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Jugendarbeitslosigkeit

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, September 2004


Was eigentlich könnte der Jugend besseres gewünscht werden als Arbeitslosigkeit? Wer schon möchte wirklich bereits im zarten Alter einen Arbeitgeber mästen, ihn mit der eigenen Arbeitskraft bereichern ? Wäre da nicht das Geld als zentraler Maßstab des Wertes der Menschen in der modernen Gesellschaft und als Regelungsinstanz für den Zugang zu bzw. den Austausch von Ressourcen, so wäre die Jugendarbeitslosigkeit doch ein wahrer Segen.

Alle, die als langjährige jugendliche Arbeitslose den Besuch höherer Bildungseinrichtungen genossen haben, wissen, worum es sich dreht bei der Freiheit von Arbeit. Alle anderen jugendlichen Arbeitslosen, denen nicht nur ein Eintritt ins Berufsleben sondern auch das entsprechende Geld lange oder gar kontinuierlich verwehrt wurde, kennen die Kehrseite der Medaille.

In der Bundesrepublik Deutschland wurde die Jugendarbeitslosigkeit im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, wie Italien, erst vergleichsweise spät zum alltäglichen Phänomen (vgl. März 1973). Die Jahre 1973 und 1974 waren so in der BRD für den Bereich der Lehrlinge und Jungarbeiter noch weit eher gekennzeichnet vom Kampf gegen die Nichtübernahme von JugendvertreterInnen, die zumeist als gezielte politische Repression erfolgte und nicht etwa aufgrund allgemeiner wirtschaftlicher Notwendigkeiten.

Erst ab Ende 1974 (vgl. Okt. 1974, 7.12.1974, 14.12.1974, 15.12.1974) finden sich, von einzelnen Ausnahmen abgesehen (vgl. 5.1.1974, Mai 1974), in unserer Datenbank die ersten Berichte über Jugendarbeitslosigkeit in der BRD. Umgehend kommt es flächendeckend zu Protesten gegen dieses einmal wahrgenommene Problem (vgl. Jan. 1975, 17.1.1975, 27.1.1975, 1.2.1975) sowie zu zahlreichen Berichten über die Lage in den verschiedenen Orten und Gegenden (vgl. Feb. 1975, 3.2.1975). Schnell übernimmt die DGB-Jugend die Führung des Protests und organisiert bundesweit regionale Demonstrationen (vgl. 19.2.1975, 22.2.1975, 5.3.1975, 8.3.1975, 12.4.1975, 19.4.1975, 10.5.1975, 15.5.1975, 31.5.1975, 7.6.1975, 14.6.1975).

Während diese Aktionen vermutlich nicht unwesentlich von Linksradikalen getragen wurden (vgl. 8.3.1975, 24.5.1975), vermochten diese doch nicht unbedingt durch dieses Thema wirklich an Einfluß auf größere Teile der Jugendlichen zu gewinnen. Die Besucherzahlen einschlägiger Veranstaltungen verbleiben eher im üblichen Rahmen (vgl. 6.3.1975, 11.4.1975, 17.4.1975, 7.6.1975), auch wenn dies dem KB in einigen Teilen Norddeutschlands mit seiner AE (vgl. 22.3.1975), die allerdings wesentlich aus ihm bereits mehr oder minder eng verbundenen Gruppen gebildet wurde, teilweise geglückt zu sein scheint. Die erfolgreiche Propagierung der eigenen politischen Forderungen (vgl. 16.3.1975, 15.5.1975), bedeutet keineswegs immer eine wirkliche Vergrößerung der Anhängerschaft unter den Arbeiterjugendlichen auf Dauer. Dies gilt vermutlich auch für die Jusos der SPD, die immerhin dort, wo sie von den lambertistischen Trotzkisten kontrolliert werden, anläßlich dieser Thematik Aktivitäten jenseits der Theoriebildung entfalten (vgl. 17.3.1975, 19.3.1975) und auch für die SJD - Die Falken (vgl. 22.3.1975), wobei es sich vermutlich ebenfalls vorwiegend um Falkengruppen unter trotzkistischem Einfluß gehandelt hat.

Die deutliche Ausrichtung der linksradikalen Agitation und Propaganda auf Lehrlinge anstatt auf Jungarbeiter, geschweige denn jugendliche Arbeitslose, lässt sich anhand der Bemühungen des KJV der KPD in NRW (vgl. 17.4.1975) ablesen. Zwar wird hier für arbeitslose Jugendliche der gleiche 'Existenzlohn' gefordert wie für die Lehrlinge, die Jugendarbeitslosigkeit aber erscheint weit eher als nur ein neuer Bestandteil innerhalb der eher stereotypen Argumentationsweise für Lehrlingsforderungen. Besonders deutlich wird die Ferne von den jugendlichen Arbeitslosen bei den Frankfurter ML (vgl. 1.5.1975), denen diese nur einen Satz in einer vielseitigen Erklärung wert sind.

Besondere Brisanz entwickelte die Praxis des KBW, seine vergleichsweise zahlreichen Anhänger unter den bewaffneten Formationen, vor allem der Bundeswehr, dazu anzuhalten, in Uniform an den Demonstrationen teilzunehmen (vgl. 2.6.1975, 14.6.1975). Diese in der Datenbank nur wenig dokumentierte Teilnahem führte regelmäßig zu Polizeieinsätzen, erzeugte also einerseits die vom KBW gewünschte Konfrontation der Jugendlichen mit der Staatsgewalt, andererseits kann sie auch als hintergründige Anspielung auf und und Drohung mit - auch bewaffnetem - Protest gegen die letzte deutsche Lösung des Problems der (Jugend-)Arbeitslosigkeit, d.h. Arbeitsdienst, Aufrüstung und Angriffskrieg, verstanden werden.

Versuchen (vgl. 23.6.1975, 4.2.1976, 28.5.1976, 13.12.1976), die Jugendarbeitslosigkeit in den Zusammenhang mit Berufsverboten zu stellen, gemeinsame Aktionen von Jugendlichen, Studierenden und Lehrkräften zu organisieren, dürfte nur eher mäßiger Erfolg beschieden gewesen sein. Dokumentiert wird die Auseinandersetzung des KJV der KPD mit dem KAJB Bremen des KBW (vgl. 20.8.1975), wobei die Linie des KJV, die Jugendarbeitslosigkeit in den Mittelpunkt aller Aktivitäten zu stellen, deutlich wird. Dies steht im Zusammenhang mit den Bemühungen des KJV seine betriebliche Basis zu verbreitern und einschlägige längerfristige Aktionseinheiten (vgl. 6.3.1976) aufzubauen. Auch der RJVD des KABD sieht den Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit, nicht etwa den um den Sozialismus, als Hauptaufgabe an (vgl. Feb. 1977). Fraglich bleibt, welcher von beiden aussichtsreicher zu führen gewesen wäre.

Der Protest gegen die Jugendarbeitslosigkeit erreicht seinen Höhepunkt mit der bundesweiten Demonstration am 8. November 1975. Hierfür mobilisieren sämtliche linken Gruppen, u.a. der KABD (vgl. 27.10.1975) und die DKP (vgl. 3.11.1975). Die KPD organisiert einen oppositionellen Block (vgl. 3.11.1975), wofür ihre Anhänger sowohl in Berlin (vgl. 7.6.1976) als auch in Dortmund (vgl. Feb. 1976) und Mainz (vgl. 19.1.1976) unter Repressionen zu leiden haben.

Im Frühjahr 1976 finden zwar noch eine Reihe weiterer Aktionen statt, wie in der Hamburger Druckindustrie (vgl. 5.3.1976). Es wird aber angesichts dessen, dass das Kapital kaum zur Ausbeutung jugendlicher Arbeitskraft gezwungen werden kann (vgl. März 1977, Okt. 1977), auch bereits bei einigen Gruppen nach selbstorganisierten Alternativen zur Lohnarbeit Ausschau gehalten, wie sie beispielsweise die Frankfurter Arbeiterselbsthilfe (ASH) Bockenheim suchte (vgl. 22.3.1976). Der Bundeskanzler übt sich dagegen in sozialer Demagogie (vgl. 23.3.1976).

Anlaß bietet die Jugendarbeitslosigkeit für die Schaffung neuer weniger qualifizierter Ausbildungsgänge, wie wir anhand von Bayer Leverkusen (vgl. 8.11.1976, Apr. 1977) sowie auch allgemeiner Artikel der KPD (vgl. 6.3.1977) dokumentieren.

Im November und Dezember 1977 finden erneut bundesweit größere Demonstrationen, u.a. des DGB, gegen die Jugendarbeitslosigkeit statt (vgl. 5.11.1977, 19.11.1977, 1.12.1977, 2.12.1977).

Richtig analysiert der RJVD die zerstörerische Wirkung der Jugendarbeitslosigkeit auf die Kampfkraft der Arbeiterjugend (vgl. 7.1.1978). Schon die Lehrlingsbewegung litt sowohl am fehlenden Streikrecht als auch an mangelnder materieller Macht, da im Ausstand zwar auch die Arbeit in der Produktion verweigert werden konnte, aber ansonsten nur die eigene Ausbildung boykottiert wurde, was die aktuellen Profite kaum bedrohte. Mit der Jugendarbeitslosigkeit kam nun bei jeder Protestaktion noch die Angst vor Entlassung hinzu, da nahezu jeder Lehrling und Jungarbeiter leicht ersetzbar geworden war.

Für die linken Gruppen, deren betrieblicher Einfluß - von wenigen Ausnahmen abgesehen - fast ausschließlich auf Lehrlingen beruhte, wurde es nun sehr viel schwerer, ihre Kader in strategisch wichtige Betriebe zu bringen und dort Aktionen anzuzetteln. Während wenige Jahre zuvor noch eine quasi freie Wahl zwischen verschiedenen Großbetrieben bestand, in denen beispielsweise ein Oberschüler als Lehrling anfangen konnte, mussten diese nun froh sein überhaupt in einem halbwegs großen Betrieb arbeiten zu dürfen um die kleinbürgerliche Herkunft in einer revolutionär-proletarischen Perspektive zu vergessen zu suchen. Im Verein mit der allgemeinen Arbeitslosigkeit und den großen Mobilisierungserfolgen der sog. Neuen Sozialen Bewegungen (vor allem der Anti-AKW-Bewegung, aber auch der Frauenbewegung etc.) führte dies zu einer Verringerung betrieblicher Aktivitäten bei vielen Gruppen. (Jugend-)Arbeitslosigkeit wurde wie die Erwerbsarbeit allgemein zu einem Thema unter anderen. Die proletarische Wende der Jugendbewegung aber scheiterte nun oft ganz praktisch bereits an den Möglichkeiten der Beschäftigung im proletarischen Bereich. Für diejenigen Linken allerdings, die weiterhin Betriebsarbeit betrieben, blieb die Jugendarbeitslosigkeit weiterhin Thema (vgl. 25.1.1982), ist sie doch schließlich unverzichtbarer Bestandteil der sozialen Marktwirtschaft und nur um den Preis der Aufhebung der derzeitigen Gesellschaftsordnung zu beenden.


Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

März 1973: 
Für die Marxisten-Leninisten (ML) Dortmund und die ML Castrop/Rauxel
(vgl. 19.3.1973) berichtet F. K. vermutlich aus dem Frühjahr:
JUNGARBEITER IN DER EWG

Die Arbeitslosigkeit und Verelendung jugendlicher Arbeiter hat in der EWG
mittlerweile erschreckende Ausmaße angenommen. 45% aller Arbeitlosen in
der EWG sind Jugendliche unter 24 Jahren. 20% sind unter 20 Jahren und 25%
sind inzwischen 20 und 24 Jahre alt. Dazu kommen noch Wohn- und Schulprobleme.
In Italien sind z. B. 700. 000 Jugendliche arbeitslos und 29% haben keine
abgeschlossene Schulausbildung. Ähnlich stark ist das Problem in Frankreich
und den Niederlanden herangereift. In der BRD ist es noch nicht so stark
ausgeprägt. Hier sind 5% der Jugendlichen arbeitslos. Dazu kommt, daß
jugendliche Hilfsarbeiter weniger Geld als die älteren Kollegen verdienen.
Ebenfalls ist der Lohn für Lehrlinge bei weitem zu niedrig. Das ist der
wirtschaftliche Aufschwung und die Lebensqualität, die die EWG uns
Jungarbeiter und Lehrlinge zu bieten hat."
=Die Rote Front Nr.6,Dortmund/Castrop Rauxel März 1973,S. 7

05.01.1974: 
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr.1 (vgl. 29.12.1973, 12.1.1974)
heraus.
Aus Hamburg-Wilhelmsburg wird berichtet über jugendliche Arbeitslose.
=Roter Morgen Nr.1,Dortmund 5.1.1974

Mai 1974: 
In Regensburg gibt der AB die Nr.7 seiner Stadtzeitung 'Rund um den Dom'
(vgl. Apr. 1974) heraus.
In "Für den jungen Arbeiter" befaßt man sich u.a. mit der
Jugendarbeitslosigkeit in Regensburg und dem Landkreis Kelheim.
=Rund um den Dom Nr.7,Regensburg Mai 1974

Oktober 1974: 
Die Nr.1 des 'Rabatz am Borsigplatz' - Zeitung des Stadtteiljugendkomitees
(SJK) Nord des Kommunistischen Jugendverbandes (KJV) der KPD erscheint in
Dortmund. Artikel der Ausgabe sind u.a. :
- Jugendarbeitslosigkeit in Dortmund,
=Rabatz am Borsigplatz Nr.1,Dortmund Okt. 1974

07.12.1974: 
Der Bezirksvorstand Niedersachsen der DKP führt seine 6. Tagung (vgl.
19.10.1974, 27.6.1975) in Hannover durch, auf der er sich u.a. mit der
Jugendarbeitslosigkeit befaßt.
=DKP Informationen Nr.6,Hannover Dez. 1974

14.12.1974: 
Die SMV der Berufsschulen in NRW führt, laut KPD, in Essen ihren Kongreß
durch, an dem sich ca. 2 500 Berufsschüler beteiligen, darunter die SDAJ der
DKP, die auch die LandesSMV kontrolliert und ca. 40 vom KJV der KPD.
An einer Demonstration nehmen, laut KPD, 500 teil, davon 200 im Block der KPD-
Anhänger.
=Rote Fahne Nr.51/52,Dortmund 18.12.1974;
N.N.:Resolution zum Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit und Verschlechterung
der Ausbildung,Düsseldorf o.J. (1975),S.1

15.12.1974: 
In Kiel gibt die DKP vermutlich in dieser Woche ihren 'Roten Kanal' Nr.15 -
Stadtteilzeitung für Kiel-Mitte (vgl. 18.11.1974, Jan. 1975) heraus.
Zur Roten Armee Fraktion (RAF) heißt es u.a.:"
ANARCHISTEN ALS HELFER VON SCHLEYER, STRAUSS UND CO. ...
Unsere Interessen sind doch heute: ...
- Schaffung von 250 000 qualifizierten Lehrstellen, um die
  Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen.
=Der Rote Kanal Nr.15,Kiel 1974

Januar 1975: 
Ende Januar führt in Darmstadt der Juso-Lehrlingsarbeitskreis, laut
'Sozialistische Arbeiterpolitik', eine Versammlung zur
Jugendarbeitslosigkeit und zur Berufsausbildung durch, die von 40
Personen besucht worden sei. Der Lehrlingsarbeitskreis arbeite an
Berufsschulen, Hauptschulen und allen Realschulen, im Krankenhausbereich
und im DGB KJA.
=Sozialistische Arbeiterpolitik Nr.36,Bochum Feb./März 1975

17.01.1975: 
Laut KB demonstrieren heute in Hamburg über 2 500 Menschen "gegen
Jugendarbeitslosigkeit und Lehrstellenverknappung. Mehr als 70 Gruppen und
Organisationen hatten zu dieser Demonstration aufgerufen bzw. unterstützten
sie." U.a. nehmen auch teil:
- BDJ/RBJ,
- KB,
- KPD.
Ein Sprecher der Hamburger Aktionseinheit (vgl. 6.12.1974, 14.2.1975) fordert
während der Abschlußkundgebung dazu auf, "unmittelbar mit den Vorbereitungen
zum 1.Mai 1975 zu beginn en.
=Arbeiterkampf Nr.55 und 56,Hamburg 28.1.1975 bzw. 18.2.1975,S.1ff bzw. S.17

27.01.1975: 
In Kiel-Dietrichsdorf und Wellingdorf gibt die DKP vermutlich in dieser
Woche ein Extra gegen Jugendarbeitslosigkeit ihres 'Standpunkt' (vgl. Okt.
1974, 3.2.1975) heraus.
=Der Standpunkt Extra,Kiel o.J. (1975)

Februar 1975: 
Die SAG gibt ihren 'Klassenkampf' Nr.44 (vgl. Jan. 1975, März 1975) heraus.
Die eigene Ortsgruppe Frankfurt wirbt für eine Broschüre "Solidarität ist
alles im Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit und Berufsbildungsmisere" zum
Preise von 20 Pfennig.

Aus NRW wird berichtet von der Jugendarbeitslosigkeit u.a. in Duisburg und
Wesel.
Aus Rheinland-Pfalz wird berichtet von der Jugendarbeitslosigkeit in Mainz
(vgl. 1.2.1975).
Aus dem Saarland wird berichtet von der Jugendarbeitslosigkeit in Saarlouis
und Neunkirchen.
=Klassenkampf Nr.44,Frankfurt Feb. 1975

01.02.1975: 
In Mainz soll, laut SAG, Anfang Februar eine Demonstration gegen die
Jugendarbeitslosigkeit stattfinden.
=Klassenkampf Nr.44,Frankfurt Feb. 1975

03.02.1975: 
Die Kommunistische Gruppe Goslar (KGG) - Sympathisantengruppe des AB gibt
ihre allgemeine Betriebszeitung 'Arbeiterzeitung' heraus, in der sie sich
u.a. mit der Jugendarbeitslosigkeit in Goslar befaßt.
=Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.56,München Feb. 1975;
Arbeiterzeitung Nr.12,Goslar 3.2.1975

19.02.1975: 
In Hamburg beteiligen sich, laut 'Sozialistische Arbeiterpolitik', 15 000
an der Demonstration der DGB-Jugend gegen die Jugendarbeitslosigkeit.
Laut SAG beteiligen sich 10 000 an der Demonstration, an der die AE des KB
nicht teilnimmt.

Laut und mit KBW (vgl. 27.2.1975) demonstrieren über 7 000, u.a. von der
SDAJ der DKP, aus der DPG, der GEW, vom VLK Springer sowie den
Jugendvertretungen Beiersdorf, HEW, Spaeter, Strüver, Phoenix, Norddeutsche
Affinerie und Springer.
=Kommunistische Volkszeitung Nr.8,Mannheim 27.2.1975;
Klassenkampf Nr.46,Frankfurt Apr. 1975;
Sozialistische Arbeiterpolitik Nr.39,Bochum Juli/Aug. 1975

22.02.1975: 
In Frankfurt findet, laut 'Sozialistische Arbeiterpolitik', eine
Demonstration von DGB und GEW gegen Jugendarbeitslosigkeit und
Ausbildungsmisere und für Einstellung aller Lehrer mit 6 000 Teilnehmern
statt. Der Block des Frankfurter Stadtschülerrates (SSR), in dem die
lambertistische 'Sozialistische Arbeiterpolitik' nicht ganz ohne Einfluß ist,
habe 400 Personen umfaßt.
Laut KB waren es nur ca. 5 000 Schüler, Studenten, Lehrer und Eltern, die
demonstrierten:"
Die meisten linken Organisationen, darunter auch der KB, hatten auf eigenen
Flugblättern zur Teilnahme an dieser Demonstration mit aufgerufen."

Auch laut KPD beteiligen sich nur ca. 5 000.
Auf einer eigenen Abschlußkundgebung der KPD habe ihr Prof. Schneider vor 500
Leuten eine Rede gehalten.

Laut KBW beteiligen sich 5 000 an der Demonstration gegen die Folgen der
Jugendarbeitslosigkeit, gegen die Zustände im Schulwesen und die
Nichteinstellung von über 600 Lehrern in Hessen.
Aufgerufen hatten GEW, DGB, DGB KJA, SSR, die Asten Uni und FHS sowie u.a.
der KBW. Beteiligt haben sich auch DruPa, Jusos der SPD, DKP und SBü.
=Kommunistische Volkszeitung Nr.8,Mannheim 27.2.1975;
Rote Fahne Nr.8,Dortmund 26.2.1975;
Arbeiterkampf Nr.57,Hamburg 11.3.1975,S.40;
Sozialistische Arbeiterpolitik Nr.37,Bochum Apr. 1975

März 1975: 
Ungefähr im März beteiligen sich in Marburg, laut KBW, ca. 2 000 an einer
Veranstaltung gegen die Jugendarbeitslosigkeit.
=Kommunistische Volkszeitung Nr.23,Mannheim 12.6.1975

05.03.1975: 
In Hannover beteiligen sich, laut 'Sozialistische Arbeiterpolitik',
2 500 an der Demonstration der DGB-Jugend gegen die Jugendarbeitslosigkeit.
=Sozialistische Arbeiterpolitik Nr.39,Bochum Juli/Aug. 1975

06.03.1975: 
In Frankfurt führt der KJV der KPD, laut Spartacusbund (SpB), eine
Veranstaltung zur Jugendarbeitslosigkeit durch, die auch vom SpB besucht
wird.
Die 20 Teilnehmer seien fast alles KJV-Mitglieder gewesen, mit denen man
sachlich diskutierte aber später dann doch keine Aktionseinheit für eine
Demonstration zu Hoechst (CPK-Bereich) erreichte.
=Spartacus Nr.15,Essen 14.4.1975

08.03.1975: 
In Kassel beteiligen sich, laut 'Sozialistische Arbeiterpolitik', 2 000 an
der
Demonstration der DGB-Jugend gegen Jugendarbeitslosigkeit. Laut KPD nimmt
auch ihr KJV teil.
Laut KBW demonstrieren 2 000, u.a. von der Friedrich List Schule (WG, BFS,
Höhere Handelsschule), gegen Jugendarbeitslosigkeit und schlechte
Berufsausbildung, wozu die DGB Jugend Hessen mit Unterstützung des
Stadtschülerrates (SSR) aufgerufen hatte. Ein Drittel des Zuges habe sich
unter den Transparenten mit den Losungen versammelt, die die KBW OAG
vorgeschlagen hatte.
=Kommunistische Volkszeitung Nr.10,Mannheim 13.3.1975;
Rote Fahne Nr.10,Dortmund 12.3.1975;
Sozialistische Arbeiterpolitik Nr.37,Bochum Apr. 1975

16.03.1975: 
Die KPD (vgl. 19.3.1975) berichtet mit Hilfe der:"
KORRESPONDENZ EINES KOMMUNISTISCHEN GEWERKSCHAFTSDELEGIERTEN

Am 16.3. fand in Bielefeld die jährliche Kreisjugendkonferenz des DGB statt.
Eingeladen waren ca. 50 Delegierte aus Ostwestfalen-Lippe. Außer den üblichen
Wahlen zum Kreisjugendausschuß war eine große Anzahl Anträge auf der
Tagesordnung. ...
Eine Reihe guter Anträge mit vielen Forderungen des
KJV wurden mit Mehrheit angenommen. Zum Beispiel ein Antrag zur Bekämpfung
der Jugendarbeitslosigkeit oder gegen den Stufenplan, um nur zwei wichtige zu
nennen. ..."
=Rote Fahne Nr.11,Köln 19.3.1975,S.4

17.03.1975: 
In Frankfurt führen die Jusos der SPD, laut Spartacusbund (SpB), eine
Veranstaltung zur Jugendarbeitslosigkeit durch, an der auch die eigene
Ortsgruppe Frankfurt teilnimmt.
=Spartacus Nr.15,Essen 14.4.1975

19.03.1975: 
In Bochum führt die Juso-AG Stiepel, laut 'Sozialistische Arbeiterpolitik',
eine Veranstaltung zur Jugendarbeitslosigkeit und zur Berufsausbildung durch.
=Sozialistische Arbeiterpolitik Nr.38,Bochum Mai/Juni 1975

22.03.1975: 
Der KB berichtet, daß heute ca. 800 Jugendliche "in Kiel gegen
Jugendarbeitslosigkeit, Lehrstellenverknappung, Stufenausbildung und
politische Entrechtung" demonstrierten. Die Demonstration wurde getragen "von
einer schleswigholsteinischen Aktionseinheit, zu der sich fortschrittliche
Jugendorganisationen des Landes auf Initiative der Jugendvertretung der
HDW-Kiel zusammengeschlossen hatten".
U.a. beteiligten sich:
- Jugendvertretung (JV)der HDW-Kiel,
- Jugendvertrauensleutekörper (JVLK) der HDW,
- KB Gruppe Kiel,
- SV der Berufsschule G 1,
- Initiativgruppe Uni Kiel,
- HBV-Jugendgruppe,
- Jugendzentrum (JZ) Lübeck,
- KB/Gruppe Lübeck,
- Stadtjugendring (SJR) Neumünster,
- SV der Holstenschule,
- Schulsprecher und Schülerparlament der gewerblichen Berufsschule Flensburg,
- Komitee von Schülern und SV Vertretern der kaufmännischen Berufsschule,
- JV Danfoss,
- JV Severin und Schmidt,
- JV Fahrzeugwerke Nord,
- Vollversammlung der Jugendzentren Flensburg,
- KB Gruppe Flensburg,
- Arbeiterfilmclub e. V.,
- Komitee von Schülern der Realschule West,
- Schülerkomitee und stellv. Schulsprecher der Goethe Schule,
- SV der Auguste-Victoria-Schule,
- Jugendzentrumsinitiative Tarup,
- Ortskomitee der Aktionseinheit in Schafflund,
- SV Schulsprecher und Schülerkomitee von Duborg Scholen,
- SV der Schule Adelby,
- Landjugendgruppe Wanderup,
- JZ Initiative Langballig,
- Sympathisantengruppe des KB Kappeln,
- Initiativgruppe Gymnasium,
- Initiativgruppe Realschule,
- Sympathisanten des KB Plön,
- JZ Plön,
- Initiativgruppe Segeberg, Rendsburg, Eckernförde,
- IGM Jugendgrupe Eutin-Malente,
- KB Gruppe Eutin,
- KB Gruppe Mölln,
- Jugendzeitungskollektiv Mölln.
An der Demonstration nahmen auch Vertreter der Hamburger Aktionseinheit teil.

