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Schnellpresse Wiesloch und IG Metall Wiesloch

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 7.2.2012

Der älteste Bericht in unserer Datenbank bezieht sich auf die Schnellpresse Wiesloch, wo schon 1967 gesetzwidrig gestreikt wird (vgl. 18.9.1967).

Von den illegalen Septemberstreiks 1969 scheint das Werk Wiesloch dagegen nur indirekt berührt (vgl. 5.9.1969), auch die DKP berichtet zunächst nur indirekt (vgl. 18.9.1969), wird aber Anfang 1970 auch selbst vor der Schnellpresse aktiv (vgl. 15.1.1970).

In den Metalltarifrunden (MTR) 1970 bzw. 1971 wird bei der Schnellpresse Wiesloch auch einmal innerhalb des Rahmens der geltenden Gesetze gestreikt (vgl. 7.10.1970, 10.11.1971), wobei sich offenbar auch die Angestellten gern beteiligt hätten (vgl. 17.1.1972).

Die aus Heidelberg stammende NRF-Linie, aus der später der Kommunistische Bund Westdeutschland erwächst, tritt in dieser Darstellung in der Wieslocher IG Metall erstmals im November 1972 in Form des Kommunistischen Arbeiterjugendbundes (Neues Rotes Forum) Mannheim/Heidelberg - KAJB (NRF) offiziell auf (vgl. Nov. 1972), ist aber lange vorher in Wiesloch tätig, wo sicherlich die allgemeinen 'Kommentare' verteilt wurden und vermutlich auch betriebliche Ausgaben davon. Der KAJB (NRF) ist natürlich nicht nur in der Wieslocher IG Metall aktiv, sondern auch bei der Schnellpresse (vgl. März 1973), bald aber taucht bereits die Konkurrenz in Gestalt der KPD auch vor der Schnellpresse auf (vgl. 27.4.1973), die sich umgehend der Erfolge bei der Ausrufung des allgemeinen Arbeiteraufstandes 1973 durch die Avantgardeorganisation der Arbeiterklasse, d.h. sich selbst, rühmen (vgl. 4.5.1973, 6.5.1973).

Zwar klafft eine Lücke von einer Woche zwischen dem Flugblatt der Freunde der KPD und der illegalen Streikaktion, aber evtl. haben die türkischen Kollegen halt so lange an der richtigen Übersetzung bzw. der ideologisch korrekten Interpretation des Textes gesessen. Die Kommunistische Gruppe (KG) NRF Mannheim/Heidelberg berichtet nicht nur zeitlich ein wenig anders, sondern teilt auch andere gründe des Streiks mit, die sich mit denen decken, die auch bei Ford Köln auslösend für massenhaften Gesetzesbruch mittels wildem Streik waren.

Bei der Schnellpresse scheint die Urlaubsverlängerung weiter strikt getrennt nach Nationalitäten angegangen zu werden (vgl. 15.5.1973), wobei sich die deutschen Avantgardeorganisationen befehden, die KG (NRF) offenbar weit weniger Interesse als die KPD an der Produktion von Märtyrern zeigt, die selbst von den 50 entlassungsbedrohten Türken berichtet. Enthüllt wird dabei auch die drucktechnische Infrastruktur der örtlichen Linken. Das Vorgehen der KG (NRF) und der KPD bei der Schnellpresse wird im Laufe des Jahres zu einer der zentralen Steinbrüche zur Produktion von Textbausteinen in der Auseinandersetzung zwischen KBW (vgl. 7.7.1973) bzw. seinen Vorläufern einerseits und der KPD andererseits über die wilde Streikwelle bzw. den deutschen Arbeiteraufstand 1973. Der KBW hält dabei der KPD Abenteurertum und Verheizen der meist ausländischen Kolleginnen und Kollegen vor, die KPD verschimpft den KBW als Abwiegler, habe er doch auch bei der Schnellpresse zum 'Abwarten' aufgerufen, damit den Streik abgewürgt.

Sowohl KBW (vgl. 13.11.1973) als auch KPD (vgl. 8.1.1975) bleiben weiter bei der Schnellpresse tätig, das abrupte Abbrechen dieser Darstellung nach dem Ende des Streiks 1973 ist eher unserer mangelhaften Dokumentenauswertung geschuldet.

