1.2 Begründung der
Notwendigkeit einer Untersuchung der K-Gruppen
1.3 Kurze Beschreibung der
wichtigsten K-Gruppen
1.3.1 Arbeiterbund für den
Wiederaufbau der KPD (AB)
1.3.2 Kommunistische Partei
Deutschlands (KPD)
1.3.3 Kommunistische Partei
Deutschlands / Marxisten-Leninisten (KPD / ML)
1.3.4 Kommunistischer
Arbeiterbund Deutschlands (KABD)
1.3.5 Kommunistischer Bund
(KB)
1.3.6 Kommunistischer Bund
Westdeutschland (KBW)
3.3 Zum Begriff regionale
Hegemonie
3.4 Zum Begriff
Ideologischer Kampf
4 These:
Regionale Hegemonie als wichtiger Faktor in der Entwicklung der K-Gruppen
5.1 Der Aufbau der
Untersuchung
5.2 Möglichkeiten zur
positiven Feststellung von regionaler Hegemonie
6.10 Mittelwestfalen (Hamm,
Paderborn, Gütersloh, Lippstadt)
6.12 Bochum, Gelsenkirchen,
Herne, Kreis Recklinghausen
6.13 Essen, Mülheim, Bottrop,
Oberhausen
6.14 Duisburg, Krefeld,
Kreise Wesel und Kleve-Geldern
6.15 Düsseldorf, Neuß,
Mönchengladbach, Kreis Mettmann
6.17 Köln, Leverkusen,
Erftkreis, Rheinisch-Bergischer Kreis, Oberbergischer Kreis
6.19 Wuppertal, Remscheid,
Solingen
6.20 Hagen, Ennepe-Ruhr
Kreis, Märkischer Kreis, Hochsauerlandkreis
6.22 Raum Koblenz und
Westerwald
6.24 Raum Mainz, Bad
Kreuznach und Nahe-Hunsrück
6.25 Worms, Ludwigshafen,
Speyer
6.26 Kaiserlautern,
Pirmasens, Zweibrücken
6.30 Gießen, Wetzlar,
Limburg, Dill
6.33 Darmstadt,
Odenwaldkreis, Kreis Bergstraße
6.34 Mannheim, Heidelberg,
Rhein-Neckar Kreis, Neckar-Odenwald Kreis, Main-Tauber Kreis
6.35 Karlsruhe, Landkreis
Karlsruhe, Baden-Baden, Kreis Rastatt, Ortenaukreis, Pforzheim, Enzkreis
6.36 Freiburg, Emmendingen,
Lörrach, Kreise Breisgau, Hochschwarzwald und Waldshut
6.37 Heilbronn,
Hohenlohekreis, Ludwigsburg, Schwäbisch Hall
6.38 Stuttgart, Kreise
Böblingen, Eßlingen und Calw
6.39 Rems-Murr-Kreis,
Ostalb-Kreis, Kreise Göppingen und Heidenheim
6.40 Zollernalbkreis, Kreise
Tübingen, Reutlingen, Freudenstadt und Rottweil
6.41 Kreise Schwarzwald-Baar
und Tuttlingen
6.44 Aschaffenburg, Kreise
Miltenberg und Main-Spessart
6.46 Schweinfurt, Bad Kissingen,
Kreise Rhön-Grabfeld und Haßberge
6.47 Bamberg, Coburg, Hof,
Bayreuth, Wunsiedel und Kulmbach
6.48 - Raum Nürnberg,
Erlangen, Fürth und Mittelfranken
6.49 Regensburg, Oberpfalz
und Bayrischer Wald
6.50 Ingolstadt, Landshut,
Freising, Erding, Eggenfelden
6.51 München, östliches
Alpenvorland
7 Bewertung
der regionalen Übersicht
Anhang
In dieser Arbeit soll versucht werden einen Beitrag zur Erforschung der sog. K-Gruppen[1] ('K' steht für kommunistisch), d.h. der sich selbst als marxistisch-leninistisch bzw. antirevisionistisch verstehenden politischen Vereinigungen in der Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West)[2], welche sich an der Politik der VR China und Albaniens orientierten, zu leisten.
Da die Vielfalt des zu untersuchenden Materials nicht allgemein zugänglich ist, ist es nur schwer möglich, eine annähernd vollständige Übersicht zu gewinnen. Einen gewissen Einblick in die Quellen habe ich dem Archiv "Außerparlamentarische Opposition und soziale Bewegungen" im Arbeitsbereich BRD-Forschung des Zentralinstituts für sozialwissenschaftliche Forschung der Freien Universität Berlin zu verdanken, welches trotz mancher unvermeidlicher Lücken wohl die umfangreichste zugängliche Quellensammlung zu diesem Thema besitzt. Diese Materialien habe ich seit 1983 sortiert, katalogisiert, ergänzt und ausgewertet. Diese Sammlung wird als Z16 und, soweit aufgrund der dortigen bisherigen Sortierung möglich, durch Angabe der einzelnen Ordner- bzw. Schuberfolgen, zitiert.
Als Hintergrundinformation dienten zusätzlich die mir, im Rahmen der gemeinsamen Arbeit an dem Projekt der Datenbank Materialien zur Analyse von Opposition (MAO) von Dietmar Kesten überlassenen Daten im Umfange von ca. 4 000 Seiten, die allerdings in diese Arbeit mangels maschinenlesbarer bzw. für die verwandten Maschinen (Commodore Amiga 1000 und 2 000 sowie Commodore PC-XT) nicht lesbarer Form nicht direkt einfließen werden, sowie zum internationalen Vergleich die Mikrofichesammlung der linken Presse Großbritanniens, die ich im Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin einsah. Dort befindet sich - auch eine umfangreiche Sammlung von Juso-Organen, größtenteils aus der Nach-Apo-Phase, die ich ebenfalls zum Vergleich heranzog.
Diese Arbeit gliedert sich in zwei wesentliche Teile. Einerseits soll im empirischen Teil die Herausbildung der einzelnen K-Gruppen und deren Ausbreitung unter besonderer Berücksichtigung regionaler Einflußsphären dargestellt werden. Hierzu wurden als Untersuchungszeitraum die Jahre 1970 bis 1975 gewählt. Aufgrund der Erkenntnisse aus dieser Untersuchung ist es allerdings auch möglich und teilweise zu deren Verdeutlichung sogar nötig auf Entwicklungen vor und nach dem gewählten Untersuchungszeitraum einzugehen, der ja lediglich einen Teilabschnitt eines länger dauernden Prozesses bildet.
Da es sich bei der Untersuchung der K-Gruppen um ein Feld handelt, welches in der politischen Wissenschaft bisher weder als Gegenstand der Forschung anerkannt noch auch nur halbwegs zufriedenstellend bearbeitet worden ist, wurde der eigentlichen Untersuchung eine recht ausführliche Beschreibung des bisherigen Forschungsstandes vorangestellt.
Unter K-Gruppen allgemein soll hier verstanden werden jene politische Strömung in der Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West), welche sich Ende der sechziger Anfang der siebziger Jahre herausbildete, sich selbst zumeist als marxistisch-leninistische (ML) Bewegung bezeichnete und sich definierte durch:
- die offene und ausschließliche Befürwortung einer revolutionären Umgestaltung der gesellschaftlichen
Verhältnisse,
- die ausschließliche Betonung des Proletariats als führende Kraft der Revolution,
- den Wunsch die Partei der Arbeiterklasse aufzubauen,
- die Parteinahme für die VR China und Albanien[3]
- die Propagierung von Mao Tse-tung und mehr oder minder ausgeprägt auch Stalin als Klassiker des
Marxismus-Leninismus (ML), und durch
- die weitgehende, wenn auch unterschiedlich ausgeprägte Übernahme der Organisationsprinzipien des
demokratischen Zentralismus, wie er von den russischen Bolschewiki besonders von Lenin in seinen Schriften "Was Tun" und "Ein Schritt vorwärts, zwei zurück" entwickelt worden war.
Als K-Gruppen zu bezeichnen sind nur diejenigen Gruppen, die alle diese Charakteristika aufweisen, während einzelne dieser Faktoren auch durchaus bei anderen Formationen eine Rolle spielen, wie z.B. die Befürwortung einer Revolution durch anarchistische, operaistische, spontaneistische, rätekommunistische,
bordighistische, trotzkistische, de Leonistische oder libertäre Kräfte oder das Bekenntnis zu Marx, Engels und Lenin bei Trotzkisten und auf die KPdSU ausgerichteten Kräften.
Zwischen den einzelnen K-Gruppen gab es durchaus Unterschiede hinsichtlich der Propagierung von z.B. Stalin oder auch in der Anwendung des demokratischen Zentralismus. So verfügten einige Gruppen wie die meisten KPD / ML's, der KABD und vermutlich auch die KPD über Partei-Kontrollkommissionen, während es diese z.B. bei KB und KBW nicht gab.
Während z.B. bei KBW, KPD, KPD / ML, (mit einigen Ausnahmen), KABD und AB die Leitungen gewählt wurden, wurde das Leitende Gremium des KB, welches sich zuvor durch Kooptation erweitert bzw. erneuert hatte, erst 1978 erstmals gewählt.
In dem untersuchten Zeitraum von Anfang 1970 bis ungefähr 1975 bildeten aber alle diese Gruppen noch eine gewisse Einheit, welche häufig auch als 'ML-Bewegung' bezeichnet wurde[4], womit zum Ausdruck gebracht werden sollte, daß es zwischen diesen Gruppen politische Gemeinsamkeiten gegenüber anderen Strömungen wie den sog. orthodoxen Kommunisten von DKP und SEW oder spontaneistischen bzw. operaistischen, anarchistischen und trotzkistischen Gruppen gab, die einerseits einen recht regen Mitgliederaustausch zwischen den einzelnen Fraktionen ermöglichten und andererseits die Grundlage von Kooperationsbemühungen oder, falls diese fehlschlugen, von besonders erbitterter Konkurrenz bildeten. Das hierbei mit bzw. unter den Gruppen, die für sich einen Parteianspruch verfochten, also KPD und KPD / ML's, naturgemäß eine Kooperation schwieriger war, als unter den Gruppen mit einem Zirkelverständnis, ändert nichts an der Tatsache, daß auch KPD und KPD / ML häufig in gemeinsame Aktionen einbezogen werden konnten, selbst wenn sie wie die KPD auf Demonstrationen wie z.B.. der Bonner Vietnamdemonstration am 14.1.1973 und der Frankfurter Chiledemonstration im September 1974 eigene 'revolutionäre' Blocks bildeten.
Die K-Gruppen waren eingebettet in eine Linke, mit der sie trotz aller teils erbitterten Feindschaft eng verbunden waren. Nicht nur in den Anschauungen zu einer ganzen Reihe von Fragen, sondern auch in den Arbeitsfeldern, Themen, Aktionen und Politikstilen gab es gewichtige Überschneidungen zwischen den K-Gruppen und der restlichen Linken bzw. zumindest mit deren radikalerem Flügel[5].
Bei dieser Untersuchung konnten nicht sämtliche K-Gruppen eingehend berücksichtigt werden, da dies den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.
Sinnvoll zur Untersuchung des Einflußes regionaler Hegemonie (zu den Begriffen siehe Kap. 3) auf die Herausbildung der K-Gruppen ist in der Hauptseite nur die Einbeziehung derjenigen Gruppen, die eine derartige Stellung erlangen konnten und nur in der Nebenseite jener Gruppen, die deren Opfer wurden.
Einige Organisationsansätze wie die beiden Berliner Gruppen KB / ML und PL / PI verfügten zwar zeitweise über recht beträchtlichen Einfluß auch im Bundesgebiet, zerfielen aber bevor sie diesen zum Aufbau bzw. zur Einverleibung von Organisationen in Westdeutschland ausnutzen konnten. Sie kommen deshalb hier nur am Rande vor.
Auch in der regionalen Darstellung wurde auf eine Beschreibung der Berliner Entwicklung verzichtet, da hier keine regionale Ausdehnung möglich war. Festzuhalten bleibt, daß in Berlin während des gesamten Untersuchungszeitraumes die KPD die mit Abstand stärkste K-Gruppe war.
Allgemein ergibt sich die Notwendigkeit einer Untersuchung der K-Gruppen aus der Tatsache, daß ein Teil der bundesdeutschen und westberliner Wirklichkeit, besonders nachdem er seit mehreren Jahren zu einem gewissen Abschluß gekommen ist, noch immer nicht hinreichend genug beleuchtet ist um zu einem tieferen Verständnis der Ursachen, des Verlaufes und des Unterganges der K-Gruppen zu gelangen.
Liegen auch bereits vereinzelt Untersuchungen vor, so entstanden sie doch zumeist zu einer Zeit, als die K-Gruppen noch im Entstehen begriffen waren oder zur Zeit ihrer höchsten Entfaltung. Selbstverständlich fällt es schwerer, Aussagen über einen Prozeß zu formulieren, der nicht abgeschlossen ist. Um so verwunderlicher erscheint die Tatsache, daß nun, nach mehreren Jahren, eine umfassende Aufarbeitung noch nicht einmal begonnen wurde, sondern sowohl die Literatur mit wissenschaftlichem Anspruch als auch die politische oder politisierende Literatur häufig entweder von einfacher Negation oder von mehr oder minder haßerfüllter Denunziation geprägt ist, wobei weder das eine noch das andere wesentlich zur Klärung der Sachverhalte beizutragen vermag. Angesichts der vorherrschenden weitgehenden Interesselosigkeit der politischen Wissenschaft[6] an den K-Gruppen liegt die Vermutung nahe, daß diese in der Bedeutungslosigkeit dieser Strömung, wie dies von verschiedenen Autoren behauptet wird[7], begründet ist. Diese Annahme mag
besonders zur gegenwärtigen Zeit, wo die K-Gruppen sich weitgehend aufgelöst bzw. in kleinen Zirkeln, die kaum nach außen auftreten, organisiert haben, naheliegen. Betrachtet man allerdings die frühen siebziger Jahre, so fällt auf, daß das politische Klima an den meisten Universitäten, vielen Schulen und Berufsschulen, Stadtteilen und Gewerkschaftsgruppen wenn nicht durch die K-Gruppen selbst, so doch von der Auseinandersetzung mit ihnen bestimmt war[8].
Die KJO Spartacus, die zeitweise bestrebt war einen 'Eigenständigen Gewerkschaftsjugendsektor[9] aufzubauen, kam in einer Selbstkritik an diesem Vorhaben u.a. zu dem Schluß, daß es 1973 eine unabhängige Gewerkschaftsjugend kaum noch gab, sondern deren Gruppen tendenziell als Instrumente bzw. Einflußbereiche[10] einzelner linker Gruppierungen (was allerdings nicht nur die hier als K-Gruppen bezeichneten Organisationen betrifft sondern u.a. auch ebenso trotzkistische und Ostblock-orientierte Vereinigungen und manchmal gar die Jusos einschließt) anzusehen sind, so wird deutlich, wie weit damals der Einfluß der radikalen Linken und deren häufig stärksten Fraktionen, der K-Gruppen[11], reichte, der besonders unter den Jugendlichen aller Klassen und Schichten feststellbar war.
Weder eine umfassende Analyse der Studentenbewegung noch eine genaue Betrachtung der neuen sozialen Bewegungen der siebziger Jahre noch gar eine konkrete Untersuchung der Herausbildung der Grünen und ihrer Fraktionen, Tendenzen und Cliquen ist möglich ohne eine Einbeziehung der K-Gruppen, die aus der Studenten- und Jugendbewegung der späten sechziger Jahre als wohl stärkste Strömung hervorgingen, in den neuen sozialen Bewegungen Einfluß nahmen oder Abgrenzung provozierten und sich zu einem großen Teil, gemeinsam mit anderen Tendenzen, an der Herausbildung der Grünen und Alternativen beteiligten bzw. diese anregten.
Obwohl es den K-Gruppen in der Bundesrepublik und Berlin (West) nie gelang tatsächliche Massenparteien aufzubauen, gingen doch Zehntausende durch ihre Organisationen hindurch und ein großer Teil der heute Dreissig- bis Fünfundvierzigjährigen, besonders aus akademischen Berufen und bei den Grünen und Alternativen aktiven, war zu irgendeiner Zeit in engerem Kontakt mit dieser Strömung, sei es in Gegnerschaft oder in einer organisatorischen Verbindung.
Das politische Klima, besonders in den frühen Siebzigern, war u.a. dadurch beeinflußt, daß es eine große Gruppe von Personen gab, die. bereit war gegen eine große Zahl unpopulärer oder gar populärer (z.B. die Ostverträge) staatlicher Maßnahmen sofort Widerstand zu leisten, wobei dir. zu erwartenden negativen Sanktionen durch die Unterstützung der Mitglieder durch die Organisationen aufgefangen wurden.
Auch wenn nicht verschwiegen werden soll, daß die K-Gruppen durch das Konkurrenzverhalten der einzelnen Gruppen untereinander bzw. mit anderen Strömungen und der in der Regel dogmatischen Abgrenzungsbestrebungen häufig auch die Entstehung oder Ausbreitung größerer oppositioneller Bewegungen ver- bzw. behinderten, so muß doch darauf hingewiesen werden, daß allein schon die Existenz von Zehntausenden von Oppositionellen, die innerhalb weniger Tage oder gar Stunden zu unter Umständen militanten Widerstandshandlungen mobilisierbar und in festen Solidargemeinschaften organisiert waren, sicherlich einen gewissen Einfluß auf die Politikkonzepte der staatlichen, parteilichen und parlamentarischen Eliten bzw. auf deren Umsetzung gehabt haben dürfte[12].
Verspricht eine Untersuchung der K-Gruppen einerseits einige Erkenntnisse über das Verhältnis von Macht und Gegenmacht in der Bundesrepublik, so läßt sich auch vermuten, daß aus einer derartigen Untersuchung wertvolle Hinweise zu erlangen sind für die Erklärung der Tatsache, daß die straff organisierten, weitgehend hierarchisch aufgebauten K-Gruppen quasi ein Bindeglied zwischen der antiautoritären Bewegung der späten Sechziger und den, zumindest dem Anspruch nach, basisdemokratischen Grünen und Alternativen der späten Siebziger und Achtziger Jahre einnimmt. Ob und inwieweit hierbei jeweils wirklich Umdenkprozesse stattfanden, oder ob nur opportunistische Anpassungen an den Zeitgeist vorgenommen wurden, bleibt zu untersuchen.
Könnte man einerseits behaupten, die K-Gruppen seien ein reines Ergebnis des Niederganges der Studentenbewegung bzw. der Außerparlamentarischen Opposition[13], die ja auch z.B. Lehrlinge, Schüler und Angehörige anderer, zumeist akademischer, Berufe in Bewegung brachte[14], so könnte behauptet werden, daß es sich bei den K-Gruppen, die ganze Zeit ihrer Existenz über, um politisch isolierte Vereinigungen gehandelt habe, die lediglich die Konkursmasse der APO verwalteten und zum Aufbau neuer Potentiale unfähig waren, während dies m.E. für die ersten Jahre der Herausbildung und Existenz der K-Gruppen nicht unbedingt nachgewiesen werden kann.
In den Jahren 1970 bis 1975 nämlich hatten die K-Gruppen zwar in ihrer Ideologie[15] weitgehend und zum Teil, aber eben nur zum Teil, auch in ihrer praktischen Politik durchaus sektenähnliche Züge, ihr politischer
Einfluß aber war nicht immer der einer kleiner Randgruppe der Linken, sondern bestimmte gesellschaftliche Bereiche wie z.B. viele Schulen (in der Mehrzahl Gymnasien), viele Hochschulen bzw. einzelne von deren Fachbereichen (zumeist eher die geistes- und sozialwissenschaftlichen) und Teile des Lehrlingssektors bzw. der Gewerkschaftsjugend wurden zumindest in weiten Bereichen der Bundesrepublik Deutschland und Berlins (West) politisch von ihnen wesentlich beeinflußt, wobei dieser Einfluß natürlich in der Regel nicht den Einfluß der Direktionen überstieg, aber auf der Seite der politisch aktiven Kräfte bzw. der Linken durchaus dominant sein konnte.
Die Anhänger rekrutierten sich gerade nicht lediglich aus den 'Restbeständen' der APO sondern fanden ihren Weg zumindest zu großen Teilen auch in diese Gruppen ohne vorher in APO, SDS etc. aktiv gewesen zu sein, was wiederum nur zum Teil den nachrückenden Generationen geschuldet war.
Zumindest ihre kurzfristige Mobilisierungsfähigkeit lag damals häufig wesentlich höher als die der parlamentarischen oder Moskau- orientierten Parteien[16], die natürlich in der Regel an einer Mobilisierung gar kein Interesse hatten, es aber selbst bei eventuellem Interesse nicht immer vermochten eine größere Mobilisierung zu gewährleisten.
Heute wird zumeist der Begriff der Sekte als ein politischer Kampfbegriff zur Kennzeichnung der K-Gruppen benutzt, um eine praktisch kaum noch existierende politische Strömung als quasi niemals existent bzw. niemals bedeutsam erscheinen zu lassen, wobei dieser Begriff zumeist versucht den Eindruck zu erwecken, als ob die K-Gruppen durch ihren Sektencharakter nie in der Lage gewesen wären wenigstens den einen oder anderen Tageskampf zu führen bzw. zu unterstützen und der Eindruck hervorgerufen wird, als wenn der Sektenstreit immer der vorherrschende Faktor gewesen sei.
Ob es möglich ist mit einer derart eindimensionalen Erklärung komplexe Phänomene in den Griff zu bekommen darf bezweifelt werden. Eher richtig wäre wohl an Hand der konkreten Vorfälle zu untersuchen, bei welchen Gelegenheiten Bewegungen durch den Sektenstreit zerstört wurden, und bei welchen praktischen Gelegenheiten es den K-Gruppen, trotz ihrer theoretischen Zerstrittenheit, möglich war sich zu gemeinsamen Aktionen zusammenzuschließen und eine vorantreibende bzw. organisierende Rolle dabei einzunehmen.
Beliebter ist aber heutzutage zumindest bei einigen Autoren eine Art der globalen Schuldzuweisung und Pauschalisierung, die in den K-Gruppen stets nur 'das Böse' zu sehen vermag und sich dadurch in der Art des Weltbildes nicht unbedingt von einem Sektenweltbild unterscheidet bzw. nur in der Tatsache, daß die Inhalte 'undogmatisch' bzw. moderat erscheinen und von daher mehr Zuspruch erhalten.
Hierfür finden sich eine Reihe von Beispielen, so bei Balsen / Rössel[17], die zu den K-Gruppen u.a. folgendes bemerken:
»Ein Merkmal für das Sektierertum der maoistischen Gruppen war, daß sie auch kaum mehr miteinander diskutierten, sondern allenfalls gegeneinander, wobei der jeweils andere zum 'Hauptfeind' erklärt wurde. Das führte zu gegenseitigen Störaktionen bei Demonstrationen und Veranstaltungen bis hin zur Publikation von Flugblättern, die sich einzig und alleine mit den Fehlern der Politik der benachbarten maoistischen Kleingruppe auseinandersetzten. Gemeinsame Aktionen waren weitgehend ausgeschlossen. Darunter hatte auch die Vietnam-Bewegung zu leiden."[18]
Einmal davon abgesehen, daß die Rede von maoistischen Kleingruppen ist, obwohl diese die größten Organisationen der radikalen Linken bildeten und diese sich bei der Frage des Hauptfeindes stets lediglich darüber stritten, ob dies nun die CDU, die SPD, die DKP, die USA, die SU oder der 'BRD-Imperialismus' sei, bleibt auch die selbstsicher getroffene Behauptung von der weitgehenden Unmöglichkeit gemeinsamer Aktionen unbewiesen und wird in ihrer Eindimensionalität zu einer Falschdarstellung, da häufig, aber gewiß nicht immer, durchaus größere Aktionseinheiten maoistischer, sozialistischer, trotzkistischer etc. Gruppen möglich waren, auch und gerade in der Vietnamsolidarität. Das diese Aktionseinheiten fast stets ohne Beteiligung von DKP und SPD stattfanden, könnte eventuell mit deren Unvereinbarkeitsbeschlüssen erklärt werden.
Balsen / Rössel aber wollen scheinbar eher darauf hinaus den K-Gruppen die Alleinschuld für jegliche Spaltung von Demonstrationen in die Schuhe zu schieben, und ihnen durch diese Spaltungsfreudigkeit eine politische Bedeutungslosigkeit zu unterstellen.
Zur Untermauerung dieser Behauptung wird dann von den beiden zentralen Vietnamdemonstrationen im Januar 1973 die größere und länger vorbereitete in Bonn am 14.1.1973, an der sich auf Initiative der KG(NRF) Mannheim / Heidelberg fast sämtliche späteren KBW-Gruppen, die KPD und auch eine Vielzahl unabhängiger Gruppen, z.B. das, fast die gesamte nicht SEW-orientierte linke Szene umfassende, Berliner
Vietnamkomitee beteiligten, nicht erwähnt, sondern lediglich die als Reaktion darauf durchgeführte Vietnamdemonstration der Initiative Internationale Vietnam Solidarität (IIVS) am 20.1.1973 in Dortmund[19].
Dies dürfte seine Ursache u.a. darin haben, daß durch die Mitarbeit von Klaus Vack an dem Buch dieses u.a. zur Rechtfertigung der Geschichte des Sozialistischen Büros, welches damals Mitglied der IlVS war, dient, so daß sich die Autoren stets auf die Seite schlagen, auf der diese Gruppe jeweils aktiv war und dann anläßlich der Frankfurter Chiledemonstration am 14.9.1974, an der sich das Sozialistische Büro nun auf Seiten der radikaleren Linken beteiligte, die DKP für die Spaltung der Demonstration angreifen, obwohl der Sachverhalt nicht sonderlich verschieden von den Vietnamdemonstrationen im Januar 1973 ist[20].
Bei der Besprechung der Chilesolidarität müssen Balsen / Rössel dann zwar einräumen, daß der KBW "immerhin in vielen Städten relativ einflußreich war"[21].
Eine wichtige Rolle in der Chile-Solidarität aber spielte scheinbar lediglich die vergleichsweise kleine Gruppe Internationaler Marxisten, als Gegengewicht zum Einfluß des zehn- bis zwanzigmal größeren KBW in den Chilekomitees[22], der lediglich als rein destruktive Gruppe in Erscheinung tritt und die Frankfurter Demonstration, an der sich trotz der angeblichen weitgehenden Unfähigkeit der K-Gruppen zur gemeinsamen Aktion wiederum neben anderen Kräften eine Reihe verschiedener K-Gruppen beteiligten, ebenso wie andere Aktionen nicht mitorganisiert zu haben scheint.
Der Vorwurf, sich nicht für die Entwicklung in Chile vor dem Putsch interessiert zu haben, wird wiederum fast allein nur den K-Gruppen gemacht. Zwar wird eingangs global über die Solidaritätsbewegung festgestellt:
"So gut wie keine Aufmerksamkeit fanden die politischen Vorgänge in Chile, jenem langgestreckten Land, das im Südwesten Südamerikas zwischen Pazifik und Anden liegt."[23]
Dann aber wird festgestellt:
"Der erste Sieg eines marxistischen Präsidentschaftskandidaten in freien Wahlen, die Verwirklichung eines weitgehenden Nationalisierungsprogramms, kurz: Chiles Weg zum Sozialismus fand in der bundesdeutschen Linken nur ein bescheidenes Interesse. Es war die Zeit der politischen Sekten. Für die K-Gruppen war der chilenische Weg 'reformistisch' und schon von daher uninteressant. Für andere war er zu kompliziert und zu widersprüchlich; er ließ sich nicht so leicht in eine Schublade stecken. Abgesehen von einem Grüppchen linker Wissenschaftler und Diplomanden, die - versehen mit Forschungsaufträgen oder Stipendien - den Sozialismus vor Ort in Chile studierten, gab es kein nennenswertes Interesse an den Vorgängen in dem Andenstaat.“[24]
Einmal abgesehen davon, daß Balsen / Rössel aus Chile und der dortigen Militärdiktatur nicht die Lehre gezogen haben, daß eine grundlegende Veränderung des Gesellschaftssystems auch machtpolitisch d.h. auch und gerade militärisch abgesichert werden muß, was im Grunde eine Binsenwahrheit darstellt, sondern dies scheinbar eher energisch bestreiten, einen derartigen Weg, der das Leben Tausender Chilenen forderte, als vorbildlich oder doch zumindest gangbar darstellen, trifft der Vorwurf der Nichtbeachtung Chiles doch wohl die gesamte Solidaritätsszene. Hätten die K-Gruppen sich mehr mit Chile beschäftigt und - zumindest halbwegs realitätstüchtige Politiker die sie in der Regel waren - zu einer sofortigen Bewaffnung des Volkes und der Entmachtung der Armee geraten, dann hätten Balsen / Rössel ihnen jetzt Einmischung in die Angelegenheiten fremder Völker und dogmatischen Schematismus o.ä. in der Betonung der Notwendigkeit revolutionärer Gewalt vorwerfen können. Herausgekommen wäre vermutlich das selbe: die K-Gruppen tragen die Schuld für alles, was scheiterte, bei erfolgreichen Aktionen finden sich auch gern andere, die diese für sich reklamieren.
Wir haben uns der Mühe einer halbstündigen Recherche unterzogen und sind dabei u.a. auf folgende Beschäftigungen der damals größten K-Gruppe mit Chile gestoßen:
Bereits am 12. September 1970 berichtet die KPD / ML-ZB in ihrem 'Kommunistischen Nachrichtendienst' über die Regierungsübernahme durch die Volksfront, wobei u.a. festgestellt wird:
»Der CIA hat in Lateinamerika schon bei geringeren Anlässen Putsche veranstaltet, so in Guatemala (Arbenz) und in Brasilien (Goulart). Auch in Chile hat die Armee unter dem vergangenen Präsidenten Frei zweimal Putschversuche gestartet.
Es ist fraglich, ob es Allende und seiner Volksfront gelingen wird, ... durchzukommen. Imperialistische Staaten, Monopole und die einheimische Bourgeoisie werden mit allen Mitteln versuchen, Allende zu bremsen. Das wird nicht schwer sein, da Allende sich nur auf ein Wahlkartell und nicht auf eine echte Volksbe-
wegung stützen kann.... Der Erfolg der Theorie vom parlamentarischen Weg zum Sozialismus bleibt auch in Chile unwahrscheinlich, falls es der Volksfront nicht gelingt, sich in den Massen zu verankern."[25]
Wenige Wochen später kommt die KPD / ML-ZB anläßlich von Putschvorbereitungen in Bolivien erneut auf dieses Thema zu sprechen:
„Diese Aktion der US-Imperialisten ist ein Teil einer globalen Strategie, mit der sie hoffen, den Einfluß der progressiven kleinbürgerlichen Regime und der marxistisch orientierten einzudämmen. Laut bürgerlichen Pressemeldungen werden ähnliche Aktionen auch in Chile geplant.“[26]
Die Tatsache, daß eine Regierungsübernahme wie die von Allende in Chile, der sich aus wohl zumindest teilweise berechtigter Furcht die Armee zu provozieren, bis zum Putsch hartnäckig weigerte, das Volk zu bewaffnen und dadurch die tatsächliche Macht zu übernehmen, kein besonderes Interesse der 'Sekten' und nicht einmal Propagandisten außerhalb dieser fand mag angesichts dieser düsteren Prophezeiungen verständlich sein. Leider haben die K-Gruppen bezüglich Chiles trotz bzw. gerade wegen ihrer ideologischen Brille, die so sehr dogmatisch zumindest in den angeführten Zitaten ja auch wieder nicht ist, da ein Erfolg ja nicht qua definitionem ausgeschlossen wird, Recht behalten. Ihnen heute vorzuwerfen, damals nicht die Einschätzung, die Balsen / Rössel gern gesehen hätten, gehabt zu haben muß wohl als recht niveaulos bezeichnet werden.