Laut und mit KPD demonstrieren über 100 der insgesamt rund 500 Teilnehmer im
revolutionären Block.
Der KB habe beim Aufruf die Jugendvertretung HDW (IGM-Bereich) und
Jugendgruppen ('Aktionseinheit' vorgeschoben.
=Rote Fahne Nr.12,Köln 26.3.1975;
Arbeiterkampf Nr.58/59,Hamburg 2.4.1975,S.46

22.03.1975: 
In Hamm demonstrieren, laut der Ortsaufbaugruppe des KBW (vgl. 3.4.1975),
200 gegen die Jugendarbeitslosigkeit, wozu die SJD Die Falken der SPD
aufgerufen hatten. Der KBW habe sich als einzige politische Gruppe beteiligt.
=Kommunistische Volkszeitung Nr.13,Mannheim 3.4.1975

11.04.1975: 
In Mannheim führt der KBW eine Wahlveranstaltung gegen die
Jugendarbeitslosigkeit mit, nach eigenen Angaben, 250 Teilnehmern durch.
=Kommunistische Volkszeitung Nr.15,Mannheim 17.4.1975

12.04.1975: 
In Stuttgart beteiligen sich, laut KPD, über 10 000 an der Demonstration
des DGB Landesbezirks gegen die Jugendarbeitslosigkeit.
Der KBW habe nur aufgerufen und sich dabei nicht mit dem DGB
auseinandergesetzt.
Laut 'Sozialistische Arbeiterpolitik' beteiligen sich 13 000.

Laut KBW beteiligen sich weit über 10 000 Personen an der Demonstration.
Aus Rastatt seien 150 gekommen, aus Müllheim 200 und aus Freiburg 300.
=Kommunistische Volkszeitung Nr.15,Mannheim 17.4.1975;
Sozialistische Arbeiterpolitik Nr.39,Bochum Juli/Aug. 1975;
Rote Fahne Nr.15,Dortmund 16.4.1975

12.04.1975: 
Der DGB KJA Darmstadt will heute, laut KBW (vgl. 26.3.1975), mit einer
Aktionswoche gegen die Jugendarbeitslosigkeit beginnen, die am 19.4.1975 mit
einer für Südhessen zentralen Demonstration in Frankfurt enden soll.
=Kommunistische Volkszeitung Nr.12,Mannheim 26.3.1975

14.04.1975: 
Die DKP Hochschulgruppe Dortmund gibt vermutlich in dieser Woche ihre
Hochschulzeitung 'HZ' (vgl. 3.3.1975, Mai 1975) mit einem Aufruf zur
Demonstration gegen Jugendarbeitslosigkeit (vgl. 19.4.1975) heraus.
=HZ,Dortmund o.J. (1975)

16.04.1975: 
In Hamburg beteiligen sich, laut 'Sozialistische Arbeiterpolitik',
4 000 an einer Demonstration gegen die Jugendarbeitslosigkeit.
=Sozialistische Arbeiterpolitik Nr.39,Bochum Juli/Aug. 1975

17.04.1975: 
Vom heutigen NRW-weiten Treffen von dem KJV der KPD Nahestehenden lag uns
das folgende Dokument vor, welches als Flugblatt mit zwei Seiten DIN A 4
unter Verantwortung von Stefan Körber, Düsseldorf, Aachenerstr.123
veröffentlicht wurde:"
RESOLUTION ZUM KAMPF GEGEN JUGENDARBEITSLOSIGKEIT UND VERSCHLECHTERUNG DER
AUSBILDUNG

Ende letzten Jahres (vgl. 14.12.1974,d.Vf.) führte die Landes-SMV der
Berufsbildenden Schulen in Essen einen Kongreß zur Berufsausbildung durch -
in einer Situation also, in der sich bereits deutlich abzeichnete, was heute
Wirklichkeit ist: 2 Millionen Arbeitslose und Kurzarbeeiter, 47 000 fehlende
Lehrstellen in NRW. Angesichts dieser Entwicklung konnte die LSMV mit ihrem
Gerede von 'Willkürmaßnahmen' der Kapitalisten und ihrer Forderung nach 'mehr
Mitbestimmung' und einem 'demokratischen Berufsausbildungsgesetz' keine
Mehrheit bei den anwesenden 2 000 Jugendlichen finden. Stattdessen fanden
folgende Forderungen großen Beifall:

- GESETZLICHE GARANTIE EINER LEHRSTELLE FÜR JEDEN JUGENDLICHEN!

- DREI JAHRE LEHRZEIT FÜR ALLE!

- WEG MIT DER KAPITALISTISCHEN STUFENAUSBILDUNG!

Die geplante Berufsausbildungsreform bringt uns keine Verbesserung, sondern
verschlechtert unsere Lage, denn Herzstück dieser Reform ist die weitere
Durchsetzung der Stufenausbildung, die dazu führt, daß die meisten Lehrlinge
nur noch eine zweijährige Ausbildung erhalten und später entsprechend
schlechter bezahlt werden. daran ändert auch die Mitbestimmung nichts. Das
beweist der Mitbestimmungsbetrieb Krupp, der überhaupt als erster die
Stufenausbildung erprobte und einführte.

Gegen die besondere Ausbeutung der Lehrlinge im Handwerk und gegen die
Trennung von Theorie und Praxis fordern wir:

- EINRICHTUNG VON ÜBERBETRIEBLICHEN WERKSTÄTTEN IM HANDWERK!

- EINFÜHRUNG EINES ZWEITEN BERUFSSCHULTAGES! KEIN BLOCKUNTERRICHT!

Damit jeder Jugendliche unabhängig vom Einkommen der Eltern eine Lehre machen
kann, fordern wir:

- EXISTENZLOHN FÜR ALLE LEHRLINGE, HEUTE 600 DM!

Heute steht ein Jugendlicher, der nach der Schule keine Arbeit findet, ohne
einen Pfennig da und die Eltern müssen weiterhin für seinen Unterhalt
aufkommen. Deswegen:

- ARBEITSLOSENGELD FÜR JUGENDLICHE IN HÖHE DES EXISTENZLOHNS!

Damit die Lehrlinge erstens ihre eigenen Interessen durchsetzen und zweitens
nicht gegen ältere Kollegen als Streikbrecher mißbraucht werden können,
fordern wir:

- STREIKRECHT FÜR LEHRLINGE!

Seit dem SMV-Kongreß ist noch deutlicher geworden, daß weder die LSMV etwas
unternimmt, um unseren Kampf zu organisieren, noch die SPD-Regierung
Maßnahmen in unserem Interesse ergreift. Denn die 'Sondermaßnahmen' wie die
Ausweitung des Berufsgrundschuljahres (BGJ,d.Vf.) oder die Einführung des
'Berufsfindungsjahres' nützen nur den Kapitalisten, die dafür Millionen von
Steuergeldern kassieren, während die Jugendlichen mit stumpfsinnigen Arbeiten
beschäftigt werden und am Ende nichts gelernt haben und auch keine Lehre
machen können.

- WEG MIT DEM BERUFSGRUNDSCHUL- UND VORBEREITUNGSJAHR (BVJ,d.Vf.)!
UMWANDLUNG DIESER 'AUSBILDUNGSPLÄTZE' IN LEHRSTELLEN!

Wenn wir unsere Forderungen durchsetzen wollen, müssen sich Jugendliche und
Erwachsene, Lehrlinge, Jungarbeiter und Arbeitslose zusammenschließen, sich
in SMV-Arbeitskreisen, gewerkschaftlichen Jugendgruppen und
Arbeitslosenkomitees (ALK,d.Vf.) organisieren und ihren Kampf in die eigenen
Hände nehmen. Wir müssen gemeinsam darauf hinarbeiten, daß wir die Ursache
des Übels, das kapitalistische System, beseitigen und für eine
Gesellschaftsordnung eintreten, in der es Ausbildung und Arbeit für jeden
gibt, in der die Arbeiter und Werktätigen die Ausbildung und Produktion nach
ihren Interessen bestimmen.

Uwe Basan, Jugendvertreter bei der Bundespost (DPG-Bereich,d.Vf.),
Fernmeldeamt 2 Bielefeld

Heidrun Brechmann, OJA- und KJA-Mitglied der IGM, Bielefeld

Dietmar Felchner, Jugendvertreter bei Demag AG, Düsseldorf

Mathias Gläsker, Jugendvertreter bei Miele, Bielefeld

Wilhelm Gunkel, Jugendvertreter bei T+N, Bielefeld

Gisbert Hadamitzky, Jugendvertreter an den Uni-Kliniken (UK, ÖTV-Bereich,d.
Vf.), Düsseldorf

Paul-Gerhard Hoff, Jugendvertreter bei Anker, OJA-Mitglied (IGM), Bielefeld

Stefan Körber, Jugendvertreter bei Demag AG, Düsseldorf

Rolf Kühn, Jugendvertretungsvorsitzender bei Ford-Schneider, Duisburg

Wolfgang Nettelstroth, OJA-Mitglied (IGM), Bielefeld

Holger Lüdke, Jugendleiter BSE, DGB-KJA, Herne

Uwe Pflugradt, Jugendvertreter Mannesmannröhren-Werk (MMRW,d.Vf.),
Düsseldorf-Lierenfeld

Egon Redereit, Betriebsrat, Armstrong Münster, IG Chemie (CPK,d.Vf.)

Hans Reichardt, Jugendvertreter bei der Bundespost, Fernmeldeamt 2 und OJA-
Mitglied (Postgewerkschaft), Bielefeld

Eva Sander, Jugendvertreterin Uni-Kliniken, Düsseldorf

Albert Striewe, Jugendvertreter bei Demag AG, Düsseldorf

Waldemar Uhlke, Jugendvertreter bei MRW-Lierenfeld, Düsseldorf

SMV der gewerblichen Berufsschuln Bielefel (mit 31 zu 5 Stimmen, bei 27
Enthaltungen)"

Es folgt ein Unterschriftenkoupon sowie in einem Kasten der folgende:"
AUFRUF

Am 17.4. trafen sich Kollegen aus einer Reihe von Städten in NRW. Sie
verabschiedeten oben genannte Resolution und beschlossen:

1. Alle Kollegen aufzurufen, bei der Demonstration des DGB'S am 19.4. in
Dortmund für die in der Resolution  genannten Forderungen zu demonstrieren.

2. Diese Forderungen auch am 1.Mai, dem internationalen Kampftag der
Arbeiterklasse massiv zu unterstützen.

3. Ein Tribunal gegen Jugendarbeitslosigkeit und Verschlechterung der
Berufsausbildung zu organisieren, bei dem die Arbeiterklasse und -jugend
nicht nur Zuhörer ist, sondern von ihren Kämpfen berichtet und die weiteren
Kampfschritte bespricht.

Wir fordern alle Kollegen auf, diese Resolution zu zu unterstützen und sich
auf dieser Grundlage aktiv an der Durchführung und Vorbereitung des Tribunals
zu beteiligen.

Kontaktadresse: Stefan Körber, 4 Düsseldorf, Aachenerstr.123

Sprechstunde jeden Mittwoch 17 - 21 Uhr, Telefon ...
gez. St. Körber, R. Kühn, H. Lüdke, G. Hadamitzky, W. Uhlke"
=N.N.:Resolution zum Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit und Verschlechterung
der Ausbildung,Düsseldorf o.J. (1975)

17.04.1975: 
In Bochum besuchen, laut der Ortsleitung (OL) des Kommunistischen Kollektivs
(KK) des KBW (vgl. 24.4.1975), heute 140 Personen, darunter 5 KPDler, die
Veranstaltung des KK zum Thema "Die Zukunft der Arbeiterjugend liegt im Kampf
für den Sozialismus" bzw. zur Jugendarbeitslosigkeit.
=Kommunistische Volkszeitung Nr.16,Mannheim 24.4.1975

18.04.1975: 
In Singen will die Rote Garde (RG) der KPD/ML eine Veranstaltung zur
Jugendarbeitslosigkeit durchführen.
=Roter Morgen Nr.15,Dortmund 12.4.1975

18.04.1975: 
In Wetzlar will der Spartacusbund (SpB) eine Veranstaltung zur
Jugendarbeitslosigkeit im Jugendzentrum (JZ) Niedergirmes durchführen.
=Spartacus Nr.15,Essen 14.4.1975

19.04.1975: 
In Frankfurt demonstrieren, laut KB, ca. 5 000 Jugendliche ab Opernplatz
gegen Jugendarbeitslosigkeit und Lehrstellenverknappung (vgl. 22.2.1975).
U.a. rufen auch der KB und der SpB, der ebenfalls 5 000 meldet, auf.
Der SpB mobilisierte auch noch zu einer Veranstaltung gegen die
Arbeitslosigkeit in der Sozialstation am Römerplatz in Bockenheim.
Laut 'Sozialistische Arbeiterpolitik' sind es 7 000 Demonstranten.
Laut KPD sind es gar 15 000 Demonstranten, darunter auch der eigene KJV.

Der KBW berichtet u.a. von der Vorbereitung der für Südhessen zentralen
Demonstration in Darmstadt (vgl. 12.4.1975).
Laut KBW befinden sich unter den ca. 8 000 Teilnehmern auch 300 aus Darmstadt
u.a. von der Berufsschule Erasmus Kitteler, der Jugendvertretung der TH (ÖTV-
Bereich) und dem DGB KV. Im Demonstrationszug hätten die Forderungen, die
auch der KBW propagiert, überwogen.
Das SRK Wiesbaden beteiligt sich u.a. mit Soldaten in Uniform. Deren Zahl
wird zunächst mit 6 bzw. 7, später dann mit 5 angegeben.

Im Anschluß an die DGB-Demonstration führt, laut und mit SAG, die Initiative
gegen Jugendarbeitslosigkeit noch eine Demonstration zu Mouson Lavendel mit
350 Leuten durch. Laut und mit SpB waren es nur 300.
=Klassenkampf Nr.48,Frankfurt 17.6.1975;
Kommunistische Volkszeitung Nr.12, 16 und 17,Mannheim 26.3.1975, 24.4.1975
bzw. 30.4.1975;
Sozialistische Arbeiterpolitik Nr.38 und 39,Bochum Mai/Juni 1975 bzw. Juli/
Aug. 1975;
Spartacus Nr.15 und 17,Essen 14.4.1975 bzw. 28.5.1975;
Rote Fahne Nr.16,Dortmund 23.4.1975;
Arbeiterkampf Nr.60,Hamburg 29.4.1975,S.35

19.04.1975: 
In Dortmund findet, laut 'Sozialistische Arbeiterpolitik', die für den Raum
Rhein/Ruhr zentrale Kundgebung der DGB-Jugend in der Kampagne gegen die
Jugendarbeitslosigkeit, mit 25 000 Teilnehmern statt.
Laut AB beteiligen sich 20 000.

Aufgerufen wird auch durch die DKP, sie berichtet u.a.:"
Am 19.4.1975 folgten allein in Dortmund 25 000 Jugendliche (darunter ca. 3
000 Studenten) aus NRW dem Aufruf der DGB-Jugend 'für mehr Ausbildungsplätze
und eine demokratische Berufsbildungsreform jetzt' aktiv zu werden."

Laut KPD beteiligen sich im Block ihres KJV 100 Personen, die u.a. tätig sind
im DPG OJA Bielefeld, in der Jugendvertretung (JV) des Fernmeldeamtes 2 (FMA
- DPG-Bereich) Bielefeld, in IGM OJA und KJA Bielefeld, in den JV Anker,
Miele und Telefonbau und Normalzeit (T+N) Bielefeld (alle IGM-Bereich), an
der Gewerblichen Berufsschule (GBS) Bielefeld, in den JV Demag und Mannesmann
(MM) Lierenfeld Düsseldorf (beide IGM-Bereich), der JV Uniklinik Düsseldorf
(ÖTV-Bereich), der JV Ford Schneider Duisburg (IGM-Bereich), in einer JV des
BSE-Bereiches und im DGB KJA Herne sowie bei Armstrong Münster (CPK-Bereich).
Aufgerufen wurde auch durch die später als Zentrale Initiative von
Jugendvertretern, Lehrlingen und Arbeitslosen auftretende, dem KJV der KPD
nahestehende Gruppierung.

Der KBW (vgl. 24.4.1975) berichtet von 18 000 Demonstranten, hauptsächlich
von SPD und DKP. Die SJD Die Falken der SPD allerdings seien
klassenkämpferisch gewesen.
=Kommunistische Volkszeitung Nr.16,Mannheim 24.4.1975;
Rote Fahne Nr.19,Dortmund 14.5.1975;
HZ zwei Ausgaben,Dortmund o.J. (1975);
Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.60,München 4.5.1975;
Sozialistische Arbeiterpolitik Nr.37,38 und 39,Bochum Apr. 1975, Mai/Juni
1975 bzw. Juli/Aug. 1975;
N.N.:Resolution zum Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit und Verschlechterung
der Ausbildung,Düsseldorf o.J. (1975)

Mai 1975: 
Die DKP Hochschulgruppe Dortmund gibt vermutlich im Mai ihre
Hochschulzeitung 'HZ' (vgl. 14.4.1975, März 1976) heraus.

Eingegangen wird auch auf die Dortmunder landesweite Demonstration gegen
Jugendarbeitslosigkeit (vgl. 19.4.1975), die als Ausdruck einer wachsenden
Mobilisierung gewertet wird:"
'Wir sitzen alle in einem Boot - wir wollen Euch ja helfen, können aber wegen
fehlender Mittel nicht', so lauten die Beschwichtigungsparolen der
Herrschenden - doch sie fruchten immer weniger, sie sind leicht als Lägen zu
durchschauen.

In einer solchen Situation müssen Angst- und Panikmache her: Das Volk muß
ruhig bleiben - man muß ihm Angst eintrichtern, eine 'schlimme' Zukunft
prophezeien. Da halten ein paar anarchistische Provokateure her (gemeint sind
die Baader-Meinhof-Leute) (RAF,d.Vf.), um alles was sich regt, um
berechtigten Forderungen nach mehr Demokratie, nach einer gesicherten
Zukunft, nach Frieden und sozialer Sicherheit durch Demonstrationen Nachdruck
zu verleihen, als 'kriminell' und 'hitzköpfig' zu diffamieren. 'der Staat ist
in Gefahr - alle Demokraten müssen jetzt zusammenstehen'. Altbekannte 'law
and order'-Parolen sollen die berechtigten Forderungen nach mehr Demokratie
und sozialer Sicherheit zudecken. Berufsverbot (BV,d.Vf.), Angstmache vor dem
'Gewerkschaftsstaat', schrittweiser, vielschichtiger Abbau demokratischer
Rechte auf allen Ebenen, um für seine sozialen und materiellen Interessen
nicht mehr aktiv tätig werden zu können, das ist heute die harte Realität
unserer ach so sozialen Gesellschaft, über die man lieber schweigt und
stattdessen wochenlang über jeden Furz von Baader-Meinhof poltert."
=HZ,Dortmund o.J. (1975)

01.05.1975: 
Die Frankfurter Marxisten-Leninisten (FML - vgl. 20.4.1975) riefen,
unterstützt u.a. von den ML Aachen und den ML Bochum, zum 1.Mai auf:"
FÜR EINEN REVOLUTIONÄREN, PATRIOTISCHEN UND INTERNATIONALISTISCHEN 1.MAI ...
Gegen die Jugendarbeitslosigkeit gibt es einen wachsenden Widerstand. ..."
=Frankfurter Marxisten-Leninisten:Marxisten-Leninisten zum 1. und 8.Mai 1975,
Bochum 1975

10.05.1975: 
In Nürnberg beteiligen sich, laut 'Sozialistische Arbeiterpolitik', 4 000
an der Demonstration der DGB-Jugend gegen die Jugendarbeitslosigkeit.
Dieselbe Zahl verbeitet auch der AB.

Laut und mit KBW (vgl. 15.5.1975) folgen über 2 000 dem Aufruf des DGB KJA
gegen Jugendarbeitslosigkeit und für eine bessere Berufsausbildung.
=Sozialistische Arbeiterpolitik Nr.39,Bochum Juli/Aug. 1975;
Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.61,München 18.5.1975;
Kommunistische Volkszeitung Nr.19,Mannheim 15.5.1975

15.05.1975: 
In Bremen beteiligen sich, laut 'Sozialistische Arbeiterpolitik', 5 000
an der Demonstration der DGB-Jugend gegen die Jugendarbeitslosigkeit.

Laut und mit KBW demonstrieren 3 000, u.a. Lehrlinge von AG Weser, BWM und
Post.

