Zur Hauptübersicht der Datenbank MAO
Diese, wie immer äußerst lückenhafte Darstellung beginnt 1969 für die Freiburger Gewerkschaftsjugend mit einer handfesten Lektion über das Demokratieverständnis der örtlichen DGB-Anhänger bzw. deren Führung (vgl. 1.5.1969).
Während uns aus dem Jahr 1970 derzeit noch nichts bekannt ist, ruft die Entscheidung des DGB-Kreisvorstands zur Feier des 1.Mai 1971 im Saal (vgl. 31.3.1971, 16.4.1971) offenbar den Protest zahlreicher gewerkschaftlicher Jugendgruppen und Jugendgremien hervor (vgl. 7.4.1971), allerdings auch mit Ausnahmen, wie bei derjenigen von der Deutschen Rhodiaceta AG (vgl. Apr. 1971).
Getragen wird das Gewerkschaftliche Maikomitee offenbar u.a. von Anhängern des Bund Kommunistischer Arbeiter (BKA) Freiburg, aber nicht von der örtlichen KPD/ML-ZB (vgl. 13.4.1971). Vielmehr kommt es zwischen diesen beiden Gruppen bzw. zwischen dem gewerkschaftlichen Maikomitee und der KPD/ML-ZB zu einer intensiven Auseinandersetzung (vgl. 11.5.1971). Die KPD/ML-ZK dagegen beharrt offenbar von Anfang an auf ihrer eigenen Aktion (vgl. 26.4.1971).
Der Freiburger DGB-Vorsitzende Jorzig scheint nicht erfreut über die Aktivitäten des BKA und des Maikomitees (vgl. 22.4.1971), wenigstens in der regionalen Gewerkschaftsjugend aber findet das Maikomitee offenbar Rückhalt (vgl. 24.4.1971).
Vor Ort dagegen gibt es Angriffe sowohl vom DGB als auch von der KPD/ML-ZB und der KPD/ML-ZK (vgl. 30.4.1971). Von den beiden Maidemonstrationen 1971 scheint diejenige des Maikomitees größer gewesen zu sein als die der KPD/ML-ZK, zumindest wenn der neutralen KPDF/ML-ZB Glauben geschenkt wird.
Hinzuweisen ist auf die Betonung der Forderungen zur Frauenarbeit bzw. den Leichtlohngruppen durch den BKA (vgl. 11.5.1971).
Nachdem es Anfang 1972 erneut zu Konflikten zwischen der KPD/ML-ZB und dem BKA kam, werden auch die Differenzen des 1. Mai 1971 neu diskutiert (vgl. 15.2.1972), wobei sich die KPD/ML-ZB dem BKA gegenüber in der Rolle des übervorteilten Juniorpartners zu befinden schien.
Erneut steht 1972 die Frage der Demonstration oder Saalveranstaltung zur Debatte, frühzeitig werden Beschlüsse für die Aktion unter freiem Himmel gefasst (vgl. 11.3.1972), auch wenn zunächst noch andere Konflikte wie die Fahrpreiserhöhungen (vgl. 14.3.1972) und die Gewerkschaftausschlüsse in der IG Chemie (vgl. 18.3.1972, 11.4.1972) die Debatte beherrschen.
Der BKA will sich am 1.Mai kämpferisch geben, was auch im Freien bekundet werden soll (vgl. 23.3.1972), inhaltlich ist die Entwicklung in Indochina für den BKA mit bestimmend (vgl. 31.3.1972), auch auf der Maiveranstaltung wird ein Vietnamfilm gezeigt (vgl. 28.4.1972).
Wiederum wird ein Maikomitee der Gewerkschaftsjugendgruppen gebildet (vgl. 1.4.1972), was der DKP offenbar missfällt (vgl. 5.4.1972), während das Maikomitee regional wiederum Unterstützung findet (vgl. 9.4.1972) und sich auch vor Ort in Freiburg mit seinem Maiaufruf an die Öffentlichkeit wendet (vgl. 13.4.1972). Auch dieses Jahr scheint die örtliche DGB-Führung nicht angetan von dem Maikomitee und dessen Maiaufruf (vgl. 14.4.1972).
Der Kommunistische Jugendbund (KJB) Freiburg des BKA kann sich dagegen freimütiger äußern in seinem Maiaufruf (vgl. 18.4.1972), ebenso wie der BKA selbst in einen Aufrufen (vgl. 20.4.1972, 24.4.1972).
Offenbar entsteht ein zweites Maikomitee (vgl. 24.4.1972), und auch zwischen dem BKA und der KPD/ML-ZB bestehen immer noch gravierende Differenzen (vgl. 28.4.1972). Von den beiden Freiburger Maidemonstrationen 1972 scheint diejenige des Gewerkschaftlichen Maikomitees und des BKA größer als die von DGB, Jusos und DKP, auch wenn die Zahlenangaben wie immer stark differieren.
Auch 1973 entsteht wiederum unter Beteiligung des BKA ein Maikomitee (vgl. 21.3.1973), die Freiburger Gewerkschaftsjugend scheint den Betriebskadern des BKA eng verbunden (vgl. Apr. 1973). Aufrufe könne hier derzeit dokumentiert werden von den Jugendorganisationen des BKA (vgl. 9.4.1973), an der Universität gibt es offenbar Auseinandersetzungen um den Aufruf des AStA (vgl. 29.4.1973).
1973 gibt es offenbar nur eine Demonstration, aber zwei Kundgebungen, wobei die des BKA nicht allzu viel weniger Interesse als die des DGB gefunden zu haben scheint (vgl. 1.5.1973). Auch in den folgenden Jahren vermag der KBW, dem sich der örtliche BKA Freiburg anschloss, vermutlich große Maidemonstrationen zu organisieren (vgl. 1.5.1974, 1.5.1975), wobei allerdings auch andere Gruppierungen der Linken beteiligt gewesen sein dürften, wie von 1976 und 1977 berichtet wird. Am 1. Mai 1978 scheint nicht nur die örtliche Dominanz des KBW gebrochen, sondern auch die Linke insgesamt nur noch schwach vertreten, was vermutlich für den vorläufigen Abschluss dieser Darstellung, den 1. Mai 1980 gilt.
01.05.1969:
In Freiburg wird, laut BKA, die Gewerkschaftsjugend für ihre Forderung nach Diskussion auf der DGB Maifeier im Kolpingsaal verprügelt.
Quelle: Klassenkampf Nr.32,Freiburg 1973
31.03.1971:
In Freiburg gibt der BKA ein sechsseitiges Extrablatt seines 'Klassenkampfes' (vgl. März 1971, 16.4.1971) zum 1.Mai heraus, in dem der Beschluß des DGB Kreisvorstandes im Saal zu feiern bekanntgegeben wird. Aufgerufen wird dagegen Resolutionen zu verabschieden (vgl. 7.4.1971).
Quelle: Klassenkampf Extrablatt,Freiburg 31.3.1971
April 1971:
Der Kommunistische Jugendbund (KJB) Freiburg des BKA berichtet vermutlich aus dem April von der Jugendgruppe der IG Chemie (CPK) bei Rhodia Freiburg (vgl. 27.9.1971):"
Für den Freiburger DGB-Vorsitzenden JORZIG war noch vor einem halben Jahr die IG-Chemiejugend (der heutige Arbeitskreis) ein richtiges Aushängeschild. denn diese Jugendgruppe war ihm und den Rhodia-Kapitalisten noch nie unangenehm aufgefallen. Unter Aufsicht von CONNY KENK, Jugendbeauftragter des Betriebsrates (BR,d.Vf.) bei der Rhodia, distanzierte sich die IG-Chemiejugend als EINZIGE gewerkschaftliche Jugendgruppe in Freiburg und weiterer Umgebung vom 'Gewerkschaftlichen Maikomitee' der Freiburger Gewerkschaftsjugend! 30 Rhodia-Lehrlinge, die eigentlich für das 'Maikomitee' waren (viele waren auch auf der Demonstration) mußten eine entsprechende 'Entschließung' unterschreiben. Wer nicht unterschrieb, wäre der Geschäftsleitung der Rhodia sofort als 'Kommunist' oder zumindest als ein für den Betriebsfrieden gefährliches Subjekt bekanntgeworden. Also unterschrieben fast alle."
Quelle: Kommunistische Jugendzeitung Nr.4,Freiburg 13.12.1971,S.4
07.04.1971:
In Freiburg wird, laut BKA, auf eine Einladung der IGM-Jugend hin von 30 Personen ein Gewerkschaftliches Maikomitee gegründet (vgl. 13.4.1971), in das 3 Mitglieder der IGM-Jugend, 2 von der HBV-Jugend und 2 von der DAG-Jugend hineingewählt werden, während 2 Vertreter des Vertrauensleutekörpers Intermetall beratend teilnehmen.
Das Komitee selbst berichtet:"
Die Initiative ging aus von der IG Metall-Jugend. Dort sind Lehrlinge und Jungarbeiter organisiert, die entschlossen den gewerkschaftlichen Kampf in Freiburg in ihrem Bereich führen wollen. Dabei gehen sie davon aus, daß diese Gesellschaft eine Klassengesellschaft ist, in der es niemals eine Partnerschaft zwischen Kapitalisten und Arbeitern gibt, daß dieser Staat ein Klassenstaat ist, den sich die Kapitalisten zur Absicherung ihrer Herrschaft geschaffen haben, daß die bürgerlichen Parteien allesamt, wenn auch auf unterschiedliche Weise, die Interessen des Kapitals vertreten. Die Lehrlinge und Jungarbeiter führen diesen Kampf im klaren Bewußtsein, daß ihr eigentliches Ziel, die endgültige Zerschlagung der Herrschaft des Kapitals und die Befreiung der Arbeiterklasse vom Joch des Kapitals im Sozialismus, niemals durch den organisierten ökonomischen Kampf der Arbeiterklasse allein zu erreichen ist. Sie wissen, daß sich die Arbeiterklasse dazu eine eigene politische Organisation schaffen muß.
Diese Initiative der IG Metall Jugend zu einem klassenkämpferischen 1.Mai in Freiburg steht in einem Zusammenhang mit der durch die anrollende Krise sich verschärfenden Situation in den Betrieben. Nur so ist zu verstehen, daß sich verschiedene Gewerkschafts-Jugendgruppen und Vertrauensleute der Initiative der IG Metall-Jugend anschlossen. Am 7.April trafen sich ca. 30 Gewerkschafter im Gewerkschaftshaus und beschlossen, am 1.Mai eine Demonstration und Kundgebung in Freiburg zu organisieren, die dem 1.Mai als internationalem Kampftag der Arbeiterklasse entspricht. Was war die Antwort des DGB-Kreisvorstands auf unseren Beschluß, zur Durchführung des 1.Mai ein Gewerkschaftliches Maikomitee zu gründen? Wir erhielten Hausverbot und wurden mit Ausschlußanträgen bedroht! In einer Presseerklärung in der Badischen Zeitung suchte uns der DGB-Kreisvorsitzende Jorzig als 'Rote Zelle' zu beschimpfen. Er versuchte, die Kollegen im Betrieb gegen uns aufzuwiegeln, indem er sagte, daß das Maikomitee sie 'auf die Straße locken' wolle, um für 'utopische Vorstellungen' zu demonstrieren. Die Ursache für den immer stärker werdenden Kampf der Arbeiterklasse gegen das kapitalistische System ist aber kein Lockvogel, keine Utopie, sondern ihre Lage im KAPITALISMUS, ihr Ausgebeutetsein, ihr Unterdrücktsein in allen Lebensbereichen. Und niemand wird diesen Kampf dadurch aufhalten, daß er die entschlossensten Kollegen als 'Radikalinskis' denunzieren und von den übrigen Kollegen isolieren will."
Vom Bund Kommunistischer Arbeiter (BKA) Freiburg heißt es:"
Der Freiburger DGB-Vorsitzende Jorzig bekämpfte am Mittwoch das Gewerkschaftliche Mai-Komitee, noch bevor es gewählt worden war, weil der Aufruf der IG Metall-Jugend zu einem 1.Mai auf der Straße 'kommunistisches Gedankengut' enthalte. Damit will Herr Jorzig doch sagen, daß der Kommunismus sich nicht mit den Interessen der Arbeiterklasse vertragen würde. Genau das Gegenteil aber ist der Fall, Herr Jorzig! ... Wir brauchen keine Gewerkschaftsvertreter, deren größte Sorge darin besteht, daß die Kommunisten Einfluß auf die Gewerkschaften gewinnen könnten, und die deshalb schon ihre Pöstchen entschwinden sehen. Wir brauchen vielmehr Gewerkschaftsvertreter, die vom unversöhnlichen Gegensatz zwischen Lohnarbeit und Kapital ausgehen, die jede Partnerschaft mit den Kapitalisten ablehnen und radikal die Interessen der Arbeiterklasse vertreten."
Quellen: Stellungnahme des Gewerkschaftlichen Maikomitees (auf der Universität am Vorabend des 1.Mai 1971),Freiburg o.J. (1971),S.1;
Klassenkampf Nr.8,Freiburg 16.4.1971,S.12;
BKA/KJB Freiburg:Antwort auf den 'Offenen Brief' der KPD/ML (Rote Fahne) an den Bund Kommunistischer Arbeiter und den Kommunistischen Jugendbund,Freiburg März 1972,S.13
13.04.1971:
Der BKA Freiburg berichtet in einer Polemik gegen die KPD/ML-ZB (vgl. 20.3.1972) vom Gewerkschaftlichen Maikomitee Freiburg (vgl. 7.4.1971, 22.4.1971) u.a. von heute:"
Am 7. April letzten Jahres gründeten cirka 30 Gewerkschafter auf Einladung der IG Metalljugend ein gewerkschaftliches 1.MAI-KOMITEE. Harte Konfrontationen mit DGB-Chef Jorzig u.a. gingen voraus und folgten. Was tatet ihr?
In einer Besprechung am 13. April erklärtet ihr zunächst, zu einer 1.Mai Veranstaltung der KPD/ML nach Ludwigshafen fahren zu wollen, und daß ihr die Freiburger Kollegen aufrufen wolltet, mit nach Ludwigshafen zu fahren. Dies in einer Situation scharfer Auseinandersetzungen HIER in Freiburg. Als dann die ZB-Veranstaltung in Ludwigshafen platzte, seid ihr den Kollegen des gewerkschaftlichen Mai-Komitees in den Rücken gefallen, als ihr in Flugblättern die Gründung des Maikomitees 'in der augenblicklichen Situation zu früh' erklärtet. Ihr belehrtet die Kollegen, daß 'wir die organisierten und nichtorganisierten Kollegen zunächst in den Betrieben und in den Gewerkschaften von der Notwendigkeit des Kampfes gegen die Kapitalisten und ihre SPD-Regierung überzeugen müssen', bevor 'wir unter Führung der KPD/ML die Gewerkschaften wieder zu unseren Kampforganisationen machen können'. Schon damals zeigtet ihr ein totales Unverständnis gegenüber den WIRKLICHEN Kämpfen der Kollegen. Anstatt die proletarische Front gegenüber den wütenden Angriffen der Jorzig, Hellinger und Kenk zu unterstützen, habt ihr in euren 1.Mai Flugblättern ausschließlich zur Unterstützung eurer eigenen Kundgebung aufgerufen. Ihr, die ihr die schulterklopfende Parole 'Vertrauen in die eigene Kraft' zu einer der Hauptparolen eurer 'Partei' gemacht habt, ihr erweist euch dann, wenn die Kollegen unabhängig von euch KONKRET den Kampf zu führen beginnen, als Spalter und als Abwiegler. Das war die Erfahrung vieler Kollegen schon letzten 1.Mai."
Quelle: BKA/KJB Freiburg:Antwort auf den 'Offenen Brief' der KPD/ML (Rote Fahne) an den Bund Kommunistischer Arbeiter und den Kommunistischen Jugendbund,Freiburg März 1972,S.13
16.04.1971:
Der BKA Freiburg gibt die Nr.8 seines 'Klassenkampfes' (vgl. 31.3.1971, 22.4.1971) heraus. Berichtet wird über die Gründung des Gewerkschaftlichen Maikomitees (vgl. 7.4.1971):"
Der DGB Freiburg dagegen will, wie schon in den vergangenen Jahren, auch diesmal eine Maifeier im Kolpingsaal veranstalten. Anstatt angesichts der krisenhaften Entwicklung und der notwendig zu führenden Arbeitskämpfe gerade in diesem Jahr zu einer machtvollen Demonstration alle Werktätigen Freiburgs aufzurufen, überlegen die DGB-Funktionäre, wie sie den 1.Mai am besten über die Runden bringen können. Eine unverbindliche Podiumsdiskussion über das Betriebsverfassungsgesetz (BVG,d.Vf.) soll das entschlossene Nein zu diesem arbeiterfeindlichen 'Reform'entwurf der SPD/FDP-Regierung ersetzen. ...
Kollegen,
kritisiert gegenüber Euren Vertrauensleuten und Betriebsräten den Beschluß des DGB Freiburg, anstatt einer Demonstration eine Feierstunde im Saal abzuhalten, unterstützt das Gewerkschaftliche Maikomitee, damit am 1.Mai die Arbeiterklasse machtvoll demonstriert."
In "1.Mai Festtag der Partnerschaft mit den Kapitalisten oder Kampftag der Arbeiterklasse?" wird zunächst eingegangen auf die Geschichte des 1.Mai und dann fortgefahren:"
KAMPF DER POLITIK DER SOZIALPARTNERSCHAFT - FÜR DEN AUFBAU DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI ...
Die heutigen Gewerkschaften in Westdeutschland vertreten jedoch nicht einmal konsequent die Tagesinteressen der Arbeiterklasse. Die Gewerkschaftsführer reden von Sozialpartnerschaft, treiben eine kapitalistenfreundliche Politik und verhindern so den entschlossenen gewerkschaftlichen Kampf der Arbeiterklasse gegen die sich ständig verschlechternde Lage der Arbeiter und Angestellten. Die Kapitalisten binden die Gewerkschaften durch ihren Staat mehr und mehr an ihre Interessen: über die SPD-Regierung soll jeder Lohnkampf im Keim erstickt werden. Über die Lohnleitlinien wollen die Kapitalisten die Gewerkschaften von vornherein zum Stillhalten verpflichten. In der Konzertierten Aktion will Schiller die Arbeiterklasse zum Wohl der Unternehmer dirigieren. ...
KOLLEGEN,
auch dieses Jahr will der DGB in Freiburg eine Feierstunde im Kolpingsaal abhalten. Drei Vertreter von bürgerlichen Parteien (Burger/CDU, Schieler/SPD, Spitzmüller/FDP) wollen dort mit einem IG Chemie Vorstandsmitglied über das Betriebsverfassungsgesetz diskutieren. Zahlreiche Gewerkschafter der unteren Gewerkschaftsgremien sind empört über die 1.Mai Beschlüsse der Freiburger DGB-Führung. Sie haben erkannt, daß es dieses Jahr notwendiger denn je ist, den 1.Mai wieder als Kampftag der Arbeiterklasse zu begehen. Der Bund Kommunistischer Arbeiter unterstützt die Initiative des gewerkschaftlichen 1.Mai-Komitee am 1.Mai eine Demonstration und Kundgebung zu veranstalten. Wir rufen alle Kollegen dazu auf an dieser Demonstration teilzunehmen unter den Parolen:
- Die Krise darf nicht auf die Arbeiterklasse abgewälzt werden
- Gegen die Spaltung der Arbeiterklasse
- Gegen das arbeiterfeindliche Betriebsverfassungsgesetz
- Internationale Solidarität der Arbeiterklasse und unterdrückten Völker
- Gegen die Angriffe der Kapitalisten und ihres Staates - für den Aufbau der kommunistischen Partei - für starke kampfentschlossene Gewerkschaften".
Quelle: Klassenkampf Nr.8,Freiburg 16.4.1971
22.04.1971:
Das Gewerkschaftliche Maikomitee Freiburg (vgl. 13.4.1971, 24.4.1971) berichtet von Reaktionen auf seine Feststellung einer beginnenden Krise:"
Der Freiburger DGB-Vorsitzende Jorzig spricht dagegen in der Badischen Zeitung vom 22.4. von 'Vorgängen in einem einzelnen Betrieb', in dem es 'gewisse wirtschaftliche Schwierigkeiten' gebe. Er verniedlicht damit die Angriffe der Kapitalisten auf die Lebensverhältnisse der Arbeiter und Angestellten und tut so, als ob diese Verschlechterung nicht in einem Zusammenhang mit der allgemeinen Krise stünden, die es immer wieder geben wird, solange es einen Kapitalismus gibt. Weiter wurde uns von Jorzig die Zerschlagung der Gewerkschaftsbewegung vorgeworfen. Genau das Gegenteil ist der Fall. Wir arbeiten dafür, daß die Gewerkschaften wieder zu Kampforganisationen der Arbeiterklasse werden, während die Politik von Gewerkschaftlern wie Jorzig und Hörmann (SPD-Bundestagsabgeordneter) die Arbeiterklasse entwaffnet und an die Kapitalisten ausliefert."
Quelle: Stellungnahme des Gewerkschaftlichen Maikomitees (auf der Universität am Vorabend des 1.Mai 1971),Freiburg o.J. (1971),S.1
24.04.1971:
Auf der Regionaltagung Süd des DGB Landesbezirks Baden-Württemberg Abteilung Jugend, solidarisieren sich Vertreter aus u.a. Tuttlingen, Offenburg, Calw, Villingen, Singen, Rottweil, Freiburg, Freudenstadt, Rastatt, Ravensburg, Friedrichshafen, Waiblingen, Lahr, Gaggenau und Baden-Baden mit dem Gewerkschaftlichen Maikomitee 1971 in Freiburg (vgl. 22.4.1971, 30.4.1971).
