West-Berlin:
Neuer Roter Turm / Initiativausschuß für eine revolutionäre Jugendorganisation (IAferJO)

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 1.12.2013

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Dieser erste Beitrag zur Geschichte der Westberliner Internationalen Kommunisten Deutschlands (IKD) bzw. der Kommunistischen Jugendorganisation (KJO) Spartacus und dann des Spartacusbundes beruht bisher wesentlich auf internen Unterlagen der Gruppen sowie einigen wenigen Veröffentlichungen. Dies wird später ergänzt werden. Dargestellt wird der Zeitraum bis zum 7. Plenum des IAferJO, auf dem dieser sich in Spartacus - Initiativausschuß für eine Kommunistische Jugendorganisation (IAfeKJO) umbenannte.

Die Ursprünge der Gruppen liegen zunächst vor allem in der Schülerbewegung sowie in der Sozialistischen Jugend Deutschlands (SJD) - Die Falken in West-Berlin, in denen die Mitglieder der deutschen Sektion des Vereinigten Sekretariats (VS) der Vierten Internationale entristisch tätig waren (vgl. Nov. 1968).

Für die bundesweite 'Was tun', deren Schülerredaktion offenbar bereits durch die Berliner dominiert wurde (vgl. 20.10.1968), wird zugleich mit dem IAferJO auch eine Lokalredaktion gegründet (vgl. 30.10.1968). Bald schon erscheint dazu eine lokale Beilage namens 'Spartacus' (vgl. Jan. 1969).

Während die Hochschularbeit nahezu völlig vernachlässigt wurde, wurde vor allem versucht, an den Berufsschulen und in der Gewerkschaftsjugend Einfluß zu gewinnen (vgl. 23.10.1968, 28.12.1968, 9.3.1969, 10.3.1969).

Innerhalb des IAferJO agierten die Mitglieder der deutschen Sektion des Vereinigten Sekretariats (VS) der Vierten Internationale als eine verdeckte Kaderfraktion. In Konkurrenz steht der IAferJO damals vor allem mit der Roten Garde (RG) der KPD/ML, aber in zweiter Linie auch mit der Freien Deutschen Jugend Westberlin (FDJW) der SEW.

Innerhalb der deutschen Sektion des Vereinigten Sekretariats (VS) der Vierten Internationale kann sich die von den späteren IKD vertretene Konzeption der Jugendavantgarde nicht durchsetzen (vgl. März 1969).

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

Oktober 1967:
Vermutlich im Okt. 1967 erscheint in Berlin ein Flugblatt 'Schaffen wir 2, 3, viele Vietnam', welches mit 'Neuer Roter Turm / Gruppe "Karl Liebknecht" in der sozialistischen Jugend' (NRT in der SJD) unterzeichnet ist. Laut MLHG - Gruppe Lehrer (vgl. 5.10.1971) ist die NRT-Gruppe Teil des eigentlichen Beginns der im Zusammenhang mit der Studentenbewegung entstandenen Berliner Schülerbewegung (vgl. Juli 1968).
Quellen: Neuer Roter Turm/Gruppe Karl Liebknecht in der sozialistischen Jugend: Schaffen wir 2, 3, viele Vietnam, Berlin o.J.; MLHG Nr. 5, Berlin 5.10.1971

07.11.1967:
Zu diesem Tage erscheint in Berlin das Neue Rote Turm Flugblatt Nr. 2 '7.11.1917 - 7.11.67 50 Jahre danach', welches unterzeichnet ist mit 'Neuer Roter Turm/SJD KV Schöneberg'.
Q: Neuer Roter Turm/SJD KV Schöneberg: 7.11.1917 - 7.11.67 50 Jahre danach, Berlin 1967

03.01.1968:
Auf der Sitzung der Gruppe Berlin der deutschen Sektion des VS der 4. Internationale wird bekannt, dass die Berliner Gruppe Neuer Roter Turm (NRT) zwei Berufsschülergruppen gegründet habe, von denen eine an 5 Berufsschulen, die andere bei Schering (CPK-Bereich) arbeite.
Q: Deutsche Sektion der 4. Internationale: 3.1.68, o.O. (Berlin) 3.1.1968

