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Rude Kappes - Stadtteilzeitung für Köln-Nippes

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Dietmar Kesten, Gelsenkirchen

Der „Rude Kappes“ (auf Hochdeutsch „Rotkohl“) war eine Kölner Stadtteilzeitung, die erstmalig im Dezember 1972 erschien.

Im Editorial der ersten Ausgabe schrieben die Verfasser: „Die Mitglieder der Gruppe der Stadtteilzeitung Rude Kappes vertreten nicht die Richtung irgendeiner politischen Partei, sie vertreten keine religiöse Richtung … Der Rude Kappes soll die Zeitung der Nippeser werden …“ Aufgebaut war der „Rude Kappes“ wie eine Betriebszeitung. Zur Sprache kamen: Renten, Mieten, Stadtteilsanierungen, Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, Öffentlicher Nahverkehr, Anti-Parkhausagitation, Krankenversorgung oder etwa: „Für ein selbstverwaltetes Jugendzentrum“. Immerhin erschien die Zeitung weit über 10 Jahre. Zurzeit kann die womöglich wechselvolle Geschichte der Zeitung nicht geklärt werden. Ob sie immer die „Stadtteilzeitung der KPD/ML (später KPD, d. Vf.) für Nippes“ war, muss bis auf Weiteres offen bleiben (vgl. Dezember 1972).

Weitere Ausgaben erscheinen im Februar und im April 1973 (vgl. Februar 1973; April 1973); eine weitere im Januar 1974 (vgl. Januar 1974).

Die Nr. 3 beschäftigt sich mit der Stadtteilsanierung in Nippes. Gegen die Stadtteilsanierung konstituiert sich das Komitee: „Nippes wird nicht abgerissen“, in dem auch Mitglieder der KPD/ML aktiv sind (vgl. März 1973).

Der KBW äußert sich in seiner „KVZ“ Nr. 1 vom 11.Juli 1973 positiv über die Aktivitäten des „Rude Kappes“ und meint, dass man dort „gute Stadtteilarbeit“ mache (vgl. 11. Juli 1973).

Ab September 1973 dürfte die Handschrift der Zeitschrift immer stärker von der KPD/ML beeinflusst worden sein. Neben einer Polemik zur DKP ruft man dazu auf: „Vereinigen wir uns im revolutionären Klassenkampf gegen das Kapital und seine Handlanger.“ Außerdem zeigt eine Karikatur das bekannte Emblem der KPD/ML: Hammer, Sichel und Gewehr (vgl. September 1973).

Vermutlich im Januar 1974 ändert die Zeitung ihren Untertitel. Sie heißt jetzt: „Rude Kappes - Stadtteilzeitung der KPD/ML“ (vgl. 14. Januar 1974).

Auch die Renten bezieht die Zeitung mit in ihre Agitation ein (vgl. 16. Februar 1974).

Der „Rote Morgen“, der später öfter auf den „Rude Kappes“ eingehen wird, ruft im Februar 1974 zu einer Veranstaltung zum „einjährigen Bestehen“ der Zeitung auf (vgl. 19. Januar 1974).

Vermutlich ist ab dem 14. Januar 1974 der „Rude Kappes“ offizielles Organ der KPD/ML, was sich auch an dem Zusatz „Stadtteilzeitung der KPD/ML für Nippes“ ablesen lässt (vgl. 14. Januar 1974; Februar 1974).

Solidaritätsbekundungen gibt es anlässlich der Verfolgung des Iraners Sascha Haschemi (27. April 1974; 1983; März 1985).

Wahrscheinlich ist sogar, dass die Zeitung kurzfristig in „Roter Sturm - Stadtteilzeitung der KPD/ML für Nippes“ unbenannt wurde, wie aus einem Info des „Historischen Archivs der Stadt Köln“ hervorgeht (vgl. 1983-1985).

Vermutlich erscheint der „Rude Kappes“ bis zum März 1985, wie auch aus verschiedenen anderen Quellen hervorgeht. Aus welchen Gründen die Zeitung eingestellt wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. In der letzten Ausgabe erscheint ein „Wahlaufruf der KPD“, der möglicherweise mit der Debatte über den „Sozialismus“ verknüpft wird (vgl. März 1985; 22. März 1985).

