| Zur Hauptübersicht der Datenbank MAO | Zur nächsten Zwischenübersicht |
Hier werden nur einige wenige der in vielen Archiven verfügbaren Dokumente zu der ersten Phase des Protests gegen das Atomkraftwerk Brokdorf vorgestellt. Nach den doch eher eng regional begrenzten Auseinandersetzungen um das Kernkraftwerk Wyhl war die Demonstration in Brokdorf am 13.11.1976 die erste der drei bundesweiten Großaktionen der Jahreswende 1976/77. Folgen sollten weitere solche in Brokdorf selbst, sowie gegen das AKW Grohnde und später auch in Kalkar.
Nachdem bereits 1971 erste Pläne für eine AKW Brokdorf bekannt werden (vgl. 1971) werden diese Ende 1973 konkreter (vgl. Nov. 1973, Dez. 1973, 5.12.1973) und mit der Gründung der Bürgerinitiative Umweltschutz Unterelbe (BUU – vgl. 26.11.1973) beantwortet. Die Kraftwerksbetreiber der Nordwestdeutschen Kraftwerke AG (NWK) versuchen Einfluss auf die Bürgermeinung zu nehmen (vgl. 12.3.1974), gegen die Baupläne aber gibt es zahlreiche Einwendungen (vgl. 20.8.1974) und auch der mit einer Sympathisantengruppe im nahen Itzehoe vertretene Kommunistische Bund Westdeutschland (KBW) beginnt nun die Proteste zu unterstützen (vgl. 16.10.1974, 12.11.1974, Jan. 1975, 27.3.1975, 10.4.1975), seine Sozialistische Studentengruppe (SSG) Hamburg engagiert sich auch in der Arbeitsgruppe Kernkraftwerke im Bereich Physik der Universität Hamburg (vgl. 15.4.1975, 7.11.1975), die ihrerseits die BUU in deren ersten öffentlichen Aktionen unterstützt (vgl. 30.4.1975, Mai 1975, Juli 1975).
Die Protesterklärung der BUU (vgl. Nov. 1975) wird auch vom KBW veröffentlicht (vgl. 13.11.1975). In Hamburg tritt die Anti-Atomkraftbewegung damals verstärkt an die Öffentlichkeit (vgl. 12.12.1975, 4.2.1976). Kaum ist der Bauplatz bekannt, so wird dieser schon symbolisch besetzt (vgl. 28.2.1976), in Wilster kommt es beim Erörterungstermin zur Demonstration (vgl. 8.3.1976), an der sich auch wiederum KBW-Anhänger beteiligen, die sich vermutlich auch in der sich nun überörtlich ausdehnenden BUU engagieren und eine erste große Broschüre zum AKW Brokdorf vorlegen (vgl. Apr. 1976, 29.4.1976, 20.5.1976, 23.6.1976, 1.7.1976, 14.7.1976). Außer in Elmshorn (vgl. 2.9.1976) und Itzehoe engagieren sich die KBW-Gruppen auch in Hamburg (vgl. 20.5.1976), Kiel (vgl. 11.3.1976, 29.4.1976, 1.7.1976) und Lübeck (vgl. 8.9.1976, 18.9.1976) gegen das AKW Brokdorf. Auch das Soldaten- und Reservistenkomitee (SRK) Hamburg des KBW engagiert sich im Anti-AKW-Protest, der sich allerdings zunächst an einer Übung beim AKW Krümmel festmacht (vgl. 4.10.1976, 23.10.1976). Der KBW scheint so schon früh vielfältig in der Bewegung präsent und begleitete diese publizistisch (vgl. 21.10.1976, 4.11.1976, 11.11.1976).
Vor allem für den im benachbarten Hamburg innerhalb der Linksradikalen dominanten KB aber bot sich beim Protest gegen das AKW Brokdorf die Chance, innerhalb einer Massenbewegung organisierend tätig zu werden, obwohl er nach unserer Quellenauswertung zwar schon früh einen ersten Hinweis auf das geplante AKW Brokdorf publiziert (vgl. 7.1.1975), sich dann aber erst Ende 1976 massiv zu engagieren scheint (vgl. Nov. 1976), in seiner Zeitung für Schleswig-Holstein (vgl. Okt. 1976) das AKW Brokdorf offenbar überhaupt nicht erwähnend.
Auch die KPD aber vermochte, nicht zuletzt durch ihren Bremer Physikprofessor Jens Scheer (vgl. 2.4.1975, 29.10.1975), einen gewissen, für ihre sonstigen Bemühungen eventuell gar außerordentlichen, Einfluss zu nehmen, obwohl sie sich durchaus einer etwas widersprüchlichen Argumentation bzgl. des Segens der Atomkraft bediente (vgl. 24.3.1976).
Kaum ist die Teilerrichtungsnehmigung erteilt (vgl. 25.10.1976) und der Bauplatz eingezäunt (vgl. 26.10.1976), beginnen neben parlamentarischen Debatten (vgl. 27.10.1976) auch handfeste Proteste gegen das AKW Brokdorf (vgl. 27.10.1976, 28.10.1976, 29.10.1976), u.a. mit einer ersten Großdemonstration nebst Bauplatzbesetzung (vgl. 30.10.1976), von der nun auch der KB in einer in hohen Auflage verbreiteten Broschüre berichtet. Auch in weiteren später erschienenen Broschüren des KB, des Ermittlungsausschuss der BUU, der BUU Hamburg und der KBW-Regionalleitung Nord wird detailliert über die Demonstrationen vom 30.10.1976 und 13.11.1976 berichtet, wobei die entsprechenden Dokumente aus Platzgründen in separaten Beiträgen veröffentlicht werden.
Während sich die K-Gruppen sowie die DKP nun um die Kampfformen in die Haare geraten, traut sich die ÖTV offenbar gar nicht erst vor Ort um für Atomkraft zu einzutreten, wartet lieber etwas ab mit ihrer Aktion, was angesichts der Kräfteverhältnisse auch weiser gewesen sein könnte (vgl. 5.11.1976). DKP und SPD scheinen langfristig vorbereitet um eine Aktion fern vom Bauplatz in Itzehoe bemüht (vgl. 1.11.1976), was aber von zahlreichen AKW-GegnerInnen nicht hingenommen werden wird.
Solidarisch gibt man sich in Freiburg im Breisgau (vgl. 1.11.1976), während die Freunde der DKP an Kieler Berufsschulen die Dominanz des Themas Brokdorf beklagen (vgl. 2.11.1976). Neben der KPD, die auch in Hamburg mit den Pfunden ihres Bremer Professors wuchert (vgl. 5.11.1976), bleibt auch der KBW weiterhin aktiv (vgl. 4.11.1976, 5.11.1976, 6.11.1976, 11.11.1976), während sich die Mitglieder des Stadtrates der Kreisstadt des Kreises Steinburg, in dem Brokdorf liegt, neutral zu geben versuchen, gehören sie doch Parteien an, die die Atomkraft eindeutig befürworten (vgl. 11.11.1976).
Wieder versuchen zigtausende auf den Aufruf der BUU hin (vgl. 8.11.1976) sich versammelnde AKW-Gegner eine Erstürmung des Bauplatzes um diesen zu besetzen bzw. wenigstens die Baumaschinen zu zerstören, wobei K-Gruppen wie KB, KBW, KPD (vgl. 10.11.1976) und KPD/ML keine unmaßgebliche Rolle spielten (vgl. 13.11.1976).
Wenn ich das trotz der Tränengasnebel mit Bernd Woitalla richtig gesehen hab, und seine Verletzung nicht woanders passiert ist, war er vermutlich einer der beiden KPD/ML-Genossen, die durch den stacheldrahtbewehrten Wassergraben gekommen waren und die Wurfanker am Zaun befestigt hatten, so dass die KPD/ML, die mit lediglich 2 – 300, aber hervorragend koordinierten Leuten angriff, ein Zaunstück herausreißen konnte. Dann kam ein Bagger mit einem Zaunstück vorne dran und schob dies mit hohem Tempo in die Lücke, bevor andere Demonstranten nachdrängen konnten, wobei ein KPD/MLer auf dem Rücken liegend unter dem Zaunstück zurück kriechen musste, dabei von dem Zaunstück (massives Stahlgeflecht mit spitzen Enden vermutlich verletzt wurde.
Selbst die DKP aber engagiert sich nun angesichts der Größe der Bewegung und des nahezu, bis auf Schusswaffen, umfassenden Einsatzes der Machtmittel der Polizeitruppen zum Thema Atomkraft (vgl. 15.11.1976), obwohl diese ja auch in der DDR gern angewandt wurde.
Sogar der ebenfalls ausgesprochen atomfreundliche südbayrische Arbeiterbund für den Wiederaufbau muss von solchen Ausschreitungen berichten (vgl. 14.11.1976), die Rote Hilfe der KPD sieht die Bourgeoisie bereits zutiefst in Panik (vgl. 15.11.1976), obwohl ja die örtliche Bundeswehr offenbar nur in Bereitschaft versetzt worden war, wirkliche Machtmittel also noch nicht zum Einsatz gelangten. Ich halte es deshalb auch für falsch, bei gewalttätigen Protesten wie in Brokdorf von Bürgerkrieg oder Ähnlichem zu reden, da die Protestierenden ja, trotz all ihrer Militanz gerade darauf setzen, dass sie sich nicht im Krieg mit den Polizeitruppen befinden, sondern es sich bei ihnen vielmehr um grundsätzlich zu schützende Staatsbürger und nicht um zu tötende, gegnerische Kämpfer handelt.
Vor allem für den im benachbarten Hamburg innerhalb der Linksradikalen dominanten KB aber bot sich beim Protest gegen das AKW Brokdorf die Chance, innerhalb einer Massenbewegung organisierend tätig zu werden, obwohl er nach unserer Quellenauswertung zwar schon früh einen ersten Hinweis auf das geplante AKW Brokdorf publiziert (vgl. 7.1.1975), sich dann aber erst Ende 1976 massiv zu engagieren scheint (vgl. Nov. 1976), in seiner Zeitung für Schleswig-Holstein (vgl. Okt. 1976) das AKW Brokdorf offenbar überhaupt nicht erwähnend.
Während die KPD sich bundesweit und auch in Karlsruhe mit dem Protest gegen das AKW Brokdorf solidarisch gibt (vgl. 16.11.1976), berichtet der KB bereits vom nächsten großen Schauplatz von Anti-AKW Protesten, dem AKW Grohnde (vgl. 16.11.1976), bei dem dann die SAG entscheidend eingreift, die auch von Brokdorf berichtet (vgl. 17.11.1976).
Die DKP Niedersachsen stellt die Ermutigung dar, die die Auseinandersetzungen in Brokdorf für andere Bürgerinitiativen bedeuteten (vgl. 19.11.1976), es kommt, u.a. in Elmshorn (vgl. 20.11.1976) und Kiel (vgl. 23.11.1976), aber auch in Brokdorf bzw. dem Kreis Steinburg selbst zu verschiedenen kleineren Demonstrationen (vgl. 26.11.1976).
Die DKP Schleswig-Holstein widmet sich nun massiv dem Anti-AKW Protest, ruft gar anfänglich landesweit zu einer Kundgebung in Brokdorf auf (vgl. Dez. 1976), befasst sich aber auch in verschiedenen Orten, wie hier aus Ahrensburg (vgl. Dez. 1976) belegt, mit dem Thema.
Sowohl in vielen Orten der Bundesrepublik, wie in Eutin, Kiel, Wyk, Eckernförde, Bonn, Münster, in Niedersachsen und Schleswig-Holstein als auch im Ausland (vgl. 6.12.1976) läuft nun die Vorbereitung der nächsten Großdemonstration gegen das Atomkraftwerk Brokdorf an, wobei die Frage einer zu wagenden Besetzung des Bauplatzes, wie sie KPD und KBW favorisieren, der KB aber aufgrund der Aussichtslosigkeit vermeiden möchte, Anlass zu heftigen Disputen zwischen den verschiedenen Fraktionen der intervenierenden Avantgardeformationen bietet. Ob aber für Besetzung oder nicht, die typische Brokdorfausrüstung (vgl. Dez. 1976) tragen beide Fraktionen.
Allein die damals innerhalb der radikalen Linken isolierte Sozialistische Deutschen Arbeiterpartei (SDA – vgl. 3.12.1976) befasst sich bereits früh auch mit rechten AKW-Gegnern.
Linke AKW-Gegner werden derweil von Repressionen sowie politischen Entlassungen betroffen (vgl. 6.12.1976). Die Bewegung entwickelt sich in die Breite (vgl. 16.12.1976, 18.12.1976) und auch die Nutznießer der Atomkraftwerke geraten ins Blickfeld (vgl. 11.12.1976).
An der Bielefelder Carl-Severing-Berufsschule dienen die Brokdorfer Polizeiaktionen der Belehrung der Schülerschaft (vgl. 13.12.1976), die KPD erörtert schon einmal die militärstrategische Lage für die kommende Konfrontation (vgl. 15.12.1976), in Flensburg versammeln sich die AKW-GegnerInnen (vgl. 15.12.1976), während die Jusos der SPD in der Befürwortung der Atomkraftwerk brav zur Mutterpartei halten. Das Verwaltungsgericht Schleswig verfügt zwar einen Baustopp, der aber nur vorläufig bleibt (vgl. 17.12.1976) und auch die Vorbereitungen der Anti-AKW-Bewegung nicht aufzuhalten vermag, wie aus Bremen (vgl. 18.12.1976) und Essen (vgl. 18.12.1976) dokumentiert.
Ort und Termin der Großaktion werden festgelegt (vgl. 27.12.1976), während am Bauplatz selbst der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) schweigend protestiert (vgl. 30.12.1976).
1971:
Vom AKW Brokdorf (vgl. Nov. 1973) berichtet das HdJ Kronshagen (vgl. 29.11.1976):"
Während der Bürgermeister Brokdorfs E. Block sich um die Aufwertung der 700 Bewohner großen Gemeinde zum 'Bad' bemüht, 'empfiehlt die NWK der Kieler Landesregierung insgeheim bereits die Elbgemeinde als Reaktorstandort.' (SPIEGEL Nr. 46)".
Quelle: Nr. 9 Extra / Sonderausgabe 1, Kronshagen Nov./Dez. 1976, S. 11

November 1973:
Vom AKW Brokdorf (vgl. 1971, 26.11.1973) berichtet der Ermittlungsausschuß der BUU (vgl. Feb. 1977):"
Die NWK (Nordwestdeutsche Kraftwerke AG) gibt Brokdorf als Standort für den Bau eines geplanten AKW bekannt. (Druckwasserreaktor mit 1300 Mw Leistung, betriebsfertig 1980)".
Q: BUU-Ermittlungsausschuß: Chronologie des Widerstandes gegen das geplante Atomkraftwerk Brokdorf, o. O. o. J. (1977), S. 1
26.11.1973:
Vom AKW Brokdorf (vgl. Nov. 1973, Dez. 1973) berichtet der Ermittlungsausschuß der BUU (vgl. Feb. 1977):"
Die Bürgerinitiative Umweltschutz Unterelbe (BUU) wird gegründet."
Q: BUU-Ermittlungsausschuß: Chronologie des Widerstandes gegen das geplante Atomkraftwerk Brokdorf, o. O. o. J. (1977), S. 1
Dezember 1973:
Vom AKW Brokdorf (vgl. 26.11.1973, 5.12.1973) berichtet das HdJ Kronshagen (vgl. 29.11.1976) von 1973:"
Die Bevölkerung Brokdorfs erfährt – nicht offiziell – von dem geplanten Bauprojekt. Eine Befragung der Bürger von Brokdorf und Wewelsfleth ergibt eine ¾ Mehrheit gegen das geplante Kernkraftwerk."
Der Ermittlungsausschuß der BUU (vgl. Feb. 1977) berichtet aus dem Dezember:"
Eine Bürgerumfrage der Gemeinden Brokdorf und Wewelsfleth erbrachte 75% Ablehnung gegen das AKW.
Auf einer von der Landesregierung anberaumten Bürgerversammlung, ergab eine spontane Abstimmung das gleiche Ergebnis ablehnender Stimmen, nämlich 75%."
Q: Nr. 9 Extra / Sonderausgabe 1, Kronshagen Nov./Dez. 1976, S. 11; BUU-Ermittlungsausschuß: Chronologie des Widerstandes gegen das geplante Atomkraftwerk Brokdorf, o. O. o. J. (1977), S. 1
05.12.1973:
Vom AKW Brokdorf (vgl. Dez. 1973, 12.3.1974) berichtet der Ermittlungsausschuß der BUU (vgl. Feb. 1977):"
Gespräch zwischen NWK und Vertretern des Kreises Steinburg über die Unterstützung gewisser Baumaßnahmen in der Gemeinde Brokdorf."
Q: BUU-Ermittlungsausschuß: Chronologie des Widerstandes gegen das geplante Atomkraftwerk Brokdorf, o. O. o. J. (1977), S. 1
12.03.1974:
Vom AKW Brokdorf (vgl. 5.12.1973, 24.3.1974) berichtet das HdJ Kronshagen (vgl. 29.11.1976):"
Die Nordwestdeutschen Kraftwerke AG stellen den Antrag auf Errichtung und Betrieb eines Druckwasserreaktors.
Die Landesregierung setzt im selben Jahr Brokdorf als offiziellen möglichen KKW-Standort fest. (In der darauffolgenden Zeit gehen auffällig viele Geldbeträge in der Gemeinde ein z. B. für ein neues Freibad, einen Kindergarten und den Ausbau umliegender Kreisstraßen.)
Kurz nach der öffentlichen Proklamierung bildet sich die Bürgerinitiative Umweltschutz Unterelbe (BUU)" (vgl. 26.11.1973).
Q: Nr. 9 Extra / Sonderausgabe 1, Kronshagen Nov./Dez. 1976, S. 11
24.03.1974:
Vom AKW Brokdorf (vgl. 12.3.1974, 20.8.1974) berichtet der Ermittlungsausschuß der BUU (vgl. Feb. 1977) über die Vorbereitung der heutigen Kommunalwahlen (KW):"
Kommunalwahlen. Befragung der Kandidaten aller Parteien durch die BUU zum Bau des AKW."
Q: BUU-Ermittlungsausschuß: Chronologie des Widerstandes gegen das geplante Atomkraftwerk Brokdorf, o. O. o. J. (1977), S. 1
20.08.1974:
Vom AKW Brokdorf (vgl. 24.3.1974, 12.11.1974) berichtet das HdJ Kronshagen (vgl. 29.11.1976) über die Zeit von heute bis zum 19.9.1974:"
Der Antrag der NWK zur Errichtung und zum betrieb eines Kraftwerks liegen in Wilster aus; daraufhin werden 20.588 Einwendungen erhoben: 156 von Einzelpersonen, 16 von Vereinigungen, 9 von Gemeinden, der Rest waren Sammeleinwendungen."
Der Ermittlungsausschuß der BUU (vgl. Feb. 1977) berichtet aus dem August:"
Die NWK und HEW (Hamburgische Elektrizitätswerke) beantragen die Bau- und Betriebsgenehmigung für das AKW Brokdorf.
Innerhalb einer vierwöchigen Einspruchsfrist sammelte die BUU 31178 Einspruchsunterschriften. Viele Bürgerinitiativen und Vereine schließen sich im Namen von 40.000 Mitgliedern den Einsprüchen an."
Q: Nr. 9 Extra / Sonderausgabe 1, Kronshagen Nov./Dez. 1976, S. 11; BUU-Ermittlungsausschuß: Chronologie des Widerstandes gegen das geplante Atomkraftwerk Brokdorf, o. O. o. J. (1977), S. 1
16.10.1974:
Der KBW gibt seine 'Kommunistische Volkszeitung' (KVZ - vgl. 2.10.1974, 30.10.1974) Nr. 21 heraus. Aus Schleswig-Holstein wird berichtet vom AKW Brokdorf.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 21, Mannheim 16.10.1974, S. 11

