfahrungen der AWL-Sitzung am 12. Februar 1983, möchte der AKV folgendes festhalten: Das Moment der Abgrenzung gegenüber der NHT/NHT-Führung ist innerhalb der AWL stärker ausgeprägt als die Bereitschaft zu eigenständiger Arbeit; Tendenzen zur konsumentenhaften Rezeption sind unübersehbar. Die AWL verfügt über kein allgemein akzeptiertes Konzept für die Phase der ‚inneren Konsolidierung‘, was umso problematischer erscheint, wenn man sich vor Augen führt, dass die AWL, sofern ihre Existenz berechtigt ist, als ‚Bewegungsform‘ der wissenschaftlich-sozialistischen Arbeit heute zu verstehen ist.

Bisherige Arbeitspapiere und Programme des AKV, die in übergreifender Form auf die künftige Zusammenarbeit eingehen, haben offenbar keine oder nur abstrakte Verbindlichkeit. Abstrakt soll in diesem Zusammenhang heißen, dass man das Gesamtexpose zur westdeutschen Linken zwar im ‚Grunde‘ akzeptiert, sogar ‚für später‘ die Bearbeitung gewisser Unterpunkte (etwa der Nachkriegsgeschichte der KPD) ankündigt, aber eben nicht willens oder fähig ist, ein konkretes Hauptkettenglied unserer weiteren Tätigkeit (ab März 1983) zu benennen, geschweige denn zu ergreifen. Wenn der AKV die ‚ML‘ Bewegung und die ‚Grünen‘ herausgegriffen und zum Gegenstand relativ ausführlicher Exposés gemacht hat, so deshalb, weil er hie dieses Hauptkettenglied vermutet. Nur der Genosse WW (Mitte Januar) hat diesbezüglich Kritik angemeldet und vorgeschlagen, Jugend- und Studentenbewegung oder den Ökopazifismus - auf Kosten der Themenstellung ‚ML‘ Bewegung - vorrangig zu behandeln. Bei den übrigen AWL-Mitgliedern konnte, ja musste aus ihrem Schweigen (sofern nicht gar positivem Kommentar) auf ihre Zustimmung zur vorgeschlagenen Planung geschlossen werden.

Dieser Schluss erwies sich jedoch als irrig. Am 12. Februar stellte sich heraus, dass eine inhaltliche Begründung für das Projekt ‚ML‘ Bewegung von seinen bisherigen Befürwortern nicht geliefert werden konnte (vielmehr hob der Genosse Andreas die seiner Meinung nach zusehends gefährdete Archivlage als Argument für das Festhalten an diesem Arbeitsschwerpunkt hervor). Über die Bedeutung des Themas Ökopazifismus wiederum wurde fast ausschließlich unter dem Aspekt seiner Bedeutung für ein künftiges ml-Forum diskutiert. Anstelle der Beschäftigung mit den beiden genannten Unterpunkten trat schließlich der Genosse Wolfgang (Hannover) unterstützt vom Genossen Paul (Hannover) für eine ‚Problematisierung‘ bzw. kritischen Nachvollzug des Fetischismus-Konzepts ein. Desweiteren lief ein Hannoveraner Gedanke darauf hinaus, sich mit dem Strukturalismus zu beschäftigen, weil man in der Nomenklatur des AKV Spuren davon zu entdecken haben geglaubt und sich statt als Produzent revolutionärer Theorie als Kontrollinstanz versteht - kraft welcher Befähigung/welchen Theoriestands, blieb unklar.

Wir sagen dazu dreierlei: 1. Es ist außerordentlich wünschenswert, dass durch umfassende Lektüre und Übersicht optimale theoretische Diskussions- und Kontrollmöglichkeiten geschaffen werden. 2. Die AWL ist primär keine Kontrollgruppe, sondern eine Arbeitsgruppe mit klar formulierten Zielvorstellungen, die bekanntlich in der ideologiekritischen und historischen Aufarbeitung der westdeutschen Linken bestehen; keinesfalls scheint eine Arbeitsteilung angebracht, in der einige Genossen theoretische Ergebnisse vorlegen und andere sich als Zentrale Kontroll-Kommission verstehen. 3. Und daraus folgend: Von einer Beschäftigung sei es mit dem Fetischismus-Konzept, sei es mit dem Strukturalismus ist - sofern sie als eigenständige Aufgabe hervorgerufen wird - Produktivität im Sinne der AWL zu verlangen. Der AKV ist ohne weiteres bereit, von der Weiterarbeit am Fetischismus-Konzept zurückzutreten und sie einem anderen Genossen anzuvertrauen, sofern dieser Genosse dafür garantiert, dass daraus keine ‚platonische‘ Beschäftigung mit dem u. E. wichtigen Ansatz wird. Im Übrigen empfehlen wir, das Konzept durch seine Anwendung zu überprüfen. Leider fand ein entsprechender Vorschlag des AKV, gemünzt auf die geplante Leineweber-Bewältigung, nicht den zu erwartenden Anklang.

Der AKV hält ohne Abstriche an seinem Ziel fest, zur systematischen Erarbeitung eines zeitgemäßen ML beizutragen, und steht zweifelsfrei zum Arbeitsprogramm ‚Westdeutsche Linke‘ als dem dafür geeigneten Rahmen. Da er selbst aus eigener Kraft nur einen Teil dieses Programms realisieren kann, sucht er nach gleichberechtigten Mitarbeitern. Ferner ist der AKV bestrebt, das Stadium der ständigen Reaktion auf NHT-Publikationen und Pläne abzuschließen, da es keine neuen Erkenntnisse verspricht. Eben sowenig ist der AKV gewillt, die ihm zufallende Rolle eines stellvertretenden Propagandisten und ‚Gesamtarbeiters‘ der AWL weiterzuspielen. Die AWL hat zu arbeiten, und zwar in fest gelegter Arbeitsteiligkeit. Sie wird produktiv sein oder sie wird nicht sein. Was die Mitglieder der AWL angeht, so erwartet niemand von ihnen, dass sie der Theoriearbeit leben. Aber wer sich heute für eine Hauptseite Theorie im Zeichen des ML entscheidet (wozu ihn ja niemand zwingt), der verpflichtet sich damit selbst, ein bestimmtes Quantum theoretischer Arbeit zu leisten, und zwar nicht irgendwann, sondern beginnend hier und heute. Jene Genossen, die sich dazu - ihren Fähigkeiten misstrauend - nicht in der Lage sehen/wähnen, müssten sich wie selbstverständlich die Aufgabe setzen, den Fluss der Theoriearbeit etwa durch Archivierung, Beobachtung politischer Veranstaltungen der Linken und technisch-organisatorische Hilfe zu unterstützen.

Alle AWL-Mitglieder sind hiermit aufgefordert, ihre Position zur und innerhalb der AWL zu überdenken und ggf. schriftlich zu fixieren. Auf der AWL-Sitzung am 5. März sollte - dies unser Generalvorschlag zur Tagesordnung - über die Arbeit des Jahres 1983 gesprochen und sollten verbindliche Entscheidungen getroffen werden.“ (175)

25. Februar 1983: Einladungsschreiben der AKV: „Einladung zur Vierten AWL-Sitzung“. Danach soll die nächste AWL-Sitzung am 5. März stattfinden. Betont wurde, dass es an der Zeit sei, eine „funktionsfähige AWL-Infrastruktur“ aufzubauen. Zur Tagesordnung wurde vorgeschlagen: 1. Bilanz. War uns ist unsere Linie richtig? Wurde sie gegenüber der NHT inhaltlich und taktisch richtig vertreten? Wenn nein, welche Fehler wurden gemacht? Beurteilung der NHT-Konferenz. 2. Binnenzustand der AWL. Diskussion über die AKV-Kritik an der AWL. Verabschiedung eines Arbeitsschwerpunktes/Konkrete Arbeitsfelder incl. Festlegung der Arbeitsfelder für die einzelnen Mitglieder. Organisatorisches (Archivarbeit, Mitgliederstatus ... Koordination für Arbeitsschwerpunkte/Arbeitsprojekte. Frage der Vorbereitung einer eigenen Publizistik. 3. Bündnispolitische Perspektiven. Frage der Beziehung zur NHT. Frage der Beziehung zu NDN. Frage des ML-Forums, evtl. verbunden mit der Wahl eines Verantwortlichen. Bericht über die Tagung der Gruppe Ökologie und Marxismus. (176)

25. Februar 1983: In Köln bzw. Düsseldorf erscheint ein Papier des AKV zur „Archivarbeit“. Darin wird eine Reihe von Zeitschriften aufgelistet, die regelmäßig intensiv gelesen und „archiviert“ werden sollten. Es handelte sich um folgende Zeitschriften: Wir selbst, Kommune, Deutsche Zeitschrift für Philosophie, Prokla, Sozialismus, Linkskurve, Rote Fahne (MLPD), Kursbuch, Umbruch, Gegen die Strömung (GDS), Peking Rundschau, Rote Fahne (MLPÖ), Autonomie, Links, Marxistische Studentenzeitung der MG, Pogrom, Die Grünen, TAZ, Monthly Review, Befreiung Westberlin, Archiv des Widerstands, IPW-Forschungshefte, Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Konsequent, Freibeuter, Beiträge zur revolutionären Theorie (KGB/E), Kritik, Blätter des iz3w, Horizont, Moderne Zeiten, Argument, Vierteljahreszeitschrift für Zeitgeschichte, Roter Morgen, Arbeiterkampf, Ästhetik und Kommunikation, Wechselwirkung, Aufbruch, Arbeiterpolitik, Albanien Heute, Spiegel, Informationsdienst der DS, Was Tun?, ZU, Express, Revier, AzD, New Left Review, Befreiung Köln, Kulturrevolution, Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, Marxistische Blätter, Blätter für internationale Politik, Wiener Forum, Wilhelm Reich Blätter, Neue Strömung, Gegenstimme, Gewerkschafts-Spiegel. (177)

25. Februar 1983: Die Gruppe Neue Düsseldorfer Nachrichten (NDN) und die Arbeitsgruppe Westdeutsche Linke (AWL) erklären „die Gründung eines Marxistisch-Leninistischen Forums“. In der Präambel hieß es: „Dieses Forum hat die wichtigste Aufgabe, einen fruchtbaren Diskussionszusammenhang für Marxisten-Leninisten zu schaffen und auf diese Weise zur Herausbildung einer revolutionären Theorie auf der Höhe der Zeit beizutragen. Das Forum ist keine eigenständige Organisation, sondern konzipiert als ein Plenum der Diskussion für organisierte und nicht-organisierte Genoss(inn)en.“ Geplant sei auch eine „vierteljährliche Diskussionsrunde, die jeweils an einem Wochenende stattfindet“. Eine erste Tagung sollte danach „Ende April 1983“ stattfinden. (Anm. des Verfass: Es ist mir nicht (mehr) bekannt, ob dieses Forum wirklich jemals stattfand. (178)

26. Februar 1983: In Frankfurt/M. begann eine NHT-Konferenz, die am 27. Februar fortgesetzt wurde. Neben den Gelsenkirchener Beiratsmitgliedern und der Redaktion nahmen auch eine Reihe von Gästen daran teil. Die eingeladene AWL reagierte mit einer „Resolution zur NHT-Konferenz“ darauf. Danach „stellt die AWL ihre Mitarbeit an den AzD und im Beirat der Zeitschrift ein: sie verlassen, soweit sie dort noch organisiert sind, die NHT“. Weiter wurde formuliert: „Die NHT-Führung hat den Weg des Politpragmatismus, den Weg einer Hauptseite Politik beschritten und die Theoriearbeit auf den Rang eines Hilfsarbeiters verwiesen. Die NHT droht damit vollständig auf das Niveau der Zirkelbewegung, jene altbekannte Mischung aus Voluntarismus und Praktizismus, zurückzufallen ... Heute rüstet sich die NHT, ihren ‚Leninismus‘ den ‚revolutionären Marxisten‘ und ‚fortschrittlichen Menschen‘ der BRD hineinzutragen. Das theoretische Instrumentarium dieses Vermittlungsversuchs soll dabei aus einer blinden Anklammerung an das Komintern-Erbe gewonnen werden. Hatte die NHT in ihrer Anfangsphase wenigstens noch formal an Plechanows Forderung nach Schaffung zeitgemäßer ‚Ideologen der Revolution‘ angeknüpft, sieht sie heute ihre Aufgabe offenbar darin, ein Überkommen abstrakter (nämlich aus dem historischen Zusammenhang gelöstes) Prinzipien- und Dogmengerippe mit aktuellen politökonomischen Daten und Mutmaßungen zu umkleiden und auf diese Weise zu einem Scheinleben zu erwecken. Welche konkrete Gestalt dieses Gespenst annimmt, wird vom jeweiligen politischen Nachtrab diktiert, der die Festlegung auf Zielgruppen und Themen trifft ...

Die bisherigen Versuche der AWL, die erste Wegstrecke hin zu einer ml Theorie auf der Höhe der Zeit zu markieren, sind seitens der NHT-Spitze folgerichtig als ‚idealistisch‘, ‚arrogant‘, ja ‚antikommunistisch‘ denunziert worden. Der Programmatik und den ersten Arbeitsresultaten der AWL wurde nicht inhaltlich, sondern destruktiv (im Sinne der bloßen begrifflichen Abwehr oder der systematischen Aufblähung von Detailkritiken) begegnet ... In Anbetracht dieser Situation kann es für die AWL kaum noch von Interesse sein, sich als Beitragslieferant und Beiratsdisputant der AzD zu bestätigen. In Ermangelung einer wirklich fruchtbaren Auseinandersetzung zwischen NHT und AWL hätte die AWL sich sogar noch bereit erklärt, die AzD finanziell und inhaltlich weiter zu unterstützen, um sich selbst und den hiesigen ml Kräften im Umkreis der NHT ein propagandistisches Forum zu erhalten, aber nur unter der Bedingung der redaktionellen Autonomie ... Unser Anliegen - Entfaltung unseres Ansatzes zur Rekonstruktion des ML als wissenschaftlicher Sozialismus in produktiver Auseinandersetzung mit andere ml Kräften - ist nach dem bisher Gesagten innerhalb der NHT und der AzD nicht mehr möglich. Wir vollziehen daher die Auflösung des Arbeitszusammenhangs.“ Die Resolution (Beschluss) war unterzeichnet von: Hermann Anthe (Köln), Hans Kampmann (Gelsenkirchen), Hans Koch (Frankfurt/M.), Jan Lidtke (Gelsenkirchen), Wolfgang Merlin (Hannover), Sigmund Piotrowski (Düsseldorf), Paul Rother (Hannover), Peter Stein (Frankfurt/M.), Wolfgang Wirth (Groß-Gerau). (179)

26. Februar 1983: Referat eines AKV/AWL-Vertreters auf der NHT-Konferenz in Frankfurt/M.:

SITUATION DER NHT-POSITION DER AWL
Referat der Arbeitsgruppe Westdeutsche Linke (AWL) auf der NHT-Konferenz (26. Februar 1983)

Vor einem Jahr konnte man noch meinen, die NHT stünde am Scheidewege. Heute dagegen ist klar: Die NHT befindet sich eindeutig auf dem falschen Weg, dem des Mitmischenwollens in der linken Szene auf ungenügendem theoretischen Fundament; sie befindet sich auf dem Weg einer Hauptseite Politik, und es gibt leider wenig Zweifel dass sie diesen Weg vorerst weitergehen wird. Die NHT verfügt unseres Erachtens augenblicklich über kein produktives inneres Widerspruchspotential mehr; wer noch opponiert, tut dies redaktionstreu im Sinne einer 'Meuterei auf den Knien'. Wir wollen die Gelegenheit, genauer: unseren Abschied von der NHT, zum Anlass nehmen, auf die Entwicklung der Organisation zurückzublicken, ausgehend vom objektiv desolaten Zustandsbild, das sie heute bietet.

Unter dem Anspruch, zur 'Einheit der ml Bewegung' beizutragen, formierte die 'Neue Hauptseite  Theorie' sich Ende der 70er Jahre. Ihr Name sollte eine Distanzierung sowohl vom Theorieverständnis der Zirkel als auch vom Arbeitsansatz jener 'alten' Hauptseite Theorie signalisieren, die ebenso störrisch wie erfolglos den Ruf nach Klassenanalyse erschallen ließ. Diese Distanzierung steckte aber von Anfang an voller Halbherzigkeiten und Unklarheiten, so dass niemand sich wundern muss, wenn die führenden Genossen der NHT heute in ihren Absichten und ihrer Programmatik vollständig auf jenes früher kritisierte Niveau zurückgefallen sind: Sie wollen kraft politökonomischer 'Realitätsdurchdringung' für eine programmatisch nicht begründete 'Einheit der Kommunisten' - und das sind keineswegs nur mehr Marxisten-Leninisten - wirken. Wir sprachen von Halbherzigkeiten und Unklarheiten. Gemeint sind die bekannten Schriften "Unsere nächsten Aufgaben" und zur "Geschichte der ml-Bewegung" aus dem Jahr 1978. Es handelt sich um grundlegende Werke der NHT insofern, als sie letztlich die- inhaltliche Grundlage für alle NHT-Fehler der folgenden fünf Jahre bildeten.

Der zentrale Defekt beider Schriften bestand in einer Unterschätzung, ja Beschönigung der Schwäche des historischen ML einerseits und der Mängel der westdeutschen Zirkelbewegung andererseits, er zeigte sich deutlich in der Analogie zwischen russischer Sozialdemokratie im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts und den westdeutschen ml Kräften, denen man versicherte, ihnen werde es gewiss leichter fallen, die revolutionäre Theorie auf die Höhe der Zeit zu heben, als der damaligen Gruppe 'Befreiung der Arbeit'. Dahinter stand ein grobes Unverständnis der realen Schwierigkeiten, nach den historischen Niederlagen von Komintern und Kominform zu einem zeitgemäßen Marxismus-Leninismus zu gelangen. Man wollte in kürzester Zeit ein 'Fundament' beibringen, so  wie man sich einen Stuhl beschafft, auf dem gut sitzen ist; entsprechend propagierte man ein undialektisches 'Anknüpfen' an vermeintlich 'Altbewährtes'. Dieser falsche Traditionalismus wurde übrigens von demonstrativen Äußerungen gegen ml Prinzipienreiterei begleitet, so dass durchaus der Eindruck tatsächlicher undogmatischer Unbefangenheit entstehen konnte.

In dieser Frühphase ihrer Entwicklung vergrößerte sich zwar die NHT um eine Reihe von 'Ehemaligen' des KABD und KBW, konnte aber nicht verhindern, dass die Hauptmasse der KABD-Abspaltung KAB/RW sich dem KBW anschloss. Eben sowenig gelang es, einen wesentlichen Teil der vielen Klein- und Kleinstzirkel der Jahre 1978/79 an sich zu binden und von der Abwendung vom ML abzuhalten. Der NHT fehlten die konkreten Antworten auf die Fragen, die sich hinter der (damals wieder Aktualität erlangenden) Phrase von der 'Krise des Marxismus' verbargen und verbergen Das besagte Abdriften vom ML konnte die NHT auch beim besten Willen nicht verhindern, da ihr Dogmatismus sowie die ihrer Herkunft aus der 'mI Bewegung' geschuldete eigene theoretische Schwäche ein verständiges Reagieren auf die damaligen Kritiken und Zweifel am ML nicht zuließen. Erst als auch die Semler-KPD von der sogenannten Krise des Marxismus angekränkelt wurde und sich in ihrem Erosionsprozess unter anderem Gramsci und Bloch zuwandte, begannen die führenden Genossen der NHT die Problematik zu erahnen, ohne aber jemals ihre volle Tragweite zu erfassen. Die Redaktion reagierte mit der Intensivierung der „AzD“-Beiratsarbeit und erhob die theoretischen Auffassungen Antonio Gramscis zum internen Arbeitsschwerpunkt. So zum Eintritt in die weltanschauliche Debatte gezwungen, demonstrierte die NHT-Führung aber in der Folge ein ums andere Mal das krampfhafte Bestreben, die ideologiekritische Arbeit abzukürzen und zu verkürzen. Neben Gramsci gestand und gesteht man noch der kritischen Theorie eine gewisse Relevanz zu, zumal sich neuerdings die Erkenntnis breit macht, dass ihr Einfluss auch in der NHT noch nicht gänzlich beseitigt ist. Gipfelpunkt dieses Begründungsansatzes ideologiekritischer Arbeit ist der auf der letzten Beiratssitzung vom Genossen Karuscheit geäußerte Standpunkt, der ideologische Kampf gegen die 'Kritische Theorie’ sei innerhalb der NHT dadurch zum Abschluss zu bringen, dass die Positionen der AWL 'geschlagen' würden. Wir werden diesen Pappkameraden allerdings nicht spielen.

Doch zurück zur NHT-Geschichte. So vordergründig man auf das Thema Gramsci gekommen war - nämlich aus dem Bestreben heraus, politischen Zugewinn aus dem Zerfall der Semler-KPD zu erzielen -, so oberflächlich wurde das Thema behandelt. Weit deutlicher als in der Formierungsphase der NHT zeigte sich jetzt, wie sehr die Gruppe inhaltlich mit der Zirkelbewegung verbunden war und ist. Den 'besten theoretischen Kräften' der NHT fiel nämlich, kaum dass sie ernsthaft in den weltanschaulichen Kampf eingetreten waren, nichts anderes ein, als in der Ritterrüstung der III. Internationalen aufzumarschieren. Der 'Anti-Gramsci' erinnert auf Schritt und Tritt an das niedrige Niveau der ideologiekritischen und ideologietheoretischen Auseinandersetzungen, die die Komintern in den 20er und frühen 30er Jahren bestritt. (Die damaligen Tiefpunkte der Debatte bildeten übrigens die Diskussionen um Lukacs, um die Psychoanalyse und um den Faschismus.) Schlimmer noch, die Autoren sind des Öfteren nicht umhin gekommen, sich bestimmter - wie sie meinen, 'materialistischer' - Theorieleistungen des modernen Revisionismus zu bedienen, ohne über eine Gesamteinschätzung seiner Theorieproduktion zu verfügen. Kurz gesagt, der 'revolutionäre Marxist' Gramsci, dessen Lebenswerk geradezu überdeutlich entscheidende innere Widersprüche der Komintern spiegelt, wird vorgeführt und vermeintlich 'geschlagen' mit Mitteln, die ein Extrakt von Kominternschwächen sind. Der Reprint der Zeitschrift ‚Unter dem Banner des Marxismus’ im VTK weist in die gleiche Richtung:

Man vermutet hier offenbar einen ML, der damals wie heute auf der Höhe seiner Zeit steht und bildet sich ernstlich ein, durch exemplarische Anwendung dieses ML auf Gramsci den entscheidenden Teil der notwendigen Theoriearbeit im weltanschaulichen Bereich hinter sich gebracht zu haben. Wir können an dieser Stelle darauf verzichten, noch einmal die wesentlichen Schwachpunkte des Komintern-Antifaschismus zu beleuchten. Stattdessen möchten wir kurz auf die nur scheinbar sekundäre Psychoanalyse-Diskussion der III. Internationalen eingehen. Freuds Lehre wurde damals von Theoretikern wie Jurinetz und Sapir 'geschlagen', indem sie (durchaus korrekt) nachwiesen, dass sie weltanschaulich vom Materialismus und von der Dialektik abweicht.

Daraus folgerten sie (zu Recht), eine Synthese der Auffassungen Freuds mit dem dialektischen Materialismus sei weder möglich noch wünschenswert. Man warf also einer neuen Strömung bürgerlicher Kulturtheorie letztlich nichts weiter als ihre bürgerliche Herkunft vor, denn genau auf diese Tautologie liefen ja die Bemühungen hinaus, idealistische und metaphysische Strukturelemente der Psychoanalyse zu 'entlarven'. Hier, wie auch im 'Anti-Gramsci', wird vor lauter Begeisterung für eine im schlechten Sinne abstrakte Konfrontation gar nicht gesehen, das man sich um den entscheiden Teil der Auseinandersetzung gedrückt hat: die Beantwortung der Frage, welche realen Vorgänge sich in der Psychoanalyse bzw. in den Theorien Gramscis widerspiegeln, ob der dialektische Materialismus bereits auf diese Vorgänge und Problemfelder angewandt worden ist und mit welchen Resultaten. Wir meinen, dass man bei einer Debatte über solche Kernfragen zentrale Mängel des historischen ML feststellen würde; etwa das Fehlen einer entwickelten Kulturtheorie des Imperialismus, verstanden als Theorie der Ideologie und des Verhaltens von Proletariat, Mittelständen und Bourgeoisie.

Durchaus auch aufgrund der mangelnden konkreten Aktualität des Gramsci-Buches mag die NHT heute nicht einmal mehr in der geschilderten fruchtlosen traditionalistischen Manier über Überbau-theoretische Fragen diskutieren. Vielmehr möchte sie eine auf die politische Ökonomie reduzierte 'Realität' unmittelbar 'durchdringen’. Nur am Rande sei hier die bereits oft gestellte Frage wiederholt: Sind Ideologie- und Überbauprozesse etwa nicht real? Man fühlt sich unwillkürlich an das Märchen vom Schlaraffenland und vom Puddingberg, durch den man sich hindurch essen muss, um dorthin zu gelangen, erinnert, wenn man die „AzD“-Redaktion reden hört, dass man non endlich der politökonomischen Analyse die Priorität einräumen müsse, um zur Erkenntnis gesellschaftlicher Realität und zu politischem Einfluss zu kommen. Plechanows Werk und weltanschauliche Kampfleistungen der Komintern im Hinterkopf, soll es nun darum gehen, alle drei Bände des 'Kapital' und Lenins Imperialismusanalyse auf die wirtschaftliche und politische Wirklichkeit in der BRD 'anzuwenden’ und zu 'aktualisieren'. (Diese Sichtweise ignoriert, wie viele höchst wichtige Andeutungen über die Politökonomie hinaus gerade das 'Kapital' enthält und dass Lenin diese Andeutungen in seiner bewusst  populär gehaltenen Schrift über den Imperialismus nicht aufgegriffen, geschweige denn weiterentwickelt hat.) Es ist eine zwangsläufige, vom jeweiligen Autor unabhängige Folge dieses instrumentalisierenden NHT-Ansatzes, wenn man sich in den lästigen und leider nicht ausschaltbaren Fragen der Basis-überbau-Dialektik sowohl dem Vulgärmaterialismus als auch de schieren subjektivistischen Spekulation hingibt. (Der AKV konnte dies in .seinem Papier über „Ökonomismus und 'gesunden Menschenverstand’“ ja zeigen.)

Es hilft da gar nichts zu beteuern, man sei sich über den 'vorläufigen' und 'offenen' Charakter der eigenen Arbeitsresultate im klaren; die Frage ist doch gerade, warum man heute eine Methodik wählt, die zu gar nichts anderem führen kann als zu solchen, vornehm gesagt, 'offenen' und 'vorläufigen' Aussagen. Die „AzD“-Redaktion ist eben inzwischen bei genau jenem (unterstrichen, d. Verf.) Klassen- und Schichtenmechanizismus gelandet, den man vor Jahren noch korrekt etwa bei Robert Kurz kritisiert hat. Kurz deutete den Zirkelopportunismus bekanntlich als ideologischen Reflex der 'neuen Mittelschichten'. Die NHT will heute die Durchschlagskraft des ideologisch-politischen Profils der Grün-Alternativen Bewegung aus dem Lohnabhängigkeitsverhältnis besagter 'neuer Mittelstände' herleiten und verfällt damit in den gleichen Ökonomismus. Nun sind all diese Fehlhaltungen und Fehlleistungen, die der Plechanow-Etappe ebenso wie die der Gramsci- und der nun eingeläuteten politökonomischen Etappe, nicht Produkt reiner Willkür oder bloßer 'Unfähigkeit’. Sie ergeben sich vielmehr konsequent aus dem stets vorhandenen Wunsch, um jeden Preis (und das heißt hier: um den Preis einer wirklichen Hauptseite Theorie) politisch agil zu sein. Nach den gescheiterten Bemühungen um Fragmente der Semler-KPD ging es unter der Fahne eines 'revolutionären Flügels der linken' munter und genauso erfolglos weiter mit 'bündnispolitischen' Bestrebungen gegenüber dem KBW, mit KB-Kungeleien und dergleichen mehr. Im Sinne 'äußerster Flexibilität' hat die Redaktion, wie aus ihren aktuellen Resolutionen hervorgeht, als neue Zielgruppen 'revolutionäre Kommunisten' und oppositionelle Gewerkschafter ins Visier genommen. Da bei diesen Zielgruppen der Einfluss der 'Grünen' unübersehbar ist, begründet man die Notwendigkeit politökonomischer Arbeit nun damit, dass a) die 'Grünen' von der 'Wirklichkeit' her verstanden werden, b) die bei ihnen gebundenen linken mit imperialismusanalytischer Kost gelockt werden und c) die in den Gewerkschaften relativ starken modernen Revisionisten klassenanalytisch kontra bekommen müssten. Ob es heute sinnvoll ist, in den genannten Bereichen mit den genannten nannten Mitteln aktiv zu werden, wird nicht einmal rhetorisch hinterfragt. Vielmehr steht für die „AzD“-Redaktion kanonisch fest, dass die realen Erfolge sich in dem Maße einstellen werden, wie man sich in dieser Weise wieder der 'Realität' zuwendet.

