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Nordrhein-Westfalen: Chilesolidarität

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 5.11.2010

Hier werden derzeit nur wenige Aktionen und Dokumente aus Nordrhein-Westfalen erschlossen. Eine separate Darstellung gibt es zur Chilesolidarität in Dortmund.

Einleitend wird bei Opel Bochum auf die US-amerikanischen Interessen in Chile verwiesen (vgl. 11.5.1970), die KPD aber greift schon früh die Illusionen bezüglich des chilenischen Modells an (vgl. 7.10.1971), während die Freunde des späteren KBW sich noch weit später hoffnungsvoll geben (vgl. 31.3.1973), was offenbar an ungenügender Information lag (vgl. 11.7.1973).

Schnell aber wird in Chile nicht mehr gegen Übergriffe in Europa protestiert (vgl. 15.5.1972), sondern vielmehr in Europa gegen den Putsch in Chile (vgl. 1973, Sept. 1973, 12.9.1973), wobei sowohl fraktionsübergreifende Komitees wie in Aachen (vgl. 13.9.1973), Bochum (vgl. 9.8.1974), Köln (vgl. Sept. 1973) und Werne (vgl. März 1974, Mai 1974) gegründet werden, als auch parteigebundene Propaganda wie in Münster (vgl. 14.9.1973, 14.6.1974) und bei Stahlbetrieben in Bochum, Dortmund und Hagen (vgl. 24.9.1973, 22.10.1973, 28.1.1974) erfolgt.

Auch zum Spreti-Prozess wird mehrmals auf das chilenische Beispiel verwiesen (vgl. 19.9.1973, 20.9.1973).

Neben Demonstrationen wie in Köln (vgl. 21.9.1973, 11.9.1974) und Münster (vgl. 9.9.1974, 11.9.1974) werden offenbar auch Geldsammlungen durchgeführt, wie in Paderborn (vgl. 18.10.1973).

Während die Marxisten-Leninisten Duisburg Dokumente zu Chile veröffentlichen (vgl. Okt. 1974) haben die freunde der KPD in Münster ihr eigenes Chile-Aktiv der Liga gegen den Imperialismus gegründet (vgl. Okt. 1974, Jan. 1975), agitiert auch in Bielefeld mit Verweis auf Chile (vgl. 25.1.1975).

Auch 1975 geht die Chilesolidarität weiter, wobei nun zur Freude des KB auch der MIR aktiv wird wie in Bochum (vgl. 1.4.1975), wo es aber auch ein Chilekomitee unter Mitarbeit der KGB gibt (vgl. 4.9.1975), während in Bonn offenbar nur eine kleine Aktionseinheit protestiert (vgl. 2.7.1975) und in Köln das Chilekomitee angeklagt wird (vgl. Mai 1975).

Die Schärfe der damaligen Polemik zwischen den Chinafreunden und denjenigen Moskaus wird hier anhand zweier Texte der KPD und ihrer Liga gegen den Imperialismus einerseits (vgl. 22.9.1975) sowie der DKP Hochschulgruppe Duisburg andererseits (vgl. Apr. 1976) verdeutlicht. Der KB dagegen dehnt sich im Bündnis mit dem MIR nun auch in NRW vermittels der Chilesolidarität weiter aus, ist 1976 dann schon an einer Reihe von örtlichen Chilesolidaritätsaktionen beteiligt (vgl. 25.6.1976, 10.7.1976, 16.7.1976, 15.9.1976).

Auch 1977 geht die Chilesolidarität weiter (vgl. 15.1.1977, Apr. 1977, Juni 1977), wobei der KB weiterhin vom Bündnis mit dem MIR profitiert (vgl. 1.5.1977), die DKP sich vom linksradikalen Terrorismus unter Verweis auf Chile distanziert (vgl. 18.10.1977) und die KPD/ML in Hagen die bundesdeutschen Freunde der chilenischen Faschisten in gestalt von Franz-Josef Strauß angreift (vgl. Dez. 1977). Zum 1. Mai 1978 sind Blöcke von Chilenen dann Bestandteil verschiedener Demonstrationen (vgl. 1.5.1978), zum vorläufigen Abschluss dieser Darstellung bleiben zumindest in Bochum auch noch chilenische bzw. Chilesolidaritäts-Gruppen aktiv (vgl. 2.4.1979, 5.4.1980).

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

11.05.1970:
Die Rote Opel-Betriebsgruppe der KPD/ML bzw. später KPD/ML-ZK Bochum gibt vermutlich in dieser Woche eine Sonderausgabe ihrer 'Zündkerze' (vgl. 13.4.1970, 26.5.1970) für Bochumer Betriebe heraus. Aufgerufen wird darin zur Demonstration zur "Solidarität mit den Völkern von Kambodscha und Vietnam" (vgl. 14.5.1970). Der Name des US-Präsidenten Nixon wird in den Hervorhebungen meist mit Hakenkreuz anstatt mit 'X' geschrieben:"
NIXON, KAMBODSCHA UND WIR

'WAS GEHT UNS KAMBODSCHA AN?'

Natürlich geht es den (US-Imperialisten nicht,d.Vf.) nur um Vietnam. Es geht ihnen um ihr Erdöl in Venezuela, um ihre Bananen in Guatemala, um ihre Erze in Chile usw… Wenn ihnen der Beweis in Vietnam nicht gelingt, wird ihr Reich in Südamerika zusammenbrechen."
Quelle: Zündkerze Sdr.ausg. für Bochumer Betriebe,Bochum Mai 1970

07.10.1971:
Die KPD (vgl. 22.10.1971) berichtet aus Düsseldorf (vgl. 9.10.1971):"
ARBEITERJUGEND CONTRA DIENER DER MONOPOLE

