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Mörfelden-Walldorf

Materialien zur Analyse von Opposition bis Ende 1971

Von Jürgen Schröder, Berlin, Mai 2004


Materiallage

Die Darstellung der Opposition in Mörfelden-Walldorf stützt sich nahezu ausschließlich auf das geschlossen vorliegende und ausgewertete Material der Ortsgruppe Mörfelden/Walldorf der RJ/ML, wobei es sich vor allem um die Korrespondenz mit dem ZK der RJ/ML handelt, die aber einen recht detaillierten Einblick in die Politik der RJ/ML und auch die anderer Gruppen erlaubt.

Die Organisationen

Die Darstellung beginnt mit dem USSB Walldorf (vgl. Juli 1967) als Teil der antiautoritären Schülerbewegung, wobei die Gründung an einer Mittelschule bundesweit betrachtet wohl eher als eine Ausnahmeerscheinung bewertet werden muss. Nach der Zerschlagung des USSB (vgl. Mai 1968) entsteht einerseits zur selben Zeit eine der frühen SDAJ-Gruppen, die sich erst später der damals noch nicht gegründeten DKP zuordnen kann, während aus dem Rest-USSB und weiteren Kräften eine Stadtbasisgruppe Walldorf hervorgeht, die sich über das Schulungsprogramm der RJ/ML des späteren KAB/ML annähert (vgl. Dez. 1969) und sich dieser zusammen mit anderen Leuten als Ortsgruppe mit einer Stadtgruppe und einer Lehrlings- und Jungarbeitergruppe anschließt (vgl. 7.7.1970), wobei der Kontakt über die RJ/ML Darmstadt verläuft (vgl. Jan. 1970, 1.Mai 1970). Sowohl die DKP (vgl. 4.12.1969) als auch ihre SDAJ (vgl. 13.12.1969, 3.8.1970, 22.11.1970) sind zur selben Zeit und auch in der Folge in Mörfelden aktiv, wobei ein enger Kontakt mit der RJ/ML aufrechterhalten wird (vgl. 9.1.1971).

Die RJ/ML beginnt mit der Propaganda am Ort (vgl. 24.7.1970) und auch vor einem Betrieb (vgl. 11.8.1970)

Auf Landkreisebene sind für die RJ/ML neben der SDAJ wichtige Kooperationspartner und auch Konkurrenten die Rote Zelle Gross Gerau (ROTZEGG – vgl. 23.5.1970) sowie später der KJVD Rüsselsheim der KPD/ML-ZB (vgl. 7.7.1970, 2.9.1970).

Innerhalb des DGB Ortskartells Walldorf tritt die RJ/ML offen auf (vgl. 4.9.1970, 26.9.1970), sitzt offensichtlich gar in dessen Vorstand (vgl. 22.11.1970). In der Volkshochschule (VHS – vgl. 9.9.1970) sind auch die Jusos der SPD (vgl. 17.9.1970) und die JU der CDU (vgl. 16.9.1970) vertreten.

Aus der RJ/ML Walldorf/Mörfelden heraus entstehen dabei sowohl die spätere Ortsgruppe Frankfurt der RJ/ML (vgl. 12.8.1970, 19.8.1970) als auch die Ortsgruppe Groß Gerau (vgl. 7.4.1971).

Wichtige Ereignisse und Themen

Am 29.10.1970 findet eine Kundgebung gegen die NPD statt, wobei deren Versammlung verhindert wird. Interessant ist die Anleitung des ZK der RJ/ML bzgl. der Herausgabe der Broschüre über die Rote Kommune Mörfelden und der im Entwurf für Vorwort formulierten Angriffe gegen andere Gruppen (vgl. 8.3.1971).


Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

Juli 1967: 
Vermutlich in diesem Zeitraum entsteht in Walldorf (Hessen), laut RJ/ML des
KAB/ML, an der Mittelschule ein USSB, als Teilverband des AUSS:"
In der Zeit der Schüler- und Studentenbewegung gründete sich an der
Walldorfer Mittelschule ein USSB. Diese Gruppe vertrat keine einheitliche
Linie. War daher schon zum Untergang verdammt" (vgl. Mai 1968).
=RJ/ML-X.X.:An ZK der RJ/ML,X. o.J. (Juni 1970)

Mai 1968: 
Über den USSB (AUSS) an der Mittelschule Walldorf in Hessen (vgl. Juli
1967, Dez. 1969) berichtete die RJ/ML des KAB/ML, daß er ideologisch
uneinheitlich sei:"
Dazu kam noch, daß die Gruppe nach einem mißlungenen Schulstreik von der
Schuladministration und der SMV zerschlagen wurde. Ein Genosse flog von der
Schule.
In Mörfelden gründete sich zur gleichen Zeit eine SDAJ. Die von den
Studentenunruhen mobilisierten Jungarbeiter und Lehrlinge überlegten sich, ob
sie sich der SDAJ anschließen sollten. Viele von ihnen taten das. Die
restlichen nahmen Kontakt mit dem Rest-USSB auf. Diese gründeten in Walldorf
eine Stadtbasisgruppe. Innerhalb der SDAJ kam es zu harten ideologischen
Auseinandersetzungen. Diese führten dazu, daß zwei Genossen austraten und
sich der Stadtbasisgruppe anschlossen."
Nach einer anderen Quelle handelte es sich um "einige vom Versuch, die SDAJ
Mörfelden zu einer marxistisch-leninistischen Organisation zu machen,
enttäuschte Genossen".
=RJ/ML-X.X.:An ZK der RJ/ML,Tübingen o.J. (Juni 1970);
RJ/ML-X.X.:An Y.Y.,Walldorf o.J. (Juli 1970)

Juni 1969: 
Die Nr.10 des 'Rebell' (vgl. Mai 1969, Juli 1969) läßt erstmals den
bisherigen Untertitel 'Ehemals Rote SDAJ-Opposition" weg. U.a. findet die SDAJ
Mörfelden Erwähnung.
=Rebell Nr.10,Mannheim Juni 1969

Dezember 1969: 
In Mörfelden/Walldorf entschließen sich, laut RJ/ML, "einige Mitglieder der
Basisgruppe das Schulungsprogramm der RJ(ML) durchzuarbeiten" (vgl. Jan
1970).
Über den vergangenen Zeitraum (vgl. Mai 1968) wird kundgetan:"
Die Stadtbasisgruppe vegetierte sozusagen monatelang vor sich hin. Man fand
einfach keine ideologische Einheit. Ein Genosse hatte durch einen Freund
Kontakt zur RJ/ML Darmstadt."
=RJ/ML-X.X.:An Y.Y.,Walldorf o.J. (Juli 1970)

04.12.1969: 
Die DKP bringt die Nr.36 ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) heraus (vgl. 27.11.1969,
11.12.1969).
Es wird berichtet von der eigenen Ortsgruppe Mörfelden, die den 'Blickpunkt'
herausgibt.
=Unsere Zeit Nr.36,Essen 4.12.1969

13.12.1969: 
In Mörfelden will die SDAJ der DKP einen Vietnam-Aktionstag durchführen.
=Vesper Nr.6,Groß Gerau Dez. 1969,S.22

Januar 1970: 
Die Stadtbasisgruppe Walldorf in Hessen (vgl. Dez. 1969, Jan. 1970) bittet
die RJ/ML Darmstadt um die Entsendung eines Schulungsleiters, was auch
geschieht. Die Schulung wird aufgenommen
=RJ/ML-X.X.:An ZK der RJ/ML,Tübingen o.J. (Juni 1970);
RJ/ML-X.X.:An Y.Y.,Walldorf o.J. (Juli 1970)

März 1970: 
In Walldorf in Hessen bildet sich, laut RJ/ML, eine mit ihr (vgl. Jan.
1970, Apr. 1970) sympathisierende Mittelschulgruppe (vgl. Juni 1970).
=RJ/ML-X.X.:An Y.Y.,Walldorf o.J. (Juli 1970)

April 1970: 
In Walldorf in Hessen wird vermutlich in diesem oder Anfang des nächsten
Monats aus dem Kreis der Stadtbasisgruppe (vgl. März 1970), der durch die
RJ/ML Darmstadt geschult wurde, eine örtliche Organisation RJ/ML (vgl.
Mai 1970) gegründet.
Über die Schulung heißt es:"
Nach einigen Monaten stellte sich die Frage nach einer ML-Organisation.
Einige Mitglieder der Grundschulung erklärten sich dazu bereit. Da die
Mitgliederversammlungen (MVs) ineffektiv verliefen, entschloß man sich
ein Leitungskollektiv zu schaffen.
Dieses Kollektiv hatte die Aufgabe, die Arbeit innerhalb der Schulung zu
koordinieren und die Schaffung der Lehrlingsgruppe voranzutreiben."