Quelle: Gewerkschaftliches Maikomitee 1971,Freiburg o.J. (1971)
26.04.1971:
Vermutlich in dieser Woche gibt der BKA Freiburg ein zehnseitiges Extra seines 'Klassenkampfes' (vgl. 16.4.1971, 11.5.1971) zum 1.Mai heraus. Aufgerufen wird zur Demonstration vom Gewerkschaftshaus zur Kundgebung auf dem Rathausplatz:"
Was ist die Antwort der DGB-Führung auf die sich verschlechternde Situation der Arbeiterklasse? Überall festliche Veranstaltungen, Festansprachen und unverbindliche Diskussionen. Deshalb haben sich in vielen Großstädten Mai-Komitees aus Gewerkschaftern gebildet, die trotz Ausschlußdrohungen und anderer Unterdrückungsversuche der DGB-Führung am 1.Mai Demonstration und Kundgebung organisieren werden. In Freiburg werden die Mitglieder des Gewerkschaftlichen Maikomitees vom DGB-Kreisvorstand mit Ausschluß bedroht, das Mai-Komitee kann die Räume des Gewerkschaftshauses nicht mehr benutzen. Die richtige Antwort kann darauf nur lauten: Nehmen wir zahlreich an der Demonstration des Mai-Komitees teil! In Freiburg ist der Bund Kommunistischer Arbeiter die einzige kommunistische Organisation, die das Gewerkschaftliche Maikomitee vorbehaltlos unterstützt. Die KPD/ML (Roter Morgen (KPD/ML-ZK,d.Vf.)), deren Parolen von DGB-Chef Jorzig zur Diffamierung des Gewerkschaftlichen Maikomitees benutzt werden, hat sich vom Maikomitee dadurch distanziert, daß sie eine eigene Demonstration angekündigt hat. Die Gruppe Roter Morgen hält es für sinnlos, in den Gewerkschaften die Politik des friedlichen Nebeneinander von Kapital und Arbeit, die Politik der Sozialpartnerschaft zu bekämpfen. Für sie sind die Gewerkschaften zu einer Organisation geworden, 'deren gesamter Apparat in die Hände des Feindes übergegangen ist' (Flugblatt der Roten Garde (RG,d.Vf.) der KPD/ML). Für uns dagegen sind die Gewerkschaften grundsätzlich Organisationen der Arbeiterklasse. Gerade deshalb müssen wir die Politik der Gewerkschaftsführer von Konzertierter Aktion, von Zusammenarbeit mit den Kapitalisten, als Verrat an den Interessen der Arbeiterklasse bekämpfen. Die Roter Morgen-Gruppe kapituliert vor der Politik der Gewerkschaftsführung, damit auch letztlich vor der Kapitalistenklasse, die ja gerade ein wirkliches Interesse daran hat, daß die Arbeiter die Gewerkschaften nicht wieder zu ihrem Kampfinstrument machen.
DGB-Chef Jorzig benutzt die gewerkschaftsfeindlichen Parolen der Roter Morgen-Gruppe dazu, um kommunistisch und gewerkschaftsfeindlich gleichsetzen zu können. Wenn Jorzig aber meint, daß wir gegen die Politik der Sozialpartnerschaft sind und ihre Vertreter, die die Arbeiterklasse an die Kapitalistenklasse ausliefern, dann hat er Recht. Wenn die Kommunisten fordern, FÜR STARKE KAMPFENTSCHLOSSENE GEWERKSCHAFTEN, DANN HEISST DAS IMMER: KAMPF GEGEN DIE FEINDE DER GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG, gegen die mit dem Kapital koalierende Gewerkschaftsführung, gegen diejenigen Betriebsräte, die mit den Unternehmern gegen die Belegschaften zusammenarbeiten!
Aber auch die andere KPD/ML (KPD/ML-ZB,d.Vf.) unterstützt das Gewerkschaftliche Maikomitee nur halbherzig. In einem Flugblatt schreibt sie: es sei nicht richtig, 'schon jetzt in den Gewerkschaften organisiert, wie durch die Gründung eines Maikomitees, die Verrätereien der rechten Gewerkschaftsführer zu bekämpfen'. Die Gruppe Rote Fahne sagt zu schwach, zu früh und greift damit diejenigen Kolleginnen und Kollegen an, die durch die Gründung eines Mai-Komitees gezeigt haben, daß der 1.Mai der Kampftag der Arbeiter gegen die Kapitalisten ist, daß es nicht genügt, durch Resolutionen und Diskussionen die Vertreter der Politik der Versöhnung mit den Kapitalisten zu entlarven, sondern daß dazu für den 1.Mai die Organisierung einer machtvollen Demonstration und Kundgebung notwendig ist.
Kolleginnen und Kollegen,
am 1.Mai werden wir zeigen, daß wir entschlossen sind, uns gegen die Angriffe der Kapitalisten und ihres Staates zu wehren, daß wir nicht länger die Politik der Sozialpartnerschaft mitmachen, sondern uns entschieden für unsere Interessen einsetzen.
HERAUS ZUR 1.MAI-DEMONSTRATION!"
Ebenfalls enthalten sind jeweils wenige Zeilen auf Spanisch, Türkisch und Italienisch.
Quelle: Klassenkampf Extra,Freiburg o.J. (1971)
30.04.1971:
In der Freiburger Universität findet eine Maiveranstaltung des Gewerkschaftlichen Maikomitees statt.
In der Stellungnahme des Gewerkschaftlichen Maikomitees heißt es u.a.:"
Das Gewerkschaftliche Maikomitee ruft alle Studenten, die den Kampf der Arbeiterklasse gegen Kapitalismus und Imperialismus unterstützen wollen, auf, an der morgigen Demonstration und Kundgebung unter der Parole: STATT SOZIALPARTNERSCHAFT - KLASSENKAMPF teilzunehmen.
Es ist notwendig, kurz auf die Entstehung des Gewerkschaftlichen Maikomitees einzugehen, um so mehr, als die KPD/ML (RM) (KPD/ML-ZK,d.Vf.) uns öffentlich diffamiert hat, wir hätten uns vor den Karren der DGB-Führung spannen lassen."
Es folgt eine Darstellung der Gründung (vgl. 7.4.1971) und der Auseinandersetzung (vgl. 22.4.1971, 24.4.1971) und dann wird fortgefahren:"
Von Jorzig wurde versucht, uns mit den gewerkschaftsfeindlichen Parolen der KPD/ML(RM) in Einklang zu bringen, um uns dadurch von den Kollegen zu isolieren. Wir erklärten jedoch ausdrücklich, daß wir die Haltung der Gruppe Roter Morgen als gewerkschaftsfeindlich ablehnten. Jetzt stellt sich diese Gruppe hin und sagt, sie sei gar nicht gewerkschaftsfeindlich, sie sei nur DGB-feindlich. Wir müssen uns aber fragen: Was für Gewerkschaften gibt es außer den im DGB zusammengeschlossenen Einzelgewerkschaften? Fest steht doch, daß die Gruppe Roter Morgen den bestehenden Gewerkschaften feindlich gegenübersteht, daß sie in ihnen Organisationen sieht, 'deren gesamter Apparat in die Hände des Feindes übergegangen ist', 'ein festes Instrument der Herrschenden' (Flugblatt der Freiburger Roten Garde (RG,d.Vf.), Roter Morgen). Die im DGB zusammengeschlossenen Einzelgewerkschaften sind für sie ein für alle mal keine Organisationen der Arbeiterklasse mehr, sie werden insgesamt als Organisationen bekämpft und soweit man sich in ihnen noch aufhält dann nur, um 'die fortschrittlichen Gewerkschafter für die Roten Betriebsgruppen zu gewinnen' (Plattform der KPD/ML zum 1.Mai) und 'die Widersprüche zwischen dem DGB-Apparat und den Massen der Gewerkschafter zu verschärfen' (Plattform).
Und dies alles mit dem Ziel, neue revolutionäre Gewerkschaften zu gründen. Es ist also festzuhalten: die Gruppe Roter Morgen ist gegenüber den bestehenden Gewerkschaften insgesamt feindlich eingestellt, sie muß deshalb eine Initiative wie das Gewerkschaftliche Maikomitee bekämpfen und alles tun, damit diese Initiative Schiffbruch erleidet: denn, dann hat sich wieder einmal gezeigt, daß die Opposition klassenbewußter Gewerkschafter in den Gewerkschaften unmöglich ist und man am besten gleich damit anfängt, neue Gewerkschaften aufzubauen. Die Gruppe Roter Morgen ist aber nicht nur gegenüber den bestehenden Gewerkschaften feindlich eingestellt, sondern ist prinzipiell gewerkschaftsfeindlich. Warum?
Die Strategie der Gruppe Roter Morgen sieht vor, neue revolutionäre Gewerkschaften aufzubauen, die aus den Roten Betriebsgruppen entstehensollen. Diese Roten Betriebsgruppen sollen die revolutionären Arbeiter umfassen, die gegen den sog. Dreibund Kapital, Staat, DGB-Apparat sind. Was aber ist mit den übrigen Arbeitern, die nicht revolutionär sind, die sich zunächst nur organisieren wollen, um den Tageskampf gegen Kapital und Regierung entschlossen zu führen? In die bestehenden Gewerkschaften, die ja nur noch im Interesse des Kapitals die Ware Arbeitskraft makeln (so Flugblatt des KSB/ML) kann sie ja wohl nicht schicken. Revolutionär sind diese Arbeiter aber auch nicht. Also verweigert die Gruppe Roter Morgen dem Großteil der Arbeiterklasse breite umfassende Organisationen ... . ... Richtig ist, daß die Arbeiter zu kurzen spontanen Erhebungen auch ohne Gewerkschaften auskommen können. Aber genauso richtig ist es, daß es hinter das gewerkschaftliche Bewußtsein der Arbeiter zurückfallen heißt, daß man überhaupt keine Gewerkschaften als Massenorganisationen des Tageskampfes braucht. Wer auch nur einmal sich überlegt hat, welche organisatorischen Anforderungen ein langer Streik stellt, der kann niemals so dumm daherreden, daß es auch ohne Gewerkschaften geht.
Was sagt die Gruppe Roter Morgen weiter in ihrer Erklärung: Hier wird von 'opportunistischen Führern im Maikomitee' gesprochen, behauptet, das Maikomitee würde sich 'in eine Reihe mit diesen Feinden der Arbeiterklasse stellen' - wobei auf die Reformisten Bezug genommen wird, die 1949 eine einheitliche deutsche Gewerkschaftsbewegung verhindert hätten. Wieso wir in einer Linie mit diesen Reformisten stehen sollen, ist uns unklar. Sollen wir mit dem Ruf nach gesamtdeutschen Revolutionären Gewerkschaften auf die konkrete Arbeit in den DGB-Gewerkschaften verzichten? Solchen Blödsinn überlassen wir der Gruppe Roter Morgen.
Wir werden aufs Übelste verleumdet, indem man uns als Feinde der Arbeiterbewegung, Versöhnler mit dem DGB und ähnlich beschimpft. Wenn wir, das Maikomitee, gegen die Politik der Kapitulation vor dem Kapital kämpfen, wenn wir gegen die Politik der Sozialpartnerschaft, der Konzertierten Aktion und für starke kampfentschlossene Gewerkschaften kämpfen, wenn wir durch unser Handeln für alle Kollegen klar sichtbar die Jorzig und Hörmann als solche Gewerkschaftler entlarven, deren Politik den Interessen des Kapitals entspricht und die Arbeiterklasse kampfunfähig machen soll, wenn wir gegen Kapitalismus und Imperialismus unsere Solidarität mit der Arbeiterklasse der übrigen kapitalistischen Länder und der um ihre Befreiung vom Imperialismus kämpfenden Völker zum Ausdruck bringen, dann zu sagen, wir seien zu Feinden der Arbeiterbewegung geworden - das kann nur einer sagen, der selbst zum wirklichen Feind der wirklichen Arbeiterbewegung geworden ist.
Wie heißt es weiter im Papier der Ortsgruppe?
Vor zwei Jahren hätte der DGB Freiburg die Opposition der Jugend noch mit brutaler Gewalt unterdrücken können. Heute sei das anders, und warum? Weil es heute die Gruppe Roter Morgen gäbe, die 'den Widerstand der Gewerkschaftsjugend wirklich zu unterstützen, zu führen und ihm revolutionäre Perspektive zu geben' imstande sei. Das ist ein großer Irrtum, denn die Arbeiterklasse hat von ihrer Vorhut in der KPD/ML gottseidank noch nicht viel gemerkt. Und insoweit sie etwas davon gemerkt hat, dann nicht als Unterstützung, sondern als üble Beschimpfung. Auf solche Führung verzichten wir dankend!
Die Ortsgruppe überschlägt sich vor Selbstüberheblichkeit: 'Inzwischen hat sich auch in Freiburg die revolutionäre Arbeiterbewegung beträchtlich entwickelt und vor allem in und um die KPD/ML organisiert.' ... Die Erklärungen zeugen nicht nur von einmaliger Arroganz und Selbstüberheblichkeit, sie zeigen auch, daß diese Gruppe nicht begriffen hat, daß in der gegenwärtigen Phase der Neuentstehung der Arbeiterbewegung es keine Gruppe gibt, die einen gegenüber der Arbeiterklasse gerechtfertigten Anspruch als ihre kommunistische Partei hat. Aller Selbstüberheblichkeit zum Trotz wird die KPD/ML-RM für die Kollegen kein Schutz sein, die mit Rausschmiß aus ihrer Gewerkschaft bedroht sind. Im Gegenteil: Sie gefährden uns, indem sie ständig erklären, wir seien nur der Deckmantel des Bundes Kommunistischer Arbeiter. Damit begibt sie sich auf die gleiche Ebene wie Jorzig, der auch nicht sehen will, daß der Widerstand gegen sozialpartnerschaftliche Maifeiern seinen Ursprung nicht in irgendeinem kommunistischen Lockvogel, sondern in der verschärften Situation der Arbeiterschaft gegenwärtig hat. Die Ortsgruppe kann offensichtlich, ebenso wie Jorzig, nur in Rädelsführertheorien denken, eine übrigens für Marxisten-Leninisten ziemlich fremde Denkweise.
Die Gruppe Roter Morgen greift uns an, indem sie sagt: 'Was das Gewerkschaftliche Maikomitee propagiert, ist ein Reformismus, der nichtmal mehr in Worten den Sozialismus anstrebt, ist Verrat an den proletarischen Klasseninteressen, die dem Wesen nach revolutionär sind.' Nach all unseren Erfahrungen mit der Gruppe Roter Morgen müssen wir sagen: Was die KPD/ML Gruppe Roter Morgen propagiert ist das Geschwätz der Super-Linken, nur noch in Worten den Sozialismus anstrebend, ist Verrat an den proletarischen Klasseninteressen, die dem Wesen nach revolutionär sind! Soweit unsere Position zu den Angriffen der Gruppe Roter Morgen.
Die KPD/ML Gruppe Rote Fahne (KPD/ML-ZB - vgl. 13.4.1971,d.Vf.) ruft zu einer eigenen Kundgebung auf, um ihre Parole vom Hauptfeind der sozialfaschistischen SPD loszuwerden. Nachdem diese Gruppe zuerst nach Mannheim, dann nach Ludwigshafen zu großen Parteikundgebungen fahren und dazu sogar öffentlich vor den Betrieben aufrufen wollte, schwächt sie jetzt einen einheitlichen, klassenkämpferischen 1.Mai in Freiburg, indem sie:
a) nicht aufruft, an der Demonstration und Kundgebung des Maikomitees teilzunehmen und
b) öffentlich das Maikomitee in Flugblättern als verfrüht angreift und damit versucht, das Maikomitee zu schwächen - um im gleichen Atemzug sich der Kundgebung dieser angeblichen Frühgeburt frech anzuhängen.
Das alles hat nichts mit einer Unterstützung des Gewerkschaftlichen Maikomitees zu tun, sondern nur mit einer durch nichts gerechtfertigten spalterischen Politik, nachdem der Gruppe Rote Fahne angeboten wurde, auf der Kundgebung eine Grußadresse an die Teilnehmer zu richten."
Gegen das Hausverbot im DGB Haus (vgl. 7.4.1971) seien Solidaritätserklärungen gekommen von der DAG Jugend Freiburg und Offenburg, dem neugewählten Vorsitzenden des DGB KJA Freiburg, der DruPa Jugend und der Regionaltagung Süd des DGB Landesbezirks Baden-Württemberg Abteilung Jugend (vgl. 24.4.1971). Eingegangen wird u.a. auch noch auf die Stellung der KPD/ML-ZK zur antifaschistischen Demonstration am 18.1.1971 (vgl. dort).
Die KPD/ML-ZB wirft dem BKA Bruch der Abmachungen vor.
Quellen: KPD/ML-ZB-OAK Freiburg, KJVD-SAK Freiburg:Offener Brief. An die Mitglieder und Sympathisanten des Bundes Kommunistischer Arbeiter und der Universitäts-Basisgruppen,Freiburg 15.2.1972;
Gewerkschaftliches Maikomitee 1971,Freiburg o.J. (1971)
01.05.1971:
In Freiburg führt, laut KAB/ML, ein Gewerkschaftliches Maikomitee eine Demonstration durch, an der sich, laut SALZ's Hamburg und Bremerhaven, ca. 400 beteiligen, wobei es sich um überwiegend junge Demonstranten handelte.
Laut KPD/ML-ZK gab es zwei Maidemonstrationen. Eine wurde vom BKA und dem aus Lehrlingen bestehenden Maikomitee organisiert und wies ca. 250 bis 300 Leute auf. Die eigene Ortsgruppe sei zusammen mit der RG mit ca. 350 Personen durch Haslach und Stühlinger marschiert. Laut einem Aufrufflugblatt hat es sich dabei um eine der drei zentralen Maidemonstrationen des Landesverbandes Südwest der KPD/ML-ZK gehandelt.
Laut BKA führen die KPD/ML's ZB und ZK jeweils eigene Maiveranstaltungen durch. Die KPD/ML-ZB führt auch eine eigene Kundgebung durch, weil ihr scheinbar das Angebot des Maikomitees, eine Grußadresse zu verlesen, nicht verlockend erschien. Die DKP verteilt, laut BKA, ein Flugblatt, in dem sie zum Besuch der offiziellen Podiumsdiskussion des DGB im Kolpinghaus aufruft und sich somit gegen die Demonstration des Maikomitees wendet, welches seine Demonstration zur Kundgebung am Rathaus durchführt. An dieser Demonstration beteiligen sich, laut BKA, rund 800, in der Folge aber wird die HBV-Jugend aufgelöst.
Der BKA berichtet weiter:"
Dieser 1.Mai 1971 enthüllte schlaglichtartig die Positionen der verschiedenen Organisationen, die sich kommunistisch nennen. Die DKP zeigte einmal mehr, daß sie eine parlamentarische Reformpartei, mit Sicherheit aber nicht die kommunistische Partei der westdeutschen Arbeiterklasse ist. Sie rief entweder wie in Freiburg zu den Sozialpartnerschafts-Veranstaltungen der DGB-Führer auf oder organisierte eigene Demonstrationen unter dem Motto 'Mitbestimmung - Contra Großkapital'.
Als ob wir nicht wüßten, daß Mitbestimmung einiger 'Arbeitnehmervertreter' in den Aufsichtsräten der Großunternehmen nur heißen kann, daß einige ehemalige Arbeiter und Angestellte zum 'Wohle des Betriebs' über die wirksamste Ausbeutung aller Arbeiter und Angestellten 'mitbestimmen' dürfen. Den Abbau von Löhnen, die Arbeitshetze und die 'wirtschaftliche bedingten Entlassungen' verhindert keine Mitbestimmung. ... Für uns war es ein gutes Zeichen, daß Kollegen aus der DKP dem klassenkämpferischen Aufruf des Maikomitees folgten und damit ihrer Parteiführung eine klare Absage erteilten. ... Der 1.Mai hat auch gezeigt, daß es nichts als Selbstbetrug ist, wenn sich Gruppen wie die beiden KPD/MLs schon 'Partei' nennen. Ihr Führungsanspruch gegenüber der westdeutschen Arbeiterklasse hat sich durch nichts ausgewiesen. Im Gegenteil! Ihr sektiererisches Verhalten am 1.Mai, wo beide Gruppen es für unerläßlich hielten, eigene Veranstaltungen zu organisieren, trägt nur dazu bei, die Kommunisten bei den Kollegen lächerlich und unglaubhaft zu machen. Der durch nichts ausgewiesene Parteianspruch stellte sich als Klotz am Bein heraus."
Zur KPD/ML-ZB (vgl. 13.4.1971) heißt es:"
Diese Gruppe wirft auch uns, dem Bund Kommunistischer Arbeiter vor, wir würden die 'Verrätereien der SPD-Regierung' nicht angreifen. Dabei haben wir immer klar gesagt, daß eine SPD-Regierung - vor allem in Krisensituationen -, ein brauchbares Werkzeug der Kapitalisten ist, um die Arbeiterklasse vom entschlossenen Kampf gegen das kapitalistische System abzuhalten. Die SPD- Regierung liefert einerseits mit Notstandsgesetzen (NSG,d.Vf.), mit gesetzlicher Vorbereitung des Militäreinsatzes im Innern, mit verstärkter Polizei und ausgebautem Bundesgrenzschutz (BGS,d.Vf.) die Mittel, mit denen die Herrschenden in ihrem 'Notstand' den Widerstand und die Organisationen der Arbeiterklasse ganz legal zerschlagen können. Sie schafft andererseits mit ihrem Gerede vom Ende des Klassenkampfes die Illusion: über das Parlament
- mit der SPD - durch Reform auf Reform - die Lage der Arbeiterklasse verbessern oder gar grundsätzlich zum Sozialismus verändern zu können. Die Politik der SPD muß von uns bekämpft werden, weil sie den grundsätzlich ausbeuterischen und gewalttätigen Charakter des kapitalistischen Systems absichert und gleichzeitg zu verschleiern sucht. Dieser Kampf kann aber nie bedeuten, EINE bürgerliche Partei zum Hauptfeind der Arbeiterklasse zu erklären, sondern sie als eine der politischen Vertretungen der Kapitalisten zu begreifen. Der 'Hauptfeind' der Arbeiterklasse ist und bleibt die Klasse der Kapitalisten, solange es einen Kapitalismus gibt. Deshalb haben wir die Kolleginnen und Kollegen vom Maikomitee gegen die Angriffe der KPD/ML Gruppe Rote Fahne unterstützt und halten es für richtig, daß das Maikomitee ablehnte, unter den 'Hauptfeind SPD' Parolen der Rote Fahne Leute zu demonstrieren."