12.11.1974:
Die Sympathisantengruppe Itzehoe des KBW (vgl. 21.11.1974) berichtet vom heute in Wilster beginnenden viertägigen Erörterungstermin des AKW Brokdorf (vgl. 20.8.1974, 30.4.1975): "Bevölkerung will kein Kernkraftwerk in Brokdorf".
Der Ermittlungsausschuß der BUU (vgl. Feb. 1977) berichtet aus dem November:"
Der atomrechtliche Erörterungstermin wird in Wilster abgehalten. Die Erörterung dauert 4 Tage und wird ohne vollständige Erörterung aller Fragen von der Behörde abgebrochen.
Festgestellt wird, daß von 14 geforderten Gutachten nur 4 vorliegen."
Das HdJ Kronshagen (vgl. 29.11.1976) berichtet:"
Erörterungstermin für das atomrechtliche Genehmigungsverfahren in Wilster, bei dem nicht alle vorhandenen Fachunterlagen zur Verfügung standen."
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 25, Mannheim 21.11.1974, S. 10; Nr. 9 Extra / Sonderausgabe 1, Kronshagen Nov./Dez. 1976, S. 11;BUU-Ermittlungsausschuß: Chronologie des Widerstandes gegen das geplante Atomkraftwerk Brokdorf, o. O. o. J. (1977), S. 1

Januar 1975:
Von den Zellen Chemie / Biologie und Mathematik / Physik des KSB Göttingen des KBW wird die Broschüre "Kernenergie im Kapitalismus" herausgegeben. Eingegangen wird auch auf den Protest gegen das AKW Brokdorf.
Q: KSB Göttingen-Zellen Chemie / Biologie und Mathematik / Physik: Kernenergie im Kapitalismus, Göttingen Jan. 1975,S.22f


07.01.1975:
Der KB gibt seinen 'Arbeiterkampf' (AK) Nr.54 (vgl. 3.12.1974, 28.1.1975) heraus. In einem ersten Artikel gegen das geplante Atomkraftwerk (AKW) Brokdorf an der Unterelbe im Kreis Steinburg in Schleswig-Holstein wird u.a. festgestellt:"
Hier wird auch deutlich, daß die Atomenergie nicht nur zur Versorgung der Industrien dienen soll, sondern auch die Pläne der westdeutschen Imperialisten auf dem Energiesektor schlechthin darstellt: ein ernstzunehmender Konkurrent zu den anderen imperialistischen Ländern zu werden."
Q: Arbeiterkampf Nr.54,Hamburg 7.1.1975
27.03.1975:
Die Ortsgruppe Hamburg des KBW gibt eine Ortsbeilage zur 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ) Nr. 12 (vgl. 20.3.1975, 3.4.1975) heraus. Berichtet wird in: "Aus den Gewinnen der HEW werden Kernkraftwerke im Unterelbegebiet finanziert" aus Brokdorf. Erklärt werden "Wirkungsweise und Gefahren eines Kernkraftwerkes".
Q: Kommunistische Volkszeitung Ortsbeilage Hamburg Nr. 12, Hamburg 27.3.1975, S. 3

10.04.1975:
Die Ortsgruppe Hamburg des KBW gibt eine Ortsbeilage zur 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ) Nr. 14 (vgl. 3.4.1975, 17.4.1975) heraus. Die KBW-Sympathisantengruppe Elmshorn berichtet "Kein Kernkraftwerk in Brokdorf! Die bürgerlichen Politiker kommen mit ihren Argumenten nicht an".
Q: Kommunistische Volkszeitung Ortsbeilage Hamburg Nr. 14, Hamburg 10.4.1975, S. 4

15.04.1975:
Die SSG Hamburg gibt die Nr. 3 ihrer 'Roten Presse' (vgl. 6.2.1975, 22.4.1975) heraus. Der Artikel "Kernkraftwerke: AG am Physikinstitut" befasst sich auch mit dem AKW Brokdorf.
Q: Rote Presse Nr. 3, Hamburg 15.4.1975, S. 4

30.04.1975:
Der Ermittlungsausschuß der BUU (vgl. Feb. 1977) berichtet vom AKW Brokdorf (vgl. 12.11.1974, Mai 1975):"
'Tanz in den Mai'. Die BUU, der inzwischen 160 Mitglieder angehören, veranstaltet ein Maifeuer."
Die AG Kernkraftwerke an der Uni Hamburg und die dortige Sozialistische Studentengruppe (SSG) des KBW boten einen Treffpunkt für Mitfahrer zum Volksfest bzw. Maifeuer in Brokdorf am Elbstrand nahe des Bauplatzes.
Q: Rote Presse Nr. 4, Hamburg 29.4.1975, S. 6; BUU-Ermittlungsausschuß: Chronologie des Widerstandes gegen das geplante Atomkraftwerk Brokdorf, o. O. o. J. (1977), S. 1

Mai 1975:
Der Ermittlungsausschuß der BUU (vgl. Feb. 1977) berichtet vom AKW Brokdorf (vgl. 30.4.1975, Juli 1975):"
Eine Gruppe der BUU fährt in den Kieler Landtag. Auf Anfragen antwortet Stoltenberg, daß die neuangelegte Straße zum Bauplatz kein Vorgriff auf die Baugenehmigung des AKW sei und außerdem der atomrechtliche Erörterungstermin ordnungsgemäß abgeschlossen sei."
Q: BUU-Ermittlungsausschuß: Chronologie des Widerstandes gegen das geplante Atomkraftwerk Brokdorf, o. O. o. J. (1977), S. 1
Juli 1975:
Der Ermittlungsausschuß der BUU (vgl. Feb. 1977) berichtet vom AKW Brokdorf (vgl. Mai 1975, Okt. 1975):"
Die BUU veranstaltet ein Straßentheater mit dem Titel 'Sein oder Nichtsein' und startet eine Theatertournee in die Orte der näheren Umgebung Brokdorfs."
Q: BUU-Ermittlungsausschuß: Chronologie des Widerstandes gegen das geplante Atomkraftwerk Brokdorf, o. O. o. J. (1977), S. 1
Oktober 1975:
Der Ermittlungsausschuß der BUU (vgl. Feb. 1977) berichtet vom AKW Brokdorf (vgl. Juli 1975, Nov. 1975):"
Die Kernkraftwerk Brokdorf GmbH beantragt, 'die Elbe zu Kühlzwecken und zur Einleitung von Abwässern' nutzen zu dürfen. Gegen den Antrag erheben 5800 Menschen Einspruch. Ausliegende Gutachten dürfen von den Einwendern nicht fotokopiert werden."
Q: BUU-Ermittlungsausschuß: Chronologie des Widerstandes gegen das geplante Atomkraftwerk Brokdorf, o. O. o. J. (1977), S. 1
November 1975:
Der Ermittlungsausschuß der BUU (vgl. Feb. 1977) berichtet vom AKW Brokdorf (vgl. Okt. 1975, 28.2.1976):"
Die norddeutschen Bürgerinitiativen und Umweltschutzverbände erklären, daß sie den Bauplatz für das AKW Brokdorf besetzen werden, wenn Rechtsmittel den Baubeginn nicht stoppen können."
Q: BUU-Ermittlungsausschuß: Chronologie des Widerstandes gegen das geplante Atomkraftwerk Brokdorf, o. O. o. J. (1977), S. 1
07.11.1975:
Die Sozialistische Studentengruppe (SSG) Hamburg des KBW rief auf zur und berichtet über die heutige Veranstaltung in der ESG Hamburg gegen das AKW Brokdorf, die von der Arbeitsgruppe Kernkraftwerke am Physik-Bereich organisiert und von über 200 Menschen besucht wurde.
Q: Rote Presse Nr. 9 und 11, Hamburg 28.10.1975 bzw. 1.12.1975, S. 15 bzw. S. 15


13.11.1975:
Zur heutigen 'Kommunistischen Volkszeitung' Nr. 45 (vgl. 6.11.1975, 20.11.1975) erstellen die KBW-Sympathisantengruppen Plön und Preetz eine Beilage für den Kreis Plön Nr. 19 (vgl. 30.10.1975, 27.11.1975). Berichtet wird: "Bürger wehren sich gegen das Atomkraftwerk Brokdorf", dokumentiert wird die Erklärung der norddeutschen Bürgerinitiativen.
Q: Kommunistische Volkszeitung Beilage für den Kreis Plön Nr. 19, Preetz 13.11.1975, S. 2


12.12.1975:
Die Hamburger Studentengruppe Kernkraftwerke lud für heute mit einem Flugblatt "Stop Atomenergie - Kein Kernkraftwerk in Brokdorf" mit einer Auflage von 20 000 Stück zu ihrer Veranstaltung im PI-Hörsaal der Uni um 19 Uhr ein.
Quelle: Studentengruppe Kernkraftwerke: Stop Atomenergie - Kein Kernkraftwerk in Brokdorf, Hamburg o. J. (1975)


04.02.1976:
In Hamburg soll eine Brokdorf-Ausstellung in der Galerie Schnecke, Rothenbaumchaussee im Turm auf der Moorweide bis zum 17.3.1976 beginnen, die von einer Ausstellungsinitiative der BUU mitgetragen wird. Zur Eröffnung sollen auch der Bürgermeister von Wewelsfleth, Sachse sowie Gerhard Weber, MdBü von der FDP und Peter Paterna, MdB von der SPD kommen.
Q: Galerie Schnecke, BUU: Brokdorf Austellung 4.2.-17.3.76, Hamburg o. J. (1976)


28.02.1976:
Der Ermittlungsausschuß der BUU (vgl. Feb. 1977) berichtet vom AKW Brokdorf (vgl. Nov. 1975, 8.3.1976):"
Im Rahmen einer Sternfahrt wird der Bauplatz symbolisch durch das Anpflanzen einer Tanne besetzt."
Q: BUU-Ermittlungsausschuß: Chronologie des Widerstandes gegen das geplante Atomkraftwerk Brokdorf, o. O. o. J. (1977), S. 1
08.03.1976:
Der Ermittlungsausschuß der BUU (vgl. Feb. 1977) berichtet vom AKW Brokdorf (vgl. 28.2.1976, Apr. 1976):"
Der wasserrechtliche Erörterungstermin beginnt. Die Behörde trennt einheimische und auswärtige Bewohner und schließt willkürlich Gutachter und Sachverständige der BUU aus. Der Verhandlungsraum in Wilster ist von mehreren Hundertschaften Polizei umstellt. Schleichende Baumaßnahmen haben bereits begonnen:
Eine Zufahrtsstraße ist gebaut, Belastungsproben auf dem Bauplatz sind vorgenommen worden, Häuser auf dem Bauplatz wurden abgerissen.
Die Erörterung wird am 16.3.76 beendet, ohne das alle Fragen geklärt werden konnten."
Das HdJ Kronshagen (vgl. 29.11.1976) berichtet:"
Wasserrechtliches Genehmigungsverfahren in Wilster (Sachbearbeiter und Betroffene, die Einwände erhoben haben, werden getrennt; das Kopieren von Gutachten wird untersagt)".
Q: Nr. 9 Extra / Sonderausgabe 1, Kronshagen Nov./Dez. 1976, S. 11; BUU-Ermittlungsausschuß: Chronologie des Widerstandes gegen das geplante Atomkraftwerk Brokdorf, o. O. o. J. (1977), S. 1
11.03.1976:
Zur heutigen 'Kommunistischen Volkszeitung' Nr. 10 (vgl. 4.3.1976, 18.3.1976) erstellt die KBW-Ortsgruppe Kiel eine Ortsbeilage (vgl. 4.3.1976, 1.4.1976) mit dem Leitartikel "Kein Atomkraftwerk in Brokdorf!" sowie einem "Bericht unseres Korrespondenten vom Anhörungstermin am Montag in Wilster".
Q: Kommunistische Volkszeitung Ortsbeilage Kiel Nr. 10, Kiel 11.3.1976, S. 1

24.03.1976:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr.12 (vgl. 17.3.1976, 31.3.1976) heraus. Auf Seite 6 wird im Artikel "Gegen Atomkraftwerke!" auch eingegangen auf die AKWs in Brokdorf in Schleswig-Holstein und Wyhl bei Freiburg in Baden-Württemberg und ganz allgemein, wozu erklärt wird, "die VR China ist ein sozialistisches Land, in dem die Atomenergie zum Wohl und im Dienste des Volkes genutzt wird, bei der deshalb, weil das unter Kontrolle der Volksmassen geschieht und nicht unter der von profitgierigen Kapitalisten, wirklich ausreichende Sicherheitsvorkehrungen getroffen sind." Das die DKP ähnliches von der DDR und Sowjetunion behauptet wird ihr übel genommen, weil dort ja gar kein Sozialismus ist.
Q: Rote Fahne Nr.12,Köln 24.3.1976
April 1976:
Der Ermittlungsausschuß der BUU (vgl. Feb. 1977) berichtet vom AKW Brokdorf (vgl. 8.3.1976, 15.5.1976):"
Die BUU – Ortsgruppe Itzehoe wird gegründet. Es folgen weitere Gruppen in Krempe und Wilster."
Q: BUU-Ermittlungsausschuß: Chronologie des Widerstandes gegen das geplante Atomkraftwerk Brokdorf, o. O. o. J. (1977), S. 2
April 1976:
Die Sympathisantengruppen Elmshorn und Itzehoe des Kommunistischen Bundes Westdeutschlands (KBW) erstellen mit Unterstützung der KBW-Sympathisantengruppe Heide und der Gesellschaften zur Unterstützung der Volkskämpfe (GUV) Hamburg und Kiel die Broschüre "Kein Kernkraftwerk in Brokdorf!" mit 48 Seiten DIN A4 in einer ersten Auflage von 1 000 Stück zum Preis von 1,20 DM. Enthalten sind die Abschnitte:
- "Vorwort";
- "Der Kampf gegen das KKW Brokdorf";
- "Die Ruinierung der Bauern in der Wilster Marsch", wobei auch auf die angekündigten Entlassungen beim Zementwerk Alsen-Breitenburg und den Papierwerken Temming AG in Glückstadt eingegangen wird;
- "Die wirtschaftliche Situation in der BRD";
- "Warum soll aus der Unterelbe eine Industrieregion werden?";
- "Wer ist das Finanzkapital"?;
- "Warum werden Kernkraftwerke gebaut?";
- "Der westdeutsche Imperialismus bereitet den Krieg vor!";
- "Beschleunigtes Bauernlegen durch Industrie und Staat" mit Berichten aus Averlak, Brunsbüttel und Büttel sowie vom AKW Brunsbüttel;
- "Redebeitrag des Elbfischers Wulf in Wilster am 11.3.1976";
- "Prof. Reinheimer für ein KKW in Brokdorf";
- "Interview mit einem Facharbeiter aus Brunsbüttel";
- "Von 1973 bis 1974 stieg der Tritiumgehalt in der Milch bei Stade";
- "Die Lage eines Bauern in Kudensee – 'Man kummt dormit lang'";
- "Zerstörung der Landwirtschaft in Stade";
- "Reynolds: Senat garantiert Profit für 25 Jahre" aus der 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ) vom 15.5.1975;
- "Der bürgerliche Staat ist der direkte Gegner der Menschen in der Wilster Marsch";
- "Verflechtung Staat - Industrie";
- "Die steile Karriere des Dr. Stoltenberg";
- "Energieplanung in Schleswig-Holstein im Dienste des Kapitals";
- "Ein Bauer zum Vorgehen des Staates";
- "Methoden zur Durchsetzung des Atomprogramms" über das in Wyhl beauftragte Batelle-Institut;
- "In Brokdorf versucht der Staat, die Erfahrungen aus Wyhl anzuwenden";
- "Vorwärts im Kampf für die Rechte der Arbeiterklasse und des Volkes! Vorwärts im Kampf für den Sieg des Sozialismus";
- "Moritat aus dem Theaterstück 'Sein oder Nichtsein' der BUU".
Q: KBW-Sympathisantengruppen Elmshorn und Itzehoe: Kein Kernkraftwerk in Brokdorf!, Elmshorn / Itzehoe Apr. 1976
02.04.1976:
In Bremen beginnt, laut KPD, eine viertägige Tagung der International Youth Federation for Environmental Studies (in der 'BRD': Jugendbund für Naturbeobachtung) über Kernenergie, auf der man sich u.a. mit den AKWs in Brokdorf und Wyhl bei Freiburg, der KFA Jülich und WAAs befaßt. Verabschiedet wird eine Resolution gegen Berufsverbote (BV) wie sie u.a. den KPD-Professor Jens Scheer treffen.
Q: Rote Fahne Nr.15,Köln 14.4.1976
29.04.1976:
Zur heutigen 'Kommunistischen Volkszeitung' Nr. 17 (vgl. 22.4.1976, 6.5.1976) erstellt die KBW-Ortsgruppe Kiel eine Ortsbeilage (vgl. 1.4.1976, 13.5.1976) mit dem Artikel "Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv" zum AKW Brokdorf sowie einer Anzeige für die wieder erschienene Broschüre zum AKW Brokdorf.
Q: Kommunistische Volkszeitung Ortsbeilage Kiel Nr. 17, Kiel 29.4.1976, S. 2f


