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Sozialistische Hochschulgruppe (SHG) Nürnberg

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 31.1.2011

Die Sozialistische Hochschulgruppe (SHG) Nürnberg wird hier vorerst nur anhand weniger ihrer Veröffentlichungen vorgestellt, die vermutlich die Frühphase ihrer Existenz beleuchten, während weitere Publikationen der SHG ab Ende 1973 gemeinsam mit der MG Erlangen-Nürnberg in Form der 'Sozialistischen Hochschulzeitung' (SHZ) erfolgten.

Im hier betrachteten Zeitraum aber scheint die SHG Nürnberg nicht nur intensiv mit der Erarbeitung marxistischer Wissenschaft befasst (vgl. 25.5.1971) und in Kontakt zur Berliner Rotzök stehend (vgl. 24.5.1971) sondern auch mit der Nürnberger Gruppe Arbeiterpolitik bzw. dann der Gruppe Arbeiterstimme befreundet, die in der Tradition der KPO steht (vgl. 1.9.1971, Apr. 1972, 25.4.1972).

Neben der theoretischen Arbeit betätigt sich die SHG, wie sie in ihren 'Roten Skizzen Nürnberg' dokumentiert (vgl. 18.10.1971, 23.1.1972) offenbar auch zu verschiedenen internationalistischen Themen, beteiligt sich auch an Aktionen zum 1.Mai (vgl. 1.5.1972) und dehnt ihre Arbeit von der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Friedrich Alexander Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg auch auf die PH Nürnberg (vgl. 5.7.1972) sowie mit Hilfe des Sozialistischen Schüler- und Studentenbundes (SSSB) auf den gesamten Nürnberger Ausbildungsbereich aus, wobei sie an der FAU im Bündnis mit den Basisgruppen / SOZNATEK zum Studentenparlament kandidiert (vgl. Jan. 1973).

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

24.05.1971:
Die Gruppe Arbeiterpolitik Nürnberg (vgl. 30.5.1971) berichtet, dass die Sozialistische Hochschulgruppe (SHG) an der Wirtschaftswissenschaftlichen und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg heute eine Veranstaltung "Die Rolle der Gewerkschaften im Klassenkampf als Steigbügelhalter des Kapitals entlarven!" mit Hannah Kröger von der Roten Zelle Ökonomie (Rotzök) an der FU Berlin durchführt.
Quelle: Arbeiterstimme Nr.1,Nürnberg 30.5.1971

25.05.1971:
Die Sozialistische Hochschulgruppe (SHG) Nürnberg gibt, nach eigenen Angaben, ihre 'Rote Skizzen Nürnberg' (RSN - vgl. 18.10.1971) Nr.1 heraus. Enthalten sind u.a. die Beiträge:
- Bürgerliche Apologetik und marxistische Wissenschaft - Zur Diskussion um den Lehrstuhl für marxistische Ökonomie";
- "Marxistische Werttheorie und bürgerliche Nutzentheorie";
- "Die Steigerung der Produktivkraft der Arbeit in der BRD" sowie
- "Politisches Mandat der Studentenschaft".
Q: Rote Skizzen Nürnberg Nr.2,Nürnberg 18.10.1971,S.10

01.09.1971:
Die Gruppe Arbeiterpolitik Nürnberg gibt ihre 'Arbeiterstimme' (ARSTI - vgl. 30.5.1971, 1.12.1971) Nr.2 heraus, wobei es sich um die letzte örtliche Ausgabe handelt, weitere Ausgaben erscheinen bundesweit.

Zur Sozialistischen Hochschulgruppe (SHG) heißt es:
"Die SHG, in der sich durch die Abspaltung einer Reihe von DKP-Studenten im vergangenen Herbst ein Klärungsprozeß vollzog, hat … praktische Vorschläge zur Zusammenarbeit unterbreitet."

Dokumentiert wird ein Brief der SHG an die Gruppe Arbeiterpolitik Nürnberg, in dem u.a. betont wird dass die SHG 1969 gegründet wurde und in der Studentenvertretung eine Koalition mit der Aktion Linksliberale gebildet habe. Zur Zeit habe die SHG 25 Mitglieder, überwiegend an der Wiso Fak. Schwerpunkt der Arbeit sei die "Propagierung des wissenschaftlichen Sozialismus an der WiSo". Seit zwei Semestern betreibe man eine Grundschulung, seit diesem Semester gäbe man auch die 'Roten Skizzen Nürnberg' heraus. Die Gewerkschaftsführung sei "integrierter Bestandteil der Politik der herrschenden Klasse".
Q: Arbeiterstimme Nr.2,Nürnberg 1.9.1971

18.10.1971:
Die Sozialistische Hochschulgruppe (SHG) Nürnberg gibt ihre 'Rote Skizzen Nürnberg' (RSN - vgl. 25.5.1971, 23.1.1972) Nr.2 heraus. Enthalten sind die Beiträge:
- "Zur Kritik der bürgerlichen Produktionsfaktorentheorie";
- "Zum Alternativen sozialistischen Studium";
- "Die antiautoritäre Studentenbewegung";
- "Briefwechsel mit der Gruppe Arbeiterpolitik Nürnberg"
- "Kampfaktionen der westdeutschen Arbeiterklasse" aus 'Das Argument' Nr. 62 (vgl. Dez. 1970);
- Iran: "Die weiße Revolution in Persien" und "Volk contra Regime";
- "Die FRELIMO in Mosambik" sowie
- Vietnam: "Politisches Testament von Ho Chi Minh" und
- "Unterschriftenaktion zur Errichtung eines Informationsbüro der Provisorischen revolutionären Regierung der Republik Südvietnam in der BRD".