Damit ist zunächst einmal gesagt, dass man die bisherige eigene Erfolglosigkeit durch ein Zuviel an Theorie und durch zu geringen 'Realitätsbezug’ erklären möchte, dass man auch die eigene jahrelange Arbeit am 'Anti-Gramsci' als bedeutungsloses Zwischenspiel einschätzt, da sie .politisch nicht gefruchtet hat. In letzter Konsequenz ist in dieser Argumentation allerdings mechanistisches Denken angelegt, nämlich die in schlechtester Komintern-Tradition und in der Tradition der Zirkelbewegung stehende Erwartung, in den Massen werde sich, wenn 'schlechte Zeiten‘ anbrechen, eine spontane Hinwendung zu den Propagandisten des ML vollziehen, die durch politökonomische Analyse prognostizierbar sei. Die bitteren Lektionen dieses Jahrhunderts sollten derartige Spekulationen allerdings gerade den Marxisten-Leninisten verbieten. Darüber hinaus zeugt die Vermutung, die Politökonomie sei (kursiv, d. Verf.) der Schlüssel zum Herzen der oppositionellen Kräfte in Westdeutschland, von grober Unkenntnis der dort real vorhandenen Fragen, Motive und Wünsche, Teile der linken Gewerkschafter ausdrücklich eingeschlossen. Der Redaktion ist, um nur ein Beispiel zu bringen, offensichtlich nicht geläufig, dass die kritische Theorie über das SB und seinen Theoretiker Oskar Negt auf oppositionelle Gewerkschaftskreise einen starken Einfluss ausübt und hier die 'undogmatische' Gegenposition zur DKP bildet. Wie komplex das Gebilde 'Westdeutsche Linke' tatsächlich ist und welche Vorarbeiten erforderlich sind, um sich Hoffnung auf propagandistische Einbrüche machen zu dürfen, haben wir schon verschiedentlich darzulegen versucht; an dieser Stelle daher nur der Hinweis auf unser Arbeitspapier zu 'Geschichte und Ideologie der Westdeutschen Linken'.

Zusammenfassend lässt sich zur Entwicklung der NHT sagen, dass sie im Laufe von fünf Jahren ihre formale Programmatik grundlegend ad absurdum geführt - oder anders: dass sie die inhaltliche Verwurzelung dieser Programmatik in Kernfehlern der Zirkelbewegung immer deutlicher zum Ausdruck gebracht hat. Das zeigt sich mittlerweile auch bei der Diskussion NHT-kritischer Beiträge, die genau auf jene unproduktive Pinzipienreiterei heruntergekommen ist, von der man sich 1978 noch zu distanzieren versuchte. Wir halten diese Form der Auseinandersetzung für ungeeignet, unsere theoretische Arbeit zu fördern und vorwärtszutreiben. Für uns ergibt sich daraus die Konsequenz, von der weiteren Mitarbeit an den „AzD“ Abstand zu nehmen. Wir werden unsererseits neue Wege suchen, die Diskussion um und für einen Marxismus-Leninismus auf der Höhe der Zeit zu beleben. Was ist über unsere Entwicklung, über den Wandel unserer Haltung gegenüber der NHT kritisch und selbstkritisch zu sagen? Bezüglich des AKV sei zunächst an das Papier „Zur neuen Strömung“ von 1979 erinnert, wo die NHT in einer Reihe wesentlicher Punkte aus heutiger Sicht treffend, insgesamt aber unsystematisch kritisiert wird. Dem entsprach die falsche Erwartung des AKV bei seinem Eintritt in den „AzD“-Beirat im Frühjahr 1980, tatsächlich an der Entfaltung einer Hauptseite Theorie teilzunehmen. Diese Auffassung konnte allerdings den Rechenschaftsbericht der Redaktion im Spätsommer 1981 nicht überdauern, dessen abenteuerliche Spekulationen, Fehleinschätzungen und Direktiven auch innerhalb der NHT auf zunehmende Kritik stießen. Ein Teil der Verfechter dieser Kritik verband sich im Herbst 1982 mit dem AKV zur AWL, deren Grundpositionen sich folgendermaßen umreißen. lassen:

1. Einschätzung der Zirkelbewegung:
Den Zirkeln kann im Rahmen einer historischen Bewertung nicht das Attribut ‚marxistisch leninistisch' verliehen werden, weil ihr Anknüpfen an den ML ebenso bewusstlos erfolgte wie ihre Zurückweisung des 'westlichen Marxismus'. Der aus dem Politpragmatismus der Bewegung geborene Irrtum, der ML sei unmittelbar zu politisieren, ließ sie an ihrer objektiven Aufgabe, nämlich der theoretischen Rekonstruktion des ML, vorbeigehen und darum scheitern. Als 'Zwischenträger' trug die Bewegung jedoch dazu bei, dass die Aufgabe, den ML auf die Höhe der Zeit zu bringen, überhaupt erkannt und angegangen werden konnte.

2. Definition einer Hauptseite Theorie heute:
Hauptseite Theorie heißt für uns Theoriearbeit in historischem Problembewusstsein. Der ML ist im Licht seiner Niederlagen und Defekte anzueignen, nicht als fertiges Gerät, das lediglich mit aktuellen Daten gespeist werden muss. Ehe der ML auf die Höhe unserer Zeit gehoben werden kann, hat man u. a. zu prüfen, ob er in allen Belangen auf der Höhe seiner Zeit. Es ist unsere Arbeitshypothese und der Grund unserer jetzigen hauptseitig ideologiekritischen Orientierung, dass die heutige relative Stärke und die Angriffslinien linksbürgerlicher Ideologie ein wichtiger Indikator für reale Schwächen der traditionellen ml Theorie sind, dass folglich eine solidarisch-kritische Betrachtung der kommunistischen Arbeiterbewegung sich in dialektischer Beziehung zur Analyse linksbürgerlicher Ideologie vollziehen muss. Linksbürgerliche Ideologie ist dabei für uns kein Gegenbegriff zu pseudomarxistischer politökonomischer Theorie, sondern schließt diese ein.

3. Die Unmöglichkeit politischer Propaganda:
Wirksame kommunistische Propaganda setzt solide theoretische Grundlagen voraus, über die wir augenblicklich nicht verfügen - und über die wir auch niemals verfügen werden, wenn wir uns von der Illusion leiten lassen, es gäbe einen parat liegenden ML, mit dem man sofort der gesamten gesellschaftlichen Realität zu Leibe rücken könnte. Es geht uns zunächst einmal um historische Identifizierung um theoretischen Nachvollzug dessen, was ML war, faktisch ist und zukünftig sein kann. Ihn aktuell anwendbar zu machen, heißt insofern gerade, auf aktuelle propagandistische Einflussnahme zu verzichten. Weder auf die ökopazifistische noch auf die linksgewerkschaftliche Bewegung können wir heute mit Aussicht auf dauerhaften Erfolg propagandistisch Einfluss nehmen. Der ML befindet sich als wissenschaftliche Weltanschauung vollständig in der Defensive, und als Weltanschauung muss er rekonstruiert werden, ehe an politisch-propagandistische Erfolge gedacht werden kann.

Daraus ergibt sich, dass

Unter der Parole, die Diskussion um die nächsten Aufgaben an Hand vorliegender erster Arbeitsergebnisse 'konkret' zu führen, bemüht sich die Redaktion seit kurzem, gegen bestimmte Überlegungen des AKV zu polemisieren, die auf Marxens Fetischismus-Begriff zurück gehen. Das Aufgreifen dieses Begriffs ist ein erster Versuch in Richtung auf die notwendige Weiterentwicklung und Konkretisierung der marxistisch-leninistischen Ideologietheorie, ein erster Arbeitsschritt, ein erstes vorläufiges Arbeitsergebnis und nicht allgemeiner Bestandteil des AWL-Arbeitsplanes. Dieser Ansatz ist vielmehr aus der theoretischen Arbeit des AKV erwachsen, noch bevor es die  AWL gab. Allerdings unterstützt die AWL heute, um hier keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, diese Bemühungen; um eine weitere Entwicklung des Fetischismus-Konzepts, zu dem kurz folgendes gesagt sei: Der AKV betrachtet die Kategorie des falschen Bewusstseins bei Marx, die leider in der Folge von der sogenannten Orthodoxie vernachlässigt und vergessen wurde, dann in die falsche Obhut des Marxologentums geriet, als höchst bedeutsam für eine erfolgreiche Rekonstruktion des ML, vor allem was Fragen der Oberbau- und Ideologietheorie angeht. Er macht sie aber keineswegs zum Fetisch, zum Patentrezept. Wie viel mit dieser Kategorie erklärt werden kann, was zur Komintern-Zeit unerklärt, ja unkommentiert blieb, wird sich zeigen. Dass mit ihr wichtige Erklärungen zustande kommen werden, die jenseits des augenblicklichen NHT-Horizonts und seiner mechanistischen gesellschaftspolitischen Erwartungen liegen, lässt sich aber unschwer voraussagen.

So sehr wir die kritische wissenschaftliche Diskussion um die Bedeutung der Kategorie des Warenfetischs wünschen, so wenig halten wir es für sinnvoll, sie im Rahmen der NHT zu führen, weil dort a priori von der Fehlerhaftigkeit dieses Konzepts ausgegangen wird und von der Notwendigkeit, .es zu 'schlagen'. Abschließend möchten wir noch einmal auf die AWL-Papiere hinweisen, die auf der NHT-Konferenz verteilt wurden, nämlich unsere Resolution zur Beendigung der Zusammenarbeit mit der NHT, das Arbeitspapier 'Geschichte und Ideologie der westdeutschen Linken', das Kritikpapier des AKV zu den „AzD“ 20, „Ökonomismus und 'gesunder Menschenverstand’“. Warum wir gegenwärtig kein Interesse daran haben, gemeinsam mit der „AzD“-Redaktion oder auch gegen sie Anträge an die Gesamt-NHT zu richten, dürfte nach dem bisher Gesagten klar sein; eine ausführliche Begründung gibt die erwähnte Resolution der AWL.

Zum Schluss möchten wir noch bemerken, dass ungeachtet der gegenwärtigen scharfen Differenzen die Zusammenarbeit mit der NHT bzw. die Mitarbeit in ihren Reihen auch positive Aspekte hatte, sowohl im Hinblick auf die persönliche Weiterentwicklung der einzelnen Genossen als auch im Hinblick auf das Vordringen zu den realen Problemhorizonten des Marxismus-Leninismus. Wir werden selbstverständlich bemüht sein, die weitere Entwicklung der NHT kritisch zu verfolgen, und wollen keineswegs den Faden der Diskussion total abreißen lassen.

(Quelle: AKV: Situation der NHT - Positionen der AWL: Referat der Arbeitsgruppe Westdeutsche Linke (AWL) auf der NHT-Konferenz (26. Februar 1983), Köln, 1983.) (180)

26. Februar 1983: Innerhalb der AWL kursiert ein Papier von Hans Kampmann: „Kritische Reflexionen zum AKV-Papier: Bemerkungen zur AWL“. Darin wurde u. a. kritisiert, „dass offensichtlich den Genossen wie zu NHT-Zeiten, das notwendige theoretische Rüstzeug fehlt, entscheiden zu können, was die nächsten, notwendigen Schritte sind ... Der AKV kommt von der Theorie her, die NHT-Opposition jedoch von der Praxis. Das ist der entscheidende Unterschied.“ Notwendig sei es, „die vorhandenen theoretischen Defizite zu beseitigen“. Der AKV würde „insgesamt die AWL falsch einschätzen und überdies das ernsthafte bemühen der Genossen, einen individuellen Schritt nach vorne zu tätigen, unterminieren“. Das Papier des AKV „Bemerkungen zur AWL“, das von Kampmann als „Fehleinschätzung“ interpretiert wurde, da es „zwischen imaginären Theoretikern und dem Fußvolk innerhalb der AWL zu unterscheiden beginnt“, sei „ein Schritt nach rückwärts“. (181)

Februar 1983: Es erschien ein NHT-Arbeitsprogramm als Vorlage für die NHT-Konferenz. Danach stehen auf dem Gebiet der poltischen Ökonomie folgende Aufgaben an: „Imperialismus- und Monopolproblematik, Rolle des Staates im Reproduktionsprozess des Kapitals, der kapitalistische Akkumulationsprozess in der BRD, Nachkriegszeit und Krise, Entwicklung der Klassen und Schichten in der BRD, gesellschaftliche Entwicklung und politische Parteien, das ökonomische System in der DDR und der Sowjetunion ... Auf dem Geschichte/Geschichte der Arbeiterbewegung: Weimarer Republik, Faschismus und Nachkriegszeit, Entwicklung der KPD, Komintern und Kominform, Außenpolitik der Sowjetunion vor und nach dem, 2. Weltkrieg ... Weltanschaulich-philosophisch ist die Auseinandersetzung allerdings nicht im bisherigen Umfang fortzusetzen, insbesondere mit den heute unter dem Einfluss der kritischen Theorie stehenden Auffassungen. 4. Schließlich sollen in den AzD auch politische Fragen behandelt werden (Beispiel der Bonner Regierungswechsel) ... Die Lösung der gestellten Aufgaben setzt voraus, dass unsere eigene theoretische Diskussion sowie die Heranziehung und Herausbildung weiterer Genoss(inn)en verstärkt wird. Zu diesem Zweck wird beschlossen: die Schulungsarbeit auf dem Gebiet der politischen Ökonomie sowie der Geschichte des 20. Jahrhunderts wird verstärkt werden, eine AG „Geschichte der KPD“ wird eingerichtet, die Pol-Ök-AG wird zu geeigneten Themen öffentliche Sitzungen durchführen ...“

Als praktische Zielsetzung wurde formuliert: „Als erstes gilt es nach wie vor, die Einheit der Kommunisten in unserem Land herzustellen. Sie stellt eine objektive Notwendigkeit dar und wäre der nächste praktische Schritt im Aufbau einer revolutionären kommunistischen Partei ... 2. Darüber hinaus müssen wieder Formen einer selbständigen propagandistischen Tätigkeit entwickelt werden, als da sind: eigene Veranstaltungen, Vorträge, Diskussionsrunden etc ... Die dritte ist die organisierte Schulungsarbeit in den bestehenden MEGs sowie die Unterstützung des Neuaufbaus solcher Gesellschaften an anderen Orten zu nennen.“ (182)

Februar/März 1983: Vermutlich erschienen die „Grundsätze der Arbeitsgruppe Westdeutsche Linke“. Danach ist der „Ausgangspunkt der theoretischen Überlegungen der wissenschaftliche Sozialismus, der gemeinsam von Karl Marx und Friedrich Engels begründet und erstmals 1848 im „Manifest der Kommunistischen Partei“ systematisch dargelegt wurde ... Deshalb stellen wir uns bewusst in die Tradition des gesellschaftlichen Trägers der revolutionären Theorie, die Tradition der kommunistischen Arbeiterbewegung. Diese Tradition schließt selbstverständlich auch ihre umstrittenen Repräsentanten wie Josef Stalin und Mao Tsetung ein. Allerdings wirft die Geschichte der Arbeiterbewegung auch große Probleme auf, es gab eben nicht nur bedeutende Siege, sondern auch verheerende Niederlagen, beides gleichermaßen mit der Theorie und der Politik der herausragenden Persönlichkeiten der kommunistischen Bewegung verbunden ...“

Die AWL stand nach den „Grundsätzen“ in der „Tradition der Jugend- und Studentenbewegung“ und der in „ihrer Folge entstandenen sogenannten ML-Bewegung“. „Sie bestimmte unsere individuelle wie gemeinsame Geschichte.“ Daraus ableitend, erklärten die „Grundsätze“, das aus den Mängeln der ML-Bewegung und ihrer „Niederwalzung durch die grün-alternative Bewegung“, sich die „Krise des Marxismus“ besonders zeigen würde. Kleine Gruppen zogen daraus die Konsequenz, dass nun verstärkt die „Theoriearbeit“ in Gang gesetzt werden müsse, um ihre „Versäumnisse der Klassenanalyse“ nachzuholen. Doch auch das sei im Sog des „Praktizismus“ aufgegangen. Wieder andere meinten, „dass die Schwäche und der Niedergang der Bewegung sich aus der Geschichte der Bewegung erklären lassen müsste“.

„Von der Methode dieser Aufgabenbestimmung begleitet, gab sich die Gruppe den Namen Hauptseite Theorie“. Praktisches Ziel sollte für sie sein, „die Bewegung zum Bewusstsein ihrer Selbst zu führen“, um auf „dieser Grundlage ihre Vereinigung herbei zu führen“. Die AWL sehe darin, hieß es weiter, „nur eine Bestimmung der Fehler, die aus quantitativen Mängeln an Theorieaneignung und Abgrenzung von der Studentenbewegung bestehen“ würde. Mit diesen „Differenzen ging man an die nächsten Aufgabenstellungen heran, die Anti-Gramsci Rezeption“, die die Linken, vor allem die zerfallende KPD davon abhalten sollte, in den philosophischen Idealismus“ abzudriften, um auch somit die „Kritische Theorie zu kritisieren“. Von der man meinte, dass sie „hier vordringe“. Der Anti-Gramsci, so die „Grundsätze“, erschien „nach der Auflösung der KPD“ und stieß „innerhalb der Linken auf weitgehende Ignoranz“.

Die NHT sah sich jedoch durch die Schrift „gestärkt in den eigenen weltanschaulichen Grundlagen“. Darauf aufbauend, gedachte man nun, in die „aktuellen politökonomischen Debatten der Linken einzusteigen, um von der philosophischen Abstraktion wieder zu neuer Konkretion zu gelangen“. Für die Minderheit einer Theorie-Gruppe war aber „die Gramsci-Rezeption nur ein einzelner Baustein der notwendigen Vergangenheits- und Gegenwartsbewältigung linksbürgerlicher Ideologie“. In dem Maße, wie der anhaltende Zerfall der Zirkelbewegung all zu große Scheinerfolge der NHT-Konzeption verhinderte, wurde bei der Minderheit die Einsicht befördert, dass weder Umfang noch Tiefe der zu bewältigenden Probleme erkannt sind. Deshalb konstituierte sich die Minderheit zur Arbeitsgruppe Westdeutsche Linke (AWL), die sich ... die Aufarbeitung von Theorie und Geschichte der westdeutschen Linken zur Aufgabe gesetzt hat.“ Die NHT sei jedoch auf dem Weg in „den Politpragmatismus der Zirkelbewegung“.

Ziele der AWL dagegen seien: „1. Rekonstruktion des revolutionären Gehalts des Marxismus. 2. Die linksbürgerlichen Ideologien und relevanten Fragestellungen, die sich daraus ergeben, herauszuarbeiten um darauf erste Antworten zu geben ... 3. Um dann daraus programmatische Positionen zu gewinnen.“ Langfristiges Ziel sei es, „eine ideologische Offensive innerhalb der Linken zu entfalten“, „einen allererste Schritt zu einer praktischen Propaganda unter der Arbeiterklasse zu ermöglichen“, um die „weitere theoretische Arbeit planmäßig anzugehen“. Die „Schlagung linksbürgerlicher Ideologien“ soll mit einer „eigenständigen Publizistik“ geschehen. Die AWL würde desweiteren keine „politischen Positionen entwickeln“ und keine „praktischen Aktivitäten betreiben“. (183)

5. März 1983: Unter Beteiligung von Gelsenkirchener NHT-Mitgliedern wurde in Düsseldorf/Köln ein neues Zeitschriftenprojekt der Arbeitsgruppe Westdeutscher Linker (AWL) projektiert. Titel: „Manifest. Untertitel: Zeitschrift für revolutionäre Theorie oder Beiträge zum wissenschaftlichen Sozialismus“. Themenvorschläge für die ersten Nummern sollten u. a. sein: Neben einem Editorial sollen in der Nr. 1 die Themenschwerpunkte sein: Oskar Negt, in der Nr. 2: Die Maoisten, Nr. 3: Ideologietheorie, Nr. 4: Ideologie des Ökopazifismus. Die Nr.1 soll in folgende Unterpunkte gegliedert sein: Kritische Theorie, Negt und Arbeiterbildung, Leineweber, Schleifstein, Erkenntnistheorie, AWL-Selbstdarstellung, die Nr. 2 in: Robert Kurz und die Dialektik der Studentenbewegung und ML-Bewegung, Frühgeschichte der Marxisten-Leninisten, Kurze Geschichte der KPD/ML, ein Gespräch mit Semler über die Zirkelgeschichte, Zur Geschichtsschreibung der marxistisch-leninistischen Bewegung, zum Charakter der marxistisch-lenininistischen Bewegung, die Nr. 3 in: Warenfetischismus und Entfremdung, Reich und der Freudomarxismus, Klassenbewusstsein und Partei, Kritik des Projekts Ideologietheorie.

Herausgeber der Zeitschrift soll die AWL sein. Ein Verlag müsste noch konstituiert werden, die Auflage sollte 500-750 betragen, die Redaktion sollte aus einem drei- oder vierköpfigen Gremium bestehen, Umfang 80-100 Seiten (Format wie die AzD oder „Kommune“).

In den „Ergebnissen“ der vierten AWL-Sitzung (5. März) wurde festgehalten: „Die AWL stellt der AzD, falls die NHT-Führung daran interessiert ist, das - noch einmal zu überarbeitende - Konferenzreferat zur Verfügung.“ Beschlossen wurden auch die „Grundsätze der AWL für 1983“. Danach ist „1. Die Grundlage der AWL-Arbeit bis auf Weiteres das ‚Düsseldorfer Positionspapier‘ der AWL, das ‚Referat zur NHT‘ Konferenz und die Gliederung ‚Geschichte und Ideologie der westdeutschen Linken‘. Eine programmatische (vorläufige) Grundlage der AWL ist im Laufe des Jahres 1983 zu erarbeiten. 2. Jede/r AWL Genosse/in verpflichtet sich, die theoretische und propagandistische Arbeit der AWL direkt oder indirekt zu fördern, einen (individuellen festzulegenden) Mitgliedsbeitrag zu zahlen und nach Möglichkeit an den ca. sechs jährlichen Sitzungen der AWL teilzunehmen. 3. Die AWL konzentriert sich vorerst auf drei Projekte: Ökopazifismus, Zirkelbewegung, Ideologietheorie mit dem Ziel, im Jahr 1984 eine theoretische Publizistik (in Zeitschrift- oder anderer Form) aufzunehmen. 4. Um ihre Repräsentanz zu sichern, schafft die AWL die Funktion eines Verantwortlichen für die AWL-interne Kommunikation, einen Verantwortlichen für die Gründung eines ML-Forums, einen Verantwortlichen für den Kontakt zu allen ML-Theoriezirkeln, einen Verantwortlichen für die Vorbereitung der anstehenden Publizistik.“

AWL-Vertreter, die auf der NHT-Konferenz anwesend waren, berichten auch vom Ablauf der Konferenz. Danach wurden „sämtliche Resolutionen ... einstimmig angenommen“. Ein Teil der Redaktion soll in gewisser Weise Selbstkritik geübt haben. So hätten sie sich in der „Frage der Politik zu weit vorgewagt“. Berichtet wurde auch, dass der AKV die Auffassung vertrat, „dass der Einfluss der NHT (Strömung) zurückgehe“. Die NHT würde von den vielen Theoriegruppen, die zur Zeit bestehen, „wohl in der Versenkung verschwinden“. (184)

Resolution der AWL (Arbeitsgruppe Westdeutsche Linke) zur NHT-Konferenz am 26./27. Februar 1983.

Die AWL hat auf ihrer Sitzung am 12. Februar 1983 einstimmig folgenden Beschluss gefasst:

Die Mitglieder der AWL stellen ihre Mitarbeit an den AzD und im Beirat der Zeitschrift ein; sie verlassen, soweit sie dort noch organisiert sind, die NHT.

Begründung:

Die Kritik des AKV und wesentlicher Teile der NHT-Opposition an der AzD-Redaktion, in zahlreichen Stellungnahmen und Artikeln seit Herbst 1981 dargelegt und Oktober 1982 in der Substanz von der AWL übernommen, lässt sich grob so zusammenfassen: Die NHT ist dabei, vollständig auf das Niveau der Zirkelbewegung, jene sattsam bekannte Mischung aus Voluntarismus und Praktizismus, zurückzufallen. Die Entwicklung in diese Richtung erfolgte nicht mit strenger Zwangsläufigkeit, war aber schon angelegt in zentralen, nie selbstkritisch aufgearbeiteten Mängeln des 'roten' wie des 'grünen' Buches, vor allem was die Einschätzung von Zirkelbewegung und Weltlage des ML betrifft.

Heute rüstet sich die NHT, ihren papierenen 'Leninismus' den 'revolutionären Marxisten' und 'fortschrittlichen Menschen' der BRD anzubieten, ohne sich noch nach der Tragfähigkeit der eigenen weltanschaulichen Grundlagen zu fragen. Hatte man in der Anfangsphase wenigstens formal an Plechanows Forderung, zeitgemäße 'Ideologen der Revolution' zu schaffen, angeknüpft, sieht man heute seine Aufgabe offenbar darin, ein abstraktes (nämlich aus dem historisch-genetischen Zusammenhang gelöstes) Prinzipien- und Dogmengerippe mit aktuellen politökonomischen Daten und Mutmaßungen zu umkleiden und auf diese Weise zu einem Scheinleben zu erwecken. Der politische Nachtrab, der eiserne Wille, auch unter heutigen Umständen Politik zu machen, bedingt dabei die Festlegung auf bestimmte Themen und Zielgruppen. Dahinter steht die Erwartung, in 'schlechten Zeiten' die Massen gewinnen zu können, wenn man nur das 'Altbewährte' (die theoretischen Leistungen der Komintern in den 2oer und 3oer Jahren) endlich einmal zur letzten Konsequenz, nämlich zur Imperialismus- und Klassenanalyse, triebe.

Die bisherigen Versuche der AWL, die erste Wegstrecke hin zu einer ml Theorie auf der realen Höhe der Zeit zu markieren, sind seitens der NHT-Spitze ganz folgerichtig als 'idealistisch', 'überheblich', ja 'antikommunistisch' denunziert worden. Der Programmatik und den vorliegenden Arbeitsresultaten der AWL wurde nicht inhaltlich, sondern destruktiv aus vermeintlich höherer Warte begegnet, was meist auf eine bloß begriffliche Abwehr oder die angestrengte Aufblähung von Detailkritiken hinauslief. Wenn man überhaupt zur Sache kam, verriet man auf Schritt und Tritt eine falsche Orthodoxie, eine Fixierung auf den schon damals problematischen Theoriestand der Komintern. Dieser Schematismus der NHT-Führung und ihrer engeren Mitarbeiterschaft, gegenüber der AWL vorgetragen mit einem durch nichts gerechtfertigten Alleinvertretungsanspruch in Sachen ML, steht jeder tatsächlich wissenschaftlichen Diskussion im Weg. Es kann indessen nicht darum gehen, einseitig nur der NHT-Spitze Vorwürfe zu machen. Was die sogenannten Basismitglieder angeht, genügt leider die Feststellung, dass sie sich entweder nicht öffentlich äußern oder aber eindeutig positiv zu den Plänen der AzD-Redaktion verhalten, möglicherweise auch aus dem Motiv, der Diskussion, die man 'satt' hat, ohne sie wirklich nachvollzogen zu haben, zugunsten einer faulen Lösung zu entkommen. Auch diejenigen Genoss(inn)en, die aus der NHT ausgetreten sind oder von ihr abrücken, ohne sich der AWL anzuschließen, zumindest aber sich mit ihr auseinanderzusetzen, tragen durch ihre Wortlosigkeit zur negativen Entwicklung der NHT bei. Deshalb erwartet die AWL keine positiven Überraschungen von irgendwelchen Abstimmungen auf der NHT-Konferenz. Sie verzichtet bewusst auf eigene Anträge und geht davon aus, dass die bisherige Führung und die mit ihr verbundene Programmatik sich durchsetzen werden.

In Anbetracht dieser Situation konnte und kann es für die AWL nicht mehr von Interesse sein, sich als bloßer Beitragslieferant und Beiratsdisputant unter NHT- und Redaktionsflagge zu betätigen und damit indirekt einen grundfalschen Kurs zu unterstützen, wie er sich in dem Aufsatz "Ende einer Epoche" überdeutlich abzeichnet. Bestrebt, sich selbst und anderen ml Kräften im Umfeld der NHT ein Organ der theoretischen Arbeit, ein Forum der Auseinandersetzung zu erhalten, hat die AWL vielmehr eine Alternative vorgeschlagen: Sie beliefert und unterstützt die AzD weiter, jedoch nur in klarer Abgrenzung nach leninistischem Prinzip und unter der Bedingung redaktioneller Autonomie. Dieser Standpunkt der AWL wurde der AzD-Redaktion in einer Resolution vom 18. Dezember verbunden 'mit der Aufforderung mitgeteilt, in diesem Sinne eine gemeinsame Stellungnahme zur NHT-Konferenz vorzubereiten. Die seitdem bekannt gewordenen Kompromissvorschläge der NHT-Führung vom 22./23. Januar 1983 (Beiratssitzung) und 9. Februar 1983 (14. Rundbrief der Redaktion) verneinen unsere unabdingbare Forderung nach gleichberechtigter Kooperation bei der Herausgabe der AzD.

Unser Anliegen - Entfaltung unseres Ansatzes zur Rekonstruktion des ML in Debatte mit anderen ml Kräften - ist nach dem bisher Gesagten und Vorgefallenen innerhalb der NHT bzw. im Rahmen der AzD nicht mehr möglich. Wir lösen daher den bestehenden Arbeitszusammenhang auf, werden aber um eine inhaltliche Auseinandersetzung; über Ergebnisse der Theoriearbeit auch weiterhin bemüht sein.

Hermann Anthe, Köln
Hans Kampmann, Gelsenkirchen
Hans Koch, Frankfurt a. M.
Jan Lidtke, Gelsenkirchen
Wolfgang Merlin, Hannover
Erich Meyer, Hannover
Sigmund Piotrowski, Düsseldorf
Paul Rother, Hannover
Peter Stein, Frankfurt a. M.
Wolfgang Wirth, Rüsselsheim

Anfang März 1983: Vermutlich erschienen im März zwei Papiere von Hans Kampmann: „Zur Geschichte der westdeutschen Sexpol-Bewegung“ und „Marxismus und Psychoanalyse“. Sie dienten als sogenannter „Füllstoff“ für die Arbeit „Wilhelm Reich und der Freudomarxismus“, die im Juni vorgelegt wurde. (185)

22. März 1983: In Gelsenkirchen fand eine Kreissitzung der NHT statt. Kritisiert wurde u. a. von Hans Kampmann der „Politpragmatismus“ der NHT und die AzD 20 (1982), wo es hieß: „Schließlich sollen in den AzD auch politische Fragen behandelt werden.“ (Vgl. Redebeitrag des Genossen Kampmann, gehalten auf der Kreissitzung (der NHT Gelsenkirchen) am 22.3.1983, Gelsenkirchen 1983.)