Das Gewerkschaftliche Maikomitee 1971 veröffentlicht später, noch vor dem 11.5.1971, eine Broschüre mit seinen Reden von der heutigen Kundgebung und der gestrigen Veranstaltung.
Die KPD/ML-ZB berichtet:"
In Freiburg fanden am 1.Mai 2 Demonstrationen statt, eine des gewerkschaftlichen Maikomitees mit ca. 350 Beteiligten (300 Studenten, 10 Arbeiter und 40 Lehrlinge) unter der Hauptparole:'1.Mai - Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse. Klassenkampf statt Sozialpartnerschaft' und eine der Gruppe 'Roter Morgen' mit ca. 200 Beteiligten im Arbeiterviertel Haslach (ca. 20 Arbeiter und Lehrlinge) unter den Hauptparolen: 'Die Krise kommt. Vereinigt euch gegen den Lohnabbau, Kurzarbeit und Entlassungen! Gegen das Kapital und seine SPD-Regierung die geschlossene Kampffront der Arbeiterklasse! Kampf dem Dreibund: Kapital, Staat und DGB-Apparat! Alle Macht in jedem Staat für das Proletariat!'
Das Mai-Komitee wurde initiiert von der IGM-Jugendgruppe (Mitglieder des Kommunistischen Jugendbundes KJB) und bestand außerdem aus Vertretern der HBV-Jugendgruppe, DAG-Jugendgruppe, IG DuP (DP,d.Vf.)-Jugendgruppe, außerdem 2 Mitgliedern des V-Leute-Körpers von ITT.
Das Mai-Komitee war von Anfang an den schärfsten Angriffen der rechten DGB-Führung unter dem DGB-Chef Jorzig ausgesetzt. Es bekam gleich nach der ersten Sitzung Hausverbot im DGB-Haus und dem Komitee und jedem Gewerkschaftsmitglied, das sich an der Demonstration des MK beteiligen wollte, wurde ein Ausschlußverfahren wegen gewerkschaftsschädigenden Verhaltens angedroht. Zudem nutzte die DGB-Führung jede Gelegenheit aus, um das Mai-Komitee als gewerkschaftsfeindlich zu diffamieren. In sämtlichen Unterorganisationen ließ Jorzig durch seine Handlanger verbreiten, es hätte sich mit den Parolen der Gruppe 'Roter Morgen' solidarisiert, obwohl das Mai-Komitee diese durch Beschluß abgelehnt hatte. Das ging sogar so weit, daß das Gerücht verbreitet wurde, das Mai-Komitee wolle die DGB-Feierstunde sprengen und in allen Gewerkschaftsorganisationen fieberhaft nach Ordnungskräften gesucht wurde.
Das Mai-Komitee hatte von Anfang an kaum Rückhalt in den Betrieben. Die Mitglieder, die meist gleichzeitig Mitglieder vom BKA, KJB, IFL (Trotzkisten-artig (Initiativausschuß Freiburger Lehrlinge,d.Vf.)) waren, waren ohne diesen Rückhalt im Betrieb und den Gewerkschaften den Angriffen der DGB-Führung ausgesetzt und konnten deren Demagogie in den Gewerkschaften und im Betrieb nichts engegensetzen.
Ein organisiertes Auftreten von Partei und JV war darum im Mai-Komitee und seiner Demonstration und Kundgebung politisch falsch und hätte die Gewerkschaftsmitglieder noch stärker isoliert und gefährdet. Wir kündigten darum eine eigene Kundgebung im Anschluß an die Kundgebung des Mai-Komitees an. An der Demonstration der Gruppe 'Roter Morgen' konnten wir uns wegen ihrer gewerkschaftsfeindlichen Haltung nicht beteiligen.
Wir schickten zu beiden Demonstrationen Agit-Trupps, die insgesamt 40 Rote-Fahne-Extrablätter, 80 Rote Fahnen Nr.8 und 50 KDAJ sowie 15 Agit-Broschüren des KJVD verkauften. Außerdem verteilten wir 2 000 Flugblätter, in denen unsere Solidarität mit dem Mai-Komitee und seinem Kampf gegen die rechten Gewerkschaftsführer bekundet wurde, die Parolen der Partei zum 1.Mai propagiert wurden und zu unserer Kundgebung aufgerufen wurde.
Die Demonstration des MK führte durch das Arbeiterviertel Stühlinger in die Innenstadt. Es wurden Arbeiterlieder gesungen und Parolen gerufen wie:
Gegen Lohndrückerei - kommt heraus zum 1.Mai!
Vereinigen wir uns gegen Lohndrückerei, Kurzarbeit und Entlassungen!
Statt Sozialpartnerschaft - Klassenkampf!
Schluß mit der Konzertierten Aktion!
Weg mit den Lohnleitlinien!
Zusammen kämpfen Frau und Mann geschlossen gegen die Kapitalisten an!
Nach der Demonstration wurde vom MK eine Rede gehalten. Im Anschluß an diese Rede begannen die KPD/ML und der KJVD ihre Kundgebung. Zuerst wurde die 1. Strophe des Roten Wedding gespielt, dann sprach ein Redner der Partei. Er sagte:
'Kolleginnen und Kollegen, Genossen!
Der 1.Mai gehört als internationaler Kampftag aller Werktätigen zur ruhmreichen Tradition der Arbeiterklasse in ihrem Kampf um Freiheit, Gerechtigkeit und eine von Ausbeutung freie Gesellschaft. Am 1.Mai demonstrieren die Arbeiter aller Länder ihre Solidarität im Kampf gegen den Kapitalismus - für den Sozialismus und die Errichtung des Arbeiter- und Bauernstaates.
Hier in Freiburg haben junge Gewerkschaftler ein gewerkschaftliches Mai-Komitee gegründet. Trotz schärfster Angriffe durch die rechten Gewerkschaftsführer hat das Mai-Komitee die Kollegen aufgerufen, am 1.Mai für die Interessen der Arbeiter zu demonstrieren. Gegen diejenigen, die gestern im kleinen Kreis im Kolpinghaus ihre gute Zusammenarbeit mit den Kapitalisten feierten, die Jorzig, Hellinger und Co., hat das gewerkschaftliche Mai-Komitee die Kollegen aufgefordert: Heraus zum 1.Mai - Statt Sozialpartnerschaft Klassenkampf.
Die KPD/ML unterstützt die Gewerkschaftskollegen in ihrem Kampf für starke, unabhängige Gewerkschaften, die wirkliche Kampforganisationen der Arbeiter sind. Der Kampf der Arbeiter gegen die kapitalistische Ausbeutung kann jedoch nur erfolgreich geführt werden, wenn klar ist, wer gegenwärtig die stärkste politische Stütze der kapitalistischen Ausbeuterordnung ist, wenn klar ist, wer gegenwärtig die gefährlichsten politischen und wirtschaftlichen Angriffe der Kapitalistenklasse führt, wenn klar ist, wer deshalb gegenwärtig der Hauptfeind der Arbeiterklasse ist.
Die revolutionäre Partei der Arbeiterklasse muß den Klassenkampf auf diesen Hauptfeind ausrichten.
Dieser Kampf der Arbeiter muß von der Kommunistischen Partei organisiert und bis zur höchsten Form des Klassenkampfes, dem bewaffneten Kampf um die Macht im Staate, vorangetrieben werden. Wir wissen, daß wir nur durch die proletarische Revolution, durch die Zerschlagung des kapitalistischen Staates eine neue, von Ausbeutung und Unterdrückung freie Gesellschaft, den Sozialismus aufbauen können. Weder dieses Ziel des proletarischen Klassenkampfes noch der Weg dahin wird durch die Hauptparole des Mai-Komitees: Statt Sozialpartnerschaft - Klassenkampf aufgezeigt.
Der Aufruf der KPD/ML führt deshalb die Forderungen des gewerkschaftlichen Mai-Komitees weiter, gibt dem Kampf der Kollegen Richtung und Ziel.'
Der Sprecher ging dann ausführlich auf die Parolen der KPD/ML zum 1.Mai ein und propagierte an Hand der Parolen unsere politische Linie.
Danach sprach ein Vertreter des KJVD. Er erklärte, daß sich die Arbeiterjugend unter Führung des KJVD hinter die Kampfparolen der KPD/ML zum 1.Mai stellen muß. Er brandmarkte scharf die Spaltungsversuche der rechten Gewerkschaftsführer und der SPD-Regierung und stellte ihnen die Forderungen des KJVD:
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!
Weg mit den Altersabschlägen!
Kampf den Jugendtarifkommissionen!
Streikrecht für Lehrlinge!
entgegen. Der Genosse schloß mit den Worten:
'Jungarbeiter und Lehrlinge!
Der Weg der Arbeiterklasse, sich von Ausbeutung und Krise, Arbeitslosigkeit und Krieg zu befreien, ist der Sturz des Kapitalismus und die Errichtung des Arbeiter- und Bauernstaates. Auch für die Arbeiterjugend gilt es, zuerst den Hauptfeind in ihren eigenen Reihen, die rechten SPD- und Gewerkschaftsführer, zu besiegen und ihren Einfluß zurückzudrängen, damit sie geschlossen in der Front der Arbeiterklasse den Kampf für den Sturz der Kapitalistenklasse aufnehmen können. In diesem Kampf die Arbeiterjugend anzuführen und sie hinter der Kommunistischen Partei zu sammeln, ist die Aufgabe des KJVD.'"
Die KPD/ML-ZB wirft dem BKA später auch Bruch der Abmachungen vor.
Laut KJB des BKA haben "weit über 100 Lehrlinge und Jungarbeiter zusammen mit ihren älteren Kollegen unter der Parole des gewerkschaftlichen Maikomitees demonstriert:
'Statt Sozialpartnerschaft - Klassenkampf! Für starke, kampfentschlossene Gewerkschaften!'"
Quellen: Kommunistische Jugendzeitung Nr.4,Freiburg 13.12.1971,S.9;
KPD/ML-ZB-OAK Freiburg, KJVD-SAK Freiburg:Offener Brief. An die Mitglieder und Sympathisanten des Bundes Kommunistischer Arbeiter und der Universitäts- Basisgruppen,Freiburg 15.2.1972;
Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.35,Bochum 8.5.1971,S.7ff;
Gewerkschaftliches Maikomitee 1971,Freiburg o.J. (1971);
KPD/ML-ZK, RG, KSB/ML:Wir zahlen keinen Pfennig mehr - Nulltarif im Nahverkehr,Marburg o.J. (1971);
Roter Morgen Nr.5,Hamburg Mai 1971;
Kommunistische Arbeiter Zeitung Nr.7,Hamburg 26.5.1971;
Rote Fahne Nr.5,Tübingen Mai 1971;
Arbeiterstimme Nr.9,Bremerhaven Mai 1971,S.5;
Klassenkampf Nr.9, Nr.19, 1.Mai-Zeitung und Nr.32,Freiburg 11.5.1971, 23.3.1972, o.J. (Apr. 1972) bzw. 1973,S.1 und 9ff, S.2, S.2 bzw. S.1
11.05.1971:
Der BKA Freiburg gibt die 12-seitige Nr.9 seines 'Klassenkampfes' (vgl. 22.4.1971, 30.6.1971) heraus, die sich vor allem mit dem 1.Mai befaßt. Außer Berichten über die Demonstrationen in Hamburg und Berlin wird die Haltung der Freiburger KPD/ML's zum Gewerkschaftlichen Maikomitee geschildert. Sowohl dieses Komitee als auch der BKA haben bereits je eine Broschüre mit ihren Beiträgen von Veranstaltung (vgl. 30.4.1971) und Kundgebung erstellt.
Die KPD/ML-ZB wirft dem BKA wegen der Maiberichterstattung das Verbreiten von "Lügen und Halbwahrheiten" über andere revolutionäre Organisationen, d.h. z.B. die KPD/ML-ZB vor.
Am 1.Mai knüpft ein weiterer Artikel an:"
GLEICHER LOHN FÜR MÄNNER UND FRAUEN
So lautete eine unserer Parolen zum 1.Mai.
Seit 1955 gilt gesetzlich: gleicher tariflicher Lohn für Frauen und Männer.
TROTZDEM bleibt der Effektivverdienst der Kolleginnen unter dem ihrer Kollegen in der gleichen Lohngruppe, sie bekommen weniger Prämien und Leistungszulagen und oft wird ihnen einfach weniger Lohn gezahlt, weil sich niemand um die Verstöße der Unternehmer kümmert.
TROTZDEM ist der Bruttostundenverdienst der Kolleginnen im Durchschnitt um ein Drittel niedriger als der Stundenlohn der Kollegen, weil 90% der Arbeiterinnen angelernt und ungelernt sind, nur 9 von 100 Arbeiterinnen sind Facharbeiter. So sind die meisten Kolleginnen in den untersten Lohn- und Leistungsgruppen und verdienen in der gleichen Arbeitszeit viel weniger!
WARUM IST FRAUENARBEIT SCHLECHTER BEZAHLT ALS MÄNNERARBEIT?
Die Unternehmer sagen: Weil Frauen schlechter ausgebildet sind, weil sie kein technisches Verständnis haben, weil sie häufiger krank sind (oder bei einem kranken Kind zuhause bleiben müssen), weil sie Kinder kriegen und die Arbeit unterbrechen.
Das heißt:
FRAUEN WERDEN SCHLECHTER BEZAHLT, WEIL MAN SIE VON KINDHEIT AN BENACHTEILIGT UND UNTERDRÜCKT!
Es fängt an in der Schule, wo die Mädchen Handarbeits- und Kochunterricht haben, wo es heißt, Mädchen brauchen von Mathematik nichts zu verstehen. Nach der Grundschule wird gesagt: Mädchen brauchen keine Ausbildung, die heiraten ja doch. Zur höheren Schule gehen sowieso kaum Arbeiterkinder. Die meisten Jungen aus Arbeiterfamilien machen eine Lehre, aber bei den Mädchen hält man nicht einmal das für nötig. Wenn sie eine Lehre machen, dann in den 'Frauenberufen', die wieder am schlechtesten bezahlt sind. Dabei ist es eine Illusion zu glauben, daß sich durch Heirat etwas an ihrer Lage ändern würde, daß sie es dann nicht mehr nötig haben würden zu arbeiten. Die meisten Töchter von Arbeitern heiraten wieder Arbeiter und müssen einige Jahre oder Jahrzehnte mitarbeiten. Ihnen bleibt dann nichts anderes übrig, als ungelernte Arbeit unter schlechtesten Arbeitsbedingungen zu niedrigsten Löhnen zu tun oder als 'kleine' Angestellte als Verkäuferin oder im Büro -genauso schikaniert und schlecht bezahlt - zu arbeiten. An diesen Arbeitsplätzen hat man keine Aufstiegsmöglichkeiten, diese Arbeitsplätze sind als erste von Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit betroffen - wie wir jetzt gerade wieder sehen -, der Akkord zwingt zu schärfster Konkurrenz, die angeblich 'leichte' Arbeit ist langweilig und anstrengend, weil sie immer nur einzelne Muskeln und die Nerven belastet. Neben der Arbeit müssen Haushalt und Kinder versorgt werden, Arbeiterinnen können sich keine Hausangestellten leisten. Zu der doppelten Arbeit kommt noch das schlechte Gewissen, die Kinder zu vernachlässigen. Der Arbeitstag der Kolleginnen beginnt durchschnittlich eine Stunde vor dem ihrer Männer und endet zwei Stunden später, Freizeit gibt es so gut wie gar nicht. Das Ergebnis: mit 30 werden viele bei der Arbeitssuche schon als 'zu alt' abgewiesen. Die Frühinvalidität ist hoch und höher als bei den Kollegen. Und die Rente, die eine Kollegin bekommt ist zu niedrig, weil ihr Lohn zu niedrig war.
Die schlechtere Bezahlung der Kolleginnen, ihre zusätzliche Ausbeutung als 'billige Arbeitskräfte' ist also nur ein Punkt ihrer allgemeinen Benachteiligung in der kapitalistischen Gesellschaft. Im Kapitalismus wird es niemals eine vollständige Angleichung der Löhne von Frauen und Männern geben, weil die Ursachen der Lohnungleichheit nur mit der Abschaffung der allseitigen Unterdrückung der Frauen beseitigt werden können. Aber die gemeinsame Parole 'gleicher Lohn für Männer und Frauen' bedeutet:
GEMEINSAM FRONT MACHEN GEGEN DIE SPALTUNGSVERSUCHE der Unternehmer, um GEMEINSAM DEN KAMPF zu ORGANISIEREN FÜR DIE VERBESSERUNG DER LÖHNE UND ARBEITSBEDINGUNGEN und FÜR DIE GEMEINSAME EMANZIPATION VON ARBEITERINNEN UND ARBEITERN IN EINER SOZIALISTISCHEN GESELLSCHAFT."
Abgedruckt wird auch der Comicstrip "Der Kapitalismus schlägt Männer und Frauen ..." aus Berlin.
Quellen: Klassenkampf Nr.9,Freiburg 11.5.1971;
KPD/ML-ZB-OAK Freiburg, KJVD-SAK Freiburg:Offener Brief. An die Mitglieder und Sympathisanten des Bundes Kommunistischer Arbeiter und der Universitäts- Basisgruppen,Freiburg 15.2.1972
15.02.1972:
Die KPD/ML-ZB und ihr KJVD richten in Freiburg einen Offenen Brief an den Bund Kommunistischer Arbeiter (BKA) Freiburg, der ebenfalls öffentlich antwortet (vgl. 20.3.1972):"
Ortsaufbaukomitee der Kommunistischen Partei Deutschlands / KPD/ML
Stadtaufbaukomitee des Kommunistischen Jugendverbandes Deutschland KJVD
Offener Brief
An die Mitglieder und Sympathisanten des Bundes Kommunistischer Arbeiter und der Universitäts-Basisgruppen
...
Führende Genossen von Euch haben bei zahlreichen Anlässen bewiesen, daß sie offensichtlich nicht gewillt sind, sich an die eigenen Abmachungen und Vorschläge zu halten (1.Mai-Teach-In (vgl. 30.4.1971,d.Vf.), 1.Mai-Kundgebung, Antifa-Kundgebung (vgl. 23.10.1971,d.Vf.), Verteilen von Flugblättern vor der DRAG (Deutsche Rhodiaceta AG,d.Vf.), Uni-Teach-In am 7.2. usw.). Dabei haben sie es nicht für notwendig gehalten, ihr Verhalten öffentlich zu begründen, sondern das Mittel verdeckter und kindischer Angriffe gewählt. Daraus könne wir nur schließen, daß es diesen Genossen in Wirklichkeit gar nicht darum geht, eine Zusammenarbeit auf der Grundlage der organisatorischen Gleichberechtigung herbeizuführen, um der Sache des Proletariats zu dienen, sondern offenbar darum, durch den Versuch des Übervorteilens und versteckter Manöver 'Erfolge' zu erringen."
Quellen: KPD/ML-ZB-OAK Freiburg, KJVD-SAK Freiburg:Offener Brief. An die Mitglieder und Sympathisanten des Bundes Kommunistischer Arbeiter und der Universitäts-Basisgruppen,Freiburg 15.2.1972;
BKA/KJB Freiburg:Antwort auf den 'Offenen Brief' der KPD/ML (Rote Fahne) an den Bund Kommunistischer Arbeiter und den Kommunistischen Jugendbund,Freiburg März 1972
11.03.1972:
Der Bund Kommunistischer Arbeiter (BKA) Freiburg berichtet:"
VERTRETERVERSAMMLUNG DER IG-METALL
AUSDRUCK STEIGENDER UNRUHE
...
Zum Punkt Allgemeines wurde ein Antrag ZUM 1.MAI ohne Gegenstimmen bei nur 10 Enthaltungen angenommen. Die Vertreterversammlung ruft alle Kollegen auf, mit ihren Forderungen die Demonstration der Gewerkschaftsjugend aktiv zu unterstützen."
Das Maikomitee der Gewerkschaftsjugendgruppen Emmendingen/Freiburg (vgl. 12.4.1972) berichtet von der Unterstützung der Maidemonstration.
Quellen: Klassenkampf Nr.19,Freiburg 23.3.1972,S.3f;
Maikomitee der Gewerkschaftsjugendgruppen:Heraus zum 1.Mai,Emmendingen/Freiburg 12.4.1972,S.2
14.03.1972:
Der Bund Kommunistischer Arbeiter (BKA) Freiburg berichtet vom Kampf gegen die Fahrpreiserhöhungen bzw. die Umgründung der Stadtwerke (vgl. 13.3.1972, 17.3.1972):"
Seit Wochen diskutierte die GEWERKSCHAFTSJUGEND die Umgründung der Stadtwerke und die Fahrpreiserhöhungen. In allen Gruppen wurden Resolutionen gefaßt, die ein klares Nein enthielten. In Flugblättern und einer öffentlichen Versammlung (vgl. 17.3.1972,d.Vf.) letzten Freitag Abend (80 - 100 Anwesende), erklärte die Gewerkschaftsjugend:
Diese Maßnahmen verstoßen gegen die Interessen der arbeitenden Bevölkerung! Es ist unsere Pflicht, den Widerstand dagegen zu organisieren.
Der DGB Freiburg, von allem informiert, ließ sich die ganze Zeit über nicht in der Öffentlichkeit vernehmen. Doch plötzlich letzten Dienstag, tauchte eine unverschämte PRESSEERKLÄRUNG in der Badischen Zeitung auf, in der die Gewerkschaftsjugendlichen, genau wie letzten 1.Mai, als Strohpuppen irgendwelcher Hintermänner diffamiert wurden. Der DGB erklärte, mit der öffentlichen Protestkundgebung der Gewerkschaftsjugend (vgl. 21.3.1972,d.Vf.) nichts zu tun zu haben. Daß die Herren JORZIG (DGB Kreisvorsitzender, SPD Stadtrat), SCHNABEL (Betriebsratsvorsitzender bei der Rhodia (CPK-Bereich,d.Vf.), Aufsichtsrat, SPD Stadtrat) und HELLINGER (Betriebsratsvorsitzender bei ITT (IGM-Bereich,d.Vf.)), sowie HAAS (DGB Rechtssekretär, Stellvertreter Jorzigs, CDU Stadtrat) - um nur einige dieser Herren zu nennen - nichts, aber auch gar NICHTS MIT DER INTERESSENVERTRETUNG DER ARBEITER UND ANGESTELLTEN ZU TUN haben, das wissen wir zur Genüge! Deshalb auch immer die wütenden Angriffe gegen die Kommunisten."