In einer anderen Quelle heißt es:"
Nachdem es sich gezeigt hatte, daß bei einigen Schulungsmitgliedern sich
das politische Bewußtsein erweitert hat, hielt man es für sinnvoll, eine
Organisation zu gründen."
=RJ/ML-X.X.:An ZK der RJ/ML,Tübingen o.J. (Juni 1970);
RJ/ML-X.X.:An Y.Y.,Walldorf o.J. (Juli 1970)

Mai 1970: 
Innerhalb der noch unabhängigen RJ/ML Walldorf/Mörfelden (vgl. Apr.
1970, 1.5.1970) wurde, nach eigenen Angaben, "von Lehrlingen, die in den
Schulungsgruppen mitarbeiten, eine Projektgruppe zur Schaffung einer
Lehrlingsgruppe gebildet. Diese Gruppe traf sich in regelmäßigen Abständen
und bereitete sich auf die spätere Lehrlingsgruppe vor" (vgl. Juni 1970)
=RJ/ML-X.X.:An Y.Y.,Walldorf o.J. (Juli 1970)

01.05.1970: 
In Darmstadt bestehen die 300 Teilnehmer der DGB Saalveranstaltung,
laut RJ/ML, zur Hälfte aus ihren eigenen Anhängern aus Darmstadt und
Mörfelden/Walldorf.
=Rebell Nr.21/22,Tübingen 1970

23.05.1970: 
Aus Mörfelden/Walldorf sendet die, noch unabhängige RJ/ML (vgl.
1.5.1970, 30.5.1970), an den 'Rebell' der RJ/ML über einen
Bericht aus dem Landkreis Groß-Gerau.
Intern heißt es dazu von der RJ/ML Walldorf/Mörfelden:"
Unsere erste Aktion gestalteten wir mit der SDAJ Mörfelden und der Roten
Zelle Groß Gerau (ROTZEGG) zusammen!"
=RJ/ML-X.X.:An ZK der RJ/ML,Tübingen o.J. (Juni 1970)

Juni 1970: 
Vermutlich im Juni wird dem ZK der RJ/ML mit Bitte um Aufnahme das
Entstehen einer derzeit noch unabhängigen RJ/ML Walldorf/Mörfelden (vgl.
31.5.1970, 7.7.1970) angezeigt (vgl. 7.7.1970), die sich als
Mitgliederorganisation versteht und derzeit 3 M 2 K Lehrlinge, 3 M
Fachschüler, 1 M Angestellten und 2 M 1 K ex-Arbeiter des ZBW an
Mitgliedern (M) und Kandidaten (K) umfaßt, also insgesamt 12 Personen.
"Es kann nicht verschwiegen werden, daß unter den Mitgliedern zum Teil noch
erhebliche Theoriemängel bestehen.
Die RJ(ML) führt daher in Walldorf in zwei Gruppen eine Grundschulung nach
dem im 'Rebell' veröffentlichten Schulungsprogramm durch.
In Mörfelden wird im laufenden Monat eine weitere Schulungsgruppe entstehen.
Eine Lehrlingsgruppe (vgl. Mai 1970) ist im Entstehen, d.h. zur Zeit wird
eine stoffliche Vorbereitung von den voraussichtlichen Leitern dieser Gruppe
betrieben.

Es besteht eine Mittelschulgruppe (vgl. März 1970), die sich mit den
Tagesfragen der Schüler auseinandersetzt und versucht, bereits die
zukünftigen Lehrlinge auf den Grundwiderspruch Lohnarbeit und Kapital
hinzuweisen."
Eingegangen wird auch auf die Aktion am 23.5.1970 und das Seminar (vgl.
30.5.1970):"
Wir haben nach diesem Seminar mit der Roten Zelle Groß Gerau (ROTZEGG)
vereinbart, eine gemeinsame Zeitung für den Kreis Groß Gerau herauszugeben,
wobei es gelungen ist, gemeinsam mit der ML der ROTZEGG die SDAJ und die
verschiedenen Schattierungen der ROTZEGG herauszuhalten."

In einer anderen Quelle heißt es zum ML-Flügel der ROTZEGG:"
Mit diesen Genossen arbeiteten wir zusammen. Eine gemeinsame Zeitung war
geplant. Dieses Projekt lief aber fehl. Die Differenzen innerhalb der
ROTZEGG führten dazu, daß sich der sog. ML-Flügel dem Chaotenflügel
anpassen mußte."
=RJ/ML-X.X.:An ZK der RJ/ML,Tübingen o.J. (Juni 1970);
RJ/ML-X.X.:An Y.Y. Tübingen,Walldorf o.J. (Juli 1970)

20.06.1970: 
Laut MLPD (2) startet eine Gruppe des KJVD der KPD/ML-ZB um Jürgen
Ossenberg herum, Spaltertätigkeit in den Ortsgruppen des KAB/ML in Bayern in
Schweinfurt und in Hessen in Walldorf/Mörfelden. Angeblich versuche Ossenberg
dort "den KAB/ML zu verleumden und eine Vereinigung zu boykottieren". Dies
drückt ein Bericht der RJ/ML aus:"
Ossenberg startet einen Angriff gegen den KAB/RJ: Beides seien
kleinbürgerliche Organisationen, der KAB mache nie Angaben über seine Stärke
(Mitgliederzahl), da er ein parasitäres Häuflein sei. Das Schulungsprogramm
des KAB sei kleinbürgerlich und die KAB-Politik ökonomistisch. Es wurden dann
die Vorzüge des KJVD fantasievoll dargelegt. Als Hauptvorteil des KJVD wurde
seine hohe Mitgliederzahl dargelegt ... Zuletzt sollten die Genossen mit
internem KJVD-Material für Spitzeldienste gegen die RJ geködert werden. Sie
sollten für Ossenberg ein Protokoll über RJ-interne zentrale Kaderschulungen
anfertigen."
=MLPD-ZK:Geschichte der MLPD,I.Teil,Stuttgart 1985,S.207

07.07.1970: 
Die RJ/ML Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden (vgl. Juni 1970, 24.7.1970) des
KAB/ML wird von einem Teil der Mitglieder der bisherigen RJ/ML Walldorf/
Mörfelden gegründet.
In einem Bericht darüber an das ZK der RJ/ML (vgl. Juni 1970, 12.8.1970)
heißt es über den ehemaligen ML-Flügel innerhalb der Roten Zelle Groß Gerau
(ROTZEGG) und die neue örtliche Vertretung der KPD/ML-ZB, "nach vertraulichen
Informationen sollen sich diese Leute dem KJVD angeschlossen haben."

"Zum Stand der praktischen Arbeit" wird eingegangen auf die Geschichte der
Lehrlingsgruppe (vgl. Mai 1970, Juni 1970):"
Als diese Vorbereitungen getroffen waren, lud man die schon bekannten
Lehrlinge ein. Doch die ersten beiden Treffen schlugen fehl. Man zog die
Konsequenzen, indem man die Projektgruppe weiterbestehen läßt.
Interessierte Lehrlinge können dann in dieser Gruppe mitarbeiten."

Eingegangen wird auch auf die Geschichte der Mittelschulgruppe (vgl. März
1970) und deren derzeitige Lage:"
Die Gruppe ist leider bis auf WENIGE Mitglieder zusammengeschrumpft. Außerdem
besteht seit einiger Zeit eine Gruppe, die sich mit Strukturanalyse befaßt.
Diese Gruppe besteht weitgehend aus Schülern, die in der RJ/ML mitarbeiten.
Dazu gibt es noch ein paar Oberschüler, die man bestenfalls als
Sympathisanten bezeichnen könnte.
Diese drei Gruppen wurden zusammengefaßt in einer Stadtgruppe. Diese
Stadtgruppe unterstützt die Lehrlingsgruppe, indem sie Strukturanalysen
macht. Außerdem hat sie die Aufgabe, daß die Jugendorganisationen der
Parteien (Jusos, JU) (der SPD bzw. CDU,d.Vf.) keinen Zuwachs an Jugendlichen
bekommen."

Zum ideologischen Stand heißt es:"
Es kann nicht verschwiegen werden, daß es innerhalb unserer Gruppe
bewußtseinsmäßige Unterschiede gibt. Wir versuchen sie damit zu überbrücken,
daß wir die Schulung richtiger anpacken."