10. April 1983: Schreiben von Armin Kammrad und Otto Bussmann an die AWL. Danach sind sie bereit, „einen neuen Anfang zumindest zu versuchen ... Eine prinzipienlose Werkelei lehnen wir ebenso ab, wie eine Auseinandersetzung ohne Berücksichtigung der konkreten Probleme ...“ (186)

22. April 1983: Schreiben des AKV an Kammrad und Bussmann. Danach seien Gespräche „über Arbeitsergebnisse“ sinnvoll, also „über Resultate des von Euch zentral gesetzten antirevisionistischen Kampfes und unserer schwerpunktmäßigen Auseinandersetzung mit Geschichte und Ideologie der westdeutschen Linken“. „Für den Fall“, so heißt es weiter, „dass ihr eine theoretische Arbeit im Rahmen oder in Assoziation mit der AWL für denkbar haltet, oder anstrebt, sind selbstverständlich auch wir an einer gründlichen, sachbezogenen, gleichberechtigten (aber eben nicht voraussetzungslosen) Diskussion interessiert“. (187)

22. April 1983: Vertreter der „Neuen Düsseldorfer Nachrichten“ verlassen den Kreis. Teile davon streben eine Zusammenarbeit mit der AWL an. „Wir hoffen“, so die AWL, das dadurch „die Beziehungen zwischen NDN und AWL - vor allem die nötige sachliche Auseinandersetzung um Richtung und Ergebnisse der theoretischen Arbeit - nicht belasten wird.“ (188)

23. April 1983: Der AKV lädt zur „fünften AWL-Sitzung“ für den 7. Mai mit einem Tagungsordnungsvorschlag ein: Danach geht es um: 1. Bündnispolitische Berichte und Einschätzungen, insbesondere Diskussion der Jacob-Broschüre „Die Linke und der Schein der Konkurrenz“ (bei G. Jacob, einem der Verfasser der Broschüre, handelte es sich um einen ehemaligen KABDler, der wegen angeblichen „Liquidatorentums“ 1976 unter Getöse und einer Sondernummer des „Revolutionären Wegs“ (Nr.15 „Kampf dem Liquidatorentum“) aus dem KABD ausgeschlossen worden war). 2. Stand der Projekte, Vorstellung neuer Projekte (KPD/ML, Frühgeschichte der westdeutschen Zirkelbewegung, Hauptseite Theorie, Erkenntnistheorie des westlichen und östlichen Marxismus). 3. Interne Regelungen (Form der Publizistik, Organisationsgrundsätze, AWL-Plattform, Observierung des Buchmarktes). 4. Referate zur linken Journalistik. 5. Referate zu: Ökopazifismus, Geschichte des KAB/RW, Entwicklung von G. Jacob, Situation von NDN, Über Natur und Ökologie, Ideologie-Theorie, Linksstrukturalismus, Vorstellung der Posener Schule. Wissenschaftstheorie (Novak), Revisionismus als Nomenklaturfrage. (189)

24. April 1983: Jan Lidtke und Hans Kampmann legen das Papier „Zur Situation der NHT in Gelsenkirchen“ vor. Kritisiert wurde u. a. ein „Politpragmatismus“ der NHT (Diskussion über die Bundestagswahlen 1983 und die Debatte um die Programmatik der Grünen Partei), dass sich „hiesige ml-Kräfte“ durch „die NHT nicht angesprochen fühlen, durch Ignoranz glänzen“, dass aus dem „hiesigen El-Salvador Komitee“ nur eine „Minderheit ... die Diskussionen“ bereichern, dass „nach Austritten aus der NHT“, die „alte ML Bewegung nur noch von dem Duo Schröder/Karuscheit repräsentiert“ werde. Weiter wurde der „Phlegamtismus“ und die „Oberflächlichkeit“ der Sitzungen kritisiert, die die NHT mit Blick auf „die Zielgruppen der Grünen und der Gewerkschaften ... in ein offensichtliches Dilemma“ führe. „Wir geben“, hieß es weiter, „der NHT insgesamt keine große Überlebenschance mehr. Die in die Praxis drängende Basis (siehe Gelsenkirchen) sucht jetzt schon ihr Heil in einer politischer Alternative ... Es wird möglich sein, dass die NHT-Führung wohl noch eine Zeit lang im bisherigen Stile der Nr. 20 der AzD fortfährt. Jedoch wird an dieser Nummer und an der jüngsten Entwicklung sichtbar, dass der Zerfall dieser Strömung vorprogrammiert ist.“ (190)

30. April 1983: Es erschienen die „Zusätze zum Arbeitsprogramm ‚Geschichte und Ideologie der westdeutschen Linken‘ der AWL“. Danach müssten noch aus der „anarchistischen Tradition“ Willy Huppertz, aus der „bürgerlichen Marxologie“ Bochenski, G. Wetter, die „thomistische Marxismuskritik“, die „imperialistische Ostkunde“ (Zeitschrift: „Ostprobleme“), H. Steinberg, N. Lebkowicz, H. Fleischer, unter „kritischem Akademismus“ W. Dreßen („Antiautoritäres Lager und Anarchismus“), unter „Ökopazifismus“ Helmut Reichelt, Ernst Michael Lange, Hans-Georg Backhaus, Hans Friedrich Fulda, Ernst Tugendhat und Friedrich Eberle und Rudolf Hickel aufgenommen werden. Desweiteren, die in der Tradition der „Frankfurter Schule“ stehenden Alfred Sohn-Rethel, Christine Woesler und Helmut Reinicke. Die „extreme marxistische Orthodoxie“ müsse noch konkreter gestaltet werden. Dazu wurden Namen genannt: R. Hickel, E. M. Lange. (191)

Mai 1983: Herausgegeben von der Gruppe Neue Düsseldorfer Nachrichten erschien die „Stellungnahme zu unseren nächsten Aufgaben“. Ausgeführt wurde u. a.: „Unbestritten ist die Notwendigkeit der Hauptseite Theorie. Das Ziel ist die Schaffung eines festen ideologischen Fundaments für die zukünftige Kommunistische Partei und die Entwicklung des Marxismus-Leninismus, um aus der ideologischen und politischen Defensive in die Offensive übergehen zu können ...“ Gegenüber dem AKV/AWL wurde eingewandt: „Die Begründung des AKV für seinen Schwerpunkt ist wohl eine Begründung dafür, warum und was auf dem Gebiet der Weltanschauung gearbeitet werden muss, aber nicht dafür, dass diese Arbeit Hauptkettenglied zur Weiterentwicklung des Marxismus-Leninismus ist - dafür fehlt eben die Abwägung gegenüber dem Zustand der anderen Teile des Marxismus-Leninismus ... Wir kennen also keine berücksichtigende Begründung dafür, dass die theoretische Arbeit auf einem Teilgebiet das derzeitige Hauptkettenglied darstellt. Wenn es also keine Gründe gibt, muss unsere Haltung die sein, die Begründungen für die Arbeit auf dem einen oder anderen Teilgebiet des Marxismus-Leninismus zu prüfen, ungerechtfertigte Verabsolutierungen zu kritisieren, die Untersuchungen auf den verschiedenen Gebieten, soweit wir können, durch Kritik zu fördern und darauf zu achten, dass aus den theoretischen Ergebnissen der verschiedenen Zirkel eine gemeinsame Grundlage für alle Marxisten-Leninisten werden kann. Falsch scheint es somit, derzeit alle Marxisten-Leninisten auf einen theoretischen Schwerpunkt vereinen zu wollen - es sei denn, es gäbe andere gewichtige Gründe ...“ (192)

Mai 1983: Nach dem Papier von NDN: „An den AKV/AWL. Stellungnahme zu unseren nächsten Aufgaben“ planten diese ein eigenes Schulungskonzept, dass sich ähnlich wie die MEG Gelsenkirchen/Frankfurt/M. aufbaute. Der „Stellungnahme zu unseren nächsten Aufgaben“ folgend, sollte dieses Grundlagenkonzept sofort greifen. Geschult werden soll in einem regionalen Kreis: Lenin: „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“, Engels: „Anti-Dühring“, Lemmnitz: „Gegenstand und Methode“, Iljenkow: „Die Dialektik im Kapital“, „Das Kapital“, Bd. 3. Zusätzlich soll Varga geschult werden. Neusüß: “Imperialismus und Weltmarktbewegung des Kapitals“, Oelßner: „Zur geschichtlichen Rolle und zum Begriff des Monopols“. (193)

Mai 1983: Im Mai 1983 erschien die 2. Auflage von „Zur Geschichte der westdeutschen ml-Bewegung“ mit dem Versuch, auf drei Seiten eine Chronik der westdeutschen ML-Bewegung zu schreiben, wobei an der zentralen These der „Zurückweisung des kleinbürgerlichen Sozialismus“ nichts verändert wurde. Allerdings stand hier wieder, was der KGB/E immer wieder vorgeworfen wurde, da sie es nicht eingelöst hätte, die „Klassenanalyse des westdeutschen Imperialismus“ im Vordergrund - und schließlich die „Erarbeitung des Programms der westdeutschen Kommunisten“. (194)

5. Mai 1983: Scheiben der Neuen Düsseldorfer Nachrichten (NDN) an die AWL. Danach hatten die NDN-Vertreter aus Düsseldorf „auf dem AWL-Treffen dem Plan eines ml-Forums zwar grundsätzlich zugestimmt“, machten aber geltend, dass kurz vor der NHT-Konferenz „dieses Vorgehen Eurerseits prinzipienlos“ sei. Abgesehen von inhaltlichen Kritiken an Eurem Papier sind wir nicht bereit, ohne vorherige Auseinandersetzung ein wie auch immer gestaltetes gemeinsames Projekt anzugehen ...“ (195)

5. Mai 1983: Aus der Gruppe Neue Düsseldorfer Nachrichten treten Mitglieder aus und schließen sich der AWL an. (196)

5. Mai 1983: Vermutlich fand am 5.Mai (eine andere Quelle behauptet, dass diese Sitzung am 7. Mai stattfand) eine AWL-Sitzung in Köln statt. Anwesend waren Mitglieder aus Köln, Düsseldorf, Hannover, Gelsenkirchen, Rüsselsheim, Hannover, Frankfurt/M., Duisburg. (197)

19. Mai 1983: Sigmund Piotrowski und Hans Kampmann kritisieren Hoevels Buch „Marxismus, Psychoanalyse, Politik“, dass 1983 erschien. Die Autoren kritisieren Hoevels „Vulgärmarxismus und vulgarisierte Psychoanalyse“. (198)

22. Mai 1983: Schreiben der AWL an vermutlich NDN. Ausgeführt wurde u. a.: „Wir bemühen uns nun schon in mehreren Briefen, Euch klar zu machen, dass a) unsere Positionen und unser Arbeitsprogramm auf dem Tisch liegen; b) Eurerseits keinerlei programmatische Linie erarbeitet wurde, die Äußerungen beschränken sich hier auf Absichtserklärungen; dazu kommen unsystematische Detailausführungen c) wir Eure Kritik des AWL-Positionspapieres für nahezu unfruchtbar halten; sie ist in Inhalt und Stil weiterhin der alten Zirkelbewegung verpflichtet; d) wir nicht daran interessiert sind, auf dieser Basis eine Diskussion zu führen, es sei denn, dass ihr e) eine theoretische Arbeit im Rahmen oder in Assoziation mit der AWL für denkbar haltet oder anstrebt.“ (199)

7. Juni 1983: Nach einem „Einladungsschreiben“ des AKV vom 7.6. soll am 17. Juni 1983 eine AWL-Sitzung stattfinden (vermutlich in Hannover?). Dem Einladungsschreiben liegen folgende Materialien bei: Brief von Armin Kammrad an den AKV, Antwortbrief des AKV an Armin Kammrad, Skript von Jan Lidtke (Gelsenkirchen) zu Leineweber, Brief von Robert Kurz an AKV/AWL, AKV-Anmerkungen zum Einladungspapier der Gruppe ‚Neue Strömung‘, Brief von NDN an AKV/AWL, „Rationalismus-Irrationalismus“ (Sigmund Piotrowski), „Axiomatik, Wissenschaftlichkeit und Naturdialektik“ (Hermann Anthe), „Erkenntnistheoretische Differenzen“ (Hermann Anthe).

Auf der AWL-Sitzung sollen weiter vorgestellt werden: „Wilhem Reich und der Freudomarxismus“ (Arbeit von Hans Kampmann und Sigmund Piotrowski), Begründung des Zeitschriftenprojekts der AWL, Kritik an den Karuscheitschen Thesen zur Weimarer KPD (AKV und Hans Kampmann). Weitere Papiere zu: Monismus, Dualismus, Dialektik, Vorschlag einer AWL-Programmatik, Exposé zu einem Artikel über Engels’ „Ursprung der Familie.“ (200)

11. Juni 1983: Wolfgang Wirth (AWL) nahm an einem Treffen der Gruppe Neue Strömung teil, das am 12.6. fortgesetzt wurde. Anwesend waren: KGB/E, KG-Ulm, eine Bayreuther Gruppe ehemaliger KSG-Mitglieder, Einzelteilnehmer aus München, eine Ludwigsburger Gruppe ehemaliger KABD-Mitglieder, NHT (als Vertreter: Manfred Weiß), die KG Nürnberg/Erlangen (Kurz). Kurz hielt ein einleitendes Referat „Zur Geschichte des KBW“. W. Wirth führte dazu aus: „Dem Grundgedanken, dass der KBW in Person von J. Schmierer nur unzureichend mit der Kritischen Theorie gebrochen habe und dass der Aktionismus der Kritischen Theorie/Studentenbewegung nicht überwunden worden sei und so im KBW weiter leben konnte, wurde widersprochen ... Am Rande der Konferenz zeigte R. Kurz starkes Interesse an einer Zusammenarbeit mit uns (wohl: AWL, d. Vf.), wies jedoch auf seine Arbeitsüberlastung hin. Die Karuscheit-Thesen zur KPD wurden von ihm scharf kritisiert, er sieht in ihnen das theoretische Ende der NHT.“ Themenbereiche für weitere Sitzungen sollten sein: ML-Bewegung und ihre ideologischen Grundlagen, Erkenntnistheorie, Kritische Theorie, Technologiedebatte, Komintern, Sozialismusdebatte, Ökopazifismus. (201)

16. Juni 1983: Der AKV begründet den Plan „einer AWL-Theoriezeitschrift“. Angedacht wurde u. a. die derzeitige „Abwesenheit einer wissenschaftlich-sozialistischen Hauptseite Theorie“ und „eine Publizistik, die perspektivisch über Akademismus und Pluralismus hinausweist“ sowie „Überlegungen zur Krise des Marxismus“, die das „theoretische Interesse für Interessierte“ erst zu wecken hätte. Ausgegangen wurde weiter davon, dass die AWL einen „eigenständigen Beitrag zur Herausbildung einer kommunistischen Linie“ herausfiltern sollte. Desweiteren sei der Faktor „der Theorie-Diskussion in der verbliebenen ml-Theorieströmung Möglichkeiten der Einflussnahme“ eröffnen würde. (202)

Juni 1983: Ehemalige Mitglieder der Gruppe Neue Düsseldorfer Nachrichten (NDN) verlassen die AWL wieder. Kritisiert wurde u. a. die „Verteidigung des Erbens des ML durch die AWL“. Weiter wurde ausgeführt: „Im Großen und Ganzen hält die AWL den ML für einsetzbar ... zumindest auf politischem Gebiet ...“ (203)

Juni 1983: Aus der Feder des AKV stammen die Papiere: „Rationalismus - Irrationalismus. Ein bürgerliches Begriffspaar“, „Axiomatik. Wissenschaftlichkeit und Materialistische Beweisführung“. (204)

Juli 1983: Papier des AKV zu „Revisionismus und Nomenklatur“. Ausgeführt wurde dort: „Die Bezeichnung „moderner Revisionismus“ ist einseitig, sie ist Produkt einer dogmatischen Sicht und Kritik. In dieser spezifischen Konfrontation schlägt sich ein historischer Prozess nieder. Geschichtlich ist der „moderne Revisionismus“ Folge dogmatischer Verabsolutierung eines gegebenen historischen Niveaus des wissenschaftlichen Sozialismus zum verbindlichen Kanon. Diese Kanonisierung erfolgte unter den Begriff des Marxismus-Leninismus; nicht dieser Begriff ist falsch, sondern die Fiktion des abgeschlossenen Systems, die sich damit seit Ende der 20er Jahre verbindet. Die im Zeichen der Kanonisierung vielfach unterbliebene Weiterentwicklung der revolutionären Theorie öffnete eine Schere zwischen den Anforderungen der gesellschaftlichen und geschichtlichen Prozesse und ihrer theoretischen Bewältigung; an die Stelle dieser Bewältigung traten Abschottung und bloße Denunziation.

Das Primat des gesellschaftlichen Seins ist indessen stets nur temporär abzuweisen; unfähig zur qualifizierten wissenschaftlich-sozialistischen Reaktion auf der Höhe der Zeit, wird der Dogmatismus unweigerlich Geburtshelfer des Revisionismus: Unabweisbare Phänomene werden in unmarxistischer, häufig pragmatischer Manier gedeutet. Es entsteht eine Legierung von Dogmatismus und Revisionismus. In die theoretische Starre bricht notwendigerweise die bürgerliche Ideologie ein, marxistische Unfähigkeit und bürgerliches Angebot greifen ineinander. Beim „modernen Revisionismus“ handelt es sich in Wirklichkeit um Dogmatorevisionismus. Der Dogmatorevisionismus ist von den chinesischen und albanischen Kommunisten (wie von der hiesigen maoistischen Bewegung) selbst dogmatisch, mithin rein defensiv bekämpft worden. Er konnte auf dieser Grundlage theoretisch nicht geschlagen werden.

Der heutige Dogmatorevisionismus verbindet falsche Orthodoxie und falsche Beweglichkeit, Versteinerungen und Kominternzeit (z. B. in der Erkenntnistheorie) und Revisionismus (z. B. in der Monopoltheorie). Der Dogmatorevisionismus ist nicht dadurch zu bewältigen, dass diese beiden Konstituenten gegeneinander ausgespielt werden, sondern nur dadurch, dass ihre notwendige Einheit erkannt und kritisiert wird. Die ‚westlich‘ marxistische Bezeichnung „Dogmatismus“ oder „Stalinismus“ für den Dogmatorevisionismus verfehlt die revisionistische, bürgerlich ideologisierte Seite des Phänomens, die maoistische Bezeichnung „Revisionismus“ verfehlt den starken dogmatischen Anteil.

Während der Dogmatismus als hilfloser Versuch eines Festhaltens an revolutionärer Orthodoxie zu werten ist, markiert der Dogmatorevisionismus das Ende der Hilflosigkeit im Sinne des Einbruchs von bürgerlicher Theorie und Theorie. Als allgemeine materielle Basis neuer Verbürgerlichung in den Staaten des „realen Sozialismus“ kann man die fortdauernde Warenproduktion in Abwesenheit eines starken, zeitgemäßen subjektiven Faktors vermuten. Dem hilflosen Dogmatismus kann, mit starken Abstrichen in der Sache, in bestimmten Fällen noch unserer kritischen Solidarität gelten, nicht aber mehr dem Dogmatorevisionismus, der sich bürgerlich gerettet hat ... Der westliche Marxismus ist folgerichtig durch das theoretische Unvermögen und Ausweichen des Komintern-Kommunismus hervorgerufen worden, er oszilliert seitdem in einer Zwielichtzone zwischen Marxismus und bürgerlicher Ideologie, im allgemeinen deutlich stärker zu letzteren hingezogen ...

Die größeren theoretischen Potenzen besitzt insgesamt der westliche Marxismus, vor allem auf dem Sektor Sozialpsychologie bzw. Kritische Theorie des Subjekts, weniger im Bereich der Politökonomie ... Statt der Begriffe „moderner Revisionismus“ oder „Revisionismus“ erscheinen nach dem bisher Gesagten die Begriffe „Dogmatorevisionismus“, östlicher Marxismus oder Sowjetmarxismus präziser und propagandistisch sinnvoller. Besonders der Begriff „östlicher Marxismus“ unterhöhlt den Alleinvertretungsanspruch des real existierenden Sozialismus, ohne gleich wieder denunziatorisch zu sein.“ (205)

17. Juni 1983: Beginn einer AWL-Sitzung, die möglicherweise am 18. Juni fortgesetzt wurde. Als Tagesordnung wurde festgelegt: 1. Die AWL und die Theorieströmungen. 2. Neue Projekte, Stand der alten Projekte (Engels’ „Der Ursprung der Familie ...“, Leineweber, Negative Anthropologie, Natur und Menschenbild in der kritischen Theorie, Der Ökopazifismus in Deutschland 1918-1984), 3. Diskussion über „Erkenntnistheoretische Differenzen“, „Axiomatik“, „Wissenschaftlichkeit“, „Rationalismus-Irrationalismus“ (Notiz über Sohn-Rethel), „Monismus-Dualismus, Dialektik), 4. AWL Programmatik, „Revisionismus und Nomenklatur“, über die Kritik an „Karuscheits Thesen zur KPD und Weimarer Republik“. (206)

10. Juli 1983: Von Hermann Anthe (Köln), Hans Kampmann (Gelsenkirchen) und Sigmund Piotrowski (Düsseldorf) wurde ein 11-seitiges Papier zu „Heiner Karuscheits ‚Zur Geschichte der KPD in de Weimarer Republik’“ erstellt (der Aufsatz wurde in der Ausgabe Nr. 21 der „Aufsätze zur Diskussion“ veröffentlicht, d. Vf.). Kritisiert wurde u. a., dass dieser „vorläufige Charakter“ der Thesen dieselbe Kuriosität beinhaltet, wie seinerzeit das Buch „Zur Geschichte der ml-Bewegung“(1978) , die „trotz ähnlicher Beteuerung (logische, keine historische Untersuchung, nur ein kleiner Anfang etc.) in Wahrheit niemals korrigiert, modifiziert, erweitert oder gar als (partiell) unzureichend verworfen wurde. Nachfolgend in das AzD vorgelegten Arbeiten zum westdeutschen Maoismus lieferten nur das Füllwerk zu dem einmal gezogenen interpretativen Rahmen. Kein Wunder, dass die jüngst von der NHT verabschiedete ‚Resolution: Zur Geschichte der westdeutschen (AzD 21) ml-Bewegung’ nirgendwo über die Karuscheitsche Frühschrift hinausgeht, keine einzige neue oder abweichende Erkenntnis enthält. Eine NHT, wie sie sich nach ihren letzten Konferenzen präsentiert, dürfe weniger denn je in der Lage sein, Kontrolle über ihre Literaten auszuüben. Wiederum (wie seinerzeit durch das ‚Grüne Buch‘) scheint somit das theoretische Terrain maßgeblich abgesteckt.“

Der entscheidende Fehler der Thesen bestehe darin, „dass sie die Theorieschwäche der Weimarer KPD nur als einen Faktor unter anderen behandelt. Die Weimarer KPD war theoriearm, erklärt uns Heiner Karuscheit, aber sie hat darüber hinaus falsche (nämlich ultralinke) Politik gemacht. Statt in der Theoriearmut der KPD den einen Hauptgrund ihrer Entwicklung und ihres Scheiterns zu sehen ... und statt die politischen Fehler (und Verdienste) der Partei konsequent in dieses Koordinatensystem einzuordnen, werden Theorie und Politik der Weimarer Kommunisten auseinandergerissen und jeweils einer Sonderwertung unterzogen. So klagt H. Karuscheit die KPD wiederholt an, sie habe die Einheitsfronttaktik vernachlässigt, die vorab zu stellende Frage, ob eine theoriearme KPD überhaupt zu einer effektiven Einheitsfronttaktik in der Lage sein kann (vor allem wenn deren Ziele offensiver Art sein sollen), wird gar nichts aufgeworfen. Damit impliziert H. Karuscheit nicht weniger als die Möglichkeit einer revolutionären Bewegung ohne revolutionäre Theorie ...

Wir haben unter dem Stichwort ‚Politpragmatismus‘ mehr als einmal zu den falschen Ambitionen und Manövern der NHT-Führung Stellung bezogen und die Zusammenarbeit beendet, als jene politpragmatischen Tendenzen die theoretische Arbeit zu überschränken begannen ... Indessen läuft sein Räsonnement über unterbliebene Bündnis- und Einheitsfrontpolitik der Weimarer KPD auf zwar vage, aber durchaus nicht belanglose Vorstellungen hinaus, in denen Arbeitereinheit und Volkseinheit als unabdingbare Voraussetzung revolutionärer Veränderung gelten und - was außerordentlich folgenschwer ist - gesetzt wird, dass diese Großen Einheiten vorab, vorrevolutionär gründend allein auf Einsicht, selbst herzustellen seien. Es scheint evident, dass der Unterschied eines solchen Konzepts zu einer ‚antimonopolistischen Demokratie‘ lediglich darin besteht, dass die einen ‚es‘ parlamentarisch machen wollen, die anderen am Gewaltdogma als letzter Instanz festhalten - wobei ihnen offenbar nicht auffällt, dass ihre eigne Voraussetzung, jene revolutionsapriorische ‚Große Einheit der Werktätigen‘, den parlamentarischen Weg durchaus offen halten würde ...

Theoriemangel der KPD - auch wir gehen davon aus, halten Karuscheits Beschreibung des Sachverhalts aber im Sinne des eben Gesagten für ganz unzureichend. Betrachten wir den ‚zukunftsweisenden‘ Satz, mit dem H. Karuscheit auf S. 55 seine Thesen beschließt. Abgesehen davon, dass wir es für Lügenprophetie (und nicht etwa für revolutionären Optimismus) halten, wenn hier verheißen wird, der Imperialismus habe einem Schulterschluss von ‚revolutionärer Massenbewegung‘ und KPD ‚wenig‘ entgegenzusetzen (als könne dieser Imperialismus nicht auf hochgerüstete Bürgerkriegsarmeen, eine ausgefeilte militärtechnische Logistik, ganze Systeme der konterrevolutionären Desinformation und Massenmedialen Beeinflussung, schließlich auch auf seine Bündnisse und ausländische Interventionstruppen ein ‚wenig‘ hoffen), scheidet dieser Satz wie selbstverständlich, was nach unserem Dafürhalten nicht geschieden werden kann: die revolutionäre Massenbewegung und die Anleitung dieser Bewegung durch eine theorievolle KP. Gesagt wird hier ja nicht nur, dass eine revolutionäre Massenbewegung ohne anleitende KP scheitern muss, sondern - viel grundsätzlicher - dass sie als revolutionäre Bewegung auch ohne KP im Imperialismus möglich ist. Die Grundlagen dieser Aussage haben wir oben als ökonomistisch bezeichnet, und wir ergänzen, dass dieser Ökonomismus die NHT-Politik seit geraumer Zeit beherrscht; Credo ist es dabei, spontan entstehenden revolutionären Massenbewegungen als marxistisch-leninistisch erachtete Theoriefragmente erfolgreich andienen zu können.“

„‚Nach dem Tod von Franz Mehring‘, lautet die zweite Klage, ‚gab es auch auf dem Gebiet der Geschichte und der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung keine wesentlichen neuen Arbeiten mehr‘ (ebd.). Und drittens darf natürlich die Philosophie in dieser Triade nicht fehlen: Defizitär, so H. Karuscheit, sei zur Weimarer Zeit auch die ‚dialektisch-materialistische Philosophie’ gewesen (ebd.). Daraus ist zu schließen, dass H. Karuscheit mit Philosophie, Geschichtsschreibung und Klassenanalyse alle Probleme der Weimarer Republik (die er wenig überraschend auf Klarheit über den Charakter dieser Republik und auf Klarheit über den Charakter der Novemberrevolution einschränkt) für lösbar hält ... Karuscheits Thesen belegen (einmal mehr) ein ML-Verständnis, demzufolge der wissenschaftliche Sozialismus zu einer, nämlich zu Lenins Zeit jenes unüberbietbare Niveau markiert hat, dass es nun nur noch, und sei es im Jahre 2000, unversehrt zu wiederholen, zu kopieren gilt. Häretiker oder Kritischer Theoretiker, wer in Zweifel zieht, dass der wissenschaftliche Sozialismus heute benutzt werden kann wie ein chirurgisches Instrument, wer behauptet, dass er als solches Instrument überhaupt erst wieder bereitgestellt werden muss. Eben dies behaupten wir aber, und wir werfen der Weimarer KPD vor, dass sie es an dem Bemühen hat fehlen lassen, den Klassengegner auf einem theoretischen Niveau zu bewältigen, das seiner tatsächlichen Gefährlichkeit und Kraft gemäß war ...

Beenden wir diese Abschweifung mit der zur Sache kommenden Feststellung, dass Karuscheits Vorwürfe an die Weimarer KPD ebenso trivial wie unverständig sind; dass Ankläger und ‚Delinquenten‘ letztlich auf dem gleichen theoretischen Grund und Boden fußen, der deshalb keinen sicheren Stand bietet, weil instrumenteller ML und politische Praxis profund unterbaut sein wollen. Zu dieser Untersuchung gehören Kenntnisse von Methodologie und innerer Struktur des Marxismus-Leninismus, gehören wissenschaftstheoretische Reflexion und ideologietheoretische Kritik bzw. Selbstkritik der Träger dieses ML ... die spektakulärsten Thesen Karuscheits sind zweifellos die, in denen das vom Autor behauptete einheitstaktische Versagen der Weimarer KPD erklärt wird (bzw. erklärt werden soll). H. Karuscheit ist der Auffassung, dass sich die breite Mitgliedschaft der KPD - und nach seiner Diagnose vor allem junge, ultralinke Arbeiter - in ihrem voluntaristischen Radikalismus der KPD-Führung politisch mitzuteilen vermochte (vgl. S. 42ff.). Ergänzt um die von Karuscheit herangezogenen statistischen Zahlen, die 1929/30 die Hälfte, 1932 gar 85% der KPD-Mitglieder als Arbeitslose ausweisen (vgl. S. 43), ergibt sich das - von Karuscheit aber nicht vollendete - Bild einer KP, die zumindest in ihren letzten Jahren nicht Partei des Proletariats, sondern des Lumpenproletariats war. Bei solcher Klassenbasis erklären sich das behauptete Abenteurer- und Sektierertum der Partei für Karuscheit natürlich zwanglos ...