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

18.09.1967:
In Geislingen streiken, laut IMSF, 700 Arbeiter der Heidelberger Druckmaschinen AG gegen die Kürzung der Herbstbeihilfe. Auch das Werk Wiesloch schließt sich dem Streik an.
Quelle: IMSF:Die Septemberstreiks 1969,Frankfurt Nov. 1969

05.09.1969:
In Geislingen treten heute, laut DKP 1750, laut IMSF 1 000 Beschäftigte der Heidelberger Druckmaschinen AG in einen dreieinhalbstündigen Streik, der sich gegen die Einstufung der Geislinger Kollegen in eine ungünstigere Ortsklasse als ihre Kollegen in Wiesloch richtet.
Ausgelöst wurde der Streik einerseits durch die Meldungen von dem Streik bei Hoesch Dortmund und durch den Besuch des Arbeitsdirektors im Werk. Als dieser um 10 Uhr eintrifft, wird er von Arbeitern umringt, die ihren Streik erklären. Nach der Ablehnung eines Kompromisses durch die Arbeiter, wird um 13 Uhr 20 bekannt, daß die Streikforderungen durchgesetzt sind, woraufhin die Arbeit wieder aufgenommen wird.
Q: IMSF:Die Septemberstreiks 1969,Frankfurt Nov. 1969; UZ Extrablatt Essen 8.9.1969,Essen 8.9.1969

18.09.1969:
Die DKP bringt die Nr.25 ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) heraus (vgl. 11.9.1969, 25.9.1969). U.a. wird berichtet von der MF Geislingen (1 750 Besch.) und ihrem Hauptwerk in Wiesloch.
Q: Unsere Zeit Nr.25,Essen 18.9.1969

15.01.1970:
Die DKP bringt die Nr.3 ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) heraus (vgl. 8.1.1970, 22.1.1970). U.a. wird berichtet über die Verteilung eines DKP-Flugblattes bei der Heidelberger Schnellpresse und Druckmaschinen AG (4 000 Besch.) in Wiesloch.
Q: Unsere Zeit Nr.3,Essen 15.1.1970

07.10.1970:
Laut BKA Freiburg streiken 4 000 bei der Schnellpresse Wiesloch eine halbe Stunde lang.
Q: Klassenkampf Nr.3,Freiburg Okt. 1970,S.5

10.11.1971:
Bei der Heidelberger Schnellpresse in Wiesloch beteiligen sich, laut BKA Freiburg, anläßlich der Metalltarifrunde (MTR) Nordbaden/Nordwürttemberg (NB/NW) 3 000 an einem Warnstreik.
Q: Klassenkampf Extrablatt,Freiburg 16.11.1971

17.01.1972:
Die Münchner Siemens Betriebsgruppe der ABG gibt der Nr.10 ihrer 'Auf Draht' (vgl. 13.12.1971, 1.2.1972) heraus.
Eine Einbeziehung in den Streik sei von der IGM gefordert worden von den Angestellten u.a. der Schnellpresse Wiesloch.
Q: Auf Draht Nr.10,München Jan. 1972

November 1972:
Der Kommunistische Arbeiterjugendbund (Neues Rotes Forum) Mannheim/Heidelberg (KAJB (NRF)) gibt erstmals seine 'Kommunistische Jugendzeitung' (KJZ) (vgl. 11.2.1972) heraus, berichtet wird u.a. über den Jugendmonat der IGM, der u.a. in Wiesloch stattfand.
Q: Arbeiter-Zeitung Nr.11,Mannheim/Heidelberg Jan. 1973; Kommunistische Jugendzeitung Nr.1 und 2,Mannheim Nov. 1972 bzw. Dez. 1972

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März 1973:
Vermutlich erst im März gibt der KAJB (NRF) Mannheim/Heidelberg die auf Feb./März datierte Nr.4 seiner 'Kommunistischen Jugendzeitung' (vgl. 15.1.1973, Mai 1973) heraus und berichtet u.a. von der Schnellpresse Wiesloch.
Q: Kommunistische Jugendzeitung Nr.4,Mannheim Feb./März 1973, S. 13f

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27.04.1973:
In Wiesloch verteilen, nach eigenen Angaben, die Sympathisanten der KPD ein Flugblatt vor der Heidelberger Druckmaschinenfabrik - Schnellpresse (vgl. 4.5.1973).
Q: Rote Fahne Nr.19,Dortmund 9.5.1973

04.05.1973:
In Wiesloch streiken, laut den Sympathisanten der KPD morgens 50 Ausländer der Heidelberger Druckmaschinenfabrik, was auf ein eigenes Flugblatt zurückgeführt wird (vgl. 27.4.1973, 6.5.1973).
Q: Rote Fahne Nr.19,Dortmund 9.5.1973

06.05.1973:
Bei der Heidelberger Druckmaschinenfabrik in Wiesloch beteiligen sich, laut KPD, 500 an einer illegalen Betriebsversammlung (vgl. 4.5.1973, 8.5.1973). Es kommt zu einem Polizeieinsatz.
Q: Rote Fahne Nr.19,Dortmund 9.5.1973