Zum Stand der Schulung (vgl. Jan. 1970) heißt es:"
Anfangs existierte nur eine Schulungsgruppe. Schulungsleiter war ein Genosse
aus Darmstadt. Mit der Zeit wuchs diese Gruppe aber gewaltig. Es wurde
beschlossen diese Gruppe zu teilen (In einen Anfängerkreis und einen Kreis
für Fortgeschrittene). Der Genosse aus Darmstadt leitete den Anfängerkreis.
Der fortgeschrittene Kreis arbeitete ohne Schulungsleiter.
Der Anfängerkreis schrumpfte bis auf wenige Leute zusammen. Man zog die
Konsequenz, indem man die Lehrlinge und Schüler in die Grundorganisationen
aufnahm (Lehrlings- und Schülergruppe). Jetzt existiert in Walldorf und
Mörfelden je ein Schulungskreis. Der Schulungsleiter leitet in der einen
Woche in Walldorf und in der nächsten Woche in Mörfelden die Schulung. Zur
Zeit wird das 'Kommunistische Manifest' gelesen.
An der Schulung darf nur noch teilnehmen, wer in den Grundorganisationen
mitarbeitet."
=RJ/ML-X.X.:An Y.Y.,Walldorf o.J. (Juli 1970)

24.07.1970: 
Die RJ/ML Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden (vgl. 7.7.1970, 28.7.1970)
berichtet, heute "wurden von uns am Walldorfer Bahnhof 150 Flugblätter
'Wir schuften - Schiller kassiert' verteilt. Reaktionen aus der
Bevölkerung erfolgten nicht, oder wurden von uns zumindest nicht bemerkt."
=RJ/ML-Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden:An ZK der RJ/ML,Walldorf 12.8.1970

28.07.1970: 
Der RJ/ML Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden (vgl. 24.7.1970, 3.8.1970) wird
heute, nach eigenen Angaben, von der SDAJ Mörfelden "das Gerücht
zugespielt", daß Jürgen Ossenberg aus dem KJVD der KPD/ML-ZB ausgetreten
sei.
=RJ/ML-Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden:An ZK der RJ/ML,Walldorf 12.8.1970

03.08.1970: 
Die RJ/ML Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden (vgl. 28.7.1970, 11.8.1970)
berichtet über ihre heutigen Kontakte mit der SDAJ und deren Beziehungen zur
Jugendorganisation der KPD/ML-ZB:"
Drei Genossen der RJ/ML besuchten ... einen Gruppenabend der SDAJ
Mörfelden. Die SDAJ Mörfelden verfügt laut eigenen Angaben über Kontakte
zum KJVD (Ossenberg). Genaueres über diese Kontakte konnten wir nicht
erfahren. Wir haben jedoch die Fragen der Einheit der kommunistischen
Bewegung Westdeutschlands entsprechend dem Artikel in der 'Roten Fahne'
diskutiert und anschließend einen Artikel im 'Klein-Moskau-Kurier' über
die Berufsausbildung kritisiert, der nur die Interessen der
Großunternehmer gegenüber denen der Kleinbetriebe unterstützt. Auch wurde
die üble Taktiererpolitik gegenüber der SPD kritisiert. Es konnte dabei
sogar mit dem Verfasser des Artikels Übereinstimmung über die
arbeiterverräterische Haltung von SDAJ und DKP erzielt werden."
=RJ/ML-Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden:An ZK der RJ/ML,Walldorf 12.8.1970

11.08.1970: 
Die RJ/ML Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden (vgl. 3.8.1970, 12.8.1970)
berichtet von der Fortsetzung ihrer Flugblattaktion vom 24.7.1970:"
An diesem Tage wurden die gleichen Flugblätter vor dem Walldorfer Bahnhof
und vor einem Metallbetrieb (120 Beschäftigte) ebenfalls in Walldorf
verteilt. Dabei verkauften wir auch die Betriebsausgabe der 'Roten Fahne'."
=RJ/ML-Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden:An ZK der RJ/ML,Walldorf 12.8.1970

12.08.1970: 
Die RJ/ML Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden (vgl. 11.8.1970, 13.8.1970)
berichtet heute ihrem ZK (vgl. .7.1970, 23.8.1970) u.a. über die eigenen
Flugblattaktionen (vgl. 24.7.1970, 11.8.1970):"
Wir sind uns inzwischen klar darüber, daß das Verteilen von Flugblättern
vor Bahnhöfen nicht übermäßig effektiv ist, deshalb werden wir in Zukunft
das Schwergewicht auf die Walldorfer und Mörfeldener Betriebe verlegen.

Eine Arbeit in den Grundeinheiten konnte während des Berichtszeitraums
nicht geleistet werden, da sich ein großer Teil der Genossen z.Z. in
Urlaub befindet."
Kontakte hatte man zur SDAJ Mörfelden (vgl. 28.7.1970) und zu einem nach
Frankfurt zugezogenen Sympathisanten der ehemaligen Ortsgruppe Mannheim
des KAB/ML (Strähle-Gruppe).
Über die SDAJ heißt es:"
Ein weiteres Gespräch mit der SDAJ wurde für den 24.8.1970 vereinbart.
Wir werden versuchen, an diesem Tage eine Diskussion über Vorschläge und
Forderungen der DKP für ein Landesprogramm der 70er Jahre, 'Macht Hessen
zu einem Schrittmacher der demokratischen Erneuerung', zu führen und
dadurch die Spaltung der SDAJ in einen revisionistischen und einen
nichtrevisionistischen Flügel zu verstärken. (Anzeichen hierfür gibt es
bereits in der Frage, ob man Schulung durchführen soll oder nicht.).

Über den zweiten Kontakt heißt es:"
Von einem Frankfurter Genossen, der ... mit der linkssektiererischen
Strähle-Mellenthin Clique sympathisiert, wurde der Vorschlag gemacht bei
der Gründung einer RJ/ML in Frankfurt mitzuhelfen. Durch unsere Lage
(große Pendlerbewegung nach Frankfurt) sind wir auf das Angebot
eingegangen.
Es wurde weiter vereinbart, daß die nun gewonnenen Genossen je nach
Wohnort der Frankfurter bzw. der Walldorf/Mörfeldener Gruppe angehören
sollen. Obwohl wir jedoch sehr daran interessiert sind, in Frankfurt eine
proletarische Jugendorganisation zu schaffen, finden wir die Vereinbarung
bedenklich, da dies bedeuten würde, daß wir uns am Aufbau einer Gruppe
der linkssektiererischen und kriminellen Strähle-Mellenthin Clique
beteiligen würden. Wir wären dem ZK dankbar, wenn es uns in dieser Frage
bei der richtigen Lösung helfen würde."
Bezüglich des Gerüchtes über den Austritt von Ossenberg aus dem KJVD der
KPD/ML-ZB (vgl. 28.7.1970) heißt es:"
Ein Genosse der RJ(ML) hat daraufhin einen Genossen vom KJVD Aufbaukollektiv
Groß Gerau um Stellungnahme gebeten. Dieser behauptete, daß Ossenberg aus dem
KJVD ausgetreten sei, um Diskussionen über 'Fragen' in Gang zu bringen,
später wolle er aber wieder eintreten. Aus Frankfurt erhielten wir die
Nachricht, daß uns das KJVD Aufbaukollektiv einen Bären aufgebunden hatte.
Ossenberg soll immer noch Mitglied des KJVD sein."
Trotzdem will man sich am 2.9.1970 mit dem KJVD Groß Gerau treffen.
=RJ/ML-Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden:An ZK der RJ/ML,Walldorf 12.8.1970

13.08.1970: 
Die RJ/ML Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden (vgl. 12.8.1970, 19.8.1970)
berichtet, heute und morgen "setzten wir unsere Flugblattaktion in
Walldorf und Mörfelden fort. Wir verteilten das Flugblatt 'Bei uns wird
kassiert - der Unternehmer profitiert'. Dabei verkauften wir die
Betriebsausgabe der 'Roten Fahne'.
Von dem Frankfurter Sympathisanten (vgl. 19.8.1970) des KAB/ML Mannheim
(Strähle-Gruppe) wird die RJ/ML über Verhandlungen zwischen der
Mannheimer Gruppe und der KPD/ML-ZB informiert, die morgen zu einer
Vereinigung führen sollen.
=RJ/ML-Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden:Gruppenbericht vom 7.8. bis 21.8.1970,
Walldorf o.J. (1970)

19.08.1970: 
Die RJ/ML Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden (vgl. 13.8.1970, 23.8.1970)
beginnt mit einem dreitägigen Verkauf der Betriebsausgabe Nr.2 der 'Roten
Fahne' des KAB/ML vor den Bahnhöfen in Walldorf und Mörfelden.