Quelle: Klassenkampf Extrablatt,Freiburg 20.3.1972,S.2
18.03.1972:
Der Bund Kommunistischer Arbeiter (BKA) Freiburg (vgl. 20.4.1972) berichtet von der Solidarität gegen den CPK-Ausschluß (UVB - vgl. 17.3.1972) der Rhodia-Jugendvertreter Baum und Stockmar u.a. in der DruPa (vgl. 20.3.1972) und der IGM (vgl. 20.3.1972) über eine heute verfaßte Resolution:"
In einigen gewerkschaftlichen Jugendgruppen (z.B. DruPa, IGM) fanden ausführliche Diskussionen über die Bedeutung und die Hintergründe der Maßnahmen der IG-Chemie-Führung statt. Die in diesen Gruppen verabschiedete Solidaritätsresolution drucken wir hier ab:
ERKLÄRUNG DER GEWERKSCHAFTSJUGEND
Der Verwaltungsstellenvorstand der IG Chemie, Freiburg, hat gestern gegen die Kollegen Stockmar und Baum ein Ausschlußverfahren eingeleitet. In der Begründung versucht er den Kollegen einen gewerkschaftsfeindlichen Standpunkt zu unterstellen. Sie nehmen die Maidemonstration 1971, die von der Gewerkschaftsführung verboten wurde, und an der die Kollegen teilgenommen haben, als Anlaß ihres Ausschlußverfahrens. Die Gewerkschaftsfunktionäre Schnabel, Kenk, Lorenz von der IG Chemie 'fühlen sich in ihrer gewerkschaftlichen Tätigkeit durch die Anwesenheit der Mitglieder Stockmar und Baum stark behindert', heißt es weiter in der Begründung.
Wir sind der Ansicht, daß für alle Kollegen, die ihr Handeln ausschließlich vom Standpunkt der Interessen der Arbeiterklasse aus bestimmen, die Gewerkschaft ihre Organisation ist.
Wir sind der Ansicht, daß sich aus den Vorwürfen des IG-Chemie-Vorstandes nicht ergibt, daß die Kollegen gegen die Prinzipien gewerkschaftlichen Handelns verstoßen haben. Wir sehen deshalb in den Ausschlußanträgen den Versuch, Kritik in den Gewerkschaften mundtot zu machen.
Wir solidarisieren uns mit den Kollegen Stockmar und Baum und verurteilen den Versuch, die Kollegen aus der Gewerkschaft auszuschließen, aufs schärfste.
ZURÜCKNAHME DER AUSSCHLUSSANTRÄGE GEGEN BAUM UND STOCKMAR!
SOFORTIGE WIEDEREINRICHTUNG DES GEWERKSCHAFTLICHEN ARBEITSKREISES MIT DEN KOLLEGEN BAUM UND STOCMAR!'"
Diese Resolution wird, laut BKA (vgl. 17.5.1972), auch auf seiner Maiveranstaltung (vgl. 28.4.1972) verabschiedet.
Quelle: Klassenkampf Nr.20 und 21,Freiburg 20.4.1972 bzw. 17.5.1972,S.11 bzw. S.6
23.03.1972:
Der BKA Freiburg gibt die zehnseitige Nr.19 seines 'Klassenkampfes' (vgl. 23.2.1972, 12.4.1972) heraus, in der im ersten Leitartikel über die Demonstration der Gewerkschaftsjugend gegen die Fahrpreiserhöhungen (vgl. 21.3.1972) berichtet und im zweiten Leitartikel ausgeführt wird:"
AM 1.MAI 1972: KAMPFENTSCHLOSSENHEIT DEMONSTRIEREN!
In den Klassenkämpfen des vergangenen Jahres ging es der westdeutschen Kapitalistenklasse nicht nur darum, das Lebensniveau der Arbeiterklasse zu senken. Es ging Kapital und Staat nicht nur darum, auf dem Rücken der Arbeiterklasse eine breitangelegte Offensive gegen die imperialistischen Konkurrenten zur Festigung und zum Ausbau der internationalen Stellung des westdeutschen Imperialismus, zur Eroberung neuer profitträchtiger Märkte durchzuführen. Es ging den Kapitalisten auch nicht nur darum, die drohende Krise auf die Arbeiterklasse abzuwälzen.
In den Klassenkämpfen des vergangenen Jahres versuchte die westdeutsche Kapitalistenklasse auch, der wachsenden Kampfbereitschaft der Arbeiterklasse insgesamt einen Schlag zu versetzen. Denn es ist den Kapitalisten nicht entgangen, das in den letzten Jahren das gewerkschaftliche und politische Bewußtsein der Arbeiterklasse einen starken Aufschwung genommen hat. Seitdem im Herbst 1969 und 1970 Hunderttausende spontan in den Streik getreten sind, riß die kette kleiner und großer Streiks, betrieblicher, lokaler und regionaler Kämpfe der Kollegen in allen Branchen nicht mehr ab, sondern nahm an Stärke und Geschlossenheit zu! Diese anwachsenden Kämpfe der Arbeiterklasse sind die notwendige Antwort auf die zunehmende Verschärfung der Ausbeutung und Verschlechterung der Lebensbedingungen!
GEGEN DIE SOZIALDEMOKRATISCHE LINIE IN DEN GEWERKSCHAFTEN
Im vergangenen Jahr ging es den kämpfenden Chemie- und Metallarbeitern zuallererst darum, den Lohn und den erreichten Lebensstandard gegen die sich verschärfenden Angriffe der Kapitalisten zu sichern und zu verbessern. Aber im Endergebnis waren alle Tarifabschlüsse des letzten Jahres Lohnleitlinienabschlüsse im Interesse der Kapitalisten und ihrer SPD/FDP-Regierung.
Dieser REALLOHNABBAU konnte nur durchgesetzt werden, weil in den Gewerkschaften eine klassenversöhnlerische Politik herrscht, eine Politik, die von der 'Sozialpartnerschaft' zwischen Arbeiterklasse und Kapitalistenklasse ausgeht. Die SPD-Linie und ihre Vertreter in den Gewerkschaften sind es, die die Arbeiterklasse den Interessen der Kapitalisten, ihres Staates und der bürgerlichen Parteien unterordnen. Diese Politik wird bestimmt vom grundsätzliche Interesse an der Sicherung des Wohls der Kapitalisten und an der Aufrechterhaltung des kapitalistischen Ausbeutungs- und Unterdrückungssystems.
Die bürgerliche Linie hat sich schon seit langem in den Gewerkschaften durchsetzen können. Aber es ist der Gewerkschaftsführung trotz aller Bremserei und Abwiegelei, trotz einer immer ausgefeilteren Politik des bürgerlichen Reformismus, trotz der täglichen Verkündung von Illusionen über den Klassencharakter der imperialistischen Gesellschaft nicht gelungen, die Arbeiterklasse vom Kampf gegen die Ausbeuter abzuhalten. Und sie konnte nicht verhindern, daß die Arbeiterklasse in diesen Kämpfen Erfahrungen gemacht und ihre Kenntnis über den wirklichen Charakter des Kapitalismus erweitert hat.
Diese Erfahrungen und dieses Bewußtsein der Kampfstärke der Arbeiterklasse gilt es jetzt zu demonstrieren.
GEGEN DIE VERSCHÄRFTEN ANGRIFFE DER KAPITALISTEN...
Es ist nicht so, daß mit den Tarifabschlüssen die Angriffe der Kapitalistenklasse auf das Lebensniveau der Arbeiter und Angestellten nachgelassen hätten. Nach wie vor steigen die Preise um 5 - 6%, nach wie vor erhöht der Staat Gebühren, Tarife und Steuern, die besonders die Werktätigen belasten. Während Hunderttausende kurzarbeiten oder arbeitslos sind, steigern die Kapitalisten die Produktivität und die Arbeitshetze, das heißt: Sie verschärfen die Ausbeutung, um aus den Kollegen höhere Profite rauszuholen. Gegen diese wirtschaftlichen Angriffe der Kapitalisten und ihrer Regierung gilt es jetzt die Solidarität der Kollegen zu festigen, um die Abwehrkämpfe erfolgreich führen zu können.
...UND IHRES STAATES
Auch unter einer SPD-geführten Regierung ist der Staat das Instrument der Kapitalisten zur Niederhaltung und Unterdrückung der Arbeiterklasse. So wird von der SPD/FDP-Regierung gerade in letzter Zeit der staatliche Unterdrückungsapparat ausgebaut und gefestigt, und die demokratischen Rechte des Volkes werden schrittweise abgebaut. Trotz angeblicher 'Friedenspolitik' wird die Bundeswehr weiter verstärkt. der Bundesgrenzschutz wird zur Antistreik-Brigade und zur Bürgerkriegsarmee ausgebaut. Die Polizei wird aufgerüstet und zentralisiert. Der öffentliche Dienst, Schulen und Universitäten werden von allen fortschrittlichen Kräften gesäubert. Und in den betrieben soll ein 'neues' Betriebsverfassungsgesetz jede konsequente Interessenvertretung der Arbeiter im Keim ersticken.
Mit diesen Maßnahmen trifft der Staat, der geschäftsführende Ausschuß der Kapitalistenklasse, die Vorbereitungen darauf, daß sich die Klassenkämpfe verschärfen werden, daß die Arbeiterklasse den Kampf gegen die Angriffe der Kapitalisten vorwärtstreibt und verbindet mit dem Kampf gegen die Herrschaft der Kapitalistenklasse, mit dem Kampf gegen den kapitalistischen Staat, mit dem Kampf gegen die Ausbeutung, mit dem Kampf zur Errichtung der sozialistischen Gesellschaft!
Deshalb richtet der Staat, deshalb richtet die ganze herrschende Klasse ihre Angriffe verstärkt gegen alle Ansätze einer selbständigen politischen Organisierung der Arbeiterklasse. Deshalb versuchen sie, die Ansätze zur Entstehung einer Kommunistischen Partei, die der Zusammenschluß der entschiedensten Kollegen ist, die tatsächlich die Arbeiterklasse und alle Werktätigen in ihren allseitigen Kämpfen zu führen vermag und die Arbeiterklasse zum Kampf für den Sozialismus eint, im Keim zu verhindern! DIESE Partei zu schaffen, das ist jetzt die Aufgabe aller klassenbewußten Kollegen, aller Kommunisten!
FÜR DEN AUFBAU DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI!
1.MAI IN FREIBURG: DGB PLANT FESTBANKETT DER KLASSENVERSÖHNUNG
Auch in diesem Jahr planen die Freiburger DGB-Führer Jorzig (SPD), Hass (CDU) und Co. eine geschlossene Veranstaltung, diesmal im Kaufhaussaal.
Auf diesem Empfang oder Festbankett wollen die DGB-Führer wie schon in den Jahren vorher ihre tiefe Übereinstimmung mit dem kapitalistischen System zur Schau stellen. Zu diesem Zweck sind die örtlichen Spitzen der bürgerlichen Parteien, der Landes- und Gemeindeverwaltungen, des deutschen und französischen Militärs, der Polizei, der Erzbischof und natürlich der Verbände der Kapitalisten eingeladen.
Zu dieser Verbrüderungsfeier mit den versammelten Gegnern und Unterdrückern der Arbeiterschaft wollen Jorzig und Haas diesmal im Unterschied zur vorjährigen 'Podiumsdiskussion' alle Betriebsräte, Gewerkschaftsfunktionäre und Vertrauensleute mobilisieren!
Damit will die DGB-Führung wohl zweierlei erreichen: Zum ersten will sie demonstrieren, daß die ganze Gewerkschaft und nicht nur eine Handvoll Verräter mit den Kapitalisten und deren Handlangern gemeinsame Sache macht. Zum anderen soll auf diese Weise wohl auch verhindert werden, daß klassenbewußte Betriebsräte und Vertrauensleute am 1.Mai zusammen mit allen fortschrittlichen Kollegen den Widerstand der Arbeiterklasse gegen Ausbeutung und Unterdrückung demonstrieren. Der 'Empfang' im Kaufhaussaal soll zur 'offiziellen' Veranstaltung aller Gewerkschafter gemacht werden!
Diesen Plänen müssen alle Gewerkschafter entgegenhalten, daß für sie der 1.Mai niemals ein Tag der Verbrüderung mit dem kapitalistischen System und seinen Repräsentanten sein kann, sondern daß am 1.Mai die Arbeiterklasse öffentlich, auf der Straße ihre Forderungen und ihre grundsätzliche Gegnerschaft zum kapitalistischen System demonstriert. Deshalb müssen alle fortschrittlichen Kollegen ganz entschieden die Pläne der Freiburger DGB-Führung ablehnen!
Für uns kann es nur heißen:
Kein Friede mit den Ausbeutern!
Kein Friede mit dem kapitalistischen System!
Der 1.Mai muß Kampftag der Arbeiterklasse gegen die herrschaft des Kapitals, gegen Faschismus und Unterdrückung sein!
Daher müssen alle fortschrittlichen Kollegen ganz klar sagen:
Der 1.Mai ist der Tag, an dem die Arbeiterklasse in aller Welt ihre Stärke mißt, um danach mit neuer Kraft den gewerkschaftlichen und politischen Kampf in jedem einzelnen Betrieb, in jeder Lehrwerkstatt, an den Berufsschulen und in den Büros wieder aufzunehmen.
Deswegen:
Am 1.Mai eine Demonstration und Kundgebung, auf der die Interessen und Forderungen der werktätigen Massen entschieden vertreten werden!"
Quelle: Klassenkampf Nr.19,Freiburg 23.3.1972
31.03.1972:
Der Bund Kommunistischer Arbeiter (BKA) Freiburg (vgl. 24.4.1972) berichtet:"
ES LEBE DER SIEGREICHE KAMPF DER VÖLKER INDOCHINAS!
Mit der am 31.3.1972 begonnenen Offensive der vietnamesischen Befreiungstruppen ist der von den USA-Imperialisten angezettelte Krieg gegen die Völker Indochinas in die entscheidende Phase getreten. ... Das Beispiel der heldenhaften Völker Indochinas lehrt uns, daß nur der bewaffnete Kampf der Völker, der entschlossene revolutionäre Kampf der Arbeiterklasse aller Länder den Imperialismus in die Knie zwingen kann, und daß es, solange Imperialismus und Kapitalismus herrschen, keinen wirklichen Frieden geben kann.
An diesem 1.Mai werden Millionen Werktätiger in aller Welt solidarisch mit den kämpfenden Völkern Indochinas Seite an Seite stehen. REIHEN WIR UNS IN DIESE KAMPFFRONT GEGEN IMPERIALISMUS, KRISEN, KRIEG UND FASCHISMUS EIN!
ES LEBE DER SIEG IM VOLKSKRIEG!"
Quelle: Klassenkampf 1.Mai-Zeitung,Freiburg o.J. (Apr. 1972),S.3
01.04.1972:
Der Bund Kommunistischer Arbeiter (BKA) Freiburg (vgl. 20.4.1972) berichtet vom Maikomitee (vgl. 5.4.1972):"
Die Gewerkschaftsjugendgruppen Freiburg/Emmendingen haben Anfang April ein Komitee gewählt, das eine Demonstration und Kundgebung zum 1.Mai organisieren soll."
Quelle: Klassenkampf Nr.20,Freiburg 20.4.1972,S.5
05.04.1972:
Der BKA Freiburg (vgl. 20.4.1972) berichtet vom Maikomitee der Gewerkschaftsjugend (vgl. 1.4.1972, 13.4.1972) über:"
ANGRIFFE DER DKP
Noch bevor dieser erste Aufruf des Maikomitees verteilt war, versuchte die DKP-Kreis Freiburg, die fortschrittlichen Kollegen in den Gewerkschaftsjugendgruppen zu diffamieren und zu isolieren. In einem 'Offenen Brief' an die Gewerkschaftsjugend, dessen Abzüge bei DGB-Kreisvorsitzendem Jorzig un den Einzelgewerkschaften abgegeben wurden, wird zunächst der 'Aktionsrat der Gewerkschaftsjugend' (der die Demonstration gegen die Umgründung der Stadtwerke und die Fahrpreiserhöhung organisierte) angegriffen:
'Ihr wißt, daß durch das Verschulden des 'Aktionsrates' der Gewerkschafts-Jugend einigen Leuten des DGB die Möglichkeit gegeben wurde, sich von der Gewerkschaftsjugend öffentlich zu distanzieren.' Nach Auffassung der DKP sind die klassenbewußten Kollegen selber daran schuld, daß der DGB sich von ihnen distanziert. Würden sie sich nämlich gegenüber der Politik der Gewerkschaftsführung so opportunistisch verhalten wie die DKP, dann hätten die Jorzig, Schnabel und Haas keinerlei Grund sich zu distanzieren und alles wäre für die DKP-Politik bestens in Butter.
Der Aktionsrat der Gewerkschaftsjugend hatte die DKP in einem Flugblatt (vgl. S6.*.1972,d.Vf.) kritisiert, weil die DKP entgegen den Abmachungen eigene Transparente in die Demonstration gegen Umgründung und Fahrpreiserhöhung eingeschleust hatte. Doch von öffentlichen Auseinandersetzungen hält die DKP nichts! Im 'Offenen Brief' hält sie der Gewerkschaftsjugend vor:
'Organisatorische Meinungsverschiedenheiten behandelt man intern und nicht durch Flugblätter vor den Betrieben.' Hinter dieser Aussage steckt nichts anderes als Massenfeindlichkeit, der Wunsch, die Arbeiter, Angestellten und Lehrlinge über die Auseinandersetzungen im Unklaren zu lassen.
Am Ende des 'Offenen Briefes' zeigt die DKP-Führung, worauf es ihr eigentlich ankommt! Die DKP-Führung hat 'erfahren', daß viele Kollegen in der Gewerkschaftsjugend die 'Ostverträge' nicht als Sicherung des Friedens, des Fortschritts und der Arbeitsplätze betrachten, sondern in ihnen das Vehikel des westdeutschen Monopolkapitals sehen, die Märkte des Ostens zu erobern. Die DKP sieht nun ihre Aufgabe darin, als Büttel der Gewerkschaftsführung die Liquidierung dieser Politik vorzubereiten. Zunächst macht die DKP klar, daß 'gewerkschaftliche Auffassung' das zu sein hat, was die Gewerkschaftsführung sagt, egal, ob es mit den Interessen der Arbeiterklasse übereinstimmt oder nicht. Die DKP stellt fest, daß sich die Kollegen 'in Widerspruch zur gewerkschaftlichen Auffassung setzen' und hat dann die Unverschämtheit die Kollegen zu beschuldigen, daß sie 'hier nicht die Interessen der Gewerkschaftsjugend, sondern egoistische, politisch engstirnige Eigeninteressen' vertreten und 'sich damit auf eine Stufe mit der CDU und NPD' stellen.
Den Kollegen, die es ablehnen, sich zum Sprachrohr imperialistischer Außenpolitik machen zu lassen wird vorgeworfen, daß sie auf einer Ebene mit den Faschisten stünden! Da ist es dann nur verständlich, wenn die DKP zur Auseinandersetzung mit diesen 'Ansichten und Absichten' aufruft und damit die Liquidierung des Maikomitees einleiten will. Der 'Offene Brief' diente nichts anderem, als das Scharfschießen auf die Kollegen des Maikomitees zu eröffnen und dabei gleichzeitig der DGB-Führung brauchbare Munition anzubieten. An dem Vorgehen der DKP-Führung, Freiburg, zeigt sich wieder, daß diese Partei nichts anderes als der 'linke' Rattenschwanz der SPD-Politik ist, und daß im Kampf um die Gewerkschaften die DKP-Führer eine Front mit der Gewerkschaftsführung gegen die klassenbewußten Arbeiter, Angestellten und Lehrlinge bilden."
Quelle: Klassenkampf Nr.20,Freiburg 20.4.1972,S.2 und 6
09.04.1972:
Das Maikomitee der Gewerkschaftsjugendgruppen Emmendingen/Freiburg (vgl. 12.4.1972) berichtet:"
Eine wichtige Unterstützung für uns junge Gewerkschafter im Maikomitee ist die Solidarität der Gewerkschaftsjugendgruppen aus Kehl, Rastatt, Freudenstadt, Lahr, Offenburg und Lörrach-Waldshut, die auf der Regionaltagung Südwest am 9.4.1972 in Lahr die Initiative der Gewerkschaftsjugend Freiburg zum 1.Mai begrüßen und unterstützen."
Quelle: Maikomitee der Gewerkschaftsjugendgruppen:Heraus zum 1.Mai,Emmendingen/Freiburg 12.4.1972,S.2
11.04.1972:
Der Bund Kommunistischer Arbeiter (BKA) Freiburg (vgl. 20.4.1972) berichtet von den CPK-Ausschlußverfahren (UVB - vgl. 17.3.1972, 10.4.1972) gegen zwei Jugendvertreter bei der Rhodiaceta:"
IG CHEMIE-GEWERKSCHAFTSFÜHRUNG WILL KLASSENBEWUSSTE JUGENDVERTRETER AUSSCHLIESSEN
Am 17.3. stellte der Verwaltungsstellenvorstand der Freiburger IG Chemie bei der Hauptverwaltung der Gewerkschaft Antrag auf Ausschluß der beiden Rhodia-Jugendvertreter aus der IG Chemie. Das ist der bisherige Höhepunkt einer Welle von versteckten und offenen Maßnahmen durch den Verwaltungsstellensekretär Lorenz, den 'Jugendbeauftragten' Kenk und durch die Mehrheit des Rhodia-Betriebsrates, vor allem dessen Vorsitzenden Schnabel, gegen alle klassenbewußten und kommunistischen Kollegen in der Rhodia:
- 1.Mai 1971 (vgl. Apr. 1971,d.Vf.): In der Rhodia werden von Conny Kenk 'freiwillige' Unterschriften gegen das 'Gewerkschaftliche Maikomitee' gesammelt. Denn dieses Maikomitee, ein Zusammenschluß fortschrittlicher Gewerkschafter in Freiburg, veranstaltete am 1.Mai eine Demonstration unter der Parole 'Statt Sozialpartnerschaft - Klassenkampf! Für starke kampfentschlossene Gewerkschaften!'. Das passte den Sozialpartnerschafts- 'Gewerkschaftern' wie Kenk und Schnabel, die bis dahin fast ungestört ihre 'vertrauensvolle Zusammenarbeit' mit den Kapitalisten auf dem Rücken der Belegschaft durchführen konnten, natürlich nicht in den Kram. Das klassenbewußte Verhalten der beiden späteren Jugendvertreter Baum und Stockmar (sie weigerten sich, die verleumderische Resolution Kenks zu unterschreiben und demonstrierten am 1.Mai zusammen mit dem Maikomitee) muß deshalb jetzt als Ausschlußgrund herhalten. ... Auf einer Solidaritätsveranstaltung mit den beiden Jugendvertretern am 11.4. erklärte ein Sprecher des BKA unter anderem:
'...Der Kampf gegen die sozialdemokratische Linie in den Gewerkschaften muß fester Bestandteil des gesamten gewerkschaftlichen Kampfes und politischen Kampfes der Arbeiterklasse sein!