Die Forderungen des KAJB und KBW wurden, laut KBW, auch übernommen von den
Schülerringen (Schülervertretung - SV) Maschinenbau und Elektrotechnik des
Berufsschulzentrums, der NGG-Jugend, der HBV-Jugend, dem DPG-OJA, der
Gesamtschülervertretung (GSV) Bremen, der GEW BG an der Allgemeinen
Berufsschule, der VV der Berufsschullehrerstudenten der Uni, der ÖTV-Jugend
am Zentralkrankenhaus St. Jürgen und der SV der Berufsschule Elektrotechnik.
=Kommunistische Volkszeitung Nr.20,Mannheim 22.5.1975;
Sozialistische Arbeiterpolitik Nr.39,Bochum Juli/Aug. 1975

24.05.1975: 
In Emden beteiligen sich, laut und mit KBW (vgl. 29.5.1975), nur ca. 80
Menschen an der für Ostfriesland zentralen DGB-Demonstration gegen
Jugendarbeitslosigkeit und für bessere Berufsausbildung, die nur von der DGB
Jugend Leer aktiv vorbereitet worden sei.

Das Megaphon für die Kundgebung habe sich der DGB bei der Kommunistischen
Gruppe (KG) Norden des KBW ausgeliehen.
=Kommunistische Volkszeitung Nr.21,Mannheim 29.5.1975

26.05.1975: 
Der KBW (vgl. 5.6.1975) berichtet vermutlich aus dieser Woche, daß seine
Ortsaufbaugruppe Kiel und die Sympathisantengruppen in Schleswig-Holstein mit
einem zentralen Flugblatt zur landesweiten Demonstration gegen
Jugendarbeitslosigkeit am 31.5. in Neumünster aufrufen.
=Kommunistische Volkszeitung Nr.22,Mannheim 5.6.1975

31.05.1975: 
In Neumünster findet eine landesweite DGB-Demonstration gegen
Jugendarbeitslosigkeit und für bessere Berufsausbildung statt.
Laut DKP beteiligen sich über 3 000 Personen, u.a. auch Maoisten und
Trotzkisten.

Der KBW rief landesweit auf (vgl. 25.6.1975). Seine Ortsaufbaugruppe Kiel
zählte ca. 3 000 Teilnehmer, u.a. vom DGB KJA Neumünster und dem IGM OJA
Lübeck.
=Kommunistische Volkszeitung Nr.22,Mannheim 5.6.1975;
DKP Schleswig-Holstein:Metallbetriebszeitungen,Kiel Juni 1975;
Die rote Information,Eckernförde Juni 1975,S.2

02.06.1975: 
Der KBW (vgl. 12.6.1975) berichtet vermutlich aus dieser Woche, daß sein
Soldaten- und Reservistenkomitee (SRK) Hannover dazu aufruft, sich in Uniform
an der landesweiten DGB-Demonstration gegen Jugendarbeitslosigkeit (vgl.
14.6.1975) zu beteiligen.
=Kommunistische Volkszeitung Nr.23,Mannheim 12.6.1975

05.06.1975: 
Der KBW (vgl. 12.6.1975) berichtet aus Hannover von einer Veranstaltung des
DGB KJA zur Vorbereitung der landesweiten Demonstration gegen
Jugendarbeitslosigkeit (vgl. 14.6.1975), auf der von den ca. 140 Teilnehmern
gegen 27 Enthaltungen von DKP und KJA-Mitgliedern die Resolution (vgl.
26.5.1975) des Schülerrates (SR) der Berufsschule V (Metall) mit der
KBW-Forderung nach Einheitsschule übernommen wird.
=Kommunistische Volkszeitung Nr.23,Mannheim 12.6.1975

06.06.1975: 
Im DGB-Haus Goslar besuchen, laut und mit KBW (vgl. 12.6.1975), ca. 60
Personen eine Veranstaltung "Jugendarbeitslosigkeit - Lehrstellenabbau" des DGB
KJA zur Vorbereitung der landesweiten Demonstration (vgl. 14.6.1975).
=Kommunistische Volkszeitung Nr.23,Mannheim 12.6.1975

07.06.1975: 
In München beteiligen sich, laut 'Sozialistische Arbeiterpolitik' 12 000 an
einer landesweiten Demonstration der DGB-Jugend und der Studenten.
Laut und mit AB beteiligen sich ca. 5 000 an der Demonstration gegen die
Jugendarbeitslosigkeit, u.a. auch die Christliche Arbeiterjugend (CAJ).

Die KPD bildet einen revolutionären Block.

Die Ortsaufbaugruppe (OAG) München des KBW (vgl. 12.6.1975) berichtet, daß sich
ca. 5 000 an der DGB-Demonstration gegen Jugendarbeitslosigkeit und für bessere
Berufsausbildung beteiligen. Die fast ausschließlich von der DKP und ihrem MSB
gestellten Ordner hätten das KPD-Transparant "Weg mit den
Unvereinbarkeitsbeschlüssen" (UVB) zerrissen. Die KPD habe in ihrem
revolutionären Block zwar Studenten aus verschiedenen bayrischen Städten
versammelt, aber nicht die Arbeiterjugend.
=Rote Fahne Nr.23,Köln 11.6.1975;
Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.63,München 15.6.1975;
Kommunistische Volkszeitung Nr.23,Mannheim 12.6.1975;
Sozialistische Arbeiterpolitik Nr.39,Bochum Juli/Aug. 1975

07.06.1975: 
In München beteiligen sich, nach eigenen Angaben, 150 Jugendliche an dem
Fest der Kämpfenden Jugend (KJ) des AB gegen die Jugendarbeitslosigkeit.
=Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.63,München 15.6.1975

07.06.1975: 
In Marburg beteiligen sich, laut und mit KBW (vgl. 12.6.1975), ca. 800 an der
Demonstration des DGB Mittelhessen gegen die Jugendarbeitslosigkeit.
=Kommunistische Volkszeitung Nr.23,Mannheim 12.6.1975

14.06.1975: 
DGB-Demonstration gegen Jugendarbeitslosigkeit in Hannover mit, laut KB, ca.
12 000 Teilnehmern. Die Demonstration war "insgesamt recht stark von den Linken
geprägt. Der KBW, der besonders durch seine Ortsgruppen aus Bremen, Göttingen
und Hannover zahlreich vertreten war, konnte durch geschlossenes Auftreten
seine Parolen in größere Teile der Demonstration hineintragen".

Aufgerufen wurde auch durch die KG Goslar des AB (vgl. Juni 1975).

Laut AB (vgl. 29.6.1975, 13.7.1975) beteiligen sich in zwei Blöcken 80 Soldaten
in Uniform, darunter einer aus Goslar. Aufgerufen dazu wurde u.a. vom SRK
Hannover des KBW (vgl. 2.6.1975).

Der KJVD der KPD bildet, laut KPD (vgl. 25.6.1975), einen revolutionären Block
mit ca. 100 Personen. Der KBW dagegen habe sich seine Transparente vom DGB
genehmigen lassen.

Der KBW (vgl. 12.6.1975) berichtet von der Vorbereitung in Hannover (vgl.
5.6.1975), u.a. vom SRK (vgl. 2.6.1975), und in Goslar (vgl. 5.6.1975).
=Kommunistische Volkszeitung Nr.23,Mannheim 12.6.1975;
Rote Fahne Nr.25,Köln 25.6.1975;
Arbeiterkampf Nr.63,Hamburg 1.7.1975,S.34;
Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.64 und 65,München 29.6.1975 bzw. 13.7.1975;
Arbeiterzeitung Nr.13,Goslar Juni 1975

14.06.1975: 
Vom DGB KV Goslar/Bad Gandersheim fahren heute, laut AB, 100 zur
Demonstration gegen Jugendarbeitslosigkeit nach Hannover, u.a. auch ein
Soldat in Uniform.
Da KBW-Mitglieder nicht auf Gewerkschaftskosten mitfahren dürfen müssen 3 als
KBWler bekannte Personen wieder aus den Bussen aussteigen.
=Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.64,München 29.6.1975

23.06.1975: 
Der KJVD und das KPD-Büro Bielefeld geben vermutlich Anfang dieser Woche
das folgende Flugblatt von zwei Seiten DIN A4 unter Verantwortung von C.
Göldenboog, Dortmund, heraus:"
Kolleginnen und Kollegen!

Jeden Tag hören wir von neuen Entlassungen, Stillegungen, Streichung von
Lehrstellen und Schulstunden, Nichteinstellung von Lehrern, Entfernung von
fortschrittlichen und kommunistischen Lehrern aus den Schulen (BV,d.Vf.) und
sogar Rausschmiß (UVB,d.Vf.) von fortschrittlichen und kommunistischen
Kollegen aus der Gewerkschaft (so im Augenblick Norbert Zöller von Anker aus
der IG Metall (IGM,d.Vf.)). Gerade in der letzten Zeit hat sich die Lage der
Arbeiterjugend ungeheuer verschlechtert und ihre politische Unterdrückung in
Betrieb und Schule sehr verschärft. Deshalb begrüßen wir den Beschluß der SMV
zur Vollversammlung und zur Durchführung einer Demonstration. Uneingeschränkt
unterstützen wir die Forderungen und werden jeden Kampf für deren Durchsetzung
unterstützen. Wir müssen den Kapitalisten und Gewerkschaftsbonzen jetzt und
hier zeigen, daß wir nicht mehr bereit sind, uns mit der jetzigen Lage
abzufinden! Kommt deshalb alle zur Demonstration im Anschluß an die VV. Aber
damit darf unser Kampf nicht zu Ende sein, sondern wir alle müssen gemeinsam
überlegen, wie wir den Kampf weiterführen, denn eins hat die Geschichte
gezeigt: Kämpfen wir nicht selber für unsere Rechte, so tuts bestimmt kein
anderer!

Ach was!, rufen da die SPD-Führer und CDU-Reaktionäre: 'Das ist doch Quatsch.
Alles nur Einzelfälle, und die liegen an der Dummheit einzelner Unternehmer'.
Aber: allein in NRW fehlen 47 000 Lehrstellen, sind mehrere tausend Lehrer
arbeitslos. An der Carl-Severing-Schule sollen in der nächsten Zeit
Lehrerstellen gestrichen werden. Und gerade die Lehrer, die sagen: Kämpft
dagegen, werden als erste gehen. Wenn sie sogar Kommunisten sind, dann
fliegen Lehrer am allerschnellsten. So in jüngster Zeit in Bielefeld Peter
Kiper, weil er für die KPD eintrat.

Zehntausende Jugendliche liegen auf der Straße, die Hälfte des
Berufsschulunterrichts fällt aus. Wer das als Einzelfälle darstellt, ist
entweder blind oder reaktionär.

Auch der vor der Wahl vielgerühmte Aufschwung ließ bisher auf sich warten.
Währenddessen sieht die SPD dem Abbau der Lehrstellen und der
Jugendarbeitslosigkeit ruhig zu, klagt über fehlende Finanzen und schiebt den
Kapitalisten 10 Milliarden für Rationalisierungen in den Rachen. (Anker in
Bielefeld erhielt z.B. 50 Millionen und entläßt weiter wie vorher auch).

'Die Lage ist wirklich sehr schlimm, aber wir kämpfen ja dagegen'. das
versuchen uns die Führungen des DGB, der DKP/SDAJ und der Jusos weiszumachen.
Sie rufen im Chor: 'Wir wollen die sofortige Realisierung der
Berufsbildungsreform und der Mitbestimmung!' Was aber haben wir davon zu
halten? Dort ist von der Schaffung von Ausbildungsplätzen die rede, wer aber
Ausbildungsplatz sagt, sagt noch lange nicht Lehrstelle! Da die
Gewerkschaftsführung ja selbst für die Einführung des Stufenplans eingetreten
ist und damit für den schleichenden Abbau der Facharbeiterlehre, liegt auf
der Hand, daß sie bewußt nicht von der Erweiterung und Erhaltung von
LEHRSTELLEN sprechen! Im neuen Gesetzesentwurf ist die Stufenausbildung, zwar
unter anderem Namen, wieder verankert. Jeder erhält einen Vertrag über einen
Teilabschluß. Das heißt, nach einem Jahr oder zwanzig Monaten, kann er seinen
'Teilabschluß' machen, hat aber kein Anrecht auf weitere Ausbildung und ist
bloß angelernt. Es ist klar, daß nach diesem tollen System über zwei Drittel
aller Auszubildenden keine volle Facharbeiterausbildung machen können. Die
Industrie hat dann billige angelernte Arbeitskräfte. Schon seit Jahren stellt
die SPD die Behauptung auf, wenn der Staat die Ausbildung in der Hand hätte,
werde alles viel besser. Von sich hat dieser Staat aber im Interesse des
Kapitals immer das Gegenteil getan: den Stufenplan, eine 'Erfindung' der
Krupp-Kapitalisten per Gesetz verordnet! Daran wird z.B. auch die
Mitbestimmung nichts ändern, sowenig wie sie bei VW, wo sogar Loderer selbst
im Aufsichtsrat sitzt, die Mitbestimmung nicht verhindert, daß 25 000
entlassen werden! Solange das Profitprinzip regiert, solange werden die
Kapitalisten und ihr Staat immer wieder, mit und ohne Mitbestimmung,
darangehen, die Ausbildung zu verschlechtern und die Ausbeutung zu
verschärfen.

Müssen wir deshalb die Hände in den Schoß legen? NEIN, gerade um unsere
allerdringendsten Bedürfnisse überhaupt zu bekommen, um den Wert unserer
Arbeitskraft zu erhalten, der ja das einzige ist, was wir im Kapitalismus
besitzen, müssen wir gegen die Kapitalisten und ihren Staat kämpfen und ihnen
das Allernötigste abtrotzen.

Die Ausbeutung selbst beseitigen, eine qualifizierte Ausbildung für alle
GARANTIEREN, können wir nur, wenn die Arbeiterklasse die politische Macht,
den Sozialismus erkämpft.

Der Bericht einer Arbeiterdelegation des Verlags Rote Fahne von einer
Chinareise bestätigt das anschaulich:

Obwohl die VR China noch in der Entwicklung steckt, gibt es dort nicht einen
einzigen Arbeitslosen! Demgegenüber liegen in der hochentwickelten BRD eine
Million Kollegen auf der Straße. 95% aller Grundschüler besuchen in China
anschließend die Mittelschule. Von diesen erwerben über die Hälfte nach
Beendigung und zweijähriger Arbeit in der Produktion die Hochschulreife. Bei
uns hingegen verlassen jährlich 100 000 Schüler die Hauptschule ohne
Abschluß (11% aller Schüler). Während man in der VR China jeden
Weiterbildungskurs kostenlos besuchen kann, muß man bei uns viel Geld
bezahlen, vorausgesetzt, man bekommt überhaupt einen Platz.

Daher Kollegen: Wenn wir gegen Ausbildungsmisere und Jugendarbeitslosigkeit
kämpfen und wirklich siegen wollen, müssen wir für die sozialistische
Revolution kämpfen!"

Eingeladen wird zur örtlichen China-Veranstaltung am 26.6.1975 und zum
landesweiten Tribunal gegen die Jugendarbeitslosigkeit (vgl. 5.7.1975).
=KJVD, KPD-Büro Bielefeld: Kolleginnen und Kollegen!,Bielefeld o.J. (Juni
1975)

05.07.1975: 
In Passau beteiligen sich, laut AB, vermutlich heute 350 an einer
Demonstration gegen die Jugendarbeitslosigkeit.
=Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.65,München 13.7.1975

05.07.1975: 
Das KPD-Büro Bielefeld und der KJVD (vgl. 23.6.1975) riefen an der Carl-
Severing-Berufsschule auf:"
Wir fordern Euch auf:

Kommt am 5.7. nach Essen zum Tribunal gegen Jugendarbeitslosigkeit und
Verschlechterung der Ausbildung. Genauer Termin wird noch bekanntgegeben."
=KJVD, KPD-Büro Bielefeld: Kolleginnen und Kollegen!,Bielefeld o.J. (Juni
1975),S.2

20.08.1975: 
Der KJVD der KPD, vermutlich die Ortsleitung (OL) Bremen, gibt vermutlich
heute oder morgen das folgende Flugblatt mit zwei Seiten DIN A 4 unter
Verantwortung von A. Kranzusch, Hamburg, Eimsbütteler Chaussee, heraus, in
dem unter der Überschrift "Wir brauchen ein Jugendzentrum als Stützpunkt im
Kampf gegen das System von Arbeitslosigkeit, Krise und Krieg!" u.a. vom KAJB
des KBW berichtet wird:"
Kein Wort von der Jugendarbeitslosigkeit, was in anderen UJZ-
Initiativen selbstverständlich ist. Mit dem Argument, das Hereintragen von
Politik in die Initiative würde der Einheit der Jugendlichen schaden,
untergräbt er gerade diese Einheit. Wie soll denn eine feste Einheit
entstehen, wie sollen wir uns denn zusammenschließen, wenn nicht auf der
Grundlage des Kampfes für unsere Interessen, also gegen den kapitalistischen
Staat. Was ist das für eine Einheit, die nur besteht, weil man sich nett
findet und jeder andere Vorstellungen hat über Ziel und Sinn eines
Jugendzentrums. Kann man mit solch einer Einheit das Jugendzentrum erkämpfen
und verteidigen. NEIN! Doch genau darauf legt des KAJB es an:
Entpolitisieren, die Jugendlichen vom Kampf abhalten, bis sie soweit sind,
daß sie bei der Rechenschaftsforderung und der Debatte mit den Bonzen Dampf
ablassen. Dann hat der KBW erreicht, was das Ziel seiner Führer ist: Den
Klassenkampf verhindert, uns Jugendliche wieder heim ins Reich geführt, ins
Reich der Breschnew und Ford, der Krupp, Thyssen, Schickedanz und Co."
=KJVD:Wir brauchen ein Jugendzentrum als Stützpunkt im Kampf gegen das System
von Arbeitslosigkeit, Krise und Krieg!,o.O. (Bremen) o.J. (Aug. 1975)

Oktober 1975: 
Im RJVD des KABD, wo, laut KAB Saar, bisher kein öffentlicher Kampf zweier
Linien im 'Stachel' ausgetragen wurde, ändert sich dies durch die Einsetzung
eines neuen Jugendbeauftragten.
Noch für die Demonstration zur Jugendarbeitslosigkeit (8.11.1975) hatte die
ZL des KABD geplant, den 'Stachel' breit zu verkaufen.
=Arbeiterzeitung Nr.1,Völklingen Juni 1976,S.3

14.10.1975: 
Im Kieler Club M der DKP im Stadtfeldkamp 22 soll eine Marxismus aktuell
Forumsdiskussion "Jugendarbeitslosigkeit" stattfinden.
Eingeladen wurden Vertreter der DGB-Jugend, der SDAJ, der Jusos der SPD und
der Jungdemokraten der FDP.
=Kontraste Nr.11,Kiel 1975,S.1

27.10.1975: 
Der KABD gibt vermutlich in dieser Woche zur bundesweiten Demonstration
gegen die Jugendarbeitslosigkeit in Dortmund am 8.11.1975 ein 'Extrablatt des
Kommunistischen Arbeiterbundes Deutschlands' mit zwei Seiten DIN A3 unter
Verantwortung von Dettweiler, Tübingen, Lange Furche 55 heraus.

Im Leitartikel heißt es:"
KAPITALISMUS - KEINE ZUKUNFT FÜR DIE ARBEITERJUGEND!

- Die Zahl der Arbeitslosen soll nach Schätzungen im kommenden Winter auf 1,5
Millionen ansteigen. Immer mehr Kollegen sind länger als ein Jahr arbeitslos
und müssen sich mit 58% vom ursprünglichen Lohn abfinden.

- Jeder zehnte Arbeitslose ist ein Jugendlicher. 123 000 Schulabgänger,
Jungarbeiter und Lehrlinge unter 20 Jahren finden keine Arbeit.

Wie geht es weiter? Was bringt der Arbeiterjugend die Zukunft? Die
Monopolkapitalisten werden weiterhin ihr Kapital in immer weniger Betrieben
zusammenfassen, sie werden weiter rationalisieren und Kapital ins Ausland
schaffen. Das verursacht die Arbeitslosigkeit, die in den zu erwartenden
Krisen noch stärker werden wird. Damit muß die Arbeiterklasse in Zukunft
rechnen.

Die Jugendarbeitslosigkeit ist genausowenig wie die allgemeine
Arbeitslosigkeit Folge einer angeblichen Verunsicherung der Unternehmer durch
angebliche Reformabsichten der Bundesregierung. Das Geschwätz darüber soll
nur davon ablenken, daß es das kapitalistische Profitsystem ist, das
gesetzmäßig Arbeitslosigkeit hervorruft. Und dieses Geschwätz soll der
Bundesregierung den Heiligenschein der Arbeiterfreundschaft umhängen. Gestern
noch verordnete diese Regierung die Mehrwertsteuererhöhung (vgl.
S1.**.1975,d.Vf.), die vor allem die Arbeiterfamilien trifft. Heute schon
berät sie über Steuererleichterungen für die Unternehmer.

Tausende junger und auch älterer Kollegen fahren nicht deshalb nach Dortmund,
um einer solchen kapitalistenhörigen Regierung den Rücken zu stärken oder die
Unternehmer um Investitionen zu bitten. Sie fahren dorthin, um ihre
Forderungen gegen die Arbeitslosigkeit und ihre Folgen zu stellen:

- Für die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich!

- Ausreichende Unterstützung für Arbeitslose!

- Unbegrenzte Fortzahlung des Arbeitslosengeldes!

- Unterstützung für arbeitslose Schulabgänger!

Dortmund muß den Unternehmern zeigen, daß die Arbeiterklasse und ihre Jugend
vor den Angriffen sich nicht duckt, sondern auf die Kraft des gemeinsamen
Kampfes vertraut. Gegen die kommenden Angriffe brauchen wir offensive
Kampfeinheit aller Arbeiter!

Nicht soziale Sicherheit und Wohlstand, sondern Arbeitslosigkeit und
Existenzunsicherheit werden die Zukunft im Kapitalismus bestimmen. Die über
eine Million Arbeitslosen sind der Anfang. Nicht Demokratie und Freiheit,
sondern Unterdrückung und brutales Vorgehen des Staates gegen Proteste sind
in Zukunft zu erwarten. Notstandsgesetze (NSG,d.Vf.) und Polizeiaufrüstung
sind die Zeichen. Nicht Frieden und Entspannung, sondern Aufrüstung und
wachsende Kriegsgefahr wird der Kapitalismus bringen. Das Wettrüsten und die
Spannungen zwischen den Militärblöcken nehmen zu.

Wir Kommunisten finden uns mit einer solchen Zukunft nicht ab, sondern
kämpfen darum, die Ursache zu beseitigen: das kapitalistische System. Der
Kommunistische Arbeiterbund Deutschlands arbeitet an der Schaffung einer
kommunistischen Partei, die diesen Kampf für eine bessere Zukunft zum Sieg
führen wird.

An der Seite unserer Kollegen stehen wir in Betrieb und Gewerkschaft für die
rechte der Arbeiter ein. Dabei sind wir uns dessen bewußt:

'Der Kampf um diese wirtschaftlichen und politischen Forderungen, die den
Charakter von Reformen haben, steht für die nächste Zeit im Vordergrund. Doch
durch Reformen wird sich grundsätzlich nichts ändern. Es werden durch sie nur
die schlimmsten Auswüchse des Kapitalismus beseitigt, nicht mehr. Um sich von
Ausbeutung und Unterdrückung zu befreien, muß die Arbeiterklasse die Ursache
beseitigen: die Herrschaft des Kapitalismus stürzen und die eigene Herrschaft
errichten, damit der Weg zum Sozialismus frei wird.

Sozialismus, das bedeutet Freiheit von Ausbeutung und Unterdrückung.

Sozialismus, das bedeutet wahre Demokratie für alle Werktätigen.

Vorwärts mit der Arbeiteroffensive!