Abends trifft sich man in Walldorf erneut mit einem Frankfurter Anhänger
(vgl. 13.8.1970) des KAB/ML Mannheim (Strähle-Gruppe), der schon beim
letzten Treffen seinen Eintritt in den KJVD der KPD/ML-ZB angekündigt
hatte:"
An diesem Abend war auch ein Genosse von der KAB(ML) Ortsgruppe Darmstadt
anwesend. Bei der anschließenden Diskussion wurde uns klar, daß eine
weitere Zusammenarbeit zwischen uns und dem Genossen aus Frankfurt nicht
zweckmäßig ist. Wir brachen vorerst sämtliche Kontakte mit ihm ab. Es ist
anzunehmen, daß er am 20.8. einen Mitgliedsantrag für den KJVD gestellt
hat.
Ebenfalls ... diskutierten wir mit einem Jungarbeiter und einem Lehrling
(der Mitglied der RJ/ML ist) aus einem Frankfurter Großbetrieb über die
Schaffung einer Betriebsgrundeinheit (BGE). Sie werden versuchen mit
weiteren Kollegen in Kontakt zu kommen."
=RJ/ML-Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden:Gruppenbericht vom 7.8. bis 21.8.1970,
Walldorf o.J. (1970)

23.08.1970: 
Die RJ/ML Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden (vgl. 19.8.1970, 24.8.1970)
verfaßt einen Bericht (vgl. 12.8.1970, 19.9.1970) an das ZK der RJ/ML,
über die eigenen Flugblattaktionen (vgl. 13.8.1970) und den Verkauf der
Betriebsausgabe Nr.2 der 'Roten Fahne' des KAB/ML (vgl. 13.8.1970,
19.8.1970).
"Da sich noch viele Genossen im Urlaub befinden, kann die Arbeit in den
Grundeinheiten erst Anfang September wieder aufgenommen werden."
Eine Person wurde als ständiger Korrespondent für 'Rote Fahne' und
'Rebell' bestimmt.
"Wir wären Euch dankbar, wenn Ihr uns die Richtlinien der Redaktion
bekanntgeben würdet. (Rundbrief vom 6.8.1970)."
Kontakt hat man mit einem KAB/ML Mannheim (Strähle-Gruppe) Sympathisanten
in Frankfurt (vgl. 13.8.1970), der nun, ebenso wie die Mannheimer Gruppe
(vgl. 14.8.1970)  Mitglied des KJVD der KPD/ML-ZB ist (vgl. 19.8.1970).
Auch man selbst dehnt sich nach Frankfurt aus (vgl. 19.8.1970).
=RJ/ML-Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden:Gruppenbericht vom 7.8. bis 21.8.1970,
Walldorf o.J. (1970)

24.08.1970: 
Die RJ/ML Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden (vgl. 23.8.1970, 27.8.1970)
trifft sich mit der SDAJ Mörfelden der DKP:"
Erneut wurde von Mitgliedern der RJ/ML die SDAJ aufgesucht. Da der
Personenkreis gegenüber dem des Treffens vom 3.8.70 sehr unterschiedlich
war (s.a. Bericht vom 12.8.1970) konnte auf die bereits erzielten
Ergebnisse nicht aufgebaut werden. Ein weiteres Treffen wurde vereinbart.
Der Termin steht noch nicht fest."
=RJ/ML-Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden:Gruppenbericht vom 7.8. bis 21.8.1970,
Walldorf o.J. (1970)

02.09.1970: 
Zwischen dem Aufbaukollektiv Groß Gerau des KJVD (vgl. 7.9.1970) der
KPD/ML-ZB und der RJ/ML Ortsgruppe Mörfelden/Walldorf (vgl. 27.8.1970,
3.9.1970) des KAB/ML findet, laut RJ/ML, ein Gespräch u.a. über die Arbeit an
der Kreisberufsschule (KBS) des Landkreises Groß Gerau in Groß Gerau statt
(vgl. dort).
=RJ/ML-Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden:Bericht für die Zeit vom 22.8. bis
18.9.1970,Walldorf o.J. (1970)

02.09.1970: 
In der RJ/ML Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden trifft sich die
Stadtbasisgruppe (vgl. 9.9.1970):"
Es wurde über die Funktion der Stadtbasisgruppe diskutiert und Projekte
bestimmt."
=RJ/ML-Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden:Bericht für die Zeit vom 22.8. bis
18.9.1970,Walldorf o.J. (1970)

03.09.1970: 
In der RJ/ML Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden (vgl. 2.9.1970, 4.9.1970)
trifft sich die Jungarbeiter- und Lehrlingsgruppe (vgl. 10.9.1970):"
Es wurden die Erfahrungen, die in der betrieblichen Praxis gesammelt wurden,
vorgetragen und in der Diskussion verallgemeinert." Außerdem wurde anhand der
Darmstädter 'Aktuellen Lehrlings Presse' (ALP) Nr.3 (vgl. 31.8.1970) der
"Widerspruch zwischen Lohnarbeit und Kapital bewußt gemacht."
=RJ/ML-Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden:Bericht für die Zeit vom 22.8. bis
18.9.1970,Walldorf o.J. (1970)

04.09.1970: 
An der Sitzung des DGB Ortskartells Walldorf (vgl. 11.9.1970) beteiligt
sich auch die RJ/ML Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden (vgl. 3.9.1970, 7.9.1970):"
Auf dieser Sitzung des DGB-Ortskartells wurden die Fragen an die
Landtagskandidaten des Landkreises Groß Gerau, die diese auf der
DGB-Veranstaltung am 26.9.1970 beantworten sollen, diskutiert. Es gelang
den Mitgliedern der RJ/ML eine Zusatzfrage zum BBiG durchzusetzen (...).
Außerdem wurden von uns 'Rote Fahnen' an die weiteren Mitglieder des
Ortskartells verkauft."

In der "Frage zum Berufsbildungsgesetz" heißt es:"
Das Kernstück des Berufsbildungsgesetzes ist in dem neu geschaffenen
Stufenplan zu sehen (Paragraph 24 BBG).
Bei Krupp wird der Bedarf an Arbeitskräften für die folgenden Jahre, laut
der Zeitschrift 'Rebell', wie folgend eingeschätzt:
1. Stufe ca. 25%
2. Stufe ca. 45%
3. Stufe ca. 20%
4. Stufe ca. 10%
Da die Ausbildungszeit in der 1.Stufe nur ein Jahr und in der 2.Stufe
zwei Jahre beträgt und eine besondere berufliche Fachausbildung gemäß
Paragraph 26 BBG erst in der 3.Stufe erfolgt, ist davon auszugehen, daß
bei Krupp, und diese Zahlen kann man wohl verallgemeinern, 70% der
Lehrlinge - Auszubildende heißt es jetzt - lediglich eine Ausbildung zum
Hilfsarbeiter durchlaufen. ...
Die Tendenz in der kapitalistischen Bundesrepublik ist damit klar. Immer
weniger Facharbeiter - immer mehr Hilfsarbeiter. Da diese Tendenz auf die
sogenannte wissenschaftlich-technische Revolution zurückzuführen ist,
bitten wir um Stellungnahme, wie ohne die Sprengung der kapitalistischen
Aneignungsweise bei gesellschaftlicher Produktion, d.h. wie ohne
sozialistische Revolution eine weitere wirtschaftliche wie seelische
Verelendung des Proletariats, dessen Interessenvertretung wir als
Gewerkschaft sind, verhindert werden kann."
=RJ/ML-Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden:Bericht für die Zeit vom 22.8. bis
18.9.1970,Walldorf o.J. (1970)

09.09.1970: 
In der RJ/ML Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden (vgl. 7.9.1970, 10.9.1970)
trifft sich die Stadtbasisgruppe (vgl. 2.9.1970, 16.9.1970):"
Fortsetzung der Diskussion vom 2.9.70. Es wird festgelegt die politischen
AG's der Volkshochschule in Walldorf, die z.T. von Juso- oder Junge Union
(JU) Mitgliedern geleitet werden und die einen großen Teil der Walldorfer
Jugendlichen erreichen zu besuchen. Außerdem wird mit der Vorbereitung
einer Stadtzeitung für Walldorf und Mörfelden begonnen."
=RJ/ML-Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden:Bericht für die Zeit vom 22.8. bis
18.9.1970,Walldorf o.J. (1970)

