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Heidelberg - BBC-Stotz Kontakt

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 25.2.2005


Materiallage

Aus diesem Betrieb lagert zwar einiges an Material der Kommunistischen Gruppe Neues Rotes Forum - KG(NRF) bzw. des Kommunistischen Bundes Westdeutschland im APO-Archiv, unsere bisherige Auswertung ist als Anfang anzusehen.

Die Organisationen

Bei BBC Stotz-Kontakt Heidelberg scheint nach dieser noch recht lückenhaften Darstellung von den linken Organisationen lediglich die KBW-Linie unter wechselnden Namen vertreten, daneben tritt auch eine Kollegengruppe auf.

Wichtige Themen und Ereignisse

Bei BBC-Stotz zeigt man sich mit den Berufsschülern solidarisch (vgl. 23.9.1970), wenig später erfolgt in der Metalltarifrunde (MTR) 1970 ein Warnstreik, der nicht der letzte in dieser MTR bleibt (vgl. 16.10.1970 ).

Mitte 1971 gibt es Kurzarbeit (vgl. 11.6.1971), ganz außerhalb jeder Tarifrunde, wenig später gar Entlassungen (vgl. 16.9.1971).

In der MTR 1971 wird auch bei BBC Stotz-Kontakt gestreikt, wobei die Freiburger BKA-Freunde der KG (NRF) sich speziell um die Angestellten kümmern, BBC-Stotz dabei als vorbildlich für die kämpferische Einheit von Arbeitern und Angestellten befinden (vgl. 22.11.1971), auch wenn die DAG versucht habe zu spalten (vgl. 22.11.1971), was aber auch bei der Aussperrung nicht gelappt habe (vgl. 26.11.1971).

Interessant ist der Bericht der RKJ, vermutlich aus Mannheim (vgl. 2.12.1971), der BBC-Stotz-Kontakt nicht als einen der wenigen Heidelberger 'Schlüsselbetriebe' benennt, sondern auch die KG (NRF) auch noch der Abwiegelei gegenüber einer sich in der MTR 1971 per Flugblatt kämpferisch gebenden Kollegengruppe von BBC Stotz-Kontakt und Graubremse zeiht, ihr den Versuch der Eindämmung auf die betriebliche Ebene vorwirft, obwohl die Fragen ganz Nordbaden/Nordwürttemberg betreffen und das Flugblatt sich and die IGM Heidelberg richtete.

Von einer Antwort der KG (NRF) wurden bisher keine Dokumente ausgewertet, falls es eine Antwort überhaupt gegeben haben sollte. Die KG (NRF) zieht lieber in die Jugendvertretung ein (vgl. 13.7.1972), und erinnert uns wehmütig an die gerade ablaufende gute alte Zeit, wo wenigstens Kontogebühren eine Sorge nur für die besitzenden Stände waren (vgl. 27.7.1972).

Im Herbst 1972 hat sich die KG (NRF) einen KAJBD zur Seite gestellt, der für seine, allerdings nicht allzu speziellen, Forderungen Mehrheiten zu vermelden weiß (vgl. Nov. 1972).

Obwohl wiederholt die Beteiligung von BBC am Cabora Bassa Staudamm-Projekt in Mosambik - auch in Publikationen der KG (NRF) bzw. ihrer Freunde - erwähnt wird, deren führende Kader reihenweise für eine Demonstration dagegen vor Gericht stehen und später Gefängnisstrafen absitzen, konnten in dieser, zugegebenermaßen auf nicht gerade reichhaltiger Dokumentenauswertung basierenden, Darstellung keine Hinweise auf betriebliche antiimperialistische Aufklärungsaktionen dazu gefunden werden.

Die Verkaufszahlen der 'Arbeiter-Zeitung' der KG (NRF) sind nicht arg hoch (vgl. 4.12.1972), es wird aber eine Zelle mit eigener Betriebszeitung gebildet bzw. zumindest angekündigt (vgl. 9.1.1973). Berichtet wird seitens des KAJB (vgl. März 1973) und auch der KG (vgl. 5.3.1973), die 'Kommunistische Volkszeitung' (KVZ) aber erreicht liegt kaum höher als die Verkaufszahlen ihres Vorläufers 'Arbeiter-Zeitung' (AZ) ein dreiviertel Jahr zuvor (vgl. 11.7.1973).

Auch Anfang 1975, zu seiner Blütezeit, hat der KBW keine eigene Zelle bei BBC-Stotz-Kontakt (vgl. 20.2.1975).


Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

23.09.1970:  In Heidelberg demonstrieren, laut 'Kommentar', rund 200 Schüler der Gewerbeschule 1 gegen Mißstände an ihrer Schule. Aufgerufen hatte ein Flugblatt von Jugendvertretern aus 7 Metallbetrieben und der Sozialistischen Arbeiter- und Lehrlingsgruppe (SALG). Nach der Demonstration wird ein Streikkomitee 23. September gewählt. Solidaritätserklärungen werden abgegeben aus vielen Heidelberger Metallbetrieben, u.a. BBC Stotz Kontakt.
=Kommentar zu den Tarifverhandlungen - Ausgabe Heidelberg Nr.3,Heidelberg 29.9.1970

07.10.1970:  Laut BKA Freiburg streiken bei Stotz-Kontakt Heidelberg 2 000 (darunter ein Teil der Angestellten) eine halbe Stunde lang.
=Klassenkampf Nr.3,Freiburg Okt. 1970,S.5

16.10.1970:  In Heidelberg streiken heute, laut 'Kommentar', rund 3 000 Metaller für die 15% Lohnerhöhung: ...
- bei BBC-Stotz Kontakt Werk Heidelberg wird von 12 Uhr 30 bis 14 Uhr, teilweise bis zum Feierabend für den Schlichtungsspruch und gegen die Aussperrung gestreikt. Die Streikzeit wird teilweise bezahlt.
=Kommentar zu den Tarifverhandlungen Nr.7,Heidelberg 20.10.1970

11.06.1971:  In Heidelberg erscheint ein zweiseitiger 'Kommentar' (vgl. 27.5.1971, 23.6.1971), der erstmals von der Kommunistischen Gruppe (Neues Rotes Forum) (KG(NRF)) Heidelberg herausgegeben wird. In "Kurzarbeit bei Stotz" beschäftig man sich auch mit den BBC-Werken in Mannheim, Nürnberg und dem Landkreis Heidelberg (mittlerweile Rhein-Neckar-Kreis).
=Kommentar,Heidelberg 11.6.1971

16.09.1971:  In Heidelberg gibt die KG (NRF) einen 'Kommentar' (vgl. 22.7.1971, 27.10.1971) heraus. In "Kurzarbeit und Entlassungen" geht's u.a. um Stotz-Kontakt.
=Kommentar,Heidelberg 16.9.1971

22.11.1971:  In Nordbaden/Nordwürttemberg treten, nach Berichten der KPD/ML-ZB und der KPD im Rahmen der Metalltarifrunde (MTR) 60 000 Metaller in den Streik.

Der BKA berichtet auch über die Absicht der Metallkapitalisten in der Metalltarifrunde (MTR) Nordbaden/Nordwürttemberg (NB/NW) die Spaltung zwischen Arbeitern und Angestellten zu vertiefen (vgl. 26.11.1971), wozu es am 2.12.1971 u.a. heißt:"
In der vergangenen Woche zeigte sich jedoch, daß sich immer mehr Angestellte mit den Arbeitern zu solidarisieren begannen, denn alle Arbeiter und Angestellten müssen ihre gemeinsamen Interessen gemeinsam und solidarisch gegen die Kapitalisten durchsetzen."
Laut Bund Kommunistischer Arbeiter (BKA) Freiburg ist es so:"
In der vergangenen Woche zeigte sich jedoch, daß sich immer mehr Angestellte mit den Arbeitern zu solidarisieren begannen, denn alle Arbeiter und Angestellten müssen ihre gemeinsamen Interessen gemeinsam und solidarisch gegen die Kapitalisten durchsetzen."
Dies sei z.B. erkannt worden im Raum Mannheim, u.a. bei BBC-Stotz Heidelberg.
=Klassenkampf Nr.15 und Extrablatt,Freiburg 18.11.1971 bzw. 2.12.1971,S.1 bzw. S.4;
KPD/ML-ZB LV Westberlin:Extrablatt Nr.29 (Kopf:Der NCR Arbeiter),Berlin 24.11.71;
Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.90,Bochum 24.11.1971,S.5


22.11.1971:  Der BKA Freiburg berichtet von der Solidarität der Angestellten und der Spaltungspolitik der DAG:"
Allein bei den Heidelberg BBC-Stotzwerken, wo die Arbeiter Transparente und Plakate mit Aufschriften wie 'Angestellte! Auch für Eure Gehälter stehen wir auf der Straße. Wo steht Ihr?' mitbrachten, traten 400 Angestellte in den Streik ...
Die Angestellten bei BBC-Stotz, die bisher in der DAG organisiert waren, gaben den DAG-Führern die richtige Antwort: Sie pfiffen auf die 'Friedenspflicht der DAG und schlossen sich dem Streik der in der IG Metall organisierten Arbeiter und Angestellten an!"
=Klassenkampf Extrablatt,Freiburg 2.12.1971,S.4