Was lässt der NHT-Theoretiker nicht alles außer acht: Etwa: dass die KPD Sektion der Komintern von ihrem politischen Statuts her nicht selbstständig war; laut Satzung erteilte das EKKI seinen Sektionen ‚Direktiven‘, waren die Beschlüsse des EKKI (seit dem VI. Weltkongress) ‚bindend‘ und ‚unverzüglich‘ durchzuführen; dass die ‚ultralinke‘ Taktik keine hausgemachtes Erzeugnis der KPD, kein deutsches Phänomen war, sondern sich der gesamten Komintern seit 1927 durchzusetzen begann, wobei Frankreich den Anfang machte; dass die RGO-Politik in allen Komintern-Sektionen als Vorbild hingestellt wurde; dass die Politik der KPD im wesentlichen auf der Zusammenbruchstheorie beruhte, die wiederum nicht ihr Eigenprodukt war und als Erbe der II. Internationale zu betrachten ist (wo sie mit dem Sozialdarwinismus verbunden war); dass die KP, in ihren Finanzen durch die zahlreichen Wahlkämpfe erschöpft, zumindest ab 1931 finanziell von Komintern und Sowjetunion abhängig war (ein vielleicht unangenehmes, aber nicht zu verschweigendes Detail); dass die Mitgliederbasis der KPD angesichts einer unterentwickelten innerparteilichen Demokratie und der bestimmenden Rolle der ,von der Zentrale eingesetzten Sekretäre gar nicht jenen direkten Einfluss nehmen konnte, den H. Karuscheit unterstellt; dass der hohe Fluktuationsgrad in der KPD-Mitgliedschaft, der 1932 80%, 1929/30 sogar 100% der Mitglieder umfasste (am häufigsten erfolgten solche Wechsel übrigens 1931/32 von der und zur SA), einen kontinuierlichen Einfluss der Mitgliederbasis auf die Parteiführung erschwerte, wenn nicht verunmöglichte ...

Die Chuzpe, mit der Karuscheit seine ‚Einsichten‘ vorträgt, ist umso erstaunlicher, wenn man sie an dem herangezogenen Belegmaterial bemisst. Zugrunde liegen die 56 Leitgedanken zur Weimarer Republik und zur KP dieser Zeitspanne vielleicht drei Dutzend Quellen- und Sekundärwerke (vgl. S. 55-62). Wir vermissen darunter wichtige und wichtigste Titel. So fehlt etwa das faktenreiche (und von uns benutzte) Buch von Siegfried Bahne ‚Die KPD und das Ende von Weimar‘, es fehlt Thomas Weingartners Untersuchung ‘Stalin und der Aufstieg Hitlers‘, es fehlt das bei allem Subjektivismus und aller Ranküre als Quelle unverzichtbare Werk der kurzzeitigen KPD-Vorsitzenden Ruth Fischer ‚Stalin und der deutsche Kommunismus‘, es fehlt P. H. Langes ‚Stalinismus versus Sozialfaschismus‘ und ‚Nationalfaschismus‘. Wir reden gar nicht von der im Einzelnen sehr aufschlussreichen Zeitschriftenliteratur, die Karuscheit fast völlig übergeht, sprechen wir aber von den Originalquellen, auf die sich derartig anspruchsvolle Thesen durch wohl skrupulös stützen sollten. Unzweifelhaft hat Karuscheit aber sogar die gründliche Sichtung der (nur einmal von ihm zitierten) KPD-Theoriezeitschrift ‚Die Internationale‘ versäumt; genau sowenig hat er sich über sein Thema in der EKKI-Wochenzeitschrift ‚Die Kommunistische Internationale‘, in der organisationspraktischen Zeitschrift der KPD ‚Der Parteiarbeiter‘ oder auch in der 1981 von Hermann Weber unter dem Titel ‚Generallinie‘ herausgegebenen, ganz wesentlichen Sammlung von 92 Rundschreiben des ZK der KPD an die Bezirke (in den Jahren 1929-1933) informiert ...“

Ebenso, so die Kritik, sei „das Korpus von Dokumenten, das zur Verfügung steht, akribisch (nicht) berücksichtigt worden. Es verwundert angesichts eines ebenso thesenmächtigen wie belegarmen Laisser-faire in Quellenfragen kaum noch, dass Kritik und Wertung der KPD-Aussteiger und Ausgeschlossenen an der Mutterpartei von Karuscheit nicht erfasst worden sind. ‚Die Fahne des Kommunismus‘, die von H. Urbahns edierte ‚Zeitschrift der orthodoxen Marxisten-Leninisten (1927-1933), ist ihm, obwohl das Reprint leicht zugänglich, so unbekannt wie das Organ der trotzkistischen ‚linken‘ Opposition in der KPD, die ‚Permanente Revolution‘, die seit 1931 erschien ... Unser Resümee kann nach dem Gesagten knapp ausfallen: Karuscheits Thesen sind Mutmaßungen, über den Daumen gepeilte Einschätzungen, aber auch Transportmittel aktueller NHT-Positionen; ihre Freizügigkeit ist die Freiheit der Unwissenheit, umso eher setzt sich in den Auslassungen der für Karuscheit charakteristische Ökonomismus und Spontaneismus fest, der sich im Ruf nach einer theorielosen Einheitsfrontpolitik der KPD Luft macht; schließlich erscheint das Theorieverständnis des Verfassers seinem Gegenstand so adäquat, dass es unzureichend ist. Thesen zur Geschichte der Weimarer KPD. Sie bleiben zu schreiben. (207)

20./21. August 1983: Nach vorliegenden Informationen verlässt Jan Lidkte die AWL bis spätestens 3. September. (208)

27. August 1983: Es erschien ein 9-seitiges „Positionspapier des AKV“. Einleitend hieß es: „Eine nicht mal vom Anspruch her marxistische Bewegung, der Ökopazifismus, überlagert und fasziniert seit geraumer Zeit die marxistische Linke Westdeutschlands. Im Kraftfeld grüner Ideologie erstirbt die Studentenbewegung als politischer Faktor. Als solcher hatte sie sich in Gestalt des westdeutschen Maoismus mit seinen verschiedenen Kleinparteien und Bünden über die siebziger Jahre gerettet. Wir verstehen also, entgegen gängiger Auffassungen, die sogenannten K-Gruppen nicht als qualitativ neue Stufe gegenüber der Studentenbewegung, sondern als Studentenbewegung in neuer, radikalistischer Form ... Die Zirkelbewegung erlebte ihre Scheinblüte Ende der sechziger/Anfang der siebziger Jahre, um alsbald an ihrem unerbittlichen Voluntarismus, am Widerspruch von extremen Einsatz und extremer Erfolglosigkeit, vom höchsten Anspruch an die eigene soziale Rolle und bescheidenster Organisationsrealität, aber auch an der internationalen ‚antirevisionistischen‘ Misere mit Drei-Welten-Theorie und chinesisch-albanischer Entzweiung zugrunde zugehen. Bar jeder selbstreflektorischen, selbstkritischen Kraft und ohne marxistische Grundlagen, bleib der westdeutsche Maoismus, wie insbesondere seine Niederganszeit bezeugt ... eine spontane Bewegung ... Die Mitglieder der AWL haben fast ausnahmslos Organisationen der ‚marxistisch-leninistischen‘ Bewegung durchlaufen ... Konkret vollzog sich der Ablösungsprozess in der Auseinandersetzung mit der sogenannten ‚Hauptseite Theorie‘, einer kleinen, aus der Krise der Zirkelbewegung hervorgegangenen Vereinigung, die ihrerseits den westdeutschen Maoismus als theoriearm, aber im Kern gesund analysiert hatte und sich den bröckelnden Organisationen durch gute Ratschläge dienstbar zu machen suchte. Als Wunschziel galt (und gilt) ihr der Zusammenschluss des maoistischen Sektierertums auf verbesserten theoretischen Grundlagen, worunter man sich einen mumifizierten Marxismus-Leninismus der zwanziger Jahre, versetzt mit aktuellen Daten vorzustellen hat, keinesfalls aber eine umfassende theoretische Bestandsaufnahme, geschweige denn Ansätze einer theoretischen Weiterentwicklung des wissenschaftlichen Sozialismus.“

Aus diesen gravierenden Niederlagen ableitend erklärte der AKV seine Perspektiven: „Heute sei vor allem notwendig, zuallererst theoretische Arbeit zu leisten. Nicht in dem oberflächlichen Sinne, dass es noch hier und dort einige Lücken zu schließen gälte, oder dass die Fragen, die durch spontane Bewegungen, gewerkschaftliche und demokratische Kämpfe etc. aufgeworfen werden, unmittelbar zu beantworten wären ... Indem wir dafür plädieren, den wissenschaftlichen Sozialismus im Sinne einer neuen revolutionären Orthodoxie zu entwickeln, nehmen wir offensichtlich Setzungen vor. Setzungen insofern, als wir damit von vornherein anarchistische, utopisch-sozialistische und linksreformistische Vorstellungen als indiskutabel ausklammern ... Woran also halten wir prinzipienhaft fest? An der ‚Arbeiterklasse‘ als revolutionärem Subjekt, an der kommunistischen Partei als zentralem Organ des proletarischen Befreiungskampfes, am revolutionären Übergang zum Sozialismus, an der Diktatur des Proletariats. Dass mit solchen Prinzipien allein, die durch theoretische Arbeit mit historischem Inhalt zu füllen bleiben, keine Politik zu machen ist, versteht sich. Dazu sind sie auch nicht gedacht. Als politische Hypothesen strukturieren sie aber die theoretische Arbeit und geben nicht zu unterschätzende politische Orientierungshilfen. Zugleich mögen sie signalisieren, dass die von uns vorgeschlagene theoretische Arbeit keine akademische ist, sie hat politische Grundlagen und verfolgt politische Ziele.“ (209)

15. August 1983: Dr. Fritz Erik Hoevels, Psychoanalytiker und Herausgeber von „Marxismus, Psychoanalyse, Politik“ antwortet auf das Reich-Manuskript von Sigmund Piotrowski und Hans Kampmann. (210)

3. September 1983: Es fand ein Treffen der AWL (vermutlich) in Düsseldorf statt, auf dem behandelt werden sollte: Diskussion über das Projekt Zeitschrift/Schriftenreihe, Diskussion über den Reich-Artikel von Hans Kampmann und Sigmund Piotrowski, Studien zur Zirkelbewegung, Recherchen zum Ökopazifismus, Negt-Aufsätze, Engels-Kritik, Referat zum Kominform (Hans Kampmann). (211)

September 1983: Es erschien die Nr. 23 (1983) der „Aufsätze zur Diskussion“. Artikel waren: Heiner Karuscheit/Alfred Schröder: „Friedensbewegung und deutsche Frage“, Manfred Weiß: „Einigungsbemühungen der KPD“, Klaus Aresti: „Über die Kritik am grünen Wirtschaftsprogramm“. Die MEG kündigte eine Urlaubsschulung zum Jahreswechsel 1983/84 an. Sie soll beginnen am 26.12.1983 und bis zum 8.1.1984 dauern. Wie immer ging es um den „Anti-Dühring“ (Engels), um „Das Kapital“ (Marx) und um Deutsche Geschichte. (212)

6. Oktober 1983: Der AKV formuliert in einem Brief an die „Chronikverfasser“, dass die „Faktizität einer solchen Chronik über Karuscheits ‚Grünem Buch‘ als auch Kurz ‚1968‘ hinauszugehen“ hätte. In den Publikationen der AWL würde sie „umfangmäßig den Hauptteil ausmachen; ihr sollte eine ca. 30seitige Wertung der westdeutschen ‚ml-Bewegung‘ vorausgehen“. Eine einleitende Wertung solle vom AKV dazu bis Februar/März 1984 als „Manuskript geliefert und der AWL zur Kritik übergeben“ werden. (213)

19. November 1983: Nach den „Aufsätze zur Diskussion“ Nr. 23 (1983) führte die Redaktion „eine Leserkonferenz“ durch. Themen seien „Friedensbewegung und deutsche Frage, Gesicht der AzD“. (214)

9. November 1983: Kritik eines Gelsenkirchener AWL-Vertreters am AKV. Ausgeführt wurde u. a. „Insgesamt steht die AWL am Scheideweg, da sie zu selbstsicher sei und einen gewissen Traditionalismus in sich trage.“ (215)

November 1983: Es erschien die Nr. 24 (1983) der „Aufsätze zur Diskussion“. Schwerpunkt der Ausgabe war: „Allgemeine Krise und Stamokap-Theorie“. Weitere Themen waren: Die Friedensbewegung der 50er und 60er Jahre, der revolutionäre Prozess in Lateinamerika, zur Geschichte der Komintern, Entwicklung der Theorie des staatsmonopolistischen Kapitalismus, ökonomische Entwicklung und politökonomische Theoriebildung, Klassenbegriff der SOST, das Geheimnis des Warenfetischs, Einheit der Kommunisten. (216)

November 1983: Sigmund Piotrowski beendet sein Manuskript: „Oskar Negt - Oder die Grenze der kritischen Theorie.“ Das Manuskript war ca. 180 Seiten stark. (217)

3. Dezember 1983: Es fand eine AWL-Sitzung statt. Die Tagesordnung war: 1. Die AWL im ersten Jahr (Einschätzung des Geleisteten, Einschätzung der vorhandenen Kräfte, Kassenbericht), 2. Die Positionen der AWL (Diskussion des AKV-Positionspapiers: Wo stehen wir in der Linken? Worauf stützen wir uns? Worauf wollen wir hinaus? Traditionalismusfrage, Verhältnis zu den Klassikern.). 3. Diskussion über: Axiomatikpapier, Negt-Teilmanuskript, Erkenntnistheorie, Papier: Die Zukunft der AWL, Stellungnahmen von Hans, Erich, Alfred. 4. Diskussion der AWL-Taktik. 5. Die Zukunft der AWL (Organisationsform, Schriftenreihe, Arbeitskapazitäten, Projekte der Verantwortlichkeiten, Fragen der inneren Vereinheitlichungen. (218)

4. Dezember 1983: Nach Vorstellungen der AWL soll an folgenden Projekten gearbeitet werden: Chronik und Wertung der Westdeutschen Zirkelbewegung, Natur und Materie bei Ernst Bloch, 68er Bewegung, Komintern-Chronik, Proletarischer Substantialismus in Lukacs „Geschichte und Klassenbewusstsein“, Kritik des Arbeitskreises Ökologie und Marxismus, Marx und der proletarische Substantialismus, Falsches Bewusstsein, Kritik des Linksstrukturalismus, Sozialdarwinismus und Sozialdemokratie, Oral History als linke Ideologie. Eine Herausgabe der ersten „Chronik der Westdeutschen ML-Bewegung“ mit ca. 100 Seiten ist von Hans Kampmann (Gelsenkirchen) und Wolfgang Merlin (Hannover) für den Herbst 1984/Frühjahr 1985 anvisiert. (219)

18. Dezember 1983: In der AWL wurde das Manuskript „Ökologisch-Marxistische Arbeitspapiere“ von das Jens Scheer/W. Euler kritisiert, dass eine „theoretische Auseinandersetzung nicht fruchtbar erscheinen“ lasse. (220)

20. Dezember 1983: Einige AWL-Mitglieder kritisieren das Papier von Sigmund Piotrowski „Zur Krise des Marxismus“. U. a. wurde ausgeführt: „Hier wird wieder einmal abstrakt politisch diskutiert, hier wird von ‚Geburtsfehlern‘ geredet, die in einer fehlenden klaren Strategie der KI begründet sind ... Als ob wir uns heute primär damit beschäftigen können, welche Politik der Komintern falsch und welche richtig war. Eine solche Fragestellung wird erst dann relevant, wenn es uns gelingt, das Problemfeld KI von einer ganz anderen Perspektive zu problematisieren: nämlich ausgehend von der Eingrenzung der Widersprüche ausgehend, die Widerspiegelungstheorie in der Gesamtheit zu beschreiben.“ (221)

26. Dezember 1983: Beginn einer Winterurlaubsschulung der Marx-Engels (Bildungs-) Gesellschaft. Sie soll bis zum 8.1.1984 dauern. Themen sollen u. a. sein:

Dezember 1983: Vermutlich kursierte innerhalb der AWL das handschriftlich formulierte Papier „Monismus, Dualismus, Dialektik. Drei Begriffe und ihre Bedeutung in der erkenntnistheoretischen Diskussion“. (223)

Ende 1983: Vermutlich bis zum Jahresende legte Wolfgang Wirth von der AWL ein erstes Manuskript zu Oskar Negt vor. Titel: „Soziologische Phantasie und exemplarisches Lernen als Mittel zur Rekonstruktion von Klassenbewusstsein.“ (224)

1984

Januar 1984: Die AG Politische Ökonomie kündigte für Januar/Februar 1984 ein Wochenendseminar zu den Themen „Unterkonsumtion, Krisentheorie und alternative Wirtschaftspolitik“ an. Das Seminar soll sich „in erster Linie an gewerkschaftlich aktive Genoss(inn)en“ richten. (225)

8. Februar 1984: Armin Kammrad (München) schreibt dem AKV. U. a. wurde formuliert: „Eine der wichtigsten Aufgaben der Marxisten-Leninisten besteht deshalb gegenwärtig auch darin, den konkreten Nachweis zu führen, dass der Marxismus im Laufe der Geschichte eine Entwicklung durchgemacht hat, die Ausdruck der inneren Geschlossenheit und damit seiner revolutionären Potenz und stärke ist. Bezogen auf euer Positionspapier hielt ich deshalb für sinnvoller, die Frage nach der Homogenität des Marxismus in den Mittelpunkt zu stellen, anstatt dieser abstrakten Behandlung des Problems und der im Papier vorhandenen Sympathie mit Konzepten, die ohne klassenkämpferische Substanz und entsprechenden Analysen eine eigene Gleichförmigkeit aller Entwicklung in der Sowjetunion durch Begriffe wie ‚Legitimationswissenschaften‘, Deduktion der Naturdialektik auf die Gesellschaft‘ oder ‚östlicher Marxismus‘ postulieren ... Wäre es vielleicht nicht sinnvoller, zu einer ganz konkreten Frage, Richtung oder aktuellen Entwicklung Position zu beziehen, als den fragwürdigen Versuch zu machen, eine umfassende Positionsbestimmung vorzunehmen, bei der das Konkrete sich bis zur Unkenntlichkeit verflüchtigt?“ (226)

13. Januar 1984: Die vorgelegte Maoistenchronik von Hans Kampmann, die bereits der 2. Entwurf ist (im Jahre 1982 wurde an einem ersten Entwurf gearbeitet, d. Vf.), wird in der AWL kritisiert. Danach soll „mehr Schwergewicht auf die Erarbeitung des Arbeiterbundes, KABD/MLPD, KB, KBW, KPD (AO), KPD/ML gelegt“ werden. Zusätzlich „jeweils ein knappes Gesamtbild der Organisationen, kleinere Zirkel, Zirkelvorläufer oder Retrogarden wie etwa SALZ, KGB(E), MLD können dagegen im Rahmen des Abkürzungsverzeichnis ‚erledigt‘ werden ... Realistisches Ziel ist es, bis zur AWL-Sitzung Anfang März eine entsprechend verbesserte Erfassung der Chronik vorzulegen“. (227)

21. März 1984: Hans Kampmann (Gelsenkirchen) legte das Papier: „Einige Überlegungen zu Robert Kurz ‚1968’“ vor. Kritisiert wurde u. a.: „Kurz gelingt es nicht, ‚maoistische Traditionen‘ zu überwinden. Sicherlich ‚träumt‘ er von irgendeiner sich neu bildenden Bewegung, aber er bleibt in seinen Urteilen und Setzungen naiv, vulgärmaterialistisch und zirkelboniert ... Kurz will eine ‚proletarische Avantgarde‘, die aus fortschrittlichen Arbeitern‘ bestehen soll. Was das ist, wird ... unerkannt bleiben müssen ... Kurz erweist sich hier als Politpropagandist und Politpragmatist. Er setzt auf eine ‚jugendlich bewegendes Element des Proletariats‘, das sich zu einer ‚proletarisch-revolutionären Richtung‘ formieren kann ... Kurz zeichnet ein Bild von der Jugend- und Studentenbewegung, die nicht nur positiv war, sondern- glaubt man seinen Argumenten- an den Grundfesten des gesellschaftlichen Systems rüttelte.“ (228)

21. März 1984: Hans Kampmann (Gelsenkirchen) kritisiert Sigmund Piotrowskis Papier „Zur Krise des Marxismus. Und seinen Bekennern.“ Eingewandt wurde entgegen dem AWL-Positionspapier vom Dezember 1983, dass davon ausging, „ernsthafte Schritte zur Beseitigung der ‚Krise‘ des Marxismus einzuleiten“, dass „wir heute erahnen, dass Marx selbst nur bedingt fähig war, in seiner Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft über sie selbst hinauszugehen. Rekonstruktion des wissenschaftlichen Sozialismus muss daher bis auf Marx zurückgeführt werden, wenn wir nicht selbst in die alten Schemata des ‚fertigen Marxismus‘ zurückverfallen wollen.“ (229)

21. März 1984: Es erschien ein Papier von Hans Kampmann: „Einige Überlegungen zu Robert Kurz ‚1968’“. Kritisiert wurde u. a. das „politische Programm“, wonach es die Aufgabe sei, „eine proletarische Avantgarde zu bilden“, die aus „fortschrittlichen Arbeitern bestehen soll“. Robert Kurz würde sich hier als „Politpropagandist und Politpragmatist“ erweisen. Weiter hieß es: „1968 vermag keine Perspektive zu eröffnen. Es suggeriert dem Leser eine Bewegung, von der bis heute nicht klar ist, was sie ist, woher sie kam, wie sie einzuschätzen ist. 1968 ist unwissenschaftlich, trägt letztlich zur Klärung keiner einzigen Frage bei.“ (230)

9. Mai 1984: Eine Geschichts-AG des Gelsenkirchener AzD-Kreises lädt zu einem Seminar am 19./20.5.1984 zum Thema: „Weimarer Republik und Faschismus“ ein. Die zweitägige Veranstaltung sollte in den in den Räumen der MEG, Gelsenkirchen, Holbeinstraße 3, stattfinden. Am ersten Tag sollte ein „Einführungsreferat“ über die „Ergebnisse und Forschung zu Weimarer Republik und Faschismus“ gehalten werden. Am zweiten ein „Einführungsreferat zur Faschismusdiskussion in der Arbeiterbewegung“. An die Referate sollte sich jeweils eine Diskussion anschließen. Für das Einladungsschreiben zeichnete H. Karuscheit verantwortlich. Die AWL wurde zu diesem Seminar „ausdrücklich“ mit einem Schreiben vom 2. April eingeladen. (231)

19. Mai 1984: In Gelsenkirchen begann vermutlich ein Geschichtsseminar zur Thematik: „Weimarer Republik und Faschismus“. Am nächsten Tag sollte das Seminar mit dem Thema „Faschismusdiskussion in der Arbeiterbewegung“ fortgesetzt werden. (232)

2. Juni 1984: Gespräch des AKV mit Lothar Wolfstetter (Materialis-Verlag) zum Zwecke der Diskussion über das Negt-Manuskript von Sigmund Piotrowski. (233)

25. Juni 1984: Diskussion der AWL mit NDN. Danach „beharren NDN in allen wesentlichen Punkten auf den Positionen, die sie in ihrer „Stellungnahme zu unseren nächsten Aufgaben“ vom Mai 1983 formuliert haben. Eine radikale, d.h. kritisch auf die Wurzeln des Marxismus blickende marxistische Selbstvergewisserung lehnen sie zwar nicht generell, aber als Leitlinie ihrer eigenen Arbeit ab. Das heißt: Das traditionalistische Verständnis des Verhältnisses von dialektischem und historischem Materialismus bleibt - bis auf weiteres - in Kraft. Dieser Basis aufsitzend, will man, wie schon mehrfach angekündigt, die ‚Monopolfrage‘ in Angriff nehmen. Bisher hat man anhand von „Argument“-Sonderbänden einige westliche marxistische Monopolkonzeptionen nachvollzogen und will auch in der näheren Zukunft kritisch rezipieren, nicht etwa eigenschöpferisch monopoltheoretisch arbeiten. Der AWL-Ansatz wird von NDN nicht prinzipiell angegriffen ... aber aus taktischen Gründen für bedenklich gehalten. Insgesamt zeigt die Gruppe trotz der ausdrücklichen Bereitschaft, mit uns im Herbst konkret über das Reich-Manuskript zu diskutieren, keinen Sinneswandel, der die Zuordnung zur ‚alten Hauptseite‘ Theorie in Frage stellen würde.“ (234)

30. Juni 1984: Vorankündigung des AzD-Kreises Gelsenkirchen zu einem Wochenendseminar der Politökonomie-Arbeitsgemeinschaft zum Thema „Automation und Arbeitszeitverkürzung“. Es soll bis zum 1.7.1984 dauern. (235)

1984: Innerhalb der AWL sollen u. a. studiert und diskutiert werden: Friedrich Tomberg: „Von der Kritischen Theorie zur wissenschaftlichen Weltanschauung“, Bode von Greiff: „Gesellschaftsform und Erkenntnisform.“ (236)

August 1984: In Gelsenkirchen erscheint ein 2. Exposé zur „Westdeutschen Linken nach 1945. Zur Jugend- und Studentenbewegung“. Der Verfasser ist Hans Kampmann. (Anmerkung: Aufgrund des Umfangs kann es hier im Detail nicht wiedergegeben werden.) (237)

12. August 1984: Schreiben der AWL an Jens Scheer zu den Arbeitspapieren der Gruppe „Ökologie und Marxismus“. In dem Brief wurde u. a. ausgeführt: „Wir nennen uns Arbeitsgruppe Westdeutsche Linke (AWL), weil Geschichte und Ideologie eben dieser westdeutschen Linken unseren thematischen Schwerpunkt bilden (vgl. das entsprechende Exposé). Ähnlich wie bei Euch handelt es sich bei uns um Ex-Maoisten, die hauptseitig theoretisch tätig sind. Bis Anfang 1983 standen wir in relativ engem Kontakt zur sog. NHT bzw. Zur Redaktion der „Aufsätze zur Diskussion“. Der Bruch erfolgte, weil uns das NHT-Bewusstsein einer ‚Krise des Marxismus‘ bei weitem zu oberflächlich und von einem verhängnisvollen Pragmatismus begleitet erschien ... Im Gegensatz zu Euch stellen wir die ökologische Programmatik und die ökopazifistische Bewegung nicht in den Mittelpunkt unserer Betrachtungen; was uns aber mit Euch verbindet, ist der Versuch einer kritisch-historischen Betrachtung des wissenschaftlichen Sozialismus, wobei ich (wir, d. Vf.) besonders an die Überlegungen des Gen. Heuler zur Geschichte des Fortschrittsbegriffs denke.

Mitglieder unseres Kreises haben sich seit 1974 näher mit dem westlichen Marxismus beschäftigt. Eine späte Frucht dieser Auseinandersetzung ist der beiliegende Artikel zu Wilhelm Reich von 1983. In dem auch deutlich wird, welche Bedeutung wir den Mängeln der marxistischen Erkenntnistheorie beimessen. Wie Ihr allerdings mit anderer Begründung - gehen wir von der großen Bedeutung und Aktualität der Warenfetischismustheorie Marxens aus. Nach Lektüre einiger Eurer Arbeitspapiere sind wir der Meinung, dass ein Gedankenaustausch zwischen unseren Gruppen für beide Seiten nützlich wäre ...“

Zusammenfassend heißt es zu „Ökologie und Marxismus“: „Die Arbeitsgruppe biete, zusammengehalten durch das Bestreben, ökologische Probleme marxistisch zu durchdringen (und somit auch praktizistisch, nämlich an der grünalternativen Bewegung orientiert?) das Bild eines „verschämten“ Eklektizismus, wobei aber fruchtbare Ansätze keineswegs fehlen ...“ (238)

27. September 1984: Rundschreiben an die AWL-Mitglieder mit folgenden Papieren: Kurze Überlegungen zur AWL-Publizistik (Hans Kampmann), Kurze Stellungnahme zum Papier von Paul Rother aus Hannover (Hans Kampmann), Überlegungen und Bemerkungen zum „Ursprung der Familie ...“ (Hans Kampmann), Startbahn West und Allgemeinwohl. Falsches Bewusstsein über falsches Arbeiterbewusstsein. Abstraktion und Geschichte (Jacob-Gruppe). (239)

1. Oktober 1984: Laut „Vorstellungen der AWL-Publizistik“ soll an diesem Tag eine AWL-Sitzung beginnen. Sie soll am 2. Oktober fortgesetzt werden. (240)

1985

Ende Februar 1985: Hans Kampmann (AWL) verfasst ein Exposé „Zur westdeutschen Linken nach 1945. Zur Jugend- und Studentenbewegung.“ (241)

Februar 1985: Ein geplantes AWL-Treffen wurde auf ein unbekanntes Datum verschoben. (242)

23. Februar 1985: Vertreter der AWL, so ein Schreiben, mögen sich doch bitte daran beteiligen, für die „Chronik des Westdeutschen Maoismus“ Material zu besorgen. (243)

4. März 1985: Rundschreiben an die AWL mit folgenden Papieren: 2. Exposé Zur Westdeutschen Linken nach 1945. Zur Jugend- und Studentenbewegung (Hans Kampmann), Literaturübersicht. Leserbrief von G. Jacob zur KBW-Auflösung (Arbeiterkampf-Artikel), Artikel von G. Jacob zur Kommune, Leserbrief von K. Neuwirth in der taz, Jean Baudrillard: Kool Killer oder der Aufstand der Zeichen. (244)

13. März 1985: Schreiben von Hans Kampmann an „Signale“, in dem er sich darum bemüht, Materialien für eine „Chronik des westdeutschen Maoismus“ einsehen zu dürfen. (245)

30. März 1985: Reinhard Behnisch von „Wechselwirkung“ antwortet Hans Kampmann bezüglich seines Vorschlages, dem Kreis AWL bei der Erarbeitung einer „Maoistenchronik“ mit Informationen über „WW“ zu dienen. (246)

März 1985: Nach einer „Vorstellung der AWL-Publizistik“ soll bis zum März 1985 das Manuskript von Sigmund Piotrowski und Hans Kampmann „Kritik des Freudomarxismus. Am Beispiel Wilhelm Reich“ fertiggestellt sein. (247)

März 1985: Nach einer „Vorstellung der AWL-Publizistik“ soll bis zum März 1985 von Alfred „Der Ursprung der Familie“ fertiggestellt sein. (248)

März 1985: Nach einer „Vorstellung der AWL-Publizistik“ soll bis zum März 1985 das Manuskript von Hans Kampmann/Hermann Anthe „Die westdeutsche ML-Bewegung“ fertiggestellt sein. (249)

4. Juli 1985: Es erschien im Rahmen der AWL, von Hans Kampmann (Gelsenkirchen) vorgelegt, „Zur weiteren Perspektive der Erstellung der Chronik des westdeutschen Maoismus“. (250)

31. Juli 1985: Stellungnahme des AKV zur „Erklärung von Hans Kampmann: Zur weiteren Arbeit der AWL“. Danach sei die Beschreibung der Ursachen für die „Stagnation des Kreises verkürzt“. Die Situation der AWL lässt sich „nicht einfach mit mangelndem Interesse der Mitglieder erklären. Dies greife entschieden zu kurz. Der Unwille und das Desinteresse, sofern tatsächlich gegeben, sind selbst erklärungsbedürftig“ ... Der AKV sieht im Wesentlichen „drei Probleme, die die Arbeit der AWL beeinträchtigen. 1. Die AWL konstituierte sich in Abgrenzung zur NHT, wobei unterschiedliche Standpunkte in damals nicht relevanten Fragen in den Hintergrund traten. Der Versuch, diese ‚negative‘ Einheit zu einer positiven zu machen, d.h. gemeinsame Grundlagen zu entwickeln, wurde nach vielversprechenden Anfängen in den Jahren 1983 und 1984 nicht konsequent fortgeführt.“

Zu den „positiven Ansätzen in dieser Richtung“ wurden vier Papiere gezählt: 1. Ein Positionspapier, 2. Axiomatik-Papier, 3. Die Krise des Marxismus, 4. Ein Papier zur Diskussion über Sohn-Rethel und Schmidt. Es habe sich gezeigt, heißt es weiter, „dass die Vernachlässigung der Fortentwicklung gemeinsamer Standpunkte bei gleichzeitiger Verlagerung der Hauptaktivität auf in individueller Verantwortung zu erstellende Publikationen zur allmählichen Auflösung des Arbeitszusammenhangs AWL führten. Die unterschiedlichen Voraussetzungen befähigt z. Zt. nicht alle Genossen in der AWL selbständig theoretisch zu arbeiten ...“

Kritisiert wurde weiter, dass „Konzepte zur Zuarbeit“ hätten entwickelt werden müssen. Der Marxismus, so wie wir ihn uns „im Verlauf unseres politischen Lebens angeeignet haben, hat uns primär zusammengehalten, danach die Einsicht in das Scheitern der ML-Bewegung und die Opposition zur NHT“. Der Einwurf eines anderen Genossen, dass die AWL nur von „kritischen Stellung zum Marxismus“ und „offene Fragen zum Marxismus“, wurde in diesem Papier verworfen.

