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Quickborn

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 4.7.2007

Hier werden nur wenige der uns vor allem von der, mit dem Kreis Bad Segeberg landkreisübergreifenden KBW-Ortsaufbaugruppe Quickborn/Ellerau (vgl. 8.1.1976), zahlreich vorliegenden örtlichen Quellen vorgestellt, die sich weniger dem separat protraitierten prominenten Quickborner Rechtsanwalt und Politbarden Franz Josef Degenhardt (vgl. 25.8.1971) bzw. dessen vermutlich von der SPD zur DKP wechselnden Affinitäten widmen, sondern vor allem der örtlichen Quickborner Angelegenheiten, wie sie in dieser freilich völlig unrepräsentativen Darstellung zuerst angesichts der vom Bund deutscher Pfadfinder (BDP), einer von Maoisten verschiedener Couleur gern unterwanderten Truppe, örtlich vermutlich von Freunden des KB dominiert, geplanten Griechenland-Solidaritätsveranstaltung geschildert werden (vgl. 29.1.1973).

Die, in diesem Fall evangelische, Kirche bot damals doch offenbar auch im Westen der mittlerweile wiederbereinigten Bundesrepublik oft genug das Schutzdach für oppositionelle Versammlungen, wie anlässlich des Wegfalls dieser in öffentlichen Diskussionen in Quickborn beklagt wird (vgl. 30.10.1973).

Dokumentiert wird im Folgenden eine Quickborner Kampagne unter der arg weltfern anmutenden Prämisse, die Kirche sei eine demokratische und nicht per definitionem, aufgrund ihrer Verbreitung von Religion, vielmehr eine eher faschistische Truppe, die sich natürlich auch mit den griechischen Diktatoren - um den Protest gegen diese geht es ja eigentlich über weite Strecken dieser Darstellung hinweg – selbstverständlich zutiefst verbrüdert weiß (vgl. 2.11.1973, 9.11.1973), wobei der Protest gegen die mittelalterlichen Autoritäten bzw., die geplante Veranstaltung zur Solidarität mit Griechenland offenbar erfolgreich organisiert werden kann (vgl. 12.11.1973).

Neben den örtlichen Freunden des Kommunistischen Bundes (KB) tritt nun aber auch die DKP Quickborn/Bönningstedt zumindest publizistisch auf den Plan (vgl. Feb. 1974), berichtet gar vom Giftmüll (vgl. Mai 1974), wie dieser der DKP damals bereits aus NRW aus Bochum-Gerthe bzw. Dortmund-Marten hinreichend bekannt ist. Aus Bönningstedt allerdings konnten bisher keine Meldungen aufgefunden werden.

Auch von der in dieser Darstellung, nach unserer Quellenlage, arg vernachlässigten KBW-Ortsgruppe Quickborn/Ellerau, die zuvor teils noch als Initiativgruppe für eine Gemeindearbeit im Interesse der Bevölkerung auftrat, vermutlich um den naiven christlichen Wunderheilerglauben optimal zu befördern, dergestalt gar eine an der FU archivierte Ortsbeilage Quickborn/Ellerau zur 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ) des KBW herausgab, wird hier derzeit, nach der wohl hinreichenden Läuterung der örtlichen kommunistischen Kader, zunächst die Aufnahme in den KBW als Ortsaufbaugruppe dokumentiert (vgl. 8.1.1976), danach deren Verweigerung der Beteiligung an der Mai-Demonstration 1977 in Elmshorn (vgl. 1.5.1977) und anschließende Querelen innerhalb der Bürgerinitiativen gegen die Atomkraftwerke, wie sie sich in Quickborn, nach Berichten des KB (vgl. 26.8.1977, 5.9.1977) aufgrund der KBW-Initiative gespalten zu organisieren scheinen.

Ortsbeilage Quickborn/Ellerau zur KVZ Nr. 20 vom 2.10.1974 - herausgegeben vom KBW Quickborn/Ellerau, Seite 2 [oben]



Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

25.08.1971:  Der Rechtsanwalt Kurt Groenewold gibt eine Pressemitteilung heraus, daß Degenhardt den Düsseldorfer Anwalt Herbert Lederer mit seiner Vertretung beim Widerspruch gegen den Ausschluß aus der SPD wegen einem Aufruf zur Wahl der DKP in Schleswig-Holstein beauftragt hat.