08.05.1973:
Bei der Schnellpresse Wiesloch streiken heute, laut KG (NRF), ca. 50 Türken für längeren Urlaub und setzen nach kurzer Zeit 5 Wochen Urlaub durch (vgl. 8.5.1973, 15.5.1973).
Q: Arbeiter-Zeitung Nr.5,Mannheim/Heidelberg Juni 1973

15.05.1973:
In Wiesloch beginnt, laut KG (NRF), ein zweitägiger Streik bei der Schnellpresse für längeren Urlaub (vgl. 8.5.1973), der von 500 Spaniern und einigen Italienern getragen wird. Die Wieslocher Sympathisanten der KPD hätten in ihren Flugblättern ständig zum Streik aufgefordert, auch als die Arbeiter noch warten wollten. Laut AB streiken die spanischen Beschäftigten für einen längeren Urlaub.

Anläßlich des Streiks setzt sich die KPD mit der Politik der Anhänger der KG (NRF) Mannheim/Heidelberg auseinander, "die sich nach anfänglichem Zaudern in den Kampf einschalteten", dann aber die Einheit der ausländischen und deutschen Arbeiter verhindert habe, u.a. indem sie gegen die Unterschriftensammlung unter den deutschen Kollegen eingetreten sei und auch einen Streik der Ausländer solange abgelehnt habe, bis eine Einheit mit den Deutschen erreicht worden sei. Im Streikkomitee hätten anfangs die Spanier nur die Mehrheit gehabt, nunmehr seien sie ganz allein darin vertreten, von den Türken nämlich seien 50 von Entlassungen bedroht. Dem von der KHG (NRF) Heidelberg/Mannheim/Karlsruhe gestellten AStA der Uni Heidelberg wirft die KPD Zensur vor, aufgrund dessen Weigerung die KPD-Flugblätter zu drucken, obwohl er dies anfänglich tat und erst dann durch die Leitungen auf Linie gebracht wurde. Das NRF habe die Verteilung des Streikaufrufes verhindern wollen und die KPD aufgefordert die politische Arbeit in Wiesloch einzustellen. Während die KPD dann doch den Streikaufruf verteilte, habe die KG (NRF) ein Flugblatt "Abwarten" verteilt, woraufhin nicht gestreikt wurde.

Der KB Bremen (KBB - vgl. 28.5.1973) berichtet:"
In Wiesloch streikten rund 500 spanische und einige italienische Kollegen der Firma Schnellpresse zwei Tage, um ihre Forderung nach sechs Wochen Urlaub durchzusetzen. Die ausländischen Kollegen kommen mit dem tariflichen Urlaub nicht aus, wenn sie wenigstens einige Zeit im Jahr bei ihren Familien in ihrer Heimat verbringen wollen. Sie zwangen die Schnellpressekapitalisten, ihnen fünf Wochen Urlaub im Jahr zuzugestehen."
Q: Wahrheit Nr. 5/6, Bremen Mai/Juni 1973, S. 5; Rote Fahne Nr.21,Dortmund 23.5.1973;Roter Widerdruck o.Nr.(18),Regensburg o.J. (Juni 1973);Arbeiter-Zeitung Nr.5,Mannheim/Heidelberg Juni 1973;Kommunistische Jugendzeitung Nr.6,Mannheim Juni 1973, S. 4

07.07.1973:
Es findet die zweite Sitzung des ZK des KBW (vgl. 16.6.1973, 15.9.1973) statt:"
TOP 8 Streikbroschüre wird gemäß dem Antrag, mit Zusatz: Karmann und Schnellpresse (IGM-Bereich in Osnabrück bzw. Wiesloch,d.Vf.) wird im Anhang untersucht, einstimmig angenommen."
Q: KBW-ZK-StA:ZK-Sitzung vom 7.7.1973,o.O. o.J. (1973); KBW-N.N.:ZK-Sitzung 7.7.1973 Protokoll,o.O. o.J. (1973)

13.11.1973:
In Wiesloch erscheint ein 'Kommentar für die Kollegen der Schnellpresse' durch die einschlägige Betriebszelle der Ortsgruppe Wiesloch des KBW.
Q: Kommunistische Hochschulzeitung Nr.30,Heidelberg/Mannheim/Karlsruhe 29.11.1973

08.01.1975:
In der Nr.1 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 18.12.1974, 15.1.1975) berichtet die KPD u.a. aus Wiesloch von der Schnellpresse.
Q: Rote Fahne Nr.1,Dortmund 8.1.1975

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