In den vergangenen Wochen führte die SDAJ, Jugendorganisation der DKP, in verschiedenen Städten Werbeveranstaltungen durch, deren 'Höhepunkte' zumeist in der Aufführung der 'Rockoper Profitgeier' bestanden. …
Am 7.Oktober fand in Düsseldorf im Rahmen einer SDAJ-Werbewoche die Veranstaltung 'Arbeiterjugend kontra Profitgeier' statt. …
In den folgenden Beiträgen erwies sich insbesondere Hans Vossen als glühender Anhänger der These von der 'antimonopolistischen Demokratie' als demokratische Erneuerung von Staat und Gesellschaft. Unter völliger Preisgabe aller marxistischen Grundeinsichten von Politik und Ökonomie verkündete er, daß die Arbeiterklasse 'dem Monopolkapital erst die ökonomische Basis rauben' müsse, um dann durch 'demokratische Kontrolle' und 'neue Formen der Mitbestimmung' schrittweise eine 'politische Gegenmacht' zu errichten. Daß dies auf 'relativ' friedlichem Weg geschehen könne, versuchte er am Beispiel Chile zu beweisen. Entlarvt als illusionäre Reformisten, versuchten die anwesenden DKP- und SDAJ-Führer, sich durch alberne Angriffe auf die KPD zurückzuziehen. Als schließlich noch auf Antrag eines Mannesmann-Kollegen die von der KPD unterstützte Resolution der Mannesmann-Jugendvertretung mehrheitlich verabschiedet wurde, lösten die Revisionisten lauthals schimpfend ihre Versammlung auf."
Q: Rote Fahne Nr.28,Berlin 22.10.1971,S.5

15.05.1972:
Die Sozialistische Aufbauorganisation (SAO) Bielefeld gibt ihre 'Revolutionäre Politik' Nr.1 heraus. Berichtet wird u.a. aus Chile über den Protest gegen die Ausweisung Ernest Mandels.
Q: Revolutionäre Politik Nr.1,Bielefeld 15.5.1972,S.32

Bielefeld-Hochschulen032


1973:
Der Polizeipräsident Bonn (vgl. Jan. 1974) berichtet:"
HOCHKONJUNKTUR IN DEMONSTRATIONEN

An der Spitze der internationalen Themen standen Vietnam und Chile."
Q: Der Polizeipräsident Bonn:Polizei Bonn 73. Jahresbericht 1973 der Kreispolizeibehörde Bonn,Bonn o.J. (1974),S.11 und 28

31.03.1973:
Nach eigenen Angaben findet in Castrop-Rauxel vom Sekretariat der Kommunistischen Fraktion im Ruhrgebiet für den Wiederaufbau der Kommunistischen Partei (KFR ? vgl. 28.3.1973, 20.4.1973) einberufen, eine Veranstaltung statt, auf der auch über eine 1. Mai-Kampagne und die Gründung eines regionalen 1. Mai-Komitees diskutiert und vollzogen wird (vgl. 2.4.1973):"
REGIONALES 1. MAI-KOMITEE: VORWÄRTS IM KAMPF FÜR DIE RECHTE DER ARBEITERKLASSE UND DES VOLKES! VORWÄRTS IM KAMPF FÜR DEN SOZIALISMUS

Der 1. Mai ist der internationale politische Kampftag der Arbeiterklasse. …
Einige Völker, wie z. B. das russische, das chilenische oder das albanische haben den Imperialismus bereits besiegt und sind dazu übergangen, die bürgerlichen Überreste vollkommen zu beseitigen."
Q: Die Rote Front Nr.8,Dortmund/Castrop-Rauxel 1973,S.1ff; Mai-Zeitung der Kommunistischen Kollektive Hoesch, Zeche Hansa (Dortmund) und Gewerkschaft Viktor (Castrop Rauxel) Mitglieder der Kommunistischen Fraktion im Ruhrgebiet für den Wiederaufbau der Kommunistischen Partei,Dortmund/Castrop-Rauxel 1973

11.07.1973:
Von der ab heute erscheinenden 'KVZ' Nr.1 des KBW verkauft die OG Köln rund 750 Exemplare. Dazu heißt es von der Ortsleitung (OL) u.a.:"
Vor allem muß die Internationalismus-Seite viel stärker die neuen Brennpunkte in der Welt behandeln wie Afrika (portugiesische Kolonien, Rhodesien (Zimbabwe,d.Vf.), Südafrika (Azania,d.Vf.)), Nahost/Golf und Teile Südamerikas, z.B. Chile. Hier liegt ein ungeheures Informationsbedürfnis nicht nur bei Genossen vor."
Q: KBW-OG Köln-OL:Bericht über den KVZ-Verkauf in Köln,Köln 9.8.1973

September 1973:
Am Görregymnasium Düsseldorf besuchen, laut KOV der KPD, vermutlich im September über 30 Schüler eine Chilesolidaritätsschülerrunde seiner Freunde.
Q: Schulkampf Nr.10,Dortmund Okt. 1973

12.09.1973:
Von der heutigen 'KVZ' Nr.2 des KBW verkauft die OG Köln insgesamt 997 Exemplare in Köln, Leverkusen/Opladen, Münchengladbach und im Zweiten Bildungsweg (ZBW) in Neuß, davon 128 auf Chile-Veranstaltungen.
Q: KBW-OG Köln:Verkaufsstatistik KVZ Nr.2, Köln und Umgebung,o.O. (Köln) o.J. (Sept. 1973); KBW-OG Köln:Verkaufsbericht KVZ 2 Köln und Umgebung,o.O. (Köln) o.J. (Sept. 1973)

12.09.1973:
Die OG Köln des KBW berichtet vom Verkauf der heutigen 'KVZ' Nr.2 in der Severinstraße:"
17 Stück, und zwar Mittwochnachmittag in 1 1/2 Stunden bei der Chileagitation. Da hier das erste Mal überhaupt verkauft wurde, läßt sich für einen längeren Samstagsverkauf einiges erhoffen."
Q: KBW-OG Köln:Verkaufsbericht KVZ 2 Köln und Umgebung,o.O. (Köln) o.J. (Sept. 1973)

13.09.1973:
In Aachen wird, laut AStA der RWTH, das Chile Solidaritätskomitee Aachen gegründet.
Q: Aachener Studentenzeitung Nr.24,Aachen 14.11.1973

14.09.1973:
In Münster geben Liga gegen den Imperialismus (LgdI), Schülerkollektiv / ML (SK/ML), KSV und Kommunistisches Jugendkollektiv (KJK) der KPD vermutlich Ende dieser Woche ein Flugblatt "Solidarität mit dem chilenischen Volk" heraus, welches zu einer Veranstaltung am 18.9.1973 in der Gaststätte Freitag einlädt.
Q: LgdI, SK/ML, KJK, KSV: Solidarität mit dem chilenischen Volk,Münster o. J.

