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Freiburg

Die antifaschistischen Aktionen im Januar 1971

Von Dietmar Kesten, Gelsenkirchen, Januar 2005


Mit dem „Rundschreiben des Zentralbüros der KPD/ML an alle Leitungen, Gruppen und Zellen“ vom 6.1.1971 (1), das unter dem Titel „Das Anwachsen der Reaktion und unser Kampf gegen die Sozialdemokratie. Zur antifaschistischen Demonstration“ erschien, sollte die SPD als „soziale Hauptstütze der Bourgeoisie“ und ihre „Steigbügelhalterrolle“ entlarvt werden. Gleichzeitig betonte das ZB, dass man „gegenüber der Reaktion wachsam sein solle“. Die Demonstration, die von Bonn nach Dortmund verschoben wurde, sollte ausschließlich „propagandistische Aufgaben“ haben, sollte die „gemeinsamen Bestrebungen von Sozialdemokratie und Reaktion anprangern“, die „die Arbeiterklasse knebeln“ (2). Das diagnostizierte Anwachsen der Reaktion führte in den verschiedenen Regionen Deutschland dazu, dass Marxisten-Leninisten sich gegen diese zusammenschlossen und gemeinsam Demonstrationen und Aktionen organisierten. In den verschiedenen Ortsgruppen des Zentralbüros der KPD/ML kam es zu Aktionseinheiten, zu gemeinsamen Demonstrationen und anderen Aktionen. Schon vor der eigentlichen Demonstration des Zentralbüros am 17.1.1971 in Dortmund kam es in der Freiburger Ortsgruppe des Zentralbüros zu Zusammenschlüssen gegen die Aktion Widerstand.

Am 15.1. veranstaltete die Aktion Widerstand laut KPD/ML-ZB „einen Fackelzug in Freiburg zum 100. Jahrestag der Reichsgründung.“ Dagegen kam es zu einer u. a. auch von der ZB-Ortsgruppe organisierten Demonstration, bei der „die Faschisten antifaschistische Demonstranten, darunter auch den Freiburger DGB-Chef Jorzig“, verprügelten. (Vgl.: Kommunistischer Nachrichtendienst, Nr. 6, Bochum, 23.1.1971, S. 5)

An der bundesweiten Demonstration, die unter dem Motto „Sozialdemokraten und Kommunisten - Eine Front gegen die Faschisten“ am 17.1. in Dortmund stattfand, nahmen laut KPD/ML-ZB ca. „1000 Personen aus der ganzen BRD teil“. Zur Mobilisierung hatte das ZB ein eigenes RF-Extra herausgegeben. In Hessen, NRW und Baden-Württemberg wurden dazu zusätzlich 30.000 Flugblätter, vor allem vor Betrieben verteilt, u. a. auch vor Freiburger, wie berichtet wurde. (Vgl.: Kommunistischer Nachrichtendienst, Nr. 6, Bochum, 23.1.1971, S. 5)

Am 18.1.1971 fand in Freiburg eine Demonstration zum 100. Jahrestag der Reichsgründung statt, an der sich die „Ortsgruppe der KPD/ML-ZK und ihr KSB/ML nicht beteiligen“. Die KPD/ML-ZB berichtete dazu:
„Aufgerufen dazu hatten die KPD/ML und der KJVD, der Bund Kommunistischer Arbeiter, die DKP, das Aktionskomitee zur Unterstützung der palästinensischen Revolution und der Spartakus (MSB Spartakus, d. Vf.).

Die bürgerliche Presse hat übrigens die Beteiligung der KPD/ML verschwiegen, genauso wie sie mit keinem Wort von der antifaschistischen Demonstration in Dortmund berichtet hatte. Die KPD/ML hatte ein eigenes Flugblatt vor den Betrieben und während der Demonstration verteilt, in dem sie über die Taten der Faschisten berichtete und den Zusammenhang zwischen der Krise und dem Erstarken der Faschisten zeigte und den Verrat der SPD - und DGB-Führer: Die SPD- und Gewerkschaftsbonzen hatten sich geweigert, an der Demonstration teilzunehmen (obwohl der DGB-Chef selbst von den Faschisten verprügelt worden war).

Die Erklärungen der beteiligten Gruppen auf der Schlusskundgebung standen unter dem Motto: Kampf gegen den Faschismus bedeutet Kampf gegen den Kapitalismus; um diesen Kampf zu führen, ist die Einheit der Arbeiterklasse notwendig.