15.05.1976:
Der Ermittlungsausschuß der BUU (vgl. Feb. 1977) berichtet vom AKW Brokdorf (vgl. Apr. 1976, 23.6.1976):"
Seglerausfahrt einiger Hamburger Verbände nach Wewelsfleth mit anschließender Begehung des Bauplatzes und Besuch des 'Informationszentrums' der HEW/NWK."
Q: BUU-Ermittlungsausschuß: Chronologie des Widerstandes gegen das geplante Atomkraftwerk Brokdorf, o. O. o. J. (1977), S. 2
20.05.1976:
Die Ortsgruppe Hamburg des KBW gibt eine Ortsbeilage Hamburg zur 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ) Nr. 20 (vgl. 13.5.1976, 27.5.1976) heraus. Eine Anzeige wirbt: "'Kein Kernkraftwerk in Brokdorf!' Broschüre des KBW. 48 Seiten. 1,20 DM.
Q: Kommunistische Volkszeitung – Ortsbeilage Hamburg Nr. 20, Hamburg 20.5.1976, S. 4

23.06.1976:
Der Ermittlungsausschuß der BUU (vgl. Feb. 1977) berichtet vom AKW Brokdorf (vgl. 15.5.1976, 14.7.1976):"
Das AKW Brunsbüttel wird in Betrieb genommen. Eine weitere Ortsgruppe der BUU wird in Brunsbüttel gegründet."
Q: BUU-Ermittlungsausschuß: Chronologie des Widerstandes gegen das geplante Atomkraftwerk Brokdorf, o. O. o. J. (1977), S. 2
01.07.1976:
Zur heutigen 'Kommunistischen Volkszeitung' Nr. 26 (vgl. 24.6.1976, 8.7.1976) erstellt die KBW-Ortsgruppe Kiel eine Ortsbeilage (vgl. 17.6.1976, 8.7.1976) mit dem Artikel "Kein Kernkraftwerk an der Ostsee und anderswo", der auch auf das AKW Brokdorf eingeht.
Q: Kommunistische Volkszeitung Ortsbeilage Kiel Nr. 26, Kiel 1.7.1976, S. 4


14.07.1976:
Der Ermittlungsausschuß der BUU (vgl. Feb. 1977) berichtet vom AKW Brokdorf (vgl. 23.6.1976, 16.7.1976):"
1. Regionaltreffen der BUU-Gruppen einschließl. der Hamburger Initiativgruppe in Krempe."
Q: BUU-Ermittlungsausschuß: Chronologie des Widerstandes gegen das geplante Atomkraftwerk Brokdorf, o. O. o. J. (1977), S. 2
16.07.1976:
Der Ermittlungsausschuß der BUU (vgl. Feb. 1977) berichtet vom AKW Brokdorf (vgl. 14.7.1976, Okt. 1976) bzw. aus dem Lichtenmoor von der WAA (vgl. 18.7.1976):"
In Lichtenhorst im Lichtenmoor verhindern Bürger die Vermessungsarbeiten für eine geplante Wiederaufbereitungsanlage und errichten ein Zeltlager zur Bewachung am Gelände. Mitglieder der BUU beteiligen sich und unterstützen die Aktionen."
Q: BUU-Ermittlungsausschuß: Chronologie des Widerstandes gegen das geplante Atomkraftwerk Brokdorf, o. O. o. J. (1977), S. 2
02.09.1976:
Zur heutigen 'Kommunistischen Volkszeitung' Nr. 35 (vgl. 26.8.1976, 9.9.1976) erscheint eine Regionalbeilage Schleswig-Holstein. Es berichtet auch die Stadtzelle Elmshorn in "Kein Atomkraftwerk in Brokdorf! Matthöfer ging stiften!".
Q: Kommunistische Volkszeitung Regionalbeilage Schleswig-Holstein Nr. 35, Kiel 1976, S. 2

08.09.1976:
In Lübeck besuchen, laut und mit KBW (vgl. 16.9.1976), 100 Menschen eine Veranstaltung des Arbeitskreis für Politik zum Anti-AKW Kampf. der KBW verkauft 13 Brokdorfbroschüren und findet Zustimmung für eine Versammlung in 14 Tagen zwecks Gründung einer Anti-AKW-BI.
Q: Kommunistische Volkszeitung Regionalbeilage Schleswig-Holstein Nr. 37, Kiel 1976, S. 3

18.09.1976:
Der KBW (vgl. 23.9.1976) berichtet vom Anti-AKW Kampf "Lübeck: Werberummel für KKW's zieht nicht!". Eine BI solle am 24.9.1976 gegründet werden.
Q: Kommunistische Volkszeitung Bezirksbeilage Schleswig-Holstein Nr. 38, Kiel 1976, S. 4

Oktober 1976:
Der KB gibt die Nr. 8 seiner Zeitung für Schleswig-Holstein, 'Blinkfüer' (vgl. Sept. 1976, Feb. 1977) für Oktober heraus mit den Artikeln "Werberummel für KKW's" zum Tag der offenen Tür bei der NWK, die auch das AKW Brokdorf baut, in Lübeck und "Acht KKW's an der Nordsee?" von der KB / Gruppe Niebüll.
Q: Blinkfüer Nr. 8, Kiel Okt. 1976, S. 5

Oktober 1976:
Laut Aust gibt es Zahlreiche Aktionen und Demonstrationen von Kernkraftgegnern gegen das in Bau befindliche AKW Brokdorf. U.a. beteiligen sich maoistische, anarchistische und spontaneistische Gruppierungen.
Der Ermittlungsausschuß der BUU (vgl. Feb. 1977) berichtet vom AKW Brokdorf (vgl. 16.7.1976, 2.10.1976):"
In Brokdorf wird auf dem Feld gegenüber dem Bauplatz ein großes Schild aufgestellt mit der Aufschrift:
HIER VERHINDERT DIE BEVÖLKERUNG DAS ATOMKRAFTWERK BROKDORF
Alle Bürgerinitiativen, die die BUU unterstützen, werden unter dem Schild aufgeführt.
Ein Bauwagen wird als Informationszentrum der BUU am Deich aufgestellt."
Q: BUU-Ermittlungsausschuß: Chronologie des Widerstandes gegen das geplante Atomkraftwerk Brokdorf, o. O. o. J. (1977), S. 2; Stefan Aust:Brokdorf. Symbol einer politischen Wende,Hamburg 1981,S.27
02.10.1976:
Der Ermittlungsausschuß der BUU (vgl. Feb. 1977) berichtet vom AKW Brokdorf (vgl. Okt. 1976, 25.10.1976):"
2. Seglerausfahrt einiger Hamburger Verbände nach Wewelsfleth, als Solidaritätsaktion mit der BUU"
Q: BUU-Ermittlungsausschuß: Chronologie des Widerstandes gegen das geplante Atomkraftwerk Brokdorf, o. O. o. J. (1977), S. 2
04.10.1976:
Das Soldaten- und Reservistenkomitee (SRK) Hamburg des KBW gibt vermutlich in dieser Woche erstmals seine 'Volksmiliz' bisher 'Hamburger Militärzeitung' (vgl. 4.9.1976, 23.10.1976) Nr. 10 heraus mit dem Leitartikel "Die Kompanieführung konnte die Bewegung der Mannschaften nicht zerschlagen!", der aus der 11./LAR 1 in der Lettow-Vorbeckkaserne in Wandsbek berichtet, in der 22 Soldaten eine Erklärung gegen das Gelöbnis verabschiedeten, die sich u.a. gegen die Atommüllübung richtet. Solidaritätsadressen kommen u.a. von 10 Kollegen aus der Uniklinik Eppendorf (UKE), der Gruppe Hamburg der SOZDL sowie den 17 noch anwesenden Teilnehmern der Regionalkonferenz gegen das AKW Brokdorf. "8 Delegierte hatten aus Zeitgründen die Konferenz bereits verlassen müssen."
Q: Volksmiliz Nr. 10, Hamburg Okt. 1976 (Datum unleserlich), S. 1ff



21.10.1976:
Zur heutigen 'Kommunistischen Volkszeitung' Nr. 42 (vgl. 14.10.1976, 28.10.1976) erscheint eine Bezirksbeilage Schleswig-Holstein. Ein Artikel berichtet vom AKW Brokdorf.
Q: Kommunistische Volkszeitung Bezirksbeilage Schleswig-Holstein Nr. 42, Kiel 1976, S. 3

23.10.1976:
Das Soldaten- und Reservistenkomitee (SRK) Hamburg des KBW gibt seine 'Volksmiliz' (vgl. 4.10.1976, 6.11.1976) Nr. 11 heraus, die uns nur unvollständig vorlag. Auf den fehlenden Seiten findet sich laut Inhaltsverzeichnis u.a. eine "KKW-Resolution" vermutlich gegen das AKW Brokdorf.
Q: Volksmiliz Nr. 11, Hamburg 23.10.1976, S. 1
25.10.1976:
Vom AKW Brokdorf (vgl. 2.10.1976, 26.10.1976) berichtet das HdJ Kronshagen (vgl. 29.11.1976) über die heutige Teilerrichtungsnehmigung.
Q: Nr. 9 Extra / Sonderausgabe 1, Kronshagen Nov./Dez. 1976, S. 12

26.10.1976:
In Brokdorf wird der AKW-Bauplatz eingezäunt (vgl. 25.10.1976, 27.10.1976). Der Ermittlungsausschuß der BUU (vgl. Feb. 1977) berichtet:"
In einer Nacht- und Nebelaktion wird mit dem Bau des AKW begonnen. Unter Polizeischutz wir der Platz mit einem Maschendrahtzaun und mehreren Rollen Nato-Draht eingezäunt, auf dem Gelände befinden sich Werkschutz und Polizei mit Schild, Schlagstock, chemischer Keule und Hunden."
Q: Atomalarm Nr. 3, Elmshorn 27.10.1976; BUU-Ermittlungsausschuß: Chronologie des Widerstandes gegen das geplante Atomkraftwerk Brokdorf, o. O. o. J. (1977), S. 2;Nr. 9 Extra / Sonderausgabe 1, Kronshagen Nov./Dez. 1976, S. 12;Rote Fahne Nr.44,Köln 3.11.1976
27.10.1976:
Vom AKW Brokdorf (vgl. 27.10.1976, 29.10.1976) berichtet das HdJ Kronshagen (vgl. 29.11.1976):"
Kontroverse im schleswig-holsteinischen Landtag – Oppositionsführer Matthiesen spricht von einer 'Nacht- und Nebel-Aktion' und von Unverhältnismäßigkeit der Mittel".
Q: Nr. 9 Extra / Sonderausgabe 1, Kronshagen Nov./Dez. 1976, S. 13
27.10.1976:
Die BUU Elmshorn gibt ihren 'Atomalarm' Nr. 3 heraus, der von der gestrigen Einzäunung des Bauplatzes des AKW Brokdorf berichtet und zur Veranstaltung dort am 30.10.1976 aufruft.
Q: Atomalarm Nr. 3, Elmshorn 27.10.1976

28.10.1976:
Die Bürgerinitiativen Umweltschutz Unterelbe (BUU) geben vermutlich Mitte dieser Woche das Flugblatt "Bürger verhindern Atomanlagen. Kein Atomkraftwerk in Brokdorf oder anderswo" in einer Auflage von 20 000 Stück heraus.
Q: BUU: Bürger verhindern Atomanlagen. Kein Atomkraftwerk in Brokdorf oder anderswo, Wewelsfelth o. J. (1976)


28.10.1976:
Zur heutigen 'Kommunistischen Volkszeitung' Nr. 43 (vgl. 21.10.1976, 4.11.1976) erscheint eine Bezirksbeilage Holstein. Aufgerufen wird zur Demonstration gegen das AKW Brokdorf.
Q: Kommunistische Volkszeitung Bezirksbeilage Holstein Nr. 43, Kiel 1976, S. 1

29.10.1976:
In Brokdorf wird, laut KPD, ihr Professor Jens Scheer aus Bremen festgenommen (vgl. 27.10.1976, 30.10.1976).
Q: Rote Fahne Nr.44,Köln 3.11.1976
30.10.1976:
Laut AB und DKP Itzehoe beteiligen sich 10 000 an Aktionen gegen das AKW Brokdorf (vgl. 29.10.1976, 31.10.1976). Laut DKP Ahrensburg demonstrieren gar 15 000, laut RH e.V. der KPD (vgl. 26.11.1976) etwa 8 000, laut HdJ Kronshagen 5 000. Von der Demonstration berichtet auch der Spartacusbund (SpB). Laut KPD/ML (vgl. 6.11.1976) besetzen 5 000 den Bauplatz. Der KB befasst sich auch mit der Polizeitaktik (vgl. Feb. 1977).
Der Ermittlungsausschuß der BUU (vgl. Feb. 1977) berichtet:"
Großkundgebung in Brokdorf; 8000 bis 10000 Menschen demonstrieren gegen das AKW; etwa 2000 Personen gelingt es den Bauplatz zu besetzen. Gegen Abend räumen Polizeieinheiten brutal den Platz. Viele Menschen werden mißhandelt und verletzt. Auf dem Platz zurückgebliebene Sachen werden von der Polizei z.T. verbrannt und unterplaniert."
Laut KPD (vgl. 29.10.1976) beteiligen sich 5 000, u.a. Pfarrer aus Bremen, an einer Kundgebung der BUU, die auch von der KPD unterstützt wurde. Im Anschluß besetzen 2 000 den AKW-Bauplatz bis zum späten Abend, als er durch die Polizei geräumt wird. Die KPD berichtet über die "Führung des KBW, die vorher auf Flugblättern mit scheinradikalen Sprüchen die Besetzung des Bauplatzes angekündigt hatte" u.a.:"
Statt sich an der Eroberung des Platzes zu beteiligen, hält sie auf der Straße eine Kundgebung ab, in der sie immer wieder vergeblich zu erklären versuchte, warum eine Besetzung nicht sinnvoll sei, da sie nicht vorbereitet und die 'Massen noch nicht weit genug' seien. … Unter den empörten Pfiffen und Sprechchören wie 'Spalter' und 'KBW - Ade' zog die KBW-Führung ab, restlos isoliert. … Diesem feigen und opportunistischen Kurs folgten allerdings nicht alle Mitglieder." Auch der KB habe z.T. eine Besetzung abgelehnt.
Eine für heute, vermutlich in Brokdorf, angesagte ÖTV-Demonstration für AKWs wird, laut KPD, wieder abgesagt.
Die KPD (vgl. 26.1.1977) berichtet auch von den nachfolgenden Ermittlungsverfahren (vgl. 17.1.1977).
Drei Jahre später erinnert sich das ZK der KPD/ML in dem Bildband „10 Jahre KPD/ML“ wie folgt an die Ereignisse in Brokdorf (vgl. 13.11.1976):"
Nachdem in den vergangenen Monaten die Unruhe über den zunehmenden Bau von Atomkraftwerken wuchs, entwickelt sich im November der bisher größte Kampf gegen den Bau eines Atomkraftwerks. Am 25.10. unterschreibt der Innenminister von Schleswig-Holstein die Baugenehmigung für das Atomkraftwerk in Brokdorf. In der darauffolgenden Nacht werden die ersten Polizeihundertschaften in Bewegung gesetzt.
Mit NATO-Stacheldraht, einem Wassergraben und einer Flutlichtanlage wird das Baugelände zu einer KZ-ähnlichen Anlage ausgebaut. Auf diese Weise bereitet sich die Bourgeoisie auf die für den 30.10. angekündigte Demonstration gegen den Bau des Atomkraftwerks vor. Zunächst 7.000, dann 10.000 Menschen versammeln sich am 30.10. in der Nähe des Baugeländes. Ihnen gegenüber steht eine Streitmacht von 2.000 Polizisten, Werkschützern, Hunde- und Reiterstaffeln und Wasserwerfern. Trotzdem gelingt es den Demonstranten, den Bauplatz zu besetzen. Erst in der Nacht, als der größte Teil von ihnen wieder nach Hause gefahren ist, räumt die Polizei den Platz. Erst werden Pferde gegen die Menge eingesetzt, dann Wasserwerfer und Tränengas. Weder vor Kindern, noch vor älteren Menschen macht die Brutalität der Polizei halt. Ein älterer Bauer wird von ihnen in den Wassergraben geworfen, wieder herausgezogen und anschließend zusammengeschlagen. 50 Demonstranten müssen mit Verletzungen ins Krankenhaus. Nachdem die Polizei die Besetzer vertrieben hat, trägt sie auf dem Bauplatz aufgestellte Zelte und das zurückgelassene Hab und Gut der Demonstranten zusammen und zündet es an. 'Wir kommen wieder! Wir kommen wieder!' ist der Ruf, mit dem die Atomkraftwerksgegner das Gelände verlassen."
Laut KPD/ML besetzen in Brokdorf von 10 000 Demonstranten, die auch aus Wyhl kamen, 5 000 den Platz, wobei sich der KBW negativ hervorgetan habe, ebenso die DKP.
Aufgerufen wurde auch durch die BUU Elmshorn (vgl. 27.10.1976). Es beteiligen sich auch Mitarbeiter des HdJ Kronshagen (vgl. 29.11.1976).
Q: Roter Morgen Nr. 45, Dortmund 6.11.1976, S. 1 und 6; ZK der KPD/ML (Hrsg.): 1968/69 bis 1978/79. Zehn Jahre KPD/ML. 10 Jahre Kampf für ein vereintes, unabhängiges, sozialistisches Deutschland, Dortmund 1979, S. 218ff;Rote Fahne Nr.44 und 4,Köln 3.11.1976 bzw. 26.1.1977,S.1 und 5 bzw. S.*;Rote Hilfe Nr. 11/12, Köln 26.11.1976, S. 8;Spartacus o.Nr. (33),Essen 20.12.1976;Die Linke,Ahrensburg Dez. 1976,S.2;Itzehoer Echo o.Nr.,Itzehoe o.J. (Nov. 1976),S.2;Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.100,München 14.11.1976;BUU-Ermittlungsausschuß: Chronologie des Widerstandes gegen das geplante Atomkraftwerk Brokdorf, o. O. o. J. (1977), S. 2;Nr. 9 Extra / Sonderausgabe 1, Kronshagen Nov./Dez. 1976, S. 13;Roter Morgen Nr. 45, Dortmund 6.11.1976, S. 1 und 6;Atomalarm Nr. 3, Elmshorn 27.10.1976;KB: Brokdorf ein Exempel, Hamburg o. J. (1977)