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19.09.1973:
Von der Roten Hilfe (RH) Bochum erscheint das folgende Flugblatt zum morgigen 'Spreti'-Prozeß:"
FREISPRUCH FÜR DIE ANGEKLAGTEN IM 'SPRETI-PROZESS

Mit 72% aller Stimmen wurde 1950 ein fortschrittlicher Präsident, Jakobo Arbenz, gewählt. Als dieser versuchte, durch eine bescheidene Landreform - er wollte die brachliegenden Ländereien der 'United Fruit Company' verstaatlichen - das Elend des Volkes zu mildern, erging es ihm wie kürzlich dem chilenischen Präsidenten Allende: 1954 putschte ein Teil des guatemaltekischen Heeres, das in den USA ausgebildet worden war, offen unterstützt von der US-Luftwaffe und dem CIA, sowie, im Inneren, von den Christdemokraten, Nationalisten und der sog. 'Weißen hand', einer faschistischen Terrortruppe."
Q: RH Bochum:Freispruch für die Angeklagten im 'Spreti'-Prozeß,Bochum o.J. (19.9.1973)

20.09.1973:
Laut einem anonymen Protokoll "Dortmund: Prozeß wegen Beleidigung der Bundesrepublik" (vgl. 29.8.1973), welches vermutlich für die Rote Hilfe (RH) Dortmund der KPD/ML verfaßt wurde, wird Klaus Dillmann "am 20. September erneut vor Gericht stehen, diesmal in Bochum in 2. Instanz wegen 'öffentlicher Billigung eines Mordes' (Paragraph 140 StGB).
In der Verteidigungsrede von Klaus Dillmann heißt es:" …
Einer der größten Großgrundbesitzer von Guatemala war die United Fruit Company, der größte Bananenkonzern der Welt (Chiquita). … Dieser Konzern gehört Leuten wie Rockefeller und ähnlichen Größen der US-Politik. Dulles war einer der wichtigsten Vertreter dieses Polypen auf dem Rücken der Völker Mittelameriaks. Im Volksmund heißt der Konzern ganz allgemein 'El pulpo' (der Polyp). Infolgedessen brachen 1954 die USA einen Krieg gegen Guatemala vom Zaun, ein von der UFC und dem CIA bezahltes Söldnerheer unter Castillo Armas drang ins Land ein, brachte Tausende von Bauern um und vertrieb die Regierung Arbenz. Stattdessen setzten die USA eine Militärregierung ein, ähnlich wie z.B. Somoza in Nicaragua, Strößner in Paraguay, Banzer in Bolivien und nun, als jüngstes Beispiel: Pinochet in Chile. …
Das Beispiel Chiles und der Volksfrontregierung Allendes wird bestimmt weitere Wunschvorstellungen in den Köpfen der Menschen auch Guatemalas zerstören, das seit März 1970 - kurz vor der Entführung Spretis - von dem Faschisten Arana beherrscht wird, der sogleich zu Regierungsantritt ein Massenschlachten in den Gefängnissen einleitete und schon seinen Wahlkampf unter dem Motto führte, jeden Tag im Jahr einen 'Linksextremisten' öffentlich zu erschießen."
Q: N.N.:Protokoll: Dortmund: Prozeß wegen Beleidigung der Bundesrepublik,o.O.o.J. (Aug. 1973); Dillmann, Klaus:Verteidigungsrede des Angeklagten Klaus Dillmann im Verfahren 16 Ms 2/71 wegen 'öffentlicher Billigung eines Mordes' vor der II. Strafkammer Bochum am 20.September 1973,o.O. 20.9.1973; RH Bochum:Freispruch für die Angeklagten im 'Spreti'-Prozeß,Bochum o.J. (19.9.1973)

21.09.1973:
In Köln führt u.a. die OG des KBW eine Chiledemonstration durch.
Q: KBW-ZK-StA:Rundbrief,Mannheim 19.9.1973

24.09.1973:
Bei Stahlbetrieben in Bochum, Dortmund und Hagen gibt die GIM die Nr.7 der bisher für Hoesch Dortmund erschienen 'Solidarität' (vgl. 2.7.1973, 22.10.1973) heraus.
Der Artikel "Solidarität mit Chile!" meint:"
Am Dienstag, den 11.9.1973 wurde über die Nachrichtensender die Meldung verbreitet, daß die Oberkommandierenden der Armee gegen die verfassungsmäßig gewählte Regierung Allende geputscht haben. Das Militär und die Polizei seien 'vereint in der historischen und verantwortungsvollen Mission für die Befreiung des Landes vom marxistischen Joch zu kämpfen.' Die Armee, die stets behauptet hat, die Legalität und die Verfassung zu schützen, hat demonstriert, daß sie zum Schutz dieser Verfassung nur solange bereit ist, solange diese unter der Kontrolle der herrschenden Klasse steht.

Die sofort verhängte scharfe Pressezensur der Militärjunta macht es fast unmöglich, daß echte Informationen ins Ausland durchsickern. Die Junta versucht nun in der Öffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, das Land sei unter ihrer Kontrolle. In Wirklichkeit organisieren die chilenischen Arbeiter und Bauern massiven Widerstand. Die Militärs, die faschistische Untergrundorganisation 'Vaterland und Freiheit' der US-Imperialisten mit ihrem CIA (amerik. Geheimdienst), das chilenische Bürgertum und andere reaktionäre Kräfte wollen den Widerstand im Blut ersticken. Schon jetzt sind tausende von Arbeitern und Bauern im Bürgerkrieg umgekommen. Alle, die noch die alte rechtsmäßige Regierung unterstützen, sollen standrechtlich erschossen werden. Die Militärs betreiben eine fürchterliche Hexenjagd auf Demokraten, Kommunisten und Revolutionäre. Wenn jetzt Tausende von Arbeitern und Bauern ihr Leben lassen müssen, so trifft die Mitschuld daran auch die Volksfrontregierung, aber ganz besonders die KP Chiles, da sie die Massenbewegung für die Verteidigung und den Ausbau der sozialen und politischen Errungenschaften vernachlässigt haben. Sie hielten die ganze Zeit an dem Traum vom friedlichen verfassungsmäßigen Übergang zum Sozialismus fest. Alle außer ihnen wußten, daß die bewaffnete Auseinandersetzung unvermeidlich war. Die jetzt stattfindende Entscheidungsschlacht findet nicht zwischen der alten 'rechtmäßigen' Regierung und der neuen Militärdiktatur statt; sie wird auf den Straßen, auf dem Lande und in den Fabriken geschlagen. Die Alternative zur Militärdiktatur ist nicht die Wiedereinsetzung der bisherigen Volksfront-Regierung, sondern die revolutionäre Arbeiter- und Bauernregierung!"
Q: Solidarität Nr.7,Dortmund 24.9.1973