Zur weiteren Arbeit der AWL wurde ausgeführt: „Eine hauptseitig zu vermittelnden Publikationstätigkeit in der AWL sollte erwogen werden.“ Es solle „dort angeknüpft werden“, wo „unsere Arbeit Ende letzten Jahres stagnierte. Wir sollten wie geplant zunächst die Themenkomplexe Ideologietheorie und Dialektik-Modelle besprechen, dann versuchen, ein Resümee aus der gesamten bisherigen Diskussion zu ziehen und dies in eine Fortschreibung der in den drei Papieren von 1983 enthaltenen gemeinsamen Standpunkte einmünden zu lassen.“

Ein „Auftreten der AWL als politischer Zirkel oder ein Initiieren von Diskussionen bzw. eine Zusammenarbeit mit anderen Zirkeln“ wurde nicht für sinnvoll gehalten.“ Die AWL sollte sich bemühen, „mit klarem theoretischen Profil zu werden und mehr zu sein als nur eine lose Vereinigung von Publizisten“. (251)

31. Juli 1985: Alfred (AWL) kritisierte Hans Kampmanns Stellungnahme „Zur weiteren Arbeit der AWL“. Danach sei das Papier zu „verkürzt“, da es sich nur auf die „mangelnde Unterstützung“ seiner Mao-Chronik beziehe. A. schlug u. a. vor, den theoretischen Diskurs zu intensivieren, in dem die „Themenkomplexe Ideologietheorie und Dialektik-Modelle“ besprochen werden sollten. Darüber hinaus sei „eine bessere Zusammenarbeit bei der Erstellung der Publikationen zu entwickeln, d.h. gründliche Diskussion der Projekte Negt und anderer ... Ein Auftreten der AWL als politischer Zirkel oder ein Initiieren von Diskussionen bzw. eine Zusammenarbeit mit anderen Zirkeln halte ich z.Z. für nicht sinnvoll. Wir sollten uns bemühen, zunächst eine Arbeitsgruppe mit klarem theoretischen Profil zu werden und mehr sein als nur eine lose Vereinigung von Publizisten.“ (252)

Juli 1985: Eine Reihe von AWL-Mitgliedern kritisieren Alfreds Papier zu „Engels: Ursprung der Familie.“ (253)

12. Oktober 1985: Leitungen und Vertreter von Anarchistischer Arbeiter-Union (AAU), Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK), Freie Arbeiter Union Heidelberg-Anarchisten (FAU-HD-A), Freie Arbeiter Union/Rätekommunisten (FAU/R), Gruppe Internationaler Marxisten (GIM), Kommunistische Gruppen-NHT (KG-NHT), Kommunistische Partei Deutschlands (KPD), Proletarische Aktion (PA), Gäste der IV Internationale und SAG trafen sich, um „den Tätigkeitsbericht des Präsidiums und den Bericht der Beilagenredaktion“ zu beraten. Die „gemeinsame Vollversammlung“ beschloss u. a. „Die Organisation der revolutionären Sozialisten unterstützen diese Forderung: Sofortige Freilassung von Günter Sonnenberg.“ (254)

7. Dezember 1985: In Frankfurt/M. fand ein ein AWL-Treffen statt, das am 8. Dezember fortgesetzt wurde. Schwerpunktthema war eine Diskussion über: Althussers Variante eines Rekonstruktionsversuches der Marx-Engelsschen Theorie sowie sein Essay „Ideologie und ideologische Staatsapparate“. (255)

13. Dezember 1985: In der „Gemeinsamen Beilage“ Nr. 4 (1985) zu den Publikationen von Anarchistischer Arbeiter-Union (AAU), Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK), Freie Arbeiter Union Heidelberg-Anarchisten (FAU-HD-A), Freie Arbeiter Union/Rätekommunisten (FAU/R), Gruppe Internationaler Marxisten (GIM), Kommunistische Gruppen-NHT (KG-NHT), Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) und Proletarische Aktion (PA) erschien ein Artikel von Manfred Weiß (KG-NHT): „Der Weg aus der Krise-Solidarität . Solidarpakt der produktiven Klassen für das ‚deutsche Interesse’“. Heiner Karuscheit (Gelsenkirchen) schrieb: „Der KPD-Programmentwurf zwischen Theorie und Praxis“. (256)

Dezember 1985: „Aufsätze zur Diskussion“ Nr. 34 (1985) erschien. Schwerpunkt der Ausgabe war: „Unterkonsumtion, Allgemeine Krise“. (257)

1985: Bei den Landtagswahlen in Gelsenkirchen erreichen die Grünen 4,01 % der Stimmen. (258)

1986

März 1986: Die Nr. 1 (1986) der Zeitung „Marxistische Kritik. Zeitschrift für revolutionäre Theorie und Politik“ erschien im Verlag Marxistische Kritik mit dem Schwerpunktthema „Krise der Arbeit. Arbeit der Krise“ in Erlangen. Robert Kurz schrieb über den „Tauschwert“, Ernst Lohoff über die „Kategorien der abstrakten Arbeit und ihre historische Entfaltung“, Udo Winkler über „Wissenschaft, Rationalisierung und Qualifikation im Kapitalismus“. (259)

6. Juni 1986: Die „Gemeinsame Beilage“ Nr. 2 (1986) zu den Publikationen von Anarchistischer Arbeiter-Union (AAU), Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK), Freie Arbeiter Union Heidelberg-Anarchisten (FAU-HD-A), Freie Arbeiter Union/Rätekommunisten (FAU/R), Gruppe Internationaler Marxisten (GIM), Kommunistische Gruppen-NHT (KG-NHT), Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) und Proletarische Aktion (PA) erschien. Petra Bach (Gelsenkirchen) und Willi Moratzke von KG (NHT) schrieben über: „Die EG in der Dritten Welt. Imperialismus auf Samtpfoten“. (260)

13. Juni 1986: Nach der „Gemeinsamen Beilage“ Nr. 4 (1985) will die MEG zu diesem Zeitpunkt mit einer zentralen Frühjahrs-Urlaubsschulung beginnen. Sie soll bis zum 17. Juni dauern. (261)

14./15. Juni 1986: Die Initiative Marxistische Kritik (IMK) führte am 14./15. Juni ein Seminar zur „Klassenanalyse“ durch. Einladungsschreiben gingen u. a. auch an Gelsenkirchener Kreis der NHT und die KGBE. Ein weiteres Seminar zum Thema „Krisentheorie“ am 15./16. November wurde angekündigt. (262)

1986: Im Jahre 1986 sollen nach einer „Vorstellung der AWL-Publizistik“ folgende Manuskripte fertig gestellt sein: „AWL: Erste Natur, zweite Natur“, Hans Kampmann: „Die westdeutsche Studentenbewegung, Chronik und Wertung“, Hermann Anthe: „Falsches Bewusstsein. Entfremdung und Warenfetischismus“, Ders. „Debatte um Sohn-Rethel“, Sigmund Piotrowski: „Kritik des Linksstrukturalismus“. (264)

Oktober 1986: Im Oktober 1986 erscheint die Nummer 37 der Theoriezeitschrift „Aufsätze zur Diskussion“ (AzD) mit dem Schwerpunktthema „Imperialismus, Faschismus, Reaktion?“ im VTK-Verlag, Frankfurt/Main. Die Redaktion bilden Heiner Karuscheit, Alfred Schröder und Manfred Weiß. Die Hauptartikel schrieben Klaus Aresti („Deutsche Geschichte im Wandel der Zeiten“) und Heiner Karuscheit („Kapital - Demokratie - Faschismus. Zur historischen Entwicklung von Staatsfrage und Faschismus in der marxistischen Theorie“). Ferner erschien ein „Bericht der Politökonomie-AG“ „über die bisherige grundsätzlich-theoretische Phase ihrer Arbeit … Als ein wesentliches Ergebnis werden darin bisherige Theorien vom Monopol als mit Marx unvereinbar zurückgewiesen“. Die Debatte in den eigenen Reihen wird dokumentiert durch einen Redaktionsbrief an die KG-Westberlin: „Unser Herantreten an Lenin“ sowie durch „Überlegungen zur Weiterführung der theoretischen Arbeit“ von Heiner Karuscheit. (295)

Dezember 1986/Januar 1987: Am 26.12.1986 beginnt die zehntägige „Winter-Urlaubsschulung 86/87“ der Marx-Engels-Bildungsgesellschaft (MEG) mit Sitz in Gelsenkirchen. In einer Anzeige in den AzD 37 (Oktober 1986) hieß es dazu:

„WINTER-URLAUBSSCHULUNG 86/87

Neben ihrer Arbeit an einzelnen Orten führt die MEG seit 1979 für Interessierte aus dem ganzen Bundesgebiet zentrale Urlaubsschulungen im Frühjahr und Winter durch. Die diesjährige Winterurlaubsschulung zur Jahreswende findet über zehn Tage vom 26.12. bis 4.1.1987 statt.

Anreise: Fr.26.12. ab 17 Uhr
Abreise: So.04.01. vormittags
Der An- und Abreisetag sowie Neujahr sind schulungsfrei.

Die Schulung wird in landschaftlich schöner Gegend in einer für das Bundesgebiet möglichst zentralen Lage (Pfalz, Rhön, Odenwald) durchgeführt. Die Unterbringung erfolgt in Ferienhäusern für jeweils 6 Personen (Zweibettzimmer). Die Verpflegung muß selbständig organisiert werden (z. B. durch gemeinschaftliches Kochen in den Häusern).

Die Kurse finden vormittags parallel in kleineren Gruppen (ca. 6-8 Teilnehmer) statt, der Rest des Tages ist frei für individuelle Schulungsvorbereitung und Erholung. Für ein Freizeitangebot wird gesorgt (Ausflüge, kulturelle oder politische Vorträge, Silvesterfeier, Neujahrswanderung). Hallenbad und Sauna sind im Feriendorf vorhanden.

Aus den Bereichen Philosophie/Weltanschauung - Po1. Ökonomie - Geschichte/Geschichte der Arbeiterbewegung bieten wir diesmal acht Kurse zur Auswahl an (Kurslänge 7 Tage); ferner wird der Physiker Jens Scheer auf Einladung der MEG einen Kurs zu Problemen der modernen Physik halten (voraussichtl. Kursdauer 4 Tage).

PHILOSOPHIE / WELTANSCHAUUNG

1. F. Engels, Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft
Der Text gibt eine Einführung in die Grundlagen des wissenschaftlichen Sozialismus. Er behandelt sowohl Fragen der Philosophie, der pol. Ökonomie wie auch der vormarxistischen sozialistischen Theorien. Grundkurs

2. G. Plechanow, Anarchismus und Sozialismus
Plechanow setzt sich in seiner Schrift mit den phil. Grundlagen des Anarchismus auseinander und behandelt dabei die "Väter" des Anarchismus: Max Stirner, Proudhon und Bakunin. Aufbaukurs: Vorkenntnisse in der marxistischen Philosophie (wie z. B. Engels, Anti-Dühring oder Plechanow, Mon. Geschichtsauffassung) sind Voraussetzung.

POLITISCHE OKONOMIE

3. Einführung in das Marxsche "Kapital" Bd. 1
Behandelt werden die ersten Abschnitte des "Kapital", wobei die zentralen Kategorien Ware - Geld - Kapital - Mehrwert vermittelt werden sollen. Grundkurs

4. Ausgewählte Probleme aus Bd. 2 des "Kapital"
Der 2te Band behandelt den Zirkulationsprozeß des Kapitals. Vorgestellt werden hieraus die wichtigsten Kapitel, die Voraussetzung für das Verständnis des 3ten Bandes sind: Kreislauf des Kapitals, fixes und zirkulierendes Kapital, Umschlag, Zirkulation des Mehrwerts, Reproduktion. Aufbaukurs: Kenntnis von Bd. 1 ist Voraussetzung.

5. Imperialismustheorien des 19. und 20. Jahrhunderts
Der Kurs will einen Überblick über die unterschiedlichen Ansätze geben, die aus marxistischer sowie nicht-marxistischer Sicht zur Erklärung des Imperialismus herangezogen werden, und dabei zugleich verschiedene Seiten des Imperialismus (ökon., pol., hist.) näher beleuchten. Aufbaukurs: Grundkenntnisse des Marxschen "Kapital" und Lenins Imperialismusschrift sind erforderlich.

GESCHICHTE / GESCHICHTE DER ARBEITERBEWEGUNG

6. Deutsche Misere: Vom Bauernkrieg bis zur Novemberrevolution
Anhand der wichtigsten Wendepunkte der deutschen Geschichte: (Bauernkrieg, 30jähr. Krieg, Aufstieg Preußens, Napoleonische Kriege, 48er Revolution, Verfassungskonflikt und Reichseinigung, Novemberrevolution ) werden die ökonomischen und politischen Besonderheiten Deutschlands entwickelt. Grundkurs.

7. F. Engels, Revolution und Konterrevolution
Engels gibt in seiner Schrift einen Einblick in Verlauf und Ursachen des Scheiterns der 48er Revolution in Deutschland. Grundkurs

8. Die Parteitheorie Lenins
Hier soll ein Vergleich der Leninschen Parteitheorie mit den Auffassungen Trotzkys und Luxemburgs vorgenommen werden. Aufbaukurs: Grundkenntnisse der marxistischen Theorie sind erforderlich.

AKTUELLE THEMEN / GASTKURSE

9. Einführung in Probleme der modernen Physik
Referent: Jens Scheer
Die Eingrenzung des Themas wird in Absprache mit dem Referenten und gemäß den Teilnehmerinteressen erfolgen. (Bitte bei der Anmeldung besondere Interessensgebiete angeben).

Das Kursprogramm kann auf Wunsch anderer Organisationen und Schulungsgruppen noch erweitert werden, soweit sich für neue Kurse ein ausreichendes Interesse zeigt.

Bei der Anmeldung bitten wir alle Teilnehmer, neben der Kursnummer ihres Themas erster Wahl in Klammern auch noch die Nummer eines Alternativkurses anzugeben, falls der erste Kurs nicht zustande kommen sollte.

Die Kosten für die Unterbringung betragen pro Person 200 DM.

Für Eltern, die ihre Kinder mitbringen wollen: Für Kleinkinder, die noch keinen eigenen Schlafplatz benötigen, ist die Unterbringung kostenlos. Für ältere Kinder ist die Hälfte des Erwachsenenpreises (100 DM pro Kind) zu entrichten. Wir werden uns für die Dauer der Kurssitzungen am Vormittag um eine Kinderbetreuung bemühen, sofern mindestens drei Kinder bei uns angemeldet werden. Bitte bei der Anmeldung das Alter der Kinder angeben.

Mit der Anmeldung müssen zugleich die Kosten für die Unterbringung auf folgendes Konto überwiesen werden: M. Gernhardt, Buchhandlung Bulmker Str. 32a, Kto. Nr.: 180594-433 Postgiroamt Essen, Stichwort: Urlaubsschulung

DER LETZTE ANMELDESCHLUSS IST DER 15. OKTOBER 1986.

Anmeldung und nähere Informationen bei: MEG - Postfach 10 17 17 – 4650 Gelsenkirchen“ (296)

1987

1. Januar 1987: In Groß-Gerau fand die (vermutlich) letzte AWL-Sitzung statt. Sie wurde am 2. Januar fortgesetzt. Ein AWL-Mitglied aus Hannover schrieb dazu: „Als zusätzlicher Tagesordnungspunkt wurde gewünscht: Diskussion über die Auseinandersetzung betreffs der Maoistenchronik“. (265)

Januar 1987: Die Nr. 2 (1987) der Zeitung „Marxistische Kritik. Zeitschrift für revolutionäre Theorie und Politik“ erschien in Ulm. Inhalt der Ausgabe war: Die Herrschaft der toten Dinge. Kritische Anmerkungen zur neuen Produktivkraft-Kritik und Entgesellschaftungs-Ideologie. (266)

27. Januar 1987: Bei den Wahlen zum elften Deutschen Bundestag erreichen die Grünen in Gelsenkirchen 6,31 % (im Bund: 8,3%) der Stimmen. (274)

13. März 1987: Nr. 1 (1987) der „Gemeinsamen Beilage“ zu den Publikationen von Anarchistischer Arbeiter-Union (AAU), Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK), Freie Arbeiter Union Heidelberg-Anarchisten (FAU-HD-A), Freie Arbeiter Union/Rätekommunisten (FAU/R), Gruppe Internationaler Marxisten (GIM), Kommunistische Gruppen-NHT (KG-NHT), Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) und Proletarische Aktion (PA) erschien. Die AzD-Redaktion veröffentlichte den Artikel: „Über die Zielrichtung einer revolutionären Programmdiskussion.“ (267)

Mai 1987: Die „Aufsätze zur Diskussion“ Nr. 40 (1987) erschienen. Schwerpunkt war: „Deutschland zwischen Ost und West.“ Für die Ausgabe schrieben: Alfred Schröder/Heiner Karuscheit: „Ein Frühling für die Menschheit?“, Heiner Karuscheit: „Der deutsche Gaullismus“, Frank Grabow: „Der Niedergang Europas. Die internationale Politik von Versailles bis Potsdam“, Klaus Aresti: „Die Bourgeoisie auf dem Weg zur Macht. Thesen zur neueren deutschen Geschichte“. (268)

Juni 1987: Nach der „Gemeinsamen Beilage“ Nr. 4 (1987) erschien in Erlangen die „Marxistische Kritik“ Nr. 3 (1987). Thema war: „Produktivkraftkritik und theoretischer Verfall der Linken“. (269)

13. September 1987: Dieter Osterloh (Berlin) programmierte für die inzwischen auf EDV umgestellte Maoisten-Chronik ein erstes kleines Suchprogramm. (270)

November 1987: Im November 1987 erscheint die Nummer 43 der Theoriezeitschrift „Aufsätze zur Diskussion“ (AzD) mit dem Schwerpunktthema „Bürgerliche Herrschaft oder deutscher Sonderweg? Vom Kaiserreich zum Faschismus“ im VTK-Verlag, Frankfurt/Main. Redaktionsmitglieder werden in dieser Nummer nicht genannt. In der Vorbemerkung der Ausgabe heißt es:

„Mit der vorliegenden Nummer hält der Leser die fünfte Ausgabe der AzD in diesem Jahr in der Hand. Schwerpunkt der letzten fünf Nummern der AzD bildete die Veröffentlichung der Arbeitsergebnisse bzw. des Diskussionsstandes der Arbeitsgruppen der KG. Mit der Nr. 39 "Kapital und Monopol" vom Februar dieses Jahres legte die Polök-AG erste Arbeitsergebnisse zu den Monopoltheorien Hilferdings und Lenins vor. Mit den Thesen "Die Bourgeoisie auf dem Weg zur Macht" (AzD 40), dem Artikel "Über die historischen Ursprünge des deutschen Faschismus" (AzD 42) und den Aufsätzen aus der nun vorliegenden Nummer 43 wird der Diskussionstand der Geschichts-AG dokumentiert. So liefern die AzD-Nummern dieses Jahres dem Leser einen guten Überblick über den Stand unserer theoretischen Arbeit und die Entwicklung unserer Positionen. Es ist zu hoffen, daß das vorgelegte Material reichlich Stoff auch für die öffentliche Diskussion in den kommenden Nummern der AzD liefert.

Schwerpunktthema der vorliegenden AzD ist die Auseinandersetzung um die Normalität oder Besonderheit der deutschen Entwicklung zur Zeit des Kaiserreiches und der Weimarer Republik. Im Zentrum steht dabei die Frage nach der politischen Macht im Staate. Beantwortet die gängige linke Geschichtsschreibung sie weitgehend umstandslos mit der Behauptung einer Herrschaft der Bourgeoisie, so rückt Frank Grabow in seinem Artikel "Die Weimarer Republik - zwischen Junker und Bauer" diesen Auffassungen zu Leibe.

Mit demselben Problem befasst sich die kritische Vorstellung von Helga Grebings Buch "Der 'deutsche Sonderweg' in Europa". Petra Bach kritisiert in ihrer ausführlichen Besprechung dieses Buches die Behauptung von der Nichtexistenz eines deutschen Sonderwegs in die Moderne.

In der Rubrik "Im Spiegel der linken Presse" stellt Paula Komensky die Gemeinsame Beilage Nr.3/87 vor. Das Thema der Beilage: "Bürgerliche Demokratie, Reaktion, Faschisierung"

Im Kommentar von Michael Vogt werden die Pershing IA-Erklärung des Bundeskanzlers, die 10-Punkte-Erklärung der CSU hierzu und ein Thesenpapier von Peter Glotz (SPD) zur Außen- und Sicherheitspolitik der BRD unter die Lupe genommen.“

Der Kommentar von Michael Vogt trägt den Titel: „Das Ende eines Gemeinschaftsunternehmens. Die Pershing 1A-Raketen in der westdeutschen Politik“. (297)

11. Dezember 1987: Die „Gemeinsame Beilage“ Nr. 4 (1987) zu den Publikationen von Anarchistischer Arbeiter-Union (AAU), Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK), Freie Arbeiter Union Heidelberg-Anarchisten (FAU-HD-A), Freie Arbeiter Union/Rätekommunisten (FAU/R), Gruppe Internationaler Marxisten (GIM), Kommunistische Gruppen-NHT (KG-NHT), Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) und Proletarische Aktion (PA) erschien. Alfred Schröder (Gelsenkirchen) schrieb darin: „Zu den Grundlagen der Faschisierungstheorie“. (272)

1987: Nach „Vorstellungen der AWL Publizistik“ sollen in 1987 folgende Manuskripte fertig gestellt sein: „AWL: Geschichte und Ideologie der westdeutschen Linken“, „AWL: Die Situation des Marxismus heute“. Als „Reihentitel“ der Publizistik wurde „Objekt-Subjekt“ in Erwägung gezogen. Der Verlagsname könnte lauten: „Manifest-Verlag“. Eine Entscheidung darüber sollte auf der AWL-Sitzung am 1./2. Oktober 1984 erfolgen. (273)

1988

November 1988: Die Nr. 46 (1988) der Zeitschrift „Aufsätze zur Diskussion“ erschien. Hauptthema war: „Zwischen Restauration und liberaler Erneuerung“. Klaus Aresti schrieb über: „Die Arbeiterbewegung zwischen konservativer Restauration und liberaler Erneuerung“, Klaus Winter über „Ernest Mandels Marxistische Wirtschaftstheorie“. (275)

1991

Februar 1991: Im Februar 1991 erscheint die Nummer 52 der Theoriezeitschrift „Aufsätze zur Diskussion“ (AzD) mit dem Schwerpunktthema „Weimar - wessen Republik?“ im VTK-Verlag, Frankfurt/Main. Der Redaktion der AzD gehören an: Klaus Lehmann, Ulrich Seidel, Michael Vogt und Manfred Weiß. Den Artikel in der Rubrik „Geschichte“ schrieb Michael Vogt („Die Herrschaftsverhältnisse in Kaiserreich und Republik. Vom Preussischen Reich zur Junkerlichen Republik, Teil 2“), in der Rubrik „Politische Ökonomie“ Manfred Weiß („Vorbemerkung zur Debatte um die Zusammenbruchstheorie“) und Klaus Winter („Großmanns Zusammenbruchsgesetz“) und unter der Rubrik „Linke“ ebenfalls Manfred Weiß („Von ‚marxistische Kritik’ zu ‚Krisis’ marxistischen Denkens“). Er beschäftigt sich mit den Positionen der von der „Initiative Marxistische Kritik“ herausgegebenen Zeitschrift „Marxistische Kritik“, die seit Mai 1990 unter dem Namen „Krisis“ erscheint. (298)

Mai 1991: Vom 18. bis 22. Mai 1991 veranstaltet die „Marx-Engels-Bildungsgesellschaft“ (MEG) eine Pfingsturlaubsschulung. Angeboten werden Kurse aus den Themenbereichen Politische Ökonomie, Geschichte, Philosophie/Weltanschauung sowie Aktuelles. (299)

September 1991: Im September 1991 erscheint die Nummer 53 der Theoriezeitschrift „Aufsätze zur Diskussion“ (AzD) mit dem Schwerpunktthema „Atlantisches Poker“ im VTK-Verlag, Frankfurt/Main. Der Redaktion der AzD gehören an: Klaus Lehmann, Ulrich Seidel, Michael Vogt und Manfred Weiß. Artikel schrieben Manfred Weiß („NATO, WEU, EG“), Michael Vogt („Die Arbeiterbewegung ohne Weg zur Macht. Vom Preussischen Reich zur Junkerlichen Republik, Teil 3“) in der Rubrik „Geschichte“ und Robert Schlosser („Versuch einer Annäherung an grundlegende Fragen der Krisentheorie. Eine Antwort auf Klaus Winter“) in der Rubrik „Politische Ökonomie“. In der Rubrik „Linke“ schrieb Ulrike Büdinger zur „Auflösung der MG. Das Testament der MG-Politik als Ideologiekritik“. (300)

30. November/1. Dezember 1991: Auf der 6. Konferenz der KG(NHT), die am 30.11. und 1.12.1991 tagt, lösen die verschiedenen lokalen Zirkel, die die „Kommunistischen Gruppen“ (KG(NHT)) bilden, ihren Zusammenschluss als bundesweite Organisation auf (siehe unten den Bericht von Manfred Weiß und die Beschlussvorlagen). Die Theoriezeitschrift „Aufsätze zur Diskussion“ (AzD) soll als unabhängiges Forum weiter herausgegeben werden. Zu diesem Zweck bildet sich ein Trägerkreis, der die Redaktion der Zeitschrift wählt und ihre Tätigkeit unterstützen soll. Die allgemeinen Ziele der Zeitschrift zur Beförderung der Erneuerung des revolutionären wissenschaftlichen Sozialismus, die die AzD auch weiterhin sein soll, sind in der Programmatischen Erklärung (siehe unten) des neuen Trägerkreises niedergelegt.

„Manfred Weiß: Bericht von der 6. Konferenz der KG(NHT)

Die Kommunistischen Gruppen (NHT) haben ihren organisatorischen Zusammenhang aufgelöst. Dies und die Gründung eines Trägerkreises für die Zeitschrift Aufsätze zur Diskussion ist das Hauptergebnis der 6. Konferenz der KG(NHT). Die Aufsätze zur Diskussion sind damit nicht mehr länger Organ einer politischen Gruppierung. Sie erscheinen in Zukunft als unabhängige, wenn auch politisch durchaus parteiische Zeitschrift. Die örtlichen Zirkel andererseits, die sich 1979 zu dem Dachverband Kommunistische Gruppen (NHT) zusammengeschlossen hatten, arbeiten jetzt ohne eine solche gemeinsame Organisation als lokale Gruppen weiter.

Wie ist es zu diesen Beschlüssen gekommen? Die 6. Konferenz, die am 30.11./1.12.1991 tagte, hatte darüber zu befinden, in wieweit es gelungen war, Bewegungsformen zur Austragung der politischen Differenzen zu entwickeln, die auf der 5. Konferenz festgestellt worden waren (siehe dazu den Bericht in AzD 48). In der Diskussion wurde festgehalten, daß keine Fortschritte in dieser Richtung erzielt werden konnten. Die KG(NHT) konnten sich nicht auf die Definition einer neuen praktischen Aufgabenstellung einigen. Darüberhinaus dokumentierte die Diskussion auch, daß ohne eine solche praktische Aufgabenstellung Entscheidungsgrundlagen für die Festlegung der Schwerpunkte theoretischer Arbeit fehlen.

Unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Konferenz war unumstritten, daß viele Zielvorgaben der letzten Konferenz nicht erreicht und viele Aufträge nicht ausgeführt wurden. Das bezieht sich zum einen auf die Diskussion über umstrittene theoretische Fragen. Zum anderen betrifft es die Wirksamkeit der KGs nach außen. Die Übereinstimmung in diesem Ansatzpunkt der Diskussion ist aus dem Beschluß zur Auflösung des organisatorischen Zusammenhangs der Kommunistischen Gruppen, wie aus einer alternativen Beschlußvorlage von Münchner Genossinnen und Genossen zu ersehen. Über die auseinander gehenden Vorstellungen zu den Konsequenzen, die zu ziehen sind, entspann sich eine Debatte, die die Tendenzen der beiden Vorlagen unterstrich.

Die Autoren des Münchner Papiers unterstrichen ihre Auffassung, daß im Zentrum der Tätigkeit der KGs die Klärung theoretischer Fragen zu stehen habe. Die Organisierung dieser Tätigkeit, auch des Streits über verschiedene Positionen in theoretischen Fragen gelte es anzupacken. Die unaufgelösten Kontroversen über die Außenwirkung, die Kommunisten heute anstreben sollten, führten sie darauf zurück, daß dieser Streit nicht lösbar sei, weil er sich um ein gegenwärtig unerreichbares Ziel drehe.

Dem wurde entgegengehalten, daß sich eine kommunistische Organisation, auch unter den Bedingungen der Zersetzung der Linken und der andauernden Ruhe in der Arbeiterklasse, nur durch eine gemeinsame Arbeit am Parteiaufbau auszeichnen könne. Ohne eine Position dazu, was die nächsten Schritte auf diesem Weg sind, ohne eine aktive Werbung für die Mitarbeit an der Schaffung eines Kerns einer neuen politischen Partei, könne nicht von einer kommunistischen Organisation geredet werden. Zudem zeige es sich, daß auch über die Priorität der zu lösenden Fragen in der Theoriearbeit nicht losgelöst von Vorstellungen über die nächsten Schritte im Parteibildungsprozeß zu entscheiden sei. Die grundsätzliche Kritik beispielsweise, die eines der bisherigen Redaktionsmitglieder an dem Arbeitsplan der AG zur politischen Ökonomie äußerte, wurde als Beleg für die fehlende Grundlage einer verbindlichen Arbeitsplanung angeführt, wenn es dafür keine von der Forschung selbst unabhängigen Maßstäbe gibt. Die KGs als Zusammenschluß von lokalen Gruppen müßten deshalb aufgelöst werden. Praktisches Wirken für den Parteiaufbau müsse von den verschiedenen Positionen in Eigeninitiative entfaltet werden, gemeinsam aber könne die weitere Herausgabe der Aufsätze zur Diskussion als Forum der Diskussion grundsätzlicher und politischer Fragen sichergestellt werden.

In der Logik ihrer Argumentation vertraten die Münchner Genossinnen und Genossen dagegen die Auffassung, die einzig sinnvolle Alternative könne es sein, entweder mit theoretischer Arbeit und Herausgabe der Zeitschrift weiterzumachen oder mit der Auflösung der KGs auch die AzD einzustellen. Zwischen Organisation und Trägerkreis bestehe keine wesentliche Differenz. Sie sahen kein Problem darin, die Kommunistischen Gruppen aufrechtzuerhalten mit Blick auf mögliche zukünftige praktische Aufgaben.

Die Konferenz entlastete die Kassenführung der Redaktion und billigte den Rechenschaftsbericht jeweils ohne Gegenrede. Die Redaktionsresolution zur Auflösung wurde mit 11:4:2 Stimmen angenommen. Damit erübrigte sich eine Abstimmung über eine Münchner Beschlußvorlage. Die Gründungserklärung des Trägerkreises wurde dann mit 16:0:2 Stimmen verabschiedet. Als neue Redaktion wurden die beiden einzigen Kandidaten, Klaus Winter und Manfred Weiß, en bloc mit 14:0:1 Stimmen gewählt. Die Kassenprüfungskommission bestehend aus wurde mit 11:3:0 Stimmen bestätigt. Die Redaktion wurde aufgefordert, die Thesen der AzD-Redaktion Über die Zielrichtung einer revolutionären Programmdiskussion (siehe AzD 41, S. 79) zu aktualisieren.“


„Beschluß der 6. Konferenz der KG(NHT)

An den Grundzügen der Bilanzierung zur Entwicklung der Linken in Westdeutschland und unserer Versuche, innnerhalb derselben als Katalysator für die Neugründung einer revolutionären und marxistischen Strömung zu wirken, die wir auf der 5. Konferenz vorgenommen haben, hat sich durch die weitere Geschichte der Linken nichts wesentliches geändert. Trotz weiteren Zerfalls mit Auflösung von KB, MG und Spaltung innerhalb des Arbeiterbundes für den Wiederaufbau der KPD und personeller Ausdünnung, zeigen sich keine Ansätze zu einer kritischen Überprüfung der Grundlagen bisheriger Politik. Stattdessen herrscht eine Mischung aus "weiter wie bisher" und dem Übernehmen von reformistischen und grünen Politikversatzstücken vor. Dies zeigt sich auch in der Hilflosigkeit, mit der diese Organisationen dem Zerfall des 'realen Sozialismus' und der Auflösung der dort bisher herrschenden Parteien gegenüberstehen. Auch das Hinzutreten von Gruppen, die aus dem politischen Spektrum der ehemaligen DDR entstanden, hat an dieser Lage nichts entscheidend geändert. Das Ende der Möglichkeit der Praxis, die die NHT und später die KG(NHT) mit sich ausweitendem Kreis an Bezugspartnern betrieb, ist damit nur noch einmal bestätigt worden.

Ganz allgemein lassen sich die Grundlagen der Agonie einer revolutionären Strömung in Deutschland in zwei Punkten zusammenfassen:

1) Es gibt keinen Teil der Arbeiterklasse, der eine eigenständige, gegen das System des Kapitals aufbegehrende Richtung verkörpert. Die Politik der Arbeiterklasse, soweit überhaupt davon jenseits der Wahrnehmung von ökonomischen Einzelinteressen gesprochen werden kann, erschöpft sich in der Übernahme von Facetten der Politik der Bourgeoisie. Der objektive Nährboden einer revolutionären Bewegung ist damit zur Zeit in Deutschland nicht vorhanden.

2) Gleichzeitig verfügen die Organisationen mit revolutionärem, kommunistischem Anspruch über keinerlei Grundlagen für die Programmatik einer zukünftigen gesellschaftlichen Umwälzung. Es mangelt also auch an den subjektiven Voraussetzungen zum Aufbau einer kommunistischen Partei unter den gegenwärtigen Bedingungen.

In dieser Situation haben sich in unseren Reihen Meinungsverschiedenheiten über zwei Fragen herausgebildet:

1) Gibt es neben der Aufgabe, die theoretischen Defizite aufzuarbeiten und die Grundlagen eines Programms zu erarbeiten, weitergehende Aufgaben für einen kleinen Zirkel wie die KG(NHT)? Gibt es zusätzlich zur Theoriearbeit praktische Aufgabenfelder, die schon heute beackert werden müssen?

2) Das Spektrum derer, die weitergehende Aufgaben sehen, reicht von Positionen, die ein Schwergewicht auf die Kritik der Linken in ausgewählten jeweils aktuellen politischen Fragen legen bis zu solchen, die eine kontinuierliche Arbeit auf wenigen ausgewählten Feldern der politischen Auseinandersetzung befürworten, mit dem Ziel dort positive Ansätze beizutragen. Gemeinsam ist diesen Positionen die Forderung nach weiterem Ausbau der politischen Theoriebildung.

Die Beschlüsse unserer letzten Konferenz sollten den Raum schaffen, die Kontroversen in diesen Fragen in der Praxis weiterzuentwickeln und zu lösen. Heute ist festzustellen, daß eine solche Lösung nicht erreicht werden konnte. Die umrissenen Positionen existieren nach wie vor nebeneinander.

Unter den dargestellten objektiven und subjektiven Bedingungen gibt es keine Grundlage mehr für eine organisierte gemeinsame Praxis der kommunistischen Zirkel, die sich unter dem Dach der KG(NHT) zusammengefunden haben.

Gleichzeitig sind als positive Elemente der vergangenen gemeinsamen Arbeit festzuhalten:

In Anbetracht dieser Tatsachen beschließt die 6. Konferenz der KG(NHT):

1) Eine gemeinsame politische Praxis der als KG(NHT) zusammengeschlossenen lokalen Gruppen sowie eine verbindliche Schwerpunktsetzung für die theoretisch-programmatische Arbeit läßt sich nicht mehr formulieren. Die kommunistischen Gruppen lösen deshalb den organisatorischen Zusammenhang als KG(NHT) auf.

2) Gleichzeitig wird zur Fortsetzung der gemeinsam als positiv bewerteten Elemente der vergangenen Arbeit ein Trägerkreis zur weiteren Herausgabe der AzD gegründet, an den die Zeitschrift und die Mittel der bisherigen Redaktion übertragen werden. Alle Mitglieder der bisherigen KG(NHT) sind dazu aufgerufen, diesen Trägerkreis auch weiterhin nach ihren Kräften zu fördern. Ziele und Statuten des Kreises werden in einem getrennten Papier dargelegt.

3) Wir fordern dazu auf, auch in Zukunft a) in theoretischen Arbeitsgruppen organisiert an der Fortentwicklung des revolutionären Marxismus weiterzuarbeiten, b) Beiträge zur Diskussion in den AzD zu produzieren, sowie c) die Tätigkeit der Marx-Engels-Bildungsgesellschaft zu unterstützen.“


„Münchner Beschlußvorlage:

Beschlußvorlage für die 6. Konferenz der KG(NHT)

Die 5. Konferenz der KG(NHT) stellte der Redaktion folgende Aufgaben: "7. Die Redaktion: Aufgabe der von der KG(NHT)-Konferenz zu wählenden Redaktion ist die regelmäßige Herausgabe der AzD, die Koordinierung der Arbeit der AGs sowie die Wahrnehmung von Kontakten mit anderen linken Organisationen. Darüberhinaus wird die Redaktion verpflichtet, in Zusammenarbeit mit den AGs die Debatte über die unter Punkt 4 festgestellten Differenzen zu organisieren und wieder öffentliche Seminare zu ausgewählten Themen anzubieten und durchzuführen."

Zur Erfüllung dieser Aufgaben durch die Redaktion stellte diese in ihrem Rechenschaftsbericht fest, daß lediglich die Herausgabe der AzD sichergestellt werden konnte und alle anderen Aufgaben nicht oder nur zu einem sehr geringen Teil angegangen wurden. Angesichts des ständig fortschreitenden Niedergangs der Linken in Deutschland und des völligen Fehlens spontaner revolutionärer Bewegungen in der Arbeiterklasse sind heute keine Voraussetzungen vorhanden, die einen Aufschwung unserer Arbeit in nächster Zeit erwarten lassen. Eine Klärung der Differenzen über die praktischen Aufgaben der Kommunisten in unserem Land ist so lange nicht möglich, als diese notwendig theoretisch bleiben muß. Die möglichen Erfolge aller Konzepte sind heute annähernd gleich, nämlich Null.

In dieser Situation gibt es heute für die KG(NHT) folgende Aufgabenstellung:

1. Weitere Herausgabe der AzDs, um die Kommunikation über die Ergebnisse der theoretischen Arbeit, die Kritik an den Auffassungen der Linken und politische Stellungnahmen über den privaten Rahmen hinaus zu ermöglichen. Dies zu gewährleisten, ist die wichtigste Aufgabe der AzD-Redaktion, die dabei jedoch auf die Hilfe möglichst vieler Genossen angewiesen ist. Sollten sich Möglichkeiten zur Erweiterung des Trägerkreises der AzD ergeben, so sind diese zu nutzen.

2. Fortführung der Arbeit der Pol.-Ök.-AG entsprechend den Beschlüssen der letzten Konferenz und dem Arbeitsplan der AG.

3. Pflege der Kontakte zu anderen linken Organisationen (z.B. zur Gruppe Arbeiterstimme, soweit dies kräftemäßig möglich ist.

4. Weiterführung unserer Mitarbeit in der MEG.

Praktisch-politische Tätigkeit ist weiterhin der individuellen Verantwortung einzelner Genossen überlassen. Eine organisierte Anleitung ist auf absehbare Zeit nicht möglich.

Es kann heute nur darum gehen, die Zeit der revolutionären Windstille möglichst effektiv für theoretische Arbeit zu nutzen und den organisatorischen Zusammenhalt der verbliebenen Genossen so weit als möglich aufrecht zu erhalten. Erst eine Veränderung der politischen Gesamtsituation in unserem Land wird Fragen der praktischen Aufgaben der Kommunisten wieder in den Mittelpunkt der Diskussion rücken. Es wäre jedoch falsch, die vorhandenen Organisationsstrukturen jetzt aufzugeben, um sie später - wahrscheinlich mit größeren Schwierigkeiten - neu zu schaffen.

29. November 1991
4 Genossinnen und Genossen aus München“


„AzD-Trägerkreis

Die folgende Erklärung wurde auf der sechsten Konferenz der KG(NHT) verabschiedet, nachdem der organisatorische Zusammenhang der Kommunistischen Gruppen auf bundesweiter Ebene aufgelöst worden war.

Vorbemerkung

Die Ansätze zu einer Rekonstruktion revolutionär-marxistischer Politik, die aus Resten der Kommunistischen Partei in Westdeutschland und aus oppositionellen revolutionären Strömungen zusammen mit radikalisierten Kräften der Jugend- und Studentenbewegung erwachsen waren, sind an der Aufgabe, eine zeitgemäße kommunistische Politik zu entwickeln, gescheitert. Heute existieren neben organisatorischen Überbleibseln, die sich im Gravitationsfeld der reformistischen Linken oder der Grünen bewegen nur noch wenige Zirkel, in denen über die Zukunft des Kommunismus diskutiert wird.

In den neuen östlichen Ländern der Bundesrepublik Deutschland entstehen an den Rändern der zerfallenden SED/PDS Gruppierungen, die eine ähnliche Funktion haben könnten. Die Notwendigkeit der Kritik des "Realsozialismus" als gesellschaftliches System und seiner Politik und Ideologie ist für diejenigen, die sich dort zusammenfinden, eine besondere Aufgabe der Bewältigung der eigenen Vergangenheit.

Beiden mangelt es an theoretischen und politischen Grundlagen für eine offensive Praxis zur Gewinnung neuer Kräfte als kommunistische Kader. Beiden stellt sich eine doppelte Aufgabe in der Aufarbeitung der Geschichte des Kommunismus als Bewegung und der Analyse der Triebkräfte der gegenwärtigen Gesellschaft, die auf ihre Auflösung tendieren. Diese Aufgabenstellung steht vor dem Hintergrund, daß die Arbeiterbewegung einer vollständigen revolutionären Ruhe unterliegt und die Organisationen der Linken sich in einem fortdauernden Prozeß des praktischen und ideologischen Zerfalls befinden.

Programmatische Erklärung des Trägerkreises der Aufsätze zur Diskussion

Die Aufsätze zur Diskussion verstehen sich als ein Forum, das der Debatte über Beiträge zur Lösung der theoretischen Aufgaben dient, die sich bei der Entwicklung von zeitgemäßen Grundlagen des Kommunismus stellen. Eine Neubegründung der Perspektiven des Bruchs mit der kapitalistischen Gesellschaftsordnung setzt zweierlei voraus: Zum einen ist der Untergang der bisherigen revolutionären Arbeiterbewegung zu erklären, um aus deren Scheitern Lehren einer künftigen revolutionären Strategie zu ziehen. Zum anderen sind die Bedingungen einer künftigen revolutionären Bewegung aus der Analyse der Widersprüche, die die gegenwärtige Gesellschaft vorantreiben zu entwickeln. Daneben will die Zeitschrift Aufsätze zur Diskussion Probleme der Gegenwartspolitik in engerem Sinne sowie Fragen der Wissenschaft und Kultur von marxistischem Standpunkt aus zu behandeln.

In der Geschichte der Zeitschrift, die bisher in einem engeren Zusammenhang mit den Versuchen der Strömung Neue Hauptseite Theorie (NHT), später Kommunistische Gruppen (KG/NHT) stand, die Organisationen der marxistisch-leninistischen Bewegung in Westdeutschland, dann revolutionäre, kommunistische Organisationen zusammenzuführen, haben sich eine Reihe von Positionen herauskristallisiert, die kontrovers zu in der Linken weltverbreiteten Auffassungen diskutiert werden müssen. Diese Kontroversen zu lösen, ist Bestandteil der eben umrissenen Aufgabe. Sie umfassen die Bewertung der Geschichte der Arbeiterbewegung, des Reifegrads gesellschaftlicher Verhältnisse für die sozialistische Revolution, von Stadienvorstellungen der Entwicklung des Kapitalismus, des Monopolbegriffs der Monopolkapitalismusvorstellungen. Desweiteren erstrecken sich diese Kontroversen auf die Einschätzung des Charakters der westdeutschen Republik, die These von der Faschisierung der bundesrepublikanischen Gesellschaft, wie auf die Bewertung der Formen der Klassenzusammenarbeit und der Besonderheiten, die aus der deutschen Frage resultieren. Ausführlicher sind diese Streitpunkte in den "Thesen der AzD-Redaktion zur Programmdiskussion" (AzD 41) dargestellt. Sie sind zu ergänzen um einige weitere Fragen zur Geschichte des "Realsozialismus" in Deutschland und darüber hinaus wie auch zur Klassenanalyse, Staat, internationale Arbeitsteilung, Weltmarkt etc.

Die Aufsätze zur Diskussion stellen eine Möglichkeit zur Veröffentlichung von Arbeiten dar, die zur Lösung der umrissenen Fragen beitragen. Sie wollen ein Forum der Debatte sein. Sie sind parteilich in dem Sinne, daß sie als Instrument für die Herausbildung einer revolutionären Theorie auf Grundlage des Marxismus fungieren. In dieser Hinsicht unterscheiden sie sich von Organen reformistischer oder grüner Provenienz, wie auch von solchen, die die Tradition des "Realsozialismus" weiterhin fortentwickeln wollen. Die Aufsätze zur Diskussion sind jedoch kein Organ einer speziellen politischen Gruppierung mehr. Zur aktiven Mitarbeit, Trägerschaft und Unterstützung sind alle diejenigen aufgerufen, die in den umrissenen Klärungsprozessen einen notwendigen Beitrag zur Neubegründung des Kommunismus in der Bundesrepublik Deutschland sehen.

Die bisherigen Träger der Zeitschrift vertreten zu einigen der zu behandelnden Fragekomplexe eine Tendenz der Beantwortung, die sich in jahrelanger theoretischer Arbeit herausgebildet hat und in deren Tradition sie auch weiterhin Ergebnisse aus der Tätigkeit von Arbeitsgruppen in die Aufsätze zur Diskussion einfließen lassen wollen. Diese speziellen Auffassungen umreißen jedoch nicht eine Linie der Zeitschrift, sondern stellen einen Pol in dem Spektrum von Positionen dar, die innerhalb der Zielsetzung der Zeitschrift ihren Platz haben können.

Aufsätze zur Diskussion (AzD), Nr. 54, April 1992

Die Aufsätze zur Diskussion werden von denjenigen getragen, die die Stoßrichtung der Zeitschrift unterstützen und einen finanziellen Beitrag zur Herausgabe leisten (AzD-Trägerkreis). Dazu sind alle aufgefordert, die den umrissenen Klärungsprozeß für notwendig ansehen. Der Trägerkreis wählt alle zwei Jahre eine Redaktion, deren Aufgabe es ist, die Aufsätze zur Diskussion herauszugeben. Neue Mitglieder werden von der Redaktion aufgenommen. Die Mitglieder des Trägerkreises sind aufgefordert Arbeitsgruppen zu bilden und andere Formen der Kooperation zu entwickeln. Soweit möglich wird die Redaktion die theoretische Arbeit und Mitarbeit an der Zeitschrift anregen und organisieren. Denkbare Formen sind z. B. Mitarbeiter/Autorenversammlungen, Rundbriefe oder die Einbeziehung von Autoren zur verantwortlichen Betreuung thematischer Schwerpunkte.“ (301)

1992

April 1992: Im April 1992 erscheint die Nummer 54 der Theoriezeitschrift „Aufsätze zur Diskussion“ (AzD) mit dem Schwerpunktthema „Charakter der Oktoberrevolution“ im VTK-Verlag, Frankfurt/Main. Die Redaktion der AzD bilden Manfred Weiß und Klaus Winter. Die Hauptartikel schrieben Michael Vogt (“Der Bauernsozialismus. Die Entwicklung der Sowjetunion seit der Oktoberrevolution“) in der Rubrik „Geschichte“ und Klaus Winter („Großmanns Zusammenbruchsgesetz. Teil 2: Der Grund des Zusammenbruchs“) in der Rubrik „Politische Ökonomie“. Ferner abgedruckt sind ein „Bericht von der 6. Konferenz der KG(NHT)“ von Manfred Weiß, Beschlußvorlagen der Konferenz und eine Programmatische Erklärung eines Trägerkreises der AzD (vgl. 30.11.1991). In der Vorbemerkung der AzD 54 heißt es dazu:

„Auf ihrer sechsten Konferenz im Herbst vergangenen Jahres haben die verschiedenen lokalen Zirkel, die die Kommunistischen Gruppen (KG(NHT)) bildeten, ihren Zusammenschluß als bundesweite Organisation aufgelöst … Die Kontroversen über die Aufgaben von Kommunisten heute, die mit diesem Beschluß im Zusammenhang stehen, werden sicherlich auch weiterhin ihren Niederschlag in den AzD finden. Unmittelbar bedeutet dieser Beschluß für die Zeitschrift, daß sie den Doppelcharakter verliert, durch den sie bisher gekennzeichnet war. Einerseits waren die Aufsätze geprägt durch die praktischen Anliegen der KG(NHT), die die Redaktion der Zeitschrift auf ihren Konferenzen wählte und die Hauptmasse der Autoren stellte. Andererseits wurde die Zeitschrift nicht als Zentralorgan oder theoretisches Organ des Zusammenschlusses Kommunistische Gruppen herausgegeben, sondern sollte der theoretischen und theoretisch-politischen Auseinandersetzung unter Kommunisten auch über die Reihen der KG(NHT) hinaus dienen.

Nun werden die Aufsätze zur Diskussion als unabhängiges Forum weiter herausgegeben werden. Zu diesem Zwecke hat sich ein Trägerkreis gebildet, der die Redaktion der Zeitschrift wählt und ihre Tätigkeit unterstützt. Die allgemeinen Ziele einer Zeitschrift zur Beförderung der Erneuerung des revolutionären wissenschaftlichen Sozialismus, die die AzD auch weiterhin sein soll, sind in der Programmatischen Erklärung des Trägerkreises (S. 79) niedergelegt. Wir rufen alle, die an einem solchen Organ interessiert sind und es unterstützen oder daran mitarbeiten wollen, dazu auf, diesem Trägerkreis beizutreten. Wir sind natürlich daran interessiert die Meinung, Verbesserungs- und Veränderungsvorschläge der Leser und potentiellen Interessenten zum Trägerkreis zu erfahren. Wir bereiten zur Zeit eine überarbeitete Version der Stellungnahme der AzD-Redaktion zu den Zielen einer revolutionären Programmdiskussion (veröffentlicht in AzD 41) vor, in der wir unsere eigenen Interessen bezüglich der weiteren Diskussion in der Zeitschrift niederlegen werden.

Der Mindestbeitrag für Mitglieder des Trägerkreises ist zur Zeit auf 250 DM pro Jahr, auf 100 DM pro Jahr für Arbeitslose, Lehrlinge, Schüler und Studenten festgesetzt.“ (302)

Juni 1992: Vom 4. bis 10. Juni 1992 führt die „Marx-Engels-Bildungsgesellschaft“ (MEG) mit Sitz in Gelsenkirchen eine „Frühjahrsurlaubsschulung“ durch. In einer Ankündigung der MEG heißt es dazu:

„FRÜHJAHRSURLAUBSSCHULUNG MEG_Frühjahrsurlaubsschulung 1992

04. JUNI – 10. JUNI

Da es sich in entspannter Atmosphäre weit besser als zu Hause im üblichen Alltagsstreß lernen lässt, bietet die MEG seit 1979 zweimal im Jahr Urlaubsschulungen an, die allen politisch und gewerkschaftlich Interessierten offenstehen.

Die diesjährige Frühjahrsurlaubsschulung findet über 6 Tage vom 04.06.1992 bis zum 10.06.1992 statt. Anreise ist am Donnerstag, dem 04.08.92, Abreise am Nachmittag des Dienstag, dem 09.06.1992. Es besteht allerdings auch die Möglichkeit, erst am Mittwochmorgen abzureisen. Die Schulung wird im Odenwald am Neckar stattfinden. Die Unterbringung erfolgt in Ferienhäusern für 6-8 Pers., die in der Regel über Zweibettzimmer, Küche, Bad und Wohnraum verfügen. Freizeiteinrichtungen wie Sauna, Schwimmbad oder andere Sportmöglichkeiten sind meist im Feriendorf vorhanden.

Die Schulungen werden vormittags parallel in kleineren Gruppen (4-8 Teiln.) durchgeführt, die restliche Zeit ist der individuellen Schulungsvorbereitung und Erholung gewidmet.

Für die Frühjahrsschulung bietet die MEG 4 Kurse zur Auswahl an. Die Kurse sind je nach Anforderungen In Grund- und Aufbaukurse gegliedert.

POLITISCHE ÖKONOMIE

1. K. Marx, Kapital Bd.3, sechster und siebter Abschnitt: Grundrente und Analyse des Reproduktionsprozesses

In diesem Kurs wird der sechste Abschnitt zur Grundrente nur auszugsweise behandelt werden, die wesentlichen Zusammenhänge zum Verständnis der kapitalistischen Grundrente erarbeitet. Der siebte Abschnitt "Die Revenue und ihre Quellen" soll vollständig gelesen und erarbeitet werden.

Aufbaukurs: Voraussetzung der Teilnahme sind Kenntnisse des ersten und zweiten Bandes des Kapitals, sowie der Abschnitte 1 bis 3 des dritten Bandes.

GESCHICHTE/GESCHICHTE DER ARBEITERBEWEGUNG

2. Die Wirtschaft der USA

Sind die USA auf dem Weg zu einer Dienstleistungsgesellschaft? Strebt die Wirtschaft dem Niedergang zu? Droht ein neuer Protektionismus?

Der Kurs soll Material zur Diskussion dieser und ähnlicher aktueller Fragen liefern und über Besonderheiten der US-Wirtschaft, ihre Struktur und Ihre Geschichte Informieren.

Grundkurs: Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

3. Entwicklung der Sowjetunion nach der Oktoberrevolution
Konzeptionen des sozialistischen Aufbaus

Das offenkundige Scheitern der Staaten Osteuropas, die sich den Aufbau des Sozialismus zur Aufgabe gestellt hatten, wirft unübersehbar die Frage auf nach den Voraussetzungen und den Vorstellungen des Wegs zum Sozialismus, wie er in diesen Staaten eingeschlagen worden ist. Im Mittelpunkt dieser Frage steht die aus der Oktoberrevolution 1917 hervorgegangene Sowjetunion.

Der Kurs behandelt die nachrevolutionäre Zelt. Gegenstand wird einerseits die reale Entwicklung der ökonomischen, sozialen und politischen Verhältnisse sein, andererseits die Debatten um den Weg zum Aufbau des Sozialismus.

Grundkurs: Geschichtliche und politische Vorkenntnisse sind erwünscht.

4. Karl Marx/Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei

"Auf Deutschland richten die Kommunisten ihre Hauptaufmerksamkeit, weil Deutschland am Vorabend einer bürgerlichen Revolution steht und weil es diese Umwälzung unter fortgeschrittneren Bedingungen der europäischen Zivilisation überhaupt und mit einem viel weiter entwickelten Proletariat vollbringt als England im 17. und Frankreich im 18. Jahrhundert, die deutsche bürgerliche Revolution also nur das unmittelbare Vorspiel einer proletarischen Revolution sein kann."

Völlig anders, als es die Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus erwarteten, hat 140 Jahre nach dieser Aussage des Manifestes in einem Teil Deutschlands eine proletarische Revolution gesiegt, die sich die Durchsetzung des Kapitalismus auf die Fahnen geschrieben hatte. Ist die Programmschrift des Marxismus damit überholt? Welche Aussagen haben heute noch Bestand?

Der Schwerpunkt des Kurses liegt In der Erarbeitung der Schrift, die im Licht unserer heutigen Erfahrungen zu neuen Erkenntnissen führen kann. Hiervon ausgehend kann die Frage nach Hintergrund, Richtigkeit und Relevanz der Aussagen des Textes gestellt werden. Nach Möglichkeit und Interesse der Teilnehmer soll weitere Literatur hinzugezogen werden.

Aufbaukurs: Der Kurs wendet sich in erster Linie an Teilnehmer mit Grundkenntnissen der marxistischen Theorie.

Die Kosten für die Unterbringung werden ca. 160,- DM betragen. Die Verpflegung muß individuell, z. B. durch gemeinschaftliches Kochen in den Häusern, geregelt werden. Teilnehmer/Innen, die Ihre Kinder mit zur Schulung bringen möchten, müßten sich frühzeitig mit uns in Verbindung setzen, damit wir uns um verbilligte Schlafplätze (Kinder-, Zusatzbett) und für die Dauer der Kurse um eine Kinderbetreuung bemühen können (bitte Alter der Kinder angeben). Für ältere Kinder, die einen eigenen Schlafplatz (also kein Kinder- oder Zusatzbett) benötigen, wird in der Regel der volle Preis berechnet.