10.09.1970: 
In der RJ/ML Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden (vgl. 9.9.1970, 11.9.1970)
trifft sich die Jungarbeiter- und Lehrlingsgruppe (vgl. 3.9.1970, 17.9.1970)
nicht:"
Durch anhaltende Regenfälle kommen nur wenige Genossen. Das Treffen wurde
daher verschoben."
=RJ/ML-Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden:Bericht für die Zeit vom 22.8. bis
18.9.1970,Walldorf o.J. (1970)

11.09.1970: 
An der Sitzung des DGB Ortskartells Walldorf (vgl. 4.9.1970, 26.9.1970)
beteiligt sich auch die RJ/ML Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden (vgl. 7.9.1970,
16.9.1970):"
Bei diesem Treffen des DGB-Ortskartells wurde von den Mitgliedern der RJ/ML
nach Diskussion von Schulungsveranstaltungen von 'Arbeit und Leben', einer
Arbeitsgemeinschaft von DGB-Ortskartell und Volkshochschule, vorgeschlagen,
eine Resolution an den Vorstand der IG Metall zu schicken."
Hierbei handelt es sich um:"
Offener Brief an den Vorstand der IG Metall

Kolleginnen und Kollegen!
Wir sind mit der von euch aufgestellten Lohn- und Gehaltsforderung von
15% in keiner Weise zufrieden.
Wir selbst halten es für angebracht und vertretbar folgenden Forderungen
zu stellen:
1.) Eine Mark pro Stunde effektiv mehr für alle Arbeiter und 180 DM pro
    Monat mehr für alle Angestellten.
2.) Tariferhöhung um mindestens 20%.
3.) Höchstens 12 Monate Laufzeit der Tarifverträge.
4.) Einführung einer Gleitklausel, die bei mehr als 3%iger
    Preissteigerung Kündigung des Traifvertrages ermöglicht.
...
Wir sehen uns gezwungen diesen Brief zu schreiben, weil wir nach Eurer
laschen Haltung zur Frage der Lohnsteuervorauszahlung, Eurem Taktieren in
der 'Konzertierten Aktion' nicht einmal glauben können, daß Eure
Forderung von 15% ernst gemeint ist. Wir sehen voraus, daß zum Schluß
doch nur die bereits festgelegten 12% herauskommen.
Wir weisen Euch jedoch darauf hin, daß Ihr durch Euer nur den
Unternehmern dienendes Verhalten damit rechnen müßt, daß die Arbeiter und
Angestellten in der Metallindustrie wie im Sept. 1969 die Verhandlungen
wieder selbst in die Hand nehmen und Euch zeigen, was es heißt, unsere
Interessen zu vertreten."

Über die Diskussion der Resolution heißt es:"
Inhaltlich wurde lediglich an der Forderung nach der Gleitklausel Kritik
geübt ('Wenn sowas erst mal im Tarifvertrag drin ist, kommt es nicht mehr
raus und später kann es uns schaden'). Unter formalen Vorwänden ('Wir sind
DGB und nicht IG Metall') wurde die Resolution abgelehnt und beschlossen, die
IG Metall Bezirke Darmstadt und Frankfurt aufzufordern, in Walldorf eine
Metallarbeiterversammlung zu organisieren."
=RJ/ML-Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden:Bericht für die Zeit vom 22.8. bis
18.9.1970,Walldorf o.J. (1970)

16.09.1970: 
Von der RJ/ML Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden (vgl. 11.9.1970, 17.9.1970)
beteiligt sich u.a. die Stadtbasisgruppe (vgl. 9.9.1970, 17.9.1970) im
Rahmen der Volkshochschule (VHS) an einem "Besuch der AG 'Politischer
Radikalismus', die von einem Mitglied der Jungen Union (JU) und
stellvertretendem Kreisdirektkandidaten der CDU zur Landtagswahl geleitet
wird. Die Sympathisanten und Mitglieder der RJ(ML) sind in der Mehrzahl
und beherrschen die Diskussion."
=RJ/ML-Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden:Bericht für die Zeit vom 22.8. bis
18.9.1970,Walldorf o.J. (1970)

17.09.1970: 
In der RJ/ML Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden trifft sich die Jungarbeiter-
und Lehrlingsgruppe (vgl. 10.9.1970):"
Anhand des Artikels im 'Rebell' Nr.23 (vgl. Sept. 1970,d.Vf.) 'Die
Organisation aufbauen' nochmals die Bedeutung der Grundeinheiten diskutiert.
Die weitere Arbeit wurde festgelegt und einzelne Genossen dafür
verantwortlich gemacht."
=RJ/ML-Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden:Bericht für die Zeit vom 22.8. bis
18.9.1970,Walldorf o.J. (1970)

17.09.1970: 
Von der RJ/ML Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden (vgl. 16.9.1970, 19.9.1970)
beteiligt sich u.a. die Stadtbasisgruppe (vgl. 16.9.1970) im Rahmen der
Volkshochschule (VHS) an einem "Besuch der AG 'Jugend und Politik', die von
einem Juso-Mitglied geleitet wird. Bei der Wahl des Vorstandes wurden 3
Mitglieder bzw. Sympathisanten der RJ(ML) gewählt."
=RJ/ML-Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden:Bericht für die Zeit vom 22.8. bis
18.9.1970,Walldorf o.J. (1970)

19.09.1970: 
In der RJ/ML Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden (vgl. 17.9.1970, 26.9.1970)
wird ein Bericht an das ZK der RJ/ML (vgl. 23.8.1970, 8.10.1970) verfaßt,
der sich in die folgenden Punkte:
1.) Arbeit in den Grundeinheiten:
    a.) Jungarbeiter- und Lehrlingsgruppe (vgl. 17.9.1970)
    b.) Stadtbasisgruppe (vgl. 17.9.1970)
2.) Betriebsgrundeinheiten (BGE)
3.) Arbeit vor den Betrieben
4.) Arbeit in Mörfelden und Walldorf
5.) DGB-Ortskartell (vgl. 11.9.1970)
6.) SDAJ Mörfelden (vgl. 24.8.1970)
7.) KJVD
    a.) Stadtkomitee Frankfurt (vgl. 27.8.1970)
    b.) Aufbaukollektiv Rüsselsheim
    c.) Aufbaukollektiv Groß Gerau (vgl. 2.9.1970, 7.9.1970)
    d.) SABG Mainz

In 1.) heißt es zur "Lage der Grundeinheiten:
Es ist festzustellen, daß die Umorganisierung vom Zirkel zu Zellen der
Jugendmassenorganisation (JMO) noch nicht abgeschlossen ist. Es besteht
z.T. noch Unklarheit über die Arbeit in den Grundeinheiten (GE)."

Zu 4.) heißt es:"
Die Betriebsausgabe Nr.2 wurde vor dem Walldorfer und Mörfeldener Bahnhof
verkauft. Dabei waren die Reaktionen 'wohlwollend resigniert'. Am besten
kann man es vielleicht aus folgenden Sätzen ersehen: 'Es ist ja ganz gut
was ihr macht, aber die machen ja doch was sie wollen', 'Das nützt ja doch
alles nichts' usw.."
zu 7.d.), der Sozialistischen Arbeiterbasisgruppe (SABG) Mainz, heißt es,
daß man durch ein SABG-Mitglied aus Ginsheim von dem Anschluß der SABG an
den KJVD der KPD/ML-ZB unterrichtet worden sei.
=RJ/ML-Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden:Bericht für die Zeit vom 22.8. bis
18.9.1970,Walldorf o.J. (1970)

26.09.1970: 
Das DGB Ortskartell Walldorf (vgl. 11.9.1970) führt eine Podiumsdiskussion
zur Landtagswahl durch. Es beteiligt sich auch die RJ/ML Ortsgruppe Walldorf/
Mörfelden (vgl. 19.9.1970, 28.9.1970), die sich ja auf die Veranstaltung
bereits vorbereitet hatte (vgl. 4.9.1970). Sie berichtet:"
Es wurde mit den Landtagskandidaten von SPD, CDU und DKP diskutiert. Die
Diskussion wurde weitgehend von Mitgliedern der RJ/ML beherrscht."
=RJ/ML-Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden:Gruppenbericht vom 15.9. - 8.10.70,
Walldorf 8.10.1970