Ist es bei derartig ideologisch eingefärbten Veröffentlichungen wie dieser, die zur Illustration des Kenntnisstandes heutiger Bewegungen über ihre eigene und die K-Gruppengeschichte, sehr ausführlich besprochen wurde, nicht verwunderlich, daß bestimmte Tatsachen fortgelassen bzw. dem eigenen Dogma entsprechend interpretiert werden, so treten diese Phänomene doch auch in Texten mit wissenschaftlichen Anspruch auf, wenn auch zumeist nicht ganz so offen.
In dem von Roland Roth und Dieter Rucht herausgegebenen Buch 'Neue soziale Bewegungen in der Bundesrepublik Deutschland', äußert sich Karl-Werner Brand in seinem Beitrag 'Kontinuität und Diskontinuität in den neuen sozialen Bewegungen' mit einer These, die nicht nur die K-Gruppen sondern gleich jedwede dezidiert linke Politik als unbedeutend darstellt:
"In der ersten Hälfte der siebziger Jahre konnte kaum jemand vorhersehen, daß sich in den folgenden Jahren eine neue breite Welle von Protestbewegungen nicht an den traditionellen, von der Studentenbewegung aufs neue polarisierten Fragen der kapitalistischen Herrschaftsordnung, sondern an Problemen der gesellschaftlichen Reproduktion entzünden sollte. Der Zerfall der Studentenbewegung und die anfängliche Reformeuphorie der sozialliberalen Koalition hatten große Teile der oppositionellen Kräfte ins politische System, in innerinstitutionelle Auseinandersetzungen eingebunden. Für andere Teile begann der Rückzug nach 'innen', in die spirituelle oder Psycho-Szene. Diverse Parteigründungen der Linken verkamen zur Bedeutungslosigkeit politischer Sekten. So war schwer zu erkennen, daß in den vom reformpolitischen Aufwind getragenen neuen Formen bürgerschaftlichen Engagements, in den in Stadt und Land aus dem Boden sprießenden Bürgerinitiativen, in der sich neu formierenden Frauenbewegung und in der noch sehr zerstreuten Szene aus spontaneistischen Zerfallsprodukten der Neuen Linken, aus Wohngemeinschaften, alternativen Projekten, Selbsterfahrungs- und Dritte-Welt-Gruppen, der Nährboden für einen neuen gesellschaftlichen Akteur erwuchs, der seit Mitte der siebziger Jahre für ein knappes Jahrzehnt das Geschehen auch auf der politischen Bühne nachhaltig prägte."[27]
Wird dieses Zitat textimmanent betrachtet, so stellt sich die Frage, ob etwa die gesamte Linke bedeutungslos war oder wurde, was ja immerhin eine mögliche Meinung wäre[28], oder ob, wenn schon nicht den Parteigründungen dann doch wenigstens der Psycho-Szene oder den Linken in den Institutionen eine gewisse Bedeutung zugemessen werden kann, was Brand ebenfalls bestreitet[29].
Dadurch, daß Brand von einem 'zur Bedeutungslosigkeit verkommen' redet, wäre ihm allerdings, vorausgesetzt es handelt sich nicht um eine schlampige Formulierung, zu unterstellen, daß die Parteigründungen eine Bedeutung, und sei sie nur darin zu finden, daß über eine Abschaffung des momentanen Gesellschaftssystems überhaupt wieder nachgedacht werden kann, zumindest anfänglich gehabt hatten und diese erst im Zuge der Entwicklung wieder verloren. Dadurch würde er der generalisierenden Einschätzung von Stöss zumindest teilweise widersprechen.
Bei Brand entsteht der Eindruck, als ob sich die neuen sozialen Bewegungen herausgebildet hätten ohne jede Einflußnahme der K-Gruppen, die ja zur Bedeutungslosigkeit verkommen waren und z.B. nicht die AKW-Bewegung zumindest in einigen, teils recht wichtigen, Regionen wie z.B. Hamburg und Bremen, weitgehend dominiert und mit einer Logistik ausgestattet hatten, die die spektakulären Großdemonstrationen in Brokdorf und Grohnde, die zum schnellen Aufschwung der Bewegung wohl einiges beitrugen, überhaupt
erst ermöglichten. Wie die Großaktionen der AKW-Bewegung ohne die Mitarbeit politisch erfahrener organisierter Kräfte, die weitgehend aber nicht ausschließlich in den K-Gruppen organisiert waren, zustande gekommen sein sollen, vermag Brand leider nicht anzugeben.
Warum die K-Gruppen, trotz ihrer unterstellten Bedeutungslosigkeit z.B. in den Demonstrationsleitungen der Brokdorf-Demonstrationen stark bis dominant vertreten waren, wäre wohl lediglich mit Verschwörungstheorien zu erklären.
Anzunehmen ist daß diese Großaktionen durch eine alleinige Beteiligung von Selbsterfahrungsgruppen, Wohngemeinschaften[30] etc. wohl nicht möglich gewesen wären. Bei Brand entstehen derartige Massenaktionen, die zu Beginn der Anti-AKW-Bewegung vermutlich einen durchaus wichtigen Stellenwert hatten dagegen so: "... das Netzwerk von Projekten, Scenes und politischen Kommunikationsmedien, das sich bis Mitte der siebziger Jahre bildet und das die organisatorische Infrastruktur für die nachfolgenden Mobilisierungswellen der neuen sozialen Bewegungen abgibt, wird überwiegend von den Aktivisten der 68er Generation geschaffen. Hinzu kommen Gruppen der Neuen Linken, die mit der Krise und dem Zerfall der 'revolutionären Identität', die die diversen Kaderorganisationen zu versprechen schienen, in den bunten und alternativen Listen und dann bei den GRÜNEN ein neues politisches Betätigungsfeld fanden."[31]
Brand setzt den Zeitpunkt der Einflußnahme der Kader der K-Gruppen also erst bei der Herausbildung der verschiedenen Bunten Listen an, mithin also frühestens 1978, wobei er den Eindruck hervorruft, als wären die Kader auf einen fahrenden Zug aufgesprungen und hätten ihn nicht zumindest teilweise auch mit in Gang gebracht[32].
Lutz Mez äußert sich in dem selben Band ein wenig anders. Er konstatiert:
"Aber bereits 1976 zeigten die ersten Auseinandersetzungen um das Atomkraftwerk Brokdorf, daß die inneren Gegensätze in der Anti-Atomkraft-Bewegung seit Whyl gewachsen waren. Vor allem linke Gruppen waren nicht länger bereit, sich der Mehrheit und deren Handlungsprinzipien zu unterwerfen. Die K-Gruppen beanspruchten die Führung im Kampf gegen die Atomkraft. Die 'Avantgarde' aus konkurrierenden kommunistischen Kleinstparteien legte zeitweise auf die Aktionseinheit mit 'kleinbürgerlichen Elementen' der Bewegung keinen Wert mehr und vollzog im Ansatz die von der Gegenseite lang erhoffte Spaltung der Atomkraftwerksgegner. Wie die Dritte Internationale den bewaffneten Aufstand als höchste Form des Klassenkampfes definiert hatte, versuchten deren Apologeten in den K-Gruppen die Bauplatzbesetzung zur höchsten Form des Antiatomkampfes zu stilisieren."[33]
Leugnet Mez nicht einfach wie Brand jede Einflußnahme der K-Gruppen auf die Herausbildung bzw. die Entwicklung der neuen sozialen Bewegungen[34] so bedient er sich des Konstrukts einer 'Mehrheit, ohne anzugeben, wo diese jemals existiert hat, wurden doch Konzepte wie das der Bauplatzbesetzung nicht nur von den K-Gruppen sondern gerade auch von weiten Teilen anderer AKW-Gegner, wie z.B. ganz am Anfang der Bewegung in Whyl, befürwortet und praktiziert. Hätte es diese Mehrheit je gegeben, dann hätte wohl keine Zustimmung der Bundeskonferenzen der AKW-Bewegung zu Besetzungen bzw. zumindest zur Freiheit der Aktion erfolgen können, es sei denn diese Mehrheit habe sich lediglich aus Personen zusammengesetzt, die sich innerhalb der Bewegung nicht durchsetzen konnten[35].
Ob dieser Kreis dann andererseits in der Lage gewesen wäre sich gegenüber dem staatlichen Atomprogramm durchzusetzen, bleibt fraglich. Fraglich ist auch, ob Mez hier einfach schlecht informiert ist oder ob er im nachhinein versucht eine Rechtfertigung für die Spaltungsversuche von u.a. DKP, Jusos und BBU[36] durch die Kundgebung in Itzehoe, für die selbst die DKP sich bemühte kurzlebige eigene Bürgerinitiativen zu gründen, um zu den erforderlichen Abstimmungsmehrheiten zu gelangen[37], zu geben. In diesem Fall wäre seine Darstellung immer noch verfälschend, da es bei dieser Aktion zu schwerwiegenden Auseinandersetzungen innerhalb der K-Gruppen selbst nämlich zwischen KB und KPD einerseits und KBW andererseits, über die Frage eines Besetzungsversuches trotz der Spaltung kam.
Im weiteren konstatiert Mez auch bei der Entstehung der bunten und alternativen Listen eine personelle und organisatorische Dominanz von K-Gruppen, speziell KB und KPD, die erst später zurückgedrängt wurden[38]
Hierbei stellt Mez u.a. fest, daß der KB in der Hamburger Szene dominierend war, was ihm sicherlich von jedem in Hamburg politisch aktiven Menschen bestätigt werden wird. Nimmt der KB zwar durch seine Öffnung zur AKW-, Frauen- und Schwulenbewegung hin eine Sonderstellung innerhalb der K-Gruppen ein, so stellt sich doch die Frage, halten wir uns an die These der Bedeutungslosigkeit von Stöss und Brand, wie eine 'bedeutungslose' Gruppe es zu schaffen vermag, eine ganze linke bzw. neue soziale Szene zu dominie-
ren, die ja selbst zumindest seit ihrer Hinwendung zu neuen sozialen Themen wieder über Bedeutung verfügt.
Wird die gesamte Linke als bedeutungslos bezeichnet und werden im Gegensatz dazu die neuen sozialen Bewegungen als bedeutend stilisiert, so bleibt zu fragen, woran sich eine derartige Bedeutung mißt.
Zu glauben, eine hauptseitig an der Praxis, d.h. Initiierung, Organisierung und Unterstützung von Kämpfen, ausgerichtete Bewegung wie die der K-Gruppen hätte es vermocht attraktiv für immerhin eine ganze Anzahl von Menschen zu sein, ohne je in der Lage gewesen zu sein eine wirkliche organisatorische Kraft darzustellen, hieße daß gesellschaftliche Potential der reinen 'Sektierer' weit überschätzen. Richtiger als eine derartige einseitige Annahme wäre wohl ein Erklärungsversuch, der die Genese der K-Gruppen als Zusammenspiel einerseits von Kräften, denen es um die Geborgenheit in einer festen sozialen Gruppe bzw. Sekte ging, und andererseits um einen Personenkreis, dem es im wesentlichem um eine Veränderung gesellschaftlicher[39] Zustände ging betrachtet
Der Niedergang der K-Gruppen, wie er sich ab ca. Ende 1975 vollzog, wäre dann u.a. zu erklären mit der schrittweisen Ausschaltung bzw. Auflösung dieser in ihren Bereichen verankerten Gruppen, sei es durch Ausschluß einzelner Mitglieder oder durch Verschickung in andere soziale Zusammenhänge bzw. in andere Orte, die ja von fast allen Gruppen, zumeist Richtung Ruhrgebiet[40], praktiziert wurde.
Neben den Autoren, denen lediglich die Bedeutung bzw. Bedeutungslosigkeit der K-Gruppen beachtenswert zu sein scheint, gibt es einige wenige Beiträge, die sich auch aus anderen Perspektiven heraus mit den K-Gruppen befassen.
Diese dürften allerdings zumeist ihren Ursprung wohl entweder in dem Wunsch der Reformierung der K-Gruppen[41] oder der politischen Einflußnahme gegen die K-Gruppen bzw. die gesamte Linke haben[42].
Während die Darstellung der Ziele und Programmatiken den meisten Autoren, wenn auch manchmal sehr eindimensional - die bisweilen häufigen Änderungen der Anschauungen werden selten berücksichtigt - gelingt, muß ein großer Teil der Sekundärliteratur als unbrauchbare Quelle, besonders was die Organisationsgeschichte betrifft, betrachtet werden, sei es aus dem Grunde der Übernahme falscher Stellen aus anderen Werken, wegen der subjektiv gehaltenen Perspektive[43], aus apologetischen Motiven heraus[44], der anderen Fragestellung wegen[45] oder aufgrund des frühen Erscheinungstermins[46].
Zu den meistzitierten Autoren, was den K-Gruppenbereich angeht, muß Gerd Langguth gerechnet werden, der in seinem bisher in 3 Versionen erschienenen Buch zunächst versuchte die K-Gruppen als Vorhut der DKP darzustellen[47], während er in der zweiten Fassung[48] doch feststellen mußte, daß "bei den meisten Gruppen der ehemaligen Protestbewegung die negative Einschätzung der DKP offenkundig war."[49]
Während die ersten beiden Veröffentlichungen mit einer beträchtlichen Anzahl zumeist richtiger Fakten ausgestattet sind, sind zumindest die Abschnitte über K-Gruppen in seiner bisher letzten Version dieses Buches von 1983[50] derart sinnentstellend gekürzt worden, daß sie nunmehr fast mehr Falsches als Richtiges enthalten.
Warum sich die K-Gruppen in der Form entwickelten, wie sie dies taten, vermag Langguth nicht zu erklären, der sich in seiner Darstellung der Herausbildung der einzelnen K-Gruppen auf die gängigen Angaben[51] beschränkt.
Der berufsmäßig mit dem Thema befaßte Hans Josef Horchem[52] (ab 1969 Chef des Landesamtes für Verfassungsschutz in Hamburg), dessen Forschung weder durch beschränkte Mittel noch durch Parteinahme für eine bestimmte Strömung der Linken beeinträchtigt gewesen sein dürfte, widmet sich den K-Gruppen nur am Rande.
Ihre Entstehung erklärt er folgendermaßen:
"Die Kader der Protestbewegung konzentrierten sich seit dem Winter 1968 / 69 auf die Schulung ihrer Anhänger, die sie in den voraufgegangenen Aktionen neu gewonnen hatten. Die Schulung an Hand der marxistischen Klassiker und ihrer politischen Vollstrecker Lenin, Stalin und Mao warf die Frage nach der Organisation der Revolution und damit die Frage nach der Organisation der Revolutionäre auf.
Die Basisgruppen und Zirkel verbanden mit intensiver Schulung die Diskussion der Organisationsfrage und zogen unterschiedliche Schlüsse. Daher bestehen heute vielfältige Gruppen nebeneinander, die sich zwar zu gemeinsamen Demonstrationen oder Veranstaltungen zusammenfinden können, dennoch aber untereinander z.T. sehr scharf rivalisieren.“[53]
Ist diese Erklärung den Entstehens der verschiedenen Linien durch die Schulung zwar ein wenig monokausal, da die politische Praxis als Anlaß von Differenzierungen ausgeblendet wird, aber wohl im wesentlichen
richtig und sind seine Bemerkungen über Rivalität und Zusammenarbeit sogar, im Vergleich zu den o.a. Äußerungen von Balsen / Rössel, geradezu brilliant zu nennen, so fährt er nun mit einer recht verworrenen Darstellung fort.
Er konstatiert eine Trennung zwischen den Gruppen die die Betriebsarbeit aufnahmen und denjenigen, die sich nicht von ihrer Basis an den Universitäten lösten[54].
Letzteren sei von rivalisierenden Gruppen Zirkelwesen ohne ausreichende proletarische Basis vorgeworfen worden. Um welche rivalisierenden Gruppen es sich hierbei handelte wird nicht angegeben, die einzige überhaupt namentlich erwähnte Gruppe ist die GIM. Es wird auch nicht geklärt, ob der Vorwurf im Zirkelwesen bestehe, oder in der für einen Zirkel nicht ausreichenden proletarischen Basis. Zu den von ihm als Zirkel bezeichneten Gruppen führt Horchem, nach einer Schilderung der revolutionären Parteien, folgendes aus:
»Die revolutionären Zirkel tragen vielfach auch Organisationsbezeichnungen. In ihnen blieben am längsten antiautoritäre Denkgewohnheiten erhalten. ... Sie arbeiten konspirativ, organisieren intellektuelle Infiltration, führen jedoch kaum eigene Demonstrationen oder Aktionen durch, weil es ihnen an einer breiteren Basis mangelt. Zu ihnen gehören auch trotzkistische Gruppen, etwa die GIM."[55]
Hier zeigt sich, daß Horchem den grundlegenden Charakter der Diskussion der frühen siebziger Jahre über Parteiaufbau und Zirkelwesen entweder nicht begriffen hat oder dies jedenfalls nicht kundtut. In seinem eigenen Hamburger Kundenkreis, war ja immerhin jener, nach eigenem Verständnis, Zirkel SALZ zu finden, der durchaus über eine gewisse proletarische Basis und die Möglichkeit der Durchführung von Demonstrationen verfügte. Auch die GIM lehnte weder den Aufbau einer revolutionären Partei noch die Betriebsarbeit ab, sie sah sich lediglich lange Zeit nicht in der Lage, eine derartige Formation zu gründen. Ob gerade die Hochschulorganisationen, die häufig zu Fachschafts- und Studentenparlamentswahlen antraten, sonderlich konspirativ waren, muß im Vergleich mit den betrieblich arbeitenden Gruppen energisch bestritten werden. Horchem verwendet den Begriff Zirkel hier in einer Weise, wie er höchstens von den Gruppen verwandt werden konnte, die sich selbst als Partei begriffen. Diese verwandten aber diesen Vorwurf nicht lediglich gegen Hochschulgruppen, sondern gegen alle Gegner, wobei die mangelnde proletarische Basis zu einem der beliebtesten Vorwürfe auch gegen relativ stark betrieblich verankerte Gruppen gehört haben dürfte. Der Vorwurf des Zirkelwesens wurde selbstverständlich auch gegen konkurrierende, sich selbst als Parteien verstehende Gruppen, erhoben, denen der Parteicharakter schlicht bestritten wurde. Nicht getroffen von diesem Vorwurf dürften sich allerdings die Zirkel selbst gefühlt haben, die sich einfach noch in einer anderen Phase des Parteiaufbaus wähnten bzw. derzeit in einem anderen Kapitel der 'Geschichte der KPdSU(B) -Kurzer Lehrgang' um Rat nachschlugen[56].
Die sog. Zirkler unterschieden sich von den revolutionären Parteien - jedenfalls solange es hier um sich als marxistisch-leninistische verstehende Gruppen handelt - ja nicht durch die schmalere Basis, die konspirative Arbeitsweise oder die Ablehnung des Aufbaus proletarischer Parteien, sondern befürworteten lediglich einen anderen Weg des Parteiaufbaus. Für sie konnte die Partei nicht von einer kleinen Gruppe proklamiert und dann als Führungsanspruch gegenüber den anderen Gruppen durchgesetzt werden, sondern sollte durch den Zusammenschluß von und die Auseinandersetzung zwischen den verschiedenen Zirkeln entstehen, wobei häufig auch lediglich nicht der Name Partei gewählt wurde, man sich aber trotzdem so bzw. als führender Zirkel verstand. Auch in der Frage der Disziplin dürfte kein allzugroßer Unterschied zwischen den ML-Parteien und den ML-Zirkeln geherrscht haben, befürworteten doch beide den demokratischen Zentralismus und waren fast alle als Kaderorganisationen konzipiert. Der Begriff Zirkel wurde so zumindest von den K-Gruppen, die sich selbst noch nicht im Stadium der Massenpartei wähnten, zumindest anfangs eher als Ehrentitel denn als Schimpfwort verwandt, während für kleine Hochschulgruppen Bezeichnungen wie 'Clique', 'Reihe basisloser Cafeteria-Revolutionäre' (so in 'Rote Skizze' Nr.3, Kiel Mai 1970) etc. gedient haben dürften.
Die Diskussion um die Überwindung des Zirkelwesens wurde nicht entlang der Frage Hochschul- oder Betriebsarbeit sondern entlang der Themen der Handwerkelei und des Ökonomismus, des rationellen Arbeitsstiles und der überregionalen Organisierung geführt.
Was Horchem hier unter Zirkeln versteht dürfte eher der Tendenz entsprechen, die Karuscheit im Gegensatz zu spontaneistischen und marxistisch-leninistischen Kräften als Strömung des 'kleinbürgerlichen Sozialismus'[57] bezeichnet und der er das Berliner Projekt Klassenanalyse, die Roten Zellen-Arbeitskonferenzfraktion 1 München, die Gruppe Rheinische Zeitung Bonn, den Heidelberger Fritz Kramer und damit wohl auch die Heidelberger Institutsgruppenfraktion A zurechnet, obwohl auch diese nicht ohne Gewalt in Horchems Zirkeldefinition preßbar sind.
Eine etwas einleuchtendere These der Entwicklung der Unterschiede und der unterschiedlichen Entwicklung der einzelnen Richtungen der radikalen Linken, die auch zu erklären versucht, warum sich gerade auch maoistische Gruppierungen eines größeren Zulaufes als z.B. Trotzkisten und Brandleristen (Gruppen Arbeiterpolitik und Arbeiterstimme) erfreuten, liefern im bereits erwähnten Parteienhandbuch die Autoren des Beitrages über die Gruppe Internationaler Marxisten, Peter Brandt und Rudolf Steinke. Sie sprechen von einer kulturrevolutionären Euphorie der Jahre 1967-69, die einem Gefühl der Ernüchterung und dem Bedürfnis gewichen sei, sich mit einer realen Macht (China oder dem realsozialistischen Lager) zu verbünden[58].
Diese These ist durchaus einleuchtend, muß doch gesehen werden, daß sowohl Trotzkisten als auch Brandleristen im Grunde 'Marxisten-Leninisten' sind und vor allem über eine personelle Kontinuität seit der Weimarer Republik und dadurch über einen reichen Erfahrungsschatz verfügten, beim Aufbau großer Organisationen aber den Maoisten nicht standhalten konnten, obwohl einerseits trotzkistische Thesen über Arbeiterkontrolle, die allerdings auch von anderen Strömungen vertreten wurden, zunächst weit verbreitet waren und auch die brandleristische Gruppe Arbeiterpolitik, besonders durch ihre Tätigkeit bei Klöckner Bremen, einiges Ansehen genoß. Zu fragen bleibt dabei allerdings, inwiefern die auf Jahrzehnte angelegte Betriebsarbeit der Brandleristen Attraktivität auf größere Teile der von schnellen Linksentwicklungen träumenden Jugend auszuüben vermochte und inwiefern zumindest die Trotzkisten des Vereinigten Sekretariats der Vierten Internationale, durch ihr Verbleiben in der SPD beim Unvereinbarkeitsbeschluß gegen den SDS, nicht einfach den Anschluß an die Entwicklung verpaßt hatten, was auch durch späte Umarmungsversuche der APO z.B. durch die 'Was tun' nicht mehr wettgemacht werden konnte. Der Entrismus dieser Gruppe hatte sich ja zumeist auf Gruppen wie SPD, Falken und Jusos konzentriert, aus denen nur eher bescheidene Rekrutierungen ermöglicht wurden. Nach der 1969 erfolgten Spaltung in die spätere GIM und die Internationalen Kommunisten Deutschlands, verfochten letztere zwar ein Konzept des Aufbaus der revolutionären Partei durch eine Jugendorganisation, führten aber harte Debatten darüber, ob an Universitäten überhaupt Flugblätter verteilt werden sollten, so daß sie den radikalisierten Studenten keine Perspektive bieten konnte und diesen dann in den Betrieben bzw. Betriebsgruppen als Konkurrenten wiederbegegnete. Lediglich die westdeutsche Vertretung des Internationalen Komitees der Vierten Internationale, die Internationale Arbeiterkorrespondenz, verfügte ab 1965 über einige Mitglieder im Frankfurter SDS und der Gewerkschaftlichen Arbeitsgemeinschaft, die sich am Ort aber auch nur eine gewisse Basis, nicht aber die Vorherrschaft zu sichern vermochten. Wesentlich größer als die diversen trotzkistischen Gruppen wurden die hier als K-Gruppen bezeichneten Vereinigungen, die im nächsten Abschnitt kurz beschrieben und im Verlaufe der Arbeit, angesichts der bisherigen eher stiefmütterlichen Behandlung durch die politischen Wissenschaften, zumindest ansatzweise untersucht werden sollen.
Der Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD wurde im Mai 1973 gegründet durch Umbenennung der bisherigen Arbeiterbasisgruppen für den Wiederaufbau der KPD (ABG) und Aufnahme der Sympathisantengruppen Weiden, Altötting und Passau als Ortsgruppen[59].
Die ABG waren in München 1968 im Rahmen der Notstands- bzw. Dutschkeattentats-Kampagnen zunächst als Arbeiterbasisgruppen der außerparlamentarischen Opposition gegründet worden und entsprachen ihrem Charakter nach den auch in vielen anderen Städten existierenden Basis- oder Betriebsprojektgruppen der APO bzw. des SDS.
Eine Ortsgruppe in Regensburg, die vormalige Sozialistische Betriebsgruppe Regensburg (SBG) war bereits auf der 3. ordentlichen Mitgliederversammlung der ABG im Juni 1972 aufgenommen worden[60].
Eine Ausdehnung über die bayrischen Landesgrenzen hinweg gelang zunächst nur durch Anschluß der Kommunistischen Gruppen Aachen und Goslar, der Betriebsgruppe Roter Niethammer Mainz bzw. Gustavsburg und einigen Rekrutierungen aus dem ehemaligen Bund Deutscher Kommunisten Butzbach.
Versuche, den Bund Deutscher Pfadfinder (BDP) zu übernehmen trafen auf die Konkurrenz von KB und Marxisten-Leninisten Deutschlands[61], und waren dadurch weitgehend erfolglos. Nichtsdestotrotz wurde die bisherige Schülergruppe Rote Schülerfront (RSF) in einen Landesverband Bayern des BDP überführt.
Eine eigenständige Arbeiterjugendorganisation wurde nicht aufgebaut, es gab lediglich ein Jugendsekretariat, welches zeitweise über eigene Seiten im Zentralorgan, 'Kommunistische Arbeiterzeitung und vielen
Betriebs- und Stadtteilzeitungen verfügte, die ebenso wie dessen Flugblätter meist den Titel 'Kämpfende Jugend' trugen. Ab 1974 wurde auch eine eigenständige 'Kämpfende Jugend' herausgegeben.
Die Studentengruppe Kommunistischer Hochschulbund / Marxisten-Leninisten (KHB / ML) ging in München erst sehr spät, Ende 1971, aus der Interfrak-Fraktion der Roten Zellen hervor, nachdem die Roten Zellen zuvor insgesamt Unterstützungsarbeit für die ABG geleistet hatten[62].
In Berlin bildete sich im Februar 1970, aus den Harzer Gruppen ein kleiner Kreis zumeist führender SDS und APO-Mitglieder heraus, die u.a. in der Roten Zelle Germanistik, der Basisgruppe Wedding und dem Sozialistischen Arbeiter- und Lehrlingszentrum (SALZ) tätig waren und sich den Namen Aufbauorganisation für die KPD gaben. Diese benannte sich im Juli 1971 in KPD um und löste sich 1980 auf. Sie wird hier, der Einfachheit halber, stets mit KPD bezeichnet. Ihr Zentralorgan, trug den Titel 'Rote Fahne', das theoretische Organ, welches erst ab 1975 erschien, den Titel 'Theorie und Praxis des Marxismus-Leninismus'. Zuvor nahm diese Funktion teilweise die 'Rote Presse Korrespondenz (RPK) wahr, deren Kontrolle die KPD als stärkste Fraktion des Herausgeberkreises erlangt hatte.
Die Studentenorganisation hieß Kommunistischer Studentenverband (KSV) und entstand in Berlin aus den meist stärksten Fraktionen innerhalb der Roten Zellen, deren dominante Rolle sie an fast allen Berliner Hochschulen weitgehend übernahm.
Der Kommunistische Jugendverband (KJV) und der aus der Mehrheitsfraktion des zunächst überfraktionellen Zentralrates Westberliner Oberschüler (der Name schwankt ständig) hervorgegangene Kommunistische Oberschülerverband (KOV) wurden 1975 zum Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD), der hier als KJVD (2) bezeichnet wird, um Verwechslungen mit dem KJVD der KPD / ML-ZB zu vermeiden, vereinigt.
Weitere wichtige Nebenorganisationen waren die Liga gegen den Imperialismus (LgdI) und das in ihr aufgegangene, Mitte 1972 gegründete Nationale Vietnamkomitee (NVK).
Während die LgdI einerseits in Berlin (West) zunächst zur Organisierung der Anhänger unter der werktätigen Intelligenz benutzt wurde, diente sie in der Bundesrepublik Deutschland als Auffangbecken für sympathisierende Gruppen und Personen in Regionen, für die die KPD noch keine Kader zur Bildung ordentlicher Parteiorganisationen (Ortsgruppen bzw. Regionalkomitees) abstellen konnte.
Das NVK bildete im wesentlichen das Sprungbrett für die Ausdehnung der KPD in die Bundesrepublik Deutschland, mit dem eine Reihe von Gruppen an die KPD herangeführt wurden.
Bei der Kommunistischen Partei Deutschlands / Marxisten-Leninisten (KPD / ML) handelt es sich um die älteste der überregionalen Organisationen. Sie wurde unter Federführung von Ernst Aust im Dezember 1968 gegründet und erlebte eine erste große Spaltung ungefähr im April 1970 in eine Fraktion um das alte Zentralkomitee, die hier als KPD / ML-ZK bezeichnet wird und die alte Zeitung 'Roter Morgen' beibehielt, und eine Fraktion um ein neues Zentralbüro, welche als KPD / ML-ZB bezeichnet wird und eine 'Rote Fahne' herausgab.
Die kleineren Linien der KPD / ML wie Neue Einheit, Revolutionärer Weg und die mit örtlichen Namenszusätzen aufgetretenen Gruppen wie Landesverband Wasserkante und Kreisverband Siegen-Olpe werden nur am Rande berücksichtigt. Sowohl für die Zeit vor dem April 1970 als auch für die Zeit nach der Auflösung der KPD / ML-ZB, also ab April 1973, wird diese Gruppe als KPD / ML bezeichnet.
Jugendorganisation der KPD / ML und der KPD / ML-ZK war die Rote Garde, an den Hochschulen gab es zunächst örtliche SDS / ML-Gruppen, später einen Kommunistischen Studentenbund / Marxisten-Leninisten (KSB / ML).
Die KPD / ML-ZB baute einen Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD) auf, der sich auf die Arbeit unter Jungarbeitern und Lehrlingen konzentrierte. Zwar waren im KJVD auch Studenten und Gymnasiasten organisiert, wurden zumeist aber nur als Hilfskräfte herangezogen. Das der KJVD überhaupt an Gymnasien vertreten war wurde mir bisher nur durch die Spende einer Schülerzelle des ehemaligen KJVD (!) für die KPD / ML bekannt, in den Veröffentlichungen und auch den internen Periodika wurde auf diesen Arbeitsbereich fast gar nicht eingegangen.