26.11.1971:  Ab 0 Uhr werden in Nordbaden/Nordwürttemberg 360 000 Metaller in 544 Betrieben ausgesperrt.
Der Bund Kommunistischer Arbeiter (BKA - vgl. 2.12.1971) Freiburg berichtet:"
ANGESTELLTE SOLIDARISCH

Mit der Aussperrung verfolgen die Kapitalisten auch das Ziel, die Arbeiter und die Angestellten noch weiter zu spalten, denn die Angestellten wurden von den Kapitalisten ausdrücklich von der Aussperrung ausgenommen. Das heißt, daß alle Angestellten verpflichtet sind, weiterhin an ihrem Arbeitsplatz zu erscheinen und damit Streikbrecher zu sein." Damit allerdings seien die Kapitalisten nicht durchgekommen (vgl. 22.11.1971).
=Klassenkampf Extrablatt,Freiburg 2.12.1971,S.4

02.12.1971:  Die RKJ der GIM berichtet von der Metalltarifrunde (MTR) in Heidelberg:"
Heidelberg, seit eh und je Hochburg des rechten SPD-Flügels in der Arbeiterschaft, sah ... eine beispielhafte Eigeninitiative einer Gruppe fortschrittlicher Kollegen von BBC-Stotz und Graubremse (neben Harvester und Schnellpresse die Schlüsselbetriebe in Heidelberg, sowohl was ihre Größe, als auch was ihren gewerkschaftlichen Organisationsgrad angeht). ... Einer Gruppe von klassenbewußten Kollegen von Stotz und Graubremse ließ der 'Donner' der Metaller (vgl. 22.11.1971, 29.11.1971,d.Vf.) dann doch zu lange auf sich warten. Sie schrieben ein Flugblatt, das am Donnerstag, den 2.12. in den zentralen Streiklokalen" von BBC-Stotz, Graubremse, Harvester und Schnellpresse "verteilt, sowie tags darauf in der Presse veröffentlicht wurde: 'Streikversammlung Freitag 10 Uhr!
Ausgesperrte Arbeiter und streikende Arbeiter und Angestellte fordern von der IGM Heidelberg, am Freitag, um 10 Uhr im Gesellschaftshaus Pfaffengrund eine Versammlung abzuhalten, damit folgende Punkte geklärt werden:
1. Kontakt zwischen Streikleitung und Arbeitnehmern schaffen.
2. Warum wurde keine geschlossene Streikfront aufgebaut (s. Streiknachrichten der IG Metall vom 1.12.: "Betreten des Werkes nur mit Notdienstausweis"). Einige Betriebe halten durch den Notdienst den Vertrieb aufrecht.
3. Welche Forderung stellt die IGM bei der besonderen Schlichtung? Fühlt sie sich an die Urabstimmung gebunden?
4. Welches Mittel gibt es gegen Aussperrung?
Kolleginnen und Kollegen kommt alle zur Streikversammlung am Freitag um 10 Uhr ins Gesellschaftshaus!'

Die örtlichen Gewerkschaftsbürokraten wurden durch dieses Flugblatt in höchste Aufregung versetzt.
Einerseits konnte sie es nicht als 'gewerkschaftsfeindlich' verdammen und damit unter den Tisch wischen - nahmen hier doch zum ersten Mal Kollegen aus den Betrieben kritisch zur Politik der IGM Stellung - andererseits mußte sie die ersten Anfänge von Aktivität der gewerkschaftlichen Basis so eindämmen bzw. in solche Bahnen lenken, daß ihr Führungsanspruch nicht in Frage gestellt wurde. Zum einen wurde der Termin der Streikversammlung von Freitag auf Montag verschoben, um zu betonen, daß SIE die Versammlung organisieren und nicht die Kollegen um das Flugblatt, zum anderen wurde aus der geforderten Streikversammlung eine Streikversammlung von BBC-Stotz. Einmal mehr wurde die Rolle von Gewerkschaftsbürokraten deutlich: wenn Druck kommt, nachgeben, aber die Mobilisierung auf kleinstem Raum halten, wenn möglich betriebsintern, keinen Kontakt zwischen den Betrieben aufkommen lassen, damit die Belegschaften nicht ihre gemeinsamen Interessen formulieren und gemeinsam durchsetzen können. Schützenhilfe bekamen die Gewerkschaftsbürokraten unerwartet von einer Seite, die sich mit viel Papier und Druckerschwärze als standfeste Gegner der 'SPD-Linie in der Gewerkschaft' erwiesen hatte: der Kommunistischen Gruppe (NRF) und ihren 'Kommentaren', die das von BBC-Stotz und Graubremse-Kollegen verfaßte Flugblatt, das sich an die IGM-Heidelberg (!) richtete, ebenfalls zu einer 'Stotz-internen' Angelegenheit herunterzuspielen" versuchte.
=Was Tun Nr.11/12,Mannheim Dez. 1971,S.17