26.01.1968:
In Berlin erscheint das Neuer Roter Turm (NRT) Flugblatt Nr. 3 'Für eine revolutionäre Globalstrategie'.
Q: Neuer Roter Turm: Für eine revolutionäre Globalstrategie, Berlin 26.1.1968

17.02.1968:
Das Neuer Roter Turm Schülerflugblatt Nr. 1 in Berlin, welches zu dem heute beginnenden Vietnamkongreß aufruft und eine Auflage von 20 000 Stück angibt, ist außer von der NRT-Gruppe noch unterzeichnet von: Unternehmen Caroline (unabhängige Berufsschülerzeitschrift), Politischer Arbeitskreis Berufsschulen, USG, Arbeitskreis Kritische Presse, Rote Sophie, Politik AG an der Fritz Karsen Schule.
Q: Neuer Roter Turm: Schülerflugblatt Nr. 1, Berlin o.J. (1968)

18.02.1968:
Auf der Abschlußdemonstration des Vietnamkongresses in Berlin mit, laut 'Roter Morgen' mehr als 15 000 Teilnehmern, verteilt die Gruppe Neuer Roter Turm (NRT) ein Flugblatt 'An die Demonstranten', mit einer angegebenen Auflage von 5000 Stück.
Q: Neuer Roter Turm: An die Demonstranten, Berlin o.J. (1968)

23.03.1968:
In der deutschen Sektion des Vereinigten Sekretariats (VS) der Vierten Internationale tagt die Zentralredaktion. Befreundet ist man mit der Gruppe Neuer Roter Turm (NRT) Berlin. Diese will in Kooperation mit der Jugend der Gruppe Arbeiterpolitik in der Revolutionär-Sozialistischen Jugend (sprich SDAJ) mitarbeiten.
Q: VS-deutsche Sektion-ZR: Protokoll der Redaktionssitzung vom 23.3.1968, o.O. o.J.

05.04.1968:
Der Initiativausschuß Berlin zur Schaffung einer revolutionär sozialistischen Jugendorganisation richtet ein Schreiben an die Marxistische Arbeiterjugend Deutschlands, weil er gerne am Gründungskongreß der SDAJ (vgl. 4.5.1968) teilnehmen möchte. Dafür wurden bereits 5 Delegierte (4m, 1w) gewählt.
Q: VS-deutsche Sektion-ZR: Rundbrief, o.O. o.J. (Anfang Aug. 1968)

03.06.1968:
In Berlin tagt der Schüler-Arbeitskreis der Gruppe Neuer Roter Turm (NRT). Es wird festgestellt, daß man am Zehlendorfer Schadowgymnasium selbst die einzige Schülergruppe sei. Die dortige Aktionsgruppe habe 15-20 Mitglieder. Eine, nicht zum NRT gehörende, Schülergruppe am Fichtenberggymnasium habe 5-7 Mitglieder, weitere Schülergruppen gebe es am evangelischen und am Lilienthal, noch nicht aber am Droste-Gymnasium.
Q: Revolutionäre Jugendgruppe Neuer Roter Turm - Schüler-Arbeitskreis: 3.6.68, Berlin 3.6.1968

11.08.1968:
Das Berliner Schüler-'Nachrichtenblatt' Nr. 1, welches uns leider noch nicht vorlag, erscheint vermutlich heute (vgl. 25.8.1968).
Laut MLHG - Gruppe Lehrer (vgl. 5.10.1971) ist die NRT-Gruppe Teil des eigentlichen Beginns der im Zusammenhang mit der Studentenbewegung entstandenen Berliner Schülerbewegung (vgl. Juli 1968, Mai 1969).
Q: Nachrichtenblatt Nr. 3, Berlin 25.8.1968; MLHG Nr. 5, Berlin 5.10.1971