ANMELDESCHLUSS: 01. Mai 1992

Bitte bei der Anmeldung neben dem Kurs 1. Wahl auch die Nummer eines Alternativkurses angeben (falls der 1. Kurs nicht zustande kommen sollte). Mit der Anmeldung müssen wir zugleich eine Anzahlung für die Unterbringungskosten von mindestens 100 DM erhalten.

MEG, Postfach 10 17 17, 4860 Gelsenkirchen, Kto.-Nr. 871 61-439, Postgiroamt Essen“ (303)

Juni 1992: Im Juni 1992 erscheint die Nummer 55 der Theoriezeitschrift „Aufsätze zur Diskussion“ (AzD) mit dem Schwerpunktthema „Hegemonie in Nah- und Mittelost“ im VTK-Verlag, Frankfurt/Main. Die Redaktion der AzD bilden Manfred Weiß und Klaus Winter. Die Hauptartikel schrieben Andrea Beelte (“Die Nahost-‚Friedens’-Verhandlungen. Stabilisierung einer Region?“) und Tanja Ross („Der Westen muß seine Frucht vor dem Pantürkismus vergessen …“). In der Rubrik „Geschichte“ schrieben Michael Vogt („Die zweite Revolution. Die Entwicklung der Sowjetunion seit der Oktoberrevolution. Teil 2“) und Klaus Lehmann („Zu Michael Vogts Thesen zur deutschen Geschichte“). (304)

1993

Januar 1993: Im Januar 1993 erscheint die Nummer 56 der Theoriezeitschrift „Aufsätze zur Diskussion“ (AzD) mit dem Schwerpunktthema „Perspektiven“ im VTK-Verlag, Frankfurt/Main. Die Redaktion der AzD bilden: Manfred Weiß und Klaus Winter. Zum Titel heißt es in der Vorbemerkung u. a.: „Einige Beiträge in der vorliegenden Ausgabe der Aufsätze zur Diskussion gehen auf die Bestimmung der weiteren Aufgaben und Perspektiven der Zeitschrift ein. Robert Schlosser stellt mit seinem Anstoß zur Diskussion die Frage, ob nach der Auflösung der Kommunistischen Gruppen die AzD noch eine Lebens-Aufgabe besitzen. Auch Heiner Karuscheit, Georg Konrad und Manfred Weiß gehen dieses Problem von verschiedenen Seiten her an.“ Die Artikel schrieben Robert Schlosser („Im Club der toten Dinge. Eine Kritik der (wert)fundamentalistischen Irrtümer in Robert Kurz' Buch "Der Kollaps der Modernisierung"“), Heiner Karuscheit („Über produktive Arbeit und eine sterile Diskussion“), Robert Schlosser („Die KGs sind tot! Leben die AzD? Zur Einschätzung der AzD“), Georg Konrad (Essay über unsere Situation“), Manfred Weiß („Können die AzD in ein neues Richtungsorgan verwandelt werden?“), Heiner Karuscheit („Das Verschwinden oder die Rückkehr des Nationalstaats? Über den russischen Hintergrund der Verträge von Maastricht“). In der Rubrik „Geschichte“ erschien von Michael Vogt: “Der Bauernsozialismus. Die Entwicklung der Sowjetunion seit der Oktoberrevolution, Teil 3“. (305)

Juni 1993: Im Juni 1993 erscheint die Nummer 57 der Theoriezeitschrift „Aufsätze zur Diskussion“ (AzD) mit dem Schwerpunktthema „Untergang der Sowjetunion (UdSSR)“ im VTK-Verlag, Frankfurt/Main. Die Redaktion der AzD bilden nun Fritz Gött und Heiner Karuscheit. Dazu heißt es in der Vorbemerkung: „Auf der zweiten Konferenz des AzD-Trägerkreises, der im Spätherbst 1991 an die Stelle der KGs(NHT) getreten ist, mußte aus Anlaß des Rücktritts von M. Weiß und K. Winter die Redaktion neu gewählt werden. Fritz Gött und Heiner Karuscheit bilden die neue Redaktion. Sie kündigten an, die AzD (weiterhin) auf Basis der "Programmatischen Erklärung" des Trägerkreises (AzD 54, S.79) als pluralistische Zeitschrift des revolutionären Marxismus mit kontroversen Positionen herauszugeben, unabhängig davon, daß sie selber weitergehende Auffassungen vertreten und eine Öffnung zu grundsätzlichen Fragen der Politik wünschen.“

Die Artikel schrieben Michael Vogt („Der Bauernsozialismus. Die Entwicklung der Sowjetunion seit der Oktoberrevolution. Teil 4“), Robert Schlosser („Barbarischer "Sozialismus" oder Josef S. läßt grüßen! Zwischenbilanz zur Artikelserie des M. Vogt über die Entwicklung der Sowjetunion“), Karl Müller („Geschichtsbild der falschen Konkretheit. Anmerkungen zu M. Vogts Artikelserie über die Entwicklung der Sowjetunion“) und nochmals Robert Schlosser („Gegen das "klassenkampftheoretische" und "politische" Verständnis des Marxismus“). Der letzte Artikel beschäftigt sich mit dem bisherigen Marxismus-Verständnis in der Arbeiterbewegung. (306)

August 1993: Voraussichtlich im August 1993 erscheint im VTK-Verlag die 396 Seiten umfassende Schrift von Heiner Karuscheit und Alfred Schröder: „Von der Oktoberrevolution zum Bauernsozialismus. Aufsätze über die Klassenkräfte an den Wendepunkten der russisch-sowjetischen Geschichte von 1917 bis 1991“. (307)

Dezember 1993: Im Dezember 1993 erscheint die Nummer 58 der Theoriezeitschrift „Aufsätze zur Diskussion“ (AzD) mit dem Schwerpunktthema „Lateinamerikas Vergangenheit“ im VTK-Verlag, Frankfurt/Main. Die Redaktion der AzD bilden Fritz Gött und Heiner Karuscheit. Artikel schrieben Karl Niemand („Nachforschungen zur "Partido Comunista del Peru - Sendero Luminoso" (PCP-SL), Teil 1“), Heiner Karuscheit („Dorfgemeinde und Revolution in Mexiko, Teil 1“), Fritz Gött („Zur Besiedelung und Kultivierung Amerikas - neue Literatur“), Klaus Lehmann („Der deutsche Faschismus: Re-Agrarisierung und bäuerlicher Anti-Modernismus?“) und wieder Fritz Gött („Neues aus der Arbeitsmedizin. Eine Buchbesprechung“). (308)

1994

März 1994: Im März 1994 erscheint die Nummer 59 der Theoriezeitschrift „Aufsätze zur Diskussion“ (AzD) mit dem Schwerpunktthema „Kapital – Monopol - Staat“ im VTK-Verlag, Frankfurt/Main. Die Redaktion der AzD bilden Fritz Gött und Heiner Karuscheit. Sie enthält die Artikel: „Kapital - Monopol – Staat. Thesen der Arbeitsgruppe politische Ökonomie“, Klaus Winter: „Großmanns Zusammenbruchsgesetz. Teil 3: Ein Vergleich mit dem Marxschen Kapital“, Klaus Lehmann: „Die faschistische "Volksgemeinschaft"“ und den Leserbrief: „Zu dem Buch "Von der Oktoberrevolution zum Bauernsozialismus" (Kai Ehlers)“. (309)

November 1994: Im November 1994 erscheint die Nummer 60 der Theoriezeitschrift „Aufsätze zur Diskussion“ (AzD) mit dem Schwerpunktthema „Revolutionstheorie“ im VTK-Verlag, Frankfurt/Main. Die Redaktion der AzD bilden Fritz Gött und Heiner Karuscheit. Sie enthält die folgenden Artikel: „Kommentar: Die Bundestagswahlen, die PDS und die soziale Frage“, Karl Niemand: „Nachforschungen zum Partido Comuniste del Peru - Sendero Luminoso (PCP-SL). Teil II: Deine Augen - ein Schrei“, Heiner Karuscheit: „Dorfgemeinde und Revolution in Mexiko, Teil II“), Heiner Karuscheit: „Zwischen "asiatischer Revolution" und Sozialismus. Anmerkungen zum Charakter des russischen Oktobers aus Anlaß einiger Kritiken“ und Manfred Weiß: „In Erinnerung an Jens Scheer“.

In der Vorbemerkung macht die Redaktion auf zwei neue Gruppierungen aufmerksam: „Der Verein "Sozialistische Theorie und Arbeiterbewegung" (STAB) ist offenbar aus dem Umkreis von DKP und SED hervorgegangen. In den in Heft 1/1993 abgedruckten "Grundpositionen" wird das Nichtvorhandensein eines revolutionären Programms festgestellt, auf Marx, Engels und Lenin Bezug genommen und "die Erneuerung und Vereinheitlichung der kommunistischen Bewegung in Deutschland" angestrebt. Das Schwerpunktthema des ersten Heftes befaßt sich mit Veränderungen in der Struktur der Arbeiterklasse. In diesem Zusammenhang wird auch die DKP kritisiert, weil sie sich von der Arbeiterklasse ab- und anderen sozialen Schichten zugewandt hat (Adresse: STAB c/o Mieterladen, Berlinickestr. 11, 12165 Berlin).

Die andere Gruppierung besteht aus Kritikern der "Krisis" (darunter dem AzD-Autor Robert Schlosser), die sich bislang an Kurz und Klein orientiert haben. In der Nummer 1/1994 der Zeitschrift "Übergänge" (Zirkular zur Kritik von Ökonomie und Politik) wird im wesentlichen der Wertbegriff der "Krisis" kritisiert und demgegenüber die (korrekte) Rekonstruktion der Kritik der Politischen Ökonomie postuliert (Adresse: Hamburger Studienbibliothek, Thadenstr.118, 22767 Hamburg).“ (310)

1995

Mai 1995: Im Mai 1995 erscheint die Nummer 61 der Theoriezeitschrift „Aufsätze zur Diskussion“ (AzD) mit dem Schwerpunktthema „Nationalsozialismus“ im VTK-Verlag, Frankfurt/Main. Die Redaktion der AzD bilden Fritz Gött und Heiner Karuscheit. Artikel schrieben Heiner Karuscheit: „Kampf für einen germanischen Massenstaat. Modernisierung, Reagrarisierung oder Herrschaft des Monopolkapitals - Zur Auseinandersetzung um den Nationalsozialismus“ und
Robert Schlosser: „Über die Unverzichtbarkeit des Marktes. Eine Kritik an den "sozialistischen Marktwirtschaftlern". Dokumentiert wurde ferner ein „Vorschlag für die Einheit der internationalen kommunistischen Bewegung“ von der Parti du Travail de Belgique – PTB. Dazu heißt es in der Vorbemerkung: „Am 17. - 19.März fand ein vom Verein zur Förderung des Studiums der Arbeiterbewegung Köln veranstaltetes Seminar statt. (Postfach 270324, 50509 Köln, Tel. 0221/175755). Einer der Punkte dieses Seminars war die Diskussion über den „Vorschlag …“.

Über weitere Gruppierungen der Linken schreibt die Redaktion: „Die in der letzten AzD annoncierte Zeitschrift "Sozialistische Theorie und Arbeiterbewegung" (STAB) hat ihr Erscheinen eingestellt. Dafür möchten wir auf die "Weißenseer Blätter" aufmerksam machen. In ihnen meldet sich vor allem der linke Flügel der "Kommunistischen Plattform" in der PDS zu Wort. Sie erscheinen vier bis sechsmal jährlich mit einem Jahresumfang von in der Regel mehr als 300 Seiten, sind kostenlos zu beziehen und finanzieren sich über Spenden. In der Ausgabe 1/95 steht die Frage des (Anti-) Stalinismus im Mittelpunkt, mit der Perspektive, die ökonomischen und sozialen Bedingungen zu untersuchen, unter denen Stalin an der Spitze der KPdSU stand (Bestelladresse: Hanfried Müller, Ehrlichstr. 75, D-10318 Berlin).

Mit der Geschichte der Sowjetunion befaßt sich in einer laufenden Artikelfolge unter dem Titel "Sozialismus - wie weiter?" auch die "Arbeiterstimme" (DM 5,- pro Nummer; Bestellungen an: Thomas Gradl, Postfach 91 03 07, D-90261 Nürnberg).“ (311)

November 1995: Am 11. und 12. November 1995 findet die 3. AzD-Trägerkreiskonferenz statt. Ein Bericht, den die Redaktion der AzD dort über den Zustand der Linken und die Neuentstehung eines kommunistischen Flügels abgegeben hat, erscheint in den „Aufsätzen zur Diskussion“ (AzD), Nr. 62, Jg. 18, April 1996, S. 79-86. Dort heißt es dazu:

„Am 11./12.November 1995 fand die 3. Konferenz des AzD-Trägerkreises statt. Am ersten Tag war das Thema die Entwicklung der Sowjetunion in den 50er Jahren. Nach dem einleitenden Referat (in überarbeiteter Form in den "Weißenseer Blättern" 1/96 veröffentlicht) kam es zur Diskussion über die darin vertretenen Positionen ... Es wurden im großen und ganzen nur Fragen gestellt, deren Stoßrichtung in einigen Fällen jedoch prinzipiell andere Auffassungen vermuten ließ, die indes nicht offengelegt wurden, so daß die Diskussion insgesamt schleppend verlief.

Der zweite Tag widmete sich der Einschätzung der Linken anhand des von der Redaktion vorgelegten Berichts. Der Bericht wurde ohne Abstimmung zur Kenntnis genommen, aber kontrovers diskutiert. Es ging insbesondere um die Frage, ob der Niedergang der SPD grundsätzlichen Charakter trägt oder vorübergehend ist. Zum Abschluß wurde die alte Redaktion (Fritz Gött und Heiner Karuscheit) einstimmig wiedergewählt.“ (312)

1996

April 1996: Im April 1996 erscheint die Nummer 62 der Theoriezeitschrift „Aufsätze zur Diskussion“ (AzD) ohne ausdrücklich angegebenes Schwerpuntthema im VTK-Verlag, Frankfurt/Main. Die Redaktion der AzD bilden Fritz Gött und Heiner Karuscheit. Die Artikel schrieben Manfred Weiß („Monopol – Imperialismus - Allgemeine Krise - STAMOKAP. Die Diskussion in der Zeitschrift Z“), Karl Niemand („Nachforschungen zum "Sendero Luminoso", Teil III: Zeit der Tränen“), Heiner Karuscheit („Über die Klassenkämpfe zwischen Proletariat und Bauernschaft, den roten Faden in der sowjetischen Entwicklung. Die Auseinandersetzung in den 50er Jahren“) und Petra Bach („Die Krise des Sozialstaats und die Stellung der Kommunisten“).

Zur Debatte in den eigenen Reihen erscheint, so heißt es in der Vorbemerkung zur Ausgabe, ein „Bericht, den die Redaktion auf der 3. AzD-Trägerkreiskonferenz im November 1995 über den Zustand der Linken und die Neuentstehung eines kommunistischen Flügels abgegeben hat.

Zum Abschluß findet sich in der Rubrik "Diskussion" ein Beitrag von H. Karuscheit über den Niedergang der SPD. Aus der von ihm konstatierten Tatsache, daß die Arbeiterschaft beginnt, sich von der Sozialdemokratie abzuwenden, und die bürgerliche Hegemonie erste Risse zeigt, zieht er die Konsequenz, daß eine politische Zeitschrift geschaffen werden müsse, die die Kommunisten um sich herum gruppiert. Diese Schlußfolgerung wird von der Redaktion insgesamt nicht geteilt. Sie plädiert jedoch für eine Diskussion der dort angeschnittenen Fragen.“ (313)

November 1996: Im November 1996 erscheint die Nummer 63 der Theoriezeitschrift „Aufsätze zur Diskussion“ (AzD) mit dem Schwerpunktthema „Islamismus“ im VTK-Verlag, Frankfurt/Main. Die Redaktion der AzD bilden Fritz Gött und Heiner Karuscheit. Artikel schrieben Heiner Karuscheit („Zu einigen Fragen der Revolutionstheorie aus Anlass von Huars Artikel“), Ulrich Huar („Proletarische und antikoloniale Revolution“), Manfred Weiß/Erwin Maurer („Das "Bündnis für Arbeit". Ein strategischer Versuch der deutschen Gewerkschaften, die bisherige "sozialpartnerschaftliche Politik" unter verschärften gesellschaftlichen Bedingungen fortzusetzen“) und Benjamin Baumgarten („Die Stalin-Note - Eine Strategie gegen die westliche Welt. Wie mit der Ermordung Berijas auch Stalins Deutschland-Strategie liquidiert wurde“). Ferner wurde aus der Zeitschrift „Das Parlament“ vom 30.8.1996 der Artikel „Spannendes "Great Game" um die politische Vorherrschaft und um die Bodenschätze in Zentralasien“ dokumentiert. (314)

1998

Februar 1998: Im Februar 1998 erscheint die Nummer 1 des politischen Organs „Kommunistische Zeitung“. Die Autoren stammen aus dem Kreis um die Theoriezeitschrift „Aufsätze zur Diskussion“ (AzD). Über ihre Beweggründe schreiben sie:

„Erklärung zur Herausgabe der "Kommunistischen Zeitung"

1. Die beginnende Lösung der Arbeiterklasse aus der bürgerlichen Hegemonie

Im Unterschied zum Kaiserreich und zur Weimarer Republik war die Arbeiterbewegung in der BRD über Jahrzehnte fest in die bürgerliche Hegemonie über die Gesellschaft eingebunden. Die großen Volksparteien SPD/CDU/CSU verkörperten die bürgerliche Vorherrschaft über die Arbeiterbewegung ebenso, wie sie zugleich Instrumente ihrer politischen Verwirklichung waren. Die sozialdemokratisch geprägten und der Sozialpartnerschaft sowie dem Grundgesetz statuarisch verpflichteten Gewerkschaften beschleunigten die Integration der Arbeiterklasse in die bürgerliche Gesellschaft mit einer Sozial- und Tarifpolitik, die dem Erhalt der Klassenzusammenarbeit absolute Priorität zuordnete. Die ökonomische Grundlage dieser Entwicklung war eine lang währende Prosperitätsphase des Kapitalismus, in der Wohnungsnot und Armut über Jahrzehnte hinweg zu gesellschaftlichen Randerscheinungen herabgedrückt und das Reallohnniveau breiter Schichten der Arbeiterklasse gehoben werden konnte.

Die seit den siebziger Jahren steigende Arbeitslosigkeit konnte bis zum Beginn der neunziger Jahre durch den Sozialstaat politisch entschärft werden. Heute hat die Massenarbeitslosigkeit ein Ausmaß erreicht, das den Sozialstaat als Instrument bürgerlicher Hegemonie in eine Krise geführt hat. Die aus dem Produktionsprozess heraus fallenden Teile können nicht mehr auf dem bisherigen Niveau finanziert werden, steigende Sozialabgaben und das Anwachsen der industriellen Reservearmee verstärken den Druck auf das Reallohnniveau.

Wachsende Teile der Arbeiterklasse beginnen, sich von den bürgerlichen Volksparteien und den sozialpartnerschaftlichen Gewerkschaften abzuwenden. Zunehmende Wahlenthaltung in den Städten und hier speziell in den Arbeitervierteln, Krise der SPD als Großstadtpartei, Austritte aus den Gewerkschaften, welche sich seit mehreren Jahren weigern, den Lohnkampf zu führen, dokumentieren diesen Prozess. Neben der Wahlenthaltung führte diese Abwendung zur Stimmabgabe für die Parteien des rechten Spektrums, weil es auf der Linken keine Kraft gab, welche die sozialen Interessen der Arbeiter verfocht. Darin drückt sich jedoch auch die beginnende Loslösung der Arbeiterklasse aus der bürgerlichen Hegemonie aus. Damit reifen langsam die objektiven Voraussetzungen für eine künftige Verbindung von wissenschaftlichem Sozialismus und Arbeiterbewegung heran.

Einer solchen Verbindung stehen heute zwei Haupthindernisse entgegen: auf Seiten der Arbeiterklasse die sozialdemokratischen Gewerkschaften, die hartnäckig um die fortgesetzte Einbindung der Arbeiterbewegung in den bürgerlichen Staat kämpfen ("Verteidigung des Sozialstaates", "Bündnis für Arbeit") und so den Loslösungsprozess, der in den objektiven Verhältnissen begründet ist, verlangsamen; auf Seiten des Sozialismus die theoretische und politische Gestalt des von der Linken verkörperten Marxismus.

2. Die Hegemonie der neuen Mittelschichten und der Linken

Seit den sechziger Jahren waren sämtliche gesellschaftlichen Bewegungen, von der Jugend- und Studentenbewegung bis zur Ökologie-, Friedens- und Frauenbewegung, von den neuen Mittelschichten getragen und dominiert. Diese haben sich in den "Grünen" eine eigene parlamentarische Interessenvertretung geschaffen, mit Flügeln auch in SPD, PDS und Union. Die Linke steht unter der ideologischen Hegemonie dieser Schichten. Im Zentrum ihrer Politik und Theorie steht der Kampf gegen die sog. "Rechtsentwicklung", gegen "Rassismus" und "Militarisierung" der BRD, für die Schaffung einer multikulturellen Gesellschaft und für ein kleinbürgerlich-utopisches Programm, das die sich abzeichnende Krise der kapitalistischen Gesellschaft über eine Ausweitung der Staatstätigkeit und des sog. "Sozialstaats", finanziert aus den Taschen der Werktätigen, eindämmen soll. Völlig unabhängig von den erklärten Absichten führen die Positionen der Linken zur Verteidigung der bürgerlichen Republik gegen ihre Kritiker:

Die BRD wurde 1949 in Form des Sozialstaats auf dem Bündnis von Kapital und Arbeit gegründet. Tragende Säule des Sozialstaats ist die "Sozialpartnerschaft", die auf Seiten der Arbeiterklasse durch SPD und Gewerkschaften vermittelte Klassenzusammenarbeit.

Finanzieller Kern des Sozialstaats sind die Sozialversicherungen mit den Beiträgen der Werktätigen; durch sie werden einerseits die aus dem Produktionsprozess heraus fallenden Teile der Bevölkerung finanziert. Andererseits werden sie durch den Staat im Interesse des Kapitals und der politischen Klientel der jeweils regierenden Volkspartei umverteilt. Die führenden Gruppen des deutschen Kapitals wollen nach wie vor keinen Konfrontationskurs, sondern zielen auf den Abbau von Löhnen und Sozialleistungen im Konsens mit den Gewerkschaften, um den Sozialstaat als Grundlage der bürgerlichen Herrschaft in den Massen aufrechtzuerhalten. Indem die Linke das Gegenteil behauptet, stellt sie sich an die Seite des DGB, um die Bundesregierung zu kritisieren, und verteidigt mit dem Sozialstaat zugleich die Sozialpartnerschaft mit dem Kapital.

Die Aufgabe der Kommunisten besteht demgegenüber darin, in Kritik der sozialdemokratischen Gewerkschaftspolitik die divergierenden Klasseninteressen herauszuarbeiten und die soziale Frage zu stellen. Von den Gewerkschaften ist zu verlangen, den Lohnkampf ohne Rücksicht auf die Sozialpartnerschaft zu führen. Im Gegensatz zur Politik des DGB, gilt es, für die gesetzliche Herabsetzung der Arbeitszeit und Beschränkung der Überstunden zwecks Erhaltung der Arbeitskraft und Linderung der wachsenden Arbeitslosigkeit einzutreten.

Die staatliche Verfügung über die Sozialversicherungskassen ist aufzuheben und die Selbstverwaltung durch die Werktätigen zu fordern. Durch die Trennung von Staat und Kirche ist die Kirche aus allen sozialstaatlichen und öffentlichen Einrichtungen zu entfernen.

Innenpolitisch haben sich die bürgerlich-parlamentarischen Herrschaftsformen des Kapitals seit dem 2. Weltkrieg durchgängig gefestigt. Demgegenüber verficht die Linke fast ebenso lange die Theorie der Rechtsentwicklung bzw. "Faschisierung" der BRD.

Seit Beginn der neunziger Jahre hat diese Theorie eine neue Qualität gewonnen, da nunmehr - in der Vorstellung der meisten Linken - auch die Arbeiterklasse der Rechtsentwicklung anheim gefallen ist, weil ihre Loslösung aus der bürgerlichen Hegemonie bislang zur Stärkung der Rechtsparteien führte und sie als einzige gesellschaftliche Kraft entschieden gegen eine Politik der "offenen Grenzen"steht. Der "Antifaschismus" ist so zur Kampfparole der neuen Mittelschichten und der Bourgeoisie geworden - gegen die Arbeiterklasse. Gleichzeitig fordert die Linke vom Boden des Pazifismus aus die Abschaffung der Bundeswehr. In der gesellschaftlichen Realität stärkt dies die ohnehin in der Bourgeoisie geführte Debatte über den Übergang zu einer Berufsarmee, die als Bürgerkriegsarmee und für internationale Einsätze tauglicher ist als eine Wehrpflichtarmee. Die Forderungen der Kommunisten lauten demgegenüber:

Verteidigung des Verhältniswahlrechts und der allgemeinen Wehrpflicht, Aufhebung des KPD-Verbots.

Gesellschaftspolitisch nutzt das Kapital die Forderung nach Zuwanderung (Einwanderungsgesetz, Familienzusammenführung, sog. "Auslandsdeutsche"), um durch Vergrößerung der industriellen Reservearmee ein Mittel zur weiteren Lohnsenkung und Spaltung der Arbeiterklasse zu haben. Die bürgerlichen Parteien haben das Asylrecht geändert, weil sie auf dem Boden des allgemeinen Wahlrechts ihre Schwächung zugunsten rechter Parteien befürchten mussten, da die breiten Massen der Werktätigen wegen der verschärften Konkurrenz um Löhne, Arbeitsplätze und Wohnungen gegen jede weitere Zuwanderung sind. Die Linke sieht darin einen neuerlichen Beweis für den in Bourgeoisie und Proletariat vorhandenen "Rassismus" der Deutschen.

Während sie früher die Zuwanderung als Schwächung der unterentwickelten Länder kritisierte, fordert sie heute "offene Grenzen" und eine "multikulturelle Gesellschaft" auf Kosten insbesondere der Arbeiterklasse.

Da die Zersplitterung der Arbeiter nach ihren Herkunftsländern den gemeinsamen Klassenkampf gegen das Kapital behindert, treten wir als Kommunisten für die Vereinheitlichung des Proletariats ein; das bedeutet ein Ende der Zuwanderung und die Assimilierung der hier lebenden ausländischen Arbeitsbevölkerung. Zu einer solchen Politik der Vereinheitlichung der Klasse gehört auch die Abschaffung des Berufsbeamtentums und anderer ständischer Überbleibsel.

Bündnispolitisch abgesichert durch die Mitgliedschaft in der NATO, dieser Organisation zur Verteidigung der bürgerlichen Gesellschaftsordnung und der US-Vormacht über Europa, strebt die deutsche Bourgeoisie danach, die europäische Hegemonie zu gewinnen. Dabei kalkuliert sie, dass ihr diese Stellung aufgrund der ökonomischen Stärke des deutschen Kapitals automatisch zufallen wird und setzt daher in der Außenpolitik im Wesentlichen auf friedliche Mittel. Unbeeindruckt von sinkenden Militärausgaben verficht die Linke dagegen Parolen von der Vorbereitung eines 3. Weltkriegs zwecks Schaffung eines neuen "Großdeutschen Reichs" und rechtfertigt unterschwellig die weitere NATO-Zugehörigkeit und Anwesenheit ausländischer Truppen, um den "kriegslüsternen deutschen Imperialismus" zu bändigen. Demgegenüber fordern die Kommunisten den Austritt aus der NATO sowie den Abzug aller ausländischen Truppen, die bei künftigen sozialen Unruhen ein willfähriges Instrument in den Händen der Bourgeoisie sind.

Die Schaffung einer europäischen politischen Union (speziell eine deutsche Forderung), die Schaffung eines einheitlichen Wirtschafts- und Währungsblocks einschließlich eines gemeinsamen Arbeitsmarktes, das sind die Forderungen der europäischen Kapitals. Neben der Beseitigung der Handelsfriktionen durch Zölle und Währungsschwankungen ist es hauptseitig der Arbeitsmarkt, der dem Kapital speziell der entwickelten europäischen Länder am Herzen liegt. Die Träume, die das deutsche Kapital von Europa hegt, sind portugiesische Lohnkosten und deutsche Verkaufspreise. Die Zeche für diese Träume sollen die Werktätigen zahlen. Gegen dieses Europa der Kapitalinteressen fordert das Proletariat der entwickelten europäischen Länder die Wiederaufrichtung der vom Kapital niedergerissenen Grenzen der nationalen Souveränität über das Wirtschaftsgeschehen, hier speziell über den Arbeitsmarkt. Während sich das Kapital heute als Kosmopolit und Internationalist, zumindest aber als "Europäer" gebärdet (aus demselben Grunde wie es sich vor einem Jahrhundert nationalistisch und schutzzöllnerisch gebärdete), weil dies seinen ökonomischen Interessen entspricht, wird das Proletariat durch seine ökonomischen Interessen auf die Position der Verteidigung der nationalen Souveränität gedrängt, weil es nur so seinen erkämpften Lebensstandard verteidigen kann.

Gegen diese Europapläne des Kapitals fordert die Linke eine "internationale Kooperation der Gewerkschaftsbewegung zur besseren Verteidigung gegen wirkliche oder vorgetäuschte Konkurrenz mit billigerer Arbeitskraft in anderen Ländern". Diese Forderung nach "internationaler Kooperation" der Gewerkschaften bewirkt in der Praxis gar nichts, solange es völlig unterschiedliche Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Europäischen Union gibt. Sie ist einzig eine sozialdemokratische Sprachregelung, die der Arbeiterbewegung das "europäische" Programm des Kapitals schmackhaft machen soll. Wer so seine Haut vor dem "Nationalismus" der Arbeiterbewegung retten will, hat sie bereits an das Kapital verkauft.