31.10.1976:
Der AB gibt seine 'Kommunistische Arbeiterzeitung' Nr.99 (vgl. 17.10.1976, 14.11.1976) heraus. Aus Schleswig-Holstein wird berichtet aus Brokdorf.
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.99,München 31.10.1976
31.10.1976:
Der Ermittlungsausschuß der BUU (vgl. Feb. 1977) berichtet vom AKW Brokdorf (vgl. 30.10.1976, 1.11.1976):"
Etwa 3000 Menschen beteiligen sich spontan an einem Schweigemarsch auf dem Deich von Wewelsfleth nach Brokdorf."
Das HdJ Kronshagen (vgl. 29.11.1976) berichtet über die heutigen Äußerungen der Landesregierung bezüglich der radikalen Minderheit, aber auch von dem heutigen ARD-Filmbericht "Brokdorf ein zweites Wyhl", der über die Verbrennung der Besetzerhabe berichtet, wozu die Landesregierung eine Gegendarstellung verlesen lässt.
Q: Nr. 9 Extra / Sonderausgabe 1, Kronshagen Nov./Dez. 1976, S. 13 und 17; BUU-Ermittlungsausschuß: Chronologie des Widerstandes gegen das geplante Atomkraftwerk Brokdorf, o. O. o. J. (1977), S. 2

November 1976:
Der KB/Gruppe Hamburg gibt die Nr. 6 seines 'Hafenarbeiters' (vgl. 30.9.1976, Dez. 1976) heraus mit dem Artikel "Kein Kernkraftwerk in Brokdorf oder anderswo!".
Q: Der Hafenarbeiter Nr. 6, Hamburg Nov. 1976, S. 12ff





November 1976:
Die Kommunistische Gruppe Bochum/Essen (KGBE) gibt ihre 'Bochumer Arbeiterzeitung' (BAZ) Nr.23 (vgl. Sept. 1976, Dez. 1976) heraus mit dem Artikel "Brokdorfer Zwischenbilanz" zum AKW.
Q: Bochumer Arbeiterzeitung Nr.23,Bochum Nov. 1976,S.12ff




01.11.1976:
In Freiburg beteiligen sich, laut KPD, vermutlich in dieser Woche 1 200 an einer Sympathiekundgebung mit dem Kampf gegen das AKW Brokdorf in Schleswig-Holstein.
Q: Rote Fahne Nr.45,Köln 10.11.1976
01.11.1976:
Im Kampf gegen das AKW Brokdorf (vgl. 31.10.1976, 2.11.1976) treten, laut KPD, vermutlich in dieser Woche DKP und SPD für eine Demonstration in Itzehoe ein.
Q: Rote Fahne Nr.45,Köln 10.11.1976
02.11.1976:
Die KPD gibt ihren 'Rote Fahne Pressedienst' (RFPD) Nr.38 (vgl. 19.10.1976, 16.11.1976) heraus, in der sie sich u.a. mit dem Kampf der BUU gegen das AKW Brokdorf befaßt.
Q: Rote Fahne Pressedienst Nr.38,Köln 2.11.1976
02.11.1976:
Die SDAJ Kiel der DKP berichtet:"
Am 2.11.1976 war eine Gesamt-SV-Sitzung der Berufsschul-SV'en.
Tagesordnung:
- Brokdorf (AKW,d.Vf.)
- Vorfälle Itzehoe
- Mensabau
Beginn der Sitzung ca. 18 Uhr 45.
Verlauf: Vorstellung eines Flugblattes zur Ankündigung einer Brokdorfveranstaltung der SV, Berufsschule 1.
Diskussion über den Inhalt, in der die politische Linie einer Chaoten-Sekte klar zum Ausdruck kam. Diese politische Linie ist uns allen unter dem Begriff 'Maoismus' (gut) bekannt.
SCHÜLERINTERESSEN KAMEN ZU KURZ
Es wurde etwa eine Stunde über die Stellen, in denen diese politische Linie zum Ausdruck kam, diskutiert. Im Abstimmungsergebnis wurde sich 6:5 gegen das Flugblatt ausgesprochen. Man stimmte für ein Alternativflugblatt.
Als nächstes: kurzer Erfahrungsaustausch der SV'en untereinander, über die Aktivitäten zu den Vorfällen in Itzehoe. Dauer: ca. 20 Minuten.
Eine Diskussion und ein Erfahrungsaustausch über den Mensabau fand nicht statt. Der Punkt wurde vertagt. Sieht so eine Interessenvertretung für uns, die Schüler, aus?
Brokdorf ist wichtig, aber es darf nicht sein, daß fast eine gesamte SV-Sitzung über dieses Thema diskutiert wird, und Themen die uns persönlich betreffen unter 'ferner liefen' behandelt werden. Man hat den Eindruck, als wenn einige Grüppchen, die sich links nennen, die SV dafür benutzen, sich politisch zu profilieren und im Endeffekt interessierte Schüler vergraulen.
Sie liefern dabei dem Landesschulamt und dem Kultusministerium den Vorwand, die SV-Rechte noch weiter einzuschränken.
SCHÜLERPROBLEME HABEN VORRANG
Diesem Scheinrevoluzzertum muß Einhalt geboten werden. Es müssen die Themen diskutiert werden, die den Schülern wirklich unter den Nägeln brennen. Nur so kann man aus der SV eine starke Interessenvertretung für die Schüler machen. Es liegt an Euch, dieses zu verwirklichen.
KOMMT ZU DEN SV-SITZUNGEN
Darum kommt zu den SV-Sitzungen, diskutiert über den Mensa-Bau, die Vorfälle in Itzehoe, die 7:5-Regelung und den reaktionären SV-Erlaß.
INFORMATIONSPFLICHT DER SV
Dies soll aber nicht heißen, daß die SV ihrer Informationspflicht nicht nachkommen soll. Aus diesem Grunde muß natürlich auch über Brokdorf informiert werden."
Q: Kurz belichtet Nr.5,Kiel Dez. 1976,S.2f
04.11.1976:
Der KBW gibt seine 'Kommunistische Volkszeitung' (KVZ) Nr.44 (vgl. 28.10.1976, 11.1.1976) heraus. Auf Seite 4 erscheint der Artikel: "Die Arbeiter und Bauern können den Bau des Kernkraftwerks in Brokdorf verhindern". Der Artikel berichtet von einer Reihe Solidaritätserklärungen gegen den Bau des AKW Brokdorf.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 44,Mannheim 4.11.1976
04.11.1976:
Zur heutigen 'Kommunistischen Volkszeitung' Nr. 44 (vgl. 28.10.1976, 11.11.1976) erscheint eine Bezirksbeilage Holstein mit dem Leitartikel zum AKW Brokdorf: "Die Einheit des ganzen Volkes unter Führung der Arbeiterklasse wird den 'Knoten im Atomprogramm' zerschlagen und den Bau des KKW in Brokdorf verhindern!".
Ein Artikel "NWK-Kapitalisten versuchen die Arbeiter für ihre Lügenpropaganda zu gewinnen" widmet sich ebenfalls Brokdorf, Meldungen zu Brokdorf berichten "Polizist gegen Kau von Kernkraftwerken" über den Dorfpolizisten in Friedrichsort, in "Die Bourgeoisie muß die Arbeiter bestechen, damit sie am KKW arbeiten" über einen Bauarbeiter aus Rendsburg sowie im weiteren aus Norderstedt und von der Uni Kiel. Aufgerufen wird zur KBW-Veranstaltung in Elmshorn (vgl. 5.11.1976) sowie zu Kundgebungen in Kiel (vgl. 6.11.1976).
Q: Kommunistische Volkszeitung Bezirksbeilage Holstein Nr. 44, Kiel 1976




04.11.1976:
Der Bezirk Hamburg-Unterelbe des KBW gibt eine Bezirksbeilage zur 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ) Nr. 44 (vgl. 28.10.1976, 11.11.1976) heraus mit dem Anti-AKW-Artikel "Der Kampf der Wilster Bauern gegen das KKW Brokdorf findet breite Solidarität".
Q: Kommunistische Volkszeitung Bezirksbeilage Hamburg-Unterelbe Nr. 44, Hamburg 4.11.1976, S. 1

04.11.1976:
Das HdJ Kronshagen (vgl. 29.11.1976) berichtet über die heutige Pressemitteilung der Landesregierung bezüglich der Waffen der AKW Brokdorf (vgl. 2.11.1974, 5.11.1974) Bauplatzbesetzer.
Q: Nr. 9 Extra / Sonderausgabe 1, Kronshagen Nov./Dez. 1976, S. 14
05.11.1976:
In Brokdorf findet, laut KPD/ML, eine von der ÖTV unterstützte Demonstration für das AKW (vgl. 4.11.1976, 11.11.1976) statt.
Laut KPD beteiligen sich 1 000 an der ÖTV-Demonstration für AKWs.
Q: Rote Fahne Nr.45,Köln 10.11.1976; Roter Morgen Nr. 47, Dortmund 19.11.1976, S. 5
05.11.1976:
In Hamburg führt die KPD eine Anti-AKW Veranstaltung "Solidarität mit dem Kampf in Brokdorf!" durch. In der Rede von Jens Scheer, Professor an der Uni Bremen, heißt es u.a.:"
Aus gutem Grund bauen und planen die VR China und die VR Albanien auch keine Atomkraftwerke".
Q: Rote Fahne Nr.44 und 45,Köln 3.11.1976 bzw. 10.11.1976,S.* bzw. S.4
05.11.1976:
Der KBW lud nach Elmshorn ein in die Margarethenklause in der Margarethenstraße zur Veranstaltung "Arbeiter und Bauern gemeinsam gegen Kernkraftwerke – gegen Imperialismus und Reaktion".
Q: Kommunistische Volkszeitung Bezirksbeilage Holstein Nr. 44, Kiel 1976, S. 3
06.11.1976:
Das Soldaten- und Reservistenkomitee (SRK) Hamburg des KBW gibt seine 'Volksmiliz' (vgl. 23.10.1976, 20.11.1976) Nr. 12 heraus. Berichtet wird auch vom AKW Brokdorf.
Q: Hamburger Militärzeitung Nr. 12, Hamburg 6.11.1976, S. 5ff





06.11.1976:
Die KBW-Bezirksverbände Holstein und Flensburg/Westküste geben vermutlich heute das Flugblatt "Die Kernenergie dient dem Profit der Kapitalisten und dem Streben nach Expansion" heraus, welches zur Demonstration in Brokdorf am 13.11.1976 und heute in Itzehoe aufruft. Solidaritätserklärungen werden dokumentiert aus:
- Hamburg von 8 Kollegen von Haller & Meurer, 12 Anwesenden der SOZDL, 12 Angestellten des Instituts für Arbeitsmedizin, 9 Kollegen vom Amt für Jugend Mitte, 12 Umschülern der DGB-Metallinnung, 10 Rechtsanwälten und allen 68 kaufmännischen Lehrlingen bei der Deutschen Philips Gesellschaft.
- Preetz von der Initiative offenes Jugendzentrum Preetz und 19 Angestellten des Kreiskrankenhaus Preetz.
Q: KBW-Bezirksverbände Holstein und Flensburg/Westküste: Die Kernenergie dient dem Profit der Kapitalisten und dem Streben nach Expansion, Kiel o. J. (1976)


06.11.1976:
Der KBW (vgl. 4.11.1976) kündigte an: "In allen Stadtteilen in Kiel finden am Samstag Kundgebungen gegen den Bau des KKW in Brokdorf statt.
Die Kundgebungen werden durchgeführt ab 10 Uhr an den Agitationszentren
- am Berliner Platz
- in Gaarden
- in Friedrichsort
- in der Wik".
Q: Kommunistische Volkszeitung Bezirksbeilage Holstein Nr. 44, Kiel 1976, S. 3
08.11.1976:
Vermutlich Anfang dieser Woche erscheint der "Aufruf der Bürgerinitiativen Umweltschutz Unterelbe" zur Brokdorfdemonstration am 13.11.1976, wobei auch ein Protestzeltlager ab dem 11.1.1.976 angekündigt wird. Die Auflage beträgt 20 000.
Q: BUU: Aufruf der Bürgerinitiativen Umweltschutz Unterelbe, Hamburg o. J. (1976)


10.11.1976:
Die KPD, vermutlich ihr Regionalkomitee Wasserkante, gibt vermutlich Mitte dieser Woche das Flugblatt "Das Atomkraftwerk in Brokdorf muss verhindert werden!" heraus, welches zum 13.11.1976 nach Brokdorf aufruft und sowohl KB als auch KBW angreift.
Q: KPD: Das Atomkraftwerk in Brokdorf muss verhindert werden!, Hamburg o. J. (1976)
10.11.1976:
Frühestens Mitte dieser Woche gibt der Kommunistische Bund (KB) die Broschüre "Warum kämpfen wir gegen Atomkraftwerke" heraus mit 48 Seiten DIN A4 zum Preis von 2,- DM, die uns in einer zweiten Auflage (10 – 20 000 Stück) vorlag. Enthalten sind die Abschnitte:
- "Vorwort";
- "Kein KKW in Brokdorf" mit Bildern vom 30.10.1976;
- "Das Kernenergieprogramm der BRD – Ziel 'Autarkie'";
- "In Zukunft: Weniger Öl – mehr Kernenergie-Anteil";
- "'Vorsorge für sichere Energie ist teuer – Steuerzahler und Verbraucher werden zur Kasse gebeten'";
- "Uran-Trennungsanlagen";
- "Auf dem Weg zur Atommacht";
- "Technologie für die Herstellung von Atombomben";
- "Das 'Bombengeschäft' – Export von KKWs, atomare Zusammenarbeit und was dahinter steckt";
- "Deutsch-Brasilianisches Atomabkommen. 'Durchbruch auf dem Weltmarkt'";
- "BRD – Südafrika. Atomare Zusammenarbeit" zu Azania.
Q: KB: Warum kämpfen wir gegen Atomkraftwerke, 2. Aufl., Hamburg o. J. (1976)
11.11.1976:
Der KBW Bezirk Bodensee gibt die 'KVZ-Bezirksbeilage Bodensee' (KVZ-OBL) Nr. 45 (vgl. 4.11.1976, 18.11.1976) heraus. Aufgerufen wird zur "Solidarität mit dem Kampf der Arbeiter und Bauern in Brokdorf" gegen das AKW.
Q: Kommunistische Volkszeitung – Bezirksbeilage Bodensee Nr. 45, Ravensburg o. J., S. 7

11.11.1976:
Zur heutigen 'Kommunistischen Volkszeitung' Nr. 45 (vgl. 4.11.1976, 18.11.1976) erscheint eine Bezirksbeilage Holstein mit dem Leitartikel zum AKW Brokdorf: "Kein KKW in Brokdorf. Sofortige Einstellung der Bauarbeiten". Aufgerufen wird zur Brokdorfdemonstration am 13.11.1976. Ein bericht fragt: "Demonstration der NWK. Sympathiekundgebung für Kernkraftwerke?". Dokumentiert werden "Resolutionen gegen den Bau des KKW Brokdorf" aus der ÖTV-Abteilung Wissenschaft und Forschung Kiel, von 17 Soldaten der Freiherr von Fritsch-Kaserne in Nordoe bei Itzehoe, vom 4. Kurs der Krankenpflege der DRK-Schwesternschaft Kiel, von der Schülervertretung der Kieler Berufsschulen am Schützenmarkt (mit 17:2 Stimmen), sowie von der Uni Kiel und der FHS Abteilung Sozialwesen.
Zur NWK erscheint auch der Artikel "Kernkraftwerke im Kapitalismus: Vernichtung menschlicher Arbeitskraft zwecks Höchstprofit", dokumentiert wird eine NWK-Stellenanzeige für Wachpersonal.
Q: Kommunistische Volkszeitung Bezirksbeilage Holstein Nr. 45, Kiel 1976, s. 1f und 4





11.11.1976:
Der Bezirk Hamburg-Unterelbe des KBW gibt eine Bezirksbeilage zur 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ) Nr. 45 (vgl. 4.11.1976, 18.11.1976) heraus mit dem Anti-AKW-Artikel "Der Kampf der Wilster Bauern gegen das KKW Brokdorf findet breite Solidarität".
Q: Kommunistische Volkszeitung Bezirksbeilage Hamburg-Unterelbe Nr. 45, Hamburg 11.11.1976, S. 1f