Gemeinsam sind wir stark!'
(Arbeiter-Kampfprogramm des KABD (vgl. S1.**.197*,d.Vf.))"

Eingetreten wird:"
FÜR DIE 35-STUNDENWOCHE BEI VOLLEM LOHNAUSGLEICH!

Weit über eine Million Arbeitslose. Welchem Unternehmer lacht da nicht das
Herz - so kurz vor der Tarifrunde. Das bedeutet für ihn nämlich genau weit
über eine Million Argumente gegen mehr Lohn oder sonstige Forderungen.

Denn für die Kapitalisten, die so viele Kollegen durch ihre unersättliche
Profitgier in die Arbeitslosigkeit jagen, bedeuten diese hohen
Arbeitslosenzahlen das halbe Paradies. Benutzen sie doch die arbeitslosen
Kollegen wie ein Gewehr, das sie den Arbeitenden vor die Brust halten:
'Fordere keine Lohnerhöhung! Streik nicht! Und überhaupt, halt' dein Maul und
schaff' schneller. Oder - hier ist genug Ersatz für dich.' Das ist die Logik
der Kapitalisten und ihre nach außen zur Schau gestellte Besorgnis um die
'Arbeitsplatzentwicklung' wirkt dann wie ein Faustschlag mitten ins Gesicht.

So haben es sich die Herren Kapitalisten gedacht. Die einen sollen mehr
schaffen - die anderen werden entlassen. Um dann beide gegeneinander
ausspielen zu können. Kollegen, das geht nur SO lange gut, wie wir das
mitmachen. Das wissen die Kapitalisten genau. Und deswegen versuchen sie
auch, uns auf Teufel komm raus zu spalten: Deutsche gegen ausländische
Kollegen, Alt gegen Jung, Frauen gegen Männer, Arbeitslose gegen Arbeitende.
Jeden sollen wir als Feind betrachten - nur nicht die Kapitalisten, die
nämlich an unserer Lage schuld sind.

Gegen diese Spaltung zwischen Arbeitenden und Arbeitslosen setzen wir die
Forderung nach der 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich! Arbeitende und
Arbeitslose, deutsche und ausländische Kollegen, Jung und Alt - stehen wir
zusammen in einer Kampffront gegen alle Spaltungsversuche der Kapitalisten!"

Gefragt wird:"
HILFT DIE MITBESTIMMUNG?

Paritätische Mitbestimmung helfe gegen die Arbeitslosigkeit - behaupten die
DGB-Führer, unterstützt von der DKP. Der Boß des Salzgitter-Konzerns,
Birnbaum, aber verriet: 'Wir waren hier in Salzgitter in den letzten Jahren
vor schwierige Problem gestellt und mußten teilweise sehr schmerzhafte
Operationen durchführen, die zum Verlust von Arbeitsplätzen führten. Dieser
Prozeß wäre uns wahrscheinlich sehr viel schwerer gefallen, wenn wir nicht
die Mitverantwortung der Betriebsräte im Rahmen der paritätischen
Mitbestimmung gehabt hätten.' (nachzulesen im 'Spiegel' Nr.42/1975 (vgl.
20.10.1975,d.Vf.))

Ein paar Gewerkschaftsbürokraten dürfen am einträglichen Pöstchen
'mitverantworten' - am Kapitalismus und seinen Folgen für den Arbeiter ändert
sich nichts. Und die DKP-Führer bezeichnen diese Mitbestimmung als einen
Schritt auf dem Weg zum Sozialismus.

Wir sagen: Mitbestimmung - das ist der Ausweg in die Sackgasse. Nicht nur das
obige Zitat des Kapitalisten Birnbaum zeigt das.

Der KABD hat in seinem theoretischen Organ REVOLUTIONÄRER WEG Nr.11/12 (RW -
vgl. **.**.197*,d.Vf.) eingehend die Mitbestimmungsfrage und andere Fragen
des gewerkschaftlichen Kampfes untersucht. Titel: 'Gewerkschaften und
Klassenkampf'. (Siehe Bestellabschnitt auf der Rückseite)."

Festgestellt wird:"
KAPITALISTISCHE PROFITWIRTSCHAFT - URSACHE DER ARBEITSLOSIGKEIT

Seit der Entwicklung des kapitalistischen Produktionssystems in England
(Großbritannien,d.Vf.) um 1800 wurde die kapitalistische Wirtschaft regelmäßig
von Krisen und Depressionen erschüttert.

Die erste wirkliche Krise gab es 1825 in England. Von da an kamen die Krisen
etwa alle zehn Jahre. Die Krise 1857 war die erste Weltkrise. Um 1900 ging
der Kapitalismus in sein imperialistisches Stadium über. Die Kennzeichen
dieses Stadiums sind:

1. Monopole entstehen und spielen die entscheidende Rolle im wirtschaftlichen
Leben.

2. Bank- und Industriekapital verschmelzen.

3. Der Export von Kapital wird zunehmend größer als der Export von Waren.

4. Es bilden sich internationale Monopole.

5. Die Aufteilung der Märkte unter den kapitalistischen Großmächten ist
abgeschlossen. Eine Neuaufteilung der Absatzmärkte und Rohstoffquellen isst
nur durch Krieg möglich.

Der Imperialismus isst das höchste und letzte Stadium des zum Untergang
verurteilten Kapitalismus. Die Widersprüche des Imperialismus kamen in diesem
Jahrhundert bereits durch zwei Weltkriege offen zum Ausbruch. Die Krisen- und
Konjunkturschwankungen des Imperialismus bringen der Arbeiterklasse Not und
Elend. Die Arbeitslosigkeit ist eines der schlimmsten Übel des Kapitalismus
überhaupt. In der bisher schwersten Krise des kapitalistischen Systems 1929 -
1933 waren in den kapitalistischen Ländern 35 Millionen Arbeiter arbeitslos.
Die Produktion ging um 40% zurück. Der Weg aus dieser Krise führte über
Vernichtung von Lebensmitteln, verstärkte Ausbeutung und vergrößerte
Kriegsproduktion direkt in den 2. Weltkrieg.

Die Folgen: 1932 8 Millionen Arbeitslose in Deutschland. 1945 7 Millionen Tote
in Deutschland.

Die Ursache der Arbeitslosigkeit liegt im kapitalistischen System. Die
kapitalistische Produktionsweise beruht auf der Ausbeutung der Lohnarbeit.
Die Lohnarbeiter besitzen keine Produktionsmittel, nur die Kapitalisten. Sie
verkaufen deshalb ihre Arbeitskraft an diese. Für ihre Arbeitskraft bekommen
die Arbeiter den Arbeitslohn. Der Wert der waren, die die Arbeiter schaffen,
beträgt aber ein Mehrfaches des ausgezahlten Lohnes. DIESEN MEHRWERT steckt
der Kapitalist in seine Tasche. Die Arbeiter produzieren also mehr, als sie
konsumieren. Bei dem Kapitalist vermehrt sich also das Geld immer mehr. Das
ist das KAPITAL. Für einen Teil dieses Kapitals kauft der Kapitalist
Rohstoffe und Maschinen. Es fließt somit in den Wert der Waren ein. Mit dem
anderen teil des Kapitals kauft er wiederum Arbeitskraft, die ihm wieder
Mehrwert bringt. DER DRANG NACH VERMEHRUNG DES MEHRWERTS IST DIE TRIEBKRAFT
DES KAPITALISMUS. Da jeder Kapitalist besser und billiger produzieren muß als
der andere - will er nicht erdrückt werden -, entsteht ein erbitterter
Konkurrenzkampf. Durch diesen Konkurrenzkampf wurde der technische
Fortschritt gewaltig beschleunigt. Die Produktion dehnt sich dadurch
schneller aus, als sich neue Absatzmärkte finden lassen. Auch die Kaufkraft
der Massen hält nicht Schritt mit der Produktionsausdehnung, da jeder
Kapitalist die Löhne niedrig halten will. 1932 gab es überfüllte Warenlager
und gleichzeitig hungernde Massen. Eher wurden die Waren vernichtet, als
billiger verkauft. Gleichzeitig verbessert der Kapitalist seine
Produktionsmethoden durch moderne Maschinen: 'Aber Vervollkommnung der
Maschinerie heißt Überflüssigmachung der Menschenarbeit.' (Engels) Erspart
eine neue Maschine zehn Arbeiter - so fliegen diese raus. Die übrigen
Kollegen müssen so schneller schaffen: '...so kommt es, daß die
Überarbeitung der einen die Voraussetzung wird für die
Beschäftigungslosigkeit der anderen... (Engels)

Die bisherige Arbeitslosigkeit war überwiegend nicht die Folge einer
Überproduktionskrise, sondern Folge der Konzentration der Produktion auf
immer weniger, dafür aber größere Konzerne, durch Rationalisierung innerhalb
der Konzerne (z.b. elektronisch gesteuerte Maschinen) sowie durch
Produktionsverlagerung ins Ausland und Kapitalexport durch Investitionen im
Ausland. Daß es bisher in der BRD noch keine Überproduktionskrise gab, hat
als Ursache die Folgen des 2. Weltkrieges. '6 Jahre Weltkrieg haben in der
ganzen Welt einen gewaltigen Bedarf an Produktions- und Konsumtionsmitteln
hervorgerufen, der nicht so schnell zu befriedigen war.' (RW 14 (vgl.
S1.**.197*,d.Vf.), S.20)

Die langandauernde relative Hochkonjunktur hat es den Kapitalisten
erleichtert, Illusionen zu wecken über sichere Arbeitsplätze und
'Wirtschaftswunder'. Damit wird es in den kommenden Jahren vorbei sein. Die
langandauernde Hochkonjunktur geht zu Ende. Die Arbeitslosigkeit wird daher
nichts vorübergehendes sein, wie viele Kollegen noch glauben, sondern zur
Dauererscheinung werden. Wie in den USA, wo es seit Jahren 5% Arbeitslose
gibt. Das ist die INDUSTRIELLE RESERVEARMEE, mit der die Kapitalisten die
Arbeitenden erpressen und die Löhne drücken wollen."

Gefordert wird:"
DEN SPALTERN EINE ABFUHR!

Dortmund muß zu einer Massenkundgebung gegen Jugendarbeitslosigkeit und ihre
Verursacher, die Kapitalisten, werden. Das ist der Wille der überwiegenden
Mehrheit der jungen Kollegen. Deshalb die Versuche der Gewerkschaftsführung,
der Kundgebung und Demonstration auszuweichen, die Teilnehmerzahl zu
beschränken und die kämpferische Stoßrichtung gegen das Kapital zu
verwässern, in vielen Gewerkschaftsgruppen auf Widerstand gestoßen.

Jedoch ausgerechnet Gruppen, die sich kommunistisch nennen, wollen nach ihren
Ankündigungen Auseinandersetzungen unter den Demonstrationsteilnehmern
provozieren. Der Vorsitzende des DKP-Studentenbundes MSB (Spartakus,d.Vf.)
kündigte seine Anhänger als Ordnertrupp an: 'Spaltungsversuche maoistischer
Gruppen... dürfen nicht zu gelassen werden.' Die 'Maoisten' sind sein
Hauptfeind, weil er Angst hat, daß noch mehr Jugendliche den Moskauer
Bürokraten'sozialismus' durchschauen.

Diesem Provokationskonzept der DKP-Führer arbeitet die sogenannte KPD in die
Hände, die in Dortmund wiederum in der DKP ihren Hauptfeind sieht.

Kollegen, gebt denen, die nur Spaltung provozieren wollen, eine entschiedene
Abfuhr. Sorgt mit dafür, daß die Unternehmer nicht der lachende Dritte
bleiben."

Festgestellt wird:"
BUNDESWEHR, GRENZSCHUTZ, POLIZEI: KEIN AUSWEG FÜR ARBEITSLOSE

BUNDESREPUBLIK 1975: Von den 1,3 Millionen Lehrlingen kann keiner sicher
sein, daß er nach seiner Lehre auch in seinem Beruf übernommen wird. Von 1970
bis heute hat sich die Zahl der Lehrstellen von rund 650 000 auf weniger als
300 000 verringert. Der Staat streicht Lehrstellen bei Bahn und Post.

BUNDESREPUBLIK 1975 (DIE ANDERE SEITE): Die Wehrpflichtigen werden schon alle
sechs Wochen neu eingezogen, früher nur alle drei Monate. Im letzten Jahr
wurde durch die Einführung einer 'Verfügungsbereitschaft' (vgl. S2.**.1974,d.
Vf.) die Bundeswehr um 30 000 Mann aufgestockt. Die Bundeswehr bietet
Lehrstellen an, 500 zusätzliche allein im ersten Vierteljahr 1975. Sogar
schon für Volksschüler bietet die Bundeswehr eine Berufsausbildung in
sogenannten Praxis-Kursen der Bundeswehrwerkstätten an.

Die Bereitschaftspolizei wird von 18 000 auf 22 000 Mann erhöht. Der
Bundesgrenzschutz (BGS,d.Vf.) wird zur Bundespolizei ausgebaut.

Wie paßt das zusammen? Abbau der Ausbildungsstellen und
Jugendarbeitslosigkeit auf der einen Seite, Aufstockung von Militär und
Polizei auf der anderen Seite. Warum wurden nicht auch bei der Bundeswehr
Stellen eingespart? Warum werden im Gegenteil die Jugendlichen mit
Berufsausbildungsversprechen zum Barras gelockt?

Schon heute machen die Ausbildungspläne beim Militär deutlich, gegen wen
diese Aufrüstung gerichtet ist. Streikbekämpfung, Zerstreuung von
Massenansammlungen, Einsatz gegen Unruhestifter und den sogenannten inneren
Feind stehen immer häufiger auf den Dienstplänen.

Auf breitester Ebene, in Schulen, Berufsschulen, in Betrieben, in der
Freizeit und natürlich beim Bund selber sollen die jungen Menschen eine
militärische Schulung mitmachen, die sie blind macht für das, was ihre
eigenen Interessen sind. Selber ausgebeutet, selber um Ausbildung und
Arbeitsplatz gebracht, sollen die jungen Leute in eine Armee getrieben
werden, die gegen die eigenen Klassenbrüder gehetzt werden soll. DIESEM Ziel
dient Bundeswehrwerbung mit Abenteuerromantik, DAFÜR veranstalten die Werber
Preisausschreiben und Wettbewerbe mit militaristischem Inhalt.

Aufrüstung, militaristische Erziehung und Freiwilligenwerbung sind ein
wesentlicher Teil der Monopoloffensive. Die Aufgabe aller Kollegen ist es,
die wahren Ziele des Militarismus aufzudecken und gemeinsam den Kampf dagegen
aufzunehmen. Deswegen heißen unsere Losungen:

KAMPF DER MILITARISTISCHEN ERZIEHUNG DER JUGEND!

BUNDESWEHR, GRENZSCHUTZ UND POLIZEI - KEIN AUSWEG FÜR ARBEITSLOSE!"

Zur eigenen Jugendorganisation wird gefragt:"
WER IST DER RJVD?

Der Revolutionäre Jugendverband Deutschlands ist der Jugendverband des
Kommunistischen Arbeiterbundes Deutschlands. Der RJVD setzt unter Führung des
KABD das revolutionäre Erbe des von der Partei Karl Liebknechts und Rosa
Luxemburgs gegründeten KJVD fort. Der RJVD ist nach dem Verrat der modernen
Revisionisten (die heute die DKP und SDAJ führen) entstanden, ermutigt durch
den prinzipienfesten Kampf der Roten Garden Mao Tse-tungs und dessen Worte:
'Letztlich lassen sich alle Wahrheiten des Marxismus in einem Satz
zusammenfassen: Rebellion ist gerechtfertigt.'

Der RJVD erzieht seine Mitglieder zu theoretisch geschulten und praktisch
erfahrenen jungen Kommunisten, im Sinne der Lehren von Marx, Engels, Lenin,
Stalin und Mao Tse-tung. Ziel jedes RJVD-Mitglieds ist es, sich für seine
Mitgliedschaft im KABD zu qualifizieren. In Jugendzellen organisiert,
beschäftigen sich die Mitglieder mit allen weltanschaulichen und politischen
Fragen, die für die Arbeiterjugend von Bedeutung sind. Sei es das Problem des
Militarismus, sei es die Frage der Religion oder die Frage der zukünftigen
Gesellschaftsordnung, des Sozialismus. Diese und auch andere Probleme, wie
Familie und Freundschaft, werden in den Jugendzellen des RJVD im Lichte der
marxistischen Weltanschauung behandelt.

'Die Jugend ist die aktivste und lebendigste Kraft der Gesellschaft. Sie ist
am meisten begierig zu lernen, am wenigsten konservativ im Denken.' (Mao Tse-
tung)

Die herrschende Klasse versucht mit einem riesigen Propagandaapparat, mit
Presse, Rundfunk, Bundeswehr, kirchlichen und anderen Sekten die Jugend zu
verwirren und ideologisch zu fesseln. Nur die marxistische Weltanschauung ist
in der Lage, dieser Verwirrung entgegenzuwirken und versetzt die
Arbeiterjugend in die Lage, ihre wahre Situation zu erkennen. Diese Lage ist
Ausbeutung, Unterdrückung, Arbeitslosigkeit, Rechtlosigkeit und
Ausweglosigkeit in diesem System. Die Folgen sind nur zu oft Pessimismus,
Flucht in Illusionen, Suche nach dem individuellen Ausweg vom Alkohol bis zum
2. Bildungsweg (ZBW,d.VF.).

Der RJVD zeigt der Arbeiterjugend, wo der wirkliche Ausweg ist. Es ist der
Kampf gegen die Diktatur der großen Monopole, die uns und unsere Elter
ausbeuten und darüberhinaus Einfluß haben auf unser gesamtes Leben. Von
Arbeitsbeginn bis Feierabend, in Betrieb und Freizeit, unsere Wohnbedingungen
und die Beziehungen zwischen den Menschen - überall üben die Monopolkonzerne
und ihr Staat Einfluß auf uns aus. Denn ihnen gehören nicht nur die
Produktionsmittel, die Betriebe. Sie kontrollieren Zeitungen und Fernsehen,
Städtebau und den Schmutzgehalt der Luft, die wir atmen.

Diese Herrschaft zu zerschlagen und die Diktatur der Monopole durch die
Diktatur der Arbeiterklasse über alle Ausbeuter und Unterdrücker zu
beseitigen, das ist das Ideal des RJVD, dafür kämpft er unter Führung des
KABD.

Der RJVD erzieht die Arbeiterjugend im marxistischen Sinn und nimmt a
praktischen Klassenkampf und Kampf gegen Militarismus aktiv teil. Seine
fähigsten Mitglieder leisten in den Großbetrieben eine systematische
kommunistische Arbeit und kämpfen in Betrieb und Gewerkschaft unter Anleitung
des KABD gegen alle opportunistischen Strömungen in der Arbeiterbewegung."

Ein Coupon dient der Kontaktaufnahme mit KABD und RJVD bzw. der Bestellung der
'Roten Fahne' (RF), des 'Revolutionären Weges' (RW) Nr.11/12 bzw. 13/14, des
"Arbeiter-Kampfprogramm des KABD", der "Grundsatzerklärung des KABD", des
"Programm des RJVD" bzw. weiteren Infomaterials.

Berichtet wird vom Chinabesuch von zwei Vertretern des KABD-nahen Verlages
Neuer Weg (vgl. Sept. 1975).
=Extrablatt des Kommunistischen Arbeiterbundes Deutschlands,Tübingen o.J.
(1975)

03.11.1975: 
In Berlin verteilt, laut KPD, spätestens in dieser Woche Günther Breden aus
der zentralen Jugendgruppe Gesundheitswesen der ÖTV (vgl. 7.6.1976) ein
Flugblatt der Initiative von Jugendvertretern, Betriebsräten, Arbeitslosen
und Lehrlingen, das zur Bildung eines oppositionellen Blockes auf der
bundesweiten Jugendarbeitslosigkeitsdemonstration am 8.11.1975 aufruft.
=Rote Fahne Nr.24,Köln 16.6.1976

03.11.1975: 
Zur bundesweiten Demonstration gegen die Jugendarbeitslosigkeit in Dortmund
am 8.11.1975 gibt das KPD-RK NRW spätestens in dieser Woche ein Flugblatt mit
zwei Seiten DIN A4 Brennmatrizenabzug auf Spanisch und ein Flugblatt von
einer Seite DIN A4 Offsetdruck auf Türkisch heraus. Die Verantwortung trägt
jeweils Thomas Luczak, Dortmund, Münsterstr.95.
=KPD-RK NRW:Sayin Isci Arkadaslar,Dortmund o.J. (1975);
KPD-RK NRW:Ila ma miento,Dortmund o.J. (1975)

03.11.1975: 
Bei Hoesch Dortmund gibt die DKP vermutlich in dieser Woche ihre 'Heisse
Eisen' (vgl. Sept. 1975, 6.11.1975) zur bundesweiten Demonstration gegen
Jugendarbeitslosigkeit (vgl. 8.11.1975) heraus.
=Heisse Eisen,Dortmund o.J. (1975)

03.11.1975: 
In Mainz führt der KJVD der KPD, laut KPD, im November, also vermutlich in
dieser Woche, eine Kundgebung für die bundesweite
Jugendarbeitslosigkeitsdemonstration am 8.11.1975 an der Karmeliter
Berufsschule und Berufsaufbauschule (BAS - über 4 000 SchülerInnen) durch, an
der sich auch Karl Rozbrog (Schulsprecher und Mitglied der Redaktion der
Schülerzeitung 'Tangente') beteiligt.
In der Folge wird er aus SMV und Redaktion ausgeschlossen (vgl. 22.12.1975).
=Rote Fahne Nr.4,Köln 28.1.1976

08.11.1975: 
In Dortmund demonstrieren, laut 'Sozialistische Arbeiterpolitik', 50 000
bis 70 000 gegen das Krisendiktat und die Sparmaßnahmen.
Mit dabei sollen auch 30 Vertreter des Kamp-Lintforter Aktionskomitees (vgl.
29.10.1975) gewesen sein.

Anwesend sind, laut MLPD (2), auch die KSG des KABD (vgl. Jan. 1976).
Aufgerufen zu den Demozügen um 10 Uhr ab Hauptbahnhof Nordausgang und 10 Uhr
30 ab Südbad sowie zur Kundgebung in der Westfalenhalle um 12 Uhr 30 wurde
auch durch den KABD (vgl. 27.10.1975).

Die Kämpfende Jugend (KJ) des AB gibt zur Mobilisierung für die Demonstration
u.a. eine Broschüre heraus. Sie vermeldet 90 000 bis 100 000 Teilnehmer, u.a.
von der KPD und der SDAJ der DKP.
Laut KPD demonstrieren 40 000, u.a. von der DKP sowie 10 000 StudentInnen. Der
Block der KPD habe über 1 000 Personen umfaßt.
Laut KPD rief auch ihre Initiative von Jugendvertretern, Betriebsräten,
Arbeitslosen und Lehrlingen, u.a. in Berlin, zur Bildung eines
oppositionellen Blockes auf.
Wegen Eindringens in die IGM-Schule Heidehof am 8.11.1975 kommt es später in
Dortmund zum Prozeß gegen Anhänger der KPD (vgl. 23.8.1976).
Laut KPD Ortsleitung (OL) Dortmund (vgl. Jan. 1976) betreibt die DKP in der
DGB-Jugendgruppe Dortmund den Ausschluß (UVB) eines KJVD-Mitgliedes, weil er
heute gegen den Verrat der Gewerkschaftsführung protestiert habe.

Laut SAG richtet sich die zentrale Demonstration von u.a. DKP und SPD gegen
die Berufsausbildungsmisere und die Jugendarbeitslosigkeit.
Der Spartacusbund (SpB) gab ein Flugblatt "Eine Lehrstelle für jeden!" heraus
und zählte 40 000 bis 50 000 Demonstranten.