25.08.1968:
In Berlin erscheint vom Aktionskreis Schüler-Selbsthilfe (ASH) das 'Nachrichtenblatt' Nr. 3 (vgl. 11.7.1968, 1.9.1968). Enthalten ist laut dem Text auch ein Flugblatt zur CSSR-Demonstration am 27.8.1968. Uns lag ein solches – nicht angeheftet – vor von ASH, KSG und NRT (neuer roter turm).
Q: Nachrichtenblatt Nr. 3, Berlin 25.8.1968; ASH, KSG, neuer roter turm: 'Wir wollen nicht, o. O., o. J. (1968)

B_Schuelerbewegung_ASH_KSG_1968_CSSR_1

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27.08.1968:
Auf der Berliner Schülerdemonstration gegen den CSSR-Einmarsch verteilt vermutlich die Rote Garde ihre Solidaritätsadresse an die Tschechoslowakische revolutionäre Jugend.

Ein gemeinsames Flugblatt wird von ASH, KSG und neuer roter turm (NRT) verteilt, welches auch auf den Vietnamkrieg hinweist.

Zum Ablauf der Veranstaltung gibt die Rote Garde Berlin später ein Flugblatt heraus, welches sich u.a. gegen die 'Bürokraten' richtet, die dort redeten.
Q: ASH, KSG, neuer roter turm: 'Wir wollen nicht, o. O., o. J. (1968); RG Berlin: Solidaritätsadresse an die Tschechoslowakische revolutionäre Jugend, Berlin O. J.;RG Berlin: Wollten wir die Veranstaltung…, Berlin o. J.

20.10.1968:
Der Gruppenrat der Berliner Gruppe Neuer Roter Turm stellt fest, daß man ca. 20 Mitglieder habe, von denen 15 die Gruppensitzung am 16.10.1968 besuchten. In der 'Was Tun'-Schülerredaktion sei nur man selbst nebst einigen Individuen vertreten.
Q: Neuer Roter Turm-Gruppenrat: 20.10.68, Berlin 20.10.1968

23.10.1968:
Die Berliner Gruppe Neuer Roter Turm bildet einen Lehrlings- Arbeitskreis, nachdem zuvor schon solche Einheiten für Schüler und Studenten bestanden.
Q: Neuer Roter Turm-Gruppenrat: 26.10.68, Berlin 26.10.1968

26.10.1968:
In Berlin tagt der dreiköpfige (2m, 1w) Gruppenrat des Neuen Roten Turms (NRT). In den SJD der SPD hat man einen revolutionären Flügel mit je 12 Mitgliedern in den Kreisverbänden Wedding und Neukölln ausmachen können. An anderen Berliner Schülergruppen werden in der Sitzung die ASH, die SSG und die Rote Garde (RG) besprochen und sich in diesem Zusammenhang an die Schülerdemonstration gegen die CSSR-Invasion am 21.8.1968 erinnert.
Q: Neuer Roter Turm-Gruppenrat: 26.10.68, Berlin 26.10.1968

30.10.1968:
In Berlin wird von der Gruppe Neuer Roter Turm und den SJD - Die Falken Kreisverbänden Wedding und Neukölln ein Initiativauschuß für eine revolutionäre Jugendorganisation (IAferJO) gegründet, der eine Lokalredaktion für die 'Was Tun' wählt, und noch am selben Tage in einem Flugblatt die Gründung verkündet.
Bekannte Mitgründer sind Peter Brandt, Jochen Ebmeier und Wolfgang Zeller. Peter Brandt gab die Zeitung 'Neuer Roter Turm' in Abgrenzung zur Zeitung 'Roter Turm' heraus. Die erste Nummer hieß 'mobil' mit dem Untertitel 'Neuer Roter Turm'.
Q: Was Tun? Nr. 5, Mannheim 1969, S. 8; IAferJO: Initiativausschuß für eine revolutionäre Jugendorganisation gegründet, Berlin 30.10.1968;IAferJO: 30.10.68, Berlin 30.10.1968