Die Ursprünge des KABD liegen einerseits in der Revolutionären Jugend / Marxisten-Leninisten (RJ / ML), die aus der Roten SDAJ-Opposition in Mannheim, die sich u.a. anläßlich der CSSR-Invasion bildete, hervorging. Hierzu stießen Kräfte aus dem SDS Tübingen. Die Gründung der KPD / ML am 31.12.1968 wurde als verfrüht abgelehnt und stattdessen die Bildung eines Bundes befürwortet. In einem Zentralen Aktionskomitee (ZAK) wurden verschiedene Gruppen aus baden-württembergischen Städten (u.a. Karlsruhe, Ludwigsburg, Heilbronn, Ulm, Bietigheim, Eßlingen) zusammengeschloßen.
Als Organ besaßen RJ / ML und später auch ZAK eine Zeitung namens 'Rebell', die zeitweise auch das Zentralorgan des Kommunistischen Arbeiterbundes / Marxisten-Leninisten war, der aus der RJ / ML bzw. dem SDS Tübingen hervorging. Dieser anfänglich kleine Bund vergrößerte sich bald und gab ein eigenes Zentralorgan namens 'Rote Fahne' heraus. Die RJ / ML wurde vom KAB / ML zu seiner Massenorganisation erklärt. Die Schüler wurden in Marxistisch-Leninistischen Schülergruppen (MLSG) um das 'Rote Signal', die Studenten in Kommunistischen Studentengruppen / Marxisten-Leninisten (KSG / ML) um die Zeitschrift 'Roter Pfeil' zusammengeschlossen.
Nach der am 5. / 6. August 1972 erfolgten Vereinigung mit einer Gruppe von höchstens 30 ehemaligen Mitgliedern der KPD / ML-ZB in Duisburg, Düsseldorf und Solingen um Willi Dickhut, die sich KPD / ML-Revolutionärer Weg nannten, änderte der KAB / ML seinen Namen in Kommunistischer Arbeiterbund Deutschlands (KABD), später vereinigte sich auch die RJ / ML mit einem Kommunistischen Jugendverband Deutschlands-Revolutionärer Weg (KJVD-RW) zum Revolutionären Jugendverband Deutschlands (RJVD).
Heute tritt diese Gruppierung unter dem Namen Marxistisch-leninistische Partei Deutschlands (MLPD) auf.
Hier wird im allgemeinen der Name Kommunistischer Arbeiterbund Deutschlands (KABD) verwandt da dies der im Untersuchungszeitraum am längsten gültige ist.
Der Kommunistische Bund, gehässig auch KB-Nord genannt, wurde im November 1971 durch den Zusammenschluß der Sozialistischen Arbeiter- und Lehrlingszentren (SALZ) Hamburg, Bremerhaven und Frankfurt, der Kommunistischen Bünde / Marxisten-Leninisten (KB / ML) Flensburg und Eutin, des Kommunistischen Arbeiterbundes (KAB) Hamburg und der Kommunistischen Arbeitergruppe (KAG) Oldenburg gegründet, wobei eine enge Zusammenarbeit mit den SALZ's Cuxhaven und Stade und dem KB / ML Lübeck bekanntgegeben wurde.
Organisatorisch dominierend war hierbei das SALZ Hamburg, welches aus dem DGB - Jour Fix des DGB für Lehrlinge zunächst als Sozialistisches Lehrlingszentrum (SLZ) Hamburg hervorgegangen war und eine 'Kommunistische Arbeiterzeitung' herausgegeben hatte, die vom KB als 'Arbeiterkampf' fortgeführt wurde.
Als theoretisches Organ wurde die Zeitung des KAB Hamburg 'KAB-AZ' (für 'Kommunistischer Arbeiterbund-Arbeiterzeitung', als 'Unser Weg' weitergeführt.
Während das Hamburger SALZ seine Mitglieder nach Hunderten gezählt haben dürfte, wurden Schätzungen der Mitgliederzahl des KAB auf höchstens 30 von dessen Führer Knut Mellenthin als weit überhöht bezeichnet[63].
Das SALZ Hamburg verfügte zunächst über einen Kommunistischen Hochschulbund / Marxisten-Leninisten (KHB / ML) Hamburg, dessen bis zu 500 Mitglieder sich aber bald wieder zerstreuten. Danach wurden Sympathisanten des SALZ bzw. danach des KB an den Hamburger Hochschulen (SdS bzw. SdKB) gegründet, die sich aber nach dem 30.1.1972 mit übergroßer Mehrheit zur Sozialistischen Studentengruppe (SSG) Hamburg zusammentaten und später den KBW mitgründeten. Der KB bildete dann einen Sozialistischen Studentenbund (SSB, besser aber SStB, der zunächst auf Hamburg beschränkt später bundesweit, ein Organ namens 'Solidarität' herausgab.
Aus dem Kommunistischen Oberschülerbund Hamburg (KOB) ging nach der Abspaltung einer Minderheit als Sozialistische Schülerfront (SSF) ein Sozialistischer Schülerbund (SSB, besser ) hervor, der weiterhin ein 'Sozialistisches Schülerforum' herausgab.
Eine Arbeiterjugendgruppe wurde vom KB bisher nicht gebildet, wohl aber ein zumindest am Anfang auf die Arbeiterjugend, später auch auf Jugendliche allgemein, ausgerichteter 'Rebell' herausgegeben, der ab 1975 erschien.
Diese 1973 gegründete Gruppe war von Anfang an die insgesamt stärkste K-Gruppe in der Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West), wobei sie sich in Berlin erst nach einigen Diskussionen mit einer ordentlichen Ortsgruppe vertreten ließ.
Das Zentralorgan trug im Untersuchungszeitraum den Titel 'Kommunistische Volkszeitung', das theoretische Organ hieß 'Kommunismus und Klassenkampf.
Die Gründung des KBW wurde vorbereitet u.a. durch ein 'Bremer Kommunique', weswegen die Fraktion der späteren KBW-Gründerzirkel häufig als 'Kommunique-Gruppen' oder, nach dem theoretischen Organ des ideologisch führenden Zirkels, Kommunistische Gruppe (Neues Rotes Forum) Mannheim / Heidelberg, als NRF-Fraktion bezeichnet wurde. Ebenfalls geläufig war die Bezeichnung Parteiaufbaufront (PAF).
Zentrale Massenorganisation wurden nie, bezirkliche erst gegen Ende 1976 aufgebaut. Damals wurde die Organisation, die bisher aus einzelnen Ortsgruppen in den 3 Regionen Nord, Mitte und Süd bestand, in Bezirksgruppen aufgeteilt, wobei auch die bisherigen Sympathisantengruppen, die nie die Kriterien für die Aufnahme als Ortsgruppe hatten erfüllen können, ganz eingegliedert wurden.
Dem KBW ist es als einzigster K-Gruppe gelungen eine Präsenz in jedem Bundesland und nahezu in jedem Stadt- oder Landkreis aufzubauen.
Die Gründung erfolgte nach einer in der K-Gruppenwelt einzigartigen Debatte um das 'Programm der westdeutschen Kommunisten', an der sich sämtliche relevanten Gruppen beteiligten, wobei die Kritik der späteren KBW-Gruppen allerdings meist nur Formulierungen betraf. Diese wurde u.a. in einer Sondernummer des 'Neuen Roten Forums' der KG(NRF) Mannheim / Heidelberg dokumentiert, in der Beiträge von späteren KBW-Gruppen einerseits und konkurrierenden Linien andererseits enthalten sind. Insgesamt schlossen sich dieser spätesten K-Gruppengründung, mit Nebenorganisationen, mehrere hundert Gruppen an, wodurch die erste Zirkelphase fast gänzlich beendet wurde.
Zentrales Anliegen dieser Arbeit ist es darzustellen, wie die K-Gruppen sich in ihrer speziellen regionalen Verteilung herausbildeten und Theoriefragmente zu der Frage zu erarbeiten, warum dies dergestalt geschah, daß eine Vereinheitlichung der verschiedenen Formationen nicht erreicht wurde[64].
Meines Wissens nach nirgends wird erklärt, warum sich die K-Gruppen in der Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West) gerade so relativ regional unterschiedlich herausbildeten, wie sie dies taten, und ob vielleicht die Existenz regionaler Hochburgen eine besondere Tendenz der maoistisch ausgerichteten Gruppen im Gegensatz z.B. zu den Trotzkisten, die in der Regel ihre Mitglieder eher gleichmäßig über das ganze Land verteilt haben, darstellt, die tiefere Ursachen als den Zufall hat[65].
In dem Zusammenhang der Diskussion über Vereinheitlichung bzw. nicht Vereinheitlichung ist es zunächst wichtig zu bestimmen, um was für Gruppierungen es sich bei den K-Gruppen eigentlich gehandelt hat, um Teilformationen einer Bewegung oder Strömung[66], Parteien, die in einer Bewegung vereint und nur innerhalb dieser tätig sind oder um in sich abgeschlossene Parteien. Dies soll im folgenden Abschnitt geschehen.
Zur Annäherung an die Frage des Parteicharakters der K-Gruppen bieten sich zunächst zwei sehr simple Methoden an. Die einfachste wäre wohl anzunehmen, daß es sich bei den Gruppen, die sich selbst als Partei bezeichnen, auch um solche handele, während Gruppen anderen Namens auch andere Vereinigungen darstellen.
Von Gruppen mit der Bezeichnung Partei finden wir im K-Gruppenbereich oder auch auf dem radikal linken Sektor eine ganze Reihe.
Die erste davon ist die Marxistisch-leninistische Partei Deutschlands (MLPD)[67] gewesen.
Im Jahre 1967 gesellte sich die Freie Sozialistische Partei / Marxisten-Leninisten (FSP / ML) hinzu, Ende 1968 auch die KPD / ML.
Die KPD / ML zerfiel ab April 1970 in mehrere Gruppen, die alle, mehr oder minder lautstark und berechtigt, vorgaben die wahre KPD / ML zu sein, nachdem bereits im Anschluß an die Gründung der KPD / ML ein von dieser unabhängiger Kreisverband Siegen-Olpe der KPD / ML um das Ehepaar Heuzeroth entstanden war.'
Ab April 1970 bildete sich zunächst die einige Monate später als KPD / ML-Zentralbüro (KPD / ML-ZB) auftretende Gruppe, von der sich nach wiederum einigen Monaten Willi Dickhut und einige Getreue als KPD / ML-Revolutionärer Weg trennten. Von diesen spalteten sich wiederum in Köln eine Handvoll Leute ab, die Marxisten-Leninisten (ML) Köln um Rolf Stolz, die sich allerdings erst Jahre später als Initiative Partei der Arbeit (IPdA) bzw. als Partei der Arbeit / Vereinigte Linke (PdA / VL) konstituierten und dabei so geschickt ihre Spuren verwischten, daß sie im Parteienhandbuch zu den sozialistischen und nicht zu den maoistischen Parteien gerechnet wurden.
Die Bildung eines Landesaufbaukomitees der KPD / ML-ZB in Berlin führte zu Unstimmigkeiten und dadurch zur Bildung der KPD / ML-Neue Einheit, die heute noch existiert.
Bereits ca. im April 1970 hatte sich aus der Arbeitergruppe Berlin-Kreuzberg der KPD / ML heraus die Sozialistische Deutsche Arbeiterpartei (SDA) gebildet.
Ein vermutlich ab Dezember 1971 abgespaltener unabhängiger Landesverband Wasserkante der KPD / ML gab sich bald einen anderen Namen.
Die Anfang Februar 1970 in Berlin entstandene KPD / Aufbauorganisation ernannte sich Mitte 1971 zur KPD und damit ebenfalls zur Partei.
Erst 1982 bediente sich die nächste K-Gruppe, der bisherige KABD, wieder eines Parteinamens und gründete die MLPD (2), 1983 folgte die Gründung der Vereinigten Sozialistischen Partei (VSP) durch die GIM und Teile der KPD / ML, die anderen Reste der KPD / ML bildeten verschiedene Gruppen namens KPD / ML bzw. KPD, von denen zeitweise, eine KPD / ML (Möller Stuttgart), eine KPD Westberlin (die ehemalige örtliche Vertretung der KPD / ML-Jünke, die dann zur KPD / ML-Möller überwechselte), und eine KPD / ML-Eggers, die den Rest der ehemaligen KPD / ML-Jünke außerhalb Berlins (das eine Berliner Mitglied nicht gerechnet) darstellt. Weitere KPD / ML's bestehen heute vermutlich noch in Kiel und Frankfurt sowie um die Zeitschrift 'Avantgarde.
Von trotzkistischer Seite kommt noch eine Posadistische Kommunistische Partei (PKP) hinzu, von bordighistischer Seite die Internationale Kommunistische Partei (IKP), wobei es sich bei der in der Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West) aktiven Gruppe um die IKP-Kommunistisches Programm handelt, um die, von vermutlich ebenfalls bordighistischer Seite kommende Kommunistische Partei und von unbekannter Seite eine Sozialistische Einheitspartei (SEP) in Nürnberg.
Diese sollen hier allerdings, genauso wie die Europäische Arbeiterpartei (EAP) und die Anarchistische Pogopartei Deutschlands, nicht genauer betrachtet werden.
Wir kommen also, allein vom eigenen Namen der Gruppen ausgehend, auf ca. 17 verschiedene Parteien, von denen im Untersuchungszeitraum 1970 bis 1975 zumindest zeitweise die KPD / ML die KPD / ML's ZB, ZK Revolutionärer Weg, Neue Einheit, Kreisverband Siegen-Olpe und Landesverband Wasserkante, die SDA und die KPD das Wort Partei in ihrem Namen trugen.
Nicht enthalten in dieser Liste sind aber die größte der K-Gruppen, der KBW, und weitere wichtige Gruppen wie AB, KABD und KB. Enthalten in dieser Liste sind Gruppen mit fanatischem Parteianspruch wie die meisten KPD / ML's und die KPD bis zu gar keiner Betonung dieses Anspruches (SDA).
Gerade bei den ganz frühen Gruppen handelte es sich um Vereinigungen, die sich den Namensbestandteil Partei zulegten, um ihren Willen zu dokumentieren diese aufzubauen, ohne jemals über wenige Dutzend Mitglieder hinauszukommen.
Eine Analyse, die sich lediglich auf das Kriterium des eigenen Namens zur Feststellung des Parteicharakters gründet, dürfte, wie zu erwarten war, nicht zu besonders brauchbaren Ergebnissen gelangen, da einerseits die dann zu untersuchenden Gruppen durchaus heterogen sind, aber wiederum viele Gemeinsamkeiten mit anderen Gruppen aufweisen, die sich nicht als Partei bezeichneten.
Ein zweites recht einfaches Kriterium wurde von Richard Stöss bei der Herausgabe des Parteienhandbuches angewandt.
Eine Feststellung des Parteicharakters durch eine Kandidatur zu Bundes- bzw. Landtagswahlen, wodurch die verschiedenen Vereinigungen zu Parteien im Sinne des Parteiengesetzes wurden, dürfte zwar für das Projekt eines Parteienhandbuches nützlich sein, ob sich aber allein durch eine Wahlbeteiligung grundsätzliche Veränderungen in einer Organisation ergeben bzw. ob diese sich dadurch plötzlich von verwandten Gruppierungen unterscheidet, bedürfte doch einer näheren Untersuchung[68].
Als dritter Weg zur Feststellung von Parteicharakter böte sich eine Überprüfung der fraglichen Vereinigungen anhand einer Definition von Parteien an, wie sie z.B. von Richard Stöss so formuliert wurde:
"Politische Parteien sind organisierte Zusammenschlüsse von sozial und / oder interessenmäßig und / oder durch gemeinsame Ziele verbundenen Teilen des Volkes (auf der Grundlage eines Programms) und streben danach, die Ausübung von staatlicher Herrschaft in ihrem Sinne zu gestalten. "[69]
Bei Anwendung dieser Definition ergibt sich bezüglich der K-Gruppen, daß sie sämtlichst als Partei anzusehen sind, von den drei Personen-Gruppen bis zu den mehrere Tausend Personen umfassenden Großgruppen. Sie alle sind organisiert, durch gemeinsame Ziele verbunden und sind Teil des Volkes[70].
Zwar würden die K-Gruppen wohl bestreiten die Macht ausüben zu wollen, dies soll ja schließlich die Arbeiterklasse tun, über den Umweg der historischen Interessen des Proletariats, die durch die kommunistische Partei verkörpert werden und notfalls auch gegen die aktuellen Interessen der Arbeiterschaft durchgesetzt werden, streben sie eine Machtübernahme allerdings, zumindest bis zum Erreichen des Stadiums des Kommunismus, in dem keinerlei Macht und kein Staat mehr existieren soll, sehr wohl an.
Wäre wenigstens die Notwendigkeit eines Programmes nicht durch die Klammern relativiert, so könnte immerhin der KB ausgesiebt werden, der dieses bis heute nicht erstellt hat sondern sich auf grundlegende Artikel in seinen Organen beschränkte. Bis auf den KBW, der sich über eine Programmdiskussion gründete, legten sich alle anderen K-Gruppen ihre Programme erst später zu und begnügten sich anfänglich mit einigen grundlegenden Prinzipien oder Versprechungen, die in Gründungserklärungen oder Programmatischen Erklärungen niedergelegt wurden.
Für die Untersuchung der K-Gruppen muß diese Parteidefinition ergänzt werden um einen Faktor des Selbstverständnisses, aus dem wiederum bestimmte Verhaltensweisen resultieren.
Dies würde eine gewisse Einteilung der verschiedenen Gruppen in einerseits jene, die sich selbst bereits als Partei verstehen, was sich nicht unbedingt in ihrem Namen oder an Wahlbeteiligungen zeigt, und andererseits jene, die sich selbst nur als Teil einer noch, gemeinsam mit anderen Gruppen, zu bildenden Partei begriffen.
Diese Ergänzung würde es ermöglichen eine Unterscheidung zu treffen zwischen der KPD / ML und später, allerdings mit Einschränkungen, auch der KPD einerseits, die den Parteibildungsprozeß eher als lineares Wachstum der eigenen Formation begriffen und dem Rest der K-Gruppen, die sich zumindest anfänglich lediglich als Zirkel verstanden, die sich irgendwann gemeinsam mit anderen Zirkeln zur Partei vereinigen würden.
Ist der Parteianspruch bei der KPD / ML bzw. KPD / ML-ZK und KPD / ML-ZB auch besonders virulent[71]
so setzte er sich doch bei allen 6 größeren K-Gruppen mit der Zeit durch[72], obwohl dafür kaum inhaltliche Gründe im Sinne von grundlegend unterschiedlichen Anschauungen gefunden werden könnten. Streitereien über Fragen der Strategie und Taktik waren zwar an der Tagesordnung, die großen Ziele aber waren die selben, ebenso wie die Bezugnahme auf die KP Chinas, die Partei der Arbeit Albaniens (PAA) und historisch die KPD der Weimarer Republik.
Würde in eine Parteiendefinition ein Kriterium einbezogen werden, welches von einer Partei Ziele verlangt, die weitgehend nur von dieser vertreten werden, so könnte allen K-Gruppen, würde das Ziel der persönlichen Macht - sei es auch nur innerhalb der K-Gruppen oder der linken Szene - der jeweiligen Führungsgruppen nicht als besonderes Ziel anerkannt, der Parteicharakter abgesprochen werden und sie müßten eher als Produkte eines gescheiterten Parteibildungsprozesses begriffen werden, die ihre eigentlich nicht recht gewollte vereinzelte Existenz nun mit allerlei Abgrenzungsmanövern legitimieren mußten.
Würde auch noch ein Kriterium der Unterschiedenheit des angestrebten Weges zur Erlangung der Ziele eingeführt, so wären die K-Gruppen allerdings wieder zumindest teilweise in ihrer Einzelexistenz legitimiert und als Partei begreifbar. Die Fragen der Strategie und Taktik sowie der Revolutionstheorie bildeten ja bereits den Inhalt der Abgrenzung zwischen der KPdSU und der KP Chinas in der Polemik über die Generallinie der kommunistischen Weltbewegung[73], auf diesem Feld war die theoretische Stärke der K-Gruppen zu finden, die sich ja auch zumindest teilweise, wenn sie nicht von Organisationshickhack zu sehr beeinträchtigt waren, als fähige Organisatoren bewähren konnten, während eher philosophische Probleme meist jenseits der Kompetenzen angesiedelt waren[74].
Auf diese Frage soll weiter im nächsten Abschnitt eingegangen werden, hier stellt sich zunächst noch die Frage, weichen Erkenntniswert eine Eingruppierung der K-Gruppen als Parteien haben könnte.
Festzustellen ist, daß gerade Faktoren, die bei einer Untersuchung von Parteien, im Gegensatz zur Untersuchung andersartiger Organisationen, einzubeziehen wären, bei den K-Gruppen kaum eine Rolle spielen.
Hier sind, mangels Vorhandensein - von der KBW-Vertreterin im Heidelberger Stadtrat einmal abgesehen - keine Einflüsse der Parlamentsfraktionen auf die Organisation festzustellen, die ein innerparteiliches oder publizistisches Gegengewicht gegen den Einfluß der Vorstände bilden würden. Ebenso fehlt der, durch die parlamentarische Arbeit bedingte, Zwang zum Kompromiß bzw. zur konkreten Planung. Ein Einfluß des Parteiensystems und seiner Veränderungen auf die K-Gruppen ist sicherlich festzustellen, aber nicht unbedingt in einer Art, die nur für Parteien typisch wäre (Überlegungen über mögliche Koalitionen oder parlamentarische Zusammenarbeit etc.)
Auch die Wahlkampagnen der einzelnen K-Gruppen hatten zwar eine gewisse, teils gar große, Bedeutung für diese Gruppen, besonders in der Form, daß eine Reihe von aufgestellten Kandidaten oder Wahlaufrufunterzeichnern dadurch gravierende Nachteile in Form von Entlassung aus bzw. Nichteinstellung in den öffentlichen Dienst bzw. der Privatwirtschaft oder sonstige Unannehmlichkeiten zu erleiden hatten[75], dies aber konnte auch in anderen Kampagnen vorkommen.
Besonderheiten der Wahlkampagnen bestanden daneben hauptsächlich in der Möglichkeit der Wahlsendungen in Funk und Fernsehen und dem gesteigerten politischen Interesse der Bevölkerung während des Wahlkampfes, die allerdings von* den K-Gruppen auch schon ausgenutzt wurden, als sie weder im Sinne des Parteiengesetzes noch im Sinne des eigenen Selbstverständnisses als Parteien zu bezeichnen waren.
Eine weitere Besonderheit bestand oft darin, daß besonders Bundestagswahlen oder Landtagswahlen in Flächenstaaten den Anlaß zur Ausdehnung der Tätigkeit auf neue Regionen bieten konnten, was aber auch bei anderen Kampagnen geschah, wie z.B. beim KB, der sich wesentlich durch seine Internationalismuskampagnen ausdehnte.
Wesentlich bedeutender als die Einflüsse aus dieser eigentlichen Parteitätigkeit dürften die Auswirkungen aus der gemeinsamen Zugehörigkeit zu einer Bewegung, der sogenannten ML-Bewegung, gewesen sein, die selbst wieder - jedenfalls während des Untersuchungszeitraumes - weitgehend innerhalb der linken Kräfte tätig war und sich selbst wiederum in kleine Teilbewegungen wie die Zirkelbewegungen und die eventuell ebenfalls als eigenständige Teilbewegung zu bezeichnende KPD / ML aufgegliederte.
Auf die ML-Bewegung oder die linke Bewegung nämlich wurde zumeist eher die aktuelle Politik ausgerichtet, jedenfalls solange überhaupt eine Konkurrenz oder mögliche Bündniskraft im jeweiligen Arbeitsfeld vorhanden war. Aus diesem Umfeld konnten, im Gegensatz zur mühsamen Einzelrekrutierung unorganisierter, vielleicht gar noch recht unerfahrener Personen eventuell ganze Orts-, Betriebs- oder sonstige Gruppen gewonnen werden.
Die anderen Gruppen der ML-Bewegung bildeten die Ansprechpartner sowohl für Bemühungen um Zusammenarbeit als auch für erbitterte Abgrenzungsgefechte, wobei entweder die eine oder die andere Seite dieses Widerspruchs zum Tragen kam, kaum jemals aber jenseits und unbeeinflußt aller Freunde und / oder Konkurrenten Gegner oder potentielle Anhängergruppen außerhalb der ML-Bewegung oder der linken Bewegung zur Zielgruppe wurden, was natürlich nicht für die Basisarbeit in den eigenen Monopolbereichen, sehr wohl aber für fast alle über diese hinausgehenden Aktionen gilt.
In dieser Hinsicht sind die K-Gruppen zwar eventuell als Parteien im Sinne des Parteiengesetzes zu bezeichnen, tatsächlich aber bildeten sie, zumindest während des Untersuchungszeitraumes, eher verschiedene Fraktionen einer nicht zur Partei gewordenen Bewegung, die fast ausschließlich innerhalb dieser Bewegung oder der sie umschließenden linken Bewegung selbst aktiv waren und unfähig blieben die Bewegung in eine echte Partei, die ja eigentlich von allen Teilen der ML-Bewegung gewünscht wurde, zu transformieren.
Durch eine derartige Betrachtung läßt sich vermutlich wesentlich mehr an Erkenntnis über die K-Gruppen gewinnen als durch eine Betrachtung der einzelnen K-Gruppen als eigenständige Partei.
Wie bereits im letzten Abschnitt anklang, bestand das paradoxe der Entwicklung der K-Gruppen gerade darin, daß sie kaum Parteien im Sinne deutlich inhaltlich unterschiedener politischer Gruppen darstellten und deshalb häufig, zur Sicherung der eigenen Einflußgebiete und Existenz, auf allerlei mehr oder eher minder stichhaltige Abgrenzungsstrategien verfielen, die wiederum in mehr oder minder deutlichem Einklang mit der Realität standen.
Läßt man den Faktor bloßen Machtstrebens der einzelnen Führungsgruppen einmal beiseite, so stellt sich die Frage, warum die K-Gruppen es nicht vermochten, zu den einzelnen Problemen revolutionärer Politik in
der Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West) verbindliche, mehr oder minder allen Beteiligten einsichtige, Antworten zu formulieren.
Als erster Hauptgrund wäre hier wohl die mangelnde Beherrschung des von allen Beteiligten als verbindlich angesehenen Marxismus-Leninismus zu nennen, die einerseits aus der Tatsache resultierte, daß es beim Entstehen kaum noch geschulte, nicht auf die Sowjetunion ausgerichtete, im Sinne der K-Gruppen marxistisch-leninistische Kader gab, die zu einer Analyse der gesellschaftlichen und ökonomischen Veränderungen seit der Tradierung der Prinzipien des Marxismus-Leninismus fähig gewesen wären und von denen die jugendliche ML-Bewegung hätte lernen können.
Durch die Zeit des Faschismus, das KPD-Verbot und das u.a. daraus folgende rapide Absinken des Diskussionsniveaus in der illegalen KPD, standen die neuen Kräfte zunächst fast allein mit ihrem mehr oder minder schnell angelesenem Wissen und den eher eklektizistischen Ideen der APO im Hinterkopf, die sie kaum zu einer stringenten Analyse neu aufgetretener Faktoren zu benutzen wußten.
Die wenigen Altgenossen, die es wagten ihre Parteiführung zu kritisieren, vermochten dies auch zumeist nur durch die Berufung auf einige eherne Prinzipien bzw. Rezeption der Polemik über die Generallinie als durch konkrete Analysen und Beweisführungen zu tun. Die ideologischen Sprünge in der Herausbildung der K-Gruppen aus der APO, ebenso wie anderer Gruppen, erfolgten meist unter dem Eindruck unmittelbarer praktischer Erfahrungen und nicht durch theoretische Erkenntnis. Die sog. 'proletarische Wende' z.B. wurde hervorgerufen durch den Zustrom zumeist jugendlicher Arbeiter zur APO und vor allem durch die Septemberstreiks 1969, nicht aber durch eine gründliche Widerlegung z.B. der Randgruppentheorie. Diese schien, durch das Scheitern der allermeisten Randgruppenprojekte (eine Ausnahme bilden hier wohl lediglich die Sozialpädagogischen Sondermaßnahmen Köln, das polizeilich weitgehend aufgelöste Sozialistische Patientenkollektiv Heidelberg und, in wesentlich geringerem Umfange, die Jugendlichen aus u.a. den Jugendwohnkollektiven Ziegelhüttenweg und an der Zingelswiese in Frankfurt sowie Rauchbaus und Weißbeckerhaus in Berlin) auch gar nicht mehr notwendig, da sie durch die Praxis selbst widerlegt zu sein schien.
In der Diskussion der neuen Theorieströmung ab 1975 / 76 setzte sich deshalb teilweise statt der bisherigen Kennzeichnung der K-Gruppen als marxistisch-leninistische Bewegung, folgende Einschätzung über die Herausbildung der K-Gruppen aus der vorhergehenden Jugendbewegung bzw. APO durch:
"Die Entscheidung zwischen Marxismus-Leninismus und den verschiedenen antimarxistischen Strömungen stand im Raum und entlang dieser Kernfrage differenzierte sich die Bewegung. Sie differenzierte sich nicht einfach in Marxisten-Leninisten und Pseudomarxisten, sondern in zum Marxismus-Leninismus tendierende und zum Antimarxismus tendierende auf beiden Seiten ein breites Spektrum.
Der Einfluß der wenigen Marxisten-Leninisten einschließlich der Spreu unter ihnen, wuchs mit ungeheurer Geschwindigkeit. Organisationen, die sich zum Marxismus-Leninismus bekannten blähten sich in Rekordzeit auf, hunderte unterstellten sich freiwillig einer Organisationsdisziplin, gewillt zu lernen und zu kämpfen."[76]
Gerade in diesem raschen Anwachsen der Organisationen, mögen einige der Gründe für den späteren Verfall der Gruppen zu finden sein. Gerade weil es keiner ausführlich begründeten Politik bedurfte, sondern einige wenige Handlungsanleitungen und -rezepte durchaus ausreichten, wurde deren Erarbeitung zunächst kaum Beachtung geschenkt. Die K-Gruppen waren am Anfang ihrer Existenz durchaus so etwas wie eine Modeströmung, die ihre Gegner durch ihren Enthusiasmus und ihre Opferbereitschaft an die Wand organisierte und sich dann um deren theoretische Widerlegung nicht mehr viel kümmerte, da sie ja in der 'Praxis' zumeist bereits den Sieg davongetragen hatte.
Nun mag es tatsächlich so sein, daß teilweise allein durch die Übernahme weniger Prinzipien, die natürlich nicht ausgewürfelt worden waren, sondern durchaus aus jahrzehntelangen Erfahrungen hauptsächlich der Dritten Internationale entstanden waren, auch eine einleuchtendere Politik betrieben werden konnte als von anderen Kräften, die andere Prinzipien verfochten oder zwar konkrete aber unzureichende Analysen zum Ausgangspunkt ihrer Politik verwandten.
In allen konkreteren Fragen aber herrschte unter den K-Gruppen meist ein Politikverständnis, welches von ihnen selbst mit Handwerkelei bezeichnet wurde und zum Ausdruck bringen soll, daß großartige ideologische Anschauungen und erbittert verfochtene Linien im Grunde und im besten Falle nur die ein wenig systematisisierten eigenen Erfahrungen und die Legitimierung der eigenen Praxis darstellten.
Aus dieser leiteten sich viele der theoretischen Versatzstücke bzw. deren Einsatz ab, so z.B. die Einschätzung der SPD-Führung als sozialfaschistisch[77] durch die KPD / ML-ZB. Diese Sozialfaschismustheorie
wurde nicht einfach vertreten, weil dies bereits die Weimarer KPD so getan hatte, sie hatte ihre Grundlagen in sehr aufwendigen und teils sehr konkreten Analysen der Politik der sozialliberalen Regierung und der Gewerkschaftsspitze, die hautpsächlich in dem zweimal wöchentlich im Umfange von bis zu zwanzig Seiten erscheinenden 'Kommunistischen Nachrichtendienst' zu finden sind, der sich praktisch mit allen halbwegs wichtigen Vorgängen im In- und Ausland ausführlich beschäftigte.