18.10.1973:
Der AStA der Universität Göttingen gibt seine 'Göttinger Nachrichten' (GN) Nr. 66 (vgl. 9.7.1973, 25.10.1973) heraus. Berichtet wird auch von der Beschlagnahme der Chilespenden in Paderborn.
Q: Göttinger Nachrichten Nr.66,Göttingen 18.10.1973,S.8

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22.10.1973:
Die Nr.8 der 'Solidarität' - Informationsblatt der GIM erscheint bei Stahlbetrieben in Bochum, Dortmund und Hagen (vgl. 24.9.1973, 2.11.1973). Im letzten Artikel heißt es:"
CHILE

Das 'wirkliche Gesicht' Chiles - laut Bild oder: Wie macht man eine Militärdiktatur salonfähig?

Während das chilenische Militär Arbeiterviertel bombardierte, seine Standgerichte im Akkord arbeiteten und Arbeiterführer in den Kellern der Geheimdienste zu Tode gefoltert wurden, ersonn man in den Redaktionsstuben des Herrn Springer bereits ein neues Chilebild. Noch während Massendemonstrationen in der ganzen Welt stattfanden, erschien in BILD ein Bericht über Allende, der ihn zum heimlichen Diktator erkor, der einen Putsch von links vorbereitete. Zugleich versicherte man, daß man aus 'gut informierten Kreisen' wisse, daß der Präsident Selbstmord begangen habe.

Diese beiden Lügen stellen den Beginn einer Kampagne dar, um die Henker von Santiago salonfähig zu machen. Wäre die erste Behauptung wahr, so hätte eine gut bewaffnete chilenische Arbeiterklasse mit dem Spuk eines Armeeputsches kurzen Prozeß gemacht. Zum zweiten hat Allendes Frau die wirklichen Todesumstände klar ausgedrückt: 'Mein Mann wurde umgebracht'. (Spiegel vom 24.9.1973).

Man hätte erwarten können, daß Friedens-Willy Brandt seine Stimme erhoben hätte, um das Regime zu verurteilen und den Befreiungskampf zu unterstützen. Doch nur Illusionäre konnten an soviel Menschenfreundlichkeit glauben. Dieses Regime und ihr Friedensnobelpreischef hatten schon im letzten Dezember die riesigen Bombenangriffe der US-Armee in Vietnam stillschweigend akzeptiert. Zum anderen wäre es den Sozialdemokraten gewiß schwergefallen, einen Salvador Allende zu verteidigen, der im Kampf mit der Waffe in der Hand gefallen ist. An der Seite der Arbeiter und nicht wie ehedem Noske und Ebert samt ihren Enkeln an der Seite der Unternehmer. Und wer immer noch nicht versteht, warum in der BRD heute eine neue chilenische Geschichte geschrieben wird, warum der DGB-Bundesvorstand die Teilnahme an Chile-Solidaritätsaktionen zusammen mit sogenannten Linksradikalen verbietet, warum der Friedensnobelpreisträger schweigt, dem wurde einiges klarer, als er vor einigen Tagen die F.A.Z. las. Dort war nämlich zu lesen, was jetzt zu tun sei: 'Chile: Jetzt investieren!' Nun ist alles klar, warum Willy schweigt und BILD sich in Lügen selbst übertrifft weil sie alle investieren wollen: Herr Abs, Herr Siemens und Konsorten. Gerade deshalb kommt es darauf an, nicht zu schweigen und Solidarität zu üben! Heute gilt es umso mehr jede Initiative zu unterstützen, die die Sache des chilenischen Volkes vertritt:

ES LEBE DER KAMPF DER CHILENISCHEN ARBEITER; BAUERN UND STUDENTEN!
NIEDER MIT DER MILITÄRDIKTATUR!
HOCH DIE INTERNATIONALE SOLIDARITÄT!"
Q: Solidarität Nr.8,Dortmund 22.10.1973

28.01.1974:
Für Stahlbetriebe in Bochum, Dortmund und Hagen geben die drei Ortsgruppen der GIM ihre 'Solidarität' Nr.11 (vgl. 11.12.1973, Feb. 1974) heraus. Im letzten Artikel heißt es:"
CHILE: 'KEINE KLAGEN'

oder Wie eine CDU-Delegation in Chile die Militärdiktatur deckt.

Schon im November des vorigen Jahres reisten zwei CDU-Bundestagsabgeordnete, Heck und Gewandt, nach Chile, um sich über die Situation nach dem Putsch zu informieren. Was sie von dort mitbrachten, waren 'positive' Eindrücke.

Die Übergriffe bei der Machtübernahme seien längst vergessen, das Leben normalisiere sich wieder und endlich würde das Land wieder zur politischen und wirtschaftlichen Stabilität zurückgeführt. Von Folterungen und Mißhandlungen, von denen berichtet worden war, will Herr Gewandt 'nichts bemerkt' haben.

Auch der Berliner CDU-Mann Wohlrabe, der vor wenigen Tagen von einer Chile-Reise zurückkam, ist optimistisch. Auf der Gefangeneninsel Dawson 'haben die Gefangenen in humanitärer Hinsicht keine Klagen gehabt.'

In Anbetracht dessen gibt Gewandt der Bundesregierung den Rat, den Putschgenerälen mit Wirtschaftshilfe unter die Arme zu greifen.