Mobilisiert wurde u.a. in
- NRW durch das KPD-RK NRW (vgl. 3.11.1975), in Dortmund durch OL der KPD
(vgl. 3.11.1975, 5.11.1975) und in Wuppertal durch KPD und LgdI bei Enka-
Glanzstoff (CPK-Bereich - vgl. 3.11.1975);
- Rheinland-Pfalz durch den KJVD der KPD in Mainz (vgl. 3.11.1975).
- Schleswig-Holstein in Kiel, dort rufen u.a. DKP und SDAJ zum Benutzen des
Sonderzuges auf.

In der 'UZ' der DKP heißt es am **.11.1975 zusammenfassend und von J. M. über
Dortmund u.a.:"
45 000 DEMONSTRIERTEN GEGEN JUGENDARBEITSLOSIGKEIT

GROSSE AKTIONEN DER GEWERKSCHAFTSJUGEND

REGIERUNGSPLÄNE ZUR BERUFSAUSBILDUNG ABGELEHNT

Dortmund/Frankfurt (Main). UZ - Insgesamt 45 000 junge Gewerkschafter
demonstrierten am Wochenende in Dortmund und Frankfurt (Main) gegen
Jugendarbeitslosigkeit und Lehrstellenabbau und für eine grundlegende Reform
der Berufsausbildung. Karl Schwab, Mitglied des Geschäftsführenden
Bundesvorstandes des DGB und Hans Preis, Geschäftsführendes Mitglied der IG
Metall, lehnten übereinstimmend den Regierungsentwurf für eine
Berufsbildungsreform als unzulänglich ab.

Dortmund. J. M. - Dortmunds Innenstadt gehörte am Samstag 30 000 jungen
Gewerkschaftern. Sie waren dem Aufruf des DGB zu einer Demonstration und
einer Kundgebung gegen Jugendarbeitslosigkeit, Lehrstellenabbau und für eine
grundlegende Reform der Berufsausbildung gefolgt. Mehrere Jugendverbände, so
die SDAJ, die Falken, die Jungsozialisten (SJD bzw. Jusos der SPD,d.Vf.),
Teile der evangelischen Jugend, die Landes-SMV und die Landeskonferenz der
ASten (LAK,d.Vf.) hatten ebenfalls zur Unterstützung der Aktion aufgerufen.

Zu den Teilnehmern der Dortmunder Kundgebung sprach u.a. Karl Schwab,
Mitglied des Geschäfstführenden Bundesvorstandes des DGB.

Der Redner kritisierte den Regierungsentwurf eines Berufsbildungsgesetzes
(BBiG,d.Vf.) und forderte ein nicht an den Interessen der Unternehmer,
sondern an denen der arbeitenden Jugend orientiertes Berufsbildungsgesetz.
Das Verfassungsrecht müsse auch für die arbeitenden Menschen zur
Verfassungswirklichkeit werden."

Die DKP Ahrensburg berichtet:"
8. November. Morgens um 4 Uhr brechen wir - das sind junge Mitglieder der DKP
und der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ,d.Vf.) aus Ahrensburg
- mit zwei Volkswagen nach Dortmund auf. Dort soll an diesem Tag die zentrale
Demonstration des DGB gegen Jugendarbeitslosigkeit, für ein neues
Berufsbildungsgesetz (BBiG,d.Vf.) und für paritätische Mitbestimmung
stattfinden.

'STEMPELN GEHEN IST KEINE TUGEND...'

Im Dortmunder Hauptbahnhof, dem Sammelpunkt, hat sich bei unserer Ankunft
bereits eine riesige Menschenmenge versammelt.
Ein Demonstrationszug von 70 000 Menschen zieht sich dann stundenlang vom
Bahnhof zur Westfalenhalle. Transparente mit Aufschriften wie: 'Stempeln
gehen ist keine Tugend - Arbeitsplätze braucht die Jugend!' machen der
bevölkerung klar, um was es geht.

Im Zug hauptsächlich junge Gesichter, was nicht verwundert: die Kundgebung
ist schließlich der vorläufige Höhepunkt der von der Gewerkschaftsjugend und
anderen Jugendverbänden im ganzen Bundesgebiet durchgeführten Aktionen. Aber
erstaunlich auch, wie viele ältere Kollegen sich eingereiht haben.

STATT MARSCHMUSIK - ARBEITERLIEDER

Vor der Westfalenhalle stauen sich bereits die Menschen. Schon bevor wir zur
Halle kommen hören wir, daß in die Halle nur eingelassen wird, wer eine DGB-
Plakette hat. Und eine solche hat nur bekommen, wer mit einem DGB-Bus
angereist ist. Berechtigte Empörung unter den 30 000, die draußen bleiben
mußten: 'So eine gewaltige Sache hätte unter freien Himmel gehört!'

Wir selbst haben mit viel Glück noch einige Plaketten ergattern können und
sitzen in der riesigen Halle, die 25 000 Menschen faßt. Sprechchöre fordern
die Kapelle auf, die Marschmusik abzubrechen und stattdessen Arbeiterlieder
zu spielen. Unter Beifall ertönt schließlich der Sozialistenmarsch.

VETTER ÜBERZEUGTE NICHT

Hauptredner sind Oskar Vetter und seine Stellvertreterin Maria Weber.
Widersprüchliches in der Rede von Vetter: 'Die Unternehmer scheuten sich
nicht, aus der Krise im wahrsten Sinne des Wortes Kapital zu schlagen.'
'Daran wird sich erst etwas ändern, wenn wir die Mitbestimmung haben'.
Deutliche Worte. Mißfallen löst dann allerdings aus, daß Vetter in diesem
Zusammenhang das Modell der Montanmitbestimmung, das den gewerkschaftlichen
Forderungen nach Parität bekanntlich nicht gerecht wird, in den Vordergrund
stellt. Bezeichnend auch, daß in Vetters Kritik an der Bundesregierung die
SPD-Führung völlig ausgeklammert wird.

Maria Weber fordert in ihrer Rede ein fortschrittliches Berufsbildungsgesetz,
das 'durch Aktivität und gemeinsamen Kampf' durchgesetzt werden müsse.

Noch eine Anmerkung zu den Maoisten, die in der Berichterstattung des
Fernsehens so stark in den Vordergrund gerückt wurden. Sie stellten in
Wahrheit eine winzige Minderheit dar und waren völlig isoliert. Bei ihren
Auftritten wurden sie mit dem Sprechchor: 'Mein Gott Walter - schon wieder
diese Spalter!' bedacht."

Die SMV der Carl-Severing-Schule Bielefeld für Metall- und Elektroberufe mit
Berufsschule, Fachoberschule und Fachschule (BS, FOS bzw. FS) Abteilung
Metall und Elektro (vgl. 2.2.1976) berichtet:"
Am 8.11.1975 in Dortmund waren 40 000 Kollegen, die gemeinsam gegen die
Abwälzung der Krise auf den Rücken der Arbeiterklasse kämpften - und sehr
viele hatten dieselben Forderungen wie wir. Auf dieser Demonstration wurde
allerdings auch klar, daß wir sehr genau darauf achten müssen, wer auf
unserer Seite steht und wer nicht. So mußten wir feststellen, daß die DGB-
Führer wohl nicht auf unserer Seite stehen (ebenso wie die DKP-Führer), denn
warum hätten uns sonst deren Ordner unsere Transparente mit unseren
Forderungen wegnehmen sollen?

Aber wir wissen auch, daß die DGB-Führer nicht die Gewerkschaften sind, denn
die Mehrheit der Gewerkschaftskollegen unterstützt unsere Forderungen".

Das KPD-RK NRW (vgl. 10.11.1975) berichtet:"
AM 8.11. IN DORTMUND: OPPOSITIONELLE GEWERKSCHAFTER UNTER ROTEN FAHNEN

GEGEN MONOPOLKAPITAL UND GEWERKSCHAFTSFÜHRUNG

STÄRKT DIE REVOLUTIONÄRE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG

Am 8.11. demonstrierten in Dortmund fast 40 000 Arbeiter, Lehrlinge,
Arbeitslose, Studenten und Schüler. Die DGB-Führung hatte sich mit Tricks und
Schlichen nach Kräften bemüht, aus der ersten zentralen DGB-Demonstration
seit 23 Jahren eine Jubelschau für die arbeiterfeindliche Schmidt-Regierung,
für die Mitbestimmung und das Sparprogramm zu machen. Doch: Rote Fahnen und
oppositionelle Transparente im gesamten Demonstrationszug zeigten die
Empörung und Wut der Arbeiterklasse, besonders der Arbeiterjugend gegen
Arbeitslosigkeit, Lohnraub, Massenentlassungen und Sparprogramm, zeigten, daß
die Unzufriedenheit der Arbeiter vom DGB nicht einfach auf die reaktionären
Mühlen der Mitbestimmung und Sozialpartnerschaft gelenkt werden konnte. In
der Halle und auf der Demonstration: Überall wurden den kapitalistentreuen
Sprüchen der DGB-Führung die Arbeiterforderungen entgegengesetzt. Wut und
Erbitterung gegen die Bonzen vor der Halle war groß, als berittene Polizei
Tausenden den Einlaß verwehrte. 'Arbeiter rein, Bonzen raus!' war die
Antwort.

Unter der Parole: GEGEN DAS SYSTEM VON AUSBEUTUNG, KRISE UND KRIEG! FÜR EIN
UNABHÄNGIGES, VEREINTES, SOZIALISTISCHES DEUTSCHLAND! formierte sich im
ersten Teil des Zuges ein fester revolutionärer Block unter der Fahne der
KOMMUNISTISCHEN PARTEI DEUTSCHLANDS. Über tausend oppositionelle
Gewerkschafter, Kommunisten und klassenbewußte Arbeiter reihten sich ein und
es gelang den DKP-Schlägern nicht, den revolutionären Block zu zerschlagen,
obwohl sie immer wieder versuchten, Transparente herunterzureißen und
Genossen anzugreifen.

Auf drei revolutionären Kundgebungen ergriffen Vertreter des Zentralkomitees
der KPD das Wort:

'Kolleginnen und Kollegen, wenn Vetter von Mitbestimmung redet, dann meint
er: noch ein paar Aufsichtsratsposten mehr für sich und seinesgleichen, noch
bessere Zusammenarbeit mit den Kapitalisten. Gerade jetzt in der Krise, wo
die Arbeiter gegen die Kapitalisten kämpfen wollen, sagt DGB-Vetter: die
Krise müsse zusammen mit den Kapitalisten überwunden werden, zusammen mit der
Regierung und ihrem Sparprogramm auf Kosten der Arbeiter. Die Krise müsse
überwunden werden durch Lohnverzicht. Und die Kapitalisten müßten noch mehr
Milliarden an Investitionshilfen aus den Steuergroschen der Arbeiter
erhalten, um ihre 'Investitionsneigung' zu vergrößern. Kollegen, immer
springt der DGB der Kapitalistenklasse zur Seite, wenn es gilt, die
Kapitalisten vor der Unzufriedenheit der Arbeiter zu schützen. SPD- und DGB-
Führung sind selbst Bestandteil der kapitalistischen Herrschaft in der BRD
geworden. Von ihnen ist keine Hilfe zu erwarten!

Doch auf der Demonstration gab es auch einige, die scheinbar 'linke' Reden
führten, nämlich die Revisionisten der DKP. Was sie wollen ist folgendes: Sie
wollen für ihre Herren, die neuen Zaren im Moskauer Kreml, die aus der
ehemals sozialistischen Sowjetunion eine imperialistische Supermacht gemacht
haben, Einfluß ergattern und ihnen den Weg in unser Land bereiten. Wenn sie
von 'Arbeiterkontrolle' reden, dann meinen sie damit: Kontrolle über die
Arbeiter. Dann meinen sie damit: Einfluß in Wirtschaft und Politik für die
neuen Zaren in Moskau!

Kollegen, die DKP hält an der Spaltung Deutschlands fest. Sie will hier
genauso ein Unterdrücker-Regime errichten wie in der Sowjetunion unter
Breschnew und der DDR unter Honecker! Der schlimmste Feind, den die
Arbeiterklasse hat, ist der Feind in den eigenen Reihen! Nieder mit den
Sowjetrevisionisten, diesen Agenten und Landesverrätern!

Kollegen, die  Arbeiter wollen nicht Mitbestimmung a la DGB, sie wollen nicht
Mitbestimmung und antimonopolistische Demokratie a la DKP! Wir wollen keine
Klassenzusammenarbeit im Dienste der westdeutschen Kapitalisten und schon gar
nicht wollen wir geknechtet sein unter einer sozialfaschistischen Diktatur a
la Breschnew.

Arbeiter, wofür wir kämpfen müssen ist die Diktatur des Proletariats, ist der
Sozialismus! Arbeiter, dorthin kommen wir nur, wenn wir den US-Imperialismus
und den russischen Sozialimperialismus und ihre Agenten von deutschem Boden
vertreiben, wenn wir die Kapitalisten un ihen Staat hier und in der DDR
gewaltsam niederschlagen.'"
=Carl-Severing-Schule Bielefeld:SMV-Info,Bielefeld Feb. 1976,S.3f
Rote Fahne Pressedienst Nr.1,Köln 11.11.1975;
Rote Fahne Nr.4, 8, 24 und 35,Köln 28.1.1976, 25.2.1976, 16.6.1976 bzw.
1.9.1976;
Der Rote Kanal Nr.10,Kiel o.J. (1975),S.1f;
Die Linke,Ahrensburg Dez. 1975,S.6f;
Sozialistische Arbeiterpolitik Nr.42,Bochum Dez. 1975/Jan. 1976;
MLPD-ZK:Geschichte der MLPD,II.Teil,1.Halbband,Düsseldorf 1986,S.268;
Extrablatt des Kommunistischen Arbeiterbundes Deutschlands,Tübingen o.J.
(1975),S.1f;
Heisse Eisen,Dortmund o.J. (1975);
Klassenkampf Nr.51,Frankfurt 15.11.1975;
Spartacusbund:Eine Lehrstelle für jeden!,Essen o.J. 1975;
Spartacus Nr.23,Essen Dez. 1975;
DKP-Hoesch-Betriebsgruppen Westfalenhütte und Phoenix:Heisse Eisen 1968-1978,
Dortmund o.J. (1978),S.24;
KPD-OL Dortmund:Keine Fahrpreiserhöhung!,Dortmund o.J. (1975),S.1;
KPD-OL Dortmund:Die KPD legt den Veranstaltern und Teilnehmern der heutigen
Podiumsdiskussion...,Dortmund o.J.,S.2;
KPD-RK NRW:Sayin Isci Arkadaslar,Dortmund o.J. (1975),S.1;
KPD-RK NRW:Ila ma miento,Dortmund o.J. (1975),S.1f;
KPD-RK NRW:Am 8.11. in Dortmund: Oppositionelle Gewerkschafter unter roten
Fahnen,Dortmund o.J. (Nov. 1975),S.1f;
KPD-RK NRW, LgdI Wuppertal:Kampf gegen die geplanten Massenentlassungen bei
Enka-Glanzstoff!,Wuppertal o.J. (Nov. 1975),S.2;
Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.73 und 74,München 2.11.1975 bzw. 16.11.1975

10.11.1975: 
Das KPD-RK NRW (vgl. 10.11.1975) gibt vermutlich in dieser Woche ein
Flugblatt mit zwei Seiten DIN A4 unter Verantwortung von Thomas Luczak,
Dortmund, Münsterstr.95, mit einem Bericht über die bundesweite Demonstration
gegen die Jugendarbeitslosigkeit in Dortmund am 8.11.1975 heraus, in dem es
abschließend heißt:"
Kolleginnen und Kollegen, die Opposition gegen die Bonzen, gegen Vetter,
Loderer und Co., wächst. Die Unzufriedenheit mit der Politik der DGB-Führung
nimmt zu. Aber, Kollegen, oppositionelle Gewerkschafter, diese Opposition
wird nur erfolgreich sein, wenn sie sich zusammenschließt um die
Kommunistische Partei. Ohne die Grundlage des revolutionären Kampfs gegen die
Supermächte wie auch gegen die Monopolbourgeoisie hier wird der Widerstand
der einzelnen Kollegen nur in den Fangarmen der DKP landen und das heißt: vom
Regen in die Traufe kommen. Allein die Kommunistische Partei, die konsequent
festhält am Ziel des Kampfs für ein unabhängiges, vereintes, sozialistisches
Deutschland, kann der Opposition Standfestigkeit und Ausdauer geben, kann das
Rückgrat der Opposition sein, kann verhindern, daß DGB- und DKP-Führung die
Reihen der Opposition spalten und den Kampf zugunsten des einen oder des
anderen Feindes der Arbeiterklasse ausnutzen.

Deshalb, Arbeiter, Werktätige, oppositionelle Gewerkschafter!

Nehmt Kontakt mit uns auf! Setzt Euch mit uns zusammen!

Schließt Euch zusammen um die Rote Fahne des Kampfs für die nationale und
soziale Befreiung der Arbeiterklasse und der werktätigen Massen in ganz
Deutschland!

MIT DER KPD GEGEN DAS SYSTEM VON AUSBEUTUNG, KRISE UND KRIEG!

FÜR EIN UNABHÄNGIGES, VEREINTES, SOZIALISTISCHES DEUTSCHLAND!"
=KPD-RK NRW:Am 8.11. in Dortmund: Oppositionelle Gewerkschafter unter roten
Fahnen,Dortmund o.J. (Nov. 1975)

06.12.1975: 
In Berlin führt die RG eine Veranstaltung über die Jugendarbeitslosigkeit
durch.
=RG:Schule aus! Was nun?,Berlin o.J. (1975)

1976: 
Die KPD, vermutlich ihr RK NRW, gibt vermutlich 1976 das folgende Flugblatt
von vier Seiten DIN A4 unter Verantwortung von Marianne Brentzel, Dortmund,
Münsterstr.95, heraus:"
DIE BEFREIUNG DER FRAU - TEIL DES PROLETARISCHEN KLASSENKAMPFS ...
Der
kapitalistische Staatsapparat, der die Arbeiterin mit dem Paragraphen 218
zwingen will, Kinder zu bekommen, der sich verlogen als 'Schützer' der
ungeborenen Kinder aufspielt, hat nicht die geringsten Skrupel, daß Kinder in
zu engen Wohnungen aufwachsen, daß weder für genügend Kinderspielplätze noch
für eine ausreichende medizinische Versorgung für sie gesorgt ist. Er macht
den Mutterschutz oft genug zu einem Fetzen Papier, bejammert aber die
Abtreibungsrate. Dabei ist er selbst die Ursache für die erschreckend hohe
Säuglingssterblichkeit in der BRD, der katastrophalen Bedingungen in den
Schulen, der Jugendarbeitslosigkeit und der darin begründeten
Jugendverwahrlosung. ..."
=KPD-RK NRW:Die Befreiung der Frau - Teil des proletarischen Klassenkampfs,
Dortmund o.J.

19.01.1976: 
Vermutlich in dieser Woche wird, laut KPD, das Sofortprogramm der
Bundesregierung zu Jugendarbeitslosigkeit und Berufsbildungsreform bekannt,
das u.a. ABM-Maßnahmen für Jugendliche vorsieht.
=Rote Fahne Nr.4,Köln 28.1.1976

19.01.1976: 
An der Mainzer Karmeliter Berufsschule und Berufsaufbauschule (BAS) führt,
laut KPD, die Initiative gegen Jugendarbeitslosigkeit ihres KJVD diese Woche
eine Kundgebung gegen den Rausschmiß von Karl Rozbrog (vgl. 22.12.1975)
durch.
=Rote Fahne Nr.4,Köln 28.1.1976

Februar 1976: 
In Dortmund findet vermutlich im Februar eine Podiumsdiskussion gegen den
Abbau demokratischer Rechte statt, auf der die KPD Ortsleitung (OL) Dortmund
das folgende Flugblatt mit zwei Seiten DIN A 4 Spiritcarbonabzug ohne
presserechtlich Verantwortlichen verteilt:"
Die KPD legt den Veranstaltern und Teilnehmern der heutigen Podiusmdiskussion
die folgenden Fragen zur Diskussion vor. ...
Kann es Solidarität mit den Antidemokraten der DKP und des MSB geben, die in
der DGB-Jugendgruppe den Gewerkschaftsausschluß des Genossen S., Mitglied des
KJVD (vgl. S2.**.197*,d.Vf.), betrieben, weil er gegen den Verrat der
Gewerkschaftsführung auf der DGB-Demonstration gegen Jugendarbeitslosigkeit
(vgl. 8.11.1975,d.Vf.) protestiert hat? ..."
=KPD-OL Dortmund:Die KPD legt den Veranstaltern und Teilnehmern der heutigen
Podiumsdiskussion...,Dortmund o.J.

04.02.1976: 
Die SMV der Carl-Severing-Schule Bielefeld für Metall- und Elektroberufe
mit Berufsschule, Fachoberschule und Fachschule (BS, FOS bzw. FS) Abteilung
Metall und Elektro (vgl. 2.2.1976) rief auf:"
Die GEWERKSCHAFT ERZIEHUNG UND WISSENSCHAFT (GEW) führt am

MITTWOCH, den 4.2.1976

18 Uhr

in der Aula der Ingenieurschule, Bielefeld, Bleichstraße,

eine PROTESTVERANSTALTUNG gegen die Nichteinstellung von Lehrern in den
Schuldienst und gegen andere staatliche Sparmaßnahmen im Bildungswesen durch.

Die SMV unterstützt diese Veranstaltung und wird dort einen Redebeitrag
halten zur Jugendarbeitslosigkeit und zur miserablen Ausbildungssituation der
Arbeiterjugend.

KOMMT ZUR PROTESTVERANSTALTUNG DER GEW!"
=Carl-Severing-Schule Bielefeld:SMV-Info,Bielefeld Feb. 1976,S.15

05.03.1976: 
In Hamburg beteiligen sich, laut und mit KPD, rund 400 an einer
Demonstration gegen Rationalisierung und Jugendarbeitslosigkeit in der
Druckindustrie, u.a. von Gruner und Jahr (G+J) und von Bauer, wo die
Druckerei nach Köln in NRW verlagert werden soll.
Neben der DKP greift auch der KB ein. Die KPD meint zum KB:"
Diese heruntergekommene Organisation ist mittlerweile ein reines Anhängsel
der Revisionisten. Sie lassen keine Gelegenheit aus, um mit ihrem widerlichen
Gegeifer gegen die VR China selbst die DKP noch zu übertönen."
=Rote Fahne Nr.11,Köln 17.3.1976,S.5

06.03.1976: 
In Duisburg-Hamborn führt, laut KPD, die Zentrale Initiative zum Kampf
gegen Jugendarbeitslosigkeit und Verschlechterung der Ausbildung, für die
Egon Redereit spricht, einen Arbeiterjugendkongreß durch (vgl. 21.2.1976).
Später ist die Rede von einem Arbeiterjugendkongreß des KJVD der KPD. Der
KJVD habe mit diesem Kongreß einen weiteren Versuch unternommen, "den Kampf
gegen die Jugendarbeitslosigkeit zu verstärken".
Zur RG der KPD/ML heißt es:"
Die Rote Garde nahm zwar nicht ... teil, überbrachte aber wenigstens eine
Grußbotschaft." Teilgenommen hätten dafür aus Berlin ABM-Beschäftigte und
der Arbeitslosenausschuß.