Anmerkung: Einige Scans wurden von (teils unvollständigen) Schwarz-Weiß-Kopien der Originalausgaben gemacht.

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

Dezember 1972:
In Köln-Nippes erscheint erstmals 'Rude Kappes' - Zeitung für Nippes (vgl. Feb. 1973). Einleitend schreiben die Verfasser:"
Die Mitglieder der Gruppe der Stadtteilzeitung 'Rude Kappes' vertreten nicht die Richtung irgendeiner politischen Partei, sie vertreten keine religiöse Richtung. … Wir sind nur eine Handvoll Leute, durchweg Nippeser, wir brauchen ihre Hilfe. … Bitte unterstützen sie den 'Rude Kappes'. Der 'Rude Kappes' soll die Zeitung der Nippeser werden: verteilen sie den 'Rude Kappes' in ihrem Betrieb, in ihrer Schule, überall."
Quelle: Rude Kappes Nr.1,Köln Dez. 1972

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Februar 1973:
Die Nr.2 des 'Rude Kappes' (vgl. Dez. 1972, März 1973) Zeitung für Nippes, erscheint in Köln.
Q: Rude Kappes Nr.2,Köln Feb. 1973

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März 1973:
Die Nr.3 des 'Rude Kappes' (vgl. Feb. 1973, Apr. 1973) erscheint in Köln-Nippes. U.a. berichtet diese Ausgabe von einer geplanten Stadtsanierung in Nippes, der ein Teil von Altbauwohnungen zum Opfer fallen sollen. Gegen einen geplanten "Abriss von Nippes" konstituiert sich im März 1973 in Köln-Nippes das Komitee "Nippes wird nicht abgerissen", in dem auch Mitglieder der KPD/ML-ZK mitarbeiten.
Q: Rude Kappes Nr.3,Köln März 1973

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April 1973:
Die Nr.4 des 'Rude Kappes' (vgl. März 1973, Mai 1973) erscheint in Köln-Nippes.
Q: Rude Kappes Nr.4,Köln Apr. 1973

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Mai 1973:
Die Nr.5 des 'Rude Kappes' (vgl. Apr. 1973, Juni 1973) erscheint in Köln-Nippes.
Q: Rude Kappes Nr.5,Köln Mai 1973

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Juni 1973:
Die Nr.6 des 'Rude Kappes' (vgl. Mai 1973, Juli 1973) die uns noch nicht vorlag, erscheint vermutlich im Juni in Köln-Nippes.
Q: Rude Kappes Nr.5 und 7,Köln Mai 1973 bzw. Juli 1973

Juli 1973:
Die Nr.7 des 'Rude Kappes' (vgl. Juni 1973, 11.7.1973) erscheint in Köln-Nippes. Vermutlich im Juli erscheint auch ein Extra "Volksverhetzung?".
Q: Rude Kappes Nr.7 und Extra Volksverhetzung?,Köln Juli 1973 bzw. o. J.

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11.07.1973:
Von der ab heute erscheinenden „Kommunistischen Volkszeitung“ des KBW Nr. 1 verkauft die OG Köln in Nippes, nach eigenen Angaben, 42 Exemplare. Von der eigenen „Arbeiterpresse“ wurden dort zuvor durchschnittlich 20 Stück verkauft. In einem Kommentar heißt es u. a. über die KPD/ML und den „Rude Kappes“: „Altes Arbeiterviertel mit Stadtsanierungsproblemen. ML-Sympis machen hier ziemlich gute Stadtteilarbeit. Dadurch starke Politisierung unter der Bevölkerung. Trotzdem hat uns das Verkaufsergebnis selbst überrascht. Wir hoffen, dass es gehalten werden kann.“
Q: KBW-OG Köln-OL: Bericht über den KVZ-Verkauf in Köln, Köln, 9.8.1973.

