Materialien zur Studentenbewegung und Hochschulpolitik in München bis Ende 1972

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin


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Zur Münchner Studentenbewegung und Hochschulpolitik wurden uns bisher nur wenige Dokumente und Hinweise bekannt. Wir bitten um Ergänzungen.

Nur kurz angerissen werden die frühen 60er Jahre in denen der Münchner SDS sowohl die Subversive Aktion (vgl. 1962, ) als auch frühe ML-Gruppen (vgl. 1963), hervorbringt, aber auch DDR-Kontakte pflegt (vgl. Sept. 1964), während 1966 einige SDS-Mitglieder bereits den bewaffneten Kampf propagieren (vgl. Juni 1966), während im Jahr 1967 Ringvorlesungen stattfinden (vgl. Jan. 1967), der SDS sich von der 'Kommune' distanziert (vgl. Mai 1967) und sich auch die Studentenvertretung polisiert (vgl. 10.1.1967, 15.2.1967, 2.5.1967, 7.6.1967, 27.6.1967, 1.7.1967, 10.7.1967).

Die studentische Linke organisierte sich fraktionsübergreifend im Münchner Hochschulforum / Münchner Wahlgemeinschaft (MHF/MWG - vgl. Apr. 1967, 19.7.1967) und gewinnt die Wahlen zum Studentenparlament bzw. zum Allgemeinen Studentenausschuß (AStA - vgl. Juli 1967), der dann auch gegen die Verschleppung eines Südkoreaners protestiert (vgl. 7.7.1967), für das politische Mandat (vgl. 13.11.1967) und für die Kritische Universität (KU - vgl. Okt. 1967, 20.11.1967) sowie provokativ für den Vietnam-Krieg (vgl. Dez. 1967) einsetzt, den Anstand probt (vgl. Okt. 1967), eine großformatige Zeitung, den 'MWG-Kurier' (vgl. 29.11.1967) herausgibt und gegen die Springer-Presse (vgl. 22.4.1968) engagiert. Die Abende können nun im Club Voltaire verbracht werden (vgl. März 1968) und der Protest gegen die Notstandsgesetze findet auch an den Münchner Hochschulen statt (vgl. 24.5.1968, 28.5.1968).

Der Gewerkschaftliche Arbeitskreis Studenten (GAST - vgl. 1966, Jan. 1968) und die ihn ihm stattfindenden Fraktionskämpfe werden detailliert dokumentiert, er protestiert gegen den Vietnamkrieg (vgl. 7.3.1968) und mobilisiert auch zum Europatreffen gegen Neonazismus und Faschismus für Europäische Sicherheit und Völkerverständigung (vgl. 22.6.1968).

Plakat: Cuba_Ausstellung der Roten Zellen
Plakat einer Cuba-Ausstellung der Roten Zellen (1970)

Aus dem Münchner Hochschulforum / Münchner Wahlgemeinschaft (MHF/MWG) ging die Aktion Demokratische Universität (ADU) München hervor, in der sich wiederum zahlreiche Mitglieder verschiedener linker Hochschulgruppen und Unorganisierte vereinten (vgl. Feb. 1968, 27.5.1968), die nun immer häufiger betroffen werden von der Repression (vgl. 28.10.1968).

Über die organisatorische Entwicklung des SDS München geben dessen Tagungen im Juli 1968 Aufschluß. In der Folge der CSSR-Invasion kommt es zur Abgrenzung von der DKP (vgl. 25.8.1968), wobei hier auch die bundesweite Abgrenzung wegen der Weltjugendfestspiele in Sofia dokumentiert wird (vgl. 31.8.1968).

Dargestellt wird die Herausbildung der Basisgruppen einerseits (vgl. 25.10.1968) und der DKP andererseits (vgl. 2.11.1968, 12.11.1968). Im Dezember 1968 wurde dann auch der durch die Münchner Studenten Union (MSU) der CSU getragene AStA vom linksorientierten Fachschaftenrat übernommen (vgl. 13.12.1968).