Laut KPD beteiligen sich über 300 Jugendliche, darunter über die Hälfte
Arbeiter und Lehrlinge. Ein Drittel sei arbeitslos gewesen.
U.a. tritt auch Bernd Beste auf.
Grußadressen gehen, laut KPD, u.a. ein von der Sozialistischen Schülergruppe
(SSG) Mainz in Rheinland-Pfalz sowie aus NRW von der SMV der Berufsschule
Lünen und der SMV der FOS für Sozialpädagogik Dortmund.
=Rote Fahne Nr.6, 8, 9, 10 und 11,Köln 11.2.1976, 25.2.1976, 3.3.1976,
10.3.1976 bzw. 17.3.1976,S.*, S.*, S.*, S.4 bzw. S.*;
Kämpfende Jugend Nr.2,Köln Feb. 1976;
KPD-ZK:II. Parteitag der KPD. Rechenschaftsbericht des ZK,Köln 1977,S.334

22.03.1976: 
In Frankfurt, wo es derzeit, laut SpB, 3 000 jugendliche Arbeitslose
gibt, findet zu diesem Thema eine Veranstaltung des Club Voltaire statt,
auf der auch mit/über die ASH Bockenheim geredet wird.
=Spartacus Nr.27,Essen 15.4.1976

23.03.1976: 
Die KPD/ML berichtet:"
SCHMIDT AUF STIMMENFANG

BEI DEN OPELARBEITERN ABGEBLITZT ...
Auch über die Jugendarbeitslosigkeit konnte Schmidt nur Zynismus verbreiten.
Die richtige Einstellung zur Arbeit kommt nach Schmidts Worten doch erst im
Alter, deswegen wären die meisten Jugendlichen an einer Lehrstelle gar nicht
interessiert. Und das, nachdem sich ausgerechnet bei Opel 1 000 Lehrlinge für
die Aufnahmeprüfung für eine Lehrstelle beworben haben, von denen nur 275
angenommen wurden. Ein Zwischenrufer zu Schmidts Einstellung zur Arbeit: 'Die
hast du offensichtlich auch noch nicht gefunden.'"
=Roter Morgen Nr.14,Dortmund 3.4.1976,S.*;
Zündkerze Nr.4,Bochum Juni 1976,S.4f

April 1976: 
In Preetz gibt die DKP die Nr.4 ihrer 'B 76' (vgl. März 1976, Jan. 1977)
heraus.
Die uns nicht vorliegende Nr.3 erscheint vermutlich ebenfalls im April.
Berichtet wird von einer eigenen Veranstaltung (vgl. März 1976).
Enthalten ist u.a. auch:"
Das Interview ...
B 76: Welche Stellung bezieht die SDAJ im Bundestagswahlkampf?
SCHÜMANN: Wir prüfen die Parteien und Kandidaten, wie sie zum Problem der
Jugendarbeitslosigkeit stehen, zum Lehrstellenmangel, zum Fehlen der
Möglichkeiten für eine sinnvolle Freizeit. ..."
=B 76 Nr.4,Preetz Apr. 1976

16.05.1976: 
Der AB gibt die Nr.87 seiner 'Kommunistischen Arbeiter Zeitung' (KAZ) (vgl.
2.5.1976, 22.5.1976) heraus.
Es wird u.a. berichtet über die Jugendarbeitslosigkeit in Aachen.
=Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.87,München 16.5.1976

28.05.1976: 
In Düsseldorf beteiligen sich, laut KPD, 2 000 LehrerInnen, Eltern und
Jugendliche an einer Demonstration der Landesvereinigung der Lehramtsanwärter
und Referendare an Grundschulen, Hauptschulen, Realschulen, Gymnasien und
Berufsschulen.
Vertreten sind auch die Initiative gegen Jugendarbeitslosigkeit des KJVD der
KPD und die Initiative für einen BSLE der KPD, die ein Flugblatt verteilt.
=Rote Fahne Nr.22,Köln 2.6.1976

07.06.1976: 
In der zentralen Jugendgruppe Gesundheitswesen der ÖTV Berlin wird, laut
KPD, vermutlich in dieser Woche ein Revers gegen Günther Breden vorgelegt,
der sich von KPD und KPD/ML (nicht aber dem KBW) distanzieren soll, weil er
zum oppositionellen Block auf der bundesweiten
Jugendarbeitslosigkeitsdemonstration am 8.11.1975 aufrief (vgl. 3.11.1975).
In der Jugendgruppe wird eine Resolution gegen den Revers bei vier
Enthaltungen und einer Neinstimme von der SEW verabschiedet.
=Rote Fahne Nr.24,Köln 16.6.1976

08.11.1976: 
Die Zelle Bayer Leverkusen des KJVD der KPD (CPK-Bereich - vgl. Apr. 1977)
zitiert aus der frühestens in dieser Woche erscheinenden Novemberausgabe der
'Pille', Betriebszeitung der DKP bei Bayer (vgl. **.**.1976, **.**.197*):"
TRICK 17: WIE WIRKT MAN AM SOZIALSTEN

Am 5.11.1976 erschien im Leverkusener Stadtanzeiger ein Artikel über BAYER
und seine sozialen Leistungen.

BAYER soll im Rahmen der 'Maßnahmen zur Linderung der Jugendarbeitslosigkeit'
zusätzlich jugendliche Arbeitslose eingestellt haben. das hört sich sehr
lobenswert an und wäre es auch, würde man nicht die Situationen und
Begebenheiten etwas besser kennen. Im Artikel wird von 200 'zusätzlich'
eingestellten Jugendlichen gesprochen. Sie werden bei BAYER als Jungarbeiter
beschäftigt. Bemerkenswert ist hierbei, daß BAYER schon seit Jahren im
September neben Auszubildenden auch Jungarbeiter einstellt, und zwar bis auf
1975 meistens um die 200 Kollegen und Kolleginnen. Man kann also nur sagen,
daß Bayer die frühere Praxis erfreulicherweise beibehielt, von
außerordentlichen Leistungen kann keine Rede sein.

Allerdings sind im Laufe des Jahres noch 57 sogenannte 'schwervermittelbare'
Jugendliche aufgenommen worden. Hier weiß man auch nicht, wie viele von ihnen
die Probezeit überstanden haben. Jedenfalls ist bekannt, daß nicht alle nach
der Probezeit übernommen wurden.

Man versucht also mit 'ollen Kamellen' und aus betriebsüblicher Praxis den
Anschein zu erwecken, als wäre das Geschehene eine zusätzliche Tat. BAYER hat
jahrelang, auch zu Zeiten der", hier bricht das vom KJVD verbreitete
Faksimile ab.

An anderer Stelle berichtet der KJVD, vermutlich über diese 'Pille', dort
stehe:"
Es ist zu begrüßen, daß Bayer auch in diesem Jahr Jungarbeiter einstellt.
Aber von einer besonderen sozialen Maßnahme kann keine Rede sein".
=KJVD-Zelle Bayer Leverkusen:KJVD enthüllt. Neue 'Ausbildungs'Programme -
Bayers Geschäft mit der Arbeitslosigkeit,Leverkusen Apr. 1977,S.14 und 21

13.12.1976: 
An der Carl-Severing-Schule Bielefeld Berufs- und Fachoberschule (FOS) für
Metall und Elektro erscheint spätestens Anfang dieser Woche das folgende
'SMV-Info' (vgl. Feb. 1976) mit zwei Seiten DIN A 4 unter Verantwortung des
Schülersprechers Matthias Gläsker zum Girgensohn-Erlaß (vgl. Okt. 1976):"
WEG MIT DEM GIRGENSOHN-ERLASS!...

Im Wahlkampf (BTW - vgl. 3.10.1976,d.Vf.) hieß es noch: 'Wir verstehen mehr
von Freiheit'. Da wurde 'Selbstkritik' von Leuten wie Brandt geübt. Kaum aber
ist der Wahlkampf vorbei, da hagelt es nicht nur Berufsverbote und
Sonderverhöre in fast allen Städten der BRD, sondern es wird auch noch
verboten, sich dagegen zu wehren. Darüberhinaus ist jetzt - beispielhaft für
alle Bundesländer - in Hamburg ein neues Schulgesetz geplant, das die
politische Unterdrückung durch Gesinnungsschnüffelei und Verpflichtung auf
die sogenannte 'freiheitlich demokratische Grundordnung' verschärfen soll.
Demokratischen und kommunistischen Schülern wird mit Gefängnisstrafen bis zu
sechs Monaten und mit generellem Schulverweis gedroht. Diese Entwicklung
können wir sehr deutlich an unserer Schule erleben. So wurden unsere beiden
Verbindungslehrer, K. Eisele und Martin Arnold, nicht weiter beschäftigt,
weil sie unseren Kampf gegen die Verschlechterung der Ausbildung und
Jugendarbeitslosigkeit unterstützen. (Nur dürfen wir nach diesem Gesetz nicht
einmal gegen diese Maßnahme kämpfen!) ..."
=SMV Carl-Severing-Schule Bielefeld:SMV-Info Weg mit dem Girgensohn-Erlaß!,
Bielefeld o.J. (1976)

Februar 1977: 
Im KABD erscheint eine "Stellungnahme der ZL des KABD zur Entwicklung und
Arbeit des RJVD."
Hauptaufgabe für den RJVD sei "der Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit".
=KABD-ZL:Stellungnahme der Zentralen Leitung des KABD zur Entwicklung und
Arbeit des RJVD vom Februar 1977,o.O. Feb. 1977

März 1977: 
Der RJVD Ulm des KABD gibt eine Sondernummer seiner Berufsschulzeitung 'Der
Rotstift' zur Revue 'Vorwärts und nicht vergessen' heraus, die sich auch mit
der Jugendarbeitslosigkeit befaßt.
=Der Rotstift Sdr.Nr. zur Revue Vorwärts und nicht vergessen,Ulm o.J. (März
1977)

März 1977: 
Die Zelle Bayer Leverkusen des KJVD der KPD (CPK-Bereich - vgl. Apr. 1977)
berichtet vermutlich von heute und den folgenden Tagen von der SDAJ der DKP:"
Gerade in letzter Zeit versuchen sich die D'K'P/'S'DAJ als 'Vorkämpfer' gegen
Jugendarbeitslosigkeit und Verschlechterung der Ausbildung zu profilieren!

Vor dem BDI-Gebäude in Köln (Bund deutscher Industrieller) streiken
'S'DAJ'ler einen Tag 'Hunger' um ein Gespräch mit Schleyer zu 'erwzingen'!"

...

Kein Trick ist ihnen zu billig, um über ihre wahren Absichten
hinwegzutäuschen! Als 'Reaktion einer empörten Bürgerin' schreibt Edeltraut
Busalt auf die 'Hungerstreikaktion' ihrer 'S'DAJ einen Leserbrief an den
Kölner Stadtanzeiger (KStA,d.Vf.):

'HUNGERSTREIK

WEIT GEKOMMEN

Soweit sind wir also mit der Sozialen Marktwirtschaft gekommen: Ein
Hungerstreik ist notwendig, um die Öffentlichkeit aufmerksam zu machen auf
die Schwierigkeiten, die Jugendliche haben, einen Ausbildungsplatz oder einen
Arbeitsplatz zu bekommen (Ausg. v. 22.3.1977).

Es ist an der Zeit, daß die Öffentlichkeit verstärkt die Forderungen der
Gewerkschaften nach Ausbildungsplätzen für alle Jugendlichen und Abbau der
Arbeitslosigkeit aufgreift.

Edeltraut Busalt und sechs weitere Unterschriften, Leverkusen'"
=KJVD-Zelle Bayer Leverkusen:KJVD enthüllt. Neue 'Ausbildungs'Programme -
Bayers Geschäft mit der Arbeitslosigkeit,Leverkusen Apr. 1977,S.13f

05.03.1977: 
In Regensburg führt der AB eine Diskussionsveranstaltung zur
Jugendarbeitslosigkeit durch.
=Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.108,München 20.3.1977

06.03.1977: 
Zu heute verfaßt die KPD den folgenden Artikel:"
6.MÄRZ: KAMPFTAG GEGEN DIE ARBEITSLOSIGKEIT! ...

Die 'Interessenvertreter der Arbeitnehmer', die Gewerkschaftsführer, fordern
von der Regierung 'mehr Hilfsprogramme', gezielte 'Investitionslenkung' und
vor allem 'Mitbestimmung'. Ständig reden sie davon, durch 'gemeinsame
Anstrengungen mit der Regierung' die Krise und die Arbeitslosigkeit meistern
zu wollen. Doch gerade sie selbst sind es, die in den Betriebs- und
Aufsichtsräten den Massenentlassungen (wie bei VW oder im Bergbau) zustimmen,
sie sind es, die mit den Kapitalisten Lohnraubabschlüsse getätigt haben, die
nicht mal einen 'Inflationausgleich' bedeuten und sie sind es auch, die
klassenbewußte und kämpferische Arbeiter aus den Gewerkschaften schmeißen
(UVB,d.Vf.) und für deren politische Entlassung aus den Betrieben sorgen.
Damit versuchen sie, die Arbeiterklasse vom unversöhnlichen Klassenkampf
gegen die herrschende Ausbeuterklasse abzuhalten, ihren Widerstand auf
friedliche, versöhnlerische, sozialpartnerschaftliche Bahnen zu lenken.
Aufgeschreckt durch die zunehmende Kampfbereitschaft gerade der Jugendlichen
infolge der Perspektivlosigkeit ihrer Lage, versuchen die Bonzen,
'beschleunigte Maßnahmen' bei der Regierung durchzusetzen, um 'die
Jugendlichen vor einer politischen Radikalisierung zu bewahren'. So
unterstützen sie die von der Regierung und der Arbeitsamtsbürokratie
eingerichteten 'Berufsgrundschuljahre' (BGJ,d.Vf.) und 'Berufsbildunglehrgänge'
in denen die Jugendlichen - völlig entrechtet - für ein paar Mark Taschengeld
brutal ausgebeutet werden. Die Bonzen unterstützen nicht nur den
systematischen Abbau der dreijährigen Lehrzeit, sondern gehen gegen
Jugendvertreter und Jugendgruppen vor, die zum Kampf gegen die
Jugendarbeitslosigkeit aufrufen.

Im Kampf gegen die Krisenauswirkungen, gegen die massven Angriffe auf die
soziale Lage steht die Gewerkschaftsführung auf der anderen Seite der
Barrikade.

Und die DKP, die sich heuchlerisch 'kommunistisch' nennt? Tritt sie für die
grundlegenden Interessen der Arbeiter, besonders der Jugendlichen ein, wie
sie immer behauptet?

Die DKP redet ebenfalls von 'Investitionslenkung' und 'Mitbestimmung', die es
durchzusetzen gelte. Darüber hinaus betriebt sie Werbung für ein angebliches
'Recht auf Arbeit' und für 'Osthandel sichert Arbeitsplätze'.

Ein Recht auf Arbeit gibt es im Kapitalismus aber nicht. Die Anarchie der
Produktionsweise, der Zwang billiger zu produzieren, als der Konkurrent, die
Notwendigkeit, Arbeitsplätze wegzurationalisieren, gehört ja gerade zu den
Säulen der kapitalistischen Ausbeuterordnung.

Wie soll Handel und zudem noch Handel mit der imperialistischen Sowjetunion
bei uns Arbeitsplätze sichern? Sind denn die Arbeitsplätze bei Mannesmann
oder Peine Salzgitter, die schon seit langem mit der Sowjetunion Handel
betreiben, sicherer geworden? Oder haben nicht gerade die Röhrenlieferungen
von Mannesmann zu Abhängigkeit vom Sozialimperialismus, zu gesteigerter
Rationalisierung geführt? Hinter den 'Forderungen' der DKP steckt doch nur,
die Wirtschaft der BRD von der Sowjetunion abhängig zu machen und damit den
aggressiven Zielen der Neuen Zaren zu dienen. Mitbestimmen wollen die DKP-
Revisionisten deshalb, um Einfluß und Kontrolle über die Arbeiter zu bekommen
und Teile der Bourgeoisie für die Zusammenarbeit mit Breschnew zu bewegen.

Wie kann man sich 'kommunistisch' nennen und gleichzeitig politisch,
ideologisch und materiell vollkommen von den Neuen Zaren der Sowjetunion und
der Honecker-Clique abhängig sein. Der DKP geht es gar nicht um den Kampf der
Arbeiterklasse, sondern um die Bindung der Arbeiterinteressen an die
Verhandlungspolitik der Gewerkschaftsbonzen mit den Kapitalisten. Statt
Klassenkampf - Appelle an die Regierung und 'mehr Mitbestimmung'. Sie, die am
lautesten nach 'Mitbestimmung' und 'Arbeiterrechten' rufen, sind die
gefährlichsten Feinde innerhalb der Arbeiterbewegung. Mit den modernen
Revisionisten der DKP/SEW kann es keine Gemeinsamkeiten geben.

Unsere Partei tritt für den Zusammenschluß der Arbeiterklasse auf dem Boden
des Klassenkampfes ein. Nur im unversöhnlichen Kampf gegen Monopolkapital,
Schmidt-Regierung und Gewerkschaftsbonzen können sich die Arbeiter das
erkämpfen, was sie zum Leben brauchen.

Wir sind für die Aktionseinheit der Arbeiterklasse, Aktionseinheit im Kampf
gegen Lohnraub, Arbeitslosigkeit und soziale Demontage.

Wir schließen uns mit allen Kräften zusammen, die gegen das Kapital, die
Regierung und die Gewerkschaftsführung und für Verbesserung der Lage der
Werktätigen, für demokratische Rechte, eintrete.

Wir wollen am 12.März aus Anlaß des traditionellen Arbeitslosenkampftages mit
allen fortschrittlichen und demokratischen Kräften in den Gewerkschaften,
Jugendorganisationen, Jugend- und Schülervertretungen, mit Arbeitern aus den
Betrieben, mit Arbeitslosen, mit ausländischen Arbeitern und ihren
Organisationen breite öffentliche Diskussionen durchführen. Zusammen mit dem
Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD) werden wir solche
öffentlichen Diskussionen organisieren.

Nehmt teil an diesen Diskussionen!

Schaffen wir die Aktionseinheit von Arbeitenden und Arbeitslosen,
jugendlichen und älteren Arbeiter, deutschen und ausländischen Arbeitern!"

Verbreitet wird dieser Artikel u.a. durch das KPD-RK NRW (vgl. 7.3.1977).
=KPD-RK NRW:Kampftag gegen Arbeitslosigkeit,Dortmund o.J. (1977),S.2f

April 1977: 
Die Jugendbetriebszelle Bayer Leverkusen des KJVD der KPD gibt die
Dokumentation "KJVD enthüllt. Neue 'Ausbildungs'Programme - Bayers Geschäft
mit der Arbeitslosigkeit" mit 24 Seiten DIN A 5 unter Verantwortung von
Stephan Siebenkäs, Dortmund, Münsterstr., zum Preis von 30 Pfennig mit
folgendem Vorwort heraus, in der es u.a. heisst:"
KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN!

Mit dieser Broschüre enthüllt die Jugendbetriebszelle Bayer-Leverkusen des
KJVD, wie die Bayer-Kapitalisten die hohe Arbeitslosigkeit und
Jugendarbeitslosigkeit ausnutzen, um die Ausbeutung der Jugendlichen ins
Unermeßliche zu steigern. Angesichts von 1,6 Millionen Arbeitslosen in der
BRD, darunter über 250 000 Jugendliche, angesichts von 9 133 Arbeitslosen
alleine in Leverkusen, darunter 806 Jugendliche, schwätzt einer der größten
Monopolkonzerne der BRD von sozialen Maßnahmen zur 'Linderung der
Jugendarbeitslosigkeit'.

Unter hochtrabenden Titeln wie 'Ausbildung durch 'Lernen und Tun'' und:
'Ausbildung im 'Haushaltsjahr' für Mädchen' werden in Wahrheit neue
Arbeitsmaßnahmen zur schlimmsten Ausbeutung von 14- und 15-jährigen
Schulabgängern eingeführt.

Den meisten Arbeitern, Jungarbeitern und Lehrlingen sind diese sogenannten
'sozialen Maßnahmen' noch unbekannt, denn die entsprechenden Pläne werden von
den Bayer-Kapitalisten und dem Betriebsrat wohlweislich verheimlicht.

Das Vorgehen der Bayer-Kapitalisten zeigt:

Es ist notwendig und dringlich, gerade im Kampf gegen die elende Lage der
jugendlichen Arbeitslosen, besonders auch der Mädchen und die rapide
Verschlechterung der Ausbildung, die Aktionseinheit unter allen
fortschrittlichen Jugendlichen und Jugendorganisationen herzustellen - über
weltanschauliche Differenzen hinweg!

Die Broschüre der Jugendbetriebszelle Bayer-Leverkusen des KJVD ist ein
Beitrag dazu."

Im ersten Kapitel heißt es:"
LERNEN DURCH TUN:

AUSBILDUNG ODER AUSBEUTUNG?

1.

Bayer hat ein sogenanntes 'Ausbildungsprogramm für Jugendliche ohne
Hauptschulabschluß' entwickelt. Was steckt hinter diesem Programm?

'Jugendliche ohne Hauptschulabschluß sollen durch ein gezieltes dreijähriges
Programm so eingesetzt und gefördert werden, daß sie die Kenntnisse und
Fertigkeiten eines qualifizierten Chemiearbeiters im Sinne des Tarifvertrages
der chemischen Industrie von Nordrhein erlangen...'

Das hört sich nach Ausbildung an. Doch in Wirklichkeit ist ein qualifizierter
Chemiearbeiter im Sinne des Tarifvertrages nichts anderes als ein Arbeiter,
der fähig ist, in der Chemie zu arbeiten. Jeder, der das 1 1/2 Jahre lang
macht, ist - zumindest nach der Tarifregelung - qualifizierter
Chemiearbeiter!

2.

Was soll der Jungarbeiter nach Bayers Vorstellung lernen?

'Kennenlernen und Pflegen von Werkzeugen - Kennenlernen des Werkes durch
Botengänge - Anwendungsorientierter Umgang mit Rohrleitungsteilen - Helfen
beim Beschicken und Entleeren von Reaktionsbehältern - Helfen beim
Aufbereiten von Produkten - Transport von Feststoffen, Flüssigkeiten und
Gasen...'

Das heißt:

Die 'Auszubildenden' sind Botenjungen und Handlanger in der Produktion. Der
'anwendungsorientierte Umgang mit Rohrleitungsteilen' sieht dann in der
Praxis so aus, daß man angeraunzt wird: 'He, hol mal das Rohr aus dem
Kabuff!'

Und aus 'Transport von Feststoffen, Flüssigkeiten und Gasen' wird dann das
Wegschieben von schweren Wagen und das Wegbringen von irgendwelchen Fässern.

'Ausbildung' wird das ganze nur genannt, weil das neue
Jugendarbeitsschutzgesetz (JuArschG,d.Vf.) ausdrücklich jede Dreckarbeit
gestattet, 'wenn es der Ausbildung dient'. Bayer zeigt, wie das gemeint ist!

3.

'Während des ersten Einsatzjahres erfolgt der Einsatz in den Werkstätten des
Werkes Leverkusen. es sollen in etwa die praktischen Kenntnisse und
Fertigkeiten des ersten Ausbildungsjahres des Betriebsschlossers erworben
werden...'

Im zweiten Jahr:

'Während des zweiten Einsatzjahres erfolgt der Einsatz in den Betriebslabors
ausgewählter Produktionsbetriebe...'

'Während des dritten Einsatzjahress erfolgt der Einsatz in ausgewählten
Produktionsbetrieben...'