Kollegen und Genossen! Sorgen wir dafür, daß die beiden Kollegen Baum und Stockmar eine breite Unterstützung finden für ihren Kampf gegen die Pläne Schnabels, Lorenz' und der IG-Chemie-Führung! Tragen wir dazu bei, daß der Kampf der beiden Kollegen am 1.Mai der Kampf aller fortschrittlichen, klassenbewußten, sowohl jungen wie alten Kollegen in Freiburg wird!'"
Quelle: Klassenkampf Nr.20,Freiburg 20.4.1972,S.10f
13.04.1972:
In Freiburg erscheint vom Maikomitee der Gewerkschaftsjugendgruppen bzw. vom Gewerkschaftlichen Maikomitee der Jugendgruppen der BSE, DruPa, HBV, IGM Emmendingen; OJA der IGM Freiburg; Arbeitskreis Junger Metaller Freiburg (vgl. 5.4.1972, 14.4.1972) das folgende Flugblatt von zwei Seiten DIN A3 ohne presserechtlich Verantwortlichen:"
HERAUS ZUM 1.MAI
Die Jugendgruppen der Einzelgewerkschaften Bau-Steine-Erden, IG Druck und Papier, Handel-Banken-Versicherung, Öffentlicher Dienst-Transport-Verkehr, der Ortsjugendausschuß der IG Metall, der Arbeitskreis Junger Metaller, sowie die Jugendgruppe der IG Metall Emmendingen, haben durch gewählte Vertreter ein gemeinsames Maikomitee gewählt und diesem Komitee den Auftrag erteilt, eine gewerkschaftliche Maidemonstration vorzubereiten.
Als Gewerkschafter haben wir dabei von der harten Wirklichkeit der Situation aller Arbeiter und Angestellten im Kapitalismus auszugehen und für den gemeinsamen Kampf aller Kollegen, ob jung oder alt, uns einzusetzen.
Die Lebenslage der Arbeiter und Angestellten hat sich im letzten Jahr durch Lohnabbau, Kurzarbeit, Entlassungen, Rationalisierungen, Verschärfung der Arbeitshetze, Miet-Steuer-Gebührenerhöhungen und ständiges Steigen der preise erheblich verschlechtert.
Die Entlassungswelle und Erhöhung der Akkordschinderei bei Intermetall (ITT, IGM-Bereich,d.Vf.), die Kurzarbeit, Frühpensionierung und ungeheure Verschärfung der Arbeitshetze, sowie die drohenden Entlassungen bei Rhodia (CPK-Bereich,d.Vf.), die unmenschlichen Arbeitsbedingungen in vielen Freiburger und Emmendinger Betrieben sind nur einige drastische Beispiele dieser Entwicklung.
Zu wenige, total überfüllte Schulen und Kindergärten, eine völlig unzureichende Krankenversorgung, und die immer unerträglicher werdende Umweltverschmutzung verschlechtern die Lage der gesamten werktätigen Bevölkerung zusätzlich.
Was den Arbeitern und Angestellten durch Lohnabbau, Preiserhöhung, verschärfte Arbeitshetze und Abbau sozialer Leistungen auf der einen Seite abgepreßt wird, vergrößert auf der anderen Seite die Macht und das Eigentum der Kapitalistenklasse, die sich alles aneignet, was die Arbeiterklasse an gesellschaftlichem Reichtum produziert.
Alles Gerede von 'sozialer Marktwirtschaft' kann uns deshalb nicht darüber hinwegtäuschen, daß diese gesellschaftlichen Verhältnisse die Arbeiterklasse in einen unversöhnlichen Gegensatz zur Kapitalistenklasse setzen.
Alles Gerede von 'Sozialpartnerschaft' kann uns deshalb nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Arbeiterklasse ein grundlegendes Interesse an der Abschaffung von Ausbeutung und Unterdrückung, an der Abschaffung der Herrschaft von Menschen über Menschen hat.
Nur die Arbeiterbewegung, die mit ihr verbündeten fortschrittlichen Kräfte in anderen Schichten des Volkes haben deshalb die Kraft, die alte Ausbeuterordnung abzuschaffen, und eine neue Welt, eine Gesellschaftsordnung, die von den Bedürfnissen und Interessen der arbeitenden Menschen bestimmt wird, den Sozialismus aufzubauen.
Der unversöhnliche Gegensatz zur Kapitalistenklasse zeigt sich immer deutlicher in der zunehmenden Unruhe und den Streiks von Hunderttausenden Arbeitern und Angestellten in der BRD in den letzten Jahren.
Immer notwendiger werden einheitliche Abwehrmaßnahmen gegen die verschärften Angriffe der Kapitalisten und die Kollegen zeigen immer deutlicher, daß sie nicht länger gewillt sind, Lohnraub und Preistreiberei tatenlos hinzunehmen.
Aber nicht nur die wirtschaftliche Lebenslage der Arbeiter und Angestellten verschlechtert sich immer mehr. Der bürgerliche Staat bereitet sich auf die unvermeidliche Verschärfung des Klassenkampfes vor, immer mehr demokratische Rechte werden eingeschränkt und abgebaut. Notstandsgesetze (NSG,d.Vf.), Betriebsverfassungsgesetz (BVG,d.Vf.), Berufsverbot (BV,d.Vf.) für Sozialisten und Demokraten, Notstandsübungen von Polizei, Bundesgrenzschutz (BGS,d.Vf.) und Bundeswehr, Militarisierung des Unterrichts an Schulen mit Hilfe des Wehrkundeerlasses (WKE,d.Vf.), geplante Einführung von Vorbeugehaft und Verstärkung der Bespitzelung durch ein neues Abhörgesetz sowie die geplante Verschärfung des Ausländerrechts sind die Marksteine dieser Entwicklung.
Was macht die Gewerkschaftsführung in dieser Situation?
Sie betätigt sich immer offener als Regierungssprecher der SPD/FDP und stellt, wie es die Lohnkämpfe in den letzten Jahren gezeigt haben, die Interessen der Regierung über die kämpferische Durchsetzung der Lohninteressen der Arbeiter. Die Interessen jeder Regierung in diesem Staat sind aber gebunden an die Interessen der Kapitalistenklasse und jeder, der die Interessen der Arbeiterklasse unter die einer bürgerlichen Regierung stellt, macht nichts anderes, als die Arbeiterbewegung und ihren Kampf an die Interessen der Kapitalistenklasse zu ketten. Dies wurde auch deutlich an der Bejubelung des Betriebsverfassungsgesetzes, das nach wie vor den Betriebsrat zum 'Frieden' und zur 'vertrauensvollen Zusammenarbeit' mit den Kapitalisten verpflichten will, und das deshalb nach wie vor ein arbeiterfeindliches Gesetz ist. Und diese Politik der 'vertrauensvollen Zusammenarbeit' zeigt sich auch in der Art und Weise, wie die Gewerkschaftsführung den 1.Mai in den vergangenen Jahren begangen hat und auch dieses Jahr wieder begehen will. Festlich geschmückte Säle, Ansprachen führender Politiker, feierliche Stimmung, so sahen größtenteils die Veranstaltungen der DGB-Führung zum 1.Mai aus.
Wir Arbeiter und Angestellte haben aber keinen Grund zu feiern! Wir haben allen Grund, den Kampf gegen die Angriffe der Kapitalisten und ihres Staates aufzunehmen. Wenn wir am 1.Mai unsere Kampfbereitschaft gegen die Kapitalistenklasse offen zeigen, wenn wir deutlich und laut unsere Forderungen erheben, dann erteilen wir gleichzeitig all jenen Kräften eine Absage, die Frieden mit der Kapitalistenklasse auf unsere Kosten schließen wollen. Wenn wir für unsere Kampfziele am 1.Mai demonstrieren, so ist das für uns nichts Losgelöstes von unserer täglichen gewerkschaftlichen Arbeit. Im Gegenteil, diese Kampfziele geben unserer Arbeit Richtung und verhindern, daß wir in Einzelaktivitäten ersticken. Deshalb ist es wichtig, daß die Parolen zum 1.Mai in allen Betrieben diskutiert werden, von den Betriebsräten, Vertrauensleuten, von allen Kollegen, und dadurch der 1.Mai Ausdruck unserer gewerkschaftlichen Kampfentschlossenheit wird.
Eine wichtige Unterstützung für uns junge Gewerkschafter im Maikomitee ist die Solidarität der Gewerkschaftsjugendgruppen aus Kehl, Rastatt, Freudenstadt, Lahr, Offenburg und Lörrach-Waldshut, die auf der Regionaltagung Südwest am 9.4.1972 in Lahr die Initiative der Gewerkschaftjugend Freiburg zum 1.Mai begrüßen und unterstützen. Vor allem aber die Solidarität und Unterstützung unserer älteren Kollegen bestärkt uns darin, keine Trennung zwischen jungen und älteren Gewerkschaftern zu machen. Die erste ordentliche Vertreterversammlung der IG Metallverwaltungsstelle Freiburg, an der 92 stimmberechtigte Kollegen teilnahmen, nahm am 11.3.1972 bei keiner Gegenstimme und nur zehn Enthaltungen folgenden Antrag an: 'Die Vertreterversammlung ruft alle Kollegen auf, mit ihren Forderungen die Demonstration der Gewerkschaftsjugend aktiv zu unterstützen.' Der DGB-Kreisvorstand Freiburg hat beschlossen, die Demonstration der Gewerkschaftsjugend zu unterstützen, er selbst jedoch plant eine festliche Veranstaltung für geladene Gäste im Kaufhaussaal.
Für uns ist der 1.Mai ein Tag, an dem die fortschrittlichen Kollegen die dringendsten Forderungen der gesamten Arbeiterklasse erheben und ihre Entschlossenheit, dafür zu kämpfen, demonstrieren.
Teil unserer Kampfziele ist auch, die Isolation unserer ausländischen Kollegen zu durchbrechen, gemeinsam mit ihnen gegen Ausbeutung und Unterdrückung ALLER Kollegen zu kämpfen, und ebenso, gemeinsam mit den ausländischen Kollegen gegen ihre zusätzliche Unterdrückung in den Betrieben und in den Wohnghettos zu kämpfen.
Viele unserer ausländischen Kollegen kommen aus faschistischen Staaten. Unsere Solidarität gilt dem Kampf ihrer Völker, die gegen das Joch des Faschismus kämpfen. In aller Welt kämpfen die unterdrückten Völker gegen den US-Imperialismus und seine Verbündeten. Jeder Sieg in diesen Kämpfen ist ein Schritt vorwärts auf dem Weg der Menschheit zur Befreiung von Ausbeutung und Unterdrückung.
Kolleginnen und Kollegen, es ist notwendig, daß wir am 1.Mai auf die Straße gehen.
Demonstrieren wir am 1.Mai unter den Parolen:
GEGEN DIE VERSCHÄRFTEN ANGRIFFE DER KAPITALISTENKLASSE DIE EINHEITLICHE KAMPFFRONT DER ARBEEITERKLASSE
- Kampf dem Lohnraub, den Preistreibereien und dem Mietwucher.
- Kampf der verschärften Arbeitshetze, Einfrierung der Akkordnormen.
- Schluß mit den Entlassungen, voller Lohnausgleich bei Kurzarbeit.
- Kampf der Spaltungspolitik des Kapitals, weg mit den unteren Lohngruppen.
- Gleicher Lohn für gleiche Arbeit
- Gleicher Lohn für Männer und Frauen
- Gleicher Lohn für deutsche und ausländische Kollegen
- Angleichung der Löhne von Südbaden und Nordbaden.
- Existenzlohn für Lehrlinge, gegenwärtig 500 DM.
- Streikrecht für Lehrlinge.
- Gegen die Einführung des Stufenplans.
FÜR DIE INTERNATIONALE SOLIDARITÄT DER ARBEITERKLASSE UND DER UNTERDRÜCKTEN VÖLKER
- Für den gemeinsamen Kampf der deutschen und ausländischen Arbeiter.
- Weg mit den unterdrückenden Wohn- und Lebensbedingungen für die ausländischen Kolleginnen und Kollegen, weg mit dem unterdrückenden Ausländerrecht und seiner geplanten Verschärfung.
- Solidarität mit dem Kampf des spanischen, griechischen und türkischen Volkes gegen den Faschismus, Solidarität mit dem Kampf des irischen Volkes gegen koloniale Unterdrückung.
- Selbstbestimmungsrecht der unterdrückten Völker heißt Kampf dem US-Imperialismus und seinen Verbündeten.
- Für den Sieg im Volkskrieg in Kambodscha, Laos, Vietnam.
KAMPF DEM ABBAU DER DEMOKRTISCHEN RECHTE DES VOLKES
- Kampf der Militarisierung in allen Bereichen der Gesellschaft.
- Schluß mit den Notstandsübungen von Polizei, Bundesgrenzschutz und Bundeswehr.
- Schluß mit dem Polizei- und Justizterror gegen politisch Verfolgte.
- Weg mit dem KPD-Verbot.
- Weg mit der geplanten Einführung der Vorbeugehaft.
- Kampf der Säuberung der Schulen, Berufsschulen und Hochschulen von fortschrittlichen Lehrkräften, weg mit dem Berufsverbotserlaß im Öffentlichen Dienst.
- Kampf dem Wehrkundeerlaß, kein Fußbreit für militaristische Propaganda an den Schulen.
MCHEN WIR DIE GEWERKSCHAFTEN ZU KAMPFORGANISATIONEN DER ARBEEITERKLASSE
- Weg mit dem arbeiterfeindlichen Betriebsverfassungsgesetz, weg mit der Friedens- und Schweigepflicht für den Betriebsrat, freie politische und gewerkschaftliche Betätigung im Betrieb.
- Statt Bindung des Betriebsrat an das 'Betriebswohl', Bindung an die Beschlüsse der Belegschaft, Beschlußrecht für die Betriebsversammlung.
- Schluß mit der Aufsplitterung im Lohnkampf, für die einheitliche Streikfront der Arbeiterklasse.
- Raus aus der Konzertierten Aktion, weg mit den Lohnleitlinien.
- Schluß mit der 'vertrauensvollen Zusammenarbeit' mit den Kapitalisten, für kampfentschlossene Gewerkschaften.
- Bauen wir starke, kampfentschlossene Vertrauensleutekörper auf.
- Klassenbewußte Arbeiter und Lehrlinge in Betriebsrat und Jugendvertretung.
Kollegen, setzt Euch mit uns in Verbindung! Solidaritätsadressen und Anfragen, sowie Informationen des Maikomitees können freitags im DGB-Haus, Hebelstr. 10, im Clubraum zwischen 17 und 19 Uhr abgegeben bzw. erhalten werden. Das Maikomitee ist jederzeit bereit, auch andere Termine zwecks Diskussion zu vereinbaren."
Quelle: Maikomitee der Gewerkschaftsjugendgruppen:Heraus zum 1.Mai,Emmendingen/Freiburg 12.4.1972
14.04.1972:
Der Bund Kommunistischer Arbeiter (BKA) Freiburg (vgl. 20.4.1972) berichtet vom Maikomitee der Gewerkschaftsjugend (vgl. 13.4.1972) über:"
ANGRIFFE DES DGB
Zunächst war dem Maikomitee der Gewerkschaftsjugend die Unterstützung des DGB-Kreisvorstandes, Freiburg, zugesagt und versichert, daß Kundgebung und Demonstration ohne Bevormundung organisiert werden könnten. Doch sobald mit dem ersten Aufruf des Maikomitees klar war, daß die Kollegen keineswegs vorhatten, sich zu einer Hilfstruppe der SPD- und Gewerkschaftsführung machen zu lassen, wurde in einem Schreiben an das Maikomitee vom 14.4.1972 mit 'öffentlicher Distanzierung' und 'Maßnahmen gegen das Maikomitee' gedroht. War bisher davon die Rede, daß man die Vorlagen für die Flugblätter vorher sehen wolle, so heißt es jetzt in dem Schreiben, daß die Möglichkeit bestehen muß 'Korrekturwünsche anzubringen'. Wie diese 'Wünsche' aussehen, läßt sich an der Reaktion auf ds erste Flugblatt klar ableiten. Im Schreiben des DGB heißt es:
'In dieser Form sind viele Inhalte für den Kreisvorstand untragbar und werden nicht als gewerkschaftliche Auffassung angesehen.'
In der Gewerkschaftsjugend wurde die Kritik Jorzigs am ersten Aufruf des Maikomitees im Einzelnen vorgetragen:
- bei dem Wort Lohnabbau sind die Anmerkungen Jorzigs 'unklar' und 'trifft nicht für alle zu'
- der 'Sozialismus' ist durchgestrichen, weil er nicht in den gewerkschaftlichen Satzungen verankert ist
- Angriffe auf die DGB-Führung werden als 'kommunistische Phrasen' abgetan
- Angriffe auf das Betriebsverfassungsgesetz (BVG,d.Vf.) als 'arbeiterfeindliches Gesetz', das den Betriebsrat an die Interessen der Kapitalisten binden will, sind nicht erwünscht; die Parole gegen das Betriebsverfassungsgesetz ist glatt durchgestrichen
- ebenfalls 'korrekturbedürftig' sind die Parolen gegen Notstandsübungen, gegen Polizei- und Justizterror, gegen die geplante Einführung der Vorbeugehaft ('kein Parole für die Gewerkschaften')
- Die Parole für die 'Bindung des Betriebsrates an die Beschlüsse der Belegschaft' ist nach Jorzig ebenfalls 'keine gewerkschaftliche Forderung'
- Zu der Parole 'Selbstbestimmungsrecht der unterdrückten Völker heißt Kampf dem USA-Imperialismus und seinen Verbündeten' stellt Jorzig fest, daß zu den Verbündeten auch die BRD gehöre, was nach Ansicht Jorzigs wohl die Parole falsch macht, da ein Kampf gegen den BRD-Imperialismus nicht geführt werden darf
- die Parole: 'Für den Sieg im Volkskrieg, in Kambodscha, Laos, Vietnam' ist kommentarlos durchgestrichen!
Dies sind noch nicht einmal alle Punkte, die als Kritik des DGB vorgetragen wurden. Für die Zukunft soll jede Vorlage zwecks 'Korrekturwünsche' vorgelegt werden, die Mitglieder des Maikomitees sollen namentlich angegeben werden, jede Presseerklärung muß vorgelegt werden, 'um von vornherein Differenzen über den Inhalt auszuschließen'. Die Anmeldung der Demonstration kann nur mit der Unterschrift des DGB-Vorsitzenden erfolgen, Absprachen mit der Polizeibehörde sind schon erfolgt:
'Das Amt für öffentliche Ordnung ist von uns darauf hingewiesen worden, daß nur solche Antragstellungen behandelt werden.'
Ergänzend wird verboten, irgendetwas gemeinsam mit den Kommunisten zu machen. Der Brief des DGB zeigt, daß das Maikomitee mundtot gemacht werden soll. Die Gewerkschaften sollen von Mitgliedern und Meinungen gesäubert werden, die im Gegensatz zur Politik der Klassenversöhnung stehen und ausschließlich von den Klasseninteressen des Proletariats ausgehen. Der DGB will der Gewerkschaftsjugend jede eigenständige Handlungsfreiheit nehmen, er will sie zum Sprachrohr seiner eigenen bürgerlichen Politik machen.
Der Angriff des DGB trifft alle Kollegen, die in Opposition zur Politik der Gewerkschaftsführung stehen und eine eigenständige Klassenpolitik des Proletariats entwickeln wollen.
Wir rufen alle Kollegen dazu auf, Solidarität mit dem Maikomitee und seinem Aufruf zu zeigen, sowie sich an den Vorbereitungen für einen klassenkämpferischen 1.Mai in Freiburg zu beteiligen!"
Quelle: Klassenkampf Nr.20,Freiburg 20.4.1972,S.6f
18.04.1972:
Der Kommunistische Jugendbund (KJB) Freiburg des BKA gibt die Nr.5 seiner 'Kommunistischen Jugendzeitung' (KJZ - vgl. 23.3.1972, 15.5.1972) mit zwölf Seiten DIN A4 unter Verantwortung von Leo Horlacher, Freiburg, mit folgendem Leitartikel heraus:"
1.MAI - KAMPFTAG DER INTERNATIONALEN ARBEITERKLASSE
Der 1.Mai ist der Kampftag der internationalen Arbeiterklasse. An diesem Tag kämpft die Arbeiterklasse in allen Ländern für ihre Forderungen, zeigt, daß es zwischen Arbeitern und Kapital keine Gemeinsamkeiten gibt, sie kämpft gegen Ausbeutung und Unterdrückung. Seit am 1.Mai 1866 die Arbeiter von Chikago für den 8-Stundentag streikten, gab es viele Meilensteine in der Geschichte des 1.Mai. Sie ist die Geschichte der Arbeiterbewegung, der Siege und Niederlagen der Arbeiterklasse.
Der internationale Sozialistenkongreß forderte die internationale Arbeiterklasse auf, im Gedenken an die erschossenen Arbeiter von Chikago am 1.Mai 1890 ihre Kampfentschlossenheit zu demonstrieren. Dieser Gedanke faßte vor allem in den Gewerkschaften Fuß. Die Kapitalisten sahen, was auf sie zukam und drohten deshalb mit Aussperrung. Viele Arbeiter gingen am 1.Mai 1890 dennoch auf die Straße, sie flogen aus den Betrieben und wurden in anderen nicht mehr eingestellt. Sammlungen sollten ihnen helfen und die Kollegen ließen sie nicht im Stich.