Hierbei wurden besonders Fragen des Eingriffes in die Tarifautonomie durch Lohnleitlinien, die Einführung der zinslosen Kredite an den Staat durch die Lohnsteuervorauszahlung sowie die Friedenspflicht im neuen Betriebsverfassungsgesetz als Beleg herangezogen.
Dem selben Zweck dienten die Analysen der verschiedenen Ostverträge[78], und Einzelanalysen fast aller Gesetzesvorhaben oder grundlegender Äußerungen der sozialdemokratischen Partei- und Gewerkschaftsspitze die gemeinsam den Anstoß für diese Konstatierung des Sozialfaschismus bildeten.
Sie scheint sich, zumindest anfänglich, als sie zwar vertreten wurde aber nicht den Hintergrund der Hauptanstrengungen der KPD / ML-ZB bildete, nicht sonderlich hinderlich für diese ausgewirkt zu haben, da sie auf eine gewisse Ablehnung der Politik - vor allem der durch das Zechensterben bedrohten Bergarbeiter und der durch die weitgehende Kooperation der Berufsbetriebsräte mit den Unternehmensleitungen diesen entfremdeten Belegschaften - von SPD- und Gewerkschaftsführung bauen konnte und ergänzt wurde durch eine intensive und - im Vergleich zu anderen Gruppen der radikalen Linken - teils sehr erfolgreiche Betriebspolitik mit Hilfe von betrieblichen Einheitsfronten, bei denen die Zusammenarbeit aller im jeweiligen Betrieb arbeitenden Gruppen von SPD bis den K-Gruppen auf Grundlage konkreter betrieblicher Forderungskataloge gesucht und teils auch gefunden wurde.
Zur Hauptseite der Tätigkeit der KPD / ML-ZB in den Betrieben aber wurde die Propagierung dieser Theorie erst, als deren Anhänger reihenweise aus den Betrieben entlassen wurden, unter der, zumindest von der KPD / ML-ZB konstatierten, Zustimmung oder gar auf Initiative sozialdemokratischer Betriebsräte, die sich dazu, laut KPD / ML-ZB, am 20.1.1972 bei einem Treffen mit Willy Brandt verabredet hatten, dessen Protokoll leider bisher nicht veröffentlicht wurde.
Die im Anschluß daran folgende Welle von Entlassungen der Anhänger der KPD / ML-ZB bot dieser den Anlaß großangelegte Denunziationskampagnen gegen die SPD-Betriebsräte zu führen, ohne diese wie zuvor anhand konkreter Forderungen der Belegschaften unter Druck zu setzen, wodurch sie selbst zusehends in die Isolation geriet. Dies wurde ergänzt durch die Angst vor einem Verbot, welches diese Organisation in der Folge weitgehend handlungsunfähig machte.
Dieses ist nur ein Beispiel von vielen, bei denen Theorien entweder direkt aus der Praxis abgeleitet wurden oder, selbst wenn sie relativ gründlich ausgearbeitet und belegt wurden, durch die Erfahrungen der Praxis so verändert oder anders eingesetzt wurden, daß sie ihre Sprengkraft als Mittel zur Erklärung tatsächlicher Vorgänge weitgehend einbüßten und zum Bekenntnis verkamen.
Einen weiteren abträglichen Einfluß auf die Fortschritte der Theoriebildung übte die durch die Ausdehnung der einzelnen Linien entstehende Konkurrenz aus. Während anfänglich jede Linie über 'ihre' Betriebe bzw. Orte verfügte, wo sie relativ ungestört ihre jeweiligen Konzeptionen entwickeln und durch die Anwendung überprüfen konnte, entstand mit der Zeit durch Ausdehnung der Gruppen bzw. durch Diffusion in Form von Orts- oder Arbeitsplatzwechsel eine Konkurrenzsituation, die die Abgrenzung von anderen Linien erforderte, obwohl diese vom tatsächlichen eigenen Erkenntnisstand her nicht zu leisten war. Hier ist neben den ab Ende 1971 mehr oder minder offen ausgesprochenen aber kaum ausgewiesenen Führungsansprüchen der einzelnen Linien, eine der wesentlichen Quellen für jene Anschauungen der K-Gruppen zu suchen, die so gern als 'Sektenwesen' bezeichnet werden.
Die Führungsgruppen der einzelnen Linien, die zumeist, wenn überhaupt, auch lediglich über wenige Jahre mehr an Lebens- und Politikerfahrung verfügten, aber plötzlich zu Führern relativ großer, teils Hunderte oder gar Tausende von Mitgliedern umfassender Organisationen geworden waren, kamen in die Zwangslage ihre Mitgliedschaft mit Argumentationslinien zu allen aktuellen Fragen und gegen alle möglichen Konkurrenten ausstatten zu müssen, ohne immer über ausreichendes theoretisches Rüstzeug oder Hintergrundwissen zu verfügen. Hier half, neben der Übernahme irgendwelcher halbwegs plausibler Konzepte, lediglich die Propagierung der Organisation als Selbstzweck und die möglichst rasche Entlarvung der Gegner als irgendetwas, was nur hinreichend schlecht zu sein hatte, wobei eine große Auswahl an Kategorien wie Links- oder Rechtsopportunismus, Trotzkismus, Sozialdemokratismus, Reformismus, Revisionismus oder Abenteurertum bestand. Derlei teils absurde teils mehr oder minder zutreffende Analysen, Einschätzungen, Anwürfe und Beschimpfungen waren zumeist hinlänglich um eine scharfe Abgrenzung zu vollziehen und den eigenen Mitgliedern wieder das angenehme Gefühl zu geben im richtigen Verein tätig zu sein. Mit Hilfe
dergestalt einfacher und häufig unter dem Druck der Tagespolitik überhastet getroffener Aussagen, ließen sich schlagkräftige und, im Verhältnis zu anderen Gruppen der radikalen Linken, teils riesige Organisationen aufbauen.
Die Wahl des Problems der konkreten Herausbildung der einzelnen Organisationen als Fragestellung geschah zunächst unter dem Gesichtspunkt erklären zu wollen, wie es geschehen konnte, daß eine, dem eigenen Anspruch nach, revolutionäre bzw. zur Revolution tendierende Strömung einerseits sich auflösen bzw. andererseits sich weitgehend in eine, zumindest nach heutiger und vermutlich auch damaliger, hätte es sie schon gegeben, K-Gruppeneinschätzung, staatstragend[79] bzw. reformistische oder bestenfalls traumtänzerische Partei wie die Grünen eingliedern konnte, wobei die revolutionären bzw. proletarischen Inhalte[80], für die die K-Gruppen, zumindest ihrem Selbstverständnis nach, mehrere Jahre entschieden gekämpft hatten, zum allergrößten Teil fallengelassen wurden[81].
Zu vermuten ist entweder, daß die alten Ideologien unter dem Deckmantel neuer politischer Konzepte weiter verfolgt werden[82], oder daß es möglich war diese wie ein altes Kleidungsstück abzulegen, weil sie keinen Bezug zu den Personen selbst hatten und somit mehr oder weniger schmerzlos von ihnen abgetrennt werden konnten.
Würden auch die ehemaligen Protagonisten der K-Gruppen, die jetzt bei den Grünen aktiv sind, eher behaupten wollen etwas gelernt zu haben, jedenfalls sofern sie nicht versuchen ihre ehemalige Zugehörigkeit zu K-Gruppen vergessen zu machen[83] so dürfte es sich hierbei doch eher um keinen kontinuierlichen Lernprozeß gehandelt haben, sondern um einen Bruch, dem ehemals hartnäckig verfochtene und für die K-Gruppen konstitutive Glaubensinhalte wie z.B. die Betonung der Notwendigkeit der revolutionären Gewalt und des Aufbaus der Partei der Arbeiterklasse und selbst die Ausrichtung auf die Arbeiterklasse, zum Opfer fielen.
Zwar wurde von einigen Kräften, wie vor allem von der Zentrumsfraktion des KB und den, aus dem KBW entstammenden, Komitees für Demokratie und Sozialismus der Versuch unternommen einen Ökosozialismus zu entwickeln, der bestimmte Grundlagen der sozialistischen und der ökologischen Lehre zu verquicken suchte. Allerdings haben sich diese Kräfte doch insgesamt bisher bei den Grünen nicht durchzusetzen vermocht und in der täglichen Politik der Grünen und der meisten Alternativen, Bunten etc. tritt die gesellschaftliche Utopie des Sozialismus, in welcher Form auch immer, kaum noch zutage und wenn, dann steht sie neben Konzepten, die eher einem ökologischen und dezentralisierten Kapitalismus das Wort reden. Selbstverständlich ist die Entwicklung der Grünen heute keineswegs abgeschlossen, klar wird aber, daß die Erlangung von Bedeutung im Sinne des Einzugs in Parlamente nur möglich war aufgrund von Konzessionen, die konstitutive Inhalte einer systemoppositionellen Bewegung zumindest stark in Frage stellen und nicht nur rigiden politischen Stil, Führungsansprüche und daraus entstehende zerstörerische Machtkämpfe oder was den K-Gruppen sonst noch vorgehalten werden mag, betrifft.
Diese finden sich im Gegenteil relativ ungebrochen, trotz allen Beteuerungen von einer neuen politischen Kultur etc., auch bei den Grünen wieder und werden von den 'Kadern' aller Strömungen, die heute eher 'Promis' heißen, kommen sie nun aus K-Gruppen, aus SPD, DKP bzw. SEW, aus der sozialistischen Szene, aus anthroposophischen Kreisen oder aus Bürgerinitiativen praktiziert.
Angesichts dieser Entwicklung entstand die Vermutung, daß es sich bei den K-Gruppen zwar um eine ideologisch zumeist sehr dogmatische und kämpferische Bewegung gehandelt hat, in der die jeweiligen Glaubensinhalte zwar offensiv und militant verteidigt, aber nicht wirklich verinnerlicht wurden und deren eigentliche Wurzeln weitgehend in einem pragmatischen Kontext zu suchen sind.
Eine weitere Bestärkung erfuhr diese Annahme durch die Existenz verschiedener kleiner 'Fürstentümer', d.h. Einflußgebiete, der einzelnen K-Gruppen. Hier drängt sich die Frage auf, warum z.B. die Theorien des KB lediglich im norddeutschen Raum Anhänger fanden und nicht im ganzen Land, während wiederum die recht ähnlichen Anschauungen des Arbeiterbundes bzw. der ABG im wesentlichen auf Südbayern begrenzt blieben. Dies widersprach der naiven Annahme, daß eine Theorie, sei sie richtig oder nicht, sowohl von Bayern als auch Friesen, im Ruhrgebiet und in Berlin Zustimmung oder Ablehnung erfahren müsse und deren Anhänger sich mehr oder minder gleichmäßig über das Land verteilen würden.
Gerade in der Frage der Ideologie wurden von den meisten Gruppen Führungsansprüche aufgebaut und die jeweils eigene Ausprägung der Linie, die sich natürlich stets in dem Rahmen der allgemeinen Rezeption des 'Marxismus-Leninismus' halten und durch Zitate der Klassiker, seien sie auch noch so andersartigen historischen Situationen entlehnt[84], verifizierbar sein mußte, vehement gegenüber anderen Spielarten verteidigt und abgegrenzt. Ebenso schnell aber konnte das Mäntelchen gewechselt werden, ohne daß eine öffentliche Widerlegung der ehemals als 'reine Lehre' vertretenen Anschauungen erfolgte. Sogar teilweise Kurswechsel
um 180 Grad, wie sie z.B. von der KPD in der Frage der Zersetzung bzw. Stärkung der Bundeswehr vollzogen wurden, gingen ohne oder mit nur einer oberflächlichen Diskussion über die Bühne und führten auch nicht zu nennenswerten Mitgliederverlusten.
Diese Unernsthaftigkeit im Umgange mit der eigenen Ideologie läßt vermuten, daß es sich dabei lediglich um vorgeschobene Begründungen für ganz andere Motive, wie z.B. persönlichen Ehrgeiz und Machtgelüste bei den - zumeist männlichen - Führern, oder wie weitgehendes Desinteresse an der eigenen Ideologie wegen alleiniger Ausrichtung auf die Praxis an der Basis oder gläubige übernahme der von den Vertrauenspersonen ausgegebenen Linien durch die unteren Organisationsebenen gehandelt haben könnte.
Zur Untersuchung böte sich einerseits an, die Herausbildung der Ideologien darzustellen und den sogenannten ideologischen Kampf, wie er zwischen den einzelnen Gruppierungen und ihren Linien geführt wurde, unter die Lupe zu nehmen. Dies ist allerdings ein hartes, trockenes und vor allem trotz des riesigen Umfanges des vorhandenen Materiales nährstoffarmes Brot, da häufig lediglich ein Schlagabtausch geführt wurde, Positionen nicht begründet sondern nur verkündet und ebenso schnell durch andere ersetzt wurden und das allgemeine Niveau der Diskussion nicht gerade hoch war[85].
Empirisch läßt sich feststellen, daß bei der Herausbildung der nationalen Linien durchaus Auseinandersetzungen über Inhalte eine Rolle spielen konnten, auch wenn diese nicht immer sehr ernst und nachhaltig waren[86].
Bei dem Bekenntnis zu den verschiedenen Linien dürfte es sich, wenn nicht in der Mehrzahl der Fälle, so doch in einer ganzen Reihe von ihnen, um reine Glaubensinhalte gehandelt haben, die leicht ausgetauscht .werden konnten, da sie nicht auf einer umfassenden Analyse beruhten und ihr Einfluß auf die Praxis[87], die für die meisten K-Gruppenmitglieder das wichtigste Feld bildete[88], eher gering war, da die meisten Adressaten der K-Gruppen kaum die verschiedenen Linien auseinanderhalten konnten und diese lediglich nach ihrem konkreten Verhalten einschätzten, so daß die wechselnde Zugehörigkeit einer bestimmten Betriebsgruppe oder Ortsgruppe zu dieser oder jener Linie nicht per se eine Veränderung ihres Einflusses oder Verhaltens bedeuten mußte.
Sollte sich die Annahme bestätigen, daß sich das regionale und gerade nicht das ideologische Element als das entscheidende bei der Herausbildung der einzelnen Linien darstellt, so böte dies einen weiteren Anhaltspunkt für die Vermutung, daß die K-Gruppen gerade nicht, wie von ihnen selbst und ihren Gegnern oft behauptet, eine revolutionäre Strömung darstellen, sondern daß es ihren Mitgliedern in der Hauptsache um eine Verbesserung der eigenen Lage bzw. Befriedigung der eigenen moralischen Empörung über die herrschenden Zustände, ihren Führungsgruppen um Macht, so relativ auf das kleine Lager der K-Gruppen, der Revolutionäre oder der Linken diese auch immer beschränkt sein mochte ging, während eine ernsthafte Auseinandersetzung über die mögliche Zerschlagung des Systems nicht geführt wurde.
Der Versuch des Nachweises des Reformismus bzw. der prinzipiellen Unterstützung des gegenwärtigen Gesellschaftssystems durch die K-Gruppen, wie es z.B. u.a. von der Internationalen Kommunistischen Strömung behauptet[89] und z.B. von zwei aus geschlossenen Mitgliedern des 3. ZK der KPD / ML zumindest für diese Gruppe recht schlüssig belegt wird[90] müßte insgesamt eine recht aufwendige Beweisführung verlangen und dürfte auch nicht unbedingt gelingen. Zumindest subjektiv ist den K-Gruppenmitgliedern jedenfalls eine Gegnerschaft zum derzeitigen Gesellschaftssystem kaum abzusprechen. Ob sie objektiv dieses durch ihre eher unreflektierte und praxisorientierte Politik gestützt haben, wäre eventuell einer Untersuchung 'wert[91]. Zuvor aber gilt es zu untersuchen wie die Tätigkeit und Entwicklung der K-Gruppen überhaupt ausgesehen hat, wozu hier ein Beitrag geleistet werden soll.
Unter einer Region soll in diesem Text ein Gebiet verstanden werden, welches sich auszeichnet durch verschiedene Faktoren.
Hierbei handelt es sich zumeist um das Vorhandensein einer größeren Universität, an der eine wichtige Gruppe des SDS sich herausbildete[92], aus der heraus wiederum bestimmte K-Gruppen sich entwickelten. Konstitutiv für eine Region ist ebenfalls ein regionales Zentrum in Form einer Großstadt, die nicht unbedingt identisch mit der wichtigen Universitätsstadt sein muß, aber einerseits eine gewisse allgemeine Infrastruktur wie auch eine gewisse Infrastruktur innerhalb der K-Gruppen oder der Linken insgesamt bietet, wie das Vorhandensein von verschiedenen linken Buchläden, örtliche Präsenz verschiedener K-Gruppen und Existenz einer gewissen Anzahl von hinreichend großen Industriebetrieben, die den Aufbau von Betriebs-
gruppen mit Vorbildcharakter ermöglichen. Zumeist ist hierbei dann auch noch eine einzige Branche dominierend, wodurch u.a. die lästige Entwicklung von Taktiken für verschiedene Tarifrunden entfällt.
In Bezug auf das Thema der Untersuchung zeichnen sich Regionen in der Regel auch dadurch aus, daß bei Veranstaltungsreihen, die im ganzen Bundesgebiet bzw. Teilen davon durchgeführt werden, in jeder betroffenen Region zumindest eine Veranstaltung organisiert wird.
Ein weiteres Merkmal für die Einteilung des Bundesgebietes in verschiedene, für K-Gruppen relevante Regionen ist die Herausbildung regionaler Organisationen, wie z.B. dem Verband nordbayrischer Schülerbasisgruppen, dem Zentralen Aktionskomitee und der Freien Sozialistischen Jugend in Teilen Baden-Württembergs, der Gruppen um die 'Proletarische Linie' im Ruhrgebiet, der Föderation Neue Linke im Rhein / Main-Gebiet und Osthessen, der Gruppen des 'Roten Rundbriefes' im Raum Kreuznach oder der Regionalzentrale Nord des Verbandes der Kriegsdienstverweigerer. Diese umfassen zwar teils recht unterschiedliche Gebiete, können aber gerade für regionale Machtverhältnisse im Sinne, dieser Untersuchung sogar konstitutiv wirken.
Eine haarscharfe Abgrenzung der einzelnen Regionen gegeneinander ist wegen Überlappungen und Überschneidungen einerseits und gegenseitiger Beeinflussung zwischen z.B. der Großregion um Hamburg und der kleineren Region um Kiel andererseits weder sehr sinnvoll noch immer möglich, gewisse Grenzen aber ergeben sich auch durch die Einteilung des Bundesgebietes in Bundesländer und Regierungsbezirke einerseits und durch den Organisationsaufbau verschiedener K-Gruppen andererseits[93].
Ungefähr ablesen lassen sich die Umrisse der Regionen auch an den teilnehmenden Gruppen der jeweiligen regionalen Treffen, die besonders 1969 und 1970 häufig durchgeführt wurden. Hier waren zumeist neben einigen überregional aktiven oder von weither kommenden Gruppen ansonsten die in der Region vertretenen Zusammenschlüsse präsent.
Gerade für das Thema dieser Untersuchung, die Anziehungskraft regional hegemonialer Organisationen auf kleinere Organisationen im Umland, ist natürlich die Existenz der Regionalzentren wichtig.
Ist die Eingruppierung von Städten wie München, Stuttgart[94], Frankfurt, Köln und Hamburg in diese Kategorie relativ leicht, so muß auch Berlin (West) als eines dieser Zentren angesehen werden, dem aber das Hinterland fehlt, wodurch die Anziehungskraft eine breitere Streuung erfährt.
Im Ruhrgebiet wäre nur eine Untersuchung des Einflusses in mehreren Städten wie z.B. Bochum, Dortmund, Essen und Düsseldorf sinnvoll, auf der Ebene der Universitätsstädte ist allerdings in dieser Arbeit lediglich Bochum relevant[95].
Eine Reihe etwas zweitrangiger Regionalzentren wird von Städten wie Nürnberg, Kiel Bremen Göttingen, Hannover, Mannheim / Heidelberg, Mainz, Freiburg und Saarbrücken gebildet.
Gerade in den Bereichen zwischen den regionalen Zentren erster Ordnung und denen zweiter Ordnung kann es zu Vermischungen der Regionsgrenzen kommen, was aber bei dieser Untersuchung nicht so sehr stören wird, da wir ja keine Landkarten zeichnen sondern lediglich politische Einflußnahme konstatieren wollen.
Der Begriff Hegemonie findet in dieser Arbeit auf zweierlei Arten Verwendung, da auch das zu beschreibende Phänomen sich auf zweierlei Art auswirkte.
Bei der Erlangung einer Stellung der örtlichen Hegemonie in den Metropolen handelt es sich um den Begriff Hegemonie in dem Sinne, wie er auch von den K-Gruppen benutzt wurde, nämlich als mehr oder minder brutale Unterwerfung Schwächerer durch Stärkere. Er kennzeichnet also ein Zwangsverhältnis (siehe dazu auch 3.3.).
Eine freiwillige Unterstellung, wie in der Begrifflichkeit von Gramsci, findet sich dagegen weitgehend im Anschluß von Provinz- an hegemoniale Metropolengruppen, wo eher die Faszination von der Größe der Metropolengruppe, die u.a. als Beweis für die Richtigkeit von deren Anschauungen gedient haben mag, als direkter politischer Druck das entscheidende Moment gewesen sein dürften.
Innerhalb der in dieser Arbeit als Region definierten Gebiete war es häufig für eine der K-Gruppen möglich über alle anderen K-Gruppen und zumeist auch über die anderen Gruppen der Neuen Linken wie Spontaneisten, Trotzkisten und Anarchisten eine Hegemonie derart auszuüben, das eine Arbeit der anderen
Gruppen, jedenfalls wenn sie zumindest teilweise Massencharakter trug, fast nur mit Duldung durch die hegemoniale Gruppe möglich war.
Dies bezieht sich z.B. auf die Durchführung von Aktionen, die ohne Beteiligung der hegemonialen Gruppe so klein blieben, daß es eher peinlich war sie durchzuführen, weiter bezieht es sich auf das Rederecht auf gemeinsamen Veranstaltungen etc., welches natürlich von der hegemonialen Gruppe Kraft ihrer Masse versagt werden konnte und auf jede mögliche Axt von politischer Betätigung, die durch das Auftreten einer Überzahl. zu ihrer Verhinderung oder Störung entschlossener, GegnerInnen beeinträchtigt werden konnte.
Sollte z.B. eine kleinere Gruppe sich in einer neuen sozialen Bewegung oder einer bestimmten Einzelgewerkschaft engagiert und dort einen gewissen Einfluß erlangt haben, so wäre es der hegemonialen Gruppe möglich gewesen in eben diesem Arbeitsfeld mit einem Vielfachen an Kadern zu intervenieren und den Einflußbereich der kleineren Gruppe zu zerstören oder dadurch unwichtig werden zu lassen, daß sie sich selbst eben in diesem Arbeitsfeld einen viel größeren Einflußbereich aufbaute.
Eine derartige Hegemonie war selbstverständlich in der Regel nicht hundertprozentig, da es in gewissen sozialen Aggregaten wie z.B. einem Ort oder Stadtteil, einer Branche oder einem Betrieb durchaus Nischen geben konnte[96], wo eine regional schwächere Gruppe sich wiederum, nur in kleinerem Maßstabe, zu einer hegemonialen Gruppe aufzuschwingen vermochte. Dadurch wurde allerdings das regionale Machtgefüge in der Welt der K-Gruppen nicht unbedingt erschüttert, da die hegemoniale Gruppen sich zumeist die wichtigsten Aggregate d.h. meist Großbetriebe sicherten und kleine Gruppen nur dort eine Chance hatten, wo die hegemoniale Gruppe kein Interesse zeigte oder bei einer Auseinandersetzung unterlag. Derartige Auseinandersetzungen dürften allerdings in der Regel nicht zu einem steigenden Einfluß der kleinen Gruppe geführt haben, da dies von den zu gewinnenden Personen meist als Sektenstreit erfahren wurde und eher eine Ablehnung der K-Gruppen insgesamt als eine Stärkung einer einzigen dieser Gruppen bewirkt haben dürfte.
Der Begriff ideologischer Kampf soll in dieser Arbeit in einer sehr weit gefaßten Form verwandt werden, nämlich so, wie er auch von den K-Gruppen eingesetzt wurde, für die jede Frage eine ideologische war, sei es nun die Haarlänge, die morgendliche Verschlafenheit, die Lieblingsmusik, sexuelle Vorlieben oder der Gebrauch illegaler Rauschmittel.
Dieser Begriff wird also nicht nur bezogen auf die eigentlichen Auseinandersetzungen über ein "System der gesellschaftlichen (politischen, ökonomischen, rechtlichen, pädagogischen, künstlerischen, moralischen, philosophischen u.a.) Anschauungen, die bestimmte Klasseninteressen zum Ausdruck bringen und entsprechende Verhaltensnormen, Einstellungen und Wertungen einschließen"[97] , über die Einschätzung der Weltlage, die Priorität der einzelnen Widersprüche, die Entwicklung der Produktivverhältnisse und der Klassenbeziehungen, die einzuschlagende Strategie und Taktik etc. oder die theoretische Kritik an den Grundlagen der anderen Organisationen, sondern soll auch beinhalten diejenigen Auseinandersetzungen, die eher als Streitereien und Bewerfen des Gegners mit Schmutz bezeichnet werden müßten.
Diese voneinander zu trennen wäre nämlich nicht immer leicht, da es sich hierbei häufig lediglich um graduelle Unterschiede, die sich eher aus dem Stil als aus dem Inhalt der Auseinandersetzung ergeben, handelt[98].
Selbst sofern es in den einzelnen Organen der K-Gruppen Rubriken wie 'Ideologischer Kampf gegeben hat, finden sich dort in der Regel neben anspruchsvolleren Kritiken auch gehässige Gerüchte und alles was dem Gegner überhaupt nur vorgeworfen werden konnte und zu dessen Zersetzung zu dienen vermochte.
In dieser Arbeit kommt es lediglich darauf an die Beschäftigung mit dem politischen Gegner von dessen Totschweigen zu unterscheiden, in diesem Sinne der Auseinandersetzung, egal über welches Thema und auf welchem Niveau, soll der Begriff 'ideologischer Kampf' verstanden werden.
Die der Untersuchung vorangestellte These ist, daß die Herausbildung der K-Gruppen in ihrer spezifischen regionalen Verteilung nicht allein Produkt eines wie auch immer ideologischen Kampfes ist, sondern auch oder gar wesentlich durch einen Faktor der regionalen Hegemonie, in ihrer eher unfreiwilligen Form in den Regionalzentren und ihrer eher freiwilligen Form in der Peripherie der jeweiligen Regionen bestimmt wurde.
Konkret verwandt wurde von mir einerseits die Methode des intensiven Quellenstudiums[99] in einem Umfang von ca. 800 bis 900 Ordnern während der Jahre 1973 bis 1988, wobei die Quellen außer auf allgemeinpolitische und organi-satorische Inhalte hin auch noch so ausgewertet wurden, daß Listen sämtlicher durch eine bestimmte Gruppe jemals erwähnter sozialer Aggregate (bei Betrieben hinunter bis zur Ebene einzelner Arbeitsplätze, bei Schulen bis zu ein-zelnen Klassen, bei Hochschulen bis zu einzelnen Fachbereichen, bei Stadtteilen bis hinunter zu einzelnen Häusern, bei militärischen Einheiten jeweils bis zur niedrigsten Ebene und bei Lehrlingen bis zu den einzelnen Lehrjahren der verschiedenen Berufe) erstellt werden konnten. Dies ermöglicht zwar aufgrund der Lücken im ausgewerteten bzw. einsehbaren Material und der unterschiedlichen Berichtspraxis der einzelnen Gruppen keinerlei sinnvolle Anwendung statistischer Meßverfahren, kann aber durchaus als impressionistisches Hilfsmittel zur Veranschaulichung der Veran-kerung einer Gruppe in einer bestimmten Region (die Listen sind nach Landkreisen bzw. Stadtbezirken aufgegliedert) bzw. des von der jeweiligen Gruppe dem jeweiligen Gebiet aufgebrachten Interesses dienen.
Bei Kontrolluntersuchungen konnte ein erhebliches Maß an Koinzidenz der in den Publikationen erwähnten sozialen Aggregate mit der tatsächlichen regionalen Verteilung der Mitgliedschaft beobachtet werden[100].
Hinzu kam ein weiteres flüchtigeres Quellenstudium im Umfang von ca. 1000 bis 1500 Ordnern, die auf Hinweise über organisatorische Entwicklungen, größere Aktionen und Erwähnungen anderer Gruppen durchgesehen wurden.
Teils aus diesen Quellen teils auch aus anderen stammen die von Dietmar Kesten in das Projekt der Datenbank Materialien zur Analyse von Opposition (MAO) eingebrachten Daten, die die Essenz aus ca. 300 - 400 Ordnern mir anderweitig nicht bekannter Quellen darstellen und eine zusätzliche Hintergrundinformation bedeuteten.
Als Hilfsmittel diente auch die Erstellung von Stammbäumen der K-Gruppen, die einen Überblick über die organisatorischen Beziehungen zwischen den einzelnen Linien vermitteln.
Einen recht guten Eindruck in die Szenerie erhielt ich auch durch die Zusammenstellung aller Äußerungen der Gruppen übereinander in einer Kartei - wobei ich allerdings keine Vollständigkeit erreichen konnte.
Aufschlußreich war, neben der eigenen teilnehmenden Beobachtung, auch die Befragung einer Reihe von Mit-gliedern von verschiedenen K-Gruppen und anderen linken Organisationen, sowohl von der Basis als auch von hohen und höchsten Führungsebenen.
Sekundärliteratur wurde erst nach der Ausformulierung der These gesichtet und konnte für die empirische Untersuchung nicht verwandt werden. Die in ihr enthaltenen Tatsachenbehauptungen dienten allerdings häufig zur Aufheiterung in den Arbeitspausen.
Durch die Zusammenfügung der aus den o.a. Quellen erhaltenen mannigfaltigen Informationen konnte ein Muster regionaler Präsenz und Entwicklung der einzelnen Linien erstellt werden, welches zwar sicher nicht fehlerfrei ist, aber doch in den wichtigsten Aussagen den Tatsachen zumindest nahekommen dürfte.
Das Vorhandensein regionaler Hegemonie ist einerseits Bestandteil des Alltagswissens der in den hier untersuchten politischen Gruppen aktiven Personen einer Region und kann aus ihren Schilderungen abgelesen werden, wie sie sich in Veröffentlichungen einerseits und internen Unterlagen andererseits finden.
In Veröffentlichungen z.B. wird in der Regel auf örtlich oder regional unbedeutende Gruppen eher selten eingegan-gen, um diese nicht aufzuwerten[101], während eine Abgrenzung von der hegemonialen Gruppe schon allein deshalb notwendig ist um Verwechselungen zu vermeiden, Über diese finden sich in der Regel recht häufig Artikel in den Publikationen der nicht-hegemonialen Gruppen, einerseits weil die hegemoniale Gruppe in allen möglichen Zusam-menhängen aktiv ist und andererseits auch weil die kleinere Gruppe bestrebt ist die hegemoniale Stellung der Kon-kurrenz aufzuheben oder doch wenigstens einige der Mitglieder für sich zu gewinnen. Insofern neigen gerade die örtlichen Minderheitsfraktionen zum ideologischen Kampf, während die hegemonialen Gruppen diesen - zumindest auf örtlicher bzw. regionaler Ebene - nur selten führen.
