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Für diese wie immer unvollständige Darstellung konnten nur einige der zahlreichen vorliegenden lokalen Materialien berücksichtigt werden.
Der Wehrkundeerlass (WKE) spielt in Hessen nur eine unbedeutende Rolle, wird doch nach unserer Dokumentenauswertung zunächst nur indirekt die mögliche Bedrohung durch derlei aus Baden-Württemberg bekannt (vgl. 25.10.1971, Dez. 1971), wobei auch die Lehrkräfte nicht nur in Baden-Württemberg, sondern auch in Hessen betroffen scheinen (vgl. 10.1.1972), sich auch Darmstädter Lehrerstudenten unter Druck gesetzt sehen (vgl. Dez. 1972). Soviel von den Freunden des KABD.
Nun tritt die IG/KOG Frankfurt/Offenbach als Schülerorganisation des späteren KBW an, bedient sich zwar der Linie des konkurrierenden KABD, versucht sich aber auch in der Enthüllung eines geheimen Wehrkundeerlasses (vgl. Dez. 1972) und führt eine einschlägige Kampagne durch (vgl. 15.1.1973), die sich prompt mit Jugendoffizieren konfrontiert sieht (vgl. 22.1.1973), wogegen eine Aktionseinheit mit den Freunden der KPD unter den Oberschülern geschlossen wurde (vgl. Juni 1973), während Studierende in Darmstadt immer noch die Disziplinierung durch den Wehrkundeerlass beklagen (vgl. Mai 1973).
25.10.1971:
Die Ortsgruppen Frankfurt und Groß Gerau der RJ/ML des KAB/ML geben vermutlich in dieser Woche die Nr.8 ihrer Berufsschulzeitung 'Jungarbeiter und Lehrlingspresse' (vgl. 4.10.1971, Dez. 1971) heraus. Berichtet wird auch über Wehrkunde in Baden-Württemberg.
Q: Jungarbeiter und Lehrlingspresse Nr.8,Frankfurt/Groß Gerau Nov. 1971
Dezember 1971:
Die Ortsgruppen Frankfurt und Groß Gerau der RJ/ML des KAB/ML geben die Nr.9 ihrer Berufsschulzeitung 'Jungarbeiter und Lehrlingspresse' (vgl. 25.10.1971, 17.1.1972) heraus. Jungarbeiter- und Lehrlingsberichte entstammen der Presse des KAB/ML und seiner Freunde, berichten u.a. aus Baden-Württemberg über die Haltung der GEW zum Wehrkunde-Erlaß (WKE).
Q: Jungarbeiter und Lehrlingspresse Nr.9,Frankfurt/Groß Gerau Dez. 1971
10.01.1972:
Vermutlich aus dieser Woche berichtet die RJ/ML des KAB/ML aus Frankfurt:"
NEBENAMTLICHE LEHRER ENTLASSEN
Mitte Januar verfügte der Regierungspräsident, daß die Zahl der in Frankfurt beschäftigten nebenamtlichen und nebenberuflichen Lehrer 'drastisch eingeschränkt' werden müsse.
...
Es gilt nun, da uns der ständige Verrat der sozialreaktionären SPD-Führer an unseren Interessen die Augen geöffnet hat (Lohndiktat von Schiller, Wehrkundeerlaß (WKE,d.Vf.) von Brandt, Militarisierung und Aufrüstung durch Schmidt) die Konsequenzen zu ziehen und den Aufbau eines revolutionären kommunistischen Jugendverbandes für Westdeutschland zu unterstützen. Die RJ(ML) ist sozusagen eine Keimzelle dieses Verbandes".
Q: Jungarbeiter und Lehrlingspresse Nr.11/12,Frankfurt/Groß Gerau Feb./März 1972,S.2f
Dezember 1972:
Die KSG/ML des KABD berichtet von der Studienordnung Geschichte an der TH Darmstadt vermutlich aus dem Dezember (vgl. 9.1.1973):"
Was bedeutet diese so hoch gepriesene Orientierungsphase?