Die Genossen der KPD/ML zeigten in ihrer Erklärung, was dieser Kampf heute bedeutet und wohin die Hauptstossrichtung zu gehen hat: Gegen die Herrschaft des Monopolkapitals und ihre terroristische Form im Faschismus, Gegen die Wegbereiter des Faschismus und die Spalter der Arbeiterklasse, SPD- und Gewerkschaftsbonzen - Die geschlossene Front der Arbeiterklasse.“ (Vgl.: Kommunistischer Nachrichtendienst, Nr. 6, Bochum, 23.1.1971, S. 5f.)

Der Bund Kommunistischer Arbeiter vertrat abweichend dazu die Auffassung:
„Am Montag, den 18. Januar 1971 organisierte der Bund Kommunistischer Arbeiter zusammen mit anderen Gruppen eine Demonstration mit anschließender Kundgebung gegen das verstärkte Auftreten faschistischer Gruppen in der Bundesrepublik.

Wir stellten die Demonstration unter das Motto:

'DER FASCHISMUS IST DER TODFEIND DER ARBEITERKLASSE!'

Vor Arbeitsbeginn hatte der BKA in einem Flugblatt alle Freiburger Arbeiter aufgefordert, sich an der antifaschistischen Demonstration zu beteiligen.

Wir erklärten:
„Die Nationaldemokraten, Aktion Widerstand und gleichartige Organisationen sollen wissen, dass wir hinter ihrer demokratischen Fassade die Tradition der brutalsten Herrschaft des Monopolkapitals über die Arbeiterklasse erkennen: den Faschismus!'

Wir dürfen uns die „Machtübernahme“ nicht als ein Ereignis vorstellen, das sich von einem Tag auf den anderen vollzieht. Im Gegenteil: die Erfahrungen lehren uns, dass vor Errichtung der faschistischen Diktatur die bürgerlichen Regierungen eine Reihe von reaktionären Maßnahmen durchführen, die den Machtantritt des Faschismus fördern und vorbereiten. Wer in diesen Vorbereitungsetappen nicht gegen die reaktionären Maßnahmen der bürgerlichen Regierungen und den anwachsenden Faschismus kämpft, der ist nicht im Stande, den Sieg des Faschismus zu verhindern.

SOLANGE DAS KAPITAL REGIERT, KANN ES KEINEN DAUERHAFTEN FRIEDEN GEBEN .

Auf der Abschlusskundgebung erklärten wir zur Ostpolitik der SPD/FDP-Regierung:

Tatsächlich ist in dem in Moskau unterzeichneten Gewaltverzichtsvertrag von einer völkerrechtlichen Anerkennung der DDR keine Rede und im Vertrag mit Polen wird die Oder-Neiße-Grenze nur für die Dauer des Bestehens der Bundesrepublik anerkannt. Was heute von den mit dem Monopolkapital eng verbundenen Regierungskreisen der SPD/FDP 'Aussöhnungspolitik mit den Völkern des Ostens' genannt wird, glättet nur den Weg des deutschen Kapitals, damit es sich auch in diesen Ländern festsetzen kann und Absatzmärkte gewinnen kann.

Und an die Adresse der DKP gerichtet: 'Die Geschichte hat gezeigt, dass Verträge, hinter denen das Kapital steht, nur solange etwas wert sind, wie sie dem Kapital Profit bringen. Wir wissen, wie gefährlich Gewaltverzichtsillusionen für die internationale Arbeiterklasse gewesen sind und immer sein werden, weil dabei unterschlagen wird,
- dass hinter diesen Verträgen das Profitinteresse des westdeutschen Kapitals steht,
- dass das Kapital jedes Gewaltverzichtsabkommen bricht, wenn es sich nicht mehr mit friedlichen Mitteln ausdehnen kann.

WER VOM KAPITALISMUS NICHT REDEN WILL, SOLL VOM FASCHISMUS SCHWEIGEN!

An die Adresse der Sozialdemokratie gerichtet sagten wir: Viele Sozialdemokraten geben sich als aufrechte Antifaschisten. Aber wer den Faschismus nicht als Produkt der ökonomischen und politischen Krise des Kapitalismus begreift, als furchtbarste Form der Herrschaft der Kapitalistenklasse ... lenkt vom eigentlichen Gegner ab, stiftet Verwirrung, verhindert die Einheit der Arbeiterklasse, liefert sie ihrem Gegner aus ... Ein Mitglied des Aktionskomitees zur Unterstützung der palästinensischen Revolution erklärte: Wenn wir heute hier demonstrieren und den Kampf gegen den Faschismus aufnehmen, so wissen wir, dass sich dieser Kampf nicht ablösen lässt von den Kämpfen der unterdrückten Völker in aller Welt gegen ein von Waffen strotzendes und immer aggressiveres Weltsystem des Imperialismus.