Degenhardt betreibt seine Praxis gemeinsam mit Kurt Groenewold und Wolf Dieter Reinhard.
=Degenhardt,Dr. Franz:Pressemitteilung,Quickborn 25.8.1971

29.10.1973:  Der BDP Norderstedt gibt ein Flugblatt "Reaktionäre im Kirchenvorstand entlarven sich" in einer Auflage von 400 Stück heraus, welches sich mit dem Raumverbot für die morgige Griechenlandveranstaltung von RBJ Hamburg und BDP Quickborn in Quickborn befaßt (vgl. 30.10.1973, 12.11.1973).
=BDP Quickborn:Quickborn: Maulkorb für die demokratische Jugend?,Quickborn 9.11.1973

30.10.1973:  In Quickborn führen der örtliche BDP und der RBJ Hamburg, statt ihrer verbotenen Griechenlandveranstaltung in den Räumen der Kirche eine Diskussion mit 30 Einwohnern durch (vgl. 29.10.1973, 2.11.1973).
=RBJ-Kommunikation Nr.7/8,Hamburg 1973

02.11.1973:  Der BDP Norderstedt gibt ein Flugblatt "Für oder gegen Faschisten, Herr Pastor?" zum Raumverbot für die Quickborner Griechenland-Veranstaltung (vgl. 30.10.1973, 9.11.1973) in einer Auflage von 2 000 heraus. Mobilisiert wird für den 12.11.1973 (vgl. dort).
=BDP Quickborn:Quickborn: Maulkorb für die demokratische Jugend?,Quickborn 9.11.1973

09.11.1973:  Der BDP Quickborn gibt eine Dokumentation "Quickborn: Maulkorb für die demokratische Jugend?" in einer Auflage von 1 000 Stück heraus, die sich mit den jüngsten Auseinandersetzungen (vgl. 29.10.1973) befaßt.
=BDP Quickborn:Quickborn: Maulkorb für die demokratische Jugend?,Quickborn 9.11.1973

12.11.1973:  In Quickborn führt der BDP, nach eigenen Angaben, eine Griechenland-Veranstaltung durch (vgl. 30.10.1973).
=RBJ-Kommunikation Nr.7/8,Hamburg 1973

Februar 1974:  Die DKP Quickborn/Bönningstedt gibt, nach eigenen Angaben, erstmals ihre 'Unser Standpunkt' (vgl. Mai 1974) heraus.
=Unser Standpunkt Nr.5,Quickborn 1974

Mai 1974:  Die DKP Quickborn/Bönningstedt gibt ein Extra ihres 'Unser Standpunkt' (vgl. Feb. 1974, Juni 1974) zum Giftmüll heraus.
=Unser Standpunkt Extra,Quickborn Mai 1974

Juni 1974:  Die DKP Quickborn/Bönningstedt gibt vermutlich im Juni ihren 'Unser Standpunkt' Nr.5 (vgl. Mai 1974) heraus. Eingegangen wird u.a. auf die eigene erste Nummer (vgl. Feb. 1974).
=Unser Standpunkt Nr.5,Quickborn 1974

08.01.1976:  Der KBW gibt seine 'KVZ' Nr.1 (vgl. 15.1.1976) heraus, in der von der Bildung von neuen Ortsgruppen (vgl. Dez. 1975) u.a. in Quickborn-Ellerau bei Hamburg berichtet wird.
=Kommunistische Volkszeitung Nr.1,Mannheim 8.1.1976

01.05.1977:  1. Mai Demonstration in Elmshorn.
Laut KB beteiligen sich ca. 160 Menschen an einer linken Mai-Demo:"
Initiiert von den KB-Ortsgruppen Elmshorn, Pinneberg und Quickborn bildete sich eine Aktionseinheit, an der Bürgerinitiativen (AKW,d.Vf.), Jugendzentrum (JZ,d.Vf.), eine Frauengruppe und eine Schülerzeitung aus diesem Raum teilnahmen und die gemeinsame Demo und Kundgebung trugen. Die KBW'ler dieser Gegend haben aktiv gegen diese Demo gehetzt ... und zur DGB-Kundgebung nach Neumünster aufgerufen."
=Arbeiterkampf Nr.104,Hamburg 16.5.1977,S.9

26.08.1977:  Marschenkonferenz der Bürgerinitiative Umweltschutz Unterelbe (BUU). Laut KB sind u.a. zwei Initiativen aus Quickborn anwesend:"
Ein Antrag des KBW, am 17.9. eine Großkundgebung am Bauplatz des AKW Brokdorf durchzuführen, wurde bei nur einer Ja-Stimme und zwei Enthaltungen abgelehnt. Stattdessen sprachen sich die Delegierten für eine Großkundgebung nach Aufhebung des Baustopps aus." Eine Mobilisierung für die Großdemonstration in Kalkar wird beschlossen.
=Arbeiterkampf Nr.112,Hamburg 5.9.1977,S.9

05.09.1977:  Der KB gibt seinen 'Arbeiterkampf' (AK) Nr.112 (vgl. 22.8.1977, 19.9.1977) heraus. Im Artikel "Die Abenteurer pfeifen auf dem allerletzten Loch" wird über den Kampf gegen das AKW Brokdorf u.a. berichtet:"
Derzeit versuchen der KBW und verschiedene Spontis mit viel Gelärme und radikalem Getue, den Eindruck zu erwecken, als würden sie einen erneuten Angriff auf die Baustelle Brokdorf vorbereiten. ... Derzeit versuchen der KBW und verschiedene Spontis mit viel Gelärme und radikalem Getue, den Eindruck zu erwecken, als würden sie einen erneuten Angriff auf die Baustelle Brokdorf vorbereiten."
=Arbeiterkampf Nr.112,Hamburg 5.9.1977

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