28.09.1970: 
Die RJ/ML Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden (vgl. 26.9.1970, 3.10.1970)
berichtet:"
Am 28.9. verteilten wir aufgrund des raschen Abschlusses der
Tarifverhandlungen (für die Metallindustrie,d.Vf.) in Hessen das Flugblatt
'Verraten und verkauft'."
=RJ/ML-Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden:Gruppenbericht vom 15.9. - 8.10.70,
Walldorf 8.10.1970

03.10.1970: 
In Darmstadt wird die SPD-Kundgebung mit Willy Brandt auch vom KAB/ML sowie
der RJ/ML Darmstadt und Walldorf/Mörfelden (vgl. 28.9.1970, 8.10.1970)
besucht, die Flugblätter verteilen und die 'Rote Fahne' des KAB/ML verkaufen.
=RJ/ML-Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden:Gruppenbericht vom 15.9. -  8.10.70,
Walldorf 8.10.1970

08.10.1970: 
Die RJ/ML-Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden (vgl. 3.10.1970, 24.10.1970)
verfaßt einen Bericht an ihr ZK (vgl. 19.9.1970, 22.11.1970) für die Zeit vom
15.9.1970 bis heute.
Berichtet wird über Veranstaltungen in Walldorf (vgl. 26.9.1970) und
Darmstadt (vgl. 3.10.1970) sowie das eigene Eingreifen in die
Metalltarifrunde (vgl. 28.9.1970).
Zu den Grundeinheiten heißt es:"
Bisher wurde bei unserer Arbeit in den Grundeinheiten folgender Fehler
gemacht. Wir versuchten in den Gruppen eine möglichst große Anzahl von
Sympathisanten zu agitieren. Solange diese Leute in den Grundeinheiten aktiv
mitarbeiteten verlief alles bestens. Aber als die Mitarbeit von diesen
Sympathisanten abflaute, wurde fast gar nichts gearbeitet. Dies hat sich
besonders in der Lehrlings- und Jungarbeitergruppe bemerkbar gemacht.
Ganz abgesehen davon ist es fast unmöglich in Walldorf eine gut
funktionierende Lehrlings- und Jungarbeitergruppe aufzubauen.
Dazu fehlt uns in Walldorf die nötige Basis. Es gibt keine größeren Betriebe
in der Nähe. ...
Die Lehrlinge, die nicht die bestimmten Frankfurter Berufsschulen besuchen,
arbeiten von nun ab in der Stadtbasisgruppe mit.
Zur Stadtbasisgruppe ist noch zu sagen:
Der Besuch von den politischen AGs der Volkshochschule Walldorf hat sich
gelohnt. Wir haben dadurch viele Kontakte gewonnen. Außerdem ist man jetzt in
Begriff eine Stadtzeitung herauszugeben."

Zu den "Neuaufnahmen von Mitgliedern" heißt es:"
Wir haben in letzter Zeit einige Sympathisanten neu aufgenommen. Es ist
festzustellen, daß wir mit dem Schritt von der Kaderorganisation zur
Massenorganisation noch größere Erfolge zu verzeichnen haben."
=RJ/ML-OG Walldorf/Mörfelden:Gruppenbericht vom 15.9.-8.10.70,Walldorf
8.10.1970

10.10.1970: 
Nach eigenen Angaben beginnt der zweitägige erste Bundesdelegiertentag
(BDT - vgl. **.**.197*) der RJ/ML des KAB/ML.
Jürgen Ossenberg habe von der KPD/ML-ZB den Auftrag erhalten die RJ/ML in
Schweinfurt in Bayern und Mörfelden/Walldorf in Hessen zu spalten.
=Rebell Sdr.Nr.3 und Nr.25,Tübingen 1970

29.10.1970: 
In Mörfelden/Walldorf organisiert die RJ/ML des KAB/ML, nach eigenen
Angaben, eine Kundgebung von 200 Personen zum Protest gegen eine NPD
Wahlversammlung.

Die RJ/ML-OG Walldorf/Mörfelden (vgl. 24.10.1970, 22.11.1970) gab für heute
das Flugblatt "Für eine demokratische Front aller Werktätigen gegen die
Faschisten" mit einer Seite DIN A4 ohne presserechtlich Verantwortlichen
heraus, in dem es heißt:"
DAS KAPITAL HÄLT SICH DEN WEG ZUM FASCHISMUS OFFEN

Am Donnerstag den 29.10.1970 findet im Walldenser Hof in Walldorf eine
Wahlveranstaltung der NPD statt.

Kaum war das westdeutsche Wirtschaftswunder beendet, kam mit der ersten Krise
(Rezession nennt man das jetzt) die faschistische NPD auf. Wie in der
Weimarer Republik die NSDAP von den Kapitalisten zur Stützung ihrer
Herrschaft verwandt wurde, so heute die NPD. Allerdings mit dem einen
Unterschied, daß die Kapitalisten damals mit der faschistischen Diktatur die
Befreiung der Arbeiterklasse, die kurz bevor stand, verhindert, während sie
heute mit der Koalition von der NPD und CDU/CSU, mit Hetze und Lügen
fortschrittliche und demokratische Kräfte einschüchtern wollen.
Die antikommunistische hetze der Faschistenbande Strauß, Thadden und Co. soll
den gerechten Kampf der Werktätigen für mehr Rechte und bessere
Arbeitsbedingungen diffamieren und verhindern.

Die SPD, als moderne Partei des Kapitals hingegen, bedient sich anderer
Mittel. Sie sichert Ausbeutung und Unterdrückung der Werktätigen mit den
Mitteln des Betrugs, des Lohnraubs und der sozialen Demontage. Unter dem
Deckmantel der Demokratie entfaltet sie ihre betrügerischen und
antidemokratischen Machenschaften (Notstandsgesetze, Berufsbildungsgesetz,
10% mehr Lohnsteuer und Konjunkturdämpfungsgesetz,
Betriebsverfassungsgesetz).

Solange der Kapitalismus besteht, existiert die Gefahr einer erneuten
faschistischen Diktatur, denn die Kapitalisten werden, sobald sie ihre
Herrschaft und damit ihre Profite gefährdet sehen, diese mit allen Mitteln
verteidigen und sich um unsere heutige 'Demokratie' einen Dreck scheren.
Wir müssen deshalb unseren Ausbeutern und Unterdrückern einen großen Strich
durch die Rechnung machen. Bekämpfen wir die faschistischen Ableger des
Kapitals.

SCHLAGT DIE FASCHISTEN WO IHR SIE TREFFT!

Werktätige und Demokraten zur antifaschistischen Demonstration am Donnerstag
den 29.10.1970 um 19 Uhr 45 vor dem Walldenser Hof in Walldorf."

Die RJ/ML (vgl. Dez. 1970) berichtet zentral:"
NPD-VERSAMMLUNG VERHINDERT

WALLDORF-MÖRFELDEN

Die neofaschistische NPD hatte am 29.10.1970 geplant, in einer
Wahlversammlung aufzutreten.

Daraufhin ergriff die RJ/ML die Initiative. In Flugblättern, die in
Walldorf-Mörfelden verteilt wurden, rief sie zu einer antifaschistischen
Demonstration auf. In ihrem Flugblatt heißt es: 'Solange der Kapitalismus
besteht, existiert die Gefahr einer erneuten faschistischen Diktatur... Wir
müssen deshalb unseren Ausbeutern und Unterdrückern einen großen Strich
durch die Rechnung machen.' Bekämpfen wir die faschistischen Handlanger des
Kapitals.!

Vor dem Versammlungslokal bildeten die Mitglieder und Sympathisanten der
RJ/ML eine Kette, um die Versammlung zu verhindern. Durch Transparente wie
'Für eine demokratische Einheitsfront aller Werktätigen gegen die
Faschisten', durch Sprechchöre und Aufrufe über Megaphon wurden die
Anwesenden aufgefordert, sich in eine Front gegen die neofaschistische NPD zu
stellen. Im Laufe der Kundgebung schloßen sich ungefähr 200 Arbeiter,
Angestellte und andere fortschrittliche Bürger dem Aufruf der RJ/ML an.

Die Polizei hatte inzwischen aus der Umgebung Verstärkung herbeigeholt. Nach
der Aufforderung an die Demonstranten, die versammlung aufzulösen, ging die
Polizei massiv mit Hunden gegen den Einheitsblock vor. Es kam zu
Handgreiflichkeiten. Nach kurzer Zeit aber zog sich die Polizei zurück. Sie
hatte erkannt, daß kein Grund bestand, die Faschisten zu unterstützen. Die
erfolgreiche Demonstration endete mit den Schlußworten eines Sprechers der
RJ/ML: Nie wieder Faschisten in Walldorf!"