Die Basisgruppen entwickeln sich im Verlauf des Jahrs 1969, zu dessen Beginn es zu militanten Aktionen kam (vgl. 31.1.1969, 11.2.1969), zahlreich, wobei die Proteste auch auf die Akademie für bildende Künste übergreifen (vgl. 22.2.21969). Zum Protest kommt es auch unter den Assistenten (vgl. Mai 1968, Feb. 1969) und auch die ADU bleibt aktiv (vgl. 3.2.1969).

Die 'Münchner Studentenzeitung' (MSZ) erscheint landesweit in hoher Auflage (vgl. 23.6.1969, Juli 1969) und bald wöchentlich (vgl. 29.10.1969, 5.11.1969, 12.11.1969, 19.11.1969, 9.12.1969), dokumentiert wird darin die Herausbildung der Fachschaften, Basisgruppen und Projektgruppen. Zeitweise wird die MSZ durch den 'Arbeitsplatz Universität' des Fachschaftenrats (FSR - vgl. 10.2.1969) abgelöst und ergänzt durch die 'AStA aktuell - Kurzinformation für Studenten' (vgl. 17.11.1969).

Die DKP und ihre AMS Spartakus bleiben unbedeutend, wie die Konventswahl (vgl. 5.1.1970) zeigt.

Das Jahr 1970 beginnt mit der Herausgabe des 'Roten Blattes' (vgl. 25.1.1970) der Asten von LMU und TU und der Roten Zellen (RZ), in die sich immer mehr Basisgruppen nun schnell umwandeln oder die an anderen Bereichen neu entstehen. Die RZ grenzen sich vor allem immer wieder von den ABG ab, die sich durch verschiedene Fraktionierungen aus Arbeiter- bzw. Stadtteilbasisgruppen der APO zu einem ML-Zirkel mit Avantgardeanspruch weiterentwickelten. Trotzdem wurde die umfangreiche betriebliche Publizistik der ABG, die wir in weiteren Texten darstellen werden, durch die Verteiler der RZ ermöglicht (vgl. 13.10.1970). In der Folge finden sich offensichtlich zeitweise Sympathien der Roten Zellen für die Revolutionäre Arbeiterjugend (RAJ - vgl. 11.11.1970, 1.2.1971) bzw. die Arbeitersache München (ASM - vgl. 30.4.1971, 13.9.1971). Auch die aus der Gruppe um den AStA der TU München (vgl. 29.6.1970) hervorgegangene Projektgruppe Technologie München (PTM - vgl. Sept. 1970. Okt. 1970, 2.6.1971) engagiert sich in der Betriebsarbeit.

Die RZ selber fraktionieren sich 1970/71 in die Interfrak einerseits (vgl. 6.7.1971, 8.7.1971), aus der später der kleine KHB/ML der ABG (vgl. 1.9.1971, Nov. 1971) und der wichtige Zentralverband der RZ (ZVROZ - vgl. 17.10.1971, 28.10.1971, 19.4.1972) hervorgehen, der sich gegen Ende dieser Darstellung dem KSV der KPD formal anschließt (vgl. 25.10.1972).

Andererseits entwickelt sich die AK-Fraktion der Roten Zellen München (vgl. 28.9.1970, 24.11.1971) zu einer zunächst lokal äußerst einflussreichen Studentenorganisation, die ihre Tätigkeit ab ca. Ende 1972 auch bundesweit aufnimmt, wobei sie vor allem Gruppen des SHB/SF rekrutieren konnte.

Die Konventswahlen Ende 1970 (vgl. Nov. 1970, 16.12.1970) dokumentieren den überragenden Einfluss der noch vereint auftretenden RZ. Dokumentiert wird die Auseinandersetzung zwischen den RZ und dem KSB/ML der KPD/ML-ZK (vgl. 8.2.1971, 10.2.1971), der aber bedeutungslos blieb.

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

Letzte Änderung: 06.12.2017