In der Geschichte der Arbeiterbewegung hatte die Jugend immer eine besondere Stellung. Durch niedrigere Löhne und schlechtere Arbeitsbedingungen war sie der Unterdrückung der Kapitalisten noch mehr ausgesetzt. Außerdem drückten sie, durch ihre niedrigen Löhne bedingt, auf das Lohnniveau der älteren Kollegen, durch ihre noch frische Arbeitskraft wurden sie vom Kapital als Konkurrenten zu ihren älteren Kollegen eingesetzt. Doch die Arbeiterjugend nahm dies nicht kampflos hin, oft war es gerade die Arbeiterjugend, die den Kampf gegen Ausbeutung zuerst aufnahm.
Bereits in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts schlossen sich in Österreich Handwerkslehrlinge zusammen um den Kampf gegen die bestialischen Arbeitsbedingungen aufzunehmen. Doch diese Vereinigungen der Handwerkslehrlinge konnten sich anfänglich keine Geltung verschaffen und führten so ein Schattendasein. Erst als die Konkurrenz zwischen den kleinen Handwerksbetrieben und den größeren Fabriken zunahm und dieser Kampf auf die Arbeiterklasse abgewälzt wurde, entschlossen sich immer mehr Lehrlinge sich zu organisieren. Ihr Kampf galt einerseits den barbarischen Ausbildungszuständen, andererseits der Lohnsklaverei. Da nach österreichischem Gesetz die Gründung politischer Jugendorganisationen verboten war, mußten diese Vereinigungen in der Illegalität arbeiten, viele nahmen deshalb einen gewerkschaftlichen Charakter an, ohne auf ihre Kampfziele zu verzichten.
In den meisten europäischen Ländern gab es in den 20er Jahren bereits eine starke sozialistische Jugendbewegung. Vor allem die Arbeiterjugend in der Schweiz kämpfte gegen Krieg, gegen Ausbeutung und Unterdrückung, für den Frieden und den Sozialismus. Sie führten in der Armee den antimilitaristischen Kampf und in den Betrieben kämpften sie gemeinsam mit ihren älteren Kollegen gegen Ausbeutung und Unterdrückung. Auf ihrem Jugendtag 1916 (vgl. 1916,d.Vf.) wurden gegen sie zum ersten Mal Waffen eingesetzt, die Gewerkschaften drohten ihnen ihre Mittel zu streichen, doch sie ließen sich nicht einschüchtern und führten ihren Kampf fort. In der Zeit nach dem I.Weltkrieg, der große Löcher in die Reihen der Arbeiterklasse gerissen hatte, entstanden in der ganzen Welt Verbände der Arbeiterjugend, die ein gemeinsames Ziel hatten, den Kampf gegen den Krieg, gegen Ausbeutung und Unterdrückung. So entstanden Jugendverbände in Kanada, Amerika (USA,d.Vf.), England (Großbritannien,d.Vf.), Belgien, Frankreich und nicht zuletzt auch in Deutschland. Diese Jugendverbände kämpften Seite an Seite mit der übrigen Arbeiterklasse für ihre Forderungen.
Im Verlauf der Geschichte mußte die Arbeiterklasse viele schmerzliche Erfahrungen machen. Oft wurden sie von den eigenen Führern verraten und verkauft. Vor allem die SPD Führer waren bereits vor dem I.Weltkrieg an die Seite des Klassenfeindes getreten, indem sie den Krieg unterstützten. Später dann ließ Zörgiebel am 1.Mai 1929 (in Berlin, d.Vf.) in die versammelten Arbeiter schießen, bei diesem Blutbad wurden 33 Männer und Frauen ermordet. Die Bourgeoisie verschärfte ihren Kampf gegen die Arbeiterklasse ständig und versuchte ununterbrochen die Reihen der Arbeiter zu schwächen. Immer versuchte sie die Arbeiterjugend aus der Kampffront der Arbeiterklasse herauszureissen und sie gegen die eigene Klasse auszuspielen. Die Bourgeoisie brauchte die Jugend in ihrer Armee um ihre Raubzüge durchführen zu können. Sie setzte sie gegen die Arbeiterklasse anderer Länder ein. Die Jugend erkannte, für was sie die Kapitalistenklasse brauchte und kämpfte entschlossen dagegen an. In England, daß sich in den 20er Jahren in seinem imperialistischen Raubkrieg gegen China befand, dort versuchte das chinesische Volk mit allen Mitteln zu unterdrücken, um seine Absatzmärkte zu erhalten, verhinderten proletarische Jugendverbände die Waffenauslieferung an die englischen Truppen in China.
Die Arbeiterjugend war von der Kapitalistenklasse nicht nur durch Ausbeutung und Unterdrückung bedroht sondern auch durch Krieg, deshalb kämpfte die Arbeiterjugend nicht nur gegen die Ausbeutung im Betrieb sondern führte auch einen antimilitaristischen Kampf.
In der Bundesrepublik ist die Lage der Arbeiterklasse gegenwärtig gekennzeichnet durch steigende Arbeitshetze, Lohnraub und Preistreiberei auf allen Ebenen. Vor allem in der Stahlindustrie und im Ruhrkohlebergbau (IGM- bzw. IGBE-Bereich,d.Vf.), aber auch in der elektronischen und chemischen (CPK-Bereich,d.Vf.) Industrie bestimmen Kurzarbeit, Massenentlassungen und Stillegungen das Bild. Mit Rationalisierungsmaßnahmen im großen Umfang verfolgen die Kapitalisten das Ziel, den beschäftigten teil der Arbeiter um so stärker auszubeuten und die Arbeitshetze noch weiter beschleunigen zu können.
Lohnraub und Verschärfung der Arbeitshetze werden - trotz aller demagogischer Versprechungen der SPD-Regierung - ergänzt durch weiterwachsende Preissteigerungen bei den wichtigsten Lebensmitteln, durch Verknappung und Verteuerung der medizinischen Versorgung der arbeitenden Bevölkerung. Zusätzlich greift die SPD/FDP Regierung zu arbeiterfeindlichen Maßnahmen wie der Erhöhung von Massenkonsumsteuern (Benzin, Tabak, Branntwein), streicht staatliche Mittel für soziale Aufgaben, zentralisiert das Steueraufkommen zum Vorteil der Monopole in ihrer Hand, während die SPD-Bürgermeister und Stadträte in zahlreichen Städten der BRD und in Westberlin die sprunghafte Erhöhung der Fahrpreise bei den Verkehrsmitteln sowie bei den Tarifen für Gas, Wasser und Strom organisieren. Gegen diese Verschlechterung der Arbeits- und Lebensbedingungen der werktätigen Massen durch Monopolkapital und SPD/FDP Regierung haben Arbeiter und Angestellte vor allem während der Tarifkämpfe mit verschärften Kampfmaßnahmen geantwortet.
GEGEN DIE VERSCHÄRFTEN ANGRIFFE DER KAPITALISTENKLASSE - DIE EINHEITLICHE KAMPFFRONT DER ARBEITERKLASSE
Trotz steigender Kampfbereitschaft mußte die westdeutsche Arbeiterklasse im vergangenen Jahr einen Reallohnabbau hinnehmen. Ein wesentlicher Grund dafür liegt in der Politik der Gewerkschaften, deren sozialdemokratische Führung dem 'gesamtwirtschaftlichen Interesse' des Monopolkapitals verpflichtet ist und von vornherein Tarifabschlüsse in Höhe der Lohnleitlinien ansteuerte. Diese sozialdemokratische Linie in den Gewerkschaften ordnet mit ihrer Politik der Klassenversöhnung die Interessen der Arbeiterklasse denen der Kapitalistenklasse unter. Im Kampf gegen diese Linie gilt es, die Kollegen vom Einfluß der Sozialdemokratie zu lösen, damit ausschließlich die Klasseninteressen des Proletariats und keinerlei bürgerliche Politik das Handeln der Arbeiterklasse bestimmen.
MACHEN WIR DIE GEWERKSCHAFTEN ZU KAMPFORGANISATIONEN DER ARBEITERKLASSE!
Zur Zeit stehen die Völker Asiens, Lateinamerikas und Afrikas in einem Kampf gegen ihre imperialistischen Ausbeuter und Unterdrücker. Im Zentrum des internationalen Klassenkampfs steht der langandauernde Kampf der Völker Indochinas gegen den US-Imperialismus, der in diesem Kampf seiner bisher größten Niederlage entgegengeht. Diese Niederlagen des Imperialismus tragen dazu bei, die Widersprüche zwischen Proletariat und Bourgeoisie im Hauptland des Imperialismus, den USA, zu verschärfen. Die Aggression in Indochina wird zum Bumerang. Unter dem Druck der zunehmenden imperialistischen Konkurrenz, hauptsächlich Japans und der BRD, verschärfen sich die Angriffe der US- Monopole auf die nordamerikanische Arbeiterklasse, was das Millionenheer der Arbeitslosen und die mörderische Arbeitshetze in den Fabriken zeigt. Widerstand gegen fortschreitende Verelendung, gegen die zunehmende Unterdrückung von Minderheiten, beantwortet die Kapitalistenklasse mit immer offenerem Terror, besonders gegen die ausgebeutesten Teile der Arbeiterklasse, die schwarzen Arbeiter. Zeigen wir am 1.Mai unsere Solidarität mit den Völkern Asiens, Lateinamerikas und Afrikas, mit den Arbeiterklassen in den anderen imperialistischen Ländern, mit den Arbeiterklassen in Griechenland, Spanien und der Türkei.
Um ihre imperialistische Politik durchführen zu können, greift die Bourgeoisie immer mehr zu offenem Terror. Hierzu braucht sie eine Armee, die für ihre Machterhaltung andere Völker brutal unterdrückt, sie braucht Militär, das die Arbeiterklasse im eigenen Land für ihre Ausbeutung kleinhält.
Durch den Militarismus ist die Arbeiterjugend ständig bedroht. In der Bundeswehr versucht man die jungen Arbeiter dazu zu erziehen, daß sie im 'Notfall' die Gewehre auf die streikenden Klassengenossen richten, versucht man durch Kasernendrill und Kadavergehorsam ihnen den letzten Funken Klassenbewußtsein auszutreiben. Auf diese Weise versucht die Kapitalistenklasse die Kampfkraft der gesamten Arbeiterklasse zu schwächen.
Durch den Wehrkundeerlaß (WKE,d.Vf.) versuchen die Kapitalisten die Lehrlinge und Jungarbeiter ideologisch zu beeinflußen und ihnen die Bundeswehr schmackhaft zu machen. Diesen Angriff müssen wir abwehren!
KAMPF DEM MILITARISMUS AN DEN SCHULEN1
Die Kapitalistenklasse führt einen fortwährenden Kampf um die Arbeiterjugend, sie will uns aus den Reihen der Arbeiterklasse herausreissen um somit die Kampfkraft der gesamten Arbeiterklasse zu schwächen. Bei Streiks mißbraucht sie uns als Streikbrecher und will uns somit von den Kämpfen der Arbeiter isolieren. Darum:
STREIKRECHT FÜR LEHRLINGE!
EINHEITLICHE KAMPFFRONT DER ARBEITER UND LEHRLINGE!
Durch unsere niedrigen Lehrlingsgelder sind wir nicht einmal in der Lage uns alleine durchzubringen. Wir sind angewiesen auf das eh schon knappe Geld unserer Eltern. Deshalb:
500 DM EINHEITSLOHN FÜR ALLE LEHRLINGE!
Durch den Stufenplan wird die Ausbildung noch mehr den Profitinteressen des Kapitals angepaßt. Es soll ein riesiggroßes Heer von Schlitzeklopfern, Schraubendrehern usw. entstehen.
GEGEN DIE EINFÜHRUNG DES STUFENPLANS
Zeigen wir am 1.Mai unsere Kampfentschlossenheit, wehren wir uns gegen die Angriffe der Kapitalisten und ihres Staates. Gehen wir mit der übrigen Arbeiterklasse auf die Straße."
Quelle: Kommunistische Jugendzeitung Nr.5,Freiburg 18.4.1972
20.04.1972:
Der BKA Freiburg gibt die Nr.20 seines 'Klassenkampfes' (vgl. 12.4.1972, 24.4.1972) mit dem folgenden Leitartikel heraus:"
AUFRUF ZUM 1.MAI
Die gegenwärtige Epoche ist gekennzeichnet durch den gewaltigen Aufschwung des Befreiungskampfes der Völker Asiens, Afrikas und Lateinamerikas gegen ihre imperialistischen Ausbeuter und Unterdrücker und deren nationale Lakaien. Im Zentrum des internationalen Klassenkampfes steht der langandauernde Kampf der Völker Indochinas gegen den US-Imperialismus, der in diesem Kampf seiner bisher größten militärischen und politischen Niederlage entgegengeht. Wir haben letztes Jahr im Aufruf zum 1.Mai geschrieben:
'Vietnam ist zum Beweis geworden für die Möglichkeit, sogar den technisch übermächtigen Gegner zu besiegen, wenn das Volk selbst diesen Kampf aufnimmt und auf breiter Basis führt'. An diesem ersten Mai werden die Proletarier aller Länder und die unterdrückten Völker mehr denn je die gewaltigen Siege feiern, die die Völker Vietnams, Laos' und Kambodschas gegenwärtig gegen ihre Todfeinde erringen. Wie lange auch immer diese letzte Etappe des Volkskrieges in Indochina dauern mag: Die Völker werden siegen, und die USA-Aggressoren werden geschlagen werden!
Diese Niederlagen des USA-Imperialismus tragen dazu bei, die Widersprüche zwischen Proletariat und Bourgeoisie in den USA selbst, und die Widersprüche zwischen den verschiedenen imperialistischen Mächten zu verschärfen. Die Aggression in Indochina, mit der die USA ihre ökonomische und politische Herrschaft in Südostasien absichern will, wird zum Bumerang. Unter dem Druck der zunehmenden imperialistischen Konkurrenz, hauptsächlich Japans und der BRD, verschärfen sich die Angriffe der US-Monopole auf die nordamerikanische Arbeiterklasse, was das Millionenheer der Arbeitlosen und die mörderische Arbeitshetze in den Fabriken zeigt. Widerstand gegen die fortschreitende Verelendung, gegen die zunehmende Unterdrückung von Minderheiten, beantwortet die herrschende Klasse mit immer offenerem Terror.
PROLETARIER ALLER LÄNDER UND UNTERDRÜCKTE VÖLKER VEREINIGT EUCH!
Der Imperialismus, voran die USA, verschärft seine Angriffe auf den Befreiungskampf der unterdrückten Völker, seine Mittel und Waffensysteme werden dabei immer barbarischer.
Die NATO wird zunehmend zum Instrument der Unterdrückung des immer stärker werdenden antifaschistischen Kampfes des spanischen, türkischen, griechischen Volkes. Gleichzeitig versucht der Imperialismus derzeit in vertraglichen Vereinbarungen mit den herrschenden Kräften in der Sowjetunion (SU,d.Vf.), mit den Mitteln der 'friedlichen' Subversion auf die Märkte Osteuropas vorzudringen und auf diese Weise seinen Machtbereich auszudehnen.
Die Politik der 'friedlichen' Subversion kann der Imperialismus nur führen, weil Partei und Staat in der Sowjetunion sich zunehmend in Instrumente gegen die Interessen der Arbeiterklasse verwandelt haben. Der Errichtung einer neuen Ausbeuterordnung in der SU, die in der teilweisen Einführung kapitalistischer Produktionsmethoden, der Orientierung auf das Profitprinzip, der Unterordnung der Bedürfnisse der sowjetischen Werktätigen unter kapitalistische Technik und modernste Ausbeutungsmethoden ihren Ausdruck findet, entspricht nach außen eine Politik der Absicherung und Ausweitung des eigenen Machtbereichs.
Der Propagandist dieses 'Sozialismus', die DKP, preist die Ostpolitik der SPD als 'Friedenspolitik' und hintertreibt die Entwicklung einer eigenständigen Klassenpolitik des westdeutschen Proletariats zugunsten eines Anhängens an diese gewandelte Methode imperialistischer Expansionspolitik. Hand in Hand mit der SPD nutzt sie dabei auf schamlose Weise das Bedürfnis der überwiegenden Mehrheit des Volkes nach Frieden aus, um Kollegen, die sich nicht zum Sprachrohr imperialistischer Außenpolitik machen lassen, als 'auf einer Stufe mit der CDU und NPD' stehend zu diffamieren (Offener Brief der DKP, Kreis Freiburg an die Gewerkschaftsjugend Freiburg, 5.4.1972). 'Die ganze Politik dieser Partei läuft auf den Versuch hinaus, die fortschrittlichen Arbeiter und Kräfte des Volkes wieder an die SPD-Politik und die Bundesregierung zu binden und die Einsicht in die Notwendigkeit der revolutionären Alternative und der selbständigen Politik der Arbeiterklasse zu hintertreiben. Damit ist die DKP, und das hat sich in der Metalltarifrunde (MTR der IGM,d.Vf.) für viele Kollegen schon klar gezeigt, nichts anderes als ein Wasserträger der westdeutschen Bourgeoisie' (aus der Erklärung zur Landtagswahl, 12.4.1972).
FÜR EINE SELBSTÄNDIGE KLASSENPOLITIK DES PROLETARIATS!
FÜR DEN WIEDERAUFBAU DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI!
In der Bundesrepublik ist die Lage der Arbeiterklasse gegenwärtig gekennzeichnet durch steigende Arbeitshetze, Lohnraub und Preistreiberei auf allen Ebenen. Vor allem in der Stahlindustrie und im Ruhrkohlebergbau (IGM-bzw. IGBE-Bereich,d.Vf.), aber auch in den elektronischen und chemischen Industrie (CPK-Bereich,d.Vf.) bestimmen Kurzarbeit, Massenentlassungen und Stillegungen das Bild. Mit Rationalisierungsmaßnahmen im großen Umfang verfolgen die Kapitalisten das Ziel, den beschäftigten Teil der Arbeiter um so stärker auszubeuten und die Arbeitshetze noch weiter beschleunigen zu können.
Lohnraub und Verschärfung der Arbeitshetze werden - trotz aller demagogischen Versprechungen der SPD-Regierung - ergänzt durch weiterwachsende Preissteigerungen bei den wichtigsten Lebensmitteln, durch die Verknappung und Verteuerung der Wohnungen und die Verschlechterung der medizinischen Versorgung der arbeitenden Bevölkerung. Zusätzlich greift die SPD/FDP-Regierung zu arbeiterfeindlichen Maßnahmen wie die Erhöhung von Massenkonsumsteuern (Benzin, Tabak, Branntwein), streicht staatliche Mittel für soziale Aufgaben, zentralisiert das Steueraufkommen zum Vorteil der Monopole in ihrer Hand, während die SPD Bürgermeister und Stadträte in zahlreichen Städten der BRD und in Westberlin die sprunghafte Erhöhung der Fahrpreise bei den Verkehrsmitteln sowie bei den Tarifen für Gas, Wasser und Strom organisieren. Gegen diese Verschlechterung der Arbeits- und Lebensbedingungen der werktätigen Massen durch Monopolkapital und SPD/FDP-Regierung haben Arbeiter und Angestellte - vor allem während der Tarifkämpfe - mit verschärften Kampfmaßnahmen geantwortet.
GEGEN DIE VERSCHÄRFTEN ANGRIFFE DER KAPITALITENKLASSE - DIE EINHEITLIHE KAMPFFRONT DER ARBEITERKLASSE!
Trotz steigender Kampfbereitschaft mußte die westdeutsche Arbeiterklasse im vergangenen Jahr einen Reallohnabbau hinnehmen. Ein wesentlicher Grund dafür liegt in der Politik der Gewerkschaften, deren sozialdemokratische Führung dem 'gesamtwirtschaftlichen Interesse' des Monopolkapitals verpflichtet ist und von vornherein Tarifabschlüsse in Höhe der Lohnleitlinien ansteuerte. Diese sozialdemokratische Linie in den Gewerkschaften ordnet mit ihrer Politik der Klassenversöhnung die Interessen der Arbeiterklasse denen der Kapitalistenklasse unter. Im Kampf gegen diese Linie gilt es, die Kollegen vom Einfluß der Sozialdemokratie zu lösen, damit ausschließlich die Klasseninteressen des Proletariats und keinerlei bürgerliche Politik das Handeln der Arbeiterklasse bestimmen.
MACHEN WIR DIE GEWERKSCHAFTEN ZU KMPFORGANISATIONEN DER ARBEITERKLASSE!
Auf die wachsende Kampfbereitschaft der Arbeiterklasse antwortet der kapitalistische Staatsapparat mit dem Abbau demokratischer Rechte des Volkes und dem Ausbau des Unterdrückungsinstrumentariums. Eine Neuauflage des arbeiterfeindlichen Betriebsverfassungsgesetzes (BVG - vgl. 19.1.1972,d.Vf.) ist von der SPD/FDP Regierung durchgesetzt worden, um die Kampfrechte der Arbeiter im Betrieb noch weiter einzuschränken und den Betriebsrat noch mehr an die Interessen der Kapitalisten zu binden. Unter dem Vorwand, den 'demokratischen Rechtsstaat' vor Anschlägen zu schützen, beschleunigt die Regierung die Zentralisierung und Militarisierung des Polizeiapparates, wird durch das neue Bundesgrenzschutzgesetz (BGS - vgl. 22.6.1972,d.Vf.) die Umfunktionierung dieser Truppe zur Anti-Streiktruppe gesetzlich abgesichert. Mit diesen Maßnahmen wird die parlamentarische Hülle über der Kapitalherrschaft immer mehr zerrissen und ihr tatsächlicher Charakter wird offenbar: bewaffnete Diktatur der Kapitalistenklasse über die Arbeiterklasse zu sein.
Den zunächst schärfsten Schlag bereiten Bundesregierung, Innenminister und Polizeipräsidenten gegen ausländische Arbeiter und Studenten vor. Im Rahmen des sogenannten 'Sicherheitsprogramms' ist geplant, die ausländischen Organisationen zu verbieten und den Ausländern das Recht auf Versammlungsfreiheit zu nehmen! Dieser Plan ist ein ungeheuerlicher Anschlag nicht nur auf die Rechte der Ausländer in der Bundesrepublik, sondern auf die demokratischen Rechte des ganzen Volkes.