Gerade in Gründungserklärungen örtlicher Gruppen, die gegen die hegemoniale Gruppe in Opposition stehen, bzw. in Erklärungen dieser Organisationen über den Anschluß an eine Gruppe, die nicht die regional dominierende ist, lassen sich Hinweise auf die Identität der hegemonialen Gruppe finden[102].
Sehr wertvoll in dieser Hinsicht sind auch die Klagen über Behinderungen in der politischen Tätigkeit wie Schlägereien und Saalverweise, die in der Regel nicht gerade von den Minderheitsfraktionen durchgeführt werden.
Etwas schwieriger ist das Ablesen des regionalen Einflusses anhand harter Zahlen, wie z.B. der Zahl der Zellen, die nicht unbedingt etwas über deren Mitgliederstärke und Verankerung aussagt, oder der Teilnehmerzahlen von Aktionen, die häufig von beiden Seiten verfälscht werden. Nichtsdestotrotz aber dürfte z.B. eine Gruppe wie die ABG, die in München 9 und mehr Betriebszeitungen herausgab, wohl einflußreicher gewesen sein als der KB, der es, zumindest während des untersuchten Zeitraums, zu keiner einzigen brachte.
Ein Vergleich über Wahlergebnisse zu Körperschaften ist in der Regel nur möglich für Schul-, Berufsschul- und Hochschulgremien, da im Untersuchungszeitraum kaum verschiedene Gruppen zu Bundes-, Landtags-
oder Kommunalwahlen antraten und wenn dann nur selten gegeneinander kandidierten[103], während betriebliche und gewerkschaftliche Positionen zwar besetzt wurden, dies aber nicht unbedingt immer an die Öffentlichkeit drang.
Die Hochschulgremien, speziell die Allgemeinen Studentenausschüße sind zwar einigermaßen wichtige Positionen, für die am Proletariat ausgerichteten K-Gruppen aber nicht unbedingt ein konstitutiver Faktor regionaler Hegemonie (vgl. Anmerkung 96).
Durch die erstellten Muster regionaler Präsenz und Entwicklung läßt sich von regionaler Hegemonie dann sprechen, wenn in einzelnen Regionalzentren bestimmte K-Gruppen von Anfang an dominierend waren, diese Position nie einbüßten und auch eine vorherrschende Position im Umland erlangten.
Die Charakterisierung von Einflußpositionen ist selbstverständlich genauso impressionistisch wie die anderen Teile der Untersuchung, gerade aber in den Regionen, wo regionale Hegemonie einen großen Einfluß ausgeübt hat, dürfte diese Vormachtstellung derart prägnant gewesen sein, daß sie recht unzweifelhaft feststellbar ist.
Exkurs Versuch
einer Klassifizierung von Fusionen und Diffusionen
Bei den Fusionen und Diffusionen bzw. (Ab-) spaltungen zeigten sich hauptsächlich folgende 5 Formen des Ablaufes:
a) Spaltungen durch ideologischen Kampf
Beispiele für das Herausbrechen von Gruppen aus ihren Organisationen durch ideologische Auseinandersetzungen gab es zwar eine ganze Reihe[104] relevante Umgruppierungen im Sinne von entscheidenden Veränderungen regionaler Einflußgebiete aber konnten dadurch in der Regel nicht erzielt werden[105].
Inwiefern Mitgliedschaftswechsel einzelner Personen durch ideologische Gründe bedingt waren dürfte auch bei aufwendigen Untersuchungen nicht zweifelsfrei geklärt werden können, da in der Regel selbst eindeutig persönliche Gründe ideologisch verbrämt worden sein dürften, sei es von Seiten der ausgetretenen Mitglieder oder der Organisation. Bekannt wurden Fälle, wo sich einzeln ausgetretene oder ausgeschlossene Mitglieder später zu Gruppen zusammentaten, diese aber erreichten, soweit bekannt, keine größere Bedeutung[106].
b) Linienwechsel aufgrund mangelnder Betreuung kleiner örtlicher Gruppen
Typisch für eine ganze Reihe von Umgruppierungsprozessen dürften Fälle wie das SALZ Cuxhaven sein, welches zunächst unter Einfluß des KB stand und sich dann u.a. wegen mangelnder Anleitung der KPD anschloß, die doch im Grunde ein wenig unterschiedliche Positionen vertrat, aber augenscheinlich den besseren Service in der Betreuung der in einer Kleinstadt isolierten Genossen bot[107] bzw. dieser Gruppe, die fast ihre einzige Vertretung in einem größeren Gebiet bildete, mehr Aufmerksamkeit widmete.
c) Abspaltungen von Angehörigen einzelner Berufsgruppen
Als Gründe für einen Linienwechsel kamen natürlich auch mangelnde Beachtung des eigenen Arbeitsbereiches durch die bisherige Mutterorganisation und der deswegen erfolgende Linienwechsel in Betracht. Häufiger noch als solch ein Überwechseln scheint der Nichtanschluß an die bisher vertretenen K-Gruppen und der dann folgende Anschluß an eine neu auftauchende Gruppe zu sein, die entweder in ihrer allgemeinen Ausrichtung die eigene Berufsgruppe stärker beachtet oder einfach durch ihre örtliche und regionale Schwäche auch sonst eher verachtete Berufsgruppen dankbar organisiert[108].
d) Veränderungen aus bürokratischen und hierarchischen Ursachen
Ein sehr wichtiger Grund zum Linienwechsel ist stets der Konflikt mit der Organisationshierarchie und -bürokratie, sei es, daß er mit Mäkelei und passivem Widerstand oder mit Entlarvung und Kritikpapieren geführt wird[109].
Das Problem der abgespaltenen Minderheiten oder einzelnen Ortsgruppen ist zumeist gewesen, daß Marxisten-Leninisten ohne ihre Partei oder ihre Noch-nicht-aber-eigentlich-doch-schon Partei nicht recht glücklich werden. Theoretische Diskussionen lassen sich ja vielleicht in kleinen Gruppen durchführen, aber zur Organisierung von praktischen Aktionen ist eine überregionaIe Präsenz, Nachrichtenfluß und Solidarisierungskraft ganz einfach effektiver. Gruppen, die keine Neigung zur Hauptseite Theorie verspürten und auch nicht an Auflösung bzw. Umwandlung in innergewerkschaftliche pressure-groups dachten, waren in der Regel darauf aus, sich bald einer anderen großen Linie anzuschließen, die natürlich nicht unbedingt andere Inhalte zu haben brauchte, diese aber wenigstens mit anderen Methoden oder doch einem anderen Kaderstamm umzusetzen trachtete. Zumindest dürfte häufig neugewonnenen Gruppen gegenüber zunächst eine gewisse Vorsichtigkeit geherrscht haben, so daß diese nicht sofort wieder mit bürokratischen und hierarchischen Ärgernissen konfrontiert wurden.
Diese Fälle finden sich zwar in Hülle und Fülle und ermöglichten die bundesweite Ausdehnung wenigstens von KPD, KPD / ML und KBW sowie die regionale Konsolidierung von AB, KABD und KB, wie sie sich bis Ende 1973 herausgebildet hatte, reichten aber nicht für die Schaffung von neuen regionalen Dominanzgebieten.
e) Beeinflussung durch Einzelpersonen
Hierbei handelt es sich, neben den Vorgängen wo ausgesuchte Kader zwecks Beeinflussung einzelner Gruppen entsandt wurden, zumeist um Jugendgruppen bzw. Schülergruppen in kleineren Städten, die von einzelnen Studenten wesentlich beeinflußt wurden.
Sei es, daß die Studenten in ihren Hochschulorten unter den Einfluß anderer K-Gruppen gerieten oder verschiedene Studenten aus diesen Gruppen hervorgingen, die an verschiedenen Hochschulorten sich verschiedenen Linien anschlossen, so gab es doch immer wieder zumindest eine gewisse Beeinflussung der noch am Ort verbliebenen Gruppenmitglieder[110].
In den folgenden Abschnitten erfolgt im wesentlichen eine regional gegliederte Darstellung des Verlaufs der Entwicklung der K-Gruppen, in die auch soweit bekannt andere Gruppen der Linken einbezogen wurden, um den Kontext der einzelnen Vorgänge deutlich werden zu lassen.
Die Abgrenzung der einzelnen Gebiete wurde dabei vor allem unter dem Gesichtspunkt der Überschaubarkeit vorgenommen und entspricht nicht immer zu konstatierenden Regionen im Sinne regionaler Hegemonie sondern oft lediglich wesentlich kleineren Gebieten, wobei die Aufteilung auch von der Vielfalt der vorhandenen Informationen abhängig war. Würde nämlich z.B. die Schilderung der Entwicklung des gesamten Ruhrgebietes in einem Abschnitt vorgenommen, wäre die Darstellung vermutlich ein wenig verwirrend geworden. Die Zuordnung der einzelnen Untersuchungsgebiete zu den eventuell vorhandenen hegemonialen Regionen erfolgt noch nicht hier sondern erst in Kapitel 7.
Das Gebiet Kiel umfaßt ungefähr das gesamte Schleswig-Holstein mit Ausnahme der engeren Umgebung von Hamburg. Die wichtigste Gruppe in Kiel selbst war Zeit ihrer Existenz die Rote Garde Kiel / MarxistenLeninisten (RGK / ML), die auch als Rote Garde Kiel auftritt und erwähnt wird. Parallel zu dieser unter der (jungen) Arbeiterschaft arbeitenden Gruppe bildeten sich an den Kieler Hochschulen verschiedene Gruppierungen (Gruppe um die 'Rote Skizze', Rote Zellen, Thälmannkampfbund / ML, ML Hochschulorganisation (MLHO), deren Grundeinheiten zeitweise die einzelnen Roten Zellen an den Fachbereichen bildeten, und zuletzt die Roten Zellen Kiel / ML (RZK / ML), die der RGK / ML zumindest zeitweise verbunden und untereinander personell und entwicklungsgeschichtlich eng verflochten waren.
Eine eindeutige Einschätzung des Einflusses der RGK / ML ist dadurch erschwert, daß diese in ihrer Zuordnung zwischen dem Hamburger SALZ bzw. dem KB, dem KB Bremen und der KPD / ML bzw. KPD / ML-ZK schwankte[111].
Bis zum Einschwenken der RZK / ML auf die Linie des späteren KBW Anfang bis Mitte 1973 dürfte dieses Gebiet im wesentlichen durch die KPD / ML bzw. KPD / ML-ZK und den KB beeinflußt worden sein.
Die KPD / ML bzw. KPD / ML-ZK verfügte bereits früh über eine, aus dem Sozialistischen Zentrum und der aus diesem hervorgegangenen Lehrlingsgruppe Flensburg entstandene, Rote Garde Flensburg[112], von Anfang an über eine Präsenz in Kiel, war später auch in Lübeck verhältnismäßig stark und konnte neben der RGK / ML, auch die Rote Arbeiterinitiative Neumünster für sich gewinnen.
Der KB entstand hier aus den KB / ML's Eutin (dieser ist vermutlich aus der Sozialistischen Schüler- und Lehrlingsgruppe Eutin (SSLG) hervorgegangen, über die ich bisher nichts Genaueres in Erfahrung bringen konnte) und KB / ML Flensburg, konnte den KB / ML Lübeck für sich gewinnen, arbeitete mit weiteren Gruppen im nordschleswigschen Raum (Kommunistische Basisgruppe Tönning, Kommunistische Gruppe Kappeln / Gelting, Jugendkreis Wallsbüll) zusammen und vermochte auch in Kiel, allerdings erst 1974 / 75, eine Gruppe aufzubauen, die aber nicht zu den großen Organisationen am Ort gehörte[113].
Im Osten gelang es die Jusos in Ratzeburg für den KB zu gewinnen. In der Arbeit der Regionalzentrale Nord (ursprünglich Regionalzentrale Nord des Verbandes der Kriegsdienstverweigerer) war das SALZ Hamburg (Vorläufergruppe des KB) als Oberzentrum für ganz Norddeutschland, die RGK / ML als Unterzentrum für Schleswig-Holstein tätig. Diese Regionalzentrale verfügte über Kontakte zu den meisten der bereits 1970 / 71 tätigen Gruppen und in diesen Gruppen vermutlich über einen gewissen Einfluß.
Während der Einfluß des KB eher stabil blieb (mit Ausnahme der Herausbildung der Flensburger KBW-Gruppe aus den Roten Zellen, vermutlich u.a. mit der Zwischenformation Sozialistische Schülergruppe, die anfänglich ganz auf den KB / ML Flensburg bzw. den KB orientiert waren), blieb die KPD / ML von großen Spaltungen nicht verschont.
Der KPD / ML-ZB schloß sich neben der Roten Garde Flensburg und zumindest Teilen der Kieler Organisation auch noch eine Gruppe in Bad Segeberg (vermutlich die Basisgruppe Segeberg um das 'Rotlicht') an.
Zumindest zeitweise gab es eine unabhängige Gruppe namens Landesverband Wasserkante der KPD / ML, die aus einer Abspaltung der Mehrheit des Landesverbandes hervorging und eventuell identisch war mit einer Kieler Gruppe Parteiaufbau bzw. Parteiopposition.
Eine Stabilisierung ihres Einflusses erreichte die KPD / ML-ZK erst durch den Anschluß der RGK / ML, wodurch Kiel bis zum Zerfall der KPD / ML-ZB Anfang 1973 zu einer der stärksten Bastionen dieser Gruppe, beim damaligen Anschluß der RGK / ML gar zur stärksten Bastion überhaupt wurde.
Durch die Loslösung der RZK / ML und der Roten Zelle Schule Kiel / ML von der RGK / ML, die beide jeweils den AStA bzw. den Stadtschülerrat kontrollierten, bei der die Hamburger Sozialistische Studentengruppe wahrscheinlich nicht ganz unbeteiligt war, erreichte auch der KBW einen gewissen Einfluß in diesem Gebiet, der vermutlich verstärkt wurde durch das Husumer Arbeiter- und Lehrlingszentrum und Gruppen u.a. in Flensburg (s.o.), Schleswig, Heide und Plön / Preetz, die sich aber alle erst ab 1973 mit der Gründung des KBW herausbildeten bzw. überregional hervortaten. Erst nach der Gründung des KBW wurden auch dessen Soldaten- und Reservistenkomitees vor allem in Flensburg, Eutin und Bad Segeberg tätig, deren Mitglieder aber vor allem aus anderen Regionen gekommen sein dürften. Der KBW dürfte allerdings zumindest den dritten Rang eingenommen haben, während er gegen Ende des Untersuchungszeitraumes deutlich an Einfluß gewann.
Die KPD stützte sich im wesentlichen lediglich auf Schülergruppen in Niebüll und Westerland, das Sozialistische Schülerkomitee St.Peter Ording und vermochte die wohl konkurrenzlose Kommunistische Gruppe Rendsburg für sich zu gewinnen, blieb aber insgesamt eher unbedeutend.
Noch unbedeutender blieb der KABD bzw. KAB / ML, der zwar sehr früh eine Gruppe an der Uni Kiel hatte, von dem weitere Rekrutierungen (mit Ausnahme eines Werftarbeiters in Rendsburg) aber erst weit nach dem Untersuchungszeitraum bekanntwurden.
Gar nicht vertreten war der AB.
Während bis zur Spaltung in KPD / ML-ZB und KPD / ML-ZK die KPD / ML dominant gewesen sein dürfte, folgte eine Phase des relativen Gleichgewichts vermutlich zwischen KPD / ML-ZB und dem in Hamburg aufstrebendem SALZ, nach Anschluß der RGK / ML an die KPD / ML verschoben sich die Gewichte zu Gunsten der KPD / ML-ZK bzw. später der KPD / ML der der KB und ab 1974 zunehmend auch der KBW Paroli boten.
Im Raum Hamburg, zu dem hier neben Hamburg selbst auch das Gebiet zwischen Itzehoe, Stade, Lüneburg und Lauenburg gerechnet werden soll, gab es stets nur eine wirklich dominante Gruppe, den Kommunistischen Bund (KB), bzw. dessen wichtigste Vorläufergruppe, das Sozialistische Arbeiter- und Lehrlingszentrum (SALZ).
Dieses hatte sich entwickelt aus dem Sozialistischen Lehrlingszentrum, weiches seinerseits aus dem Jour Fix der Hamburger Gewerkschaftsjugend hervorgegangen war. Diese Gruppe vermochte fast das gesamte nicht der DKP zugeneigte Protestpotential unter den Hamburger Junggewerkschaftern an sich zu binden.
Angeschlossen hatte sich 1970 noch das Bergedorfer Arbeiter- und Lehrlingszentrum (Bergedorf ist ein relativ abgelegener Bezirk von Hamburg), welches seinerseits aus der Hauni-Lehrlingsgruppe und dem Puperzkekollektiv hervorgegangen war und mit der verbündeten APO Bergedorf die dortige Szene dominierte und auch Kontakte zu örtlichen Gruppen in Geesthacht und Reinbek unterhielt.
Eine weitere alte Gruppe dieser Linie waren SALZ und Sozialistischer Schülerbund Stade, weitere Gruppen des KB fanden sich noch in Ahrensburg, Pinneberg, Elmshorn, Trittau und Norderstedt / Quickborn, die z.T. aus dem Anschluß des Ringes Bündischer Jugend hervorgingen.
Neben dem KB, der in Hamburg selbst über ein Potential von ca. dem Doppelten der sonstigen revolutionären und dem Dreifachen der anderen K-Gruppen verfügte, bildete sich aus dessen Studentengruppe (Sympathisanten des KB an den Hamburger Hochschulen - SdKB die örtliche Vertretung des KBW heraus, die allerdings kaum aus dem Hochschul- bzw. Intellektuellenmilieu herauskam. Verbunden war sie mit einer Gruppe in Lüneburg (Kommunistische Gruppe und Kommunistische Studentenzelle), die Ausdehnung der Arbeit des KBW nach Buchholz (Kommunistische Gruppe), Elmshorn (Kommunistische Gruppe), Itzehoe, Pinneberg, Lauenburg (Kommunistische Gruppe), Quickborn / Ellerau (Initiativgruppe für eine Gemeindearbeit im Interesse der Bevölkerung) und Norderstedt (.Proletarische Jugend) erfolgte erst ab 1973 und wesentlich von der Hamburger Ortsgruppe her und nicht durch alteingesessene Kreise.
Obwohl die Gründung der KPD / ML u.a. von einer Gruppe in Hamburg mitvollzogen wurde, gelang es dieser nie über einen dritten Rang, um den sie sich auch noch mit der KPD streiten mußte, hinauszukommen.
Parallel zur Abspaltung der Gruppe Parteiaufbau in Kiel bildete sich auch in Hamburg eine Gruppe, die sich unter dem Namen ML Organisation zum Parteiaufbau (MLOzP) an der Ausländergesetzdemonstration am 8.10.1972 in Dortmund beteiligte und sich auch mit dem KB Bremen gegen dessen geplantes Verbot solidarisierte. Sie neigte zum KBW, ob sie sich diesem anschloß ist unbekannt und nicht anzunehmen, da die Arbeit des KBW im Hamburger Hafen, wo die MLOzP ihre einzige Betriebszeitung herausgab, von dessen eigenen Studenten geleistet wurde.
Die Mitgliedschaft der KPD / ML-ZB dürfte eher gering gewesen sein, da sich die achtköpfige Schütt / Debusgruppe bei ihrer Abspaltung rühmte die Mehrheit der Ortsgruppe Hamburg zu bilden. Bei ihrer Gründung hatten sich allerdings sämtliche Gruppen der Roten Garde der KPD / ML-ZK bis auf eine einzige dem KJVD der KPD / ML-ZB angeschlossen.
Die KPD, die in Hamburg hervorging aus einer der drei Fraktionen der extrem kurzlebigen (ca. einen Monat bestehenden) Proletarischen Front, deren Traditionslinien allerdings über die Zwischenformation Trikont bis in den SDS und vermutlich auch die ML-Fraktion des Internationalen Nachrichten- und Forschungsinstituts (INFI) zurückreichten, rekrutierte sich über das Nationale Vietnamkomitee und verschaffte sich weiter eine gewisse Präsenz durch neue Mitglieder mit Berliner Dialekt. Im Großraum gelang es ihr neben dem SALZ Cuxhaven ebenfalls über das Nationale Vietnamkomitee eine Gruppe in Lüneburg (Antiimperialismuskomitee bzw. Kommunistisches Studentenkollektiv) an sich zu binden.
Der KABD und der AB waren während des Untersuchungszeitraumes weder in Hamburg noch im Umland präsent.
Von den nichtmaoistischen Gruppen vermochte lediglich die GIM bzw. die RKJ sich vor allem im Hamburger Schülersektor einen gewissen Einfluß zu behaupten. Sie hatte zumindest Teile des Sozialistischen Bundes für sich zu gewinnen vermocht.
Anarchistische Kräfte waren zwar, ebenso wie in den fünfziger Jahren durch die 'Information' präsent, vermochten sich aber während des Untersuchungszeitraumes trotz zeitweiligen Bündnissen mit undogmatischen Maoisten wie Dieter Schütt, dessen Marxistisch-leninistisches Zentrum 1972 gemeinsam mit u.a. der Föderation Neue Linke im Hamburger Aktionszentrum (HAZ) tätig war, kaum durchzusetzen.
In Bremen war als Besonderheit zu fast allen anderen großen Städten der Bundesrepublik Deutschland in der Entstehungsphase der APO eine revolutionärkommunistische Gruppe, die Gruppe Arbeiterpolitik, mit einer beträchtlichen Verankerung in dem wichtigen Betrieb Klöckner vorhanden. Es gelang ihr allerdings nicht die Bremer APO in größerem Umfange einzubinden. Die organisationswilligen Teile der Bremer APO, die sich mangels größerer Hochschulen, nicht mehrheitlich aus Studenten sondern aus Schülern und Berufsschülern rekrutierte, organisierten sich, sofern sie nicht der DKP oder den Jusos zuneigten, weitgehend geschlossen im Kommunistischen Bund Bremen (KBB), der durch einen Zusammenschluß verschiedener Lehrlingsgruppen entstand, die sich zunächst Sozialistische Betriebsgruppen Bremen nannten. Später hatte diese Gruppe maßgeblichen Anteil an der Gründung des KBW. Sie verfügte in ihrer Blütezeit über ca. 700 Mitglieder in der Kern- bzw. den Nebenorganisationen und konnte die örtliche Dominanz eine ganze Weile behaupten. Gefährdet wurde diese Position erst gegen Ende des Untersuchungszeitraumes durch den 1976 erfolgten Ausschluß der 'Rechten' aus dem KBW (dem vermutlich Austritte anderer Mitglieder noch während des Untersuchungszeitraumes vorausgingen).
Diese um die Bremer Wilfried Maier und Erik Kühl gescharte Tendenz, die bereits bei der Gründung des KBW durch die Vorlage eines eignen, allerdings abgelehnten, Gründungsdokumentes 'Thesen zur Taktik der westdeutschen Kommunisten' [114] hervorgetreten war, hatte vermutlich ihren Schwerpunkt innerhalb des KBW in Bremen. Geschwächt wurde der KBW ebenfalls gegen Ende des untersuchten Zeitraumes durch die Verschickung von Bremer Mitglieder in die Landkreise der Umgebung (z.B. Rotenburg, Hoya, Osterholz-Scharmbeck, Brake und Syke), in denen nicht bereits wie in Diepholz (Kommunistische Gruppe), Nordenham, Bremerhaven (Kommunistische Gruppe), Delmenhorst (Ortsgruppe schon des Kommunistischen Bundes Bremen hervorgegangen vor allem aus der Gruppe der Ersatzdienstleistenden im Wichernstift), Wilhelmshaven (Kommunistischer Bund), Verden (Kommunistische Jugendgruppe), Vechta (u.a. Kommunistischer KSB Osnabrück Studentenbund Osnabrück) und Achim eigene Gruppen des KBW entstanden waren.
Eine Zusammenarbeit scheint es bis 1973 auch mit der Aktionsgruppe Demokratischer Lehrer gegeben zu haben, in der aber vermutlich u.a. auch Anhänger der Gruppe Arbeiterpolitik vertreten waren. Nach der Gründung des KBW baute dieser 1974 eine eigene Gesellschaft zur Unterstützung der Volkskämpfe auf.
Der KB verfügte im wesentlichen über seine Gründungsgruppe SALZ Bremerhaven, die aus dem Außerparlamentarischen Arbeitskreis hervorgegangen war und, von der eigenen Abspaltung Arbeiter- und Lehrlingsbund / Bund Kommunistischer Schüler einmal abgesehen, erst ab ca. Herbst 1975 Konkurrenz in Form der Kommunistischen Gruppe KG Bremerhaven des KBW und vermutlich noch später durch die KPD / NIL erhielt. Im Konzept der Regionalzentrale Nord (vgl. 6.1.) war das SALZ Bremerhaven als Unterzentrum für Niedersachsen vorgesehen, womit sich allerdings der vielfach stärkere KB Bremen nicht abzufinden vermochte. Der KB vermochte unseres )Wissens neben dem - an die KPD verlorenen SALZ Cuxhaven - lediglich noch eine Gruppe in Zeven aufzubauen bzw. für sich zu gewinnen, über die bisher nichts Genaueres bekannt wurde.
Neben dem KB, der erst gegen Ende des Untersuchungszeitraumes in Bremen eine gewisse Präsenz erlangte, diese aber nicht zur Betriebsarbeit sondern wesentlich zur Beeinflussung der neuen sozialen Bewegungen und noch später der 'Wahlbewegung' (Alternative Liste Bremen) nutzte, wobei er einige Erfolge verbuchen konnte, wurde die zweite wichtige Gruppe der K-Gruppen in Bremen durch die KPD / ML-ZB gebildet. Deren Ortsgruppe schloß sich beim Zerfall der Organisation zunächst dem KBW an, aus dem sie dann Ende 1973 mit ca. 50 Personen als 'Kommunistische Fraktion im KBW wieder ausschied und sich der KPD / ML zuwandte.
Die KPD / ML verfügte noch über eine wichtige Gruppe in Nordenham, die um den 'Roten Betriebsrat' von Felten & Guillaume, Gerd Coldewey, entstanden war und erst später durch den KBW, der durch die Ausdehnung seiner Arbeit bei den Vereinigten Flugtechnischen Werken von Bremen aus und durch Lehrer ca. 1974 dort anlangte, Konkurrenz erhielt.
In Bremen selbst dürfte der KPD / ML auch die KPD in etwa ebenbürtig gewesen sein, die sich ab Anfang 1973 auf eine Kommunistische Studentenorganisation stützen konnte, später an der Uni durch diese und den Physikprofessor Jens Scheer, im betrieblichen Sektor durch einen Betriebsrat auf der Vulkanwerft einigen Einfluß innerhalb der Bremer K-Gruppenszene erlangte, wobei es ihr allerdings an Gruppen im Umland weitgehend mangelte.
Während des Untersuchungszeitraumes nicht vertreten waren KABD und AB.
Nichtmaoistische linke Gruppen verfügten anfänglich über gewissen Einfluß in Wilhelmshaven, wo sich das, zumeist aus Schülern bestehende, Anarchosyndikat 1970 rühmen konnte die einzige linke Organisation am Ort zu sein, und in Delmenhorst, wohin sich die Oldenburger Gruppe der KJO Spartacus u.a. durch Abwerbung aus dem KB Bremen ausgedehnt hatte.
In Bremen selbst bestand neben den Hausbesetzern Auf den Häfen in der Bremer Neustadt, die der Zeitung 'Wir wollen alles' nahegestanden haben dürften auch eine Gruppe des SHB / Sozialistische Fraktion bzw. Sozialistische Front, aus der sich vermutlich die spätere Marxistische Gruppe entwickelte.
Über dieses Gebiet war mir bisher nur eher bruchstückhaftes Material zugänglich, nach dem sich 1970 an einem regionalen Zusammenschluß trotzkistischer Gruppen um den Arbeitskreis Spartacus Oldenburg auch die, aus dem Arbeitskreis Neokolonialismus entstandene und anfänglich von der KPD / ML stark beeinflußte, Sozialistische Basisgruppe Aurich und der Arbeitskreis Lehrlinge Leer beteiligten, die allerdings in Konkurrenz standen zu Gruppen der Roten Garde der KPD / ML, die es zumindest in Jever, Esens und Wittmund gab. Die Gruppe in Wittmund entstand vermutlich aus dem örtlichen Sozialistischen Jugendbund.
In Oldenburg selbst verfügte der KB bei seiner Gründung 1971 über eine vermutlich örtlich recht wichtige Vorläufergruppe namens Kommunistische Arbeitergruppe, 1972 / 73 hatte der KB auch noch eine Kommunistische Schülergruppe Westerstede.
Der KBW bzw. seine Vorläufergruppierung war zumindest bereits ab Ende 1971 am Ort vertreten durch die Kommunistische Kolleggruppe, und spätestens 1973 auch durch eine Kommunistische Gruppe (Aufbaugruppe).
In Ostfriesland konnte sich der KBW ab 1973 auf die, aus der Roten Zelle Norden hervorgegangene, Kommunistische Schülergruppe Norden, stützen sowie später auf die Kommunistischen Gruppen Norden und Emden, die allerdings zumindest teilweise durch Lehrer gebildet wurden, die der großen Mitgliederzahl (1973 / 74: ca. 180 Mitglieder) an der PH Göttingen und anderen Pädagogischen Hochschulen Niedersachsens entsprungen sein dürften und, auch im Kreis Leer arbeiteten.
Vermutlich hauptsächlich durch die Soldatenarbeit erfolgte auch eine Ausdehnung nach Wildeshausen und durch diese und die Arbeit bei den Vereinigten Flugtechnischen Werken auch nach Varel.
Über die Entwicklung der K-Gruppenszene und der Linken insgesamt in Hannover selbst lag mir bisher nur bruchstückhaftes Material vor, welches lediglich durch einige Gespräche ergänzt wurde.
Aus dem SDS entwickelten sich bis Anfang 1970 ML-Fraktionen u.a. in der Betriebsprojektgruppe, der Basisgruppe Stadtsanierung Linden und der Schülerprojektgruppe.
Relativ früh, bereits im März 1969, berichtet die KPD / ML über eine eigene Ortsgruppe die durch den Anschluß des Marxistisch-leninistischen Ausschusses Hannover entstand, noch im selben Jahr ist aber auch die RJ / ML mit einer Gruppe präsent, deren Entstehung vermutlich einem einzelnen Bundeswehrsoldaten zugeschrieben werden kann. Ab ca. 1972 kamen hierzu einige Schülergruppen, u.a. die Marxistisch-leninistische Schülergruppe Lehrte hinzu.
Wenig in Erfahrung gebracht werden konnte über die Ortsgruppe der Sozialistischen Arbeitergruppe (SAG) die erst 1973 entstand.
Nachdem die KPD / ML-ZK bei der Spaltung ab April 1970 zumindest Teile der Organisation an die KPD / ML-ZB verlor, dürfte diese, besonders durch ihre Betriebsgruppen u.a. bei Conti und Hanomag und ihre Beeinflussung des Landesverbandes der Jungdemokraten eine recht starke Rolle gespielt haben. Ein vermutlich recht großer Teil ihrer Mitglieder schloß sich allerdings nach ihrem 1973 erfolgten Zerfall nie wieder anderen Organisationen an, sondern widmete sich der Gewerkschaftsarbeit bzw. betrieb einen Buchladen (Arbeiterbuch) und engagierte sich in den sich herausbildenden neuen sozialen Bewegungen.
