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Hier werden nur wenige Angaben zu zahlreichen, in öffentlich zugänglichen Archiven vorhandenen Dokumenten, die bisher leider nicht erschöpfend ausgewertet werden konnten, gemacht, die nur einen ungefähren Eindruck über die Bedeutung der Besetzung und polizeiliche Räumung des Hauses Ekhofstraße 39 in Hamburg-Hohenfelde im Frühjahr zu geben vermögen. Weitere Quellen dürften außer im Berliner APO-Archiv und dem Berliner Papiertiger vor allem in den Beständen des ehemaligen Hamburger 'Anarchiv' zu finden sein, die derzeit vermutlich leider durch die Eingliederung in die Sammlungen des Hamburger IfS der freien Forschung mehr oder minder entzogen sind.
Hamburg-Hohenfelde war in den frühen siebziger Jahren nicht unbedingt ein bevorzugtes Pflaster für die Hamburger Linke, jenseits der Hausbesetzung 1973 konnte so in unserer, freilich überaus unrepräsentativen, Quellenauswertung lediglich eine weitere Erwähnung dieses Innenstadtnahen Stadtteil aufgefunden werden (vgl. 19.2.1975).
Diese Hamburger Hausbesetzung reihte sich ein in eine ganze Welle von Hausbesetzungen des Frühjahres 1973, die wohl nicht zuletzt unter dem Eindruck der Frankfurter Häuserkämpfe erfolgten, soweit sie nicht eher, wie z.B. in Bielefeld und Dortmund oder bei der Hamburger 'Fabrik' durch die Jugendzentrumsbewegung erfolgten.
Bei Hoesch Dortmund sah die KPD/ML-ZK, in der ersten hier dokumentierten Erwähnung der Hamburger Hausbesetzung (vgl. 23.4.1973), so bereits die Revolution herannahen. Auch die örtliche Rote Garde (RG) Hamburg ist offenbar an der Besetzung beteiligt (vgl. 5.5.1973), die ansonsten u.a. von Leuten aus der Gruppe Internationaler Marxisten (GIM) und wohl auch der Proletarischen Front (PF) - Gruppe westdeutscher Kommunisten, (PF-GWK) sowie der evtl. bereits aufgelösten ex PF-Gruppe Hamburg (PF GH) getragen wurde.
Nicht wenige der kriminalisierten BesetzerInnen, wie z.B. die früher der GIM – die sich ja mit den Linksradikalen seit langem den Manifestbuchladen teilte - zugehörige Christa Eckes, aber auch Karl-Heinz Dellwo werden später für die Rote Armee Fraktion (RAF) aktiv, deren Hamburger Basisstrukturen eventuell damals ebenfalls intervenierten, um endlich den Schritt von der viele vermutlich längst langweilenden ewigen Schulung von Banküberfällen in die richtige, revolutionäre Praxis zu vollziehen. Also hieß es: Helm auf gesetzt, Knüppel in die Hand genommen und die Ekhofstraße 39 besetzt.
Es sah wirklich militant aus damals, obwohl es dann doch bei der gewalttätigen Räumung (vgl. 23.5.1973), nur für ein schickes, lebensechtes Manöver der neuen Einsatzkräfte der Polizei in Form des Mobilen Einsatzkommandos (MEK) reichte. Die Zahlenverhältnisse von 70, angeblich bis an die Zähne bewaffneten Besetzern, die gerne in den Hauseingängen mit Helm und Knüppel für die geneigte Presse posiert hatten, in deren unbotmäßigen Reihen es im Gefolge allerdings durchaus zu Repression zu kommen scheint (vgl. 4.6.1973), gegen lediglich 60 normale Polizisten und nur 45 MEKler – verdeutlichen, dass es der Polizei nicht zuletzt um sportlichen Ehrgeiz ging bzw. man die Kampfkraft der BesetzerInnen für eher gering hielt und sich das MEK als neueste Truppe der Saison zur Lösung von politischen Problemen bewähren sollte. Da kam diese Hausbesetzung für einige Strategien sicher gerade recht.
Auch die örtliche Bevölkerung wird nach den linken Quellen am Nachmittag offenbar erfolgreich eingeschüchtert, ein guter Teil der radikalsten Hamburger Linken aber nachhaltig inhaftiert bzw. kriminalisiert.