Ebenso trifft der Erlaß im öffentlichen Dienst (ÖD,d.Vf.), der Kommunisten und Demokraten Berufsverbot (BV - vgl. 28.1.1972,d.Vf.) auferlegt, nicht nur die fortschrittlichen Teile der Intelligenz, sondern das Interesse der Arbeiterklasse, vor allem an fortschrittlichen Lehrkräften. Die Kämpfe gegen den weiteren Abbau demokratischer Rechte werden Teile der Intelligenz und anderer Schichten des Volkes fest auf die Seite des Proletariats ziehen.
GEGEN DEN ABBAU DER DEMOKRATISCHEN RECHTE DES VOLKES!
FÜR DAS BÜNDNIS DER ARBEITERKLASSE MIT ALLEN UNTERDRÜCKTEN SCHICHTEN DES VOLKES IM KAMPF FÜR DEN SOZIALISMUS!
Am 1.Mai wird die Arbeiterklasse zeigen, daß ihre Kampfbereitschaft gegen Kapitalistenklasse und SPD-Regierung ebenso wie ihre internationale Solidarität gewachsen ist."
Neben einem Bild heißt es noch:"
1.MAI: INTERNATIONALER KAMPFTAG DER ARBEITERKLASSE
An der Spitze des internationalen Kampfes gegen Imperialismus, Ausbeutung und Unterdrückung stehen die heldenhaften Völker Indochinas!
AM 1.MAI SEITE AN SEITE MIT DEM KAMPF DER VÖLKER VON LAOS, KMBODSCHA UND VIETNAM!"
Aus Freiburg wird u.a. berichtet vom Gewerkschaftlichen Maikomitee (vgl. 1.4.1972, 13.4.1972) und den Angriffen gegen dieses von DKP (vgl. 5.4.1972) und DGB Kreisvorstand (vgl. 14.4.1972).
Quelle: Klassenkampf Nr.20,Freiburg 20.4.1972
24.04.1972:
Der Bund Kommunistischer Arbeiter (BKA) Freiburg (vgl. 17.5.1972) berichtet aus dieser Woche von einem 'Maikomitee', "das eine Woche vor dem 1.Mai als Produkt der Spaltungsversuche der DGB- und DKP-Führer entstanden war." Dieses durch DKP und DGB bzw. die selbsternannte 'Freiburger Gewerkschaftsjugend' gegründete Maikomitee wird nun vom DGB KV unterstützt.
Quelle: Klassenkampf Nr.21,Freiburg 17.5.1972,S.5
24.04.1972:
Der BKA Freiburg gibt vermutlich in dieser Woche eine 1.Mai-Zeitung seines 'Klassenkampfes' (vgl. 20.4.1972, 8.5.1972) mit vier Seiten DIN A3 unter Verantwortung von Leo Horlacher heraus:"
HERAUS ZUM 1.MAI!
Arbeiter, Angestellte, Lehrlinge!
In wenigen Tagen ist der 1.Mai. Weil dieser Tag diesmal auf einen Montag fällt, haben wir ein langes Wochenende - drei Tage keinen Meister, keine Stempeluhr, keine Akkordhetze.
Wir freuen uns auf die paar Tage Atempause, so wie wir jedes Wochenende, jeden Feiertag, oder gar den Urlaub herbeiwünschen. Wir brauchen die Verschnaufpausen um mithalten zu können, um trotz der verschärften Arbeitshetze, trotz der Rationalisierungen nicht zum alten Eisen geworfen zu werden.
Die kurzen Verschnaufpausen ändern nichts an dem System der tagtäglichen Ausbeutung und Unterdrückung, sie machen uns aber fähig, das System überhaupt zu ertragen, so wie jede Maschine ihre Zeit braucht, wo sie stillsteht und frisch geschmiert wird.
'Das System ertragen' - ist das unsere Antwort auf die tägliche Schinderei im Betrieb, auf den ständig verschärften Druck der Meister und Abteilungsleiter, auf den Mietwucher für schlechte Wohnungen, auf das völlig unzureichende Gesundheitswesen, auf die Verschlechterung unserer Lebensbedingungen insgesamt?
'In den Feiertag entfliehen' - kann das unsere Antwort auf die immer schärferen Angriffe des Monopolkapitals und seiner SPD/FDP Regierung sein?
GEGEN DIE VERSCHÄRFTEN ANGRIFFE DER KAPITALISTENKLASSSE - DIE EINHEITLICHE KAMPFFRONT DER ARBEITERKLASSE
Seit den Septemberstreiks 1969, seit den großen Lehrlingsdemonstrationen haben wir Arbeiter, Angestellte und Lehrlinge in der BRD immer wieder gezeigt, daß wir den Kampf gegen die Kapitalisten aufgenommen haben, daß wir uns nicht mehr von den sozialdemokratischen Gewerkschaftsführern am Gängelband der 'gesamtwirtschaftlichen Interessen' führen lassen. In zahllosen Streiks und Demonstrationen haben wir gezeigt, daß wir uns erkämpfte Positionen und Rechte nicht wieder nehmen lassen - daß wir den verschärften Angriffen unseren entschlossenen Widerstand entgegensetzen.
Ein Höhepunkt war der letztjährige Metallarbeiterstreik in Nordbaden/Nordwürttemberg (MTR der IGM in NB/NW,d.Vf.). Zwar ist es den sozialdemokratischen Gewerkschaftsführern gelungen, von Anfang an den Streik auf dieses eine Tarifgebiet zu beschränken, und selbst dort mußten die Kollegen gegen die Gewerkschaftsführung durchsetzen, auf die Streikliste zu kommen. Zwar ist es den Gewerkschaftsführern gelungen, zum Wohle des 'Gemeinsamen Ganzen' die Lohnerhöhung auf Lohnleitlinienhöhe zu halten, was für die Metaller nach Steuerabzug und Berücksichtigung der Inflationsrate von über 6% Lohnabbau für 1972 bedeutet. In verstärktem Maß gilt dies für die Kollegen im Öffentlichen Dienst (ÖD,d.Vf.), in der Druck-, Textil. und chemischen Industrie (DruPa, GTB- bzw. CPK-Bereich,d.Vf.).
Aber in dem Metallarbeiterstreik ist die Solidarität in der Arbeiterklasse, die Kampfbereitschaft aller Kollegen mächtig gewachsen.
Die Metallarbeiter in Südbaden waren zwar ausgeschlossen vom Streik, ebenso wie die Kollegen in Hamburg, Hessen oder Nordrhein-Westfalen. Aber auch hier haben die Metaller gespürt, welche Kraft von dem Streik ausging, wie sehr er das Bewußtsein der Kollegen mit der Stärke der Arbeiterklasse erfüllte.
Wir Arbeiter haben nicht die Möglichkeit, dem System zu entfliehen. Entweder wir wehren uns, schließen uns zusammen, oder die Kapitalisten senken fortlaufend unseren Lohn, nehmen uns die letzten Verschnaufpausen, bauen unsere Rechte wie z.B. das Streikrecht ab. Entweder wir nehmen den Kampf gegen Kapitalismus und Imperialismus auf, oder wir sind die ständigen Opfer von Krisen, Kriegen und Faschismus. Das sind die Erfahrungen der Arbeiterbewegung, die Erfahrungen aller vom Imperialismus unterdrückten Klassen und Völker in der ganzen Welt.
Tag für Tag erarbeiten wir ungeheure Werte, wir produzieren mit unserer Kraft und unserem Wissen den gesamten gesellschaftlichen Reichtum. Doch dient dieser Reichtum dem Volk und seinen Bedürfnissen?
Dient dieser Reichtum der friedlichen Entwicklung unseres Volkes und aller Völker?
Genau das Gegenteil ist der Fall. Ständig schießen neue Fabriken aus dem Boden, doch wir müssen um unsere Arbeitsplätze fürchten. Wir sehen die Schaufenster von Waren überquellen, doch wir können uns von unserem Lohn immer weniger kaufen. Wir wollen den Frieden, wissen vom Friedensbedürfnis aller Völker und sehen, wie die Bundeswehr zur stärksten Militärmacht Westeuropas ausgebaut wird und mit westdeutschen Waffen und Geldern der Befreiungskampf unterdrückter Völker niedergehalten wird.
Der gesellschaftliche Reichtum wird nicht für unsere, sondern für die Interessen der herrschenden Kapitalistenklasse eingesetzt.
Die Herrschaft des Monopolkapitals wird durch den bürgerlichen Staat abgesichert, der nach der Niederlage des Faschismus seit 1945 in Westdeutschland wieder im Gewande der bürgerlichen Demokratie auftritt. Weil wir alle paar Jahre unter den zugelassenen Parteien wählen dürfen (die KPD ist seit 1956 (vgl. 17.8.1956,d.Vf.) verboten und jede Partei, die für die proletarische Revolution kämpft kann als Nachfolgeorganisation verboten werden), sollen wir glauben, dieser Staat sei unser Staat, diese Demokratie sei unsere Demokratie!
Doch allein die Maßnahmen der letzten Jahre unter CDU/SPD und SPD/FDP Regierungen zeigen, wessen Instrument dieser Staat ist:
- Die Notstandsgesetze (NSG - vgl. 30.5.1968,d.Vf.) wurden verabschiedet, um im Falle des 'inneren Notstandes' der Kapitalherrschaft auf legalem Weg Bundeswehr gegen kämpfende Arbeiter einsetzen zu können
- Geheimdienst, Polizei und Bundesgrenzschutz (BGS,d.Vf.) werden angesichts der Streiks auf Vordermann gebracht, um von vornherein die Entwicklung einer Arbeiterbewegung verhindern zu können
- Der Werkschutz wird unter zentraler Anleitung der Kapitalistenverbände zur Privatarmee der Unternehmer ausgebaut
- Das eben als 'Reformgesetz' verabschiedete Betriebsverfassungsgesetz (BVG - vgl. 19.1.1972,d.Vf.) bindet den Betriebsrat noch fester als bisher an den Kapitalisten; mit der Einigungsstelle im Betrieb sollen alle Konflikte zwangsgeschlichtet und alle Kämpfe der Belegschaft unterdrückt werden
- Mit dem 'Berufsverbotserlaß' (BV - vgl. 28.1.1972,d.Vf.) der Innenminister sollen vor allem die kommunistischen und demokratischen Lehrer aus den Schulen hinausgesäubert werden, damit in den Schulen die Meinungen der Herrschenden auch die herrschenden Meinungen bleiben
- Das solidarische Verhalten der ausländischen Arbeiter und Studenten mit Kampf ihrer deutschen Kollegen führt dazu, daß ihre Organisationen verboten
werden sollen
- Die Kommunisten werden bespitzelt, auf schwarze Listen gesetzt, ihre Organisationen überwacht und deren Verbot unter den Geischtspunkten der Opportunität diskutiert.
GEGEN DEN ABBAU DER DEMOKRATISCHEN RECHTE DES VOLKES! FÜR DAS BÜNDNIS DER ARBEITERKLASSE MIT ALLEN UNTERDRÜCKTEN SCHIHCTEN DES VOLKES IM KAMPF FÜR DEN SOZIALISMUS!
Die Maßnahmen des kapitalistischen Staates sind von der Furcht vor einer wiedererstarkenden Arbeiterbewegung diktiert. Obwohl die kommunistische Bewegung noch schwach ist, geistert das Gespenst des Kommunismus schon wieder durch die Amtsstuben, die Büros der Bosse, der bürgerlichen Politiker und Polizeipräsidenten. Schon hält es die DGB-Führung für nötig, klassenbewußte Kollegen aus der Gewerkschaft zu säubern (wie z.B. die Jugendvertreter bei Rhodia (CPK-Bereich - vgl. 17.3.1972,d.Vf.)) und macht bei den laufenden Betriebsratswahlen (BRW,d.Vf.) selbst mit Barzel gemeinsame Sache gegen den 'Linksradikalismus'.
Der kapitalistische Staatsapparat verteidigt die Herrschaft des Monopolkapitals, er ist dessen geschäftsführender Ausschuß. Es ist unmöglich, mit Hilfe der bürgerlichen Demokratie, mit Hilfe der bürgerlichen Parteien eine Politik im Interesse des Proletariats und der gesamten werktätigen Massen zu machen. Alle Illusionen und Hoffnungen, die wir in die bürgerliche Demokratie setzen, schwächen nur unsere eigene Kraft und halten uns davon ab, unsere eigenständige Klassenpolitik zu entwickeln und durchzusetzen. Alle Wahlpropaganda der Jusos und der DKP hatte letztlich keine andere Funktion, als unsere Hoffnungen auf die bürgerliche Demokratie zu lenken und uns davon abzuhalten, unseren eigenständigen Kampf gegen Monopolkapital und Staat aufzunehmen.
1.MAI - INTERNATIONALER KAMPFTAG DER ARBEITERKLASSE!
Am 1.Mai geht es darum zu zeigen, daß wir diesen Kampf aufgenommen haben. Es geht darum, unsere wachsende Kampfbereitschaft gegen Kapital und Staat, unsere internationale Solidarität mit dem Kampf der unterdürckten Völker zu demonstrieren.
In einer Situation, in der Sozialdemokratie und DKP mit allen Mitteln versuchen, die noch junge Arbeiterbewegung an den bürgerlichen Staat und seine Institutionen zu binden, ist es eine aktuelle Aufgabe, die Eigenständigkeit der proletarischen Politik gegenüber dem gesamten System des Kapitalismus und Imperialismus zu propagieren und durchzusetzen. Deshalb haben wir die Parole ausgegeben:
FÜR EINE SELBSTÄNDIGE KLASSENPOLITIK DES PROLETARIATS!
FÜR DEN WIEDERAUFBAU DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI!
MACHEN WIR DIE GEWERKSCHAFTEN ZU KAMPFORGANISATIONEN DER ARBEITERKLASSE!
In einer Situation, in der die Sozialdemokratie - unterstützt von der DKP - die Ostverträge als 'Instrumente der Friedensicherung' preist, geht es darum, verstärkt die revolutionäre Einheit der Arbeiterklasse und der unterdrückten Völker als einziger Friedensgarant zu propagieren. Nicht die Verträge, die dem westdeutschen Imperialismus die Tore nach Osten öffnen, sondern allein der unversöhnliche Kampf des Proletariats für die sozialistische Revolution, der unversöhnliche Befreiungskampf der unterdrückten Völker kann den Imperialismus zurückdrängen und ihn schließlich besiegen. Erst der weltweite Sieg der proletarischen Revolution kann endgültig den Frieden sichern.
PROLETARIER ALLER LÄNDER UND UNTERDRÜCKTE VÖLKER VEREINIGT EUCH!
Verträge, die mit dem Imperialismus geschlossen werden, dürfen seine Macht nicht ausweiten, sondern müssen seinen 'Spielraum' begrenzen. Diese Bedingungen erfüllen die Verträge von Moskau und Warschau (mit der SU bzw. Polen,d.Vf.) nicht im mindesten. Sie greifen erklärtermaßen einem noch abzuschließenden 'Friedensvertrag' nicht vor und beinhalten deshalb keine Anerkennung der Grenzen in Europa. Sie lassen erklärtermaßen u.a. den 1956 (vgl. 26.5.1952,d.Vf.) zwischen der BRD und den Westmächten abgeschlossenen Deutschlandvertrag unberührt, in dem die Annektionsabsichten der BRD gegenüber der DDR in einem 'wiedervereinigten Deutschland' innerhalb des 'freien Westens' verankert sind. Die Verträge beinhalten weiter keine Anerkennung der staatlichen Eigenständigkeit der DDR, während im Viermächteabkommen Westberlin faktisch der BRD zugeschlagen und als vorgeschobener Posten des BRD-Imperialismus nach Osten akzeptiert wird.
Die Verträge drängen den Imperialismus nicht zurück, sondern geben vielmehr seinem Expansionsbedürfnis Raum. Diese Tatsache gilt es der Friedensdemagogie der SPD-/DGB- und DKP-Führer auch am 1.Mai entgegenzuhalten!
Die DKP-Führer zeigten Euch bei den Vorbereitungen zum 1.Mai, daß es ihnen nicht auf die Entwicklung einer eigenständigen Klassenpolitik des Proletariats ankommt, sondern daß sie im Gegenteil zugunsten der Propagierung der Ostpolitik darauf verzichten, und sie sogar hintertreiben.
Auch letzten 1.Mai fielen die DKP-Führer dem damaligen gewerkschaftlichen Maikomitee in den Rücken und riefen in ihrem Flugblatt dazu auf, die offizielle DGB-Podiumsdiskussion im Kolpinghaus zu besuchen. Dieses Jahr versuchen DKP- und SDAJ-Führung wieder mit allen Mitteln, sich bei der Freiburger DGB-Führung anzubiedern und deren Segen für ein brav reformistisches Maikomitee zu erhalten. Zunächst versuchten die DKP- und SDAJ Führer, mit der Frage der Ostverträge das Maikomitee der Gewerkschaftsjugend von innen her zu 'erobern'. Es gelang den DKP'lern, in einer Reihe von Jugendgruppen Mehrheiten für die Parole 'Für die Ratifizierung der Ostverträge' zu bekommen. Doch das radikale Eingreifen der Freiburger DGB-Führung half, die Positionen zu klären. Es wurde klar, daß die DKP mit ihrer Politik auf derselben Seite steht wie die Gewerkschaftsführung, die dem gewerkschaftlichen Maikomitee untersagen wollte, gegen das arbeiterfeindliche Betriebsverfassungsgesetz, für die Solidarität mit dem Befreiungskampf der unterdrückten Völker, gegen Kapitalismus und Imperialismus zu demonstrieren. Es wurde vielen Kollegen klar, daß die DKP nichts anderes als ein Wasserträger der SPD- und Gewerkschaftsführung ist und die umjubelte neue Ostpolitik nichts anderes als ein Mittel imperialistischer Expansion ist. Die DKP ging mit ihrem Spaltungsversuch unter: die Jugendgruppen stellten sich mehrheitlich hinter das Maikomitee und entschieden gegen DGB- und DKP-Führung.
Die Freiburger DKP-Führer mußten dies geahnt haben. Seit Wochen haben sie klammheimlich zwei Demonstrationsroute gemeldet. Als klar war, daß die große Mehrheit der aktiven Gewerkschaftsjugend nicht umfallen würde, gingen die DKP- und SDAJ-Führer ans Gründen eines neuen 'Maikomitees'. Sie haben dieses Maikomitee auf eine Plattform gestellt, in welcher der Klassenkampf des Proletariats nicht mehr zu finden ist und haben diese Plattform damit angepriesen, daß sie in Karlsruhe die Zustimmung des dortigen DGB-Kreisvorstandes gefunden habe. Wir sind sicher, daß dieses 'Maikomitee' auch die Zustimmung des hiesigen Kreisvorsitzenden Jorzig finden wird.
Am 1.Mai geht es für alle klassenbewußten Arbeiter, Angestellten und Lehrlinge, für alle Schüler und Studenten, die das Bündnis mit der Arbeiterklasse herstellen wollen, darum, den DGB- und DKP Führern eine entschiedene Absage zu erteilen und unter den Parolen des gewerkschaftlichen Maikomitees die Position des Proletariats, seinen entschiedenen Kampf gegen Kapitalismus und Imperialismus zu demonstrieren!
Wir rufen alle Arbeiter, Angestellten und Lehrlinge, die gesamte werktätige und lernende Bevölkerung auf, unter der Roten Fahne der Arbeiterbewegung an der Demonstration und Kundgebung des gewerkschaftlichen Maikomitees teilzunehmen.
MACHEN WIR DEN 1.MAI ZU UNSEREM KAMPFTAG!"
Berichtet wird aus Indochina bzw. Vietnam (vgl. 31.3.1972) und aus der 'Arbeiter-Zeitung' (AZ - vgl. 27.3.1972) der KG (NRF) Mannheim/Heidelberg wird ein Artikel über Fabrikarbeit in China übernommen.
Nach eigenen Angaben werden von dieser Maizeitung ca. 1 200 Exemplare verkauft, eine Preisauszeichnung aber vermochten wir leider nicht zu finden.
Quelle: Klassenkampf 1.Mai-Zeitung und Nr.21,Freiburg o.J. (Apr. 1972) bzw. 17.5.1972,S.1ff bzw. S.6
28.04.1972:
Der BKA Freiburg und sein KJB führen heute um 19 Uhr im 'Schwanen' in der Stadtstraße eine Maiveranstaltung durch, auf der der Vietnam-Film 'Der 17. Breitengrad' gezeigt wird.
Der BKA (vgl. 17.5.1972) berichtet:"
1.MAI-VERANSTALTUNG DES BKA
Am Freitag abend, den 28.4., veranstalteten der BUND KOMMUNISTISCHER ARBEITER UND DER KOMMUNISTISCHE JUGENDBUND eine öffentliche Versammlung zum 1.Mai. Der 300 Personen fassende Saal einer Gaststätte war weit überfüllt, als zunächst ein Film über den heldenhaften Kampf des vietnamesischen Volkes gezeigt wurde. Die Versammelten begrüßten lebhaft diesen Film über das Leben und den Kampf eines vietnamesischen Dorfes, weil allen Kollegen und Genossen bewußt war, wie wichtig der siegreiche Verlauf des vietnamesischen Befreiungskampfes für den Verlauf des Klassenkampfes in der ganzen Welt ist.
Im Anschluß an den Film hielt ein Vertreter des BKA ein Referat, worin vor allem auf den Stand des Klassenkampfes in Westdeutschland eingegangen wurde.
In der anschließenden Diskussion legten zwei Vertreter der KPD/ML (Rote Fahne) (KPD/ML-ZB,d.Vf.) eine Solidaritätsresolution mit zwei vom Ausschluß aus der IG Chemie (CPK-UVB,d.Vf.) bedrohten Jugendvertretern bei der Rhodia vor. Die Versammlung erklärte einmütig ihre Solidarität mit den beiden Jugendlichen und verurteilte die Ausschlußanträge aufs Schärfste. Die Versammlung lehnte aber die vorgelegte Resolution ab, da sie einige schwerwiegende falsche Ansichten der KPD/ML enthielt und unterstützte die in allen Gewerkschaftsjugendgruppen angenommene Solidaritätsresolution (... (vgl. 18.3.1972,d.Vf.)).