Wenn Leute auftreten, die behaupten, der Kampf gegen das Kapital könne auf friedliche Weise geführt werden und das imperialistische Weltsystem werde von selbst zusammenbrechen, so versuchen sie die tatsächlichen Erfahrungen der deutschen Arbeiterklasse und der Arbeiterklasse aller Länder zu vertuschen und arbeiten damit den Ausbeutern in die Hände. Sie vertuschen, dass schon heute, auf tausenderlei Art, Gewalt gegen die unterdrückten Klassen und Völker, auch in Deutschland, angewandt wird.

Ob wir den Faschismus verhindern, oder nicht, hängt ab von der Wachsamkeit und den rechtzeitigen Aktionen des revolutionären Proletariats. Man darf sich nicht vom Faschismus überrumpeln lassen; man darf ihm nicht die Initiative überlassen; man muss ihm entscheidende Schläge versetzen, gerade dann, wenn er noch nicht vermocht hat, seine Kräfte zu sammeln. Man darf es nicht zulassen, dass er seine Stellungen stärkt; man muss ihm auf Schritt und Tritt entgegentreten, wo er sich zeigt; man darf es nicht zulassen, dass er sich neue Stellungen erobert!

BEKÄMPFT DEN KAPITALISMUS

BEKÄMPFT DEN FASCHISMUS!“

(Vgl.: Gewerkschaftliches Maikomitee Freiburg 1971: Stellungnahme auf der Universität am Vorabend des 1. Mai 1971, Freiburg, o. J. (1971), S. 3; Klassenkampf, Nr. 6, Freiburg, Januar 1971, S.2f.)

Von der KPD/ML-ZK erschien dazu später im „Roten Morgen“ eine „Erklärung der Ortsgruppe Freiburg“. In ihr hieß es:
„Das Schweigen der OG zu den antifaschistischen Aktionen der letzten Tage in Freiburg ist auf berechtigte Kritik und Unverständnis gestoßen. Deshalb gibt die OG hiermit eine Erklärung ab, die ihre prinzipielle Stellungnahme zum antifaschistischen Kampf und zu den Aktionen der letzten Tage darlegt... Der Faschismus ist eine Form der Diktatur der Bourgeoisie. Die Bourgeoisie greift zum Faschismus, wenn die revolutionäre Arbeiterbewegung ihre Herrschaft bedroht und die parlamentarische Demokratie als Instrument zur Aufrechterhaltung ihrer Herrschaft untauglich macht... Die soziale Basis dieser faschistischen Kräfte besteht aus den Überresten der Feudalklasse, den reaktionärsten Teilen des Kleinbürgertums und der Intelligenz sowie Teilen des Lumpenproletariats. Sie sind zwar Verbündete der Monopolbourgeoisie, aber nicht der Hauptfeind der Arbeiterklasse. Erst wenn die Monopolbourgeoisie sich hauptsächlich auf sie stützt, um mit ihrer Hilfe ihre faschistische Diktatur zu errichten, werden sie zu einer bestimmenden und gesellschaftlichen Kraft.. Die Gefahr des Faschismus besteht dann, wenn die Monopolbourgeoisie in einer tiefgehenden Herrschaftskrise steckt und die rev. Arbeiterbewegung zur treibenden Kraft in der Gesellschaft wird ... Dies sind die Kennzeichen einer revolutionären Situation; und in einer solchen Situation kann das Ziel der Arbeiterklasse nur der Sturz der Bourgeoisie, nicht aber die Rettung der bürgerlichen Demokratie sein ... Fassen wir zusammen:

Das Proletariat und seine m. l.-Partei müssen alle Vorbereitungen treffen, um die Niederschlagung der Faschisten sofort in die proletarische Revolution überzuleiten. Eine revolutionäre Arbeiterbewegung gibt es in Westdeutschland erst in Ansätzen. Eine antifaschistische Einheitsfront steht deshalb zur Zeit gar nicht auf der Tagesordnung. Vielmehr ist es die derzeitige Hauptaufgabe aller Revolutionäre und besonders der Marxisten-Leninisten, zunächst die Vorhut des Proletariats für den Kommunismus zu gewinnen. Ohne diese Vorhut, die m. l.-Partei ist es unmöglich, die breiten Volksmassen zu vereinen und zum Sieg über die Monopolbourgeoisie und ihre faschistischen Helfer zu führen ... Angesichts der schwachen Verankerung des Marxismus-Leninismus in der Arbeiterklasse kann diese Einheit nur eine Einheit ohne Massen, eine Einheit über den Köpfen der Massen, eine Einheit unter der Führung der Revisionisten und Reformisten sein. Solche Losungen zeigen nicht nur eine Fehleinschätzung der faschistischen Gefahr, sondern auch der Stärke der m. l.-Bewegung. Sie bedeuten nichts anderes als eine Ablenkung von den derzeitigen Aufgaben der Revolution in Westdeutschland ... Für die Marxisten-Leninisten ist deshalb der Kampf gegen den Hauptfeind des Proletariats, die imperialistische Monopolbourgeoisie, nicht zu trennen vom Kampf gegen den modernen Revisionismus in seinen verschiedenen Formen. Einen davon losgelösten Kampf gegen die Faschisten unter revisionistischen Losungen bzw. unter Verzicht auf antirevisionistische Parolen kann es für die KPD/ML nicht geben.

Am vergangenen Mittwoch fand in der OG eine Diskussion über die angekündigte Demonstration zum 100. Jahrestag der Reichsgründung statt. Die OG nahm dazu folgenden Standpunkt ein: eine Gegenaktion sei falsch, weil sie die Faschisten unnötig aufwerten und ihnen unnötig Publizität verschaffen würde; und vor allem, weil sie unter den derzeitigen Voraussetzungen vom Hauptfeind ablenken würde ... Die Begründung für die ablehnende Haltung der OG wurde jedoch nicht sofort in die gesamte Organisation getragen und mit den Genossen grundlegend diskutiert. Darin liegt der Grund dafür, dass der Standpunkt der OG vom Vertreter des KSB/ML auf der Vorbesprechung verschiedener Organisationen für eine mögliche Gegenaktion nicht konsequent vertreten wurde. Nach der Gegendemonstration am Freitag sah die OG zwar, dass sich eine falsche, revisionistische Linie in Bezug auf den Kampf gegen die Faschisten durchgesetzt hatte. Aber sie zog nicht die richtigen Konsequenzen, nämlich ihren Standpunkt öffentlich, d. h. in und gegenüber den beteiligten Organisationen zu vertreten und in den eigenen Reihen grundlegend zu klären ... Die OG wird aus diesen Fehlern lernen und den Kampf um die Durchsetzung der richtigen Linie in allen wichtigen politischen Fragen verstärkt führen.“ (Vgl.: Roter Morgen, Nr. 2, Hamburg, Februar 1971, S. 7)

Zu der Position, dass die realen und politischen Kämpfe der Massen eine Ablenkung von der derzeitigen Aufgabe der Revolutionäre sei, meinte das Gewerkschaftliche Maikomitee Freiburg 1971: „Dies kann doch nur derjenige sagen, dessen sektiererische Position es ihm unmöglich macht, an diesen realen Kämpfen teilzunehmen.“ (Vgl.: Gewerkschaftliches Maikomitee Freiburg 1971: Stellungnahme auf der Universität am Vorabend des 1. Mai 1971, Freiburg, o. J. (1971), S. 3; Klassenkampf, Nr. 6, Freiburg, Januar 1971, S. 2f.)

Beteiligt hatten sich an antifaschistischen Aktionen in Freiburg die KPD/ML und der KJVD, der Bund Kommunistischer Arbeiter, die DKP, das Aktionskomitee zur Unterstützung der palästinensischen Revolution und der Spartakus (MSB Spartakus, d. Vf.). Die KPD/ML-ZK hatte sich nicht beteiligt. Zu den Positionen, die vertreten wurden, gab es unterschiedliche Auffassungen. Die Ortsgruppe der KPD/ML-ZB betonte, dass der „Zusammenhang zwischen der Krise und dem Erstarken der Faschisten“ aufgezeigt werden müsse. Gleichzeitig müsse der „Verrat der SPD - und DGB-Führer“ entlarvt werden. Der Bund Kommunistischer Arbeiter stellt die Aktionen unter das Motto: „Der Faschismus ist der Todfeind der Arbeiterklasse.“ Das Aktionskomitee zur Unterstützung der palästinensischen Revolution meinte, dass sich der Kampf gegen den Faschismus „nicht von den Kämpfen der unterdrückten Völker in aller Welt gegen ein von Waffen strotzendes und immer aggressiveres Weltsystem des Imperialismus“ ablösen lasse. Der „Rote Morgen“ erklärte: „Eine Gegenaktion sei falsch, weil sie die Faschisten unnötig aufwerten und ihnen unnötig Publizität verschaffen würde; und vor allem, weil sie unter den derzeitigen Voraussetzungen vom Hauptfeind ablenken würde“. Die unterschiedlichen Auffassungen verunmöglichten vermutlich ein weiteres konkreteres Vorgehen gegen Faschismus und Reaktion. Die beteiligten Gruppen erklärten aber, dass „Kampf gegen den Faschismus Kampf gegen den Kapitalismus bedeutet“. Um „diesen Kampf zu führen“, sei die „Einheit der Arbeiterklasse notwendig“.