Der Protestzug der Linken gegen die Räumung am folgenden Wochenende erscheint nicht sonderlich gut besucht, angesichts dessen, dass die linksradikalen Gruppen, also Spontis, RAF-Freunde, Anarchos, KPD, KPD/ML sowie die GIM vermutlich ziemlich komplett aufmarschiert, sowie auch der spätere KBW, der damals in Hamburg noch Kommunistische Gruppe (KG) Hamburg bzw. Sozialistische Studentengruppe (SSG) Hamburg hieß (vgl. 2.5.1973, 29.5.1973, 25.6.1973) und auch der der Kommunistische Bund (KB), worauf die Darstellung der Hausbesetzer hindeutet, dass sowohl KB als auch die KG Hamburg gemeinsam Ketten vor dem Weg zum ehemals besetzten Haus bildeten.
Aus Leserkreisen erreichte uns folgende namenlose Zuschrift einer Person, die dann aber leider nicht zum anberaumten Treffen erschien, so dass wir auch den Wahrheitsgehalt nicht beurteilen können:
"Ich wundere mich, das in diesem Bericht nichts davon steht, dass die ach so guten Hausbesetzter uns damalige Grundschüler auf dem Schulweg mit Stahlkugeln aus Zwillen beschossen haben? Warum steht da nichts davon, dass die Wichser da gehaust haben wie die Ratten, die Verkäuferinnen vom Bolle-Laden für ein paar Kippen verprügelt wurden, warum lese ich nichts davon, das kleinen Kindern der Roller oder das Fahrrad weggenommen wurde, damit es von ein paar langhaarigen und bärtigen Rockern kaputt gemacht werden konnte. So eine Scheiße kann man nur schreiben, wenn man nicht selber dabei gewesen ist. Ich habe diese Schweine dort jeden Tag erlebt und würde denen heute noch auf die Fresse schlagen, für die Stahlkugeln die mich getroffen haben. Das waren ganz tolle Kerle, die sich da mit Erstklässlern angelegt haben. Also, wenn Du eins von den Arschlöchern warst, die damals dort auf der Haustreppe gesessen haben, dann komm doch mal bei mir vorbei, wir haben da noch eine Rechnung offen." (Email vom 4.1.2010)
Vom weiteren Verlauf der juristischen Verfahren wird in dieser Darstellung vor allem vermittels der Zeitung der KPD/ML auf verschiedene Artikel verwiesen (vgl. 22.9.1973, 6.10.1973, 27.10.1973, 17.11.1973, 29.4.1974, 22.6.1974), war die KPD/ML bzw. ihre RG doch nicht nur an der Besetzung beteiligt, sondern versuchte auch längere Zeit über, mit den eher auf die RAF orientierten örtlichen Roten Hilfen eine gemeinsame Kampffront zu konstruieren, bevor sie sich – oft gezwungenermaßen - aus diesem Spektrum letztendlich in die Rote Hilfe Deutschlands (RHD) verabschiedete, ebenso wie die KPD, die ebenfalls wiederholt über die Folgen der Hausbesetzung berichtet (vgl. 12.12.1973, 5.8.1974, 7.8.1974), damals ja längst ihre eigene Rote Hilfe e.V. hatte und im Spektrum der Guerilla durchaus erfolgreich zu rekrutieren vermochte, wie vor allem an Dieter Kunzelmann und Horst Mahler deutlich wurde.
23.04.1973:
Eine Extra-Ausgabe der 'Stählernen Faust' - Betriebszeitung der KPD/ML-ZK für die Hoesch-Betriebe (vgl. 12.3.1973, Juli 1974) in Dortmund erscheint in dieser Woche:"
STRASSE FREI FÜR DEN ROTEN 1. MAI
Das Kapital, seine Regierung, die Bonzen des DGB, die Verräter in der Führung der D'K'P (DKP,d.Vf.) haben Angst bekommen.
Rote Fahnen weh'n wieder im Land! Rote Fahnen in Frankfurt (in Hessen,d.Vf.) - Kämpfe gegen Mietwucher und Wohnungsnot. Rote Fahnen auf dem Bonner Rathaus (vgl. 10.4.1973,d.Vf.). Rote Fahnen in Düsseldorf. In Hamburg, in Bielefeld wehen die roten Fahnen auf besetzten Häusern."
Quelle: Stählerne Faust Extra,Dortmund 1.5.1973
02.05.1973:
Die SSG Hamburg gibt die Nr.6 ihrer 'Roten Presse' (vgl. 19.4.1973, 28.5.1973) heraus. Aus Hohenfelde wird berichtet über die "Hausbesetzung in der Ekhofstraße 39".
Quelle: Rote Presse Nr.6,Hamburg 2.5.1973,S.14