Hören wir zur politischen Situation in Chile den 'SPIEGEL', der in der Nr.41/1973 (vgl. S5.**.1973,d.Vf.) auf S. 126 folgendes berichtet:
'Die Nacht ist zur Besuchszeit geworden im Chile der Militärdiktatur. Während am Tage die vollen Straßen, das Geschrei der Zeitungsverkäufer und das Hupen ungeduldiger Autofahrer den von der Junta propagierten Eindruck ruhiger Normalität vermitteln, wiederholt sich Nacht für Nacht der brutale Auftrieb politischer Gegner, verschärft sich die hysterische Jagd auf alles, was links ist oder zu sein scheint.'

Offenbar haben sich die CDU-Reisenden nur während der Geschäftszeit für das Geschehen in Santiagos Straßen interessiert. Auch in den Morgenstunden, wenn die Leichen Erschossener (zur Abschreckung) im Mapoche-Fluß treiben und andere Opfer der nächtlichen Exekutionen in der Müllverbrennungsanlage des Nationalstadions beseitigt werden, müssen die Christdemokraten noch fest in ihren Hotel-Suiten geschlafen haben.

Der Spiegel berichtet weiter von stand'rechtlichen' Erschießungen während der nächtlichen Besuche und von Mißhandlungen an linken Parteifunktionären; auch davon hat Herr Gewandt 'nichts bemerkt.'

Den besten Eindruck von der Lage der Gefangenen in den geheimen Straflagern gibt die Schilderung des Schauspielers und Kommunisten B., der dort selbst interniert war und entkommen konnte:

'Im Unterstand der Sondereinheit wird systematisch gefoltert. Eine Gruppe von 5 oder 6 Spezialisten 'bearbeitet' einen Mann. Es ist furchtbar, nicht zu wissen, woher der Schlag kommt. Die Folterer verwenden Stromstöße, tauchen uns in mit Exkrementen gefüllte Bottiche ein, bis wir knapp vor dem Erstickungstod stehen, verbrennen uns mit Zigaretten und Zigarren an den Genitalien, in den Kniekehlen und am Hals, in den Achselhöhlen - überall an den empfindlichsten Körperstellen. Sie schlagen uns mit nassen Sandsäcken, hängen uns an den Fußgelenken auf, schlagen uns mit Gummischläuchen ins Gesicht, bis die Lippen platzen, das Nasenbein bricht und die Augen sich schließen. …Hinrichtungen erfolgen alle paar Stunden. Niemand wußte, wann er an der Reihe sei. Immer wieder hörten wir das Geräusch eines Bulldozers, der Massengräber aushob und nach den Gewehrsalven die Gräber wieder einebnete.'

Wie ist die Widersprüchlichkeit der Aussagen zu erklären?

Jakob Moneta, Chefredakteur der Gewerkschaftszeitung 'Metall', der nach seinem Chile-Besuch (er konnte nur als Tourist getarnt einreisen) die Berichte über die Schlächterei bestätigte und sogar Fotos davon mitbrachte, meint:

'Wenn der Gewandt erzählt, daß in Chile nicht gefoltert wird, dann lügt er entweder bewußt oder die Leute haben ihm nichts gesagt, weil sie Angst vor einer Denunziation hatten.'

Letzteres hält er selbst für unwahrscheinlich, weil Gewandt in vielen Fällen mit denselben Leuten gesprochen habe wie er. Warum vertuschen also unsere CDU-'Demokraten' und 'Menschenrechtskämpfer' die Barbarei und blutige Unterdrückung in Chile? Es ist nur eine Erklärung möglich: Daß sie sie billigen. Und die Forderung nsach Wirtschaftshilfe weist darauf hin, daß sie das grausame Regiment des General Pinochet auch nach besten Kräften unterstützen wollen.

Schon die offizielle CDU-Erklärung zum Putsch ließ eine gewisse Erleichterung darüber erkennen, daß der 'marxistische Spuk' vorüber sei. Erleichterung darüber, daß nun auch in Chile, wie in vielen Ländern Lateinamerikas ein Bollwerk gegen die sozialistische Revolution errichtet sei, die sich bereits unter dem zögernden Allende und dessen illusionärer Politik ankündigte.

Die blutige Niederhaltung der Arbeiter und Bauern, die Zerschlagung der Gewerkschaften und verschärfte Ausbeutung sollen Chile wieder zu einem Profitparadies und die Arbeiter- und Bauerndemokratie zu einem Traum werden lassen.

Um die Empörung über das grausame Regime zu beschwichtigen sind der Rechten in der BRD auch Lügen und Verfälschungen recht.

Die Arbeiter dagegen müssen aus Solidarität mit den verfolgten und Unterdrückten in Chile dem verzweifelten Appell folgen, den ein chilenischer Arbeiter dem 'Metall'-Chefredaktuer mit auf den Weg gab:

'Ihr müßt die Empörung über das, was hier geschieht, wachhalten. Das ist unsere einzige Chance.'"
Q: Solidarität Nr.11,Dortmund 28.1.1974

März 1974:
In Werne erscheint vermutlich im März das 'DKP Schüler- und Lehrlingsinfo' (vgl. Mai 1974), in dem u.a. über Chile berichtet wird.
Q: DKP Schüler- und Lehrlingsinfo,Werne o.J. (1974)

Mai 1974:
In Werne erscheint das 'DKP Schüler- und Lehrlingsinfo' (vgl. März 1974, März 1975), in dem u.a. über die Gründung des Chilekomitees Werne berichtet wird, an dem sich junge DKPler, die Jusos der SPD, die Judos der FDP, der Club Courage (CC) und die Naturfreundejugend (NFJ) Selm beteiligen.
Q: DKP Schüler- und Lehrlingsinfo,Werne Mai 1974

14.06.1974:
In Münster geben KJV, KSV und KOV der KPD ein Flugblatt "Solidarität mit dem Kampf des chilenischen Volkes gegen den Faschismus – Verbot aller faschistischen Organisationen in der BRD!" zum heutigen Spiel Chile - BRD bei der Fußball-WM heraus. Aufgerufen wird zum Parteitag der KPD sowie zwei örtlichen Veranstaltungen.
Q: KJV, KSV, KOV: Solidarität mit dem Kampf des chilenischen Volkes gegen den Faschismus – Verbot aller faschistischen Organisationen in der BRD!,o. O. o. J.