Rezensiert wird "Kritik der Mitbestimmung" von Frank Deppe, Jutta von Freyberg, Christof Kievenheim, Regine Meyer und Frank Werkmeister. Dokumentiert werden "Meinungen und Zahlen zur aktuellen wirtschaftlichen Lage" sowie das Gedicht "Angela Davis" von Franz-Josef Degenhardt.

Geworben wird für den Politladen Erlangen, die Bücherkiste Nürnberg sowie das Libresso-Buchzentrum Nürnberg, aber auch für die 'Arbeiterstimme' der Gruppe Arbeiterpolitik Nürnberg.
Q: Arbeiterstimme Nr.3,Nürnberg 1.12.1971; Rote Skizzen Nürnberg Nr.2,Nürnberg 18.10.1971

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23.01.1972:
Die Nr.3 der 'Roten Skizzen Nürnberg' (RSN - vgl. 18.10.1971, Nov. 1972) erscheint zum Preis von 1,50 DM. Es handelt sich hierbei um die dritte Ausgabe überhaupt. Herausgeber ist die Sozialistische Hochschulgruppe (SHG) Nürnberg. Die Redaktion übernimmt der Fachbereichsrat der SHG. Im Editorial schreiben die Verfasser:
"Rote Skizzen Nürnberg hat sich drei Aufgaben gestellt:
1. Die Strategiebestimmung der sozialistischen Intelligenz und die Auseinandersetzung mit anderen sozialistischen Gruppen
2. Die Kritik der bürgerlichen Sozialwissenschaften
3. Berichte und Stellungnahmen zu aktuellen politischen Ereignissen sowie Analysen von politischen Vorgängen in der Bundesrepublik und den übrigen Ländern.
Nr. 3 der RSN steht hauptsächlich unter dem Gesichtspunkt der Strategiebestimmung der sozialistischen Intelligenz: Neben der Teilnahme und der theoretischen Fundierung der gegenwärtigen Klassenauseinandersetzung in der Bundesrepublik steht die sozialistische Intelligenz auch vor der Aufgabe einer Bestimmung ihrer Hochschulpolitik. Die SHG versucht mit ihrer Arbeitsplattform allgemeine Grundlagen einer sozialistischen Hochschulpolitik zu entwickeln, die sie dann auf die spezifischen Bedingungen des jeweiligen Fachbereichs konkretisieren will."

Die SHG ist nach eigenen Angaben mit der Gruppe Arbeiterstimme Nürnberg befreundet, die in ihrem Organ auch das Erscheinen der 'Roten Skizze' erwähnt. Abgedruckt wird in der Nr. 3 auch die "Plattform der Sozialistischen Hochschulgruppe Nürnberg". In dieser wird das Primat der Theorie festgelegt.
Eine Anzeige wirbt für die Schrift "Zur Kritik der bürgerlichen Nutzen- und Preistheorie", die von der SHG veröffentlicht wurde.
Q: Rote Skizzen Nürnberg Nr.3,Nürnberg 1972; Arbeiterstimme Nr.1,Nürnberg 1972,S.2

April 1972:
Die Gruppe Arbeiterstimme (ARSTI - vgl. 8.5.1972) berichtet vermutlich aus dem April, dass die Sozialistische Hochschulgruppe (SHG) Nürnberg eine Broschüre über die Gruppe Arbeiterstimme veröffentlicht habe.
Q: Arbeiterstimme Nr.2,Nürnberg 8.5.1972

April 1972:
Die Gruppe Arbeiterstimme (ARSTI - vgl. 8.5.1972) berichtet vermutlich aus dem April, dass sie gemeinsam mit der Sozialistischen Hochschulgruppe (SHG) Nürnberg ein Seminar zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung durchgeführt habe.
Q: Arbeiterstimme Nr.2,Nürnberg 8.5.1972

25.04.1972:
Die Sozialistische Hochschulgruppe (SHG) Nürnberg richtet einen Brief an die Gruppe Arbeiterstimme (vgl. 5.7.1972).
Q: Arbeiterstimme Nr.3,Nürnberg 5.7.1972

01.05.1972:
In Nürnberg führt der DGB, laut KB, eine Veranstaltung durch.

Die KPD/ML-ZK dagegen bildet, nach eigenen Angaben, eine Aktionseinheit mit spanischen und türkischen Gruppen, die eine Demonstration durch Gostenhof durchführt, welche von 150 auf 400 Personen anwächst.