Die wenigen Ortsgruppen der KPD/ML-ZB in Baden-Württemberg, zu denen auch die OG Freiburg zählte, veröffentlichten am 24.1. über ihr LAK (Landesaufbaukomitee) in ihrem „Rundschreiben Nr. 5“ eine „Kritik an der antifaschistischen Demonstration am 17.1. in Dortmund“. Danach habe es das ZB unterlassen:

„1.Die Mobilisierung politisch ausreichend vorzubereiten (4 Wochen).

2. Genaue Richtlinien zur Frage der Bündnispolitik auf regionaler und lokaler Ebene herauszugeben, politisch zu propagieren und mit den LAK's abzusprechen.

3. Mit den LAK's abzusprechen, ob mehrere zentrale Kundgebungen auf Landesebene nicht sinnvoller gewesen wären als eine nationale Kundgebung.

4. Die Agitprop auf nationaler Ebene rechtzeitig vorzubereiten (für uns kamen die Extrablätter viel zu spät, die Plakate konnten überhaupt nicht mehr verwendet werden) und den LAK's genügend Zeit (etwa zwei Wochen) zu lassen, um eine breite Agitprop im LV zu entfalten.

5. Mit den LAK's den Mobilisierungsplan für die Antifakundgebung mit den bestehenden Arbeitsplänen zu koordinieren, um die größtmögliche Aktivität bei der Mobilisierung für die Kundgebung und die laufenden Aufbauarbeit zu erreichen. Faktisch liefen die beiden Arbeitspläne auf Kosten der laufenden Arbeit in den meisten Fällen nebenher. Davon zeugt auch die soziale Zusammensetzung der Demonstration und Kundgebung.

6. Den Einsatz der finanziellen Mittel auf nationaler Ebene und in den LV's zu planen und sicherzustellen. Dem LV BW von Partei und JV (KJVD, d. Vf.) ist durch die Aktion ein erhebliches finanzielles Defizit entstanden, bei dessen Behebung wir nachträglich wohl kaum auf die Unterstützung des ZB hoffen können.

Allgemein kann gesagt werden, dass die Fehler in der Organisationsarbeit von Seiten des ZB insofern über die (korrekte) politische Einschätzung entschieden haben, als der Erfolg der Aktion für die weitere Arbeit der Partei, für die Werbung um die unter dem Einfluss von Revisionisten und Sozialdemokraten stehenden Arbeiter wesentlich kleiner war als es bei sorgfältiger Planung und Durchführung der Org.-Arbeit hätte sein können. Im LV BW ging der Erfolg nicht wesentlich über den Einflussbereich von Partei und JV hinaus, obwohl dies möglich gewesen wäre (Gewerkschaft in Konstanz, Jusos, DKP in Freiburg, Antifa-Komitee in Stuttgart usw.).“ (Vgl.: Der Parteiarbeiter, Nr. 2, Bochum 1971)

Eine offizielle Selbstkritik gab es von der Zentrale der KPD/ML-ZB vermutlich nicht. Zumindest sind uns derartige Stellungnahmen nicht bekannt.