Zumindest Teile der KPD / ML-ZK schlossen sich nach ihrer vorübergehenden Abspaltung anläßlich des a.o. Parteitages im Dez. 1971 nicht wieder der KPD / ML-ZK bzw. der KPD / ML an. Diese scheinen z.T. ‘privatisiert’ zu haben, während sich eventuell auch einige dem KBW anschlossen.
Spätere Anhänger des KBW betrieben bis 1972 zum einen Teil eine streng konspirative Arbeit innerhalb der Gewerkschaft und traten erst zwecks Gründung eines einheitlichen Kommunistischen Bundes Hannover bzw. der bald darauf erfolgten Gründung einer Ortsgruppe des KBW, die in Hannover von zwei verschie-
denen Zirkeln gebildet wurde, als 'Gruppe von Kommunisten' an die Öffentlichkeit. Die andere KBW-Vorläufergruppe, der Kommunistische Bund Hannover / Aufbaukomitee, scheint entstanden zu sein durch ehemalige Mitglieder der Marxisten-Leninisten Hannover und der Kommunistischen Aufbauorganisation, die ihrerseits vermutlich wiederum aus den KPD / ML's hervorgingen und vermutlich nicht bzw. lediglich in Form der Aktionsgemeinschaft der marxistisch-leninistischen Gruppen Hannovers gegen die Fahrpreiserhöhungen an die Öffentlichkeit traten.
Die zum KBW zu zählende Kommunistische Hochschulgruppe konnte immerhin, nach eigenen Angaben, zwei Mitglieder der zuvor bestehenden Gruppe Hochschulkampf Hannover für sich gewinnen, woher die anderen eventuell vorhandenen Mitglieder kamen ist ungewiß, aber eventuell teilweise auch mit den relativ starken Schülergruppen des KBW in Kreiensen, Seesen, Clausthal-Zellerfeld und anderswo in Niedersachsen zu erklären.
Dem KBW gelang es ungefähr ab 1974 wohl die führende Rolle in Hannover zu spielen, wobei es allerdings nicht wie in anderen Städten zu einer erdrückenden Dominanz gekommen sein dürfte. Stützen konnte sich der KBW in diesem Gebiet, in dem seine Gruppen zunächst weitgehend von Göttingen her aufgebaut worden waren, auf
- die 1971 u.a. aus der DGB-Jugend hervorgegangene Interessengemeinschaft der Jugend Walsrode um den Landboten Ulifus', die nach ihrem Anschluß an den KBW mit 13 Lehrlingen bei Wolff Walsrode die vermutlich stärkste Betriebszelle des gesamten KBW bildete.
- Sympathisantengruppen in Peine und Salzgitter (letztere entstand durch Zwangsversetzungen von VW-Arbeitern aus Braunschweig).
- das Anfang 1973 entstandene Kommunistischer Bund / Aufbaukollektiv Hameln, das an der Gründungskonferenz des KBW teilnahm, vom KB Göttingen aus aufgebaut worden war und vermutlich weitgehend aus dem örtlichen Republikanischen Club und / oder der kurzlebigen Roten Garde hervorging. Weiter gab es in Hameln noch eine Schülergruppe des KBW.
- den ebenfalls auf der Gründungskonferenz vertretenen KB Hildesheim, der von Göttingen aus beeinflußt wurde und hauptsächlich aus der Lehrlingsbewegung hervorgegangen zu sein scheint. Den Bemühungen der KJO Spartacus 1970 eine, vermutlich diese, Lehrlingsgruppe in Hildesheim zu zerschlagen bzw. nur wenige Kader daraus zu rekrutieren, scheint diese Gruppe weitgehend widerstanden zu haben. Sie leitete einen Kommunistischen Arbeiterjugendbund an, zu dem sich später noch eine Kommunistische Hochschulgruppe, eine Kommunistische Schülergruppe und eine Initiative für ein Soldaten- und Reservistenkomitee gesellten.
Im Landkreis Hildesheim schloß sich dem KBW schließlich auch noch die bereits mindestens ab 1973 tätige Kommunistische Gruppe Alfeld an, die u.a. mit zwei Betriebszellen bei Fagus und Behrens aktiv war.
Relativ stark in Hannover vertreten war die KPD, auch wenn diese niemals den Aufbau eines ordentlichen Regionalkomitees durchführte. Sie stützte sich u.a. auf die Sozialistische Schülerorganisation Hannover (SSO), die Kommunistischen Oberschüler (KO) Gehrden / Barsingbausen und Schaumburg / Minden, die alle bereits ab ca. 1970 aktiv waren.
Ab 1972 erregte sie auch u.a. durch ihre Ausschüsse Kampf dem BRD-Imperialismus in den Kasernen Aufsehen.
Ob für die Mitgliedergewinnung der KPD auch die ca. 1970 erfolgten Kontakte mit der Aktionsgruppe Hannoveraner Lehrlinge (AHL) bzw. der Sozialistischen Arbeiter- und Lehrlingsgruppe Hannover (SALG) ausgenutzt werden konnten, konnte bisher nicht in Erfahrung gebracht werden.
Vertreten war auch ab ca. 1974 / 75 der KB, wobei weder über Herkunft der Gruppe noch über deren Stärke genaue Informationen vorliegen. Präsent war der KB auch in Hildesheim, allerdings nicht wie der KBW mit betrieblichem Schwerpunkt sondern hauptsächlich an Schulen und Hochschulen und ebenso wie in Hannover in neuen sozialen Bewegungen engagiert.
Insgesamt gesehen scheint die Lage in Hannover selbst ähnlich wie in Frankfurt gewesen zu sein, d.h. daß sich nahezu alle K-Gruppen (mit Ausnahme des AB) am Ort versammeln ohne daß eine einzige von ihnen nach dem Zerfall der KPD / ML's eine unangefochtene Stellung einnahm und die Gruppen zusammen sich einer relativ starken sog. undogmatischen bis anarchistischen Strömung, die in Hannover z.B. vertreten wurde durch die relativ weit links stehende SOAK-Tendenz der Jusos, die 'Hannoversche Fresse, das Sozialistische Büro, das Unabhängige Jugendzentrum Kornstraße, die Proletarische Aktion / Agit 883 und den 1973 wiedergegründeten SDS gegenübersahen.
In den Gebieten des Umkreises dürfte, dagegen der KBW relativ unangefochten agiert haben.
An den Braunschweiger Hochschulen scheint zunächst der Sozialistische Bund (SB) Braunschweig die stärkste Gruppe gewesen zu sein, die zeitweise auch den AStA der Technischen Universität stellte. Der SB verfügte über eine Fraktion in der örtlichen Schülerbasisgruppe, aus der sich der Kommunistische Oberschülerbund (KOB) entwickelte und teilte sich selbst Ende 1972 auf in eine Hochschulgruppe namens Kommunistischer Studentenbund (KSB) und einen örtlichen Zirkel namens Kommunistischer Bund Braunschweig, welcher sich dem KBW anschloß und zuvor noch mit einer Initiativgruppe Braunschweig, die vermutlich noch aus der APO stammte, zusammenarbeitete. Auch von dieser Gruppe schlossen sich zumindest Teile dem KBW an, nachdem zuvor bereits einige Betriebszeitungen gemeinsam herausgegeben worden waren.
Ebenfalls schon an der Gründung des KBW beteiligte sich der Kommunistische Bund Wolfsburg, der 1971 oder früher zunächst als Arbeitskreis Wolfsburger Lehrlinge (AWL) aus der Lehrlingsbewegung hervorgegangen war und mit einer Betriebszelle bei VW sowie einem Kommunistischen Arbeiterjugendbund Wolfsburg (KAJB) arbeitete.
Zusammen mit der Braunschweiger Gruppe wurde durch diese Gruppe auch die Betriebsarbeit bei Teves Gifhorn unterstützt.
Ebenfalls auf Linie des KBW bzw. seiner Vorläufer arbeitete auch der Kommunistische Studentenbund Clausthal-Zellerfeld (KSB) sowie die dortige Schülergruppe Sozialistisches Aktionskollektiv (SAK) und vermutlich ebenfalls die Basisgruppe Realschule.
Auf weitere recht starke Schülergruppen, die sich in jeweils mehreren Klassenkollektiv organisierten, konnte sich der KBW stützen in Seesen (Arbeitskreis Sozialistischer Schüler - ASS bzw. Kommunistische Schülergruppe - KSG) und Kreiensen
In Helmstedt spaltete sich das Schülerplenurn Ende 1972 in eine KBW- und eine KPD-Richtung, die KBW-Fraktion und der Sozialistische Aktionskreis (SAK) Helmstedt schlossen sich dem KBW an.
Ein Aufbaukollektiv Kommunistischer Bund (AKKB) Harz entstand 1973 u.a. aus den Marxisten-Leninisten Goslar / Bad Harzburg, bei denen es sich vermutlich um die ehemalige örtliche Vertretung der KPD / ML-ZB handelte, die noch kurz zur KPD / ML-ZK übertrat, sich dann unabhängig machte, eine Kommunistische Schülergruppe (KSG) anleitete und sich schließlich wie fast alle Gruppen im Vorharzraum dem KBW anschloß.
Die einzige Ausnahme scheint hierbei die Anfang 1973 durch Umbenennung der bisherigen Initiative Goslarer Lehrlinge (IGL) entstandene Kommunistische Gruppe Goslar (KGG) gebildet zu haben. Sie vereinigte sich 1975 mit dem AB, nachdem sie zuvor mit der KPD / ML-ZB und danach mit der Kommunistischen Gruppe Bochum in Kontakt gestanden hatte.
Neben dem KBW als stärkster Linie scheint die KPD sich Ende 1972 als zweitstärkste Gruppe etabliert zu haben.
Sie gewann in Braunschweig die relativ starke Hochschulorganisation (H0) und die Sozialistische Oberschülerorganisation (SOSO) für sich, die beide aus dem Zerfall der KPD / ML-ZK nach dem a.o. Parteitag im Dez. 1971 entstanden waren. Auch die Initiative Sozialistischer Schüler Wolfenbüttel scheint zumindest zeitweise eine gewisse Affinität zur KPD gehabt zu haben, allerdings verfügte auch der KBW dort später über eine Initiativgruppe / Kommunistischer Oberschülerbund. Mit der Rekrutierung der KPD in Helmstedt (s.o.) scheint auch eine Gruppe in Schöningen, vermutlich der ehemalige KJVD der KPD / ML-ZB, für die KPD gewonnen worden zu sein.
Neben KBW und KPD gelang es erst ca. 1973 bzw. 1975 dem KABD bzw. dessen RJVD und dem KB Gruppen in Braunschweig aufzubauen, wobei aber der KABD, der mit einer Jugendbetriebszelle bei Siemens arbeitete, und der KB während des Untersuchungszeitraumes keinen größeren Einfluß erlangten.
Faktisch kaum vertreten war nach dem Dez. 1971 die KPD / ML bzw. KPD / ML-ZK, die nach dem a.o. Parteitag fast alle Mitglieder einbüßte, wobei sich u.a. die Marxisten-Leninisten Braunschweig bildeten, über deren Verbleib nichts bekannt wurde. Das Schicksal der Gruppen der KPD / ML-ZB wurde bereits oben dargestellt.
Der AB arbeitete lediglich in Goslar.
Im Raum Göttingen war während des Untersuchungszeitraumes der KBW bzw. seine Vorläufergruppe Kommunistischer Bund (KB bzw. KBG) Göttingen die unbestritten stärkste K-Gruppe.
Sie ging aus dem SDS hervor und arbeitete zusammen mit einem Kommunistischen Arbeiterjugendbund (KAJB), der relativ dominant in allen Teilen der Gewerkschaftsjugend war. Ebenfalls zum KB Göttingen zu rechnen sind die Kommunistische Schülerfront (KSF), bei der es sich um die stärkste Schülergruppe am Ort handelte und der Kommunistische Studentenbund (KSB), der zeitweise den AStA stellte. Weiter gab es noch einen Kommunistischen Kommunistischer Ersatzdienstleistendenbund (KEB) und eine Soldatengruppe.
In Opposition zum KB Göttingen bzw. ab Mitte 1973 zum KBW stand neben der eher anarchistisch ausgerichteten, aus dem SDS hervorgegangenen 'Politikon'-Gruppe auch eine weitere Gruppe, die sich nach der Spaltung des örtlich weiterbestehenden SDS in diese Gruppe und den KB / KSB weiterhin SDS Göttingen, später Kommunistische Hochschulgruppe Göttingen (KHG) nannte.
Mit ihr zusammen arbeitete die Aktionsgruppe Göttinger Lehrlinge (AGL) bzw. Aktionsgruppe Göttinger Lehrlinge und Jungarbeiter.
Aus der AGL entstand die Kommunistische Arbeitergruppe Göttingen (KAG), die sich 1972 / 73 dem KB anschloß.
Die KHG Göttingen allerdings machte den Anschluß nicht mit, sondern vereinigte sich Ende 1973 mit dem KSB Göttingen.
Aus dem KSB aber waren Mitte 1972 einige Mitglieder ausgetreten und bildeten ein Initiativkomitee / Kommunistischer Hochschulbund (IK / KHB) welches nach einigen Querelen ab ca. Ende 1973 die Linie des KB befürwortete und - allerdings erst gegen Ende des Untersuchungszeitraumes bzw. danach - einigen Einfluß an den Hochschulen, besonders durch die Bündnispolitik mit spontaneistischen Kräften, erlangte.
Die Stellung des KBW als örtlich stärkste Gruppe dürfte während des Untersuchungszeitraumes nie ernsthaft bedroht gewesen sein, besonders da es ihm gelang neben der KHG Göttingen auch noch eine andere, zeitweise gegnerische Fraktion, nämlich einen Teil des Herausgeberkreises der 'Göttinger Betriebszeitung' (GBZ), der bereits seit ca. 1970 tätig war, für sich zu gewinnen, während der andere Teil, der die Zeitung in 'Göttinger Betriebsexpreß' umbenannte, sich dem Sozialistischen Büro näherte.
KPD und KPD / ML waren in Göttingen nur marginal, KABD und AB gar nicht vertreten.
Die KPD hatte einen kleinen KSV, die KPD / ML-ZK hatte zeitweise eine Rote Garde und eine Zeitung bei ISCO, die KPD / ML-ZB verfügte kurzzeitig über einen kleinen Buchladen in Göttingen.
Von Gruppen in der Umgebung wurden bisher, von der scheinbar überfraktionellen ca. 1972 / 73 tätigen Soldatengruppe Knüppel in Osterode einmal abgesehen, nur kleinere Formationen in Holzminden (Kommunistischer Arbeiterjugendbund / Aufbaukollektiv - KAJB / AK), Northeim (Kommunistische Schülerfront / Aufbauorganisation -KSF / AO), Hannoversch-Münden (Zellen des KB Göttingen bzw. des KAJB Göttingen, nach Gründung des KBW Kommunistische Gruppe Münden) und Uslar bekannt, die sämtlichst dem KBW zuzurechnen bzw. direkt aus dessen Vorläufer KB Göttingen entstanden sind.
In Osnabrück ging aus dem Lehrlingszentrum des DGB ca. 1971 eine Projektgruppe Proletarische Linie (PGPL) hervor, die sich vermutlich später direkt oder über Zwischenformationen zum KB Osnabrück entwickelte und 1973 den KBW mitgründete. Inwiefern das Rote Osnabrücker Zentrum eine Zwischenformation oder einen Zusammenschluß von lediglich Schülern darstellte, konnte bisher nicht ermittelt werden.
Der KB Osnabrück bzw. später der KBW verfügte über einen Kommunistischen Arbeiterjugendbund (KAJB), einen Kommunistischen Oberschülerbund und ein, anfänglich letzterem untergeordnetes, Sozialistisches Hochschulkollektiv (SHK), welches sich später in Kommunistischer Studentenbund (KSB) umbenannte und auch an den Abteilungen der Universität Osnabrück in Vechta arbeitete.
Außer den anarchistischen Herausgeberkreisen der 'Volkspreishefte' um das Jugendzentrum Osnabrück, scheint es hier kaum Konkurrenz anderer Gruppen gegeben zu haben, erst ab ca. 1976 bildete sich eine Gruppe des KB, die u.a. aus einer Frauengruppe bestand.
Die KPD / ML war zwar selbst und durch eine Rote Garde vertreten, scheint aber keine größeren Aktivitäten entwickelt zu haben.
Anders sah die Lage in Münster aus, wo sich schon ca. 1970 eine relativ starke KPD / ML bzw. KPD / ML-ZB herausbildete, die an der Uni und z.T., über ihren KJVD in mehreren Betrieben arbeitete. Diese ging nach Zerfall der eigenen Organisation ab Ende 1972 vermutlich weitgehend als Kommunistisches Studentenkollektiv (KSK) und Kommunistisches Jugendkollektiv zur KPD über. Die KPD hatte außerdem 1972 u.a. durch ihre Vietnamkampagne die Schülerkollektive / Marxisten-Leninisten (SK / ML) in Münster und in Warendorf, sowie die Gruppe Lokomotive Mecklenbeck in Münster für sich gewinnen können und sich auch noch durch Teile der Roten Zellen an der Uni und durch die Rote Zelle an der Fachhochschule gestärkt.
In der Ahlener Westfalenkaserne bildeten die KPD bzw. ihr KJV 1972 einen Vietnamausschuß und daraus hervorgehend ihre erste Kasernenzelle, die für erhebliches Aufsehen sorgte.
Aus dem Rest der Roten Zellen bildete sich ab 1973 die örtliche Vertretung des KBW heraus, der in Münster neben der KPD nur die zweite Rolle eingenommen zu haben scheint. Dem KBW schloß sich 1976 noch eine Kommunistische Gruppe (KG) Emsdetten und ein Kommunistischer Schülerbund (KSB) Coesfeld an, bei denen allerdings eine Existenz schon vor der Gründung des KBW bzw. innerhalb des Untersuchungszeitraumes bisher nicht bekannt wurde.
Erst ca. 1975 bildete sich auch eine Gruppe des KB in Münster heraus, die hauptsächlich in den neuen sozialen Bewegungen aktiv war und dort einigen Einfluß nahm. In diesen Zeitraum fällt auch der Aufschwung der örtlichen Gruppe des Sozialistischen Büros.
Die KPD / ML blieb, nach dem Verlust der Ortsgruppe der KPD / ML-ZB, marginal, noch mehr trifft dies auf den KABD zu, während der AB gar nicht vertreten war.
In diesem Gebiet war zunächst die KPD / ML bzw. die KPD / ML-ZK in Bielefeld selbst und einigen kleineren Städten die wichtigste K-Gruppe, büßte aber nach ihrem a.o. Parteitag Ende 1971 einen Großteil ihrer Mitglieder, die die Marxisten-Leninisten Bielefeld und den u.a. daraus entstandenen Marxistisch-leninistischen Kampfbund Ostwestfalen bildeten, ein. Dieser Kampfbund löste sich zwar bald auf und eine Fraktion trat bereits nach wenigen Monaten wieder der KPD / ML-ZK bei, eine andere Fraktion aber bildete ab Anfang 1973 den Grundstock der KPD in diesem Gebiet die allerdings vermutlich nicht die Stärke der KPD / ML erreichen konnte, obwohl sie auch noch durch die Kommunistischen Oberschüler Schaumburg / Minden (KO) sowie Gruppen in Detmold und Herford und Studentengruppen des KSV in Bielefeld und den kleineren Hochschulorten unterstützt wurde.
An der Universität Bielefeld war neben dem KSB / ML der KPD / ML bzw. KPD / ML-ZK und dem KSV der KPD auch eine Sozialistische Aufbauorganisation (SAO) tätig. Diese beteiligte sich zwar bereits Ende 1971 an den Konferenzen kommunistischer Hochschulgruppen der späteren KBW-Organisationen, spaltete sich aber erst um 1974 herum in eine eindeutig dem KBW zugeordnete Initiative für eine Kommunistische Hochschulgruppe (IAfeKHG) , die sich zuvor wahrscheinlich kurzfristig SAO / ML nannte und eine Vertretung der Gruppe Rheinische Zeitung Bonn namens Initiative für eine sozialistische Hochschulgruppe (IfeSHG). Eine Initiative für eine Kommunistische Gruppe Bielefeld (IfeKG) des KBW wurde allerdings bereits 1973 als Ortsaufbaugruppe aufgenommen, konnte aber vermutlich ebenso wie der örtliche KABD, der ab ca. 1972 vor allem aus einer Schülergruppe in Bielefeld (Rote Schülergruppe am HEG? und Sennestadt hervorging, aber auch z.B. in Minden vertreten war, und der erst später in diesem Gebiet ein treffende KB, die Vorherrschaft der KPD / ML zumindest im betrieblichen Sektor nicht brechen, zumal dieser durch eine intensive Arbeit in den ländlichen Gebieten und Gruppen in den kleineren Städten gestützt wurde.
In diesem Gebiet war zunächst vor allem der KBW durch die aus der APO bzw. der Lehrlingsbewegung entstandene, hauptsächlich aus betrieblich, u.a. im Bergbau, aktiven Personen bestehende, Proletarische Linke Hamm (PL) vertreten, die noch 1973 in den KBW aufgenommen wurde.
Bereits bei Gründung des KBW konnte sich dieser auch der Sympathie eines Kommunistischen Studentenbundes (KSB) in Paderborn gewiß sein, dem bald auch eine Kommunistische Arbeiterinitiative Paderborn (KAI) und ein Initiativkomitee / Kommunistische Schülergruppe Paderborn (IK / KSG) zur Seite standen, wodurch noch 1973 dort ebenfalls eine Ortsaufbaugruppe des KBW eingerichtet wurde. Durch diese beiden weitgehend konkurrenzlos arbeitenden Gruppen in Hamm und Paderborn sowie der späteren
dürfte der KBW die stärkste K-Gruppe dieses Gebietes, welches allerdings vermutlich auch unter einigem Einfluß durch die Zentren Dortmund und Bielefeld stand, gewesen sein.
Vermutlich am zweitstärksten war die KPD. In Lippstadt gründete sie ca. Anfang 1974 einen Rote-Fahne-Freundeskreis (RFFK) und bereits im August 1973 eine Gruppe oppositioneller Gewerkschafter bei Hella.
Vermutlich ebenfalls durch die Ausdehnung ihrer Betriebsarbeit bei Hella von dem Werk in Recklinghausen nach Lippstadt, verfügte dort auch die KPD / ML über eine gewisse Präsenz, größere Gruppen der anderen Linien konnten bisher nicht ermittelt werden.
Dortmund stand zunächst wie fast das gesamte Ruhrgebiet unter Einfluß der KPD / ML, wobei sich diese Gruppen aber im April 1970 von der KPD / ML-ZK abwandten und die KPD / ML-ZB gründeten, die bis zu ihrem Niedergang gegen Anfang 1973 u.a. durch ihre Aktivität im Bergbau, die seitdem von keiner anderen K-Gruppe mehr übertroffen wurde, die unbestritten führende Strömung war. Speziell für Dortmund maßgeblich ist die Verankerung bei Hoesch, wo die KPD / ML, deren Anhänger z.T. vermutlich zuvor dem Initiativausschuß zur Gründung einer sozialistischen Partei um Siegfried Markowski nahestanden, und danach auch die KPD / ML-ZK zwar anfänglich ebenso wie die KPD / ML-ZB vertreten war, ihre Betriebsgruppe sich aber dann als Bolschewistische Linie der ehemaligen KPD / ML der KPD / ML-ZB anschloß, wodurch die Position der KPD / ML-ZB erheblich gestärkt wurde. Diese aber büßte wiederum bereits vor ihrer Auflösung die Leitung ihres Jugendverbandes KJVD, die KJ-Inform-Fraktion ein, die u.a. bei Hoesch Dortmund tätig war und sich wiederum der KPD / ML-ZK anschloß. Geschwächt aber wurde die KPD / MLZK wiederum durch ihren a.o. Parteitag Ende 1971, wodurch sich in Dortmund u.a. die Marxisten-Leninisten (ML) Dortmund und eine vermutlich mehrheitlich studentische Kommunistische Basisgruppe Dortmund (KBG) bildeten, die sich später um den Rang einer örtlichen Vertretung der Kommunique-Gruppen stritten. Die anderen Fraktionen der ehemaligen KPD / ML-ZK Ortsgruppe scheinen über Diskussionszirkel nicht hinausgekommen zu sein.
Die ML Dortmund arbeiteten in einer Kommunistischen Fraktion im Ruhrgebiet für den Wiederaufbau der KPD mit, die sich zum allergrößten Teil später dem KBW anschloß.
Stützen konnte sich der KBW ebenfalls auf die Kommunistischen Gruppen (KG) Unna und Schwerte, wobei sich die Gruppe in Unna ab 1972 aus einer Kommunistischen Jugendgruppe Unna (KJG) gebildet zu haben scheint, während die Gruppe in Schwerte erst nach Gründung des KBW aufgebaut wurde.
Der KPD / ML gelang 1973 nach der Auflösung der KPD / ML-ZB eine Stabilisierung ihres Einflusses und der Aufbau einer relativ starken Betriebsgruppe bei Hoesch Dortmund, die gegen Ende des Untersuchungszeitraumes und darüber hinaus einige Jahre lang über zwei Betriebsräte der Revolutionären Gewerkschaftsopposition verfügte und vermutlich deutlich stärker als der KBW war. Diesem kam vermutlich noch nicht einmal der zweite Rang zu, denn der dürfte eher der KPD gebühren. Diese verleibte sich einerseits Anfang 1972 zumindest große Teile des Zentralrates Dortmunder Oberschüler ein, der vermutlich trotz seiner relativen Stärke für die rein betrieblich ausgerichteten KPD / MLs uninteressant gewesen war. Vermutlich mit Hilfe dieser Gruppe und durch Reisekader aus Berlin baute die KPD ihre Zelle bei Hoesch auf und entwickelte auch unter den Jugendlichen, besonders der Nordstadt, wo sie führend an dem Kampf um das Erich-Dobhardt-Haus beteiligte, rege Aktivitäten. Stützen konnte sie sich noch auf Gruppen in Lünen (ab Anfang 1974) und Kamen (ab Anfang 1973), wobei letztere zuvor vermutlich unter dem Einfluß der Kommunistischen Initiative Köln gestanden hatte.
Der KABD kam in Dortmund nie über eine Rolle am Rande hinaus, KB und AB gelangten erst nach Ende des Untersuchungszeitraums zu einer Präsenz.
In diesem Gebiet beherrschte zunächst die KPD / ML verstärkt durch Teile der Berliner Ruhrkampagne, bzw. ab April 1970 die KPD / ML-ZB durch den Anschluß der Betriebsgruppe 1 (B1) des SDS Bochum die Szenerie. Die B1 hatte Kontakt zu bzw. Einfluß auf ca. 40 Gruppen aus dem Ruhrgebiet und dem Sauerland, wobei zusätzlich auch noch Bochumer Mitglieder der Evangelischen Studentengemeinde (ESG), des SHB und der Basisgruppe Kritischer Katholizismus Bochum gewonnen werden konnten.
Die konkurrierende KPD / ML-ZK vermochte sich lediglich in Bochum auf eine recht rührige Betriebszelle bei Opel, dem wohl wichtigsten Betrieb dieses Gebietes, einen KSB / ML, der aus einem Teil des SDS / ML Bochum entstanden zu sein scheint, eine Rote Garde Bochum, sowie eine Rote Garde Castrop-Rauxel zu
stützen, während die KPD / ML-ZB allein mit 11 mir bekanntgewordenen Betriebsgruppen und verschiedenen Jugendgruppen aktiv war.
Noch weiter geschwächt wurde die KPD / ML-ZK durch die Verluste ihres a.o. Parteitages, aus denen sich in Bochum aus drei Gruppen die Kommunistische Gruppe Bochum (KGB), die sich ca. 1975 in Kommunistische Gruppe Bochum / Essen (KGBE) umbenannte sowie die erste Gruppe Marxisten-Leninisten Bochum herausbildete, während aus der Roten Garde Castrop-Rauxel die Marxisten-Leninisten Castrop-Rauxel hervorgingen.
Die Kommunistische Gruppe Bochum (KGB) vereinigte sich 1974 mit den ersten Marxisten-Leninisten Bochum und gewann auch einen Teil der Projektgruppe Laer, die dort Stadtteilarbeit betrieben hatte, für sich. Sie wurde vor allem durch ihre zeitweise bestimmende Mitarbeit in der Gruppe oppositioneller Gewerkschafter bei Opel Bochum (GOG), die eine Reihe Betriebsräte stellte, überregional bekannt, kam aber über eine gewisse Bedeutung bei Opel und in der Stadt kaum hinaus.
Die führende Rolle innerhalb der K-Gruppen dieses Gebietes fiel, nach dem Zerfall der KPD / ML-ZB, der KPD / ML zu, der sich die meisten weiterhin praktisch aktiven Gruppen der KPD / ML-ZB anschlossen, wobei allerdings einige Gruppen sich auflösten bzw. nur theoretische Arbeit betrieben.
Um den zweiten Platz dürfte eine gewisse Konkurrenz zwischen KPD und KBW geherrscht haben.
Die KPD baute ab ca. Herbst 1972 in Bochum ihren Studentenverband (KSV) vermutlich aus den Sozialistischen Abteilungsgruppen (SAG) heraus auf und scheint sich hauptsächlich mit dessen Hilfe sowie durch Berliner Kader ausgedehnt zu haben.
Der KBW konnte sich einerseits stützen auf die Sozialistischen Schülergruppen Nordrhein-Westfalen, die in Herne durch die, recht große Arbeitsgemeinschaft Sozialistischer Schüler Herne (ASS) und ihre 'Herner Schülerpresse' und in Bochum durch das ebenfalls recht ausgedehnte Schülerkollektiv / Marxisten-Leninisten (SK / ML) scheinbar weitgehend konkurrenzlos - zumindest auf dem ML-Sektor - vertreten waren.
Neben Teilen der Marxisten-Leninisten Castrop-Rauxel, die sich nach der Aufnahme der Dortmunder Mitglieder der Kommunistischen Fraktion im Ruhrgebiet für den Wiederaufbau der KPD (KFR) in den KBW im Jahre 1973, den Namen Kommunistische Gruppe Castrop-Rauxel (KG) zulegten, vermochte der KBW vor allem in Bochum aus dem Zerfall der 1972 wohl stärksten Studentengruppe der radikalen Linken an der Ruhruni, der Sozialistischen Abteilungsgruppen (SAG), die zeitweise den AStA stellten, Profit zu ziehen.
Aus diesen bildete sich ca. Anfang bis Mitte 1973 eine Kommunistische Hochschulinitiative (KHI) Bochum, die sich dem KBW zuordnete. Angeleitet wurde diese vor Gründung einer regulären Ortsgruppe des KBW durch ein Kommunistisches Kollektiv Bochum (KEB), weiches vermutlich weitgehend aus Mitgliedern der KHI gebildet wurde.
Ungefähr 1975 vermochte auch der KB in Bochum eine Gruppe zu gründen, die allerdings erst mit der Herausbildung der neuen sozialen Bewegungen, speziell der AKW-Bewegung eine gewisse Rolle spielte. Der KABD und der AB drangen erst später hauptsächlich durch Zuwanderung in dieses Gebiet vor.