11.11.1976:
Das HdJ Kronshagen (vgl. 29.11.1976) berichtet über die heutige Erklärung der CDU-Landtagsfraktion über den Einsatz der Chemischen Keule gegen die Gegner des AKW Brokdorf (vgl. 5.11.1974, 13.11.1974).
Q: Nr. 9 Extra / Sonderausgabe 1, Kronshagen Nov./Dez. 1976, S. 14
11.11.1976:
In Itzehoe findet vermutlich heute eine Ratsversammlung statt, von der Christian Zillich für die DKP u.a. zum AKW Brokdorf berichtet:"
Ich melde mich nochmal zu Wort.
BROKDORF? FEHLANZEIGE!
Allen sei ja bekannt, was in Brokdorf vorgefallen ist. Nun hätten die Bürgerinitiativen erneut zu einer großen Demonstration und Kundgebung aufgerufen. Sieht sich die Ratsversammlung in der Lage, den Bürgerinitiativen eine Grußadresse zu schicken? Man tue dies ja auch bei vielen anderen Gelegenheiten… Doch Bürgervorsteher Eisenmann (CDU) möchte keine Abstimmung. Das sei Gewissenssache, er stelle jedem anheim, nach Brokdorf zu fahren oder nicht."
Q: Itzehoer Echo o.Nr.,Itzehoe o.J. (Nov. 1976),S.5
13.11.1976:
Demonstration gegen das AKW Brokdorf (vgl. 11.11.1976, 20.11.1976). Laut KB folgen heute rund 30 000 AKW-Gegner "dem Aufruf der Bürgerinitiativen Umweltschutz Unterelbe (BUU) zu einer Großkundgebung unter dem Motto 'Kein Kernkraftwerk in Brokdorf und auch nicht anderswo' … Insgesamt dürften rund 30 000 versammelt gewesen sein. Der allergrößte Teil davon hielt sich an der Ostseite des Platzes auf - etwa dort, wo beim letzten Mal eine teilweise Besetzung gelungen war … KBW und KPD/ML konzentrierten ihre Trupps an der Südost-Ecke, weil dort die Baumaschinen standen." Sie waren daran beteiligt, "zehn Meter breite Löcher in die Absperrung zu reißen". Trotz massivem Polizeieinsatz, sei es dem KBW gelungen, "gemeinsam mit der KPD/ML … ungefähr 500 Personen zu einer Abschlußkundgebung zusammenzubringen.
Auch der KB beteiligt sich an diesen Aktionen:"
Trotz unserer Einschätzung, daß eine Besetzung des Bauplatzes und erst recht eine Zerstörung der Baumaschinen aussichtslos sein würde, war beschlossen worden, daß sich der KB an den Aktionen beteiligt."
Laut AB beteiligen sich 30 000 an Aktionen gegen das AKW Brokdorf (vgl. 30.10.1976), auch die KPD/ML zählt 30 000, sie berichtet von 500 Verletzten und 150 Festnahmen.
Vermutlich vor und auf der Demonstration wird das Flugblatt "Verhalten bei Festnahmen" verteilt. Auch der Landesverband Nord der Roten Hilfe e.V. der KPD verteilt einen Handzettel mit solchen Hinweisen. Aufgerufen wurde von der RH e.V. vermutlich in Hamburg mit einem Flugblatt "Das Atomkraftwerk in Brokdorf muss verhindert werden!".
Die DKP Itzehoe berichtet:"
Vor zwei Wochen (vgl. 30.10.1976,d.Vf.) waren es 10 000 Menschen, die in Brokdorf demonstrierten, Sonnabend kamen weit mehr als 30 000. Sie drückten eindeutig ihre gemeinsamen Forderungen aus: SOFORTIGER BAUSTOP, ABZUG DER POLIZEI, KEIN KKW IN BROKDORF!
Und wieder einmal wurde deutlich, auf wessen Seite die Stoltenberg-Landesregierung steht: Lob für das 'besonnene Vorgehen der Polizei' einerseits - Diffamierung der Bürgerinitiativen andererseits.
WELCHE POLIZEI-AKTIONEN SIND SO LOBENSWERT?
Einige Beispiele:
- Verfolgung und Bespitzelung von BUU-Mitgliedern.
- Hausdurchsuchung bei Bauern, Beschlagnahme von Werkzeugen und Baumaterial.
- Absperrung der Wilstermarsch bis 10 km vor Brokdorf.
- Durchsuchung von Demonstranten.
- Nachdem mehrere Auswärtige mit Genehmigung des Bauern auf dessen Wiese ihre Zelte aufgeschlagen hatten, wurde der Platz mit Polizeigewalt gestürmt, die Leute durchsucht und das Zelten verboten.
- Der Transport einer Lautsprecheranlage für die Kundgebung wurde gestoppt.
Und dann am Sonnabend nach der Kundgebung: Der Demonstrationszug zum Bauplatz wird mit Wasserwerfern und Tränengas empfangen. Rauch- und Tränengasbomben werden von Hubschraubern in die Menge geschossen, die chemische Keule wird gegen Demonstranten eingesetzt, die Polizei geht mit Gummiknüppeln vor. 'Besonnenes Vorgehen'? Aus der Sicht Stoltenbergs sicherlich. Für den ehemaligen Krupp-Direktor zählt nicht der Wille der Bevölkerung, er ist als Interessenvertreter des großen Kapitals eingesetzt, und das sind die NWK und die Großindustrie der Bundesrepublik. Darum diese Maßnahmen, darum der brutale 'zu lobende' Einsatz der Polizei. Doch selbst diese Maßnahmen konnten die Menschen am Bauplatz nicht davon abhalten, in Sprechchören zu versichern 'wir kommen wieder'. Ihnen ist klar: Wenn die Bevölkerung aktiv gegen das KKW kämpft, dann ist es möglich, den Bau zu stoppen und den Abzug der Polizei durchzusetzen!
Und: Es darf nicht weiter angehen, daß Feinde der Bevölkerung wie Stoltenberg und seine Regierung, wie die CDU-Kommunalpolitiker ihre Konzern-Politik betreiben!
DARUM: SOFORTIGER RÜCKTRITT DER LANDESREGIERUNG!"
Die SDAJ Kiel der DKP berichtet:"
KEIN KERNKRAFTWERK IN BROKDORF!
40 000 kamen um zu demonstrieren
- für den berechtigten Anspruch der Menschen nach Sicherheit
- gegen die Gefährdung der natürlichen Umwelt.
Sie demonstrierten dafür, daß in Brokdorf kein Kernkraftwerk gebaut wird, und daß die begonnenen Bauarbeiten sofort eingestellt werden. Die 'Verfassungsschützer' CDU und Co. reagierten sehr demokratisch: Einsatz von Polizeihundertschaften, Wasserwerfern, Hubschraubern, chemischen Keulen, Rauchbomben, Stacheldraht. Viele (Kreis-) Pinneberger, uns insbesondere die Jugend, haben diese perfekte Notstandsübung am eigenen Leib miterlebt. Wozu das alles? Damit bei uns 1985 nicht die Lichter ausgehen? Wir sagen, daß die Lichter 1985 nicht ausgehen werden. Selbst bürgerliche Wissenschaftler haben nachgewiesen, daß noch ausreichend natürliche Brennstoffvorräte zur Verfügung stehen, so vor allem in der Bundesrepublik Kohle. Atomenergie wird nur deshalb von den Konzernen so gepriesen, weil der Atomindustrie kurzfristig gewaltige Profite winken.
Gerade uns Jugendlichen wird vorgegaukelt, Atomkraftwerke schaffen Arbeitsplätze. Wir fragen, welcher von den 1 Millionen ist arbeitslos, weil zu wenig Energie vorhanden ist? Keiner! Die Wahrheit ist, daß durch den Bau solch' eines Kernkraftwerkes lediglich einige wenige hochspezialisierte Arbeitsplätze geschaffen würden. Wie viele Arbeitsstellen durch die Atomenergie wegrationalisiert werden, wird wohlweislich verschwiegen. Alle bisher erstellten Atomkraftwerke zeigen, daß für atomwirtschaftliche Anlagen Voraussetzung ist, die demokratische Kontrolle von Plan, Bau und Betrieb durch die Bevölkerung und ihre Organisationen, durch die Belegschaften und ihre Gewerkschaften.
Diese Voraussetzungen sind in Brokdorf nicht erfüllt."
Zur zentralen Kundgebung der BUU am Bauplatz des AKW Brokdorf rief auch die KPD auf. Sie beschwert sich u.a. über "die kleinbürgerlich-opportunistischen Gruppen, wie KBW und KB-Nord, die … den Kampf für die Besetzung erneut sabotierten."
Im Einsatz sind auch Sanitäter der Roten Hilfe (RH) e.V. der KPD. Laut KPD wurden fünf Brückenköpfe zur Erstürmung des Bauplatzes gebildet, darunter einer von der KPD selbst, aber:"
Die KB- und KBW-Führung überschlugen sich geradezu, um abzuwiegeln …, wobei sie sogar damit drohten, die Busse auch leer abfahren zu lassen, wenn der Kampf nicht abgebrochen würde."
In einer Presseerklärung der KPD wird u.a. darauf verwiesen, daß die Bundeswehrkaserne in Itzehoe-Nordoe in Alarmbereitschaft versetzt worden sei. Weiter heißt es:"
Eine erfolgreiche Besetzung … konnte … nicht zuletzt durch das feige Verhalten von Organisationen wie der … DKP, der Jusos (der SPD,d.Vf.), des KB-Nord und des KBW verhindert werden, deren Absicht es von vornherein war, eine Besetzung zu blockieren, die genau zu dem Zeitpunkt zum Abmarsch aufriefen, als die Besetzung durch das Aufbrechen der Zäune und der Stacheldrahtsperren weitgehend vorbereitet war".
Bernd Woitalla, Schiffbauer und Betriebsrat bei HDW Kiel und Anhänger der KPD/ML wird lebensgefährlich verletzt.
Laut RHD der KPD/ML (vgl. 15.11.1976) zeigt die Aktion, "daß die Werktätigen in Westdeutschland auch zu militantem Kampf für ihre Lebensinteressen bereit sind."
Drei Jahre später erinnert sich das ZK der KPD/ML in dem Bildband „10 Jahre KPD/ML“ wie folgt an die Ereignisse in Brokdorf (vgl. 13.11.1976):"
Und sie kommen wieder. Am 13.11. mit 30.000 Mann. Polizei, die aus dem gesamten Bundesgebiet zusammengezogen ist, und über 20 Panzerwagen und Wasserwerfer erwarten sie. Vor der Demonstration werden sogar sämtliche umliegenden Höfe durchsucht, die Wilstermarsch um Brokdorf wird in einem Umkreis von acht Kilometern abgeriegelt. Der Bauplatz selbst wird noch mehr zu einer Festung ausgebaut. Der Wassergraben wird auf acht Meter Breite erweitert, zusätzlich ein Zaun aus Baustahlgitter errichtet.
Als sich die Demonstranten, an der Spitze die Genossen der Partei, am Bauplatz sammeln, geht die Polizei sogleich zum Angriff gegen sie vor - mit Tränengasgranaten und Rauchbomben, die aus -Polizeihubschraubern abgeschossen werden. Die Demonstranten wehren sich. Steine fliegen gegen Wasserwerfer. Tränengasgranaten und Rauchbomben werden in die Reihen der Polizei zurückgeworfen. Die Menge rückt gegen den Bauplatz selbst vor. Brücken werden über die Wassergräben geschlagen, der NATO-Stacheldraht beiseite geräumt und schließlich auch der Zaun durchbrochen. All dies geschieht unter massivstem Tränengaseinsatz der Polizei, die inzwischen auch aus nächster Nähe Ziegelsteine auf die Demonstranten schleudert und schließlich, als ein Teil der Demonstranten auf den Bauplatz selbst vorgerückt ist, einen großen Kranwagen in die Menge rasen läßt. Nur durch einen Sprung in den Wassergraben können sich die Demonstranten vor ihm retten. Wut und Empörung über die Polizei erreichen ihren Höhepunkt. Ein Steinhagel zerschmettert die Scheibe des Führerhauses dieses Krans. Ein Wasserwerfer wird am Rohr getroffen und außer Gefecht gesetzt. Bei einem zweiten zersplittert die Frontscheibe, ein dritter wird durch einen Molotowcocktail in Brand gesetzt. Aber diese mutigen Aktionen reichen nicht aus im Kampf gegen die bewaffnete Übermacht der Polizei. Als klar wird, daß der Bauplatz nicht besetzt werden kann, ruft die Partei zum geordneten Rückzug auf.
500 Verletzte und 150 Verhaftete - das ist die Bilanz des Polizeiterrors in dieser Nacht. Einer dieser Verletzten ist der Genosse Bernd Woitalla, Roter Betriebsrat bei HDW. Er stand beim Sturm auf den Bauplatz in der ersten Reihe. Dort traf ihn, der als einziger nicht durch einen Helm geschützt war, ein Ziegelstein - gezielt von einem nur wenige Meter entfernt stehenden Polizisten geworfen - am Kopf, zertrümmert die Schädeldecke. Durch eine komplizierte Gehirnoperation kann das Leben von Bernd Woitalla gerettet werden. Aber es wird Jahre dauern, bis die durch den Steinwurf verursachte Verletzung des Sprachzentrums im Gehirn wieder einigermaßen geheilt ist.“
Laut Stefan Aust kommen zur Großdemonstration am Gelände des in Bau befindlichen AKW Brokdorf ca. 30 000 Menschen. Diese Demonstration gilt als sehr militant, weil linke Gruppierungen (KPD/ML, KBW, KB u.a.) sich heftige Schlachten mit der Polizei liefern. Teilweise kommt es auf dem Baugelände zu Zerstörungen.
Aus Bremen beteiligen sich, laut und mit KPD, über 1 500 Personen. Aufgerufen wurde auch vom KPD-Parteibüro Hamburg.
Die KPD (vgl. 26.1.1977) berichtet auch von den nachfolgenden Ermittlungsverfahren (vgl. 17.1.1977).
Berichtet wird auch durch das KPD-ZK (vgl. 16.2.1977), durch die RH e. V. der KPD (vgl. 26.11.1976, Feb. 1977), durch die RHD der KPD/ML (vgl. Dez. 1976, März 1977), u.a. über den Einsatz von Chemical Mace, und in:
- NRW durch das KPD-RK (vgl. 7.2.1977) und in Bielefeld durch die SMV der Carl-Severing-Schule (BS/FOS) (vgl. 13.12.1976).
- Schleswig-Holstein durch das HdJ Kronshagen (vgl. 29.11.1976).
Q: SMV Carl-Severing-Schule Bielefeld:SMV-Info Weg mit dem Girgensohn-Erlaß!,Bielefeld o.J. (1976),S.1; Rote Fahne Nr.45, 46, 47, 48 und 4,Köln 10.11.1976, 17.11.1976, 24.11.1976,1.12.1976 bzw. 26.1.1977,S.*, S.1 und 5, S.*, S.* bzw. S.*;Rote Hilfe Nr. 12 und 3, Dortmund Dez. 1976 bzw. März 1977,S.4f bzw. S. 6f;Rote Hilfe Nr. 11/12 und 2, Köln 26.11.1976 bzw. Feb. 1977, S. 8f bzw. 4f;Kurz belichtet Nr.5,Kiel Dez. 1976,S.6;Itzehoer Echo o.Nr.,Itzehoe o.J. (Nov. 1976),S.2;Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.100,München 14.11.1976;Arbeiterkampf Nr.93,Hamburg 15.11.1976,S.1ff;Fritz Storim: Verhalten bei Festnahmen, Hamburg o. J. (1976);KPD: Das Atomkraftwerk in Brokdorf muss verhindert werden!, Hamburg o. J. (1976);KPD-RK NRW:19.2.: Atomkraftwerksgegner für Kundgebung in Brokdorf!, Dortmund o.J. (Feb. 1977),S.1;KPD-RK NRW: Heraus nach Brokdorf!, Dortmund o.J. (Feb. 1977),S.1;Nr. 9 Extra / Sonderausgabe 1, Kronshagen Nov./Dez. 1976, S. 14ff;RHD-ZL: Rote Hilfe Schafft Rote Hilfe gegen den Justizterror!, Dortmund o.J. (Nov. 1976),S.2;Roter Morgen Nr. 47 und 48, Dortmund 19.11.1976 bzw. 26.11.1976, S.1 und 5 bzw. S. 1f, 5 und 12;Stefan Aust: Brokdorf. Symbol einer politischen Wende, Hamburg 1981,S.29f;ZK der KPD/ML (Hrsg.): 1968/69 bis 1978/79. Zehn Jahre KPD/ML. 10 Jahre Kampf für ein vereintes, unabhängiges, sozialistisches Deutschland, Dortmund 1979, S. 218ff;Roten Hilfe e.V.-Landesverband Nord: Flugblatt, Hamburg 13.11.1976;Rote Hilfe e.V.: Das Atomkraftwerk in Brokdorf muss verhindert werden!, Hamburg o. J. (1976)