05.05.1973:
Die KPD/ML-ZK gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr.17 (vgl. 28.4.1973, 12.5.1973) heraus. Aus Hamburg wird berichtet von der Hausbesetzung in der Ekhofstraße in Hohenfelde, an der sich auch die eigene Rote Garde (RG) beteiligt.
Quelle: Roter Morgen Nr.17,Dortmund 5.5.1973,S.1f


23.05.1973:
In Hamburg-Hohenfelde wird das besetzte Haus Ekhofstr.39 das der BEWOBAU gehört, geräumt. Gegen 38 der 70 Besetzer bestehen, laut KPD, Haftbefehle bzw. werden erlassen (vgl. 26.5.1973).
Für die 'WWA' (vgl. 25.6.1973) berichtet "Viete Kampf im Auftrag der Hausbesetzer", dass um 4 Uhr früh 45 MEKler und 60 Polizisten die 70 Besetzer aus dem Haus getrieben hätten, 40 seien ins Untersuchungsgefängnis (UG) gebracht worden, davon 21 später in die Justizvollzugsanstalt (JVA), wo 6 immer noch einsäßen. 18 hätten Haftverschonung erhalten.
Nachmittags hätten 1 000 Leute ein teach in besucht und ein großer Teil von ihnen sei nach Hohenfelde demonstriert, wo die Polizei geknüppelt und 21 Menschen festgenommen habe, von denen nur 2 Demonstranten waren, während die anderen zur Bevölkerung des Viertels gehörten.
Bei der Neue-Heimat (NH) Verwaltung seien als Rache die Scheiben eingeworfen worden.
Q: Wir wollen alles Nr.5,Gaiganz Juni 1973;
Rote Fahne Nr.22,Dortmund 29.5.1973
26.05.1973:
In Hamburg demonstrieren laut KPD etwa 2 000 gegen die Räumung der Ekhofstr.39 (vgl. 23.5.1973) von St. Georg bis in die Nähe des geräumten Hauses. Die KPD rief mit einem 'Rote Fahne Sonderdruck' unter dem Titel "Kampf dem Mietwucher und der Bodenspekulation – Solidarität mit den Hausbesetzern!" auf.
Für die 'WWA' (vgl. 25.6.1973) berichtet "Viete Kampf im Auftrag der Hausbesetzer", dass sich 2 000 an der Demonstration beteiligten. Bei der Schlußkundgebung hätten der KB und die KG Hamburg des späteren KBW Sperrketten vor der Ekhofstr.39 gebildet, um eine spontane Wiederbesetzung zu verhindern.
Ein kleinerer Teil der Demonstranten habe versucht noch zum Untersuchungsgefängnis zu ziehen, sei aber von 400 Polizisten aufgehalten worden, wobei es zu 17 Festnahmen kam. Der Rest der Leute sei dann einzeln zum UG durchgedrungen. Spenden können an Udo Vetter gesandt werden.
Q: Wir wollen alles Nr.5,Gaiganz Juni 1973; Rote Fahne Nr.22,Dortmund 29.5.1973; Rote Fahne Sonderdruck Kampf dem Mietwucher und der Bodenspekulation – Solidarität mit den Hausbesetzern!,Hamburg o. J. (1973)


29.05.1973:
Die SSG Hamburg gibt die Nr.7 ihrer 'Roten Presse' (vgl. 28.5.1973, 25.6.1973) heraus. Der Leitartikel berichtet über die Hausbesetzung in der Ekhofstraße 39 bzw. über den "Belagerungszustand in Hohenfelde". Eingegangen wird auf die Hausbesetzung auch in "Täglich Polizeiterror" und hinsichtlich der eventuellen Belegung der Wohnungen durch das Studentenwerk. Geschildert werden "Schmutzige Geschäfte mit der Wohnungsnot".
Q: Rote Presse Nr.7,Hamburg 29.5.1973,S.1f und 19f




Juni 1973:
Vermutlich erscheint gegen Anfang Juni im Raum Bochum/Dortmund vom Komitee gegen die Demonstrationsverbote herausgegeben, eine Dokumentation zum 18./19. Mai 1973. Im Leitartikel heißt es u.a.:"
Oft setzt der Staat seinen gesamten Machtapparat einschließlich Polizei, Justiz und Presse ein, um die Interessen des Kapitals zu wahren. … Anfang Juni werden nun sogar Redakteure der Hamburger Morgenpost entlassen, weil sie 'vertrauliche Informationen der Polizei-Pressestelle über geplante Aktionen an die Hausbesetzer weitergegeben' haben sollen und ihre Berichterstattung 'nicht objektiv und sogar fahrlässig' gewesen sei, nach Bild 'ziemlich deutliche Sympathien für Politrocker und Chaoten' gezeigt haben soll."
Q: Komitee gegen die Demonstrationsverbote:18./19. Mai 73 Dokumentation,Dortmund o.J. (Juni 1973),S.3
02.06.1973:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr.21 (vgl. 26.5.1973, 9.6.1973) heraus. Aus Hamburg wird berichtet von der Hausbesetzung in der Ekhofstraße in Hohenfelde.
Q: Roter Morgen Nr.21,Dortmund 2.6.1973,S.8