Zum 25.1.1971 brachte der BKA Freiburg die Nr. 6. des „Klassenkampfes“ heraus. Der Leitartikel lautete: „Kampf der faschistischen Gefahr! Kampf der Herrschaft des Monopolkapitals.“ Eine Auswertung des Artikels konnte bisher von uns nicht geleistet werden. (Vgl.: Klassenkampf, Nr. 6, Freiburg, Januar 1971)

Bis spätestens zum 23.1.1971 erschien der KND, Nr. 6/1971. Dort wurde u. a. auch von den antifaschistischen Aktion am 18.1. in Freiburg berichtet. (Vgl.: Kommunistischer Nachrichtendienst, Nr. 6, Bochum, 23.1.1971)

Im Februar 1972 erschien die Nr. 2/1971 des „Roten Morgen“, Zentralorgan der KPD/ML-ZK. Die Ausgabe beschäftigte sich u.a. mit der antifaschistischen Aktion zum 100. Jahrestag der Reichsgründung am 18.1.1871. Neben dem Hinweis auf eine „Spendenaktion“ durch die Ortsgruppe wurde auch eine „Erklärung“ zur KPD/ML-ZB und zur antifaschistischen Aktion veröffentlicht:

„Wir stellen dazu fest: Die KPD/ML hat mit dieser Organisation nichts zu tun.

Sie lehnt es auf Grund eines Beschlusses prinzipiell ab, Bündnisse mit Revisionisten auf organisatorischer Ebene abzuschließen. Das vorliegende Dokument zeigt klar zu welchem Prinzipienverrat solche Anbiederungsversuche führen (Statt deutscher Imperialismus: 'Ausdehnung des reaktionären Preußentums auf das Reichsgebiet ... Beginn einer großsprecherischen und aggressiven Außenpolitik.' Statt Kampf gegen die Diktatur der Bourgeoisie in allen ihren Formen einschließlich SPD: 'Wenn die Arbeiterklasse und alle demokratischen Kräfte sich zusammenschließen gegen den gemeinsamen Feind, gegen den Faschismus, dann kann der Faschismus nicht siegen' ... Die KPD/ML tritt natürlich für ein kämpferisches Aktionsbündnis an der Basis mit allen Werktätigen ein, egal ob es sich dabei um Mitglieder der DKP, der SPD oder sogar der CDU handelt, solange diese bereit sind, sich aktiv für die Durchsetzung korrekter Forderungen einzusetzen.“ (Vgl.: KPD/ML-ZK-LPV NRW: Bericht des LPV NRW (K) und RM-Redkoll-Mitglied über seine Tätigkeit im RM-Redkoll von Dezember 1970 bis November 1971, o. O., o. J., S. 3f.; Roter Morgen, Nr. 2, Hamburg, Februar 1971; Zündkerze, Nr. 7, Bochum, März/April 1971, S.13)

Zu vermuten ist, dass vor allem die Beteiligung der DKP an der antifaschistischen Aktion in Freiburg den Unmut der Ortsgruppe der KPD/ML-ZK hervorgerufen hatte. Die Speerspitze des Angriffs galt im „Roten Morgen“ eindeutig dem ZB der KPD/ML, was aus dem Artikel hervorgeht. Danach lehnte es das ZK auf Grund eines Beschlusses „prinzipiell ab, Bündnisse mit Revisionisten auf organisatorischer Ebene abzuschließen“. Nur so dürfte zu verstehen sein, warum es nicht zu einer breiteren Einheitsfront in Freiburg bekommen war.

Anmerkungen:

(1) Vgl.: Dietmar Kesten: Die antifaschistische Demonstration in Dortmund am 17.1.1971

(2) Vgl.: Rundschreiben der KPD/MKL-ZB: An alle Leitungen, Gruppen und Zellen: Das Anwachsen der Reaktion und unser Kampf gegen die Sozialdemokratie, Bochum, 1971, Der Parteiarbeiter Nr. 2 und 5, Bochum 1971, bzw. Mai 1971, Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 2, Bochum, 9.1. 1971, S. 1ff.

Abkürzungen:

Antifa - Antifaschistische Aktion
AW - Aktion Widerstand
BKA - Bund Kommunistischer Arbeiter (Freiburg)
BW - Baden Württemberg
DKP - Deutsche Kommunistische Partei
KJVD - Kommunistischer Jugendverband Deutschlands
KND - Kommunistischer Nachrichtendienst der KPD-ZK und des KJVD
KPD/ML-ZK - Kommunistische Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten, Zentralkomitee, auch: KPD/ML-Roter Morgen (nach dem Zentralorgan)
KPD/ML-ZB - Kommunistische Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten, Zentralbüro, auch: KPD/ML-Rote Fahne (nach dem Zentralorgan)
KSB/ML - Kommunistischer Studentenbund/Marxisten-Leninisten
LAK - Landesaufbaukomitee
OG - Ortsgruppe
RedKoll - Redaktionskollektiv
RF - Rote Fahne (Zentralorgan KPD/ML-ZB)
RM - Roter Morgen (Zentralorgan KPD/ML-ZK)

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