Jeder ungelernte Kollege wird bereits nach 1 1/2 Jahren in Lohngruppe III
eingestuft. Die Bayerkapitalisten sparen also: Bei ca. 300 Jugendlichen spart
Bayer in einem Jahr ca. 2 1/2 Millionen DM an Geldern für Hilfskräfte ein.
Das könnte der Konzern nicht, würde er das ganze nicht 'Ausbildung' nennen.
So aber streicht er außerdem noch von der SPD-Landesregierung
Unterstützungsgelder für die 'Beschaffung von Ausbildungsplätzen' ein. Der
'Stadtanzeiger' vom 25.3.1977 berichtet: 'Um den Anteil der jugendlichen
Hilfsarbeiter zu verringern, sollen Arbeitgeber 250 DM monatlich erhalten,
wenn sie mit einem Jugendlichen einen Betreuungsvertrag für längstens ein
Jahr abschließen.' Für die Ausbeutung von Jugendlichen vom 15.Lebensjahr an
erhält Bayer bei 300 Jungarbeitern im Jahr ca. 800 DM vom Staat! Zusammen mit
dem gesparten Geld für die Hilfskräfte macht das ca. 3,3 Millionen DM! (...)

4.

'Über das Ergebnis der Einsatzschritte und über das Ergebnis der
Gesamtmaßnahme erstellt die Personalabteilung auf der Basis der Äußerungen
des Betriebsleiters und des Betreuers ein Zeugnis...'

Dieses Zeugnis ist für die Jugendlichen einen Dreck wert. Der Ausbildungsgang
ist Bayer-intern und nirgends anerkannt. Und weiter: Die Zeugnisse werden auf
der Grundlage von Personalbeurteilungsbögen hergestellt, die nach dem Prinzip
ausgefeilt wurden, ob sich die Jugendlichen willenlos der kapitalistischen
Arbeitsdisziplin unterordnen.

Da der Konzern mit diesen Bögen bezeichnenderweise nicht rausrückt, haben wir
einen Beurteilungsbogen aus dem Siemenskonzern abgedruckt, der sich von dem
bei Bayer nicht wesentlich unterscheidet.
5.

'Ergibt sich im rahmen der persönlichen Entwicklung des Jugendlichen die
Möglichkeit, ein Berufsausbildungsverhältnis einzugehen, so soll der Abschluß
eines Berufsausbildungsvertrages von allen beteiligten Stellen möglichst
gefördert werden...'

Das heißt auf gut deutsch: die Jugendlichen sollen kuschen und ja keinen
Widerstand leisten. Aber selbst wenn ein Kollege noch so 'brav' ist, wird
Bayer nur wenige ins Lehrverhältnis übernehmen. Der Konzern hat entgegen
seinen offiziellen Bekanntmachungen die Lehrstellen 1976 von 3 000 auf 2 800
gekürzt. Im Betriebsratsbericht schreibt BR-Vorsitzender Weber, daß die
Nichtübernahmen zunehmen werden. Das Versprechen auf eine Lehre ist ein
hohles Geschwätz, mit dem die Kollegen unter Druck gesetzt werden, nach dem
Motto: 'Wenn Du Dich nicht anpaßt, bekommst Du auch keine Lehrstelle!'

6.

'Die schulische Betreuung erfolgt in jeweils für diese Maßnahme
einzurichtenden Jahrgangsklassen an der Bayer-Berufsschule...'


Die Gruppenstunden gab es bischer schon für Jungarbeiter, die eine Lehre
machen wollen und für Lehrlinge mit schlechten Noten. Dort sollen
'demokratische' Verhaltensweisen 'eingeübt' werden. Praktisch sieht das aber
so aus, daß jede Äußerung der Opposition oder des Unwillens bis hin zur
politischen Haltung von den Sozialarbeitern festgehalten wird und bei den
Personalunterlagen zur 'Beurteilung' landet!

7.

'Die sicherheitstechnische Unterweisung erfolgt halbjährlich durch einen
Beauftragten des Betriebes in Anwesenheit eines Vertreters des
Arbeitsschutzes...'

Damit wird unverhohlen zugegeben, daß die Jugendlichen in der Ausbildung in
der Produktion eingesetzt werden und mit gesundheitsgefährdenden Stoffen
hantieren müssen, obwohl das angeblich laut Jugendarbeitsschutzgesetz
verboten ist. Um des Profits für die Bayer-Kapitalisten willen, werden die
jungen Kollegen der Gefahr ausgesetzt, sich gesundheitliche Schäden zu holen,
wie das ja auch jetzt schon häufig bei den erwachsenen Kollegen der Fall ist.

8.

'Das vorliegende Programm knüpft an die vorwiegend praktische Begabung dieser
Jugendlichen an. Das Lernen soll weitgehend über die Methode 'Vormachen,
Nachmachen, Einüben' erfolgen. ...Von theoretischen Erklärungen ohne
konkreten Bezug zum betrieblichen Handeln ist abzusehen...'

Das Programm folgt der 'Lernmethode': 'Vormachen, Nachmachen, Einüben!'

Das soll für die Jugendlichen 'mit vorwiegend praktischer Begabung' gut sein.
Anders herum ausgedrückt heißt das: Die Jugendlichen des Kurses werden für
leicht schwachsinnig gehalten und können nur praktische Tätigkeiten ausüben.
Und hinter dem wissenschaftlichen Wort 'Lernmethode' steckt nichts anderes
als das Vormachen von den miesesten und dreckigsten Arbeiten.

Wenn jemand einen Lehrling einen Eimer Wasser umschmeißen läßt, nachdem er es
selber auch gemacht hat, ist das im Prinzip auch die 'Lernmethode':
'Vormachen, Nachmachen, Einüben'!

Brutale Ausbeutung unter dem Deckmantel des 'Ausbildungsprinzips'. Das steckt
hinter dieser 'Lernmethode'!

FAZIT:

Auf schamlose Weise nutzt der Bayer-Konzern die gegenwärtige Arbeitslosigkeit
aus. Jugendliche werden für ein Taschengeld in die Produktion gesteckt und
haben dort Arbeiten zu verrichten, die sonst ein Arbeiter machen würde. Auf
diese Weise werden die Löhne der Hilfsarbeiter gedrückt, weil ein
'Auszubildender' ja billiger ist.

Darüber hinaus werden unsere Steuergelder vom Staat den Bayer-Kapitalisten in
den Rachen geschmissen. Das nennt die SPD-Landesregierung dann
'Ausbildungsplatzförderung'. In Wirklichkeit aber wird die Verschärfung der
Ausbeutung, die weitere Verelendung der Arbeiterklasse gefördert.

Durch das Programm werden Jugendliche vom 15.Lebensjahr an
gesundheitsgefährdende Produktionsabläufe gesetzt, was für Jugendliche in
diesem Alter sehr gefährlich sein kann. Sie sollen als billige Hilfskräfte an
die Stelle älterer Kollegen treten und durch die zahlenden Niedrigstlöhne
mehr Profit für den Konzern erbringen."

Der zweite Abschnitt berichtet über:"
DAS 'HAUSHALTSJAHR'

DIENSTMAGD FÜR BAYER!

Im sogenannten 'Haushaltsjahr' bei Bayer werden bis zum Juni 1977 12 Mädchen
beschäftigt. Diese angebliche 'Maßnahme zur Linderung der
Jugendarbeitslosigkeit' wird vom Arbeitsamt finanziert als 'Ausbildung'.
Sehen wir uns die Bayer-Pläne an:

Zur Arbeit im Restaurant heißt es: 'Allgemeine Vorbereitungsarbeiten, z.B.
holen bzw. putzen von Porzellan, Gläsern, Silbertabletts (!), Menagen,
Tischwäsche, ..., Wäsche sortieren und zählen, ..., Umgang mit Gästen...'

Zur Arbeit in der Restaurationsküche wird gesagt: 'Mitwirkung bei der
Herstellung von Teigen, Cremes, Ei- und Halbgefrorenem, Salaten, Kuchen, ...,
Herstellung von Kaffee, Tee, Kakao, ..., belegten Broten...'

Im Werksküchenbereich 'dürfen' die Mädchen: 'Vorbereitungsarbeiten wie Gemüse
putzen, Salat putzen, Kartoffeln verlesen, Speiseausgabe (Band), bedienen der
Gasgeräte, ..., Reinigung des Arbeitsplatzes,...' verrichten.

'Zu Beginn eines jedes Betreuungsnachmittages Besprechung aktueller
Ereignisse aus Politik, Wirtschaft, Sport sowie aus dem Arbeitsleben der
Mädchen...'

'Mein Arbeitsplatz: Wer knn, wer darf mir im Betrieb etwas sagen?...'

'Sinn und Zweck der Arbeitsordnung...'

'Verantwortung gegenüber Mitmenschen und Gesellschaft...'

'Wie können Streitigkeiten gelöst werden?...'

'Rechte und Pflichten im Arbeitsleben...'

'Was kann für die Gesundheit getan werden - Tabak, Alkohol, Rauschgift.'
(wohlgemerkt: im Chemieriesen Bayer, wo Giftstoffe nur so konzentriert
rumfliegen!)

Mit hochgeschraubten Worten wie 'Menagen' (deutsch: Platzanweisung,
Bedienung) und 'mis en place' (deutsch: Beköstigung, Servieren) soll der
Eindruck einer 'Ausbildung' vermittelt werden. In Wirklichkeit ist den Bayer-
Kapitalisten nichts dreckig genug, was nicht noch als Ausbildung deklariert
wird. Selbst das, was der 'Ausbildungsplan' vorsieht: 'Suppen, Soßen, Fleisch
ansetzen', haben die Kolleginnen in der Praxis noch nicht einmal getan.

In der Werksküche putzen sie seit einem halben Jahr Gemüse und schälen
Kartoffeln.

Diie Mädchen sind für Bayer billigste Arbeitskräfte, sie ersetzen erwachsenes
Hilfspersonal, dem Bayer vollen Lohn bezahlen müßte. Stattdessen kassiert
Bayer pro 'Kursteilnehmer' vom Arbeitsamt 500 DM 'Ausbildungskosten' und die
Mädchen werden vom Arbeitsamt nach Ausbildungsförderung bezahlt, die sich am
Einkommen der Eltern bemißt und im Schnitt 150 DM pro Monat ausmacht! Gehen
wir davon aus, daß eine Küchenhilfe bei Bayer im Schnitt 800 DM netto erhält,
dann spart Bayer durch diese Mädchen 134 000 DM Lohnkosten für 9 Monate und
zusätzlich 40 000 DM Sozialversicherungsbeiträge. Zusätzlich erhält der
Konzern noch ca. 4 000 DM Ausbildungsplatzprämien.

Während bei Bayer die Giftstoffe nur so in der Luft liegen, wird den Mädchen
von Rauschgift was erzählt!

Das ist ein unglaublicher Zynismus!

Diese 'soziale' Maßnahme der Bayer-Kapitalisten wirft ein bezeichnendes Licht
auf die Lage der Frauen und Mädchen im Kapitalismus:

Zu Niedrigstlöhnen beschäftigt, als erste in der Krise entlassen, von breiten
Bereichen der Berufsausbildung völlig ausgeschlossen sind sie besonders
entrechtet und unterdrückt.

Die Mädchen im 'Haushaltsjahr' werden von Bayer brutal ausgebeutet! Völlig
entrechtet hin- und hergeschoben zwischen Bayer und Arbeitsamt - ohne
Aussicht auf eine sichere Arbeitsstelle, geschweige denn einen
Ausbildungsplatz, verrichten sie die anfallenden Drecksarbeiten!"

Das dritte Kapitel schildert:"
ZWEI SEITEN EINER MEDAILLE...

Die 3 bis 3 1/2-jährige Lehre wurde auch bei Bayer abgebaut und die
Ausbildung systematisch verschlechtert.

'Bei Bayer werden hochqualfizierte Facharbeiter ausgebildet. Bayer ist ein
Ausbildungsmusterbetrieb. Bayer stellt unabhängig von der jeweiligen
konjunkturellen Lage Jahr für Jahr mehr Auszubildende ein.' So tönen
Geschäftsleitun und Betriebsrat. Gerade jetzt versuchen sie so, die Einheit
von Lehrlingen und Jungarbeitern zu verhindern. Sehen wir uns die Taten der
letzten Jahre an:

ELEKTROBEREICH:

- Für jede Stufe wurde ein eigener Beruf konstruiert. Nach der ersten Stufe
ist man Elektroanlageninstallateur, nach der 2.Stufe
Energieanlagenelektroniker. Pro Stufe blieben in den letzten Jahren ca. 20
Kollegen auf der Strecke, wurden nicht übernommen in die nächste
Ausbildungsstufe.

- Die Arbeit an Werkzeugmaschinen (drehen, hobeln, fräsen) wurde aus der
Lehrwerkstatt ausgegliedert und reduziert auf bayerspezifische Einweisungen
im Betrieb.

Der Grundlehrgang 'Metall' wurde um sechs Monate gekürzt. Dagegen ist die
unnötige Länge der Feilarbeit geblieben, denn dies fördert ja bekanntlich die
Disziplin!

- Ausbildungsgänge wie das Errichten von elektrischen Anlagen,
Motorreparaturen usw. wurden auf ein Minimum reduziert.

MESS- UND REGELMECHANIKER

- 1970 wurde die Ausbildung gekürzt auf drei Jahre und geteilt in die
Ausbildung zum 'Meß- und Regelschlosser' und zum 'Meß- und Regelmechaniker'.

- Bohren und Meißeln wurde auf drei Monate gekürzt. Feilen blieb in aller
Länge von sechs Monaten erhalten.

- Grundkenntnisse der Schlosser- und Elektrikertätigkeit wurden eingespart,
ein Berufswechsel ist dadurch weitgehend unmöglich gemacht worden.

- Die Ausbildung in der Lehrwerkstatt wurde insgesamt gekürzt. Vor 1970 war
der Ausbildungsablauf: 1 Jahr Grundlagenausbildung - 1/2 Jahr Grundlagen des
Elektrobereichs - 1/2 Jahr Grundlagen im pneumatischen Bereich - 4 Monate
Betrieb und zum Schluß technisches Praktikum. Heute: Reduzierung der
Ausbildung in der Lehrwerkstatt auf insgesamt 12 Monate - die restlichen zwei
Jahre Arbeit und Ausbildung in der Produktion.

- Insgesamt soll dieser Ausbildungsberuf aufgeteilt werden in:
Maschinenzusammensetzer (nach 1 1/2 Jahren), Teilezurichter (nach 2 Jahren),
Gerätezusammensetzer (ebenfalls nach 1 1/2 Jahren).

- Nach Webers Bericht vom März 1977 sollen im Sommer zwölf Lehrlinge nicht
übernommen werden in ein Arbeitsverhältnis.

CHEMIEBEREICH

- Die einheitliche Ausbildung zum Chemielaboranten (3 1/2 Jahre) wurde
geteilt in die Ausbildungsabschnitte 'Chemiewerker oder Chemiejungwerker'
(zwei Jahre) und Chemielaborant (3 ODER 3 1/2 Jahre).

- Auch hier wurde die Zeit der Ausbildung in der Lehrwerkstatt und die
Aneignung von Grundkenntnissen verwandter Bereiche eingeschränkt.

FAZIT:

Was haben die Kapitalisten nicht alles versprochen, als sie den Stufenplan
mit aktiver Unterstützung der Gewerkschaftsführer einführten:

'Konzentrierung der Ausbildung, Abschaffung der ausbildungsfremden Arbeiten,
Förderung der individuellen Leistungsfähigkeit, höhere Qualität der
Ausbildung insgesamt.' Was aber ist herausgekommen, zum Beispiel bei der
Bayer-AG?

- Der Stufenplan hat keine Qualifizierung der Ausbildung gebracht, sondern er
hat gerade die qualifizierte Ausbildung verringert. Ständig wächst der Druck,
die Ausbildung nach zwei Jahren abzuschließen  und ist man nicht willig, so
gibt es ja noch Zwischenprüfungen. Mit dem Stufenplan hat begonnen, was jetzt
bei 'Lernen durch tun' angelangt ist: Abbau einer qualifizierten
Berufsausbildung für die Masse der Arbeiterjugend zugunsten einer 'Anlehre'
und direktem Einsatz in der Produktion.

- Der Stufenplan hat die ausbildungsfremden Arbeiten nicht abgeschafft. Dafür
aber wurde die Arbeit in der Produktion gesteigert.

- Das Abschaffen von 'Leerläufen' wurde zur Ausrichtung der Ausbildung auf
die bayerspezifischen Produktionsanlagen und dem Abbau qualifizierter
allgemeiner Berufskenntnisse und Sachkenntnisse, die einen
Arbeitsstellenwechsel ermöglichen und eine wesentliche Garantie dafür, im
Kampf für einen Existenzlohn sich behaupten zu können, waren.

- Der Stufenplan hat auch keine besseren individuellen Lernbedingungen
geschaffen. Im Gegenteil: Leistungsdruck, Disziplinierungsmaßnahmen und die
Spaltung sind gestiegen. So wurden Kollegen mit schlechten Berufsschulnoten
zu Weber (!) zitiert, wo sie in Einzelgesprächen eingeschüchtert wurden.

- Die Einführung von Beurteilungsbögen macht die Bespitzelung durch die
Vorgesetzten offiziell. Wer nicht kuscht, hat schon verschissen - dieser
Eindruck soll sich uns Tag für Tag einhämmern bis er in Fleisch und Blut
übergegangen ist.

- Die theoretische Ausbildung sollte durch den Stufenplan ebenfalls besser
werden. Doch die Einführung des Blockunterrichts hat die Trennung von Theorie
und Praxis der Ausbildung bis zur Absurdität gesteigert. Die Regelung, am
zweiten Berufsschultag noch arbeiten zu müssen, zeigt überdies, wie ernst den
Bayer-Kapitaliten unsere theoretische Ausbildung ist.

- Ab 1977 sind alle Hauptschüler verpflichtet, in einem Jahr die Berufsschule
zu besuchen. Anschließend sind sie von der Berufsschulpflicht 'entbunden' und
können die ganze Woche für die Kapitalisten schuften.

Mit dieser Regelung hat die SPD-Regierung dann endlich die leidige
Geschichte, daß die Kapitalisten uns von der Ausbeutung 'freistellen' mußten
für die Berufsschule, zu den Akten gelegt.

Stufenausbildung - das ist: ABBAU DER QUALIFIZIERTEN AUSBILDUNG UND DADURCH
WENIGER LOHN UND WENIGER MÖGLICHKEITEN, DEN ARBEITSPLATZ WECHSELN ZU KÖNNEN!

Stufenausbildung - das ist: VERSCHÄRFTER LEISTUNGSDRUCK, POLITISCHE
ENTRECHTUNG UND VERTIEFUNG DER SPALTUNG!

Stufenplan - das ist: PROFITSTEIGERUNG AUF UNSERE KOSTEN!"

Gefragt wird:"
WOFÜR KÄMPFT DER KJVD?

Die Maßnahmen des Bayer-Konzern zur verschärften Ausbeutung und Unterdrückung
der Arbeiterjugend beweisen, was Lenin als Ergebnis seiner Analyse der
Entwicklung des Kapitalismus zum Monopolkapitalismus sagte:

'Der Imperialismus bedeutet Reaktion auf der ganzen Linie!'

Brutal wird die elende Lage der arbeitslosen Jugend ausgenutzt, um billigste
Arbeitskräfte zu beschaffen!

Die Verschlechterung der Ausbildung, die politische Entrechtung betrifft die
gesamte Arbeiterjugend, ja die ganze Arbeiterklasse - es sollen die
Bedingungen verschlechtert werden, unter denen wir unsere Arbeitskraft
verkaufen können! Lohnraub, Arbeitslosigkeit, Verschlechterung der Ausbildung
und verschärfte politische Entrechtung und Unterdrückung - diese Entwicklung
ist ein gesetzmäßiges Übel des kapitalistischen Systems, in dem der Profit -
die 'Investitionslust' einiger Kapitalisten - im Mittelpunkt steht!

Keine Demagogie ist zynisch und abgeschmackt genug, als daß die Kapitalisten
sie nicht noch einsetzten zur Verschleierung der Tatsachen!

Die Konkurrenz zwingt die Kapitalisten, die Ausbeutung der Arbeiterklasse
ständig zu steigern. Dabei sind Monopolkonzerne wie die Bayer AG aufgrund
ihrer Kapitalkonzentration die Schrittmacher und Nutznießer.

Der einzige Ausweg aus dem System von Arbeitslosigkeit, Krisenwirtschaft und
politischer Unterdrückung ist der Kampf für die proletarische Revolution, für
ein UNABHÄNGIGES, VEREINTES UND SOZIALISTISCHES DEUTSCHLAND!

Denn erst wenn die Arbeiterklasse die Macht in den Händen hält, wird es das
Elend der Arbeitslosigkeit und der stumpfsinnigen Hilfsarbeiten und der
ständig steigenden Arbeitshetze nicht mehr geben. Dann wird die Steigerung
der Produktion für die Arbeiterklasse und die Arbeiterjugend nicht mehr
gleichbedeutend sein mit verschärfter Ausbeutung und Unterdrückung, sondern
Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen und der Ausbildung bedeuten!
Denn im Sozialismus steht der Mensch im Mittelpunkt aller gemeinsamen
Anstrengungen!

DAFÜR KÄMPFEN KPD UND KJVD!

AKTIONSEINHEIT!

FÜR DIE AKTIONSEINHEIT GEGEN JUGENDARBEITSLOSIGKEIT UND VERSCHLECHTERUNG DER
AUSBILDUNG!

Eine Arbeiterjugend, die unfähig ist zu kämpfen, weil gespalten und zermürbt
im Wettlauf um eine Arbeits- und Lehrstelle, in der Konkurrenz jeder gegen
jeden, um vielleicht doch noch die 2. oder 3.Ausbildungsstufe zu erreichen...

Arbeiterjugendliche, die als billigste Hilfskräfte für die Kapitalisten in
der ständigen Angst leben, bei der nächsten Krise auf die Straße zu fliegen,
ohne Hoffnung, jemals eine Berufsausbildung zu erhalten...

Eine Arbeiterjugend, die sich deshalb mit jeder Entrechtung und Unterdrückung
abfindet...

...DAS WOLLEN DIE BAYER-KAPITALISTEN - DAS WILL DIE KAPITALISTENKLASSE!

DOCH WO UNTERDRÜCKUNG IST, DA IST AUCH WIDERSTAND!

Zahlreiche arbeitslose Jungen und Mädchen weigerten sich, sich in die Bayer-
Maßnahmen vermitteln zu lassen. Nur mit Hilfe des Kölner Arbeitsamtes kamen
zwölf Kolleginnen für das 'Haushaltsjahr' zusammen!

Immer lauter wird der Protest gegen die Berufsschulregelung, die uns zwingt,
am 2.Berufsschultag anschließend noch zu arbeiten!

Der massive Druck bei den Zwischenprüfungen im vergangenen Jahr hat auch
Kolleginnen und Kollegen gezeigt, die bisher noch der Meinung waren, 'Ruhe
und Gefügigkeit' garantierten ihre Ausbildung, daß 'Ruhe und Ordnung' der
beste Dienst ist, den die Bayer-Kapitalisten sich zur Durchsetzung ihrer
Maßnahmen wünschen können!

Oder waren die ca. 1 500 Kolleginnen und Kollegen, die in den letzten beiden
Jahren wegrationalisiert wurden, alles 'Unruhestifter' - ganz zu schweigen
von den zahllosen Umsetzungen?

WAS BEWEIST SCHLAGENDER, DASS ES ZWISCHEN UNS UND DEN KAPITALISTEN KEINE
GEMEINSAMEN INTERESSEN, KEINEN 'GEMEINSAMEN WEG AUS DER KRISE' GIBT?