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09.08.1974:
Laut KBW (vgl. 21.8.1974) lud das Solidaritätskomitee Chile in Bochum zu einer Veranstaltung ein. Es nimmt auch das Kommunistische Kollektiv (KK) Bochum des KBW teil.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.17,Mannheim 21.8.1974,S.15

September 1974:
Das Chilekomitee (CK) Köln führt, laut SAG, anläßlich des Jahrestages des Putsches in Chile, Straßentheater in der Kalker Hauptstraße durch, wodurch es später zum Prozeß kommt (vgl. Mai 1975).
Q: Klassenkampf Nr.48,Frankfurt 17.6.1975

11.09.1974:
In Köln-Ehrenfeld findet, laut und mit KPD, vermutlich heute eine Chile Demonstration statt, deren Teilnehmer sich im Anschluß zu einer SPD-Veranstaltung begeben.
Q: Rote Fahne Nr.38,Dortmund 18.9.1974

09.09.1974:
Vermutlich Anfang dieser Woche erscheint in Münster ein Flugblatt des KJV, des KOV, des KSV und der Liga gegen den Imperialismus (LgdI): "Tod der Junta in Chile!" welches zum revolutionären Block auf der Chile-Demonstration am 11.9.1974 aufruft.
Q: KJV, KOV, KSV, LgdI: Tod der Junta in Chile!,Münster o. J.

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11.09.1974:
Heute erscheint in Münster ein Flugblatt der Liga gegen den Imperialismus zum Jahrestag des Putsches in Chile, welches zum revolutionären Block auf der heutigen Demonstration aufruft.
Q: Liga gegen den Imperialismus,Münster o. J.

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Oktober 1974:
Die Marxisten-Leninisten (ML) Duisburg geben, laut Frankfurter Marxisten-Leninisten (FML - vgl. 20.4.1975), unterstützt u.a. von den ML Aachen und den ML Bochum, Dokumente zu Chile heraus.
Q: Frankfurter Marxisten-Leninisten:Marxisten-Leninisten zum 1. und 8.Mai 1975,Bochum 1975,S.10

Oktober 1974:
Vermutlich im Oktober erscheint in Münster ein Flugblatt "'Sie wissen, wir gewähren an viele Länder Entwicklungshilfe, die keine Demokratien sind'" welches über Wischnewski (SPD) berichtet und zum Chile-Aktiv der Liga gegen den Imperialismus einlädt, also vermutlich von diesem verfasst wurde.
Q: Chile-Aktiv der Liga gegen den Imperialismus: 'Sie wissen, wir gewähren an viele Länder Entwicklungshilfe, die keine Demokratien sind',Münster o. J.

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Januar 1975:
Vermutlich Anfang 1975 erscheint in Münster ein Flugblatt des "Chile-Aktiv der Liga gegen den Imperialismus" welches aus Chile über Daimler-Benz berichtet und zu seinen Sitzungen einlädt.
Q: Chile-Aktiv der Liga gegen den Imperialismus: Chile-Aktiv der Liga gegen den Imperialismus,Münster o. J.

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25.01.1975:
Die KPD (vgl. 5.2.1975) berichtet:"
BIELEFELD: KPD-SYMPATHISANTEN VERTRIEBEN NPD-FASCHISTEN!

Es kam darauf an, den Faschisten die demagogische Maske vom Gesicht zu reißen: sie wettern gegen die Arbeitslosigkeit, wollen aber daß sich die deutschen Kollegen auf ihre ausländischen Klassenbrüder stürzen. Sie meinen es aber nicht ernst mit ihrem Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Seht das Elend der Millionen Arbeitslosen in solchen Ländern wie Chile und Spanien, wo ihresgleichen an der Regierung sind. Keine Arbeitslosigkeit gibt es nur in solchen Ländern wie China und diesen gilt der größte Haß der Faschisten!"
Q: Rote Fahne Nr.5,Dortmund 5.2.1975,S.8

01.04.1975:
Laut KB findet Anfang April eine Veranstaltung des MIR Chile in Bochum statt, an der ca. 500 Menschen teilnehmen.
Q: Arbeiterkampf Nr.60,Hamburg 29.4.1975,S.21

Mai 1975:
In Köln findet, laut SAG, vermutlich im Mai ein Prozeß gegen das Chilekomitee (CK) Köln statt, wegen dessen Straßentheater (vgl. Sept. 1974).
Q: Klassenkampf Nr.48,Frankfurt 17.6.1975

02.07.1975:
In Bonn führt Amnesty International (AI), laut und mit Spartacusbund (SpB), eine Demonstration zur Chilenischen Botschaft gegen das Verschwinden von 1 000 Personen in Chile durch.
Q: Spartacus Nr.19,Essen Aug. 1975

04.09.1975:
Laut Kommunistische Gruppe Bochum (KGB) heute beginnt in Bochum eine Chile-Aktionswoche des Bochumer Chile-Komitees bis zum 11.9., im Zusammenhang mit bundesweiten Aktionen (vgl. 18.9.1975), zu der die u.a. beteiligte KGB intern ausführt, Ziel ist es, "die Unterstützung des Kampfes des Chilenischen Volkes zu verbessern". Im Rückblick heißt es:"
Zu der Chile-Aktionswoche im September (2. Jahrestag des Putsches) gelang es uns nicht, im Bochumer Chile-Komitee eine besonders vorwärts treibende Rolle zu spielen."
Q: KGB:Rundbrief,Bochum 1.11.1975; KGB:Politischer Plan für die Arbeit der KGB (September bis Dezember 1975),Bochum 1975,S.2

22.09.1975:
In NRW geben der Landesvorstand NRW der LgdI und das RK NRW der KPD zu der laut ihnen heute beginnenden internationalen Portugalsolidaritätswoche (vgl. 21.9.1975) ein Flugblatt heraus:"
NICHT BRESCHNEW, NICHT FORD! UNABHÄNGIGKEIT FÜR PORTUGAL!

- 'In Portugal droht ein neues Chile', so tönt es aus den Zeilen von Prawda (der KPdSU,d.Vf.), Iswestija oder 'Unsere Zeit' (UZ,d.Vf.), der Zeitung der DKP.