August 1973:
Die Nr.8 des 'Rude Kappes' (vgl. 11.7.1973, Sept. 1973) erscheint in Köln-Nippes.
Q: Rude Kappes Nr.8,Köln Aug. 1973

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September 1973:
Bereits in der Nr.9 der Zeitschrift 'Rude Kappes' - Zeitung für Nippes in Köln (vgl. Aug. 1973, Nov. 1973) wird nun die Handschrift der KPD/ML immer deutlicher. Der Artikel: "Die DKP zeigt keinen Ausweg!" endet in der Parole: "Vereinigen wir uns im revolutionären Klassenkampf gegen das Kapital und seine Handlanger." Außerdem zeigt eine Karikatur das bekannte Emblem der KPD/ML: Hammer, Sichel und Gewehr.
Q: Rude Kappes Nr.9,Köln Sept. 1973

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November 1973:
Die Nr.11 des 'Rude Kappes' (vgl. Sept. 1973, 14.1.1974) erscheint in Köln-Nippes.
Q: Rude Kappes Nr.11,Köln Nov. 1973

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Januar 1974:
Vermutlich erscheint im Januar 1974 eine weitere Ausgabe der Zeitung „Rude Kappes“.

Artikel der Ausgabe sind:
- Das Neujahrsgeschenk von Regierung und Rathaus: Alles wird teurer
- Die Teuerung frisst an der Rente
- Krankenversorgung im Akkord
- Rotam (ein Mieterartikel, d. Vf.)
Q: Rude Kappes, Köln, Januar 1974.

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14.01.1974:
Vermutlich in dieser Woche erscheint in Köln-Nippes der 'Rude Kappes' Nr.1 für Januar (vgl. Nov. 1973, Feb. 1974), neuerdings als Stadtteilzeitung der KPD/ML für Nippes. Berichtet wird, laut KPD/ML (vgl. 16.2.1974) über RentnerInnen.
Vermutlich wird zur Veranstaltung am 9.1.1974 eingeladen.
Q: Roter Morgen Nr.7 und 17,Dortmund 16.2.1974 bzw. 27.4.1974

19.01.1974:
In Köln-Nippes will die KPD/ML, laut „Roter Morgen“ Nr. 3“, heute eine Veranstaltung anlässlich des einjährigen Bestehens ihrer Stadtteilzeitung „Rude Kappes“ durchführen. Dazu wird auch in der Januar-Ausgabe der Zeitung eingeladen. Die Veranstaltung soll unter dem Motto stehen: „Ein Jahr Rude Kappes - Vorwärts mit der KPD/ML!“ Es soll auch der Film „Reform oder Revolution!“ gezeigt werden.
Q: Roter Morgen, Nr. 3, Dortmund, 19.1.1974; Rude Kappes, Köln, Januar 1974, S. 1.

16.02.1974:
Im „Roten Morgen“ Nr. 7 vom 16. Februar erscheint auch ein Artikel-Auszug aus dem „Rude Kappes“: „Die Teuerung frisst an der Rente.“

Ausgeführt wird: „Die Rentner sind durch die Inflation besonders betroffen. Diejenigen, die neben ihrer kleinen Rente noch Sozialhilfe kriegen, werden jedes Jahr neu beschissen. Eine Rentnerin sagte uns: „Was habe ich davon, wenn meine Rente um ein paar Mark erhöht wird. Etwas später wird meine Sozialhilfe um den gleichen Betrag gekürzt. Da bleibt mir immer das Gleiche, auch wenn alles teurer wird.“

Mit 168 DM muss ein Sozialhilfeempfänger im Monat leben. Man kann nur staunen, wie ein Rentner mit diesen paar Groschen überhaupt leben kann. Eine andere Rentnerin erzählte uns: „Ich habe vor drei Jahren beim Versorgungsamt eine Schadensausgleichsrente beantragt, weil mein Mann im Krieg gefallen ist. Jetzt ist die Rente bewilligt worden und die Rentennachzahlung beträgt knapp 2.000 DM. Ich wollte mir davon was anschaffen und meinen Kindern was kaufen. Jetzt hat das Sozialamt den ganzen Betrag kassiert, weil ich bisher Sozialhilfe nötig hatte.“
Q: Roter Morgen, Nr. 7, Dortmund, 16.2.1974, S. 4.