Ein Beispiel für den Weg, den WIR einschlagen müssen, gaben die Lehrlinge des
Chemiekonzerns BASF (in Ludwigshafen - vgl. S11.**.197*, S11.**.197*,d.Vf.).
Im Kampf gegen drohende Nichtübernahmen sprachen sich über 1 000 Lehrlinge
für aktiven Widerstand aus und demonstrierten zweimal auf dem Werksgelände!

In Köln streiken seit über vier Wochen arbeitslose Jugendliche der
'Jugendwerkstatt - Ehrenfeld', einer sogenannten 'Berufsfördermaßnahme' der
Stadt, gegen einen Hungerlohn von 5 DM täglich und solch 'sinnvolle' Arbeiten
wie die Reparatur des Tretautos vom Sohn des zuständigen Sozialdezernenten
Körner oder die Reparatur von Schrottautos, die anschließend wieder zu
Schrott gefahren wurden, um sie erneut zu 'reparieren'. Seit Einrichtung der
Maßnahme wurde noch kein einziger Jugendlicher in eine Lehrstelle vermittelt!

Auch wir müssen - LEHRLINGE ND JUNGARBEITER GEMEINSAM - unseren Protest
organisieren!

Der KJVD tritt ein für die Aktionseinheit aller, die gegen die
Verschlechterung der Ausbildung, gegen Jugendarbeitslosigkeit und ihre
Ausnutzung zur Einstellung billigster Arbeitskräfte, gegen verschärfte
politische Unterdrückung und Entrechtung kämpfen wollen.

Wir fordern alle Lehrlinge und Jungarbeiter, Jungen und Mädchen, und die
erwachsenen Kolleginnen und Kollegen auf: Diskutiert die folgenden
Forderungen:

- EINE DREIJÄHRIGE LEHRE FÜR JEDEN JUGENDLICHEN!

- WEG MIT DEM 'LERNEN DURCH TUN'-PROGRAMM - ÜBERNAHME ALLER JUGENDLICHEN IN
EIN LEHRVERHÄLTNIS!

- DIE JUGENDLICHEN OHNE HAUPTSCHULABSCHLUSS MÜSSEN DIE MÖGLICHKEIT ERHALTEN,
DIESEN NACHZUHOLEN! Z.B. DURCH EINEN ZUSÄTZLICHEN SCHULTAG PRO WOCHE...

- KEIN EINSATZ IN GESUNDHEITSGEFÄHRDENDEN PRODUKTIONSBEREICHEN!

- WEG MIT DER STUFENAUSBILDUNG!

- SCHLIUSS MIT ZWISCHENPRÜFUNGEN UND TEILABSCHLÜSSEN - ALLE LEHRLINGE MÜSSEN
DREIJÄHRIG AUSGEBILDET WERDEN!

- GEGEN POLITISCHE UNTERDRÜCKUNG UND GEGEN ALLE SPALTUNGSMANÖVER!

- ÜBERNAHME ALLER LEHRLINGE NACH DER AUSBILDUNG IN EIN ARBEITSVERHÄLTNIS!

- KAMPF DEN NICHTÜBERNAHMEPLÄNEN BEI DEN MESS- UND REGELMECHANIKERN!

- FREISTELLUNG VON DER ARBEIT ALLER JUGENDLICHEN AN ALLEN SCHULTAGEN!

- UMWANDLUNG ALLER 'BERUFSFÖRDERMASSNAHMEN' UND 'BERUFSFINDUNGSKURSE' IN
DREIJÄHRIGE LEHRSTELLEN!

- WEG MIT DEM 'HAUSHALTSJAHR' - LEHRSTELLEN FÜR ALLE BETROFFENEN MÄDCHEN!

- EXISTENZLOHN FÜR LEHRLINGE, HEUTE 700 DM!

- SOFORTIGE AUSZAHLUNG DES ARBEITSLOSENGELDES OHNE ALLE SPERRFRISTEN FÜR
ALLE ARBEITSLOSEN JUGENDLICHEN IN HÖHE DES EXISTENZLOHNES, HEUTE 700 DM!"

Bekanntgegeben wird:"
DIE GEWERKSCHAFTSFÜHRER STEHEN AUF DER SEITE DES KAPITALS!

Glaubt man diesen 'Interessensvertretern der Arbeitnehmer', so ist mit 'mehr
Hilfsprogrammen', 'gezielter Investitionslenkung' und 'Mitbestimmung' die
nächste Krise schon vergessen. Ihr beständiger Tenor ist: 'Gemeinsam mit der
Regierung müssen wir die Schwierigkeiten meistern.'

Was anderes als 'gezielte Investitionslenkung'  war die Verwendung von mehr
als 40 Milliarden Steuergeldern zur Rationalisierung in den Großbetrieben
denn?

'Mehr Hilfsmaßnahmen' - wir sollen wohl noch mehr Millionen aus der
Arbeitslosenversicherungskasse widerstandslos den Kapitalisten zur Verfügung
stellen?

Die konzentriertesten Massenentlassungen in der BRD, wo fanden sie denn statt
- im 'mitbestimmten' Bergbau (IGBE-Bereich,d.Vf.)!

Kein Geringerer als Weber ('Berufsbetriebsratsvorsitzender') stellt sich in
seinem Bericht an die Versammlungen im März voll und ganz hinter die
Maßnahmen der Bayer-Kapitalisten zur 'Linderung der Jugendarbeitslosigkeit'!
Uns will er mit Lügen wie 'das Ganze ist ja noch nicht verabschiedet' vom
Kampf abhalten, während schon der zweite Schub Jugendlicher vom Arbeitsamt
vermittelt wurde!

Seit Jahren sorgen die Gewerkschaftsführer in den Tarifrunde dafür, daß die
Kapitalisten auf unsere Kosten ihre Profite sanieren. Lohnraubabschlüsse
werden in Gesprächen hinter verschlossenen Türen 'hart erkämpft', deren Höhe
schon Monate vorher in den Sitzungen der 'Konzertierten Aktion' von
Kapitalisten, Regierung und Gewerkschaftsführung beschlossen wurden!

Immer dann, wenn es den Gewerkschaftsführern nicht gelingt, uns auf
Klassenversöhnung, sprich 'Sozialpartnerschaft' festzulegen, schreiten sie
zur offenen politischen Unterdrückung:

Ende Februar 1977 wurde der Jugendarbeitskreis der IG-Chemie geschlossen
(vgl. 28.2.1977,d.Vf.), noch während der Betriebsratswahlen 1975 (BRW - vgl.
26.5.1975,d.Vf.) wurde die gesamte Liste 2 klassenbewußter Kandidaten aus der
IG Chemie ausgeschlossen (UVB,d.Vf.)!

Die Politik der Gewerkschaftsführung zeigt:

WIR MÜSSEN DEN SELBSTÄNDIGEN KAMPF AUFNEHMEN - OHNE UND GEGEN DIE
GEWERKSCHAFTSFÜHRUNG!

Wir müssen die Forderung erheben:

GEGEN POLITISCHE ENTLASSUNGEN, GEWERKSCHAFTSAUSSCHLÜSSE UND BERUFSVERBOTE
(BV,d.vf.)!

REDE- UND VERSAMMLUNGSFREIHEIT DER ARBEITER UND IHRER ORGANISATIONEN IM
BETRIEB, AUF DER STRASSE UND IM ARBEITSAMT!

Um die Einheit von Arbeitenden und Arbeitslosen zu sabotieren, verhindern die
reaktionären Gewerkschaftsführer die gewerkschaftliche Organisierung all
derer, die noch nicht gearbeitet haben:

UNEINGESCHRÄNKTES RECHT ALLER ARBEITSLOSEN AUF GEWERKSCHAFTLICHE
ORGANISIERUNG UND UNTERSTÜTZUNG!"

Gewarnt wird vor DKP und SDAJ:"
D'K'P/'S'DAJ - FALSCHE 'FREUNDE'!

Wenn wir den selbständigen Kampf organisieren wollen, müssen wir uns vor
allem aber auch mit falschen Freunden und selbsternannten 'Verbündeten'
auseinandersetzen - der D'K'P und 'S'DAJ!

Gerade in letzter Zeit versuchen sich die D'K'P/'S'DAJ als 'Vorkämpfer' gegen
Jugendarbeitslosigkeit und Verschlechterung der Ausbildung zu profilieren!

Vor dem BDI-Gebäude in Köln (Bund deutscher Industrieller) streiken
'S'DAJ'ler einen Tag 'Hunger' um ein Gespräch mit Schleyer zu 'erwzingen'
(vgl. 21.3.1977,d.Vf.)!

Nachdem sie den Massenentlassungen bei Felten und Guillaume (IGM-Bereich,d.
Vf.) in Köln zugesehen hatten, versuchen sie jetzt eine 'Bürgerinitiative
gegen Arbeitslosigkeit' auf die schon bei F+G breit propagierte Forderung der
Durchsetzung des 'Rechts auf Arbeit' zu verpflichten und preisen den
'Osthandel' als Krisenallheilmittel an (vgl. März 1977,d.Vf.).

Ein Recht auf Arbeit gibt es im Kapitalismus nicht. Die Anarchie der
Produktion, der Zwang billiger zu produzieren als der Konkurrent bedeutet
immer: Steigerung der Arbeitshetze, Einsparung von Arbeitsplätzen und
Verschlechterung der Ausbildung - verschärfte Ausbeutung!

DIE GESETZMÄSSIGEN KRISEN AUF UNSEREN RÜCKEN ABWÄLZEN, IST JA DAS MITTEL DER
KAPITALISTEN, IHRE PROFITE ZU SANIEREN!

Und der 'Osthandel', was hat er den Mannesmannarbeitern (MM, IGM-Bereich,d.
Vf.) n Düsseldorf Anderes gebracht als Rationalisierung und Steigerung der
Arbeitshetze, damit die Kapitalisten den Röhrenauftrag der Sowjetunion
(SU,d.Vf.) erfüllen konnten?

Mit der Parole nach der Durchsetzung des 'Rechts auf Arbeit' und der
Einhaltung des 'Grundgesetzes' (GG,d.Vf.) streuen die D'K'P/'S'DAJ-Führer
bewußte Falschmeldungen unter die Leute. 'Der kapitalistische Staat ist für
die Arbeiterklasse nutzbar, dienstbar zu machen - wenn erst DKPler in den
entsprechenden Gremien, im Bundestag sitzen.' Wir sollen diese 'Genossen an
die Schalthebel der Macht, an die Schalthebel der Macht über uns, an denen
die Kapitalisten und Gewerkschaftsführer schon sitzen, tragen.

Doch ihr marxistisches Mäntelchen kann nicht verbergen: Der kapitalistische
Staatsapparat offenbart tagtäglich, wie das Arbeitsamt Manfort, das er ein
Instrument der Kapitalistenklasse ist! Die 'Einheit der Gewerkschaften', die
sie immer wieder beschwören - es ist die Einheit der D'K'P/'S'DAJ-Führer mit
den Gewerkschaftsführern.

Es waren die Teamer der 'S'DAJ, die seit Wochen auf den Schulungen gegen die
angebliche 'Untätigkeit' des Jugendarbeitskreises hetzten, bloß weil sie dort
keine neuen Mitglieder gewinnen konnten!

In der 'Pille', der D'K'P-Betriebszeitung (vgl. 8.11.1976,d.Vf.) steht: 'Es
ist zu begrüßen, daß Bayer auch in diesem Jahr Jungarbeiter einstellt. Aber
von einer besonderen sozialen Maßnahme kann keine Rede sein....' Sie sind für
die 'Lernen durch Tun-Maßnahmen'! Ihre 'Sorge' beim 'Haushaltsjahr' ist: 'Wer
kontrolliert die Ausbildung?' (...)

Kein Trick ist ihnen zu billig, um über ihre wahren Absichten
hinwegzutäuschen! Als 'Reaktion einer empörten Bürgerin' schreibt Edeltraut
Busalt auf die 'Hungerstreikaktion' ihrer 'S'DAJ einen Leserbrief an den
Kölner Stadtanzeiger (KStA,d.Vf.):

'HUNGERSTREIK

WEIT GEKOMMEN

Soweit sind wir also mit der Sozialen Marktwirtschaft gekommen: Ein
Hungerstreik ist notwendig, um die Öffentlichkeit aufmerksam zu machen auf
die Schwierigkeiten, die Jugendliche haben, einen Ausbildungsplatz oder einen
Arbeitsplatz zu bekommen (Ausg. v. 22.3.1977).

Es ist an der Zeit, daß die Öffentlichkeit verstärkt die Forderungen der
Gewerkschaften nach Ausbildungsplätzen für alle Jugendlichen und Abbau der
Arbeitslosigkeit aufgreift.

Edeltraut Busalt und sechs weitere Unterschriften, Leverkusen'

MIT DER D'K'P/'S'DAJ KANN ES KEINE EINHEITE, KEINE GEMEINSAMEN AKTIVITÄTEN
GEGEN JUGENDARBEITSLOSIGKEIT UND DEQUALIFIZIERUNG GEBEN!

Der KJVD tritt ein für: VERTRAUEN AUF DIE EIGENE KRAFT!

EINHEIT VON LEHRLINGEN UND JUNGARBEITERN, VON JUGENDLICHEN UND ERWACHSENEN,
VON ARBEITENDEN UND ARBEITSLOSEN!

Nutzt die Möglichkeiten der Berufsschule, um gemeinsam - Lehrlinge und
Jungarbeiter - Maßnahmen gegen Jugendarbeitslosigkeit und Dequalifizierung zu
beraten. Überwindet die Isolation der 'Lernen durch tun'-Teilnehmer in den
Sonderklassen an der Berufsschule!

Macht den erwachsenen Kolleginnen und Kollegen die Bayer-Maßnahmen bekannt!

SOFORTIGE VERÖFFENTLICHUNG ALLER PLÄNE DER BAYER-KAPITALISTEN und der
entsprechenden Absprachen mit dem Betriebsrat!!!"

Es folgen Dokumente, zunächst ein Beurteilungsbogen von Siemens
(IGM-Bereich), sodann von Bayer das Ausbildungsprogramm für Jugendliche ohne
Hauptschulabschluß (vgl. 19.10.1976) und der Ausbildungsplan für Mädchen im
Haushaltsjahr bei Bayer (vgl. 19.10.1976), ein Auszug aus der 'Pille' der DKP
bei Bayer (vgl. 8.11.1976), Auszüge aus der 'Kämpfenden Jugend' (KJ) des KJVD
vom Nov. 1976 zu den Rahmenrichtlinien in NRW und aus dem Maiaufruf der KPD
sowie eine Anzeige des Arbeitsamtes Darmstadt (vgl. 19.7.1976).
=KJVD-Zelle Bayer Leverkusen:KJVD enthüllt. Neue 'Ausbildungs'Programme -
Bayers Geschäft mit der Arbeitslosigkeit,Leverkusen Apr. 1977

13.08.1977: 
Zum 16.Jahrestag des Mauerbaus gibt die KPD bei Borsig Berlin eine
vierseitige Ausgabe ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (vgl. Juni 1977,
1.9.1977) heraus, die sich u.a. anläßlich der
Jugendvertrauensleutewahlen mit der Jugendarbeitslosigkeit befaßt.
=Kommunistische Arbeiterpresse - Ausgabe Borsig,Berlin o.J. (1977)

05.09.1977: 
In Frankfurt soll, laut SAG, ein Treffen der Schülervertretungen (SV) der
Berufsschulen und der DGB Berufsschulgruppe zur Vorbereitung der
Demonstration gegen die Jugendarbeitslosigkeit (vgl. 5.11.1977) stattfinden.
=Sozialistische Arbeiterzeitung Nr.30,Frankfurt 31.8.1977

Oktober 1977: 
Der DKP Kreisvorstand Dortmund gibt vermutlich im Oktober eine Broschüre
mit 62 Seiten DIN A 5 plus Deckblatt heraus:"
HOESCH - NICHT NUR EIN NAME FÜR STAHL

HOESCH-ANALYSE
von Arbeitern, Angestellten und Wissenschaftlern ...

Besonders die Jugendarbeitslosigkeit, die, wie andere kapitalistische Länder
zeigen (England (Großbritannien,d.Vf.), USA, Frankreich), kein kurzfristiges
Problem sein wird, solange nicht radikale Maßnahmen zugunsten der
Jugendlichen gegen die Monopole ergriffen werden, ist eine zynische
Verschwendung größten Ausmaßes. Hier wird einer ganzen Generation die Zukunft
zerstört. Sie kann ihre Fähigkeiten nicht entwickeln! Das nennen wir
Verschwendung und Verletzung der Menschenrechte! Im Sozialismus ist so etwas
undenkbar. ..."
=DKP-KV Dortmund:Hoesch - Nicht nur ein Name für Stahl,Dortmund o.J. (1977);
DKP-Hoesch-Betriebsgruppen Westfalenhütte und Phoenix:Heisse Eisen 1968-1978,
Dortmund o.J. (1978),S.12

18.10.1977: 
Der AB gibt seine 'Kommunistische Arbeiterzeitung' Nr.123 (vgl. 4.10.1977,
1.11.1977) heraus.
Die Kämpfende Jugend (KJ) berichtet u.a. aus NRW von der Jugendarbeitslosigkeit
in Aachen.
=Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.123,München 18.10.1977

05.11.1977: 
In Frankfurt findet, laut SAG, eine Demonstration des DGB gegen die
Jugendarbeitslosigkeit statt, an der sich 4 000 aus ganz Hessen beteiligen.
Mit einem Block vertreten sind die Abendgymnasien und Hessenkollegs u.a. aus
Frankfurt und Giessen.
Laut AB demonstrieren 3 000.
=Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.125,München 15.11.1977;
Sozialistische Arbeiterzeitung Nr.30 und 34,Frankfurt 31.8.1977 bzw.
2.11.1977

19.11.1977: 
In München beteiligen sich, laut und mit AB, knapp 2 000 an der
Demonstration gegen die Jugendarbeitslosigkeit.
=Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.126,München falsches Datum:15.11.1977

01.12.1977: 
In Regensburg beteiligen sich, laut und mit AB, ca. 300 an einer
Demonstration gegen die Jugendarbeitslosigkeit.
Dem DGB KJA war der offizielle Aufruf vom Kreisvorstand untersagt worden.
=Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.127/128,München 13.12.1977

02.12.1977: 
In Nürnberg beteiligen sich, laut und mit AB, rund 1 000 an einer
Demonstration gegen die Jugendarbeitslosigkeit, u.a. Beschäftigte aus
Langwasser und von Siemens Erlangen.
=Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.127/128,München 13.12.1977

Januar 1978: 
Vermutlich im Januar gibt die SDAJ Schwarzenbek der DKP die Nr.1 ihres
'Eidig der Wildschütz' (vgl. Sept. 1974) heraus.
Berichtet wird u.a. über Aktionen gegen Jugendarbeitslosigkeit in Hamburg und
Schwarzenbek.
=Eidig der Wildschütz Nr.1,Schwarzenbek o.J. (1978)

07.01.1978: 
Die Verbandsleitung (VL) des RJVD des KABD beschließt ihren
"Perspektivarbeitsplan der Verbandsleitung 1978", in dem es u.a. heißt:"
Durch den Einfluß der Reformisten und Revisionisten und unter dem Druck der
Jugendarbeitslosigkeit, ..., durch die systematischen Ablenkungsmanöver im
Freizeitbereich, sowie ein mangelndes Verständnis der wirtschaftlichen und
politischen Hintergründe ist die Kampfkraft der Arbeiterjugend
unterentwickelt. ... Wir wollen ... keine separate Jugendbewegung, sondern
wollen die Kraft und das fortschrittliche Element der Arbeiterjugendbewegung
dem Klassenkampf der gesamten Arbeiterklasse nutzbar machen."
=Bahnbrecher Nr.1,o.O. Jan. 1978,S.6ff

01.05.1978: 
1.Mai in Pforzheim. Laut KB beteiligen sich ca. 300 Personen an einer DGB-
Kundgebung. Ca. 70 - 80 Linke beteiligen sich in einem Block:"
Aus Anlaß eines Polizeieinsatzes gegen Flugblattverteiler verschiedener
Gruppen und Initiativen am 1.Mai 1977, hatte sich dieses Jahr eine
Aktionsgemeinschaft 1.Mai gebildet, bestehend aus: DGB-Jugend, BI (AKW,d.Vf.),
AE gegen politische Unterdrückung, Jusos (der SPD,d.Vf.), Falken (SJD der
SPD,d.Vf.), Naturfreunde (NFJ,d.Vf.), JZI, KB, SB (SBü,d.Vf.), KABD. In der
Woche vor dem 1.Mai wurden von der AG drei Veranstaltungen durchgeführt,
jeweils mit 30 - 50 Leuten: zur Jugendarbeitslosigkeit, Kernenergie, Abbau
der demokratischen Rechte.
Auf allen Veranstaltungen wurde die Haltung des DGB nicht geschont. So wurden
z.B. von vielen Teilnehmern die Gewerkschaftsausschlüsse (UVB,d.Vf.)
verurteilt."
=Arbeiterkampf Nr.129,Hamburg 16.5.1978,S.14

25.01.1982: 
Bei Hoesch Dortmund gibt die KPD vermutlich in dieser Woche eine
'Stählerne Faust' (vgl. 9.12.1981, 27.4.1982) mit sechs Seiten DIN A 4 unter
Verantwortung von C. Stockmar in Dortmund heraus:"
EINMALIGE ZUSAMMENARBEIT! ...
DAS ERGEBNIS...

...für die Dortmunder werktätige bevölkerung ist bekannt: die höchste
Arbeitslosenquote in NRW, drastische Verschärfung der Jugendarbeitslosigkeit,
miserable Perspektiven insbesondere für die Jugend. ..."
In einem letzten Artikel heißt es:"
AUSBILDUNGSPLÄTZE BEI HOESCH REDUZIERT

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit vollzieht sich bei Hoesch der Abbau der
Ausbildungsplätze. Ganz offensichtlich fürchtet der Konzern, daß bekannt
wird, wie auch bei Hoesch von Jahr zu Jahr die Ausbildungsplätze für
Schulabgänger gestrichen werden. WÄHREND MAN BISHER IMMER VON EINER KAPAZITÄT
VON 300 PLÄTZEN FÜR SCHULABGÄNGER PRO JAHR AUSGING, WILL MAN JETZT AUF 200
RUNTERGEHEN. Und das, obwohl Hoesch vom Staat Millionen an Subventionen
fordert! Die restliche Kapazität will man dann mit Maßnahmen abdecken, die
sowieso vom Arbeitsamt finanziert werden, wie z.B. Umschulungen oder
Maßnahmen für ausländische Jugendliche.

Dieser Rückgang der Lehrstellen wird die Dortmunder Jugend hart treffen. DAS
ARBEITSAMT DORTMUND RECHNET SCHON JETZT MIT EINEM LEHRSTELLENDEFIZIT VON ÜBER
1 500. Da bis 1985 die geburtsstarken Jahrgänge von der Schule kommen, droht
eine drastische Verschärfung der Jugendarbeitslosigkeit.

Umso schlimmer ist es, daß VON SEITEN DER IGM UND DER BR-SPITZEN BEI HOESCH
DIESEN PLÄNEN OFFENSICHTLICH KEIN WIDERSTAND ENTGEGENGESETZT WIRD. Im
Hauptausschuß der Hütte wurden die Konzernpläne schon abgesegnet, mit
'Rücksicht auf die schwierige Lage des Konzerns' versteht sich.

Die KPD fordert:
ERHALT ALLER 300 AUSBILDUNGSPLÄTZE FÜR SCHULABGÄNGER!
HÄNDE WEG VON DER ÜBERNAHMEREGELUNG!"
=Stählerne Faust Einmalige Zusammenarbeit!,Dortmund o.J. (1982)

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