November 1968:
Innerhalb der deutschen Sektion des Vereinigten Sekretariats (VS) der Vierten Internationale erscheint der 'Rundbrief' der Zentralredaktion Nr. 5 (vgl. 1.8.1968, Dez. 1968) mit einem Brief eines Mitgliedes der Gruppe Berlin 1 (B1), welches sich gegen die Darstellung dieser Gruppe im Protokoll der engeren Zentralredaktion (vgl. 26.10.1968) wendet. In den Berliner SJD - Die Falken der SPD seien die B1 an der Basis mit dem Initiativausschuß (IA) und die Gruppe Berlin 2 (B2) der deutschen Sektion an der Spitze tätig. Vom IA seien im Wedding 6 (davon 2 Mitglieder, 1 Kandidat der B1), in Neukölln je ein Mitglied und ein Kandidat der B1 sowie weitere in der Gruppe Neuer Roter Turm (NRF) tätig.
Die deutsche Sektion habe in Berlin die beiden letzten Maikundgebungen, sowie Großveranstaltungen zur großen Koalition (vgl. Nov. 1966) und zum 50.Jahrestag der Oktoberrevolution (vgl. Okt. 1967) mitorganisiert und sei durch zwei Personen im APO-ZK vertreten, welches aus dem Sozialistischen Maikomitee 1968 entstand.
Q: VS-deutsche Sektion-ZR: Rundbrief Nr. 5, o.O. Nov. 1968

01.11.1968:
In Berlin findet das erste Treffen der Roten Garde (RG) mit der Gruppe Neuer Roter Turm (NRT) statt, bei dem es um die Vietnamkampagne geht.
Q: Neuer Roter Turm-Gruppenrat: 13.11., Berlin 13.11.1968

06.11.1968:
In Berlin findet ein zweites Treffen zur Vorbereitung der Vietnamkampagne statt, an dem neben der Roten Garde (RG) und dem Neuen Roten Turm (NRT) auch die Aktion Schülerselbsthilfe (ASH) teilnimmt.
Q: Neuer Roter Turm-Gruppenrat: 13.11., Berlin 13.11.1968

13.11.1968:
In Berlin tagt der Initiativausschuß für eine revolutionäre Jugendorganisation (IAferJO) und kann feststellen, daß man sich gerade in die vier Arbeitskreise Jungarbeiter und Lehrlinge, Schüler, Politische Ökonomie und Einführung in die marxistische Theorie gliedere.
Q: IAferJO: 13.11., Berlin 13.11.1968

Dezember 1968:
In Westberlin erscheint an der Berufsschule der Deutschen Reichsbahn (DR) der DDR spätestens im Dezember das Flugblatt "Schüler aller Klassen vereinigt euch!" des Aktivs Che Guevara und des Aktivs Semjon Budjonny zur neuen Schulordnung, die am 1.1.1969 in Kraft treten soll.
Q: Aktiv Che Guevara, Aktivs Semjon Budjonny: Schüler aller Klassen vereinigt euch!, Berlin o. J. (1968)

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01.12.1968:
In Berlin erscheint für Schüler vermutlich heute das 'Nachrichtenblatt' Nr. 16 (vgl. 23.11.1968, 5.1.1969), in dem u.a. die Sozialistische Schüler Gemeinde (SSG) ihre Auflösung und den Anschluss an den Initiativausschuß für eine revolutionäre Jugendorganisation RJO bekannt gibt.
Q: Nachrichtenblatt Nr. 16, Berlin o. J. (1968)

B_Schuelerbewegung_Nachrichtenblatt_1968_Nr_16_S_3


07.12.1968:
In Berlin tagt, laut Langguth, die 1. ordentliche Plenumsversammlung des Initiativausschuß für eine revolutionäre Jugendorganisation (IAferJO). Es wird u.a. der Beschluß gefaßt, eine eigene Jugendorganisation, die selbständig und unabhängig sein soll, im März 1969 zu konstituieren.
Q: Langguth, Gerd: Protestbewegung, Köln 1983, S. 142