Die Diskussion war weitgehend bestimmt durch die Wut vieler Kollegen auf die KPD/ML, die trotz der scharfen Auseinandersetzung hier in Freiburg um den 1.Mai dazu aufrief, zu einer 'zentralen' Demonstration nach Stuttgart zu fahren, an der dann trotz aller 'Zentralität' nur ca. 250 Personen (nach eigenen Angaben) teilnahmen.
Auf der BKA-Veranstaltung wurden insgesamt 350 DM gesammelt, die dem gewerkschaftlichen Maikomitee zur Finanzierung seiner Ausgaben überlassen wurden. Außerdem wurden viele KLASSENKAMPF 1.MAI-EXTRABLÄTTER (vgl. 24.4.1972,d.Vf.) verkauft, von denen insgesamt ca. 1 200 Ausgaben, vor allem in den Stadtteilen verkauft werden konnten. Dies waren nur einige der positiven Erfahrungen an diesem 1.Mai in Freiburg, der trotz vieler Schwierigkeiten zu einem Erfolg wurde. Zu den Schwierigkeiten gehörte die Suche nach einem Raum, da die meisten Wirte lieber auf ein Geschäft verzichten, als dem BKA einen Raum zu vermieten. Dazu gehörte die Tatsache, daß eine Druckerei in letzter Minute es ablehnte, für den BKA ein Plakat zu drucken. Das Argument des Druckerei-Eigentümers: 'ich habe noch nie einen Auftrag abgelehnt. Aber das kann ich nicht machen. Wissen Sie, ich muß dauernd mit meinen eigenen Leuten über Kommunismus reden. Da werde ich doch völlig unglaubwürdig, wenn ich einerseits gegen die Kommunisten bin, und andererseits ein Geschäft mit ihnen mach.' Zu den Schwierigkeiten gehörte auch das Verhalten der BADISCHEN ZEITUNG (BZ,d.Vf.), die sich beharrlich weigerte, irgendeine Pressemeldung von uns ebenso wie vom gewerkschaftlichen Maikomitee zu veröffentlichen - und sei es auch nur die Ankündigung der 1. Mai-Demonstration.
Gerade wegen dieser zahlreichen Schwierigkeiten und Hemmnisse war es für alle wichtig zu sehen, daß der 1.Mai 1972 zu einem großen politischen Erfolg wurde, daß die Demonstration und Kundgebung im Stühlinger und in Haslach viel Anklang bei den dort wohnenden Arbeiterfamilien fand."
Quelle: Klassenkampf 1.Maizeitung und Nr.21,Freiburg o.J. (Apr. 1972) bzw. 17.5.1972,S.1 bzw. S.6
01.05.1972:
In Freiburg riefen der BKA und das Maikomitee der Gewerkschaftsjugend für heute zu einer Demonstration um 10 Uhr vom Stühlinger Kirchplatz durch Stühlinger zum Haslacher Dorfbrunnen und zurück nach Stühlinger, wo um 11 Uhr 30 die Kundgebung stattfinden soll, auf.
Der BKA (vgl. 17.5.1972) berichtet:"
1.MAI KAMPFTAG DER ARBEITERKLASSE
1.MAI IN FREIBURG
Etwa 700 Freiburger Arbeiter, Lehrling und andere Werktätige, Schüler und Studenten nahmen an der 1.Mai Demonstration des gewerkschaftlichen Maikomitees teil. Und circa weitere 100 Freiburger erwarteten am Stühlinger Kirchplatz den Zug mit seinen zentralen Parolen:
GEGEN DIE ANGRIFFE DER KAPITALISTENKLASSE - DIE EINHEITLICHE KAMPFFRONT DER ARBEITERKLASSE
GEGEN DEN ABBAU DER DEMOKRATISCHEN RECHTE DES VOLKES
MACHEN WIR DIE GEWERKSCHAFTEN ZU KAMPFORGANISATIONEN DER ARBEITERKLASSE
FÜR DIE INTERNATIONALE SOLIDARITÄT DER ARBEITERKLASSE UND DER UNTERDRÜCKTEN VÖLKER
In der Freiburger Innenstadt fand eine zweite Demonstration mit ca. 300 Teilnehmern statt, in der nicht der unversöhnliche Klassenkampf der Arbeiterklasse, sondern Klassenversöhnung und imperialistische Außenpolitik propagiert wurden.
Diese zweite Demonstration wurde von einem 'Maikomitee' angeführt, das eine Woche vor dem 1.Mai als Produkt der Spaltungsversuche der DGB- und DKP-Führer entstanden war. Dieses 'Maikomitee' arbeitete mit den übelsten Mitteln der Verdrehung und Verleumdung: so ernannte man sich selbst zur 'Freiburger Gewerkschaftsjugend' und diffamierte die anderen als Gewerkschaftsgegner.
Selbstverständlich war diesem 'Maikomitee' dann auch die Unterstützung des DGB-Kreisvorsitzenden Jorzig gewiß, der den Beschluß des DGB-Kreisvorstandes, das Maikomitee der Gewerkschaftsjugend zu unterstützen, kurz vor dem 1.Mai eigenmächtig und ohne jede Begründung brach. Dieses Vorgehen muß von allen Gewerkschaftern schärfstens kritisiert werden!
Der Freiburger DGB-Kreisvorstand hatte es auch in diesem Jahr abgelehnt, die Freiburger Werktätigen zu einer Demonstration am 1.Mai aufzurufen. Deshalb hatte die Gewerkschaftsjugend frühzeitig einen Vorstoß unternommen und die Durchführung einer 1.Mai Demonstration unter eigener Regie durchgesetzt.
Doch sobald die DGB-Führung sah, daß diese Demonstration keine 'Spielwiese der Jugend', sondern eine proletarische Kundgebung gegen Kapitalismus und Imperialismus werden würde, verlangte sie die Vorlage jeder geplanten Veröffentlichung und die Auslassung so wesentlicher Parolen wie gegen das arbeiterfeindliche Betriebsverfassungsgesetz (BVG,d.Vf.), gegen die Friedens- und Schweigepflicht der Betriebsräte. Als die Jugendgruppen mehrheitlich diese Zensurmaßnahmen ablehnten, kündigte der DGB-Kreisvorsitzende eigenmächtig jede Unterstützung auf und organisierte zusammen mit den 'guten Gewerkschaftern' einfach ein 'neues' Maikomitee. Dieses 'Maikomitee' organisierte dann die sozialdemokratische Propaganda auf der Straße, Parole 'Barzel ist ein Hampelmann - die Konzerne ziehen dran', während sich die sozialdemokratischen Honoratioren beim festlichen Empfang des DGB im städtischen Kaufhaussaal trafen.
Die Frage der 'Ostpolitik', die Frage des 'kleineren Übels' war nicht nur in Freiburg. sondern in der ganzen Bundesrepublik der zentrale Gegenstand der Auseinandersetzungen. Auch in der Freiburger Gewerkschaftsjugend gingen den ganzen April über die Auseinandersetzungen um die Frage der Ostpolitik, um die Frage, ob diese Verträge wirklich dem Frieden zwischen den Völkern dienen. Die SDAJ-Führer kamen dabei immer mehr ins Gedränge, vor allem bei der Frage, warum denn die Bundesrepublik keinen Friedensvertrag mit allen am Zweiten Weltkrieg beteiligten Staaten abschließen und alle Grenzen in Europa verbindlich anerkennen würde, wenn sie doch so friedliebend sei. Immer mehr Kollegen kamen zu der Auffassung, daß die Verträge für den BRD-Imperialismus allein den Zweck verfolgen, die Tür zu den Märkten Osteuropas aufzustoßen. Deshalb wurde auch vom gewerkschaftlichen Maikomitee beschlossen, bei der Demonstration die Transparente mitzutragen:
KAMPF DEM BRD-IMPERIALISMUS
GEGEN DIE ILLUSIONSMACHEREI MIT DEN OSTVERTRÄGEN
SOLANGE DAS KAPITAL REGIERT, KANN ES KEINEN FRIEDEN GEBEN
Überall in der BRD und Westberlin versuchten die DGB- und SPD-Führer, den 1.Mai zu einem Kampftag für die SPD-Politik zu machen. Überall zeigte sich, wie die DKP- und SDAJ-Führer immer mehr die Aufgabe zu übernehmen versuchen. die Arbeiter von der Verfolgung ihrer eigenständigen Klassenpolitik und Klasseninteressen abzuhalten und zum Fußvolk der SPD-Politik zu machen.
Aber das Entscheidende an diesem 1.Mai war, daß trotz allem Gehetze, aller Verfolgung und aller Spaltungsversuche immer mehr Kollegen den Kampf gegen Kapitalismus und Imperialismus aufgenommen haben und sich dabei von niemandem abhalten lassen."
Aus den Reden der Kundgebung und den Referaten der Veranstaltung (vgl. 28.4.1972) wird später eine Maibroschüre.
Laut KB demonstrieren 700 mit dem gewerkschaftlichen Maikomitee, welches von IGM-JG, DP-JG, ÖTV-JG, HBV-JG und CPK-Arbeitskreis gebildet und vom BKA Freiburg gesteuert worden sei, durch Haslach und Stühlinger. Die Demonstration in der Innenstadt von Jusos der SPD und DKP, die aus dem Maikomitee wieder ausgestiegen seien, habe 500 Teilnehmer gehabt und die Ratifizierung der Ostverträge in den Mittelpunkt gestellt.
Laut KB Bremen demonstrieren ca. "700 Kollegen und Genossen unter den Parolen des Freiburger Gewerkschaftlichen Maikomitees. ... Die Demonstration des Gewerkschaftlichen Maikomitees wurde unterstützt vom Bund Kommunistischer Arbeiter (BKA) und Kommunistischen Jugendbund (KJB) sowie dem Aktionsrat der Uni-Basisgruppen, dem Initiativausschuß Freiburger Schüler (IFS,d.Vf.) und dem Sozialistischen Bund" (SB). Er weiß auch noch, daß es sich bei der IGM-Jugend sowohl um die Freiburger als auch um die Emmendinger handelte.
Laut KPD/ML-ZB findet in Freiburg eine Maiveranstaltung der DKP statt, an der ca. 60 Menschen teilnehmen:"
Sie feierten hier ihren Erfolg bei der Spaltung des hauptsächlich vom BKA (Bund Kommunistischer Arbeiter, ein örtlicher Zirkel) geführten 'Gewerkschaftlichen Maikomitee', bei dessen Mehrheit sie mit ihren Ratifizierungs- und Mitbestimmungsparolen nicht durchgekommen waren." Während der Veranstaltung behauptet ein DKP-Führer u.a., daß "KPD/ML, KJVD, aber auch der BKA gewerkschaftsfeindlich seien und die Arbeit dieser Organisationen in den Gewerkschaften illegal und kriminell sei". Dies ist besonders aktuell angesichts der IG Chemie (CPK) Ausschlußverfahren (UVB) bei Rhodia. Während und nach der Veranstaltung kommt es zwischen anwesenden KPD/ML-ZB, KJVD und BKA-Mitgliedern einerseits und DKP-Mitgliedern andererseits zu Rangeleien, wobei sich KPD/ML-ZB und BKA gegen die DKP verbünden.
Quellen: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.34,Bochum 10.5.1972;
Arbeiterkampf Nr.19,Hamburg Juni 1972,S.9 und 12;
Wahrheit Nr.4,Bremen Mai 1972,S.6;
Klassenkampf 1.Maizeitung und Nr.21,Freiburg o.J. (Apr. 1972) bzw. 17.5.1972,S.1 bzw. S.5f
19.07.1972:
Der BKA Freiburg gibt die Nr.23 seines 'Klassenkampfes' (vgl. 21.6.1972, 13.9.1972) heraus, die u.a. berichtet, vom diesjährigen 1.Mai habe man eine Broschüre gemacht.
Quelle: Klassenkampf Nr.23,Freiburg 19.7.1972
21.02.1973:
In der Nr.30 seines 'Klassenkampfes' (vgl. 24.1.1973, 21.3.1973) berichtet der BKA Freiburg u.a. vom kommenden 1.Mai.
Quelle: Klassenkampf Nr.30,Freiburg 21.2.1973
21.03.1973:
Der BKA Freiburg gibt die Nr.31 seines 'Klassenkampfes' (vgl. 21.2.1973, Apr. 1973) heraus. Berichtet wird u.a. von einem Vorbereitungskomitee für den 1.Mai, welches sich jeden Samstag im Pfauen in Haslach trifft.
Quelle: Klassenkampf Nr.31,Freiburg 21.3.1973
April 1973:
Vermutlich im April gibt der BKA Freiburg mit der Nr.32 die Ausgabe seines 'Klassenkampfes' zum 1.Mai (vgl. 21.3.1973, 24.5.1973) heraus, die auf die Geschichte des 1.Mai in Freiburg (vgl. 1.5.1969, 1.5.1971) eingeht, zur DGB- und zur eigenen Kundgebung aufruft sowie zur eigenen Maiveranstaltung (vgl. 27.4.1973) mobilisiert. Berichtet wird auch über die Forderung der Freiburger Gewerkschaftsjugend nach einer Rede von Eddi Riethmüller auf der DGB-Kundgebung. Verbreitet wird der Maiaufruf der Kommunique-Organisationen.
Quelle: Klassenkampf Nr.32,Freiburg o.J. (1973)
09.04.1973:
Vermutlich in dieser Woche gibt der IFS Freiburg die Nr.5 des 'Schulkampf' (vgl. März 1973, 23.5.1973) heraus. Aus der 'Kommunistischen Jugendzeitung' des KJB Freiburg wird ein Artikel zum 1.Mai übernommen und um einen Beitrag für Schüler ergänzt, aufgerufen wird zu den Veranstaltungen von BKA (vgl. 27.4.1973) und KJB (vgl. 13.4.1973).
Quelle: Schulkampf Nr.5,Freiburg Apr. 1973





13.04.1973:
In Freiburg will der KJB heute seine Maiveranstaltung in der Alten Uni durchführen. Aufgerufen wird auch durch den Initiativausschuß Freiburger Schüler (IFS – vgl. 9.4.1973).
Quelle: Schulkampf Nr.5,Freiburg Apr. 1973,S.23
27.04.1973:
Heute will der BKA Freiburg seine Maiveranstaltung "Zur Lage der Arbeiterklasse und den Aufgaben der kommunistischen Bewegung" in den Mooswaldbierstuben abhalten.
Aufgerufen wird auch durch den Initiativausschuß Freiburger Schüler (IFS – vgl. 9.4.1973).
Quellen: Klassenkampf Nr.32,Freiburg 1973;
Schulkampf Nr.5,Freiburg Apr. 1973,S.23
29.04.1973:
Der AStA der Uni Freiburg gibt, laut AStA PH Dortmund (vgl. 17.10.1973), sein 'Info' Nr.34 (vgl. 21.3.1973, 22.5.1973) heraus.
Der darin enthaltene Artikel "1.Mai - Kampftag der Arbeiterklasse" wird gerichtlich (vgl. Juli 1973) als Anmaßung eines allgemeinpolitischen Mandates angesehen.
Quelle: DOS Nr.22,Dortmund 17.10.1973,S.12
01.05.1973:
In Freiburg besuchen, laut KAJB (NRF), 2 000 die DGB Demonstration und danach hören sich ebenfalls 2 000 die Kundgebung des BKA an. Laut der KG Hamburg folgen in Freiburg "ca. 2 200 Menschen dem Aufruf des DGB und des Bundes Kommunistischer Arbeiter (BKA). ... Anschließend machte der BKA noch eine eigene Kundgebung, an der der größte Teil der Demonstranten" teilnahm. Die Rede hält Johannes Doppstadt.
Laut dem Initiativausschuß Freiburger Schüler (IFS – vgl. 23.5.1973) demonstrieren über 2 000 und etwa 1 500 verfolgen die Kundgebung des BKA.
Quellen: Hamburger Arbeiter-Zeitung 1.Mai Extra,Hamburg 1973,S.2;
Kommunistische Jugendzeitung Nr.5,Mannheim Apr./Mai 1973;
Klassenkampf Nr.32,Freiburg 1973;
Schulkampf Nr.6,Freiburg Mai 1973,S.8ff



11.07.1973:
Die KBW OG Freiburg berichtet über den Verkauf von 0 Exemplaren der ab heute erscheinenden 'KVZ' Nr.1 in der Freiburger Innenstadt:"
Hier konnte nicht mehr verkauft werden, weil keine Exemplare mehr da waren. Nach dem Verkauf der 1.Mai-Zeitung zu schließen, können in der Innenstadt 150 - 200 KVZ verkauft werden."
Quelle: KBW-OG Freiburg-OL:Bericht über den Verkauf der KVZ Nr.1 in Freiburg,Freiburg o.J. (1973)
29.04.1974:
In Freiburg will die KPD/ML eine Maiveranstaltung durchführen.
Quelle: Roter Morgen Nr.17,Dortmund 27.4.1974
01.05.1974:
In Freiburg nehmen, laut KBW (vgl. 15.5.1974), an einer von seiner Ortsgruppe organisierten Demonstration ca. 1 300 Menschen teil.
Am Abend des 1.Mai führte die Ortsgruppe eine Festveranstaltung, in dem mit über 1 000 Menschen völlig überfüllten Zelt durch. Es spielte das Freiburger Arbeiter- und Lehrlingstheater.
Quelle: Kommunistische Volkszeitung Nr.10,Mannheim 15.5.1974,S.11ff
01.05.1975:
In Freiburg führt der KBW eine Demonstration und/oder eine Kundgebung durch, die vom KBW selbst zu den größten Aktionen dieser Art in diesem Jahr, mit Teilnehmerzahlen zwischen 500 und 2 000 gerechnet wird.
Quelle: Kommunistische Volkszeitung Nr.18,Mannheim 7.5.1975
01.05.1976:
In Freiburg beteiligen sich, nach eigenen Angaben, 1 000 an Demonstration bzw. Kundgebung des KBW. Laut KB nehmen ca. 100 Menschen an der DGB-Saalkundgebung teil. "Der KBW organisierte eine Demo, an die sich der Block einer Mai-Aktionseinheit, hauptsächlich aus SB (SBO,d.Vf.), GIM und UNI-Gruppen bestehend, anhängte. Anfänglich hatte die Demo 600, gegen Ende 800 Teilnehmer, wovon etwa 450 Leute im KBW-Block marschierten."
Quellen: Arbeiterkampf Nr.80,Hamburg 14.5.1976,Beilage;
Kommunistische Volkszeitung Nr.18,Mannheim 6.5.1976,S.2
28.04.1977:
Heute will die KPD/ML in Freiburg eine Maiveranstaltung durchführen.
Quelle: Roter Morgen Nr.16,Dortmund 22.4.1977
01.05.1977:
In Freiburg rief, laut KB, der KBW zur Maidemonstration auf:"
Es kamen insgesamt etwa 650 Leute, davon demonstrierten 500 im Block des KBW, 70 im Block der Mai-AE (KB, GIM, MIR (***?MRI?), Ost-Timor-Komitee). Diesem Block folgten kleinere Blöcke der AKW-Gegner (30), ÖTV-Opposition (30) und JZ (20). ... Der eigenen Abschlußkundgebung der AE folgten 150 Leute. Sowohl hier, als auch beim KBW, konnte je ein Vertreter der AKW-Gegner sprechen. Die Freiburger Spontis (FAUST) hatten alle Aktivitäten zum 1. Mai abgesetzt. Die GIM hat - obwohl wieder vom KBW verprügelt - nachträglich wohl bedauert, an der AE und speziell der eigenen Kundgebung teilgenommen zu haben."
Am 18.4.1977 berichtet der KB, es habe sich "eine 1. Mai-Aktionseinheit gebildet, in der bis jetzt MIR (****MRI?), KB, GIM, SB und Ost-Timor-Komitee vertreten sind. Beobachter haben außerdem die Anti-AKW-Initiative, die autonome Frauengruppe, FAUST (Spontis), die Schülerzeitung 'Kollektiv', die SV Wenzinger Gymnasium, 'Stadtzeitung' und die 'Rote Note' geschickt. Man plant noch eine Verbreiterung der AE, und am 1. Mai eine Demonstration und Kundgebung sowie ein Mai-Fest zu organisieren. Gegen das Votum der Freiburger KB-Gruppe beharrten die Spontis und andere anfangs darauf, auch KBW und KPD einzuladen, was auch geschah. Erwartungsgemäß kam es jedoch an der Frage von Parolen gegen den 'Sozialimperialismus' zum Konflikt. Da der KBW - wie auch die KPD - forderten, diese Parolen müßten in der Minimalplattform enthalten sein, mochte selbst die GIM nicht mehr für eine Zusammenarbeit mit diesen Leuten plädieren, und sie mußten den Saal verlassen."
In Freiburg besuchen, nach eigenen internen Angaben, 106 Personen die Veranstaltung von KABD und RJVD.
Quellen: Lernen und kämpfen Nr.6,o.O. Juni 1977;
Arbeiterkampf Nr.103 und 104,Hamburg 18.4.1977 bzw. 16.5.1977,o.S. bzw. S.10
01.05.1978:
In Freiburg beteiligen sich, laut KB, ca. 800 Menschen an einer DGB-Demonstration. "Die Linke war mit 300 Personen mäßig vertreten, darunter 100 KBWler." Zu einem vom KB initiierten Mai-Fest erscheinen dann aber ca. 1 100 Leute. Zu einem KBW-Fest kommen ca. 100 Leute.
Quelle: Arbeiterkampf Nr.129,Hamburg 16.5.1978,S.14
01.05.1980:
Laut KB beteiligen sich an einer 1.Mai-Demonstration des DGB in Freiburg ca. 1 500 Menschen. "Am Abend organisierte die KB-Gruppe eine Ton-Dia-Schau zu Strauß, die allerdings nur mäßig besucht war."
Quelle: Arbeiterkampf Nr.176,Hamburg 5.5.1980,S.6
[ Zum Seitenanfang ] [ Zur Hauptübersicht der Datenbank MAO ]