14.11.1976:
Der AB gibt seine 'Kommunistische Arbeiterzeitung' Nr.100 (vgl. 31.10.1976, 28.11.1976) heraus.
Aus Schleswig-Holstein wird berichtet von den AKW Brokdorf-Demonstrationen (vgl. 30.10.1976, 13.11.1976), wobei man sich an das baden-württembergische Wyhl erinnert fühlt.
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.100,München 14.11.1976
15.11.1976:
Die Zentrale Leitung der RHD der KPD/ML mit Sitz in Dortmund, Stollenstr. 12 gibt vermutlich in dieser Woche ein zweiseitiges Flugblatt unter Verantwortung von Törk Hansen in Lübeck heraus, in dem berichtet wird von Prozessen in Dortmund gegen Dieter Kwoll (vgl. 3.11.1976) und Peter Schulte (vgl. 27.10.1976) sowie in München gegen Volker Nieber (vgl. 27.10.1976) und auch von der Freilassung von Heinz Baron in Münster (vgl. 29.10.1976):"
ROTE HILFE
SCHAFFT ROTE HILFE GEGEN DEN JUSTIZTERROR! …
Innerhalb einer Woche drei Urteile, die dem Gerechtigkeitsempfinden eines jeden von uns Werktätigen ins Gesicht schlagen. Gesinnungsjustiz, so wie wir sie aus der Zeit des Hitlerfaschismus kennen. Und gerade in diesen Tagen (vgl. 27.10.1976,d.Vf.) wird in Dortmund bereits das nächste Gesinnungsurteil gefällt: Gegen ehemalige Redakteure und Verleger des ROTEN MORGEN (RM,d.Vf.), des Zentralorgans der KPD/ML.
Einzelfälle? Taten besonders reaktionärer Richter? Nein - in gleicher Weise urteilen heute die Gerichte von Hamburg bis Westberlin, von Köln bis München gegen Kommunisten und Revolutionäre - gleichgeschaltet, ausgerichtet auf das Ziel der herrschenden Klasse, ihren Todfeind, die Kommunistische Partei und die revolutionären Organisationen kleinzukriegen, mundtot zu machen, ihre Anhänger hinter Gitter zu bringen. Ihre Angst vor der revolutionären Propaganda ist durchaus verständlich. Hat ihnen doch gerade Brokdorf (AKW - vgl. 13.11.1976,d.Vf.) gezeigt, daß die Werktätigen in Westdeutschland auch zu militantem Kampf für ihre Lebensinteressen bereit sind.
GESINNUNGSJUSTIZ: ÜBER 32 JAHRE GEFÄNGNIS
wurden vom 1. Januar bis Ende Oktober gegen Genossen der KPD/ML, der GRF (KPD), des KBW und befreundeter Organisationen verhängt. Das ist das Gesicht der bürgerlichen Klassenjustiz. Nein, niemals wird die ROTE HILFE darüber schweigen!
Niemals wird sie sich auf die westdeutschen Gerichten vorgeschriebene Ansicht festlegen lassen, daß dieser Staat 'seinen Bürgern Freiheiten in einem nie gekannten Maß gewährt'!
Im Gegenteil: die ROTE HILFE DEUTSCHLANDS ruft Euch alle, die Ihr Euch über das Unrecht und die Gesinnungsjustiz in westdeutschen Gerichtssälen empört, auf: Verwandelt Eure Empörung in Kampf, in Solidarität für die politisch Verfolgten!
Nehmt selbst als Zuschauer an einem der Prozesse gegen Kommunisten teil und überzeugt Euch mit eigenen Augen und Ohren davon, daß wir die Wahrheit sagen. Schon so mancher, der noch mit Skepsis und Zweifeln den Gerichtssaal betrat, hat sich hinterher in die Mitgliedslisten der RHD eingetragen! Weil er erkannte, daß er nicht länger abseits stehen darf sondern mithelfen muß im Kampf gegen die politische Unterdrückung, gegen den zunehmenden faschistischen Terror, der vom Staatsapparat der Bourgeoisie ausgeht.
Macht Euer Portemonnaie auf! Spendet für die Rote Hilfe! Sie unterstützt damit die vielen angeklagten Revolutionäre, die neben ihrer Strafe auch noch ungeheure Prozeßkosten aufgebürdet bekommen. Die Rote Hilfe unterstützt auch die politischen Gefangenen und ihre Familien. Ihre Zahl wird in kurzer Zeit, wenn die Urteile der letzten Monate rechtskräftig werden, sprunghaft anwachsen.
WERDE MITGLIED IN DER ROTEN HILFE DEUTSCHLANDS"
Q: RHD-ZL: Rote Hilfe Schafft Rote Hilfe gegen den Justizterror!, Dortmund o.J. (Nov. 1976)
15.11.1976:
Vermutlich in dieser Woche gibt die DKP eine Ausgabe ihres 'Itzehoer Echo' - Ortszeitung für Itzehoe - mit der Schlagzeile "KEIN ATOMKRAFTWERK IN BROKDORF!" heraus. Weiter befindet sich auf dem Titel ein großes Foto von der letzten Demonstration gegen das AKW Brokdorf, über die dann auch berichtet wird (vgl. 13.11.1976). Sie war auch u.a. Thema der Stadtratssitzung (vgl. 11.11.1976).
Q: Itzehoer Echo o.Nr.,Itzehoe o.J. (Nov. 1976)
16.11.1976:
In Karlsruhe soll laut KPD eine Veranstaltung gegen den Prozeß gegen Klaus Öllerer aus Hannover vor dem Bundesgerichtshof (BGH - vgl. 10.11.1976) stattfinden. Heute oder am 13.11.1976 beteiligen sich, laut KPD, 250 an einer derartigen Veranstaltung. U.a. erklärt man sich solidarisch mit dem Kampf gegen das AKW Brokdorf in Schleswig-Holstein.
Q: Rote Fahne Nr.45 und 46,Köln 10.11.1976 bzw. 17.11.1976,S.* bzw. S.3 und S.*
16.11.1976:
Laut KB findet in Bad Pyrmont eine Veranstaltung zum Polizeiterror am AKW Brokdorf statt. Ca. 50 Menschen sind anwesend, darunter einige Mitglieder der 4 Bürgerinitiativen des Umkreises gegen das AKW in Grohnde.
Q: Arbeiterkampf Nr.94,Hamburg 29.11.1976,S.1
16.11.1976:
Der Ständige Ausschuß des Politbüros des ZK der KPD richtet eine Solidaritätsadresse an die gegen das AKW Brokdorf kämpfende BUU Wewelsfleth, in der auch auf das geplante AKW Wyhl in Baden-Württemberg eingegangen wird.
Q: Rote Fahne Nr.47,Köln 24.11.1976
17.11.1976:
Die SAG gibt die Nr.13 ihrer 'Sozialistischen Arbeiter Zeitung' (vgl. 5.11.1976, Dez. 1976) heraus. Aus Schleswig-Holstein wird berichtet aus Brokdorf über Bauern und das AKW.
Q: Sozialistische Arbeiter Zeitung Nr.13,Frankfurt 17.11.1976
18.11.1976:
Heute verfassen das Landesjugendpfarramt Schleswig-Holstein, das Jugendpfarramt Kiel, das Jugendpfarramt Hamburg und das Studentenpfarramt Kiel eine "Stellungnahme zu den Vorgängen in Brokdorf" beim Bau des AKW.
Q: Nr. 9 Extra / Sonderausgabe 1, Kronshagen Nov./Dez. 1976, S. 18f


18.11.1976:
Der Bezirk Hamburg-Unterelbe des KBW gibt eine Bezirksbeilage zur 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ) Nr. 46 (vgl. 11.11.1976, 25.11.1976) heraus mit dem Leitartikel zum AKW Brokdorf: "Volksgewalt gegen Staatsgewalt - kein Kernkraftwerk in Brokdorf!". Dokumentiert werden Solidaritätsadressen, ein Artikel kritisiert: "KB-Nord: Friedlich und wehrlos unter dem 'Motto': Kein Kernkraftwerk in Brokdorf und auch nicht anderswo".
Q: Kommunistische Volkszeitung Bezirksbeilage Hamburg-Unterelbe Nr. 46, Hamburg 18.11.1976, S. 1f


19.11.1976:
Unter dem Titel 'Die Rote Garde' erscheint die Nummer 11/76 der Monatszeitung der Jugendorganisation der KPD/ML (vgl. 16.10.1976, 10.12.1976) als Beilage zum „Roten Morgen“ (RM) 47 mit dem Artikel "Interview mit einem Rotgardisten aus Hamburg: Kein Kernkraftwerk in Brokdorf!".
Q: Die Rote Garde Nr. 11, Dortmund November 1976, S. 1 und 6


19.11.1976:
Der Bezirksvorstand Niedersachsen der DKP gibt seine 'DKP Informationen' Nr.11 (vgl. 20.7.1976) heraus, welches die letzte uns derzeit vorliegende Ausgabe ist.
Berichtet wird u.a. von der eigenen Sitzung (vgl. 13.10.1976). Vom Mitglied des Bezirksvorstandes und Vorsitzendem des Kreises Celle der DKP erscheint folgender Kommentar zur AKW-Problematik:"
LIEBER HEUTE AKTIV - ALS MORGEN RADIOAKTIV!
Der Widerstand der Bürger gegen die atomare Bedrohung geht nicht nur in Brokdorf (in Schleswig-Holstein,d.Vf.) weiter. Gegen den Plan der Energie-und Kernenergiekonzerne und ihrer politischen Willensvollstrecker in Bonn und Hannover, Niedersachsen zum Atommülleimer der BRD zu machen, sind die Bürger der bedrohten Gebiete auf die Barrikaden gegangen. Ursprünglich war auch in Niedersachsen geplant, die Atommüll- und Wiederaufbereitungsanlage lautlos durchzusetzen. Das wurde durch die demokratische Wachsamkeit der Öffentlichkeit verhindert. Die durch Brokdorf vorgewarnten Bürger machten den Atomstrategen einen Strich durch die Rechnung.
In den Dörfern des Naturschutzparks Südheide, um das Bohrloch bei Lutterloh, im Lichtenmoor bei Nienburg und auch über dem Salzstock bei Wittingen in Ostfriesland (gemeint ist Wippingen,d.Vf.) schlossen sich die alarmierten Menschen zu Bürgerinitiativen zusammen. Sie fielen nicht auf die Verharmlosungen, Versprechungen und Drohungen des atomindustriellen Komplexes herein. Sie griffen zur Selbsthilfe unter der Losung: 'Lieber heute aktiv - als morgen radioaktiv. Profitinteressen weniger oder die Lebensinteressen der Mehrheit der Bevölkerung', das ist die Frage."
Q: DKP Informationen Nr.11,Hannover 19.11.1976
20.11.1976:
Das Soldaten- und Reservistenkomitee (SRK) Hamburg des KBW gibt seine 'Volksmiliz' (vgl. 6.11.1976, 9.1.1977) Nr. 13 heraus mit dem Leitartikel zum AKW Brokdorf: "30.000 demonstrierten den Volkswillen gegen die Staatsgewalt. Kein Kernkraftwerk in Brockdorf und anderswo!". Dokumentiert wird dazu auch eine "Resolution von Soldaten der Boehn- und Doumont Kaserne", womit die Donaumont Kaserne gemeint ist, wobei im Text allerdings nur die Boehnkaserne erwähnt wird. Unterstützt wird die Demonstration in Kiel am 23.11.1976.
Q: Hamburger Militärzeitung Nr. 13, Hamburg 20.11.1976, S. 1ff und 7




20.11.1976:
Das HdJ Kronshagen (vgl. 29.11.1976) berichtet über die heute beginnende zweitägige Kernenergiekonferenz des SPD-Landesverbands Schleswig-Holstein, die einen Baustop für das AKW Brokdorf (vgl. 13.11.1976, 23.11.1976) fordert.
Q: Nr. 9 Extra / Sonderausgabe 1, Kronshagen Nov./Dez. 1976, S. 16
20.11.1976:
Laut KB beteiligen sich heute in Elmshorn zeitweise bis zu 500 Menschen an einer Kundgebung und anschließender Demonstration der BUU gegen das AKW in Brokdorf.
Q: Arbeiterkampf Nr.94,Hamburg 29.11.1976,S.1
20.11.1976:
Es erscheint von der BUU in Brokdorf und Wewelsfleth eine "Presseerklärung der Bürgerinitiative Umweltschutz Unterelbe betreffend verletzte KKW'Gegner vom 13. Nov. 1976".
Q: BUU: Presseerklärung der Bürgerinitiative Umweltschutz Unterelbe betreffend verletzte KKW'Gegner vom 13. Nov. 1976, Krempe 20.11.1976


23.11.1976:
Laut KB demonstrieren heute ca. 5 000 Menschen in Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt Kiel gegen den Bau des AKW in Brokdorf "und die brutalen Polizeiüberfälle auf KKW-Gegner am 30.10 und 13. 11.". Zu der Demonstration hätten u.a. über 20 Initiativen, Schüler- und Jugendgruppen, Bürgerinitiativen, die Bürgerinitiative Umweltschutz Unterelbe mit sämtlichen Untergruppen, alle Kieler ASten, die ESG, fast die gesamte Kieler Linke und die Initiatoren der Aktionseinheit, der Landesverband Umweltschutz Schleswig-Holstein, der Arbeitskreis Umweltschutz an der Kieler Uni und die Bürgerinitiative 'Kein KKW an der Eckernförder Bucht' aufgerufen. Zur KPD/ML führt der KB aus:"
Und immer wieder sangen die Demonstranten das 'Brokdorf-Lied'- eine eindrucksvolle Stimmung. Daran konnte auch ein wildgewordener KPD/ML-Ordner nichts ändern, der sich darüber beschwerte, daß die Demonstranten Parolen riefen, die gar nicht von der AE vorgeschlagen wären!"
Auch laut und unterstützt von der KPD demonstrieren 5 000 vor dem Landtag. Laut KPD/ML waren es fast 5 000, laut KBW c a. 5 000.
Laut HdJ Kronshagen (vgl. 29.11.1976) lud Stoltenberg schon für gestern die Fraktionsvorsitzenden des Landtags zu einem Gespräch über das AKW Brokdorf ein, wogegen in Kiel ca. 4 000 demonstrieren.
Q: Nr. 9 Extra / Sonderausgabe 1, Kronshagen Nov./Dez. 1976, S. 16; Rote Fahne Nr. 48, Köln 1.12.1976;Arbeiterkampf Nr. 94, Hamburg 29.11.1976,S.1;Kommunistische Volkszeitung Bezirksbeilage Hamburg-Unterelbe Nr. 47, Hamburg 25.11.1976, S. 1;Roter Morgen Nr. 49, Dortmund 3.12.1976, S. 12

25.11.1976:
Der Bezirk Hamburg-Unterelbe des KBW gibt eine Bezirksbeilage zur 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ) Nr. 47 (vgl. 18.11.1976, 2.12.1976) heraus. Gemeldet wird aus dem ÖTV-Bereich:"
Um dem NWK-Werkschutz in Brokdorf eine Verschnaufpause zu verschaffen, wurden bei der HEW Freiwillige angeworben, die für eine kurze zeit einspringen. Es hat darum heftige Debatten im Betriebsrat gegeben. Eine knappe Mehrheit im Betriebsrat hat dem Antrag der Geschäftsleitung zugestimmt. Die Kollegen wurden mit dicken Prämien geködert: Nacht- und Gefahrenzulagen usw. bei Fortzahlung des normalen Gehalts."
Q: Kommunistische Volkszeitung Bezirksbeilage Hamburg-Unterelbe Nr. 47, Hamburg 25.11.1976, S. 2
26.11.1976:
Laut KB beteiligen sich an einer Demonstration zur Solidarität mit dem Kampf der Bevölkerung gegen das AKW in Brokdorf ca. 700 Menschen. Veranstalter war die Solidaritätsaktion mit Brokdorf, u.a. hatte auch der KB diese Demonstration unterstützt.
Q: Arbeiterkampf Nr.94,Hamburg 29.11.1976,S.1
28.11.1976:
Der AB gibt seine 'Kommunistische Arbeiterzeitung' (KAZ) Nr.101 (vgl. 14.11.1976, 12.12.1976) heraus. Aus Schleswig-Holstein wird berichtet vom AKW Brokdorf.
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.101,München 28.11.1976
29.11.1976:
In Ulm erscheint bei Kässbohrer vom KABD 'Das Lenkrad' (vgl. 18.10.1976, 22.12.1976) und berichtet u.a. aus Brokdorf von der Polizei in Neumünster.
Q: Das Lenkrad,Ulm 29.11.1976
29.11.1976:
In Hamburg geben die KPD und ihre Rote Hilfe (RH) e.V. vermutlich in dieser Woche eine Dokumentation zur Demonstration gegen das AKW Brokdorf in Schleswig-Holstein (vgl. 13.11.1976) heraus, in der sie u.a. Auszüge aus dem Polizeibericht veröffentlichen.
Q: Rote Fahne Nr.49,Köln 8.12.1976
Dezember 1976:
Der Kommunistische Jugendverband Deutschlands (KJVD) der KPD gibt die Nr. 12 seiner 'Kämpfenden Jugend' (KJ - vgl. Nov. 1976, Jan. 1977) heraus unter der Schlagzeile "BRD und DDR: der Widerstand wächst!" wozu Bilder von Biermann und Brokdorf erscheinen. Berichtet wird aus Brokdorf vom 30.10.1976 und 13.11.1976.
Q: Kämpfende Jugend Nr. 9, Köln Sept. 1976, S. 1 und 4f



Dezember 1976:
Vermutlich im Dezember erscheint in Hamburg von der Umweltschutzgruppe Eimsbüttel das Flugblatt "Wunschliste für Weihnachten 76 für jeden Brokdorf-Besucher!" mit einer Auflage von 5 000 Stück.
Q: Umweltschutzgruppe Eimsbüttel: Wunschliste für Weihnachten 76 für jeden Brokdorf-Besucher!, Hamburg o. J. (1976)