10.12.1968:
In Berlin kann der IAferJO in einem Mitgliederrundschreiben feststellen, daß man zu den bisherigen vier Grundeinheiten noch einen Arbeitskreis Winterkampagne gründen konnte.
Q: IAferJO: Rundschreiben, Berlin 10.12.1968

28.12.1968:
In Berlin beschäftigt sich der IAferJO auf seiner 3.Plenumssitzung u.a. mit dem Lehrlingsarbeitskreis, der bei DTW, BMW (beide IGM-Bereich) und der Reichsbahn (eigentlich GdED-Bereich, aber im FDGB der DDR vertreten) aktiv sei. Die Bezirksgruppe Wedding habe 6 Mitglieder und 3 Kandidaten, die in Zehlendorf 12 Mitglieder und 3 Kandidaten. Während die Gruppen für Spandau und Wilmersdorf noch nicht gegründet seien, habe die Neuköllner Gruppe schon 35 Mitglieder.
Q: IAferJO: Protokoll der 3.Plenumssitzung, Berlin 28.12.1968

Januar 1969:
In Berlin legt der Initiativausschuß für eine revolutionäre Jugendorganisation (IAferJO) - Spartacus erstmals der 'Was tun' sein eigenes 'Spartacus' als Nr. 1/2 für Januar und Februar (vgl. 17.3.1969) bei. Das Redaktionskollektiv wird gebildet von Hans Joachim Schrankel, Christian Gelhaar, Wolfgang Kaatsch und Michael Sowa.
Q: Spartacus Nr. 1/2, Berlin Jan./Feb. 1969

04.01.1969:
Auf der 1. Sitzung des Leitenden Gremiums des Berliner IAferJO wird für das von der IA-Lokalgruppe Wedding am 17.1. im Jugendclub Prisma geplante Streitgespräch über die Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg beschlossen, auch an die FDJ der SEW eine Einladung zu richten.

Mittlerweile seien auch die Bezirksgruppen Spandau und Wilmersdorf aufgebaut.

Dies bestätigt auch eine Sitzung der Bezirksgruppe Wilmersdorf des IAferJO am selben Tage, auf der festgestellt wird, daß die ehemalige Gruppe Neuer Roter Turm (NRT) nun auf die IA-Bezirksgruppen Zehlendorf, Spandau und Wilmersdorf aufgeteilt worden sei.
Q: IAferJO-Leitendes Gremium: 1.Sitzung 4.1.69, Berlin 4.1.1969; IAferJO-Bezirksgruppe Wilmersdorf: 4.1.69, Berlin 4.1.1969

17.01.1969:
Für diesen Tag ruft in Berlin der IAferJO zu einem Besuch seines Streitgesprächs im Jugendclub Prisma über die Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts auf (vgl. 18.1.1969).
Q: IAferJO: Flugblatt, Berlin o.J. (1969)

18.01.1969:
Laut KPD/ML demonstrieren in Berlin "anläßlich der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht" ca. 3 000 Menschen. Die Ortsgruppe Westberlin der KPD/ML verteilt während der Demonstration das Flugblatt 'Gegen den Revisionismus'.
Aufgerufen wird auch vom IAferJO (vgl. 17.1.1969).