Intern heißt es von der RJ Walldorf/Mörfelden (vgl. 22.11.1970) über die
Stadtbasisgruppe:"
Diese Grundeinheit bereitete die Anti-Faschismusdemonstration vor. Sie
entwarf das Flugblatt 'Für eine demokratische Front aller Werktätigen
gegen die Faschisten'."
=RJ/ML-OG Walldorf/Mörfelden:Bericht der Ortsgruppe für die Zeit vom
9.10.1970 bis 22.11.1970,o.O. o.J. (1970),S.2;
RJ/ML-OG Walldorf/Mörfelden:Für eine demokratische Front aller Werktätigen
gegen die Faschisten,o.O. o.J. (1970);
Rebell Nr.26,Tübingen Dez. 1970,S.4

02.11.1970: 
Für die DKP berichtet -zog vermutlich aus dieser Woche:"
EIN KLUGER HUND

In dem hessischen Kreis (Groß Gerau,d.Vf.), in dem das amtliche Kennzeichen
der Autos mit GG beginnt, in dem die Opel-Werke den Reichtum des größten
Automobilkonzerns der Welt, General Motors (GM,d.Vf.), im Geschäftsjahr 1969
um 419 Millionen DM vermehrten, in dem in- und ausländische Chemie-Konzerne
die Luft verpesten, daß es zum bald nicht mehr sichtbaren Himmel stinkt, in
diesem Kreis bewies ein Polizeihund zum Ausklang des hessischen
Landtagswahlkampfes (LTW - vgl. 8.11.1970,d.Vf.) Instinkt für Demokratie.
Seinen uniformierten Führern war dieser Instinkt auf höheren Befehl abhanden
gekommen.

In Walldorf versammelte sich die NPD zum letzten Gefecht zur Irreführung der
Wähler. Daß sich mehr aufgeklärte Demonstranten einfanden als Hilfswillige
der Sammlungsbewegung mit Rechtsdrall, spricht für eine gewisse
Bewußtseinsentwicklung in Hessen. Haben doch gerade in diesem Bundesland ein
schießwütiger Kolley (vgl. Kassel - 16.9.1969,d.Vf.) und dessen Fluchthelfer
Fischer - zugleich NPD-Fraktionsvorsitzender im Landtag - drastische
Erfahrungen mit dem Thadden-Volk vermittelt. Doch an Walldorfs Polizei war
der Erfahrungsprozeß vorbeigegangen. Befehl ist Befehl. Die Uniformierten
marschierten auf, um die NPD vor den Demonstranten zu 'schützen'. Und zwei
Polizeihunde wurden mitgenommen.

Gerechterweise ist zu bemerken, daß Verwirrung auf beiden Seiten bestand. Bei
den Demonstranten und bei der Polizei. Bei den Demonstranten deshalb, weil
ein Polizeieinsatz mit Hunden zu Gunsten der NPD mit dem Versprechen der SPD
an jeder Plakatsäule, 'damit der Fortschritt weitergeht', eine Dissonanz
ergab. Bei der Walldorfer Polizei, weil die Hunde zeitweise den Gehorsam
verweigerten.

Und nun muß man die DKP des Kreises, wo die Kennzeichen der Autos mit GG
beginnen, 'kritisieren'. Die Kommunisten gehörten zwar zu den Demonstranten,
und sie erklärten auch sofort, was die Polizei da produzierte: 'Ein gestörtes
Verhältnis zur Demokratie.' Doch für alle, die im Polizeieinsatz der NPD
beistehen sollten, traf das nicht zu. Ein Schäferhund ging nicht die
Demonstranten an, sondern biß einen Polizisten ins Hinterteil. Reporter, die
sich noch am selben Abend auf dem Walldorfer Polizeirevier erkundigen
wollten, wo dem Hund das Demokratieverständnis beigebracht worden ist,
erhielten die Antwort: 'Heute geben wir überhaupt keine Erklärung mehr ab.'"
=Unsere Zeit Nr.46,Düsseldorf 14.11.1970,S.28

22.11.1970: 
Die RJ/ML-Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden (vgl. 29.10.1970, 14.10.1970)
verfaßt einen Bericht an ihr ZK (vgl. 8.10.1970, 9.2.1971) für die Zeit
vom 9.10.1970 bis heute:"

Genossen!

Die Umorganisierung eines Zirkels zu einem Teil der
Jugendmassenorganisation ist mit erheblichen Anstrengungen für diejenigen
Genossen verbunden, die über größere Erfahrungen in der organisatorischen
und praktischen Arbeit (dies jedoch auch nur im Verhältnis zu den
weiteren Genossen) verfügen.
Wir entschieden uns bisher bei der Alternative, die bei gegebener
Arbeitsfähigkeit der Gruppe bestand, für ein Vorantreiben der weiteren
Arbeit in Ort und Bezirk. Wir sind uns jedoch im Klaren darüber, daß eben
diese Arbeit nur bei richtiger Anleitung durch das ZK nicht in das
Zirkelwesen zurückfallen wird und daß das ZK eine richtige Anleitung nur
bei termingerechter Erstellung der Berichte, die ihm einen Überblick über
die Arbeit der Gruppen geben, leisten kann. ...

A. Arbeit in den Grundeinheiten

1. Grundeinheit Frankfurt 1 (gewerbliche Lehrlinge) ...
2. Grundeinheit Frankfurt 2 (kaufmännische Lehrlinge) ...
 3. Gewerkschaftsgrundeinheit

Diese GE, deren Tätigkeit sich gegenwärtig auf den
DGB-Ortskartellvorstand beschränkt, plant für Januar 1971 eine
Aufklärungsveranstaltung über das Berufsbildungsgesetz durchzuführen.
Diese Veranstaltung, die unter dem Namen der Gewerkschaftsjugend
stattfinden soll, gilt es jetzt inhaltlich und organisatorisch
vorzubereiten.

4. Stadtbasisgruppe

Diese Grundeinheit, die sich vor allem mit Walldorfer und Mörfeldener
Problemen befaßte, wurde inzwischen aufgelöst, weil alle Genossen in
einer bzw. mehreren Grundeinheiten mitarbeiten und die Gefahr einer
Verzettelung bestand.
Diese Grundeinheit bereitete die Anti-Faschismusdemonstration vor" und
entwarf das Flugblatt (vgl. 29.10.1970).

Das Ortskomitee (OK) berichtet erst das nächste Mal. Über weitere Gruppen
am Ort heißt es:"
1. SDAJ

In Mörfelden besteht eine verhältnismäßig starke SDAJ-Gruppe. Diese
Gruppe hat vor kurzer Zeit die Nr.2 des 'Klein-Moskau Kuriers'
herausgegeben. Exemplare dieser Ausgabe können nicht mitgesandt werden,
weil es die Mörfelder Genossen nicht für notwendig fanden Exemplare den
weiteren Mitgliedern (und dem OK) zugängig zu machen."

Anlagen sind die Flugblätter:
- "Arbeiterjugend fordert" Frankfurt/Groß Gerau (vgl. 24.10.1970);
- das Anti-NPD Flugblatt aus Walldorf/Mörfelden (vgl. 29.10.1970), auf
dessen Restexemplaren auch der Bericht verfaßt wurde;
- Flugblätter des KJVD Groß Gerau und der Lehrlingsgruppe Groß Gerau, die
zur gleichen Zeit vor der KBS verteilt worden seien, uns aber leider
nicht vorliegen. Der KJVD habe der ROTZGG vorgeworfen eine Gleichmacherei
zwischen Oberschülern und Lehrlingen zu betreiben.
=RJ/ML-OG Walldorf/Mörfelden:Bericht der Ortsgruppe für die Zeit vom
9.10.1970 bis 22.11.1970,o.O. o.J. (1970)

09.01.1971: 
Auf einer Lehrlingsversammlung der SDAJ in Mörfelden wird, laut RJ/ML,
anhand ihres 'Rebell' Nr.25 diskutiert.
Intern wird berichtet:"
In Mörfelden besteht eine verhältnismäßig starke SDAJ-Gruppe.
Diese Gruppe führte vor einigen Wochen eine Lehrlingsversammlung durch. Da
diese aber schlecht vorbereitet wurde, fiel sie ins Wasser. Die bei der
Versammlung anwesenden RJ Genossen diskutierten mit den SDAJ Mitgliedern,
anhand des REBELL 25 (vgl. Nov. 1970,d.Vf.), über die berechtigten
Forderungen der Arbeiterjugend. Dabei kam es zu starken Differenzen."
=Rebell Nr.28,Tübingen Feb. 1971;
RJ/ML-OG Walldorf/Mörfelden:Bericht der Ortsgruppe für die Zeit vom
22.11.1970 bis 9.2.1971,o.O. o.J. (1971)

09.02.1971: 
Die RJ/ML-Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden (vgl. 14.12.1970, 15.2.1970)
verfaßt einen Bericht an ihr ZK (vgl. 22.11.1970, 8.3.1971) für die Zeit vom
22.11.1970 bis heute:"
Genossen!
Bitte entschuldigt, daß wir den längst überfälligen Gruppenbericht erst jetzt
erstellen. Aber durch die ständige Überlastung einzelner Genossen und durch
das liberalistische Auftreten anderer Genossen, erschien eine pünktliche
Berichterstattung als unmöglich.