13.07.1972:  Die KG (NRF) Mannheim/Heidelberg gibt einen vierseitigen 'Kommentar für die Kollegen der Metallindustrie' (vgl. 31.5.1972, 27.7.1972) heraus.
In "Die Jugendvertretung zu einem Instrument der konsequenten Interessenvertretung machen!" wird u.a. von Stotz die Wahl fortschrittlicher Jugendvertreter kundgetan.
=Kommentar für die Kollegen der Metallindustrie,Heidelberg/Mannheim 13.7.1972

27.07.1972:  Die KG (NRF) Mannheim/Heidelberg gibt einen vierseitigen 'Kommentar für die Kollegen der Metallindustrie' (vgl. 13.7.1972, 17.8.1972) heraus. In "Zahlung der Kontogebühren durch die Kapitalisten" befasst man sich mit der Einführung der bargeldlosen Lohnzahlung u.a. bei BBC Stotz.
=Kommentar für die Kollegen der Metallindustrie,Heidelberg/Mannheim 27.7.1972

November 1972:  Der Kommunistische Arbeiterjugendbund (Neues Rotes Forum) Mannheim/Heidelberg (KAJB (NRF)) gibt erstmals seine 'Kommunistische Jugendzeitung' (KJZ) (vgl. 11.2.1972) heraus.
Die Metall-Lehrlinge sammeln derzeit Unterschriften für eine Lohnerhöhung von 160 DM, wofür u.a. bei BBC-Stotz Heidelberg 80 von 110 unterschrieben haben.
=Arbeiter-Zeitung Nr.11,Mannheim/Heidelberg Jan. 1973;
Kommunistische Jugendzeitung Nr.1 und 2,Mannheim Nov. 1972 bzw. Dez. 1972


04.12.1972:  Bei Stotz Heidelberg verkauft die KG (NRF) 15 Exemplare ihrer 'Arbeiterzeitung' Nr.10.
=KBW-OG Heidelberg:KVZ-Verkaufsstatistik Nr.1,Heidelberg o.J. (1973)

09.01.1973:  Vermutlich in dieser Woche gibt die KG (NRF) Mannheim/Heidelberg die Nr.11 ihrer 'Arbeiter-Zeitung' (vgl. 4.12.1972, 31.1.1972) heraus. In Heidelberg gibt es jetzt auch schon bzw. bald Zellen mit eigenen 'Kommentaren' u.a. bei BBC-Stotz,
=Arbeiter-Zeitung Nr.11,Mannheim/Heidelberg Jan. 1973

März 1973:  Vermutlich erst im März gibt der KAJB (NRF) Mannheim/Heidelberg die auf Feb./März datierte Nr.4 seiner 'Kommunistischen Jugendzeitung' (vgl. 15.1.1973, Mai 1973) heraus. Berichtet wird u.a. von Stotz Kontakt.
=Kommunistische Jugendzeitung Nr.4,Mannheim Feb./März 1973

05.03.1973:  In dieser Woche gibt die KG (NRF) Mannheim/Heidelberg die Nr.3 ihrer 'Arbeiter-Zeitung' (vgl. 31.1.1973, 9.4.1973) heraus.
Arbeiterkorrespondenzen kommen u.a. von BBC-Stotz Heidelberg.
=Arbeiter-Zeitung Nr.3,Mannheim/Heidelberg März 1973

11.07.1973:  Von der ab heute erscheinenden 'KVZ' Nr.1 verkauft der KBW bei Stotz Heidelberg 17 Exemplare an Betriebsangehörige, 9 an andere Werktätige und 3 an werktätige Intellektuelle.
=KBW-OG Heidelberg:KVZ-Verkaufsstatistik Nr.1,Heidelberg o.J. (1973)

20.02.1975:  In der KVZ-Ortsbeilage Heidelberg des KBW berichtet aus dem IGM-Bereich u.a. die KBW-Zelle Stotz/Graubremse von Stotz. Dieser Artikel wird später (vgl. 27.2.1975) auch bundesweit verbreitet.
=Kommunistische Volkszeitung Nr.8,Mannheim 27.2.1975

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