Aber: Können wir denjenigen glauben, die selbst andere Völker ausbeuten und unterdrücken, und die selbst einen militärischen Überfall auf die CSSR durchgeführt und unterstützt haben (1968 (vgl. 21.8.1968,d.Vf.))?"
Q: LgdI-LVorst NRW, KPD-RK NRW:Nicht Breschnew, nicht Ford! Unabhängigkeit für Portugal!,Bochum o.J. (1975)

April 1976:
Die DKP Hochschulgruppe Duisburg gibt ihr 'Manifest' (vgl. Jan. 1976, Juli 1976) mit 4 Seiten DIN A 4 heraus. Zum KSV der KPD heißt es:"
GEMEINSAMKEITEN

Wenige Tage nachdem in Bonn CDU-Abgeordnete eine Plakatausstellung des Heidelberger Grafikers K. Staeck verwüsteten (vgl. **.*.1976,d.Vf.) traten an der GH Duisburg im Schutze der Semesterferien Neofaschisten auf den Plan (sie tarnten sich in aller Regel mit der Bezeichnung 'KPD'), zerstörten sämtliche Info-Wände der DKP-Hochschulgruppe und des MSB Spartakus und rissen alle ihre Plakate und Ankündigungen von den Wänden. Das kannten wir bisher nur von der Hochschulverwaltung.

Hier offenbart sich einmal mehr die völlige Perspektivlosigkeit der maoistischen sogenannten 'KPD', die mittlerweile im Bündnis mit der NPD das gleiche schäbige Spiel treibt, wie die Pekinger Führung (der VR China,d.Vf.), die inzwischen mit den Chilenischen Faschisten über Waffenlieferungen verhandelt."
Q: Manifest,Duisburg Apr. 1976

25.06.1976:
In Mönchengladbach findet, laut KB, eine Chile-Solidaritätsveranstaltung statt, zu der u.a. der KB und die MIR Chile aufgerufen hatten. Unter den ca. 45 Anwesenden sind auch Vertreter des KBW.
Q: Arbeiterkampf Nr.85,Hamburg 26.7.1976,S.47

10.07.1976:
In Emmerich findet, laut KB, eine Chile-Solidaritätsdemonstration statt. Zu der Demonstration hatte u.a. aufgerufen das regionale Chile-Komitee, das aus SDAJlern der DKP und den SJD - Die Falken der SPD besteht. Es versammeln sich ca. 50 - 60 Menschen.
Q: Arbeiterkampf Nr.85,Hamburg 26.7.1976,S.47

10.07.1976:
In Wuppertal findet, laut KB, eine Chile-Solidaritätsveranstaltung statt, zu der das Chile Komitee Wuppertal aufgerufen hatte. Anwesend sind auch u.a. Vertreter des Chile-Komitees Kleve/Emmerich, und GARM Genossen. Solidaritätsadressen erreichen die Veranstaltung von KB, Freidenkerverband (DFV) und der KG Wuppertal des KBW.
Q: Arbeiterkampf Nr.85,Hamburg 26.7.1976,S.47

16.07.1976:
In Aachen findet, laut KB, eine Chile-Solidaritätsveranstaltung statt, zu der aufgerufen wurde von MIR Chile, KB, CISNU Iran und der Lateinamerika-Gruppe. Ca. 100 Menschen versammeln sich.
Q: Arbeiterkampf Nr.85,Hamburg 26.7.1976,S.47

15.09.1976:
Laut KB wird in Bochum zum dritten Jahrestag des Putsches in Chile eine Veranstaltung der Chilenischen Linken (IC) durchgeführt. U.a. hatte auch der KB mobilisiert. Anwesend sind ca. 200 Menschen.
Q: Arbeiterkampf Nr.89,Hamburg 20.9.1976,S.45

15.01.1977:
In Emmerich beteiligen sich, laut SAG, 800 an einer Chile-Demonstration.
Q: Sozialistische Arbeiterzeitung Nr.17,Frankfurt 9.2.1977

April 1977:
Die Kommunistische Gruppe Bochum/Essen (KGB/E) gibt im April erscheint eine Sondernummer der 'BAZ' zum 1. Mai heraus. In dieser erscheint auch der Aufruf "1. Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse" aus Bochum. Der Aufruf ist auch unterzeichnet von GARM (Auslandsorganisation zur Unterstützung des Chilenischen MIR).
Q: Bochumer Arbeiterzeitung Nr.26 und Sdrnr.,Bochum Apr. 1977

01.05.1977:
1. Mai in Bochum.
Laut KB kommen zu "der Mai-Veranstaltung des KB (in Aktionseinheit mit MIR (Chile,d.Vf.) und CISNU" Iran 250.
Q: Arbeiterkampf Nr.104,Hamburg 16.5.1977,S.11

Juni 1977:
In Siegen veröffentlicht die Sozialistische Basisgruppe die Nr.2 ihrer 'Kritick' (vgl. Apr. 1977) u.a. mit Berichten über die Chile-Woche der ESG.
Q: Kritick Nr.2,Siegen Juni 1977

18.10.1977:
Die DKP Hochschulgruppe Essen gibt vermutlich heute ihren 'Kommunist' (vgl. Juni 1977, Dez. 1977) heraus. Im Leitartikel heißt es u.a. zur RAF:"
TERROR IN DER BRD - TERRORISMUS IM DIENST DER REAKTION

Seit Wochen wird die Bevölkerung unseres Landes in Atem gehalten. Seit der Schleyer-Entführung (vgl. 5.9.1977,d.Vf.) treten alle anderen politischen Ereignisse in den Hintergrund. Nach der Entführung der Lufthansa-Maschine (vgl. 1*.10.1977,d.Vf.) erreicht die von allen Massenmedien geschürte Terroristenhysterie einen neuen Höhepunkt.

So wird unter dem Vorwand der Terroristen- und Sympathisantenjagd ein Kesseltreiben gegen jedes kritische und fortschrittliche Handeln entfesselt. Die DKP hat mit aller Schärfe das Kölner Attentat und die Flugzeugentführung verurteilt. Der Terrorismus hat nichts, aber auch gar nichts mit der kommunistischen- und Arbeiterbewegung zu tun. Terror und Mordanschläge gehören vielmehr zum politischen Arsenal kapitalistischer Herrschaftsmethoden.