Vor allem von sozialdemokratischen Bildungspolitikern zur Einführung vorgeschlagen, sollen die Studenten in der Orientierungsphase eine 'begründete Berufswahl' sowie die 'eigenständig formulierte Motivation' fürs Studium erarbeiten.
...
'Begründet' sollen die Lehrerstudenten sich darauf vorbereiten, aufgrund von Wehrkundeerlassen (WKE,d.Vf.) Propaganda für die Bundeswehr zu betreiben und die freiheitlich-demokratische Grundordnung (FDGO,d.Vf.) der Ausbeutung und Unterdrückung zu bejahen. Begründet und mit Eigenmotivation sollen dieselben Dinge von uns erreicht werden, gegen die viele Studenten seither gekämpft haben."
Q: KSG/ML-OG Darmstadt:Dokumentation zur Studienordnung im Fach Geschichte,Darmstadt o.J. (1973),S.3 und 9f
Dezember 1972:
Die Oberschülerkommission (OSK) des KSV Frankfurt gibt in Zusammenarbeit mit der Initiativgruppe für den Aufbau einer Kommunistischen Oberschülergruppe Frankfurt/Offenbach (IG/KOG) erstmals den 'Schulkampf' (vgl. 22.1.1973) als kommunistische Schülerzeitung heraus. Zur Wehrkunde-Erlaß (WKE) Kampagne (vgl. 15.1.1973) stützt man sich auf die Broschüre des Stuttgarter Aktionskomitees Weg mit dem Wehrkundeerlaß der MLSG und des RJVD.
Q: Schulkampf Nr.1 und 2,Frankfurt Dez. 1972 bzw. 22.1.1973
15.01.1973:
Die Initiativgruppe für den Aufbau einer Kommunistischen Oberschülergruppe Frankfurt/Offenbach (IG/KOG) will mit einer Antimilitarismus bzw. Wehrkunde-Erlaß (WKE) Kampagne beginnen, die bis zum 22.1.1973 dauern soll.
Q: Schulkampf Nr.1,Frankfurt Dez. 1972
22.01.1973:
Die IG/KOG Frankfurt/Offenbach gibt die Nr.2 ihres 'Schulkampf' (vgl. Dez. 1973, 25.2.1973) heraus. Berichtet wird u.a. vom Auftritt eines Jugendoffiziers am Frankfurter Gagerngymnasium.
Q: Schulkampf Nr.2 und 3,Frankfurt 22.1.1973 bzw. 25.2.1973
Mai 1973:
Vermutlich im Mai gibt die KSG/ML OG Darmstadt des KABD eine "Dokumentation zur Studienordnung im Fach Geschichte" an der TH heraus. Einleitend heißt es von der KSG/ML u.a.:"
Wer sich heute dazu bringen läßt, zwar zähneknirschend aber widerstandslos Latein zu lernen, der wird auch morgen unbesehen seinen Schülern das einbläuen, was man ihm diktiert. Wer sich heute nicht um den Kommilitonen kümmert, der eben das 'Pech' hatte, nicht zu den ersten 25 zu gehören, der wird auch morgen nicht für einen fortschrittlichen Kollegen eintreten, der vom Berufsverbot (BV,d.Vf.) betroffen wird, weil er sich z.B. weigert, seine Schüler gemäß Wehrkundeerlaß (WKE,d.Vf.) mit Propaganda für die Bundeswehr vollzustopfen."
Q: KSG/ML-OG Darmstadt:Dokumentation zur Studienordnung im Fach Geschichte,Darmstadt o.J. (1973)
Juni 1973:
Der Kommunistische Oberschülerverband (KOV) der KPD gibt seinen 'Schulkampf' Nr.7 (vgl. Apr. 1973, Juli 1973) heraus. Am Bettinagymnasium gaben die befreundeten Kommunistischen Oberschüler Frankfurt KOF gemeinsam mit der Kommunistischen Oberschülergruppe auf NRF- bzw. KBW-Linie ein Flugblatt gegen die Jugendoffiziere der Bundeswehr heraus.
Q: Schulkampf Nr.7,Berlin Juni 1973
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