Dezember 1976:
Der DKP Bezirksvorstand Schleswig-Holstein gibt eine zweiseitige DIN A 3 Ausgabe des 'DKP Report' - Zeitung der DKP Schleswig-Holstein - zum Anti-AKW-Kampf heraus. Der Solidaritätspreis beträgt 10 Pfennig, ausgeführt wird dafür:"
STOPPT DEN BAU VON KERNKRAFTWERKEN!
Der Widerstand gegen den Bau des Kernkraftwerkes Brokdorf und gegen den geplanten Bau weiterer KKW, sowie Atommüll-Deponien und Wiederaufbereitungsanlagen geht weiter.
In vielen Orten Schleswig-Holsteins und darüber hinaus in der ganzen Bundesrepublik haben sich Bürgerinitiativen gebildet. Diese Bürgerinitiativen kämpfen gegen den Plan der Landes- und Bundesregierung, unser Land mit einem Netz von KKW zu überziehen.
Die Bürgerinitiativen wenden sich gegen das Komplott zwischen den mächtigen Konzernen der Energie- und Atomindustrie und den Regierungen in Kiel und Bonn, die Gefährlichkeit von Kernkraftwerken und Atommüll-Deponien herunterspielen, um das profitbringende Programm der Konzerne und ihrer Regierungen durchzusetzen.
In dieser Bürgerinitiative haben sich Bürger, ungeachtet ihrer unterschiedlichen politischen oder konfessionellen Herkunft, ihres Alters oder Berufes, zusammengeschlossen und gemeinsam zur demokratischen Selbsthilfe gegriffen unter der Losung:
- KEIN KERNKRAFTWERK IN BROKDORF UND ANDERSWO
- SOFORTIGER BAUSTOPP IN BROKDORF
- ABZUG DER POLIZEI UND DES BUNDESGRENZSCHUTZES AUS BROKDORF
Um diese Forderungen durchzusetzen, hat die BUU (Bürgerinitiative Umweltschutz Unterelbe) AM SONNABEND DEN 5. FEBRUAR 1977 IN BROKDORF zu einer Großveranstaltung aufgerufen."
Im anderen Artikel heißt es:"
SICHERHEIT GEHT VOR PROFIT
Die Bürger unseres Landes fühlen sich zurecht belogen und betrogen. Die Atompropagandisten erklären, es gehe ihnen um billige Energie für die Zukunft. Sie verschweigen, daß es ihnen zuerst um ihren Profit geht. Die Atompropagandisten behaupten, die Atomkraft sei gebändigt und ungefährlich.
SICHERHEITSPROBLEME BEI KERNKRAFTWERKEN
An erster Stelle aller Probleme steht die Sicherheit der Bevölkerung und der Umwelt. Es geht hier um die Existenz, die Lebensgrundlage unserer Bevölkerung. Nicht nur der jetzt lebenden Generation, sondern auch der kommenden Generationen. Es geht also schlechtweg um unsere Zukunft. Welche Gefahren bestehen bei Kernkraftwerken?
Es besteht die Gefahr der Verstrahlung. Sie ist mit dem Normalbetrieb jedes Kernkraftwerkes verbunden, sie wird besonders groß bei Havarien. Allein zwischen 1972 - 1974 sind in der Bundesrepublik 16 Kernkraftwerkshavarien bekannt geworden (die wirkliche Zahl mag größer sein), bei denen zum größten Teil radioaktives Material in die Luft oder ins Wasser oder in den Boden gekommen ist.
Das Kernkraftwerk Biblis (in Hessen,d.Vf.), als Wunderwerk der Technik und als absolut sicher gepriesen, mußte längere Zeit stillgelegt werden und wurde trotz Haarrissen im Speisewasserbehälter wieder in Betrieb genommen. Inzwischen wurde es schon wieder abgeschaltet. Es zeigt sich, daß hier wohl aller Grund besteht, die Gefährdung durch Verstrahlung bei Havarien sehr ernst einzuschätzen. Es ist auch ein offenes Geheimnis, daß es bei Kernkraftwerken keine wirklich wirksame öffentliche staatliche Kontrolle gibt. Das ist bereits daraus zu ersehen, daß 1973 im Bundesinnenministerium im Bereich Sicherheit von Kernkraftwerken und Reaktoren 45 Planstellen vorhanden, aber nur 32 besetzt waren. Aber man will bis 1985 50 Kernkraftwerke bauen. Also pro besetzte Planstelle anderthalb Kernkraftwerke.
SIND KERNKRAFTWERKE NÖTIG ZUR SICHERUNG DER ENERGIEVERSORGUNG UND DER ARBEITSPLÄTZE?
In der Bundesrepublik ist noch niemals wegen Energiemangel ein Arbeitsplatz verloren gegangen. Und daß der Wirtschaft der zweifellos zunehmende Energiebedarf durch die Erzeugung von Energie aus Kohle völlig ausreichend zur Verfügung gestellt werden kann, steht nachweisbar fest.
Die Uranversorgung ist extrem unsicher. Wir sind dabei fast vollständig abhängig von ausländischen Konzernen und den USA. In dem Maße wie wir Kernkraftwerke bauen, sind wir diesen Konzernen und den USA auf Gnade und Ungnade ausgeliefert.
Es ist falsch, daß Atomstrom der billigste Strom ist.
WARUM?
Wir haben von 1973 bis 1976 bei Natururan eine Preissteigerung auf das Siebenfache. Alle Uranförderungsgesellschaften haben sich zu einem Kartell zusammengeschlossen, so daß weitere Preissteigerungen jederzeit möglich sind, weil dieses Kartell Preise diktieren kann. Und es gibt bereits das Beispiel des Konzerns Westinghouse. Dieser Konzern ist viel größer als die KWU. Aber er mußte jetzt die Waffen strecken und konnte seine Lieferbedingungen nicht einhalten. Er hatte seinen Kunden versprochen, das Pfund Natururan zu 6 Dollar zu liefern, aber heute muß er bereits für 40 Dollar einkaufen.
Es ist auch aus einem anderen Grund falsch zu sagen, daß Atomstrom billig sei. Wir tragen nämlich über den Staatshaushalt einen großen Teil der Kosten für die Forschung und Entwicklung der Kernenergie, die in den Bilanzen der Energiekonzerne überhaupt nicht auftreten. Deshalb sind die ganzen Rechnungen der Kernenergiebefürworter reine Milchmädchenrechnungen.
In diesen Rechnungen gehen nicht ein jene 18 Milliarden DM, die in den vergangenen 20 Jahren vom Staat in die Atomforschung gesteckt wurden. In diese Rechnung geht nicht ein die noch viel größere Summe, die gebraucht wird, um Atommüll zu lagern und aufzubereiten. Wenn der Großteil dieser Kosten ausgeklammert wird, dann kommt man natürlich auf einen billigen Preis. Aber das ist gelogen. Dazu kommt noch, daß es im Bereich der Kernenergie, weil das Neuland ist, durch neue Sicherheitsbestimmungen u.a. es immer wieder zu neuen, nicht kalkulierbaren Kostensteigerungen kommt. Zwischen 1969 und 1975 haben die Kosten pro installierten kW bei Kernkraftwerken jährlich um fast ein Drittel zugenommen, gegenüber etwa 10% bei Kohlekraftwerken. Und bis 1985 rechnet man mit einer weiteren Verdreifachung des Preises für Kernenergie, bei Kohle wird diese Erhöhung wesentlich niedriger sein.
KOHLE IST AUSREICHEND VORHANDEN
Es sind mindestens 44 Milliarden Tonnen Steinkohle bis zu einer Tiefe von 1 500 Metern vorhanden, die ohne nennenswerte Kostensteigerung abbaufähig sind. Darüber hinaus sind im Städtedreieck Köln-Düsseldorf-Aachen 55 Milliarden Tonnen Braunkohle abbaufähig.
WAS IST MIT DIESER KOHLE PASSIERT?
In den letzten 20 Jahren wurde die Steinkohleförderung von jährlich 150 Millionen auf 90 Millionen Tonnen, also um 60 Millionen Tonnen pro Jahr verringert. Diese Produktionsdrosselung hat der Staat den Konzernen mit 30 Milliarden DM Subventionen bezahlt. Damit hätte man, anstatt 60 Millionen Tonnen Förderkapazität zu vernichten, 90 Millionen Förderkapazität neu schaffen können. Das ist kapitalistische Anarchie, Widersinn in Reinkultur. Es ist ein Widersinn ohnegleichen, wenn die Energieplanung der Bundesregierung davon ausgeht, bis 1985 für Atomenergie hundert Milliarden DM zu investieren, im gesamten Kohlebereich aber nur ein Bruchteil dieser Summe investiert werden soll.
Die Kohlevorräte der Bundesrepublik sind ein nationaler Reichtum, um den uns viele andere Länder beneiden. Sie wären froh, über eine solch reiche Energiegrundlage verfügen zu können. Verantwortungsvolle Energiepolitik besteht nicht darin, unsere nationalen Kohlevorräte ungenutzt im Boden zu lassen, sondern darin, sie im Interesse des Volkes zu nutzen.
In dieser Situation haben wir allen Grund energisch zu fordern, daß das Steuer herumgerissen und ein konkretes Programm entwickelt wird, um die Kohleförderung stärker in Gang zu bringen, um Kohlekraftwerke zu bauen. Dadurch werden im viel größeren Ausmaß Arbeitsplätze gesichert und neu geschaffen, als das mit Kernkraftwerken möglich ist. So sind durch die Rückstufung der Kohleproduktion in der Bundesrepublik 400 000 Arbeitsplätze verloren gegangen. Das zeigt, um welche Grössenordnungen es geht. Demgegenüber ist es lächerlich mit dem Argument zu kommen, daß durch den Bau von Kernkraftwerken eine nennenswerte Zahl von Arbeitsplätzen geschaffen werden kann. Handelt es sich hierbei doch höchstens um einige zehntausend Arbeitskräfte, die überdies beim Bau von Kohlekraftwerken auch beschäftigt werden könnten.
WARUM DIESE EILE BEIM BAU DER KERNKRAFTWERKE?
Es geht der Energie- und Atomindustrie um das ganz große Geschäft. An diesem Geschäft sind die größten 18 Konzerne der Bundesrepublik beteiligt. Diese Konzerne wollen das weltweite Geschäft mit Kernreaktoren machen und dabei setzen sie und ihre politischen Vertreter sich über die Sicherheitsbedürfnisse der Bevölkerung hemmungslos hinweg."
Q: DKP-Report,Kiel Dez. 1976
Dezember 1976:
Die DKP Ahrensburg gibt ihre Zeitung 'Die Linke' (vgl. Okt. 1976, Apr. 1977) heraus. Eingegangen wird u.a. auf den Kampf gegen AKWs, u.a. in Brokdorf. Die Titelseite wird von zwei Fotos von den letzten Brokdorfdemonstrationen eingenommen. Weiter heißt es:"
MIT DER 'CHEMISCHEN KEULE' FÜR MEHR ARBEITSPLÄTZE?
Möchten Sie 1985 Ihre Zeitung im trüben Licht einer Petroleumlampe lesen? Sind Sie für (noch mehr) Arbeitslosigkeit durch die kaum noch abzuwendende Energielücke?
Wollen gerade SIE sich der weiteren maßlosen Erpressung der Ölscheichs aussetzen?
Wenn Sie das alles nicht wollen, rüsten Sie Sich bitte umgehend mit der 'Chemischen Keule' und Schlagstöcken aus, und unterstützen sie Herrn Stoltenberg und seine CDU-Getreuen gegen den uneinsichtigen linken Mob.
Halten Sie diese Argumente und Schlußfolgerungen für zu dürftig? Möchten Sie gerne etwas Genaueres über die Technik der Kernkraftwerke und ihre Folgeprobleme wissen? Ist Ihnen zunächst einmal schlicht unbehaglich bei der recht ungezügelten Einführung dieser neuen Technologie? Uns geht es jedenfalls so und nicht nur uns.
Die Ereignisse in Wyhl und Brokdorf stehen für dieses Unbehagen, zeigen deutlich das vollständige Versagen der herrschenden Politiker, getroffene Entscheidungen mit einsehbaren Argumenten zu untermauern. So bleiben eben nur noch kriegsmäßige Befestigungsanlagen und brutaler Einsatz der staatlichen Zwangsmittel (sprich Polizei), um die Bevölkerung eines Besseren zu belehren. Nur, auch ein Herr Stoltenberg kann der Bevölkerung unseres Landes nicht auf Dauer das Märchen verkaufen, in Brokdorf demonstrierten einmal 15 000 (vgl. 30.10.1976,d.Vf.), dann wieder 30 000 (vgl. 13.11.1976,d.Vf.) 'Süppchenkocher', denen es gar nicht um die Sache selbst ginge. Er sollte sich da einmal bei seinem Parteifreund GRUHL erkundigen, der zu den schärfsten Kernkraftwerksgegnern in der BRD gehört.
Woraus ergibt sich nun aber das Unbehagen, ergeben sich die (begründeten) Zweifel für uns, die wir alle Laien auf dem Gebiet der Kernphysik und der Chemie sind?
ANTWORTEN
ERSTE ANTWORT: der zuständige Minister ist sich offenbar seiner Sache selbst nicht sicher. So sagte Bundesforschungsminister HANS MATTHÖFER 1976 in einem Interview: 'BEDENKEN in weiten Kreisen der Bevölkerung gegenüber dem in der Tat neuartigen Risiko SIND verständlich und in mancher Beziehung BERECHTIGT.' Und er fährt fort: 'Man kan sicherlich nicht versuchen, sie mit Polizeigewalt zu zerstreuen. Wir wollen die Kernenergie nicht gegen den Willen der Bevölkerung durchsetzen, sondern eine breite Übereinstimmung der Mehrheit der Bürger in unserem Land herstellen.'
ZWEITE ANTWORT: zu oft schon sind der Bevölkerung der BRD Produkte und Herstellungsverfahren im Namen des technischen Fortschritts und der internationalen Konkurrenzfähigkeit aufgehalst worden, die sich nach einiger Zeit als tödliche Bedrohung herausstellten (Contergan, Asbestverarbeitung).
…
An dieser Stelle muß dann in der Argumentation die berechtigte Angst der Bevölkerung um die Arbeitsplätze herhalten, um von den eigentlichen Zusammenhängen abzulenken.
ZUSAMMENHÄNGE
Wie weit kann man sich nun als Laie von diesen Zusammenhängen ein einigermaßen zutreffendes Bild verschaffen? Wir meinen, daß man vor allem drei Fragebereichen ein wenig nachgehen sollte:
1) Dem Zusammenhang zwischen Energie- und Forschungspolitik der BRD.
2) Den Problemen der Kernenergieerzeugung und deren Folgeproblemen.
3) Der Gefährlichkeit des Exports von Kernkraftwerken und Wiederaufbereitungslagen (WAA,d.Vf.).
Zu 1.) Die Energiepolitik der verschiedenen Bundesregierungen war durchgehend von Planlosigkeit und Kurzatmigkeit gekennzeichnet. Man hat ständig zu sehr nach den vermeintlich günstigsten Energiequellen geschielt und dabei die nationalen Energiereserven (Steinkohle) zu stark vernachlässigt. Während der Zeit, als die ölproduzierenden Länder ihr Erdöl unter Wert verkaufen mußten, wurden in der BRD die modernsten Zechen Europas mit kräftigen Subventionen stillgelegt. Dadurch begab man sich in eine totale Abhängigkeit von den internationalen Ölkonzernen, die später als die eigentlichen Ölscheichs von der sogenannten Ölkrise profitierten. Gleichzeitig aber wurde der Steuerzahler ein zweites Mal kräftig zur Kasse gebeten: bereits dem damaligen Atomminister STRAUSS war keine Mark zu schade für die Verkleinerung der 'technologischen Lücke', für die angeblich nur friedliche Verwendung der Atomenergie. Unter diesem Vorzeichen sind bereits einige Milliarden in die Kassen einiger Großunternehmen geflossen. Diese Gelder sollen sich nun für alle Beteiligten auszahlen. Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß diese Forschungspolitik im Interesse der Großindustrie besonders stark unter dem damaligen Minister STOLTENBERG vorangetrieben wurde.
Zu 2.) Selbst wenn man davon ausgeht, daß die Erzeugung von Kernenergie einigermaßen sicher erfolgt - was sehr viele Fachleute bezweifeln -, so bleiben die Probleme der inneren Sicherheit der Kraftwerke und der Atommüllbeseitigung.
Uns allen sind die Reaktorunfälle - soweit sie überhaupt veröffentlicht wurden - bekannt. Hierzu schrieb am 4. Oktober 1976 die angesehene französische Zeitung Le Nouvel Observatuer, daß in einem französischen Werk bei 1 900 Mitarbeitern 572 radioaktive Schädigungsfälle festgestellt wurden, dabei zu Teilen Krebs und andere dauernde organische Schädigungen.
ATOMMÜLL
Ein sehr viel schwerwiegenderes Problem stellt jedoch die Beseitigung des Atommülls dar. So weiß die Bundesregierung bereits jetzt, daß der anfallenden hochradioaktive Müll zu Beginn der 80er Jahre nicht mehr vollständig in England (Großbritannien,d.Vf.) oder Frankreich aufbereitet und beseitigt werden kann. Dennoch ermutigt sie die Bundesländer zum Bau neuer Kraftwerke und treibt mit eben diesem Argument die Errichtung einer eigenen Atommüllverarbeitungsanlage voran. Hierzu heißt es in einem Gutachten der bauplanenden Firma u.a.: 'GASFÖRMIGE, RADIOAKTIVE ABFÄLLE KÖNNEN PRINZIPIELL NICHT HUNDERTPROZENTIG ZURÜCKGEHALTEN WERDEN.'
Übrigens: der Bau einer derartigen Anlage verschlingt nach Preisen von 1974 etwa 2,9 MILLIARDEN DM einmalig und jährlich nochmals ca. 800 MILLIONEN DM. Die Lebensdauer der Anlage beträgt dabei ca. 15 Jahre. Diese Mittel kommen natürlich zu einem großen Teil aus dem Steuersäckel und sichern so den 'billigen Atomstrom', der in der Tat horrende Summen verschlingt und auf dem Rohstoff Uran basiert, der noch 'unsicherer', weil knapper, als Erdöl ist.
Zu 3.) Die BRD betreibt seit einiger Zeit ein sehr ausgedehntes Exportgeschäft mit Kernkraftwerken und Wiederaufbereitungsanlagen (Brasilien, Iran, Südafrika?), daß insofern besonders gefährlich ist, weil es diesen Ländern den Grundstoff für die Herstellung von Atomwaffen an die Hand gibt, wobei diese Länder nicht dem Atomwaffensperrvertrag beigetreten sind.
Hier wird diese Abhängigkeit der Bundesregierung von der Atomindustrie zu einer ernstzunehmenden Gefahr für den Weltfrieden.
Diese wenigen Anmerkungen zeigen bereits, wie weit das angesprochene Problem geht, wie wenig wir alle bisher richtig informiert wurden, für wie DUMM uns die verantwortlichen Politiker halten.
Wollen Sie immer noch die 'Chemische Keule' und den Schlagstock? Wir glauben, daß es sich beim jetzigen Stand der Dinge auf der Seite der Gegner des unkontrollierten Kernkraftwerksbaus besser kämpft.
Brokdorf muß verhindert werden! Diese CDU darf keinen Einfluss mehr auf unsere Landespolitik haben. Die nächsten Wahlen kommen bestimmt!!!!!"
Q: Die Linke,Ahrensburg Dez. 1976
01.12.1976:
Die Gruppe Arbeiterstimme-Mehrheitsgruppe gibt ihre 'Arbeiterstimme' (ARSTI - vgl. 1.9.1976, 9.3.1977) Nr. 4/5 (25/26) heraus. Berichtet wird u.a. vom AKW Brokdorf.
Q: Arbeiterstimme Nr.4/5,Nürnberg 1.12.1976
02.12.1976:
Der Bezirk Hamburg-Unterelbe des KBW gibt eine Bezirksbeilage zur 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ) Nr. 48 (vgl. 25.11.1976, 9.12.1976) heraus mit dem Artikel "Die Einheit festigt sich im langandauernden Kampf gegen das KKW in Brokdorf - Die nächste Demonstration rasch beschließen!". Berichtet wird auch von der "Bauernversammlung in Wilster" am 26.11.1976, an der ca. 150 teilnahmen, sowie über die "Solidarität mit dem Kampf gegen den Bau des KKW in Brokdorf" in der GEW Fachgruppe Gewerbeschulen und in der ÖTV.
Q: Kommunistische Volkszeitung Bezirksbeilage Hamburg-Unterelbe Nr. 48, Hamburg 2.12.1976, S. 1f


02.12.1976:
Laut KB findet in Eutin "unter der Parole 'Kein KKW in Brokdorf und anderswo' eine Anti-AKW Veranstaltung statt, an der ca. 65 Menschen (u.a. auch der KB) teilnehmen.
Q: Arbeiterkampf Nr.95,Hamburg 13.12.1976,Beilage
03.12.1976:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr. 49 (vgl. 26.11.1976, 10.12.1976) heraus. Berichtet wird vom AKW Brokdorf in einem Interview mit Ulla Woitalla, Ehefrau des am 13.11.1976 lebensgefährlich Verletzten Bernd Woitalla, Betriebsrat von HDW Kiel. Dazu erscheint auch ein "Interview mit einem Arztgenossen". Vom 13.11.1976 gibt es auch Bilder. Demonstriert wurde gegen das AKW Brokdorf in Kiel (vgl. 23.11.1976).
Q: Roter Morgen Nr. 49, Dortmund 3.12.1976



03.12.1976:
Es erscheint die Nr. 14 des 4. Jahrgangs der 'Berliner Arbeiter Zeitung' (BAZ - vgl. Dez. 1974) der Sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (SDA). Über die antikommunistische Anti-AKW-Bewegung berichtet der Leitartikel: Brokdorf: Gegen Kernkraftwerk, gegen Rote!", von den Demonstrationen berichtet auch der Artikel "Böser Mann – was nun?", eingetreten wird für Plasmareaktoren und Sonnenenergie.
Q: Berliner Arbeiter Zeitung Nr.14,Berlin 3.12.1976,S.1f und 4