Laut Jörg Huffschmid finden zwei Demonstrationen zu den Themen Griechenland und 50 Jahre Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg statt, wobei die eine eher SEW-gesteuert, die andere vom SDS zum SPD-Haus in der Müllerstr. gelenkt worden sei.
Q: RC-Bulletin Nr. 2, Berlin 23.1.1969; IAferJO: Flugblatt, Berlin o.J. (1969);Roter Morgen, Hamburg Feb. 1969, S. 2

25.01.1969:
In Berlin findet ein Plenum des IAferJO statt, auf dem einige Daten über diese Organisation bekanntgegeben werden. Der Schülerarbeitskreis Wilmersdorf habe 5 Mitglieder und 4 Kandidaten, die Bezirksgruppe Wedding 6 Mitglieder und 5 Kandidaten, die in Spandau 6 Mitglieder. Die Auflage von 'Spartacus', welches als Beilage zu 'Was Tun' und auch allein vertrieben werde, betrage 2 000 Stück. Es soll eine Neuaufteilung der Mitglieder in die drei Bezirksgruppen Nord, Südost und Südwest durchgeführt werden.
Q: IAferJO: Plenum 25.1., Berlin o.J. (1969)

30.01.1969:
In Berlin-Reinickendorf beteiligen sich, laut Spartacus - IAfeKJO, 200 bis 300 an einer Demonstration für das Jugendzentrum Prisma zum Rathaus.
Q: Spartacus Nr. 3, Berlin März 1969

30.01.1969:
Die Berliner Gruppe der deutschen Sektion des Vereinigten Sekretariats (VS) der Vierten Internationale verfaßt einen Organisationsbericht an die nationale Konferenz, in dem eine Mitgliederzahl von 5 angegeben wird.
Q: VS-deutsche Sektion-Gruppe Berlin: Organisationsbericht, Berlin 30.1.1969

15.02.1969:
In Berlin findet um 14 Uhr am Olivaer Platz eine Demonstration 'gegen die internationale Konterrevolution' statt, zu der auch der IAferJO mit einem eigenen Flugblatt aufruft.
Q: IAferJO: ***, Berlin o.J. (1969)

20.02.1969:
Die 'Agit 883' veröffentlicht heute eine Tagungsliste des Initiativausschuß für eine revolutionäre Jugendorganisation (IAfeRJO). Dessen Gruppen treffen sich:
- montags um 19 Uhr 30 der AK Organisationstheorie in der Fuggerstr.24 bei Gelhaar;
- dienstags um 16 Uhr der Schülerarbeitskreis im Schülerzentrum Lehniner Platz;
- donnerstags um 19 Uhr 30 der AK Politische Ökonomie in der Zossener Str.54 bei Zeller und der AK Marxistische Theorie in der Baracke in der Karl Marx Str.160;
- freitags um 16 Uhr der Lehrlingsarbeitskreis (dazu gibt es auf der selben Seite der '883' noch die Angaben, er tage um 20 Uhr.
Q: Agit 883 Nr. 2, Berlin 20.2.1969, S. 3

22.02.1969:
Auf der 5.Plenarversammlung des Berliner IAferJO wird u.a. bekanntgegeben, daß die Rote Garde (RG) aus der Prismagruppe (Jugendclub im Berliner Norden) ausgetreten sei. Man selber habe mittlerweile über 50 Mitglieder. Die bisherige Gruppe Spandau wird der Gruppe Nord angegliedert, die Wilmersdorfer der Gruppe Südwest, die eine Aufnahme der Arbeit im Gewerkschaftlichen Arbeitskreis der, ansonsten von der SEW dominierten, Basisgrupppe Zehlendorf plant.
Q: IAferJO: 5.Plenarversammlung 22.2.69, Berlin 22.2.1969

23.02.1969:
In der deutschen Sektion des Vereinigten Sekretariats (VS) der Vierten Internationale tagt die Zentralredaktion und befaßt sich u.a. mit den Gruppen Mannheim, Frankfurt 1 und 2, Köln, Berlin, Kiel, Stuttgart und Augsburg.
Q: VS-deutsche Sektion: Zentralredaktionssitzung vom 23.2., o.O. o.J.