Erinnert sei nur an die Ermordung des US-Präsidenten John F. Kennedy (vgl. **.**.196*,d.Vf.), an den Mord an Martin Luther King (vgl. **.**.196*,d.Vf.), an die Blutspur des CIA in Chile, an die bekanntgewordenen Mordpläne des US-Geheimdienstes an Fidel Castro.

Gerade diejenigen, die vorgeben, diesen Staat vor dem Terrorismus mit allen Mitteln verteidigen zu müssen, haben nach eigenen Angaben die besten und freundschaftlichsten Beziehungen zu Terrorregimen wie Chile und Südafrika (RSA - Azania,d.Vf.)."
Q: Kommunist,Essen Okt. 1977

Dezember 1977:
In Hagen gibt die Initiative: Kein StrauSS in Hagen und auch nicht anderswo! vermutlich im Dezember anläßlich des Besuchs von Strauß (FJS) ein Flugblatt heraus:"
STRAUSS RAUS!!

- In Chile (vgl. S2.**.197*,d.Vf.) hat dieser Sympathisant des Faschismus festgestellt, 'daß die rechtsstaatliche Ordnung ungeschmälert funktioniere', und eine Versammlung von deutschen Siedlern aufgerufen: 'Sorgen sie dafür, daß die Freiheit in ihrem Lande… erhalten bleibt' (!?). Außerdem sprach StrauSS von 'Disziplin, Fleiß, Leistung, Opferbereitschaft und Gemeinschaftssinn', um ein 'blühendes Chile' zu schaffen.

Die Bilanz der Junta kurz ins Gedächtnis gerufen: Seit 1973 30 000 Chilenen ermordet; ca. 60 000 politische Häftlinge sind und waren in Gefängnissen und KZ's; 1 800 Menschen gelten als 'spurlos verschwunden'…!

Man muß genau hinsehen, welche Freiheit in Chile es ist, die StrauSS erhalten haben will. Man muß genauer hinhören, was er unter 'innerem Frieden, politischer Stabilität, funktionierender rechtsstaatlicher Ordnung und Disziplin' versteht.

Und man muß sich schließlich erinnern, daß es absolut die gleichen Parolen sind, mit denen StrauSS und Co. hierzulande für ihre politischen Ziele trommeln.

Eine besondere Bedeutung hat die mehr oder weniger offene Empfehlung des Chilenischen Modells für die BRD im Klima der gegenwärtigen Hetze gegen Demokraten und des Abbaus demokratischer Rechte, der von allen Bonner Parteien vorangetrieben wird.

Es seien hier nur erwähnt:
Die Berufsverbote (BV,d.Vf.), immer mehr Zensurmaßnahmen (wie Anklagen gegen fortschrittliche Artikelschreiber, z.B. wegen 'Verunglimpfung der BRD'), Kontaktsperrengesetz (vgl. S2.**.197*,d.Vf.), sowie ein sich ständig verschärfendes Polizeirecht.

Als besonderer Scharfmacher und Vorantreiber des Abbaus demokratischer Rechte tritt StrauSS in den Vordergrund, dessen Partei, die CSU, sich gemeinsam mit der CDU u.a. für die Aushöhlung des Rechts auf Kriegsdienstverweigerung (KDV,d.Vf.), für ein Verbot kommunistischer Organisationen, ja sogar für körperliche Folter (Ernst Albrecht) stark macht.

Erteilen wir dem provokatorischen Auftritt von StrauSS die entsprechende Antwort.

Wir meinen, daß es an der Zeit ist, sich gegen diese fortschreitende Rechtsentwicklung zu wehren.

Wir wollen keine Chilenischen Verhältnisse in der BRD und auch nicht anderswo."

Verbreitet wird dieses Flugblatt u.a. auch durch die KPD/ML bei Opel Bochum (IGM-Bereich - vgl. Dez. 1977).
Q: Initiative: Kein StrauSS in Hagen und auch nicht anderswo!:StrauSS raus!!,Hagen o.J. (1977)

01.05.1978:
1. Mai in Bochum. Laut KB beteiligen sich an der DGB-Demonstration ca. 1 400 Teilnehmer:"
Im oppositionellen Teil der Demonstration gingen 500 - 700 Leute mit. Darunter Blöcke vom Atombüro-Bochum (AKW,d.Vf.) … ein Block mit Chilenen, Spaniern, Iranern, Türken und ein Block der ML-Aktionseinheit (GOG (Opel im IGM-Bereich,d.Vf.), KPD, KSV, KGB/E) … An der anschließenden Kundgebung nahmen 3 000 bis 4 000 Personen teil. Danach kam die traditionelle Kundgebung der AE, die von 130 Leuten … angehört wurde."
Q: Arbeiterkampf Nr.129,Hamburg 16.5.1978,S.14

01.05.1978:
1. Mai in Köln. Laut KB beteiligen sich an der DGB-Demonstration ca. 3 000 Menschen:"
Die Linke war insgesamt mit ca. 2 000 Leuten vertreten, darunter 800 Ausländer (Griechen, Türken, Palästinenser, Chilenen), die in kämpferischen Blöcken gingen … Die KPD machte am Rande der Kundgebung einige Beiträge vor 500 Zuhörern."
Q: Arbeiterkampf Nr.129,Hamburg 16.5.1978,S.14

02.04.1979:
Laut KGB/E findet ein erstes Treffen (vgl. 11.4.1979) zu Aktionseinheitsverhandlungen zum 1.Mai 1979 in Bochum statt. U.a. sind vertreten: KPD, KPD/ML, KBW, Atombüro, BASA, GOG Opel, Frauentreff, SOAG, KGB/E und Chilenen (MIR).
Q: KGB/E:Rundbrief Nr.1 und 2,Bochum 1.4.1979 bzw. 13.5.1979,S.1 bzw.S.*

05.04.1980:
Einladungsschreiben der KGB/E "zur Verhandlung über die Bildung einer Aktionseinheit für einen oppositionellen Block am diesjährigen 1.Mai" am 13.4.1980. Das Einladungsschreiben geht auch an die Chile-Initiative Bochum.
Q: KGB/E:Einladung zu Verhandlungen über die Bildung einer Aktionseinheit für einen oppositionellen Block am diesjährigen 1.Mai,Bochum 5.4.1980

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