Laut Arsti (vgl. 8.5.1972) ging die Demonstration der KPD/ML am Kornmarkt los. Der Marsch des Maiausschusses Nürnberger Gewerkschafter dagegen sei mit 1 000 Personen vom Hauptmarkt zur Messehalle gezogen, wo dann 5 000 beim DGB teilnahmen. Nachdem sowohl DGB-KV als auch IGM-Verwaltungsstelle nichts unternommen hätten zur Maivorbereitung, habe die DKP 100 Unterschriften von Einzelpersonen, aber nicht von Organisationen, unter einen Aufruf gesammelt. Die Arbeiterstimme aber habe eine Initiative zum Zusammenschluss von Organisationen gestartet. Schliesslich hätte sich ein gemeinsamer Maiausschuss aus den beiden Ansätzen gebildet, der ein allgemeines Mai-Flugblatt in Auflage von 20 000 Stück, u.a. im IGM-Bereich bei Triumph (vgl. 27.4.1972) und ein Lehrlingsflugblatt (6 000 Stück) verteilte. Beteiligt gewesen seien auch die Sozialistische Hochschulgruppe (SHG), Sozialistische Schüler und HBV-Mitglieder.
Q: Arbeiterstimme Nr.2 und 5,Nürnberg 8.5.1972 bzw. 3.12.1973; Roter Morgen Nr.11,Hamburg 5.6.1972;Arbeiterkampf Nr.19,Hamburg Juni 1972,S.9

05.07.1972:
Die Gruppe Arbeiterstimme gibt ihre 'Arbeiterstimme' (ARSTI - vgl. 8.5.1972, 3.10.1972) Nr.3 heraus. Berichtet wird auch über die Sozialistische Hochschulgruppe (SHG - 25.4.1972), die sich mit dem Aufbau einer Basisgruppe an der PH befaßt.
Q: Arbeiterstimme Nr.3,Nürnberg 5.7.1972

November 1972:
Die Sozialistische Hochschulgruppe (SHG) Nürnberg gibt, laut Gruppe Arbeiterstimme (vgl. 6.12.1972), die Nr.2 ihrer 'Sozialistischen Hochschulzeitung' (vgl. 23.1.1972) mit einer Auflage von 800 Stück heraus.
Q: Arbeiterstimme Nr.5,Nürnberg 6.12.1972

Januar 1973:
Die Sozialistische Hochschulgruppe (SHG) Nürnberg, Mitglied im Sozialistischen Schüler- und Studentenbund (SSSB) gibt die Nr.4 ihrer 'Sozialistischen Hochschulzeitung' (vgl. Nov. 1972) mit einer Auflage von 800 Stück zum Thema "Zur AStA-Wahl: Die politische Arbeit der SHG" heraus. Enthalten sind die Artikel:
- "Zu den Grundlagen unserer sozialistischen Hochschulpolitik";
- "Hochschulreform";
- "Fachschafts-Initiativen", in denen die SHG u.a. arbeitet in der Pädagogik und Soziologie;
- "Gremienpolitik und Interessenvertretung";
- "Stellung zur AStA-Wahl", wobei für Erlangen zur Wahl der Liste 1 Basisgruppen/Soznatek und an der PH Nürnberg zur Wahl der Kandidaten der Basisgruppe Pädagogik auf Liste 5 - Sozialisten Nürnberg aufgerufen wird;
- "Verhältnis von theoretischer Arbeit und praktischer Politik";
- "Schulungen";
- "Die theoretischen Arbeitskreise des SSSB", wobei es sich um "Wissenschaft und Kapital" sowie "Kapitalismus und Arbeiterbewegung" handelt;
- "Sozialistischer Schüler- und Studentenbund SSSB", dem angehören neben der SHG die Basisgruppe (BG) Pädagogische Hochschule, Vertreter der Kunstakademie, BG Sozialwesen an der Fachhochschule (FHS), Vertreter der Fachrichtung Wirtschaft Fachhochschulen, Sozialistische Zelle Nürnberg, BG Melanchthongymnasium, BG Willstädtergymnasium sowie BG-Mitglieder von Dürergymnasium und Hans-Sachs-Gymnasium;
- "Sozialistische Bewegung in der BRD";
- "Zur Gewerkschaftsfrage";
- "Überregionale Arbeit", nicht zuletzt in der Studentenschaft Bayerns (SB);
- "Internationalismus-Arbeit", vor allem zu Vietnam und zum Ausländergesetz bzw. im Ausländerkomitee Erlangen-Nürnberg; und
- "Die Kandidaten der SHG auf Liste 5: Sozialisten Nürnberg".

Dargestellt wird auch die Öffentlichkeitsarbeit der SHG zur "Ausweisung arabischer Kollegen und Kommilitonen" sowie zum BHG.

Geworben wird für Neuerscheinungen im Politladen Erlangen und für die Bücherkiste Nürnberg, aber auch für die eigenen SHG-Bücher "Zur Kritik der bürgerlichen Nutzen- und Preistheorie" sowie "Zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung".
Q: Sozialistische Hochschulzeitung Nr.4,Nürnberg Jan. 1973

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