Roter Morgen, 16.2.1974, Seite 4
Ausschnitt aus Roter Morgen, 16.2.1974, Seite 4

Februar 1974:
Die Nr. 2 der Zeitschrift 'Rude Kappes' – Stadtteilzeitung der KPD/Marxisten-Leninisten für Nippes (vgl. 14.1.1974, Juli 1974) erscheint in Köln. Offensichtlich fand eine Namensänderung der Zeitschrift bereits im Dezember 1973 oder Januar 1974 statt, da die Verfasser berichten, daß der 'Rude Kappes' "mit seinem einjährigen Bestehen Stadtteilzeitung der KPD/ML wurde".
Q: Rude Kappes Nr. 2, Köln Feb. 1974

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27.04.1974:
Die KPD/ML berichtet in ihrem „Roten Morgen“ Nr. 17/1974 davon, dass sich mit dem politisch Verfolgten Iraner Sascha Haschemi von der RG München auch die Genossen rund um den „Rude Kappes“ in Köln solidarisch erklärt haben.
Q: Roter Morgen, Nr. 17, Dortmund, 27.4.1974.

Juli 1974:
Vermutlich im Juli erscheint in Köln-Nippes die Stadtteilzeitung der KPD/ML für Nippes 'Roter Sturm' (vgl. Feb. 1974, März 1985) für Juli und August.
Q: Roter Sturm Nr.4,Köln Juli / Aug. 1974

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März 1985:
Vermutlich erscheint eine der letzten Ausgaben der Zeitung „Rude Kappes - Stadtteilzeitung der KPD/ML für Nippes“ (die Zeitung erscheint mit dieser Ausgabe unter dem Titel: „De Rude Kappes“) mit der Schlagzeile: „Wer die Regierung kaufen kann, kann auch die Vollbeschäftigung bezahlen.“

Weitere Artikel der Ausgabe sind:
- Arbeitslosigkeit: Schönfärberei
- Ein Tag der Solidarität und der Heuchelei
- Öffnet die Lagerhäuser der EG
- Gestank
- Köln Pass.

Im Artikel: „Wir brauchen ihre Unterschrift. Unterschriftensammlung der KPD heißt es: „Damit wir uns an den Landtagswahlen am 12. Mai beteiligen können. In den nächsten Wochen werden wir vielleicht auch Sie auf der Straße ansprechen und Sie um ihre Unterschrift bitten. Als kleine Partei müssen wir einige bürokratische Hürden überwinden um überhaupt zur Wahl zugelassen zu werden. Jeder unserer Kandidaten benötigt 100 sogenannte Stützunterschriften aus einem Wahlkreis.

Mit ihrer Unterschrift geben sie uns also überhaupt erst die Möglichkeit, an den Wahlen teilzunehmen. Sie legen sich selbstverständlich damit in keiner Weise auf eine Wahlaussage zu unseren Gunsten fest. Für jede Unterschrift, auch das verlangen bürokratische Regelungen, muss ein extra Formblatt ausgefüllt werden.

Wenn sie über 18 Jahre alt und deutscher Staatsangehöriger sind und ihren Wohnsitz in Longerich, Neuehrenfeld, Bilderstöckchen, Mauenheim, Nippes, Riehl, Niehl oder Weidenpesch haben, können sie uns helfen und mit ihrer Unterschrift uns das demokratische Recht, an den Wahlen teilzunehmen, zubilligen.“
Q: Rude Kappes, Köln, März 1985.

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22.03.1985:
Laut „Rude Kappes“ vom März 1985 soll in Köln am 22. März eine Mieter-Diskussionsveranstaltung stattfinden. Dort soll auch über das Thema „Sozialismus - aber wie?“ debattiert werden. Es soll der Vorsitzende der KPD, Horst Dieter Koch, sprechen.
Q: Rude Kappes, Köln, März 1985.

Letzte Änderungen: 26. April 2011

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