Auf dem Gebiet der Theorie besteht die Aufgabe darin, die Niederlagen der Arbeiterbewegung im 20. Jahrhundert zu erklären. Ebenso muss die Arbeit an den noch offenen Fragen der Klassenanalyse der BRD weiter getrieben werden; in ihrem Zentrum steht die Untersuchung der Veränderung des Arbeitskörpers sowie der Entwicklungstendenzen des Kapitals. Ziel der theoretischen Arbeit ist die Schaffung der Grundlagen für ein künftiges Programm der Kommunisten.

Die wesentliche Ursache für die theoretischen und politischen Fehler der Kommunisten in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts sehen wir in der Überschätzung des Entwicklungsstandes der gesellschaftlichen Verhältnisse in Europa. So begriffen die Kommunisten den Faschismus einzig als terroristische Herrschaftsform des Monopolkapitals. Die der faschistischen Bewegung zugrunde liegenden gesellschaftlichen Strömungen, die Klassenkräfte dieser Massenbewegungen, wurden weder theoretisch untersucht noch in der politischen Praxis berücksichtigt. In Italien wie in Deutschland bildete damals das alte, von der Entwicklung des Kapitalismus bedrohte Kleinbürgertum auf dem Land und in der Stadt noch immer eine bedeutende Schicht der Gesellschaft. Diese Kräfte gerieten nach dem 1. Weltkrieg (Italien) bzw. Ende der 20er Jahre (Deutschland) in politische Bewegung. Der Faschismus wurde der politische Ausdruck einer selbständigen Erhebung des Kleinbürgertums, die sich sowohl gegen die alten Eliten als auch gegen den Liberalismus und die organisierte Arbeiterbewegung richtete. Das erklärte Ziel dieser Massenbewegungen war die Umwälzung der alten Gesellschaft von rechts, die Schaffung einer neuen, egalitären Volksgemeinschaft, welche die Klassenspaltung der Moderne durch einen "nationalen Sozialismus" ohne Angriff auf das Privateigentum an den Produktionsmitteln überwinden sollte. Damit verkörperte der Faschismus die rückwärtsgewandten Utopien des Kleinbürgertums sowohl gegen die Entwicklung des Kapitalismus als auch gegen den Klassenkampf des Proletariats.

Zur Macht gelangten die faschistischen Bewegungen allerdings nicht durch den Sturz der alten Eliten, sondern im Bündnis mit ihnen, als deren Parteien ihren Rückhalt in der Bevölkerung verloren hatten. Zur Sicherung ihrer ökonomischen Stellung ebneten Großgrundbesitzer und Teile der Bourgeoisie den faschistischen Führungen den Weg zur Regierungsbeteiligung und schließlich zur politischen Macht. Im Gegenzug liquidierten diese die gegen Kapital und Großgrundbesitz gerichteten revolutionären Bestrebungen ihrer kleinbürgerlichen Massenbasis. Erst durch die Umwandlung des als Revisionskrieg begonnenen Weltkriegs in einen Siedlungs- und Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion ging die NS-Führung in Deutschland daran, sich aus dem geschlossenen Klassenkompromiss zu lösen und ihr eigenes Programm in die Tat umzusetzen.

Wo sich in Europa zwischen den Kriegen eine revolutionäre Situation entwickelte (Deutschland, Italien, Ungarn, Spanien), stand noch immer die bürgerliche Revolution auf der Tagesordnung, die in allen diesen Ländern unvollendet geblieben war. Theorie, Strategie und Taktik des europäischen Marxismus orientierten dagegen auf die Eroberung der politischen Macht in einer sozialistischen Revolution. In den entscheidenden Klassenschlachten dieser Zeit stand darum das Proletariat sowohl innerlich gespalten als auch ohne ein dem gesellschaftlichen Entwicklungsstand der jeweiligen Länder angemessenes Klassenbündnis mit den Massen des Kleinbürgertums da. Aufgrund dieser fehlerhaften Revolutionstheorie wurde der europäische Marxismus zu einer Theorie der Niederlagen für das Proletariat.

Durch den unaufhaltsamen Rückgang des alten ständischen Kleinbürgertums sind die Grundlagen für einen neuen Faschismus heute nicht mehr vorhanden. Der Faschismus ist ein Produkt der revolutionären Situation nach dem 1. Weltkrieg, ein Problem dieser Epoche, und als solches für die europäische Geschichte erledigt. Wer am Ende dieses Jahrhunderts, wo die Klassenverhältnisse sich so grundlegend gewandelt haben, dass die Bedingungen für eine sozialistische Umwälzung in der BRD heranreifen, den Kampf gegen eine erneute faschistische Gefahr in das Zentrum seiner politischen Aktivitäten stellt, der verteidigt in der Theorie und in der politischen Praxis die bürgerliche Republik.

3. Herausgabe einer politischen Zeitschrift der Kommunisten

In allen genannten Fragen, die zu den Eckpunkten eines künftigen Programms der Kommunisten gehören, steht die Linke gegen die politischen und sozialen Interessen der Arbeiterklasse. Auch die Mehrzahl der kommunistischen Organisationen ist mittlerweile zu einem Bestandteil der Linken geworden. Nicht nur weil der Marxismus in der gesellschaftlichen Praxis der DDR und der Sowjetunion gescheitert ist, sondern solange er den Massen als klassenfremde Ideologie und Politik unter dem Einfluss der neuen Mittelschichten entgegentritt, bleibt er auch den Teilen der Klasse fremd, die sich aus der bürgerlichen Hegemonie lösen.

Diese Situation erfordert eine politische Publizistik, die an Kernpunkten der gesellschaftlichen Entwicklung die eigenständigen Klasseninteressen des Proletariats gegenüber der Bourgeoisie und in Abgrenzung von den neuen Mittelschichten herausarbeitet, mit dem Ziel, Grundlagen für die künftige Schaffung einer revolutionären Partei des Proletariats zu legen.

Diesem Zweck soll die Kommunistische Zeitung dienen. Neben der Schwerpunktsetzung als politisches Organ wird sie von Zeit zu Zeit auch Zusammenfassungen theoretischer Arbeitsergebnisse veröffentlichen. Die Herausgabe erfolgt unregelmäßig; angestrebt werden ca. fünf bis sechs Ausgaben pro Jahr.

Aufgrund der historischen Erfahrungen der Arbeiterbewegung gehen wir davon aus, dass die Bourgeoisie nicht freiwillig auf die Macht verzichten wird; wir lehnen die von der DKP verfochtene Strategie des „friedlichen Wegs zum Sozialismus“ ab. Der erste Ansprechpartner der Zeitschrift sind die Kräfte, die sich an den Klasseninteressen des Proletariats orientieren, für die künftige Herrschaft der Arbeiterklasse unter der Führung einer kommunistischen Partei eintreten und den Aufbau einer solchen Partei gemäß der Leninschen Parteitheorie anstreben, gleich ob und wo sie organisiert sind.

Die Organisationsfrage ist zurzeit nicht aktuell; statt dessen sind vielfältige Formen der Debatte, lose Zusammenschlüsse und lokale wie regionale Diskussionskreise angebracht, in denen sich die Kommunisten in solidarischer Auseinandersetzung Klarheit über ihre Positionen verschaffen. Nur die Kommunisten, die bereit sind, mit dem gegenwärtigen ideologischen und organisatorischen Zustand der Kommunisten in Deutschland zu brechen, werden auf dem Weg zum Parteiaufbau vorankommen. Wenn die Zeitschrift ihre Aufgabe erfüllen will, kann sie darum kein Organ der Zirkelpolitik sein, sondern muss zum Zentrum derjenigen Kommunisten werden, die erst die theoretische und politische Klarheit wollen und dann die Frage nach der organisatorischen Einheit stellen. Dementsprechend verstehen sich auch die Mitarbeiter der Zeitschrift nicht als neuer Zirkel, sondern als Zusammenschluss einzelner Kommunisten, welche die hier niedergelegten Positionen teilen.

Unter dieser Aufgabenstellung wird die Zeitschrift als politisches Richtungsorgan auf Basis der vorliegenden Erklärung herausgegeben, begreift sich aber darüber hinaus als Diskussionsblatt, in dem auch Kritiker zu Wort kommen, um durch die Herausarbeitung und solidarische Debatte der vorhandenen Widersprüche die Selbstverständigung der Kommunisten in Abgrenzung von der Linken zu fördern.“ (315)


  

Kurzer Exkurs über den AKV (1974 bis 1982)

Frühjahr 1974: Der AKV entsteht als „Reaktion auf Theoriefeindlichkeit und Politsektierertum der Zirkelbewegung“. Die Verlagspublikationen bis 1976 „spiegeln das Bemühen wider, den Marxismus-Leninismus als Wissenschaft zu begreifen und anzuwenden, wobei die Wahl der jeweiligen Themen noch naturwüchsiger mit persönlichen Interessen, Neigungen und Kenntnissen verknüpft war. Diese dreijährige erste Phase theoretischer Arbeit endete, als sich die Anfänge der heutigen NHT abzeichneten.“ (276)

Ab 1976: Der AKV wird durch verschiedene Publikationen bekannt. U. a. veröffentlicht er Schriften über Plechanow und „H.G. Wells spricht mit Josef Stalin“. (277)

Ab 1979: Der AKV veröffentlicht Stellungnahmen zu „Unsere nächsten Aufgaben“ und „Zur Geschichte der westdeutschen ml-Bewegung“? (278)

Frühjahr 1980: Der AKV tritt dem Beirat der AzD bei und verpflichtet sich, die Zeitschrift inhaltlich und finanziell mitzutragen. „Unsere in den AzD 7/8 veröffentliche „Stellungnahme“ begründete diesen Schritt vor allem mit der Notwendigkeit einer systematischen, koordinierten theoretischen Arbeit der wenigen verbliebenen westdeutschen ml-Kräfte. Es war uns allerdings entgangen, dass die Redaktion der AzD den damaligen Arbeitsschwerpunkt ‚Weltanschauung, Dialektik-Materialismus‘, also die ideologische Debatte, nur aus taktischen, nicht aus grundsätzlichen Erwägungen forcierte, während wir zu diesem Zeitpunkt zu der Auffassung gekommen waren, dass dem Abwehrkampf gegen linksbürgerliche Ideologie die Rolle des Hauptkettenglieds zukommt.“ (279)

Spätsommer 1981: Der AKV beginnt damit, sich von der Redaktionslinie der AzD zu distanzieren. „Während wir im Rahmen unserer ideologiekritischen Arbeiten (deren zunehmende Systematik und Konsequenz ein indirektes Ergebnis der Auseinandersetzung mit der NHT-Führung war), auf die innere Problematik der theoretischen Komintern-Leistungen und vor allem auf den Zusammenhang von Komintern-Schwäche und Stärken der bürgerlichen Linken stießen, versteifte sich die AzD-Redaktion darauf, den ML ... mit illusionären politischen Ambitionen als propagandistisches Werkzeug zu gebrauchen, und zwar hier und heute. Die Resultate unserer Recherchen ... führten uns zwangsläufig zu scharfer Kritik an der Redaktion.“ Weiter wurde kritisiert: „Die AzD-Redaktion verkörperte u. E. einen klugen und geschickten letzten Ausläufer der Zirkelbewegung, der an der falschen Orthodoxie der alten Parteien und Bünde, ihrem ideologischen Opportunismus teilhat, den sehnsüchtigen Politpragmatismus der Zirkel teilt, statt endlich die Notwendigkeit einer zwar zermürbenden, aber unumgänglichen ideologiekritischen und historisch ausgreifenden theoretischen Grundlagenarbeit in vollem Umfang anzuerkennen, in lächerlicher Weise auf und mit Sympathisantenmassen und linken Blockbildungen spekuliert, wo die theoretische Abgrenzung und inne Konsolidierung weniger Hundert das Gebot der Stunde, ja der Jahre ist, sich mehr oder weniger wahllos theoretischer Themen annimmt, weil sie im ML ein perfekt funktionstüchtigen Instrumente sieht, das man lediglich gegen bestimmte Personen und Richtungen einsetzen, auf bestimmte brisante Fragen und Probleme anwenden muss, um als Sieger vom Platz zu gehen.“ (280)

Frühherbst 1981: Der AKV formuliert: „Seit dem Frühherbst 1981 kamen gleichzeitig mit unseren Bedenken Stimmen aus der NHT selbst auf, die Kurzschlüssigkeit des Redaktions-Rechenschaftsberichts kritisieren. Bei vorhandenen Differenzen innerhalb dieser Opposition sind sich die wesentlichen Sprecher der Richtung darin einig, dass eine ‚politökonomische‘ Ausrichtung der AzD/NHT und eine Umfriedung der MEG auf ‚Zeitprobleme‘ hin, eine wie auch immer abgewickelte Verstrickung der NHT-Basis in Aufgaben einer ‚politischen Praxis‘, ein Marsch der AzD und der NHT in die bürgerliche Linke mit dem Ziel einer ‚politischen Praxis‘, ein Marsch der AzD und der NHT in die bürgerliche Linke mit dem Ziel einer ‚revolutionären Blockbildung‘.“ (281)

22. September 1982: Der AKV beschreibt sein kommendes Programm: „Einen Weg zwischen einem falschgläubigen Traditionalismus, der sich für ‚die Politik‘ gerüstet wähnt, und einem linksbürgerlichen Skeptizismus zu finden, der den ML erschüttert von seinen historischen Niederlagen und Fehlleistungen, mit spitzen Fingern fallen lassen möchte. Entlang dieser Linie gedenken wir, ideologiekritisch die Jugend- und Studentenbewegung (mitsamt ihrem weltanschaulichen Hintergrund) aufzurollen und damit auch die Zirkelbewegung in ihrer Geschichtlichkeit und ideologischen Abhängigkeit zu durchleuchten, das seit etwa sechzig Jahren bestehende Spannungsfeld zwischen ‚Linkskommunismus‘ und ‚westlichem Marxismus‘ einerseits, dem traditionellen Marxismus-Leninismus andererseits wissenschaftlich zu klären ... Was die NHT betrifft, so gehen wir davon aus, dass in ihr heute ein Großteil der ernsthaft um den ML bemühten Kräfte Westdeutschlands zusammengeschlossen ist. Deshalb darf die Existenz dieser Vereinigung nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden. In gleicher Weise sollte die Zeitschrift AzD bestand haben; denn sie vor allem verkörpert zum gegenwärtigen Zeitpunkt in der BRD das Bemühen, das Bekenntnis zum ML mit eigenständigen wissenschaftlichen Leistungen zu seiner Untermauerung zu verbinden. Solange wir nicht durch bürokratische Maßnahmen an einer Darlegung unserer Positionen und einer Veröffentlichung unserer Beiträge im Rahmen von AzD/NHT bzw. Beirat behindert werden, verbietet sich insofern jeder Fraktionismus.“ (282)


  

Kurzer Exkurs über die MEG (1974 bis 1985)

1974: Nach dem Papier der MEG „Entwicklung und Perspektiven der weiteren MEG-Arbeit“ konstituiert sich erstmalig in Gelsenkirchen eine Marx-Engels (Bildungs-)Gesellschaft, die mit der Friedrich-Engelsgesellschaft der hiesigen DKP (Liboriusstraße) allerdings nichts zu tun hatte. Dazu formulierte der mit bundesweiten Aufgaben betraute Verantwortliche der MEG in einem nicht datierten Papier:

„1974 stellte die MEG Gelsenkirchen den Versuch dar, die MLer und die verschiedenen mit dem Marxismus sympathisierenden Kräfte am Ort zusammenzufassen. Zwei Motive gab es bei ihrer Gründung: Aufarbeitung der Theorie-Defizite, d.h. Aneignung der Klassiker, Verbreitung nach außen, d.h. aktive Propaganda für den Marxismus. Als Fernziel hatte sich die MEG bereits bei ihrer Gründung die Umwandlung zu einer breiten Arbeiterbildungsgesellschaft gestellt, die über den Marxismus hinaus Wissen auf allen möglichen Gebieten (bis hin zu Orthographiekursen) verbreiten wollte. Dies Ziel war aber an einen objektiven Aufschwung der Arbeiterklasse geknüpft und damit an eine Ausbreitung der Verbindung von MLern und Arbeiterbewegung, über die die Genossen der MEG Gelsenkirchen nicht nennenswert verfügten.“ (283)

1976: Nach dem Papier der MEG „Entwicklung und Perspektiven der weiteren MEG-Arbeit“ war die erste MEG in Gelsenkirchen bis ca. 1977 „Bezugspunkt der revolutionären und radikaldemokratischen Kräfte am Ort. Ihre Aktivitäten reichten bis in die damalige Jugendbewegung hinein (enge Kontakte und Zusammenarbeit mit örtlichen Jugendzentren). Neben Klassikerschulungen, die oft von ihrer Themenstellung einen aktuellen Bezug hatten (z. B. Anarchismus und Sozialismus, der im Zuge der RAF-Verfolgung 2 Mal angeboten wurde), machte die MEG Veranstaltungen, Ausstellungen, zeigte revolutionäre Filme in Jugendzentren und erstellte aus aktuellem Anlass eine allgemeine Broschüre zum 88a.“

In einem Statut wurden die Ziele der MEG damals wie folgt formuliert: „Die Gesellschaft stellt sich zur Aufgabe, das Studium des Marxismus-Leninismus ... zu organisieren. Die Gesellschaft will dabei einen Beitrag zur Verteidigung dieser Theorie leisten, sowie vom Standpunkt dieser Theorie aus, Kenntnisse über die Bereiche des menschlichen Wissens verbreiten, deren Beherrschung förderlich für eine Teilnahme am Klassenkampf ist ... Dabei ist die Gesellschaft an keine Partei und kein Parteiprogramm gebunden, stellt sich aber in der Klassenauseinandersetzung auf die Seite der Arbeiterklasse und will mit ihrer theoretischen Arbeit vor allem diese unterstützen. Zur Erreichung ihrer Ziele führt die Gesellschaft Kurse und Veranstaltungen aller Art durch und entwickelt publizistische Aktivitäten.“ (284).

1977: Die MEG formuliert ihre Präambel: „Aneignung und Verbreitung der revolutionären Theorie, Verteidigung des wissenschaftlichen Sozialismus, die Verbreitung von Kenntnissen vom Standpunkt dieser Theorie aus auf allen gesellschaftlichen relevanten Gebieten.“ (285)

1978/79: Die MEG gerät in eine Krise, die sich mit der „Trennung der ML-Bewegung von der gesellschaftlichen Bewegung und ihre Verwandlung von einer politischen Kraft zu einer ideologischen Strömung“ herauskristallisiert. (286)

1978-1979: Nach dem Papier der MEG „Entwicklung und Perspektiven der weiteren MEG-Arbeit“ gehen die Kursteilnehmer in Gelsenkirchen von „22 Teilnehmer auf 14 Teilnehmer zurück“. Die Stagnation soll sich „1981 fortgesetzt“ haben. (287)

Bis 1979: Nach dem Papier der MEG „Entwicklung und Perspektiven der weiteren MEG-Arbeit“ ging „die politische Ausstrahlungskraft der ml-Bewegung verloren. Desto mehr ging auch der Zustrom von neuen Menschen in die MEG zurück, verlor sie ihre Stellung als politischer Bezugspunkt gesellschaftlicher Kräfte am Ort.“ (288)

Frühjahr 1979: Nach dem Papier der MEG „Entwicklung und Perspektiven der weiteren MEG-Arbeit“ wurde im „Rechenschaftsbericht“ festgehalten, dass es zwar gelang „neue Teilnehmer zu gewinnen“, alte MLer aber „abgesprungen seien“ und „insgesamt bestehe die Gefahr einer gewissen Stagnation“. Vgl. MEG: Entwicklung der MEGs und Perspektiven der weiteren MEG-Arbeit, o. O., o. J.

Bis Ende 1979: „Nach dem Papier der MEG „Entwicklung und Perspektiven der weiteren MEG-Arbeit“ konstituiert sich in Gelsenkirchen eine „neue MEG-Initiative“. (289)

1980: Nach dem Papier der MEG „Entwicklung und Perspektiven der weiteren MEG-Arbeit“ konstituiert sich im Laufe des Jahres 1980 eine MEG Rhein/Main. Für die MEG galt nun, dass „der Niedergang der ML-Bewegung die Notwendigkeit der Aneignung der revolutionären Theorie unter den noch vorhandenen ML-Kräften und ihrem Umfeld in den Vordergrund treten ließ“. (290)

22. Februar 1980: Nach dem Papier der MEG „Entwicklung und Perspektiven der weiteren MEG-Arbeit“ fand in Gelsenkirchen eine “Mitgliederversammlung“ statt. Dort sei ein Beschluss der MEG Gelsenkirchen gefasst worden, wonach „die MEG ihre gesamte Arbeit auf die ML-Bewegung, wozu sie auch verstärkte Anstrengungen in Bochum und Essen unternahm, orientierte“. An Kursen wurden seit dieser Zeit u. a. angeboten: „Klassiker-Texte von hohem Niveau und großem Umfang. Verstärkt Kapital und Materialismus und Empiriokritizismus“. Kursräume für die MEG waren in Gelsenkirchen: Die Buchhandlung „Volk und Wissen“ (Bulmkerstraße), die Räumlichkeiten der Marxisten-Gelsenkirchen (Bochumerstraße), später die NHT-Räume (Holbeinstraße) und andere Orte. (291)

1978-1980: Nach dem Papier der MEG „Entwicklung und Perspektiven der weiteren MEG-Arbeit“ gab es zwischen 1978 und 1980 folgende Kursangebote:

I/1978: Grund- und Anfängerkurse: Thomas More (aus aktuellem Anlass zum 500. Geburtstag), Anarchismus und Sozialismus (aktuelle Debatte: RAF, 48er Revolution, Anti-Dühring, 1. Abschnitt.

II/1978: Grund- bzw. Anfängerkurs: Plechanow, Zur Frage der monistischen Geschichtsauffassung, Deutsche Geschichte. Aufbau- bzw. Studienkurs: Kapital, Bd. I, Kapital, Bd. 2.

I/1979: Grund- bzw. Anfängerkurs: Deutsche Geschichte, Teil III, Lohnarbeit und Kapital. Fortgeschrittenen- bzw. Studienkurs: Materialismus und Empiriokritizismus.

II/1979: Grund- bzw. Anfängerkurs: Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft, Lenin: Was Tun?, Anti-Dühring, a. Abschnitt (in Bochum), Lohnarbeit und Kapital, Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung bis 1918.

I/1980: Aufbau- bzw. Anfängerkurs: Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie (in Bochum), Lehrbuch: Grundlagen der marxistischen Philosophie. Aufbau- bzw. Studienkurs: Materialismus und Empiriokritizismus (in Bochum), Fortsetzung der Kapitalkurse.

II/1980: Aufbau- bzw. Studienkurs: Materialismus und Empiriokritizismus, Kapital, Bd. I, Kapital Bd. II. (292)

Frühjahr 1981: Nach dem Papier der MEG „Entwicklung und Perspektiven der weiteren MEG-Arbeit“ stagnierte die „Arbeit der MEG“ weiter „Bis zum Frühjahr 1981 lag die Teilnehmerzahl der MEG Rhein/Main regelmäßig bei 40-50 Personen, im Herbst 1981 nur noch bei 27, wobei 10 Teilnehmer nicht einmal dem normalen Kurspotential der MEG-Kurse in Frankfurt entspringen ... Die MEG laufen Gefahr, sich von einer Gesellschaft, deren vordringlichstes Ziel, die Verbreitung marxistischer Auffassungen war, zu einer Schulungsgruppe zur Qualifizierung der eigenen Mitglieder zurück zu entwickeln.“ (293)

1981-1985: Die MEG führte an verschiedenen Orten in der damaligen BRD Schulungen durch, die im Wesentlichen nicht über die genannten Kursangebote (vgl. 1978-1980) hinausgingen und die meistens über den Jahreswechsel und zum Frühjahr des jeweiligen Jahres Interessenten aus dem linken Spektrum anzogen. Für diese Zeit ist festzuhalten, dass der Kreis der Beteiligten nur unwesentlich über den engeren Sympathisantenkreis der MEG hinausging. (294)


  

Kurzbiografien führender NHTler

Petra Bach, Jahrgang 1962

Heiner Karuscheit, Jahrgang 1944

Alfred Schröder, Jahrgang 1951

Quelle: Kommunistische Debatte (www.kommunistische-debatte.de)


  

Übersicht über die „Aufsätze zur Diskussion“

1. Jahrgang, 1979
AzD 0März 1979 
AzD 1Mai 1979 
AzD 2Juni 1979 
AzD 3September 1979 
AzDSeptember 1979Sondernummer zur KPD
AzDNovember 1979Sondernummer zur AHT
AzD 4Dezember 1979 
2. Jahrgang, 1980
AzDFebruar 1980Sondernummer zum KABD
AzD 5/6März 1980Krise und Zukunft der westdeuschen ML-Bewegung
AzD 7/8Mai/Juni 1980Weltanschauung, Dialektik, Materialismus
AzD 9/10September 1980Bundestagswahlen 1980
AzD 11/12Dezember 1980Westdeutscher Eurokommunismus
3. Jahrgang, 1981
AzD 13März 1981Krise und Grundprobleme des Marxismus
AzD 14Juni 1981Revolutionärer Flügel der Linken
AzD 15September 1981A Gramsci/KritischeTheorie
AzD 16Dezember 1981Vor dem Ende der ML-Bewegung
4. Jahrgang, 1982
AzD 17März 1982Reformismus/Preußen/ML-Bewegung
AzDMai 1982Sondernummer zu unseren nächsten Aufgaben
AzD 18Juli 1982Krisenphilosophie und Naturmystik
AzD 19Oktober 1982Dritter Weg - Wohin?
AzD 20Dezember 1982Ökonomie und Ökologie
5. Jahrgang, 1983
AzD 21April 1983Geschichte der KPD
AzD 22Juli 1983Grünes Wirtschaftsprogramm und Aktualität des Marxismus
AzD 23September 1983Friedensbewegung und deutsche Frage
AzD 24November 1983Außen- und Militärpolitik der Sozialdemokratie
6. Jahrgang, 1984
AzD 25Januar 1984Theorie des Stamokap
AzD 26März 1984Zur Revolution im Westen
AzD 27Mai 1984BRD-Außenpolitik zwischen Frankreich und USA
AzD 28September 1984Marxsche Krisentheorie
AzD 29/30November 1984Im deutschen Interesse - SPD Sicherheitspolitik
7. Jahrgang, 1985
AzD 31März 1985Keynes in der Krise
AzD 32Juni 1985Weimar - Das Erbe der Vergangenheit
AzD 33September 1985EG und USA in Konkurrenz
AzD 34Dezember 1985Unterkonsumtion - Allgemeine Krise
8. Jahrgang, 1986
AzD 35März 1986Europa in der Weltpolitik
AzD 36Juni 1986SPD-Wirtschaftspolitik
AzD 37Oktober 1986Imperialismus, Faschismus, Reaktion?
AzD 38Dezember 1986Parteiaufbau und Politik
9. Jahrgang, 1987
AzD 39Februar 1987Kapital und Monopol (I)
AzD 40Mai 1987Deutschland zwischen Ost und West
AzD 41Juli 1987Kartell, Monopolkapital, Wirtschaftspoltik
AzD 42Oktober 1987Klassenbewegung und Politik
AzD 43November 1987Bürgerliche Herrschaft oder deutscher Sonderweg? Vom Kaiserreich zum Faschismus
10. Jahrgang, 1988
AzD 44Februar 1988Kritik der politökonomischen Auffassungen E. Mandels (1. Teil)
AzD 45April 1988Kapital und Monopol (II)
AzD 46November 1988Zwischen Restauration und liberaler Erneuerung
11. Jahrgang, 1989
AzD 47April 1989Endzeit des Kapitals
AzD 48September 1989Marxismus unserer Zeit?
12. Jahrgang, 1990
AzD 49Februar 1990Die Neuordnung Europas
AzD 50Mai 1990Staatssozialismus / Ständeordnung / Sozialstaat
AzD 51Oktober 1990Vereinigung - der Linken?
13. Jahrgang, 1991
AzD 52Februar 1991Weimar - wessen Republik?
AzD 53September 1991Atlantischer Poker
14. Jahrgang, 1992
AzD 54April 1992Charakter der Oktoberrevolution
AzD 55Juni 1992Hegemonie in Nah- und Mittelost
15. Jahrgang, 1993
AzD 56Januar 1993Perspektiven
AzD 57Juni 1993Untergang der Sowjetunion (UdSSR)
AzD 58Dezember 1993Lateinamerikas Vergangenheit
16. Jahrgang, 1994
AzD 59März 1994Kapital - Monopol - Staat
AzD 60November 1994Revolutionstheorie
17. Jahrgang, 1995
AzD 61Mai 1995Nationalsozialismus
18. Jahrgang, 1996
AzD 62April 1996Monopol, Sozialstaat, bürgerliche Hegemonie
AzD 63November 1996Islamismus
19. Jahrgang, 1997
AzD 64Mai 1997Klassenanalyse
AzD 65November 1997Spanien im Bürgerkrieg
20. Jahrgang, 1998
AzD 66Juni 1998Europäische Währungsunion
21. Jahrgang, 1999
AzD 67März 1999Proletariat und Sozialismus in der Sowjetunion
AzD 68August 1999NS-Debatte / Euro
22. Jahrgang, 2000
AzD 69November 2000Nationalsozialismus I
23. Jahrgang, 2001
AzD 70Juli 2001Nationalsozialismus II
24. Jahrgang, 2002
AzD 71Februar 2002Imperialismus
AzD 72Dezember 2002US-Kriegspolitik / Antisemitismus-Debatte
25. Jahrgang, 2005
AzD 73April 2005Zur sozialen Frage
AzD 74Juli 2005Demokratie und Klassenstaat
26. Jahrgang, 2006
AzD 75Oktober 2006Kontroversen um Stalin
27. Jahrgang, 2007
AzD 76August 2007Aufstieg und Niedergang der USA
28. Jahrgang, 2008
AzD 77September 2008US-Kriegspolitik
29. Jahrgang, 2009
AzD 78Dezember 2009Zur NPD / Finanzmarkt- und Weltwirtschaftskrise
30. Jahrgang, 2010
AzD 79Dezember 2010Altchina / Finanzmärkte / Gewerkschaftspolitik


Letzte Änderung dieser Seite: 14.6.2012



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