A. Arbeit in den Grundeinheiten

1. Grundeinheit Frankfurt 1 (gewerbliche Lehrlinge) ...
2. Grundeinheit Frankfurt 2 (kaufmännische Lehrlinge) ...
B. Ortskomitee

Bei einer MV Ende September wurde das OK bestimmt. Durch Berichte von den
GE's verschaffte sich das OK einen allgemeinen Überblick von der gesamten
Ortsgruppe.
Besondere Schwierigkeiten ergaben sich, als einige Mitglieder ein
liberalistisches Verhalten zeigten. Dies zeigte sich u.a. folgendermaßen:
keine Berichte von den GE's zum OK, schlampiger Arbeitsstil in den
Grundeinheiten etc..
Wir führen dieses Verhalten auf das mangelnde politische Bewußtsein einiger
Genossen zurück, und hoffen dementsprechend diesen Zustand durch eine
praxisbezogene Schulung ändern zu können.
Eine breitangelegte Liberalismusdiskussion wird erst in einigen Tagen
geführt. Wir berichten darüber ausführlicher im nächsten Bericht."

Über weitere Gruppen am Ort wird von der SDAJ berichtet (vgl. 9.1.1971).

Man konnte ein neues Mitglied aufnehmen und nun auch den 'Klein-Moskau
Kurier' Nr.2 der SDAJ beilegen, ebenso wie das eigene Flugblatt (vgl.
14.12.1970) und die erste Nummer der eigenen Berufsschulzeitung für Frankfurt
und Groß Gerau, die nächste Woche verteilt werde (vgl. 15.2.1971).
=RJ/ML-OG Walldorf/Mörfelden:Bericht der Ortsgruppe für die Zeit vom
22.11.1970 bis 9.2.1971,o.O. o.J. (1971)

08.03.1971: 
Das ZK der RJ/ML des KAB/ML verfaßt einen Brief an seine OG Walldorf/
Mörfelden:"
Liebe Genossen!

Das ZK der RJ(ML) hat gegen die Veröffentlichung der Broschüre 'Der Kampf
der roten Kommune Mörfelden' keine Einwände.

Das Vorwort zu der Broschüre müßte unserer Meinung nach völlig neu
geschrieben werden. Es ist viel zu ideologisch und sagt nichts aus. Die
Kollegen werden dieses Vorwort nicht verstehen. Das Vorwort muß in dem
einfachen und klaren Stil gehalten werden, wie die Broschüre selbst
geschrieben ist. Es wäre auch gut, wenn ihr aus der Selbstkritik der KPD zu
ihrer Sozialfaschismustheorie zitieren würdet. Außerdem enthält das Vorwort
einen Fehler: '... erscheint zum 1jährigen Bestehen der Ortsgruppe der
RJ(ML), die am 100. Geburtstag des Genossen Lenin als Antwort auf die auch
in unserer Heimat immer schlimmer werdenden Entstellungen des
Marxismus-Leninismus durch SDAJ und DKP gegründet wurde.' Die Gründung der
Ortsgruppen der RJ(ML) ist nicht in erster Linie eine Antwort auf den
Revisionismus der DKP und der SDAJ, sondern wurde deshalb notwendig, weil
die Verschärfung der Widersprüche in Westdeutschland die Gründung einer
Massenorganisation des Jungproletariats notwendig machte. Die RJ(ML) kämpft
ja auch primär nicht gegen die DKP und die SDAJ sondern gegen die
westdeutsche Kapitalistenklasse und ihren Staat. Dieser Kampf muß
allerdings mit dem Kampf gegen den Revisionismus verbunden werden. In Eurer
Formulierung habt Ihr das Nebensächliche zum Hauptsächlichen gemacht.

Das Vorwort sollte nicht darauf abzielen, die DKP, die SDAJ, und die Genger
Trotzkisten (KPD/ML-ZB,d.Vf.) zu entlarven, sondern der Inhalt sollte die
Entlarvung des Klassencharakters unseres Staates sein. Dies entspricht auch
dem Inhalt der Broschüre selbst."
=RJ/ML-ZK:RJ/ML Walldorf/Mörfelden,X. 8.3.1971

07.04.1971: 
Die RJ/ML Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden verfaßt ihren letzten Bericht an
das ZK, für die Zeit vom 9.2.1971 bis heute.
In der Folge wird die Gruppe in die Ortsgruppen Frankfurt und Groß Gerau
aufgeteilt, die aber noch eine ganze Weile gemeinsam die 'JLP'
herausbringen.
In dem Bericht heißt es u.a.:
B. Ortskomitee

Bei unserer letzten MV wurde ein neues OK gewählt. Ihm wurde vorrangig die
Aufgabe gestellt, die bestehenden Differenzen in der Ortsgruppe zu
beseitigen. Besonders starke Differenzen kamen bei der Frage des
ANTIMILITARISTISCHEN KAMPFES auf. Von einigen wenigen Genossen wurden
diesbezüglich Einwände zur Frage der Kriegsdienstverweigerung erhoben. Aber
bei näherem Diskutieren wurden Argumente wie z.B. 'Durch die Bundeswehr muß
ich meine Fachschulausbildung unterbrechen' etc. geliefert.
Zufälligerweise sind das gerade die Genossen, die schon seit einiger Zeit
wegen ihrem liberalistischen Auftreten in der Ortsgruppe kritisiert werden.
Wir versuchen diese Genossen entweder eines besseren zu überzeugen oder auf
Ausschluß zu dringen.
Auch die Arbeit des neuen OK in Bezug auf die Anleitung der GE's zeigte
starke Mängel. Vor einigen Wochen wies das OK die GE's darauf hin, die
Einschätzung der SPD und der Gewerkschaften zu diskutieren.
Aber vom OK wurde versäumt diese Diksussion inhaltlich vorzubereiten. So
wurde z.B. in der GE Frankfurt 1 nur die Einschätzung des KJVD zu diesen
Problemen diskutiert. Da die nächste MV in einigen Tagen stattfindet,
hoffen wir dieses Problem jetzt endlich abschließend diskutieren zu können.

C. Redaktionskollektiv der JLP

Bei der Arbeit des Redkoll ist zu kritisieren, daß es viel zu unabhängig
von den Grundeinheiten arbeitet. Das Redkoll bereitet gerade die JLP Nr.3
vor (vgl. 12.4.1971,d.Vf.). Nach der Herausgabe dieser Nummer wird das
Redkoll von den betreffenden Grundeinheiten gestellt.

F. Andere Gruppen am Ort ...
4. SDAJ Mörfelden (der DKP,d.Vf.)
Diese Gruppe führte vor einigen Wochen eine Versammlung unter dem Thema
'Freiheit für Angela Davis' durch. Weiterhin wurde von der SDAJ der
Vorschlag gemacht, eine gemeinsame Aktion zu starten. Von den anwesenden
RJ-Genossen wurde der Vorschlag abgelehnt. Ob die SDAJ immer noch vorhat
diese Aktion durchzuführen, wissen wir nicht.
=RJ/ML-OG W/M:Bericht der Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden für die Zeit vom
9.2.-7.4.71,o.O. o.J. (1971)

03.07.1971: 
Zwischen heute und dem 5.7.1971 zeigt die RJ/ML des KAB/ML in Walldorf den
Film 'Kuhle Wampe'.
=RJ/ML-OG Frankfurt:Gruppenbericht für die Zeit vom 7.4.1971-17.7.1971,S.4

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