04.06.1973:
Die KPD/ML (vgl. 16.6.1973) bzw. deren Rote Garde (RG) berichtet vermutlich aus dieser Woche von der Hausbesetzung in der Ekhofstr., dass ein Redakteur der 'Morgenpost' wegen Sympathie mit den Besetzern gekündigt worden sei.
Q: Roter Morgen Nr.23,Dortmund 16.6.1973,S.8

25.06.1973:
Die SSG Hamburg gibt die Nr.8 ihrer 'Roten Presse' (vgl. 29.5.1973, 6.11.1973) heraus. Berichtet wird auch über die Entlassungen von Redakteuren der 'Hamburger Morgenpost' wegen der Berichterstattung über die Hausbesetzung in der Ekhofstraße.
Q: Rote Presse Nr.8,Hamburg 25.6.1973,S.6

22.09.1973:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr.37 (vgl. 15.9.1973, 29.9.1973) heraus. Aus Hamburg wird berichtet von der Hausbesetzung in der Ekhofstrasse und dem UG.
Q: Roter Morgen Nr.37,Dortmund 22.9.1973,S.7

06.10.1973:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr.39 (vgl. 29.9.1973, 13.10.1973) heraus. Berichtet wird u.a. über die Hausbesetzung in der Ekhofstrasse.
Q: Roter Morgen Nr.39,Dortmund 6.10.1973,S.8

27.10.1973:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr.42 (vgl. 20.10.1973, 3.11.1973) heraus. Berichtet wird von der Hausbesetzung in der Ekhofstrasse über die Urteile gegen 6 Hausbesetzer, darunter Karl-Heinz Dellwo.
Q: Roter Morgen Nr.42,Dortmund 27.10.1973,S.6

17.11.1973:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr.45 (vgl. 10.11.1973, 24.11.1973) heraus. Aus Hamburg wird u.a. berichtet vom Prozeß wegen der Hausbesetzung in der Ekhofstrasse.
Q: Roter Morgen Nr.45,Dortmund 17.11.1973,S.7

12.12.1973:
Die KPD gibt ihre Rote Fahne Nr.50 (vgl. 5.12.1973, 19.12.1973) heraus. Die Ortsgruppe Hamburg der Roten Hilfe e.V. berichtet vom Prozeß wegen der Hausbesetzung in der Ekhofstr.39, u.a. gegen Karl Heinz Dellwo.
Q: Rote Fahne Nr.50,Dortmund 12.12.1973
29.04.1974:
Die KPD/ML (vgl. 11.5.1974) berichtet vermutlich aus dieser Woche aus Hamburg, vom Erscheinen ihrer 'Kämpfenden Station' (vgl. ***) für die Krankenhäuser. Im Zusammenhang damit wird auch auf die Hausbesetzung in der Ekhofstr.in Hohenfelde eingegangen.
Q: Roter Morgen Nr.19,Dortmund 11.5.1974,S.7

22.06.1974:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' Nr.25 (vgl. 15.6.1974, 29.6.1974) heraus. Aus Hamburg wird u.a. berichtet über die bei der Hausbesetzung in der Ekhofstr. Festgenommenen.
Q: Roter Morgen Nr.25,Dortmund 22.6.1974,S.7

05.08.1974:
In Hamburg werden, laut KPD, vermutlich in dieser Woche Prozesse gegen Hausbesetzer aus der Ekhofstraße geführt, die von dort in das Untersuchungsgefängnis gebracht worden waren. Zum Einsatz kam dabei auch das MEK.
Q: Rote Fahne Nr.33,Dortmund 14.8.1974
07.08.1974:
In der Nr.32 ihrer 'Roten Fahne' (RF - vgl. 31.7.1974, 14.8.1974) berichtet die KPD aus Hamburg vom Polizeiterror in Krankenhäusern (ÖTV-Bereich), u.a. nach der Räumung des besetzten Hauses Ekhofstraße (vgl. 23.5.1973).
Q: Rote Fahne Nr.32,Dortmund 7.8.1974
19.02.1975:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr.7 (vgl. 12.2.1975, 26.2.1975) heraus. Aus Hamburg wird u.a. berichtet aus Hohenfelde.
Q: Rote Fahne Nr.7,Köln 19.2.1975
Letzte Änderungen: 15.1.2011
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