An Konkurrenz auf dem Sektor der radikalen Linken sind vor allem die aus dem Zerfall der SAG entstandenen spontaneistischen Gruppen in Bochum, u.a. das vermutlich teilweise aus dem Bochumer Lehrlingskollektiv (BLK) entstandene Bochumer Schüler- und Lehrlingskollektiv (BSLK), sowie die in Bochum z.T. schon aus dem SDS hervorgegangenen Ableger des Internationalen Komitees der Vierten Internationale (Gruppe Junger Sozialisten, Junge Garde, 'Sozialistische Schülerzeitung'), zu nennen, die allerdings 1972 durch die Spaltung in Lambertisten (Internationale Arbeiterkorrespondenz) und Healyisten (Bund Sozialistischer Arbeiter) entscheidend geschwächt wurden. Die GIM vermochte sich dagegen bereits 1970 recht stark in Marl zu etablieren, nachdem die Marler Gruppe vorher noch über einen Anschluß an DKP bzw. KPD / ML-ZB beraten hatten.
Nachdem in Essen bereits 1969, in Anlehnung an die Berliner Rote Garde, eine örtliche Rote Garde entstanden war, schloß sich diese bei der Spaltung der EID / ML der KPD / ML-ZB an, die auch über eine recht starke Gruppe auf der Bottroper Zeche Prosper und weitere Gruppen in Oberhausen verfügte, wodurch sie Zeit ihrer Existenz in diesem Gebiet die stärkste K-Gruppe gewesen zu sein scheint, was auch durch den Austritt ihres Gründungs- und Führungsmitgliedes Peter Weinfurth, in Essen und dessen Organisationen Marxistisch-Leninistischer Bund (MLB) bzw. Marxistisch-leninistische Kommunisten Deutschlands (MLKD) nicht sonderlich gefährdet gewesen zu sein scheint.
Nach dem Zerfall der KPD / ML-ZB scheint sich ein Gleichgewicht zwischen der KPD / ML, die vermutlich Teile der KPD / ML-ZB für sich gewinnen konnte und der KPD, die besonders in Essen und Mülheim vertreten war, herausgebildet zu haben.
An der Gesamthochschule Essen scheint die Präsenz der einzelnen K-Gruppen so minimal gewesen zu sein, daß sich dort als vermutlich einzigartige Erscheinung ein Kommunistisches Hochschulbündnis (KHB) aus Mitgliedern fast sämtlicher Linien, u.a. auch der Kommunistischen Gruppe Bochum / Essen bildete. Dieses entstand allerdings erst ungefähr 1975, zu einer Zeit, als sich auch KABD, AB und KBW (durch die Kommunistischen Gruppen Essen und Oberhausen) in dem Gebiet ein wenig etablierten.
Wesentlich früher waren dort bereits verschiedene Fraktionen der Spartacusgruppen (hauptsächlich Spartacus / BL) vertreten, die sich im Herbst 1970 aus dem nicht zur DKP gegangenen Teil des Arbeitskreis Marxismus-Leninismus Essen (AKML) (hervorgegangen aus dem Republikanischen Club) und der, Anfang 1971 durch die Gruppe Roter Anfang Bonn (GRA) aufgebauten, Jungen Sozialistischen Garde Bottrop stärkten und zumindest in Essen recht einflußreich waren.
In Duisburg gab es relativ früh eine Gruppe der KPD / ML (die vermutlich durch Rekrutierungen von APO-Gruppen aus Homberg, Moers und Rheinhausen verstärkt wurde) und bei der Spaltung in KPD / ML-ZB und KPD / ML-ZK blieben beide Fraktionen am Ort präsent, wobei die KPD / ML-ZB allerdings bald zumindest einen Teil ihrer Mitglieder und ihres Jugendverbandes an die KPD / ML-Revolutionärer Weg um Willi Dickhut, Willi verlor, der diese im August 1972 in den KABD mitbrachte. Auch die KPD / ML-ZK wurde durch Abspaltungen in der Folge ihres a.o. Parteitages im Dezember 1971 geschwächt, wodurch die Marxisten-Leninisten Duisburg und die Marxisten-Leninisten Rheinhausen entstanden. Nachdem diese zunächst mit gleichnamigen Gruppen in Dortmund, Bochum und anderen Städten des Ruhrgebietes zusammenarbeiteten und sich wie Teile dieser Gruppen den späteren KBW-Gruppen annäherten, gliederten sie sich dann 1973 doch in die Nationale Konferenz bzw. Vierte Parteiaufbaufront (nach KPD / ML, KPD und KBW) ein, die z.T. wiederum die Marxisten-Leninisten Deutschlands (MLD) bildete.
Die in Duisburg örtlich stärkste Gruppe scheint, trotz dieser Abspaltung, dann doch wieder die KPD / ML geworden zu sein, da sie vermutlich ab Anfang 1973 zumindest Teile der KPD / ML-ZB für sich zu gewinnen mochte.
Um den zweiten Rang dürften sich der KABD, dessen Keimzelle u.a. durch Ausdehnung der Schülerarbeit von Düsseldorf nach Duisburg vergrößert wurde, und die KPD, die sich vermutlich hauptsächlich auf zugereiste bzw. Düsseldorfer Kräfte stützte, gestritten haben.
Erst nach Gründung des KBW bildete dieser auch in Duisburg eine zunächst kleine Gruppe, konnte sich aber auch die nahezu konkurrenzlosen Kommunistischen Gruppen Wesel (vermutlich erst 1975 entstanden) und Krefeld (bereits 1973 bestehend) sowie auf eine Kommunistische Schülergruppe Krefeld (KSG) stützen, wodurch er in den ländlichen Räumen dieses Gebietes und in Krefeld vermutlich zur stärksten K-Gruppe avancierte.
An der Gesamthochschule Duisburg scheint lediglich der KBW mit einem kleinen Kommunistischen Studentenbund (KSB) aktiv gewesen zu sein.
Die von Bonn aus Anfang 1971 aufgebaute Gruppe von Spartacus / Bolschewiki-Leninisten in Rheinhausen schloß sich später dem Bund Sozialistischer Arbeiter an.
In Düsseldorf bildeten sich zunächst Gruppen der KPD / ML-ZB und der KPD / ML-ZK heraus, wobei aber zumindest Teile der KPD / ML-ZB über die Zwischenformation KPD / ML-Revolutionärer Weg zum KABD gingen, während die KPD / ML-ZK ab Dez. 1971 zumindest einen Teil ihrer Mitglieder an die sog. Floriangruppe bzw. 'Alle Wege des Opportunismus führen nach Moskau' in Richtung der Marxisten-Leninisten Deutschlands verlor, sich aber durch Übernahme von Mitgliedern der KPD / ML-ZB nach deren Auflösung Anfang 1973 wieder stabilisieren konnte.
Stärkste Gruppe in Düsseldorf war die KPD, die dort neben Dortmund ihre erste westdeutsche Gruppe durch Übernahme des Zentralrates Düsseldorfer Oberschüler und Ansiedelung ortsfremder Kader aufbaute. Vermutlich entstammen eine ganze Reihe der örtlichen Betriebskader der KPD, die z.T. als Jugendvertreter arbeiteten, dem Zentralrat. Dieser war vermutlich neben der DKP-orientierten Gruppe Marxistischer Schülerbund (MSB) bzw. dem von ihm kontrollierten Arbeitskreis Düsseldorfer Schüler
(ADS) die stärkste Fraktion der örtlichen Schülerbewegung. Bemühungen des Zentralrates um eine Zusammenarbeit mit der KPD / ML-ZB waren zuvor vermutlich gescheitert, da diese an Schülern wenig Interesse hatte.
An der Uni Düsseldorf erreichte der KSV als stärkste Studentengruppe der K-Gruppen bei der Studentenparlamentswahl 1975 lediglich 86 Stimmen, während die anderen K-Gruppen während des Untersuchungszeitraumes gar nicht kandidierten.
Um den zweiten Rang in Düsseldorf selbst konkurrierten vermutlich KABD und KPD / ML, wobei sich der KABD zunächst u.a. auch auf eine Marxistisch-leninistische Schülergruppe (MLSG) stützen konnte und in Ratingen über eine Gruppe verfügte. Hierbei scheint der KABD insgesamt, u.a. durch Gewinnung des einzigen Betriebskaders der Roten Garde Rheinland und Zuzug aus Süddeutschland verstärkt, erfolgreich gewesen zu sein.
Im Umland war vor allem der KBW durch seine Kommunistische Gruppe in Velbert, die vermutlich 1973 aus der, den Sozialistischen Schülergruppen Nordrhein-Westfalen angehörenden Arbeitsgemeinschaft Sozialistischer Schüler (ASS) und zumindest Teilen der Betriebsgruppe Hülsbeck und Fürst (für deren 'HuF-Arbeiter' Reinhart Wagner von den ML Dortmund verantwortlich zeichnete) entstand, durch die Ende 1972 von Köln aus aufgebaute Studentengruppe in Mönchengladbach (Kommunistische Hochschulgruppe Köln / Mönchengladbach), die Abendschüler / Marxisten-Leninisten Neuß bzw. Basisgruppe Zweiter Bildungsweg Neuß bzw. Kommunistische Schülergruppe Neuß (KSG) und 1973 entstandene Sympathisantengruppen in Mönchengladbach, Rheydt, und Viersen aktiv, während die Kommunistische Gruppe Düsseldorf vermutlich erst gegen Ende 1974 gegründet wurde und 1975 nur 11 Mitglieder hatte.
Der AB war in diesem Gebiet nicht vertreten, der KB konnte erst gegen Ende des Untersuchungszeitraumes kleine Gruppen in Düsseldorf und Mönchengladbach aufbauen.
Bei der trotzkistischen Konkurrenz scheint sich, trotz anfänglichen Erfolgen durch die Arbeit von Bonner Spartacisten bzw. der Gruppe Roter Anfang Bonn in der Basisgruppe Lehrlingsausbildung Düsseldorf die GIM durchgesetzt zu haben.
In Aachen dürfte zumindest bis ca. 1974 keine der K-Gruppen sondern der eher lockere Zentrale Regionalverband der Basis- und Projektgruppen Aachen / Jülich die vorherrschende Strömung innerhalb der radikalen Linken gewesen sein.
Im K-Gruppen-Spektrum war die KPD / ML bzw. die KPD / ML-ZK zunächst Anfang 1970 durch den Gewinn einiger Mitglieder der DKP u.a. von der Zeche Anna in Alsdorf und auch durch eine Gruppe in Aachen selbst vermutlich die stärkste Kraft, machte allerdings nach dem a.o. Parteitag im Dez. 1971, der zur Abspaltung der Marxisten-Leninisten Aachen führte, nur noch wenig von sich reden.
Die Marxisten-Leninisten Aachen beschränkten sich weitgehend auf die Herausgabe der 'Roten Stimme', die die Texte der Sendungen von Radio Tirana verbreitete.
Ungefähr ab 1970 war auch der spätere KABD in Aachen mit einer Studentengruppe vertreten, die sich aber nicht sehr vergrößerte und fast ganz auf die Hochschule beschränkt blieb. Wichtiger dürfte die Entwicklung der Sozialistischen Betriebsprojektgruppe Aachen (SBPG) gewesen sein. An der Aktionseinheit zur Metalltarifrunde 1971 beteiligten sich aus Aachen sowohl eine SBPG / Linke Kommunisten, von der keine weitere Spur gefunden werden konnte, als auch eine SBPG / Marxisten-Leninisten.
Aus dieser gingen vermutlich sowohl eine Kommunistische Gruppe Aachen und Teile der örtlichen KPD hervor. Diese dürfte vor allem im Herbst 1973 durch ihr tatkräftiges Eingreifen in den wilden Streik bei Valvo / Philips, wo sie mit einer Betriebszelle arbeitete, zur stärksten K-Gruppe avanciert sein, wobei die örtlichen Kräfte durch Berliner Kader ergänzt wurden. An der Hochschule stützte sich der KSV der KPD auf die Rote Zelle Fachhochschule Aachen / Jülich, vor allem aber auf ausländische Verbündete. Die KPD war auch in Jülich und Düren vertreten.
Die zweite Rolle dürfte ab ca. Ende 1974 der KBW gespielt haben, der sich zunächst auf eine Kommunistische Hochschulinitiative (KHI), später auch auf ein vermutlich durch eine Spaltung der Kommunistischen Gruppe entstandenes Kommunistisches Kollektiv und einen Kommunistischen Kommunistischer Jugendbund (KJB) stützen konnte. Weiterhin verfügte er, allerdings erst gegen Ende des Untersuchungszeitraumes über recht rührige Gruppen im Kreis Heinsberg und auch in Euskirchen, wo sich die Kommunistische Jugendgruppe (KJG), die 1970 zu den vier Gründungsgruppen des KJO Spartacus-Regionalausschusses gehört hatte, mangels Ansatzpunkten bereits bald wieder aufgelöst hatte.
Die Kommunistische Gruppe Aachen schloß sich 1975, nach der Trennung von den KBW-Anhängern, dem AB an und konnte 1975 zumindest den dritten Platz, wenn nicht gar wie zuvor den zweiten Platz für sich behaupten.
In Köln bestand zunächst nach der Abspaltung der DKP-orientierten Mehrheit die örtliche SDS-Gruppe Köln über die Auflösung des Bundesverbandes hinweg fort. Sie unterteilte sich in eine Betriebsgruppe, die sich vermutlich bereits Anfang 1970 in eine kleine Anhängerschar der KPD / ML einerseits und eine Mehrheit mit operaistischer Tendenz andererseits spaltete.
Während die erste Gruppe zunächst Anschluß an die alte KPD / ML suchte, sich dann im März 1970 unter dem Namen Marxisten-Leninisten Köln selbständig machte, kurz mit der KPD / ML-Revolutionärer Weg liebäugelte und sich endlich 1971 in Kommunistische Initiative Köln (KIK) umbenannte, entstand aus der zweiten Fraktion vermutlich die operaistische Gruppe Arbeiterkampf, die ab 1973 auch an der Zeitschrift 'Wir wollen alles' mitarbeitete.
Zu dieser operaistischen Gruppe gesellten sich noch relativ starke anarchistische Kräfte um das Anarcho-Syndikat, die Heinzelmännchen, die Schwarze Hilfe Porz mit Jürgen Bodeux, Ana und Bela und die Randgruppenarbeit betreibende Sozialpädagogischen Sondermaßnahmen Köln (SSK), welche wohl den bundesweit erfolgreichsten Ansatz auf diesem Sektor darstellten und darstellen.
Weiterer Bestandteil des örtlichen SDS war das Internationalismus und Spätkapitalismusanalyse Kollektiv Köln (ISKAK bzw. ISKA), welches sich vermutlich gemeinsam mit der Sozialistisches Kollektiv-Fraktion (SOKO) der SDS-Hochschulpraxisgruppe 1972 dem KSV der KPD anschloß, wobei kurzzeitig als direkte Vorläufer- bzw. Sympathisantengruppen des KSV einerseits die Kommunistische Hochschulfraktion (KHF) und andererseits die hauptsächlich an der PH angesiedelte Sozialistische Organisation im Bereich der Ausbildung (SOBA) auftraten. Ergänzt wurden diese Kräfte vermutlich 1973 durch eine Jugendbetriebszelle bei Bayer Leverkusen, sowie 1972 zumindest zeitweise einen Vietnamausschuß in Bergisch Gladbach und eine Sympathisantengruppe des KJV in Hürth. Diese war vermutlich 1973 entstanden aus einer Spaltung der ehemaligen Basisgruppe Hürth in eine KPD- und eine KBW-Fraktion.
Die Minderheit der SDS Köln-Hochschulpraxisgruppe des SDS benannte sich zwischen Juni und November 1971 in Kommunistische Gruppe Köln (KGK) um, gliederte im Frühjahr 1972 eine Kommunistische Hochschulgruppe Köln, später Kommunistische Hochschulgruppe Köln / Mönchengladbach, aus und schwenkte auf die Linie des späteren KBW ein, trotz teilweiser Kritik an dessen Vorläufern und dessen Programm. Mit ihr zusammen arbeitete das 'Rote Schüler Forum, welches sich nicht nur den Kölner Schulen widmete sondern auch u.a. in Bergisch Gladbach, Gummersbach, Wermelskirchen und Türnich aktiv war. Aus diesem ging zumindest teilweise der 1973 gegründete Kommunistische Oberschülerbund des KBW hervor, während auch die ebenfalls ca. 1973 gebildete Kommunistische Gruppe Bergisch Gladbach / Bensberg und die KBW-Sympathisantengruppe Wermelskirchen hier einen Teil ihrer Wurzeln haben dürften. Desweiteren verfügte der KBW ab 1973 über eine Sympathisantengruppe in Hürth, eine Kommunistische Gruppe und einen Kommunistischen Oberschülerbund Bergneustadt / Gummersbach (KOB) und eine, vor allem in der Jugendzentrumsbewegung recht aktive Gruppe, in Opladen (Initiativgruppe / Kommunistischer Arbeiterjugendbund Opladen), die ab ca. 1974 auch bei Bayer Leverkusen arbeitete.
Nachdem 1970 anfänglich die GIM einen recht großen Einfluß in der Kölner APO gehabt hatte aufgrund ihrer Kontrolle über den Apparat des Unterbezirkes der Falken, scheint ab ca. 1972 die KG Köln die stärkste Kraft innerhalb der radikalen Linken und der K-Gruppen gewesen zu sein.
Dies änderte sich vermutlich etwas durch den Ford-Streik im Sommer 1973, in den die KPD mit ihrer dortigen Betriebszelle eingriff, während die KG Köln lediglich in anderen Betrieben arbeitete. Danach scheint sich, bis zum Umzug der Zentrale der KPD nach Köln im Jahre 1975, eher ein Gleichgewicht zwischen KBW und KPD ergeben zu haben.
Ab 1974 / 75 konsolidierte sich auch die KIK, der die KG Köln anläßlich des Ford-Streiks noch den Organisationscharakter abgesprochen hatte. Die KPD / ML bzw. die KPD / ML's spielten eher eine Rolle am Rande bzw. in Nippes, noch schwächer bzw. gar nicht vertreten waren AB, KB (von zeitweiliger Sympathie der KIK für ihn einmal abgesehen) und KABD.
In Bonn bildete sich spätestens Ende 1969 u.a. aus dem SDS eine Betriebsprojektgruppe (BPG) heraus, die gegen Ende 1970 nach ihren Zentralorganen auch Gruppe Arbeitermacht (GAM) genannt wurde.
Diese arbeitete zusammen mit der Lehrlingsgruppe Bonn. Innerhalb der BPG vollzog sich ca. im Juni 1970 eine Spaltung in die spätere GAM einerseits und die KPD / ML-ZB andererseits. Während die KPD / ML- ZB noch recht aktiv war, konnte nach deren Auflösung kaum eine weitere Aktivität der KPD / ML ausgemacht werden, so daß sich die Ortsgruppe der KPD / ML-ZB nicht der KPD / ML angeschlossen zu haben scheint. Lediglich in Troisdorf arbeitete später noch eine Gruppe, die hier ihren Ursprung gehabt haben könnte.
Die GAM begab sich, nach einigen Schwankungen, auf die Linie der KPD und bildete an der Universität aus den meisten der Ende 1969 bzw. Anfang 1970 entstandenen Roten Zellen im Herbst 1970 ein Unikollektiv der Roten Zellen, aus dem im wesentlichen ab Ende 1971 der örtliche Mitgliederstamm des KSV der KPD hervorging. Kurz vertreten im Unikollektiv war auch die Sozialistische Gruppe Bonn (SG), die im Herbst 1970 aus dem Kreis um die Zeitschrift 'Kritische Politik! hervorgegangen war, wobei es sich u.a. um Mitglieder des ehemaligen Bundesvorstandes des LSD gehandelt hatte. Diese bildeten sodann die Institutsgruppen Bonn, einen örtlichen Zirkel. Aus diesen entstand gegen Ende des Untersuchungszeitraumes die Gruppe Rheinische Zeitung Bonn (GRZ), die sich ab ca. 1976 in verschiedene Orte des Bundesgebietes und gar auch nach Berlin ausdehnte (wobei die dafür gewonnenen Gruppen allerdings schon während des Untersuchungszeitraumes eine gewisse Sympathie für die GRZ bzw. deren Vorläufer zeigten) und deren Nachfolger heute die Zeitschrift 'Revier' herausgeben.
Aus der Roten Zelle Germanistik (Rotzeg) entwickelte sich 1970 die Gruppe Roter Anfang (GRA) als trotzkistische Vertretung am Ort, die den Schwerpunkt ihrer Arbeit allerdings in anderen Städten (Bottrop, Düsseldorf, Essen) hatte, sich 1971 der KJO Spartacus anschloß und diese recht bald spaltete, wobei sie einen der Hauptbestandteile von Spartacus / Bolschewiki-Leninisten
Aus der Roten Zelle PH entstand die Initiative für eine Kommunistische Gruppe Bonn (IKG), die sich hauptsächlich dem Internationalismus zuwandte.
Über die vermutlich ab 1973 erfolgte Entstehung der KBW-Sympathisantengruppe, ihrer Kommunistischen Studentengruppe Bonn (KSG) und ihrer Kommunistischen Jugendgruppe Bonn (KJG) vermochte ich bisher nichts Näheres in Erfahrung zu bringen.
Den größten Einfluß innerhalb der radikalen Linken in Bonn scheint, bis zur 1975 stattgefundenen Abspaltung größerer Teile der Mitgliedschaft, die zunächst das Sozialistische Plenum Bonn, später die Kommunistische Gruppe Bonn bildeten, die KPD gehabt zu haben.
An der Universität kam vermutlich die zweite Rolle der Sozialistischen Gruppe zu, von der allerdings keine Versuche der Arbeit außerhalb der Hochschule bekannt wurden.
Von den K-Gruppen dürfte der KBW ab ca. 1974 die zweitstärkste Kraft gewesen sein, er hatte allerdings einige Probleme mit seiner Studentengruppe, die seinen Einfluß beträchtlich reduzierten.
Neben der KPD / ML als dritter Kraft traten der KABD erst spät, vermutlich gar außerhalb des Untersuchungszeitraumes, AB und KB vermutlich gar nicht auf.
In Wuppertal verfügte die KPD / ML bereits vor dem April 1970 über eine Rote Garde, die ihren Ursprung eventuell in einer im Herbst 1969 entstandenen Abspaltung der SDAJ, der Unabhängigen SDAJ (USDAJ) sowie einer durch die Betriebsgruppe 1 (B1) des SDS Bochum betreuten Schülergruppe hatte, sich dann dem KJVD der KPD / ML-ZB anschloß und sich nach deren Auflösung 1973 dem KBW zuwandte.
Die einzige bekanntgewordene Betriebszelle der KPD / ML-ZB in Wuppertal bestand weder in der relativ ausgedehnten Metallindustrie noch bei den großen Chemiebetrieben Bayer oder Enka sondern nur bei dem kleineren Chemiebetrieb Vorwerk und Sohn, wo nach der Auflösung auch die KPD / NIL tätig wurde, so daß ein Anschluß dieser Gruppe der KPD / ML-ZB an die spätere KPD / ML vermutet werden kann.. Die KPD / ML scheint sich hier im weiteren wesentlich auf Anhänger der befreundeten spanischen Frente Antifascista y Patriotica (FRAP) gestützt zu haben.
Die bis zur Spaltung der KPD / ML in KPD / ML-ZB und KPD / ML-ZK bestehende Gruppe in Solingen bestand vermutlich lediglich aus Willi Dickhut und seinem engsten Freundeskreis, die sich zunächst der KPD / ML-ZB, dann im Herbst 1970 der KPD / ML-Revolutionärer Weg und schließlich dem KABD anschlossen, aber wohl kaum örtliche Politik betrieben. Diese ging in Solingen zumindest ab 1972 eher von der KPD, ihren Vietnamausschüssen, der Liga gegen den Imperialismus und der, zumindest teilweise aus dem DKP-nahen Arbeitskollektiv Solinger Schüler (ASS) entstandenen, KOV- Sympathisantengruppe aus. Daneben arbeitete noch der KJV der KPD im Jugendzentrum (Projektgruppe Konflikt) und auch in Wuppertal
gab es eine Gruppe der KPD. Die KPD scheint zumindest in Solingen die örtlich stärkste K-Gruppe gewesen zu sein. In Wuppertal war dies vermutlich zumindest ab ca. 1973 / 74 der KBW, der damals zunächst eine Kommunistische Gruppe Wuppertal bildete, auch an der Gesamthochschule arbeitete und sich dadurch vermutlich zur zweitstärksten Kraft des gesamten Gebietes entwickelte. Die KPD / ML ist wohl eher als drittstärkste Gruppe anzusehen. Den vierten Rang dürfte der KABD eingenommen haben durch seine kleine Gruppe in Solingen und eine Gruppe des Bundes Kommunistischer Intellektueller (BKI) in Wuppertal.
AB und KB waren während des Untersuchungszeitraumes vermutlich überhaupt nicht vertreten.
Die trotzkistische KJO Spartacus vermochte zwar Mitte 1970 die, aus den Falken hervorgegangene, Kommunistische Jugendgruppe Wuppertal (KJG) für sich zu gewinnen, scheint aber, ebenso wie die relativ schwachen K-Gruppen, keinen besonderen Erfolg in diesem Gebiet gehabt zu haben, in dem der DKP-Einfluß außerordentlich stark war.
Auf der Konferenz der arbeitenden Gruppen im Ruhrgebiet im Dezember 1969, die von der Betriebsgruppe 1 des SDS Bochum organisiert wurde, waren u.a. eine Reihe von Gruppen aus dem Sauerland, die sog. Sauerlandfraktion vertreten, die sich später weitgehend der KPD / ML bzw. der KPD / ML-ZB anschlossen. Diese Gruppen bestanden vermutlich u.a. in Werdohl, Iserlohn und Lüdenscheid (Sozialistisches Zentrum), wobei in Lüdenscheid ca. im April 1970 eine Spaltung zwischen späterer KJO Spartacus und KPD / ML-ZB stattgefunden zu haben scheint.
Auch in Witten bildete sich aus dem bzw. im Republikanische Club Witten Club eine relativ starke Gruppe des KJVD der KPD / ML-ZB heraus, die auch in Hagen u.a. durch eine Betriebs- und eine Jugendbetriebszelle bei Klöckner arbeitete.
Die Gruppe in Hagen bestand schon vor der Spaltung der KPD / ML und hat vermutlich sogar einige Quellen in der alten KPD.
Solange die KPD / ML-ZB bestand dürfte sie relativ unbestritten die führende Rolle in diesem Gebiet eingenommen haben. Nach ihrem Zerfall gelang es der KPD / ML vermutlich nur teilweise die KPD / ML-ZB Gruppe in Witten zu übernehmen, wo sie selbst noch als KPD / ML-ZK über eine recht wichtige Betriebszelle bei Siemens verfügte. Zumindest ein Teil der ehemaligen KPD / ML-ZB Gruppe schloß sich dem KBW an.
In Hagen scheint eine solche Übernahme der KPD / ML-ZB nur teilweise geglückt bzw. durch den Verlust eigener Mitglieder beeinträchtigt gewesen zu sein. Nichtsdestotrotz dürfte die KPD / ML zumindest im Ennepe-Ruhr-Kreis die führende Rolle von der KPD / ML-ZB geerbt haben.
In Hagen hatten sich aus der KPD / ML-ZK bzw. der Roten Garde im Gefolge des a.o. Parteitages im Dez. 1971 die Marxisten-Leninisten Hagen gebildet, die in der Kommunistischen Fraktion im Ruhrgebiet für den Wiederaufbau der KPD die Gründung des KBW mittrugen, wobei sie sich zuvor noch unter den Namen Kommunistisches Metallkollektiv Hagen und Kommunistische Gruppe Hagen organisierten. Über weitere Kommunistische Gruppen verfügte der KBW in Witten (z.T. aus der KPD / ML-ZB kommend) und, allerdings wahrscheinlich erst gegen Ende des Untersuchungszeitraumes, in Iserlohn / Menden, wobei 1975 auch noch ein Soldaten- und Reservistenkomitee Hemer / Iserlohn gebildet wurde. Dadurch scheint der KBW ab ca. Ende 1974 zumindest den zweiten Rang eingenommen zu haben, der zuvor durch die KPD besetzt gewesen zu sein scheint, die sich ab ca. 1972 in Hagen u.a. durch die Lgdl und ihren KJV, sowie in Iserlohn durch die LgdI vertreten ließ. Inwiefern es sich bei der Gruppe in Iserlohn um diejenige handelte, die 1970 in Kontakt zu der Frankfurter Föderation Neue Linke stand, konnte bisher nicht ermittelt werden.
Erst gegen Ende des Untersuchungszeitraumes bzw. danach drang auch der KABD in dieses Gebiet vor. Der KB verfügte zeitweise über eine kleine Gruppe in Arnsberg. Der AB war gar nicht vertreten.
In diesem Gebiet hatte sich bereits im April 1967 ein Kreis um das Ehepaar Heuzeroth in der Freien Sozialistischen Partei / Marxisten-Leninisten (FSP / ML) zusammengefunden, der an den Gründungsvorbereitungen der KPD / ML teilgenommen hatte und sich dann allerdings nicht an der Gründung der KPD / ML beteiligte. Am Ort scheint dieser Kreis, der bis heute als Kreisverband Siegen / Olpe bzw. Kreisverband Siegen / Altenkirchen der KPD / ML tätig ist, aber nie irgendeiner KPD / ML angehörte, eher als exotische Bereicherung der Szene gedient zu haben.
Wesentlich wichtiger scheint eine Siegener Gruppe gewesen zu sein, die vermutlich durch eine ca. 1969 erfolgte Spaltung von SDAJ und DKP entstand und sich ca. 1972 unter dem Namen Kommunistische Arbeiter und Lehrlinge Siegen (KAL) auf die Linie der KPD begab. Dieser gelang es 1972 auch weitgehend das Sozialistische Zentrum Attendorn für sich zu gewinnen, welches zuvor zwischen KPD und KPD / ML-ZB geschwankt hatte, aber auch von der KJO Spartacus durch deren Gruppe in Lennestadt umworben worden war. Durch die Siegener Gruppe, die weitgehend die für K-Gruppen organisierbaren Kräfte am Ort, besonders im betrieblichen Bereich, umfaßt zu haben scheint, und auch durch die vermutlich recht konkurrenzlose Gruppe in Attendorn gelang es der KPD in diesem Gebiet eine Führungsrolle innerhalb der K-Gruppen einzunehmen, die auch ab 1973 noch durch eine Schülergruppe in Hilchenbach und eine Jugendgruppe in Olpe 'untermauert wurde.
Vermutlich erst ab ca. 1977 bekam die KPD, neben einer kleinen Vertretung der KPD / ML in Siegen eine halbwegs ernstzunehmende Konkurrenz in Form des KBW.
In Koblenz, dem größten Standort der Bundeswehr, wurde 1973 bereits wenige Wochen nach der Gründung des KBW, von diesem eine Ortsaufbaugruppe aus am Ort als Soldaten tätigen Mitgliedern gebildet, die zunächst in den Kasernen, später auch in Betrieben und ab ca. 1975 mit einem Kommunistischen Studentenbund (KSB) an den Hochschulen arbeitete.
Der KBW dürfte ab 1973 die stärkste Gruppe in diesem Gebiet gewesen sein, vorher bestand lediglich kurzzeitig eine Bundeswehrzelle der KPD / ML-ZB in Koblenz, die sich aber wahrscheinlich nicht über die Dienstzeit ihrer Initiatoren hinweg halten konnte.
Versuche der Bonner KPD / ML-ZB kurz nach ihrem Austritt aus der Betriebsprojektgruppe Bonn, sich im Herbst 1970 in den Raum Neuwied auszudehnen scheinen nicht sehr erfolgreich gewesen zu sein.