März 1969:
Innerhalb der deutschen Sektion des Vereinigten Sekretariats (VS) der Vierten Internationale erscheint der 'Rundbrief' der Zentralredaktion Nr. 9 (vgl. Feb. 1969, Apr. 1969), der u.a. aus Köln berichtet, daß man dort den Club International als Übergangsorganisation für eine Revolutionäre Jugendorganisation (RJO) ansehe. Enthalten ist auch die "Plattform der bolschewistischen Linken in der deutschen Sektion", bei der es sich um die Gruppen Berlin 1 und Frankfurt 2 handelt, die später als Internationale Kommunisten Deutschlands (IKD) die KJO Spartacus und deren Spartacus-Vorläufergruppen anleiten. Gegen die "Plattform" richten sich "Thesen" aus Mannheim. In der "Plattform" heißt es u.a.:
Diejenigen, "die noch am wenigsten dem System der Bewußtseinssteuerung erlegen sind, die sich noch ein gewisses Maß an Vitalität, Unmittelbarkeit, ungebrochenem Anspruch auf Befriedigung eigener Interessen und Wünsche bewahrt haben, die ihre Triebansprüche noch nicht so weit verdrängt, das Entsagungs- und Leistungsgebot der Gesellschaft verinnerlicht haben, um die reale Unterdrückung nicht mehr als solche erfahren zu können, die deshalb noch zur Auflehnung imstande sind - die J u g e n d l i c h e n . Daß die aktive Opposition … vor allem von der Jugend und zunächst hauptsächlich von der intellektuellen Jugend ausgeht, ist also … ein im spätkapitalistischen Regime s t r u k t u r e l l
bedingtes Phänomen."
Zur proletarischen Jugend wird gesagt:
"… sie werden die ersten sein, die sich um unser Banner scharen; die proletarische Jugend ist das Milieu, aus dem sich die wirklichen Kader der Partei rekrutieren und heranbilden werden. Nur der frische Enthusiasmus und der Kampfgeist der Jugend können uns die ersten Siege in unserem Kampf sichern und s i e a l l e i n k ö n n e n d e n b e s t e n E l e m e n t e n d e r a l t e n G e n e r a t i o n d e n W e g z u r R e v o l u t i o n w e i s e n . (Trotzki)"

In den Mannheimer "Thesen" heißt es u.a.:
"Der einzige revolutionäre Faktor ist die 'revoltierende Jugend'. Dieser revolutionäre Faktor ist nahezu isoliert von der Arbeiterklasse. … Die Tatsache, daß die proletarischen Jugendlichen - als Massenphänomen - weder stalinistische noch sozialdemokratische Erziehung genossen, ist von ausschlaggebender Bedeutung. Eine Fusion der Kämpfe - Klasse und revoltierende Jugend - ist daher am ehesten zwischen proletarischer und intellektueller Jugend vorherzusehen. … Die proletarische Jugend ist nicht gleichzusetzen mit der 'Arbeiterklasse'".
Q: VS-deutsche Sektion-ZR: Rundbrief Nr. 9, o.O. März 1969

09.03.1969:
In Berlin findet, laut Spartacus - IAfeKJO, an der Planck Berufsschule, auf die u.a. die Elektrikerlehrlinge der AEG gehen, eine Revolte statt.
Q: Spartacus - IAfeKJO: Protokoll Leitungssitzung 18.3.70, Berlin 18.3.1970

10.03.1969:
An der Berliner Porsche Oberschule - Berufsschule für das KFZ-Handwerk verlassen 300 - 400 Schüler den Unterricht und führen eine Demonstration durch. Diese Information verdanken wir einem an dieser Schule tätigen Aktionskomitee, in dem u.a. der IAferJO mitarbeitet.
Q: Aktionskomitee der Porsche Oberschule: Kollegen!, Berlin o.J. (1969); Aktionskomitee der Porsche Oberschule: Kolleginnen, Kollegen!, Berlin o.J. (1969)

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10.03.1969:
Laut 'RPK' gibt es eine erste Berliner Lehrlingsdemonstration. U.a. nimmt teil: der Initiativausschuß für eine revolutionäre Jugendorganisation (IAferJO).
Q: Rote Pressekorrespondenz Nr. 4, Berlin 15.3.1969, S. 3

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