06.12.1976:
In Kopenhagen wird, laut KPD, vermutlich in dieser Woche eine Erklärung verfasst, die sich für die Besetzung des AKW-Bauplatzes in Brokdorf in Schleswig-Holstein ausspricht.
Q: Rote Fahne Nr.50,Köln 15.12.1976,S.6
06.12.1976:
In Paris wird, laut KPD, vermutlich in dieser Woche eine Erklärung verfasst, die sich für die Besetzung des AKW-Bauplatzes in Brokdorf in Schleswig-Holstein ausspricht.
Q: Rote Fahne Nr.50,Köln 15.12.1976,S.6
06.12.1976:
In London wird, laut KPD, vermutlich in dieser Woche eine Erklärung verfasst, die sich für die Besetzung des AKW-Bauplatzes in Brokdorf in Schleswig-Holstein ausspricht.
Q: Rote Fahne Nr.50,Köln 15.12.1976,S.6
06.12.1976:
In Stockholm wird, laut KPD, vermutlich in dieser Woche eine Erklärung verfasst, die sich für die Besetzung des AKW-Bauplatzes in Brokdorf in Schleswig-Holstein ausspricht.
Q: Rote Fahne Nr.50,Köln 15.12.1976,S.6
06.12.1976:
In Berlin wird, laut KPD, vermutlich in dieser Woche eine Erklärung verfasst, die sich für die Besetzung des AKW-Bauplatzes in Brokdorf in Schleswig-Holstein ausspricht.
Q: Rote Fahne Nr.50,Köln 15.12.1976,S.6
06.12.1976:
In Hannover wird, laut KPD, vermutlich in dieser Woche eine Erklärung verfasst, die sich für die Besetzung des AKW-Bauplatzes in Brokdorf in Schleswig-Holstein ausspricht.
Q: Rote Fahne Nr.50,Köln 15.12.1976,S.6
06.12.1976:
Von der Bürgeraktion Küste (BAK) in Niedersachsen wird, laut KPD, vermutlich in dieser Woche eine Erklärung verfasst, die sich für die Besetzung des AKW-Bauplatzes in Brokdorf in Schleswig-Holstein ausspricht.
Q: Rote Fahne Nr.50,Köln 15.12.1976,S.6
06.12.1976:
Der Ermittlungsausschuss der BUU Hamburg gibt vermutlich in dieser Woche das Flugblatt "Presseerklärung. Verfolgung von Atomkraftsgegnern" zu Repressalien gegen Teilnehmer der Brokdorfdemonstrationen vom 30.10. und 13.11.1976 mit einer Auflage von 10 000 Stück heraus.
Q: BUU-Ermittlungsausschuss: Presseerklärung. Verfolgung von Atomkraftsgegnern, Hamburg o. J. (1976)


06.12.1976:
Beim TÜV Hamburg wird, laut KPD, vermutlich in dieser Woche der Ingenieur Jens Pommerenke wegen seinem Eintreten gegen AKW, u.a. in Brokdorf, entlassen.
Q: Rote Fahne Nr.50 und 2,Köln 15.12.1976 bzw. 12.1.1977,S.6 bzw. S.*
06.12.1976:
Auf der Regionalkonferenz der BUU findet sich, laut KPD, vermutlich in dieser Woche nur eine Stimme gegen die Besetzung des AKW-Bauplatzes in Brokdorf wegen möglicher Opfer.
Die KPD berichtet:"
Der Versuch des KB-Nord, mit dem Argument 'Wer eine Besetzung versucht, ist für die Toten und Verletzten verantwortlich' die AKW-Gegner … zu entmutigen, konnte überall vereitelt werden."
Q: Rote Fahne Nr.50,Köln 15.12.1976,S.6
06.12.1976:
In ganz Schleswig-Holstein sprechen sich, laut KPD, vermutlich in dieser Woche Anti-AKW Initiativen für die Besetzung des AKW-Bauplatzes in Brokdorf in Schleswig-Holstein aus.
Q: Rote Fahne Nr.50,Köln 15.12.1976,S.6
06.12.1976:
In Kiel sprechen sich, laut KPD, vermutlich in dieser Woche Anti-AKW Initiativen für die Besetzung des AKW-Bauplatzes in Brokdorf in Schleswig-Holstein aus.
Q: Rote Fahne Nr.50,Köln 15.12.1976,S.6
06.12.1976:
In Wyk auf Föhr sprechen sich, laut KPD, vermutlich in dieser Woche Anti-AKW Initiativen für die Besetzung des AKW-Bauplatzes in Brokdorf in Schleswig-Holstein aus.
Q: Rote Fahne Nr.50,Köln 15.12.1976,S.6
06.12.1976:
In Eckernförde sprechen sich, laut KPD, vermutlich in dieser Woche Anti-AKW Initiativen für die Besetzung des AKW-Bauplatzes in Brokdorf in Schleswig-Holstein aus.
Q: Rote Fahne Nr.50,Köln 15.12.1976,S.6
06.12.1976:
In Brokdorf kommt es, laut KPD, vermutlich in dieser Woche zu Aktionen gegen die LKWs am AKW-Bauplatz.
Q: Rote Fahne Nr.50,Köln 15.12.1976,S.6
06.12.1976:
In Bonn wird, laut KPD, vermutlich in dieser Woche eine Erklärung verfaßt, die sich für die Besetzung des AKW-Bauplatzes in Brokdorf in Schleswig-Holstein ausspricht.
Q: Rote Fahne Nr.50,Köln 15.12.1976,S.6
06.12.1976:
In Münster wird, laut KPD, vermutlich in dieser Woche eine Erklärung verfaßt, die sich für die Besetzung des AKW-Bauplatzes in Brokdorf in Schleswig-Holstein ausspricht.
Q: Rote Fahne Nr.50,Köln 15.12.1976,S.6
09.12.1976:
Der Bezirk Hamburg-Unterelbe des KBW gibt eine Bezirksbeilage zur 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ) Nr. 49 (vgl. 2.12.1976, 16.12.1976) heraus mit dem Leitartikel "Aktionstag gegen das KKW in Brokdorf am 18.12.".
Q: Kommunistische Volkszeitung Bezirksbeilage Hamburg-Unterelbe Nr. 49, Hamburg 9.12.1976, S. 1

10.12.1976:
Unter dem Titel 'Die Rote Garde' erscheint die Nummer 12/76 der Monatszeitung der Jugendorganisation der KPD/ML (vgl. 19.11.1976, 14.1.1977) als Beilage zum „Roten Morgen“ (RM) 50/76 mit den Artikeln "Einiges über die 'ungefährliche' Atomenergie" und "Zum Kampf in Brokdorf".
Q: Die Rote Garde Nr. 12, Dortmund Dezember 1976, S. 4

10.12.1976:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr. 50 (vgl. 3.12.1976, 17.12.1976) heraus. Berichtet wird vom AKW Brokdorf (vgl. 13.11.1976): "Schlußfolgerungen der Polizei aus dem Einsatz in Brokdorf – In Zukunft noch brutaler".
Q: Roter Morgen Nr. 50, Dortmund 10.12.1976, S. 5

11.12.1976:
In Hamburg gibt die Harburger Initiative gegen Atomanlagen (BUU) ein Flugblatt "Wußten sie das schon? HEW ist Hauptaktionär beim KKW Brokdorf" in einer Auflage von 2 000 Stück heraus.
Q: Harburger Initiative gegen Atomanlagen: Wußten sie das schon? HEW ist Hauptaktionär beim KKW Brokdorf, Hamburg 11.12.1976


13.12.1976:
An der Carl-Severing-Schule Bielefeld, Berufs- und Fachoberschule (FOS) für Metall und Elektro, erscheint spätestens Anfang dieser Woche das 'SMV-Info' (vgl. Feb. 1976) zum Girgensohn-Erlaß (vgl. Okt. 1976):"
WEG MIT DEM GIRGENSOHN-ERLASS!
…
In dieser gesamten Entwicklung sehen wir eine weitere Verschärfung der politischen Unterdrückung und des reaktionären Klimas in der BRD, die gegenwärtig von der SPD/FDP-Regierung in Bonn konsequent vorangetrieben wird. Das brutale Vorgehen der Polizei und des Bundesgrenzschutzes (BGS,d.Vf.) in Brokdorf (AKW - vgl. 13.11.1976,d.Vf.) und bei den Druckarbeiterstreiks (DruPa-Bereich,d.Vf.) zeigen deutlich: Diese Entwicklung betrifft nicht nur Lehrer und Schüler, sondern richtet sich gegen jeden Widerstand der Arbeiter und der Volksmassen.
Dagegen müssen sich alle fortschrittlichen Kräfte in einer Einheitsfront zusammenschließen und einen entschiedenen Kampf gegen den Abbau der demokratischen Rechte der Arbeiter und der Volksmassen führen."
Q: SMV Carl-Severing-Schule Bielefeld:SMV-Info Weg mit dem Girgensohn-Erlaß!,Bielefeld o.J. (1976)
15.12.1976:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr.50 (vgl. 8.12.1976, 22.12.1976) heraus.
Aus Schleswig-Holstein wird berichtet vom Anti-AKW Kampf in Brokdorf (vgl. 6.12.1976) bzw. landesweit (vgl. 6.12.1976) und dabei eingegangen u.a. auf die Bundeswehr in Glückstadt und Itzehoe sowie die Bereitschaftspolizei aus Braunschweig und Uelzen.
Q: Rote Fahne Nr.50,Köln 15.12.1976
15.12.1976:
In Flensburg organisiert der SStB des KB, nach eigenen Angaben, gegen die morgige Veranstaltung der Jusos der SPD zusammen mit der Solidaritätsaktion Brokdorf eine Anti-AKW Veranstaltung mit fast 300 Besuchern.
Q: Arbeiterkampf Nr.96,Hamburg 10.1.1977
16.12.1976:
Die Hamburger Med.-AG gegen Kernkraftwerke lud für heute mit einem Flugblatt in einer Auflage von 1 000 Stück ein zur Informations- und Diskussionsveranstaltung Medizinische Aspekte der Kernenergie im UKE. Zum AKW Brokdorf wird ein Liedtext abgedruckt, der offensichtlich einstudiert werden soll.
Q: Med.-AG gegen Kernkraftwerke: Informations- und Diskussionsveranstaltung Medizinische Aspekte der Kernenergie, Hamburg o. J. (1976)


16.12.1976:
Der Bezirk Hamburg-Unterelbe des KBW gibt eine Bezirksbeilage zur 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ) Nr. 50 (vgl. 9.12.1976, 23.12.1976) heraus mit dem Leitartikel "Aktionstag gegen das KKW Brokdorf, Samstag, den 18.12.76". Im Artikel "Jahreskonferenz der Hamburger Gewerkschaftsjugend. Fortschritte im Kampf gegen den bürgerlichen Staat" wird von der 13. DGB KJK auch berichtet vom Protest gegen das AKW Brokdorf.
Berichtet wird auch aus Ahrensburg: "Kein Kernkraftwerk in Brokdorf!".
Q: Kommunistische Volkszeitung Bezirksbeilage Hamburg-Unterelbe Nr. 50, Hamburg 16.12.1976, S. 1 und 4


17.12.1976:
Das Verwaltungsgericht (VG) Schleswig verfügt, laut KPD (vgl. 22.12.1976), aufgrund einer von mehreren Gemeinden beantragten einstweiligen Verfügung eine Bauunterbrechung für das AKW Brokdorf.
Q: Rote Fahne Nr.51/52,Köln 22.12.1976
18.12.1976:
Die Hamburger Gewerkschaftsinitiative gegen Atomkraftwerke (BUU) veröffentlicht frühestens heute ihren "Aufruf an alle Kollegen der Hamburger Betriebe und Gewerkschaften", in dem sie vom 17.12.1976 verfügten Baustop für das AKW Brokdorf berichtet, zu ihren Sitzungen im Gesellschaftshaus, Kleiner Schäferkamp 36 einlädt und zum weiteren Protest gegen das AKW Brokdorf aufruft.
Q: Hamburger Gewerkschaftsinitiative gegen Atomkraftwerke: Aufruf an alle Kollegen der Hamburger Betriebe und Gewerkschaften, Hamburg o. J.




18.12.1976:
Die BUU Stadtteilgruppe Hamburg-Eimsbüttel gibt frühestens heute ihre 'Atom-Information' Nr. 2 (vgl. 19.1.1977) in einer Auflage von 3 000 Stück heraus mit dem Bericht vom am 17.12.1976 verfügten Baustop für das AKW Brokdorf.
Q: BUU Eimsbüttel: Atom-Information Nr. 2, Hamburg o. J. (1976)


18.12.1976:
In Bremen beteiligen sich, laut KB, ca. 2 000 an der Anti-AKW Demonstration der BBA, u.a. auch der KB:"
Der Protestaufruf richtete sich gegen den Baubeginn in Brokdorf, die geplanten Wiederaufbereitungsanlagen und das Atomenergieprogramm. Der KB hatte die Demonstration mit einem Aufruf unterstützt. Der KBW ließ es sich nicht nehmen, im eigenen Block mit knapp über 100 Teilnehmern und unter seinen Exklusiv-Parolen (Vorwärts … ) zu demonstrieren, am Schwanz des Zuges. Eine eigene Abschlußkundgebung hielt er vor etwa 100 Teilnehmern ab. Die KPD/ML hatte sich ausdrücklich von der Demonstration als 'schädlich' distanziert, sie schüre 'friedliche Illusionen', …, man müsse dort kämpfen, wo die Konfrontation verlaufe und das sei am Bauplatz in Brokdorf."
Q: Arbeiterkampf Nr.96,Hamburg 10.1.1977,S.4
18.12.1976:
Laut KB findet in Essen die erste KB-Veranstaltung statt, auf der die Erfahrungen aus dem Kampf gegen das AKW Brokdorf aufgearbeitet werden. Ca. 70 Personen sind anwesend:"
Vertreter verschiedener Initiativen berichteten über ihre Aktivitäten und über die Möglichkeit, im selbstverwalteten Jugendzentrum KOMIC in Gelsenkirchen am Treffen von Atomgegnern teilzunehmen."
Q: Arbeiterkampf Nr.96,Hamburg 10.1.1977,S.4
23.12.1976:
Der Bezirk Hamburg-Unterelbe des KBW gibt eine Bezirksbeilage zur 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ) Nr. 51 (vgl. 16.12.1976, 6.1.1977) heraus. Der Leitartikel "Gegen die Politik der Regierung gibt es Widerstand" berichtet von der Propagandawoche des KBW gegen die Bundesregierung, die sich auch gegen das AKW Brokdorf wandte. Geworben wird für die Broschüre "Nieder mit Imperialismus und Reaktion. Kein Kernkraftwerk in Brokdorf" (vgl. Dez. 1976). Berichtet wird aus der BUU: "Stadtteilgruppe Eimsbüttel mehrheitlich für Kundgebung in Brokdorf - Anfang Februar" und auch, u.a. von BAK und BGS, vermutlich vom 13.11.1976:"
Uelzen: Die Bürgeraktion Küste gab am 5. Dez. auf einer Versammlung bekannt, daß eine Hundertschaft Polizei und eine Hundertschaft Bundesgrenzschutz den Einsatz zur Verteidigung des KKW-Baus in Brokdorf am 23. November verweigert haben. Außerdem ist bei Ermittlungen gegen die Besatzung der Hubschrauber, die auf die Demonstranten Tränengaswurfgeschosse abgeworfen haben herausgekommen, daß einer der Hubschrauber 'Christoph 6' der Rettungshubschrauber des Bremer Krankenhaus links der Weser ist. Unterhalten wird der Hubschrauber vom Senat und vom Bundesgrenzschutz."
Q: Kommunistische Volkszeitung Bezirksbeilage Hamburg-Unterelbe Nr. 51, Hamburg 23.12.1976, S. 1 und3f



24.12.1976:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr. 52/53 (vgl. 17.12.1976, 7.1.1977) heraus. Berichtet wird im Jahresrückblick vom AKW Brokdorf (vgl. 13.11.1976), wozu von der BUU auch der "Aufruf der Bürgerinitiative Unterelbe" zu Zeugenberichten veröffentlicht wird. Berichtet wird in Zusammenhang mit dem AKW Brokdorf auch aus Wippingen von der dort geplanten Wiederaufbereitungsanlage (WAA): "Natotruppen sollen Baustelle sichern".
Q: Roter Morgen Nr. 52/53, Dortmund 24.12.1976, S. 11f


27.12.1976:
Laut KBW (vgl. März 1976) findet eine Landeskonferenz aller Anti-AKW-Bürgerinitiativen aus Schleswig-Holstein und Hamburg statt. Vertreter von vier Regionalkonferenzen, der Marschenkonferenz (Brokdorf, Wilster, Itzehoe und Umgebung), der Hamburger Regionalkonferenz der Bürgerinitiative Umweltschutz Unterelbe, der Ostküstenkonferenz sowie der Westküstenkonferenz nehmen daran teil. Unter ihnen auch Vertreter des KBW, der KPD, der KPD/ML, des KB. Es wird beschlossen, daß am 19. Februar 1977 in Brokdorf am Bauplatz eine Großkundgebung stattfinden soll.
Der KBW berichtet auch:"
Brokdorf. Die Regionalkonferenz der Bürgerinitiativen gegen das KKW Brokdorf hat am 27.12.1976 beschlossen, am 19. Februar den Bauplatz in Brokdorf zu besetzen. Dieser Beschluß zeigt deutlich, was die Bürgerinitiativen vom einstweiligen Baustopp halten. Stoltenberg erklärte auf dem CDU-Landesparteitag am 19. Dezember in Neumünster: 'Der Beschluß des Verwaltungsgerichts in Schleswig, den Fortgang der Bauarbeiten bis zur Entscheidung zu versagen, sei eine reine Verfahrensentscheidung' (FAZ, 20.12.76). An dieser Erklärung wird klar, daß der einstweilige Baustopp nur ein Trick ist, den Kampf zu hintertreiben. 'Die Landesregierung sehe jener Entscheidung mit Gelassenheit entgegen', erklärte Stoltenberg. Die Bürgerinitiativen bereiten sich auf die Demonstration vor."
Q: Kommunismus und Klassenkampf Nr.3,Mannheim März 1977 (Beilage); Kommunistische Volkszeitung Ausgabe Nord Nr. 1, Mannheim 6.1.1977, S. 9
30.12.1976:
Die KPD (vgl. 5.1.1977) berichtet vom heutigen Schweigemarsch des Landesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz (LBU des BBU) zum Bauplatz des AKW Brokdorf.
Q: Rote Fahne Nr.1,Köln 5.1.1977
Letzte Änderungen: 21.2.2012
[ Zum Seitenanfang ] [ Zur nächsten Zwischenübersicht ] [ Zur Hauptübersicht der Datenbank MAO ]