Weitere Bundeswehrzellen in Koblenz bauten auch die KPD / ML und ab ca. 1973 die KPD auf, wobei letztere in diesem Gebiet hauptsächlich durch die Kandidatur der Wählergemeinschaft "Kämpft mit der KPD" bei den Landtagswahlen 1975 und u.a. durch einen Rote Fahne Freundeskreis Neuwied tätig war. Die Aktivitäten der KPD scheinen aber eher kurzfristig gewesen zu sein und wurden nach der Wahl weitgehend eingestellt, so daß die führende Rolle des KBW kaum bedroht gewesen sein dürfte.
In Koblenz selbst waren auch noch ab ca. 1973 die GIM und der Spartacusbund in der Bundeswehr aktiv, wobei letzterer auch durch seine Mitarbeit an der Jugendzeitung 'Lopus' unter nicht-soldatischen Jugendlichen aktiv war.
In Trier bestand vermutlich seit der APO eine betrieblich arbeitende Gruppe, die sich, nach anfänglicher Zugehörigkeit zur KPD / ML-ZB, ca. 1972 unter dem Namen Kommunistische Arbeiter und Lehrlinge Trier (KAL) der KPD anschloß und teils gleichzeitig, teils erst ab ca. 1973 durch ein Hochschulkomitee des KSV an der Uni Trier sowie zumindest kurzzeitig aktive Gruppen in Wittlich, Zell (Rote Fahne Freundeskreis), Traben-Trarbach und Bitburg verstärkt und so vermutlich zunächst zur relativ einflußreichsten K-Gruppe dieses Gebietes wurde.
Zumindest gegen Ende des Untersuchungszeitraumes scheint sich allerdings auch der KBW, der schon 1973 über eine Sympathisantengruppe in Trier und ein Wahlbündnis Demokraten / Sozialisten - Rote Hilfe, ab 1974 Kommunistischer Studentenbund Trier (KSB), verfügte gegenüber der KPD durchgesetzt und Zellen und Jugendgruppen in mehreren Städten aufgebaut zu haben.
Aktivitäten der anderen K-Gruppen in diesem Gebiet wurden kaum bekannt.
In Mainz hatte sich im Oktober 1969 aus den betrieblich ausgerichteten Kräften des SDS eine Sozialistische Arbeiterbasisgruppe (SABG) herausgebildet, die mit einem Sozialistischen Arbeiter- und Lehrlingszentrum (SALZ) und einem Arbeitskreis Lehrlinge (AKL) zusammenarbeitete. Aus diesen gingen im zweiten Halbjahr 1970 die Marxisten-Leninisten Mainz hervor, die wie schon die SABG im Laufe des Jahres 1970 mit der KPD / ML zusammenarbeiteten und sich gegen Ende 1970 der KPD / ML-ZB anschlossen, wobei es zunächst zu keinen größeren Abspaltungen gekommen zu sein scheint. Die KPD / ML-ZB vermochte auch zumindest Teile der Marxisten-Leninisten Kreuznach und des dortigen Sozialistischen Arbeiter- und Lehrlingszentrums zu gewinnen und arbeitete ebenfalls bei Boehringer Ingelheim und an der Uni Mainz, wo sie
zeitweise den AStA stellte, was ihr vermutlich in den Jahren 1971 und 1972 die stärkste Stellung innerhalb der K-Gruppen dieses Raumes eintrug.
Die Mainzer Hochschulgruppe trennte sich allerdings im Zuge der ca. im Frühjahr 1971 erfolgten völligen Aufgabe der Hochschularbeit durch die KPD / ML-ZB von dieser und arbeitete ab Mitte bis Ende 1972 unter dem Namen Kommunistische Hochschulgruppe Mainz (KHG) mit der KPD zusammen.
In Bad Kreuznach scheint sich, neben der Herausbildung der Libertär-sozialistischen Arbeitsgemeinschaften Bad Kreuznach, auch eine Spaltung zwischen KPD / ML-ZB einerseits und KPD andererseits vollzogen zu haben. Im ersten Halbjahr 1970 hatte es dort um den 'Roten Rundbrief Diskussionen gegeben zwischen Gruppen aus Traben-Trarbach (s.o.), Kirn (Rote Zelle), Birkenfeld, Zell (s.o.), Bad Kreuznach, Kusel, dem Sozialistischen Schüler- und Lehrlingszentrum Sobernheim und dem Sozialistischen Arbeitskreis Idar-Oberstein (SAK).
In diesem Kreis intervenierten die ML Mainz und vermochten vermutlich Teile der Kreuznacher und der Idar-Obersteiner Gruppe zum Anschluß an die KPD / ML-ZB zu gewinnen. Die Kuseler Schülergruppe schloß sich ca. 1972 / 73 den Marxistisch-leninistischen Schülergruppen des KAB / ML bzw. des KABD an. Die restlichen Gruppen, die neben der Schülerarbeit auch zumindest atmosphärisch die DGB-Jugendgruppen des Kreisverbandes Nahe-Hunsrück beherrschten, begaben sich ab Dez. 1971 als Kommunistische Jugend Nahe-Mosel (KJ) auf die Linie der KPD (wobei es allerdings zu einer Spaltung kam) und dürften zumindest zeitweise eine gewisse Vorherrschaft dieser Gruppe in diesem Gebiet verursacht haben.
Diese Kräfte wurden ergänzt durch die ab 1972 entstehenden Vietnamausschüsse, später den KSV, an der Uni Mainz und ein dortiges Ortsjugendkomitee des KJV der KPD.
Die KPD / ML vermochte ab 1973 vermutlich lediglich den zweiten Rang nach der KPD einzunehmen, wobei sie sich fast ausschließlich auf ehemalige Gruppen der KPD / ML-ZB, nicht aber auf Gruppen, die bereits der KPD / ML-ZK angehörten, gestützt haben dürfte. Die Reste der KPD / ML-ZB, die sich 1973 vermutlich unter dem Namen Marxistisch-Leninistische Gruppe Mainz-Wiesbaden zunächst unabhängig gemacht hatten, wurden zudem nur teilweise von der KPD / ML übernommen, zumindest die Betriebsgruppe 'Roter Niethammer' MAN Gustavsburg gab erst im Mai 1974 unter dem Namen Kommunistische Gruppe 'Roter Niethammer' ihren Anschluß an den AB bekannt, was aber dem AB nicht unbedingt zu einer sonderlich starken Stellung verholfen haben dürfte.
Der KBW trat erst ca. 1975 mit einem Kommunistischen Studentenbund Mainz und einer Sympathisantengruppe in Mainz in Erscheinung und dürfte einen gewissen Einfluß erst 1975 bzw. danach erlangt haben.
Von KB und KABD wurden kaum Aktivitäten bekannt.
Auf trotzkistischer Seite hatte sich aus der antiautoritären Schülerbewegung Ende 1969 eine Rote Jugend Mainz entwickelt, die kurz der KJO Spartacus angehörte und bei deren Spaltung zu Spartacus / Bolschewiki-Leninisten überwechselte. Diese Gruppe scheint allerdings, ebenso wie kurzlebigen Gruppen der Frankfurter Föderation Neue Linke und des Marxistisch-Leninistischen Zentrums Hamburg (MLZ), kaum eine größere Aktivität entwickelt zu haben.
In diesem Gebiet, welches zumeist durch den Einfluß der jeweiligen Mannheimer Gruppen bestimmt wurde, war der KPD / ML-ZB vermutlich schon 1970 der Aufbau einer Betriebszelle bei BASF und bereits ca. Ende 1970 die zumindest teilweise Gewinnung einer Gruppe in Worms gelungen, die nach Auflösung der KPD / ML-ZB nach vorherigen Mitgliederverlusten weitgehend in der KPD / ML aufgegangen sein dürfte.
Der Roten Garde der KPD / ML-ZK war zuvor 1971 noch eine SAG (vermutlich Sozialistische Arbeitsgemeinschaft) Osthofen beigetreten, so daß bis ca. Mitte oder gar Ende 1973 die KPD / ML bzw. zuvor die KPD / ML-ZB die stärkste, wenn auch nicht weitaus stärkste Kraft gewesen sein dürfte.
Ab Ende 1971 aber hatte der KBW bzw. seine Vorläufergruppe Kommunistische Gruppe (Neues Rotes Forum) Mannheim / Heidelberg ihre Arbeit einerseits nach Speyer, andererseits nach Ludwigshafen ausgedehnt, wo sich dies u.a. durch die kurz nach der Gründung des KBW 1973 vollzogene Konstituierung einer Ortsaufbaugruppe und eines Kommunistischen Arbeiterjugendbundes, sowie Ende 1973 durch die Bildung einer Schülergruppe zeigte.
Auch die bereits im Mai 1971 bekanntgewordene SAG / ML (?) Worms trat 1973 bereits kurz nach Gründung des KBW als dessen Sympathisantengruppe auf, benannte sich allerdings vor dem Eintritt in den KBW im Dez. 1975 noch in Kommunistische Gruppe Worms um.
Eine Kommunistische Hochschulgruppe Osthofen bestand ebenfalls bereits bei Gründung des KBW und vermutlich schon zuvor.
Ab ca. Mitte 1974 entstand auch in Frankenthal eine Sympathisantengruppe des KBW, die sich vermutlich aus der Sozialistischen Gruppe und dem Sozialistischen Schülerbund Frankenthal entwickelte und eine Kommunistische Schülergruppe (KSG) anleitete.
Ab Ende 1973 dürfte der KBW dadurch eindeutig zur stärksten K-Gruppe dieses Gebietes avanciert sein, besonders da sich die Mannheimer Gruppen der KPD / ML's in verschiedenen Spaltungen zerschlissen, von denen teils der KBW selbst, teils die KPD profitierte.
Der KABD arbeitete vermutlich lediglich in Ludwigshafen, der KB verfügte erst gegen Ende des Untersuchungszeitraumes über eine Gruppe in Bergzabern.
In Speyer war anfänglich die GIM durch ihre Sozialistische Betriebsgruppe und deren 'Speyerer Betriebsreport' die stärkste Kraft am Ort.
In diesem Gebiet entstanden organisierte Vertretungen der K-Gruppen erst ab ca. Anfang 1975, während das Sozialistische Büro bereits ab 1970 mit einer betrieblich arbeitenden Gruppe in Kaiserslautern um die 'Werkstattnachrichten'. Verbindung hatte.
Die KPD gründete zur Landtagswahl 1975 einen Wahlausschuß "Kämpft mit der KPD", der allerdings keinen langen Bestand gehabt zu haben scheint. Im selben Jahr gründeten sich auch auf der Linie des KBW eine Kommunistische Gruppe (KG), eine Kommunistische Schülergruppe (KSG) und eine Kommunistische Hochschulgruppe (KHG), von denen bisher keine Vorläufergruppen bekannt wurden. Zumindest bei einigen führenden Mitgliedern der KG und des späteren KBW am Ort handelte es sich um Zugereiste. Mangels Präsenz von Konkurrenz dürfte der KBW 1975 trotzdem die stärkste K-Gruppe in diesem Raum gewesen sein.
Im Saarland hatte sich die grundlegende Spaltung der radikalen Teile des SDS zwischen einer operaistischen Fraktion, der späteren Rote Fahne Organisation (RFO) und den Marxisten-Leninisten abgespielt, wobei letztere sich noch 1970 dem KAB / ML und später dem KABD anschlossen.
Die RFO betrieb zumindest bis Ende 1974 eine recht breit angelegte betriebliche Agitation zunächst bei Röchling Völklingen, dann auch bei der Hadir St.Ingbert, Ford Saarlouis, Villeroy und Boch Mettlach und im Bergbau. Sie beteiligte sich ab 1973 an der Herausgabe der bundesweiten Zeitung der Operaisten, der 'Wir wollen alles'. Zumindest anfänglich hatte die RFO auch eine Arbeit unter Schülern und Lehrern geplant, ob sie diese aber wirklich aufnahm vermochte ich aus den mir bisher zugänglichen Materialien dieser Gruppe nicht zu ermitteln.
Die Gruppen des KAB / ML arbeiteten zunächst außer an der Uni Saarbrücken vor allem im Bergbau und auf der Halberger Hütte, vermochten aber im Herbst 1972 auch die zuvor unabhängige Schüler- und Lehrlingsgruppe Völklingen für sich zu gewinnen und ihre Arbeit auf nahezu das gesamte Saarland auszudehnen.
Inwiefern die RFO oder der KAB / ML bzw. KABD stärker waren war bisher nicht zu ermitteln, da beide Gruppen sich gegenseitig zumindest in den mir zugänglichen teilweise weitgehend vollständigen Betriebszeitungen nicht erwähnten.
Zumindest auf dem Sektor der K-Gruppen stand der KABD praktisch konkurrenzlos da, da die ab 1973 entstehende Vertretung der KPD sehr klein blieb und die KPD / ML und der KBW vermutlich erst gegen Ende des Untersuchungszeitraumes bzw. danach eindrangen.
Im Raume Merzig entwickelte sich ab Ende 1972 noch aus der SDAJ eine trotzkistische Gruppe, die zunächst mit der KJO Spartacus, dann mit Spartacus / Bolschewiki-Leninisten und später vermutlich mit dem Bund Sozialistischer Arbeiter zusammenarbeitete.
In Kassel wurde von der KPD / ML-ZB im Herbst 1970 eine Gruppe des KJVD aus zumeist zuvor unorganisierten Lehrlingen aufgebaut, wobei über die Herkunft der Initiatoren bisher nichts in Erfahrung gebracht werden konnte. Vermutlich trat diese Gruppe noch vor der bundesweiten Auflösung der KPD / ML-ZB; weitgehend zur KPD / ML-ZK über. Eventuell verstärkte sich diese Gruppe zuvor 1971 weiter durch Rekrutierungen aus den frühen Roten Panthern (hier ist nicht die Jugendorganisation der Sozialistischen Arbeitergruppe gemeint), die auch in Frankfurt und Marburg tätig waren, allerdings in ihrem Organ 'Roter Panther eher einen operaistischen Eindruck machen. Zumindest verfügten sowohl Rote Panther als auch die KPD / ML-ZB und die Rote Garde der KPD / ML-ZK über Betriebszellen bei der Spinnfaser AG und von weiteren Aktivitäten der Roten Panther oder anderer operaistischer Gruppen in Kassel wurde mir bisher nichts bekannt, erst ab Anfang 1974 bildeten sich die Sozialistischen Schüler und Studenten Kassel (SSK) heraus, die allerdings in ihren Publikationen trotz ihrer Zusammenarbeit mit der operaistischen Zeitschrift 'Wir wollen alles' keine besondere Neigung zur Betriebsarbeit zeigten, sondern eher zu den Hochschul- bzw. Schulspontaneisten zu rechnen sind. In diesen Bereichen allerdings dürfte ihr Einfluß relativ groß gewesen sein.
Nachdem die KPD / ML's anfänglich im K-Gruppensektor relativ unangefochten gewesen waren, bildete sich am 6.5.1973 ein Rote Fahne Freundeskreis Kassel / Hofgeismar (RFFK) der KPD, der seine Entstehung an einer Stelle u.a. als Folge der Abspaltung von 37 der 40 Mitglieder des DKP-Kreisverbandes, der sog. Ludwiggruppe, erklärte. Während es sich hierbei allerdings um die Arbeiter der DKP gehandelt haben soll, gibt der RFFK an anderer Stelle an, daß er lediglich einige Werktätige (d.h. Intellektuelle) aus der DKP rekrutieren konnte. Dies scheint der Wirklichkeit eher zu entsprechen, da die KPD in Kassel, mit Ausnahme einer Zelle bei VW in Baunatal, keine sonderlichen betrieblichen Aktivitäten entwickelte. Auch die Anhänger der KPD unter Studenten und Schülern scheinen nicht sonderlich zahlreich gewesen zu sein und wurden an Zahl vermutlich durch die des KBW übertroffen.
Dieser bildete aus einer Listenverbindung (Rote Liste) zu den Studentenparlamentswahlen heraus ca. Mitte 1973 einen Kommunistischen Studentenbund (KSB), der wiederum ab März 1974 mit dem Aufbau einer Ortsgruppe des KBW begann, wobei er vermutlich recht bald von einer Kommunistischen Arbeiterjugend / Aufbaugruppe (KAJ / AG) unterstützt wurde.
Ab ca. 1972 hatte sich auch in Eschwege durch Einflußnahme' des KB Göttingen eine kleine Kommunistische Gruppe gebildet, die auf der Linie des KBW arbeitete und sowohl über eine Schüler- als auch eine Arbeiterjugendgruppe verfügte. Der KBW dürfte vermutlich ab ca. Ende 1973 oder Anfang 1974 die stärkste K-Gruppe in Kassel gebildet haben, während die KPD / ML relativ an Einfluß verlor aber den zweiten Platz halten konnte, während die KPD den dritten Rang einnahm.
KB und KABD bauten erst gegen Ende des Untersuchungszeitraumes kleinere Gruppen auf. Der AB war nicht vertreten.
In Marburg bildete sich neben der DKP und den ihr nahestehenden Kräften um u.a. den 'Marburger Betriebsboten', die ihre Ursprünge evtl. in der Arbeitsgemeinschaft Sozialistische Opposition (ASO) bzw. der Arbeitsgemeinschaft für Gewerkschaftsfragen (AGF) haben, im K-Gruppenbereich ab ca. Anfang 1971 ein KSB / ML der KPD / ML-ZK heraus, der auch einige Versuche der Betriebsarbeit unternahm. Durch den a.o. Parteitag im Dezember 1971 machte sich diese Gruppe als Ernst Thälmann / Marxisten-Leninisten unabhängig, schloß sich aber im Laufe des Jahres 1972 wieder der KPD / ML-ZK an, die auch noch zumindest zeitweise über eine Rote Garde Waldeck und eine Rote Garde Marburg verfügte.
Im Jahre 1972 begab sich auch eine Kommunistische Hochschulorganisation Marburg (KHO), von deren Vorläufern bisher nur eine Gruppe Kommunistischer Pädagogen identifiziert werden konnte, auf die Linie der KPD. Die KPD vermochte ab Ende 1973 noch die Lehrlingsgruppe Marburg für sich zu gewinnen und dürfte sehr bald die KPD / ML an Einfluß überflügelt haben, besonders nachdem sie ca. 1974 auch noch eine Zelle in der Hessenkaserne in Stadt Allendorf aufgebaut und die Gründung der ÖTV-Soldatengruppe in Fritzlar und Homberg mitbetrieben hatte.
Der KBW scheint erst gegen Ende des Untersuchungszeitraumes ein wenig wichtiger geworden zu sein, besonders da er seine Kommunistischen Studenten Marburg (KSM), die vermutlich erst ab ca. 1973 entstanden waren, sehr bald wegen ideologischen Differenzen auflösen und als Kommunistischen Studentenbund (KSB) neugründen mußte.
Weit einflußreicher als die bereits erwähnten K-Gruppen, sowie die kleine Studentengruppe des KABD und die vermutlich erst nach 1975 entstandene Sympathisantengruppe des KB dürften die, allerdings auf die Universität Marburg begrenzten, Roten Zellen Marburg gewesen sein, die sich später der Marxistischen Gruppe anschlossen.
In diesem Gebiet scheinen zunächst die KPD / ML bzw. deren Fraktionen KPD / ML-ZB und KPD / ML-ZK die stärksten K-Gruppen gewesen zu sein, während sich später, teils erst nach 1973, auch KPD und KBW hier sehr eifrig betätigten und eventuell den Einfluß der KPD / ML zu neutralisieren vermochten.
Während die KPD / ML-ZK an der Uni Gießen vertreten war und in dieser Stadt auch eine Betriebsarbeit mit Zellen u.a. bei Bänninger und Schaffstaedt betrieb, hatte die KPD / ML-ZB ihr Schwergewicht in Wetzlar und den dortigen Betrieben Leitz und Buderus. Der KPD / ML-ZK gelang es Ende 1972 die Wetzlarer Ortsgruppe der KPD / ML-ZB als eine der ersten ZB-Gruppen auf ihre Seite zu ziehen, so daß sie, ergänzt durch Zellen bei Buderus Lollar und der Bundeswehr, eine relativ starke Position einnahm.
Die Konkurrenz in Form der KPD allerdings hatte sich im Laufe der Vietnamkampagne 1972 sowohl an der .Uni Gießen ausgebreitet, als auch die Marxistisch-leninistische Schülergruppe Gießen (nicht identisch mit der gleichnamigen bundesweiten Schülerorganisation des KAB / ML bzw. KABD) und das Kommunistische Schulkollektiv Limburg (KSK) für sich interessiert. Auch in Burg und Laubach verfügte die KPD zeitweise über Vietnamausschüsse und machte sich durch die Bildung einer Sympathisantengruppe Wetzlar ihres Jugendverbandes KJV ab ca. 1973 sowie durch eine Zusammenarbeit mit der Lehrlingsgruppe Wetzlar auch an die Betriebsarbeit.
Der KBW entwickelte sich ab 1973 einerseits aus der vermutlich ab Herbst 1971 bestehenden Kommunistischen Studentenorganisation Gießen (KSO), die sich später den Namen Kommunistischer Studentenbund (KSB) gab, und einer Kommunistischen Gruppe Wetzlar, die wenige Wochen nach Gründung des KBW als Ortsaufbaugruppe aufgenommen wurde. In Gießen bildete sich noch 1973 eine Initiativgruppe für eine Ortsaufbaugruppe des KBW, die aber erst im Dezember 1975 die Kriterien für eine Aufnahme in den KBW zu erfüllen vermochte.
AB, KABD und KB traten in dieser Gegend kaum bzw. gar nicht in Erscheinung.
Aus dieser Gegend wurden mir bisher nur wenige Aktivitäten der K-Gruppen bekannt. Zumindest in Hünfeld gab es zeitweise eine Gruppe der GIM, die vermutlich auch in Fulda, Bebra und Rotenburg vertreten war. In Fulda arbeitete vermutlich zumindest ab ca. Mitte 1973 der KBW an den Hochschulen und später auch in der Gummiindustrie, seine Gruppen in Hersfeld, Lauterbach und Alsfeld scheinen aber erst 1975 bzw. danach entstanden zu sein.
Der KABD vermochte durch ein Mitglied seiner Marburger Studentengruppe ab 1973 eine Sozialistische Arbeitsgemeinschaft Alsfeld aufzubauen, die den 'Roten Oberhess' herausgab.
Weitere Gruppen der K-Gruppen bzw. anderer Strömungen der radikalen Linken wurden mir bisher nicht bekannt. Lediglich ein Aktionskreis Jugendzentrum Bebra / Rotenburg kam in der operaistischen Zeitschrift 'Wir wollen alles' zu Wort.
In Frankfurt und den umliegenden Städten wie Wiesbaden, Offenbach, Hanau, Rüsselsheim, dem Taunus, der Wetterau und dem Main-Kinzig Kreis waren fast sämtliche Strömungen der radikalen Linken in irgendeiner Form vertreten.
Die örtlich stärkste Gruppe war stets der operaistische Revolutionäre Kampf (RK), der zunächst aus der Betriebsprojektgruppe des SDS Frankfurt hervorgegangen war und Betriebsarbeit vor allem bei Opel Rüsselsheim betrieb. Zwar hatte diese Gruppe lediglich ca. 40 Mitglieder, verfügte aber über einen Rückhalt in verschiedensten teils wechselnden anderen Gruppen wie dem Häuserrat, der Sozialistischen Hochschulinitiative (SHI), der Technologiegruppe dem Sozialdemokratischen Hochschulbund / Sozialistische Fraktion bzw. dem Sozialistischen Hochschulbund / Sozialistische Front, der Roten Hilfe, verschiedenen Stadtteilgruppen etc..
Neben der Arbeit bei Opel entstanden ab ca. 1973 auch Betriebsgruppen in der Frankfurter Metallindustrie, nachdem sich zuvor spätestens im Herbst 1972 schon zumindest Teile der Roten Arbeitergruppe Offenbach
(RAG) sowie vermutlich auch der Kommunistischen Offenbacher Zelle (KOZ) dem RK, angeschlossen hatten.
Dieser rekrutierte sich anfänglich u.a. aus führenden Mitgliedern des Frankfurter SDS.
Eher aus dem zweiten Glied des SDS und speziell aus dessen Lederjackenfraktion sowie vermutlich einigen Schülergruppen (Rote Garde Gagern, evtl. auch eine mir bisher nur gerüchteweise bekanntgewordene Rote Schülergewerkschaft Offenbach) bildete sich ab ca. Ende 1969 die erste Generation der KPD / ML heraus. An der Universität bildete sich ein KSB / ML, der allerdings vermutlich keinen besonderen Einfluß auf die nicht-naturwissenschaftlichen Fachbereiche gehabt zu haben scheint.
Die erste große Spaltung der KPD / ML im April 1970 in KPD / ML-ZB und KPD / ML-ZK scheint noch relativ wenig Auswirkungen gehabt zu haben.
Die von Mannheim, aus aufgebaute KPD / ML-ZB war fast ausschließlich in Rüsselsheim bei Opel und im Internationalen Jugendzentrum sowie bei Hoechst in Frankfurt-Höchst aktiv, wobei die Gruppe in Höchst eventuell aus der Arbeitsgruppe Höchst / Marxisten-Leninisten und nicht aus der früheren KPD / ML hervorging. Ebenso könnten die Vorläufer der Rüsselsheimer Gruppe evtl. in der Roten Zelle Rüsselsheim, zu finden sein, während andere Teile der KPD / ML-ZB aus der Roten Zelle Groß Gerau (ROTZEGG) entstammen. Ein Teil der Rüsselsheimer Gruppe der KPD / ML-ZB blieb unter dem Namen Marxistisch-leninistische Gruppe Rüsselsheim unabhängig und schloß sich erst 1976 wieder der KPD / ML an.
Die anfangs eher kleine Gruppe der KPD / ML-ZK in Frankfurt vergrößerte sich Ende 1970 sprunghaft, so daß statt bisher keiner Betriebszeitung plötzlich Zeitungen für die Metallbetriebe Adler, Naxos, Samson, Teves, Messer Griesheim und Opel Rüsselsheim sowie für Cassella und Hoechst herausgegeben wurden, die allerdings mit Ausnahme der Zeitungen für Opel, Cassella und Hoechst im Juni 1971 ebenso plötzlich ihr Erscheinen wieder einstellten. Wo die vermutlich ausgetretenen Mitglieder verblieben konnte bisher nicht genau geklärt werden, da dafür eine ganze Reihe bekanntgewordener oder auch unbekanntgebliebener Gruppierungen in Frage kommen, die teils auch erst mit dem a.o. Parteitag im Dez. 1971 entstanden.
Zu diesen in der Mehrzahl hauptsächlich theoretisch arbeitenden bzw. lediglich diskutierenden Gruppen zählten u.a. die Gesellschaft für deutsch-chinesisch-albanische Freundschaft, die Kommunistische Gruppe Wilhelm Wolff (KGWW), die Frankfurter Gruppe October, der Frankfurter Kampfbund / Marxisten-Leninisten (FKB / ML) und die sich erst 1974 wieder zu Wort meldende Gruppe Gegen die Strömung, die heute noch existiert.
Der FKB / ML scheint identisch mit den Frankfurter Marxisten-Leninisten (FML) gewesen zu sein, die u.a. bei Hoechst arbeiteten und ab 1973 die Gründung der Marxisten-Leninisten Deutschlands betrieben.
Vermutlich kurz vor dem a.o. Parteitag spaltete sich vom KSB / ML an der Uni eine Gruppe Marxistisch-Leninistischer Studenten (MLS) ab, die sich an der Linie der KSG / ML des KAB / ML bzw. später des KABD orientierte und sich auch recht bald in diese eingliederte. Sie verfügte vor allem an einigen Fachbereichen wie Chemie, Physik und Medizin zeitweise über einigen Einfluß, so daß sie dir, entsprechenden Fachschaften übernehmen konnte.
Die Frankfurter Ortsgruppen des KABD bzw. seiner Jugendorganisationen entstanden ansonsten nicht aus Frankfurter Personen sondern wurden von Mörfelden / Walldorf, wo von Darmstadt aus eine recht starke RJ / ML-Gruppe aufgebaut worden war und von Groß Gerau aus aufgebaut.
In Groß Gerau hatte die örtliche Rote Zelle vermutlich aufgrund von Interventionen der RJ / ML ihre bisherige Zeitung 'Vesper' eingestellt und stattdessen wurden ab Februar 1971 nach dem Anschluß der Lehrlinge und Jungarbeiter an die RJ / ML und der Schüler an die MLSG eine 'Jungarbeiter- und Lehrlingspresse' für Frankfurt und Groß Gerau sowie eine 'MLSG-Information' für das Prälat-Diehl-Gymasium herausgegeben.
Durch die Arbeitsaufnahme in Frankfurter Betrieben gelang es diesen Gruppen dort einige Betriebs- bzw. Jugendbetriebszellen u.a. bei T+N und Siemens aufzubauen, was aber lediglich zu einer eher bescheidenen Präsenz hinreichte. Eine Schülergruppe konnte durch den erst 1973 oder noch später erfolgten Anschluß der Roten Zelle Helmholtzschule (ROTZHELM) aufgebaut werden. Eine kleine Sympathisantengruppe des RJVD war ab 1973 in Wiesbaden tätig.
Wesentlich stärker als der KABD und nach der ersten großen Austrittswelle aus der KPD / ML-ZK wohl unangefochten wichtigste K-Gruppe in Frankfurt war der KBW bzw. seine Vorläuferformationen. Ihm gelang es vermutlich sogar, allerdings erst gegen Ende 1975 bzw. noch später, dem Einfluß des damals zerfallenden bzw. auf andere Politikkonzeptionen umschwenkenden RK nahezukommen.
Die Wurzeln des Frankfurter KBW begannen einerseits in der ersten Kommunistischen Gruppe (KG), die vermutlich aus dem SDS hervorgegangen war und Betriebsarbeit in Frankfurt und Offenbach, nicht aber bei Opel Rüsselsheim betrieb.
Von dieser spaltete sich eine Gruppe Marxistische Aufbauorganisation (MA0) ab, die sich ca. 1973 nach kurzer Unabhängigkeit zumindest teilweise dem RK anschloß.
Der Rest der KG gründete Ende 1972 gemeinsam mit Mitgliedern des örtlichen, nicht mit dem bundesweit auftretenden KSV identischen Kommunistischen Studentenverband (KSV) Frankfurt eine Kommunistische Gruppe Frankfurt / Offenbach, die sich noch 1973 in den KBW eingliederte.
Der örtliche KSV Frankfurt war im Sommer hervorgegangen aus verschiedenen Roten Zellen der Universität, besonders der Roten Zelle Pädagogik und Gruppen an anderen hauptsächlich sozial- und geisteswissenschaftlichen Fachbereichen. Er vermochte 1972 bei den Studentenparlamentswahlen immerhin 26% der Stimmen zu erzielen und den AStA zu bilden, erhielt 1973 allerdings nur noch 9, 6%.
Im Mai 1973 benannte sich diese Gruppe, um Verwechslungen mit dem mittlerweile auch in Frankfurt tätigen KSV der KPD zu vermeiden, in Kommunistischer Studentenbund Frankfurt (KSB) um. Anfang 1973 hatte sich von dieser Gruppe noch ein kurzlebiger Kommunistischer Bund / Marxisten-Leninisten Frankfurt (KB / ML) abgespalten, der sich aber nach dem Anschluß der Frankfurter Gruppen an den KBW zumindest weitgehend wieder in diese eingliederte.
Aus dem KSV Frankfurt und der Frankfurter Lehrergruppe wurde im Januar 1973 noch eine Kommunistische Lehrergruppe Frankfurt / Offenbach (KLG), bald darauf Gesellschaft zur Unterstützung der Volkskämpfe (GUV) genannt, ausgegliedert, die bei Wahlen zu den Gremien der GEW teilweise beträchtliche Erfolge zu erzielen vermochte.
Recht verworren ist die Entwicklun